FRAUENMONITOR 2021 ARBEITERKAMMER OÖ - Die Lage der Frauen in Oberösterreich ooe.arbeiterkammer.at
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CORONA GABE
NDER AUS
SO
FRAUENMONITOR 2021
ARBEITERKAMMER OÖ
Die Lage der Frauen
in Oberösterreich
ooe.arbeiterkammer.atVORWORT Elfriede Schober Dr. Johann Kalliauer AK-VIZEPRÄSIDENTIN AK-PRÄSIDENT CORONA-SONDERAUSGABE DES FRAUENMONITORS: DIE LAGE HAT SICH WEITER ZUGESPITZT Frauen sind von der Corona-Krise besonders stark betroffen: Die Lage der Frauen hat sich in den letzten Monaten noch einmal zugespitzt und in vielen Lebensbereichen zum Teil dramatisch verschlechtert. Warum dies so ist und was dagegen getan werden kann, können Sie in dieser Corona-Sonderausgabe des Frauenmonitors der Arbeiter kammer Oberösterreich lesen. Am 8. März jährte sich der Weltfrauentag zum 110. Mal. Am 19. März 1911 gingen in Europa und in den USA eine Million Frauen gleichzeitig auf die Straße, um für ihre Rechte und Gleichstellung zu demonstrieren. In Österreich wurden unter Federführung der Arbeiterinnen-Bewegung unter anderem das Frauen-Wahlrecht und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen gefordert. Einige Ziele wurden erreicht, andere scheinen unverändert in weiter Ferne. Heute mehr denn je! Wo bleibt die Gleichstellung? Seit über einem Jahr fordert uns die Covid-19-Pandemie nun schon. Global ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Dramatisch ist, dass die Gleichstellung der Geschlechter angesichts der Pandemie weltweit hintangestellt wird. Ein harter Verdrängungsprozess am Arbeitsmarkt zu Lasten der Frauen zeichnet sich ab. Das merken wir zum einen im direkten Kontakt mit unseren Mitgliedern, zum anderen aber auch an der Verteilung der Corona-Unterstützungen. In Beratungsgesprächen berichten uns immer mehr Frauen, dass sie alleine aufgrund der Tatsache, dass sie ein Kind bekommen könnten oder sie Mutter geworden sind, diskriminiert werden. Nach wie vor wird Frauen für eine gleiche oder gleichwertige Arbeit deutlich weniger bezahlt als ihren männlichen Kollegen. Die Ungleichbehandlung wird aber auch augenscheinlich, wenn man die Verwendung der staatlichen Corona-Hilfen mit der Gender-Brille analysiert. Rund drei Viertel der eingesetzten Mittel gehen an Unternehmen. Arbeitnehmer/- innen – und hier im Besonderen die Frauen – kommen viel zu kurz! Die Krise betrifft die Menschen recht unterschiedlich und soziale Schwachstellen brechen – je länger die Krise andauert – auf. Wenn einerseits die Lebenserhaltungskosten gleich hoch bleiben oder gar noch steigen und anderer- seits das Einkommen aufgrund von Arbeitslosigkeit dramatisch absinkt, können in letzter Konsequenz die kleinsten Rechnungen für die Lebenshaltung nicht mehr bezahlt werden. Je länger die Pandemie andauert, umso mehr und umso stärker kristallisiert sich auch die stärkere Betroffenheit – im negativen Sinn – der Frauen heraus. Im Unter- schied zu den Vorjahren geht es derzeit für die Frauen nicht schmerzhaft langsam nach oben, sondern teilweise dramatisch nach unten. Her mit dem Corona-Tausender! Vier von fünf Oberösterreicherinnen arbeiten in Dienstleistungsbranchen. Die Mehrheit ist dabei in den systemrelevanten Berufen, allen voran in der Pflege und Betreuung, im Gesundheits wesen und im Lebensmittelhandel tätig. Es waren und sind Frauen, die unser Land während der zahlreichen Lockdowns am Laufen gehalten haben und an vorderster Front zum Teil unter widrigsten Umständen und unter großer Ansteckungsgefahr ihre Arbeit verrichtet haben. Zum Teil sind sie dabei auch über sich hinausgewachsen. 2 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICH
VORWORT
Die Corona-Krise hat die Schwachstellen in den Arbeitsbedingungen in vielen Dienstleistungsberufen ans Tageslicht
gespült. Hier gibt es aus unserer Sicht dringenden Handlungsbedarf, wenn es beispielsweise um den Personalschlüssel
in den Alten- und Pflegeheimen, in der institutionellen Kinderbetreuung, aber auch im Gesundheitswesen geht.
Schwierige Arbeitsbedingungen, gepaart mit schlechter Entlohnung, sind auch Merkmale, die den Lebensmittel
handel kennzeichnen. Auf jeden Fall sind hier die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Einkommen zu
erhöhen. Die überwiegend weiblichen Beschäftigten in diesen Branchen haben sich den von der Arbeiterkammer
und Gewerkschaft geforderten Corona-Tausender mehr als verdient.
Ohne Frauen geht nichts! Zeitgleich mussten im Zuge der vielen Lockdowns viele Oberösterreicherinnen über
Nacht ihren Arbeitsplatz zu Hause einrichten und parallel dazu die Kinder im Home-Schooling beim Lernen unter-
stützen und anleiten. Nachdem aber auch die Kindergärten, Krabbelstuben und Horte nur eingeschränkt besucht
werden sollten, musste häufig auch zeitgleich die Kinderbetreuung sichergestellt werden – und das ohne tatkräftige
Unterstützung von Großeltern, Verwandten und Freunden/-innen. Soziale Kontakte waren und sind ja unverändert
auf ein Mindestmaß zu beschränken. Frauen leisten laut dem aktuellen Arbeitsklima Index in Österreich das Gros der
unbezahlten Care-Arbeit in den Familien. Vor diesem Hintergrund wird die Arbeitszeit von Frauen im Home-Office
in Zeiten der Krise vielfach auf Randzeiten – Zeiten, in denen die Kinder noch oder schon schlafen – in der Früh,
am Abend oder in die Nacht verlegt.
Dramatischer Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Die Oberösterreicherinnen arbeiten aber auch in einer großen
Zahl in Dienstleistungsbranchen, die von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie in einer anderen Art und Weise
besonders hart betroffen waren und sind. Etwa in Kunst und Kultur, im Tourismus, im Gaststätten- und Beherber-
gungswesen. Viele dieser Frauen befinden sich unverändert in Kurzarbeit oder haben ihren Arbeitsplatz aufgrund der
Länge der Krise und der zahlreichen Lockdowns in diesen Branchen längst verloren. Der Anstieg der Langzeitarbeits-
losigkeit muss im Vorjahresvergleich als dramatisch bezeichnet werden. Hier gibt es dringenden politischen Hand-
lungsbedarf, konkrete Lösungsvorschläge von Seite der Arbeiterkammer liegen auf dem Tisch.
AK ist starke Partnerin in der Krise. Vor diesem Hintergrund haben die AK-Mitglieder ihre gesetzliche Interessen-
vertretung noch häufiger gebraucht. 2020 wurden rund 375.000 Anfragen von Beschäftigten bearbeitet. Die Band
breite der Beratungsinhalte war und ist sehr groß. Sie reicht von Kurzarbeit, Existenzsicherung und Härtefällen bis zu
Problemen bei der Kinderbetreuung und Anfragen besorgter Konsumentinnen und Konsumenten (etwa zu Reise
fragen). Immer mehr Frauen kommen aber auch in unsere Gleichbehandlungsberatung, weil sie diskriminiert
werden. Im Falle einer sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz kommt auch Gewalt ins Spiel und hier muss in jedem
Fall schnell gehandelt werden. Im Jahr 2020 konnte diskriminierten Frauen in Summe zu Nachzahlungen in der
Höhe von fast 220.000 Euro verholfen werden.
Der hohe Zuspruch und die hohen Vertrauenswerte der Arbeiterkammer Oberösterreich sind für uns kein Ruhe
polster, sondern großer Ansporn zu noch mehr Einsatz für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Als gesetzliche
Interessenvertretung werden wir auch weiterhin im ständigen Dialog mit unseren Mitgliedern sein und deren
Interessen vertreten. Konsequent werden wir uns auch in Zeiten der Krise für eine gleichberechtigte, selbstbestimmte
und unabhängige Teilhabe der Frauen in unser Gesellschaft einsetzen.
Elfriede Schober Dr. Johann Kalliauer
AK-Vizepräsidentin AK-Präsident
Anmerkung:
Ergänzend dürfen wir an dieser Stelle auf den wesentlich umfassenderen Frauenmonitor der Arbeiterkammer
Oberösterreich aus dem Jahr 2020 verweisen, den Sie unter frauen@akooe.at anfordern können.
FRAUENMONITOR 2021 3INHALT
BESCHÄFTIGUNG 6
EINKOMMEN 11
ARBEITSBEDINGUNGEN 14
GLEICHBEHANDLUNG 18
ARBEITSLOSIGKEIT 21
KINDERBETREUUNG 24
CARE 28
ARMUT 31
FRAUENMONITOR 2021 5BESCHÄFTIGUNG
ENORMER RÜCKGANG DER
BESCHÄFTIGUNG IN DER KRISE
Kein Ereignis zuvor hatte derart massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt wie die
Corona-Krise. Frauen waren davon besonders betroffen, denn mit den Lockdowns ging vor
allem in den frauendominierten Branchen die Beschäftigung zurück. Um dem Beschäf
tigungsrückgang entgegenzuwirken sind dringend Investitionen und Kaufkraftstärkung
notwendig.
Die Entwicklung der Beschäftigung von der vergleichsweise erfolgreiche Sommertou-
Frauen im ersten Corona-Jahr stellt sich so rismus wirkten sich positiv auf die Entwick-
dar: Im März 2020 brach die Beschäftigung lung der Frauenbeschäftigung aus. Seit dem
österreichweit sowohl bei den Frauen als Spätherbst 2020 allerdings sind die negativen
auch bei den Männern massiv ein. Bei den Beschäftigungseffekte österreichweit bei den
Männern fiel der Einbruch aufgrund der grö- Frauen wieder stärker als bei Männern ausge-
ßeren Bedeutung der Baubranche und der prägt (zweiter Lockdown und kein Winter-
Arbeitskräfteüberlassung etwas stärker aus. tourismus). Im Februar 2021 lag die
Bis zum Sommer 2020 fielen aber dann die Beschäftigung bei den Frauen in Oberöster-
relativen Beschäftigungsrückgänge bei den reich um absolut 2077 bzw. minus 0,7 Pro-
Frauen im gesamten Bundesgebiet stärker zent unter dem Vergleichswert des Vorjahres
aus als bei den Männern. Die schrittweisen (Männer: minus 1375 Beschäftigte bzw. mi-
Lockerungen und damit zusammenhängend nus 0,4 Prozent). Bundesweit betrug das Mi-
nus bei den Frauen rund 60.000 bzw. minus
3,4 Prozent (Männer: rund minus 52.000
bzw. minus 2,6 Prozent).
Beschäftigte Frauen durch Corona
mehrfach betroffen
Beschäftigte Frauen waren und sind von den
wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen
der Corona-Pandemie massiv betroffen. So
waren unmittelbar vor Beginn der Pandemie
beinahe die Hälfte der Frauen in sogenann-
ten „systemrelevanten“ Branchen tätig (bei
den Männern war es ein Drittel). Während
des letzten Jahres hat sich die Arbeitsbelas-
tung für die Mitarbeiterinnen in den „system-
relevanten“ Branchen deutlich erhöht – egal
ob im Lebensmittelhandel oder im Gesund-
heitswesen, in der Betreuung und Pflege.
Einerseits ist in Summe mehr Arbeit angefal-
len, andererseits sind immer wieder
Kollegen/-innen covidbedingt ausgefallen.
Dazu kommt seit Beginn der Corona-Pande-
mie die Gefahr, sich durch die unvermeid
lichen Kontakte mit Kunden/-innen oder
Patienten/-innen mit dem Virus anstecken zu
6 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICHBESCHÄFTIGUNG
ENTWICKLUNG DER BESCHÄFTIGUNG IN OBERÖSTERREICH
Februar 2021, ausgewählte Branchen, in Prozent zum Vorjahresmonat
-16,4
Kunst, Unterhaltung u. Erholung -7,0
-12,8
Beherbergung und Gastronomie -14,2
-4,6
Verkehr und Lagerei -1,9
sonstige wirtschaftl. -4,3
Dienstleistungen -2,1
-2,7
Herstellung von Waren -1,3
-2,4
sonstige Dienstleistungen -0,1
Finanz- und Versicherungs- -1,0
dienstleistungen -2,5
-0,4
Grundstücks- u. Wohnungswesen -1,4
Handel; Instandhaltung, 0,5
Reparatur Kraftfahrzeuge 1,5
0,7
Erziehung und Unterricht 0,1
1,8
Gesundheits- und Sozialwesen 3,7
Öffentliche Verwaltung, 2,0
Verteidigung, Sozialversicherung -0,2
freiberufl., wissenschaftl. 2,1
und techn. Dienstleistungen 1,2
2,1
Bau 3,2
2,9
Information und Kommunikation 4,1
-17,5 -15,0 -12,5 -10,0 -7,5 -5,0 -2,5 0,0 2,5 5,0
Quelle: BaliWeb, AK OÖ Frauen Männer
können. Während in vielen Betrieben auf
Kurzarbeit umgestellt werden konnte, muss-
ten diese Beschäftigten sogar Überstunden
machen, um unsere Gesellschaft am Laufen
zu halten (siehe Kapitel Arbeitsbedingungen,
Seite 14).
Auf der anderen Seite arbeiten aber auch
überdurchschnittlich viele Frauen in Dienst-
leistungsbranchen, die von den Lockdowns
besonders hart betroffen waren und sind. Das
sind etwa weite Bereiche des Handels (mit
Ausnahme des Lebensmittelhandels und der
Drogeriemärkte), der Tourismus und persön-
liche Dienstleistungen (Friseur- und Kosme-
tiksalons oder Fitnessstudios). Durch
Kurzarbeit konnten hier im Jahresverlauf
2020 Jobs gerettet werden, vielfach haben
aber diese Arbeitnehmerinnen sowie Frauen,
die in anderen Dienstleistungsberufen (etwa
Kunst und Kultur) arbeiten, ihren Arbeits-
platz verloren.
FRAUENMONITOR 2021 7BESCHÄFTIGUNG
Einbruch bei geringfügiger Kinderbetreuungsangeboten und schlechter
Beschäftigung Verkehrsanbindung sind das für Frauen oft
die einzigen realistischen Beschäftigungs-
Auch viele geringfügig Beschäftigte haben möglichkeiten.
aufgrund der Covid-19-Pandemie ihren Job Wie die folgende Tabelle zeigt, gab es im Feb-
verloren. In diesem Arbeitsmarktsegment be- ruar 2021 bundesweit um knapp 29.000 we-
trägt der Frauenanteil fast zwei Drittel. Insbe- niger geringfügig beschäftigte Frauen (minus
sondere aufgrund von unzureichenden 13,5 Prozent im Vorjahresvergleich).
GERINGFÜGIG BESCHÄFTIGTE NACH BUNDESLÄNDERN
Februar 2021 (Veränderung zum Vorjahresmonat)
Frauen Männer
Bestand +/- absolut +/- in % Bestand +/- absolut +/- in %
Burgenland 5.787 -136 -2,3 3.751 +33 +0,9
Kärnten 12.122 -1.894 -13,5 7.968 -205 -2,5
Niederösterreich 29.487 -3.815 -11,5 21.701 -971 -4,3
Oberösterreich 29.523 -3.707 -11,2 16.351 -1.668 -9,3
Salzburg 13.986 -4.099 -22,7 8.496 -1.730 -16,9
Steiermark 26.554 -3.979 -13,0 17.793 -1.473 -7,6
Tirol 16.540 -4.954 -23,0 9.266 -2.263 -19,6
Vorarlberg 9.446 -1.451 -13,3 4.784 -521 -9,8
Wien 40.898 -4.785 -10,5 35.840 -1.961 -5,2
Österreich 184.343 -28.820 -13,5 125.950 -10.759 -7,9
Quelle: BaliWeb
In Oberösterreich gab es im Februar 2021 um Frauen im Februar 2021 im Vergleich zum
3707 weniger weibliche geringfügig Beschäf- Vorjahresmonat teilweise stärker als bei
tigte als noch im Februar 2020. Somit hat Männern. Probleme von Jugendlichen und
rund jede neunte geringfügig Beschäftigte jungen Erwachsenen beim Eintritt ins Berufs-
(minus 11,2 Prozent) in unserem Bundesland leben in Zeiten der Corona-Krise bergen die
ihren Job verloren. Noch dramatischer ist die Gefahr, dass die Erwerbskarriere der Betroffe-
Entwicklung in Tirol und Salzburg. Hier hat nen über lange Zeit brüchig und instabil ver-
fast jede Vierte ihre geringfügige Beschäfti- laufen wird. Bei den 55- bis 64-Jährigen gibt
gung verloren. es demographisch und branchenbedingt Zu-
wächse. Der Rückgang bei den über 65-jähri-
gen Beschäftigten bedeutet einen verstärkten
Beschäftigungsverluste bei jungen Übertritt in die Pension. In Oberösterreich
Frauen besonders hoch sind die Beschäftigungsverluste insgesamt ge-
ringer als in anderen Bundesländern. Auffäl-
Besonders bei den unter 29-jährigen ist die lig ist, dass es im Haupterwerbsalter (30 bis 45
Beschäftigung stark eingebrochen, was groß- Jahre) bei der Männerbeschäftigung sogar
teils auch an den negativen Entwicklungen leichte Zuwächse gab, während die Beschäfti-
im Tourismus liegt. Die prozentuellen Be- gung bei den Frauen in dieser Altersgruppe
schäftigungsrückgänge sind dabei bei den zurück gegangen ist.
8 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICHBESCHÄFTIGUNG
BESCHÄFTIGUNGSENTWICKLUNG NACH DEM ALTER IN OBERÖSTERREICH
Februar 2021, im Vergleich zum Vorjahresmonat, in Prozent
4,8
4,6
4,1
2,0
1,5
0,7
0,0
-0,2
-0,2
-1,2
-1,3
-1,6
-1,8
-1,9
-1,9
-2,4
-2,5
-2,6
-2,8
-2,8
-5,0
-5,7
bis 19 20 bis 24 25 bis 29 30 bis 34 35 bis 39 40 bis 44 45 bis 49 50 bis 54 55 bis 59 60 bis 64 65+
Quelle: BaliWeb Frauen Männer
Home-Office nicht für alle eine rauen, wenn betreuungspflichtige Kinder
F
Erleichterung im Haushalt leben.
Das WIFO schätzt das Home-Office-Potenzial Im Rahmen der ISW-Betriebsrätebefragung
bei Frauen auf 47 Prozent und bei Männern (unter 492 Betriebsratsvorsitzenden aus ober-
auf 43 Prozent ein. Die überfallsartige Ver österreichischen Betrieben im Zeitraum
legung des Arbeitsplatzes vom Betrieb in die 24. November 2020 bis 13. Jänner 2021) er-
eigene Wohnung erforderte auf allen Ebenen hielt die Aussage, dass Home-Office für die
vielfach beträchtliches Improvisationstalent. Beschäftigten zur besseren Vereinbarung von
Dies gilt umso mehr und vor allem für Familie und Beruf beiträgt, eine Zustimmung
HOME-OFFICE TRÄGT FÜR BESCHÄFTIGTE ZUR VEREINBARUNG VON FAMILIE UND BERUF BEI, in Prozent
70 n = 375/64
60
50
40
30
65
56
20 44
35
10
0
trifft überhaupt nicht bis trifft eher bis
trifft eher nicht zu völlig zu
Quelle: ISW-Betriebsrätebefragung Alle Befragten Frauenanteil mehr als 60 Prozent
FRAUENMONITOR 2021 9BESCHÄFTIGUNG
von 65 Prozent der Beschäftigten („eher“ bis
„völlig“; wobei mit 37 Prozent die Gruppe, FORDERUNGEN DER
die eher zustimmt, relativ groß ist). Bei ARBEITERKAMMER
Betriebsräten/-innen aus Betrieben mit ho- OBERÖSTERREICH
hem Frauenanteil unter den Beschäftigten
(mehr als 60 Prozent) sinkt die Zustimmung Ein echtes und wirksames Konjunk-
deutlich ab: nur mehr etwa die Hälfte (56 Pro- turprogramm auf allen Gebietskörper
zent) bewertet dies so. Diese verhaltene Zu- schaftsebenen: Allein auf Ebene des
stimmung könnte dahingehend interpretiert Landes OÖ braucht es endlich ein Be-
werden, dass im Home-Office nur unter der schäftigungs- und Konjunkturpaket in
Bedingung einer gut ausgebauten (Klein-) Höhe von 650 Millionen Euro bis 2022.
Kinderbetreuung Vereinbarkeitsvorteile wirk- Damit können wichtige soziale Bedarfe in
sam werden können. Kinderbetreuung, Pflege sowie beim Woh-
nen gedeckt, die Massenarbeitslosigkeit
gesenkt und ein darüber hinausgehender
Kurzarbeit: 45 Prozent Frauen Konjunkturimpuls in Gang gesetzt werden.
Im Vergleich zu früheren Jahren ist der Kurzarbeitserfahrungen für kürzere Voll-
Frauenanteil bei der Corona-Kurzarbeit we- zeit für alle in Zukunft nutzen.
sentlich höher (2019 betrug er bundesweit
13,2 Prozent und in OÖ 15,6 Prozent). Es gibt Home-Office: Maßnahmen zur Grenz-
aber nach wie vor merkliche Unterschiede ziehung zwischen Arbeits- und Privat-
zwischen den Bundesländern. In Oberöster- leben (z.B. durch fixe Verbindungs- und
reich ist der Frauenanteil bei den im Jahr Trennungszeiten zum Server); gesundes
2020 erledigten Förderfällen mit 42,4 Prozent Verhältnis zwischen Home-Office und
am niedrigsten. In der Steiermark und Büroarbeitsplatz, das gute soziale Kon
Niederösterreich ist er geringfügig höher. Das takte mit Kollegen/-innen ermöglicht.
Tourismusbundesland Tirol weist mit 49,3
Prozent den höchsten Frauenanteil auf,
knapp gefolgt von Wien (48,8 Prozent).
GESCHLECHTER-ANTEILE KURZARBEIT 2020, in Prozent
Österreich 45,3 54,7
Oberösterreich 42,4 57,6
Steiermark 43,1 56,9
Niederösterreich 43,5 56,5
Vorarlberg 44,3 55,7
Burgenland 45,1 54,9
Kärnten 46,1 53,9
Salzburg 46,2 53,8
Wien 48,8 51,2
Tirol 49,3 50,7
0 50 100
Quelle: AMS-Datenbank, AK OÖ-Berechnungen; Datenbasis: KUA-Förderfälle
des Jahres 2020 (einzelne Personen können mehrere Förderfälle haben) Frauen Männer
10 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICHEINKOMMEN
EINKOMMEN: NOCH IMMER
HOHER LOHNUNTERSCHIED
Wie können Benachteiligungen von Frauen in der Arbeitswelt und Gesellschaft ausgeglichen
werden? Drei Viertel der Frauen sehen den dringendsten Handlungsbedarf bei dieser Frage
laut Arbeitsklima-Index Frauen 2020 bei den Einkommen. Frauen verdienen in Oberöster-
reich nach wie vor um mehr als ein Drittel weniger als Männer.
Je höher der Frauenanteil, umso geringer ten (ISW) der Aussage eher bis völlig
das Kurzarbeitseinkommen zustimmten, dass Kurzarbeit für die Beschäf-
tigten ein finanzielles Problem darstellt,
Die aktuelle Krise verursacht für viele steigt dieser Anteil in Betrieben mit einem
Arbeitnehmer/-innen schmerzliche Einkom- Durchschnittseinkommen von weniger als
menseinbußen. Das gilt insbesondere auch 1600 Euro (darunter viele mit hohem Frauen-
für Kurzarbeit. Während insgesamt drei Vier- anteil) auf 88 Prozent. Und: Je höher der
tel der Betriebsratsvorsitzenden im Rahmen Frauenanteil unter den Beschäftigten eines
der aktuellen Betriebsrätebefragung des Insti- Betriebes, umso niedriger das Kurzarbeits-
tutes für Sozial- und Wirtschaftswissenschaf- einkommen:
DURCHSCHNITTLICHES NETTOEINKOMMEN DER BESCHÄFTIGTEN IN KURZARBEITSBETRIEBEN, in Prozent
n = 214/31
Alle Befragten mit Kurzarbeit
20 24 28 29
im Betrieb
Frauenanteil mehr als
52 26 19 3
60 Prozent
weniger als € 1600 € 1600 bis weniger als € 1900 € 1900 bis weniger als € 2200 € 2200 und mehr
Quelle: ISW-Betriebsrätebefragung zwischen 24. November 2020 und 13. Jänner 2021
Der Zusammenhang zwischen Geschlecht men von unter 1600 Euro netto sprechen ins-
und dem Einkommen in Kurzarbeit kann gesamt 20 Prozent der Befragten. Aus
anhand der Daten der ISW-Betriebsräte Kurzarbeitsbetrieben mit über 60 Prozent
befragung gut nachvollzogen werden. Das Frauenanteil berichten 52 Prozent der Be-
Durchschnittsnettoeinkommen der Beschäf- triebsratsvorsitzenden von einem Netto
tigten kurzarbeitsbetroffener Betriebe wird einkommen mit weniger als 1600 Euro.
im Mittel (Median) von den oberösterreichi- Im Vergleich dazu liegt dieser Wert bezo-
schen Betriebsratsvorsitzenden auf 1900 Euro gen auf alle Kurzarbeitsbetriebe bei 20
geschätzt. Von einem Durchschnittseinkom- Prozent.
FRAUENMONITOR 2021 11EINKOMMEN
In allen Branchen deutliche eher gering entlohnten Gastro-Branche die
Einkommensunterschiede Einkommen von Frauen und Männern in
Oberösterreich relativ nahe beieinander lie-
Durchschnittlich rund ein Drittel beträgt der gen (16 Prozent Lohn-Unterschied), weitet
Unterschied der monatlichen Einkommen sich der „Gap“ in der eher höher entlohnten
von Männern und Frauen. Während in der Finanzbranche auf über 40 Prozent aus:
BRUTTO-EINKOMMEN IN OBERÖSTERREICH (VOLL- UND TEILZEIT), 1. Halbjahr 2020, in Euro
Finanzdienstleistungen –44% 2.681
4.760
Versicherungen 2.474
–43% 4.346
(ohne Sozialversicherung)
Führung von Unternehmen; 2.449
–36% 3.854
Unternehmensberatung
Maschinenbau –26% 2.698
3.651
Herstellung von elektrischen 2.519
–29% 3.530
Ausrüstungen
Gesundheitswesen –42% 1.945
3.360
Rechts- und Steuerberatung –36% 2.100
3.265
Öffentliche Verwaltung, 2.420
–23% 3.149
Sozialversicherung
Großhandel (ohne KFZ) –33% 2.005
3.006
Heime (ohne Erholungs- und 2.023
–27% 2.766
Ferienheime)
Vorbereitende Baustellen 1.884
–28% 2.624
arbeiten
Herstellung von Nahrungs- 1.687
–32% 2.500
und Futtermitteln
Einzelhandel (ohne KFZ) –35% 1.606
2.467
Vermittlung und Überlassung 2.157
–12% 2.452
von Arbeitskräften
Sozialwesen (ohne Heime) –27% 1.752
2.406
Gebäudebetreuung; Garten- 1.211
–40% 2.003
und Landschaftsbau
Beherbergung –21% 1.546
1.960
sonst. überwiegend persönl. 1.430
–25% 1.900
Dienstleistungen
Erziehung und Unterricht –10% 1.577
1.750
Gastronomie –16% 1.348
1.609
0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 5.000
Quelle: ÖGK OÖ, laufendes Einkommen (Jahres14tel) der Arbeiter/-innen und Angestellten ab der Geringfügigkeitsgrenze (ohne Lehrlinge
und Beamte/-innen), Median: Einkommenswert genau in der Mitte (je die Hälfte der Arbeitnehmer/-innen verdient mehr bzw. weniger). Frauen Männer
Hoher Lohnunterschied in Österreich beitswelt und Gesellschaft geht. Kein Wun-
der, laut Eurostat wird eine Frau in Österreichs
Laut dem Arbeitsklima-Index (2020) sehen Privatwirtschaft auch pro Stunde um knapp
über drei Viertel der Frauen den dringends- ein Fünftel geringer entlohnt als Männer. Das
ten Handlungsbedarf bei den Einkommen, ist deutlich schlechter als EU-weit (Österreich
wenn es um Benachteiligungen in der Ar- minus 19,4 Prozent, EU 14,1 Prozent).
12 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICHEINKOMMEN
UNTERSCHIED IM STUNDENLOHN (2018) ZWISCHEN FRAUEN UND MÄNNERN
Branche Würden sich Frauen und
erklärbare Beschäftigungsausmaß Männer hinsichtlich dieser
Diskriminierung? Unterschiede Betriebszugehörigkeit „beobachtbaren“ Charak-
31,4% Beruf teristiken nicht unterschei-
Alter den, wäre der Lohnunter-
nicht Region schied (nur) um ein Drittel
erklärbarer Unternehmensgröße geringer.
Anteil Bildungsniveau
68,6% Art des Arbeitsvertrages
Quelle: Statistik Austria März 2021; Basis: durchschnittliche Bruttostundenverdienste in der Privatwirtschaft ohne Überstundenentgelt
– Berechnung auf Basis des Gender Pay Gap 2018 (Ö: 20,4 Prozent).
Der Lohnunterschied ist vor allem auf die
deutliche geschlechterspezifische Teilung am FORDERUNGEN DER
Arbeitsmarkt zurückzuführen: während ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICH
Männer häufiger in besser bezahlten techni-
Corona-Tausender sofort. Geschätzt eine Million Arbeitnehmer/-
schen Berufen und Führungspositionen ar-
innen, mehrheitlich Frauen, haben während der Krise das Land am
beiten, sind schlechter bezahlte Dienst-
Laufen gehalten. Sie haben sich endlich den „Corona-Tausender“ von
leistungsberufe und Branchen mit geringe-
Seiten des Staates verdient. In weiterer Folge müssen die Arbeits-
ren Verdienstmöglichkeiten eher weiblich.
bedingungen und die Einkommen in den entsprechenden Branchen
Da Teilzeitbeschäftigte auch pro Stunde ge-
dauerhaft verbessert werden.
ringer entlohnt werden, und Frauen häufiger
Flächendeckende kollektivvertragliche Anhebung des Mindestlohnes
Teilzeit arbeiten, ist insbesondere auch das
auf 1700 Euro brutto.
Beschäftigungsausmaß entscheidend. Insge-
samt kann durch solche „beobachtbaren“ Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit.
Ungleichheiten in der Arbeitswelt laut Statis- Gerechter Mehrarbeitszuschlag bei Teilzeit: Erhöhung von 25 auf 50
tik Austria weniger als ein Drittel des Ein- Prozent und Bezahlung ab der ersten Stunde (Entfall des zuschlags-
kommensunterschiedes erklärt werden. Der freien dreimonatigen Zeitraumes).
Großteil der unterschiedlichen Entlohnung Steuerstruktur-Reform, die Arbeit entlastet und Vermögen höher
dürfte also auf direkte Lohn-Diskriminierung besteuert und rasch voller Ausgleich der kalten Progression, auch um
zurückzuführen sein. die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu beleben.
FRAUENMONITOR 2021 13ARBEITSBEDINGUNGEN
ARBEITSBEDINGUNGEN:
CORONA ZEHRT AN DEN NERVEN
Die Corona-Pandemie verschlechterte die Arbeitsbedingungen von vielen Frauen: Mehrfach-
belastungen, oft fehlender Arbeitnehmerschutz, Missstände in den Rahmenbedingungen,
erhöhter Arbeitsdruck, fehlende Kinderbetreuung sowie Agressionen und Gewalt am Arbeits
platz bei Kundenkontakten. Von der Politik fühlen sich die weiblichen Beschäftigten weitest-
gehend im Stich gelassen.
Mehrfachbelastung Home-Office auf 42 Prozent an. Bei den Vätern stieg der
und Kinderbetreuung Anteil von zwei Prozent zwar auf 23 Prozent
an, jedoch liegt dieser immer noch deutlich
Mit dem ersten Lockdown im März 2020 unter dem Wert der Frauen. Zu dieser Dop-
mussten viele Arbeitnehmer/-innen von ei- pelbelastung kommt noch hinzu, dass in vie-
nem Tag auf den anderen ihre Arbeit aus dem len Haushalten das Kochen und die
Home-Office verrichten. Noch immer arbei- Hausarbeit ebenfalls zu einem großen Teil
tet ein großer Teil der Beschäftigten von zu von den Frauen übernommen werden (siehe
Hause aus. Sowohl im Frühjahr als auch im Kapitel Care, Seite 28). Die Konsequenz
Herbst 2020 waren vier von zehn Personen daraus: Jede fünfte Frau arbeitete nun auch
zumindest immer wieder mal im Home- am Wochenende, jede vierte spätabends oder
Office – einer Form des mobilen Arbeitens – bis in die Nacht hinein und verzichtete auf
tätig. Doch nicht nur der Arbeitsplatz wurde ein gesundes Maß an Schlaf, um alle Auf
von vielen schlagartig in den eigenen gaben unter einen Hut zu bringen. Auf Dauer
Wohnbereich verlagert, sondern auch die eine sehr belastende Situation und kein Ende
schulische Betreuung. Aufgrund von Schul- ist in Sicht!
schließungen mussten Kinder zuhause betreut
Quellen: Zeglovits, E. (2020): Zeit- und ortsungebunde-
und beim Unterricht unterstützt werden. nes Arbeiten. IFES & AK Wien; Schönherr, D. (2020):
Zur Situation von Eltern während der Coronapandemie.
Vor der Pandemie übernahm in Doppelver- SORA; Arbeitsklima Index der AK OÖ, 2020
dienerhaushalten rund ein Drittel der Frauen
die Verantwortung für die Kinderbetreuung.
Während der Corona-Krise stieg dieser Anteil Arbeitsbedingungen in
„systemrelevanten“ Berufen
Der Begriff der „systemrelevanten“ Berufe
wurde in der Covid-19-Pandemie geprägt.
Gerade in Branchen wie Pflege, Handel oder
Kinderbetreuung stellen Frauen die Mehr-
heit der Beschäftigten. Gekennzeichnet sind
diese Branchen durch eine immer noch zu
geringe Bezahlung und dadurch, dass die Be-
schäftigten nur in Ausnahmefällen ins
Home-Office wechseln können. 92 Prozent
der Frauen in systemrelevanten Berufen
(Branchen mit hohem Frauenanteil) müssen
die Arbeit am üblichen Arbeitsort verrichten
– im Vergleich dazu müssen nur 58 Prozent
der Beschäftigten in anderen Berufen am Ar-
beitsort anwesend sein.
14 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICHARBEITSBEDINGUNGEN
ARBEITSORT WÄHREND DER CORONA-KRISE
für Frauen typische systemrelevante Berufe
92 2 3 3
andere systemrelevante Berufe
48 28 21 2
andere Berufe
58 22 14 5
0% 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
am üblichen Arbeitsort von zu Hause teils/teils andere
Aufgrund von Rundungsdifferenzen ergeben die Summen der einzelnen Balken nicht immer 100%.
AK Grafik Quelle: Arbeitsklima Index AK OÖ, 2020
Psychische Belastungen durch geschützten Gruppe sind es nur 50 Prozent
fehlenden Schutz vor Ansteckung (Muskel- und Gelenksschmerzmittel) bezie-
hungsweise 42 Prozent (sonstige Schmerz-
Es ist nicht verwunderlich, dass sich Frauen mittel).
in diesen systemrelevanten Berufen deutlich Quelle: Arbeitsklima Index AK OÖ, 2020
weniger vor Ansteckung geschützt fühlen.
Jede fünfte Frau hat hier Angst vor Anste-
ckung. In anderen Berufen ist das „nur“ jede Schwangere werden
zehnte, dort fühlen sich 9 von 10 Beschäftig- vernachlässigt
ten eher oder sehr geschützt. Sich am Arbeits-
platz schlecht geschützt zu fühlen hat – neben Schwangere waren und sind in der Covid-
dem Faktum, dass Frauen ohnehin vielfach 19-Pandemie viel zu wenig im Fokus. Viele
in psychisch sehr fordernden Berufen arbei- schwangere Frauen bzw. Frauen, die eine
ten – in letzter Konsequenz auch Auswirkun- Schwangerschaft planen, sind verunsichert,
gen auf die Psyche der angesprochenen rechtliche Klarstellungen dauerten viel zu
Frauen. 28,2 Prozent der Befragten, die sich lange. Erst auf Druck der Arbeiterkammer
am Arbeitsplatz nicht geschützt fühlen, und der Gewerkschaften wurden die Schutz-
berichten von Angstzuständen. Ihr Anteil ist und Freistellungsbestimmungen verbessert.
damit mehr als doppelt so hoch wie jener der Eindeutig sind diese Bestimmungen aber
Frauen, die sich „jedenfalls“ geschützt fühlen immer noch nicht zufriedenstellend.
(12,3 Prozent). Auch internationale Studien
bestätigen: Je besser die Maßnahmen zum
Schutz vor Ansteckung sind, desto weniger Pflegeberufe besonders
leiden Arbeitnehmer/-innen an Angst oder gefordert
Depressionszuständen.
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie
Besorgniserregend ist die Situation hinsicht- sind auch in den frauendominierten Pflege-
lich Medikamenteneinnahme. Auch hier berufen besonders spürbar. Ständiges Arbei-
gibt es gravierende Unterschiede. Knapp ten unter Anspannung, neue Anforderungen
zwei Drittel jener Frauen, die sich „jedenfalls oder Zusatzaufgaben, wie zuletzt Testungen
geschützt“ fühlen, verzichten auf Mittel ge- mehrmals wöchentlich, aber auch der Kampf
gen Muskel- und Gelenksschmerzen sowie gegen Vereinsamung von Klienten/-innen
sonstige Schmerzmittel. In der schlecht haben Spuren hinterlassen.
FRAUENMONITOR 2021 15ARBEITSBEDINGUNGEN
HOHE ARBEITSBELASTUNGEN IN PFLEGEBERUFEN
psychisch 46
belastende Arbeit 11
33
Zeitdruck
22
25
ständiger Arbeitsdruck
16
23
Wechsel der Arbeitsabläufe
12
Unterbrechungen 12
in der Freizeit 7
0% 10 % 20 % 30 % 40 % 50 %
AK Grafik Quelle: Arbeitsklima Index AK OÖ, 2020 Pflegeberufe andere Berufe
46 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen nen zwischen 70 und 90 Prozent. Schon vor
empfinden die Arbeit psychisch belastend der Corona-Pandemie wurden die Rahmen-
(andere Branchen: elf Prozent), 23 Prozent bedingungen der Arbeit in der Elementar
beschreiben einen Wechsel der Abläufe (an- pädagogik den wichtigen Aufgaben der
dere Branchen: zwölf Prozent). Wenig ver- Beschäftigten in diesem Bereich nicht ge-
wunderlich ist daher, dass gerade in diesem recht. Zu große Gruppen, fehlende Ressour-
Bereich die Belastung durch ständigen cen, vor allem zu wenig Personal und zu
Arbeitsdruck und kaum Zeit zu verschnau- wenig Zeit um auf die individuellen Bedürf-
fen, ausgehend von einem sehr hohen nisse der Kinder einzugehen, lassen seit Jah-
Niveau, durch COVID-19 stark gestiegen ist. ren den Druck auf die Beschäftigten in
35,2 Prozent der Beschäftigten in der Pflege diesem Bereich steigen. Die Beschäftigten
(plus 11,6 Prozentpunkte gegenüber 2019) versuchen die Missstände der Rahmenbedin-
gaben 2020 an, sehr stark oder stark gungen mit hohem persönlichem Engage-
belastet zu sein (andere Branchen: 18,2 ment auszugleichen, wie auch eine Eltern
Prozent), im Vergleich 2019 ware es mit 23,6 befragung der Arbeiterkammer OÖ aus dem
Prozent bzw. 16,3 Prozent deutlich weniger. Jahr 2020 zeigt. Von allen abgefragten Aspek-
ten sind die Eltern in erster Linie mit den
Beschäftigten zufrieden: 96 Prozent gaben an,
Schlechte Arbeitsbedingungen werden dass sie sehr oder eher zufrieden mit dem
in den elementaren Bildungs- Bildungs- und Betreuungspersonal ihrer Kin-
einrichtungen sichtbar der sind.
Auch in den elementaren Bildungseinrich- Während der Pandemie verschärften sich
tungen hielt die größtenteils weibliche Beleg- allerdings die Belastungen und Herausforde-
schaft während der Krise den Betrieb am rungen auf die Beschäftigten nochmals
Laufen. Während im ersten Lockdown im enorm. Die Zeit für die durch die Pandemie
Frühjahr 2020 nur wenige Kinder in den ele- ausgelösten zusätzlichen administrativen
mentaren Bildungseinrichtungen betreut Aufgaben und die Hygienemaßnahmen (z.B.
wurden, lag die Anzahl der anwesenden Kin- das Desinfizieren der Spielsachen und päda-
der im dritten Lockdown in manchen Regio- gogischen Materialien) fehlte ihnen bei der
16 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICHARBEITSBEDINGUNGEN
Gruppenzeit. Außerdem fehlten schon vor
der Corona-Krise „Springer/-innen“, um kurz- FORDERUNGEN DER
fristige Ausfälle abzudecken. Dieses personel- ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICH
le Defizit hat sich während der Pandemie
Gesetzliche, kollektivvertragliche Rahmenbedingungen für mobiles
deutlich zugespitzt, etwa wenn Beschäftigte
Arbeiten – dazu braucht es vor allem eine Klarstellung, dass Home-
covid- oder quarantänebedingt ausfielen.
Office keine Kinderbetreuung oder einen Krankenstand ersetzen kann.
Schutzmaßnahmen – etwa das Einhalten von
Sicherheitsabständen – sind bei der Arbeit Ein guter, ganzheitlicher Arbeitnehmerschutz braucht neben der
mit (Klein-) Kindern ebenfalls nur schwer Arbeitsmedizin und der Sicherheitsfachkraft die Arbeitspsychologie
möglich. Die Forderung nach durchdachten als dritte fixe Präventionskraft.
Präventionskonzepten und einer einheit Die Evaluierung psychischer Belastungen zeitnah durchführen und
lichen Vorgangsweise wurde lange nicht ge- so die neuen Herausforderungen und Veränderungen erkennen und
hört. Die Beschäftigten fühlten sich über rasch Maßnahmen für den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer/
weite Strecken von der Politik im Stich -innen setzen.
gelassen. Eine gesetzliche Sonderfreistellung mit einem klar geregelten
Rechtsanspruch wurde für Berufe mit direktem Körperkontakt (etwa
Quellen: Lankmayr/Bröderbauer (2021): Elternbefra-
gung 2020: Insitutionelle Kinderbetreuung während der Pflege, Kindergarten) geschaffen. Schwangere in anderen gefähr-
Covid-19 Pandemie; AKOÖ, noch nicht veröffentlichte deten Bereichen mit vielen Kontakten sind von dieser Möglichkeit
Befragung der Beschäftigten in der Elementarpädagogik ausgeschlossen. Das betrifft beispielsweise Arbeitnehmerinnen
mit dem Arbeitstitel „Arbeitsbedingungen in der Kin-
derbildung und -betreuung“ im Handel, in der Produktion oder im öffentlichen Dienst. Auch für
sie muss ein vorgezogener Mutterschutz unter Wahrung aller finan
ziellen Ansprüche gesetzlich geregelt werden.
Pandemie förderte Konflikte, Rasche Entlastung des Personals im Gesundheitsbereich durch zeit-
Agression und Gewalt am Arbeitsplatz gemäße Personalberechnungsmethoden.
Personaloffensiven, um neue Pflegekräfte zu gewinnen – dazu
In Bereichen mit Kundenkontakt – etwa im
braucht es unter anderem auch finanzielle Anreize während der
Handel, im Haarstudio, in Kinderbildungs-
Ausbildung. Kurzfristig braucht es ein echte Wertschätzung der
und -betreuungseinrichtungen oder auch in
Kollegen/-innen in Form von Prämien, aber auch Sonderurlaubs- und
Krankenhäusern sowie in Alten- und Pflege-
Erholungstagen.
heimen – wurden und werden die Beschäftig-
ten oftmals zur Zielscheibe von Aggressionen. Gewaltfreie Arbeitsplätze gestalten: Arbeitgeber/-innen haben die
Das trifft in diesen Branchen besonders häu- Pflicht, Leben, Gesundheit und Würde ihrer Arbeitnehmer/-innen
fig Frauen. Zwei Drittel bis drei Viertel der am Arbeitsplatz zu schützen. Jedes Risiko, im Beruf Gewalt erleben
Beschäftigten sind in diesen Bereichen weib- zu müssen, ist zu minimieren oder bestmöglich zu verhindern. Dies
lich. Schon vor der Corona-Pandemie gaben betrifft auch neue Risiken, die im Zusammenhang mit der Corona-
etwa 20 Prozent der Frauen an, am Arbeits- Pandemie entstanden sind.
platz beleidigt oder beschimpft zu werden.
Dazu kommen seit der Krise neue
Schwierigkeiten – etwa Kunden/-
innen, die kein Verständnis für län-
gere Wartezeiten haben, die wegen
eingeschränkter Leistungen unzu
frieden sind oder die sich nicht an
Schutzmaßnahmen wie Masken-
pflicht oder Mindestabstand halten
möchten. Das alles führt vermehrt
zu Konflikten, Aggressionen bis hin
zu Gewaltvorfällen.
Quelle: Hötzinger, S./ Mandl, E. (2020): Be-
rufsrisiko Gewalt. Ursachen / Folgen / Hand-
lungsmöglichkeiten. Arbeiterkammer Ober-
österreich, Linz
FRAUENMONITOR 2021 17GLEICHBEHANDLUNG
DISKRIMINIERUNGEN SIND NOCH
IMMER TRAURIGER ALLTAG
Obwohl das Gleichbehandlungsgesetz (GlBG) Diskriminierungen aufgrund des Geschlechtes,
des Alters, der Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Orientierung sowie der ethni-
schen Herkunft eindeutig verbietet, sind Berichte über solche gesetzeswidrigen Vorgänge
nach wie vor trauriger Alltag in den Beratungen der Arbeiterkammer Oberösterreich.
Dauerthema: Sexuelle Belästigung über moderne Kommunikationsmittel und
von Frauen am Arbeitsplatz via Social Media zu verzeichnen. Nachrichten
mit obszönem Inhalt, belästigende Mitteilun-
Geschlechtsbezogene Belästigungen und gen oder unerwünschte „Aufmerksamkeiten“
auch sexuelle Belästigungen von Arbeitneh- werden zunehmend via Whats-App und Co
merinnen sind in der Beratung der Arbeiter- versandt und haben den Pin-Up-Kalender aus
kammer unverändert ein Dauerthema. Daran früheren Zeiten nicht vollständig, aber weit-
änderte auch die Covid-19-Pandemie nichts. gehend abgelöst. Auch Videokonferenzen
Einzig die Mittel, die für die Belästigung ge- werden für Belästigungshandlungen zweck-
nutzt werden, haben sich leicht verändert – es entfremdet und missbraucht.
ist ein deutlicher Anstieg von Belästigungen Durch „ausgedünnte“ Belegschaften im Be-
trieb (wegen Home-Office und Kurzarbeit)
sind weniger potentielle Zeuginnen und
Zeugen vor Ort anwesend. Das lässt die
Täterinnen und Täter dreister werden, da an-
scheinend die Angst, von Kolleginnen oder
Kollegen auf frischer Tat ertappt zu werden,
sinkt. Dies steigert die Bedrängnis der vor Ort
verbleibenden Opfer solcher Belästigungs-
handlungen.
Angst vor Arbeitsplatzverlust
macht Opfer stiller
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt
die Angst vor einem Verlust des Arbeits
platzes, wenn man oder frau sich gegen die
Belästigungen oder allgemein gegen Diskri-
minierungen wehrt oder eine solche aufzeigt.
Auch ein Arbeitsplatzwechsel ist angesichts
der hohen Zahl an Arbeitsuchenden nicht
einfach und veranlasst viele Menschen mehr
zu erdulden und zu ertragen als in wirtschaft-
lich stabilen Zeiten – oftmals mehr als sie
physisch und psychisch schaffen können.
Gesundheitliche Probleme und Erkrankun-
gen dürfen als Folge dieses Verdrängungspro-
zesses nicht einfach nur zur Kenntnis
genommen werden (siehe Kapitel Arbeits
bedingungen, Seite 14)
18 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICHGLEICHBEHANDLUNG
Opfer haben Anspruch auf sind Alleinerzieherinnen (siehe Kapitel Care
Schadenersatz Seite 28). Um den Drahtseilakt im Span-
nungsfeld der Vereinbarkeit von Beruf und
Wendet sich eine von sexueller Belästigung Familie in Zeiten der Corona-Krise besser
betroffene Person an die AK, wird sie arbeits- leisten zu können, verlagerten viele ihre Ar-
rechtlich beraten und vertreten. Rechtlich beitszeit in die Tagesrandzeiten (wenn die
geht es meist darum, das Ende der Belästi- Kinder noch oder schon schlafen), reduzier-
gung oder generell der Diskriminierung zu ten ihre Arbeitszeiten, verbrauchten ihren
erreichen. Arbeitgeber haben schließlich eine Urlaub und Zeitausgleich, um ihren elter
Fürsorgepflicht. Sie sind gesetzlich dazu ver- lichen, aber auch beruflichen Pflichten glei-
pflichtet Sorge zu tragen, dass ihre Beschäftig- chermaßen nachkommen zu können, oder
ten gesundheitlich, physisch und psychisch mussten aufgrund der Unvereinbarkeit zur
geschützt sind. Gänze kündigen.
Opfer von sexueller Belästigung haben (wie
alle Opfer von Diskriminierungen) auch An-
spruch auf Zahlung eines Schadenersatzes. Sonderbetreuungszeit ist unzureichend
Der Mindestschadenersatz bei sexueller Be-
lästigung beträgt 1.000 Euro. Der Anspruch Die 2020 neu geschaffene und zudem zeitlich
besteht einerseits gegenüber dem Belästiger begrenzte Möglichkeit der Sonderbetreu-
oder der Belästigerin und andererseits auch ungszeit wurde an eine Vielzahl an Bedin-
gegenüber dem Arbeitgeber, wenn dieser sei- gungen geknüpft – etwa die Zustimmung
ner Fürsorgepflicht nicht oder nur unzurei- des Arbeitgebers, das vorherige Aufbrauchen
chend nachkommt und keine oder nur aller anderen arbeitsrechtlichen Ansprüche
mangelhafte Abhilfemaßnahmen setzt. Die auf Dienstfreistellung unter Fortzahlung des
Verjährungsfrist für Fälle sexueller Beläs Entgeltes und außerdem darf die Arbeitskraft
tigung beträgt drei Jahre. des Elternteiles für die Aufrechterhaltung des
Betriebes nicht erforderlich sein. Seit Herbst
2020 besteht zwar ein zeitlich bis 9. Juli 2021
Unvereinbarkeit von Beruf und Familie begrenzter Rechtsanspruch, dieser aber nur
bei einer vollständigen behördlichen Schlie-
Aufgrund der Corona-Krise mussten Arbeit- ßung von zumindest Teilen der Betreuungs-
nehmer/-innen unter erschwerten Bedingun- einrichtungen (Schule, Hort, Kindergarten,
gen ihrer Berufstätigkeit nachgehen. Das als Krabbelstube) oder wenn Kinder unter Qua-
Lösung angedachte Home-Office wirkte entge- rantäne gestellt werden, weil sie etwa K1-
gen ursprünglicher Intentionen oftmals nicht Kontaktpersonen sind oder selbst an Corona
als Erleichterung, sondern führte aufgrund erkrankt sind. Dies trifft nur in den seltensten
von Home-Schooling, Kinderbetreuung oder Fällen zu und stellt deshalb für die wenigsten
Betreuung von Angehörigen zu einer massi- Eltern einen gangbaren Weg dar.
ven Mehrfachbelastung von Arbeitnehmern/- All diese Hürden führten dazu, dass Sonder-
innen – die Mehrheit davon waren und sind betreuungszeit nur in wenigen Fällen genutzt
unverändert Frauen. Besonders betroffen werden konnte. Beratungen zeigen, dass be-
FRAUENMONITOR 2021 19GLEICHBEHANDLUNG
rufstätige Eltern, allen voran die Mütter, von 2020 konnten vom Frauenbüro der Arbeiter-
Seite der Arbeitgeber unter enormem Druck kammer Oberösterreich Schadenersatzzah-
standen und unverändert stehen. Die Losung lungen für diskriminierte Frauen in der Höhe
dabei lautet „zu funktionieren“, was einen von rund 218.000 Euro erwirkt werden.
weiteren Grund für die Nichtinanspruch
nahme der theoretisch verfügbaren Freistel-
lungsmöglichkeiten darstellt. Warum? Eltern BERATUNG IM AK-FRAUENBÜRO
wollen am Arbeitsplatz nicht negativ auf für am Arbeitsplatz diskriminierte Frauen:
fallen oder der Firma zur Last fallen. Sie ver-
suchen angesichts der angespannten Arbeiterkammer Oberösterreich
Situation am Arbeitsmarkt Konfrontationen Frauenbüro
aus dem Weg zu gehen. Die Angst vor einem Volksgartenstraße 40
Verlust des Arbeitsplatzes stieg speziell bei 4020 Linz
Frauen im letzten Jahr an. Dass dies keine un- Tel.: +43(0)50/6906-2142
begründete Angst ist, und Frauen überpro- E-Mail: frauen@akooe.at
portional oft im Zuge der Covid-19-Krise ooe.arbeiterkammer.at
ihren Arbeitsplatz verlieren, belegen neue
Arbeitsmarktzahlen (siehe Kapitel Beschäfti-
gung Seite 6 und Arbeitslosigkeit Seite 21).
Elterndiskriminierung ist nicht erlaubt
FORDERUNGEN DER
Arbeitnehmer/-innen, die gerade Eltern ge- ARBEITERKAMMER
worden sind oder eine Familie planen, sind OBERÖSTERREICH
im Arbeitsalltag immer wieder mit unzulässi-
gen Diskriminierungen konfrontiert. Bei Abschreckender Schadenersatzanspruch
Frauen reicht oft schon alleine die Möglich- bei allen Formen von Diskriminierung im
keit ein Kind zu bekommen. Beruf. Zusätzlich ist ein Wahlrecht auf
Während wirtschaftlicher Krisenzeiten sind „volle Erfüllung“ vorzusehen, d.h. ein
Eltern, allen voran Rückkehrerinnen aus Anspruch auf die konkrete berufliche Stel-
Elternkarenzen und Schwangere, verstärkt in lung, die jemand auf Grund der Diskrimi-
Bedrängnis. Für Rückkehrerinnen ist in der nierung nicht bekommen hat.
Firma plötzlich kein Platz mehr, sie werden
verschlechternd versetzt oder müssen Füh- Bestellung von zumindest einer fachkun-
rungspositionen abgeben. Schwangere wer- digen Laienrichterin in arbeitsgerichtlichen
den trotz erhöhtem Risiko für sich und ihr Prozessen.
Ungeborenes nicht ausreichend geschützt
oder verlieren ihren Arbeitsplatz. All dies Verbesserung der Beweislastregelung:
widerspricht den Antidiskriminierungsbe- Der Arbeitgeber ist richtlinienkonform zu
stimmungen des Gleichbehandlungsgesetzes verpflichten, den vollen Beweis dafür an-
und anderen arbeitsrechtlichen Schutzbestim- zutreten, dass eine Entscheidung/gewis-
mungen. Trotzdem kommt die Elterndiskri- ses Vorgehen nicht auf diskriminierenden
minierung in der betrieblichen Praxis häufig Motiven beruht.
vor – oftmals nicht bekämpft und ungestraft.
BROSCHÜRE
ELTERNDISKRIMINIERUNG
Im Rahmen eines Themenschwerpunktes zur Bekämpfung von Elterndiskriminierung
bietet die Arbeiterkammer Oberösterreich eine Informationsbroschüre mit dem Titel
„Elterndiskriminierung im Betrieb – Daten und Fakten gegen betriebliche Benachteiligung
wegen (möglicher) Schwangerschaft und Kind“ an. Die Broschüre kann unter frauen@akooe.at
angefordert werden.
20 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICHARBEITSLOSIGKEIT
ARBEITSLOSIGKEIT: FRAUEN
HABEN SCHLECHTERE KARTEN
Frauen halten – neben älteren Beschäftigungssuchenden und schwer vermittelbaren Per
sonen – seit Beginn der Corona-Krise die schlechteren Karten in Händen. In Österreich steigt
die Langzeitbeschäftigungslosigkeit – seit mindestens einem Jahr arbeitslos – bei den F
rauen
seit Beginn der Corona-Krise prozentuell stärker als bei den Männern.
Arbeitslosigkeit weit über den 18 Prozent gegenüber dem März 2019 immer
Vorjahreswerten noch deutlich über dem Niveau vor der Krise
(plus 12,9 Prozent bei den Männern).
18.482 Oberösterreicherinnen waren im
März 2021 arbeitslos (Österreich: 175.027)
und 5.671 befanden sich in einer Schulungs- Dramatischer Anstieg der Langzeit-
maßnahme des AMS (Österreich: 41.823). arbeitslosigkeit bei Frauen
Die Arbeitslosigkeit nimmt bei den Frauen in
absoluten Zahlen seit November bundesweit Frauen scheinen seit Beginn der Krise am
stärker zu als bei den Männern. Relativ bzw. Arbeitsmarkt und im Kampf um die freien
prozentuell stieg die Frauenarbeitslosigkeit Arbeitsplätze die schlechteren Karten in den
im ersten Lockdown ab März 2020 zum Teil Händen zu haben.
stärker als bei den Männern. Nach einer In Oberösterreich steigt die Langzeitarbeits-
Erholung im Sommer stieg sie ab Oktober losigkeit bei Frauen seit Oktober prozentuell
wieder deutlich stärker an als bei den Män- stärker an als bei Männern. Die Langzeit
nern. Die Zahl der arbeitssuchenden Frauen arbeitslosigkeit lag im März 2021 bei den
ist im März 2021 im Vergleich zum Vorjah- Oberösterreicherinnen um 54,8 Prozent über
resmonat um 18,7 Prozent zurückgegangen. dem Vergleichswert des Vorjahres, das Plus
Trotz dieses Rückganges liegt unser Bun bei den Oberösterreichern beträgt beinahe
desland aber bei den Frauen mit rund plus 45 Prozent.
LANGZEITBESCHÄFTIGUNGSLOSE, prozentuelle Veränderung, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat
70%
60%
Zu Jahresbeginn 2020 Frauen OÖ 54,8%
50% waren noch weniger
Menschen (OÖ Frauen Männer OÖ 47,7%
um 1,3 Prozent) Frauen Ö 41,7%
40%
langzeitbeschäftigungslos Männer Ö 37,8%
als ein Jahr zuvor.
30%
20%
10% Im März 2021
waren deutlich mehr
-1,3% Menschen (OÖ Frauen
0%
-3,5% um fast 55 Prozent!)
-6,3% langzeitbeschäftigungslos
-10% -8,9% als ein Jahr zuvor.
-20%
Jän. 20 Feb. März April Mai Juni Juli August Sep. Okt. Nov. Dez. 20 Jän. 21 Feb. März 21
Quelle: AMS, AKOÖ – Langzeitarbeitslose Personen (Dauer über 365 Tage), die beim AMS als arbeitssuchend registriert sind.
Unterbrechung von bis zu 62 Tagen (z.B. durch Schulungen oder kurze Beschäftigungen) ändern an dem Status nichts. Frauen Männer
FRAUENMONITOR 2021 21ARBEITSLOSIGKEIT
Insgesamt ist die Langzeitarbeitslosigkeit Das Arbeitslosengeld der Frauen betrug im
mittlerweile inakzeptabel hoch. Von Seite der Jahr 2020 in Oberösterreich rund 880 Euro
Politik wurden bisher zur Bekämpfung der pro Monat, jenes der Männer jedoch 1.107
Langzeitarbeitslosigkeit kaum Maßnahmen Euro. Im Bereich der Notstandshilfe verfügen
in die Wege geleitet und das, obwohl die Fol- Frauen über noch geringere Leistungen.
gen einer sich verfestigenden Langzeitarbeits- Hier liegt der durchschnittliche Betrag in
losigkeit für jeden einzelnen Betroffenen, Oberösterreich gerade einmal bei rund 800
jede einzelne Betroffene und für die gesamte Euro, jene der Männer liegt bei 966 Euro.
Volkswirtschaft sehr negativ und weitrei- Arbeitslosengeld und Notstandshilfe sind in
chend sind. Oberösterreich bei den Männern im Schnitt
um rund 160 bzw. bis über 200 Euro höher
als bei den Frauen.
Frauen bei Arbeitslosigkeit schlechter
abgesichert Von einer Erhöhung der Nettoersatzrate
beim Arbeitslosengeld von 55 auf mindestens
Teilzeitarbeit, Benachteiligungen bei der Ent- 70 Prozent würden daher vor allem Frauen
lohnung und Tätigkeiten im Niedriglohn immens profitieren.
bereich haben für Frauen zur Folge, im Falle
von Arbeitslosigkeit schlechter abgesichert Die Leistungen der Frauen, aber auch jene
zu sein. Insbesondere in Oberösterreich sind der Männer, liegen unterhalb der statisti-
die Leistungshöhen der Männer im Vergleich schen Armutsgefährdungsschwelle, die bei
zum Bundesschnitt viel höher. Der Abstand einem Einpersonenhaushalt derzeit 1.286
zu den Sicherungsleistungen für Frauen ist Euro (= 60 Prozent des durchschnittlich ge-
wesentlich größer (bis zu einem Fünftel) und wichtigen Medianeinkommens; 12 Mal net-
die durchschnittlichen Leistungen für Frau- to) beträgt.
en liegen sogar unter den bundesweiten
Durchschnittsleistungen.
ARBEITSLOSENGELD (ALG) UND NOTSTANDSHILFE (NH) 2020
in Österreich und Oberösterreich, in Euro
1200
1000
800
600
1.071 1.107
900 921 966
882
400 810 804
200
0
ALG Ö ALG OÖ NH Ö NH OÖ
Quelle: AMS Ö, Tagessatz 30 mal, 12 mal im Jahr; In diesen durchschnittlichen Leistungshöhen sind
jedoch die außerordentlichen Einmalzahlungen aufgrund der Covid-19-Pandemie nicht inkludiert, Frauen Männer
die befristete Erhöhung der NH (in der Höhe des AlG bis Ende März 2021) jedoch schon.
22 ARBEITERKAMMER OBERÖSTERREICHSie können auch lesen