WOHN- RAUM-VERSOR- GUNGS-KONZEPT - Stadt Buxtehude

Die Seite wird erstellt Alicia Heine
 
WEITER LESEN
WOHN- RAUM-VERSOR- GUNGS-KONZEPT - Stadt Buxtehude
WOHN-
RAUM-
VERSOR-
GUNGS-
KONZEPT
Kaiserstraße 22
44135 Dortmund

Fon 0231.39 69 43.0
Fax 0231.39 69 43.29

kontakt@ssr-dortmund.de
www.ssr-dortmund.de
WOHN- RAUM-VERSOR- GUNGS-KONZEPT - Stadt Buxtehude
WOHNRAUMVERSORGUNGSKONZEPT DER HANSESTADT BUXTEHUDE

Auftraggeber
Hansestadt Buxtehude
Fachgruppe Stadt- und Landschaftsplanung
Bahnhofstraße 7
21614 Buxtehude

Auftragnehmer
Schulten Stadt- und Raumentwicklung
Kaiserstraße 22
44135 Dortmund

Tel.: 0231.39 69 43-0
Fax: 0231 39 69 43-29
kontakt@ssr-dortmund.de
www.ssr-dortmund.de

Hinweis
SSR legt auf eine gendergerechte Schreibweise Wert und verwendet grundsätzlich
geschlechtsneutralisierende und geschlechterspezifische Formulierungen. Um die Lesbar-
keit zu unterstützen, wird als Ausnahme das generische Maskulinum genutzt. Sollte uns die
gendergerechte Schreibweise im Einzelfall nicht gelingen, sind selbstverständlich immer
gleichzeitig und chancengleich Frauen und Männer angesprochen.

Das Urheberrecht der verwendeten Bilder (sofern nicht anders angegeben) liegt beim
Auftraggeber und Schulten Stadt-und Raumentwicklung.

Stand
Dortmund, März 2016
WOHN- RAUM-VERSOR- GUNGS-KONZEPT - Stadt Buxtehude
1     EINLEITUNG                                                                4

2     DEMOGRAFIEPROFIL                                                          6

3     WOHNUNGSMARKTPROFIL                                                       12

4     MARKTSEGMENT PREISGÜNSTIGES WOHNEN                                        21

4.1   Nachfragefaktoren                                                         21
4.2   Angebotsstruktur                                                          27
4.3   Versorgungssituation und Bedarfslage                                      31

5     BEDARFSPROGNOSEN                                                          33

6     ZIELE                                                                     42

7     HANDLUNGSPROGRAMM                                                         44

7.1   Differenzierung der Angebotsstruktur durch Neubau                         44
7.2   Preisgünstige Wohnungen schaffen                                          50
7.3   Wohnbaulandreserven effizient nutzen                                      52
7.4   Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Wohnungsbestands                      55
7.5   Wohnungsmartksteuerung auf einen breiten Dialog stützen                   58
7.6   Informationsgrundlage einer nachhaltigen Wohnungsmarktsteuerung sichern   59
7.7   Prioritätensetzung im Handlungsprogramm                                   60
7.8   Empfehlungen zur Wohnbaufläche Giselbertstraße                            62

8     FAZIT                                                                     66

VERZEICHNISSE                                                                   67
WOHN- RAUM-VERSOR- GUNGS-KONZEPT - Stadt Buxtehude
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

1       EINLEITUNG

        Die Qualität des Wohnungsmarktes erweist sich als ein zentraler Standortfaktor für Städte
        und Gemeinden. Dabei werden Zielgruppenorientierung und nachfragegerechte Entwick-
        lungskonzepte für den Wohnungsneubau und die Anpassung der Bestände immer wichti-
        ger. Eine besondere Herausforderung stellt die Versorgung einkommensschwacher Haus-
        halte mit geeigneten Wohnraumangeboten dar. Zur Erweiterung des Wohnraumangebots in
        diesem Segment stellt das Land Niedersachsen Mittel der Wohnraumförderung bereit.

        Fördervoraussetzung für die Inanspruchnahme dieser Landesmittel ist das Vorliegen eines
        kommunalen Wohnraumversorgungskonzeptes. Laut dem niedersächsischen Wohnraum-
        förderprogramm muss dieses Konzept mindestens eine Bestandsaufnahme und -analyse
        des lokalen Wohnungsmarktes, eine Bedarfsprognose sowie geeignete Ziele und Hand-
        lungsansätze für den örtlichen Wohnungsmarkt beinhalten, um einen Förderbedarf zu
        begründen. Auf dieser Basis können dann Neubau von Mietwohnungen, Modernisierung,
        Erweiterung, Aus- und Umbau von Mietwohnungen oder auch Abriss und Ersatzneubau
        von unwirtschaftlichen Mietwohnungsbeständen gefördert werden.

        Wohnungsneubau und Anpassung der Bestände sind zentrale Themen von Wohnungswirt-
        schaft und Kommunen gleichermaßen. Zielgruppenorientierung sowie nachfrage- und
        bedarfsgerechte Bestandsentwicklung und Wohnungsneubau nehmen auch in einer
        wachsenden Stadt wie Buxtehude immer mehr an Bedeutung zu. Das Wohnraumversor-
        gungskonzept soll die Basis für eine strategische Steuerung des lokalen Wohnungsmarktes
        schaffen, um alle Bevölkerungsgruppen in Buxtehude in quantitativer, qualitativer und
        preislicher Sicht mit bedarfsgerechtem Wohnraum versorgen zu können.

        Parallel zum Wohnraumversorgungskonzept wird von der Hansestadt Buxtehude eine der
        letzten in zentraler Lage verfügbaren größeren Wohnbauflächen entwickelt. Die ca. 9,5 ha
        große Wohnbaufläche an der Giselbertstraße soll zukünftig als attraktiver Wohnstandort
        entwickelt werden. Aufbauend auf Analysen und Prognosen sollen im Rahmen des Wohn-
        raumversorgungskonzeptes Hinweise und Empfehlungen zur bedarfsgerechten Entwick-
        lung dieser Wohnbaufläche gegeben werden.

        Zusammenfassend lassen sich daher drei zentrale Aufgabenstellungen für das Wohnraum-
        versorgungskonzept Buxtehude formulieren:

         Schaffung einer erforderlichen Grundlage für die Beantragung von Wohnraumfördermit-
          teln des Landes Niedersachsen,
         Entwicklung einer Orientierungsgrundlage für die zukünftige Entwicklung von Woh-
          nungsangeboten und zur Steuerung der Wohnungsmarktentwicklung,
         Ableitung von Empfehlungen für die Entwicklung der Wohnbaufläche Giselbertstraße.

    4
WOHN- RAUM-VERSOR- GUNGS-KONZEPT - Stadt Buxtehude
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

Berichtsaufbau und Vorgehen
Die Dokumentation der durchgeführten Auswertungen, Berechnungen sowie die Entwick-
lung von Empfehlungen erfolgt in drei zentralen Arbeitspaketen, wie die folgende Abbildung
1 zeigt.

Grundlage für die Analyse des Wohnraumversorgungskonzeptes ist ein Mix aus quantitati-
ven und qualitativen Methoden. Neben der Auswertung von statistischen Quellen und
vorhandenen Marktgutachten und Berichten wurden zahlreiche Wohnungsmarktakteure
aus Buxtehude im Rahmen von Marktgesprächen an der Erarbeitung beteiligt. Erfahrungen
und Einschätzungen der befragten Akteure haben einen wichtigen Beitrag für die Analyse
des Marktes sowie die Ableitung von Bedarfen geleistet. Analyseergebnisse, Erkenntnisse
sowie Empfehlungen wurden sowohl mit der Stadtverwaltung als auch mit der Politik
(Ausschuss für Stadtentwicklung, Ortschaftsangelegenheiten und Umweltschutz) disku-
tiert. In das Konzept sind somit unterschiedliche Informationen eingeflossen, die sich
gegenseitig ergänzt und validiert haben. Die Analyse berücksichtigt als Vergleichsräume mit
der Hansestadt Buxtehude die nördlich benachbarte Hansestadt Stade und den Landkreis
Stade, zu dem auch Buxtehude gehört, sowie die südlich benachbarte, im Landkreis
Harburg liegende Stadt Buchholz in der Nordheide, welche eine vergleichbar gute Anbin-
dung an die Metropole Hamburg hat.

Abb. 1: Vorgehen und Methodik
Quelle: SSR

                                                                                              5
WOHN- RAUM-VERSOR- GUNGS-KONZEPT - Stadt Buxtehude
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

2       DEMOGRAFIEPROFIL
        Das Demografieprofil gibt einen Überblick über die wichtigen Kenngrößen der demografi-
        schen Entwicklung in Buxtehude. Dazu werden unterschiedliche Indikatoren für Buxtehude
        ausgewertet und in den regionalen Kontext eingeordnet.

        Einwohnerentwicklung
        Die Einwohnerzahl und ihre Veränderung stellen eine wichtige Determinante für die Analyse
        demografisch bedingter Nachfragefaktoren am Wohnungsmarkt dar. In der Hansestadt
        Buxtehude hat die Zahl der Einwohner in den letzten zehn Jahren um ca. vier Prozent
        zugenommen. Laut Statistischem Landesamt wurde Ende des Jahres 2014 ein Bevölke-
        rungsstand von ca. 39.800 Personen erreicht. Das kommunale Einwohnermelderegister
        weist eine Zahl von ca. 40.700 Personen aus. Diese Abweichung zwischen kommunalen
        und amtlichen Einwohnerzahlen ist ein bundesweit typisches Bild und ist auf die unter-
        schiedlichen Methoden der Datenerfassung zurückzuführen. Beide Datenquellen weisen
        aber für Buxtehude die für den Wohnungsmarkt entscheidende Entwicklung eines Wachs-
        tumstrends auf.

                         42.000
                                                                                                                                              40.751

                         40.000
                                                                                                                                                                                  40.659

                                                                                                                                                                                                    40.667
                                                                                                                                                                40.576
                                                                                                                            40.372
                                                                                                          40.187
                                                                                        40.142
                                                                      40.072
                                                    39.642
                                  38.888

                         38.000
             Einwohner

                         36.000

                         34.000
                                                                                                                                                       39.858
                                                                                                 39.522

                                                                                                                   39.542

                                                                                                                                                                         39.685
                                           38.335

                                                             38.882

                                                                                                                                     39.748

                                                                                                                                                                                                             39.792
                                                                               39.370

                                                                                                                                                                                           39.777

                         32.000

                         30.000
                                  2005 2006 2007 2008 2009 2010                                                                               2011              2012              2013              2014
                             Einwohnerzahl laut Einwohnermelderegister der Hansestadt Buxtehude
                             Einwohnerzahl laut Landesamt für Statistik Niedersachsen
        Abb. 2: Einwohnerentwicklung
        Quelle: LSN / Hansestadt Buxtehude

        Neben der quantitativen Zunahme hat sich auch die strukturelle Zusammensetzung der
        Einwohnerschaft verändert. Während die Zahl der Seniorinnen und Senioren, also der über

    6
WOHN- RAUM-VERSOR- GUNGS-KONZEPT - Stadt Buxtehude
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

65-Jährigen, um ca. 25 Prozent zugenommen hat, ist die Zahl der Kinder um ca. 7 Prozent
zurückgegangen (Beobachtungszeitraum 2005-2014).

Im regionalen Vergleich setzt sich die Einwohnerentwicklung in Buxtehude deutlich positiv
vom kreisweiten Trend ab. Zwar ist im gesamten Landkreis Stade seit der Jahrtausend-
wende ein stetiger Einwohnerzuwachs zu verzeichnen, in der Hansestadt Buxtehude war
aber (wie auch im südlich benachbarten, jedoch zum Landkreis Harburg zählenden Buch-
holz in der Nordheide) bis zum Jahr 2010 ein vielfach höheres Wachstum zu verzeichnen.
Beide Kommunen profitieren von ihrer Lage im direkten Umland Hamburgs sowie von der
guten verkehrlichen Anbindung an die Metropole.

Während der Wachstumstrend in Buchholz und im Landkreis Stade auch in jüngster Zeit
ungebrochen ist, hat sich die Einwohnerzahl in Buxtehude seit dem Jahr 2011 trotz des
Nachfragedrucks aus der Region auf dem erreichten Niveau verstetigt.

                                     110                                                       110
                                                                               "Zensusknick"

                                                                                                     Einwohnerentwicklung 2011-2014.
                                     108                                                       108
    Einwohnerentwicklung 2000-2010

                                     106                                                       106

                                                                                                          Index: Jahr 2011=100
         Index: Jahr 2000=100

                                     104                                                       104

                                     102                                                       102
                                           100
                                     100                                                       100

                                     98                                                        98

                                     96                                                        96

                                     94                                                        94

                                      Buxtehude   Stade   Buchholz in der Nordheide    Landkreis Stade

Abb. 3: Einwohnerentwicklung im regionalen Vergleich
Quelle: LSN

Wanderungsverhalten
Zurückzuführen ist die Bevölkerungszunahme in Buxtehude auf das Wanderungsverhalten.
Mit einem Wanderungsgewinn von durchschnittlich ca. 280 Personen pro Jahr (Ø 2005-
2014) konnten die Verluste durch die natürliche Entwicklung (Ø ca. -75 Personen p.a.)
mehr als kompensiert werden. In den Jahren 2013 und 2014 hat sich der Wanderungsge-
winn auf ca. 100 Personen pro Jahr mehr als halbiert und ist damit die Ursache für die mehr

                                                                                                                                       7
WOHN- RAUM-VERSOR- GUNGS-KONZEPT - Stadt Buxtehude
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

    oder weniger konstante Einwohnzahl. Aufgrund der aktuellen und anhaltenden Zuwande-
    rung von Flüchtlingen nach Deutschland kann davon ausgegangen werden, dass die
    Hansestadt Buxtehude auch vor diesem Hintergrund eine zusätzliche Nachfrage am
    Wohnungsmarkt erfahren wird.

    Anzahl und Struktur von Zu- und Fortzügen können durch kommunales Handeln in gewis-
    sem Maße beeinflusst werden. Attraktive Wohnungsmärkte mit entsprechend zielgruppen-
    gerechten Wohnungsangeboten können Zuzüge generieren bzw. Fortzüge reduzieren. Die
    Analyse der altersspezifischen Wanderungen gibt einen Hinweis auf die zentralen Zielgrup-
    pen am Buxtehuder Wohnungsmarkt:

     Starterhaushalte (18- bis 25-Jährige): Ein Großteil dieser Wanderungsgewinne ist auf
      Ausbildungszwecke zurückzuführen. Neben den am Ort wohnenden Studierenden der
      privaten Fachhochschule „hochschule 21“ sind es – darauf verweisen Wohnungsbe-
      standshalter in Buxtehude – auch Studierende aus Hamburg, die aufgrund der guten
      Verkehrs-anbindung und des vergleichsweise geringeren Preisniveaus Wohnalternativen
      in Buxtehude suchen.
     Berufseinsteiger (25- bis 30-Jährige): Anders als in vielen anderen Hochschulstandorten,
      wo die Angehörigen dieser Altersgruppe nach Abschluss ihrer Ausbildung wieder abwan-
      dern (und am Wohnungsmarkt „Platz“ für nachrückende Jahrgänge machen), kann
      Buxtehude hier deutliche Einwohnergewinne verbuchen. Zurückzuführen ist dieser
      Trend auf die starke wirtschaftliche Situation und das umfassende Arbeitsplatzangebot
      in der Region, sodass Berufseinsteiger in größerer Zahl am Ort verbleiben bzw. neu
      hinzuziehen. So verzeichnen die Vergleichsräume ebenfalls Gewinne in dieser Alters-
      gruppe.
     Erwerberhaushalte / Familien (30- bis 50-Jährige / in Kombination mit unter 18-
      Jährigen): Entgegen dem Trend der Region hat die Hansestadt Buxtehude im Beobach-
      tungszeitraum 2008-2014 in dieser Altersklasse durch Wanderungen Einwohner verloren.
      Unterteilt man den Saldo in unterschiedliche Zeitspannen, wird deutlich, dass die Verlus-
      te auf die Entwicklung in den Jahren 2013/2014 zurückzuführen ist. Der enge Woh-
      nungsmarkt und die vergleichsweise hohen Baulandpreise in Buxtehude haben laut Ex-
      perteneinschätzung dazu geführt, dass sich in jüngster Vergangenheit viele Familien und
      Paare in der Familienbildungsphase in das Umland orientiert haben.
     Senioren (65-Jährige und älter): Im Durchschnitt gewinnt die Hansestadt Buxtehude
      durch Wanderungen jährlich ca. 70 Personen in dieser Altersklasse. Dieser positive Saldo
      ist zum einen auf die Seniorinnen und Senioren zurückzuführen, die verstärkt in den
      integrierten Lagen der Stadt verbleiben wollen (geringer Fortzug). Zum anderen ist ein
      deutlicher Zuzugstrend zu beobachten, der sich z.B. daraus ergibt, dass gut situierte
      Senioren aus Eigenheimen im ländlichen Umland zuziehen; es sind aber auch Nachfrager
      aus dem Raum Hamburg, die sich aufgrund des dort angespannten Wohnungsmarktes
      unter anderem nach Buxtehude orientieren.

8
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

                                       50
  Wanderungssaldo je 1.000 Einwohner

                                       40
       im Zeitraum 2008-2014

                                       30

                                       20

                                        10

                                        0

                                       -10

                                       -20
                                             U 18      18 -u 25   25 -u 30 30 -u 50 50 -u 65        65 +
                                                                      Altersklassen
                                                    Buxtehude                       Stade
                                                    Buchholz in der Nordheide     Landkreis Stade

Abb. 4: Wanderungssaldo nach Altersgruppen im regionalen Vergleich
Quelle: LSN

                                       150
  Wanderungssaldo pro Jahr im

                                       100

                                       50
         Durchschnitt

                                        0

                                       -50

                                  -100

                                  -150

                               -200
                                             U 18      18 -u 25   25 -u 30 30 -u 50   50 -u 65      65 +
                                                                      Altersklassen

                                                2013-2014            2008-2014         2008-2011
Abb. 5: Wanderungssaldo nach Altersgruppen in Buxtehude
Quelle: LSN

                                                                                                           9
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

     Das räumliche Wanderungsmuster der Hansestadt Buxtehude verdeutlicht den starken
     Nachfragedruck aus der Region, der sich am Wohnungsmarkt in Buxtehude niederschlägt:

      Nahwanderungen Hamburg:
       Hamburg erlebt seit vielen Jahren ein anhaltendes Bevölkerungswachstum, das zu einem
       sehr angespannten Wohnungsmarkt und steigenden Marktpreisen geführt hat. Bedingt
       durch den nicht nachlassenden Nachfragedruck, das hohe Preisniveau und geringe Ver-
       sorgungsalternativen, orientiert sich ein Teil der Wohnungsnachfrager, die der Hambur-
       ger Wohnungsmarkt nicht mehr aufnehmen kann, auch in die Region. Dieses „Ausstrah-
       len“ der Nachfrage in den engeren Verflechtungsraum – die sogenannten
       „Überschwappeffekte“ – ist deutlich in Buxtehude spürbar. Allein im Jahr 2014 hat Bux-
       tehude durch seine Wanderungsverflechtungen mit Hamburg 136 Einwohner gewonnen.
       Unterschiedliche Zielgruppen (vom Studierenden bis zum zahlungskräftigen Senior)
       drängen aus Hamburg nach Buxtehude und verknappen dadurch das Angebot am loka-
       len Wohnungsmarkt.
      Fernwanderungen (Niedersachsen und Bundesgebiet):
       Die Metropolregion Hamburg ist eine der wachstumsstärksten Regionen Deutschlands.
       Die hohe Wirtschaftskraft und Dichte an Arbeitsplätzen führt zu Ausbildungs- und ar-
       beitsplatzbezogenen Zuwanderungen aus dem gesamten Bundesgebiet, die auch in
       Buxtehude spürbar sind.
      Nahwanderungen Landkreis Stade:
       Bei den Nahwanderungen sind neben persönlichen Gründen vor allem wohnwertorien-
       tierte Motive von hoher Bedeutung. Durch Verflechtungen mit dem Landkreis Stade hat
       Buxtehude in den Jahren 2011-2014 ca. 340 Einwohner verloren. Zurückzuführen ist dies
       darauf, dass diese Haushalte ihre Wohnwünsche in Buxtehude nicht realisieren konnten.
       Das betrifft neben Familien, die ihren Wunsch nach Wohneigentum in Buxtehude nicht
       umsetzten konnten, auch Haushalte mit geringeren Einkommen, die aufgrund des ge-
       stiegenen Preisniveaus in das Umland „ausweichen“ mussten.

10
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

                                                           Wanderungssaldo
   Verflechtungsregion                                                              2011-
                                             2011   2012        2013         2014
                                                                                    2014

Verflechtungen mit dem
                                             -41    -81          -51         -163   -336
Landkreis Stade

Verflechtungen mit dem
                                              19    46           -3          25      87
Landkreis Harburg

Verflechtungen mit den
übrigen Kreisen Nieder-                      36      5           64          152    257
sachsens

Verflechtungen mit der
                                             92     194          35          136    457
Stadt Hamburg

Verflechtungen mit dem
                                             390    -240         74          -42     182
übrigen Bundesgebiet

Wanderungen insgesamt                        496    -76          119         108    647
Tab. 1: Wanderungsverflechtungen Buxtehude
Quelle: Hansestadt Buxtehude

Zusammenfassung Demografieprofil
 Die Einwohnerentwicklung Buxtehudes profitiert von der Zuwanderungswelle in die
  Metropolregion Hamburg sowie von den „Überschwappeffekten“ aus der Metropole
  selbst. In den letzten Jahren ist ein deutlicher Anstieg der Wohnungsnachfrage in Buxte-
  hude zu erkennen. In jüngster Vergangenheit konnte der Markt diese zunehmende
  Nachfrage aus der Region nicht mehr aufnehmen.
 Der steigende Wanderungsdruck hat zu Verdrängungseffekten in Buxtehude geführt.
  Neben Familien suchen insbesondere Haushalte mit geringeren Einkommen Wohnalter-
  nativen im Umland.
 Die Anteile älterer Altersgruppen an der Bevölkerung in Buxtehude wachsen. Ansässige
  Haushalte alter Menschen verbleiben am Ort und immer stärker verlegen ältere gut
  situierte Haushalte aus dem Umland ihren Wohnsitz nach Buxtehude. Die demografische
  Alterung erfordert damit ein Handeln sowohl im Neubau als auch in der altersgerechten
  Anpassung von Wohnquartieren.
 Mit dem Fortzug von 30- bis 50-Jährigen, die ihre Wohnwünsche in Buxtehude nicht
  erfüllen können, geht der Stadt ein wichtiges demografisches Potenzial verloren. Neben
  der Schaffung altersgerechter Strukturen kommt es ebenso darauf an, Wohnraum für
  jüngere Generationen zu schaffen, damit diese Altersgruppen am Ort gehalten werden
  können.

                                                                                             11
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

3        WOHNUNGSMARKTPROFIL
         Das Wohnungsmarktprofil gibt einen Überblick über die wichtigsten Indikatoren am Woh-
         nungsmarkt. Dazu zählen neben der Bestandsentwicklung ebenso der Neubau sowie
         Preisentwicklungen.

         Wohnungsbestand
         Ende des Jahres 2014 gab es in der Hansestadt Buxtehude ca. 19.700 Wohnungen. Etwa
         die Hälfte der Wohnungen befindet sich in Mehrfamilienhäusern – ein vergleichsweise
         hoher Anteil, der den urbanen Charakter der Hansestadt Buxtehude im Vergleich zum
         Umland unterstreicht.

         Die Eigentumsquote – definiert als Anteil „vom Eigentümer selbst genutzter Wohnungen“
         am gesamten Wohnungsbestand – betrug im Jahr 2011 ca. 46 Prozent. Sie liegt damit im
         Durchschnitt des Landkreises, erreicht aber bei Weitem nicht den Eigentumsanteil der
         Nachbarstädte Stade und Buchholz in der Nordheide. Der Mietwohnungsmarkt in Buxte-
         hude ist damit von größerer Bedeutung. Er charakterisiert sich zudem durch einen ver-
         gleichsweise hohen Anteil an Kapitalanlegern (Anteil „von Privatpersonen vermieteter
         Wohnungen“ am gesamten Mietwohnungsbestand). Handlungsoptionen und Investitions-
         strategien der privaten Eigentümer bieten aus kommunaler Sicht jedoch wenig strategi-
         schen Handlungsspielraum. Investitionsentscheidungen bzw. -möglichkeiten sind stark
         renditeorientiert. Zudem besitzen viele Eigentümer nur geringes wohnungswirtschaftliches
         Know-how hinsichtlich der längerfristigen Bestandsentwicklung und Zielgruppenorientie-
         rung. So bestätigen befragte Marktexperten, dass Wohnungsmodernisierungen häufig nicht
         stattfinden, weil der aktuell angespannte Markt eine Vermarktung problemlos zulässt.

         Die vergleichsweise geringe Leerstandsquote ist ein Indikator für die Marktanspannung. Ein
         funktionierender Markt erfordert allerdings eine gewisse Menge an „Leerwohnungen“, die
         Umzugs- oder Modernisierungsaktivitäten erst ermöglichen. Diese „gesunde“ sogenannte
         Fluktuationsreserve liegt in der Regel bei ca. 3 Prozent. Die wenigen im Jahr 2011 leer
         stehenden Wohnungen in Buxtehude (2,2 %) waren demnach nicht einmal ausreichend, um
         die Fluktuationsreserve zu decken. Zudem ist davon auszugehen, dass in den letzten
         Jahren aufgrund des hohen Nachfragedrucks eine weitere Verdichtung des Marktes
         stattgefunden hat.

    12
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

                                           Buxtehude   Buchholz i.d.   Stade       Landkreis
                                                        Nordheide                    Stade

 Wohnungen in Wohn- und
 Nichtwohngebäuden                          19.708        18.983       23.703       94.507
 (Stand 31.12.2014)

 Anteil Wohnungen in
 Mehrfamilienhäusern                         51 %          33 %        46 %           31 %
 (Stand 31.12.2014)

 Eigentumsquote
                                             46 %          58 %        55 %          46 %
 (Stand 2011)

 Kapitalanleger
                                             33 %          28 %        30 %          26 %
 (Stand 2011)

 Wohnungsleerstand
                                             2,2 %         2,1 %       3,8 %         2,8 %
 (Stand 2011)
Tab. 2: Wohnungsmarktbestandsindikatoren
Quelle: LSN / Zensus 2011

Neubau
Die Auswertung der Bautätigkeit in Buxtehude erfolgt auf Grundlage der bei der Stadt
registrierten Baufertigstellungen. Für den Vergleich mit der Region werden Daten des
Statistischen Landesamtes herangezogen, die für einzelne Jahre zwar leicht von den
kommunalen Daten abweichen, den Entwicklungstrend in der Summe jedoch widerspiegeln.

Das Fertigstellungsniveau in der Hansestadt Buxtehude schwankt zwischen 55 Wohnungen
im Jahr 2008 bis zu 274 Wohnungen im Jahr 2015. Im Durchschnitt waren es somit ca. 170
Wohnungen, die jedes Jahr in der Stadt Buxtehude neu errichtet wurden.

Im Vergleich mit der Region lag die Bauintensität (fertiggestellte Wohnungen je 1.000
Einwohner) in Buxtehude im Zeitraum 2005-2014 leicht über dem Niveau des Landkreises
Stade. Betrachtet man nur die letzten drei zurückliegenden Jahre, ergibt sich für Buxtehu-
de eine durchschnittliche Bauintensität von 4,3 Wohnungen je 1.000 Einwohner, während
die Bauintensität im Landkreis bei ca. 4,7 Wohnungen lag. Im Landesdurchschnitt wurden
im selben Zeitraum nur ca. 2,9 Wohnungen je 1.000 Einwohner errichtet.

                                                                                               13
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

                                                    300

                                                                                                                               274
                                                    250
                        Fertiggestellte Wohnungen

                                                                     231

                                                    200

                                                                                                   215

                                                                                                                        195
                                                                                                           175
                                                             172

                                                    150
                                                                                     145

                                                                                            130

                                                    100

                                                                                                                 96
                                                     50
                                                                               55

                                                         0

                                                                               Baufertigstellungen Wohnungen

     Abb. 6:Baufertigstellungen Wohnungen in Buxtehude
     Quelle: Hansestadt Buxtehude

                                                    10
        Baufertigstellungen je 1.000 Einwohner

                                                    9
                                                    8
                                                    7
                                                    6
                                                    5
                                                    4
                                                    3
                                                    2
                                                     1
                                                    0

                                                         Buxtehude         Stade    Buchholz in der Nordheide    Landkreis Stade

     Abb. 7: Baufertigstellungen Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden – regionaler Vergleich
     Quelle: LSN

14
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

Die zusätzlichen Wohnalternativen im Umland haben – in Kombination mit den dort niedri-
geren Bodenpreisen – zu einer Abwanderung von Erwerberhaushalten und insbesondere
von Familien geführt. Die Bodenpreise der umliegenden Landgemeinden liegen zwischen
98 und 145 €/m² in den guten Lagen – und mit ca. 120 €/m² im Durchschnitt halb so hoch
wie in der Hansestadt Buxtehude (240 €/m²). Selbst bei einem kleineren Grundstück von
rd. 350 m²für den Bau eines frei stehenden Einfamilienhauses ergibt sich allein durch das
geringere Bodenpreisniveau im Umland ein Einsparpotenzial von ca. 42.000 €.

Eine deutliche Konzentration der Bautätigkeit auf ein Segment ist in der Vergangenheit in
Buxtehude nicht zu beobachten, wenngleich das Fertigstellungsniveau von Wohnungen in
Mehrfamilienhäusern höher liegt als bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Im Vergleich zur
Region ist das Fertigstellungsniveau mit 1,2 Wohnungen pro 1.000 Einwohner im Einfamili-
enhaussegment als unterdurchschnittlich zu bezeichnen; es lag im Landkreis Stade in
diesem Segment mehr als doppelt so hoch. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass das
Segment der Miet- und Eigentumswohnungen in den Landgemeinden auch eine nur unter-
geordnete Rolle spielt und sich die Bautätigkeit daher dort auf Ein- und Zweifamilienhäuser
konzentriert. Die Kreisstadt Stade weist ein ähnlich hohes Niveau wie Buxtehude auf.

Mit 2,4 Wohnungen pro 1.000 Einwohner im Geschosswohnungsbau verzeichnet Buxtehu-
de die höchste Bautätigkeit im Vergleich zur Region. Das Fertigstellungsniveau reicht aber
nicht aus, um den Nachfragedruck aus der Region aufzufangen. Der Neubau hat sich laut
Experteneinschätzung in den vergangenen Jahren auf Eigentumsmaßnahmen im oberen
Preissegment konzentriert. Neubau im preisgünstigen Segment hat nicht stattgefunden.

 Fertigstellungen                           Buxtehude       Buchholz i.d.   Stade   Landkreis
 je 1.000 Einwohner                                          Nordheide                Stade
 (Ø 2011-2014)

 Wohnungen in Ein- und                            1,2            3,9         1,4       2,6
 Zweifamilienhäusern

 Wohnungen in Mehr-                               2,4            2,3         1,3       1,3
 familienhäusern
Tab. 3: Baufertigstellungen von Wohnungen in Wohngebäuden
Quelle: LSN

Preisentwicklung
Eine hohe Kaufaktivität findet in Buxtehude am Markt für Eigentumswohnungen statt. Im
Jahr 2013 wurden laut Grundstücksmarktbericht ca. 170 Eigentumswohnungen verkauft,
darunter sowohl Bestandswohnungen als auch neu errichtete Wohnungen. Die hohe
Kaufaktivität ist nicht verwunderlich, wenn man das steigende Preisniveau und damit hohe
Gewinnspannen bei Kauf und Verkauf bzw. hohe Renditen bei Vermietung der Wohnung
betrachtet.

                                                                                                15
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

     Das Preisniveau neu gebauter Eigentumswohnungen liegt laut ImmobilienScout24 im Jahr
     2015 bei durchschnittlich ca. 2.900 €/m². Eine Stichtagsauswertung der Immobilien-
     Scout24-Datenbank verweist auf Angebotspreise oberhalb von 3.000 €/m². Das Preisni-
     veau ist damit als sehr hoch einzuordnen. Die anhaltend hohe Nachfrage am Markt hat die
     Immobilienpreise in den zurückliegenden Jahren stark ansteigen lassen. So verweist die
     ImmobilienScout24-Datenbank auf einen Preisanstieg von ca. 25 Prozent im Zeitraum
     2012-2015. Weitere Marktberichte bestätigen diese Entwicklung. So verweist der LBS-
     Immobilienatlas 2015 auf einen Preisanstieg von ca. 45 Prozent für neu gebaute Eigen-
     tumswohnungen in den Jahren 2010-2015. Befragte Marktexperten verweisen teilweise auf
     die Gefahr einer „Überhitzung“ des Marktes.

     Einen deutlichen Hinweis auf die extrem starken Preisentwicklungen am Markt ergibt
     insbesondere ein Blick auf das Bestandssegment. Selbst Wohnungen mit geringen Quali-
     tätsstandards erzielen hohe Kaufpreise. Zudem nähern sich die Kaufpreise für Bestands-
     wohnungen langsam denen für Neubauten an. So erzielten mehr als zehn Jahre alte
     Eigentumswohnungen (Baujahr 2002) laut Grundstücksmarktbericht einen Kaufpreis von
     durchschnittlich ca. 2.370 €/m². Der LBS-Immobilienatlas verweist auf einen Preisanstieg
     von ca. 35 Prozent im Zeitraum 2010-2015 und maximale Immobilienpreise von 3.280 €/m²
     im Bestand.

     Abb. 8: Preisentwicklung von Eigentumswohnungen in Buxtehude
     Quelle: ImmobilienScout24

     Für Mieterhaushalte entscheidet die durchschnittliche Miethöhe in verschiedenen Lagen
     der Stadt darüber, wo sie sich angemessen mit Wohnraum versorgen können. Ein Miet-
     spiegel liegt für die Hansestadt Buxtehude nicht vor. Das durchschnittliche Mietniveau lässt
     sich daher nicht genau definieren, Hinweise geben die Angebotsdatenbank des Immobilien-
     Scout 24 sowie Angaben der befragten Marktexperten. Das durchschnittliche Mietniveau
     liegt laut ImmobilienScout24 in Buxtehude bei ca. 7,90 €/m². Seit dem Jahr 2011 ist damit
     ein Preisanstieg von ca. 12 Prozent zu verzeichnen. Mietpreise im Landkreis und auch in der

16
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

Kreisstadt Stade liegen um ca. 1 €/m² unter diesem Niveau. Zudem sind hier nicht die für
Buxtehude feststellbaren starken Mietpreissteigerungen ablesbar. Neu gebaute Mietwoh-
nungen werden für durchschnittlich 10,50 €/m² am Markt angeboten. Befragte Marktex-
perten bestätigen dieses Preisniveau, verweisen zudem auf Einzelobjekte, die in entspre-
chend guter Lage und Ausstattung Mietpreise von bis zu 12 €/m² aufrufen.

Eine preisgünstige Versorgungsalternative bietet die Wohnungsbaugenossenschaft, die
eine durchschnittliche Miete von ca. 5,60 €/m² für ihre Wohnungsbestände angibt. Mit
ihren ca. 600 Wohnungen hat sie jedoch nur einen kleinen Anteil am Mietwohnungsmarkt
von Buxtehude.

                                  10,00
                                  9,50
   Angebotsmiete €/m² nettokalt

                                  9,00                8,68            8,48                         8,50
                                  8,50
                                           7,88                                                   7,89
                                  8,00
                                                                      7,65
                                                      7,35
                                  7,50
                                          7,05        6,90            6,93                         6,90
                                  7,00
                                           6,55
                                  6,50                6,83            6,78                         6,80
                                           6,43
                                  6,00
                                  5,50
                                  5,00
                                           2011       2012            2013           2014          2015
                                          Buxtehude     Kreis Stade          Stade          Buchholz

Abb. 9: Mietpreisentwicklung in Buxtehude
Quelle: ImmobilienScout24

Als Grundlage für die Einführung der Mietpreisbremse in Niedersachsen hat die NBank im
Rahmen ihrer „Analyse zur Festlegung der Gebietskulisse für eine Mietbegrenzungsverord-
nung in Niedersachsen“ die Hansestadt Buxtehude als eine von zwölf Kommunen identifi-
ziert, in denen eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Mietwohnraum beson-
ders gefährdet ist. Das Land plant daher, die Hansestadt Buxtehude in die folgenden neu zu
schaffenden Rechtsverordnungen einzubeziehen:

 Mietpreisverordnung nach §556d Abs. 2 BGB (Mietpreisbreme)
  Die Miete darf dabei bei Beginn des Mietverhältnisses die ortsübliche Vergleichsmiete
  um maximal 10 Prozent überstiegen. (Dies gilt nicht für Erstvermietungen nach Neubau
  oder umfassender Sanierung).

                                                                                                          17
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

      Kappungsgrenzenverordnung nach §558 Abs. 3 S. 3 BGB
       Die Miete darf bei bestehenden Mietverhältnissen innerhalb von drei Jahren um nicht
       mehr als 15 Prozent erhöht werden.
      Kündigungssperrfristverordnung nach §577a Abs. 2 S. 2 BGB
       Die Kündigungssperrfrist verlängert sich nach Umwandlung von Mietwohnungen in
       Eigentumswohnungen (z.B. aufgrund von Eigenbedarf) von drei auf fünf Jahre.

     Flächenreserven
     Die Bereitstellung von Bauland ist nicht nur erforderlich, um den Wohnungsbedarf der
     ansässigen Bevölkerung zu decken, sondern ist auch Voraussetzung dafür, zusätzliche
     Einwohner für die Stadt zu gewinnen und mit Wohnraum versorgen zu können. Auf diese
     Weise kann dem vorhandenen Nachfragedruck ein entsprechendes Angebot entgegenge-
     setzt werden. In der Hansestadt Buxtehude lassen sich aktuell realisierbare Flächen für ca.
     1.700 Wohneinheiten identifizieren. Die Flächenreserven unterscheiden sich nach:

      Wohnbauflächenreserven aus dem Flächennutzungsplan: Mit Stand vom 23.02.2016
       konnte im Flächennutzungsplan 2010 ein verbleibendes Baulandpotenzial für insgesamt
       fast 400 Wohnungen identifiziert werden. Knapp die Hälfte davon ist dem Segment für
       Einfamilienhäuser zuzuordnen.
      B-Plan-Flächen: Als B-Plan-Flächen werden die Flächen zusammengefasst, für die
       bereits B-Pläne vorliegen oder derzeit in Aufstellung oder Planung sind. Für das Bauge-
       biet Hedendorf wurde z.B. die verdichtete Variante des Entwurfs für „dörfliches Wohnen
       an der Reith“ herangezogen. Für das Gebiet Giselbertstraße wurden, entsprechend der
       Prognose zum Flächennutzungsplan 2010, ca. 300 Wohneinheiten für die Berechnung
       berücksichtigt. Insgesamt können auf Grundlage der aktuellen Bebauungsplanung vo-
       raussichtlich ca. 400 Wohneinheiten realisiert werden.
      Innenentwicklungspotenziale: Im Innenentwicklungskonzept werden Flächen identifiziert,
       die brach liegen oder die Nachverdichtungspotenziale aufweisen. Insgesamt besteht ein
       Baulandpotenzial für ca. 1.030 Wohneinheiten, z.B. auf überdimensionierten Friedhöfen,
       mindergenutzten Spielplätzen oder bisherigen landwirtschaftlichen Flächen. Dieses „the-
       oretische“ Potenzial lässt sich aber nur umsetzen, wenn keine Mobilisierungshemmnisse
       bestehen. Solche Hemmnisse sind z.B. baulich-technisch bedingt, insbesondere aber
       durch Eigentümer und Eigentümergemeinschaften, die sich nicht zu einer Neunutzung
       durchringen können. Dies betrifft vor allem die Nachverdichtungspotenziale, die in grö-
       ßeren Privatgärten identifiziert wurden.
       Wie viele der potenziellen Flächen tatsächlich bebaut werden (können), kann nur schwer
       eingegrenzt werden. Eine vorsichtige Schätzung zugrunde gelegt, können mindestens
       40 Prozent der Flächen (410 WE) nicht zeitnah für Wohnungsbau genutzt werden.
      Ortsentwicklungspotenziale: In den Jahren 2005/2006 wurden die Ortsentwicklungs-
       konzepte „Ovelgönne/ Ketzendorf“ und „Eilendorf/Immenbeck“ aufgestellt. Mit Stand
       vom 23.02.2016 lassen sich hier in Zukunft noch ca. 250 Wohneinheiten realisieren.

18
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

 Flächenreserven                                              Anzahl WE              Anzahl WE in Anzahl WE in
                                                              insgesamt                  EFH         MFH

 Flächenreserven gemäß FNP (Stand
                                                                    393                      188                     205
 23.02.2016)

 B-Plan in Aufstellung/Planung                                      400                      180                     220
 (Hedendorf, Eilendorf und Giselbert-
 straße – Prognose FNP)

 Innenentwicklungspotenziale                                       1.026                     399                     627
 (Stand: 05.01.2016 )

 Ortsentwicklungskonzepte (Stand                                    250                      250                       -
 23.02.2016)

 Flächenreserven insgesamt                                        2.070                    1.020                    1.050

 Mobilisierungshemmnis Innenent-                                    410                      160                     250
 wicklungspotenziale Ø 40%

 Realisierbare Flächenreserven                                    1.660                     860                      800
 (gerundet)
Tab. 4: Baufertigstellungen von Wohnungen in Wohngebäuden
Quelle: Hansestadt Buxtehude, eigene Berechnung; WE=Wohneinheiten; EFH=Gebäude mit 1und 2 Wohnungen; MFH=Gebäude mit 3 und mehr
Wohnungen

Zusammenfassung Wohnungsmarktprofil

·     In der Vergangenheit konnte die Neubautätigkeit der Wachstumsdynamik und dem
      Nachfragedruck aus der Region nicht gerecht werden.

·     Die derzeitigen Wohnbauflächenreserven bieten nur wenige Möglichkeiten zu einer
      umfassenden Steigerung der Neubauaktivitäten. Bei einer Weiterführung des bisheri-
      gen Neubauvolumens von durchschnittlich 170 Wohnungen pro Jahr sind die vorhan-
      denen Flächenreserven in maximal zehn Jahren erschöpft – vorausgesetzt, dass sich
      60 Prozent der Innenentwicklungspotenziale auch tatsächlich entwickeln lassen.

·     Die stärker als das Angebot wachsende Nachfrage hat zu einer Marktanspannung
      geführt. Leerstand (und damit die Fluktuationsreserve) haben sich minimiert und es
      gibt wenig Spielraum für Umzüge oder Modernisierungsaktivitäten.

                                                                                                                                  19
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

     ·   Der Nachfrageüberhang konzentriert sich insbesondere auf den Geschosswohnungs-
         bau. Kapitalanleger und ältere, gut situierte Besitzer von Wohnungseigentum drängen
         aus dem Umland und aus Hamburg an den Markt.

     ·   Investoren vermissen die Möglichkeit einer stärkeren Verdichtung im Neubau.

     ·   Im Einfamilienhaussegment haben fehlende zielgruppengerechte Angebote (z.B.
         hinsichtlich des Kaufpreises) zu einer Abwanderung von Familienhaushalten in die Re-
         gion geführt.

     ·   Der Nachfragedruck, unter anderem durch zahlungskräftige Nachfrager, hat zu
         starken Marktanspannungen geführt, die Preisanstiege in allen Segmenten bedingen.

     ·   Hohe Bodenpreise und steigende Baukosten verschärfen das Problem steigender
         Preise im Hinblick auf die Schaffung preisgünstiger und mittelpreisiger Wohnungen.

     ·   Die NBank hat Buxtehude als eine von zwölf Kommunen in Niedersachsen identifiziert,
         in denen aufgrund der Marktlage und gestiegener Mietpreisstrukturen eine Versorgung
         der Bevölkerung mit Mietwohnraum besonders gefährdet ist.

     ·   Die Landeswohnraumfördermittel bieten nicht genügend Anreize, um preisgünstigen
         Wohnraum in Buxtehude zu schaffen.

     ·   Der Mietwohnungsbestand wird überwiegend durch private Kleineigentümer vermietet.
         Dementsprechend ist der Anteil von Wohnungen in der Hand von institutionellen Eigen-
         tümern, die für strategische Marktentwicklungen als Partner der Kommune häufig
         leichter ansprechbar sind, gering.

     ·   Der Bestand der Wohnungsbaugenossenschaft ist von großer Bedeutung für die
         Versorgung von Haushalten mit mittleren und unteren Einkommen. Mengenmäßig kann
         sie aber nur einen kleinen Teil der Nachfrage decken.

20
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

4     MARKTSEGMENT PREISGÜNS-
      TIGES WOHNEN
      In diesem Kapitel wird der Wohnungsmarkt Buxtehude mit Blick auf das Segment des
      preisgünstigen Wohnens untersucht. Neben der Analyse der Nachfragefaktoren, über die
      Sozialdaten sowie Marktgespräche wichtige Informationen liefern, steht die Angebotsseite
      im Blickpunkt. Aus dem Abgleich von Angebot und Nachfrage wird abschließend die
      Bedarfssituation in einem Teilbereich des Wohnungsmarktes deutlich, in dem die Aufgabe
      der Wohnungsversorgung eine besondere kommunale Verantwortung beinhaltet.

4.1   NACHFRAGEFAKTOREN
      Kernaufgabe ist die Ermittlung des quantitativen Bedarfs auf der Nachfrageseite. Hierfür ist
      die Zusammenstellung der Anzahl von Personen bzw. Haushalten erforderlich, die in
      Buxtehude aufgrund ihrer Einkommenssituation auf preisgünstige Mietwohnungen ange-
      wiesen sind. In Haushalten im Niedrigeinkommensbereich leben:

       Personen die Leistungen nach Sozialgesetzbuch (SGB) II erhalten (Grundsicherung für
        Arbeitssuchende, im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Hartz-IV-
        Leistungsempfänger bezeichnet),
       Personen, die Leistungen nach dem SGB XII erhalten (Hilfearten der Sozialhilfe: Hilfe
        zum Lebensunterhalt; Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung),
       Personen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten,
       Personen, die Wohngeld beziehen,
       Personen unter der Armutsrisikogrenze, die weder Transferleistungen als Mindestsiche-
        rung noch Wohngeld beziehen.

      Leistungsempfänger nach SGB II
      Die Zahl der Leistungsempfänger nach SGB II betrug im Jahr 2014 ca. 3.000 Personen und
      lag damit um ca. 9 Prozent unter den Werten des Jahres 2007. Diese Abnahme lässt
      zunächst eine positive Veränderung am Arbeitsmarkt vermuten. Vor dem Hintergrund der
      allgemeinen Wohnungsmarktentwicklung in Buxtehude verweist dieser Rückgang aber
      nicht nur auf das Ausscheiden von Personen aus dem Kreis der Bezugsberechtigten,
      sondern auch auf eine Verdrängung dieser Haushalte. Der Trend des Ausweichens von
      Haushalten mit unteren Einkommen (wie den Leistungsempfängern nach SGB II) in andere
      Kommunen konnte durch die befragten Marktexperten bestätigt werden. Auch der ver-
      gleichsweise weit höhere Anteil dieser Nachfragegruppe in der benachbarten Hansestadt
      Stade ist ein Indiz für einen solchen Verdrängungseffekt.

                                                                                                     21
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

                                            3.250
                                                     3.202
         Empfänger Leistungen nach SGB II

                                            3.150

                                            3.050
                                                              3.077

                                                                       3.039

                                                                                     3.005
                                            2.950

                                                                                                                          2.927
                                                                                              2.904

                                                                                                        2.900

                                                                                                                 2.887
                                            2.850

                                            2.750

                                            2.650
                                                    2007     2008     2009       2010        2011      2012     2013     2014
     Abb. 10: Empfänger von Leistungen nach SGB II
     Quelle: LSN

                                                                                                  Bedarfsgemeinschaften SGB II

                                                    25%
                                                                                                      Bedarfsgemeinschaften mit
                                                                                                      1 Person
                                                                                                      Bedarfsgemeinschaften mit
                                                                               53%                    2 Personen
                                                                                                      Bedarfsgemeinschaften mit
                                                    22%                                               3 und mehr Personen

     Abb. 11: Bedarfsgemeinschaften SGB II nach Haushaltsgröße 2014
     Quelle: Hansestadt Buxtehude

22
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

Die Analyse der Haushaltsgrößen der Leistungsempfänger verdeutlicht den Wohnungsgrö-
ßenbedarf für diese Zielgruppe. Ein- und Zwei-Personenhaushalte stellen die wichtigste
Nachfragegruppe dar. Laut Wohnraumförderungsbestimmungen des Landes Niedersach-
sen liegen die angemessenen Wohnungsgrößen für diese Haushaltstypen bei 50 bzw.
60 m² Wohnfläche.

Leistungsempfänger nach SGB XII
Das Statistische Landesamt Niedersachsen weist für das Jahr 2014 in Buxtehude insge-
samt 448 Leistungsempfänger nach SGB XII aus. Nur ein kleiner Teil der Empfänger sind
dem Bereich „Hilfe zum Lebensunterhalt“ zuzuordnen. Bei fast 90 Prozent der Leistungs-
empfänger handelt es sich um ältere Menschen, deren Rente nicht für den Lebensunterhalt
ausreicht und die daher Grundsicherung im Alter beziehen. Es ist weiterhin zu berücksichti-
gen, dass nicht jeder ältere Mensch mit geringer Rente diese Leistung auch in Anspruch
nimmt (z.B. aus Schamgefühl keinen Antrag stellt) und daher mit einer weitaus höheren
Anzahl an Haushalten von Senioren zu rechnen ist, die auf preisgünstige Wohnungen
angewiesen sind.

                                 450
                                 400
    Leistungsempfänger SGB XII

                                                                                                                    393
                                                                                                         379

                                 350
                                                                                              336

                                 300
                                                             315

                                                                                   312
                                                  311

                                                                        311
                                       299

                                 250
                                 200
                                 150
                                 100
                                 50
                                             34         42         34         34         52         54         44         55
                                  0
                                       2007       2008       2009       2010       2011       2012       2013       2014
                                        Empfänger Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
                                        Hilfe zum Lebensunterhalt
Abb. 12: Leistungsempfänger nach SGB XII
Quelle: LSN

                                                                                                                               23
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

     Leistungsempfänger nach Asylbewerberleistungsgesetz
     Angesichts der aktuellen Zuwanderungsströme aufgrund von Verfolgung und Krieg hat sich
     auch in Buxtehude die Zahl der Leistungsempfänger nach Asylbewerberleistungsgesetz
     erhöht. Das bis 2012 langjährig stabile Niveau von durchschnittlich 80 Leistungsempfängern
     hat sich bis Ende des Jahres 2014 mehr als verdoppelt (200 Personen). Eine Abnahme der
     Zuwanderungsströme ist vorerst nicht absehbar, sodass mit einem wachsenden Woh-
     nungsbedarf dieser Zielgruppe zu rechnen ist. Bereits im März des Jahres 2016 konnte ein
     Stand von rd. 800 Flüchtlingen registriert werden.

     Wohngeldbezug
     Das Wohngeld ist eine staatliche Subventionierung, um Haushalten mit einem zu geringen
     Einkommen einen Zuschuss zur Miete zu gewährleisten. Im Jahr 2014 gab es in der Hanse-
     stadt Buxtehude 148 Bewilligungen für den Bezug von Wohngeld. Bei knapp der Hälfte der
     Haushalte handelt es sich um Single-Haushalte, zu 40 Prozent um Familien.

     Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze ohne Leistungsbezug
     Zu der Gruppe der Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze ohne Mindestsicherung
     oder Wohngeld zählen z.B. Haushalte, die aufgrund von Minijobs und Teilzeitarbeit nur
     geringe Einkommen erzielen. Sie erhalten keine Transferleistungen, sind aufgrund ihrer
     Einkommensstruktur aber auch dem Niedrigeinkommensbereich zuzuordnen. Zum Umfang
     dieser Gruppe liegen keine statistischen Informationen auf kleinräumiger Ebene vor. Nach
     veröffentlichten Datenauswertungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumfor-
     schung (BBSR) lag der Anteil dieser Einkommensgruppe im Jahr 2008 bei 7,7 Prozent
     (Auswertungen des Sozioökonomischen Panels) bzw. 9,7 Prozent (Daten der Einkom-
     mens- und Verbrauchsstichprobe). Für die Hansestadt Buxtehude wird aufgrund des engen
     Marktes und der spürbaren Verdrängungseffekte ein leicht unterdurchschnittlicher Anteil
     von ca. 7 Prozent angenommen.

     Folgende Abbildung fasst alle Personenkreise zusammen, die mit und ohne Transferleis-
     tungsbezug dem Niedrigeinkommensbereich in der Hansestadt Buxtehude zugerechnet
     werden können. Rund jeder sechste Einwohner in Buxtehude zählt demnach zum Nied-
     rigeinkommensbereich und ist dementsprechend auf preisgünstigen Wohnraum angewie-
     sen.

24
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

                                  Niedrigeinkommensbereich: ca. 17 % aller Personen

       Bezieher von                    Wohngeldbezieher                Personen unter der
     Mindestsicherung                                                  Armutsrisikogrenze   Studierende
         (SGB II)                     0,9 % aller Personen                    ohne
                                                                       Mindestsicherung      Ca. 1.000
     9 % aller Personen                                                  oder Wohngeld
                                                                            Ca. 7 %

        SGB II
 7,36 % der 5Einwohner

         SGB XII
   1,13% der Einwohner

       Asylbewerber-
      leistungsgesetz
          0,5 % der
         Einwohner

Abb. 13: Nachfrage im Niedrigeinkommensbereich
Quelle: LSN / Hansestadt Buxtehude / Hochschule21; eigene Berechnung

Studierende
Eins zusätzlich auftretende Nachfragegruppe am preisgünstigen Wohnungsmarkt bilden
Studierende. Laut Webpräsenz der Fachhochschule „hochschule21“ waren Ende des
Jahres 2015 ca. 1.000 Studierende an dieser privaten Buxtehuder Hochschule immatriku-
liert. Ihnen stehen ca. 280 Wohnungen in Wohnheimen zur Verfügung. Studierende, die
nicht in einem Wohnheim unterkommen, müssen sich am freien Markt mit einer Wohnung
versorgen. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass nicht alle in Buxtehude Studierenden
auch hier wohnen (wollen). Dies betrifft z.B. diejenigen, die aus dem Umland stammen und
weiterhin in ihrem Elternhaus wohnen bleiben. Dennoch bilden Studierende generell eine
weitere Personengruppe mit niedrigem Einkommen, die am Wohnungsmarkt um kleine und
preisgünstige Wohnungen als Mitbewerber auftritt.

Wohnberechtigungsscheine
Der Personenkreis, für den Mittel aus der sozialen Wohnraumförderung zum Einsatz
kommen und für den Wohnberechtigungsscheine (WBS) ausgestellt werden können, ist in
Niedersachsen über Einkommensgrenzen nach §3 NWoFG (Niedersächsisches Wohn-
raumfördergesetz) in Verbindung mit der Verordnung zur Durchführung des Niedersächsi-

                                                                                                          25
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

     schen Wohnraumfördergesetzes (DVO-NWoFG) abgegrenzt. Förderberechtigt sind dabei
     Haushalte mit unteren und mittleren Einkommen, wobei die hierfür geltenden Obergrenzen
     in Niedersachsen für einen Single-Haushalt bei einem bereinigten Einkommen1 von
     17.000 €, bei einem Zwei-Personen-Haushalt bei 23.000 € und für jede weitere Person bei
     plus 3.000 € liegen. Unter den in den §§ 5-7 DVO – NWoFG bzw. § 3 NWoFG
     genannten Voraussetzungen kann diese Einkommensgrenze um 60% überschrit-
     ten werden.

     In der Hansestadt Buxtehude wurden im Jahr 2014 insgesamt 143 Wohnberechtigungs-
     scheine beantragt. Ein direkter Rückschluss auf den Bedarf an geförderten Wohnungen
     kann daraus jedoch nicht gezogen werden, da die WBS-Beantragung i.d.R. erst dann
     erfolgt, wenn ein entsprechendes Mietangebot vorliegt.

     Die Verteilung der Haushaltsgrößen unter allen antragstellenden Haushalten der Jahre 2012
     bis 2015 spiegelt die hohe Nachfrage nach kleineren Wohnungen am Markt wider: So
     betreffen 55 Prozent der Beantragungen 1- bis 2-Personenhaushalte. Mit einem Drittel aller
     Anträge zeigt sich allerdings zugleich ein hohe Nachfrage nach preisgünstigen größeren
     Familienwohnungen (4-Personenhaushalte und größer).

                                                                             Beantragte
                                                                       Wohnberechtigungsscheine
                                 12%
                                                                             Haushalte mit 1 Person
                                                                 33%
                 14%                                                         Haushalte mit 2 Personen

                                                                             Haushalte mit 3 Personen

                                                                             Haushalte mit 4 Personen

                    19%                                                      Haushalte mit 5 und mehr
                                                                             Personen
                                                    22%

     Abb. 14: Beantragte Wohnberechtigungsscheine (Summe 2012-2015)
     Quelle: Hansestadt Buxtehude

     1
      Bereinigtes Einkommen = Summe aller positiven Einkünfte nach dem Einkommenssteuerge‐
     setz. In Abhängigkeit von der Art des Einkommens können best. Pauschbeträge abgesetzt und
     best. Freibeträge in Abzug gebracht werden.

26
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

4.2   ANGEBOTSSTRUKTUR
      Die Auswertungen zum öffentlich geförderten Wohnungsbestand in der Hansestadt
      Buxtehude konzentrieren sich auf

       die Rahmenbedingungen zur Anmietung einer geförderten bzw. preisgünstigen Woh-
        nung,
       die Anzahl preisgebundener Wohnungen
       sowie auf den prognostizierten Wegfall von Mietpreisbindungen im öffentlich geförder-
        ten Wohnungsbestand.

      Bewilligungsmiete
      Öffentlich geförderte Wohnungen unterliegen einer zeitlich begrenzten Mietpreis- und
      Belegungsbindung. Für ihre Anmietung ist grundsätzlich ein Wohnberechtigungsschein
      erforderlich. Der Wohnungsanbieter verpflichtet sich, für die Dauer der Mietpreisbindung
      höchstens die sogenannte „Bewilligungsmiete“ zu verlangen. Demnach beträgt die
      höchstzulässige Miete ab Bezugsfertigkeit hier üblicherweise 5,60 €/m² gem.
      Einkommensgrenze § 3 NWoFG. Nach § 5-7 DVO-NWoFG sind für Haushalte mit
      einem bis zu 60 Prozent über den Einkommensgrenzen liegenden Jahreseinkom-
      men Mieten bis zu maximal 7,00 €/m² zulässig.

      Kosten der Unterkunft
      Bedarfsgemeinschaften nach SGB II und SGB XII haben Anspruch auf staatliche Finanzie-
      rung einer Wohnung. Die zulässige Mietobergrenze dieser „Kosten der Unterkunft“ richtet
      sich nach der Anzahl der Haushaltsmitglieder. Weiterhin ist für die Kostenübernahme eine
      der Haushaltsgröße „angemessene“ Wohnungsgröße einzuhalten. Für einen Singlehaushalt
      sind dies bis zu 50 m², während die Angemessenheit laut Niedersächsischen Wohnraum-
      förderbestimmungen für einen Drei-Personenhaushalt bei 75 m² Wohnfläche liegt.
      Laut Angaben des Jobcenters Stade liegt die Höhe der übernommenen Kosten der Unter-
      kunft in der Hansestadt Buxtehude seit dem 1.1.2016 für einen Singlehaushalt bei 482 €. Bei
      einer angemessenen Wohnungsgröße von 50 m² entspräche dies einer Miete von
      9,64 €/m². Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass es sich um eine Brutto-Kaltmiete
      handelt, d.h. Zugaben für die Übernahme von kalten Nebenkosten (z.B. Wasser- und
      Abfallgebühren) sind darin bereits enthalten.
      Für eine Vergleichbarkeit von Bewilligungsmiete und Angebotsmieten am frei finanzierten
      Markt, die in der Regel als Netto-Kaltmieten ausgewiesen sind, wird von den Kosten der
      Unterkunft pauschal ein Wert für anfallende Nebenkosten abgezogen. Der Deutsche
      Mieterbund weist anhand seiner Datenerhebungen für das Land Niedersachsen eine

                                                                                                    27
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

     durchschnittliche Höhe von 1,76 €/m² für „kalte“ Nebenkosten aus. Die nachfolgende
     Tabelle gibt einen Überblick über die „bereinigten“ Kosten der Unterkunft, in deren Höhe
     die Mietkosten für einen Transferleistungsempfänger übernommen werden.

       Haushaltsgröße Angemessene                                        Kosten der Unter-                     Kosten der Unter-
       in Personen    Wohnungsgröße                                      kunft (brutto kalt)                   kunft (netto kalt*)
                      in m²                                              €/m²                                  €/m²

                    1                               50                                  9,64                                   7,88

                   2                                60                                  9,73                                   7,97

                   3                                75                                  9,27                                   7,51

                   4                                85                                  9,54                                   7,78

                   5                                95                                  9,76                                   8,00
     Tab. 5: Kosten der Unterkunft in Buxtehude
     Quelle: Jobcenter Stade/DMB *von der Bruttokaltmiete wurden kalte Betriebskosten in Höhe von 1,76 €/m² abgezogen

     Angebotsmieten am frei finanzierten Markt
     Laut Stichtagsauswertungen der Datenbank des ImmobilienScout24 liegt die Durch-
     schnittsmiete für eine Mietwohnung in Buxtehude im Jahr 2015 bei 7,90 €/m². Die Auswer-
     tung nach Wohnungsgrößen zeigt deutlich, dass die durchschnittlichen Miethöhen nach
     Wohnungsgrößen variieren. Während eine mittelgroße Wohnung (61-75 m² Wohnfläche)
     für durchschnittlich 7,71 €/m² am Markt angeboten wird, werden für eine kleine Single-
     wohnung (50 m² Wohnfläche) bereits 8,74 EUR/m² verlangt.

       Wohnfläche                        Anteil am Gesamtangebot                               Angebotsmiete €/m²

                bis 50 m²                                       11 %                                                    8,74

             51 bis 60 m²                                       6%                                                      7,84

              61 bis 75 m²                                     36 %                                                     7,71

             76 bis 85 m²                                      15 %                                                     8,38

             86 bis 95 m²                                      15 %                                                     7,56

              über 95 m²                                       17 %                                                     7,60

     Tab. 6:Angebotsmiete nach Wohnungsgröße
     Quelle: ImmobilienScout24

28
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

Mietpreishöhen im Vergleich
Durch die Gegenüberstellung der Miethöhen wird Folgendes deutlich:

 Die maximal übernommenen Kosten der Unterkunft sind höher als die zulässige Bewilli-
  gungsmiete für eine neu gebaute geförderte Wohnung. Das heißt, dass mit dem Neubau
  geförderter Wohnungen ein zusätzliches Wohnungsangebot für Transferleistungsemp-
  fänger geschaffen würde.
 Die übernommenen Kosten der Unterkunft liegen je nach Haushaltsgröße unterhalb der
  Angebotsmieten am frei finanzierten Mietmarkt. Bis Ende des Jahres 2015 lag die durch-
  schnittliche Höhe der übernommenen Kosten der Unterkunft noch bei 6,67 €/m² netto-
  kalt und damit mehr als 1 €/m² unter den aktuellen Schwellenwerten. Durch die Anhe-
  bung dieses Kostensatzes zu Beginn des Jahres 2016 haben sich Engpässe in der
  Versorgungssituation am frei finanzierten Markt etwas entspannt. Je nach Haushalts-
  größe bestehen jedoch weiterhin große Herausforderungen, eine angemessene frei
  finanzierte Wohnung zu finden (insbesondere für Singles). Hinzu kommt, dass auch
  Haushalte höherer Einkommensklassen frei finanzierte Wohnungen nachfragen und als
  Mitkonkurrenten um Wohnungen von Vermietern häufig bevorzugt werden.
 Die Bewilligungsmiete liegt weit unterhalb der vom Staat übernommenen Kosten der
  Unterkunft. Dies hat zur Folge, dass die derzeitige Höhe der Bewilligungsmiete für Inves-
  toren in Buxtehude keinen Anreiz bietet, für den Neubau von Mietwohnungen Landes-
  wohnraumfördermittel in Anspruch zu nehmen und sich damit an die Bewilligungsmiete
  von 5,60 bzw. 7,00 €/m² zu binden, wenn gleichzeitig die Miete einer freifinanzierten
  Wohnung bis zu einer Höhe von 7,97 €/m² (2-Personenhaushalte) im Rahmen der
  Übernahme von Kosten der Unterkunft getragen wird.
         Kosten der Unterkunft                            Bewilligungs-        Angebotsmiete
                 €/m²                                        miete           ImmobilienScout24
                                                             €/m²                  €/m²

                                                                           8,74               8,38
        7,88            7,97             7,78                                       7,84
                                                                   7,00
                                                          5,6

     Singles           Paare        Familien untere   obere               Singles   Paare   Familien
                                        4    Einkom- Einkom-                                    4
                                    Personen mens-    mens-                                 Personen
                                             gruppe gruppe
Abb. 15: Mietpreishöhen im Vergleich
Quelle: Hansestadt Buxtehude; ImmobilienScout24, JobCenter Stade

                                                                                                       29
SCHULTEN STADT- UND RAUMENTWICKLUNG

     Entwicklung preisgebundener Wohnungen
     Der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen belief sich im Jahr 2014 in der Hanse-
     stadt Buxtehude auf 510 Wohnungen, das entspricht einem Anteil von ca. 2,5 Prozent am
     gesamten Wohnungsbestand in der Stadt. Vergleichswerte aus anderen Kommunen in
     Niedersachsen liegen dem Gutachter nicht vor. Zieht man als Benchmark jedoch die
     Angaben der nordrhein-westfälischen Wohnungsmarktbeobachtung der NRWBank hinzu,
     zeigt sich, dass ein Anteil von ca. 2,5 Prozent als sehr gering eingestuft werden kann.

     Innerhalb der Jahre 2012 bis 2014 hat sich der preisgebundene Wohnungsbestand um ca.
     22 Prozent verringert. Bis zum Jahr 2020 ist das Auslaufen der Bindungen bei weiteren ca.
     30 Prozent der Wohnungen zu erwarten. Aufgrund der angespannten Marktlage sind für
     einen Teil dieser Wohnungen Modernisierungsaktivitäten zu erwarten, die mit einer Anhe-
     bung der Mietpreise einhergehen werden. Ähnliche Trends konnten die Marktexperten
     bereits in der Vergangenheit bei ausgelaufenen Belegungsbindungen im Mietwohnungsbe-
     stand beobachten.

     Ein Neubau von gefördertem Wohnungsbestand hat in den vergangenen Jahren nicht
     stattgefunden. Ausgelaufene Bindungen wurden demnach weder quantitativ kompensiert,
     noch wurden neue Qualitäten (z.B. Barrierearmut oder heutige energetische Standards
     betreffend) am preisgünstigen Markt geschaffen.

                                               700
        Anzahl preisgebundener Mietwohnungen

                                               600

                                               500

                                               400
                                                      652

                                               300
                                                             547

                                                                    510

                                                                           438

                                                                                  414

                                               200
                                                                                         355

                                               100

                                                0
                                                     2012   2013   2014   2015   2016   2020
     Abb. 16: Entwicklung preisgebundener Wohnungen
     Quelle: Hansestadt Buxtehude

30
Sie können auch lesen