Zukunft Futur Future 1/2019 - Novartis Angestellten Verband
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Inhalt
Editorial 4 Éditorial 4 Editorial 5 3
Aus der PV-A De la PV-A From the PV-A
INFO MÄRZ 2019
Zusammenfassung der Résumé des améliorations Summary of improvements
Verbesserungen zum du plan social 2019-2022 20 to the 2019–2022 social plan 34
Sozialplan 2019–2022 6
Changements au conseil Changes in the board of trustees
Änderungen im Stiftungsrat der de fondation des caisses de of pension funds 1 and 2 Novartis
Pensionskassen 1 und 2 Novartis pension 1 et 2 Novartis My beginnings in Switzerland 36
Meine Anfänge in der Schweiz 8 Mes débuts en Suisse 22
The Vice-President of the employee
Der Vizepräsident Personalvertretung Le vice-président du comité des representative council CBA reports
GAV berichtet employées au CCT racconte Taking a step back 37
Rückblende 9 Rétrospective 23
arb – Employees’ Association,
arb – Angestelltenvereinigung arb – Association des employés de Basel Region
Region Basel la région de Bâle Basel and life sciences:
Basel und Life-Sciences: eine Bâle et les sciences de la vie: a common destiny with
Schicksalsgemeinschaft mit une destinée commune assortie residual risk 38
Restrisiko 10 d’un risque résiduel 24
Employees Switzerland
Angestellte Schweiz Association Employés Suisse The best insurance against
Die beste Versicherung La meilleure assurance contre unemployment: employability 40
gegen Arbeitslosigkeit ist die le chômage: l’employabilité 26
Arbeitsmarktfähigkeit 12 Roger Thiriet’s column
Chronique de Roger Thiriet Old yet new again –
Kolumne von Roger Thiriet Très ancien mais toujours Fasnacht in Basel 42
Uralt und immer wieder neu – renouvelé – le Carnaval de Bâle 28
die Fasnacht in Basel 14 Guest contribution
Tribune Surviving witnesses have
Gastbeitrag Des témoins racontent 30 their say 44
Zeitzeugen kommen zu Wort 16
Les membres recrutent Members recruit members 47
Mitglieder werben Mitglieder 19 de nouveaux membres 33
Impressum Sämtliche Artikel finden Sie auch unter: www.nav.ch
Mitgliedschaften info erscheint dreimal pro Jahr Grafik/Satz
Angestellte Schweiz Laufende Nr.: 85/2019 cdesign, Reinach
arb – Angestelltenvereinigung Region Basel Auflage: 2500 Expl.
Druck
Redaktionsteam Redaktionsschluss info 2/2019 Runser Druck & Satz AG, Basel
Claudio Campestrin, Susanne Hänni, Davide Lauditi, 27. Mai 2019
Jegliche Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch aus-
Roland Hirt und Patric Halbeisen
Übersetzungen zugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der
Kontaktadresse Inter-Translations SA, Bern Redaktion.
NAV Novartis Angestellten Verband Lionbridge Switzerland AG, Glattbrugg-Zurich
La reproduction/publication d’articles et de photos, ainsi
Geschäftsstelle
Titelbild que d’extraits d’articles, ne peut se faire sans l’accord
Novartis Campus, Forum 1
de.fotolia.com écrit de la rédaction.
WSJ-200.P.84/Postfach
4002 Basel The reproduction of this publication and its pictures in
Telefon +41 (0)61 697 39 00 any form is forbidden without the expressed written con-
E-Mail nav.nav@novartis.com sent of the editorial team.Editorial
Z
uallererst wünschen der gesamte Vorstand und ich
Ihnen nachträglich ein gutes neues Jahr. Hoffentlich
hat es gut angefangen, und möge es so weiterge-
hen.
Wir haben uns dieses Jahr vorgenommen, bei der Bericht-
erstattung fortlaufend und so weit wie möglich das Haupt-
augenmerk auf die laufende Restrukturierung zu setzen. Hier-
bei ist der neue Sozialplan besonders bemerkenswert, der hof-
fentlich die nötige Beachtung finden wird. Insbesondere sind
die Massnahmen zur Erhaltung der Arbeitsmarktfähigkeit sehr
4 willkommen und ein absolutes Novum. Dabei kommen mir die lobenden Worte unserer
Vorgänger aus dem Jahre 1929 in Erinnerung, Zitat: «… Soweit es die geschäftlichen
Interessen zuliessen, wurden unsere Anregungen und vorgebrachten Wünsche in ver-
INFO MÄRZ 2019
dankenswerter Weise berücksichtigt …» Was auch bedeuten soll, dass man Novartis
dankend anerkennen kann, dass der neue Sozialplan nur mit der Zustimmung der Firma
zustande gekommen ist. Wohl ein Nachweis der Ernsthaftigkeit und des Willens,
Härtefälle möglichst gar nicht erst aufkommen zu lassen. Auf jeden Fall gebührt der
ganzen Verhandlungsdelegation, arbeitnehmer- wie auch arbeitgeberseitig, unser aller
Dank für den grossen, ja schon fast immensen Einsatz und für ihr Engagement, das zeit-
weise weit über die geschäftlichen Rahmenbedingungen hinausgeht.
Wussten Sie, dass Silvia Müller, langjährige Stiftungsrätin und Vorstandsmitglied
des NAV, per Ende Jahr vorzeitig in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist? Nebst
unserem Dank für ihre grossartige und fortwährende Unterstützung mögen sie unsere
guten Wünsche begleiten; auf dass sie noch viele entspannte und erlebnisreiche Jahre
wird geniessen können. Für sie rückt nun Eliana Mussin in den Kreis der Suppleanten
der Pensionskassen 1 und 2 nach. Lesen Sie in Elianas Artikel nach, was sie dazu moti-
viert hat, sich in den Dienst des NAV zu stellen und für das Wohl aller Angestellten ein-
zusetzen.
Auch Felice Bertolami ist es ähnlich wie Eliana ergangen: Er hat bei den letztjährigen
Wahlen zur Personalvertretung (PV) GAV kandidiert und amtet seither als Vizepräsident
der PV-GAV Basel. Er wird Ihnen einen Einblick in seine vielfältigen Aufgaben erlauben
und Sie können sich selber ein Bild machen, welch grosser Einsatz dabei zum Tragen
kommt.
Selbstverständlich sind auch alle anderen Artikel absolut lesenswert und ich kann
Ihnen nur ans Herz legen, dieses Heft vollständig zu lesen – es lohnt sich, sich die Zeit
dazu zu nehmen.
Nun noch ein bisschen Werbung in eigener Sache:
Am Mittwoch, 10.4.2019, findet wieder unsere
Mitgliederversammlung statt.
Ab 16 Uhr wird der offizielle Teil beginnen und wir sind schon fleissig mit den
Vorbereitungen gestartet. Gerne erwartet Sie der gesamte Vorstand zu diesem Anlass,
ist doch die Mitgliederversammlung das oberste Organ des NAV. Klar ist, dass es auch
einen Gastredner geben soll und dass Sie am anschliessenden Apéro Gelegenheit
haben, Gespräche zu vertiefen und auch neue Kontakte zu knüpfen. Alle Informationen
hierzu werden Sie rechtzeitig vorher erhalten.
Bei Fragen oder für Ergänzungen stehe ich und stehen wir, der gesamte Vorstand,
Ihnen gerne zur Verfügung.
In diesem Sinne, Ihr NAV Präsident
Claudio CampestrinNAV für Sie aktiv
AUS DER PV-A
Zusammenfassung der
Verbesserungen zum Sozialplan
2019–2022
6
Soziale Verantwortung – Weiterbildung und anschliessend Rekrutierung für «Cell &
Gene Therapy»
INFO MÄRZ 2019
Die Anspannung und Unruhe der Belegschaft letzten Am 18. Januar 2019 wurden die Vorschläge für die Kon-
Herbst war spürbar, vergleichbar mit einem starken sultation NTO und Konsultation NBS (Welle 2–6) der Firma über-
Gewitter, das sich langsam nähert. reicht. Zwischenzeitlich hat die Firma die eingereichten IPV
Konsultationsvorschläge der Welle 1 gutgeheissen. Einer dieser
angenommenen Vorschläge war, der Firma in den nächsten vier
Jahren weitere Konsultationsvorschläge zu überreichen. Dies
ermöglicht somit der IPV die Zusage der Firma zu überprüfen, ob
Davide Lauditi es durch die Restrukturierung zu keinen Qualitäts- oder
Vorsitzender PV-A Performance-Problemen sowie zu keiner Arbeitsüberlastung der
Vizepräsident NAV nicht betroffenen Mitarbeitenden kommen wird. Wir bitten
daher insbesondere diesbezüglich um Ihre Rückmeldung.
E
s kursierten viele Gerüchte und es
wurde spekuliert, denn vieles war
zu diesem Zeitpunkt noch unklar.
Bekannt war, dass der bestehen-
de Sozialplan Ende Dezember 2018 auslaufen würde. Es liefen
bereits Verhandlungen mit der Firma zu dessen Verlängerung.
Die Ankündigung vom 25. September 2018 setzte den Spekula-
tionen ein Ende und es wurde klar, dass es ein derart grosses
Ausmass an Restrukturierung in der ganzen Novartis-Geschichte
(der Basler Rheintalwerke) noch nie gegeben hatte. Die Informa-
tionsphase der Firma war zeitnah und es wurde allen relativ
schnell bewusst, dass nicht nur fundierte Konsultationsvor-
schläge ausgearbeitet werden sollten, sondern auch ein massge-
schneiderter Sozialplan verhandelt werden musste.
Die Konsultation zur Ankündigung vom 25. September 2018
wurde in zwei Wellen aufgeteilt. Die Konsultationsvorschläge für
Welle 1 wurden am 7. Dezember 2018 der Firma als «Umbrella»-
Vorschlag überreicht. Die Namensgebung rührt daher, dass die
Vorschläge nicht nur für betroffene Mitarbeitende der Welle 1
ausgearbeitet wurden, sondern ebenfalls für weitere Wellen
bestimmt sind.
So lauten denn auch einige Kernvorschläge wie folgt:
– Überreichen der Konsultationsvorschläge NTO und NBS (Welle
2–6)
– Weitere IPV Konsultationsvorschläge folgen in späteren Wel-
len
– Optimierungsprozess bei der Personalplanung
– Zukünftig betroffene Mitarbeitende zeitnah auf neu geschaf-
fene Positionen vorzubereiten
– Überprüfung eines Spin-off anstatt Teil-Produktionsschliessung
im Werk SchweizerhalleNAV für Sie aktiv
Verbesserungen Sozialplan 2019–2022 auf einen Blick:
– Mitarbeitende unter Alter 45
– Mitarbeitende unter Alter 50
– Mitarbeitende im Alter von 50 bis 54: Zeitkauf
– Mitarbeitende im Alter von 50 bis 54 mit 25+ Dienstjahren
– Mitarbeitende im Alter von 60 bis 61
Mitarbeitende unter Alter 45
Die neue Struktur und die Zusammenarbeit zwischen dem
Novartis Career Center (NCC) / Job Broker und Bestplacement
wurde massgeblich verbessert. Diese Massnahme erhöht für alle chen Betrag von CHF 70 567 und somit die Möglichkeit, diesen 7
betroffenen Mitarbeitenden die Möglichkeit, intern eine Stelle Zuschlag für den Kauf von bis zu maximal sechs zusätzlichen
zu finden. vollen Anstellungsmonaten zu verwenden (sogenannter «Zeit-
INFO MÄRZ 2019
kauf»).
Mitarbeitende unter Alter 50
Mitarbeitende über 45 Jahre mit mehr als 10 Dienstjahren Mitarbeitende im Alter von 50 bis 54
können neu Anträge zur Unterstützung von Weiterbildung/Um- mit 25+ Dienstjahren
schulung bis zu CHF 30 000 stellen (bisher bis zu max. CHF 7500). Falls nach dem «Zeitkauf» immer noch keine neue Stelle an-
getreten werden kann, bietet die Firma auf Antrag des Mit-
Mitarbeitende im Alter von 50 bis 54: Zeitkauf arbeitenden eine Auffanglösung an. Mitarbeitende müssen
Der Grundbetrag wird um einen Zuschlag von 3% pro vollem dafür kumulative Bedingungen erfüllen. Wenn diese erfüllt sind,
Dienstjahr erhöht. Ein Mitarbeitender im Alter von 54 Jahren haben die Mitarbeitenden die Möglichkeit, einen befristeten
mit 22 Dienstjahren und einem Monatsgehalt von CHF 9000 Arbeitsvertrag bis zum Alter von 54 zu erhalten. Das Jahres-
brutto erhielt bisher beispielsweise einen Abfindungsbetrag von grundgehalt beträgt 50% des bisherigen Gehalts (brutto) ohne
CHF 106 920. Neu erhält dieser Mitarbeitende einen zusätzli- Bonus, Zulagen, Benefits/Zusatzleistungen und Pauschalen, maxi-
mal jedoch CHF 65 000 p.a. bzw. CHF 48 000 p.a. im Minimum
(basierend auf einem 100%-Beschäftigungsgrad).
Bei Erreichen von Alter 55 kommen die Bestimmungen «Aus-
tritt mit Freizügigkeitsleistung» oder «Austritt mit externer Mit-
gliedschaft in der PK, Abfindungsleistung und Frühpensionie-
rung ab Alter 58» zur Anwendung.
Mitarbeitende im Alter von 60 bis 61
Was früher nur bis Alter 59 galt, konnten wir für 60- und 61-
jährige Mitarbeitende erweitern. Der Härtefallfonds sieht nun
das vereinfachte Verfahren auch für diese Alterskategorie vor
(Männer: CHF 0–112 000; Frauen: CHF 0–93 600). Der Betrag
reduziert sich von Alter 60 und 61 linear auf CHF 0 beim
Erreichen von Alter 62.
Soziale Verantwortung
Gerne sind wir bereit, zum Thema «Ankündigung vom
25. September 2018 – Restrukturierung» und zu den Verbes-
serungen des Sozialplans 2019–2022 mehr zu berichten. Die
Personalvertretung bzw. die Delegierten des NAVs bieten bei
Bedarf auch persönliche Gespräche für von der Restrukturierung
Betroffene an.
Sind Veränderungen in einem wirtschaftlichen Umfeld nötig?
Ich denke ja, jedoch müssen sie meiner Meinung nach nicht
immer mit einer Restrukturierung enden. Mit dem Sozialplan
2019–2022 und all den Massnahmen, die in den nächsten Mo-
naten und Jahren getroffen werden, kann ich trotz anfangs star-
ker Enttäuschung zu dieser erneuten Restrukturierung sagen: Ja,
die Firma Novartis nimmt ihre soziale Verantwortung wahr. Ich
nütze hiermit die Gelegenheit, allen ein Dankeschön auszuspre-
chen für den konstruktiv und gemeinsam erarbeiteten Sozial-
plan.Aktuell
ÄNDERUNGEN IM STIFTUNGSRAT DER PENSIONSKASSEN 1 UND 2 NOVARTIS
Meine Anfänge in der Schweiz
Gleich nach dem Studium in die Schweiz gezogen, beein- Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat mich von Beginn weg faszi-
druckte mich das Schweizer Vorsorgemodell. Da ich nun niert, weshalb ich mich in meinen ersten Berufsjahren darauf
als Suppleantin in den Stiftungsrat der Pensionskassen 1 spezialisiert habe und vorwiegend Pensionskassen (PK) verschie-
und 2 nachgerückt bin, möchte ich mit diesem Artikel dener Schweizer Unternehmen – bis hin zu Grosskonzernen –
Ihnen, werte Leser/-innen, meine Sichtweise diesbezüg- geprüft habe. Entsprechend konnte ich mich in diesem Fach-
8 lich näherbringen. gebiet während neun Jahren spezialisieren und vertieftes Fach-
wissen aneignen. Denn als gebürtige Argentinierin bin ich mir
bewusst, dass das schweizerische Rentensystem für uns alle ein
INFO MÄRZ 2019
Glück ist und wir zusätzlich mit der starken Novartis-Pensions-
kasse ein weiteres Privileg auf unserer Seite haben. Aus diesem
Eliana Mussin Grunde finde ich es wichtig, dass wir Angestellte unsere Stimme
NAV Vorstandsmitglied und Suppleantin aktiv und partnerschaftlich bei der PK einbringen, mitreden und
in den Stiftungsräten PK1 und PK2 Lösungen mitgestalten und so zur PK Sorge tragen.
Aktuelle Wirtschaftslage
I
ch bin seit 2000 in der Schweiz tätig Aktuell stehen die PKs vor einigen Herausforderungen und
und seit dem 1.1.2019 als Suppleantin Hausaufgaben, die jedoch zu bewältigen sind. Diese stellen sich
bei der Pensionskasse 1 und 2 von insbesondere aufgrund der aktuellen finanzwirtschaftlichen
Novartis. Entwicklungen (Tiefzinspolitik), dem demografischen Wandel
Seit meinem Eintritt in die Schweizer (Überalterung) sowie der steigenden Lebenserwartung. Dafür
Arbeitswelt als Wirtschaftsprüferin bin ich sind verschiedene gesetzliche Anpassungen bei den PKs vorgese-
von deren Vorsorgekonzept fasziniert. Ins- hen oder werden eingeführt (Anpassung von Pensionierungs-
besondere die positiven Auswirkungen alter und Umwandlungssatz), welche uns alle betreffen werden.
und Möglichkeiten der Pensionskasse sind Jedoch gilt es die entsprechenden Freiräume zu erkennen, mit
ein wesentlicher Beitrag für alle Mitarbei- dem Arbeitgeber abzustimmen und entsprechend zu nutzen.
tenden zur Sicherung von deren Lebensstandard nach der Weiter liegt es im Wesen des Themas, dass wir uns darin oft
Pensionierung. Dieses partnerschaftliche System zwischen fremd fühlen bzw. nicht alle die notwendige Zeit aufbringen
mögen, um sich in dieses Spezialthema zu
vertiefen. Denn erstens liegt die Pensio-
nierung für die meisten von uns gedank-
lich in vermeintlich ferner Zukunft und
zweitens können die meisten von uns die
notwendige Zeit und das notwendige In-
teresse nicht aufbringen, um sich vertieft
mit der komplexen Materie des Pensions-
kassengesetzes zu befassen.
Meine Vision der Tätigkeit im
Stiftungsrat der Pensionskasse 1
Novartis
Seit meiner Wahl als Nachrückende in
den Stiftungsrat hat sich wirtschaftlich
noch nicht viel verändert: Die Zinsen sind
weiterhin auf sehr niedrigem Niveau, die
Börsen sind volatil; auf ein gutes Jahr folgt
meistens ein schlechtes, so wie 2018. Das
macht die Arbeit des PK-Verantwortlichen
nicht einfacher, aber es bleibt spannend.
Ich möchte mich dafür einsetzen, dass
die heute auf Ihrem Vorsorgeausweis ver-
sprochenen Leistungen für alle bei der Pen-
sionierung auch wahr werden.DER VIZEPRÄSIDENT PERSONALVERTRETUNG GAV BERICHTET
NAV, für Sie aktiv
Rückblende
aber die Zeit hat mir gezeigt, dass ich auf
dem Holzweg war.
Es ist mir bewusst geworden, je mehr
ich mich umschaute und mich auch inte-
ressierte, dass dem NAV alle Angestellten
sehr wichtig sind und dass er sich für alle 9
gleichermassen einsetzt, ohne Vorurteile,
ohne Partei- und Gewerkschaftskämpfe
INFO MÄRZ 2019
im Hintergrund.
Dank dem Vorsitzenden der Personal-
vertreter Angestellte PV-A aus dem NAV,
Davide Lauditi, bekam ich die Möglichkeit
und die volle Unterstützung, als NAV
Mitglied an den vergangenen IPV-Wahlen
zu kandidieren.
Auch an dieser Stelle möchte ich mich
nochmals für die vielen Stimmen und für
das mir geschenkte Vertrauen bei all mei-
nen Kolleginnen und Kollegen bedanken.
Dies, der Stand der Dinge
Nach ca. 8 Monaten im Amt als Vize-
Im April 1979 bin ich bei der Ciba-Geigy in Schweizerhalle eingetreten. Es präsident PV-GAV muss ich auch allen
scheint mir, als wäre es gestern gewesen, und doch sind 40 Jahre an mir vor- IPV-Mitgliedern, sei es PV-A oder PV-GAV
beigeflogen. Rückblickend ist mir bewusst, dass es nicht mehr so ist, wie es einen grossen Dank aussprechen für die
einmal war. Unterstützung, aber auch für die gute
Zusammenarbeit, denn es sind viele neue
Aufgaben auf mich zugekommen und es
ist halt wirklich so, dass man zusammen
stark ist. Wir können vieles bewirken, wenn wir zusammenhal-
Felice Bertolami ten; das kann ich nach dieser kurzen Zeit und so vielen Verän-
Angehendes Vorstandsmitglied und derungen bestätigen. Ein Beweis dafür sind die Ergebnisse der
Vizepräsident PV-GAV Basel Lohnverhandlungen und der neue Sozialplan.
Wenn ich jetzt als Personalvertreter zurückschaue, frage ich
mich, warum ich nicht früher meinen Beitrag geleistet habe,
D
ie jetzige Situation mit der Be- denn über Jahrzehnte habe ich eigentlich als Mitarbeiter, ohne
kanntmachung vom 25. Septem- etwas zu tun, profitiert von all dem, was unsere IPV vor meiner
ber 2018, der Massenentlassung, Zeit erreicht hat.
hat eine noch nie da gewesene Vieles, was für uns ganz normal und alltäglich ist, seien es
Unsicherheit, Enttäuschung und stetig zunehmende Belastung Rechte, Lohnerhöhungen, Ferientage, Schichtzulagen, Familien-
und Stress am Arbeitsplatz verursacht. zulagen, Work-Life-Balance, Jubiläumsgeschenke, Sozialplan und
Während man sich früher mit Stolz und Zufriedenheit mit der vieles mehr, ist nur dank dem grossen Einsatz der IPV für uns
Firma identifizieren konnte, fällt dies allen Kolleginnen und Kol- erreicht worden. Das alles ist nicht selbstverständlich, denn nichts
legen immer schwerer, denn niemand hätte sich vorstellen kön- kommt von nichts, dies ist etwas, das jeden von uns immer
nen, dass nach jahrzehntelanger loyaler Firmenzugehörigkeit, nachdenklich stimmen sollte.
dies auf einmal keine Bedeutung mehr hat.
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdienen ein grosses Ausblick
Lob dafür, dass sie sich trotz des Schocks und der starken Ohne eure Unterstützung wäre ich nicht dort, wo ich mich
Betroffenheit noch immer voll einsetzen und wirklich ihr Bestes heute befinde, und doch bitte ich euch um einen weiteren
geben. Schritt: Dem NAV als Mitglied beizutreten. Die Firma hat genug
Als langjähriger Mitarbeiter war meine frühere Überlegung Zeichen gesetzt, lasst uns auch eines setzen; alle zusammen, ein
diese: Ich kann zu mir selber schauen und es bringt nichts, das grosses Zeichen.
Vertrauen einem Verband oder einer Gewerkschaft zu schenken;Aktuell
10
INFO MÄRZ 2019
ARB – ANGESTELLTENVEREINIGUNG REGION BASEL
Basel und Life-Sciences:
eine Schicksalsgemeinschaft
mit Restrisiko
Der folgende Artikel zeigt die Hintergründe, weshalb bolisch stand Florianne Koechlin für diese Bewegung. Es ging
Restrukturierungen im heutigen Umfeld für die Angestell- um die Entsorgung von Abfällen (Sondermüll und Deponien)
ten und die Region Basel zu einer immer konkreteren sowie Verschmutzungen der Luft und endete schlussendlich in
Gefahr werden. Schon lange ist eine Stelle bei Novartis der Katastrophe von Schweizerhalle. Auf der anderen Seite
nicht mehr «die sicherste Stelle der Welt». Der Wind entwickelten und wandelten sich die soliden Basler Chemie-
pfeift heftiger und kälter. unternehmen zu chemisch-pharmazeutischen Unternehmen
und heute sind es klar «Life-Sciences-Konzerne» geworden.
Ohne den permanenten Wandel der Chemie zu pharmazeuti-
schen Unternehmen und später zu Life-Sciences-Konzernen
Hans Furer würde es die zwei Schwergewichte Roche und Novartis, wel-
Geschäftsführer ARB che hundert Milliarden Franken Umsatz generieren, gar nicht
geben. Gleichzeitig diskutierte man in den 70er- und 80er-
Jahren in der Politik die Frage, ob Basel nicht Alternativen
Geschichtlicher Rückblick brauchte, um von den Life-Sciences-Konzernen unabhängiger
D
Repetieren wir kurz: Die 70er zu werden.
und 80er Jahre war Basel ge-
prägt durch zwei entgegenge- Fusion Ciba und Sandoz
setzte Kräfte: Eine linke Szene, Der Schnitt erfolgte 1996, als die ungläubige Bevölkerung am
welche die Umweltverschmutzung der Morgen früh im Radio die Meldung hörte: «Sandoz und Ciba
Chemie scharf kritisierte und damit die fusionieren». 14 000 Arbeitsplätze sollten wegfallen. Die Region
Wirtschaftselite zur Haltung bewegte: geriet in Panik und auf einmal war man sich bewusst, dass es
«Linke sind wirtschaftsfeindlich». Sym- nicht um Umweltfragen und Sondermüll ging, sondern um dieAktuell
Region wirklich in einer Schicksalsgemeinschaft befindet, und
sollten die beiden Grosskonzerne einmal eine böse Grippe oder
einen bösen Husten erwischen, so hört und spürt das die Region
unmittelbar (auch im Portemonnaie). Das ist auch der Grund,
Frage, ob Basel seinen wirtschaftlichen Wohlstand weiterhin auf weshalb heute bei Bekanntgabe von Restrukturierungen und
Chemie, Pharmazie und Life-Sciences setzen kann. In der Zwi- Arbeitsplatzabbau die Gefahr für die Angestellten höher ist als
schenzeit ist diese Frage längstens entschieden: Basel ist von den früher und auch die Kantone aufmerksamer sein müssen (selbst
beiden Life-Sciences-Konzernen abhängig (was würde gesche- bei der Finanzplanung).
hen, wenn sie von Basel wegzögen?) und die Regierungen bei-
der Basel, auch des Kantons Aargau, bemühen sich sehr, mit Schicksalsgemeinschaft akzeptieren
guten Beziehungen zu Konzernleitungen und weiteren Ver- Persönlich hoffe ich, dass die Schicksalsgemeinschaft zwischen 11
antwortlichen die Schicksalsgemeinschaft auf einer gegenseitig Region, Life-Sciences-Unternehmen und Mitarbeitenden weiter-
wohlwollenden Basis zu pflegen. hin einigermassen stabil bleibt und nicht irgendeine Katastrophe
INFO MÄRZ 2019
über uns hereinbricht. Natürlich will ich keine Angst schüren,
Hervorragende Sozialpläne aber in der heutigen Zeit sind milliardenschwere Konzerne zwar
Für die Angestellten war das Jahr 1996 ein Schock. So etwas stabile Gebilde wie Felsen in der Brandung, aber durch Über-
hatte man noch nie erlebt und seit Jahrzehnten ging auch das nahmen, Umstrukturierungen, Aufstückelungen, Probleme mit
«Bonmot» um, dass eine Stelle bei Ciba oder Sandoz sicherer neuen Medikamenten in der Pipeline etc. auch ein Herd der Ge-
wäre als jede Staatsstelle mit fester Amtsdauer. Zum Glück fahr. Und es ist leider so: Wir können in dieser Region momen-
bewahrheiteten sich die Befürchtungen nicht. Statt Stellen abge- tan keine Alternativen entwickeln. Es ist wie mit den Laub-
baut, wurden Stellen geschaffen. Und es kam noch besser. Mit bäumen im Wald: Mit ihren Kronen nehmen sie 97% des Lichtes
jeder neuen Restrukturierung kam man den Angestellten mit weg und erlauben damit den kleinen Bäumen erst zu wachsen,
hervorragenden Rücktrittsbedingungen entgegen, einmal sogar wenn die grossen abgestorben sind. Nun ist es bei den Bäumen
in dem Sinne, dass 55-Jährige sich zu überdurchschnittlich guten zum Glück so, dass sie mehrere hundert Jahre alt werden kön-
Bedingungen pensionieren lassen konnten. Die so Pensionierten nen und vor allem dies wünsche ich sowohl Novartis wie auch
wurden später als Berater (Selbstständigerwerbende) wieder in Roche von Herzen.
derselben Firma eingestellt und verdienten zum Teil mehr als
zuvor in ihrem Anstellungsverhältnis. Auf diese Weise profitier-
ten sehr viele Angestellte der Grosskonzerne von den komfort-
ablen Situationen.
Unsichere Lage heute
Auch heute ist der Sozialplan – vergleicht man ihn mit ande-
ren Branchen – auf einem sehr hohen Niveau. Trotzdem haben
sich die Bedingungen in den letzten Jahren verändert. Man ist
zurückhaltender geworden, die hervorragenden Bedingungen
werden auf gute Bedingungen herabgestuft. Auch drohende
Entlassungen waren in der Chemie- und Life-Sciences-Branche
«berechenbar»: So kam es zunächst zu Ankündigungen, dass
die Stelle gefährdet sei, anschliessend wurde versucht, die Mit-
arbeitenden intern über einen Stellenpool in andere Geschäfts-
bereiche zu vermitteln, und erst ganz am Schluss, wenn wirklich
nichts mehr gefunden werden konnte, kam es zu einer Kün-
digung. Das geschah fast nie. Und erleichterte den Betroffenen
auf vielfältige Weise die Stellensuche. Denn es ist nicht leicht,
von einem sehr guten Lohn plötzlich in den «freien» Markt zu
wechseln, denn jeder passt sich auch wirtschaftlich seinem Lohn
zumindest teilweise im Lebensstil an.
Aufmerksamkeit nötig
Heute sind wir so weit, dass damit zu rechnen ist, dass sich die
Sozialpläne verschlechtern könnten. Dagegen müssen sich der
NAV und andere wehren. Und wer von Entlassung bedroht ist,
muss auch tatsächlich damit rechnen, dass Entlassungen stattfin-
den, Restrukturierungen sind also zu einer tatsächlichen Gefahr
für die Angestellten geworden. Es ist nicht mehr wie früher, als
viele zu Recht dachten, es werde «nicht so schlimm kommen».
Dies hat uns wieder einmal vor Augen geführt, dass sich dieAktuell
ANGESTELLTE SCHWEIZ
Die beste Versicherung
gegen Arbeitslosigkeit ist
die Arbeitsmarktfähigkeit
12
Restrukturierungen sind heute in den Unternehmen an von Weiterbildungen an, wobei die Schwerpunkte einerseits auf
der Tagesordnung – bei Novartis läuft aktuell eine grosse. der Ausbildung von Arbeitnehmervertretungen und andererseits
INFO MÄRZ 2019
Damit entlassene Angestellte nicht auf der Strasse landen, auf Kursen für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit lie-
müssen sie arbeitsmarktfähig sein. Die Angestellten gen. Ebenfalls für das Jubiläumsjahr wurde die Eventreihe «Neue
Schweiz setzen sich seit 100 Jahren für die Arbeitsmarkt- Arbeitswelt» erarbeitet, welche die Mitglieder darüber aufklären
fähigkeit ihrer Mitglieder ein. will, was in der digitalen Arbeitswelt auf uns zukommt. Gerade
in diesen Veranstaltungen erfahren die Teilnehmenden, wie sie
fit für den Arbeitsmarkt bleiben können.
Auch in ihrem Positionspapier zur Bildung betonen die Ange-
stellten Schweiz die essenzielle Rolle der Bildung für die Arbeits-
Hansjörg Schmid marktfähigkeit. Der Verband setzt sich auf politischer Ebene
dafür ein, dass unser Bildungssystem seine Aufgabe erfüllt und
die Bevölkerung adäquat bildet. Wichtig ist den Angestellten
D
er Arbeitsmarkt war schon Schweiz dabei, dass in der Bildung die Chancengleichheit auf
immer einem steten Wandel allen Stufen garantiert wird. Es darf keine Benachteiligungen
unterworfen und wurde durch aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft etc. geben. Nicht nur
politische und wirtschaftliche die sowieso schon gut Gebildeten sollen von Weiterbildungen
Krisen stets wieder einmal erschüttert. profitieren, sondern auch weniger gebildete oder bildungsfernere
Dies zeigt sich deutlich, wenn man in alten Schichten. Die Sozialpartner sollen bei der Gestaltung und der
Ausgaben der Verbandszeitschrift der Angestellten Schweiz blät- Steuerung des Bildungssystems mitwirken, fordern die Ange-
tert. Heute ist es nicht anders – nur dass sich der Wandel noch stellten Schweiz. Wichtig ist dem Verband auch, dass Absolven-
beschleunigt hat. Grosse und auch kleinere Unternehmen sind ten von Schweizer Bildungsgängen auf dem internationalen
darum oft permanent am Restrukturieren. Dazu kommt, dass wir Arbeitsmarkt keine Nachteile erfahren. Die Angestellten Schweiz
uns aufgrund der Digitalisierung aktuell in einer akuten bekennen sich zum dualen Bildungssystem und verlangen Mass-
Umbruchphase befinden. Unsere Arbeit wandelt sich dramatisch nahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Die Behörden,
und viele Arbeitsstellen werden sehr unsicher. gerade auch in den Kantonen, müssen die Rahmenbedingungen
Das ist aber kein Grund für Angestellte, den Kopf in den Sand schaffen, damit die Aus- und Weiterbildung zugänglich ist und
zu stecken und zu resignieren. Denn es gibt zum Glück Möglich- zeitgemäss weiterentwickelt wird.
keiten, sich fit für den Arbeitsmarkt zu halten. Arbeitsmarkt-
fähigkeit heisst das Zauberwort. Bildungsmassnahmen als wichtige Forderung
Die Angestellten Schweiz haben es sich schon immer auf in Sozialplänen
die Fahne geschrieben, ihre Mitglieder zu unterstützen, damit Wenn Betriebe restrukturieren, kommt es immer wieder vor,
sie arbeitsmarktfähig bleiben. Natürlich genügt es nicht, die dass die Entlassenen Bildungsdefizite haben, also nicht voll
Mitglieder einfach nur anzumahnen, selber dafür zu sorgen. arbeitsmarktfähig sind. Es ist darum wichtig, dass Bildungsmass-
Der Verband bietet konkrete Leistungen zur Verbesserung der nahmen auch ein zentraler Bestandteil von Sozialplänen sind.
Arbeitsmarktfähigkeit an und setzt sich in Wirtschaft und Die Angestellten Schweiz machen sich in den Sozialplanverhand-
Politik dafür ein, dass Angestellte entsprechend unterstützt lungen genau dafür stark.
werden. Natürlich wäre es besser, wenn die Defizite gar nicht erst ent-
stehen würden. Da sind nicht nur die Angestellten in der Pflicht,
Bildung als Schlüssel sondern ebenso die Arbeitgeber. Die Arbeitsmarktfähigkeit der
für Arbeitsmarktfähigkeit Belegschaft ist ein gemeinsames Interesse und muss darum
Es ist offensichtlich, dass die Bildung gemeinsam angegangen werden. Weiterbildung muss darum
das wichtigste Instrument ist, um Er- ein fest gesetztes Thema bei den Mitarbeitergesprächen sein.
werbstätige arbeitsmarktfähig zu halten.
Bildung ist darum bei den Angestellten Halten Sie sich bildungsmässig à jour
Schweiz ein zentrales Thema. Der Ver- Natürlich sollen Sie als Angestellte(r) nie warten, bis Sie einer
band bietet selber eine grosse Palette Restrukturierung zum Opfer fallen und sich erst dann um Wei-Aktuell
13
INFO MÄRZ 2019
terbildung kümmern. Es kann sich sehr lohnen, von Zeit zu Zeit abschluss, der auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist. Sie müssen
eine Standortbestimmung vorzunehmen. nämlich nur die Module besuchen, die ihnen noch fehlen, vor-
Eine Möglichkeit dazu bietet sich mit dem Programm «In- handenes Wissen wird angerechnet. Mitglieder der Angestellten
forma», Informationen dazu finden sich auf der Website der Schweiz profitieren von einem vergünstigten Tarif: 1900 statt
Angestellten Schweiz (Angebote/Bildungsabschluss updaten). 2400 Franken.
Allerdings ist Informa nur für gewisse
Berufsfelder möglich. Mit Informa können
sich Interessierte beruflich auf den neusten Wer dann wieder arbeitsmarktfähig ist, findet dann bestimmt bei den
Stand bringen, ohne einen ganzen langen von Angestellte Schweiz unterstützten Tools
Ausbildungsgang zu machen. Sie kom- jobchannel (https://angestellte.ch/angebote/jobsuche-einfach-und-bequem/
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und preisgünstig zu einem Bildungs-Aktuell
KOLUMNE
Uralt und immer wieder neu –
die Fasnacht in Basel
Veränderungen gibt es nicht nur in der Wirtschaft. Auch absolvierten zum Beispiel Akkordeon- und Mandolinenorchester
in vielen anderen Lebensbereichen ist der Wandel oft in knappen Kostümen und Backenlärvchen den Cortège, was
14 das einzig Beständige. So sind die vermeintlich seit Jahr- heute als arger Bruch der etablierten Fasnachtskonventionen
hunderten gewachsenen Traditionen der bevorstehen- gälte und ein «no go» wäre. Und Mitte der 1920er schmuggelte
den Basler Fasnacht oft nur einige Jahre alt. sich gar eine Blechmusikformation in den hier «Cortège» ge-
INFO MÄRZ 2019
nannten Umzug der Pfeifer und Tambouren, die ihre absichtlich
zerbeulten Instrumente absichtlich kreuzfalsch spielte. Diese
N
« ichts ist so beständig wie der Wandel.» Was der grie- erste «Guggenmusik» begründete eine Tradition, die nach dem
chische Philosoph Heraklit für das Leben im Allgemei- 1. Weltkrieg gar nach Luzern exportiert wurde und mittlerweile
nen formuliert hat, charakterisiert auch die Fasnacht hier wie dort tragende Säule des fasnächtlichen Treibens ist.
der Baslerinnen und Basler. Zwar liegen die Ursprün-
ge dieses Brauchtums, welchem die Unesco vor zwei Jahren das
Qualitätssiegel «Weltkulturerbe» verliehen hat, im tiefen Mittel-
alter. Die heutige, weltberühmte Form entwickelte sich jedoch Roger Thiriet ist Journalist und Autor und
erst in den letzten paar Jahren und Jahrzehnten. lebt in Basel. In seiner Kolumne spiegelt
er das jeweilige Heftthema an Speziali-
Immer gleich: das Datum täten seiner Heimatstadt.
Seit den Anfängen unverändert geblieben ist nur das ausser-
gewöhnliche Datum. Der «Morgestraich» als Auftakt zu jenen
Tagen, welche fasnachtsverrückte Stadtbasler wie Landschäftler
rituell als «die drei schönsten» des Jahres bezeichnen, wird näm-
lich erst gefeiert, wenn in allen anderen Karnevalshochburgen #MeToo – Frauen an der Fasnacht
die Kostüme schon wieder im Schrank hängen. Hinter dieser Auch nicht mehr aus diesem wegzudenken sind die Frauen.
kalendarischen Extrawurst vermutete man zeitweise eine Dazu muss man wissen, dass in Basel die Fasnacht noch bis Mitte
Provokation der seit 1529 reformierten Basler gegen das «carne des 20. Jahrhunderts ausschliesslich Sache der Männer war; die
vale» (Fleisch ade!) der Katholiken, die traditionellerweise vor holde Weiblichkeit war allenfalls an den zahlreichen Masken-
dem Beginn der Fastenzeit kulinarisch und alkoholisch nochmals bällen willkommen. Als sich die ersten Pfeiferinnen und Tromm-
in die Vollen gingen. Als wahrscheinlicher gilt jedoch die Annah- lerinnen kostümiert ins fasnächtliche Treiben wagten, mussten
me, die Ansetzung der Basler Fasnacht habe weniger mit konfes- sie Handschuhe tragen und durften ihre Larven erst zu Hause
sioneller Abgrenzung zu tun als mit militärischen Inspektionen wieder ablegen, um nicht «enttarnt» und von den Männern heim-
der mittelalterlichen Zünfte. Diese fanden nach Aschermittwoch geschickt zu werden. Nimmt heute eine Clique beim Marschhalt
statt und ihre abschliessenden feierlichen Defilées in den Gassen die Larven ab, kommen in der Pfeifergruppe fast ausschliesslich
der Stadt verschmolzen allmählich mit dem «Mummenschanz» Frauenköpfe zum Vorschein, und auch in den Reihen der Tam-
maskierter Wintervertreiber zu einem karnevalesken Brauch mit bouren sind immer mehr Ladys auszumachen. Waren die gros-
Militärmusik-Untermalung. sen Cliquen und Guggen noch bis in die Mitte des 20. Jahr-
hunderts strikte dem «starken Geschlecht» vorbehalten, kann
Immer neu: Filetstück «Musik» man heute die verbliebenen reinen Männercliquen an den
Für diese Variante spricht nicht zuletzt die weltweit einzigarti- Fingern zweier Hände abzählen. So haben die fasnachtsbegeis-
ge musikalische Ausprägung der Basler Fasnacht (auch exklusiv terten Baslerinnen «MeToo» auf ihre Art durchgesetzt, bevor
baslerisch: ohne «t»!). Trommelschlag und Piccolotöne sind eine man überhaupt wusste, was ein Hashtag ist …
Kombination, die sonst nirgends in der Welt mit fasnächtlicher Das sind nur ein paar wenige Beispiele von Veränderungen,
Ausgelassenheit und närrischem Treiben in Zusammenhang denen die vermeintlich unverrückte und unverrückbare Tradition
gebracht wird. Die beim gemessenen Defilieren in Kostüm und des Weltkulturerbes «Basler Fasnacht» in ihrer langen Geschichte
Maske (welche am Rheinknie «Larve» heisst) gespielten Melo- unterworfen war. Die Reihe liesse sich fortsetzen, und fast jeder
dien verhehlen denn auch keineswegs ihre militärische Herkunft. ältere Aktive kann davon erzählen, was früher besser, authenti-
Traditionelle Fasnachtsmärsche wie der «Arabi» oder die «Alten scher und «fasnächtlicher» gewesen sei als heute. Aber die aus-
Schweizermärsche» haben schon britische Grenadiere und eid- wärtigen Besucher wissen ja nicht, dass sie heute eine ganz
genössische Söldner in die Schlacht begleitet. Daneben ergänz- andere Fasnacht erleben als ihre Vorgänger vor fünfzig Jahren.
ten aber auch immer wieder neue und andere Klänge das fas- Das einzig Beständige ist auch in dieser vermeintlich so konser-
nächtliche Klangbild. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert vativen und traditionsverhafteten Stadt der Wandel.Aktuell
15
Expat’s Guide zu den Highlights der Basler Fasnacht 2019
INFO MÄRZ 2019
Sonntag, 10. März 2019
16.00–22.00 Uhr Laternen-Sonntag
Cliquen bringen die verhüllten Laternen zum Abmarschpunkt am Morgestraich
Gross- und Kleinbasler Altstadt
Montag, 11. März 2019
4.00–7.00 Uhr Auf der Strasse: Morgenstraich
Cliquenzüge, ohne vorgegebene Route, mit individuellen Kostümen, Kopflaternen und Laternen
Freies Zirkulieren der Cliquen in der Klein- und Grossbasler Altstadt. Keine Guggen, keine Wagen.
13.00–18.00 Uhr Auf der Strasse: Cortège
Defilée der Cliquen, Gruppen, Guggenmusiken und Wagen mit den Sujets (Themen) des Jahres
Festgelegte Routen aller Fasnachtseinheiten durch die Gross- und Kleinbasler Altstadt
20.00–?? Auf der Strasse: Gässle
Cliquen und Gruppen musizierend unterwegs
Freie Routenwahl in der Innerstadt
Restaurants und Cliquenkeller: Schnitzelbänke
Vorträge von Spottversen zu politischen und gesellschaftlichen Aktivitäten durch die Gruppen ver-
schiedener Schnitzelbank-Gesellschaften
In Restaurants und Jury-Lokalen (Theater Basel etc., meist ausverkauft)
Dienstag, 12. März 2019
14.00–18.00 Uhr Auf der Strasse: Kinderfasnacht
Fantasievoll dekorierte Wagen, selbstgemachte Kostüme und Larven der Kinder
Freie Zirkulation in der Klein- und Grossbasler Altstadt, Brennpunkt rund um den Marktplatz
19.00–22.00 Uhr Strassen und Plätze: Guggenmusik-Abend
Defilée der Guggenmusiken, Platzkonzerte
Festgelegte Routen durch die Gross- und Kleinbasler Altstadt
Mittwoch, 13. März 2019
13.00–18.00 Uhr Auf der Strasse: Cortège
Defilée der Cliquen, Gruppen, Guggenmusiken und Wagen mit den Sujets (Themen) des Jahres
Festgelegte Routen aller Fasnachtseinheiten durch die Gross- und Kleinbasler Altstadt
20.00–04.00 Uhr Auf der Strasse: Gässle
Cliquen, Gruppen, Guggenmusiken geben noch einmal alles bis zum «Endstreich» um 04.00 Uhr
Freie Routenwahl in der Innerstadt
Restaurants und Cliquenkeller: Schnitzelbänke
Vorträge von Spottversen zu politischen und gesellschaftlichen Aktivitäten durch die Gruppen
verschiedener Schnitzelbank-Gesellschaften
In Restaurants und Jury-Lokalen (Theater Basel etc., meist ausverkauft)Aktuell
PROJEKT ORAL HISTORY, CHEMIE UND STADTKULTUR
Zeitzeugen kommen zu Wort
Von ungefähr 1950 bis 1990 war die Blütezeit der chemi- drei ehemalige Mitarbeitende von CIBA und Geigy. Ziel des
schen Industrie in Basel. Seitdem werden Werke ausgela- Vereins ist es, die Geschichte der Arbeit in der chemischen Indus-
gert, Gebäude stillgelegt. Damit geht viel Wissen verlo- trie zu dokumentieren. Diese Arbeit prägte Basel ab 1860 und
ren. Ein Forschungsprojekt möchte dieses erfassen und verhalf der Region zu ihrem grossen Reichtum. Die Vereins-
dem Publikum zugänglich machen. mitglieder arbeiteten unentgeltlich und begannen Materialien zu
16 suchen, zu sichten und zu archivieren.
Zunächst gingen sie nachbarschaftlich vor: Sie veranstalteten
in Zusammenarbeit mit dem Quartiertreffpunkt Kleinhüningen
INFO MÄRZ 2019
und der Fachhochschule Nordwestschweiz acht Erzählcafés zum
Nicholas Schaffner Teil in Altersheimen in Kleinhüningen zu verschiedensten The-
Kulturwissenschaftler men von früher und heute wie Einkaufen, Arbeit und Gesund-
(Gastautor) heit, Lieblingsorte, Waschtag, Vereinsleben. Durch diese biogra-
fischen Erzählrunden gelangten sie an Menschen, welche einen
Bezug hatten zur chemischen Industrie und zur Arbeitsweise von
A
ls 1956 der Hochkamin an früher. Der Fokus der Suche wurde wegen des Bezugs zu Klein-
der Klybeckstrasse bei der hüningen bald die Farbstoffindustrie, insbesondere alles was mit
Ga be lung der Tramlinien dem heute leer stehenden Bau K90 im Klybeckareal und der
hochgezogen wurde, inspi- damaligen Arbeit dort zu tun hatte.
rierte er die Schreibenden der CIBA-Blätter zu Vergleichen wie Ab 2016 begann der Verein Zeitzeugen zu interviewen. So
«Turm zu Babel» und «Nadeln der Cleopatra». Dabei war die konnte der Verein die mündliche Überlieferung ab den 1950er-
Höhe des Kamins dem Umstand ge- Jahren fassen.
schuldet, dass wegen des Übergan- Beispielsweise konnte mit einem
ges von der horizontalen zur vertika- Färberlaboranten das Handwerk des
len Produktionsweise die Abgase auf Färbens mit chemischen erzeugten
einer Höhe von über 120 Meter abge- Farbstoffen und der damalige Ar-
geben werden mussten. So wurde der beitsalltag in den Laboren des Werks
Hochkamin zum höchsten Bauwerk Klybeck dokumentiert werden.
der Schweiz und Landmarke im Kly- Das Interview mit einem Chemiker
beckareal – einem Symbol der Leis- handelte von den 70er-Jahren bis hin
tungsfähigkeit der Basler Chemie. zur Schliessung der Farbenproduktion
im Gebäude K90 durch Huntsman im
Beim geplanten Abriss des Jahr 2011. Neben dem Arbeitsalltag
Kamins 2005 gab es von damals kreiste das Gespräch um
eine politische Debatte den Druck zu Produktivitätssteigerun-
Sollte der Kamin einfach so abge- gen. Die Farbstoffe sollten noch
rissen werden? Am Ende setzten sich schneller und in noch grösseren Men-
die Abrissbefürwortenden mit dem gen hergestellt werden. Dies ging nur
Argument durch, der Kamin könnte durch die Einbindung der Mitarbeiter
kontaminiert sein. Dennoch spürten in diese Prozesse mittels flacher
manche, dass mit dem Abriss dieser Hierarchien, ein in den 70er-Jahren in
Landmarke unwiederbringlich ein Basel noch unbekanntes Gebiet.
Stück Basler Chemiegeschichte ver- Die Reorganisation der Produktion
loren ging. in den Werken führte schon vor den Fu-
2012 fanden sich Gleichgesinnte sionen zu Spannungen unter dem Per-
zum Verein für Industrie- und Migra- Fotograf Hans-Georg Heimann, Eigentum: Renate sonal.
tionsgeschichte der Region Basel zu- Köhler Das Gespräch mit einer langjähri-
sammen. Gründungsmitglieder waren gen Sekretärin bei Geigy, Ciba-Geigy,
Haben Sie etwas zu erzählen aus der Zeit der chemischen Produktion (1950–1990)?
Melden Sie sich bei: Nicholas Schaffner +41 786 66 76 23 oder n.schaffner@imgrb.ch.Aktuell
Projekt Oral History, Chemie und Stadtkultur
Seit 1. Oktober 2018 führt der Verein mit Unterstützung
der Christoph Merian Stiftung ein Forschungsprojekt zur
mündlichen Überlieferung durch. In den nächsten zwei
Jahren sollen systematisch Interviews geführt und Materia-
lien gesammelt werden zum Thema Arbeitsalltag in den che-
mischen Werken von Basel. Erstaunlicherweise ist von den
Arbeits- und Lebensverhältnissen der Mitarbeitenden aus
dieser Zeit wenig bekannt.
Das bedeutet viel Arbeit. Leider ist das Budget erst zu 17
knapp der Hälfte finanziert. Wir schlagen deshalb vor, dass
Sie bei Ihren nächsten Einzahlungen den Betrag von 5 Fran-
INFO MÄRZ 2019
ken auf das Vereinskonto 15-48015-1, Industrie- und
Migrationsgeschichte Region Basel, Oetlingerstrasse 74,
Der entkernte Bau K90 im März 2017. 4057 Basel überweisen. Vielen Dank!
Roche und Novartis zeigte das schwierige Umfeld auf, mit So ist es uns gelungen, Teile der Geschichte der chemischen
dem eine allein erziehende Frau damals zu kämpfen hatte, und Produktion in Basel aus der Sicht von Zeitzeugen darzustellen.
die internen Bedingungen und Handlungsmöglichkeiten von Dies zeigt eindrücklich das Potenzial, das die Aufarbeitung der
Frauen. mündlichen Geschichte mit sich bringt.
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