50 Jahre AGFW: 50 Jahre Einsatz für die Branche - energie.de

 
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50 Jahre AGFW: 50 Jahre Einsatz für die Branche - energie.de
www.ehp-magazin.de  10/2021

50 Jahre AGFW:                                                          50 JAHRE
50 Jahre Einsatz
für die Branche

                  Es ist bemerkenswert, was      Branche – und hilft sich. Bei Fernwärmeha­
                  der AGFW für die Fernwärme-    varien und -notfällen im vergangenen Winter
                  branche leistet und welche     haben sich die Unternehmen gegenseitig un-
                  Bedeutung er für sie hat!      terstützt und gezeigt: Die Branche steht zu-
                  Zu diesem Ergebnis komme       sammen.
                  ich, wenn ich darüber nach-        Dem Erfahrungsaustausch und dem Wissen
                  denke, was 50 Jahre AGFW       der AGFW-Mitarbeiter entspringt letztendlich
                  bedeuten. Doch fangen wir      auch das Regelwerk. Der AGFW ist Regelsetzer
                  vorne an: Gegründet wurde      und Zertifizierer. Mit seinem technischen Re-
                  der Fachverband, um den        gelwerk, das permanent weiterentwickelt wird,
                  Erfahrungsaustausch der ge-    und den TSM-Zertifizierungen gibt er der Bran-
samten Branche (Betonung auf „gesamt“) zu        che Sicherheit – und zwar im In- und Ausland,
ermöglichen und ihre Interessen in Politik und   wie die Grußworte befreundeter europäischer
Öffentlichkeit zu vertreten.                     Verbände belegen.
   Erfahrungsaustausch? In Experten- und             Seine Expertise bringt der AGFW zudem
Projektkreisen bringen sich die Mitglieder       erfolgreich in den energiepolitischen Diskurs
selbst ein, berichten von ihren Erfahrungen,     ein. So ist ihm u. a. die Förderung des Wärme-
diskutieren diese, profitieren vom Wissen der    netzausbaus im KWKG zu verdanken. Förder-
anderen. Wissenstransfer ist das Stichwort.      gelder und Entlastungen in Milliardenhöhe hat
Wie wichtig dieser dem Verband von Anfang        er für seine Mitglieder erarbeitet.
an war, wird allein schon dadurch deutlich,          Die Liste der Erfolge und Leistungen des
dass mit der Gründung auch die Her­ausgabe       AGFW ließe sich noch weiter fortsetzen – und
einer Fachzeitschrift, der heutigen EURO­        wird fortgeschrieben. Wie gesagt: Es ist bemer-
HEAT&POWER, beschlossen wurde. Wissens-          kenswert, was der AGFW für die Fernwärme-
transfer wird zudem in den zahlreichen Ver-      branche leistet. Herzlichen Dank dafür!
anstaltungen des AGFW geleistet.
   Mit dem Erfahrungsaustausch einher geht       Silke Laufkötter
auch das Netzwerken. Man kennt sich in der       Chefredakteuerin EUROHEAT&POWER
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GESPRÄCH MIT WERNER R. LUTSCH                        50 JAHRE AGFW          11

AGFW gestern – heute – morgen:
ein Blick in die Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft
Der AGFW wird 50 Jahre alt – ein guter Grund, um mit Werner R. Lutsch darüber zu
sprechen. Wie ist es eigentlich zur Gründung des Verbands gekommen? Was ist in den
letzten fünf Jahrzehnten geschehen? Im Gespräch mit der EUROHEAT&POWER blickt
der AGFW-Geschäftsführer aber nicht nur zurück, sondern berichtet vor allem darüber,
womit der Fernwärmeverband sich derzeit befasst, und gibt einen Ausblick.

EHP: Warum wurde im Oktober 1971          bei dem VDEW
der AGFW gegründet? Was war das           gegründet. Seine
Ziel?                                     Hauptaufgabe war
                                          und ist die Bear-
Lutsch: Die ersten „Städteheizun-         beitung der tech-
gen“ wurden in Deutschland bereits        nisch-wirtschaft-
1900 in Betrieb genommen, und             lichen Fragen, die
1925 trafen sich die deutschen Städ-      in Ausarbeitungen
teheizer zum ersten Erfahrungs-           und Richtlinien
austausch. Der Gründung der               der Branche zur
AGFW – der Arbeitsgemeinschaft            Verfügung gestellt
Fernwärme – sind mehrere Treffen          werden. Zudem
von Fernheizwerkern sowie Aus-            soll auch die Inter-
schüsse innerhalb von anderen             essensvertretung
Organisationen wie dem VDEW, der          der Branche nach
bereits 1951 gegründet wurde, vor-        Außen – insbe-
ausgegangen. Es gab jedoch auch           sondere in Rich-
reine Fernwärmeversorger, die sat-        tung Politik ein
zungsgemäß nicht VDEW-Mitglied            wesentlicher Bau-
sein konnten, sich jedoch gerne in        stein der Arbeit
die Arbeit des Sonderausschusses          des Verbands sein.
„Heizkraftwirtschaft“ eingebracht
hätten. Diese, aber auch die herstel-     EHP: Haben sich die
lende Industrie wollten in den Er-        Aufgaben bzw. Ziele
fahrungsaustausch integriert wer-         innerhalb der letzten   AGFW-Geschäftsführer Werner R. Lutsch: „Für urbane
den.                                      fünf Jahrzehnte ver-    Lebensräume wird Fernwärme das führende Wärme-
                                          ändert? Inwiefern       system des 21. Jahrhunderts sein“
EHP: Das heißt also, dass der Erfah-      und warum?
rungsaustausch der gesamten Bran-
che im Mittelpunkt des Interesses         Lutsch: Ja und nein. Ja – wenn man      schen Regelwerks betrachtet. Hier
stand. Spielten energiepolitische Über-   sich die Komplexität der sich im-       wird konsequent weiterentwi-
legungen keine Rolle?                     mer schneller und irrational än-        ckelt – neue Erkenntnisse, neue
                                          dernden Anforderungen und Ge-           Materialien, neue Fertigungs- und
Lutsch: Doch, es war zudem ein An-        setze ansieht, die sowohl die           Verlegemethoden und vieles mehr
liegen der Branche, dass die Inter-       Fernwärme als auch die Kraft-Wär-       fließen hier ein.
essen des Wärmemarkts in der Po-          me-Kopplung betreffen. Nein –
litik und Öffentlichkeit vertreten        wenn man die permanente und             EHP: Welche Meilensteine gibt es in
werden. Deshalb wurde AGFW e. V.          stetige Fortentwicklung des techni-     der Geschichte des Verbands?

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12     50 JAHRE AGFW
       INDUSTRIEGESPRÄCHGESPRÄCH MIT WERNER R. LUTSCH
                           NAME_DES_GESPRÄCHSPARTNERS

     Lutsch: Im Laufe von fünf Jahrzehn-      Innerhalb der letzten 50 Jahre         neuerbaren Energien in Fernwär-
     ten sind vielen Meilensteine zu-         konnte AGFW mit seiner Arbeit ei-      menetze optimiert werden kann.
     sammengekommen. Da ist bei-              nen Nutzen in Summe von weit           Und nicht zu vergessen: Fernwärme
     spielsweise die Ölkrise Anfang der       über einem zweistelligen Milliar-      ist die einzige Zukunftstechnologie,
     1970er-Jahre zu nennen. Durch            denbetrag an Förderungen, Gut-         mit der erneuerbare Energien öko-
     diese erhielt die Fernwärme einen        schriften und Entlastungen für         nomisch und volkswirtschaftlich
     ganz neuen Stellenwert. Es folgten       seine Mitglieder generieren.           sinnvoll in die Wärmeversorgung
     zwei Zukunftsinvestitionsprogram-                                               von Ballungsräumen integriert
     me (ZIP), mit denen der Ausbau           EHP: Mit welchen Themen befasst sich   werden können.
     der Fernwärmeversorgung voran-           der AGFW gegenwärtig?
     getrieben werden sollte. Grundlage                                              EHP: Hat die Kraft-Wärme-Kopplung
     dafür war die „Gesamtstudie Fern-        Lutsch: „Fernwärme – Die intelli-      eine Zukunft?
     wärme“, an der die AGFW mitge-           gente Lösung für ein besseres Kli-
     arbeitet hatte. Als nächste Mei-         ma“ ist unser Slogan bereits seit      Lutsch: Selbstverständlich. KWK ist
     lensteine sind die ökologische           Jahrzehnten. Da ist nach wie vor       die Effizienztechnologie schlecht-
     Steuerreform und die KWK-Moder-          das KWKG, das zukunftstauglich         hin und wird deshalb auch in Zu-
     nisierungsprogramme Anfang der           weiterentwickelt werden muss. Der      kunft eine wichtige Rolle spielen.
     2000er zu nennen, die auf Basis der      Fokus dabei liegt allerdings eindeu-   Es ist die effizienteste Art der End-
     „AGFW-KWK-Hauptstudie“ entstan-          tig auf Fernwärme und der Trans-       energieerzeugung für Strom und
     den sind. Bei der Verbändefusion         formation bestehender Systeme.         Wärme. Mit ihr sparen wir jetzt und
     2007 haben unsere Mitglieder ent-        Wir warten schon lange auf die         in Zukunft eine erhebliche Menge
     schieden, als eigenständiger Ver-        Bundesförderung effiziente Wär-        an Treibhausgasen ein. Angesichts
     band weiterzuarbeiten. Mit fachli-       menetze. Die im Entwurf vorgese-       der ambitionierten Klimaziele in
     chem Know-how, Gutachten und             henen Fördermittel reichen jedoch      der EU und damit auch in Deutsch-
     Stellungnahmen haben wir das             nicht aus, und auch die Laufzeit       land ist KWK auch in Zukunft un-
     KWK-Gesetz 2009 und all seine            sollte auf mindestens zehn Jahre       verzichtbar.
     Novellierungen begleitet. Auch ist       erhöht werden. Mit einigen Korrek-
     allein dem Einsatz des AGFW die          turen könnte auch die Bundesför-       EHP: Wo sehen Sie den AGFW in 25
     Förderung des Wärmenetzausbaus           derung effiziente Gebäude fern-        Jahren?
     in neuen KWKG zu verdanken.              wärmetauglich gestaltet werden.
                                              Zudem beschäftigen uns die Sekto-      Lutsch: In Anbetracht der derzeiti-
     EHP: Was sind die größten Erfolge, die   renkopplung und die Novellierung       gen Klima- und Umweltziele der
     der AGFW in den letzten 50 Jahren er-    der Wärmelieferverordnung.             Bundesregierung wird der AGFW in
     zielt hat?                                                                      den nächsten 25 Jahren weiterhin
                                              EHP: Wie sieht die Zukunft der Fern-   einer der wichtigsten Ansprech-
     Lutsch: Meines Erachtens sind es –       wärme aus? Grün?                       partner für die Branche, für Städte
     neben der Sicherheit, die wir den                                               und Politik zum Thema Städtehei-
     Unternehmen durch unser Regel-           Lutsch: Für urbane Lebensräume         zung (und Kühlung) bleiben. Wenn
     werk und die TSM-Zertifizierungen        wird Fernwärme das führende            wir bis dahin die Städte im Durch-
     zukommen lassen, – all die Förde-        Wärmesystem des 21. Jahrhunderts       schnitt zu mindestens 50 % mit
     rungen, die wir für sie erkämpft         sein. Sicherlich wird die Fernwär-     Fernwärme beheizen wollen, ist
     haben. Da wären zunächst ZIP I und       me in Zukunft grüner werden. Un-       das eine schöne Aufgabe. Das heißt,
     II; das Fördervolumen löste damals       sere Mitgliedsunternehmen arbei-       wir, die Branche, gestalten die Wär-
     eine Investitionssumme von über          ten daran und wir unterstützen sie     mewende!
     5 Mrd. DM zum Ausbau der Fern-           dabei. So haben wir beispielsweise
     wärme aus. Nach der Wende die            die Plattform „Grüne Fernwärme“        EHP: Vielen Dank für das Gespräch.
     Anschubfinanzierung von etwas            gestartet, mit der Stadtwerken und                           Silke Laufkötter
     über 1 Mrd. DM zur Fernwärmesa-          Kommunen eine Online-Toolbox
     nierung in den neuen Bundeslän-          und eine Vernetzungsplattform zur
     dern. Und dann all die Gelder über       Verfügung steht. Im Forschungs-
     das KWKG, das EEWärmeG, weitere          projekt Urban-Turn, an dem wir be-
     Bundes- und Landesgesetze sowie          teiligt sind, untersuchen wir, wie     www.agfw-50jahre.de
     das Marktanreizprogramm usw.             das Einspeisen von Wärme aus er-

                                                                                     www.ehp-magazin.de           10/2021
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14    50 JAHRE AGFW          GRUSSWORTE

                                                Grußwort von Euroheat & Power
                                                Dearest friends at AGFW,
                                                on behalf of the entire Euroheat & Power community I would like to ex-
                                                tend my warmest congratulations on your 50th anniversary! This really
                                                is a momentous occasion and it’s a testament to your dedication and to
                                                the tremendous value that you have brought to our industry and to wider
                                                society over many years. On a personal note, I am grateful to your entire
                                                organisation (including top management!!) for the mutual support, trust
          Paul Voss      Birger Lauersen        and friendship that continues to develop between our organisations
          Managing            Euroheat &        and the people within them! I am very much looking forward to working
      Director Euro-     Power President        together to meet our many shared challenges and to grasp the huge
       heat & Power                             opportunities we have in front of us. In the meantime, I’d simply like to
                                                wish you wonderful celebrations of the past and all the best for the 50
                                                years to come! Warmest regards!

     Grußwort von Danish District Heating
     Association
     On behalf of the Danish District Heating    association, Euroheat & Power. AGFW
     Association I would like to congratulate    has provided much insight in the techni-
     AGFW with its 50 year anniversary. For      cal and political fields that has been in-
     us AGFW stands out as a very competent      valuable in our efforts to promote, deve-
     organisation representing a strong Ger-     lop and support district heating and
     man district heating and cooling sector.    cooling in the EU. We are all very grate-
     Their technical expertise is outstanding    ful for this. At the personal level, it has
     and it has helped many countries raise      always been a pleasure for all of us to         Birger Lauersen
     the technological level and grow their      work with our colleagues in AGFW. We            Manager International
     district heating sector. AGFW has always    look forward to continuing this excellent       Affairs, Danish District
     been a reliable and strong supporter of     cooperation in the future and we send           Heating Association
     the work we do together in our European     our very best wishes on the occasion.

                              Grußwort des Fachverbands Gas Wärme
                              Den Fachverband Gas Wärme und den             Personal ein adäquates Leistungsspek-
                              AGFW verbindet seit jeher eine enge           trum in der Energieversorgung sichern
                              Beziehung, insbesondere durch die             zu können. Zurecht kann der AGFW
                              zahlreichen österreichischen Mitglieder,      stolz auf die vergangenen 50 Jahre
                              die in beiden Verbänden vertreten sind.       seines erfolgreichen Wirkens für die
                                Die Energiewirtschaft und insbeson-         Fernwärmewirtschaft in Deutschland
                              dere die Fernwärmeversorger haben             zurückblicken, insbesondere auf das
        Michael Mock          derzeit spannende Zeiten vor sich. Die        einzigartige technische Know-how,
       Geschäftsführer        Energiewende – die Wärmewende –               das den Stand der Technik nicht nur in
          Fachverband         ist ohne die Fernwärmeversorger nicht         Deutschland vorgibt. Hierfür gilt große
           Gas Wärme          mehr vorstellbar. Die Qualifizierung          Anerkennung.
                              von Fachkräften wird immer wichtiger,           In diesem Sinne wünsche ich dem
                              um mit entsprechend ausgebildetem             AGFW weiterhin eine erfolgreiche Arbeit.

                                                                                     www.ehp-magazin.de          10/2021
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                              Grußwort des Verbands Fernwärme Schweiz
                              Wir gratulieren unserem Partnerver-          nik und den Betrieb, die Wissensver-
                              band AGFW von ganzem Herzen zu sei-          mittlung und den Wissensaustausch bis
                              nem 50. Geburtstag und wünschen ihm          zum Marketing für die Fernwärme.
                              für die nächsten 50 Schaffensjahre, in         Der Verband Fernwärme Schweiz
                              denen u. a. die Wärmewende und die           durfte vor allem in den letzten Jahren
                              Dekarbonisierung der Fernwärme an-           auf die äußerst wertvolle Unterstützung
                              stehen, alles Gute und viel Erfolg.          des AGFW zählen, insbesondere auf den
           Ständerat            Es ist eindrücklich, was der AGFW in       Gebieten technisches Regelwerk und
   Othmar Reichmuth           den ersten 50 Jahren alles erreicht hat      Aus- und Weiterbildung. Wir haben den
        Präsident des         und wie solide er aufgestellt ist. Sein      AGFW dabei als sehr loyalen Partner er-
      Verbands Fern-          Handlungsfeld reicht vom Einsatz für         lebt und hoffen, dass wir diese Verbin-
      wärme Schweiz           die rechtlichen Grundlagen im Energie-       dung auch zukünftig gemeinsam pfle-
                              und Klimaschutzbereich über die Tech-        gen und weiterentwickeln können.

Grußwort des BDEW
Ich gratuliere dem AGFW herzlich zum         Wärmewende ist grüne Fernwärme
Geburtstag. Schon seit 50 Jahren ist der     unverzichtbar. Zum Geburtstag wünsche
AGFW kompetenter Regelsetzer und             ich dem AGFW deshalb, dass er mit sei-
Dienstleister der Fernwärmebranche.          ner Arbeit auch künftig zum Erreichen
Wichtige Arbeit leistet der AGFW insbe-      der Klimaziele beiträgt. Ich freue mich
sondere mit den AGFW-Arbeitsblättern.        sehr, dass Dr. Hansjörg Roll als neuer
Er setzt durch diese Regelwerke und          Präsident den AGFW in diese Zukunft
Normen wichtige technische Leitlinien,       führen wird. Bereits beim BDEW hat er            Kerstin Andreae
die sehr hilfreich für die tägliche Arbeit   sich immer intensiv für die Belange der          Vorsitzende
seiner Mitgliedsunternehmen sind.            Fernwärme engagiert. Ich freue mich              der BDEW-Hauptge-
  Durch die Energiewende werden die          auch künftig auf einen interessanten             schäftsführung
Herausforderungen für die Branche            Austausch und eine weiterhin gute Zu-
nicht weniger: Für eine erfolgreiche         sammenarbeit mit dem AGFW!

                                     Grußwort des BKWK
                                     Seit 20 Jahren steht der BKWK an der Seite des AGFW für die Interessen
                                     der Fernwärme und insbesondere der Kraft-Wärme-Kopplung ein. Der
                                     AGFW hat mit seinem fachlichem Know-how, Gutachten und Stellung-
                                     nahmen aktiv den Weg zur Einführung des KWKG begleitet.
                                       Wir freuen uns, dass wir durch unsere gute Zusammenarbeit unsere
                                     Expertisen im Austausch verbinden können. Nur gemeinsam können wir
                                     die Transformation für die Zukunft bewältigen.
       Claus-Heinrich Stahl            Es ist wichtig aufzuzeigen, welche intelligenten Lösungen und positiven
        Präsident des BKWK           Effekte der Aus- und Umbau der Fernwärme zum Erreichen der gesteckten
                                     Klimaziele mit sich bringt. So ist die Weiterentwicklung des KWKG mit stabilen
                                     Rahmenbedingungen eine gemeinsame wichtige Aufgabe für unser Zukunft.
                                       Wir wünschen dem AGFW für die nächsten Jahre weiterhin viel Energie
                                     und ein gutes Gelingen zur Gestaltung unserer Energiewende.

10/2021         www.ehp-magazin.de
50 Jahre AGFW: 50 Jahre Einsatz für die Branche - energie.de
16    50 JAHRE AGFW            GRUSSWORTE

     Grußwort des ITAD
     Wir gratulieren dem AGFW zum           wärme. Gemeinsam werden wir uns
     50-jährigen Bestehen. ITAD, Verband    sicher auch zukünftig dafür einset-
     der klassischen Siedlungsabfall-       zen, dass unvermeidbare Abwärme
     verbrennungsanlagen und EBS-           aus unseren Anlagen den erneuer-
     Kraftwerke in Deutschland, arbeitet    baren Energien gleichgesetzt wird.
     seit vielen Jahren eng und vertrau-    Gleichzeitig freuen wir uns, mit dem
     ensvoll mit dem AGFW im Bereich        AGFW einen Partner an der Seite zu
     der nachhaltigen Nutzung der Ab-       haben, um sich gemeinsam den an-              Carsten Spohn
     wärme aus der thermischen Abfall-      stehenden Aufgaben und Heraus-                Geschäftsführer ITAD
     behandlung zusammen und wir            forderungen wie z. B. der Defossili-
     schätzen ihn als kompetenten An-       sierung der Wärmeversorgung als
     sprechpartner und verlässlichen        wichtigen Baustein im Kampf gegen
     Partner rund um das Thema Fern-        den Klimawandel zu stellen.

                                    Grußwort des Rohrleitungsbauverbands
                                    Eine der wichtigsten Erkenntnisse        eng zusammenarbeiten. Das vom
                                    unserer Branche ist die Tatsache,        rbv herausgegebene Netzmeister-
                                    dass gleichgesinnte Verbände, die        handbuch ist neben Gas und Wasser
                                    näher zusammenrücken, dem                auch für Fernwärme ein Standard-
                                    Leitungsbau eine gut vernehmliche        werk für technisches Grundwissen,
                                    Stimme verleihen. Ein gutes Beispiel     eben weil es hier inhaltlich durch
                                    einer schon über mehr als 20 Jahre       die Expertise des AGFW unter-
             Fritz Eckard Lang      erfolgreichen Kooperation ist die        mauert wird.
           Präsident des Rohr-      Zusammenarbeit zwischen AGFW               50 Jahre AGFW stehen für ein hal-
         leitungsbauverbands        und rbv. Hier ist ein von gegenseiti-    bes Jahrhundert qualitätsorientierten
                      e. V. (rbv)   gem Vertrauen geprägtes Mitein-          Handelns in der Wärmewirtschaft.
                                    ander entstanden, bei dem wir nicht      Weiter so! Der rbv gratuliert sehr
                                    nur in der Gremienarbeit zur Regel-      herzlich zu diesem runden Geburts-
                                    setzung und in der Berufsbildung         tag!

           Grußwort des BFW –
           Bundesverband Fernwärmeleitungen
           Der BFW (Bundesverband Fernwärmeleitungen) mit seinen Mitglieds-               BFW –
           unternehmen gratuliert herzlich zum 50-jährigen Jubiläum. Über diesen          Bundesverband
           beeindruckend langen Zeitraum hat der AGFW die Entwicklung der                 Fernwärme-
           Wärmeerzeugung und Wärmeverteilung in Verbindung mit der Nah- und              leitungen e. V.
           Fernwärme entscheidend vorangetrieben und diese auch mit steigender
           Tendenz im Bewusstsein der Politik und Öffentlichkeit verankert.
             Der BFW freut sich, die gute Zusammenarbeit mit dem AGFW in die-
           sem stark auf Nachhaltigkeit fokussierten Energiesektor in den nächsten
           Jahren weiter zu intensivieren und zukunftsorientiert zu gestalten.

                                                                                     www.ehp-magazin.de      10/2021
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                            Stahlmantelrohr

                                            50 JAHRE AGFW
                                        25 JAHRE ISOBRUGG
                                        Ein Jubiläum ist immer auch ein Grund zurückzublicken,
                                        auf 50 Jahre erfolgreiche Entwicklung der Fernwärme
                                        in der Energiepolitik und in der Technik.

 50 Jahre AGFW haben 50 Jahre
 erfolgreiche Entwicklung der
 Stahlmantelrohrtechnik begleitet –
 wir freuen uns auf eine weitere
 gute Zusammenarbeit.

              ISOBRUGG Stahlmantelrohr GmbH · Zum Hämeler Wald 21 · 31275 Lehrte
10/2021      Telefon 0049 (0)5175-92 10- 0 · E-Mail info@isobrugg.de · www.isobrugg.de
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18     50 JAHRE AGFW         HISTORISCHER RÜCKBLICK

     50 Jahre AGFW – eine Zeitreise
     Auf den 27. Oktober 1971 datiert die offizielle Gründung des AGFW. Wie kam es dazu?
     Was ist in den letzten 50 Jahren geschehen? Viel. Sehr viel. Ein wenig davon soll
     hier erzählt werden, um einen Einblick in die Geschichte des AGFW und damit einher-
     gehend der Fernwärme und Kraft-Wärme-Kopplung zu geben.

     Feuersicherheit, Sauberkeit und ei-    gen, den Kostenstrukturen und den      systeme und technische Erfah-
     ne verbesserte Luftqualität gegen-     Tarifsystemen.                         rungsberichte erarbeitet. Bereits
     über Einzelfeuerstellen waren die         Im Jahr 1932 schlossen sich erst-   1936 wurden die ersten »Techni-
     Gründe, warum in Deutschland be-       malig die öffentlichen Fernheiz-       schen Richtlinien über den Bau von
     reits ab Mitte der 1870er-Jahre mehr   werke unter dem Dach des 1892 ge-      Rohrleitungen für Fernheizanla-
     und mehr auf eine leitungsgebun-       gründeten Elektrizitätsverbands        gen« im Entwurf veröffentlicht.
     dene Wärmeversorgung zunächst          VdEW zu einem gemeinsamen Er-
     für kleinere Quartiere und Einzel-     fahrungsaustausch zusammen. In         Der Wiederaufbau
     objekte, ab 1900 in Dresden dann       gemeinsamen Arbeitssitzungen
     auf die Städteheizung gesetzt wur-     waren alle namhaften Städte mit        Nach dem zweiten Weltkrieg be-
     de. Eine Entwicklung nahm ihren        Fernheizungssystemen vertreten.        scherten das Wirtschaftswunder im
     Lauf. Bereits im Oktober 1925 trafen   Eine Reihe von Veröffentlichungen      Westen und der Wiederaufbau im
     sich die deutschen Städteheizer in     wie das im März 1933 publizierte       Osten auch der Fernwärmeversor-
     der Technischen Hochschule in          Buch „Öffentliche Heizkraftwerke       gung einen enormen Aufschwung.
     Berlin zu ihrer ersten Tagung. Der     und Elektrizitätswirtschaft in Städ-   Mit dem Wiederaufbau der Städte
     Verein Deutscher Heizungs-Inge-        ten“ von Dr.-Ing. E. Schulz von der    und der Fernwärmesysteme war
     nieure beschäftigte sich dort vor      „Berliner Städtische Elektrizität-     der Drang der Unternehmen, aus
     allem mit Fragen der Planung wie       werke A.G.“ beflügelte die weitere     den Erfahrungen der Kollegen zu
     der Wahl des »richtigen« Wärme-        Entwicklung der Fernwärme.             lernen, erneut groß. In Westdeutsch-
     transportmediums – Wasser oder            Mit der Machtübernahme der Na-      land wurde deshalb im September
     Dampf –, dem Bau der Rohrleitun-       tionalsozialisten 1933 wurde auch      1947 die Arbeitsgemeinschaft der
                                            die Verbandsarbeit im Energiesek-      Landesverbände der Elektrizitäts-
                                            tor »gleichgeschaltet«. Im Oktober     werke (AdEW) gegründet.
                                            1934 wurde die Wirtschaftsgruppe         Mit der Neugründung des VDEW
                                            Elektrizitätsversorgung W.E.V. mit     zum 1. Januar 1951 aus dem AdEW
                                            dem Ausschuss Stadtheizwerke ge-       heraus und der Gründung des
                                            gründet. Aufgaben waren u. a. die      Sonderausschusses Heizkraftwirt-
                                            Ausarbeitung von technischen           schaft am 7. Oktober 1951 in Mün-
                                            Richtlinien, Bau- und Betriebsfra-     chen hatte die Sparte Fernwärme
                                            gen, die Zusammenarbeit mit in-        und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)
                                            und ausländischen Fachgruppen.         wieder eine einheitliche Branchen-
                                               Die erste Fernwärmestatistik wur-   vertretung.
                                            de bereits 1928 begonnen und zwi-        Hauptaufgabe war es, »den Er-
                                            schen 1932 und 1935 erarbeitet. Sie    fahrungsaustausch der Heizkraft-
                                            weist 23 Werke von 19 Unternehmen      und Heizwerke zu pflegen und be-
                                            aus, die in der W.E.V. zusammenge-     sondere Fragen und Probleme in
                                            schlossen waren. An diese Werke        verschiedenen kleinen Arbeitskrei-
                                            waren 875 MW Anschlusswert,            sen zu untersuchen«. Hierzu ge-
                                            163 km Heiznetzlänge und 163 Kun-      gründet wurden die Arbeitskreise:
                                            den angeschlossen. In Europa wur-      • Allgemeine Planungsgrundlagen
                                            den bereits über 200 Fernheizwerke       für Städteheizungen,
                                            und Städteheizungen gezählt.           • Kostenaufteilung Strom/Wärme,
                                               In den kommenden Jahren wur-        • Richtlinien für den Bau von Haus-
     Erste Richtlinien zum Bau von Fern-    den innerhalb der Facharbeit des         stationen
     wärmeverteilleitungen, 1936            Ausschusses »Statistiken« Tarif-       • Rohrverlegungen,

                                                                                   www.ehp-magazin.de          10/2021
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50 JAHRE
               J
                                                                                                                       19

• Wärmetarife und Wärmemes-
  sung.
                                        „Lieferbedingungen für Wärme-
                                        meßgeräte“ oder „Statistik der Fern-
                                                                               LECKAGEPRÄVENTION
Die wesentlichen technischen Er-
gebnisse wurden von nun an in die
                                        wärmeversorgung“, um nur einige
                                        zu nennen, nahmen ihr Facharbeit
                                                                               IST UNSER BIER
VDEW-Richtlinien integriert.            auf und lieferten wesentliche
  Grundlagenarbeit wurde für die        Grundlagen für die Branche zum
Fernwärmebranche in den 1953            weiteren Ausbau der Fernwärme-
                                                                                                       Böse Überraschungen –
erschienen „Begriffsbestimmun-          versorgung. So wurde 1966 die                                  bei kleinsten Ursachen:
gen der Energiewirtschaft“ im Teil II   Richtlinie für „Wärmemessung und                               Zum 50-jährigen Jubiläum
„Heizkraftwirtschaft“ gelegt. Zwei      Wärmeabrechnung“ publiziert.                                   nichts zum Anstoßen?

Jahre später, bereits 1955 wurde die       In Ostdeutschland fand die Neu-
erste Ausgabe der technischen           strukturierung der Elektrizitäts-
Richtlinien für den Bau von Fern-       und Heizkraftwirtschaft nach dem
wärmenetzen und Hausanschlüs-           2. Weltkrieg nach Energiebezirken
sen an Fernwärmenetze herausge-         statt. Die Unternehmen bzw. Be-
geben. Auch innerhalb der Fach-         triebsdirektionen wurden ab 1952 in
zeitschrift »Elektrizitätswirtschaft«   Volkseigene Betriebe (VEB) umge-
nahmen die Berichte von Fernwär-        wandelt, die wiederum in der Ver-
meversorgungsunternehmen und            einigung Volkseigener Betriebe VEB
aus den Gremien zu.                     Energieversorgung zusammenge-
                                                                               Damit, auch wenn‘s heiß hergeht, kein
                                        fasst wurden. Hier wurde auch im
                                                                               Tropfen verschwendet wird:
                                        Rahmen der Kammer der Technik
                                        der Erfahrungsaustausch im We-
                                        sentlichen auf der Praxisebene or-
                                                                               Leckagen frühzeitig
                                        ganisiert. In Arbeitskreisen und       erkennen und keine Angst
                                        Fachausschüssen wie „Netzbetrieb“      vor Kontrollverlust!
                                        oder auch „Hausstationen“ wurden
                                        wertvolle technische Hinweise und
                                        neue Verfahren entwickelt. Dane-       Als Komponentenlieferant, System- und
                                        ben bildete die Zusammenarbeit         Digitaldienstleister rund um die Leckage-
                                                                               Ortung in Rohren, Behältern sowie in
                                        zwischen Praxis und Hochschule –
                                                                               hochsensiblen Räumen und Anlagen bietet
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                                                                               BRANDES aktuell alles, was Sie benötigen,
                                        versität Dresden – einen weiteren      um sicher und ortsunabhängig zu agieren,
                                        Baustein zur Weiterentwicklung des     bevor größerer Schaden entsteht.
                                        Fernwärmesystems.
                                                                               Bei höchsten Standards in der Planung,
                                           Anfang der 1970er-Jahre dräng-      Ausführung und vorsorgenden Unterhaltung
                                        ten in Westdeutschland vor allem       ist BRANDES auch zu festlichen Anlässen am
                                        die reinen Fernwärmeversorger, die     Puls der Zeit.
                                        satzungsgemäß nicht VDEW-Mit-
                                                                               Für die letzten 50 Jahre AGFW sagen wir heute
  Im Mai 1954 wurde auf Betreiben       glied sein konnten, und die Mitglie-
                                                                               dem Energieeffizienzverband somit:
des Pariser Fernwärmeversorgers         der des VDEW-Sonderausschusses
die Union Internationale des Distri-    »Heizkraftwirtschaft« auf die Grün-
buteurs de Chaleur (Unichal) mit        dung eines eigenständigen Fach-
                                                                               „Prost, alles Gute und
Sitz in Paris gegründet. Deutscher      verbands mit Bindung zum VDEW.
Vertreter der Branche war die HEW,      So sollten VDEW-Nicht-Mitglieder           herzlichen Glückwunsch!“
Hamburg. Die Verbandsarbeit hatte       aus dem Bereich der Versorgung
nun auch eine internationale Ver-       und der herstellenden Industrie in
tretung.                                den Erfahrungsaustausch inte-
  Die Facharbeit in den Gremien         griert werden. Ziel war es, die Wär-
wurde in den 50er- und 60er-Jahren      memarktinteressen, die nicht im
des letzten Jahrhunderts weiter         Mittelpunkt der VDEW-Aktivitäten                    ... für Sicherheit über den Tag hinaus
ausgebaut. Arbeitskreise wie „Wär-      standen, wirkungsvoll in der Politik
meabrechnung“, „Blockheizwerke“,        und Öffentlichkeit zu vertreten.                     BRANDES GmbH
                                                                                             Ohmstraße 1 · 23701 Eutin
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10/2021         www.ehp-magazin.de
20        50 JAHRE AGFW           HISTORISCHER RÜCKBLICK

Präsidenten des AGFW                                                                    Preiserhöhungen die Abhängigkeit
                                                                                        »großer« Volkswirtschaften vom
2021 – heute   Dr.-Ing. Hansjörg Roll                                                   Energieimport schonungslos auf.
               MVV Energie AG                                                           Ein Energiesicherungsgesetz trat in
2018 – 2021    Dr. Andreas Cerbe,                                                       Kraft und Sonntagsfahrverbote
               Rhein-Energie AG                                                         wurden verhängt. Alternativen wur-
                                                                                        den gesucht. Vor allem der öffentli-
2013 – 2018    Udo Wichert
                                                                                        che Versorgungsbereich bot sich an,
               Steag Fernwärme GmbH
                                                                                        die strategischen Weichenstellun-
2007 – 2013    Dipl.-Ing. Stephan Schwarz                                               gen zur Verringerung der Abhängig-
               Stadtwerke München GmbH          Unterzeichnung der AGFW-Satzung         keiten von ausländischen Rohstof-
2003 – 2007    Dipl.-Ing. Wolf-Dietrich Kunze                                           fen umfassend umzusetzen.
               Vattenfall AG, Berlin                                                      So rückten die Kernkraft und die
                                                weiterhin die Bearbeitung der tech-     heimische Stein-/Braunkohle für
1999 – 2003    Dipl.-Ing. Jürgen Kirchhoff
                                                nisch-wirtschaftlichen Fragen, die      die Stromversorgung in den Blick-
               Stadtwerke Rostock AG
                                                in Ausarbeitungen und Richtlinien       punkt der Energiepolitik. Für den
1991 – 1999    Dipl.-Phys. Karl Otto Abt        der Branche zur Verfügung gestellt      Wärmemarkt wurde Erdgas in der
               Stadtwerke Düsseldorf AG         wurden und bis heute die Basis des      Fläche und die Fernwärme in den
1978 – 1991    Prof. Dr. Gerhard Deuster        Wirkens der AGFW darstellen. Die        Städten zu einer zentralen Option.
               EVO Oberhausen AG                Interessenvertretung der Branche        Die zweite Ölpreiskrise von 1978 bis
                                                nach außen, vor allem in Richtung       1981 bestätigte dies nachhaltig.
1971 – 1978    Dipl.-Ing. Dr.-Ing. h.c.
                                                Politik, sollte von nun an ein weite-     Für die DDR waren in dieser Zeit
               Hans-Peter Winkens
               Stadtwerke Mannheim AG           rer wesentlicher Baustein der Arbeit    die importierten Mengen an Rohöl
                                                der AGFW sein.                          nicht mehr bezahlbar, so dass auf
                                                  Mit der gleichzeitigen Herausga-      Rohbraunkohlefeuerung umgestellt
                                                be der Fachzeitschrift »Fernwärme       wurde. Mehr als 108 Mrd. Mark wur-
        Die AGFW wird gegründet                 international« (heute: EUROHEAT&-       den für die Umstellung der Kraft-
                                                POWER) wurde die Kommunikation          und Heizkraftwerke aufgewendet.
        Am 27. Oktober 1971 war es dann         nach innen und nach außen sicher-       Zugleich wurde ein umfangreiches
        soweit. In Bad Pyrmont wurde die        gestellt. Die erste große Bewäh-        Wohnungsbauprogramm aufgelegt.
        Arbeitsgemeinschaft Fernwärme –         rungsprobe der AGFW kam kurze           In den 1970er- und 1980er-Jahren
        AGFW – e. V. bei der VDEW gegrün-       Zeit später mit der ersten Energie-     wurde die Fernwärme der Haupt-
        det. Die Unternehmen der 47 Grün-       krise.                                  wärmelieferant der Städte. KWK
        dungsmitglieder lieferten rd. 75 %                                              und die Fernwärme rückten in das
        der gesamten Fernwärmeabgabe in         Ölschock und Sonntagsfahr-              Blickfeld der nationalen Energie-
        der Bundesrepublik Deutschland.         verbote                                 politik.
        Zum ersten Geschäftsführer wurde
        Franz Josef Mölter ernannt, der         Einer der wohl einschneidendsten        AGFW erarbeitet die
        bereits den Sonderausschuss fast        und mit den Auswirkungen bis            Grundlagen zur »ersten
        20 Jahre betreut hatte.                 heute noch nachhaltig spürbaren         Energiewende«
          Die Gründung der AGFW kam             Tage für die Energieversorgung im
        gerade rechtzeitig in einer sich an-    letzten Jahrhundert war der 6. Ok-      Für die Erarbeitung der Grundlagen
        bahnenden aufregenden Zeit der          tober 1973. An diesem Tag griffen       zur »ersten Energiewende« beauf-
        Energiewende in Deutschland. Die        Ägypten und Syrien Israel an. Kurz      tragte der damalige Bundesfor-
        Hauptaufgaben der AGFW waren            darauf drosselten die arabischen        schungsminister Hans Matthöffer
                                                Länder ihre Rohölproduktion. Öl als     1974 die AGFW mit einer umfassen-
                                                Rohstoff wurde somit weltweit zur       den Studie zur Fernwärme, der »Ge-
Geschäftsführer des AGFW                        politischen Waffe. Die Erdöl-expor-     samtstudie Fernwärme«. Aufgabe
                                                tierenden Länder schlossen sich in      war es, einen Wärmeatlas der Bun-
2003 – heute   Dipl.-Ing. Werner R. Lutsch
                                                der OPEC zusammen und diktier-          desrepublik abzubilden und die An-
1976 – 2002    Dipl.-Ing. Hans Neuffer          ten fortan den Preis.                   wendungsmöglichkeit der Fernwär-
                                                   In den Industrienationen zeigten     me aus wirtschaftlicher, ökologi-
1971 – 1976    Dipl.-Ing. Franz-Josef Mölter
                                                die Lieferbeschränkungen und            scher und volkswirtschaftlicher

                                                                                        www.ehp-magazin.de          10/2021
50 JAHRE
                   J
                                                                                                                               21

    Sicht aufzuzeigen. Die Ergebnisse       eine ihrer größten Herausforderun-      rung der vorhandenen Fernwärme-
    der Studie zeigten große Potenziale,    gen. Die erste Hälfte dieses Fern-      systeme und das Erstellen von
    die im Hinblick auf den gewünsch-       wärmejahrzehnts war geprägt vom         Energieversorgungskonzepten bil-
    ten forcierten Ausbau der Fernwär-      Sanierungsbedarf der KWK- und           deten den Schwerpunkt. Am 5. und
    meversorgung von der Politik durch      Fernwärmesysteme in Ostdeutsch-         6. Juni 1990 wurde der Schritt der
    zwei Zukunftsinvestitionsprogram-       land. Die Erstellung von Energie-       grundsätzlichen Öffnung der AGFW
    me (ZIP 1 und ZIP 2) massiv und         konzepten, der Aufbau von kommu-        vom Vorstand und der Mitglieder-
    konsequent unterstützt wurden. Die      nalen und regionalen Unternehmen,       versammlung vollzogen. Noch vor
    insgesamt 1 930 Mio. DM an Förder-      die wettbewerbsmäßige Ausrich-          der deutschen Wiedervereinigung
    volumen setzten einen massiven          tung nach marktwirtschaftlichen         war die deutsche Fernwärmebran-
    Ausbau der Fernwärmeversorgung          Gesichtspunkten, die Sanierung der      che unter dem Dach der AGFW
    in Westdeutschland in Gang.             alten Erzeugungs- und Kundenan-         wieder vereint. Alle 15 Energiekom-
       Auch Effekte der stärkeren De-       lagen sowie das Ablösen veralteter      binate und rd. 30 weitere Versor-
    zentralisierung sollten bald ersicht-   Dampfnetze konnten nach und             gungsunternehmen waren Mitglied
    lich werden. Die Schneekatastrophe      nach umgesetzt werden.                  in der AGFW.
    in Norddeutschland 1978/79 war            Die AGFW öffnete sich als erster         Der Erfahrungsaustausch wurde
    geprägt von wetterbedingten Strom-      Verband nach der Wiedervereini-         durch eine Sonderausstellung 1991 in
    und Heizungsausfällen. Nur in den       gung für die Unternehmen aus            Wolfsburg intensiviert, das Gremium
    durch dezentrale KWK versorgten         Ostdeutschland. So konnte bereits       „Koordinierungsausschuss Ost“ in
    Gebieten war die Strom- und Wär-        1990 der deutsch/deutsche Integra-      die Facharbeit integriert. Bereits bei
    meversorgung sichergestellt. Dies       tionsprozess vollzogen werden. Am       der nächsten Vorstandswahl am
    führte in den darauf folgenden          13. Februar 1990 trafen sich acht       5. Mai 1993 in Köln wurde mit dem
    Jahren zu einem wahren Boom bei         Mitgliedsunternehmen unter dem          Vorstandsmitglied der Stadtwerke
    den Kunden.                             Dach der AGFW zu einem Gespräch         Rostock AG, Dipl.-Ing. Jürgen Kirch-
                                            mit den DDR-Energiekombinaten.          hoff, das erste ostdeutsche Vor-
    Eine neue Zeitrechnung                  Alle Beteiligten zeigten hohes Inter-   standsmitglied der AGFW berufen.
    beginnt                                 esse an einer direkten Zusammen-
                                            arbeit. Dabei wurde aufgrund der        Fernwärmesanierungs-
    Die deutsche Wiedervereinigung          schnellen und weitreichenden Ver-       programm
    1990 bedeutete auch für die Fern-       änderungen in dieser Zeit eine
    wärmebranche einen enormen              pragmatische und flexible Zusam-        Die Fülle an Aufgaben im Sanie-
    Aufschwung. Gleichzeitig war es         menarbeit vereinbart. Die Sanie-        rungsbedarf hatte erhebliche In-

                                                                                                                             Anzeige

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22   50 JAHRE AGFW        HISTORISCHER RÜCKBLICK

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        und ihre Erschließungstechnologien sind vielzählig,     Umwelt- und Innovationspreise folgten: Heute ist
        hochleistungsfähig und für die Dekarbonisierung         die 26-fach patentierte Technologie wirtschaftlich-
        des Gebäudewärmesektors wegweisend. Doch was            keitssteigernder Teil von über 5.800 Energielösungen
        mit wem und wie – damit die erhoffte Effizienz-         in ganz Europa.
        rechnung auch tatsächlich aufgeht?
           Gerade in Bestandsobjekten mit häufig veralteten
        konventionellen Speicher- und Verteilsystemen ist       Reduzierter Energieeinsatz,
        eine verlustfreie Einbindung von niedertemperier-       verbesserte Umweltverträglichkeit,
        ten Zugängen und die Bereitstellung der benötigten      wirtschaftlicherer Betrieb
        Systemtemperaturen für den Anlagen- und Netz-
        betrieb oft nicht realisierbar. Ein bekanntes Problem   Die beiden zentralen Funktionsabläufe im Hydraulik-
        mit einer seit vielen Jahren erfolgreichen Lösung       zentrum bilden die hydraulische Entkopplung sämt-
        aus dem Haus Zortea in Hohenems/AT: der Zort-           licher Volumenströme und die exakte Trennung in
        ström-Technologie.                                      beliebig viele Temperaturstufen innerhalb eines indi-
           Vor mehr als 30 Jahren entstand in dem Vorarl-       viduell dimensionierten Schichtspeichers, der als
        berger Familienbetrieb die energietechnologische        hydraulischer Nullpunkt zwischen Erzeuger- und
        Antwort auf das immer wiederkehrende Problem            Abnehmerseite fungiert. In ihm werden alle Ströme
        einer unzureichenden Systemhydraulik. Das Zort-         von (multiplen) Erzeugern und Rückläufe der Ver-

                                                                                                  Die Schichtungs-
                                                                                                  qualität hat einen
                                                                                                  wesentlichen
                                                                                                  Einfluss auf die
                                                                                                  Gesamteffizienz
                                                                                                  eines Heizsystems

                                                                                 www.ehp-magazin.de          10/2021
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                                                                                                                          23

                                                                                                                Anzeige

braucherseite zusammengeführt und in präzise
getrennten Temperaturniveaus thermisch geschich-
tet. Das Zortström-Verfahren ermöglicht es, Energie
aus beliebig vielen Wärme- oder Kältequellen mit
unterschiedlichen Leistungsklassen in einem ge-
meinsamen System vorzuhalten und dabei einem
bevorzugten Erzeuger Vorrang einzuräumen, ohne
dass es zu hydraulischen Störungen kommt. Auf
diese Weise können zudem Pumpenstromeinsparun-
gen von bis zu 90% erzielt werden.
   Egal, ob in Industrie, Gewerbe, Gesundheitswesen
oder Wohnbau und unabhängig von Funktion und
Größe eines Gebäudes: Die Einsatz- und erzeuger-
seitigen Kombinationsmöglichkeiten der Zortström-
Technologie sind unbegrenzt. Biomassekessel, Wär-
mepumpen, Solarthermieanlagen oder Abwärme-             Das Prinzip Zortström: optimierte Hydraulik, niedrige
kapazitäten lassen sich ebenso wie Kälteerzeuger        Rücklauftemperaturen und geringe Pumpenstrom-
hocheffizient in eine energetische Versorgungsstruk-    aufnahme für einen effizienten Multivalenz-Betrieb
tur integrieren und durch frei wählbare Spitzenlast-
systeme bzw. Fernwärmeanschluss ergänzen.

                                                               Auszug aus mehr als 5.800
                                                               internationalen Energie-Projekten
Geprüft, zertifiziert, für zukunftsfähig
befunden: wertbeständige Qualitäts-
lösungen für alle Einsatzfelder                                Auch hier ist die Zortström-Technologie
                                                               erfolgreich im Einsatz:
Für Großprojekte plant und fertigt Zortea die Anlagen      –   EnBW City Stuttgart
grundsätzlich als Individuallösung, aber auch Objek-       –   Bodensee-Therme Konstanz
te mit einer geringeren Grundlast – kleinere Gebäude       –   Rudolf Ölz Meisterbäcker Dornbirn
oder Einfamilienhäuser etwa – können mit entspre-          –   Festo AG Technologiefabrik Scharnhausen
chenden Kompaktausführungen ausgerüstet wer-               –   Royal Papworth Hospital Cambridge
den. Diese bieten insbesondere Monteuren den Vor-          –   Medizinische Universität Maastricht
teil einer sehr unkomplizierten Installation und           –   Kongresszentrum Davos
Inbetriebnahme bei gleichzeitig geringen Wartungs-         –   Musikvereinshaus Wien
aufwänden für den Betreiber oder Bauherren.                –   Weinkellerei St. Michael
   Die funktionale sowie ökologische und ökonomi-          –   Nahwärmeversorgung Altdorf
sche Wirksamkeit der Zortström-Technologie wurde           –   Messe Innsbruck
in den vergangenen Jahren vielfach im Rahmen               –   Kinderklinik Moskau
wissenschaftlicher Untersuchungen und durch                –…
zahlreiche Betriebsbilanzen aus der Praxis unter-
mauert – darunter Prüfverfahren des Instituts für
                                                               Kontakt:
Solartechnik SPF der Hochschule für Technik in
Rapperswil und des Fraunhofer Instituts Duisburg.
                                                                                                Technologie
Aufgrund ihrer besonders hohen Schichtungseffi-
                                                               Zortea Gebäudetechnik GmbH
zienz zählen Zortström-Anlagen aktuell zu den                  Rudolf-von-Emsstraße 32
energetisch effektivsten Vorhaltesystemen auf dem              6845 Hohenems, Austria
Markt. Sie sind damit ein wichtiges Instrument für             T +43(0)55 76 720 56
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ein nachhaltiges und zugleich besonders wirtschaft-            E-Mail: office@zortea.at
liches Energiemanagement im Gebäudesektor.                     www.zortea.at

10/2021        www.ehp-magazin.de
24     50 JAHRE AGFW          HISTORISCHER RÜCKBLICK

     vestitionen zur Folge, die vor allem
                                              Geschäftsführer der AGFW-Projekt-GmbH
     die neu gegründeten Unternehmen
     kapitalmäßig überfordert hätten.           2019 – heute      Dr. Heiko Huther
     Die notwendige Anschubfinanzie-
                                                2008 – heute      Dr. Ing. Heiko von Brunn,
     rung wurde durch ein von der                                 Dipl.-Ing., Dipl.-Wirt.-Ing. Harald Rapp
     AGFW initiiertes, 1,2 Mrd. DM um-
     fassendes Fernwärmesanierungs-             1997 – 2019       RA. A. Topp
     programm von Bund und Ländern              1997 – 2000       Dr.-Ing. Klaus Bauer
     bereitgestellt.
       Der größte Erfolg dieser Investiti-
     onen war die drastische Senkung
     der Schadstoffemissionen aller sa-      schen Energierechts fand ihren              ordnung (WSchV) und der Hei-
     nierten Fernwärmeerzeugungsan-          Ausgangspunkt in dem EU-Bestre-             zungsanlagenverordnung (Heiz-
     lagen. Im Mittel lagen diese bei CO2    ben, einen einheitlichen Ordnungs-          AnlV) getrennt geregelten Anfor-
     um rd. 33 %, bei SO2 um rd. 83 %, bei   rahmen für den leitungsgebunde-             derungen an den baulichen Wärme-
     CO um rd. 49 %, bei NOx um rd. 41 %     nen Energiemarkt zu finden. Am              schutz und an die Versorgungstech-
     und bei Staub um rd. 95 %. Durch die    1. April 1998 wurde dies in der Neu-        nik wurden zusammengefasst und
     umfassende Erneuerung der Fern-         regelung des Energiewirtschafts-            deutlich verschärft. Grundsätzli-
     wärmeerzeugung (Sanierungsgrad          gesetzes in nationales Recht um-            ches Ziel der EnEV war es, über die
     rd. 80 %) und Maßnahmen zur Sen-        gesetzt. Im Kern wurde die                  Senkung des Energiebedarfs die
     kung der Übertragungsverluste           Aufhebung der Gebietsmonopole               klimaschädlichen CO2-Emissionen
     konnten Energiespareffekte in Hö-       beschlossen und der freie Netzzu-           zu reduzieren. Wärme aus KWK-An-
     he von 11 180 GWh/a erreicht wer-       gang zur Lieferung an den Letztver-         lagen erhält hierin einen Vorteil
     den. Hinzu kamen erhebliche Ar-         braucher interessierten Anbietern           aufgrund ihrer Energieeffizienz.
     beitsplatz-sichernde Effekte und        ermöglicht. Der Einstieg in eine ef-
     eine Verringerung des Fernwärme-        fizientere, umweltorientierte Ener-         KWK-Modernisierungs-
     preises um durchschnittlich 25 %.       giepolitik fand über eine ökologi-          gesetz
       Das Fernwärmesanierungspro-           sche Steuerreform statt, die 1999 in
     gramm Ost hat den wesentlichsten        Kraft trat.                                 Unter dem Titel „Strategien und
     Beitrag zur Erhaltung der Fernwär-         Um als Verband den Mitgliedern           Technologien einer pluralistischen
     mesysteme in Ostdeutschland un-         direkter und flexibler Beratungen           Fern- und Nahwärmeversorgung
     ter betriebswirtschaftlichen Erfor-     und Dienstleistungen anbieten zu            in einem liberalisierten Energie-
     dernissen geleistet. Vor allem auf      können, wird 1997 als 100-prozenti-         markt unter besonderer Berück-
     ökologischem Gebiet wurde für die       ge Tochtergesellschaft die AGFW-            sichtigung der Kraft-Wärme-Kopp-
     Bevölkerung viel erreicht. Eine         Projekt-GmbH gegründet. Zunächst            lung und erneuerbarer Energien“
     spürbare Verbesserung der Um-           vornehmlich auf EDV-Projekte fo-            konnte die AGFW bereits im Früh-
     weltsituation in den hoch belaste-      kussiert, entwickelt diese sich ab          jahr 2000 die KWK-Vorstudie in die
     ten Innenstädten war die Folge.         2003 als direkter Dienstleister für         energiepolitische Diskussion ein-
                                             Forschungs- und Entwicklungs-               bringen. Weitere Bausteine fanden
     Liberalisierung der Energie-            projekte, für technisches Sicher-           in der „AGFW-KWK-Hauptstudie“
     märkte                                  heitsmanagement und als Veran-              ihre Ergänzung und Fortsetzung.
                                             staltungs- und Verlagsgesellschaft          Zum 1. April 2002 trat das KWK-
     Die zweite große Herausforderung        weiter.                                     Modernisierungsgesetz (KWKModG)
     in diesem Jahrzehnt war die Libe-                                                   in Kraft – mit dem Ziel, langfristig
     ralisierung der Energiemärkte. Im       Energieeinsparverordnung                    den Erhalt bestehender effizienter
     Zuge der Gestaltung der Europäi-                                                    Anlagen zu fördern und den Be-
     schen Union sind offene Märkte          Eine weitere wesentliche Verände-           stand kleinerer KWK-Anlagen
     und gleichberechtigter Marktzu-         rung der Rahmenbedingungen für              auszubauen. Die AGFW wirkte da-
     gang auch zu wesentlichen Be-           die Wärme- und Heizkraftwirt-               bei wesentlich mit und gestaltete
     standteilen der nationalen Energie-     schaft waren die seit 1. Februar 2002       mit dem AGFW-Regelwerksbau-
     politik geworden. Die unter dem         geltenden Regelungen der neuen              stein FW 308 »Zertifizierung von
     Stichwort »Liberalisierung« durch-      Energieeinsparverordnung (EnEV).            KWK-Anlagen – Ermittlung des
     geführte Neuregelung des deut-          Die bisher in der Wärmeschutzver-           KWK-Stroms« einen wesentlichen

                                                                                         www.ehp-magazin.de          10/2021
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Baustein für die sachgerechte Be-     Abwanderung in Metropolregionen       Wendepunkte
wertung und Umsetzung des             und in das Umland der Städte —
Koppelprodukts Wärme und Strom        führten in vielen Städten und Re-     Der 23. August 2007 und der 11. März
innerhalb des Gesetzes.               gionen Ostdeutschlands zu massi-      2011 waren wiederum entscheiden-
   Die AGFW hatte zu Beginn des       ven Wohnungsleerständen und           de Wendepunkte in der zukünftigen
neuen Jahrtausends rd. 230 Fern-      Überkapazitäten in der technischen    Energieversorgung Deutschlands.
wärmeversorgungsunternehmen           Infrastruktur. Der »Stadtumbau        Mit einem umfassenden Klima- und
und ebenso viele Industrieunter-      Ost« musste begonnen werden.          Energiepaket beschloss im August
nehmen als Mitglieder. Sie reprä-       Im Rahmen des gleichnamigen         2007 die damalige Bundesregierung
sentiert seither über 90 % des        Bund-Länder-Programms wurden          30 Einzelmaßnahmen, die den Weg
deutschen Nah- und Fernwärme-         dazu Fördermittel in Höhe von ins-    zum Erreichen der deutschen Kli-
markts.                               gesamt 2,5 Mrd. € für den Rückbau     maschutzziele beschreiben. Kern-
   Auch die energiewirtschaftlichen   überzähliger Wohnungen – meist        punkte des Programms sind vor al-
Verbände passten sich den zum Teil    Plattenbauten – und für die Auf-      lem eine effiziente Energienutzung
massiven Umstrukturierungen ih-       wertung der Innenstädte zur Ver-      und der stärkere Einsatz von erneu-
rer Unternehmen an. So brachte        fügung gestellt. Die Folgen dieser    erbaren Energien. Als die vier we-
sich AGFW 2002 als weiterhin un-      Entwicklung waren und sind auch       sentlichen Säulen des Pakets zur
abhängiger Branchenfachverband        für die technische Infrastruktur –    Umsetzung sind darin der Ausbau
in das Dach-/Fachverbandsmodell       d. h. für die Ver- und Entsorgungs-   der erneuerbaren Energien im
der VDEW ein. Der Name wurde in       wirtschaft – enorm.                   Strom- und Wärmebereich, der Aus-
„Arbeitsgemeinschaft für Wärme          So mussten Rückbau- und An-         bau der KWK mit Fern- und Nah-
und Heizkraftwirtschaft – AGFW –      passungsmaßnahmen vor allem im        wärmesystemen, die Steigerung der
e. V. bei dem VDEW“ geändert. Die     Wasser-/Abwasserbereich sowie bei     Energieeffizienz von Gebäuden und
Facharbeit der AGFW war aller-        den Fernwärmesystemen vorge-          die Bereitstellung der finanziellen
dings davon kaum berührt.             nommen werden. Die AGFW brach-        Mittel verankert.
                                      te sich in enger Zusammenarbeit
Stadtumbau Ost                        mit dem Verband kommunaler Un-        Große Herausforderungen
                                      ternehmen (VKU) aktiv auf der poli-
Der demographische Wandel zu          tischen Expertenebene ein und         Klimawandel, exorbitante Öl- und
Beginn des Jahrtausends — wirt-       konnte eine Aufstockung der Mittel    Gaspreise sowie immer größer wer-
schaftlicher Strukturwandel, der      um 40 Mio. €/a für die städtische     dende Abhängigkeiten bei der Pri-
Bevölkerungsrückgang sowie die        Infrastruktur erreichen.              märenergieversorgung zwingen

                                                                                                                   Anzeige

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26     50 JAHRE AGFW         HISTORISCHER RÜCKBLICK

     Politik, Unternehmen und Verbrau-        Der AGFW unterstützte dabei we-      band eines vielbeachteten, aber
     cher zum Umdenken. Energieein-         sentlich die fachliche Umsetzung       nicht im Fokus stehenden Produkts
     sparung, Energieeffizienz und re-      der Förderung durch die Regelwerk-     hin zum Vollverband, der die Inter-
     generative Energien stehen von         Arbeitsblätter FW 308 – Zertifizie-    essen einer ganzen Branche über
     nun an im Mittelpunkt der Energie-     rung von KWK-Anlagen – Ermitt-         alle Ebenen und Anforderungen
     diskussion und der politischen         lung des KWK-Stroms, FW 313 –          vertritt – mit einem Produkt, das
     Zielsetzung. Nah- und Fernwärme-       Berechnung der thermischen Ver-        die Energieeffizienzoption Nr. 1 und
     systeme, KWK und Kälteversorgung       luste von thermischen Energiespei-     Schlüsselelement für die CO2-Re-
     gelten von nun an als wesentliche      chern und FW 704 – Wirtschaftlich-     duktion und Implementierung er-
     strategische Option der Energiever-    keit nach §§ 20 und 24 KWKG-           neuerbarer Energien im Wärme-
     sorgung in Deutschland.                Verfahren zur Darlegung der Finan-     markt ist. Die Entscheidung der
       Mit der parlamentarischen Ver-       zierungslücke bei Neu- und Ausbau      Mitglieder am 9. April 2008 in Bre-
     abschiedung des ersten Teils des       von Wärme-/Kältenetzen und Wär-        men, den AGFW neu auszurichten,
     „Integrierten Energie- und Klima-      me-/Kältespeichern in Deutschland.     die vollständige Selbstständigkeit
     programms“ der Bundesregierung           Weitere Förderungen von ener-        zu schaffen, die Schlagkraft zu
     im Sommer 2008 wurden erste            gieeffizienten Quartiersprojekten in   bündeln und eine Neuausrichtung
     weitreichende Eckpunkte veran-         Größenordnungen von rd. 50 Mio. €      auf die Erfordernisse der Zeit zu
     kert. Es sind dies: die Novellierung   für Fernwärme- und Kälteprojekte       gestalten, war richtig und notwen-
     des KWKModGesetzes, das Erneu-         kamen innerhalb der Stadtentwick-      dig.
     erbare-Energien-Gesetz (EEG) und       lung im Rahmen der Städtebauför-          Auf der Mitgliederversammlung
     das Erneuerbaren-Energien-Wär-         derung und EU-EFRE-Förderung           sprachen sich knapp 90 % der Mit-
     megesetz (EEWärmeG).                   zwischen 2012 und 2021 in einigen      glieder für die Unabhängigkeit ihres
       Das neue Kraft-Wärme-Kopp-           Bundesländern (Sachsen, Thürin-        AGFW aus. Die Mitgliederversamm-
     lungsgesetz (KWKG) trat am 1. Ja-      gen, NRW, Bayern, u. a.) hinzu. Pro-   lung beschloss mit 583 Stimmen
     nuar 2009 in Kraft. Damit endete       jekte wie in Dresden-Pieschen mit      bei 54 Gegenstimmen und 12 Ent-
     eine mehr als zwei Jahre andau-        dem Elbdüker, in Erfurt oder Chem-     haltungen, der Empfehlung des
     ernde Kraftanstrengung für die         nitz sowie die Essener Osttrasse       Vorstands zu folgen, nicht mit dem
     Branche und den AGFW mit einem         seien beispielhaft genannt. Auch       BDEW zu fusionieren. Das klare
     großen Erfolg und wichtigen Mei-       hier leitete der AGFW mit dem Ar-      Votum zeigt deutlich das neue
     lenstein. Denn erstmalig seit den      beitsblatt FW 703 – Berechnungs-       Selbstverständnis, die Energie und
     ZIP und Fernwärmesanierungs-           verfahren zum Nachweis der un-         die Weitsicht der Wärme-, Kälte-
     programmen wurde im KWKG auch          rentierlichen Kosten wertvolle         und KWK-Branche in Deutschland.
     der Neu- und Ausbau von Wärme-         Unterstützung für die Fernwärme-          Gleichzeitig wurde auch die Än-
     netzen gefördert. Gleichzeitig be-     branche.                               derung des Vereinsnamens in
     gann eine noch größere Herausfor-                                             „AGFW | Der Energieeffizienzver-
     derung: die der Umsetzung.             Neuausrichtung des AGFW                band für Wärme, Kälte und KWK
       Der AGFW hat alle Initiativen mit                                           e. V.“ beschlossen sowie ein neues,
     fachlichem Know-how, Gutachten         Die von großen Verbundunterneh-        modernes Logo präsentiert. Der
     und Stellungnahmen aktiv, zum          men Ende 2005 geforderte Restruk-      Markenname „AGFW“ blieb für die
     Teil federführend, begleitet. Immer    turierung der Energieverbände be-      Branche erhalten.
     dem Ziel der Steigerung der Ener-      gleitete die AGFW von Anfang an
     gieeffizienz durch Nah- und Fern-      aufgeschlossen. Der während des        Klimawandel und der Weg
     wärme mit KWK näher zu kommen,         Prozesses vom VDEW geforderten         zur grünen Fernwärme
     den Grundsätzen der Satzungsväter      Integration und de facto Zerschla-
     verpflichtet.                          gung der AGFW in den 2007 neu          Am 23. Januar 2008 hatte die Euro-
       Von 2009 bis 2019 konnten so al-     aus VDEW und dem Bundesver-            päische Kommission ein Klima-
     leine 8 384 Netze neu- bzw. ausge-     band des Gas- und Wasserfachs          schutzpaket vorgestellt. Es wurden
     baut werden. 6 400 km Trassenlän-      e. V. (BGW) gegründeten Bundes-        verbindliche Ziele für die Senkung
     ge wurden mit 961 Mio. € gefördert.    verband der Energiewirtschaft e. V.    von Treibhausgasemissionen und
     Im gleichen Zeitraum wurden 890        (BDEW) mochten die Mitglieder          den Anteil erneuerbarer Energien
     Wärmespeicher aller Größenklas-        nicht folgen.                          vorgelegt. Ein Hauptbestandteil des
     sen gebaut. Diese erhielten rd.           Der AGFW entwickelte sich seit      Klimapakets ist die grundlegende
     78 Mio. € an Förderung.                seiner Gründung 1971 vom Fachver-      Reform des Emissionshandels in

                                                                                   www.ehp-magazin.de          10/2021
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