DIALOG GLOBAL KOMMUNALE KLIMAPARTNERSCHAFTEN Dokumentation der sechsten Projektphase | Nr. 61
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Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW)
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Dialog Global – Schriftenreihe der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW), Heft 61
Inhaltlich verantwortlich: SKEW, Dr. Stefan Wilhelmy
Projektleitung: Clemens Olbrich
Texte: Clemens Olbrich, Dr. Klaus Reuter, Moritz Schmidt
Redaktion: Clemens Olbrich, Dr. Klaus Reuter, Moritz Schmidt, Mandy Wagner
Titelbild: Ernst Ohlhoff
Layout, Satz und Umschlaggestaltung: Fabian Ewert, Königswinter
Druck: Bonifatius GmbH
100% Recyclingpapier, Vivus 89
Druck mit mineralölfreien Farben, CO2-kompensiert
Bonn, Februar 2021
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit vorheriger Genehmigung des Herausgebers. Die Reihe „Dialog Global“
wird finanziell gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
sowie die Bundesländer Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Um die Lesbarkeit zu vereinfachen, sind in der vorliegenden Publikation die zur Gleichstellung der Geschlechter
gebräuchlichen Schreibweisen nicht durchgängig verwendet worden. Sofern sich aus dem Kontext nicht explizit
anderes ergibt, sind bei allen geschlechtsbezogenen Bezeichnungen selbstverständlich immer alle Geschlechter
gleichermaßen angesprochen.
Dieses Druck-Erzeugnis wurde mit dem Blauen Engel ausgezeichnet.
www.blauer-engel.de/uz195
· ressourcenschonend und
umweltfreundlich hergestellt
· emissionsarm gedruckt
· überwiegend aus Altpapier RG 4INHALT
Vorwort .............................................................................................................. 5
1. Einleitung .................................................................................................. 7
1.1. Projektablauf ........................................................................................................ 8
1.2. Arbeitsstrukturen und Kommunikation ............................................................... 9
1.3. Analyse und Erarbeitung Handlungsprogramme ................................................ 11
1.4. Umsetzung und Weiterentwicklung ................................................................... 13
2. Vernetzung der beteiligten Kommunen ..................................................... 15
2.1. Ebenen der Vernetzung im Projekt ..................................................................... 15
2.2. Workshops und Netzwerktreffen ....................................................................... 16
2.2.1. Informationsworkshop für die deutschen Kommunen ............................. 16
2.2.2. Vorbereitungstreffen zum Auftaktworkshop (Erstes Netzwerktreffen).... 17
2.2.3. Internationaler Auftaktworkshop.............................................................. 17
2.2.4. Zweites Netzwerktreffen der deutschen Kommunen................................ 18
2.2.5. Netzwerktreffen der afrikanischen und lateinamerikanischen
Kommunen................................................................................................. 18
2.2.6. Drittes Netzwerktreffen der deutschen Kommunen ................................. 19
2.2.7. Viertes Netzwerktreffen der deutschen Kommunen ............................... 20
2.2.8. Internationaler Workshop zur Vorstellung der Handlungsprogramme .... 20
3. Berichte der kommunalen Klimapartnerschaften ...................................... 23
3.1. Bremen – Windhoek, Namibia ............................................................................ 23
3.2. Brühl – Dourtenga, Burkina Faso ........................................................................ 27
3.3. Enkenbach-Alsenborn – Kinigi/ Distrikt Musanze, Ruanda ............................... 31
3.4. Hachenburg – Distrikt Gisagara, Ruanda ............................................................ 35
3.5. Ilsfeld – Kouga Local Municipality, Südafrika ..................................................... 38
3.6. Köln – Yarinacocha, Peru .................................................................................... 42
3.7. Kreis Herford – Condega, Nicaragua ................................................................... 47
3.8 Landkreis Hameln-Pyrmont – Distrikt Alfred Nzo, Südafrika ............................ 51
3.9 Ludwigsburg – Ambato, Ecuador ........................................................................ 55
3.10. München – Harare, Simbabwe ............................................................................ 59
3.11. Schwäbisch Hall – Okahandja, Namibia .............................................................. 63
3.12. Viernheim – Silly, Burkina Faso ........................................................................... 68
4. Fazit ......................................................................................................... 72
5. Ausblick ................................................................................................... 75VORWORT
Sehr geehrte Damen und Herren,
5
im Oktober 2017 startete die sechste Phase der
kommunalen Klimapartnerschaften in der Freien
Hansestadt Bremen, die seit Jahrhunderten geprägt
ist durch Handel und Austausch. Ein besonderer
Ort, um mit den Klimapartnerschaften Neuland
zu betreten. Erstmalig haben in einer Phase Kom-
munen aus Lateinamerika, Afrika und Deutschland
zusammengearbeitet. Ein absoluter Gewinn. Seit
der Auftaktkonferenz im Oktober 2017 unter den
Augen der „Bremer Stadtmusikanten“ (Bild) zeigte
sich schnell, dass es Grenzen in der Zusammenar-
beit über Kontinente in Fragen des Klimaschutzes
und der Klimafolgenanpassung nicht gibt. Das
Verständnis der globalen und gemeinsamen
Herausforderung des Klimawandels bestimmte
die Diskussionen und die unterschiedlichen Hand-
lungsansätze der Klimapartnerschaften von der
ersten Minute an.
In den zwei zurückliegenden Jahren der Zusammen-
arbeit bis zum Ergebnisworkshop in Jeffrey‘s Bay,
Kouga Local Municipality (Südafrika) im Oktober Bremer Stadtmusikanten © Nicole Pankalla
2019 wurde in allen Partnerschaften kaum ein
Thema ausgespart, um Möglichkeiten zur Reduktion notwendigen Transformationsprozesse den Regie-
der Treibhausgasemissionen und Maßnahmen renden der Welt entscheidende Fragen gestellt und
zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels sofortiges Handeln eingefordert, um die Zukunft
in gemeinsame Ziele und Projekte zu übersetzen. nachfolgender Generationen nicht zu gefährden.
Abfallbehandlung und Vermeidung, regenerative Diese Forderungen begründen sich auch auf den
Energieerzeugung, Wassermanagement, Mobilität, wissenschaftlichen Erkenntnissen des Weltklima-
Ressourcenschutz und Bildungsarbeit waren hierbei rates (IPCC), welcher der globalen Staatengemein-
nur einige übergeordnete Themenbereiche. schaft kontinuierlich zum Klimawandel Bericht
erstattet und die Gefährdungen darlegt.
Auf den Zwischenstopps der Klimapartnerschaften
in Windhoek (Namibia), wo sich alle Südpartner- Wir sind überzeugt davon, dass unsere mittler-
kommunen der sechsten Projektphase trafen, weile rund 80 Klimapartnerschaften mit ihren
während der jeweiligen bilateralen Delegations- konkreten Handlungsprogrammen und dem
reisen oder auch auf den Netzwerktreffen der entstandenen Netzwerk von über 150 beteiligten
deutschen Kommunen wurde aber auch deutlich, Kommunen weltweit wichtige und wirksame
dass wir international derzeit noch weit davon Zeichen setzen und über Kontinente hinweg
entfernt sind, die Klimaziele der Übereinkunft der aufzeigen, dass wir durch Offenheit des Dialogs,
UN-Klimakonferenz von Paris aus dem Jahr 2015 gemeinsam angewandtes Wissen und Koopera-
zu erreichen. Die Auseinandersetzungen um die tion, Mut, Leidenschaft und ein globales Denken
besten und effektivsten Pfade werden offensicht- einen wichtigen und beispielgebenden Beitrag
licher. Nicht zuletzt hat auch die globale Fridays für den Umgang mit den Herausforderungen des
for Future Bewegung als Katalysator der zwingend Klimawandels leisten können.VORWORT
Wir hoffen, dass die Lektüre dieser Dokumenta- teilnehmenden Kommunen als auch den Rats-
tion, in der die Klimapartnerschaften der sechsten mitgliedern für ihre politische Unterstützung des
Phase ihre Ergebnisse vorstellen, weiteren Kom- Prozesses und den Verwaltungsmitarbeitenden
munen Motivation und Inspiration ist, um sich für ihre Fachexpertise und Wertschätzung der
ebenfalls in kommunalen Klimapartnerschaften zu zivilgesellschaftlichen Beiträge zu den Handlungs-
engagieren. programmen.
6
Wir möchten uns bei allen beteiligten Akteurinnen Mit der in 24 Monaten geschaffenen Grundlage
und Akteuren herzlich für die intensive und frucht- kann der Umsetzungsphase der Ziele und Maß-
bare Zusammenarbeit und ihr über das normale nahmen des Handlungsprogramms optimistisch
Maß hinausgehende Engagement für die Klima- entgegengesehen werden. In einigen Partner-
partnerschaften bedanken. Es ist uns selbst immer schaften sind die ersten Aktivitäten schon vielver-
wieder ein Ansporn, diesem Engagement durch sprechend gestartet worden. Wir wünschen den
Beratung, Wissenstransfer und Vernetzung gerecht Klimapartnerschaften viel Erfolg bei und Freude
zu werden. an der gemeinsamen Umsetzung. Die Servicestelle
Kommunen in der Einen Welt (SKEW) und die
Unser Dank gilt insbesondere auch den (Ober-) Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (LAG
Bürgermeisterinnen und (Ober-) Bürgermeistern 21 NRW) werden Sie dabei auch in Zukunft gerne
sowie den Landrätinnen und Landräten der begleiten.
Dr. Stefan Wilhelmy Dr. Klaus Reuter
Bereichsleiter der Servicestelle Kommunen in Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft
der Einen Welt von Engagement Global Agenda 21 NRW1. EINLEITUNG
Die sechste Projektphase im Projekt „Kommunale kann auf einer bestehenden Städtepartnerschaft
Klimapartnerschaften“ markiert einen besonderen aufbauen und dieser eine neue Dimension hinzu- 7
Meilenstein in dem seit 2011 bestehenden Projekt. fügen. Sie kann aber auch von zwei interessierten
Erstmalig wurden Südkommunen aus Afrika und Kommunen als Themenpartnerschaft gänzlich
Lateinamerika zeitgleich in einer Projektphase neu gegründet werden und so den Ausgangspunkt
gemeinsam mit ihren deutschen Partnerkom- für weitere thematische Kooperationen oder eine
munen bei der Etablierung ihrer kommunalen formelle Partnerschaft bilden.
Klimapartnerschaften begleitet. Sie haben sich so
auch im Rahmen der intensiven Vernetzungsakti- Im Zentrum des Projektes steht der fachliche Aus-
vitäten über Kontinente hinweg zu kommunalen tausch zwischen kommunalen Expertinnen und
Themen des Klimaschutzes und der Klimafolgen- Experten aus verschiedenen thematischen Berei-
anpassung austauschen können. chen, v.a. im Rahmen von gegenseitigen Entsen-
dungen. Damit sind zum einen Expertinnen und
Dadurch wurde in der sechsten Projektphase die Experten hinsichtlich technischer oder organisato-
Intention des Projekts „Kommunale Klimapart- rischer Lösungsansätze gemeint, aber gleichwohl
nerschaften“ seitens der beteiligten Kommunen auch Akteurinnen und Akteure angesprochen, die
mit großem Engagement und fundierter Exper- mit interkulturellen, sprachlichen und weiteren
tise umgesetzt: Aufbauend auf ihren jeweiligen relevanten Kompetenzen zum Gelingen der Kli-
umfangreichen Erfahrungen und Expertisen mapartnerschaft beitragen können. So sollen auf
zu Klimaschutz und zur Klimafolgenanpassung beiden Seiten auch bewusst die Ressourcen der
konnten die beteiligten Kommunen ihre bisherige lokalen Zivilgesellschaft eingebunden werden, um
Partnerschaft um diese relevanten Aspekte der die Klimapartnerschaft durch ihre Perspektiven
kommunalen Daseinsvorsorge bereichern bzw. und Expertisen zu bereichern.
hierüber einen thematischen Einstieg in eine
neue partnerschaftliche Zusammenarbeit finden. Zur Vernetzung der teilnehmenden Kommunen
Kommunen spielen in verschiedenen Bereichen und zum gegenseitigen Lernen finden regelmäßige
einer nachhaltigen Entwicklung eine zentrale Treffen statt. Dabei werden die Kommunen von
Rolle: als Ebene der eigentlichen Umsetzung von der SKEW von Engagement Global und der LAG 21
Maßnahmen und zur direkten Ansprache ihrer NRW fachlich und methodisch beraten. Das Pro-
Einwohnerinnen und Einwohner. Dieser Rolle jekt wird im Auftrag des Bundesministeriums für
möchte das Projekt in einem entwicklungs- und wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
klimapolitischen Kontext mehr Gewicht verleihen (BMZ) durchgeführt und von den kommunalen
und die Erarbeitung spezifischer Lösungen für Spitzenverbänden in Deutschland – Deutscher
lokale Herausforderungen ermöglichen. Städtetag (mit zwei eigenen Präsidiumsbe-
schlüssen), Deutscher Städte- und Gemeindebund
Dazu erarbeiten die Klimapartnerschaften in und Deutscher Landkreistag – offiziell unterstützt.
einem Zeitraum von etwa 24 Monaten gemein-
same Handlungsprogramme mit Zielen, konkreten Diese Publikation dokumentiert die sechste Phase
Maßnahmen und zugewiesenen Ressourcen für des Projektes „Kommunale Klimapartnerschaften“
Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsakti- und stellt die zentralen Arbeitsergebnisse der
vitäten in ihren beiden Kommunen. Durch die Partnerschaften zwischen deutschen, afrikanischen
Erarbeitung der Handlungsprogramme wird der und lateinamerikanischen Kommunen dar. An der
Grundstein für eine langfristige, konstruktive und sechsten Projektphase haben sich insgesamt zwölf
systematische Zusammenarbeit der Partner zu kommunale Klimapartnerschaften beteiligt:
diesen Themen gelegt. Eine KlimapartnerschaftEINLEITUNG
Deutsche Kommune Afrikanische Kommune
Bremen Windhoek, Namibia
Brühl Dourtenga, Burkina Faso
Enkenbach-Alsenborn Kinigi/ Distrikt Musanze, Ruanda
Hachenburg Distrikt Gisagara, Ruanda
8
Ilsfeld Kouga Local Municipality, Südafrika
Landkreis Hameln-Pyrmont Distrikt Alfred Nzo, Südafrika
München Harare, Simbabwe
Schwäbisch Hall Okahandja, Namibia
Viernheim Silly, Burkina Faso
Deutsche Kommune Lateinamerikanische Kommune
Köln Yarinacocha, Peru
Kreis Herford Condega, Nicaragua
Ludwigsburg Ambato, Ecuador
Die folgenden Unterkapitel der Einleitung werden 1.1. Projektablauf
die organisatorischen und inhaltlichen Bausteine Das Ziel des Projektes „Kommunale Klimapart-
des Projektes erläutern. nerschaften“ ist die kollaborative Entwicklung,
sukzessive Umsetzung und kontinuierliche
Das zweite Kapitel dieser Dokumentation widmet Fortschreibung eines gemeinsamen kommunalen
sich im besonderen Maße der Vernetzung der Handlungsprogramms zum Klimaschutz und zur
Partnerkommunen untereinander. Das Projekt Klimafolgenanpassung. Ausgehend von strategi-
strebt eine Vernetzung der beteiligten Kommunen schen Zielen soll eine schrittweise Konkretisierung
auf unterschiedlichen Ebenen an. Die in diesem hin zu anwendungsbezogenen Maßnahmen mit
Rahmen angebotenen und geförderten Kommu- einer differenzierten Ressourcenplanung und
nikationsforen werden zunächst im Allgemeinen Indikatoren zum Monitoring der Zielerreichung
vorgestellt. Davon ausgehend erfolgt eine kurze erarbeitet werden.
Zusammenfassung der zentralen Veranstaltungen
des Projektes, sowohl der internationalen Work- Das Handlungsprogramm wird von den jeweiligen
shops zu Beginn und zum Ende der Projektphase Klimapartnerschaften innerhalb eines Zeitraums
als auch der Netzwerktreffen der deutschen sowie von ungefähr zwei Jahren entwickelt, wobei die
der afrikanischen und lateinamerikanischen Kom- Kommunen während dieser Zeit eine intensive
munen. Beratung, Betreuung und finanzielle Unterstützung
des bilateralen Austauschs seitens der SKEW und
Das dritte Kapitel beinhaltet die Berichte der der LAG 21 NRW erfahren. Nach dieser intensiven
einzelnen Klimapartnerschaften mit Aussagen zu Erarbeitungsphase erfolgt die eigenverantwortliche
den Hintergründen der Partnerschaften, der Erar- und langfristige Umsetzung sowie kontinuierliche
beitung der gemeinsamen Handlungsprogramme Verbesserung des Handlungsprogramms. Gemäß
sowie zu den jeweiligen Schwerpunkten der Hand- dem von den projektdurchführenden Organisati-
lungsprogramme. onen entwickelten methodischen Leitfaden erfolgt
dieser Projektablauf in drei groben Schritten:
Abgeschlossen wird diese Dokumentation mit
einem Fazit der sechsten Projektphase und einem
Ausblick.EINLEITUNG
Arbeitsstruktur und Kommunikation
Information Einrichtung Arbeitsstrukturen Regelmäßige Kommunikation
9
Analyse und Handlungsprogramm
Dokumentation und
Analysen und Schwerpunkte Erstellung Handlungsprogramm
Berichterstattung
Umsetzung und Weiterentwicklung
Monitoring und Fortschreibung Weiterentwicklung
Möglichkeiten der Umsetzung der Partnerschaft
Handlungsprogramm
Abbildung 1: Arbeitsschritte im Projekt „Kommunale Klimapartnerschaften“ © LAG 21 NRW/SKEW
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass 1.2. Arbeitsstrukturen und Kommunikation
es sich bei dem hier skizzierten Ablauf um ein Die Etablierung der Klimapartnerschaften hinsicht-
idealtypisches Modell handelt, welches den betei- lich ihrer Arbeitsstrukturen und Kommunikation
ligten Kommunen als grobe Orientierung dient. umfasst die Information der projektrelevanten
Je nach Vorerfahrungen, bereits bestehenden Akteurinnen und Akteure, die Begründung der not-
partnerschaftlichen Beziehungen oder sonstigen wendigen Arbeitsstrukturen und den gegenseitigen
Besonderheiten der Partnerschaft sind durchaus Austausch.
kleinere Abweichungen hinsichtlich der Inhalte
und des Umfangs der einzelnen Erarbeitungs-
schritte möglich. Bei langjährigen Partnerschaften Information
kann z.B. die Etablierung von Arbeitsstrukturen Neben der Kontaktaufnahme und dem gegen-
und Kommunikationskanälen verkürzt sein, bei seitigen Kennenlernen der Partner wird unter
neuen Partnerschaften ohne Vorkontakte wird dies dem Punkt „Information“ die Weitergabe aller
evtl. mehr Zeit in Anspruch nehmen. In einigen Informationen zum Ablauf der Klimapartnerschaft,
Fällen können Klimapartnerschaften bereits vor wie beispielsweise zu ihren Hintergründen und
der Fertigstellung des gemeinsamen Handlungs- Vorteilen, an die unterschiedlichen Akteurinnen
programms erste konkrete Projekte durchführen, und Akteure in der Kommune (Politik, Verwaltung,
um beispielsweise besonders dringliche Bedarfe zu Zivilgesellschaft, allgemeine Öffentlichkeit) über
adressieren. differenzierte Informationswege (zum Beispiel
Presse, Internet, Präsentationen, Informations-
Diese grob skizzierten Schritte des Projektablaufs veranstaltungen) verstanden. Ziel ist es, in den
werden im Folgenden detailliert beschrieben. jeweiligen Partnerkommunen eine dauerhafte
Unterstützung für die Etablierung einer Klimapart-
nerschaft sowie ein gemeinsames Verständnis für
die Problemlage und die eventuell neue strategi-
sche Vorgehensweise zu entwickeln. Zudem sollEINLEITUNG
ein breites Akteursspektrum zur aktiven Mitarbeit Akteure innerhalb und außerhalb der Kommunal-
gewonnen werden. verwaltung einzubeziehen und ihre Rollen klar zu
definieren. Ziel dieses partizipativen Ansatzes ist
es, dass das Handlungsprogramm für die Klima-
Arbeitsstrukturen und Kommunikation partnerschaft auf einer verbindlich legitimierten
Mit der Festlegung der Verantwortlichkeiten und und fachlich fundierten Grundlage entwickelt und
10 Zuständigkeiten für die Aufgaben im Rahmen einer langfristig umgesetzt werden kann.
Klimapartnerschaft werden die Arbeitsstrukturen
eingerichtet. Die Arbeitsstrukturen dienen dem Um dies zu gewährleisten, sollen die Arbeits-
Aufbau einer transparenten, tragfähigen und strukturen folgende Elemente beinhalten: (siehe
funktionalen Organisation, bestehend aus wesent- Abbildung 2)
lichen Akteurinnen und Akteuren der Verwaltung,
Politik und Zivilgesellschaft, die wiederum ihre Der Koordination kommt die Schlüsselfunktion
jeweiligen Erfahrungen und Expertise in den innerhalb der Arbeitsstrukturen zu. Sie organisiert
Prozess einspeisen sollen. Die Arbeitsstrukturen und steuert alle Prozesse im Rahmen der kom-
der kommunalen Klimapartnerschaft definieren munalen Klimapartnerschaft. Die Koordination
klare Zuständigkeiten und intendieren eine fach- ist die zentrale Kontaktstelle für alle Beteiligten
bereichsübergreifende Zusammenarbeit innerhalb und Interessierten und zugleich für die Ergebnis-
der Kommunalverwaltung, die frühzeitige Integra- sicherung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
tion der politischen Vertreterinnen und Vertreter Die Koordinatorinnen und Koordinatoren der
sowie der zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und einzelnen Kommunen sind gleichsam das Binde-
Akteure. Um die Kommunikation zu erleichtern, glied in dem bilateralen Prozess und gewährleisten
müssen die zentralen Ansprechpersonen sowohl den Informationsaustausch und Wissenstransfer
innerhalb der eigenen Kommune als auch für zwischen den Partnerkommunen. Auch innerhalb
die Partnerkommune eindeutig benannt sein. der Kommune und gegenüber externen Akteurs-
Gleichzeitig ist es wichtig, weitere Akteurinnen und gruppen (auch SKEW und LAG 21 NRW) sind sie
Abbildung 2: Arbeitsstrukturen einer Klimapartnerschaft © LAG 21 NRW/SKEWEINLEITUNG
die zentralen Ansprechpersonen und zudem Kon- 1.3. Analyse und Erarbeitung
taktpersonen für die Workshops, Netzwerktreffen Handlungsprogramme
und Entsendungen sowie für die Berichterstattung Grundsätzliche Zielsetzung des Projekts „Kom-
im Rahmen des Projekts. munale Klimapartnerschaften“ ist die Erarbeitung
eines fundierten Handlungsprogramms zum Kli-
In der Regel wird dafür jemand aus der Verwal- maschutz und zur Klimafolgenanpassung zwischen
tung benannt; zweiköpfige Teams sind ebenfalls den beiden Kommunen einer Klimapartnerschaft. 11
möglich. Um die Kontinuität der Prozesse im Falle
längerer Abwesenheiten oder von Personalwech- Das Handlungsprogramm wird dabei in einem
seln sicherzustellen, sollte es in jedem Fall eine partizipativen Prozess in den eingerichteten Steue-
Stellvertretung geben. rungsgruppen und Kernteams erarbeitet und inner-
halb der Kommunen und zwischen den Partnern
Das Kernteam unterstützt die Koordination bei über die Koordination kontinuierlich abgestimmt.
ihren verschiedenen Aufgaben und kann punktuell Dabei basiert es auf den Ergebnissen eingehender
auch einzelne Aufgaben davon übernehmen. Es ist Analysen und den gemeinsam festgelegten
daher an jedem Arbeitsschritt beteiligt und trifft Schwerpunktthemen der Klimapartnerschaft.
sich regelmäßig. Je nach Größe der Kommune
besteht das Kernteam in der Regel aus drei bis Gekennzeichnet ist das Handlungsprogramm durch
fünf Personen. Hier sollten verschiedene Fachbe- seinen hierarchischen Aufbau, wobei es zu einer
reiche aus der Verwaltung vertreten sein, um eine stetigen Konkretisierung von einer gemeinsamen
Integration unterschiedlicher Herangehensweisen Vision und eher abstrakten strategischen Zielen bis
und Lösungsansätze zu ermöglichen. Zur Abde- hin zu handlungsorientierten Maßnahmen kommt
ckung möglichst vielseitiger Perspektiven, bietet (siehe Abbildung 3). Auf Grundlage einer Bestands-
es sich an, auch zivilgesellschaftliche Akteurinnen aufnahme und gegenseitiger Entsendungen werden
und Akteure in das Kernteam einzubinden. Im gemeinsame Schwerpunktthemen der Zusammen-
Falle von bereits bestehenden kommunalen arbeit identifiziert. Von diesen Schwerpunktthemen
Partnerschaften, die vom Engagement eines Part- ausgehend werden in einem nächsten Schritt die
nerschaftsvereins oder einer Nichtregierungsorga- strategischen Ziele formuliert. Sie bilden die Grund-
nisation (NRO) mitgetragen werden, empfiehlt sich lage für die Erarbeitung der operativen Ziele und
die Einbindung eines Akteurs oder einer Akteurin Maßnahmen und spiegeln die dort identifizierten
aus diesen Organisationen. Darüber hinaus Arbeitsfelder und Projekte wider. Die einzelnen
bereitet das Kernteam die inhaltliche Arbeit der Ziele und Maßnahmen sollten dabei so definiert
Steuerungsgruppe vor. werden, dass sie spezifisch auf die Situation in
den Partnerkommunen zugeschnitten sind, die
Die Steuerungsgruppe ist die größte Gruppe inner- Umsetzung messbar ist, sie von den Akteurinnen
halb der Arbeitsstrukturen und zeichnet sich durch und Akteuren akzeptiert werden, einer realistischen
eine hohe Akteursvielfalt aus. Das Kernteam ist Planung unterliegen, sowie in ihrer Umsetzung
Teil der Steuerungsgruppe. Sie setzt sich in einem terminiert sind (SMART-Kriterien1).
ausgewogenen Verhältnis aus Vertreterinnen und
Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Verwal- Die inhaltlichen Schwerpunktthemen und Ziele
tung zusammen. Damit ist die Steuerungsgruppe der bilateralen Handlungsprogramme zum Klima-
interdisziplinär aufgestellt und bringt ein breites schutz und zur Klimafolgenanpassung sind dabei
Spektrum an Fachexpertise und Erfahrungen in so verschieden wie die Partnerschaften selbst.
die Erstellung des Handlungsprogramms ein. Im Bereich des Klimaschutzes können Zielset-
Sie trägt entscheidend dazu bei, dass die Klima- zungen der Energieeffizienz, der erneuerbaren
partnerschaft auf eine breite Grundlage gestellt Energien und der Energieeinsparung formuliert
wird. Sie ist an den zentralen Momenten und
Projektmeilensteinen des Prozesses beteiligt (etwa
Entsendungen, internationale Workshops) und 1 Die SMART-Methode ist eine strategische Vorgehens-
trifft wichtige Entscheidungen zur Ausgestaltung weise zur Formulierung von Zielen im Projektmanage-
des Handlungsprogramms der Klimapartnerschaft. ment. Der Begriff „SMART“ ist ein Akronym, wobei die
Buchstaben S, M, A, R und T für Kriterien stehen, die
für eine Zielformulierung notwendig sind: Spezifisch,
Messbar, Akzeptiert, Realistisch, Terminiert.EINLEITUNG
12
Abbildung 3: Zentrale Elemente des Handlungsprogramms der kommunalen Klimapartnerschaften © LAG 21 NRW/SKEW
werden. Zudem können beispielsweise Fragen eigenständig umgesetzt werden können, als auch
einer klimagerechten Land-/ Forstwirtschaft, zur Maßnahmen, für die die Unterstützung Dritter, wie
Reduzierung der Entwaldung, zum Aufbau eines zum Beispiel von Partnerschaftsvereinen, privaten
Mobilitätsmanagements oder auch eines nach- Investoren oder Geberorganisationen notwendig
haltigen Abfallmanagements zur Vermeidung von ist, aufgenommen werden. Damit können vom
Treibhausgasemissionen angesprochen werden. Handlungsprogramm ausgehend Projekte unter-
schiedlicher Größe entwickelt werden. Da es sich
In Bezug auf die Folgen des Klimawandels, wie um ein gemeinsames Handlungsprogramm han-
zum Beispiel Meeresspiegelanstieg, Desertifikation, delt, beziehen sich seine Ziele und Maßnahmen
klimabedingte Bodenerosion oder vermehrtes auf beide Partnerkommunen. Für die beiden
Auftreten von Extremwetterereignissen, sind beteiligten Kommunen können sowohl spiegelbild-
Ziele zum besseren Umgang mit diesen Verände- liche Maßnahmen entwickelt werden, die parallel
rungen vorstellbar. Dazu könnten unter anderem in beiden Kommunen umgesetzt werden können
Maßnahmen wie Küstenschutz, Aufforstung, Was- (etwa Ausstellungen zum Klimawandel oder Baum-
sermanagement oder der Erhalt der biologischen pflanzungen), als auch jeweils an den spezifischen
Vielfalt gehören. lokalen Kontext angepasste Maßnahmen entwi-
ckelt und umgesetzt werden.
Ferner ergibt sich über die Handlungsprogramme
die Möglichkeit, Ziele zu übergeordneten Strate- Als Präambel und als langfristige Orientierung
gien zu verankern, beispielsweise zu einer umfas- wird dem Handlungsprogramm eine gemeinsame
senden Bildungsarbeit oder auch zur Erweiterung Vision vorangestellt. Die Vision der Klimapart-
der Daten- und Informationsgrundlage zum Klima- nerschaft beschreibt einen idealisierten Zustand
wandel durch entsprechende Studien. in beiden beteiligten Kommunen zu einem
bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft. Dieser ideale
Als handhabbares, umsetzungsorientiertes Instru- Zustand bezieht sich dabei auf die partnerschaft-
ment sollen ins Handlungsprogramm sowohl Maß- liche Verbundenheit und auf die vor dem Hinter-
nahmen, die von den beiden Partnerkommunen grund des globalen Klimawandels gemeinsam zuEINLEITUNG
erreichenden Ziele. Die Vision der Klimapartner- werden. Für die Formulierung von Förderanträgen
schaft soll emotionale Bilder einer gemeinsamen, stellen das strategische Handlungsprogramm als
erstrebenswerten Zukunft vermitteln und auf diese Ergebnis eines strukturierten Reflexions- und
Weise zur Identifikation und Orientierung von Planungsprozesses sowie die etablierten Arbeits-
Akteurinnen und Akteuren und Öffentlichkeit bei- und Kommunikationsstrukturen eine sehr gute
tragen. Sie soll zur Mitarbeit motivieren. Die Vision Grundlage dar.
bewegt sich dabei im Bereich des noch gerade so 13
Machbaren, also zwischen Utopie und Realität. In Aufgrund ihres mittel- bis langfristigen Zeithori-
die Formulierung der gemeinsamen Vision können zonts können die Handlungsprogramme nicht
und sollen bereits vorhandene Visionen, Leitbilder statisch sein, sondern müssen aktiv weiterent-
oder Ähnliches der beteiligten Kommunen Eingang wickelt und angepasst werden. Deshalb sollten
finden. Denkbar ist ebenso, eine vorhandene Part- Erfolg und Misserfolg hinsichtlich der vereinbarten
nerschaftsvereinbarung um inhaltliche Elemente Ziele sowie die Umsetzung der Maßnahmen einer
der Klimapartnerschaft zu erweitern und dort eine regelmäßigen Evaluation auf Grundlage systema-
gemeinsame Vision zu verankern. tischen Monitorings unterliegen. Hierfür werden
Indikatoren herangezogen. Die Ergebnisse werden
in den jeweiligen Steuerungsgruppen diskutiert,
1.4. Umsetzung und Weiterentwicklung notwendige Änderungen der gemeinsamen
Das gemeinsame Handlungsprogramm zu Kli- Planung identifiziert und mit den Partnern abge-
maschutz und Klimafolgenanpassung bildet die stimmt. Anhand dieser angepassten Planung wird
Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit mit der Umsetzung des Handlungsprogramms
im Rahmen der Klimapartnerschaft. Die darin fortgefahren. Insgesamt entspricht das Vorgehen
festgehaltenen Schwerpunkte der Klimapart- einem sich periodisch wiederholenden Zyklus, der
nerschaft basieren auf einer genauen Kenntnis die Bearbeitungsschritte
der Situation in den beiden Partnerkommunen.
Den darin gemeinsam formulierten Zielen liegen ÆÆ Erarbeitung des gemeinsamen Handlungspro-
abgestimmte und realistische Maßnahmen zur gramms (plan)
Zielerreichung zugrunde. ÆÆ Umsetzung der im Handlungsprogramm doku-
mentierten Maßnahmen und Projekte (do)
Der letzte und sich stetig wiederholende Arbeits- ÆÆ Monitoring (check)
schritt der Klimapartnerschaft liegt im Verantwor- ÆÆ Weiterentwicklung und Anpassung des Hand-
tungsbereich der beiden beteiligten Kommunen lungsprogramms (act)
und beginnt nach dem internationalen Workshop umfasst (siehe Abbildung 4).
zur Präsentation der Handlungsprogramme. Es
werden gemeinsam Möglichkeiten zur Umsetzung
der Maßnahmen sondiert und das Handlungspro-
gramm selbst wird einer kontinuierlichen Verbes-
serung unterzogen.
Durch die Festlegung von Laufzeit und Beginn der
einzelnen Maßnahmen sollte bereits während der
Erstellung der Handlungsprogramme ein grober
Zeitrahmen gesteckt worden sein, der auch die
Prioritäten der Klimapartnerschaft widerspiegelt.
Prinzipiell empfiehlt es sich, zunächst eine Pilot-
maßnahme mit einem überschaubaren zeitlichen
und finanziellen Rahmen umzusetzen.
Die Maßnahmen des Handlungsprogramms
können dann je nach Art und Umfang mit den in
beiden Kommunen direkt verfügbaren Ressourcen
unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure oder Abbildung 4: Der kontinuierliche Verbesserungsprozess, eingebettet in
über die Akquise externer Mittel durchgeführt den PDCA-Zyklus © LAG 21 NRW/SKEWEINLEITUNG
Ein Klimapartnerschaftsbericht, der die Umsetzung
und Weiterentwicklung des Handlungsprogramms
in kontinuierlichen Intervallen beschreibt, stellt
hierzu eine wichtige Grundlage dar. Ferner dient
der Bericht der Information von politischen
Gremien sowie von weiteren interessierten Akteu-
14 rinnen und Akteuren innerhalb der jeweiligen
Kommunen.2. VERNETZUNG DER BETEILIGTEN
KOMMUNEN
15
Einen besonderen Mehrwert bietet das Projekt 2.1. Ebenen der Vernetzung im Projekt
„Kommunale Klimapartnerschaften“ dadurch, dass Das Projekt „Kommunale Klimapartnerschaften“
sich mehrere Klimapartnerschaften gleichzeitig ermöglicht und fördert die Vernetzung und den
auf den Weg zur Entwicklung eines gemeinsamen Erfahrungsaustausch der an einer Projektphase
Handlungsprogramms begeben. Die Vernetzung beteiligten Kommunen untereinander. Dabei
der Kommunen untereinander ist eine wichtige können drei verschiedene Ebenen des Austauschs
Projektkomponente, um im Sinne eines peer-to- unterschieden werden: (siehe Abbildung 5)
peer-Lernens Erkenntnisse und gute Beispiele
innerhalb eines Netzwerkes auszutauschen und zu Basis der Zusammenarbeit ist der direkte bilaterale
reproduzieren. Kontakt zwischen den zwei an der Klimapart-
nerschaft beteiligten Kommunen. Der Austausch
Die Vernetzung der Klimakommunen findet wird durch die wechselseitige Entsendung von
sowohl untereinander innerhalb einer Projektphase kommunalen Expertinnen und Experten sowie
– hier der sechsten Phase – statt, aber darüber die Kommunikation via E-Mail, Telefonkonferenz,
hinaus auch mit den Klimapartnerschaften anderer soziale Medien etc. ermöglicht. Die Kommunen ent-
Projektphasen und mit anderen kommunalen scheiden dabei selbst über den Ort sowie die betei-
Partnerschaften sowie international durch die Teil- ligten Akteurinnen und Akteure für die jeweilige
nahme an Konferenzen, auf denen die Kommunen Entsendung. Im Zeitraum der sechsten Projektphase
die Möglichkeit haben, ihre Klimapartnerschaft von Oktober 2017 bis Oktober 2019 fanden drei
vorzustellen. solcher Expertenreisen pro Klimapartnerschaft statt.
Organisatorisch und inhaltlich wurden diese von
So nahmen beispielsweise die drei Klimapartner- SKEW und LAG 21 NRW begleitet. In Deutschland
schaften Kreis Herford – Condega (Nicaragua), wurden die Delegationsbesuche durch die Modera-
Köln – Yarinacocha (Peru) und Ludwigsburg tion von Workshops unterstützt, und zwar sowohl in
– Ambato (Ecuador) an der von der SKEW im der Phase der Festlegung der Schwerpunktthemen
Oktober 2018 ausgerichteten zweiten Konferenz für die zukünftige Zusammenarbeit als auch bei der
„Kommunale Partnerschaften mit Lateinamerika Erarbeitung der Handlungsprogramme selbst.
und der Karibik“ in Nürnberg teil. Auch an der
vierten Konferenz „Kommunale Partnerschaften Die zweite Ebene des Austauschs bildet die Ver-
mit Afrika“ im September 2019 nahmen mit netzung der deutschen Kommunen sowie der afri-
Schwäbisch Hall – Okahandja (Namibia) und Viern- kanischen und lateinamerikanischen Kommunen
heim – Silly (Burkina Faso) zwei Klimapartner- untereinander. Dazu finden Netzwerktreffen statt,
schaften aus der sechsten Phase teil. Des Weiteren zu denen die Koordinatorinnen und Koordinatoren
reiste eine Delegation der Klimapartnerschaft und zwei Mitglieder der Kernteams bzw. der
Köln – Yarinacocha zur 24. Weltklimakonferenz Steuerungsgruppe aus den Kommunen eingeladen
der Vereinten Nationen im Dezember 2018 nach werden. Hauptziel dieser Netzwerktreffen ist der
Kattowitz in Polen, um dort ihre Klimapartner- Erfahrungsaustausch zur Arbeit in den einzelnen
schaft zu präsentieren und durch die Teilnahme Klimapartnerschaften. Die beteiligten Akteurinnen
an verschiedenen Side-Events auf die Folgen des und Akteure berichten dabei über den aktuellen
Klimawandels für die indigene Bevölkerung Perus Sachstand ihrer jeweiligen Klimapartnerschaft,
aufmerksam zu machen. erhalten Feedback von den anderen Netzwerkmit-
gliedern sowie vom Projektteam der SKEW und
Aber auch innerhalb des Projektes selbst gibt es der LAG 21 NRW und planen die nächsten Schritte.
viele Möglichkeiten der Vernetzung, wie im Nach- Zusätzlich profitieren sie von fachlichen Inputs und
folgenden beschrieben wird. näheren Informationen zum Projektablauf und zuVERNETZUNG DER BETEILIGTEN KOMMUNEN
• Erfahrungsaustausch zum Gesamtprojekt
• 2 Internationale Workshops
Internationales
16 Netzwerk
• Erfahrungsaustausch zu Partnerschaftsarbeit
Netzwerk deutsche Kommunen • Netzwerktreffen der deutschen Partner-
+ Netzwerk afrikanische und kommunen und der afrikanischen und
lateinamerikanische Kommunen lateinamerikanischen Partnerkommunen
Partnerkommune in Deutschland + • Erarbeitung der Handlungs-
Partnerkommune in einem afrikanischen bzw. programme
lateinamerikanischen Land • gegenseitige Entsendungen
von Expertinnen und Experten
Abbildung 5: Verschiedene Ebenen des Austauschs innerhalb des Projektes © LAG 21 NRW/SKEW
komplementären Unterstützungsangeboten für der Diskussion über die zukünftige Zusammenar-
kommunale Partnerschaften. beit innerhalb der Klimapartnerschaften und dem
vertieften fachlichen Austausch.
Gerade die Diversität der an dieser Projektphase
beteiligten Klimapartnerschaften prägte den
Austausch bei den Netzwerktreffen. Neuen 2.2. Workshops und Netzwerktreffen
Partnerschaften kamen die Erfahrungen bereits Zentrale Meilensteine des Projektes „Kommunale
etablierter Partnerschaften zugute, bestehende Klimapartnerschaften“ sind die Momente, bei
Städtepartnerschaften erhielten durch die Erwei- denen sich die Akteurinnen und Akteure der
terung der Zusammenarbeit um das Themenfeld beteiligten Kommunen persönlich begegnen und
Klimawandel neue Impulse. Insgesamt fanden gemeinsam an der Entwicklung ihres Handlungs-
innerhalb der sechsten Phase vier Netzwerktreffen programms arbeiten und von den Erfahrungen aus
der beteiligten deutschen Kommunen sowie ein dem Netzwerk der beteiligten Kommunen profi-
Netzwerktreffen der beteiligten afrikanischen und tieren. Im Folgenden werden die verschiedenen
lateinamerikanischen Kommunen statt. nationalen bzw. regionalen Netzwerktreffen sowie
die großen und alle Kommunen umfassenden
Zu Beginn der gemeinsamen Arbeit an den internationalen Workshops der sechsten Phase
Handlungsprogrammen und zur Präsentation der zusammenfassend dargestellt.
Ergebnisse werden jeweils internationale Work-
shops durchgeführt, an denen Vertreterinnen und
Vertreter aller beteiligten Kommunen teilnehmen. 2.2.1. Informationsworkshop für die deutschen
Dieses internationale Netzwerk aller Kommunen Kommunen
bildet die dritte Ebene der Vernetzung. Im Vor-
dergrund steht dabei der Erfahrungsaustausch Vom 3. bis 4. April 2017 fand in Göttingen ein
zum Gesamtprojekt. Ziel des Auftaktworkshops Informationsworkshop statt. Bei diesem ersten
ist insbesondere, ein gemeinsames Verständnis Treffen konnten sich die an dem Projekt interes-
von Projektmethodik und -ablauf zu entwickeln sierten deutschen Kommunen intensiv mit den
und den fachlichen Austausch unter den Partnern Hintergründen, zentralen Inhalten, Leistungen
zu initiieren. Der zweite internationale Workshop und Erwartungen des Projektes auseinandersetzen
dient der Präsentation der Handlungsprogramme, und mit diesen Informationen ihre nächstenVERNETZUNG DER BETEILIGTEN KOMMUNEN
Schritte zum Aufbau und zur Etablierung ihrer gemeinsame Projektarbeit wichtige zeitliche Pla-
Klimapartnerschaft planen. Ergänzend wurden nung. Dabei konnten die Akteurinnen und Akteure
sowohl die klimapolitischen als auch die ent- aus Deutschland erfahren, wie sie mit bestimmten
wicklungspolitischen Hintergründe des Projektes verankerten Stereotypen umgehen und auf welche
erläutert und die Rolle der kommunalen Ebene in kommunikativen und kulturellen Besonderheiten
diesem Zusammenhang aufgezeigt. Neben diesen sie sich einstellen sollten.
theoretischen Hintergrundinformationen wurde 17
seitens des Koordinators der Klimapartnerschaft
Horb am Neckar mit Belo in Kamerun aus der 2.2.3. Internationaler Auftaktworkshop
dritten Projektphase ein Bericht aus der Praxis
eingestreut. Dabei wurde aufgezeigt, wie im Zuge Der internationale Auftaktworkshop vom 9. bis 11.
des Projektes eine komplett neue Partnerschaft Oktober 2017 in Bremen markierte den offiziellen
etabliert werden konnte und welche Chancen und Beginn der kommunalen Zusammenarbeit in der
Herausforderungen damit einhergingen. sechsten Projektphase. Aus den insgesamt 24
beteiligten Kommunen aus Deutschland, afrikani-
schen und lateinamerikanischen Ländern nahmen
2.2.2. Vorbereitungstreffen zum aus 21 Kommunen jeweils bis zu drei Akteurinnen
Auftaktworkshop (Erstes und Akteure aus Politik, Verwaltung und/oder
Netzwerktreffen) der lokalen Zivilgesellschaft teil. Drei deutsche
Kommunen nahmen ohne ihre Südpartner teil,
Zur Vorbereitung auf den internationalen Work- da letztere aus terminlichen Gründen verhindert
shop in Bremen kamen die an der sechsten Phase waren; für sie wurde der Projekteinstieg mit einem
beteiligten deutschen Kommunen zu einem dezentralen Auftaktworkshop realisiert. Rund 100
gemeinsamen Treffen am 4. Juli 2017 in Siegburg Teilnehmende kamen beim Auftakt zusammen.
zusammen. Während des Vorbereitungstreffens
wurden grundlegende Informationen zu Organi-
sation und Ablauf des Projektes vermittelt und
die damit zusammenhängenden Leistungen des
Projektträgers und die Erwartungen an die teil-
nehmenden Kommunen dargestellt. Ein weiteres
Ziel des Vorbereitungstreffens bestand darin,
die Organisation und Inhalte des anstehenden
Auftaktworkshops der sechsten Projektphase in
Bremen zu besprechen. Die teilnehmenden Kom-
munen konnten das Vorbereitungstreffen ferner
dafür nutzen, sich über ihre jeweils anstehenden
nächsten Schritte zur Etablierung der Klimapart-
nerschaft in ihren Kommunen auszutauschen.
Im Anschluss an das Vorbereitungstreffen hatten
die teilnehmenden Akteurinnen und Akteure die Teilnehmende beim Austausch während des Auftaktworkshops der
sechsten Phase in Bremen © Martin Magunia
Möglichkeit, an einem interkulturellen Training
der Akademie für Internationale Zusammenarbeit
(AIZ) teilzunehmen. Dabei standen interkulturelle Es galt, alle beteiligten Kommunen in die Ziele,
Zusammenarbeit und die Definition von Bera- den Ablauf, die Methodik und die Instrumente
tungsrollen im Vordergrund. Die Teilnehmenden des Projekts einzuführen und den Austausch
wurden zunächst in spezifische Kulturstandards innerhalb der Partnerschaften anzustoßen, um
und Wertesysteme eingeführt, die sich in vielen mit der Erarbeitung der Handlungsprogramme
Bereichen von europäischen Erwartungen unter- zu beginnen. Da der Workshop für viele die erste
scheiden. Weitere Aspekte der interkulturellen persönliche Begegnung mit den Partnern darstellte,
Kompetenzvermittlung betrafen die teilweise stark wurde auch Zeit zum Kennenlernen und für den
ausgeprägten hierarchischen Systeme in den Part- Austausch eingeplant.
nerländern, Kommunikationsstile sowie die für dieVERNETZUNG DER BETEILIGTEN KOMMUNEN
Den fachlichen Kontext steckten hochkarätig Zivilgesellschaft fokussierte vor allem auf die in
besetzte Vorträge externer Referentinnen und den vorangegangenen Monaten durchgeführten
Referenten ab: Prof. Dr. Jörn Birkmann von der Expertenentsendungen. In einem offenen Forum
Universität Stuttgart sprach über die Hauptri- wurde erörtert, was dabei gut gelaufen war und
siken des Klimawandels und hieraus folgende was Anlass zum Nachdenken gegeben hatte. In
Anpassungsmöglichkeiten. Dr. Irit Eguavoen vom Gruppenarbeiten wurden verschiedene Aspekte
18 Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der der Bestandsaufnahmen in den beiden beteiligten
Universität Bonn zeigte anhand konkreter Beispiele Kommunen diskutiert, beispielsweise welche Her-
aus Subsahara-Afrika Möglichkeiten der Anpassung angehensweise die Partner jeweils gewählt hatten,
an den Klimawandel auf. Im Rahmen einer Exkur- um Arbeitsstrukturen einzurichten und um weitere
sion in das Klimahaus 8° Ost in Bremerhaven, Akteurinnen und Akteure in die Klimapartner-
konnten die Folgen des Klimawandels anhand schaft einzubeziehen.
einer virtuellen Reise um die Welt anschaulich
erlebt werden.
Für den inhaltlichen Austausch innerhalb der
Partnerkommunen identifizierten die Kommunen
potenzielle Akteurinnen und Akteure für ihre Kli-
mapartnerschaft und stellten diese Akteursanalyse
dann ihren jeweiligen Partnern vor. In themati-
scher Hinsicht erläuterten die Partner wechsel-
seitig, welche Bedrohungen der Klimawandel für
ihre Kommune mit sich bringt und welche Strate-
gien und Projekte sie zur Abhilfe bereits realisiert
haben, um hierüber gemeinsame Schnittmengen
für die Klimapartnerschaft ausfindig zu machen.
Sie planten die nächsten Schritte auf dem Weg der
Erstellung der Handlungsprogramme, vor allem die
ersten Expertenaustausche, und trafen Vereinba- Diskussion der Ergebnisse und zentralen Erkenntnisse der ersten
Entsendephase © SKEW
rungen für die Kommunikation.
Im Anschluss an den Workshop – oder im Vorhi- Ergänzend zum Austausch der Kommunen unter-
nein – nutzten die Delegationen aus den afrika- einander wurden spezifische Angebote der SKEW
nischen und lateinamerikanischen Kommunen zum Thema Migration und Entwicklung vorgestellt
die Chance, ihren jeweiligen deutschen Partner- und in einer Podiumsdiskussion Möglichkeiten zur
kommunen einen Besuch abzustatten. Für viele Einbindung des kulturellen Potenzials von Migran-
war dies der erste Besuch ihrer Partnerstadt und tinnen und Migranten in die Klimapartnerschaft
somit eine gute Möglichkeit, sich einen besseren offen diskutiert. Ergänzend dazu hatte die Stadt
Eindruck ihrer Partnerkommune zu verschaffen Schwäbisch Hall als Gastgeberin die Möglichkeit,
sowie mögliche Themenfelder der gemeinsamen ihre eigenen klimapolitischen Initiativen den
Zusammenarbeit auszuloten. anderen Teilnehmenden vorzustellen.
Der Auftaktworkshop legte das Fundament für die
Klimapartnerschaften der sechsten Projektphase. 2.2.5. Netzwerktreffen der afrikanischen und
lateinamerikanischen Kommunen
2.2.4. Zweites Netzwerktreffen der deutschen Das dreitägige Netzwerktreffen der afrikani-
Kommunen schen und lateinamerikanischen Klimapartner-
schaftskommunen stand ganz im Zeichen des
Das zweite Netzwerktreffen der deutschen Kom- Süd-Süd-Austausches. Dazu trafen sich vom 21.
munen fand vom 12. bis 13. März 2018 in Schwä- bis 23. November 2018 etwa 30 Vertreterinnen
bisch Hall statt. Der Austausch der Akteurinnen und Vertreter aus fünf afrikanischen und einem
und Akteure aus der kommunalen Verwaltung und lateinamerikanischen Land in Windhoek, Namibia.VERNETZUNG DER BETEILIGTEN KOMMUNEN
Der Workshop wurde mit organisatorischer Unter- Kommunen eingegangen. Um den Kommunen
stützung der Stadt Windhoek durchgeführt. Im Erfahrungen aus erster Hand bei der Entwicklung
Vordergrund stand, wie bei den Netzwerktreffen und Umsetzung der Handlungsprogramme zu
der deutschen Kommunen, der Austausch über geben, berichtete Darby Gounden aus Buffalo
Fortschritte und Probleme bei der Erarbeitung City Metro in Südafrika von ihren Erfahrungen.
der gemeinsamen Handlungsprogramme. Zudem Die Stadt hatte gemeinsam mit Oldenburg an der
sollten Kommunen mit gleichen Herausforderungen dritten Projektphase der Klimapartnerschaften 19
und Themenschwerpunkten im Bereich Klima- teilgenommen. Außerdem standen im Format
schutz und Klimafolgenanpassung zusammenge- eines World Cafés die Themen „Gender und
bracht werden, um sich im weiteren Prozess der Klimawandel“, „Wasser- und Abfallmanagement“,
Partnerschaftsarbeit direkt austauschen können. „Erneuerbare Energien“ sowie „Informationsar-
beit, Kommunikation und Zusammenarbeit mit
Die Stadt Windhoek hatte zu einer halbtägigen deutschen Kommunen“ auf dem Programm. Hier
Exkursion zur größten Herausforderung des Klima- hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich zu
wandels für die eigene Kommune eingeladen: die Fachfragen und konkreten Herausforderungen aus-
stetige Verbesserung und Optimierung des Wasser- zutauschen und Kontakte zu anderen Kommunen
managements. Der voranschreitende Klimawandel zu knüpfen, die mit ihren deutschen Partnern zu
verschärft die ohnehin schon akute Wasserknapp- den gleichen Themen arbeiten.
heit des Landes. Es wurden im Rahmen der Exkur-
sion verschiedene Wasseraufbereitungsanlagen
und Kläranlagen besucht – außerdem eine Aufbe- 2.2.6. Drittes Netzwerktreffen der deutschen
reitungsanlage für Sondermüll. Das Feedback der Kommunen
Teilnehmenden war sehr positiv, da sie durch die
vier Exkursionen tiefe Einblicke in den Umgang
mit Abwasser und dessen Wiederaufbereitung
gewinnen konnten.
Teilnehmende während des dritten Netzwerktreffens der deutschen
Kommunen © SKEW
Das dritte Netzwerktreffen vom 12. bis 13.
Exkursion zum Thema Abwasserwiederaufbereitung Dezember 2018 in Viernheim stand ganz im
© Johan Jooste
Zeichen der Fortschritte bei der Erarbeitung der
gemeinsamen Handlungsprogramme. Ein zentrales
Vorausschauend auf die Finalisierung der Hand- Thema waren die Erfahrungen und Ergebnisse
lungsprogramme und die sich anschließende während der zweiten Expertenentsendung.
Umsetzung konkreter Projekte stellte die SKEW In Kleingruppen wurde der aktuelle Stand des
verschiedene Angebote der finanziellen und perso- jeweiligen Handlungsprogramms, nun schon
nellen Unterstützung vor. Dabei wurde gesondert deutlich detaillierter, vorgestellt und diskutiert. Ein
auf die Rahmenbedingungen der deutschen Kom- Großteil der Klimapartnerschaften hatte mittler-
munen und die notwendigen Beiträge ihrer Partner weile Schwerpunktthemen für die gemeinsame
in den afrikanischen und lateinamerikanischen Arbeit festgelegt und diese durch ProjektideenVERNETZUNG DER BETEILIGTEN KOMMUNEN
weiter konkretisiert. Aus Perspektive des Gesamt- spezifische und in sich geschlossene Projekte über-
projektes wurden die Teilnehmenden über die setzt werden kann. Zu den vorgestellten Methoden
nächsten Schritte zur weiteren Ausarbeitung des gehörten beispielsweise die „Wirkungsorientierte
gemeinsamen Handlungsprogramms informiert. Projektplanung“ und das „Design-Thinking“.
Diskutiert wurden auch mögliche Projektumset-
zungen in der deutschen Kommune. Außerdem
20 wurden seitens des Projektteams die Ergebnisse
des Netzwerktreffens der Südpartner in Windhoek
vorgestellt und diese in den generellen Ablauf der
sechsten Projektphase eingeordnet.
Im Hinblick auf die Umsetzung der Handlungs-
programme wurden während des Netzwerktref-
fens verschiedene Finanzierungsinstrumente der
SKEW vorgestellt und auf die jeweiligen Spezifika
hingewiesen. Zum besseren Verständnis, wie das
Handlungsprogramm umgesetzt werden kann und
welche Wirkungen damit einhergehen, wurden
seitens des langjährigen Koordinators der Kli-
mapartnerschaft Würzburg – Mwanza (Tansania,
Teilnahme an der Pilotphase des Projektes 2011
-2013) verschiedene umgesetzte, in der Umsetzung
befindliche und geplante Projekte vorgestellt.
2.2.7. Viertes Netzwerktreffen der deutschen
Kommunen
Das vierte und letzte Netzwerktreffen der deut-
schen Kommunen fand vom 27. bis 28. Mai 2019
in Köln statt. Zu diesem Zeitpunkt hatten fast alle Ergebnisse der Gruppenarbeit zum „Design Thinking“ © SKEW
Klimapartnerschaften bereits erste Entwürfe ihrer
gemeinsamen Handlungsprogramme entwickelt, Da es sich bei dem vierten Netzwerktreffen um
die im Verlauf des Netzwerktreffens intensiv dis- das letzte vor dem internationalen Workshop zur
kutiert wurden. Aufgrund ähnlicher Erfahrungen Vorstellung der Handlungsprogramme handelte,
und Herausforderungen konnten durch einen wurden auch die anstehenden Berichterstat-
konstruktiven Dialog alle Teilnehmenden wichtige tungen und Vorbereitungen für diesen Workshop
Erkenntnisse und Anregungen zur Finalisierung besprochen.
der Handlungsprogramme gewinnen. Dieser Aus-
tausch wurde um Erfahrungen des Projektteams
aus den vorangegangenen Projektphasen und 2.2.8. Internationaler Workshop zur
damit um wichtige Empfehlungen zur langfristigen Vorstellung der Handlungsprogramme
Umsetzung und Weiterentwicklung des Handlungs-
programms ergänzt. Der internationale Workshop zur Vorstellung der
Handlungsprogramme fand vom 9. bis 11. Oktober
Mit dem zu diesem Zeitpunkt bevorstehenden 2019 in Jeffrey‘s Bay, Kouga Local Municipality, in
vorläufigen Abschluss der Arbeit an den gemein- Südafrika statt und markierte den Abschluss der
samen Handlungsprogrammen stand die Frage des Etappe der Erarbeitung der gemeinsamen Hand-
Übergangs von der übergeordneten strategischen lungsprogramme und damit einen besonders wich-
Ebene des Handlungsprogramms hin zur kon- tigen Meilenstein für die Klimapartnerschaften. Aus
kreten Projektplanung auf dem Programm. Hierzu allen 24 an der sechsten Projektphase beteiligten
wurden seitens des Projektteams unterschiedliche Kommunen nahmen Vertreterinnen und Vertreter
Methoden und Denkschulen vorgestellt, mit deren teil, darunter 13 (Ober-)Bürgermeister und Landräte.
Hilfe die Übersetzung des Handlungsprogramms in Neben den Kommunalverwaltungen waren auchVERNETZUNG DER BETEILIGTEN KOMMUNEN
die politischen Gremien der Kommunen sowie zur Minderung und Anpassung auf kommunaler
Akteurinnen und Akteure aus Zivilgesellschaft und Ebene. Anschließend führte eine Exkursion zur
Wissenschaft vertreten. Insgesamt waren am ersten „ersten umweltfreundlichen Straße Afrikas“. Im
Veranstaltungstag 115 Personen zugegen. Rahmen des Pilotprojekts wurde auf einer Strecke
von 1,7 Kilometern eine Straße aus recyceltem
Plastik gebaut. Direkt danach fand eine gemein-
same Baumpflanzaktion in einem informellen 21
Siedlungsgebiet der ausrichtenden Kommune statt:
Die Teilnehmenden pflanzten Bäume und versahen
diese mit Zetteln, auf denen persönliche Wünsche
für die Klimapartnerschaft oder den Klimaschutz
notiert wurden. Neben diesen Aktivitäten und
im Rahmen der Abendveranstaltungen blieb viel
Raum für den Austausch und die Vernetzung
zwischen den teilnehmenden Akteurinnen und
Akteuren.
Vorstellung des Posters der Klimapartnerschaft Landkreis
Hameln-Pyrmont – Distrikt Alfred Nzo (Südafrika)
© Ernst Ohlhoff
Der erste Tag stand ganz im Zeichen der gemein-
samen Handlungsprogramme. Ein allgemeiner
Rückblick auf die sechste Projektphase seitens
SKEW und LAG 21 NRW und eine Posteraus-
stellung veranschaulichten den Weg, den die
Klimapartnerschaften hin zu den gemeinsamen
Handlungsprogrammen zurückgelegt hatten. Die
Kommunalvertreterinnen und -vertreter erläu-
terten den Entstehungsprozess und die Schwer- Gemeinsame Baumpflanzaktion als Beitrag zur CO2-Kompensati-
on © Ernst Ohlhoff
punktthemen der Programme und stellten im
Plenum konkrete Maßnahmen daraus vor. In vier
Fachforen wurden ausgewählte Maßnahmen in Am dritten Veranstaltungstag stand zu Beginn der
den Themenfeldern erneuerbare Energien, Wasser- partnerschaftsübergreifende fachliche Austausch
management, nachhaltige Stadtentwicklung und zu den Themen integriertes Wassermanagement,
Mobilität sowie Abwasser- und Abfallmanagement Partizipation, gute Regierungsführung und Koope-
präsentiert. ration mit der Zivilgesellschaft, Einbindung der
Klimapartnerschaft in die Kommune, erneuerbare
Der zweite Tag begann mit einer Reflexion der Energien sowie Agenda 20302 in der kommunalen
zweijährigen Projektphase und daraus abgeleiteter Partnerschaftsarbeit auf dem Programm.
Vereinbarungen zur zukünftigen Kommunikation
und zur Festlegung und Planung der nächsten
Schritte zur Weiterentwicklung der Klimapart-
nerschaften. Dabei lag der Schwerpunkt in den
meisten Fällen auf der Beantragung und Umset-
zung der ersten gemeinsamen Projekte. Daran 2 Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, kurz
anknüpfend referierte Dr. Peter Johnston von der „Agenda 2030“, wurde im September 2015 von allen
Universität Kapstadt mit einer fachlichen Keynote Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet.
Sie enthält als Kernstück einen Katalog mit 17 Zielen für
zu den Auswirkungen des Klimawandels auf das nachhaltige Entwicklung. Siehe http://www.bmz.de/
südliche Afrika inklusive einiger guter Praktiken de/themen/2030_agenda/index.html.Sie können auch lesen