EL PUENTE informiert 2016 - Unsere Vision
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EL PUENTE
informiert 2016
r
365 Tage fü
an d e l
den Fairen H
Unsere Vision
fa ire s M i te inander.
ist einInhalt
Diakoniewerkstätten Halberstadt 2
PMA Indonesien 4
EL PUENTE GmbH 6
Jahresabschluss der EL PUENTE GmbH 10
EL PUENTE Entwicklungsfonds 13
Faire Woche 2016 16
EL PUENTE Projektpartnerausschuss 20
EL PUENTE Verein/Weltladen 22
Michaelis WeltCafé in Hildesheim 24
EL PUENTE Stiftung 26
Reiseberichte: Ruanda, 30
Bolivien 32Liebe Leser,
als Fair-Händler pflegen wir zahlreiche
Kontakte zu Partnern in aller Welt. Oft
sind dieses ganz besondere Partner-
schaften. Wie zum Beispiel zu PMA in
Indonesien. Von hier bekommen wir Darüber hinaus finden Sie alles, was uns
unsere würzigen Maniok-Chips. Die re- im vergangenen Jahr beschäftigt hat.
gelmäßigen Besuche vor Ort verbinden Neue Produkte, ein weiterentwickeltes
wir auch stets damit, Probleme zu be- Verpackungsdesign, Reisen zu unseren
sprechen und Produkte weiter zu entwi- Partnern und vieles mehr. EL PUENTE
ckeln. So arbeiten wir schon seit Jahren lebt aber bei Weitem nicht nur aus der
daran, die Maniok-Chips auch in Bio- Arbeit der GmbH. Der Weltladen, das
Qualität anbieten zu können. Jetzt geht Weltcafé, die Stiftung sowie der Verein
es voran. Warum bei einer Bio-Zertifizie- tragen alle einen wichtigen Anteil dazu
rung so viele Hürden zu nehmen sind, bei, den Fairen Handel bekannt zu ma-
erfahren Sie in unserem Bericht in der chen und ihn hier in Deutschland zu
diesjährigen EL PUENTE informiert. leben.
Doch nicht nur in Übersee pflegen wir
besondere Partnerschaften. Auch in Wir möchten uns bei all unseren Unter-
Deutschland arbeiten wir mit verschie- stützern herzlich bedanken, die all das,
denen Organisationen zusammen. So was wir das Jahr über erreichen, erst
zum Beispiel mit den Diakonie-Werk- möglich machen.
stätten in Halberstadt. Die behinderten
Mitarbeiter wiegen Waren, füllen ab und Im Namen des gesamten
etikettieren. Was die Arbeit für die Men- EL PUENTE-Teams,
schen bedeutet, lesen Sie auch in dieser
Ausgabe der EL PUENTE informiert. Stefan Bockemühl & Martin Moritz
Geschäftsführer EL PUENTE GmbH
1Diakoniewerkstätten
Handgemacht: Bei der Abfül-
lung und Etikettierung kommen
kaum Maschinen zum Einsatz.
Diakoniewerkstätten Halberstadt
Wiegen, Verpacken und Kleben für EL PUENTE
In den Diakoniewerkstätten in Hal- ter eine Buchbinderei, eine Tischlerei
berstadt am Harz arbeiten rund 300 und eine Hauswirtschaftsabteilung. Drei
Menschen mit geistigen und teilweise Werkstätten mit insgesamt 45 Mitarbei-
körperlichen Behinderungen, die hier tern bearbeiten hier fast ausschließlich
in vielen verschiedenen Bereichen eine die Aufträge von EL PUENTE. Etiketten
Beschäftigung finden. Drei Werkstätten werden geklebt, Waren abgefüllt, gewo-
mit insgesamt 45 Mitarbeitern bearbei- gen, eingeschweißt und verpackt. Fast
ten in Halberstadt fast ausschließlich die alles wird in reiner Handarbeit erledigt.
Aufträge von EL PUENTE. Etiketten wer- Jeder macht das, worauf er Lust hat und
den geklebt, Waren abgefüllt, gewogen, was er kann. „Carola zum Beispiel füllt
eingeschweißt und verpackt. gerne Lebensmittel ab“, erklärt Henry
Pitz, einer der Gruppenleiter in Halber-
Jeder, wie er kann stadt. „Allerdings fällt es ihr sehr schwer,
Das Radio spielt Pop-Musik und in der die Gewürze wie West Coast in die klei-
Luft liegt ein Duft von Zitrone und Pfef- nen Tüten zu füllen. Kein Problem,
fer. Andreas sitzt am Tisch und arbeitet dann setzen wir sie aber auf jeden Fall
konzentriert. Gleichmäßig und gerade bei der Abfüllung von Quinoa ein, die
klebt er die Etiketten auf die grünen großen Tüten bereiten ihr keine Schwie-
EL PUENTE Gewürz-Beutelchen. West rigkeiten.“
Coast wird darin abgefüllt, der Nach-
füller für den Zitronenpfeffer aus Süd- Arbeit für´s Selbstwertgefühl
afrika. Andreas ist die Sorte Mensch, die Der gesamte Tagesablauf wird ganz nach
nichts aus der Fassung bringt. Geduld den Bedürfnissen der behinderten Mit-
und eine ruhige Hand sind wichtig bei arbeiter gestaltet. Morgens um 7:30 Uhr
seiner Arbeit. „Ich komme gern hierher“, beginnt die Arbeit, um 15.00 Uhr endet
sagt er mit ruhiger Stimme. Ob es auch sie. Es gibt eine Vielzahl von Pausen, die
Tage gäbe, an denen er keine Lust hat? gemeinschaftlich gemacht werden. „Vie-
Schulterzuckend bewegt er den Kopf hin len geht schnell die Puste aus, darauf
und her. Eigentlich nicht. Er fühlt sich müssen und wollen wir uns einstellen“,
wohl hier. Andreas ist einer von insge- erklärt der Gruppenleiter Ray Grulke.
samt über 300 Mitarbeitern, die in den Zwei Teepausen, Mittagessen und ver-
Diakoniewerkstätten in Halberstadt am schiedene Förder- und Therapiestunden
Harz arbeiten. Hier gibt es eine Vielzahl gibt es während dieser Arbeitszeit. Heu-
von Bereichen, in denen die behinderten te steht zum Beispiel die Sport-AG auf
Mitarbeiter beschäftigt werden. Darun- der Tagesordnung.
2Diakoniewerkstätten
Leistungsstark: Mitarbeitern wie
Ralf gibt die Arbeit viel Selbstbe-
wusstsein.
Wer in den Diakoniewerkstätten ar- Langjährige Partnerschaft
beitet, hat eine geistige Behinderung, Sind alle Gewürze abgefüllt und in die
manchmal kommen auch körperliche Verpackungseinheiten verpackt, geht es
Behinderungen dazu. Die Mitarbeiter für sie auf den Weg ins niedersächsische
gehen mit ihren Einschränkungen ganz Nordstemmen, zum Sitz von EL PUEN-
selbstverständlich um und entwickeln TE. Sie werden eingelagert und auf Be-
erstaunliche Fähigkeiten. Patrick zum stellung an die Weltläden in Deutschland
Beispiel. Seine Hände sind verformt, und ganz Europa verschickt. Die Zusam-
doch seine liebste Aufgabe ist das saube- menarbeit mit den Diakoniewerkstätten
re und gerade Kleben der Etiketten. Und hat bei EL PUENTE eine lange Tradition.
das beherrscht er trotz seiner Einschrän- „Dabei möchten wir die Ideen des Fai-
kungen in einer rasanten Geschwindig- ren Handels auch hier in Deutschland
keit. Und sein Kollege Ralf. Er hält mit leben. Benachteiligten Menschen einen
seinen Fähigkeiten die Fäden zusam- Arbeitsplatz zu bieten, ist ein wichtiges
men. „Sven hat gleich seine Physiothe- Ziel im Fairen Handel“, erklärt Stefan
rapie“, ruft er in die Runde. Fast wäre Bockemühl, Geschäftsführer der EL
dieser Termin untergegangen, aber der PUENTE GmbH. So wurden schon An-
44-Jährige kann sich Daten ohne große fang der 80er Jahre die bekannten fair
Mühe merken. Den Geburtstag fast je- gehandelten Jutetaschen im Siebdruck-
des Mitarbeiters hat er im Kopf. verfahren von behinderten Menschen
Die Arbeit bringt Abwechslung in den bedruckt. Seit 1989 arbeitet EL PUENTE
Alltag, eine Struktur und soziale Kontak- mit den Diakoniewerkstätten in Hal-
te. Als Lohn bekommen die behinderten berstadt zusammen. Stefan Bockemühl
Mitarbeiter ein Taschengeld, zusätzlich erklärt: „Nach der Wende sind wir hier
zu der Grundsicherung, die sie vom schnell aktiv geworden und nach eini-
Staat erhalten. „Die Mitarbeiter merken, gen Gesprächen begannen wir dann die
dass sie etwas leisten können. Ein wich- Zusammenarbeit, die bis heute für alle
tiger Aspekt für das Selbstwertgefühl“, Seiten eine Bereicherung ist.“
erklärt Grulke. Sicher wäre eine Inklusi-
on von Behinderten in den Arbeitsalltag Ein Text von Anna-Maria Ritgen,
von nicht-behinderten Menschen wün- Öffentlichkeitsarbeit EL PUENTE
schenswert. Allerdings gibt es hier vie-
lerlei Hürden und die Behindertenwerk-
stätten können ausschließlich auf die
Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen.
3PMA Indonesien
EL PUENTE Geschäftsführer
Martin Moritz mit Lebensmit-
teleinkäuferin Tina Chwala zu
Besuch auf dem Maniok-Feld.
Unser Handelspartner PMA
aus Indonesien
Fortschritte bei der Bio-Umstellung der Maniok-Chips
„Die Bauern in Indonesien arbeiten sehr nesien besteht aus Tausenden Inseln,
hart und sie haben es einfach verdient, die weit voneinander entfernt liegen.
ein besseres Leben zu haben“, erzählt
Lewi Cuaca, Geschäftsführer unseres in- Eine Herzensangelegenheit
donesischen Handelspartners PMA. Die Unser Geschäftsführer Martin Moritz
Agrarwissenschaftler Lewi Cuaca und steht in engem Kontakt mit PMA und
seine Frau Elsje Mansula haben 2011 die reist regelmäßig in den Inselstaat. „Bei
Geschäftsführung von PMA übernom- den Terminen mit unseren Handelspart-
men. Beide waren vorher in konventio- nern spielt Produktentwicklungen eine
nellen Unternehmen tätig und suchten wichtige Rolle: Dies bezieht sich nicht
nach einem Projekt, in dem sie ihr Fach- nur auf Neue, sondern auch auf die Wei-
wissen mit Entwicklungsprojekten für terentwicklung des bereits bestehenden
Kleinbauern verbinden können. Sortiments.“ Bei den Maniokchips zum
Beispiel arbeiten El Puente und PMA
Die Arbeit von PMA schon lange an einer Bio-Zertifizierung.
Die Aufgabe, die PMA dabei als Export- Nun geht das Projekt in die heiße Phase.
und Marketingorganisation des Fairen
Handels wahrnimmt, beschreibt Lewi Tatsächlich stand der Abschluss schon
so: „Die indonesischen Kleinbauern, mit mehrfach kurz bevor. Doch die biologi-
denen wir arbeiten, sind meist richtige sche Zertifizierung ist ein langwieriger
Experten in ihrem Gebiet. In Sachen Prozess. Die größte Hürde lag dabei in
Anbau brauchen wir ihnen nicht viel der Vergangenheit in der fehlenden Pla-
beibringen. Aber um diese hochwerti- nungssicherheit.
gen Produkte dann erfolgreich auf dem Für eine Bio-Zertifizierung muss die
Markt zu verkaufen, ist sehr viel techni- Einhaltung der Kriterien über mehrere
sches Know-How nötig. In diesen Be- Jahre lückenlos dokumentiert werden
reichen unterstützen wir die Bauern.“ – und die Zertifizierung ist natürlich
Und nicht zuletzt übernimmt PMA die an ganz bestimmte Flächen gebunden.
Logistik innerhalb des Landes. „Das ist „Da den indonesischen Kleinbauern das
ganz anders als bei Euch in Deutsch- Land meist nicht gehört, gab es immer
land!“ Der Indonesier muss herzlich wieder Probleme“, ergänzt Lewi Cuaca.
lachen. Für seine Maßstäbe ist Deutsch- 2008 war die Bio-Zertifizierung einmal
land ein winziges Fleckchen Erde. Indo- bereits erfolgreich abgeschlossen, doch
4PMA Indonesien
Nun müssen sich noch die Ma-
schinen im Test bewähren und
dann kann es losgehen mit der
Produktion.
dann verlängerte der Eigentümer der Allein die Verzögerung der gelieferten
Felder den Pachtvertrag für die Bauern Maschinen stellt die Gruppe nun wie-
nicht. Immobilienprojekte und Speku- der vor Herausforderungen. Die ersten
lationen treiben die Landpreise hier, wie Bio-Manioks sind bereit zur Ernte. Sie
vielerorts, in die Höhe. Die Kleinbauern, dürfen nicht viel länger im Boden blei-
die die Flächen nachhaltig und biolo- ben. Die Maschinen müssen jedoch erst
gisch bewirtschaften, sind in diesem getestet werden. Damit ist der Produkti-
Wettbewerb die Verlierer. onsleiter Manu betraut. Gar nicht so ein-
fach, eine Planung ein Dreivierteljahr
Ganzheitlicher Ansatz im Voraus. Denn die Knollen brauchen
„Wir wollen in die Zukunft schauen und rund acht Monate, um zu reifen. Agus
geben nicht auf“ erklärt Lewi. Eine klei- Ariesta, Leiter der Verarbeitung vor Ort,
ne Fabrik wurde gebaut und die umlie- arbeitet mit den Bauern an dem Anbau- Info
genden Felder sind bereits erfolgreich plan, um weder zu viel, noch zu wenig Das Bio-Zertifizierungs-Projekt
auf den Bio-Anbau umgestellt. zu produzieren. wird von der Deutschen Inves-
Das neue Konzept verfolgt einen ganz- titions- und Entwicklungsge-
heitlichen Ansatz. Knapp 10 Bauern pro- Neue Würze sellschaft (DEG) aus Mitteln
duzieren den Maniok für die knusprigen Die Bio-Umstellung der Maniok-Chips des Bundesministeriums für
Chips. Die Familien der Bauern werden bedeutet nicht nur, dass die Knollen wirtschaftliche Zusammenar-
in der Produktion beschäftigt. Auf diese unter ökologischen Standards kultiviert beit und Entwicklung (BMZ)
Weise können langfristige Arbeitsplätze werden müssen. Auch die Gewürzmi- und vom EL PUENTE Ent-
für ganze Familien geschaffen werden. schungen müssen umgestellt werden. wicklungsfonds gefördert.
Die Transportwege sind sehr kurz, An- Viele Durchläufe und Verkostungen spä-
bau und Weiterverarbeitung finden an ter, stehen die leckeren Bio-Mischungen,
einem Ort statt. die den Manioks die nötige Würze ver-
„Die Fabrik ist fertig, und nun sind auch leihen.
die Maschinen geliefert. Leider etwas
verzögert“, erklärt Martin Moritz, der sei- So kurz vorm Ziel sind alle besonders
nen letzten Urlaub mit dem Besuch bei gespannt darauf, wie die neuen Chips
den Bauern verbunden hat. Eine Her- bei den Kunden angenommen werden.
zensangelegenheit. Das spürt man mit Die Einführung ist für das Jahr 2017 ge-
jedem Wort des 56-Jährigen. plant.
5EL PUENTE GmbH
Zu Gast: Zahlreiche Besucher
informierten sich beim Tag der
offenen Tür.
EL PUENTE GmbH
Fertigstellung der neuen Lagerhalle
FERTIG – dieser Schriftzug könnte nun
nicht nur auf der Elbphilharmonie pran- stellt werden, ein neues Gewand geben.
gen, sondern auch auf unserer neuen All die Kundenwünsche sind in unsere
Lagerhalle. Wobei die Fertigstellung und Arbeit eingeflossen: Die EL PUENTE-
auch die Kosten im Gegensatz zum hüb- Produkte werden heller, freundlicher
schen Opernhaus im geplanten Rahmen und aufgeräumter aussehen. Auch an
blieben. Wenn man die Halle betritt, unserem Logo haben wir gearbeitet und
riecht es noch „neu“. Gemischt mit den diesem ein modernes Aussehen gege-
Waren, die hier derzeit lagern. Rohkaf- ben. Das Weltgebetstags-Sortiment im
fee, Kartonagen und Bulkware verschie- Januar 2017 zeigt sich als erstes im neu-
denster Lebensmittel. Außerdem gibt en Erscheinungsbild. Mit der Zeit wer-
es einen extra gefliesten Bereich für die den alle weiteren Lebensmittelprodukte
Qualitätskontrolle. Wer durch das Fens- auf das neue Design umgestellt.
ter in das Büro lugt, entdeckt ein Schlag-
zeug. Unser Wareneingangschef wollte Tag der offenen Tür
schon immer einmal lernen auf den Mehr als 500 interessierte Besucher
Drums zu spielen. Selbst dafür bietet die begrüßten wir am 4. September zum
neue, vierte Lagerhalle eine Möglichkeit. Tag der offenen Tür bei EL PUENTE in
Nordstemmen. Bei der Fair Trade-Rallye
Neues Design durch alle Abteilungen der Fairhandels-
Nicht erst seit diesem Jahr beschäftigt Organisation gab es viel Spannendes zu
uns die Neugestaltung unserer Lebens- entdecken.
mittelverpackungen. Über all die Jahre Im Rahmen von Führungen konnten die
ist unser Sortiment gewachsen, und ge- Besucher die EL PUENTE-Lagerhallen
nauso bunt und vielfältig wie unser Le- mit insgesamt 5.000 fair gehandelten
bensmittelsortiment sind auch die der- Produkten besichtigen. Darüber hinaus
zeitigen Verpackungen. Immer wieder stellten sich Mitarbeiter aus allen Ar-
haben wir inspirierende Rückmeldun- beitsbereichen des Unternehmens vor
gen zu der Gestaltung unserer Produkte und berichteten über ihre alltäglichen
bekommen. Nun ist es an der Zeit, diese Aufgaben. In der EL PUENTE-Kantine
umzusetzen. Wir möchten unseren Le- wurde fair gekocht und die Besucher
bensmitteln, die von Kleinbauern- und probierten sich begeistert durch Kicher-
Kleinproduzenten mit viel Liebe herge- erbsen, Quinoa und Co.
6EL PUENTE GmbH
Selbstversuch: Auf der Ruanda-
Reise probierten sich die Teil-
nehmer im Teepflücken.
EL PUENTE ist von Beginn an in der
Region Hildesheim verwurzelt. 2004
zog EL PUENTE wegen eines größeren
Platzbedarfs von Asel nach Nordstem- zu organisieren. Wir finden es wichtig,
men. Neben den Büroräumen befinden den direkten Austausch zwischen den
sich heute ein Veranstaltungsgebäude Produzenten und Mitarbeitenden aus
mit Kantine sowie vier Lagerhallen auf Fairhandelszentren und Weltläden zu
dem Gelände. Von hier aus werden die fördern. So bekommen Fairhandels-En-
fair gehandelten Produkte an Weltläden gagierte einen Einblick in den Produzen-
in ganz Deutschland und in die europäi- tenalltag und können anschließend aus
schen Nachbarländer versandt. erster Hand berichten.“
Lesen Sie den Reisebericht von der Teil-
Bildungsreise nach Ruanda nehmerin Gundis Jansen-Garz auf S.30.
„Mit traditionellen Tänzen und reich ge-
deckten Tischen – so herzlich wurden Produktneuheiten
wir in Ruanda willkommen geheißen“, Neben unserem gewohnt umfangrei-
erzählt Besnik Terholli, Vertriebsmit- chen Sortiment bieten wir in jedem
arbeiter bei EL PUENTE. Eine bunt ge- Jahr auch Neuheiten ein. In diesem
mischte Reisegruppe aus Fairhandels- Jahr wurde es tierisch. Mit der neuen Li-
Engagierten machte sich im April auf nie „Tierisch Fair“ haben wir eine neue
in das Land der Tausend Hügel. Initiiert Warengruppe eingeführt. Hundeleinen,
wurde diese Reise von EL PUENTE, um Katzenkörbe und Fressnäpfe bildeten
Mitarbeitenden aus Fairhandelszentren das Kernsortiment. Eine große Neuheit,
und Weltläden zu ermöglichen, die Le- denn fair gehandelten Tierbedarf gab es
benssituation der Produzenten vor Ort zuvor noch nicht. Die Kundenrückmel-
kennenzulernen. dungen waren überwiegend positiv und
In Ruanda besuchte die Gruppe EL PU- wir hoffen, den Produzenten auf diesen
ENTE-Handelspartner – die Teekoope- Weg einen weiteren Absatzweg ihrer
rative Assopthe, die Teefabrik Sorwathe Produkte ermöglichen zu können.
sowie die Kaffeekooperative Kopakama. Auch im Lebensmittelbereich gibt es
Stefan Bockemühl, Geschäftsführer der allerlei Neuigkeiten. Eine Kokosreihe,
EL PUENTE GmbH erzählt: „Schon vor mit Öl und Milch aus Sri Lanka ergänzt
mehreren Jahren haben wir begonnen, unser Sortiment „Kochen und Backen“.
Reisen zu unseren Handelspartnern Zudem haben wir koawach in unser Sor-
timent aufgenommen. Der schokoladi-
ge Wachmacher mit Guarana ist durch
7EL PUENTE GmbH
Zu Gast: Die Geschäftsführer
von Turqle Trading aus Südafri-
ka zu Besuch bei EL PUENTE in
Nordstemmen.
das TV-Format „Die Höhle der Löwen“
bekannt geworden. Doch bereits seit
Beginn der Start-Ups belieferten wir die teure, die Importeure und die Kunden.
jungen Gründer mit unseren fair gehan- Alle achten auf Fairness und das Wohl-
delten Rohstoffen. Seit diesem Jahr gibt ergehen aller entlang der Lieferkette“,
es koawach nun auch in Weltläden. erklärt Rain.
Handelspartner in Nordstemmen Bildungsarbeit
Nicht nur wir statten unseren Handels- Im Fairen Handel nimmt die Bildungs-
partner gerne einen Besuch vor Ort ab. arbeit eine zentrale Rolle ein. Daher
Häufig im Jahr empfangen wir auch veranstalteten wir bei EL PUENTE in
Gäste, die in Europa unterwegs sind und diesem Jahr mehrere Workshops und
EL PUENTE vor Ort besuchen möchten. Seminare für Weltladenmitarbeiter. Ne-
In diesem Jahr haben wir uns zum Bei- ben den Veranstaltungen zu den The-
spiel über ein Treffen mit Rain Morgan men Neue Mitarbeitende gewinnen,
und Pieter Swart von unserem Partner Zukunft der Weltläden und Gewürze,
Turqle Trading aus Südafrika gefreut. waren wir auch als Referenten auf Mes-
Von ihnen bekommen wir die wunder- sen und Treffen regionaler Weltläden
baren Gewürzmühlen, Saucen und Senf. unterwegs. Zwei Workshops waren be-
Turqle Trading verfolgt ein besonderes sonderer Art: Sie fanden in Kooperation
Konzept im Bereich der fair gehandelten mit Handelspartnern statt. In Frankfurt
Lebensmittel. Der Fokus liegt hier auf auf der Ideenmesse veranstalteten wir
der sogenannten Wertschöpfung, also mit Manuel Chavarría von der nicaragu-
der Weiterverarbeitung und Abfüllung anischen Kaffee-Kooperative Soppexcca
von Lebensmittel. Wobei ein großer gemeinsam einen Workshop. Auf den
Teil der Zutaten auch aus fairem Han- Weltladen-Fachtagen in Bad Hersfeld
del stammt. „Das Besondere am Fairen
Handel, das ihn auch so fähig für die
Zukunft macht, ist, dass alle aufeinander
Acht geben. Die Produzenten, die Expor-
8EL PUENTE GmbH
Ausgetüfelt: Beim Azubi-Tag
konnten unsere jungen Mitar-
beiter kreativ werden.
veranstalteten Rain Morgan und Pieter
Swart von Turqle Trading aus Südafrika
einen Workshop in enger Zusammen-
arbeit mit EL PUENTE. Wir freuen uns, von den Ergebnissen begeistert: „Die Ar-
dass wir die beiden Geschäftsführer von beit mit den Auszubildenden ist für mich
Turqle Trading im Mai 2017 wieder in sehr inspirierend. Globales Lernen heißt
Deutschland für eine kleine Vortrags- ja für alle Beteiligten – auch für mich als
rundreise begrüßen dürfen. Weitere Workshopmoderator – neue Perspek-
Informationen werden wir auf www.el- tiven einzunehmen und die eigene Le-
puente.de veröffentlichen. benswelt mit dem globalen Geschehen
zu verknüpfen.“ Am Nachmittag gab es
Auszubildende viel Spaß bei einer Schnitzeljagd.
EL PUENTE gehört zu den wichtigsten
Ausbildungsbetrieben in der Region Hil-
desheim. Auch in diesem Jahr haben wir
neue Auszubildende in den Bereichen
„Fachkraft für Lagerlogistik“ und „Kauf-
mann/Kauffrau für Groß- und Außen-
handel“ bei uns begrüßen dürfen. Um
es auch den Neuankömmlingen so ange-
nehm wie möglich zu machen und die
Idee des Fairen Handels zu vermitteln,
gab es auch in diesem Jahr einen Azubi-
tag. Den verbrachten alle in Hildesheim.
Am Vormittag drehten die Teilnehmer
gemeinsam einen kleinen Film zu ent-
wicklungspolitischen Themen. Auch der
Bildungsreferent Johannes Peschke war
9Jahresabschluss
Jahresabschluss bei EL PUENTE
„Wir freuen uns sehr, dass all die Arbeit,
die unsere Handelspartner und wir in
die Produkte stecken, von unseren Kun- Das Sortiment
den gewürdigt wird“, erzählt EL PUEN- Unser Vorgehen hat sich bewährt.
TE Geschäftsführer Stefan Bockemühl. Als Vollsortimenter bieten wir unse-
Auch in dem abgelaufenen Geschäfts- ren Kunden eine breite Palette an fair
jahr 2015/2016 konnte EL PUENTE gehandelten Waren, insgesamt 5.000
wieder steigende Umsätze verzeichnen. verschiedene Produkte. Von Schmuck
Insgesamt kauften die Kunden fair ge- über Taschen und Spielzeug, bis hin
handelte Produkte im Wert von 10,5 Mil- zu Kaffee, Reis und Gewürzen. All die
lionen Euro. Damit wuchs der Umsatz verschiedenen Produktgruppen sind in
im Vergleich zum Vorjahr um 2%. ihrem Zuwachs grundsätzlich ausgewo-
gen geblieben. So machen die Gruppen
Kaffee, Kunsthandwerk und Lebensmit-
tel jeweils ein Drittel des Umsatzes aus.
„Die Kunden erwarten neben unserem
klassischen Sortiment auch stets neue
Produkte. So haben wir in diesem Jahr
10Jahresabschluss 11
Jahresabschluss
zum Beispiel mit der „Tierisch Fair“- Vermögen
Linie den ersten fair gehandelten Tier- Das derzeitige Vermögen von EL PU-
bedarf auf den Markt gebracht“, so Man- ENTE beläuft sich auf 9.032.000 €. EL
fred Rödel, Vertriebsmitarbeiter von EL PUENTE konnte in vielen Jahren Rück-
PUENTE. lagen schaffen, um ein unabhängiges
Wirtschaften von Banken zu ermögli-
Vertriebsbereiche chen.
Rund 6.000 Pakete verlassen monatlich
das EL PUENTE-Lager, um zu den Kun- Danksagung
den zu gelangen. Der größte Vertriebs- „Vor 44 Jahren sind wir angetreten,
bereich für EL PUENTE sind nach wie um den Kleinproduzenten in den so-
vor die Weltläden und Aktionsgruppen genannten Entwicklungsländern einen
in ganz Deutschland und den europä- Marktzugang zu ermöglichen“, so Stefan
ischen Nachbarländern. Sie beziehen Bockemühl. „Auch nach schweren Zei-
rund 77% der jährlich verkauften Pro- ten, die EL PUENTE hinter sich bringen
dukte. Dabei nutzen die Kunden ver- musste, sind wir heute umso stolzer da-
mehrt unseren Online-Shop. Rund drei rauf, zu den wichtigsten Lieferanten der
Viertel der Bestellungen erreichen uns Weltläden zu gehörten. Wir möchten all
über das Portal. Die anderen Umsatz- unseren Kunden für ihr Vertrauen dan-
anteile werden von Kundengruppen wie ken und hoffen auf viele weitere gemein-
End- und Großverbrauchern getragen. same und erfolgreiche Jahre für den Fai-
ren Handel.“
12Entwicklungsfonds
Spendenhilfe: Das verheerende
Erdbeben in Nepal beeinflusst bis
heute das Leben der Menschen.
Entwicklungsfonds 2016
Langfristige Zusammenarbeit, Mehr-
preiszahlungen und zinsfreie Vorfinan-
zierung sind die Grundpfeiler, auf denen
die Partnerschaft zwischen EL PUENTE besuchen, um sich einen Überblick über
und über 140 Handelspartnern weltweit die aktuellen Designs zu verschaffen.
aufgebaut ist. Viel kann auf diesem Weg Danach geht es nach Nordstemmen, wo
erreicht werden und dennoch gibt es bei es einen mehrtägigen Workshop unter
unseren Partnern Projekte, die nicht mit der Leitung eines erfahrenen Designers
den Einnahmen aus dem Fairen Han- gibt, der schon mit vielen Produzenten-
del allein finanziert werden können. gruppen des Fairen Handels gearbeitet
Um solche besonderen Maßnahmen hat. Außerdem steht der Besuch von
zu unterstützen, wurde der EL PUEN- Weltläden in der Region an.
TE Entwicklungsfonds gegründet. Im Im Bereich Kunsthandwerk ist es enorm
Folgenden finden Sie eine Auswahl der wichtig, die aktuellen Trends und den
geförderten Projekte. Geschmack der Kunden zu kennen. Nur
so lassen sich die handgearbeiteten, fair
Projektnummer 3.11 gehandelten Produkte auch verkaufen.
Designworkshop in Deutschland Unser Ziel ist es damit, die lokalen Desi-
Punkt sieben der zehn Standards des gner in den Produzentenorganisationen
Fairen Handels heißt „Förderung der Fä- zu stärken und nicht etwa die Designs
higkeiten und Weiterbildung“. Der Faire vorzugeben, die lediglich vor Ort umge-
Handel fördert vor allem Kleinproduzen- setzt werden.
ten und hilft ihnen, ihre Kompetenzen Für den Aufenthalt der Gäste über-
zu stärken. Ein Aspekt, den wir bei EL nimmt EL PUENTE alle Kosten.
PUENTE für sehr wichtig halten. Und Zuschuss 20.000 €
so kam die Idee, für die Designer einiger Mai 2016
unserer Partner eigens einen Workshop
zu organisieren. Projektnummer 1.22
Im Februar 2017 laden wir die Handels- Erdbebenhilfe für Pakta Mintalay
partner aus verschiedenen Ländern zu Im April 2016 wurde Ecuador von ei-
uns nach Nordstemmen ein. Die Woche nem schweren Erdbeben getroffen. Das
wird ganz im Zeichen von Mode, Stil Zentrum des Erdbebens lag etwa 27 km
und Design stehen. Zunächst werden südöstlich von der Insel Muisne an der
die Gäste die Lifestyle- und Wohnacces-
soire-Messe „Ambiente“ in Frankfurt
13Entwicklungsfonds
Aufgestockt: Neue Maschinen
erleichtern die Arbeit von SPFTC.
ecuadorianischen Küste. Obwohl dieser
Teil des Landes dünn besiedelt ist, ka-
men mehr als 660 Menschen ums Le- eine Maschine gekauft, welche die Pro-
ben. Viele wurden schwer verletzt. Zum duktion von Calamansi-Saft vereinfacht.
Glück waren unsere ecuadorianischen Calamansi ist eine Zitrusfrucht, die im
Handelspartner nicht direkt betroffen. asiatischen Raum häufig angebaut wird.
Jedoch sind einige Familienangehörige Der Saft dient auch als natürliches An-
von Produzenten unseres Partners Pakta tioxidationsmittel und gibt den von
Mintalay von den Zerstörungen betrof- SPFTC hergestellten Trockenfrüchten
fen. Wir haben unserem Partner 1.000 eine angenehme Säure. Bisher konnte
US-Dollar zur Verfügung gestellt, um während der Produktion des Calamansi-
eine erste Soforthilfe zu leisten zu kön- Saftes keine Mango verarbeitet werden.
nen. Mit der neuen Maschine wird die wei-
Spende: 1.000 USD tere Arbeit nun nicht mehr beeinflusst.
Mai 2016 Außerdem hat SPFTC eine Maschine
zum Mahlen von Kokosblütenzucker ge-
kauft. Auf diese Weise kann der Zucker
Projektnummer 2.23 mit der feinen Karamellnote nun auch
Neue Maschinen für SPFTC für die Herstellung von Trockenmangos
Southern Partners and Fair Trade Cen- verwendet werden.
ter ist ein neuer Handelspartner von EL Zuschuss: 15.000 USD
PUENTE, mit dem wir die Zusammen- April 2016
arbeit im Rahmen des Weltgebetstages
Philippinen 2017 begonnen haben. Die
Kleinbauern, die all ihre Produkte wei- Projektnummer 1.18
terverarbeiten, bieten bereits eine große Erdbeben Nepal
Produktpalette an. Um diese noch stär- Das schwere Erdbeben in Nepal im Jahr
ker zu erweitern, hat der EL PUENTE 2015 und die anschließende Handelsblo-
Entwicklungsfonds einen Zuschuss für ckade von Indien haben den asiatischen
die Anschaffung neuer Maschinen be- Staat schwer getroffen. Mehr als 30.000
reitgestellt. Unter anderem wurde davon Euro, davon die Hälfte als Spende von
Weltläden, ist als Soforthilfe nach Ne-
pal gegangen. Trotz der großen Spen-
14Entwicklungsfonds
Vergrößert: Eine neue Lagerhalle
wird in Ecuador für die Zucker-
produktion dringend benötigt.
denbereitschaft konnten nach wie vor
nicht alle Gebäude wieder vollständig USD für verschiedene Renovierungs-
aufgebaut werden. Als Folgeprojekt der maßnahmen zur Verfügung. Unter an-
bereits gespendeten Ersthilfe zahlrei- derem werden der Versammlungsraum
cher Weltläden, stellt der EL PUENTE sowie das Labor renoviert. Ein weiteres
Entwicklungsfonds nun weitere 2.000 Lagergebäude von 150 qm soll angekauft
USD zur Verfügung, um vor allem die werden, da in dem bisherigen Lager der
Wasserversorgung und Sanitätsbedin- Platz nicht mehr ausreichend ist.
gungen zu verbessern. Gerne möchten Zinsfreies Darlehen: 20.000 USD
wir auch an alle engagierten Weltläden August 2016
die Nachricht unseres nepalesischen
Partners weiterleiten: „Die vielen Spen-
den, die wir bereits bekommen haben,
sind eine enorme finanzielle, aber auch
moralische Unterstützung für uns, die
uns ermutigt, mit der schweren Aufbau-
arbeit fortzufahren“, berichtet Chandra
Prasad Kachhipati, Präsident der Fair-
handels-Organisation Sana Hastakala.
Spende: 2.000 USD
April 2016
Projektnummer 1.2
Renovierungsarbeiten von Pakta
Mintalay
Unser Partner Pakta Mintalay in Ecua-
dor produziert hochwertigen Rohrzu-
cker. Um alle Arbeiten richtig ausführen
zu können, stellt der EL PUENTE Ent-
wicklungsfonds einen Betrag von 10.000
15Faire Woche
Wirkt: Bei der Eröffnungsver-
anstaltung in Berlin zur Fairen
Woche war auch Mona dabei.
Faire Woche 2016
Mona Bouazza aus dem Libanon
Die Faire Woche 2016 stand ganz unter
dem Motto „Fairer Handel wirkt!“. Und
um die konkreten Wirkungen des Fai- Die Bevölkerung hat in all diesem Durch-
ren Handels im Libanon ging es auch einander und nach mehreren schweren
in Mona Bouazzas Vorträgen. Die Mar- Kriegen gelernt, dass sie für sich selbst
ketingleiterin von Fair Trade Lebanon sorgen und ihr Land nach ihren Wün-
war eigentlich Grundschullehrerin. Der schen aufbauen muss. Und genau dies
Zufall wollte es, dass gerade eine Stelle tut Fair Trade Lebanon. Die Fairhandels-
bei der Fairhandels-Organisation ausge- Organisation hat sich zum Ziel gesetzt,
schrieben war, als sie nach einer beruf- in ländlichen Gegenden Einkommens-
lichen Veränderung suchte. Es macht möglichkeiten zu schaffen, um die Ar-
ihr Spaß, die Arbeit der Fairhandels-Or- mut zu verringern und die Landflucht
ganisation vorzustellen und sie erklärt zu bekämpfen.
verständlich die komplizierte politische
Situation in ihrem Land. Fokus Wertschöpfung
Dabei setzt Fair Trade Lebanon voll und
Situation im Libanon ganz auf die Wertschöpfung. Sie ma-
Eine Portion schwarzer Humor gehört chen traditionelle libanesische Produkte
wohl dazu, wenn Mona Bouazza über und Rezepte ausfindig und unterstützen
die vielen Schwierigkeiten im Libanon heute 22 Kooperativen in der Weiterver-
berichtet. In dem Land mit etwa vier arbeitung und Qualitätsverbesserung,
Millionen Einwohnern leben mittler- bis die Produkte exportfähig sind. Mona
weile über zwei Millionen geflüchtete Bouazza erklärt: „Wir möchten nicht
Menschen aus Syrien, dem Irak und Pa- nur Rohstoffe verkaufen, wie zum Bei-
lästina. Seit zwei Jahren gibt es keinen spiel Kichererbsen, sondern diese auch
Präsidenten und keine funktionierende noch weiterverarbeiten, zum Beispiel
Regierung. Das Land ist außerdem zum zu Hummus. So bleibt ein viel größerer
Spielbrett für die Machtkämpfe zwi- Anteil des Verkaufspreises im Libanon,
schen anderen Staaten geworden, die es werden neue Arbeitsplätze in der Wei-
dort versuchen, ihre unterschiedlichen
Interessen durchzusetzen.
16Faire Woche
Im Gespräch: Der Gast aus dem
Libanon steht Rede und Antwort.
terverarbeitung geschaffen und auch die Die Fairhandels-Organisation Fair Trade
lokale Wirtschaft profitiert davon. Die Lebanon vertreibt nach traditionellen
Gläser für die Produkte werden in un- Rezepten hergestellte Lebensmittel, wie
serem Land hergestellt, wir beauftragen Hummus, Fleur de Sel und Olivenöl.
Designer mit der Erstellung von Etiket- Die Marketingleiterin Mona Bouazza
ten und geben die Druckaufträge an lo- erklärt im Interview mit dem deutschen
kale Firmen.“ Fairhandels-Importeur EL PUENTE die
Relevanz des Fairen Handels im Liba-
Hunderte Zuhörer non.
Die Rundreise im September führte
Mona Bouazza von Berlin über Bremen
und Wuppertal bis in den Süden nach
Freiburg. Die Weltladen-Teams in den
fünfzehn Städten organisierten tolle
Veranstaltungen mit vielerlei Köstlich-
keiten aus libanesischen Zutaten und ab-
wechslungsreichem Rahmenprogramm.
Insgesamt hörten über 700 interessierte
Gäste Mona Bouazzas Vorträgen zu. Sie
berichtete uns: „Alle Weltladen-Teams
waren sehr motiviert und interessiert an
meinen Vorträgen. Am spannendsten
fand ich immer die Diskussionsrunden.
Und auch die Kreativität, wie unsere li-
banesischen Produkte in die deutsche
Küche integriert wurden, hat mich stau-
nen lassen. Vielen Dank für all die wun-
derbaren Erfahrungen!“
17Faire Woche
Im Fokus: Für Fair Trade Leba-
non ist die Wertschöpfung der
Produkte ein zentrales Element.
Wertschöpfung im Fairen Handel
Ein Interview mit Mona Bouazza von Fair Trade Lebanon
EL PUENTE: Mona, Du arbeitest seit fast
fünf Jahren im Marketing und in der Bil- EL PUENTE: Seit wann gibt es FTL?
dungsarbeit bei der Fairhandels-Orga-
nisation Fair Trade Lebanon (FTL). Ihr Mona Bouazza: FTL wurde nach dem
setzt voll und ganz auf die Wertschöp- Krieg mit Israel im Jahr 2006 gegründet.
fung im Fairen Handel. Warum ist das Die fünf Gründungsmitglieder besuchten
so wichtig? den zerstörten Süden des Landes und fass-
ten daraufhin den Entschluss, mit einer
Mona Bouazza: Die Weiterverarbeitung Nichtregierungsorganisation die Lebensbe-
und Verpackung von Lebensmitteln im Fai- dingungen der benachteiligten Menschen
ren Handel schafft ganz andere Möglichkei- in den ländlichen Gebieten des Libanons zu
ten in den Produzentenländern als nur der verbessern. Seit vielen Jahren gibt es gerade
Export von Rohstoffen, die dann zum Bei- im landwirtschaftlichen Sektor wenige Ein-
spiel in Europa weiterverarbeitet werden. kommensmöglichkeiten, sodass viele junge
Im Libanon gehört das Land traditionell Menschen in die Städte ziehen. FTL möch-
den Männern. Frauen haben im landwirt- te der starken Landflucht entgegenwirken
schaftlichen Sektor fast keine Einkommens- und den Farmern und Weiterverarbeitern
möglichkeit. Das ändert Fair Trade Leba- helfen, neue Märkte für ihre Produkte zu
non. Besonders in der Weiterverarbeitung finden.
können Frauen eine bezahlte Beschäftigung
finden. Sie kennen die traditionellen Re- EL PUENTE: Wie baut ihr Kooperatio-
zepte und sie können mit ein wenig Un- nen zwischen den Produzentengruppen
terstützung im Hinblick auf Hygiene- und und FTL auf?
Exportstandards köstliche Produkte für den
Verkauf herstellen. Mona Bouazza: Wir sind ständig auf der
Auch die lokale Wirtschaft profitiert von Suche nach neuen, traditionell libanesi-
der Wertschöpfung im Libanon: Die Glä- schen Produkten. Wir suchen gezielt nach
ser, Tüten und Kartons für die Lebensmittel Kooperativen, die nach den Fairhandelskri-
werden vor Ort gefertigt und lokale Desig- terien und nach internationalen Hygiene-
ner und Druckereien stellen die Etiketten und Qualitätsstandards arbeiten möchten.
her. Diese Kooperativen statten wir dann mit
dem benötigten Equipment aus und bieten
18Faire Woche
ihnen Workshops an. Dabei lernen sie zum
Beispiel, wie sie ihre Arbeitsschritte verein-
fachen können, um effizienter zu werden.
Und natürlich lernen sie alles rund um
den Fairen Handel. Außerdem leisten wir
Unterstützung bei der Bio- und FLO-Zer-
tifizierung. Mona Bouazza: Viele Menschen profitie-
Inzwischen arbeiten wir mit 22 Koopera- ren vom Fairen Handel: Die Farmer haben
tiven zusammen und verkaufen 67 ver- sichere Abnehmer für ihre Produkte und
schiedene Produkte, wie z. B. Kichererbsen, erhalten einen gerechten Preis. Die Frauen
Hummus, Bulgur, Olivenöl und Wein. in ländlichen Gebieten haben durch ihre
Arbeit in der Weiterverarbeitung und dem
EL PUENTE: Gibt es Schwierigkeiten bei Verpacken ein regelmäßiges Einkommen.
Eurer Arbeit? Die lokale Wirtschaft profitiert ebenfalls
vom Fairen Handel, da viele Arbeitsschritte
Mona Bouazza: Bei FTL sprechen wir im Libanon verbleiben. Und nicht zuletzt
nicht so gerne von Schwierigkeiten, wir sa- bleibt unser kulturelles Wissen erhalten,
gen lieber Herausforderungen. Davon gibt indem traditionelle Rezepte weitergegeben
es allerdings einige. Es ist immer noch eine werden.
Herausforderung für uns, gute Märkte für Wir sprechen hierbei von etwa 850 direkten
unsere Produkte zu finden, vor allem auf Profiteuren. Das sind die Menschen, die
internationaler Ebene. Im Libanon selbst ist in den Kooperativen die Produkte für uns
der Faire Handel noch nicht sehr bekannt. herstellen. 52 % davon sind Frauen. Darü-
Hier stehen wir vor der großen Aufgabe, die- ber hinaus profitieren 4.200 Menschen im
ses wichtige Thema in das Bewusstsein der Libanon indirekt von unserer Arbeit. Dazu
Menschen zu bringen und so sowohl Pro- gehören zum Beispiel die Kleinbauern und
duzenten als auch Konsumenten für den die Hersteller von Verpackungsmaterial.
Fairen Handels zu gewinnen. Außerdem
benötigen wir für unsere Arbeit finanzielle EL PUENTE: Wo verkauft FTL die Pro-
Unterstützung. Die Kosten für Zertifizie- dukte?
rungen, Equipment und Weiterbildungen
für die Kooperativen werden normalerweise Mona Bouazza: Unsere Produkte exportie-
von Sponsoren übernommen. Dazu gehö- ren wir nach Europa, Australien, Latein-
ren momentan zum Beispiel die Vereinten amerika und in die Golfregion. In Deutsch-
Nationen und die Europäische Union. Für land werden die Produkte von EL PUENTE
jedes neue Projekt suchen wir also nach über die Weltläden vertrieben. Aber auch
Geldgebern, was ebenfalls eine enorme Her- lokal verkaufen wir an Supermärkte und
ausforderung darstellt. Restaurants im Libanon und wir betreiben
sogar einen eigenen Laden.
EL PUENTE: Welche Wirkungen entfal-
tet der Faire Handel im Libanon? EL PUENTE: Mona, vielen Dank für Dei-
ne Zeit und das informative Gespräch.
19PPA
EL PUENTE Projektpartnerausschuss
Der Projektpartnerausschuss (kurz: Quinoa-Produzenten von Anapqui und
PPA) begleitet die Arbeit der EL PUEN- die Kakaobauern von El Ceibo besucht
TE GmbH als ein unabhängiges Gre- wurden.
mium. Der Ausschuss setzt sich aus Rita Otte, die als langjähriges Mitglied
Mitgliedern des EL PUENTE e. V. und im Ausschuss mitarbeitet, hatte in die-
aus Abgesandten von Weltläden aus al- sem Jahr die Möglichkeit, mit EL PUEN-
len Teilen Deutschlands zusammen. TE Kaffee- und Tee-Handelspartner in
Im PPA steht vor allem die Zusammen- Ruanda zu besuchen. „Ich kann mich
arbeit mit den neuen und bestehenden erinnern, wie wir vor einigen Jahren im
Handelspartnern EL PUENTEs im Mit- PPA zusammen saßen und die Arbeit
telpunkt. Neue Partner müssen durch der Kooperativen auf der Basis von Fra-
den PPA genehmigt werden, wenn ihre gebögen und Reiseberichten besprochen
Produkte in das Sortiment der Fairhan- haben. Natürlich können Unterlagen
dels-Organisation aufgenommen wer- immer nur einen Teil der komplexen Re-
den. Oft wird in angeregten Diskussio- alitäten der Handelspartner abbilden. Es
nen über die Zusammenarbeit beraten war daher sehr bereichernd, die Arbeit
und es sind viele Detailfragen zu klären der Kooperativen auch einmal vor Ort zu
bis eine Zustimmung erfolgt. sehen.“
„Für die Überprüfung der Partnerschaf- Neben der intensiven Beurteilung der
ten von EL PUENTE gelten feste Fair- Zusammenarbeit mit einzelnen Han-
handels-Kriterien, die sich seit Jahrzehn- delspartnern spielte 2016 auch die Aus-
ten bewährt haben. Wir arbeiten mit einandersetzung mit verschiedenen
einer langen Liste von Punkten, die wir Monitoring-Systemen des Fairen Han-
entsprechend der vorliegenden Unterla- dels eine wichtige Rolle. Im Mai lud der
gen und Berichte abklopfen“, erläutert PPA Olaf Paulsen ein, der als erfahrener
Georg Poddig, der Vorsitzende des Aus- Experte zum Thema „Zertifizierungssys-
schusses. Neben Fragebögen, die von teme des Fairen Handels im Vergleich“
den Handelspartnern ausgefüllt werden, referierte. Auf Basis der ausführlichen
spielen auch die ergänzenden Berichte Informationen traf das Gremium im
der EL PUENTE-Mitarbeiter eine wich- Mai 2016 den Beschluss, alle von der
tige Rolle bei der Beurteilung der Part- WFTO anerkannten Monitoring-Syste-
ner. In diesem Jahr gab es zum Beispiel me grundsätzlich als äquivalent zum
ausführliche Infos aus Bolivien, wo die eigenen Monitoring von EL PUENTE
anzuerkennen.
20PPA
2016 wurden im PPA folgende Partner
besprochen:
Mama Afrika
Kooperationspartner in Deutschland
Kunsthandwerk
(bestätigt, Aufhebung der befristeten
Bewilligung)
Kleinbauern-Reisprojekt, Guyana
Reis
(kein Beschluss,
Klärung offener Fragen beauftragt)
Fairbalance, Liberia
Moringa
(kein Beschluss,
Klärung offener Fragen beauftragt)
ONCA, Brasilien
Guarana
(bestätigt)
Sie möchten auch regelmäßig im PPA
mitarbeiten? Guyana: Der Reisanbau prägt die Landschaft in dem südamerikanischen Land.
Der Ausschuss ist jederzeit offen für Die für den Fairen Handel typischen Organisationsstrukturen, wie Kooperativen,
neue Mitglieder aus Weltläden. gibt es hier nicht. EL PUENTE möchte dennoch eine zukunftsfähige Partner-
schaft aufbauen und die Kleinbauern in Guyana unterstützen. Für den PPA be-
Kontakt: Georg Poddig deutet dies, dass eine besonders intensive Auseinandersetzung mit dem Projekt
ppa@el-puente.de und den lokalen Strukturen nötig ist.
21EL PUENTE Weltladen
Vor Ort: Der EL PUENTE Welt-
laden verkauft nicht nur Pro-
dukte, sondern organisiert auch
zahlreiche Veranstaltungen.
Weltladen Hildesheim
Geschäftiges Treiben herrscht im Welt- zahlreiche Besuchergruppen.“ Das sind
laden Hildesheim. Dekorateurin Ulrike unterschiedlichste Gäste. Grundschüler,
Bytof ist gerade dabei, das Schaufenster Abiturienten, Teams aus anderen Welt-
in ein Winterwunderland zu verwan- läden. „Gestern erst war eine Gruppe der
deln. Hinten in der Teeküche etikettie- Schule für Sozialwesen aus Hildesheim
ren zwei Mitarbeiterinnen kleine Holz- hier. Die Lehrer besuchen uns regelmä-
kreisel. Ständig klingelt die Türglocke ßig und bringen eine Gruppe von rund
und kündigt einen neuen Kunden an. 25 Schülern mit“, erklärt die gebürtige
Chilenin. Außerdem ist der Weltladen
Trubel im Weltladen lokal gut vernetzt. Zum Beispiel mit all
Abgetrennt hinter einer kleinen Wand den Geschäftsleuten in der Straße. Ge-
befindet sich das Büro des Weltladens. meinsam planen sie Aktionen und tref-
Ein kleiner Schreitisch mit einer Menge fen sich regelmäßig. Selbstverständlich
Unterlagen und ein Computer stehen nimmt der Weltladen auch jedes Jahr an
hier. Maria Fonteles-Thiele arbeitet trotz großen Veranstaltungen wie der „Light
des Trubels konzentriert und erledigt Night“ in Hildesheim oder der bundes-
all die Papierarbeit, die hier regelmäßig weiten Fairen Woche teil. „All die vielen
anfällt. „Meins ist das nicht“, sagt die Aktionen, die wir neben dem normalen
Geschäftsführerin Rosita Jung-Concha. Verkauf in einem Jahr machen, benöti-
„Ich mag es, mit Leuten zu sprechen, gen viel Personal, das auch bereit sein
das Netzwerken, wie man sagt. Aber das muss, einmal am Wochenende zu arbei-
ist genau das Schöne hier in unserem ten“, erklärt Rosita Jung-Concha. Aber
Team. Wir ergänzen uns wunderbar. dieses Team hat Rosita hinter sich. Über
Jeder hat seine Begabungen. Entspre- 20 Mitarbeiter zählt der Weltladen, der
chend verteilen wir die Aufgaben unter größte Teil davon arbeitet ehrenamtlich.
uns.“ Nur vier sind als Minijobber beschäftigt.
Der Einsatz für den Weltladen und den
Einsatz für den Fairen Handel Fairen Handel ist für die Mitarbeiter eine
Rosita Jung-Concha ist eine quirlige, Herzenssache. Das spürt man. Gleich-
gut gelaunte Frau. Sie und ihr Team zeitig ist es eine Herausforderung, einen
nehmen die Bildungsarbeit in ihrem ganzen Laden mit all seinen Aufgaben
Weltladen sehr ernst. Ein wichtiger und Aktionen nahezu vollständig mit
Bestandteil, um die Idee des Fairen ehrenamtlichen Kräften zu führen. „Es
Handels weiter zu verbreiten. „Wir ist manchmal ein Drahtseilakt. Ehren-
empfangen hier über das Jahr gesehen amtliche Mitarbeiter haben Rechte, aber
22Mitgliederversammlung des EL PUENTE Vereins am 8. April 2016
EL PUENTE Weltladen
Mitgliederzahl:
Der Verein hat wieder mehr als 10 Mit- Wareneinsatz Sachspende 14.920,12 €
glieder durch erfolgreiche Werbung Bestandsverminderung - 3.826,86 €
vor allem über den Weltladen hinzu- Lohnkosten 21.706,23 €
gewonnen. Somit gehören zum Jah- Miete und Nebenkosten 21.487,56 €
resende 2015 dem Verein EL PUENTE Werbungskosten 1.476,05 €
139 Mitglieder an. Verwaltungskosten 1.298,66 €
Gesamtkosten Weltladen124.054,93 €
Neuwahl des Vorstandes:
Der Vorstand wurde einstimmig wie- Jahresergebnis Weltladen -720,94 €
dergewählt.
Rike Mayer wurde als Vereinsvertre- Gesamtjahresergebnis e.V.15.865,17 €
terin in den Projektpartnerausschuss
gewählt.
Bilanz:
Gewinn- und Verlustrechnung:
Mitgliedsbeiträge 3.287,00 € Aktiva
Zweckfreie Spenden 507,28 € Anteile
Spende für Weltladen 419,71 € EL PUENTE GmbH 120.000,00 €
Spende Waren Weltladen 14.920,12 € EL PUENTE WeltCafé 5.000,00 €
Zinserträge 28,45 € Warenbestand Weltladen 38.325,03 €
Ertrag ideeller Bereich 19.162,56 € Kasse + Konto Weltladen 19.515,15 €
Guthaben Kreditinstitute 73.388,41 €
Honorar 200,00 € Gesamtbilanz: 256.228,61 €
Verwaltungskosten 48,53 €
Reisekosten 739,22 € Passiva
Öffentlichkeitsarbeit 260,00 € Vereinskapital 196.432,17 €
Bewirtung/Geschenke 239,50 € Entwicklungsfond 47.093,15 € Aus Chile: Rosita Jung-Concha
Kontoführung 89,20 € Verbindlichkeiten 12.703,29 € leitet den Weltladen.
Spendenzahlungen 1.000,00 € Gesamtbilanz: 256.228,61 €
Aufwand ideeller Bereich 2.576,45 €
Entwicklungsfonds
Ergebnis ideeller Bereich 16.586,11 € Vortrag 1.1.2015 44.194,90 €
Zugang 2015 60.355,20 €
Ertrag Weltladen Verwendung 2015 - 57.456,95 €
Nettoumsätze 123.333,99 € Übertrag 31.12.2015 47.093,15 €
Wareneinkauf 66.993,17 €
auch Pflichten. Ohne Verbindlichkeiten ältesten in Deutschland? Mit seinen 125
können wir nicht zusammen arbeiten. Quadratmetern ist die Ladenfläche recht
Aber wir haben Glück. Es gab nur selten groß, doch längst ist hier nicht Platz für
Fälle von Mitarbeitern, die dies anders alles. Maria Fonteles-Thiele hat einen
gesehen haben.“ Um das Team zusam- Traum: „Ich hoffe, dass wir irgendwann
menzuhalten gibt es einmal im Monat noch mehr Räumlichkeiten in diesem
ein Ladentreffen, in denen über alles Gebäude anmieten können. Dann ha-
Wichtige informiert wird. ben wir Platz für ein richtiges Büro und
sogar zwei Computer. Dann könnten
Zukunftsmusik wir viel flexibler arbeiten.“ Wann dieser
Für die Zukunft hat der Weltladen ei- Traum Wirklichkeit wird, ist ungewiss.
niges vor. Neben den weiteren Veran- Doch das Ladenteam stellt sich flexibel
staltungen, gibt es Ideen für die Gestal- auf die Gegebenheiten ein und arbeitet
tung des 45-jährigen Jubiläums, das im hart, um ihren Laden immer weiter vor-
nächsten Jahr gefeiert wird. Damit ge- anzubringen.
hört der Weltladen EL PUENTE zu den
23Michaelis WeltCafé
Gut besucht: Zahlreiche Gäste
genießen fair gehandelten Kaffee
und Kuchenspezialitäten im
Weltcafé in Hildesheim.
Aktuelle GuV 31.12.2015
Erfolgreiche Aktivitäten
Umsatzerlöse 62.406,21 € im Michaelis WeltCafé 2016
Bestandserhöhung 342,47 €
Sonst. betriebl. Nachdem das Michaelis WeltCafé im angebotene Reihe „Aus der Ferne ge-
Erträge 6.131,86 € Jubiläumsjahr 2015 (1200 Jahre Bistum kommen – in Hildesheim ein Zuhause
68.880,54 € und Stadt Hildesheim) durch erhöhte gefunden“ war mit ca. 1000 Besuchern
Besucherzahlen von auswärtigen Tou- an den 12 Begegnungsabenden so er-
Materialaufwand 25.389,11 € risten auch finanziell den Durchbruch folgreich, dass sie auch 2016 fortgesetzt
Personalaufwand 18.545,24 € geschafft hatte, stand das Jahr 2016 im wurde. Der Schwerpunkt wurde auf-
Abschreibungen 3.816,08 € Blickpunkt der Konsolidierung. Diese grund der aktuellen Flüchtlingssituation
Sonst. betriebl. wurde im 1. Halbjahr erfreulicherweise dahingehend verlagert, dass unter dem
Kosten 17.162,23 € erreicht, doch im 2. Halbjahr sanken die Motto: „Flüchtlinge berichten über ihre
Zinsen 950,58 € Umsätze gegenüber dem Vorjahr. Somit Lebenssituation und über ihre Heimat“
65.863,24 € wird im Jahr 2016 bestenfalls eine ausge- diesen ein Forum geboten wurde. Durch
glichene Bilanz erreicht. persönliche Schilderungen wurde Ver-
Ergebnis 3.017,30 € ständnis für ihre Fluchtgründe bei der
Ideell ist dieses einzigartige WeltCafé mit einheimischen Bevölkerung geweckt.
Aktuelle Bilanz 31.12.2015 dem herrlichen Blick auf die Michaelis Da diese Informationsabende einen
Kirche als Weltkulturerbe der UNESCO überaus starken Zuspruch gefunden
Aktiva
und mit den bio & fair gehandelten Pro- haben, mussten sie aus Platzgründen
Anlagevermögen 17.390,25 €
dukten von EL PUENTE in einem ge- ab März 2016 in das Center for World
Umlaufvermögen 11.309,40 €
mütlichen Ambiente ein Gewinn für das Music der Universität Hildesheim ver-
28.699,65 €
Michaelisquartier und Hildesheim. legt werden. Ein herzlicher Dank gilt der
Die Bildungsangebote werden weiterhin Stiftungsuniversität für die kostenlose
Passiva
gut angenommen: wöchentliche Treffen Überlassung der Räumlichkeiten sowie
Eigenkapital 5.773,84 €
der Gruppe MITTENDRIN, 14tägige den Sponsoren, ohne deren Zuwendun-
Darlehen
Spielnachmittage, der monatliche Däm- gen diese Veranstaltungsreihe nicht
El Puente GmbH 21.000,00 €
merschoppen mit EL PUENTE Weinen möglich gewesen wäre: Hauptsponsor
Steuern 1.925,81 €
aus Chile und eine Gesundheitsbera- EL PUENTE Stiftung, EL PUENTE e.V.,
28.699,65 €
tung. Hinzu kommen Familienfeste und Bistum Hildesheim und ev.-luth. Kir-
Weihnachtsfeiern. chenkreisverband Hildesheim.
Eigenkapital
Gezeichnetes Kapital 25.000,00 €
Einen Schwerpunkt des Michaelis Welt- Hier eine Kurzbeschreibung mit der
Verlustvortrag - 22.243,46 €
Café stellt die entwicklungspolitische Vielfalt der von Flüchtlingen gestalteten
Jahresüberschuss 3.017,30 €
Bildungsarbeit dar. Die im Rahmen Veranstaltungen:
5.773,84 €
des Hildesheimer Stadtjubiläums 2015
2416.01. Syrien, die Wiege 20.08. Burkina Faso Abend
der Olivenfrucht Eine burkinisch-deutsche Familie infor- Michaelis WeltCafé
Syrische Flüchtlinge aus Harsum gaben mierte in einer Power Point Präsentation
als Experten einen Überblick über die über das westafrikanische Binnenland
5000 Jahre alte Oliven-Kultur. Sie berich- und reichte ein traditionelles Essen.
teten über ihre Fluchtgründe und boten
ein typisch syrisches Essen an. 10.09. Der Weg Somalias
Somalische Flüchtlinge zeigten den Weg
20.02. Sudanesischer Abend Somalias von der anglo-italienischen
Acht sudanesische Flüchtlinge berichte- Kolonie zur Nation auf. Anschaulich
ten über ihre Flucht und die Fluchtursa- berichteten sie über ihre Flucht und die
chen, stellten ihr Land und ihre Kultur Fluchtgründe. Mit Musik und Tanz so-
vor und reichten sudanesische Speisen. wie bester somalischer Küche erfreuten
sie die Besucher.
12.03. Afghanistan früher und heute
Iman Ziaudin, ehrenamtliche Mitarbei- 15.10. Jesiden: Glaube, Verfolgung,
terin im WeltCafé, stellte in einer Prä- Menschenrechte
sentation ihr Land vor, schilderte ihre Der Verein Mala Ezidya Hildesheim in-
Fluchtgründe und bezauberte mit ihrer formierte über seine Religion, die von
landesüblichen Tracht. Bei ihren Tän- vielen Muslimen angefeindet wird und
zen stürmten viele der rund 100 anwe- 2014 brutal vom IS zu Versklavung, Ver-
senden afghanischen Flüchtlinge die gewaltigung und Mord Tausender Jesi-
Bühne im Center for World Music und den missbraucht worden ist. Mehrere Je-
demonstrierten den mehr als 100 einhei- siden schilderten anschaulich ihre Ver-
mischen Besuchern ihre Lebensfreude. folgung durch den Islamischen Staat.
09.04. Der Irak: 12.11. Eritrea – junges Land
Zwischen Krieg und Flucht am Roten Meer
Jesidische, kurdische und arabische Flüchtlinge zeigten die junge Geschich-
Flüchtlinge aus dem Irak stellten die te von der Unabhängigkeit 1993 bis zur
Kultur und Tradition ihres Landes vor. heutigen Diktatur und ihre damit ver-
Sie verwöhnten die Gäste mit heimi- bundenen Fluchtgründe auf. Religiöse
schen Spezialitäten und schilderten an- und weltliche Lieder sowie typisch erit-
schaulich ihre Fluchtgründe. reisches Essen rundeten den Abend ab.
21.05. Sudanesischer Abend 03.12. SAMO.FA – Flüchtlingsarbeit
Da am sudanesischen Abend im Febru- Zum Jahresabschluss informierte die
ar im Michaelis WeltCafé aus Platzgrün- Brücke der Kulturen Hildesheim e.V.,
den mehr als 40 Interessenten keinen ein 39 Mitglieder umfassender sozio-
Einlass gefunden hatten, wurde dieser kultureller Verbund aus Vereinen, Glau-
Abend wiederholt. bensgemeinschaften und Einzelperso-
nen unterschiedlicher Kulturen, über
18.06. Pakistan – Land des ihr Projekt SAMO.FA „Stärken der Akti-
Karakorum Highway ven von Migrantenorganisationen in der
Mit einer umfassenden Power Point Prä- Flüchtlingsarbeit“.
sentation wurde Pakistan mit seiner Ge-
schichte und Kultur vorgestellt. Mehrere Zahlreiche Fotos und Informationen
Flüchtlinge schilderten ihre Fluchtgrün- über die Arbeit der Brücke der Kulturen
de und reichten landestypische Speisen. und über die Veranstaltungsreihe des
Michaelis WeltCafé unter:
06.07. Der 14. Dalai Lama und www.bruecke-der-kulturen.de
die politische Situation in Tibet
Die Tibet Initiative stellte anlässlich des Weitere Informationen unter
81. Geburtstages des Dalai Lama sein www.michaelis-weltcafe.de
Leben und Wirken für Frieden und Aus-
söhnung sowie die politische Situation
des unterdrückten tibetischen Volkes
vor.
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