Ein Projekt entwickeln - Aktiv werden für Gesundheit - Arbeitshilfen für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung - Heft 3 - Gesundheitliche ...

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Ein Projekt entwickeln - Aktiv werden für Gesundheit - Arbeitshilfen für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung - Heft 3 - Gesundheitliche ...
Aktiv werden für Gesundheit –
Arbeitshilfen für kommunale Prävention
und Gesundheitsförderung

Ein Projekt entwickeln              Heft 3
Ein Projekt entwickeln - Aktiv werden für Gesundheit - Arbeitshilfen für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung - Heft 3 - Gesundheitliche ...
Aktiv werden für Gesundheit –
Arbeitshilfen für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung
Heft 3

Herausgeber:
Gesundheit Berlin-Brandenburg
Friedrichstraße 231, 10969 Berlin
Tel. 030 / 44 31 90 60
E-Mail: post@gesundheitbb.de

Autorinnen und Autoren:
Carola Gold, Stefan Bräunling (V.i.S.d.P.), Prof. Dr. Raimund Geene, Holger Kilian,
Ute Sadowski, Andrea Weber

Die Arbeitshilfen wurden ent­wickelt im Rahmen des bundesweiten Kooperationsverbundes
Gesundheitliche Chancengleichheit.
Der Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit wurde 2003 auf Initiative der
BZgA gegründet und wird maßgeblich durch die BZgA getragen.
Ihm gehören ­aktuell 61 Partnerorganisationen an.

Geschäftsführung des Kooperationsverbundes: Gesundheit Berlin-Brandenburg

Die Erstellung der 4. Auflage der Arbeitshilfen wurde von der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gefördert.

Wir danken allen Personen und Organisationen, die für die Arbeitshilfen Mate­rial zur Verfügung
gestellt haben.

                                                                                                  Bildnachweise:
Umschlag- und Heftgestaltung:
                                                                                                  S. 1, www.fotolia.de, flucas
Connye Wolff, Berlin · www.connye.com
                                                                                                  S. 8, www.pixelio.de, Harald Reiss
4., aktualisierte Auflage 2014                                                                    S. 17, Anja Weber
Gesundheit Berlin-Brandenburg                                                                     S. 18, Stadtteilmütter
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.
                                                                                                  S. 23, www.pixelio.de, Dieter Schütz
Unerlaubte Vervielfältigung ist nicht gestattet.
ISBN 978-3-939012-18-4                                                                            S. 26, www.pixelio.de, Klicker
Ein Projekt entwickeln - Aktiv werden für Gesundheit - Arbeitshilfen für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung - Heft 3 - Gesundheitliche ...
Kapitel 1 – Was sollte bei der Entwicklung
             eines Präventionsprojekts
             beachtet werden?

          In Heft 1 dieser Arbeitshilfen, „Gesunde Lebenswelten schaffen“, wurden
          Faktoren genannt, die Gesundheit belasten, aber auch Ressourcen, die sich
          positiv auf Gesundheit auswirken. Es zeigte sich, dass erfolgreiche Präven­
tions­maßnahmen (z.B. kindgerechte Gestaltung von Sozialräumen1) zumeist beide
Aspekte (Belastungssenkung und Ressourcenstärkung) beinhalten. In der Praxis
lassen sich in den Quartieren und Stadtteilen viele Anknüpfungspunkte finden, um
notwendige Präventionsmaßnahmen zu gestalten. Meist fehlt es nicht an Ideen. Es
müssen jedoch Finanzgeber und Förderer für das Vorhaben gewonnen werden. Was
sollte also ein gutes Konzept, ein guter Antrag beinhalten?

Für die Zielgruppe, die Kooperationspartner
und die Förderer eines Projekts muss deutlich
sein, was Ziele und Ergebnisse eines Projekts
oder einer Maßnahme sind. Ein Projektantrag
beinhaltet daher die Benennung
n des Bedarfs (vgl. Heft 2 „Probleme
   ­erkennen – Lösungen finden“)
n des Themas (z.B. Unterstützung eines
   ­günstigen Ernährungsverhaltens, Förde­
    rung der Elternkompetenz), bzw. des
    Hand­lungs­felds2
n der Ziele, Maßnahmen und Meilensteine
   der Intervention
n der Verantwortlichen bzw. Zuständigen für
   die einzelnen Maßnahmen
                                                                                                              © flucas , www.fotolia.de

n der weiteren Beteiligten (z.B. Zielgruppe,
   Kooperationspartner)
n des Zeitplans
n des Finanzbedarfs
n der Indikatoren, an denen der Erfolg der                    Dokumentation) finden sich in Heft 5 „Erfah­
   Maßnahme gemessen wird                                      rungen nutzen – Qualität stärken“.
n der Art der Dokumentation.                                  Beispielhaft für die Schritte, die bei der
Ausführlichere Informationen zu den bei-                       Planung und Durchführung einer Maßnahme
den letzten Punkten (Indikatoren und                           nach dem Setting-Ansatz beachtet werden
                                                               sollten, stellen wir im Folgenden die for-
1 Beispiele dazu siehe Heft 4                                  malen Förderungsvoraussetzungen dar, die
2Handlungsfelder bestimmen sich nach Zielen, die in           die gesetzlichen Krankenkassen benannt
 einem bestimmten Rahmen erreicht werden sollen. So
                                                               haben. Ausführliche Informationen über die
 sind Handlungs­felder für die Gestaltung einer gesund­
 heits­förderlichen Kindertageseinrichtung z.B. Alltag der     Förderungskriterien der GKV’n (§ 20 SGB V)
 Kinder, Eltern­arbeit, Arbeitssituation der Erzieher/innen,   finden Sie im Kapitel 4 „Finanzierung“.
 räumliche Situation etc.

Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3                                                                                                      1
Ein Projekt entwickeln - Aktiv werden für Gesundheit - Arbeitshilfen für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung - Heft 3 - Gesundheitliche ...
Kapitel 1 – W
                 as sollte bei der Entwicklung
                eines Präventionsprojekts
                beachtet werden?

    Schritte bei der Planung und Durchführung von Präventionsmaßnahmen

    1. Bedarfsermittlung	Durchführung einer Analyse zur Ermittlung von settingspezifi-
                          schen Belastungsschwerpunkten, Veränderungsbedarfen und
                          -potenzialen bei den betroffenen Gruppen. (vgl. Heft 2
                          „Probleme erkennen – Lösungen finden“)
    2. Zielformulierung	Abstimmung über das übergeordnete Projektziel im Hinblick
                         auf die Zielgruppen und Handlungsfelder
    3. Zielkonkretisierung	Konkretisierung der Ziele, d.h. Formulierung überprüfbarer
                            Teilziele bzw. Meilensteine des Projektes
    4. Aufgabenverteilung	Festlegung der Rollen der Akteure, Kooperationspartner und
                           Finanziers für die Gestaltung der einzelnen Interventionen und
                           Interventionsschritte inner- und außerhalb des Settings und der
                           Finanzierung; Zeitplanung
    5. Einigung über 	Festlegung von Routinen für die Dokumentation und Bewertung
       Qualitätsmanagement von Interventionen
    6. Durchführung der Intervention
    7. Evaluation	Bewertung der Durchführung und Ermittlung der Ergebnisse
                   der konkreten Teilziele erfolgt projektbegleitend oder am
                   Ende ergebnisbezogen – auch unter dem Gesichtspunkt der
                   Verstetigung bzw. Nachhaltigkeit (vgl. Heft 5)

    (nach Leitfaden Prävention der GKV-Spitzenverbände 2008, S. 20)

    Wie ausführlich bei einer Projektplanung
    bzw. der Antragsformulierung auf die einzel-
    nen Punkte eingegangen werden muss, hängt
    natürlich von der Art und dem Umfang der
    Maßnahme bzw. der Höhe der beantragten
    För­der­summe ab. Oft werden seitens poten-
    zieller Förderer auch Formulare bereitgestellt,
    die Vorgaben für den Textumfang und die zu
    berücksichtigenden Kriterien enthalten.

2                                                        Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3
Ein Projekt entwickeln - Aktiv werden für Gesundheit - Arbeitshilfen für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung - Heft 3 - Gesundheitliche ...
Die Stiftung „Aktion Mensch“ fördert u.a. Projek­te für Menschen mit besonderen sozialen
   Schwierigkeiten. Über www.aktion-mensch.de/foerderung/index.php können Förderrichtlinien
   und Checklisten für die Antragstellung herunter geladen werden.
   Aus dem Leitfaden Prävention der GKV-Spit­zen­verbände ergibt sich für die Antragstellung
   folgende Checkliste:

 Checkliste: Projektantrag
      Ist der Bedarf ermittelt und das geplante Projekt           auch durch eine angemessene Dokumentation
 3     daraus gut begründet?                                       sicher gestellt?
                                                                    ünden die geplanten Aktivitäten in eine
                                                                   M
 3
       ird die Zielgruppe aktiv in die
      W
      Maßnahmenplanung und -durchführung                      3    ­dauerhafte Verstetigung des Prozesses?
      ­einbezogen?                                                  ühren die geplanten Aktivitäten zu einer
                                                                   F
       erden insbesondere sozial benachteiligte
      W                                                       3    ­weiteren Vernetzung zwischen Institutionen –
 3    Zielgruppen in ihrem Lebensumfeld erreicht?                   auch außerhalb des Gesundheitsbereiches im
                                                                    engeren Sinn – und fördern sie eine konstruk­
       ird eine gesundheitsförderliche Gestaltung
      W
 3    der Lebenswelt der Zielgruppen initiiert, bzw.                tive Zusammenarbeit?
                                                                    ringt der für das Setting zuständige Träger
                                                                   B
      unterstützt?
       ind die für das Setting zuständigen
      S                                                       3    ­einen angemessenen Anteil an Eigen-/ Dritt­
 3    Hauptakteure in die Planung und Durchführung                  mitteln – auch in Form geldwerter Leistungen
                                                                    – in die projektbezogenen Aktivitäten ein?
      der Maßnahme kooperativ ­eingebunden?
                                                                    ind die beantragten Maßnahmen in politik-
                                                                   S
 3
       erden durch die geplanten Aktivitäten
      W
      ­gesundheitsförderliche Ressourcen der                  3    übergreifende gesundheitsförderliche Strategien
       Zielgruppe gestärkt und Belastungen, bzw.                   und Vernetzungs­prozesse ein-
       Risiken gesenkt?                                            geb­unden?

       erden der Projektverlauf und seine
      W
 3    Ergebnisse im Projektteam regelmäßig reflek-            (nach Leitfaden Prävention 2008, S. 20)
      tiert und bewertet? Ist die Qualitätssicherung

Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3                                                                                 3
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Kapitel 2 – W
                                           ie werden Projektziele
                                          formuliert?

                                      Am Anfang eines Projekts steht meist eine Idee oder Vision, z.B. Maßnahmen
                                      zu entwickeln, die den Alltag mit Kindern gesundheitsförderlicher gestalten.
                                      Das Projektziel benennt dann einen ersten Schritt in Richtung Realisierung
                              dieser Vision. Sind die Ziele benannt, so fällt es leichter, Partnerinnen und Partner für
                              die Unterstützung des Projekts zu finden, und die Beteiligten können besser motiviert
                              werden.

„Projektziele in der          Projektziele leiten sich aus dem ermittelten      sollten zudem Meilensteine eingeplant wer-
Prävention bezeichnen
                              Bedarf ab. In den Zielen wird benannt, wel-       den, die eine Unterteilung des Projekts in
Soll-Zustände, die zu einem
bestimmten Zeitpunkt          che Wirkungen im Ergebnis der Intervention        einzelne Etappen ermöglichen. Meilensteine
(Projektende) erreicht sein   erreicht werden sollen. Damit sind sie auch       sollten im Abstand von drei bis fünf Monaten
sollen.“
                              von den Maßnahmen (= Tätigkeiten) zu              eingeplant werden und Höhepunkte im
     (www.quint-essenz.ch)    unterscheiden, die im Projektverlauf durch-       Projektverlauf setzen.
                              geführt werden. Bei längerem Projektverlauf

                              Am Beispiel des Projekts „Kiezdetektive“ werden Ziele, Maßnahmen und Meilensteine
                              dargestellt:

                                  Projektziel          Kinder für ihre gesundheitlichen und sozialen Belange aktivieren

                                  Unterziele           • Den Lebensraum (Kiez) kennen lernen
                                                       • Die Wahrnehmung der Kinder stärken
                                                       • Die Kinder an den Projektplanungen und Umsetzungen beteiligen
                                                       • Kinder gestalten den Lebensraum mit
                                                       • Die Verantwortlichkeit der Kinder wird gefördert
                                                       • Kinder erfahren und erlernen Demokratie (Entscheidungsmacht)

                                  Maßnahmen            • Projektvorstellung bei der Schulleitung
                                                       • Termin mit den zuständigen Stadträten
                                                       • Methodenworkshop mit den Beteiligten Projektpartnern
                                                       • Präsentation des Projekts bei den Kindern
                                                       • Stadtteilbegehungen etc.

                                  Meilensteine         1. Stadtteilbegehung
                                                       2. Kinderversammlung
                                                       3. Abschlussveranstaltung

                                 Weitere Informationen zu diesem Projekt in der Datenbank
                                 www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/kiezdetektive

4                                                                                   Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3
Ein Projekt entwickeln - Aktiv werden für Gesundheit - Arbeitshilfen für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung - Heft 3 - Gesundheitliche ...
Projektziele müssen überprüfbar sein. Dazu
wird empfohlen, dass bei der Zielformulie­
rung die SMART-Kriterien beachtet werden:

 Spezifisch	Es ist klar, was genau sich bei wem verändert haben soll.
 Messbar	Es ist entscheidbar, ob das Ziel erreicht worden ist oder nicht. Um ein
          Ziel mess- bzw. beurteilbar zu machen, braucht man in der Regel zu-
          sätzlich Indikatoren (Anzeiger) für die Zielerreichung.
 Anspruchsvoll	Es sind Anstrengungen nötig, um das Ziel zu erreichen. Entweder
                kommt dies in der Zielformulierung selbst zum Ausdruck, oder aber
                bei den Indikatoren.
 Realistisch	Ein Projektziel muss realistisch sein in dem Sinn, dass es mit den vor-
              handenen Ressourcen in der zur Verfügung stehenden Zeit erreichbar
              ist. Das ist nur beurteilbar, wenn die Rahmenbedingungen und Res­
              sour­cen des Projekts bekannt sind.
 Terminiert	Projektziele sind in der Regel so angelegt, dass sie am Ende des
             Projekts erreicht sein sollten, Zwischenziele beim folgenden
             Meilen­steintermin. Wenn die Instrumente „Planungstabelle“ und
             „Steuerungs­tabelle“ zum Einsatz kommen, ist die Terminorientierung
             durch die Platzierung der Ziele in den Tabellen selbst gewährleistet.

(nach www.quint-essenz.ch)

   Die gesetzlichen Krankenkassen haben für ihre      angestrebt, dass der KiTa-Träger beschließt, in
   Aktivitäten im Bereich Prävention und Gesund­      einen „integrierten Prozess der Bildungs- und
   heitsförderung gemeinsame Ziele vereinbart.        Gesundheits­förderung einzutreten sowie einen
   Das Oberziel für Gesundheitsför­derung lautet:     entscheidungskompetenten internen oder
   „Die salutogenen1 Potenziale in der Lebenswelt     einrichtungsübergreifenden Steuerungs­kreis
   von Kindern und Jugend­lichen ausschöpfen“.        für die Gesundheitsförderung zu etablieren
   Als Zielgruppen werden Kinder, Jugendliche und     (mit Beteiligung des KiTa-Trägers, der betrieb­
   junge Familien genannt.                            lichen Verantwortlichen, der Kran­kenkasse, des
                                                      zuständigen Unfallversiche­rungsträgers sowie
   „Die Krankenkassen beteiligen sich partner­
                                                      der Eltern)“ (ebd., S. 23).
   schaftlich an gesundheitsförderlichen Pro­jekten
   zur integrierten Förderung von Bil­dung und
   Gesundheit in Kindertagesstätten mit ver­
                                                                                                        1 d.h. die gesund erhalten­
   haltens- und verhältnispräventiver Ausrichtung“
                                                                                                           den, gesundheitsförder­
   (Leitfaden Prävention 2010, S. 25). Es wird                                                             lichen Ressourcen

Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3                                                                                               5
Ein Projekt entwickeln - Aktiv werden für Gesundheit - Arbeitshilfen für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung - Heft 3 - Gesundheitliche ...
Kapitel 2 – W
                 ie werden Projektziele
                formuliert?

    Nicht in jedem Fall ist es jedoch möglich,           nitionen (Indikatoren) gefunden werden, mit
    Ziele so zu formulieren, dass daraus direkt          deren Hilfe die Teilziele überprüft werden
    ­eine Beurteilung der Zielerreichung möglich         können.
     ist. Es müssen dann beobachtbare Zieldefi­

       In der Mainzer Obdachlosensiedlung Zwerchallee werden für Kinder verschiedene Gesund­heits­
       förderungsmodule angeboten. Ein Projekt ist der Snoezelenraum. „Hier sollen die Kinder ele­
       mentare Sinneserfahrungen machen können und Sinnesanregungen erfahren, die eine positive
       ganzheitliche Entwicklung fördern. … Oberste Priorität haben die Bedürfnisse und Wünsche der
       Kinder. Da Selbst­bestimmung in der Lebenswirklichkeit der Kinder eher unüblich ist, ist es wichtig,
       diese Ressource mit ihnen zu entdecken und zu entwickeln. … Der Snoezelenraum ist in erster Linie
       ein Erfahrungs- und Experimentierraum, der auf besondere Weise eine Ressourcenförderung bei
       Kindern und Jugendlichen ermöglicht. Aus den entwickelten Ressourcen entstehen Lebenskompe­
       tenzen, die u.a. auch zu einer Stärkung der Gesundheit führen.“
       Das Projektziel lautet: „Die Gesundheitskompetenz der Kinder erweitern“. Im Rahmen eines
       Workshops zur partizipativen Qualitätsentwicklung wurde der Weg zu diesem Ziel gemeinsam mit
       den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Projekts beraten. Es wurden Indikatoren entwickelt, an
       denen die Wirkung der Intervention überprüft werden kann.

         Gesundheitsziel: Die Gesundheitskompetenz der Kinder erweitern
         Erläuterung                                   Indikatoren
         Gesundheitskompetenz besteht aus
         Wollen, Wissen, Können und Übernehmen
         von Verantwortung. Anhand von Entspan­
         nung bedeutet Gesundheitskompetenz
         folgendes:
         (1) Ich will mich entspannen. (Wollen)        (1) Ich will in den Snoezelenraum gehen; Ent­
                                                       scheidung für entspannende Aktivitäten.
         (2) Ich weiß, wo und wie ich mich entspan­    (2) Es kann genannt werden, was einem gut tut
         nen kann (nur für ältere Kinder). Ich weiß,   bzw. wo und wie sich Entspannung einstellt.
         was mir gut tut. (Wissen)
         (3) Ich kann mich entspannen. (Können)        (3) Entspannungsfähigkeit wird im Raum
                                                       beobachtet.
         (4) Ich übernehme die Verantwortung für       (4) Dieses Verhalten kann im Raum beobachtet
         eine bestimmte Einheit zur Entspannung.       werden.
         (Übernehmen von Verantwortung)

       Weitere Informationen zum Projekt „Gesundheit jetzt – in sozialen Brennpunkten!“
       in der Mainzer Obdachlosensiedlung in der Datenbank www.gesundheitliche-
       chancengleichheit.de/good-practice/gesundheit-jetzt. Die Erläuterungen zum Snoezelenraum
       und dem Gesundheitsziel sind zitiert nach www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de.
       Auf dieser Seite finden sich auch weitere Informationen zu den Meilensteinen der
       Zielerreichung und den ermittelten Wirkungszusammenhängen.

6                                                            Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3
Kapitel 3 – Was sollte noch bei
             der Planung berücksichtigt
             werden?

Zeitplan                                                       werden so die Zustän­dig­kei­ten klar. Diese
                                                               Transparenz in der Pro­jektorganisation kann
Die Teilziele, Meilensteine sowie das vor-                     auch für Zuwen­dungsgeber ein Kriterium
aussichtliche Projektende sollten realistisch,                 sein, das bei der Entscheidung über die
d.h. mit genügend Spielräumen (gerade in                       Projektvergabe berücksichtigt wird.
der Anfangsphase!) geplant werden. In der                      Auch Entscheidungskompetenzen können
soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung                      in einem Projekt unterschiedlich geregelt

   Meilensteine in der Zeitplanung
   „Kiezdetektive“, Kinderbeteiligung für eine gesunde und zukunftsfähige Stadt, Berlin

     – Auswahl der Schulen
     – Projektvorstellung in den Schulsta­                                         – Implementation der Maß­
        tionen und bei der Schulleitung                                                 nahmen
                                            – Stadtteilbegehungen                   – Abschlussveranstaltung
     – Terminvereinbarung mit Politik       –A uswertung mit den Kindern und mit
     – Organisation der Räumlichkeiten                                              – Projektdokumentation
                                              der Schulleitung
     – Methodenworkshop                     – Vorbereitung der Ausstellung
                                            – Pressekontakte

      März – April          April              Mai            Juni – August           August – November

         – Anfertigung der Materialien
         – Absprache mit Kooperationspartnern               – Kinderversammlung
         – Vorstellung des Projektes bei den Kindern        – Entwicklung von Umsetzungsmaßnahmen

   (Quelle: Leitfaden Kiezdetektive, S. 13)

muss, wenn die Zielgruppe noch nicht einbe-                    sein. Möglicherweise liegen Leitung und
zogen ist, Zeit vorgesehen sein, um Kontakt­                   Koordination eines Projekts nicht in der-
personen zu finden (sogenannte Schlüssel­                      selben Hand. Auch hier sollten die Verant­
personen, die in der Zielgruppe anerkannt                      wortlichkeiten und Zuständigkeiten trans-
sind und als Multiplika­torin­nen und Multi­                   parent sein, damit ein guter Projektverlauf
plikatoren wirken), die den Zugang zur Ziel­                   unterstützt wird.
gruppe erleichtern.
                                                               Es sollten klare Angaben erfolgen
Aufgabenverteilung                                             n zur Leitung des Projekts (Wer trägt die
                                                                  Verantwortung?)
An einem Projekt können unterschiedliche
                                                               n zur Koordination des Projekts (Wer ma-
Personen oder Institutionen beteiligt sein.
                                                                  nagt das Projekt?)
Sind sie benannt und ihre Aufgaben aus der
Planung ersichtlich, so erhöht das die Trans­                  n zu weiteren Beteiligten (Wer ist für wel-
                                                                  chen Teil verantwortlich?)
parenz für alle Beteiligten – Ab­lauf, Zusam­
menarbeit und Verbind­lichkeit im Projekt                      n zum Kooperationspartner (Wer unterstützt
werden erleichtert. Für alle Beteiligten                          das Projekt?)

Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3                                                                             7
Kapitel 3 – W
                 as sollte noch bei
                der Planung berücksichtigt
                werden?

    Dokumentation                                      Die Dokumentationsform sollte im Verlauf
                                                       des Projektes eine inhaltlich stimmige und
    Die Projektdokumentation umfasst die Pla­          nachvollziehbare Struktur aufweisen. Dafür
    nungs-, Durchführungs- und Abschlussphase          kann im Voraus eine Planung erstellt und die
    eines Projektes, einschließlich Konzeptent­        Durchführung standardisiert werden (z.B.:
    wurf, Ablaufschema und Zeitplan. Die Do­           Kriterien für Zufriedenheit werden in einheit-
    kumentation bildet die Grundlage für die           lichen, zahlenmäßig erfassbaren Fragen er-
    Überprüfbarkeit des Projektes. Sie ist not-        fasst). Dokumentation muss aber nicht stan-
    wendig für die Transparenz gegenüber den           dardisiert erfolgen: Bei begrenzten Ressour­
    Nut­zerinnen und Nutzern, Projektpartnern          cen ist auch ein einfaches „Diensttagebuch“
    und Finanzgebern.                                  hilfreich.

       „Unser Platz“, Berlin
       Aus dem Projekt „Unser Platz“ in Berlin-Mar­
       zahn werden die Besprechungs- und Konfe­
       renz­protokolle und Arbeitsergebnisse ein
       Mal jährlich auf eine CD gebrannt und diese
       den vielen an diesem Projekt beteiligten Per­
       sonen zur Verfügung gestellt. Dies sichert
       die Über­prüfbarkeit und auch das Vertrauen
       der Nut­zerinnen und Nutzer und der Partner.

                                                                                                        © Harald Reiss, www.pixelio.de
       Weitere Informationen zum Projekt „Unser
       Platz“ in der Datenbank
       www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/
       good-practice/unser-platz-in-berlin-marzahn

    Weitere Informationen zum Thema Dokumen­
    tation in Heft 5 „Erfahrung nutzen – Qualität
    stärken“

8                                                        Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3
Checkliste: Projektplanung Tipps zum Weiterlesen
    Wurde ein übergreifendes Projektziel      Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2001).
3   formuliert?                               Qualitätsmanagement in Gesundheitsförderung und Prävention.
                                              Grundsätze, Methoden und Anforderungen. Forschung und Praxis
    Welche Unterziele, Meilensteine usw.
3   wurden benannt?
                                              der Gesundheitsförderung, Band 15. Köln, BZgA. Verfügbar unter
                                              www.bzga.de/?id=medien&sid=58*

    Welche Maßnahmen lassen sich aus          BZgA (Hrsg.) (2011). Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und
3   den Zielen ableiten?                      Prävention. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden.
                                              Verlag für Gesundheitsförderung, Werbach-Gamburg. Verfügbar
    Lassen sich die Ziele mit der SMART-
3   Regel überprüfen?
                                              unter: www.bzga.de/infomaterialien/einzelpublikationen/leitbegriffe-der-
                                              gesundheitsfoerderung oder online unter www.leitbegriffe.bzga.de
    Gibt es einen Zeitplan für den            Lehmann, F. et al. (2011). Kriterien guter Praxis in der Gesund­
3   Projektverlauf?                           heitsförderung bei sozial Benachteiligten. Bundeszentrale für ge-
                                              sundheitliche Aufklärung, Gesundheitsförderung konkret Band 5,
    Gibt es eine schriftliche Vereinbarung
3   über die Aufgabenverteilung?
                                              5. erweiterte und überarbeitete Auflage. Köln, BZgA.
                                              Verfügbar unter: www.bzga.de/?id=%20medien&sid=62 *
    Welche Form der Dokumentation wur-
3   de gewählt?
                                              * auf der CD zu diesen Arbeitshilfen vorhanden

Links zu den Themen Projektplanung und Antragstellung
 Projekt Erweiterte                  Arbeitshilfen zur                     http://pes.bildung-rp.de/materialien/materi-
 Selbständigkeit (PES)               Konzepterstellung                     alien-zur-konzepterstellung.html

 Hochschule Magdeburg-Stendal        Angebot an Weiterbildungen zum        www.gesunde-kommune.de/index.php/
 (FH)                                Thema „Gesundheitsförderung in        weiterbildung
                                     Städten und Gemeinden“
 Quint-Essenz,                       Tools und Informationen zu            www.quint-essenz.ch
 Gesundheitsförderung Schweiz        Qualitätsentwicklung und
                                     Projektmanagement in
                                     Gesundheitsförderung und
                                     Prävention

Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3                                                                                      9
Kapitel 4 – F inanzierung

                                       Die Finanzierung von Gesundheitsförderung im Stadtteil kann aus unter-
                                       schiedlichsten Förderprogrammen erfolgen. Leider ist oft nur schwer zu
                                       durchschauen, welche Fördermöglichkeiten bestehen. Nachfolgend werden
                              ausgewählte Programme und mögliche Partner vorgestellt. Auch in Zukunft gilt es,
                              mehr Transparenz herzustellen und die Bündelung der Ressourcen gezielt zu unter-
                              stützen.

„Das Handlungsfeld ,Ge­
sundheit‘ ist im Laufe der
                              Bund-Länder-Programm                                   erneuerung in den von den Kommunen festge-
                                                                                     legten Programmgebieten (Förderge­biets­be­
Programmumsetzung erst        Soziale Stadt                                          zug). Förderfähig sind baulich-investive
allmählich in den Fokus
getreten. Mittlerweile hat    Das 1999 ins Leben gerufene Bund-Länder-Pro­           Maßnahmen, unter anderem zur Verbes­serung
es in der Sozialen Stadt      gramm „Stadtteile mit besonderem Ent­wick­             der Wohnverhältnisse, des Wohn­umfeldes und
aber ohne Zweifel an Fahrt    lungsbedarf – Soziale Stadt“ – seit 2012 zum           des öffentlichen Raums, zur Verbesserung der
ge­wonnen. So nahm die                                                               sozialen Infrastruktur (z.B.
Bau­ministerkonferenz
                              Programm „Soziale Stadt – Investitionen im
der Län­der im Jahr 2005      Quartier“ weiterentwickelt – dient der För­de­         Gemeinschaftseinrichtungen, (Stadtteil-)schu-
Gesund­heitsförderung als     rung von benachteiligten Stadtteilen. Ziel ist die     len oder auch Gesundheitshäuser) sowie zur
ein wichtiges Thema für       Verbes­serung der Wohn- und Lebensbe­dingun­           Verbesserung der Integration von benachteilig-
die Quartiersentwicklung      gen in den Quartieren sowie der sozialen Lage          ten Gruppen und von Migrantinnen und
in ihren ,Leitfaden zur                                                              Migranten, aber auch das vor Ort tätige
                              und Lebenschancen seiner Bewoh­nerinnen und
Aus­gestaltung der Gemein­
                              Bewohner. Das Pro­gramm verfolgt dabei einen           Quartiersmanagement und Maßnahmen zur
schafts­initiative Soziale
Stadt‘ auf.“                 integrierten An­satz: Maß­nah­men des Städte­          Aktivierung und Beteiligung der Bewohner­
                              baus werden gezielt mit Maß­nah­men u.a. der           schaft. Von 2006 bis 2010 bestand in den
    Statusbericht 2008 zum
   Programm Soziale Stadt,    Bildungs- und Beschäf­ti­gungs­politik, der Fami­      Gebieten der Sozialen Stadt darüber hinaus die
                      S. 56   lien-, Kinder- und Ju­gendpolitik, der Inte­gra­tion   Möglichkeit, flankierend zu den Investitionen
                              und der Gesund­heit vor Ort gebündelt.                 auch sozial-integrative Projekte als
                              Dafür wird von der Kommune ein integriertes            Modellvorhaben zu fördern, beispielsweise in
                              Entwicklungskonzept für das Quartier ent­              den Bereichen Bildung, Jugend, Inte­gration,
                              wickelt, das die ressortübergreifende Zusam­           Prävention und Gesundheitsför­derung.
                              men­arbeit und die Bündelung von Ressourcen            Hierdurch sollte die Bündelung mit anderen
                              (sowohl investiven, als auch nicht investiven          Politikfeldern vor Ort unterstützt werden.
                              Mit­teln) vorsieht. Wesentliche Kennzeichen des        Dabei wurden vorrangig Vorhaben berücksich-
                              Programms sind die Begleitung durch ein akti-          tigt, bei denen tragfähige Part­nerschaften mit
                              ves Quartiersmanagement sowie die Betei­li­gung        Institutionen und Akteuren im Quartier gebil-
                              der lokalen Partner und der Bewohner­schaft vor        det wurden.
                              Ort.
                              Bis 2012 nahmen 607 Gebiete in 376 Gemein­             Wie erfolgen die Programmumsetzung und
                              den am Programm teil. Grundlage für das Pro­           die Auswahl von Projekten?
                              gramm ist die jährlich zwischen Bund und Län­          Die Programmausgestaltung und -umsetzung
                              dern abzuschließende Verwaltungs­verein­               ist Aufgabe der Länder und Gemeinden. Der
                              barung zur Städtebauförderung. Dabei finan-            Bund setzt den allgemeinen gesetzlichen und
                              ziert der Bund ein Drittel des Gesamt­pro­             inhaltlichen Rahmen und beteiligt sich mit
                              gramms. Länder und Kommunen tragen zusam-              Finanzhilfen nach Art. 104b Grundgesetz an
                              men zwei Drittel.                                      der Finanzierung, entscheidet aber nicht über
                                                                                     die konkreten Fördermaßnahmen vor Ort. Ist
                              Was kann gefördert werden?                             ein Gebiet als Fördergebiet in das Pro­gramm
                              Für das Programm Soziale Stadt gilt grundsätz-         Soziale Stadt aufgenommen, kann die Kom­mu­
                              lich: Gefördert werden Investitionen zur Stadt­        ne jährlich Fördermittel für die Ge­samt­maß­

10                                                                                     Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3
nah­me beantragen und diese Förder­mittel für          (www.lvr.de/media/wwwlvrde/jugend/jugendmter/
Projekte und Vorhaben im Gebiet einsetzen              dokumente_85/2012_06__Verwaltungsvereinba-
(eine Liste aller Fördergebiete und An­sprech­
                                                       rung_Fruehe_Hilfen_mit_Anlagen.pdf) sowie den
part­ner in den Kommunen steht ­unter ­www.
staedtebaufoerderung.info zur Verfügung). An­          Länderkonzepten entnommen werden. Die Bundes­
träge für Einzelprojekte können somit an die           initiative unterstützt den Auf- und Ausbau der Frühen
Kommune gerichtet werden.                              Hilfen bis Ende 2015. Danach wird die Finanzierung
Einzelheiten sind in den jeweiligen Förder­            durch einen dauerhaften Fonds sichergestellt.
richtlinien der Bundesländer geregelt.Verwal­          Weitere Informationen unter
tungsvereinbarung Städtebauförderung 2013              www.fruehehilfen.de.
www.staedtebaufoerderung.info/StBauF/
SharedDocs/Publikationen/StBauF/
VVStaedtebaufoerderung2013_Liste.pdf?__
blob=publicationFile&v=1
                                                           „Verfügungsfonds“ in Hamburg
                                                           Diese Verfügungsfonds stellen flexibel und unbürokratisch Fördermittel
                                                           für kleinere kurzfristige Projekte im Gebiet zur Verfügung.
                                                           Die Fondsausstattung beträgt 30.000 Euro pro Jahr. Restmittel können
                                                           nicht in das nächste Jahr übertragen werden. billstedt-horn.hamburg.de/
  Förderung im Rahmen
                                                           contentblob/1540686/data/01-geschaeftsordnung-fuer-die-vergabe-
  der Bundesinitiative                                     dermittel-aus-dem-verfuegungsfonds-2013.pdf
  Frühe Hilfen                                             Ein Projekt kann mit bis zu 2.500 Euro gefördert werden. Förderung und
  Mit dem Start der Bundesinitiative Frühe Hilfen          Starthilfe aus dem Fonds erhalten in Hamburg nur in sich geschlossene Pro­
  am 1. Januar 2012 können Maßnahmen, die als              jekte, welche die Beteiligung und Eigenverantwortung der Bewohner und
  Regelangebot ausgebaut werden und die nicht              Bewohnerinnen stärken und das nachbarschaftliche Zusammenleben, die
  schon zuvor bestanden haben, gefördert werden.           Vernetzung untereinander und das kulturelle Leben im Gebiet fördern. Über
  Förderfähig sind der Aus- und Aufbau sowie die           die Vergabe der Förderungen entscheidet der Sanierungsbeirat, welcher
  Weiterentwicklung von Netzwerken im Rahmen               sich aus Anwohnern und Anwohnerinnen, Gewerbetreibenden, Angestellten
  der Frühen Hilfen, der Einsatz und die Quali­            und Vertretern und Vertreterinnen lokaler Vereine und Initiativen zusam­
  fizierung von Familienhebammen und andere                mensetzt. Durch die Gelder können Sachkosten, Öffentlichkeitsarbeit,
  vergleichbare Berufsgruppen sowie der Einsatz            Honorare und kleinere Investitionen finanziert werden. Dies ermöglicht eine
  und die Qualifizierung von Ehrenamtlichen. Dar­          schnelle Realisierbarkeit gerade kleiner Projekte und erhöht das ehrenamt­
  über hinaus besteht Förderfähigkeit für erfolgrei­       liche Engagement, welches die bereits bestehenden Angebote ergänzt.
  che modellhafte Ansätze, die sich an Eltern mit
                                                           Ein Beispiel finden Sie hier:
  Kindern von 0 bis 3 Jahren im Sinne der Gesund­
                                                           www.altona-altstadt.de/verfuegungsfonds/index.html
  heitsförderung richten. Ziel ist es, Frühe Hilfen
  auszubauen und Eltern bei der Wahrnehmung                Ein weiteres Beispiel: Die Techniker Krankenkasse unterstützt die Gesund­
  ihrer Erziehungsverantwortung zu unterstützen.           heitsförderung in Altona-Lurup mit einem Verfügungsfonds für Mikropro­
  Die Fördermittel werden vom Bund bereitgestellt          jekte und ermöglicht damit, kurzfristig und bedarfsgerecht Aktionen und
  und über die Länder vergeben. Die Fördergrund­           Projekte im Stadtteil zu entwickeln und umzusetzen. Für den Förderzeit­
  sätze können der Verwaltungsvereinbarung der             raum August 2010 bis Juli 2012 hatte die TK 20.000 Euro bereit gestellt.
  Bundesinitiative Frühe Hilfen                            www.gesundheit-lurup.de

Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3                                                                                                 11
Kapitel 4 – F inanzierung

     Besonderheit: Verfügungsfonds
                                                                  Ansprechpartner zu Fragen der
     Verfügungsfonds (auch Quartiersfonds, Stadt­
                                                                  Finanzierung durch das Programm
     teilbudgets oder Aktionsfonds genannt) kön-
                                                                  Soziale Stadt und Partnerprogram­
     nen dem Quartiersmanagement vor Ort als
     Mittel zur eigenverantwortlichen Projekt­                    me in den Bundesländern bzw. in
     finan­zierung zur Verfügung gestellt werden.                 der Bundestransferstelle Soziale
     Die Höhe der jährlich zur Verfügung stehen-         Stadt (Deutsches Institut für Urbanistik)
     den Mit­tel variiert in der Regel zwischen          finden Sie unter: www.sozialestadt.de/
     10.000 und 25.000 Euro im Jahr. In den ein-         kontakt.phtml
     zelnen Gebieten ist die Mittelvergabe unter-
     schiedlich geregelt. In der Regel vergibt das
     Quartiers­management die Gelder in
     Kooperation mit Gremien, in denen lokale
                                                        ESF-Bundesprogramm
     Akteure und Bewoh­nerschaft vertreten sind.        „Soziale Stadt – Bildung,
     Möglich ist auch die Vergabe durch eigens          Wirtschaft, Arbeit im
     eingerichtete Bürgerjurys. Erfolgreich ist diese
     Art der Finanzierung durch die Beteiligung         Quartier (BIWAQ)“
     vor Ort und die schnelle Realisierbarkeit –        Mit dem vom Bundesministerium für
     d.h. der Zeitraum von der Feststellung des lo-     Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ins Leben
     kalen Bedarfs bis zur Umsetzung von                gerufenen ESF-Bundesprogramm „Soziale
     Projekten ist relativ kurz. Das begrenzte          Stadt – Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quar­
     Budget befördert häufig eine gemeinsame            tier (BIWAQ)“ werden aktive Arbeitsmarkt­
     Diskussion und Entscheidung über Prioritäten       projekte zur Beschäftigung, Bildung und
     und Strategien der Ausgaben im Quartier.           Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen und
                                                        Jugendlichen und zur Förderung der lokalen
     Partnerprogramme der                               Wirtschaft in den Programmgebieten der
                                                        Sozialen Stadt gefördert. Hierfür kommt auch
     Sozialen Stadt                                     das Handlungsfeld Gesundheit in Betracht.
     Das Programm Soziale Stadt verfolgt einen in-      Die Projekte müssen entsprechend dem integ-
     tegrierten Ansatz. Neben Mitteln der Städ­te­      rierten Förderansatz der Sozialen Stadt mit
     bauförderung werden Mittel insbesondere in         den kommunalen Stadtteilentwicklungs­
     den Bereichen Bildung und Beschäftigung,           konzepten oder den städtebaulichen Inves­
     Kinder, Jugend und Familie sowie Integration       titionen verknüpft sein und mit den relevan-
     und Gesundheit in den Gebieten der Sozialen        ten Partnern vor Ort kooperieren. Dadurch
     Stadt gebündelt. Grundsätzlich können und          sind sie passgenau für die benachteiligten
     sollen hierbei verschiedene Förderprogramme        Zielgruppen (Jugendliche auch mit Migra­
     und -initiativen auf Bundes- und Landes­ebe­ne     tionshintergrund und Langzeitarbeitslose)
     oder auch kommunale Mittel genutzt werden.         und die Situation im Quartier ausgerichtet.
     Auch Mittel Dritter (z.B. Wohnungs­un­
     ternehmen, Wohlfahrtsverbände, Stiftungen,         Aufbauend auf den guten Erfahrungen mit
     Mittel der europäischen Strukturfonds) kön-        dem Vorläuferprogramm „Beschäftigung,
     nen in die integrierte Quartiersentwicklung        Bildung und Teilhabe vor Ort“ (2007/2008)
     einbezogen werden.                                 entwickelt das Bundesprogramm BIWAQ den
     Einige Programme sind als „Partnerprogram­         Förderansatz einer sozialraumorientierten
     me“ direkt auf die Gebiete der Sozialen Stadt      Arbeitsmarktförderung in der ESF-Förder­
     ausgerichtet.                                      periode 2007-2013 mit deutlich höherem

12                                                        Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3
Programmvolumen von 184 Mio. Euro und            sollte pro Förderjahr 150.000€Euro betragen.
längerer Laufzeit fort. Mit den Förder­mitteln   Werden Mikroprojekte beantragt, kann sich        Das Projekt
können sozial-integrative Projekte mit einer     die Zuwendung auf maximal 200.000 Euro           „Dranbleiben –
Dauer von bis zu 4 Jahren gefördert werden.      pro Förderjahr erhöhen. Weitere Informa­         mobil werden
Die Umsetzung erfolgt in der ersten Förder­      tionen unter www.jugend-staerken.de/240.html.    für Ausbildung,
runde von 2008 bis 2012 und in der zweiten                                                        Arbeit und eine
Förderrunde von 2011 bis 2014
                                                                                                  generationsüber­
(weitere Informationen unter www.biwaq.de)
                                                 Unterstützung von Primär­                        greifende soziale
ESF-Förderperiode 2014-2020                      prävention durch die                             Integration“
In diesem Jahr beginnt die neue Förder­perio­
de des Europäischen Sozialfonds, die sich bis    ­gesetzlichen Kranken­kassen                     Im Rahmen dieses
2020 erstreckt. Kennzeichnend für die künfti-     gemäß § 20 SGB V                                Projektes eröffnet in
ge ESF-Förderung sind die enge Ausrichtung                                                        Neu­ruppin ein Ge­
                                                 Nach § 20 des Sozialgesetzbuches (SGB) V         sundheitsladen, der
an der europäischen Wachstums- und Be­
                                                 gehört die Primärprävention zu den gesetzli-
schäftigungsstrategie „Europa 2020“ sowie                                                         zentrale An­laufstelle
                                                 chen Aufgaben der Krankenkassen. Von den
die thematische Konzentration der Mittel zur                                                      für ein Netzwerk
                                                 GKV werden individuelle bzw. Setting-Maß­
Erreichung der Europa-2020-Ziele. Auch                                                            aus privaten,
                                                 nahmen zur Verhütung von Krankheiten,
BIWAQ wird in der neuen Förderperiode wei-                                                        ge­meinnützigen
                                                 Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheits­
terentwickelt.                                                                                    und öffentlichen
                                                 för­derung und Prävention arbeitsbedingter
                                                 Gesundheitsgefahren sowie die Maßnahmen          Akteuren sein und
                                                 der Selbsthilfe gefördert. Ziel der primärprä-   Beratungs- und
                                                 ventiven Maßnahmen ist es, Krankheitsri­         Qualifizierungs­
                                                 siken und Belastungen einzudämmen bzw.           angebote an Schü­le­
„JUGEND STÄRKEN                                  ihre Entstehung zu verhindern. Die Leistun­      rinnen und Schüler,
im Quartier“                                     gen sollen „den allgemeinen Gesundheits­         Ausbildungs­platz­
                                                 zustand verbessern und insbesondere einen        suchende, Lang­
Das ESF-Programm „JUGEND STÄRKEN im              Beitrag zur Verminderung sozial bedingt un-      zeitarbeitslose und
Quartier“ des Bundesministeriums für Fami­       gleicher Gesundheitschancen erbringen“
                                                                                                  Existenzgründer und
lie, Senioren, Frauen und Jugend und des         (§ 20 Abs. 1 SGB V). Interventionen nach
                                                                                                  -gründerinnen ver­
Bundesministeriums für Umwelt, Natur­            dem Lebenswelt-Ansatz sollen danach primar
                                                                                                  mitteln soll (weitere
schutz, Bau und Reaktorsicherheit ist Teil der   auf Lebensräume zielen und durch Struktur­
                                                 bildung Gesundheit fördern. Beispielhaft wer-    Informationen unter
Initiative „Jugend Stärken“. Für den Förder­
                                                 den als Lebenswelten genannt: die Kom­mu­        www.biwaq.de).
zeitraum 1.1.2015 bis 31.12.2018 können
Kommunen mit erhöhtem Entwicklungs­              ne, Stadtteile, Kindertageseinrichtungen,
                                                 Schulen, Ein­richtungen der Altenhilfe und
bedarf darin gestärkt werden, junge Men­
                                                 Betriebe.
schen i.S.d. §13 Abs. 1 SGB VIII im Alter von
                                                 Die gesetzlichen Krankenkassen haben ge-
12 bis einschließlich 26 Jahren darin zu för-
                                                 meinsam einen Leitfaden herausgegeben, der
dern, soziale Benachteiligungen und individu-    die Kriterien und Handlungsfelder zur Umset­
elle Beeinträchtigungen zu überwinden. Im        zung des § 20 SGB V benennt.In der aktuellen
Rahmen aufsuchender, niedrigschwelliger          Fassung vom 27. August 2010 sind die
und wohnortnaher Projektarbeit werden jun-       Regelungen zum Lebenswelt-Ansatz in Ka­
ge Menschen dabei unterstützt, schulische        pitel 5.1 genauer bestimmt: Förderkri­terien,
Herausforderungen zu meistern und berufli-       Planungs- und Durchführungsschritte für
che Ziele zu verwirklichen. Die Zuwendung        Maßnahmen und eine nun konkrete Benen­

Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3                                                                                  13
Kapitel 4 – F inanzierung

„Alle Handlungsfelder der      nung von Ausschlusskriterien und Interven­            Die Krankenkassen bieten aber auch eigene
Soziale-Stadt-Programme        tionen die nicht förderfähig sind.                    Programme an bzw. haben solche Angebote
zielen darauf ab, die
Lebens­qualität im Stadtteil
                               Im 1. Kapitel dieses Heftes wurden die För­           zusammen mit Partnern entwickelt.
zu erhöhen und dadurch         der­kriterien vorgestellt, die vorliegen müssen,
auch die gesundheitlichen      damit eine Krankenkasse ein Setting-Projekt
Lebensbedingungen der
Bevölkerung zu verbes­
                               unterstützen kann. Sind diese Kriterien er-           Weitere Finanzquellen
                               füllt, so können gesetzliche Krankenkassen
sern. Damit ergeben sich
                               Maßnahmen nach dem Setting-Ansatz in den              Stiftungen
Verbin­dungen zum Anliegen
der Krankenkassen in der       folgenden Bereichen unterstützen:                     Stiftungen wie beispielsweise die Robert-
Gesundheitsförderung.“         n Bedarfserhebung                                    Bosch-Stiftung oder „Aktion Mensch“ erwar-
(Leitfaden Prävention 2008,                                                          ten in der Regel ebenfalls einen Eigenanteil.
                               n Umsetzung verhaltenspräventiver
                      S.20)                                                          Die Suche nach einer „passenden“ Stiftung ist
                                  Maßnahmen
In der Regel haben die ge­
                                                                                     zumeist aufwändig, da zunächst recherchiert
                               n Öffentlichkeitsarbeit                              werden muss, welche Themen überhaupt un-
setzlichen Krankenkassen
keine formalisierten Anträge   n Fortbildung von Multiplikatorinnen und             terstützt werden und was die För­derkriterien
entwickelt. Bei Interesse an      Multiplikatoren in Prävention und                  oder –voraussetzungen sind.
der Kooperation mit einer         Gesundheitsförderung                               Ziel der „Aktion Mensch“ ist es beispielswei-
gesetzlichen Krankenkasse
empfiehlt es sich daher,       n Dokumentation, Evaluation und                      se, über das finanzielle Engagement der
Kontakt mit der lokalen Ver­      Qualitätssicherung                                 Lotterie­teilnehmer und -teilnehmerinnen die
tretung einer Kasse Kontakt                                                          Lebens­qualität von Menschen mit Behinde­
aufzunehmen.                   Die Unterstützung kann mit finanziellen
                               Zuschüssen und/oder durch Fachkräfte der              rungen, Menschen mit sozialen Schwierig­
                               Kassen erfolgen, die z.B. durch Beratung,             keiten, Kindern und Jugendlichen zu verbes-
                               Moderation und Projektmanagement helfen.              sern. Die Umsetzung erfolgt u.a. über die
                                                                                     Förderung von Projekten der Behinderten-
                                                                                     und Selbst­hilfe, der Hilfe für Menschen mit
                                                                                     besonderen sozialen Schwierigkeiten sowie
                                  „JolinchenKids – Fit und                           der Kinder- und Jugendhilfe.
                                                                                     Die „Aktion Mensch“ möchte mit ihrer Förde­
                                  gesund in der KiTa“                                rung eine möglichst breite Wirkung erzielen.
                                  „JolinchenKids – Fit und gesund in der KiTa“       Der Weg dorthin führt über freie gemeinnüt-
                                  – so heißt das neue AOK-Gesundheitsförde­
„Die Krankenkassen bieten         rungsprogramm für die Drei- bis Sechsjähri­
oftmals auch Unterstützung        gen. Es handelt sich dabei um ein Konzept zur
in Form von Fachkompe­
                                  ganzheitlichen Gesundheitsförderung, das die                  Die gesetzlichen Krankenkassen
tenz, werden aber von den                                                                       unterstützen gemäß § 20c SGB V
Projektanbietern zu spät          jeweiligen Rahmenbedingungen in den einzel­
angesprochen.“                    nen KiTas berücksichtigt. Ziel ist, KiTa-Kinder,              auch die Aktivitäten der Selbst­
                                  Eltern, Erzieherinnen und Erzieher für einen ge­              hilfe-Gruppen, Verbände und
             Susanne Vogl,
              AOK Nordost         sunden Lebensstil zu begeistern und die KiTas                 Kontaktstellen. Teilweise tun sie
Es wird deshalb ausdrück­
                                  zu einer gesunden Lebenswelt zu entwickeln.         dies kassenübergreifend gemeinschaftlich,
lich dazu aufgefordert,           Damit soll die Gesundheit von Kindern, Erziehe­     teilweise kassenindividuell. Die Grundsätze
frühzeitig den Kontakt zu         rinnen und Erziehern gestärkt werden.               sind dargelegt im „Leitfaden zur Selbsthilfe­
den Kassen herzustellen,
wenn eine Projektförderung        Weitere Informationen hierzu unter                  förderung“ in der Fassung vom 6. Oktober
nach § 20 SGB V angestrebt        www.aokplus-online.de/leistungen-                   2009. Er ist aus dem Internet herunter­
wird.                             services/gesundheit/gesundheitsfoerderung-          zuladen unter www.gkv-spitzenverband.de,
                                  in-kindertagesstaetten.html                         bei den Publikationen.

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zige Träger, die sich in der sozialen Arbeit en-     „Fundraising … ist die
         Die „Aktion Mensch“ erwartet                                                                     Kunst, für mein gemeinnüt­
                                                     gagieren.
         immer einen Eigenanteil (bzw.                                                                    ziges Anliegen von Anderen
                                                     Die formalen Kriterien und qualitativen              Unterstützung zu erhalten,
         Kofinanzierung) zu ihren Projekt­
                                                     Voraussetzungen für die Fördermöglichkeiten          indem ich sie dafür gewi­n­
         fördermaßnahmen. Und: Der Zeit­             insgesamt und für das Förderspektrum im              ne, dieses Anliegen auch zu
         raum zwischen Antragstellung und            Einzelnen findet man in den allgemeinen              dem ihren zu machen …“
Bescheid kann sehr lang sein!                        Richtlinien und in den Merkblättern unter            Jens Uwe Böttcher 2004,
                                                     www.aktion-mensch.de.                                S. 1

   „Aktion Mensch“ – Projekt­beispiel:                                          Als erstes Beispiel guter Praxis für ein gesund­
   Schulprojekt zur Basket­ball-Europa­                                         heitsförderndes Programm wurde 2010 das
                                                                                Pro­­­gramm „BodyGuard“ des Internationalen
   meister­schaft 2007                                                          Bun­des (IB) durch den Kooperationsverbund
   Die Initiative namens „Teilhabe durch Mobilität“ wollte die aktive Ausein­   Gesundheitliche Chancengleichheit ausgezeich­
   andersetzung zwischen behin­derten Sportlern und Schülern fördern. Au­       net. Das Programm verfolgt den An­satz, gesund­
   ßerdem sollten Berührungsängste und Miss­ver­ständnisse im Mitein­ander      heitsfördernde Elemente in den Alltag berufsbil­
   von Menschen mit und ohne Behinderung abgebaut werden.                       dender Einrichtungen des IB zu integrieren.
   Das Projekt fand als Zusammenarbeit des Deutschen Rollstuhl-Sportver­        BodyGuard war mit Hilfe einer An­
                                                                                schubfinanzierung der Aktion Mensch an zehn
   bandes und der Schulen statt. Die „Aktion Mensch“ unterstützte
                                                                                Standorten modellhaft gestartet worden.
   das Projekt mit über 200.000 Euro.
                                                                                Weiter­führende Informationen erhalten Sie unter
   Weitere Informationen hierzu unter www.aktion-mensch.de                      www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/
                                                                                good-practice/good-practice-was-ist-das/
                                                                                good-practice-programme.

          Eine Broschüre des Netzwerk
          Selbsthilfe e.V. portraitiert mehr
          als 230 Stiftungen und Förder­
          quellen und bietet umfangreiche            Fundraising
          Tipps zu Fördermöglichkeiten in            Fundraising kann eine nützliche Strategie der
den Bereichen Bildung, Jugend, Arbeit,               Projektförderung sein, es bedarf dafür aber
Soziales, Migration, Entwicklungs­politik,           entsprechender Ressourcen! Zumeist müssen
Antifaschismus, Integration, Woh­nen,                Kontakte zu potenziellen Sponsoren erst ge-
Kultur, Frauen, Globalisie­rungs­kritik und          funden werden. Das kostet viel Zeit und es
Umwelt. Darüber hinaus werden Bera­                  bedarf manchmal vieler Gespräche, um end-
tungs­einrichtungen und Informationen zur
Existenzgründungs- und Betriebsbe­ra­tung                      Wohlfahrtsverbände, zum Beispiel
für Vereine und kleine Betriebe vorge­stellt.                  der Paritätische, geben ihren
„Fördertöpfe für Vereine, selbstorganisierte                   Mitgliedsorganisationen kosten­
Projekte und politische Initiativen“,                          lose Fundraising-Beratung. Aus
11. Auflage 2011. Die Broschüre kann be­                       Hochschulstudiengängen für Non­
stellt werden unter www.netzwerk-selbst-              profit-Marketing ist ebenfalls eine bezahl­
hilfe.de/online/bestellen.                            bare Unter­stüt­­zung zu bekommen.

Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3                                                                                                15
Kapitel 4 – F inanzierung

                                                   Vereine, um zusätzliche finanzielle Mittel zu
 Checkliste: Finanzierung                          erhalten. Richterinnen und Richter an Amts-
 von Gesundheits­                                  und Landgerichten sprechen die von ihnen
                                                   verhängten Bußgelder gemeinnützigen
 förderungs­­projekten                             Institutionen zu – wenden Sie sich an das
 im Quartier                                       Gericht, wenn Sie zu diesen Empfängern ge-
                                                   hören wollen.
 3Mähnlich
      it welchen Mitteln wurden andere
            gelagerte Gesundheitsförde­
    rungsprojekte finanziert?                      Tipps zum Weiterlesen
      us welchen „Töpfen“ der öffent-
     A
 3   lichen Förderung kann das Projekt
     gefördert werden?
                                                   Böttcher, J.U. (1999). Sponsoring und Fundraising für die Schule. Ein
                                                   Leitfaden zur alternativen Mittelbeschaffung. Neuwied, Hermann
     Welche Förderprogramme haben eine            Luchterhand Verlag
 3    Ausrichtung, die den Handlungs­
      feldern und thematischen Schwer­
                                                   Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.) (2008).
                                                   Integrierte Stadtentwicklung – Praxis vor Ort. Gute Beispiele zu Vernet­
      punkten des Projektes entspricht?            zung und Bündelung im Programm Soziale Stadt. Bonn, BBR. Mit über
      Welche Stiftungen, Sponsoren haben          40 Praxisbeispielen, unter anderem aus dem Handlungsfeld Gesundheit
 3     ein Interesse an den Inhalten des
       Projektes?
                                                   im Stadtteil. Die Broschüre kann kostenlos beim BBR bestellt werden:
                                                   silvia.becker@bbr.bund.de.
       Kommt eine Mikrofinanzierung durch
 3      das Stadtteil­büro/Quartiers­manage­
        ment in Frage?
                                                   Fundraising Akademie (Hrsg.) (2008): Fundraising. Handbuch für Grund­
                                                   lagen, Strategien und Methoden. 4. Auflage. Wiesbaden, Gabler Verlag
                                                   Haibach, M. (2006). Handbuch Fundraising. Spenden, Sponsoring,
        Stimmt der Themenschwerpunkt des
 3       Projekts mit der inhaltlichen Aus­rich­
     tung des Leitfadens zu § 20 SGB V
                                                   Stiftungen in der Praxis. 3. Auflage. Frankfurt/Main, Campus Verlag
                                                   Leitfaden Prävention der GKV-Spitzenverbände (2008). Gemeinsame und
     überein?                                      einheitliche Handlungsfelder und Kriterien der Spitzenverbände der
         Besteht Kontakt zu einer lokalen         Krankenkassen zur Umsetzung von §§ 20 und 20a SGB V vom 21. Juni
 3        Krankenkasse, die eine Kooperation
          unterstützt?
                                                   2000 in der Fassung vom 2. Juni 2008. Verfügbar unter:
                                                   www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Arbeitsfeld_Pr%C3%A4vention/
                                                   leitfaden_praevention_2008.pdf *
lich mit den richtigen Leuten in Kontakt zu        Leitfaden Prävention der GKV-Spitzenverbände (2010). Gemeinsame
kommen. Und potenzielle Sponsoren wollen           und einheitliche Handlungsfelder und Kriterien der Spitzenverbände der
                                                   Krankenkassen zur Umsetzung von §§ 20 und 20a SGB V vom
überzeugt werden. Auch das kostet Zeit, denn
                                                   21. Juni 2000 in der Fassung vom 27. August 2010. Verfügbar unter:
das geplante Vorhaben muss ansprechend
                                                   www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/praevention_selbsthilfe_
präsentiert werden und die möglichen
                                                   beratung/praevention_und_betriebliche_gesundheitsfoerderung/leitfaden_
Unterstützer müssen sich mit ihrem Anliegen
                                                   praevention/leitfaden_praevention.jsp *
im Projekt wieder finden.
                                                   Soziale Stadt–info. Der Newsletter zum Bund-Länder-Programm Soziale
Bußgeldmarketing                                   Stadt. Verfügbar unter: www.sozialestadt.de/veroeffentlichungen/newsletter *
Bußgeldmarketing ist eine oft unterschätzte,       *auf der CD zu diesen Arbeitshilfen sind die Infos 20 (2007)
aber gute Möglichkeit für gemeinnützige              und 22 (2008) vorhanden

Ein weiterer Link zum Thema Finanzierung
  Robert Bosch Stiftung                  Fundraising für die Praxis             www.bosch-stiftung.de/content/language1/
                                                                                downloads/Vortrag_Fundraising.pdf

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Kapitel 5 – Partner für Prävention und
             Gesundheitsförderung

         Für Projekte der Prävention und Gesundheitsförderung gibt es eine gro-
         ße Zahl an potenziellen Partnern und Unterstützern. Mögliche Partner
         im Quartier sind aus dem Gesundheitswesen z.B. Ärztinnen und Ärzte,
         Apotheken, Pflegedienste, Krankenhäuser, Sozialstationen, Hebammen,
Physiotherapeutinnen und -therapeuten.
Zusätzlich zum klassischen Gesundheitsbereich sind nach dem erweiterten
Verständnis von Gesundheit (siehe Heft 1) auch Akteure aus den Bereichen Bildung,
Arbeit, Verkehr, Bauen, Umwelt und der Wirtschaft mögliche Ansprechpartner.

   „Idefix“, Berlin
   Dieses Projekt ermöglicht u.A. sozial und finan­
   ziell benachteiligten Menschen mit Haus­tieren
   eine kostenlose Untersuchung und Be­ratung
   ihrer Tiere durch eine Tierärztin. Es wird
   durch eine Vielzahl an Kooperationen getra­
   gen. Beteiligt sind neben mehreren Ämtern
   (Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Ge­
   sund­heitsamt, Veterinäramt, Grünflächenamt)
   auch das ansässige JobCenter, die Wohnungs­
   baugesellschaft GSW und die Immobilienver­
   waltung Zentrum Kreuzberg GmbH. Außerdem
   arbeitet „Idefix“ mit dem Tierheim Berlin,
   niedergelassenen Tierärzt/innen sowie Zahn­
   ärzt/innen, verschiedenen Gewerben und
   Tier­futtermittelhersteller/innen bzw. Tieruten­
   silien­abnehmer/innen zusammen. Koordi­
   nationsstelle ist das Quartiersmana­gement.         eines Hundes sind und es über das Tier gelingt,
   Finanziert wird das Projekt über die Programme      einen ersten Zugang zu dieser oftmals nur
   Soziale Stadt, LOS, EFRE und ESF sowie über         schwer zu erreichenden Personengruppe zu
   die Stiftung „Aktion Mensch“.                       bekommen. „IdeFix“ bie­tet Drogenabhängigen
                                                       oder Substituierten die Möglichkeit einer Be­
   Ziel des Projekts ist es, die gesundheitliche
                                                       treuung für ihren Hund zum Beispiel während
   und soziale Situation von substituierten dro­
                                                       eines Krankenhaus- oder Therapieaufenthaltes
   genabhängigen Menschen zu verbessern, den
                                                       sowie ein Beschäf­tigungs- und Qualifizierung­
   (Wieder-)Aufbau sozialer Kompetenzen und die
                                                       sangebot.
   (Wieder-)Eingliederung in das Berufs­leben zu
   fördern sowie langfristig durch das Aufbrechen      Weitere Informationen zu diesem Projekt in der
   von Suchtstrukturen den Rückfall in die Abhän­      Datenbank
   gigkeit zu vermeiden. Der Hund leistet hierbei      www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/
   eine unschätzbare Hilfe, da viele (substituierte)   good-practice/idefix
   Drogenabhängige Besit­zerin bzw. Besitzer

Aktiv werden für Gesundheit · Heft 3                                                                     17
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