20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...

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20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
III
                                                                20
                                                                     18
        Zeitschrift des UKS   und des Vereins seiner Freunde

20 Jahre
      Forschungspreis
Verein der Freunde des UKS
20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
Impressum
                                 Herausgeber                        Redaktion                              Anzeigenwerbung und Druck
                                 Prof. Wolfgang Reith               Christiane Roos (cros)                 OVD – Events & Werbeservice
                                 Prof. Wolf-Ingo Steudel            Endkorrektur                           Johanna-Wendel-Straße 13
                                                                    Christian Schütz                       D - 66119 Saarbrücken
                                 Redaktionsanschrift                Redaktion Titelthema                   info@ovd.eu
                                 UKS, Presse- und                   Prof. Wolf-Ingo Steudel
                                 Öffentlichkeitsarbeit                                                     Anzeigen
                                 Gebäude 11, D - 66421 Homburg      Titelfoto                              Mathilde Friedrich
                                 Telefon 0 68 41 - 16 - 2 31 49     Oliver Herrmann                        mathilde.friedrich@ovd.eu
                                 Fax       0 68 41 - 16 - 2 31 39
                                 E-Mail    uks.report@uks.eu        Grafik & Fotoredaktion                 Ältere Ausgaben des UKS-Reports
                                                                    Oliver Herrmann                        finden Sie unter
                                                                    Rüdiger Koop                           www.uks.eu/uks-report

ES GIBT NOCH VIEL ZU LEBEN

Beratung und Unterstützung im Krankheits- und                                                   24h Krisenintervention und
                                                                         SAPV KINDER-
Symptomverlauf sowie bei der pflegerischen Versorgung                                            Rufbereitschaft
                                                                        PALLIATIVTEAM
Unterstützung im Alltag                                                                         Erstellen eines Notfallplans
Stärkung der Selbsthilfepotenziale                                                              Erstellung eines individuellen
Organisation und Vermittlung von weitergehenden Hilfen                                          Behandlungskonzeptes

Trauerbegleitung                                                                                Erkennen, Behandeln und Lindern
                                                                                                vorhandener Symptome wie Schmerzen,
Botengänge und Besorgungen                                                                      Angst, Atemnot, Erbrechen, Fieber,
Ergänzung der bestehenden Versorgungsstruktur                                                   Unruhe, Krampfanfällen
Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit der schweren                                       Vorbeugen von Krisensituationen
Krankheit                                                                                       Psychologische Begleitung
Hilfen für die gesamte Familie                                                                  Unterstützung und Schulung der
Die Hilfen und Angebote des Kinder Hospizdienst Saar werden                                     pflegenden Familie
kostenlos zur Verfügung gestellt.

            Kinder-Hospizdienst Saar                                                    www.kinderhospizdienst-saar.de
                                                                                         info@kinderhospizdienst-saar.de
            SAPV Kinder-Palliativteam
      Am Blücherflöz 6 66538 Neunkirchen
      06821 999 890-0  06821 999 890-29                                                Kinder Hospizdienst Saar

SPENDENKONTO: IBAN DE77 5905 0101 0000 7170 17                                                              BIC SAKSDE55
20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
Vorwort + Inhalt
              Liebe Leserinnen, liebe Leser,

              für die Universitätsmedizin ist die Forschung existentiell.               Spannend sind deshalb die Berichte von einzelnen For­
              Der Verein der Freunde des UKS hat sich die Förderung die­                schungspreisträgern, was aus ihrer Forschung geworden
              ser Forschung zur Hauptaufgabe gemacht. Hierbei wurde                     ist und wie diese sich auf den persönlichen Lebensweg
              über 20 Jahre die stattliche Summe von 500 000 EURO                       ausgewirkt hat.
              eingeworben. Die beiliegenden Berichte sollen eine Form
              der Wertschätzung für die Spender darstellen.                             Preise stellen eine persönliche Anerkennung für eine be­
                                                                                        sondere wissenschaftliche Leistung dar. Bekanntlich ist
              20 Jahre bedeuten im Hinblick auf die medizinische For­                   eine internationale Forschung kostenintensiv. Gerade heu­
              schung eine sehr lange Zeit. In dieser Zeit wurden in der                 te sind Spenden wichtiger denn je, da die Stiftungen ge­
              Behandlung vieler Erkrankungen wesentliche Fortschritte                   gen­wärtig durch die Nullzinspolitik erhebliche Ein­­schrän-
              erzielt.                                                                  ­­kungen erleiden. Wir möchten allen Spendern und Förde­
                                                                                        rern des Vereins herzlich für ihren Idealismus und Einsatz
                                                                                        danken.

              Der Vorstand des UKS 							                                                                             Für den Verein der Freunde

              Prof.                                                                     Prof.                         Prof.
              Wolfgang Reith         Ulrich Kerle              Wolfgang Klein           Michael Menger                Wolf-Ingo Steudel

              Ärztlicher Direktor    Kaufmännischer            Pflegedirektor           Dekan                         Vorsitzender
              und Vorstands-         Direktor                                           der Medizinischen             des Vereins
              vorsitzender                                                              Fakultät der UdS

Inha lt d ieser Ausga b e

20 Jahre Verein der Freunde                                                     UK S Ak tuell

  04                                                                            24                                             28

04 Verein der                         12 Gestern                           Aus den Kliniken                                  28 Der Grippe
   Freunde des UKS                       Preisträger – heute?              20 Mehr Raum                                         kontra geben
                                         Forschungspreisträger
                                                                                                                                                        III 2018

10 20 Jahre Forschungs­                                                       für Kinderschutz                               30 Organspende –
   preis in Zahlen                       berichten                                                                              Leben schenken
                                                                           22 Pilze: Gut oder giftig?
11 Die Begutachtung                   17 Homburger Unter­
                                         nehmer engagiert                  24 Zentrum für Alterstraumatologie
                                                                                                                                                       report

   durch den Fachbeirat –                                                                                                    32 Nachrichten
   ein Erfahrungsbericht                 sich für junge                    26 Neue Spezialsprechstunde
                                         Wissenschaftler                      für Krebspatientinnen                          34 Personalia + Preise
                                      18 KSK fördert
                                                                                                                                                        UKS

                                         Hochschulmedizin                                                                    02 Impressum

                                                                                                                                                              3
Aus Gründen des besseren Leseflusses und des Sprachstils verwenden wir die grammatikalisch männliche Form in einem neutralen Sinn.
20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
Titelthema

                                                                     Forschung
                                                                     fördern
                                                                      Freunde des UKS

             Verein der Freunde des UKS
                                                                      Forschung
             Der Verein wurde am 21. April 1997 auf Anregung von Prof. Diether Breitenbach
             gegründet, der sich als langjähriger Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftsminister
                                                                      fördern
             des Saarlandes dem Klinikum besonders verbunden fühlte und den Vorsitz übernahm.
                                                  Freunde
             Heute ist er Ehrenvorsitzender des Vereins.     des UKS waren unter anderen
                                                          Mitbegründer
             der Homburger Oberbürgermeister Reiner Ulmcke, der bis heute stellvertretender
             Vorsitzender ist, und Prof. Egon Müller, Justizrat und Fachanwalt für Medizinrecht
             TEXT verein der freunde des uks FOTOs + GRAFIK oliver herrmann, rüdiger koop

                 Der Verein als Freund und Förderer der Wissenschaft hat               Dieses Selbstverständnis des Vereins wurde bereits in
             sich von Beginn an immer als Vermittler zwischen Hoch­                 der Gründungsversammlung formuliert. Vereinszweck sollte
             leistungsmedizin und Öffentlichkeit, zwischen Forschung                vor allem die „Förderung der wissenschaftlichen Forschung“
             und Krankenpflege, zwischen der Politik und den Erforder­              sein, deren Erfolge – in Form der Finanzierung von For-
             nissen eines modernen UKS verstanden und setzt sich noch               schungsprojekten junger Wissenschaftler – Gegenstand
             heute in dieser Rolle für die Belange des Klinikums ein.               dieser Ausgabe des UKS-Reports sind.

                                                                     Forschung
                                                                     fördern
UKS
report
III 2018

                                                                      Freunde des UKS
             Prof. Diether Breitenbach          Prof. Egon Müller                   Reiner Ulmcke

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20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
Titelthema
                                                            Christel und Karl Jacoby haben als erste mit ihrer
                                                            persönlichen Spende ein Flut von Patenschaften
                                                            für den Forschungspreis der Freunde ausgelöst

   Darüber hinaus wollten die Gründungsmitglieder das          Es war für die Freunde des UKS der Beginn einer außer­
UKS aber auch durch „Maßnahmen der Öffentlichkeitsar-       gewöhnli­chen Erfolgsgeschichte, denn seither haben sich
beit“ unterstützen und „entsprechende Veröffentlichun-      mehr als 300 Forscher oder Forschergruppen mit For­schungs­­-
gen und Bildungsveranstaltungen“ durchführen.               anträgen beteiligt, von denen insgesamt 87 mit einem For­
                                                            schungspreis bedacht wurden. Davon stammen 76 aus Klini­
   Bereits sechs Monate nach Vereinsgründung übernahm       ken oder klinischen Einrichtungen und 11 aus Instituten der
der Vorstand im Oktober 1997 die Mitherausgeberschaft,      Biowissenschaften und der Theoretischen Medizin.Für die
Finanzierung und ehrenamtliche Redaktion der bislang        Forschungspreise haben die Freunde des UKS in den zu-
vorwiegend betriebsinternen Zeitschrift „Unser Klinikum     rückliegenden 20 Jahren mehr als eine halbe Million Euro
Heute“ in neuer Aufmachung unter dem Titel „UKH-Report“,    aufgewandt und den Forschungspreis mit durchschnittlich
seit 2005 „UKS-Report“.                                     25 000 Euro pro Jahr zu einem der höchstdotierten For­
                                                            schungspreise in Südwestdeutschland gemacht. Für einen
20 Jahre Forschungspreis                                    Verein, der in all den Jahren nie mehr als 200 Mitglieder
   Die Förderung der Forschung vor allem junger Wissen­     hatte, ist das ein erstaunlicher Betrag. Er war nur möglich
schaftler am UKS war von Anfang an Hauptziel des Vereins.   durch eine sparsame Geschäftsführung des Vereins und
Dazu wurde 1998 ein kompetenter Fachbeirat unter Vorsitz    durch eine Konzentration von 84 Prozent aller Ausgaben
von Prof. Franz-Carl Loch, Vorsitzender der Ärztekammer     auf die Finanzierung der Forschungspreise.
des Saarlandes, eingesetzt. Nachdem der Fachbeirat die
wissenschaftlichen Kriterien für die Beurteilung von For­
schungsanträgen definiert hatte, wurden die Forschungs-
preise 1999 erstmals ausgeschrieben und vergeben.

                                                                                                                 Ralph Marx (Mitte) spendete
                                                                                                                 anläßlich seines 60. Geburtstags
                                                                                                                 dem Verein 4 000 Euro.

                                                                                                                 links: Prof. Wolf-Ingo Steudel
                                                                                                                 rechts: Prof. Bernhard Schick, damaliger
                                                                                                                 Ärztlicher Direktor des UKS

                                                                                                                                                             III 2018
                                                                                                                                                            report
                                                                                                                                                             UKS

                                                                                                                                                                 5
20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
Titelthema

             Förderer und Sponsoren der Forschungspreise                       Als Dank für die gute Betreuung während schwerer Er­
                Finanziert wurden die Forschungspreise durch Mit­glieds-­   krankungen hatte der Schlosser Helmut Gerhard Kraus
             beiträge, private Spenden und Vermächtnisse, Zuwendun­         dem UKS in seinem Testament eine große Erbschaft zuge-
             gen von Unternehmen und durch Geldbeiträge nach § 153a         sprochen, aus der drei Forschungspreise finanziert wer-
             StPO, wonach strafrechtliche Verfahren unter Auflagen ein-     den konnten. Reiner Ulmcke, damals Oberbürgermeister
             gestellt werden können. Die Beiträge der Mitglieder in Höhe    der Stadt Homburg, hatte bei Gründung des Vereins das
             von etwa 10 000 Euro pro Jahr machten in all den Jahren        Amt des stellvertretenden Vorsitzenden übernommen, das
             etwa 30 Prozent der Einnahmen aus und sind Grund­lage          er bis heute inne hat. Als er 2002 an­lässlich seines 65. Ge­
             der gesamten Vereinstätigkeit. Vor allem Vereins­mit­glieder   burtstags sein Amt als Ober­bür­ger­meister übergab, ver-
             waren es auch, die mit zusätzlichen privaten Spenden die       zichtete er auf Geschenke zugunsten von Spenden für zwei
             Finanzierung der Forschungspreise ermöglichten. Den An­        Forschungspreise. Prof. Egon Müller, der dem UKS nicht
             fang machten 2000 die Eheleute Christel und Karl Jakoby,       nur als Grün­dungsmitglied des Vereins sondern auch als
             die als Geschäftsleute zum Jahreswechsel auf den Versand       Anwalt seit langem eng verbunden war, hatte zu seinem
             von Werbegeschenken an ihre Kunden verzichtet hatten und       65. Geburtstag im März 2003 die zahlreichen Gäste darum
             zusammen mit privaten Ersparnissen einen hohen Be­trag als     gebeten, auf persönliche Geschenke zu verzichten und
             private Spende für die Forschungsförderung überwiesen.         stattdessen die Forschungsförderung durch Spenden zu un-
                                                                            terstützen, mit denen insgesamt sieben For­schungspreise
                 Daraufhin beschloss der Vereinsvorstand, einen der For­    finanziert werden konnten.
             schungspreise nach den Spendern zu benennen (Christel
             und Karl Jacoby-Preis) und künftig alle Spenden in Höhe           Da gute Beispiele bekanntlich Schule machen, sind auch
             von etwa 5 000 Euro in gleicher Weise auszuzeichnen. Das       andere Jubilare in den Jahren 2004 bis 2006 dem Vorbild
             Ehepaar Jacoby gehörte mit insgesamt fünf Forschungs­          von Reiner Ulmcke und Egon Müller gefolgt und haben bei
             preis-Patenschaften zu den Hauptspendern. Sie fühlten          runden Geburtstagen oder anderen privaten Ereignis­sen
             sich mit den jungen Wissenschaftlern sehr verbunden und        um Spenden für den Förderverein gebeten. Zu nennen sind
             haben mit Interesse deren weiteren Lebensweg verfolgt.         hier vor allem Prof. Hermann-Josef Schieffer, Klaus und
             Prof. Franz-Carl Loch, Sanitätsrat, hat als Gründungs­vor­     Marianne Paschke, Prof. Wolf-Ingo Steudel, Dr. Klaus und
             sitzender des Fachbeirats des Vereins maßgeblich zu der        Marliese Kiefer und Prof. Diether Breitenbach.
             sehr positiven Entwicklung der Forschungspreise beigetra-
             gen. Als er im Dezember 2001 starb, bat seine Ehefrau Dr.         In diesen Jahren haben die Forschungspreise der UKS-
             Heidi Loch darum, anstelle von Kranz- oder Blumenspenden       Freunde aufgrund ihrer hohen Dotierung, der Qualität der
             bei der Beerdigung dem Verein Geldspenden zukommen             geförderten Projekte und der ausführlichen Berichterstat­
             zu lassen, die in den folgenden Jahren zwei Forschungsprei­    tung im UKS-Report und anderen Medien zuneh­men­de
             se ermöglichten.                                               Beachtung auch bei Firmen gefunden. Die Kreisspar­kasse
                                                                            Homburg hat seit 2003 nicht nur wiederholt die Finanzie­
                                                                            rung von Forschungspreisen übernommen, sondern den
                                                                            Verein der UKS-Freunde auch mit Anzeigen im UKS-Report
                                                                            und bei der Herausgabe einer Wanderkarte finanziell un-
                                                                            terstützt.

             Finanzierungsanteile                                                1999-2008             2009-2018            1999-2018

             Patenschaften von                                                      100 000                        -            100 000
             Vereinsmitgliedern à 5 000 Euro

             Sponsoring von Unternehmen                                               25 000              100 000               125 000

             Sonstige Spenden und Erbschaften                                         70 748                73 756              144 504

             Beiträge nach § 153a StPO                                                 37 117                      -              37 117

             Mitgliedsbeiträge                                                         31 471               71 244              102 715

             Summe                                                                   264 336              245 000               509 336

             Zahl der Forschungspreise                                                    48                    39                    87
UKS
report
III 2018

6
20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
Titelthema
   Die Saarbrücker Firma EU-CAR GmbH veranstaltete in
den Jahren 2005/06 mehre Golfturniere, deren Erlöse als
Sammelspende für die medizinische Forschung überreicht
wurden. Mit der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH und
der Schlossberg-Apotheke in Homburg waren zudem zwei
Unternehmen aus dem Pharma-Bereich an der Förder­ung
von Forschungspreisen beteiligt.

   Als Dank für die tatkräftige Unterstützung von Spendern
und Sponsoren hat der Verein der UKS-Freunde 2009 auf
dem Klinikgelände eine 2,30 m hohe Buntsandstein-Stele
mit den Namen der bisherigen Haupt­spendern und -firmen
aufgestellt. In den Folgejahren trat die Kreissparkasse Hom­
burg wiederholt als Sponsor auf und 2014 wurde die Firma
Dr. Theiss Naturwaren GmbH in Homburg als Groß­sponsor
und Prof. Peter Theiss anlässlich seines 70. Ge­burtstags
als Pate für entsprechende Forschungspreise gewonnen.

   Private Spender und Sponsoren haben in den ersten zehn
Jahren der Forschungsförderung des Vereins 74 Pro­zent der
Preisfinanzierung übernommen. Mitglieder des Vereinsvor­
standen hatten weiterhin bei Gerichten und Staats­anwalt­
schaften um Beiträge nach § 153a StPO gebeten, von denen
weitere 14 Prozent der Finanzierung kamen, so dass lediglich   Die von den Rotary Clubs Homburg-Saarpfalz und Homburg-
                                                               Zwei­b rücken finanzierte Stele, wurde von der Firma mediakreativ-
12 Prozent der Preise aus den regulären Mitglieds­beiträgen
                                                               werk, Saarbrücken, entworfen und von dem Bildhauer Jürgen Kopp
finanziert werden mussten. In den folgenden Jahren hat der     (Firma Framaco, Bexbach) gestaltet. Die Namensschilder stiftete
Verein es leider versäumt, sich um Beiträge nach § 153a        die Firma Kawolus, Bexbach.
StPO zu bemühen und hat auch größere private Spenden
und mehrere Zuwendungen der Kreissparkasse Saarpfalz
in Höhe von jeweils 5 000 Euro nicht mit Patenschaften für         Ein Blick in die Einnahmenlisten des Vereins zeigt, dass
Forschungspreise ausgezeichnet. Private Spenden wurden         es in den zurückliegenden 20 Jahren neben den Groß­spen­­-
geringer und der Kassenbestand des Vereins wäre bereits        den in Höhe von 5 000 Euro und mehr noch sehr viele Einzel­-
2014 defizitär gewesen, wenn sich nicht die Fa. Dr. Theiss     spenden (zum Teil auch monatlich wiederholt) zwischen
Naturwaren GmbH in Hornburg mit einem sehr hohen Betrag        10 und 2 000 Euro gegeben hat, die bisher kaum eine Wür­
an der Finanzierung der Forschungspreise beteiligt hätte.      digung erfahren haben. Allen Spendern zu danken und
                                                               ihnen die Bedeutung der Spenden für die Förderung der
   Der Verein hat daraufhin auch wieder an die Tradition       wichtigen Forschungsprojekte zu verdeutlichen, wird eine
der „Forschungspatenschaft“ angeknüpft und konnte den          Aufgabe für die kommenden Jahre sein.
Gründer und Vorstand der Firma in den Jahren 2015 bis
2018 insgesamt sieben Mal mit dem „Prof. Dr. Peter Theiss
Forschungspreis“ ehren. Der Verein dankt Herrn Prof. Theiss
für die großzügige Förderung, und für seine Be­reitschaft,
sich auch künftig maßgeblich an der Forschungs­-förderung
durch den Verein der Freunde zu beteiligen.

Ein Blick in die Einnahmelisten des Vereins zeigt, dass es in den zurückliegenden 20 Jahren neben
den Großspenden von 5 000 Euro und mehr noch sehr viel Einzelspenden (oft anlässlich persönlicher
Jubiläen, als Dank für die Behandlung im Klinikum oder in Trauerfällen; zum Teil monatlich wiederholt)
gegeben hat, die bisher außer der Spendenbescheinigung keine Würdigung erfahren haben. Ohne diese
Spenden hätten wichtige Forschungsprojekte nicht finanziert werden können.

                                                                             Wir bedanken und herzlich bei allen Spendern
                                                                                                                                     III 2018
                                                                                                                                    report
                                                                                                                                     UKS

                                                                                                                                         7
20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
Titelthema

             Der UKS-Report                                                Abgeschlossene Projekte
                Ziel des Vereins bei der Herausgabe dieser Zeitschrift     Medizin-Lexikon
             war es von Anfang an, den in der Klinik begonnenen Kontakt           In den Jahren 2005 bis 2013 erschien als Beilage im
             zwischen Ärzten, Pflegekräften und Patienten fortzusetzen     UKS-Report ein Medizin-Lexikon mit insgesamt 182 Bei­trä­
             und zu erweitern, um das, was im Krankheitsfall geschieht,    gen, das als Lose-Blatt-Sammlung in einem entspre­chen­-
             für medizinische Laien verständlich zu machen. Neben          den Ordner gesammelt werden konnte und eine Druck­-
             Berichten aus der Arbeit einzelner Kliniken und sonsti­-      ­­­auf­­lage von etwa 14 000 Exemplaren erreichte. Da­rüber
             ger Einrichtungen sollten deshalb auch medizinische For­      hinaus sind die Beiträge seit 2011 auch über den Link „Medi­
             schungs­­ergebnisse, neue Diagnose- und Behandlungs­          zin-Lexikon im UKS Report“ im Internet abzurufen.
             verfahren und medizinische Geräte vorgestellt werden.
             „Wissen was in Homburg läuft“ war das zentrale Ziel. Dazu        Das Medizin-Lexikon hat in einer für medizinische Laien
             gehörten natürlich auch ausführliche Berichte über die        verständlichen Sprache über häufige Krankheiten, deren
             Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Strukturreform        Ursachen und Symptome, über Diagnostik und Therapien,
             der Universitäts­kliniken und über die Zukunftsperspektiven   über Vorbeugung und Nachsorge informiert, dabei die Leis­
             der Hochschul­medizinreform im Saarland“, die von hefti-      tungsfähigkeit der Kliniken und Institute des UKS darge-
             gen Diskussionen im Klinikums begleitet wurden.               stellt und jungen Medizinern frühzeitig lexikalische Beiträge
                                                                           für ihre persönliche Biographie ermöglicht.
                Auflage und Umfang der bisher mehr als 70 Ausgaben
             des Reports sind von anfangs 7 000 auf nunmehr 10 000
             Exem­plare und von 16 auf 36 Seiten gestiegen. Die gesam-     Weitere Publikationen
             te Finanzierung der Zeitschrift erfolgt seit 2005 durch das      Gerade für ältere Patienten sind Fragen der Selbstbe­
             UKS.                                                          stimmung, der Vorsorge und der Betreuung bei schwerer
                                                                           Erkrankung und am Ende des Lebens besonders wichtig.
                Etwa 70 Prozent der Auflage werden innerhalb des Kli-      Prof. Egon Müller hat deshalb 2003 die Broschüre „Leben
             nikums an Patientinnen und Patienten und die Beschäftigten    und Sterben – Selbstbestimmung und Verantwortung. Hom­
             des Klinikums verteilt, 30 Prozent werden an die Mitglieder   burger Patientenbroschüre“ verfasst, die sich eingehend
             des Vereins der Freunde und an niedergelassene Arztpraxen     mit den Möglichkeiten und rechtlichen Erfordernissen von
             im Saarland und in Rheinland-Pfalz, an Partnerkliniken des    Patienten- und Betreuungsverfügungen und Vorsorgevoll­
             UKS und an sonstige Einrichtungen versandt. Das Ziel des      machten befasst.
             Vereins, das UKS durch Maßnahmen der Öffentlichkeitsar­
UKS

             beit zu unterstützten, ist offensichtlich erfolgreich umge-      Die Broschüre ist inzwischen vergriffen. Ebenfalls 2003
             setzt worden.                                                 hat der Verein mit finanzieller Unterstützung der Stadt
report

                                                                           Homburg, der Kreissparkasse und anderen eine Wanderkar­
                                                                           te erstellen lassen, die in einer Auflage von 15 000 Exem­
                                                                           plaren gedruckt wurde und für die „Universi­täts­kliniken im
III 2018

                                                                           Grünen“ geworben hat. Auch sie ist vergriffen.

8
20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
Titelthema
                                                              Mitgliedsbeiträge und Spendenkonto
                                                                Der aktuelle Jahresbeitrag beträgt für die Einzelmitgliedschaft 50 Euro,
                                                                für Paarmitgliedschaften 60 und für eine Firmenmitgliedschaft 250 Euro.

                                                                Spendenkonto Kreissparkasse Saarpfalz
                                                                IBAN	 DE33 5945 0010 1011 1003 75
                                                                BIC   SALADES51HOM

                                                                               Die Vorsitzenden des
                                                                              Vereins der Freunde des
                                                                               Universitätsklinikums
                                                                Prof. Diether Breitenbach 21.4.1997 – 13.6.2007
                                                                Prof. Diether Breitenbach (Ehrenvorsitzender) seit 13.6.207
                                                                Prof. Wolf-Ingo Steudel 13.6.2007 – 13.10.2010
                                                                Prof. Bernhard Schick 13.10.2010 – 24.6.2015
                                                                RA Sven Lichtschlag-Traut 24.6.22015 – 3.11.2017
                                                                Prof. Wolf-Ingo Steudel seit 3.11.17
                                                                Reiner Ulmcke (Stv. Vorsitzender) seit 21.4.1997

Informationsveranstaltungen
   Die Durchführung von Informationsveranstaltungen war
vor allem zu Beginn der Vereinstätigkeit ein Schwerpunkt
der Arbeit. Sie bildeten jeweils den Abschluss von Mitglie­
der­versammlungen mit Themen wie „Sonne ohne Reue“,
„Ent­­wicklung der Medizin im 20. Jahrhundert“, „Sportmedi­
zin – was ist das?“ oder „Wie gefährlich ist BSE für den
Menschen?“

   Zusätzlich veranstaltete der Verein Podiums­diskussionen
im Klinikum zu den Themen „Organ-Trans­plantation“ und
„Patientenvollmacht“, darüber hinaus ganz­tätige Infor­ma­
tionsveranstaltungen im Forum des Homburger Rathauses
zum Thema „Schlaganfall – was tun?“ und zusammen mit
der Deutschen Lungenstiftung zum Thema „Gesundes At­
men“.

   Veranstaltungen dieser Art gehören inzwischen zum          Ein Rundgang über den Campus führte die Vereinsmitglieder
Standardangebot aller größeren Kliniken und werden seit       auch auf den neuen Hubschrauberlandeplatz

2005 vor allem in der „Langen Nacht der Wissenschaften“
der Medizinischen Fakultät und des UKS angeboten, so dass
der Verein später nur noch vereinzelt eigene Informations­
ver­an­stal­tungen durchführt hat.
                                                                                                                                            III 2018
                                                                                                                                           report
                                                                                                                                            UKS

                                                                                                                                                9
20 Jahre Forschungspreis Verein der Freunde des UKS - III - Universitätsklinikum ...
20 Jahre
Titelthema

                              Forschungspreis
                              in Zahlen
                              500 000 Euro                                                  32
                              Preisgelder durch                                             Forschungspreise in Höhe von 4000 bis 10 000 Euro
                              Mitgliedsbeiträge und Spenden                                 mit namentlicher Zuordnung der Spender
                                                                                            Prof. Dr. Egon Müller-Preise

                              87                                                            (2003, 2004, 2005, 2x 2007, 2008)
                                                                                            Prof. Dr. Theiss-Preise
                              Forschungspreise
                                                                                            (2015, 2016, 2x 2017, 2x 2018)
                                                                                            Christel und Karl Jakoby-Preise
                              110                                                           (2000, 2001, 2002, 2004, 2005)
                              Preisträger                                                   Kreissparkasse Saar-Pfalz-Preise
                              mehrere prämierte Arbeiten                                    (2003, 2006, 2017)
                              hatten bis zu vier Autoren                                    Dr. Klaus und Marliese Kiefer-Preise
                                                                                            (2004, 2005, 2008)

                              91                                                            Prof. Dr. Franz-Carl-Loch –Preise
                                                                                            (2002, 2003)
                              mit Promotion
                              davon 66 Mal Dr. med.                                         Reiner Ulmcke-Preise
                              und 25 Mal Dr. rer. nat.                                      (2003, 2004)
                                                                                            EU-Caropen – Preis
                                                                                            (2006)
                              19                                                            Klaus und Marianne Paschke-Preis
                              ohne Promotion                                                (2004)
                              darunter sechsmal Dipl.-Biol.,
                                                                                            Prof. Dr. Hermann-Josef Schieffer-Preis
                              einmal Dipl.-Ing.,
                                                                                            (2004)
                              zweimal cand. med. und
                              zweimal M.Sc. (Master of Science)                             Prof. Dr. Wolf Ingo Steudel-Preis
                                                                                            (2005)
                                                                                            Verope-Preis
                                                                                            (2015)
                                                                                            Schlossapotheke Eckhard Kiefer-Preis
                                                                                            (2007)
                                                                                                                          2015     2016          2017     2018
                                                                                                                 2014
                                                                                                       2013                                             500 000 €
                                                                                               2012
                                                                                     2011
                                                                              2010
                                                                       2009                                                                             400 000 €

                                                                2008
                                                         2007
                                                                                                                                                        300 000 €
                                                2006

                                         2005
                                                                                                                                                        200 000 €

                                  2004

                                                                                                                   2015                                 100 000 €
                                                                                                                          2016
                                                                                                                                 2017
                           2003                                                                                                           2018
                                                                                                                                                           0€

                                                                   Dr. Theiss-Preise
                    2002
UKS

               2001
report

                                                                                                           Verein der Freunde
III 2018

             2000

                                                                                                      Für die Forschungspreise haben die Freunde
                                                                                             des UKS in den zurückliegenden 20 Jahren insgesamt
             1999
10                                                                                                 mehr als eine halbe Million Euro aufgewendet
Die Begutachtung

                                                                                                                                   Titelthema
durch den Fachbeirat –
ein Erfahrungsbericht
Als mich Prof. Steudel im Herbst 2008 in meinem Büro in Saarbrücken besuchte,
war mir klar, dass ein besonderes Ereignis auf mich wartete. Er eröffnete mir, dass
es eigentlich nur einen Kandidaten für den Vorsitz des Fachbeirats des Vereins
der Freunde des UKS gibt. Als Neuropsychologe, der nicht am Universitätsklinikum
beschäftig ist, hielt er mich für fachlich hinreichend kompetent und in der Sache
zureichend unbefangen, um die jährlichen Sitzungen des Fachbeirats zu leiten
TEXT axel mecklinger FOTO privat

    In den zurückliegenden zehn Jahren meiner Amtszeit hat          Auch diese Vorbereitungssitzungen waren und sind
der Fachbeirat 36 Preisträger aus einer Vielzahl qualifi-        ge­prägt von einer wohlwollenden und dem wissenschaft-
zierter Forschungsanträge ausgewählt. Die Begutachtung           lichen Nachwuchs zugewandten Atmosphäre für die dem
der Forschungsanträge erfolgt auf Grundlage sehr diffe-          Fachbeirat und den beim „Vorsingen“ beteiligten Kollegen
renzierter Ausschreibungskriterien, die 2002 vom dama-           mein ganz besonderer Dank gilt.
ligen Vorsitzenden des Fachbeirats, Prof. Giselbert Fries,
erlassen und in der Folgezeit immer weiterentwickelt wur­-
den. An den Fachbeiratssitzungen, die in die Regel an ei-                           Der Autor
nem heißen Sommerabend auf dem Klinikgelände statt-                                  Prof. Axel Mecklinger
finden, sind sowohl Klinikdirektoren als auch Bio- und                               ist an der UdS Inhaber des
Me­dizinwissenschaftler der medizinischen Fakultät be-                               Lehrstuhls für Experimentelle
teiligt. Zeitlich verhinderte Mitglieder hinterlegen ihr Votum                       Neuropsychologie in der
in schriftlicher Form. Angesichts der zunehmenden Kom­                               Fachrichtung für Psychologie
ple­xität der zu begutachtenden Anträge hat sich die per-
sonelle Zusammensetzung des Fachbeirats in den letzten
Jahren nach und nach verändert. So hat die Zahl der Fach­
wissenschaftler aus der medizinischen Fakultät zu- und
die der nichtwissenschaftlichen Mitglieder abgenommen.

   Der hohen fachlichen Kompetenz und der sehr gründ-
lichen Vorarbeit der anwesenden Beiratsmitglieder und                 Mitglieder des derzeitigen
ihrer Diskussionsdisziplin ist es zu verdanken, dass die
Aus­wahlsitzungen selten länger als zwei Stunden in An­
                                                                             Fachbeirats
spruch nehmen. Als Neuropsychologe habe ich in den letz-
                                                                  Prof. Axel Mecklinger, Beiratsvorsitzender
ten zehn Jahren viel erfahren über mikrobiologische und
molekulargenetische Methoden in der medizinischen For­            Klinikdirektoren des UKS
schung. Darüber hinaus lernte ich in dieser Zeit nicht nur        Prof. Robert Bals, Klinik für Innere Medizin V
die hohe inhaltliche Expertise der Beiratsmitglieder sehr         Prof. Michael Böhm, Klinik für Innere Medizin III
zu schätzen. Auch die konstruktive, kooperative und stets         Prof. Matthias Hannig, Klinik für Zahnerhaltung
um Konsens bemühte Diskussionskultur dieses Gremiums              Prof. Dieter Kohn, Klinik für Orthopädie u. Orthop. Chirurgie
haben mich immer wieder beeindruckt und dazu beigetra-            Prof. Bernhard Schick, HNO-Klinik
gen, dass die Beiratssitzungen in vertretbarer Zeit zu Ende       Prof. Michael Stöckle, Klinik für Urologie und Kinderurologie
waren und die Sommerabende noch ein angenehmes Ende               Prof. Thomas Vogt, Klinik für Dermatologie
unter freiem Himmel nehmen konnten.
                                                                  Institutsleiter und -mitarbeiter von UKS und UdS
                                                                  Prof. Tobias Hartmann,
   Neben der Begutachtung und Auswahl der Forschungs­
                                                                  Deutsches Institut für Demenzprävention
anträge hat es sich der Fachbeirat zur Pflicht gemacht, mit
                                                                  Prof. Wolfram Henn,
den jährlichen Preisträgern Probevorträge durchzu­führen.
                                                                  Humangentische Beratungsstelle
Mit diesen Probevorträgen sollte „das Vorsingen“ bei der
                                                                  Prof. Michael Menger,
Verleihung der Forschungspreise auf der Jahresmitglie­
                                                                  Dekan der Medizinischen Fakultät
                                                                                                                                   III 2018

derversammlung des Vereins geübt werden. Die Probe­
                                                                  Prof. Mathias Montenarh,
vorträge sollten gewährleisten, dass die preisgekrönten
                                                                  Medizinische Biochemie
Forschungsvorhaben in einer auch für medizinische Laien
                                                                  Prof. Stefan Wagenpfeil,
                                                                                                                                  report

verständlichen Form die Zuhörer erreichen, was in der Tat
                                                                  Institut für Medizinische Biometrie,
dann auch bei nahezu allen Preisvorträgen der Fall gewe-
                                                                  Epidemiologie und Medizinische Informatik
sen ist.
                                                                                                                                   UKS

                                                                                                                                   11
Gestern Preisträger – heute?
Titelthema

             Forschungspreisträger berichten

             Prof. Georg Pistorius, Forschungspreis 1999                     Prof. Martina Sester , Forschungspreis 1999
             zum Thema „Kryotherapie                                         zum Thema „Treffsichere Virus-Diagnostik
             nicht operabler Lebermetastasen“                                nach Transplantationen“

                Vor 20 Jahren erhielt ich den Forschungspreis des Verein         Nach Studium der Biologie in Freiburg und Promotion
             der Freunde des UKS für die Erforschung und Aufklärung          1996 am dortigen Max-Planck-Institut für Immunbiologie
             der Nebenwirkungen der Vereisungstherapie (Kryotherapie)        wechselte ich an das UKS, wo ich 1997 die Leitung des
             nicht operabler Lebertumoren, insbesondere des Abfalls          Forschungslabors der Klinik für Innere Medizin IV (Nieren-
             der Thrombozyten (Blutplättchen) und der Untersuchungen         und Hochdruckkrankheiten) übernahm. Ein zentrales Pro­
             zur Vermeidung dieses Phänomens.                                blem meiner Tätigkeit war die Infektion mit Herpesviren
                                                                             nach Absenkung des körpereigenen Immunsystems zur
                Die Thermoablation (Gewebezerstörung durch Hitze             erforderlichen Verhinderung einer Organabstoßung nach
             oder starke Kälte) von nicht resektablen (chirurgisch ent-      einer Transplantation. Vor allem Cytomegalievirus-Infek­
             fernbaren) malignen Lebertumoren ist heute ein etablier-        tionen (CMV) oder Lymphome, die mit Epstein-Barr-Virus-
             tes Therapiekonzept. War vor 20 Jahren die Diskussion, ob       Infektionen (EBV) verbunden sind, verlangen eine lang-
             Kälte oder Hitze sich durchsetzen wird, noch offen, so ist      wierige Behandlung und enden oft tödlich. Die genannten
             dies nicht zuletzt aufgrund der Forschungsergebnisse zu         Viren werden in erster Linie von T-Zellen angegriffen, die
             den lokalen Auswirkungen und systemischen Neben­wir­            zwar nachgewiesen, jedoch noch nicht in ihrer Abwehrkraft
             kungen der Kryotherapie von malignen Lebertumoren, die          gegenüber einzelnen Erregern charakterisiert werden konn-
             dankenswerter Weise mit dem ersten Forschungspreis der          ten. Für die Entscheidung, ob und in welchem Umfang nach
             Freunde des UKS gefördert und ausgezeichnet wurde, ent-         einer Transplantation eine antivirale Behandlung erforder-
             schieden. Heute ist die Kryotherapie trotz ihrer extrem gu-     lich ist oder ob die vorhandene körpereigene Immunabwehr
             ten lokalen Tumorzellzerstörung aufgrund der Risiken und        ausreicht, galt es deshalb ein Verfahren zu entwickeln, mit
             der aufwendigeren Anwendung ähnlich wie die laser-indu-         dem sich aus dem Vollblut die gegen die Viren gerichteten
             zierte Thermotherapie (LITT) durch die Radiofrequenz- und       T-Zellen bestimmen ließen.
             die Mikrowellenablation abgelöst. Diese lokalen Ther­mo­-
             ablationsverfahren haben sowohl in Ergänzung zur Resek­            Ein solches Verfahren habe ich in meinem Forschungs­
             tion als auch als alleinige ggf. auch perkutane minimal-in-     projekt, das von den Freunden des UKS mit einem For­
             vasive Therapie ihren festen Platz in der onkologischen         schungs­preis in Höhe von 10 000 DM gefördert wurde,
             Therapie erhalten.                                              entwickelt. Die Ergebnisse haben in Homburg Eingang in
                                                                             die Routinediagnostik nach Organtransplantatio­nen ge-
                Für mich persönlich war der Forschungspreis damals           funden und waren Basis für eine Reihe von drittmittel-
             eine bedeutende Auszeichnung, weil ich darin die Würdi­-        geförderten Projekten auf dem Gebiet der Infektion mit
             gung der kritischen Auseinandersetzung mit einer neu-           HIV, mit Adenoviren und dem für die Tuberkulose ver­ant­-
             aufkommenden und damals durchaus gehypten Therapie              wortlichen Keim Mycobakterium tuberculosis. Die Er­geb­
             erfahren habe.                                                  nisse der Forschungsarbeiten wurden in über 100 Bei­trä­-
                                                                             gen in wissenschaftlichen Zeit­schriften publiziert. Für meine
                 Diese kritische Beschäftigung prägte und prägt mei-         Arbeiten auf dem Gebiet der Tuberkulose erhielt ich 2018
             nen weiteren chirurgischen Lebensweg bis heute, auch in         den „Memento Preis für vernachlässigte Erkrankun­gen“.
             meiner Position als Chefarzt der Klinik für Allgemein- und      Nach meiner Habilitation und Verleihung der Lehrbe­fugnis
UKS

             Viszeralchirurgie am Klinikum Bamberg (seit 2005), einem        für das Fach „Experimentelle Medizin“ im Jahre 2004 wurde
             sich kontinuierlich weiterentwickelnden Maximalversorger        ich 2009 zur Professorin und Direktorin der Abtei­lung für
report

             dessen Ärztlicher Direktor ich jetzt bereits seit 2013 neben    Transplantations- und Infektionsimmunolo­gie“ an der UdS
             meiner Chefarzttätigkeit als Chirurg bin. Aktuell erfolgt un-   ernannt. Seit 2017 bin ich Vizepräsidentin der UdS für For­
             ter meiner Verantwortung und mit der gebotenen Skepsis          schung und Technologietransfer. Der Forschungs­preis hat
III 2018

             die Einführung der roboter-assistierten Operationen (Da­        einen Grundstein für mein Forschungsgebiet gelegt, auf
             Vinci) in der Viszeralchirurgie.                                dem ich nach wie vor mit großer Begeisterung arbeite. Ich
                                                                             freue mich daher sehr, dass der Verein der Freunde des
12                                                                           UKS nach wie vor durch Projektförderung einen Beitrag zur
                                                                             Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses leistet.
Titelthema
 Prof. Brigitte Vollmar, Forschungspreis 2000                  Prof. Markus Menges, Forschungspreis 2001
 zum Thema „Mikrovaskuläre, zelluläre, humora-                 zum Thema „Häufigkeit von kolorektalen Adenomen
 le und molekulare Analysen zum Mechanismus der                (Darmkrebs) bei 40- bis 50-jährigen Verwandten
 Gewebeprotektion durch lokale Kältetherapie“                  ersten Grades im Vergleich zu Personen ohne familiäre
                                                               Vorbelastung“
     Ziel des Vorhabens war es, die bislang unzureichend
 verstandenen Mechanismen zur Wirkung von Kälte auf de-            Bei der Entstehung von Darmkrebs spielen mehrere
 finierte Körperregionen und Organe wissenschaftlich weiter    Faktoren eine Rolle. Zum einen natürlich Ernährungs­ge­-
 zu eruieren, um einen gezielten und rationalen Einsatz lo-    wohnheiten (viel rotes Fleisch und tierische Fette als krebs­-
 kaler Kälteapplikation zu ermöglichen. Auf der Basis dieses   begünstigende Faktoren versus Obst, Gemüse und Ballast­
 Vorhabens konnte ein DFG-Sachbeihilfeantrag zum Thema         stoffe), aber eben auch die genetische Veranlagung. Dabei
“Bedeutung systemischer Hypothermie für Inflammation           ist offenbar das Vorhandensein eines Blutsverwandten mit
 und Apoptose bei schwerem Gewebeschaden“ erfolgreich          Darmkrebs in der Familie ganz wesentlich, was uns zu fol-
 eingeworben und im Rahmen des DFG-Schwerpunktpro­             gender Untersuchung veranlasste :
 gramms 1151 “Immun- und Stoffwechselmodulation durch
 schweres Gewebetrauma“ bearbeitet werden.                         2001 förderten die Freunde des UKS die von mir gelei­-
                                                               tete „Saarländisch-pfälzische Adenomstudie“. Ziel der
    Unsere Untersuchungen erlaubten die Bedeutung der          Studie war es, zu prüfen, ob es sinnvoll ist, Verwandte ersten
 niedrigen Körperkerntemperatur für das Gewebetrauma           Grades (Kinder) von früheren Darmkrebspatienten bereits
 zu definieren und zeigten, dass systemische Hypothermie       im Alter von 40 bis 50 Jahren einer Vorsorgeuntersuchung
 die traumainduzierten mikrozirkulatorischen Funktions­        zuzuführen, da sich bei ihnen adenomatöse Polypen im
 störungen des Weichteilgewebes deutlich verschlimmert.        Darm bereits deutlich früher entwickelt haben dürften,
 Damit wurde wissenschaftliche Evidenz für die klinischen      als bei Personen ohne eine solche familiäre Belastung.
 Bemühungen geschaffen, Hypothermie beim akut trau-            Wir haben deshalb jeweils 200 Personen mit familiärer
 matisierten Patienten zu verhindern. Seither leite ich das    Belastung und eine entsprechende Kontrollgruppe ohne
 Rudolf-Zenker-Institut für Experimentelle Chirurgie an der    Darmkrebserkrankungen in der Familie miteinander ver-
 Medizinischen Fakultät der Universität Rostock und die Core   glichen. Es hat sich gezeigt, dass Adenome bereits in der
 Facilities „Zentrale Versuchstierhaltung“ und „Multimodale    5. Lebensdekade in der Risiko­gruppe häufiger (18 Prozent
 Kleintierbildgebung“. Unsere grundlagenorientierten wis-      ggü. 8 Prozent) vorkommen, als in der Kontrollgruppe. Die
 senschaftlichen Aktivitäten beinhalten die Analyse von        Ergebnisse habe ich in meiner Habilitationsschrift verwen-
 spezifischen pathophysiologischen Prozessen und die An­-      det und 2006 auch in internationalen Fachzeitschriften
 wendung neuer Therapiekonzepte, um Krankheiten besser         publiziert. Sie decken sich mit weiteren internationalen
 erkennen, verstehen und behandeln zu lernen. Schwer­          Studien und unterstützen die Notwendigkeit von Vorsorge­
 punkt liegt auf der Degeneration und Regeneration der         untersuchungen möglichst bereits im Alter von etwa 45
 viszeralen Organe, des Gehirns und des muskuloskelet-         Jahren, zumindest aber 20 Jahre vor dem Alter, in dem
 talen Systems.                                                bei dem erstgradigen Verwandten das Karzinom festge-
                                                               stellt wurde.
    Ich bin Mitglied der Nationalen Akademie der Wissen­
 schaften Leopoldina und hier als Senatorin für die Sektion       Seit 2004 bin ich als Chefarzt der Klinik für Gastro­en­te­-
 Chirurgie, Anästhesiologie und Orthopädie verantwort-         rologie, Hepatologie, Diabetologie und Infek­tions­krank­-
                                                                                                                                  III 2018

 lich. Nach langjähriger Tätigkeit als DFG Fachkollegiatin     heiten des Diakonie-Klinikums Schwäbisch Hall tätig und als
 und als Mitglied im Senats- und Bewilligungsausschuss         stell­vertretender Leiter des Darmkrebszentrums an der
 für Graduiertenkollegs leite ich aktuell die ständige DFG     Weiter­entwicklung entsprechender endoskopischer Tech­-
                                                                                                                                 report

 Senatskommission für tierexperimentelle Forschung.            niken beteiligt, mit denen auch etablierte kleinere Karzi­
                                                               nome behandelt werden können und die den Patienten im
                                                               Einzelfall eine risikoreichere Operation ersparen. 2011 wur-
                                                                                                                                  UKS

                                                               de ich zum außerordentlichen Professor der Medizinischen
                                                               Fakultät der UdS ernannt.
                                                                                                                                  13
Titelthema

             Prof. Ulrich Laufs, Forschungspreis 2003                        Prof. Thomas Bayer, Forschungspreis 2004
             zum Thema „Molekulare Effekte von                               zum Thema „Steigerung der Gedächtnisleistung
             körperlichem Training auf die Gefäßfunktion“                    bei der Alzheimer Erkrankung durch die orale
                                                                             Gabe von Kupfer“
                Im Jahr 2003 wurde ich für unser Projekt „Molekulare
             Effekte von körperlicher Aktivität auf die Gefäßfunktion“           In Deutschland leben zur Zeit über eine Million De­-
             mit dem Prof. Dr. Egon Müller Preis ausgezeichnet. Trotz        menzkranke, wobei zwei Drittel dieser Patienten an der
             der unstrittigen Wirksamkeit von körperlicher Aktivität         Alzheimer Krankheit leiden. Die Anzahl der Erkrankten wird
             zur Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen sind die          weiter ansteigen, falls keine Therapien oder pro­phylak­-
             zugrundeliegenden zellulären und molekularen Mecha­             tische Maßnahmen gefunden werden. Im Verlauf der Alz­
             nismen bis heute erst unvollständig verstanden. Unsere          heimer Krankheit verschlechtern sich bei einem Betroffen­
             Arbeitsgruppe hat beobachtet, dass freiwilliges Lauftrai­-      en neben seinen Gedächtnisleistungen auch allmählich die
             ning die Gefäßfunktion verbessert. Dies führt zu einer Hem­     kognitiven Fähigkeiten. Neuropathologisch ist die Alzhei­
             mung von Atherosklerose und der Reduktion von Schlag­           mer Krankheit unter anderem durch Proteinablagerungen
             anfällen.                                                       im Gehirn gekennzeichnet. Diese sogenannten Plaques
                                                                             bestehen hauptsächlich aus dem Protein A-Beta(Amyloid).
                Durch weitere Projekte konnten wir zeigen, dass diese        In der Forschung werden Mäuse, die neben ihren Proteinen
             Effek­te unter anderem durch eine Hochregulation von en-        das menschlich mutierte Protein APP bilden, als Tiermodell
             dothelialen Vorläuferzellen vermittelt werden. Ein beson-       für die Alzheimer Krankheit eingesetzt. In einer ersten von
             ders interessanter Befund war, dass körperliches Training       uns publizierten Studie konnten wir zeigen, dass durch
             zu einer positiven Regulation von Telomer-Proteinen führt;      eine Erhöhung der Kupfer-Konzentration im Gehirn dieser
             dieser Befund lässt sich auch bei Menschen nachweisen           transgenen Mäuse sowohl eine Reduktion der A-Beta Spie­
             und stellt eine molekulare Erklärung für „anti-aging“ Effket    gel als auch eine Steigerung der Überlebensrate erzielt
             von körperlicher Aktivität dar. Aktuell untersuchen wir in      werden kann. Die Erhöhung der zerebralen Kupferspiegel
             einer Zusammenarbeit der UdS (PD Dr. Christian Werner,          wurde durch eine Anreicherung des Trinkwassers mit Kupfer
             Prof. Tim Meyer) mit der Universität Leipzig, ob und in wel-    erreicht. Unsere Untersuchungen , die zusammen mit Ste­
             cher Weise sich unterschiedliche Trainings-Modalitäten          phanie Schäfer durchgeführt wurden, ergaben einen po­
             (Ausdauer-, Intervall- und Kraft-Training) mit Bezug auf ihre   sitiven Effekt. Aufgrund dessen wurde die Wirkung von
             zellulären Effekte und damit potentiell bezüglich ihrer prä-    Kupfer auf die Entwicklung einer Demenz in einer klini-
             ventiven Wirkung unterschieden. Unser übergeordnetes            schen Phase-II-Studie an Patienten mit einer Alzheimer
             Ziel – seit der Auszeichnung durch den Verein der Freunde       Demenz weiter untersucht. Diese plazebo-kontrollierte
             des UKS im Jahr 2003 – ist es, durch ein besseres Verständ­     Studie wurde publiziert. Zusammenfassend ließ sich fest-
             nis der zellulären Effekte von Sport dazu beizutragen, ei-      stellen, dass es positive therapeutische Effekte gab, aller-
             nen gezielten individualisierten Einsatz von körperlicher       dings sind diese meiner jetzigen Einschätzung nach noch
             Aktivität zur Vorbeugung von Herzinfarkten, Schlaganfällen      nicht ausreichend, um diese Behandlung mit oraler Gabe
             und Herzinsuffizienz zu ermöglichen.                            von Kupfer in die Routine einzuführen.

                Nach produktiven Jahren im Saarland habe ich im Som­            Im Jahre 2004 wurde ich zum außerplanmäßigen Pro­
             mer 2017 den Lehrstuhl für Kardiologie und die Leitung          fessor an der Klinik für Psychiatrie des UKS ernannt und er-
             der Klinik und Poliklinik für Kardiologie an der Universität    hielt 2007 den Ruf an die Universitätsmedizin Göttingen für
             Leipzig übernommen und freue mich in dieser Rolle das           die Professur für Molekulare Psychiatrie. Seitdem forschen
             Forschungsthema weiter ausbauen zu können.                      wir schwerpunktmäßig an der Entwicklung eines Impfstof­-
                                                                             fes gegen die Alzheimer Demenz. Zurzeit sind wir dabei
                                                                             einen therapeutischen Antikörper für den Menschen ver-
UKS

                                                                             träglich zu machen und hoffen dann, diesen mittelfristig
                                                                             zu testen.
report
III 2018

14
Titelthema
Prof. Matthias Laschke , Forschungspreis 2005                    Prof.Urban Geisthoff, Forschungspreis 2007
zum Thema „Neuer Therapieansatz zur                              zum Thema
Behandlung der Endometriose“                                    „Gefäßentwicklung beim Morbus Osler“

    Im Jahr 2005 wurde mein Forschungsprojekt mit dem               Der Morbus Osler (die hereditäre hämorrhagische Tele­
Titel “Hemmung der Angiogenese durch Inhibition der Cy­-        angiektasie, HHT) ist eine Erbkrankheit, bei der es zu Gefäß­
clo­oxygenase-2 als neuer Therapieansatz zur Behand­lung        erweiterungen kommt. Diese können in der Nase und im
der Endometriose“ mit dem Forschungspreis der Freun­de          Verdauungstrakt bluten; in Lunge, Leber und Gehirn kön-
des UKS ausgezeichnet. Die Endometriose ist eine häufi­-        nen tödliche Folgen entstehen. Die Be­hand­lungs­mög­lich­­-
ge gynäkologische Erkrankung, bei der versprengte Gebär-        kei­ten sind beschränkt. Seit Jahren besteht in Der HNO-
mutterschleimhaut (Endometrium) in Form von sogenann-           Klinik im UKS eine besondere Verbundenheit mit der in-
ten Endometrioseherden im Bauchraum wuchert, was mit            ternationalen und nationalen Selbsthilfegruppe. Deshalb
Verwachsungen und starken Schmerzen einhergehen kann.           kommen viele Patienten mit Morbus Osler nach Homburg.
Im Rahmen des geförderten Forschungsprojekts konn-              Der Mechanismus der zur Erweiterung der Gefäße führt,
te erstmals gezeigt werden, dass die Entwicklung neuer          ist nicht bekannt. Dies trägt entscheidend zu den Schwierig­
Blutgefäße (Angiogenese) in Endometrioseherden durch            keiten der Behandlung bei. Seit einigen Jahren gibt es Maus­
Blockade des Enzyms Cyclooxygenase-2 gehemmt wird,              modelle für die wichtigsten Gen-Defekte.
was zu einer Rückbildung der Herde führt. Damit lieferte
dieses Projekt einen wichtigen Beitrag zur kontinuierlichen        Ziel des Forschungsprojektes, das zusammen mit Michae­-
Erforschung neuer, anti-angiogener Therapiekonzepte für         la Amon und Prof. Michael Menger durchgeführt wurde,
die Endometriose. Seither wurden zahlreiche Wirkstoffe          war es, bei Mäusen mit einer bestimmten Mutation Gefäß­
iden­tifiziert, die die Angiogenese in Endometrioseherden       missbildungen zu induzieren und diese unter der chro­-
hemmen können. Weiterhin ist inzwischen bekannt, dass           nisch-dor­salen Rückenmarkskammer zu beobachten. Später
verschiedene Mechanismen zur Entwicklung neuer Blut­            woll­ten wir dann Behandlungsansätze hierfür entwickeln.
gefäße in Endometrioseherden beitragen, an denen teil­-         Es gibt eine Reihe von Mausmodellen und wir haben uns
weise auch Stammzellen beteiligt sind. Insofern ist es denk­-   für eine Maus mit einer Mutation im Endoglin-Gen ent-
bar, dass es in absehbarer Zeit neue diagnostische und          schiedenen. Dieses Mausmodell wurde von Michelle Letarte
thera­peutische Konzepte geben wird, die gezielt diese          aus Toronto zuerst beschrieben. Diese Mäuse haben die
Mechanismen nutzen, um auf diese Weise die Behandlung           gesuchten Veränderungen in unseren Versuchen leider nie
von Endometriose-Patientinnen zu verbessern.                    gezeigt. Ein befreundeter Kollege in Florida (Paul Oh) hat-
                                                                te mit seiner Arbeitsgruppe mehr Glück. Er entwickelte und
    Mein Forschungsprojekt bearbeitete ich damals als neu-      ver­wende­te Mäuse mit einer anderen Mutation (der ALK-
er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Klinisch-   1-Mutation) und konnte seine Ergebnis als erster publi­
Experimentelle Chirurgie (Direktor: Prof. Michael D. Menger)    zieren, wobei er für seine Versuche die gleiche Technik
der UdS. Nach einem Auslandsaufenthalt in der Abtei­lung        ver­wandt hatte. Daraufhin wurden unsere Versuche nach
für Chirurgische Forschung des Universitätsklinikums Mal­       etwa fünf Jahren eingestellt.
mö, Lund Universität, Schweden, wo ich zum Doctor of
Philosophy promovierte, habilitierte ich mich an der Medi­-        Seit Oktober 2017 bin ich stellvertretender Direktor der
zinischen Fakultät der UdS und erhielt im Jahr 2009 die         Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universität Mar­
Venia legendi für das Fach „Klinisch-Experimentelle Chir­-      burg. Ich beschäftige mich weiterhin mit dem Morbus Osler.
ur­gie“. Seitdem betreue ich in meiner Funktion als Stell­      Zum einen leite ich das Angiomzentrum Marburg, welches
vertretender Direktor des Instituts verschiedene wissen-        sich mit Gefäßanomalien aller Art beschäftigt, zum ande-
schaftliche Arbeitsgruppen, die sich nach wie vor mit der       ren bin ich Mitglied des „Global Research and Medical
Endometriose beschäftigen, darüber hinaus jedoch auch           Advisory Board“ von HHTCure, Vorsitzender des Kuratori­
                                                                                                                                 III 2018

noch viele weitere Schwerpunktthemen bearbeiten.                ums der Morbus Osler-Stiftung und dritter Vorsitzender der
                                                                bundesweiten Morbus Osler-Selbsthilfe e.V. Gegenwärtig
                                                                bin ich an Planungen beteiligt, den alten, damals vom Verein
                                                                                                                                report

                                                                der Freunde des UKS geförderten Forschungsansatz in ver-
                                                                änderter Form und neuer Zielrichtung wieder aufleben zu
                                                                lassen.
                                                                                                                                 UKS

                                                                                                                                 15
Titelthema

                             Prof. Johannes Oberwinkler, Forschungspreis 2009                  Besonders wichtig war uns der Nachweis, dass diese
                             zum Thema „Regulation von TRPM3 Kanälen                       Regulation der TRPM3 Kanäle auch im Körper funktioniert.
                             durch Hormone im Kontext von Insulinfreisetzung               Dieser Nachweis gelang uns mittlerweile mehrfach, sowohl
                             und Schmerzlinderung“                                         in den insulinfreisetzenden Zellen der Bauchspeicheldrüse,
                                                                                           als auch in sogenannten Schmerzrezeptorzellen. Diese Zel­-
                                Ab dem Jahre 2002 konnte ich in Homburg (Exper­i­men­-     len können aktiviert werden, wenn wir zu heiße Ge­gen­stän­-
                             telle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der         de berühren, aber sie können auch abnormal aktiv sein, z.B.
                             UdS) eine Nachwuchsgruppe aufbauen, die von der DFG           im entzündeten Gewebe, was chronische Schmer­zen verur­-
                             im Rahmen des Emmy Noether-Programms gefördert wur-           sachen kann. Opioidrezeptoren, die durch schmerz­lin­dern­-
                             de. Schon damals waren TRPM3 Kanäle im Fokus unse­rer         de Substanzen wie das Morphin stimuliert werden können,
                             Forschungen. TRPM3 Kanäle sind Eiweiße, die den Aus­          sind bekannt dafür, dass sie die Aktivität dieser Zellen däm­
                             tausch von geladenen Teilchen (Ionen) über die Zellmem­       pfen und so Schmerzen lindern. Unsere Ergebnisse zeigten,
                             bran ermöglichen. Insbesondere erforschten wir damals,        dass durch Morphin insbesondere auch die Aktivität von
                             wie diese TRPM3 Kanäle die Freisetzung des blutzuckersen-     TRPM3 Kanälen gehemmt wird. Diese Erkenntnisse, für
                             kenden Hormons Insulin aus Zellen der Bauchspeicheldrüse      die wir den Sertürnerpreis 2017 gewonnen haben, zeigen
                             beeinflussen.                                                 somit einen neuen Mechanismus auf, wie morphinartige
                                                                                           Schmerzmittel ihre Wirkung entfalten.
                                Das Projekt, das mit dem Forschungspreis 2009 ausge-
                             zeichnet wurde, war die direkte Fortsetzung dieser Arbeiten      Im Jahr 2011 habe ich einen Ruf an die Philipps-Uni­
                             und befasste sich mit der Frage, wie TRPM3 Kanäle wieder-     versität Marburg angenommen. Seitdem untersucht mei-
                             um selbst durch Hormone oder anderen Botenstoffe beein-       ne Arbeitsgruppe im dortigen Institut für Physiologie und
                             flusst werden. Wir fanden sehr schnell heraus, dass TRPM3     Pathophysiologie weiterhin die Eigenschaften und Funk­
                             Kanäle durch bestimmte Botenstoffe sehr stark gehemmt         tionen von TRP Kanälen, mittlerweile hauptsächlich in neu-
                             werden. In der Folge konnten wir herausarbeiten, wie die      ronalen Systemen.
                             hormonellen Signale in den Zellen weitergeleitet werden
                             und welche intrazellulären Eiweiße an diesen Vorgängen
                             mitarbeiten.

             A n zei ge  
Homburger Unternehmer

                                                                                                                                   Titelthema
engagiert sich für
junge Wissenschaftler
Im Jahr 2014 wurde der Homburger Apotheker und Unternehmer Dr. Peter Theiss
zu seinem 70. Geburtstag reich beschenkt und er machte selbst ein großzügiges
Geschenk: Mit dem von seinem Unternehmen „Dr. Theiss Naturwaren“ gestifteten,
mit insgesamt 100 000 Euro dotierten Preis ermöglichte er es dem Verein der Freunde
des UKS, in der Folgezeit jährlich – neben den bereits etablierten Forschungspreisen
der Freunde – einen weiteren Preis in einer Höhe zwischen 10 000 und 20 000 Euro
zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu verleihen
TEXT christiane roos FOTO karin richter

    Als Homburger wolle er die Homburger Forschung för-            Mit dem Dr. Theiss - Forschungspreis wolle er der Gesell­
 dern, erklärte Theiss damals. Seine Unterstützung lasse        schaft zurückgeben, was er selbst als junger Stipendiat von
 er dem Verein der Freunde des UKS zukommen, weil „der          der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten habe,
 Freundeskreis eine sehr wichtige Arbeit leistet“, so Theiss.   sagt Theiss. Damals konnte er seine Forschung am Max-
                                                                Planck-Institut für Psychiatrie, Abteilung Psychopharma­
    Den ersten Theiss-Preis, einen der im Saarland höchst       kologie, in München teilfinanzieren und als erster außerhalb
 dotierten Forschungspreise, überreichte 2014 die damalige      der Pharmazeutischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-
 saarländische Ministerpräsidentin und Wissenschafts­mi­        Uni­versität promovieren. Zudem „macht es Freude, zu
 nisterin Annegret Kramp-Karrenbauer. Dass Theiss über          verfolgen, auf welchen Feldern junge Wissenschaftler for­-
 sein Unter­nehmen einen Forschungspreis gestiftet habe,        schen und welchen neuen wissenschaftlichen Entdeck­
„das passt“, meinte Kramp-Karrenbauer, denn Theiss sei          ungen sie auf der Spur sind“, betont Theiss.
„ein unglaublich neugieriger und wissbegieriger Mensch“.
 Der Preis, so die Ministerpräsidentin, sei „Ausdruck der           Peter Theiss engagiert sich mit seinem Unternehmen
 besonderen Verbundenheit mit Wissenschaft, Forschung           nicht nur für den Verein der Freunde des UKS. Das Unter­
 und dem UKS“.                                                  nehmen vergab im Rahmen der Entwicklung neuer Produk­
                                                                te Forschungsaufträge an die Zahn- und an die Hautklinik
     Der erste Theiss-Preisträger Dr. Maximilian Linxweiler     des UKS. Darüber hinaus unterstützte Theiss Initiativen für
 erhielt den Preis für seine Forschung über die mög­liche       krebs- und herzkranke Kinder.
 Unterdrückung des Wachstums und der Metasta­sierungs­
 neigung von Tumorzellen mithilfe des Doldenblütlers Thap­-
 sia garganica.

                                                                                  Dr. Peter Theiss

                                                                 Peter Theiss, geboren und aufgewachsen in Homburg, stu-
                                                                 dierte Pharmazie an der Ludwig-Maximilians-Universität in
                                                                 München. Nach seiner Promotion übernahm er 1976 die von
                                                                 seinem Vater gegründete Markt-Apotheke in Homburg. Er befass-
                                                                 te sich mit Pflanzenheilkunde und alternativen Heilmethoden
                                                                 und gründete 1978 das Unternehmen „Dr. Peter Theiss Natur­
                                                                 waren“, das sich heute vollständig in Familienbesitz befindet.
                                                                 Angefangen hat alles mit der Ringelblumensalbe, die Theiss
                                                                 1979 auf den Markt brachte. Zwischenzeitlich produziert und
                                                                 vertreibt das Unternehmen weltweit mit mehr als 1000 Mit­
                                                                 arbeitern – 400 davon sind am Standort Homburg beschäftigt –
                                                                 Kosmetik, Naturarznei- und Zahnpflegemittel, die ausschließ-
                                                                                                                                   III 2018

                                                                 lich in Apotheken erhältlich sind.
Anlässlich der ersten Theiss-Preis Verleihung
V.l.n.r. . Dr. Peter Theiss; Prof. Bernhard Schick, zum
damaligen Zeitpunkt Vorsitzender des Vereins der Freunde;        2009 wurde Peter Theiss vom damaligen Ministerpräsidenten
                                                                                                                                  report

Annegret Kramp-Karrenbauer, zum damaligen Zeitpunkt              Peter Müller für seine Verdienste um die saarländische Wirt­
Ministerpräsidentin, Dr. Maximilian Linxweiler,
                                                                 schaft mit dem Ehrentitel „Professor“ ausgezeichnet.
erster Theiss-Preisträger
                                                                                                                                   UKS

                                                                                                                                    17
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