Andachten 2020 Ich glaube, hilf meinem Unglauben! - Mk 9,24 (L=E) - Ev. Frauenhilfe

 
Andachten 2020 Ich glaube, hilf meinem Unglauben! - Mk 9,24 (L=E) - Ev. Frauenhilfe
Andachten 2020

    Ich glaube, hilf meinem Unglauben!
               Mk 9,24 (L=E)
Andachtsheft 2020

                                                                                                     „Nun lasst uns gehen und treten / mit Singen und mit Beten /
                                                                                                      zum Herrn, der unserm Leben / bis hierher Kraft gegeben.“

                                                                                           Mit diesen Worten Paul Gerhardts (EG 58) wollen wir das neue Jahr, ja das neue
                                                                                           Jahrzehnt beginnen. Und Ihnen für den Weg durch das Jahr mit diesem Andachts-
                                                                                           heft wieder einen treuen Begleiter an die Hand geben, der Ihre Treffen bereichern
                                                                                           soll. Dem An-gedachten selber nachzudenken, die Lieder selber zu singen, sich das
                                                                                           Gebet zu eigen zu machen, sich den Segen zusprechen zu lassen – dazu lädt jede
                                                                                           einzelne Monatsandacht in ihrer ganz eigenen Weise ein. Denn darin liegt die Stärke
                                                                                           dieses Heftes, das vor Ihnen liegt: ganz unterschiedliche Frauen nähern sich ‚ihrem‘
                                                                                           Monatsspruch auf je ihre Weise, mit ihrer eignen Lebenserfahrung und Sicht auf
                                                                                           das Leben. Herzlichen Dank an alle Autorinnen, die uns teilhaben lassen an ihrer
                                                                                           Gottesbeziehung!

                                                                                           Und wenn Sie, liebe Leserin, ganz andere Erfahrungen gesammelt haben, dann
                                                                                           suchen Sie in Ihrer Gruppe den Austausch. Bringen Sie die biblischen Texte ins Ge-
                                                                                           spräch, staunen Sie miteinander über die Vielfalt der Erfahrungen, Ideen, Gedanken
                                                                                           …

                                                                                                    „Wir gehen dahin und wandern / von einem Jahr zum andern, /
                                                                                                        wir leben und gedeihen / vom alten bis zum neuen …“

                                                                                           Mit der Herausgabe dieses Andachtsheftes verabschiede ich mich zugleich von
                                                                                           Ihnen, liebe Schwestern, als verantwortliche Redakteurin. Alles im Leben hat seine
Herausgeberin     Evangelische Frauenhilfe Landesverband Braunschweig e.V.                 Zeit, und so geht die Arbeit an diesem Heft in neue Hände über.
                  Anschrift: Dietrich-Bonhoeffer-Str. 1, 38300 Wolfenbüttel                Mit allen guten Segenswünschen für das Jahr
                  Telefon: 05331 802-540, Telefax: 05331 802-533
                  Internet: www.frauenhilfe-bs.de, E-Mail: sekretariat@frauenhilfe-bs.de
                                                                                           Antje Gottwald
Redaktion         Antje Gottwald, Kirsten Friesland, Gunhild Kühne
Druck             Gemeindebriefdruckerei, Johannes Harms, Gr. Oesingen
Layout/Satz       Die Kirstings – Kreativwerkstatt, Braunschweig                                      Doch nicht mir, sondern Paul Gerhardt gehört das letzte Wort:
Titelbild         Antje Gottwald
                                                                                                        „Sprich deinen milden Segen / zu allen unsern Wegen, /
Die Kürzel hinter den Bibelstellen beziehen sich auf die Übersetzung:
                                                                                                     lass Großen und auch Kleinen / die Gnadensonne scheinen.“
L= Lutherbibel, revidierter Text 1984, 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
E = Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Stuttgart 1980
BigS = Bibel in gerechter Sprache

                                                    2                                                                               3
Jahreslosung 2020                                                                       Jahreslosung 2020

                        Ich glaube, hilf meinem Unglauben!                              Eigentlich.
                                  Mk 9,24 (L=E)                                         Wären da nicht die Momente des Zweifels, der Unsicherheit, der Überforderung.
                                                                                        „Bis jetzt ist alles gut gegangen. Schnell auf Holz klopfen.“ Haben Sie das noch nie
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Frauenhilfsschwestern, aber zu Beginn eines    getan oder gesagt?
neuen Jahres muss ich mich immer erst „einwohnen“. Die neue Jahreszahl fühlt sich
ungewohnt an; ich fühle mich ein wenig aus der Zeit gefallen. Nun also 20 20 – aber     Kennen Sie die Geschichte vom Seewandel des Petrus (Mt 14,22-32)? Jesus wandelt
hatten wir nicht gerade erst den Milleniumswechsel?! Wie deutlich steht mir noch        auf dem See Genezareth. Petrus sieht ihn, will zu ihm und auf ein Wort Jesu hin
die Aufregung vor diesem Jahreswechsel vor Augen. Einige Mitbürger waren so             macht er sich auf den Weg über das Wasser. Aber als ihm deutlich wird, was er gera-
verunsichert, dass sie sich Notvorräte anlegten, um einem möglichen Weltuntergang       de tut, bricht die Zuversicht in sich zusammen und er sinkt. Er wird zwar von Jesus
widerstehen zu können. So aufregend ist der Wechsel in ein neues Jahrzehnt nicht,       gerettet, muss sich aber als Kleingläubiger bezeichnen lassen.
aber allein die Zahl 20 20 sorgt dennoch für einige Aufregung. Schon lange im
Voraus sind Daten mit Zahlenspielen vorgebucht, wenn es an Hochzeiten geht. Der         Wie gut kann ich ihn verstehen, diesen Petrus. Das kenne ich, dass ich voll guten
20.02.2020 ist bestimmt viel geeigneter zum Heiraten als der 23.05.2020 oder der        Mutes aufbreche, das Ziel vor Augen. Nur um dann – mit der Realität konfrontiert
17.09.2020. So ein Zahlenspiel hat doch etwas Magisches, oder?                          – kleingläubig am Gelingen zu zweifeln und dadurch ins Straucheln zu geraten. Da
                                                                                        fühle ich mich der Jahreslosung sehr nahe „Herr, ich glaube. Hilf meinem Unglau-
So aufgeklärt wir uns auch geben, so sehr wir leugnen, abergläubisch zu sein, so        ben!“ Dieser Satz wird von einem verzweifelten Vater ausgerufen, der Jesus um
sehr zeigen sich doch Reste magischen Denkens. Natürlich wissen wir alle, dass an       die Heilung seines Sohnes gebeten hat – wenn er, Jesus, das denn könne. Da bricht
einem Freitag, dem 13., nicht mehr Unglücksfälle geschehen als an anderen Da-           die jahrelange Hilflosigkeit des Vaters durch, der wohl schon alles versucht hat, um
ten und Wochentagen (Versicherer berichten sogar von 10 % weniger gemeldeten            seinem Sohn zu helfen, und nun eben einen weiteren Versuch startet. Der sich aber
Schadensfällen). Und dennoch ist jeder Freitag, der auf den 13. eines Monats fällt,     nicht gestattet, einfach auf Erfolg zu setzen, zu viel Enttäuschungen liegen schon
des Gespräches wert. Ist doch immer ein gutes Smalltalk-thema, oder? „Eigentlich        hinter ihm. Und was bekommt er zu hören? „Alle Dinge sind möglich dem, der
glaube ich ja nicht daran, aber es schadet doch auch nichts, sich ein wenig vorzu-      da glaubt.“ Woraufhin er schreit: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Wie
sehen.“ Da wird dann jedes zerbrochene Glas, jeder verschüttete Kaffee plötzlich        Petrus nimmt er sein Herz in die Hand, wagt sich hinaus – und weiß doch um seine
bedeutungsschwanger, wo man an jedem anderen Tag einfach alles aufgewischt hätte        Grenzen. Die er nun wiederum der Barmherzigkeit Jesu anvertraut. ‚Ich tue, was ich
und damit wäre es erledigt.                                                             kann. Und darüber hinaus, tu du bitte, was fehlt.‘ Glaube als eigene Verfasstheit und
                                                                                        als erbetenes Geschenk.
Wir Menschen sind in unserem Verhalten alles andere als eindeutig, und wir sind
schon gar nicht einfach nur vernunftgesteuert. Urängsten versuchen wir auch mit         Eigentlich verlasse ich mich in meinem Leben ganz auf Gott, weiß mich beim ihm
uralten Verhaltensmustern beizukommen.                                                  geborgen, von ihm getragen. Und dennoch sind da die Augenblicke, in denen ich auf
                                                                                        Holz klopfe, Scherben Glück zuspreche und was es derlei noch mehr gibt.
Wir Frauenhilfsschwestern wissen uns mit der ganzen Christenheit gegründet allein
auf Jesus Christ. „Einen andern Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist,      Nein, wir Menschen sind nicht eindeutig, und wir sind nicht vernunftgesteuert. Aber
welcher ist Jesus Christus“, heißt das bei Paulus im 1. Korintherbrief (1. Kor 3,11).   wir sind alle Gottes Kinder, die sich vertrauensvoll ihm zuwenden dürfen mit der
Und so können wir als Mitglieder in einem christlichen Verein wohl alle sagen           Bitte „Herr, ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“
„Herr, ich glaube!“ Damit könnten und sollten wir eigentlich alle abergläubischen
Praktiken hinter uns gelassen haben.

                                          4                                                                                       5
Jahreslosung 2020                                                Jahreslosung 2020

Gebet                                                             Lieder
Wie oft schon, Gott,                                              EG 575		         Du bist, Herr, mein Licht und meine Freiheit
habe ich mein Heil bei vermeintlichen Glücksbringern gesucht:     EG 596		         Ich möchte Glauben haben
habe ‚Schutzengel‘ gekauft und im Haus verteilt,                  EG 65		          Von guten Mächten
habe, wenn auch verschämt, das Horoskop gelesen,
habe Glücksklee mit Schornsteinfeger und Schweinchen zu           Segen
Sylvester gekauft.                                                Alle Tage deines Lebens sei geborgen in Gottes Hand.
                                                                            Getragen wage dich hinaus ins Leben.
Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.                          Alle Tage deines Lebens sei umfangen in der geschwisterlichen
                                                                  Gemeinschaft des Sohnes.
Wie oft schon, Gott,                                                        Umsorgt wende dich dem Nächsten zu.
habe ich von überall her Seelenheil erhofft, nur nicht von dir:   Alle Tage deines Lebens sei erfüllt von Gottes Geist.
habe meinen Lebenswandel zu optimieren versucht,                            Beflügelt wage dich an neue Horizonte.
habe meine Zeit gewinnbringend einsetzen wollen,                  Und so segne dich Gott, der Allmächtige,
habe Achtsamkeits-Ratgeber gelesen.                               Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.
                                                                                                                      Antje Gottwald
Bei dir, Gott,
kann ich sein, wie ich bin:
himmelhochjauchzend zu Tode betrübt,
lebensbejahend und verzagt,
gefestigt und verunsichert.
Du willst mir der starke Fels sein, auf dem ich mein Haus
errichten kann.

Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben. Amen.

                           6                                                               7
Januar 2020                                                                                 Januar 2020

                                     Gott ist treu.                                       Ich schalte den Fernseher ein und höre, dass die politischen Parteien sich über den
                                 1. Korinther 1,9 (L)                                     Preis für eine Tonne CO2 streiten. Damit werden weitgreifende Änderungen nicht
                                                                                          angegangen, da sie nicht während einer Legislaturperiode, ja über Jahrzehnte und
„Gott ist treu“: Dieses Bibelwort finden wir an zahlreichen Stellen im Alten und          mehr zum Erfolg führen können und damit zum Ruhm der „Verantwortlichen“ gerei-
Neuen Testament. Drei Worte nur, die mich zunächst verwundern. Heißt es nicht             chen. Gott denkt nicht in Stunden, Tagen oder Menschenaltern.
immer, dass wir Gott treu sein sollen?
                                                                                          Gott steht zu dem, was er gesagt hat, er bleibt, was er ist. Er ist treu in Güte, nicht in
Was ist Treue? Der Wortherkunft nach bedeutet sie etwas Feststehendes, etwas Zuver-       harter Konsequenz. Auf dieser Basis können wir unser Tun aufbauen, verlässliche Men-
lässiges. Zur Treue gehören zwei Parteien. Treue heißt Aufruf zu Einheit und Eintracht,   schen an der Seite unserer Mitmenschen sein und darauf unseren Glauben aufbauen.
sich aufeinander verlassen können und durch nichts auseinanderbringen lassen.
Ein gegebenes Wort halten.                                                                               Gebet
Ein Versprechen geben.
                                                                                                         Treu zu sein, Gott,
Ein Zeichen setzen.
                                                                                                         Vertrauen zu schenken
Zu dem stehen, was man gesagt hat.
                                                                                                         fällt uns nicht immer leicht.
Ein eng verwandtes Wort ist „trauen“: Sich gegenseitig vertrauen, jemandem etwas                         Zu schwer lasten die Enttäuschungen,
anvertrauen. Dies ist das Fundament für ein Zusammenleben überhaupt und damit                            die andere uns zugefügt haben,
für eine funktionierende Gesellschaft. Es gibt zahllose Beispiele wie die Ehe, das                       wir aber auch anderen.
Verhältnis von Lehrern zu Schülern, von Arzt zu Patienten. Aber auch in größeren                         Doch du, Gott, bist treu,
Zusammenhängen: zwischen verschiedenen Staaten, bei risikoreichen Unternehmun-                           auf dich können wir trauen unser Leben lang.
gen. Es bedeutet Sicherheit bis hin zum Überleben, soziale Qualität und Stärke. Es                       So bitten wir dich:
soll auch Möglichkeiten eröffnen, miteinander zu teilen.                                                 Schenk uns den Lebensmut, der in diesem Vertrauen wurzelt.
                                                                                                         Sei du unsere Kraftquelle zum Leben. Amen.
Ist Treue also einfach ein Geben und Nehmen? Und was hat Gott damit zu tun? Er
verbindet uns alle und will helfend in unser Leben eingreifen. Allerdings lässt Gott                     Lieder
nicht mit sich handeln. Dies ist oft versucht worden, bis heute. Hieß es vielleicht                      EG 440		 All Morgen ist ganz frisch und neu
im Mittelalter „Wenn du, lieber Gott, Pest oder Zerstörung von uns wendest, dann                         EG 361,1-2+10 Befiehl du deine Wege
bauen wir dir eine Kapelle“, so würde man heute etwa sagen „Wenn du, lieber Gott,
mich im Lotto gewinnen lässt, dann will ich einen großen Teil davon für wohltätige                       Segen
Zwecke spenden“. Muss man das Erkennen der Treue Gottes von Zeichen abhängig
                                                                                                         Gott schenke dir Zuversicht zum Leben.
machen, die er uns gibt? Gott steht zu seiner Treue. Er traut uns zu, dass wir den
                                                                                                         Er gebe dir die Freiheit, dich fallen zu lassen in seine ausgebreitete Hand
Weg zu ihm finden, eben im Vertrauen. Dies hat auch Paulus erfahren – er, der vom
                                                                                                         und die Kraft, dein Leben anzugehen aus deiner Geborgenheit heraus.
leidenschaftlichen Verfolger der Christen zu Gottes großem Verfechter geworden ist.
                                                                                                         Als Gesegnete werde zum Segen für deine Nächsten
Davon erfahren wir aus seinen Briefen und der Apostelgeschichte.
                                                                                                         und bau auf diese Weise mit an seinem Reich.
Auch die Naturgesetze fallen mir ein, verlässliche Größen, die immer wieder Neues                        Amen.
entdecken lassen und ungeahnte Möglichkeiten eröffnen, wenn wir verantwortungs-                          Antje Gottwald
voll damit umgehen.
                                                                                                                                                                Anne-Lore Asmus
                                          8                                                                                           9
Februar 2020                                                                              Februar 2020

            Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.                     Version unseres Selbst. Dieses nur uns eigene Wesen mit all seinen Begabungen und
                                1. Korinther 7,23 (L)                                      Schwächen zu erforschen und ihm entsprechend zu leben ist eine lebenslange Auf-
                                                                                           gabe. Dabei sind wir nicht im Wettstreit mit anderen, denn die haben ja ihr eigenes
Als Paulus – wahrscheinlich im Frühjahr des Jahres 54 n. Chr. – den sogenannten 1. Ko-     Wesen. Und wir müssen auch keine Punkte bei Gott sammeln, denn der liebt uns
rintherbrief an die Gemeinde in Korinth schrieb, bildeten die Sklaven den größten Anteil   bedingungslos. Aber wenn wir im Einklang mit uns selbst leben, können wir Gottes
der bunt gemischten Bevölkerung der damals größten Stadt Griechenlands. Die Empfän-        Liebe weitergeben und sein Wirken sichtbar werden lassen. Amen.
ger des Briefes hatten also eine genaue Vorstellung, was es bedeutet, „eines Menschen
Knecht“ zu sein.                                                                                         Gebet
Diese Form der Knechtschaft ist für uns, die wir heute in einem Land mit einer                           Gütiger Gott,
freiheitlich demokratischen Verfassung leben, die allen Bürgern die Gleichheit vor                       wir sind dankbar, dass wir in der teuer erkauften Freiheit der
dem Gesetz garantiert, völlig undenkbar. Trotzdem können auch wir das Bild der                           Kinder Gottes leben dürfen.
Knechtschaft benutzen, um Situationen zu beschreiben, in denen wir einer Herr-                           Aber obwohl wir wissen, dass du uns bedingungslos liebst,
schaft scheinbar hilflos ausgeliefert sind. Diese Herrschaft kann von Menschen aus-                      geraten wir immer wieder in auferlegte oder selbst gemachte
gehen, z.B. in beruflichen Hierarchien, aber auch im privaten Bereich. Ebenso gibt                       Knechtschaften.
es Knechtschaften im übertragenen Sinne, und nicht selten machen wir uns selbst                          Hilf du uns, deinen Plan für uns herauszufinden und ihm zu folgen.
aus freien Stücken zu Knechten. Die Einen müssen für einen Chef arbeiten, der ihre                       Stell uns Menschen an die Seite, die uns auf diesem Weg begleiten
Arbeitskraft ausbeutet, andere sind blind vor Liebe einem Lebenspartner hörig und                        und uns bestärken.
wieder andere laufen leidenschaftlich einem religiösen oder Gesundheitsguru nach.                        Und lass uns deine Liebe weitergeben und so dein Wirken sichtbar werden.
In der heutigen Gesellschaft bestimmen Handy und Computer unser Leben, wir                               Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
sind immer online, um ja nichts zu verpassen und mithalten zu können im Vergleich                        Amen.
mit den Arbeitskollegen und Nachbarn. Wer hat den größten SUV, wer kleidet sich
immer nach der neuesten Mode und wer macht die tollsten Kreuzfahrten … Ehe wir                           Lieder
uns versehen werden wir zu Knechten unserer eigenen Wünsche und Träume.                                  EG 372            Was Gott tut, das ist wohlgetan
                                                                                                         EG 409            Gott liebt diese Welt
Der Brief des Paulus könnte also ebenso an uns gerichtet sein. Er ermahnt die Ge-
                                                                                                         Lied              Gott, dir sei Dank, für meines Lebens Zeit
meinde, ihre Freiheit als Gottes Kinder, die durch Jesu Blut teuer erkauft ist, nicht zu
gefährden, indem sie der Menschen Knechte werden. Was macht diese Freiheit als                                             (z.B. in „Kommt, atmet auf“, „Singt von Hoffnung“)
Gottes Kinder aus? Zuallererst die Tatsache, dass jede und jeder Einzelne gut genug                      Segen
für Gottes Liebe ist, genauso wie sie/er ist. Das gibt uns eine innere Freiheit, die                     Gottes Segen sei dein stiller Begleiter,
unabhängig von den äußeren Lebensbedingungen ist. Wenn Dietrich Bonhoeffer aus                           damit du getrost deinen Alltag bewältigen kannst.
der Haft heraus schreibt: „Es gibt ein erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wün-                     Er stärke dich bei deiner Suche nach dir selbst und deinem inneren Frieden.
sche“, gibt er ein Zeugnis für diese innere Freiheit.                                                    Er lasse dich seine Liebe spüren,
Was bedeutet das nun für mein Leben? Nur wenige Menschen widmen ihr Leben                                damit du zum Segen für andere werden kannst.
ganz der Nachfolge Christi und treten in einen Orden ein. Alle anderen sind auf-                         So segne dich Gott, der Allmächtige,
gerufen, dort wo sie gerade sind, ihren Platz so auszufüllen, wie es Gott gefällt.                       Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.
Ich glaube, dass Gott für jede und jeden von uns einen Plan hat. Nicht im Sinne
                                                                                                                                     Anke Meyer-Gennrich und Anja Wilhelmi
eines Stundenplanes, an den wir uns halten müssen, sondern vielmehr als eine beste
                                           10                                                                                        11
März 2020                                                                               März 2020

                          Jesus Christus spricht: Wachet!                               Wachet!
                                 Markus 13,37 (L)
                                                                                        Wachen ist gemeinsam leichter als allein. Stärkt euch gegenseitig, rüttelt euch auf,
„Hinterher ist man immer klüger“. Das sagen wir manchmal, wenn wir etwas falsch         wendet Schaden ab und werdet klug durch Erfahrungen, die froh machen, wo Glau-
gemacht haben, jedenfalls, wenn wir es nach dieser Erfahrung anders machen würden.      be Wurzeln schlägt, wo Leben wächst und blüht.

Und ein anderes Sprichwort sagt sogar: „Aus Schaden wird man klug“.
                                                                                                      Gebet
Tatsache scheint zu sein, dass wir selber Erfahrungen brauchen, die wir am eige-
nen Leib erleben. Die Erfahrungen der Eltern, der Erwachsenen oder von Freunden                       Wacht, so lang ihr lebt! Schlafen können wir noch genug.
reichen nicht aus. Manches weiß ich im Kopf. Aber bevor ich nicht ein Erlebnis dazu                   Wir sind manchmal mutlos:
habe, ein Gefühl, das ich selber spüre, kann ich es nicht beherzigen.                                                  Wecke uns auf, Gott!
                                                                                                      Wir sind manchmal kraftlos.
Manchmal macht mir das Angst. Sind 70 Jahre Frieden zu wenig Schaden für unsere                                        Wecke uns auf, Gott!
Klugheit? Nach dem zweiten Weltkrieg waren sich viele einig: Nie wieder Krieg, nie                    Wir sind manchmal gleichgültig.
wieder deutsche Waffen.                                                                                                Wecke uns auf, Gott!
                                                                                                      Fülle unser Herz und unsere Hände mit deiner Liebe.
Wir werden wachsam sein und aufpassen, dass so etwas nie wieder passiert.                             Mache uns weise und stark. Amen.

Passen wir auf? Wachen wir genug?                                                                     Lieder
                                                                                                      EG 262		 Sonne der Gerechtigkeit
Wir wissen viel über Kriege, über Waffen, wir hören Parolen, die mehr und mehr                        EG 432		 Gott gab uns Atem
salonfähig werden. Wir können doch nicht auf noch mehr Schaden warten!
                                                                                                      Segen
Wachet! Sagt Jesus. Lebt so, dass ich euch jederzeit überraschen kann, dass Gottes                    Segen berühre dich.
Reich sich Bahn bricht.                                                                               Segen wecke dich.
                                                                                                      Segen begleite dich.
Ja, hinterher ist man klüger. Aber ich bin doch der festen Ansicht: Nicht nur Schaden                 Gott ist dein Ursprung
macht klug, sondern auch gute Erfahrungen können mich das Leben lehren. Gute                          Jesus Christus ist dein Leben
Erfahrungen können mich lehren, dass Vertrauen lohnt, dass Anstrengung hilft oder                     Gottes Gegenwart ist deine Kraft.
gar nötig ist, ein Ziel zu erreichen. Dass ich mehr kann, als ich geglaubt habe. Dass                 So sei getrost!
ich selber mit meinen Gaben nötig bin, damit Gemeinschaft gelingt. Dass Glaube
und Hoffnung sich Bahn brechen können, wenn wir Gottes Geist Raum geben, wenn
wir Lieder singen und Worte hören und sprechen, die stärken, ermutigen und zum                                                                     Pröpstin Elfriede Knotte
Guten reizen.

                                         12                                                                                      13
April 2020                                                                             April 2020

           Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.                  Auch der Apostel Paulus war sicher, dass es nach dem Tod für uns weitergeht. Als
                              1. Korinther 15,42 (L)                                    er gefragt wird: ‚Wie werden die Toten auferstehen?‘, antwortet er: "Es wird gesät
                                                                                        verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Schwachheit und
Ein Jahr ist es jetzt her, dass ihre Schwester Margit verstorben ist. Die Kleine, die   wird auferstehen in Kraft.“
ihrem Herzen von allen Geschwistern immer am nächsten stand. Bei Margit wurde
Krebs festgestellt. Schon weit fortgeschritten. Sie wollte keine Therapien und hat                    Gebet
damit ihre gesamte Familie vor den Kopf gestoßen. Es ist schwer auszuhalten, wenn
                                                                                                      Ewiger Gott,
jemand den eigenen Tod nicht nur akzeptiert, sondern dem Sterben auch noch mutig
                                                                                                      wir sind oft verzagt,
ins Auge sieht. Nach nur drei Monaten ist sie gestorben.
                                                                                                      aber bei dir ist alles möglich.
                                                                                                      Wir wissen manchmal nicht, wie es weitergehen wird,
„Sie fehlt mir“, sagt Hanna, „jeden Tag neu. Wir waren jeden Tag zusammen. Sind
                                                                                                      aber Du findest immer wieder einen neuen Anfang.
zusammen einkaufen gefahren, haben miteinander Karten gespielt und haben gere-
                                                                                                      Du kannst aus Schwerem Leichtes machen.
det. Sie wohnte doch gleich hier nebenan.“
                                                                                                      Wir danken dir, dass wir immer zu dir kommen können, egal wie es
                                                                                                      uns geht.
Hanna blickt aus dem Fenster, die ersten Osterglocken blühen im Garten. Ihre Ge-
                                                                                                      Bei dir können wir einkehren,
danken wandern ein Jahr zurück … Sie sitzt wieder am Krankenbett ihrer Schwester,
                                                                                                      uns ausweinen
sieht in das eingefallene, von der Krankheit gezeichnete Gesicht.
                                                                                                      oder loslachen,
                                                                                                      um Leichtigkeit zu gewinnen, die gut tut.
„Wissen Sie, Margit hat immer gesagt: Irgendwie finden wir uns wieder, mach dir
                                                                                                      Amen.
keine Sorgen. Wollte sie mich nur trösten?
                                                                                                      Lieder
Mein Mann hat das auch oft gesagt, bevor er starb. Er hatte auch Krebs. Einige Wo-
chen habe ich ihn zu Hause gepflegt. Margit hat mich damals sehr unterstützt. Fünf                    EG 175			                  Ausgang und Eingang
Jahre ist das jetzt her. Auch er sagte. ‚Hanna, hab keine Angst, irgendwie finden wir                 EG 503, 1+14+15            Geh aus, mein Herz
uns wieder. Nicht so, wie wir jetzt sind. In einer anderen Welt, mit einem anderen
                                                                                                      Segen
Körper …. Wir finden uns schon.‘“
                                                                                                      Es segne dich Gott, der dich liebt, wie Mutter und Vater
Nachdenklich guckt Hanna, aber auch zuversichtlich und versonnen. Getrost. Sie                        und dich unter dem Schatten seiner Flügel birgt.
legt die Hände in ihren Schoß, an denen noch etwas Erde und ein paar Grashalme                        Es segne dich Christus, der dich liebt, wie Geschwister einander lieben
kleben, weil sie gerade das erste Mal in diesem Frühling den Rasen gemäht hat.                        und dich mit seinem Tod erlöst hat zu befreitem Leben.
                                                                                                      Es segne dich der Heilige Geist, der dich liebend durchs Leben geleitet
„Wissen Sie, mir geht es ja gut, aber ich bin nun 86 Jahre alt. Ich möchte schon noch                 und dir beisteht in jeder Sekunde deines Lebens.
ein bisschen, aber ich bin auch bereit. Der liebe Gott kann mich holen. Und irgend-                   So segne dich der dreieinige Gott.
wie finde ich meine Liebsten dann wieder. Ganz bestimmt.“                                             Amen.
                                                                                                      Antje Gottwald
                                                                                                                                                  Pfarrerin Christine Böhm

                                         14                                                                                      15
Mai 2020                                                                              Mai 2020

         Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes,              Schauen wir also auf unsere persönlichen Gaben, erkennen wir sie. Und dann los.
                   jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!                           Gehen wir auf andere zu, hören wir zu und helfen wir, wo wir gebraucht werden.
                                1. Petrus 4, 10 (E)                                    Wenn wir das tun, so kommen wir der Aufforderung Gottes nach. Gleichzeitig eh-
                                                                                       ren wir sein Geschenk, das er uns gemacht hat. Völlig ohne Gegenleistung und gut
Welche Gaben habe ich? Was ist überhaupt eine Gabe? Diese Fragen taten sich mir        durchdacht. Für jede einzelne individuell und zu ihrer Persönlichkeit passend.
auf, nachdem ich den Monatsspruch gelesen hatte. Eine Gabe ist zuerst einmal ein
Geschenk, etwas, das ich kostenlos bekomme. Ohne Gegenleistung. Ich muss nichts
dafür tun. Das hört sich doch fabelhaft an. Wo bekommt man heute noch etwas ohne                     Gebet
Geld oder Gegenleistung?                                                                             Gütiger Gott! Danke für die Gaben, die du mir für mein Leben
                                                                                                     mitgegeben hast.
Die zweite Definition kommt von Begabung oder Talent. Eine besondere Leistungs-                      Du kennst mich und weißt, welchen Weg ich gehen soll.
fähigkeit auf entsprechenden Gebieten. Etwas, was nicht erlernt werden muss. Eine                    Hilf mir, meine Gaben zu erkennen und einzusetzen. Für mich
Veranlagung, die angeboren ist. Mir mitgegeben. Von Gott ganz speziell für mich                      und für andere.
erdacht. Maßgeschneidert sozusagen. Und da mich niemand so gut kennt wie Gott,                       Gib mir den Mut, auf andere zuzugehen und zu helfen.
ist meine Gabe auf jeden Fall passend. Diese Geschenke, so heißt es nun weiter, soll                 Ich danke dir für das, was ich kann und was ich bin.
ich gut verwalten und anderen damit dienen. Und das leuchtet ein. Was nutzen die                     Lass mich für andere zum Segen werden.
größten Gaben, wenn wir sie nicht weitergeben, anwenden, anderen zugute kommen                       Darum bitte ich dich mit all meiner Kraft.
lassen? Gott hat uns unsere vielfältigen Gaben nicht mitgegeben, damit wir sie für                   Amen.
uns behalten. Er möchte, dass wir damit die Gemeinschaft der Christen unterstüt-
zen, damit wir für andere zum Segen werden. Werde ich für andere zum Segen, so                       Lieder
passiert auch mit mir etwas. Ich fühle mich gut, wenn ich für andere etwas tun kann.
                                                                                                     EG 352		         Alles ist an Gottes Segen
Hier gerate ich an meine zweite Frage. Welche speziellen Gaben habe ich? Es gilt,                    EG 414		         Lass mich, o Herr, in allen Dingen
ganz genau zu schauen. Auch wenn ich nicht auf Anhieb meine Gaben entdecke.
Jeder hat welche. So steht es im Andachtstext. Über den Gedanken an mich komme                       Segen
ich auf unsere Frauenhilfe. Ich betrachte die Gaben einzelner Frauenhilfsschwestern.
Einige können ganz besonders gut zuhören und wissen oft Rat. Gerade die älteren                      Gott segne das Werk deiner Hände
haben viele Erfahrungen gemacht, die sie weitergeben können. Davon profitieren                       und lasse glücken, was du angehst.
die jüngeren. Da sind außerdem die, die praktische Gaben haben. Mit anpacken, das                    Er segne deine Zuwendung zur Nächsten
können sie. Sie sind eine große Hilfe, wenn es um Veranstaltungen in der Kirchen-                    und lasse im Miteinander die Spuren seines Reiches aufblühen.
gemeinde geht. Beim Betrachten der einzelnen Frauen erkenne ich, dass eine Gabe                      Er segne dein Tun und dein Lassen,
nicht immer etwas Gewaltiges sein muss. Auch die kleinen Gaben sind wichtig und                      dein Sprechen und dein Schweigen,
machen einen Menschen aus.                                                                           dein Weinen und dein Lachen.
                                                                                                     So segne dich der gütige und barmherzige Gott,
Im Mittelpunkt steht die wichtige Aussage, dass wir unsere Gaben einsetzen sol-                      Vater, Sohn und Heiliger Geist.
len, indem wir einander dienen. Das ist eine klare Aufforderung: Schau dich um,                      Amen.
kümmere dich und hilf deinen Mitmenschen. In unserer Zeit wird das zunehmend                         Antje Gottwald
wichtiger. Der Blick und die Hilfe für andere scheinen immer mehr in den Hinter-
grund zu treten.                                                                                                                                           Anja Hahnke
                                        16                                                                                    17
Juni 2020                                                                 Juni 2020

                  Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.                        Gebet
                                 1. Könige 8,39 (L)                                      Herr, uns geht es oft so wie Salomo.
                                                                                         Wir wissen was gut ist und handeln dennoch nicht danach.
Als Gott Salomo bei seinem Regierungsantritt im Traum erschien (1. Kön 3,5.9), da        Wenn es geschehen ist, leiden wir darunter.
erbat Salomo sich Weisheit für seine Regierungszeit – und bekam sie.                     Gib uns die Kraft, Fehler einzugestehen,
                                                                                         damit sie nicht so viel Schaden anrichten können.
Doch selbst er, den wir als weisen Mann kennen, hatte im privaten Bereich Schwierig-     Wir können nicht in das Herz der anderen hineinschauen,
keiten, immer weise zu handeln. So heiratete er die Tochter des Pharaos aus Ägypten      Du allein kannst es.
aus politischen Gründen, nicht aus Liebe. Neben ihr hatte er weitere Frauen aus vielen   Gib uns die Kraft, den anderen anzunehmen, ohne über ihn zu
Kulturen und begann, auch deren Göttern Kultstätten zu bauen (1. Kön 11,1-11).           urteilen. Amen.

Währenddessen kamen aber fremde Leute aus fernen Ländern zu ihm gereist, um              Lieder
ihn, dessen Weisheit weit über Israels Grenzen hinaus legendär war, um Rat zu fra-       EG 295		          Wohl denen, die da wandeln
gen, unter anderem auch die Königin von Saba (1. Kön 10).                                EG 612		          Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen

 Wie leicht kann es auch uns passieren, dass wir einerseits zwar wissen, was richtig     Segen
ist. Andererseits aber nicht dementsprechend handeln.                                    Gott schenke dir Gelassenheit zum Leben,
                                                                                         die Dinge zu nehmen, wie sie sind.
Eine der großen Taten Salomos war der Tempelbau. Bei dessen Einweihung betete er:        Er schenke dir Weite des Herzens,
                                                                                         andere anzunehmen, wie sie sind.
  „… wer dann bittet und fleht, es sei jeder Mensch oder dein ganzes Volk Israel         Er schenke dir seinen Geist,
                 die da ihre Plage spüren, jeder in seinem Herzen,                       um durch ihn geleitet zu verändern, was so nicht tragbar ist.
                   und breiten ihre Hände aus zu diesem Hause,                           Es segne dich Gott, der Barmherzige,
            so wollest du hören im Himmel, an dem Ort, wo du wohnst,                     Vater, Sohn und Heiliger Geist.
     und gnädig sein und schaffen, dass du jedem gibst, wie er gewandelt ist,            Amen.
wie du sein Herz erkennst – denn du allein kennst das Herz aller Menschenkinder".
                                                                                         Antje Gottwald

                                                                                                                                       Hella Vegesack-Boßung

                                          18                                                                       19
Juli 2020                                                                               Juli 2020

                Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach:                          ge, sondern erst einmal zu Kräften kommen. Die Seele wird zuerst dadurch wieder
             Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.                   aufgerichtet, dass für den Körper gesorgt wird. „Steh auf und iss, denn du hast einen
                                1. Könige 19,7 (L)                                      weiten Weg vor dir.“

Das Leben kann müde machen. Aufgaben, die eben noch Freude bereitet haben,              Wasser und Brot – gerade ältere Menschen wissen noch um die stärkende Kraft sol-
werden plötzlich mühsam. Das Empfinden, im Beruf, in der Pflege Angehöriger oder        cher Lebens-Mittel. Brot für die Seele – das können auch Menschen sein. Durch einen
in der Familie ständig funktionieren zu müssen, führt auf Dauer zur Erschöpfung.        Blick, der nicht ausweicht, durch Resonanz auf das, was ich sage, denke, fühle. Durch
Wer für etwas „Feuer und Flamme“ ist, sich selbst dabei jedoch vergisst, steht in der   ein Gegenüber, das mich erleben lässt: Meine Worte kommen nicht leer zurück. Und
Gefahr, „auszubrennen“.                                                                 ich nehme Neues auf, anregende Gedanken, Lebendigkeit, Lebensenergie.

Der Monatsspruch erzählt von jemandem, der so etwas erlebt hat. Unermüdlich hat         Durch seinen Engel bewirkt Gott noch mehr. Er schenkt Elia eine neue Perspektive
sich der Prophet Elia für Gott eingesetzt. Und er hatte Erfolg damit. Die Geschich-     für sein Leben, er traut ihm etwas zu: „Mach dich auf den Weg! Ich habe noch eini-
te des Elia nimmt uns hinein in die Zeit des 9. Jh. vor Chr. Als König Ahab Isebel      ges mit dir vor. Ich weiß, du wirst das schaffen.“
heiratet, die den Gott Baal verehrt, geraten die Menschen im damaligen Nordreich
in Zweifel, wem sie vertrauen, auf was sie hoffen dürfen. Elia greift durch. Ein Got-   Als Elia seinen Weg durch die Wüste fortsetzt, begegnet Gott ihm erneut. Wieder auf
tesurteil soll erweisen, wer der wahre Gott ist. Elia versammelt seine Konkurrenten,    wunderbare Weise: Nicht im Sturm, auch nicht im Erdbeben und im Feuer. Ob-
unter ihnen allein 450 Propheten des Gottes Baal, auf einem Berg. Beide Parteien        wohl man vielleicht gerade etwas vergleichbar Gewaltiges erwartet hätte. Am Ende
sollen bei ihren Göttern Feuer erbitten, um ein Brandopfer zu entzünden. Elias          kommt ein sanfter Wind. Und Elia weiß plötzlich: „In diesem Wehen, das mich lie-
Rechnung geht auf. Während sich die anderen Propheten vergebens mühen, schickt          bevoll umhüllt, ist Gott! Wo auch immer ich bin - mein Leben ist in ihm geborgen.“
der Gott, für den Elia eintritt, als einziger das erbetene Feuer vom Himmel. Dass
Elia das Holz zuvor noch mit Wasser übergießen lassen hat, macht die Situation für      Die Sommerferien mit ihren Rückzugsorten stehen bevor. Zeit, sich – wenigstens
die Zuschauenden umso eindrucksvoller.                                                  einmal im Jahr – zu erlauben, den Faden zu verlieren. Loszulassen. Eine Zeit lang
                                                                                        ganz in der Gegenwart zu leben. Um, so gestärkt, den Weg fortsetzen zu können.
Das Gottesurteil ist vollzogen. Das ganze Volk bekehrt sich zum Gott Israels. Für
Elia ist das offensichtlich noch nicht genug. Der Erfolg ist ihm zu Kopf gestiegen.
Und so lässt er seine Widersacher schließlich töten. Es braucht nicht viel Fantasie,                   Gebet
sich vorzustellen, wie groß der Zorn der Königin über diese Tat gewesen sein muss.                     In den Wüsten unseres Lebens sende du, Gott, Worte des Heils,
Elia soll das Gleiche widerfahren, was er ihren Propheten angetan hat.                                 die aufrichten und Mut machen, weiterzugehen.
                                                                                                       In den Stürmen der Zeit stärke uns mit dem Brot des Lebens,
Der Prophet flieht in die Wüste. Unter einem Ginster sinkt er müde zu Boden: „Es                       das Kraft schenkt, unseren Weg fortzusetzen.
ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele. Ich bin nicht besser als meine Väter.“                      In dunklen Nächten sende uns deinen Engel,
Erschöpft schläft er ein.                                                                              der das Dunkle in uns und um uns herum vertreibt.
                                                                                                       Danke, dass wir nicht tiefer fallen können
Doch es kommt alles anders. Ein Engel, ein Bote Gottes, berührt ihn sanft: „Steh auf                   als in deine bergenden Hände.
und iss!“. Wasser und Brot stehen vor ihm. Kein Vorwurf, keine weisen Ratschlä-                        Amen.

                                         20                                                                                      21
Juli 2020                                                                           August 2020

Lieder                                                                                Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin;
                                                                                    wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.
EG 488		         Bleib bei mir, Herr
                                                                                                      Psalm 139,14 (L)
EG 608		         Das wünsch ich sehr

                                                                      Liebe Frauenhilfsschwestern, hier dankt ein Mensch aus vollem Herzen für das
Segen
                                                                      Wunder seiner Erschaffung: „Wunderbar bin ich gemacht!“
Empfohlener Segen: „Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst“
von Uwe Seidel (z.B. in „Gemeinsam unterwegs“, Liederbuch zum         Sind auch wir Gott dankbar für das Wunderwerk unseres Körpers, unseres Gehirns,
1. Ökumenischen Kirchentag in Berlin und in „Das Liederbuch. lieder   unserer Sinne, unserer Seele und unseres Geistes?
zwischen himmel und erde)
                                                                      Wer sich mit Gehirnforschung etwas befasst, kann nur ins Staunen geraten. Auch
Oder sprechen Sie das Gebet als Segen und beten EG 882 oder 893.      darüber, wie unsere Organe aufeinander abgestimmt sind, wie die Hormone unseren
                                                                      Körperhaushalt regulieren, wie wunderbar und faszinierend alles aufeinander bezo-
                                                 Kerstin Drömann      gen ist. Ein wahres Wunderwerk!

                                                                      Auch wir Frauen sind an diesem Wunderwerk beteiligt. Nicht ohne Grund heißt es im
                                                                      Vers zuvor: „Du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.“

                                                                      Gott ist von Anfang an bei der Erschaffung von uns Menschen dabei: „Es war dir
                                                                      mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde…“ (V. 15)

                                                                      Wie geborgen muss sich der Psalmbeter bei Gott fühlen, denn seinen Lebensanfang
                                                                      und sein Lebensende weiß er in Gottes Hand. So wendet er sich an Gott mit den
                                                                      Worten: „Führe ich gen Himmel, so bist du da, bettete ich mich bei den Toten, so
                                                                      bist du auch da.“

                                                                      Was für ein enormes Sich-Gehalten-Wissen steckt in diesem Lebensgefühl! Gott ist
                                                                      immer da, sowohl im Leben als auch im Tod, sowohl in hellen schönen Lebenspha-
                                                                      sen als auch in dunklen schweren Zeiten.

                                                                      Ich staune über so viel Gottvertrauen, aber auch über die große Selbstsicherheit
                                                                      des Beters.

                                                                      Solch eine Selbstsicherheit und solch ein Selbstbewusstsein sind doch bei vielen von
                                                                      uns eher nicht stark ausgeprägt.

                         22                                                                                   23
August 2020                                                              August 2020

„Ist Gott mir wirklich so nah? – Wie kann ich Gottes Nähe spüren, woran merke ich       Gebet
das?“ – Finde ich mich selbst wunderbar? Oder andere? – Da kommen mir Zweifel:          Guter Gott,
Der menschliche Körper mag ein Wunderwerk sein, wenn er gesund ist und funkti-          du hast uns alle wunderbar erschaffen.
oniert. Aber der menschliche Geist scheint doch oft weit entfernt von Gott, seinem      Dafür möchten wir Dir danken: für unsere Sinne,
Schöpfer, zu sein. Und die Seele des Menschen ist bei vielen verkümmert und belastet.   für unsere Phantasie, für unsere Gefühle,
                                                                                        für unsere Lebenserfahrung, für unsere Mobilität,
Was können wir heute, wir Frauen von der Evangelischen Frauenhilfe mit unserem          auch wenn sie jetzt im Alter nachlässt.
Psalmvers anfangen, wo wir doch oft viele Fragen und Glaubenszweifel haben und          Lass uns immer wieder danach fragen,
um unsere eigenen Fehler und Schwächen wissen? „Ich danke dir, dass ich wunder-         ob wir auf einem guten Lebensweg sind
bar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“ Das klingt        oder auf einem Weg, der von Dir wegführt,
so selbstherrlich!                                                                      Zeige uns den Weg zur Ewigkeit. Amen.
                                                                                        Oder beten Sie Psalm 139 (EG 754).
Die Antwort darauf geben für mich die letzten zwei Verse des 139. Psalms: „Erfor-
sche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich`s meine.“       Lieder

Die letzte Bitte, an Gott gerichtet, drückt für mich Demut aus: Gott möge doch          EG 272		         Ich lobe meinen Gott
beurteilen, ob sich der Psalmbeter, der sich als ein Wunderwerk Gottes ansieht, auf     EG 288		         Nun jauchzt dem Herren, alle Welt (V 1+2.3+4)
einem bösen Weg befindet, auf einem Weg der Gottesferne, oder auf einem guten           EG 305		         Singt das Lied der Freude (V 1.3+4)
Weg, der in die Ewigkeit führt.
                                                                                        Segen
Und so könnte es, die wir ebenfalls wunderbar gemacht sind, denn wir sind Gottes        Gott segne uns und behüte uns.
Geschöpfe, auch unser Gebet werden: „Sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite          Gott gebe uns Liebe, wo Hass ist,
mich auf ewigem Wege.“                                                                  Kraft, wo Schwachheit lähmt,
                                                                                        Toleranz, wo Ungeduld herrscht,
                                                                                        Offenheit, wo alles festgefahren scheint.
                                                                                        So sei Gottes Segen mit uns allen,
                                                                                        beflügle unsere Hoffnung und begleite uns wie ein Licht in der Nacht.
                                                                                        Amen.

                                                                                                                                    Karin Hartz-Hellemann

                                         24                                                                       25
September 2020                                                             September 2020

          Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.                Gebet
                                2. Korinther 5,19 (E)
                                                                                          Du, Gott, kommst mir entgegen:
                                                                                          durch Christus hast du dich mit uns Menschen versöhnt.
Ich lese die Losung und denke erstmal: irgendwie banal. Das ist doch eine Grundan-
                                                                                          Ich will versuchen, deinem Beispiel zu folgen,
nahme des Christentums, dass Gott uns Jesus geschickt hat, um die Menschheit mit
                                                                                          und die Versöhnung zu teilen.
sich zu versöhnen.
                                                                                          Du, Gott, gibst mir zu verstehen, dass ich gut genug bin.
                                                                                          Das will ich gerne annehmen.
Wenn ich weiter darüber nachdenke, ist es nicht mehr so einfach. Wie ist das ge-
                                                                                          Und auch das will ich mit anderen teilen: sie sind gut genug.
meint? Ich lese den ganzen Abschnitt und versuche zu verstehen, worum es Paulus
                                                                                          Gemeinsam können wir uns so entgegenkommen,
in diesem Teil des 2. Briefes an die Korinther genau geht: es ist wirklich Gott, der
                                                                                          uns annähern,
in Jesus Mensch wurde und gelitten hat. Wie es die Monatslosung auch betont: „Ja,
                                                                                          uns versöhnen.
Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“ Das, so sagt Paulus, gibt
                                                                                          Und spüren: Wie ein Fest nach langer Trauer,
uns den Auftrag, diese Versöhnung mit anderen zu teilen. Gott hat uns den „Dienst
                                                                                          wie ein Feuer in der Nacht,
der Versöhnung aufgetragen“ (2. Kor. 5, 18), oder, mit den Worten des Vaterunser:
                                                                                          so ist Versöhnung. Amen.
„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Und jetzt ist es wirklich nicht mehr einfach: Ich soll mir Gott zum Vorbild nehmen und    Lieder
mich mit meinen Mitmenschen versöhnen!? Mit allen? Mit denen, die mich verletzt           EG 369,1+3+7 Wer nur den lieben Gott lässt walten
haben? Etwa auch meiner Freundin, die ihre Zeit jetzt lieber mit ihrem neuen Freund       Lied:		      Wie ein Fest nach langer Trauer (z.B. 052 in
verbringt als mit mir? Mit der unfreundlichen Sachbearbeiterin beim Arbeitsamt? Da        		           Kommt, atmet auf und 242 in Feiert Jesus!)
stellt Gott aber hohe Ansprüche! Da müssen mir meine Freundin und die Sachbear-           Lied:		      Gut genug
beiterin schon ein bisschen entgegenkommen, und das tun sie ja kein bisschen!             		           (Sabine Simon/Bea Nyga, WGT Surinam 2018)

Aber genau das ist etwas, was – nach Paulus – Gott nicht fordert: dass wir etwas          Segen
tun, dass wir uns anstrengen müssen, damit er sich mit uns versöhnt. Nein, er ver-        Der Herr segne dich und behüte dich,
söhnt sich einfach so mit uns. Mit jederfrau und jedermann, ohne Bedingungen. Das                 er sei dir nahe tags und nachts.
erinnert mich an das Lied vom Weltgebetstag zu Surinam: Gut genug. Ich bin gut            Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
genug, ohne etwas dafür tun zu müssen. Vor Gott bin ich in Ordnung, einfach so; in                in seiner Gegenwart möge dein Leben gelingen.
Ordnung, ohne dass ich mich anstrenge. Das Haus muss nicht tipptopp sein, wenn            Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden,
Gott zu Besuch kommt. Ich muss kein perfekt selbst gekochtes Menü servieren, und                  in seinem Frieden geborgen trage den Frieden hinaus in die Welt.
an seinem Platz muss kein kalligraphisch ausgefeiltes Namensschild stehen, damit er
mich liebt und mir vergibt. Ist das nicht eine schöne Vorstellung?
Ich reiche aus!                                                                                                                                   Kerstin Kühne

Und ist es mit dieser Vorstellung nicht auch leichter, der verliebten Freundin und der
gestressten Sachbearbeiterin freundlicher zu begegnen? Den Versuch ist es allemal wert.

                                          26                                                                         27
Oktober 2020                                                                             Oktober 2020

              Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN;                       Verkehrsplanung mit Radwegenetz, Arbeitsplätze und Sorge für saubere Luft und
               denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.                       sauberes Wasser in Bad Harzburg, manchmal kontrovers, am Ende hoffentlich zum
                                Jeremia 29,7 (L)                                         Besten für meine Stadt.

Gerne lebe ich in meiner Stadt, freiwillig und schon mehr als 25 Jahre.                  Meine Kirche ist täglich geöffnet, dort können Menschen für die Stadt und ihre
                                                                                         BewohnerInnen beten. Wann haben Sie das letzte Mal für Ihren Bürgermeister und
Die Menschen damals waren nicht freiwillig nach Babylon gezogen. Sie waren Fremde        die Verantwortlichen in Ihrer Stadt gebetet? Für die NachbarInnen, die netten und
in der Stadt, zwangsweise umgesiedelt und mit Sicherheit nicht bei allen Einheimischen   auch für die nicht so freundlichen, mühsamen Menschen aus Ihrem Umfeld, für die
willkommen. Vertriebene, Geflüchtete und Asylsuchende führen uns heute lebhaft vor       Müllmacher und die Müllsammler? In meiner Stadt beobachte ich seit Jahren eine
Augen, wie es damals den verschleppten Juden in Babylon gegangen sein mag.               gekrümmte alte Dame, die regelmäßig Unkraut an den Grünflächen der Straße jätet
                                                                                         und hackt. Ich kenne sie nicht näher, aber sie dient auf ihre Weise unserer Stadt und
Können wir, die Heimatverbundenen und Heimatsuchenden, die Alteingesessenen              ihren Menschen. Haben Sie schon einmal daran gedacht, die Fußwege der Nach-
und NeubürgerInnen gemeinsam der Stadt Bestes suchen? Menschen mit Wurzeln               barn sauber zu halten? Am Sonntagmorgen beobachte ich die Dame manchmal auf
am Ort oder Flügeln von der Reise, unabhängig von ihrer Herkunft auf der Suche           ihrem Weg zur Nachbar-Kirche. Wird sie dort auch für unsere Stadt beten, für die sie
nach Zukunft?                                                                            Unkraut jätet?

Haben wir eine Ahnung davon, was das Beste für meine Stadt ist? Sind es besondere        In unserer Stadt gibt es seit vielen Jahren die Tradition der ökumenischen Frühwa-
Orte, eine politische Haltung, eine offene Kirche oder die NetzwerkerInnen in Dorf       chen in der Fastenzeit. Da heißt es in der Einladung: Früh wach für die Anliegen
und Stadt?                                                                               in unserer Stadt, für unseren Glauben und unsere Hoffnung, für die Bewahrung der
                                                                                         Schöpfung. Gemeinsam beten wir dafür und erinnern uns daran, dass uns zugespro-
Die Bewohner Babylons im 6. Jahrhundert vor Christus waren Menschen mit                  chen wurde. „Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt.“ (Matthäus
unterschiedlichen Kulturtraditionen und Glaubensgeschichten. Jeremia gibt den            28,20). Dafür stehe ich gerne früh auf und bin wach, um meinen Anteil am Stadt-
dort lebenden Juden den Rat, sich nicht gegen die Gesellschaft Babylons zu stellen,      leben in Kommune wie Kirchengemeinde zu geben. Räume schaffen, an denen
sondern fordert sie auf, sich auf andere BewohnerInnen einzulassen, wünscht ihnen        Menschen wach und offen sind, in der Frauenhilfe, im ökumenischen Kirchenladen
Schalom - Frieden und Wohlwollen, damit das Miteinander in der Stadt gelingt. Die        oder an der lebensgroßen, mit der Motorsäge geschnitzten Weihnachtskrippe im
Verschleppten ermutigt er, sich zu öffnen, zu suchen, zu beten, sogar andere Ba-         Rosengarten.
bylonierInnen zu heiraten. In der Fremde einen neuen Lebensort anzunehmen und
Fremdheit zu überwinden, heißt Hoffnung zu leben.                                        Zeitgenössische Weltsicht lässt unsere jeweiligen Städte und Dörfer zum Planeten
                                                                                         Erde als aller Menschen "Stadt" zusammenwachsen. Was der große alte Prophet
Wo suchen Menschen meiner Stadt Bestes? Zum Beispiel im Mehrgenerationenhaus             damals an Juden in Babylon schrieb, mahnt uns heute die kleine junge Prophetin aus
der Diakonie. Die Türen im Haus der Kirche stehen offen zu gemeinsamem Früh-             Schweden: Sucht nicht weiter nur eigene Vorteile, für euren persönlichen Wohlstand,
stück und Suppentopf. Für Kleine und Große heißt es täglich: Herzlich willkommen!        für euch selbst und eure Lieben, für eure Nation. Suchet der Erde Bestes, denkt und
Raum für Begegnung, essen und trinken, spielen und werkeln, lesen und hören.             handelt und - ich ergänze - betet für sie! Nur wenn es unserer Erde gut geht, wird
Neues und Altes lernen und erfahren. Der Wunsch nach Wohlgefallen und Wohlfüh-           es uns und unseren Kindern auf ihr wohl ergehen; nur wenn sie Lebensraum für die
len ist Programm. An Plätzen wie dem Jungbrunnen oder dem Kurpark ist meine              Menschheit bleibt, gibt es für Menschen Hoffnung auf Zukunft.
Kommune verantwortlich tätig, damit es ihren Bewohnern und Gästen gut geht.

                                         28                                                                                       29
Oktober 2020                                                                           November 2020

Gebet                                                                   Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.
                                                                                                      Jeremia 31,9 (L)
Guter Gott
Wir bitten dich für unseren Lebensort, für die Verantwortlichen in
                                                                      Ich bin eine von vielen hier auf dem Friedhof. Und es hat etwas merkwürdig Falsches.
Politik und Kirche.
                                                                      Nicht, dass ich Friedhöfe nicht kenne, ich stand schon viel zu oft an Gräbern. Doch jetzt
Lass uns wach sein für die Anliegen vor Ort: Für die Menschen und
                                                                      hier auf diesem Friedhof zu stehen, hat etwas zutiefst Unbegreifliches. Der Sarg, der vorne
ihre Geschichten.                                                     steht, ist weiß, voller bunter Blumen, die an Frühling erinnern. Aber es ist nicht Frühling.
Lass uns wach sein um Gutes zu tun: Für unsere Nächsten in Familie    Der Sarg ist klein, viel zu klein. Ein Kindersarg. Ein Kind zu beerdigen, verdreht die Welt.
und Nachbarschaft.                                                    Der Anfang wird zum Ende. Ein Leben nicht gelebt. Und die Lebenden untröstlich.
Lass uns wach sein um Neues zu wagen: Für mutige Ideen und Offen-
heit für Ungewohntes.                                                 Mir scheint jedes einzelne Leben immer wie ein Kapitel in einem Buch, das bestän-
Schenke uns Kraft und Geduld zu suchen und zu finden: das Beste       dig weitergeschrieben wird. Wenn jemand stirbt, reißt man die Seite nicht heraus,
und das, was verloren ist.                                            sondern sie bleibt ein Teil des großen Lebensbuches. Jedes Kapitel ist gefüllt mit
Amen.                                                                 den vielen kleinen und großen Erlebnissen unseres Lebens. Mit unseren Fehlern,
                                                                      unserem Glück und unseren Brüchen, mit dem Gelungenen und dem Unfertigen.
Lieder                                                                Und meine Hoffnung ist, dass Gott am Ende alles nimmt und es zu einem guten
                                                                      Ganzen fügt. Lesbar für die, die nach mir sind. Doch hier auf dem Friedhof sehe ich
EG 641		         Nun steht in Laub und Blüte
                                                                      nur einige wenige Zeilen, die bleiben von diesem Leben. Nicht mehr als die ersten
Lied		           Da wohnt ein Sehnen tief in uns, oh Gott             wenigen Absätze eines Kapitels. Und es werden nicht mehr werden.
		               (z.B. in freiTöne 25)
Lied		           Vorbei sind die Tränen                               Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag – im November reiht sich eine Erinnerung
		               (z. B. in freiTöne 191)                              an die andere. Und es ist gut und richtig, sich die Zeit zu nehmen, der Toten zu
                                                                      gedenken und dessen, was sie für uns waren. Es ist gut und richtig, in dieser Zeit
Segen                                                                 das eigene Leben einmal in den Blick zu nehmen – nicht vom Tod her, sondern vom
                                                                      Leben, denn niemand weiß wie viele Zeilen in unserem Lebensbuch noch stehen
Möge dein Segen wie ein Windhauch am Morgen unsere Seele beflügeln.
                                                                      werden und wie diese aussehen werden. Wir haben nur das Jetzt.
Möge dein Segen wie ein Sturm im Herbst unseren Geist aufwecken.
Möge dein Segen wie ein wärmender Mantel uns schützend begleiten.     Vor meinem inneren Auge erscheint in dieser Zeit auch immer wieder das Bild
Im Vertrauen auf Gott den Vater, den Sohn und den heiligen Geist.     dieses kleinen weißen Sarges und die großen Fragen nach dem Warum? Und dann
Amen.                                                                 werde ich still und manchmal mischen sich meine Tränen mit dem Regen. Vielleicht
                                                                      werde ich wieder an einem Grab stehen voller Fragen und Trauer. Vielleicht werde
                                                                      ich wieder jemanden unendlich vermissen. Vielleicht, ja, vielleicht.
                                           Marianne Schirrmeister
                                                                      Gerade dann brauche ich meinen Glauben und meine Hoffnung, damit ich nicht an
                                                                      diesen Gräbern stehe und zerbreche, weinend, ohne Hoffnung. Ich brauche diese
                                                                      Hoffnung, dass Gott da sein wird, mitten in meinen Fragen, meinen Zweifeln und
                                                                      meinen Tränen. Ich brauche diese Zuversicht, denn ER hat es uns zugesagt: „Sie
                                                                      werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“

                         30                                                                                       31
November 2020                                                                     Dezember 2020

Gebet                                                                                Brich dem Hungrigen dein Brot und die im
Gott, weinend werde ich kommen.                                                       Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!
Weinend um Verlorenes                                                               Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn und
um Unwiederbringliches                                                               entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut.
um Verluste.                                                                                         Jes. 58,7 (L)
Gott, weinend werde ich kommen
und dir alles ans Herz                                           Wie in jedem Jahr ist die Fußgängerzone weihnachtlich geschmückt und beleuchtet,
und in deine Hände legen.                                        aber noch will nicht so recht weihnachtliche Stimmung aufkommen.
Weinend werde ich kommen
und darauf vertrauen, dass du da bist                            Voller Hektik und gestresst eilen die Passanten aneinander vorbei. Viel ist noch zu
und tröstest.                                                    erledigen in den letzten Adventstagen.
Gott, wie soll ich sein
ohne diese Hoffnung?                                             „Mama, warum sitzt der Mann auf der Erde?“ Der kleine Junge bleibt stehen und zeigt
Denn einst hört alles auf                                        auf den Obdachlosen, der zwischen zwei Geschäftseingängen sitzt. „Der Mann hat
steht alles still.                                               wohl wenig Geld zum Leben.“ antwortet die Mutter und versucht schnell weiterzu-
Dann werde ich kommen                                            gehen. Schleppend, sehr, sehr langsam folgt ihr der Sohn. Schon will sie mit ihm
in deine Ewigkeit                                                schimpfen, sie hat es doch eilig, da sieht sie die Tränen über das kleine Gesicht rollen.
getröstet.
Amen.                                                            Fest nimmt sie ihr Kind in den Arm. „Du hast recht! Wir sollten nicht achtlos an Men-
                                                                 schen vorbeigehen, denen es nicht so gut geht wie uns“ sagt sie. Sie holt ein Geldstück
Lieder                                                           aus der Tasche und gemeinsam legen sie es dem Obdachlosen in seine Dose.
EG 450		          Morgenglanz der Ewigkeit
EG 533		          Du kannst nicht tiefer fallen                  Brich dem Hungrigen das Brot und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus.

Segen                                                            Armut, Elend, Heimatlosigkeit und Einsamkeit hat der Prophet Jesaja konkret vor
                                                                 Augen. Darum appelliert er in seinem Volk an die Mitmenschlichkeit.
Es wäre ein Segen
wenn wir mitten im Unbegreiflichen
                                                                 Weihnachten steht vor der Tür. Hilfsaufrufe, Spendenappelle erreichen uns von
nicht verharren
                                                                 vielen Seiten, schließlich feiern wir weltweit an Weihnachten das Fest der Liebe
Es wäre ein Segen,
                                                                 und des Friedens. Gerade die Weihnachtsbotschaft weist uns besonders darauf hin,
wenn wir mitten im Untröstlich-sein
                                                                 besonders aufmerksam unser Umfeld wahrzunehmen.
gehen
Es wäre ein Segen
                                                                 Aber es geht nicht darum, das schlechte Gewissen mit einer Spende zu beruhigen.
wenn wir mitten in der Hoffnungslosigkeit
                                                                 Es geht vielmehr darum Ernst zu machen, die geschenkte Liebe weiterzugeben,
einen Schritt vor den anderen tun
                                                                 die wir immer wieder empfangen. Vertrauen und aufrichtiges sich zuwenden sind
Es ist ein Segen
                                                                 Zeichen, die wir setzen können. So wird es bei uns und um uns weihnachtlich hell
das am Ende dieses Weges
Gott wartet.                                                     erstrahlen können.
                                                  Birgit Eilts
                          32                                                                                33
Dezember 2020                                         Jahreslosung und Monatssprüche wurden ausgelegt von:

Gebet                                                                   Jahreslosung   Antje Gottwald
Gnädiger, barmherziger Gott,                                                           Frauenhilfe Melverode
wir danken dir, dass du deinen Sohn Jesus Christus                      Januar         Anne-Lore Asmus
für uns in diese Welt gesandt hast und bitten dich:                                    Frauenhilfe Braunschweig-Schapen
Lass uns an deiner Liebe teilhaben,
                                                                        Februar        Anke Meyer-Gennrich und Anja Wilhelmi
lass uns deine Liebe annehmen und sie weitergeben.
                                                                                       Frauenhilfe Schöningen
Amen.
                                                                        März           Elfriede Knotte
Lieder                                                                                 Pröpstin Bad Gandersheim
EG 1		           Macht hoch die Tür                                     April          Christine Böhm
EG 418		         Brich dem Hungrigen dein Brot                                         Pfarrerin in Bodenstedt, Köchingen und Liedingen
EG 56		          Weil Gott in tiefster Nacht erschienen                 Mai            Anja Hahnke
EG 536 		        Auf, auf, ihr Christen alle                                           Kreisverband Vorsfelde

Segen                                                                   Juni           Hella von Vegesack-Boßung
                                                                                       Stadtverband Braunschweig
Der Herr, der gesagt hat:
 „Was ihr getan habt einem von diesen geringsten Brüdern, das habt      Juli           Kerstin Drömann
ihr mir getan“ (Mt 25,20),                                                             Arbeitsbereich Kindertageseinrichtungen in der
der segne dein Wort, das du dem Traurigen zusprichst,                                  Landeskirche in Braunschweig
das Brot, das du dem Hungrigen austeilst,                               August         Karin Hartz-Hellemann
die Spende, die du Hilfsbedürftigen gibst.                                             Vorstand des Landesverbandes
Er schenke dir ein weites Herz,
                                                                        September      Kerstin Kühne
offene Augen und Ohren
und zupackende Hände.                                                   Oktober        Marianne Schirrmeister
So sei gesegnet in deinem Tun.                                                         Frauenhilfe Bad Harzburg
Amen.                                                                   November       Birgit Eilts
Antje Gottwald                                                                         Prädikantin
                                                                        Dezember       Brigitte Müller
                                                      Brigitte Müller
                                                                                       Oberlandeskirchenrätin in Ruhe

                         34                                                                                     35
Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB)
Jahreslosung und Monatssprüche 2020
Jahreslosung     Ich glaube, hilf meinem Unglauben!                      Mk 9,24 (L=E)
Januar           Gott ist treu.                                      1. Korinther 1,9 (L)
Februar          Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der
                 Menschen Knechte.                                  1. Korinther 7,23 (L)
März             Jesus Christus spricht: Wachet!                       Markus 13,37 (L)
April            Es wird gesät verweslich und wird
                 auferstehen unverweslich.                         1. Korinther 15,42 (L)
Mai              Dient einander als gute Verwalter der
                 vielfältigen Gnade Gottes,jeder mit der
                 Gabe, die er empfangen hat!                           1. Petrus 4, 10 (E)
Juni             Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.      1. Könige 8,39 (L)
Juli             Der Engel des HERRN rührte Elia an und
                 sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen
                 weiten Weg vor dir.                                  1. Könige 19,7 (L)
August           Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin;
                 wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine
                 Seele.                                                 Psalm 139,14 (L)
September        Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit
                 sich ersöhnt hat.                                  2. Korinther 5,19 (E)
Oktober          Suchet der Stadt Bestes und betet für sie
                 zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht,
                 so geht's euch auch wohl.                              Jeremia 29,7 (L)
November         Gott spricht: Sie werden weinend kommen,
                 aber ich will sie trösten und leiten.                  Jeremia 31,9 (L)
Dezember         Brich dem Hungrigen dein Brot und die im
                 Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!
                 Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn und
                 entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut.                Jes. 58,7 (L)

L = Lutherbibel, E = Einheitsübersetzung

                                            36
Sie können auch lesen
NÄCHSTE FOLIEN ... Stornieren