Grenzen der Toleranz - Stiftung kreuznacher diakonie

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Grenzen der Toleranz - Stiftung kreuznacher diakonie
offene tür
                                             Das Magazin der Stiftung kreuznacher diakonie 1  / 2019
                                                                                              85. Jahrgang · ISSN 0942-2552

Grenzen
der Toleranz
                          r
Wo uns diese im Alltag de
                   er diakon ie
Stiftung kreuznach
                            damit
begegnen können und wie
                          n,
umgegangen werden kan
erfahren Sie auf den
 Seiten 4 bis 11.

titel                                  6-7   magazin                                     15

Deeskalationstraining für den Umgang         Interdisziplinäre Zusammenarbeit bei Darmkrebs
mit kritischen Situationen
Grenzen der Toleranz - Stiftung kreuznacher diakonie
inhalt

                                                                                                              20

                            Erfolgreicher Abschluss der Weihnachtsspendenaktion
                                                                  Teilhabe für Menschen mit Behinderung

                                              18
                                                                                                              13
              Alles außer langweilig –                                                                                                                                          4–5
          Ausbildung zur Kauffrau für                                                    Rudolf Weber
                    Büromanagement                                                   in den Ruhestand                            Umgang mit Demenzerkrankten
        Lena Blaschke arbeitet in der Verwaltung                                         verabschiedet                                                  Verständnis notwendig bei
               der Stiftung kreuznacher diakonie                            Nachfolgerin ist Sonja Orantek                                                     Grenzverletzungen

guten tag                                    3           ▪▪ Pfarrerin Ruth Reusch feierlich in                               engagement                                            20 – 22
                                                              ihr neues Amt eingeführt                       13
titel                                        4 – 11      ▪▪ Rudolf Weber in den Ruhestand                                  ▪▪ Freizeit so gestalten, wie man es
                                                              verabschiedet                                   13                sich wünscht                                        20
▪▪ Verständnis für die Mechanismen                      ▪▪ Harninkontinenz: „Redet darüber                               ▪▪ Hilfe für Frauen in Not                             21
   von Demenz hilft bei Grenz-                                und lasst euch helfen“                         14             ▪▪ Aenne Wimmers Hospiz erhält
   verletzungen                              4–5                                                                                500-Euro-Spende                                     21
                                                         ▪▪ „Wenn man leben will, muss man
▪▪ Brenzlige Situationen                                     da einfach durch“                              15             ▪▪ Singen für den guten Zweck                           22
   mit Worten entschärfen                    6–7         ▪▪ Für den Notfall bei Kindern bestens                            ▪▪ Eheleute Lorenz haben großes
▪▪ Übergriffe gegen die Helfenden                            trainiert                                      16                  Herz für Kinderintensivstation                     22
   gehören zum Krankheitsbild                8  –9       ▪▪ Außenstelle in Windesheim sorgt
▪▪ „Mit Druck kommen wir nicht                               für kürzere Wege                               16               ihre hilfe                                            23
   weiter“                                  10 –11       ▪▪ Mit roter Nase und Ukulele die
                                                              Herzen im Sturm erobert                        17               vorschau                                              23
magazin                                     12 – 19      ▪▪ Alles andere als langweilig                     18
                                                         ▪▪ Nacht der Ausbildung 2019                       19              termine                                                24
▪▪ Babyschwimmen geht weiter
   im Bad der Bethesda Schule               12            spurensuche                                        19
▪▪ Stiftung kreuznacher diakonie
   unterstützt                              12

                                                                          impressum
                                                                          offene tür Nr. 1|2019, 85. Jahrgang, März 2019, 16.400 Exemplare, erscheint dreimal im Jahr, ISSN 0942-2552
                                                                          Herausgeberin: Stiftung kreuznacher diakonie, Kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts, Ringstraße 58, 55543 Bad
                              Unser Titelbild zeigt …                     Kreuznach | Verantwortlich: der Vorstand | Redaktion: Kristina Rogoß (kr), Angelika Christ (ac), Benedikt Schöfferle (bs),
                             … Deeskalationstrainer Marco                 Susanne Hilbertz (sh), Heiko Schmitt (hs), Sonja Unger (su), Christian Schucht (cs), Sabine Görgen (sg), Petra Alles (pa)
                                                                          Artwork: Anja Lill · Referentin Medien & Design, Theresa Gilcher ∙ Mediengestalterin | Druck: odd GmbH & Co. KG Print
                             Wietrzychowski in einer
                                                                          & Medien, Bad Kreuznach. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion
                             Übungssituation. Er zeigt, wie
                                                                          wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung. Mitglied im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (gep).
                             sich kritische Situationen                   Telefon 0671 / 605 - 3724 | E-Mail info@kreuznacherdiakonie.de | Internet www.kreuznacherdiakonie.de
                             entschärfen lassen.                          Texte Leichte Sprache: Geprüft durch Prüfgruppe Leichte Sprache der Stiftung kreuznacher diakonie | Bilder Leichte
                             Mehr zu dazu erfahren Sie                    Sprache: © Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.  V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel,
                             auf den Seiten 6 und 7.                      2013 sowie Stiftung kreuznacher diakonie
Grenzen der Toleranz - Stiftung kreuznacher diakonie
guten tag

Liebe Leserinnen und Leser,
einer unserer Leitbildsätze lautet: „Wir setzen unser Wissen und Können für Menschen ein.“ Diesem Satz kommen wir in
unserer täglichen Arbeit empathisch und kompetent nach. Doch was ist, wenn unsere Bewohnerinnen und Bewohner,
Patientinnen und Patienten oder Klientinnen und Klienten aufgrund ihrer Krankheit oder ihres entweder sehr jugendlichen oder
fortgeschrittenen Alters, ihrer individuellen Situation oder bedingt durch kulturelle Unterschiede an Grenzen stoßen? Das kann
in einen Streit untereinander münden, aber auch in Handgreiflichkeiten oder Aggressionen gegenüber dem Personal.

Darüber möchten wir in dieser Ausgabe berichten: Für viele Mitarbeitende der Stiftung kreuznacher diakonie gehören
solche Grenzüberschreitungen zum Arbeitsalltag und sind zugleich Belastungsprobe. Professionelles Verhalten und gezielte
Schulungen sind die Basis, um kritische Situationen zu bewältigen, den Betreuenden zu helfen und sich selbst gegebenenfalls
zu schützen.

Unsere Weihnachtspendenaktion unter dem Motto „Gemeinsam Grenzen überwinden!“ war übrigens ein voller Erfolg: Mit Ihren
Spenden können wir Menschen mit Behinderung in den Bereichen Teilhabe, Freizeit, Bildung und Sport viele Möglichkeiten
eröffnen, aktiv am öffentlichen Leben teilzunehmen. Dafür danken wir Ihnen. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 20.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

Mit freundlichen Grüßen aus Bad Kreuznach

Dr. med. Dennis Göbel       Dr. Frank Rippel         Pfr. Christian Schucht

Vorwort in Leichter Sprache

Liebe Leserinnen und Leser!

Wir arbeiten gerne mit Menschen.

Manchmal werden diese Menschen aufgeregt und wütend.

Dann brauchen sie Hilfe.

Das ist für beide Seiten anstrengend.

                                                                                                                                 3
Grenzen der Toleranz - Stiftung kreuznacher diakonie
titel                                           Grenzen der Toleranz

„Die größte Gefahr ist, dass wir den Menschen falsch begegnen“

Verständnis für die Mechanismen von
Demenz hilft bei Grenzverletzungen
    (su) Kommt ein Mensch in eine Einrichtung der Seniorenhilfe, dann sind zu diesem Zeitpunkt schon viele Grenzen der Toleranz
    überschritten. Die Angehörigen haben gemerkt, dass ihre Kräfte nicht ausreichen und suchen hier professionelle Hilfe, die
    Bewohner und Bewohnerinnen selbst haben die Grenze ihres vertrauten Zuhauses überschritten und wissen sich am Ende ihres
    Lebens angekommen. Daran haben alle Seiten zu knabbern – jeden Tag aufs Neue.

     R  und 70 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner des
        Wichernhauses in Saarbrücken leben mit kognitiven
                                                             reich verantwortet, legen großen Wert darauf, die Mitarbeiten-
                                                             den genau über Demenz zu informieren. „Sie müssen die Me-
Einschränkungen – meist unter dem Oberbegriff Demenz zu-     chanismen verstehen.“ Wenn Aggressionen auftreten – oft
sammengefasst. Bei 30 Prozent liegen psychische Erkrankun-   ausgelöst durch vermeintliche Kleinigkeiten (ein Geruch, ein Ge-
                                                             räusch, eine Person, die an jemanden erinnert, mit dem es ein-
gen vor. Eine Differenzierung bei der Diagnostik findet selten
statt und so sind die Mitarbeitenden beim Umgang mit ihnen   mal Streit gab) – dann sei es das Wichtigste, die Ursache dafür
zu einem großen Teil auf ihr Fachwissen angewiesen – und sto-herauszufinden. Ziel ist es, bei den Mitarbeitenden eine Grund-
                                                             haltung zu erreichen, die auf Respekt, Empathie und Entgegen-
ßen dabei auch an Grenzen. „Die größte Gefahr ist, dass wir den
Menschen falsch begegnen“, sagt Einrichtungsleiter Bernd     kommen fußt. Weiterbildungen in Gerontopsychiatrie oder De-
Meyer.                                                       eskalationstrainings stehen hierbei auf dem Programm – ebenso
                                                             wie ganz praktische Erfahrungen. Wenn beispielsweise aggres-
Aufklärung bei Angehörigen wichtig                           sives Verhalten auftritt, dann verlassen die Pflegekräfte einfach
Sowohl er als auch sein Kollege Andreas Kerner vom Wohnpark auch einmal den Raum. Wenige Sekunden später ist das, was
Sophie Scholl in Bad Kreuznach, der mit 20 Bewohnerinnen und gerade noch der Auslöser war, schon wieder vergessen und
Bewohnern einen eigenen gerontopsychiatrischen Wohnbe- man kann das Zimmer wieder betreten und versuchen

                        Das kleine Einmaleins im Umgang mit Menschen mit Demenz

          Nimm Blickkontakt auf                                          Verbeuge dich ein wenig vor der Frau (als Mann)
          Sprich den Menschen von vorne an (gegenüber)                   Biete die Hand zur Begrüßung an
          Gehe auf Augenhöhe                                             Halte individuelle Distanz
          Lächle                                                         Höre zu
          Verwende kurze, prägnante Sätze                                Widersprich nicht
          Stelle immer nur eine präzise Frage                            Erfasse die Stimmung und gehe darauf ein
        Frage so, dass mit „ja“ oder „nein“ geantwortet                 Akzeptiere die Wirklichkeit der/des Erkrankten
         werden kann
                                                                         Im Zweifel bist DU im Unrecht
          Nicke leicht mit dem Kopf bei Männern
                                                                         Vermeide schnelle, hektische Bewegungen

                                                                                                      Quelle: Vanessa Land/Bernd Meyer

4                                           offene tür 1 / 2019
                                            www.kreuznacherdiakonie.de
Grenzen der Toleranz - Stiftung kreuznacher diakonie
Der Fitnessraum des Wichernhauses ist
                                                   stets gut besucht – die Bewegung tut allen
                                                                              nachhaltig gut

 nachzuvollziehen, was die Aggression ausgelöst hat. Dafür sind viele Gespräche
 notwendig sowie der enge Austausch im Team.
„Im Teamgespräch wird auf jeden Einzelnen eingegangen. Außerdem ist ein wich-
 tiger Bestandteil der Einsatz unserer Seelsorgerin, Diakonin Annette Stambke. Hier
 wird schon vieles aufgefangen. Wir stehen natürlich auch mit den Ärzten in Kon-
 takt und mit den Angehörigen“, so Andreas Kerner. Für Letztere ist der Besuch oft
 besonders grenzwertig. Sie haben Mutter oder Vater früher anders erlebt, können
 mit den Wesensveränderungen, die oft mit Demenz einhergehen, nicht umgehen.
 Wenn das Pflegepersonal ein Nickerchen am Nachmittag für angebracht hält, die
 Ehefrau das aber partout nicht möchte, weil das früher ja auch nicht nötig war,
 dann ist eine Grenze der Toleranz schnell erreicht. Daher versuchen die Häuser, auch
 bei den Angehörigen Verständnis für Demenz zu wecken und bieten Einzelgesprä-
 che, aber auch Info-Veranstaltungen an.

Hilfe im Alltag
Ein probates Mittel im Wichernhaus ist beispielsweise auch der Fitnessraum, der
unter der Leitung von Sonja Görgen mehrmals wöchentlich genutzt wird und im-
mer sehr gut besucht ist. Wer gerade nicht auf Fahrrädern, auf Laufbändern oder
an den Geräten zum Gewichtestemmen trainiert, nutzt die Gelegenheit zu einem
kleinen Schwätzchen bei einem wohlverdienten Glas Wasser. Das Gefühl, etwas ge-
tan zu haben, tut gut und wirkt nachhaltig – selbst wenn der Sportler gleich wieder
vergessen hat, dass er aktiv war.
Eine weitere Geheimwaffe des Wichernhauses ist auf vier Pfoten unterwegs und
verbreitet überall da, wo er hinkommt, gute Laune: Spitz Strolchi. Seit acht Jahren
begleitet er Frauchen Elfie Messemer, Leiterin der Tagespflege, täglich zur Arbeit.
Wie oft der kleine Kerl dabei schon für so viel Ablenkung gesorgt hat, dass Situati-
onen gar nicht erst eskalieren, ist überhaupt nicht abzuschätzen. Nach einer Strei-
cheleinheit für ihn ist der eben noch große Kummer meist bewältigt.
                                                                                                  Geheimwaffe auf vier Pfoten: „Strolchi“ mit
                                                                                                Bewohnerin Ingeborg Wohler im Wichernhaus

                                                                     Alte Menschen vergessen viel.

                                                                     Das macht sie wütend.

                                                                     Im Altenheim wollen Pfleger diese Wut verstehen.

                                                                     Sie hören zu.

                                                                     Sie sprechen über die Wut.

                                                                                                                                                5
Grenzen der Toleranz - Stiftung kreuznacher diakonie
titel                                       Grenzen der Toleranz

    Deeskalationstrainer in Meisenheim berichten von ihren Techniken

    Brenzlige Situationen
    mit Worten entschärfen
    (hs) In vielen Bereichen des Zusammenlebens von Menschen mit Behinderung können Konflikte entstehen – untereinander
    oder mit den Betreuenden. In solchen Momenten kann es Auseinandersetzungen geben, die manchmal auch in körperliche
    Gewalt umschlagen. Doch dazu soll es gar nicht erst kommen – Deeskalationstraining sei Dank.

    W   er den Begriff „Deeskalationstraining“ hört, der denkt
        häufig an geübte Griffe aus dem Kampfsport. Doch
                                                                  ten konfrontiert und können dann den Werkzeugkasten, den
                                                                  uns das Deeskalationstraining bietet, wirkungsvoll einsetzen.“
wenn es körperlich wird, dann ist die Deeskalation eigentlich     Im Mittelpunkt steht dabei die verbale Deeskalation. Mit
schon gescheitert. „Wir wollen die Situation verbal entschär-     verschiedenen Gesprächstechniken soll der Konflikt ent-
fen, es geht um eine vorbeugende Maßnahme“, sagt Marco            schärft werden. „Widerspiegeln“ lautet eine der Tech-
Wietrzychowski, Deeskalationstrainer in Meisenheim. Ge-           niken. „Ich gebe dabei dem Gegenüber das Gefühl, ihm
meinsam mit Eva Lamb, Markus Brand und Christoph Schnei-          zuzuhören und auf einer Ebene mit ihm zu kommunizie-
der hat er die anderthalbjährige Ausbildung zum Deeskalati-       ren“, erläutert Wietrzychowski die Strategie. „Ich will ein-
onstrainer absolviert und bildet sich regelmäßig fort. „Wir       kaufen!“, ruft die verärgerte Person. „Ah, verstehe, du
bieten seither auch Schulungen in Meisenheim an und wollen        willst EINKAUFEN. Was möchtest du denn jetzt EINKAUFEN?“
unser Wissen weitergeben.“                                        Man signalisiert Verständnis und Wertschätzung, das eigentli-
                                                                  che Problem wird herausgearbeitet: „Damit gewinnt man Zeit,
 Verbale Deeskalation steht im Mittelpunkt                        und die ist in einer solchen Situation am wichtigsten“, weiß
„Wenn ein Bewohner beispielsweise sofort in die Stadt zum Markus Brand, ebenfalls Teamleiter am Standort Meisenheim.
 Einkaufen möchte, aber der Einkauf erst ein paar Stunden Sollten alle verbalen Techniken scheitern und eine weitere Es-
 später auf dem Plan steht, kann daraus schon eine Ausein- kalation unausweichlich sein, haben die Deeskalationstrainer
 andersetzung entstehen“, berichtet Christoph Schneider. Der weitere Mittel, die sie einsetzen können. „Im schlimmsten Fall
 stellvertretende Teamleiter kennt viele solcher Situationen, die müssen wir den Menschen immobilisieren, also an der Bewe-
 aus seiner Erfahrung heraus häufiger vorkommen. „Unsere gung hindern, damit er sich und andere nicht verletzten kann“,
 Klientel hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Wir sagt Markus Brand. „Doch das darf wirklich nur passieren,
 Mitarbeitende sind zunehmend mit herausforderndem Verhal- wenn alle Maßnahmen vorher nicht gegriffen haben.“

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Regelmäßige Trainings notwendig             ner auf regelmäßiges Auffrischen der                „Man hat einen gemeinsamen Weg, den
 Bei den Schulungen lernen die Teilneh-      Kenntnisse, betont Christoph Schneider:              man auch weiterhin gemeinsam gehen
 menden zwar auch körperliche Abwehr-       „Solche Sachen müssen in Fleisch und                  will. Ich muss professionell mit solchen
techniken. Aber am wichtigsten sei es,       Blut übergehen. Deshalb üben wir das                 Belastungen umgehen, um meine Arbeit
 sich der Gefahr zu entziehen. „Große        richtige Verhalten auch in Rollenspielen.“           fortführen zu können“, unterstreicht
 Ohrringe etwa, Schals und andere Ac-        Doch mit einer deeskalierten Situati-                Marco Wietrzychowski die Notwendig-
 cessoires, die man trägt, oder auch lan-    on ist noch längst nicht alles vorbei.               keit, dass Deeskalationstraining flächen-
 ge Fingernägel können in einer Ausein-      Bewohnerinnen und Bewohner sowie                     deckend angeboten wird. „Wir müssen
 andersetzung zu Verletzungen führen.        Mitarbeitende haben häufig eine be-                  die Verhaltensweisen deuten und darauf
 Genauso das Brotmesser in der Küche         sondere Beziehung zueinander, die oft                entsprechend reagieren können.“ Der
 oder der Briefbeschwerer sind poten-        über Jahre aufgebaut wurde. Da könne                 nächste Konflikt kommt bestimmt.
ziell gefährlich. Ich muss mein Umfeld       innerhalb weniger Augenblicke sehr viel
‚mitdenken‘“, so Marco Wietrzychowski.      zerstört werden – und zwar auf beiden
 Deshalb pochen die Deeskalationstrai-      Seiten, wissen die Deeskalationstrainer:

Manchmal ist ein Bewohner sehr wütend.

Mitarbeiter wollen ihn dann beruhigen.

Doch das ist gar nicht so einfach.

Der Mitarbeiter muss genau wissen, was er dann tun muss.

Dabei können dem Mitarbeiter De-Es-Ka-La-Tions-Trainer helfen.

Sie haben gelernt, wie man einen Bewohner am besten beruhigen kann.

Sie zeigen dem Mitarbeiter, wie man so was am besten macht.

                                            Professionelles Deeskalationsmanagement ProDeMa ®
                                            Die Deeskalationstrainer haben ihre Ausbildung bei einem Institut für profess-
                                            ionelles Deeskalationsmanagement absolviert (ProDeMa ®). Die berufsbegleitende
                                            Ausbildung umfasste eineinhalb Jahre, drei bis vier Schulungen pro Jahr folgten.
                                            Wer sich zum Thema Deeskalationstraining und zu den praktischen Erfahrungen
                                            austauschen möchte, kann sich gerne an Marco Wietrzychowski wenden: Telefon
                                            06753 / 964990, E-Mail marco.wietrzychowski@kreuznacherdiakonie.de

                                            Was ist zu tun, um eine brenzlige Situation mit einer Bewohnerin oder einem Bewohner zu beruhigen?
                                            Deeskalationstrainer Marco Wietrzychowski schult Mitarbeitende im Umgang mit solchen Erlebnissen

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Herausfordernd: Grenzüberschreitungen in der Psychiatrie

Übergriffe gegen die Helfenden
gehören zum Krankheitsbild
    (sg) Hannes ist 25 und leidet an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Er durchlebt emotionale Achterbahnen, neigt
    zu impulsiven Ausbrüchen. An seinen raschen Stimmungswechseln, Handgreiflichkeiten inklusive, ist auch seine letzte
    Beziehung gescheitert. Seit einigen Tagen ist er in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der Hunsrück Klinik
    Simmern in Behandlung. Heute, als die Pflegekraft ihm seine Medikamente bringt, rastet er aus.

     E  r schlägt ihr den Blister mit
         den Tabletten aus der Hand,
                                               die Patientenrechte gestärkt hat: Seit-
                                               her dürfen zwangseingewiesene Psy-
                                                                                          schränkungen explizit einer richterli-
                                                                                          chen Genehmigung bedürfen“, findet
brüllt die junge Frau an, sie solle auf        chiatriepatientinnen und Psychiatrie-      Oberhausen.
der Stelle verschwinden. Was diese             patienten,     sowohl      zu    deren
dann auch tut, um Unterstützung zu             Selbstschutz als auch zum Schutz            Auf Aggressionen vorbereitet
holen. Aggressionen von Patientinnen           Dritter – nicht länger als eine halbe       Bis eine solche in akuten Fällen erteilt ist,
oder Patienten gegenüber Pflegekräf-           Stunde fixiert werden.                      gibt es – je nach Krankheitsbild - durch-
ten, Therapeuten und Ärzten kommen            „Wird die Fortbewegungsfreiheit eines        aus fordernde Situationen. „Wir müssen
in psychiatrischen Einrichtungen nicht         Menschen gegen seinen Willen ein-           stets auf Fremdaggressionen vorbereitet
selten vor. Aktuell ist sogar eine leich-      geschränkt oder komplett entzogen,          sein und wissen in der Regel auch da-
te Zunahme der Grenzüberschreitun-             dann ist das Freiheitsentzug“, erklärt      mit umzugehen“, erläutert Oberhausen
gen in der Pflege zu registrieren. Das         Dr. Winfried Oberhausen, Chefarzt der       weiter. „Wir haben in diesem Zusam-
hängt auch damit zusammen, dass                Abteilung. Grundsätzlich teilt er den       menhang eine ähnliche Problematik wie
2017 das Bundesverfassungsgericht              Ansatz des Gesetzgebers, der den Pa-        die Polizei zu bewältigen. Bei den Über-
                                               tientenschutz in den Mittelpunkt stellt.    griffen kommt es durchaus vor, dass bei-
                                              „Wir begrüßen ausdrücklich diese Stär-       spielsweise mit Gegenständen nach dem
                                               kung der Patientenrechte. Der Patient       Pflegepersonal geworfen, dass getreten,
                                               soll ja behandelt und nicht bequem und      geschubst oder geschlagen wird.“
                                               sicher verwahrt werden. Auch dann           Das Pflegepersonal und die Ärzte neh-
                                               nicht, wenn Grenzverletzungen und           men deshalb regelmäßig am Deeskalati-
                                               Aggressivität zum jeweiligen Krank-         onstraining teil, um für schwierige Situ-
                                               heitsbild gehören. Unser Auftrag ist es,    ationen besser gewappnet zu sein.
                                               den Erkrankten professionell zu helfen.    „Wir schulen unsere Mitarbeitenden
                                               Daher ist es richtig, dass Freiheitsbe-     nach dem ProDeMa®-Stufenmodell zur
                                                                                           Deeskalation von Gewalt und Aggressi-
                                                                                           on“, erläutert Monika Paul, Pflegedienst-
                                                                                           leitung Psychiatrie. Die Trainingseinhei-
                                                                                           ten gliedern sich unter anderem in die
                                                                                           Verhinderung der Entstehung von Ge-
                                                                                           walt und Aggression, das Verständnis
                                                                                           der Ursachen und Beweggründe aggres-
                                                                                           siver Verhaltensweisen, kommunikative
                                                                                           Deeskalationstechniken, patientenscho-
                                                                                           nende Abwehr- und Fluchttechniken

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Im Fokus der Psychiatrie steht die Behandlung der Patienten

und die präventiven Möglichkeiten zur                     körperliche Begrenzung notwendig. Nach    Straftäterinnen und Straftätern. Das Ziel
Verhinderung von Gewalt. Für nicht abzu-                  Abklingen der Erregung wird die Behand-   einer Behandlung liegt in einer Minimie-
wendende Übergriffe werden patienten-                     lung jedoch beendet, wenn keine psychia-  rung des Risikos zukünftiger kriminel-
schonende Halte-,Immobilisations- und                     trisch behandlungsbedürftigen Erkran-     ler Handlungen. „In der Übergangszeit
Fixierungstechniken erlernt. Bei den klar                 kungen vorliegen“, ergänzt Oberhausen.    stoßen wir jedoch manchmal an unsere
fremdaggressiven und eher delinquenten                                                              Grenzen. Beispielsweise ist eine einge-
Menschen beschränkt sich die Behand-                      Trennung von                              lieferte Person, die zudem drogenab-
lung nach stationärer Aufnahme auf die                    Psychiatrie und Forensik                  hängig und möglicherweise auf Entzug
notwendigste Erste Hilfe. Diese besteht                   In Zukunft wird es höchstwahrschein- ist, gewaltbereiter als andere psychisch
aus Diagnostik und Maßnahmen zur Be-                      lich zu einer deutlich größeren Trennung erkrankte Menschen. Da kommt es im
ruhigung, um die Patientinnen und Pati-                   zwischen Psychiatrie und Forensik kom- schneller zu tätlichen Übergriffen und es
enten sowie die Mitarbeitenden bestmög-                   men. Die Forensische Psychiatrie ist ein bedarf im Einzelfall auch einmal der Un-
lich zu schützen. „Neben der in diesen                    Teilgebiet der Psychiatrie. Ihre primären terstützung von außen, durch die Polizei
Fällen verordneten Medikation ist manch-                  Aufgaben sind die Sicherung und Besse- oder einen Sicherheitsdienst“, resümiert
mal durchaus auch eine vorübergehende                     rung von psychisch- und suchtkranken Oberhausen.

Wenn Menschen schwer krank sind, kommen sie ins Krankenhaus.

Manche möchten da aber nicht sein.

Dann werden sie zornig.

Manchmal schlagen sie um sich.

Die Ärzte und Pfleger wissen meistens, wie man damit umgeht.

Und wenn nicht, rufen sie die Polizei.

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 Konflikte in einer interkulturellen Wohngruppe

„Mit Druck kommen wir nicht weiter“
 (sh) Im Umfeld unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Traditionen treten im Alltag einer interkulturellen Wohngruppe
 mit zehn Jugendlichen häufig Konflikte auf. Jeder Tag bringt neue Situationen, in denen Mitarbeitende und Jugendliche an ihre
 Grenzen stoßen und gezwungen sind, Neues zu lernen und zu akzeptieren. Mit Geduld und pädagogischem Geschick gelingt es,
 die Wogen zu glätten.

       B  eim Abendessen ist es mal wieder so weit. „Tomaten-
          sauce schmeckt nicht. Das ist doch kein Essen“, regt
                                                                 schwister, insbesondere im Umgang mit den kleineren Jungen
                                                                 und Mädchen“, sagt Gruppenleiterin Svetlana Tjurin-Beer. Und
 Fahir* sich auf. Die 17-jährige Somalierin beschwert sich laut- jeder, der Mahlzeiten in Familien mit pubertierenden Jugend-
 stark bei Betreuer Andi* – die anderen Jugendlichen sind unge-  lichen kennt, weiß aus eigener Erfahrung, dass es selten ohne
 halten und möchten in Ruhe essen. Andis Hinweis, dass das Es-   Reibereien zugeht. Im Umfeld der interkulturellen Gruppe birgt
 sen seit Wochen auf dem gemeinsam erstellten Menüplan           das Essen zusätzliches Konfliktpotenzial. Zum einen spielen die
 angekündigt war, lässt Fahir kalt. Sie verlangt Bohnen, Paprika Mahlzeiten in den Herkunftskulturen häufig eine herausragende
 und Mais, um die Mahlzeit aufzupeppen. Als Andi nicht auf sie   Rolle: „Essen und Familie stehen an erster Stelle. Beides bedeutet
                                                                 ein Stück Sicherheit“, sagt die erfahrene Gruppenleiterin. Zum
 eingeht, eskaliert der Konflikt: „Ihr akzeptiert mich nicht und ihr
                                                                 zweiten ist das geschilderte Verhalten charakteristisch für die
 wollt mich nicht verstehen!“ Fahir rauscht ab – und dicke Luft in
 der ganzen Gruppe ist für die nächsten Stunden unausweichlich.  pubertierenden Jugendlichen. Sie möchten selbst bestimmen,
                                                                 um ihr eigenes Leben kontrollieren zu können. „Essen spielt eine
 Das eigene Leben kontrollieren                                  wesentliche Rolle, aber entscheidend ist, dass sie bestimmen und
 Zehn Kinder und Jugendliche leben in der interkulturellen Grup- entscheiden können und nicht die Mitarbeiter.“
 pe in Bad Kreuznach, zwei Jungen im Alter von zehn und zwölf Um in den Wirrnissen von Pubertät, unterschiedlichen Kultu-
 sowie acht Mädchen und junge Frauen zwischen 13 und 17 ren und Religionen bestehen zu können, braucht es von den
 Jahren. Die Jugendlichen aus Somalia, Syrien, Afghanistan und Mitarbeitenden einen professionellen Umgang mit der Situa-
 Algerien – fast alle mit muslimischem Hintergrund – sind ohne tion. Bei den spontanen Sonderwünschen beim Essen – trotz
 Eltern nach Deutschland gekommen. Die Gruppe wird schnell getroffener Absprachen zum Speiseplan – gerät der Mitarbei-
 zum Familienersatz. „Grundsätzlich behandeln sie sich wie Ge- ter in eine unangenehme Situation. Einerseits wäre es
     * Namen geändert

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Feste feiern, wie sie fallen – aber welche? Ausgehend von einem Konflikt unter den Jugendlichen, hat sich die Gruppe mit Festen und Feiertagen in unterschiedlichen
Religionen beschäftigt und Wandplakate geschaffen. „Nun berücksichtigen wir viele Feste und wir haben gesehen, dass es Traditionen gibt, die sich in ähnlicher Weise in
allen Kulturen oder Religionen wiederfinden“, sagt Gruppenleiterin Svetlana Tjurin-Beer

grundsätzlich keine große Sache, Fahir entgegenzukommen,                                 langwierigen Auseinandersetzungen und schlechter Stimmung
andererseits möchte er nicht Tür und Tor für alle Sonderwün-                             führen kann. Untereinander sind es Beschimpfungen, mit de-
sche der Jugendlichen öffnen, die das Miteinander stören wür-                            nen sie sich gegenseitig verletzen und die letztlich in Hand-
den. „Ruhe bewahren, die anderen Kinder mit Essen versorgen                              greiflichkeiten enden können. „Keine Schimpfworte und keine
und um zehn Minuten Zeit bitten“, empfiehlt Pädagogin Tjurin-                            Beleidigungen – das sind Grundregeln des miteinander Lebens
Beer, um die Situation zu lösen. Später könnten Fahir und Andi                           in der Gruppe“, erläutert Tjurin-Beer. „Hier müssen wir Vorbild
in Ruhe schauen, was der eigentliche Anlass für die Störung                              sein, denn die Kinder und Jugendlichen übernehmen viel von
war. Kam Fahir schon „geladen“ aus der Schule und brauchte                               uns, im Positiven wie im Negativen.“ Als „No-Gos“ sind Tätlich-
ein Ventil, um diese Anspannung zu beseitigen? „Grundsätzlich                            keiten und starke Beleidigungen untereinander und gegenüber
haben Konflikte eine Ursache, der man auf den Grund gehen                                den Betreuenden definiert. Rangeleien, Gewaltandrohungen
muss“, sagt sie. Um Streitfällen beim Essen vorzugreifen, legen                          und auch Konflikte, bei denen auch mal eine Jugendliche oder
die Jugendlichen mit den Betreuenden Essenspläne fest, die                               ein Jugendlicher mit einem Messer auftaucht, gibt es immer
Speisen und Gewohnheiten aus den jeweiligen Herkunftslän-                                wieder. „Manchmal ist es unvermeidlich, die Polizei zu rufen“,
dern berücksichtigen. Da findet sich afghanisches Hähnchen                               sagt die Sozialpädagogin. Auseinandersetzungen und Streitig-
genauso wie algerische Bohnensuppe oder Spiegeleier und Spi-                             keiten besprechen die Betreuenden regelmäßig im Team. Sie
nat. Ein bis zwei Jugendliche sind immer zum Kochen eingeteilt.                          überlegen, wie gute Lösungen gelingen können: Was braucht
                                                                                         die/der Jugendliche, was brauchen die Mitarbeitenden? „Mit
Sprache birgt Missverständnisse                                                          Druck kommen wir nicht weiter“, erklärt Tjurin-Beer. „Wenn ich
Zwistigkeiten bergen auch die Sprache und damit verbunde-                                mich wertschätzend verhalte, hoffe ich, dass die Jugendlichen
ne Fehldeutungen. Oftmals fühlen sich die Jugendlichen nicht                             letztlich einen anderen Blick auf unsere Kultur und Religion
richtig verstanden oder missverstehen die Betreuenden, was zu                            werfen.“

                                       In einer inter-kulturellen Gruppe leben Jugendliche aus verschiedenen Ländern.
                                      Sie haben verschiedene Religionen.
                                      Sie sind in unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen.
                                       Da gibt es öfter Streit, zum Beispiel
                                           wegen des Essens
                                           welche Feste und Feiertage man feiern soll.
                                       Die Erzieher der Gruppe helfen, gute Lösungen zu finden.
                                       Alle brauchen viel Geduld.

                                                                                                                                                                          11
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 Elternschule bietet weiter Schwimmkurse für Säuglinge an
     Babyschwimmen geht weiter im Bad der Bethesda Schule
 (ac) Das Schwimmbad im Diako-                 diese Kurse weiterhin in der Elternschule     Kosten belaufen sich auf 75 Euro. Die
 nie Krankenhaus wird zum Jahresende           des Diakonie Krankenhauses anbieten zu        nächsten freien Plätze gibt es wieder ab
 geschlossen. Aber das beliebte Baby-          können. „Durch die Eigenschaften des          8. März und 10. Mai 2019. Bitte früh-
 schwimmen, bei dem Bewegungsfreude            Wassers, seine Wärme, den Druck, den          zeitig anmelden bei Jutta Thomas unter
 und Wasserspaß für Säuglinge zwischen         Auftrieb und den Widerstand, werden           Tel. 0671 / 8964869.
 vier und acht Monaten im Vordergrund          die Sinne der Babys geschärft, die Kör-
 stehen, geht weiter: „Wir freuen uns, mit     perwahrnehmung und die Bewegung
 dem Therapiebecken der Bethesda Schu-         gefördert“, so die gelernte Kinderkran-
 le auf dem Campus der Stiftung kreuz-         kenpflegerin. Die Kurse werden immer
 nacher diakonie ein neues Quartier für        freitags um 12.30 Uhr und um 13.30                 Weitere Kursangebote
 dieses beliebte Angebot gefunden zu ha-       Uhr in der Waldemarstraße 26 angebo-              der Elternschule des
 ben“, sagt Manuel Seidel, Kaufmännischer      ten. Pro Kurs gehen acht Babys mit be-
                                                                                                 Diakonie Krankenhauses
 Direktor des Diakonie Krankenhauses.          gleitendem Elternteil ins wohltemperierte
 Auch Jutta Thomas, Kursleiterin und gute      Wasser. Die Kurse finden jeweils sechs
                                                                                                 finden Sie unter:
 Seele des Babyschwimmens, ist glücklich,      Mal statt und dauern 35 Minuten. Die             www.kreuznacherdiakonie
                                                                                                                        .de

 „Stiftung Anerkennung und Hilfe“
     Stiftung kreuznacher diakonie unterstützt
 (kr) Gemeinsam mit der „Stiftung An-           klärt Pfarrer Christian Schucht, Theologi-   hung zwischen den Nachkriegsjahren bis
 erkennung und Hilfe“ will die Stiftung         scher Vorstand der Stiftung kreuznacher      in die 1970er Jahre hinein ist und bleibt
 kreuznacher diakonie die Lebenssituation       diakonie. Errichtet von Bund, Bundes-        uns ein wichtiges Anliegen“, betont Pfar-
 von Menschen mit Behinderung, die als          ländern und Kirchen, bietet die „Stiftung    rer Schucht. Bereits im Jahr 2012 erschien
 Heimkinder in den Jahren von 1949 bis          Anerkennung und Hilfe“ eine Anlaufstelle,    die von der Stiftung kreuznacher diakonie
 1975 Leid und Unrecht erfahren haben,          die sich um Achtung von erlebtem Leid        beauftragte Publikation „Es war eine enge
 verbessern und zur Aufarbeitung beitra-        und Unrecht bemüht und finanzielle Un-       Welt“, in der Berichte von Bewohnerinnen
 gen. „Wir ermutigen Betroffene, die Hilfe      terstützung bietet.                          und Bewohnern, Diakonissen und Mitar-
 der Stiftung in Anspruch zu nehmen“, er-      „Die Aufarbeitung der Heimkinder-Erzie-       beitenden ausgewertet wurden.

 Anlauf- und Beratungsstellen für Betroffene
 Betroffene können sich bei einer Anlauf- und Beratungsstelle im Bundesland ihres derzeitigen Wohnorts für den Erhalt der
 Leistungen anmelden. Die Kontaktaufnahme ist bis zum 31. Dezember 2020 möglich.
 Menschen mit Wohnort in Rheinland-Pfalz wenden sich an das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung,
 Tel. 06131 / 967544 oder per E-Mail an stiftungauh@lsjv.rlp.de. Für Menschen mit Wohnort in Hessen ist das
 Regierungspräsidium Gießen zuständig, Tel. 0641 / 303-2773 oder E-Mail anerkennung-hilfe@rpgi.hessen.de.
 Die Anlauf- und Beratungsstellen der Stiftung Anerkennung und Hilfe informieren individuell,
 unterstützen bei der Anmeldung und der Aufarbeitung des Erlebten.

     Infotelefon: 0800 / 2212218
     www.stiftung-anerkennung-und-hilfe.de

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Klares Bekenntnis zur Kirche als Gemeinschaft aller Gläubigen

Pfarrerin Ruth Reusch feierlich in ihr neues Amt eingeführt
(su) Mit den Worten „Ich liebe diese         Pfarrstelle des evangelischen Kirchen- griffen beim Empfang nach dem Gottes-
Kirche!“ eröffnete Pfarrerin Ruth Reusch     kreises an Nahe und Glan eingeführt. dienst im Luthersaal noch mehrere Re-
ihre Predigt in der Diakonie Kirche an-      Seit August habe die Odernheimerin in dende zurück.
lässlich ihrer Einführung in den Dienst      der Stiftung kreuznacher diakonie eine
bei der Stiftung kreuznacher diakonie.       neue berufliche Heimat gefunden, so Pfarrerin Ruth Reusch ( vierte v. r.) vor dem feierlichen
                                                                                        Gottesdienst zu ihrer Einführung in den Dienst bei der
Damit meine sie nicht speziell dieses        Astrid Peekhaus. Ihr beruflicher Werde- Stiftung   kreuznacher diakonie durch Supertintendentin
schöne Gotteshaus, sondern die Kirche        gang hatte Ruth Reusch zuvor von einer Astrid Peekhaus (links daneben), Pfarrer Christian
als Gemeinschaft aller Gläubigen, erklär-    Pfarrstelle im saarländischen Ottweiler in Schucht sowie die Mitwirkenden
te sie. Und diese Gemeinschaft sei wie       den Dienst als Schulpfarrerin an der IGS
eine Wiese voller bunter Blumen, auf der     Stromberg und am Bad Sobernheimer
Kulturpflanzen ebenso gediehen wie Un-       Emanuel-Felke-Gymnasium geführt. In-
kraut, das genauso wichtig sei. Superin-     nerhalb der Stiftung kreuznacher diakonie
tendentin Pfarrerin Astrid Peekhaus und      ist sie überwiegend für das Geschäftsfeld
Pfarrer Christian Schucht, Theologischer     Seniorenhilfe zuständig. Außerdem ist sie
Vorstand der Stiftung kreuznacher dia-       als Dozentin für das Alte Testament in die
konie, hatten Ruth Reusch zuvor in den       Diakonen-Ausbildung eingebunden.
Dienst in der achten kreiskirchlichen        Auf das Bild der bunten Blumenwiese

38 Jahre mit Leidenschaft Anwalt für Kinder und Jugendliche

Rudolf Weber in den Ruhestand verabschiedet
(sh) Mit einem feierlichen Gottesdienst       mit einem erfahrenen Team unter der Leitung seiner Nachfolgerin Sonja Orantek, die
hat die Stiftung kreuznacher diakonie         zum 1. Februar 2019 die Geschäftsbereichsleitung übernahm.
ihren langjährigen Geschäftsführer des        Mit Weber tritt ein zuverlässiger „Ideengeber und Motor für gemeinsame Projekte“ ab,
Geschäftsbereichs Kinder-, Jugend- und        betonte Claudia Porr, Referatsleiterin im Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integ-
Familienhilfe, Rudi Weber, in den Ruhe-       ration und Verbraucherschutz und langjährige Wegbegleiterin von Weber. Der studierte
stand verabschiedet. Der Theologische         Pädagoge trieb die fachliche Entwicklung in der Jugendhilfe entscheidend voran: Bei-
Vorstand, Pfarrer Christian Schucht,          spielhaft dafür sind der von ihm forcierte Aufbau sozialpädagogischer Pflegestellen
dankte Weber für 38 Jahre im Dienst der       und der sozialpädagogischen Familienhilfe. Außerdem kümmerte sich Weber bereits seit
Stiftung kreuznacher diakonie. Mit Weber      den 1990er Jahren um eine geeignete Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flücht-
gehe „ein Diakoniker durch und durch“, so     linge. „Die Kinder- und Jugendhilfe in Rheinland-Pfalz verliert mit Rudi Weber einen
Schucht. Das Haus verlasse er gut bestellt    Mitstreiter für junge Menschen, die benachteiligt sind“, sagte Porr.
                                              Auch Kolleginnen und Kollegen der Stiftung kreuznacher diakonie lassen Weber nur
                                              schweren Herzens ziehen, denn die Zusammenarbeit war stets von fachlicher Kompe-
                                              tenz geprägt und immer „auf Augenhöhe“.
                                             „Zum Abschied alles Gute“, sangen die Hort-Kinder aus dem Kinderhaus Arche für Rudi
                                              Weber, der mit seinen zahlreichen Interessen auch im Ruhestand sicher keine Langewei-
                                              le haben wird. Als Ehemann und Vater von drei erwachsenen Kindern, als 1. Beigeordne-
                                              ter seiner Heimatgemeinde Schmißberg, als Weihnachts- und Obstbaum-Züchter sowie
                                              als passionierter Wanderer macht er sich optimistisch auf den Weg ins Privatleben.

                                             Der passionierte Wanderer Rudi Weber erhielt zum Abschied einen
                                             Wanderstecken von seiner Nachfolgerin Sonja Orantek

                                                                                                                                             13
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                                                          Je nach Krankheitsbild werden ein- bis zwei
                                                          Beckenboden-Schrittmacher eingesetzt, um
                                                           die Sakralnerven mit elektrischen Impulsen
                                                                                           zu steuern

 Hightech für die Blase

     Harninkontinenz: „Redet darüber
     und lasst euch helfen“
 (pa) Beim Lachen geht plötzlich mal was in die Hose oder der Harndrang wird blitz-
  artig so dringend, dass man es nicht mehr bis zur Toilette schafft: Darüber mögen
  die meisten Betroffenen nicht reden. Blasenschwäche, eine überaktive Blase oder Bla-
  senentleerungsstörungen sind Tabuthemen. Dabei sind viele Menschen davon betrof-
  fen und die Therapie-Möglichkeiten bereits weit fortgeschritten. Im Diakonie Klinikum
                                                                                                             
                                                                                                             Dr. Sun-Tscheol Kwon ist der erste
  Neunkirchen arbeitet man in diesem Bereich mit der neuesten Technologie.
                                                                                                             Anwender in Deutschland, der
  Georg Maurer* ist für seinen Nachsorge-Termin am Diakonie Klinikum Neunkirchen
                                                                                                             Patienten und Patientinnen bei der
  (DKN) gut vorbereitet. „Haben Sie Ihr Gerät dabei?“, fragt der Chefarzt der Urologie, Dr.
                                                                                                             sakralen Neuromodulation mit dem
  Sun-Tscheol Kwon. Maurer legt ein Smartphone-ähnliches Handgerät, den sogenann-
                                                                                                             neuen InterStim™-System für die
  ten „Smart-Programmer“, und einen kleinen rechteckigen Sensor auf den Tisch. Kwon
                                                                                                             Dauertherapie („Smart-Programmer)“
  hatte ihm zehn Tage zuvor zwei Beckenboden-Schrittmacher an der Blase implantiert.
                                                                                                             versorgt. In Deutschland bieten
  Die Schrittmacher bringen die Nerven, die die Funktion der Blase steuern, durch sanfte
                                                                                                             lediglich rund 300 Kliniken die
  elektrische Impulse ins Gleichgewicht. Die Methode heißt sakrale Neuromodulation.
                                                                                                             sakrale Neuromodulation an.
  Mit dem Sensor, den Maurer sich ans Becken hält, kann er abrufen, in welchem Modus
  der Schrittmacher seine Blase steuert. Fühlt es sich für ihn nicht gut an, kann er oder                    
                                                                                                             Das System ist bei Männern und
  der Arzt den Schrittmacher über eine App auf dem Handgerät anpassen. Sind die Elek-                        Frauen gleichermaßen anwendbar,
  troden an der Blase gut eingestellt, arbeitet der Schrittmacher selbstständig weiter und                   wobei Frauen häufiger betroffen
  man spürt ihn nicht. Der „Smart-Programmer“ kommt deutschlandweit bisher nur im                            sind oder sich häufiger Hilfe suchen.
  DKN zum Einsatz. Auch Maurer war die Hightech-Methode bisher unbekannt.                                    
                                                                                                             Die Kosten für die Therapie werden
  Seit 2015 leidet er an chronischem Beckenschmerz und einer überaktiven Blase. „Mei-                        von den Krankenkassen bei den
  ne Freizeitgestaltung war massiv eingeschränkt, weil ich immer darauf achten musste,                       Indikationen überaktive Blase,
  dass ich an Orten bin, wo eine Toilette in der Nähe ist. Irgendwann bin ich gar nicht                      nichtobstruktiver Harnverhalt
  mehr vor die Tür gegangen“, beschreibt der 57-Jährige seinen Leidensweg. Das hatte                         (atone Blase oder Überlaufblase)
  auch Auswirkungen auf seine körperliche Fitness – Sport war mittlerweile undenkbar                         und Stuhlinkontinenz erstattet.
  geworden – und besonders auf seine Psyche: „Die Sache hat mich wahnsinnig nervös
  gemacht. Meine Laune war miserabel; nicht mal Autofahren konnte ich.“
  Insgesamt drei Jahre lang lief er von Arzt zu Arzt. „Geht schon wieder weg“ oder „das
  ist normal im Alter“ waren Aussagen, die ihn zur Weißglut brachten. Nachdem alle
 Therapieformen – von Antibiotika bis Botox – gescheitert waren, führte ihn seine Su-                    Chefarzt Kwon. „Sie trauen sich nicht da-
  che nach Linderung ans DKN. Dort erfuhr er von den Schrittmachern. Chefarzt Kwon                       rüber zu reden. Dabei ist Harninkontinenz
  setzt die kleinen Elektroden im Titan-Mantel mit geübter Hand ein, wenn konservative                   ein ernstzunehmendes Problem. Das kann
  Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Der Eingriff verlangt zwar Geschick und Erfahrung,                    man ändern“, versichert der Mediziner. Für
  ist aber minimalinvasiv, also mit kleinstmöglichem Schnitt machbar.                                    Maurer war Verschweigen keine Option:
  Bei der Diagnose einer überaktiven Blase übernehmen die Krankenkassen die Kosten für                  „Das ist doch das täglich‘ Brot der Ärzte“,
  den Eingriff, die bei rund 20.000 Euro liegen. Danach geht es in die Testphase, während                meint er und macht seinen Leidensgenos-
  der die Elektroden provisorisch für vier bis sechs Wochen eingesetzt werden, um die                    sen Mut. „Ob Mann oder Frau, die Lebens-
  ideale Einstellung zu finden. Anschließend übernimmt Kwon die Werte für die tatsäch-                   qualität kehrt endlich wieder zurück. Ich
  lichen Schrittmacher. Nach drei Tagen stationärem Aufenthalt konnte Georg Maurer                       kann wieder ins Fußballstadion, bin gut
  die Klinik verlassen.                                                                                  gelaunt und glücklich. Ich kann es nur je-
 „Die meisten Patienten, die zu uns kommen, quälen sich schon sehr lange mit den Be-                     dem raten: Gebt nicht auf, redet darüber
  schwerden, empfinden Schmerzen, Druck und den Verlust ihrer Lebensfreude“, berichtet                   und lasst euch helfen.“
 * Namen geändert

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Bei der Diagnose Darmkrebs ist gebündeltes Fachwissen gefragt
„Wenn man leben will, muss man da einfach durch“
                                                                                             Renate Scholz aus Bad Kreuznach bei der
                                                                                             Nachuntersuchung im Diakonie Krankenhaus mit
                                                                                             dem Chirurgen Mohammed Ibrahim Froka und dem
                                                                                             Gastroenterologen Dr. Markus Höcker (v. l.)

                                                                                             Chirurgen Anfang Januar den Tumor im
                                                                                             Darm. Diesmal war ein Bauchschnitt er-
                                                                                             forderlich. Und ein künstlicher Darmaus-
                                                                                             gang war aufgrund der Lage des Kreb-
                                                                                             ses unvermeidbar. „Ich hatte aber keine
                                                                                             schlimmen Schmerzen“, erinnert sich die
                                                                                             gebürtige Norheimerin. „Und ich hatte
                                                                                             auch keine Angst. Wenn man leben will,
                                                                                             dann muss man da einfach durch.“ Mit
                                                                                             künstlichen Darmausgang kommt sie gut
(ac) „Krebs, das ist doch nur ein Wort.        Patienten mit Krebserkrankungen. „Dort        zurecht. „Das habe ich mir erklären lassen
Eine Möglichkeit, mit der man rechnen          fasst man das Wissen unterschiedlichster      und mit den Klebeverbänden kann ich
muss, wenn man schon etwas älter ist“,         Disziplinen zusammen – im Interesse ei-       den Ausgang sehr gut selbst versorgen.“
findet Renate Scholz. Echt cool, die 1,50      ner bestmöglichen Diagnostik und Thera-       Mittlerweile ist sie schon gut zu Fuß un-
Meter große Kämpferin aus Bad Kreuz-           pie“, so Höcker.                              terwegs. Und das, obwohl auch nach der
nach. Gerade mal drei Wochen nach der          Im September unterzog sich Renate             OP eine weitere Chemo erforderlich ist,
Entfernung des Darmkrebses, mit einem          Scholz zum ersten Mal einer OP, denn auf-     um die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr
noch frischen Stoma (künstlichen Darm-         grund der Krebserkrankung war auch ein        des Krebses zu verringern. Danach geht
ausgang), kommt sie zur Sprechstunde           gynäkologischer Eingriff erforderlich. „Das   sie zur Reha in die Nahetalklinik. Alles vor
von Oberarzt Mohammed Ibrahim Froka,           war gar nicht schlimm, das ging durch die     der Haustür sozusagen. Nur eines tut der
dem neuen Bauchchirurgen am Diakonie           Bauchdecke, da war ich schnell wieder fit“,   rüstigen Witwe leid: „Dass ich nicht frü-
Krankenhaus, der ihr vor drei Wochen ei-       berichtet Renate Scholz wie von einem         her zur Darmkrebsvorsorge gegangen bin.
nen tiefsitzenden, komplexen Tumor aus         Spaziergang mit leichtem Regen. Nach-         Das hätte mir vieles erspart.“
dem Enddarm entfernt hat.                      dem alles gut verheilt war, beseitigten die
Auch die Monate davor waren kein Zu-
ckerschlecken für die 71-Jährige. „Im Au-
gust hatte ich Bauchschmerzen, so stark,
                                                   Vorsorge rettet Leben
dass ich in die Notaufnahme des Diakonie
Krankenhauses ging. Da hat man direkt              Trotz der Verbreitung von Darmkrebs – es ist die zweithäufigste Krebsform
ertastet, dass da etwas nicht stimmt.“             hierzulande – sind wir ein Land der Vorsorgemuffel. Dabei sollten Menschen
Die Darmspiegelung bestätigte den Ver-             ab dem 50. Lebensjahr jährlich einen Stuhltest auf verstecktes Blut machen
dacht auf einen bösartigen Tumor, es folg-         lassen. Ab dem 55. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten
ten zunächst Strahlentherapie und Che-             für eine Darmspiegelung (Vorsorgekoloskopie) und nach zehn Jahren die für
motherapie, um den Tumor zu verkleinern            eine Kontrollspiegelung (bei auffälligen Befunden auch häufiger). Vor einer
und in Vorbereitung auf die Operation zu           Darmspiegelung müssen Patienten eine Abführlösung trinken, aber das ist
stabilisieren. Für Dr. Markus Höcker, Leiter       schon der unangenehmste Teil der Prozedur. Bei der eigentlichen Spiegelung
der Endoskopie am Diakonie Kranken-                verwenden die Gastroenterologen Schlaf- und Schmerzmittel, die Patienten
haus, eine recht typische Abfolge, denn            bekommen davon nichts mit. „Darmkrebs im Frühstadium ist zu nahezu 100
die Zusammenarbeit mit den niederge-               Prozent heilbar“, wirbt Dr. Markus Höcker für einen aktiven Umgang mit dem
lassenen Kollegen und der wöchentliche             Thema Vorsorge. „Denn so gut die Zusammenarbeit mit den Chirurgen um den
Austausch im Tumorboard ist gelebte und            Kollegen Froka auf unserer gemeinsamen Bauchstation klappt: Je weniger
bewährte Praxis bei der Behandlung von             Krebserkrankungen operiert werden müssen, umso besser für die Patienten.“

                                                                                                                                            15
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 Ossig-Stiftung unterstützt Inhouse-Weiterbildung am Diakonie Krankenhaus

 Für den Notfall bei Kindern bestens trainiert
  (ac) Eine werdende Mutter im achten Monat hat auf glatter                            Stiftung. Per Videoüberwachung wurden in wechselnder Be-
  Straße einen Autounfall. Sie ist nur leicht verletzt, aber die We-                   setzung zwölf Notfallszenarien von der Alarmierung über die
  hen setzen ein, mit dem Kind stimmt etwas nicht, die Ärzte ent-                      Diagnosestellung bis zu den einzelnen Behandlungsschritten
  scheiden sich für einen umgehenden Kaiserschnitt. Das kleine                         trainiert, und dann gab es Feedback durch die beobachten-
  Mädchen atmet nicht selbstständig, wird sofort reanimiert. „In                       den Kolleginnen und Kollegen. Die Rückmeldung der Teilneh-
  einer solchen Situation müssen sehr schnell die richtigen Ent-                       menden nach dem Kurs war einstimmig: „Wir haben ganz viel
  scheidungen getroffen werden. Deshalb lohnt es sich, zu fragen:                      gelernt. Das schreit nach Wiederholung!“, findet die Leiterin der
  Sind wir fachlich fit, allein und als Team? Stimmen die Abläu-                       Kinderintensivstation, Sabrina Gavranovic.
  fe, die Kommunikation, das Miteinander? Wenn nicht, wo hakt
                                                                                       Notfall-Training an duldsamer Säuglingspuppe (v. l.): Dr. Katharina Morgen, Jutta
  es?“, so Chefarzt Dr. Christoph von Buch, Leiter der Abteilung                       Magmer-Melaas, Dr. Ines Blum, Sabine Kutscher, Trainer Samuel Lippke und Chefarzt
  für Kinder- und Jugendmedizin am Diakonie Krankenhaus Bad                            Dr. Christoph von Buch
  Kreuznach. Um genau diese Fragen ging es bei einem zweitä-
  gigen Notfall-Training, an dem neben dem Abteilungsleiter vier
  Oberärzte, acht Assistenzärzte und 18 Pflegekräfte der Abtei-
  lung in wechselnden Teams geschult wurden.
  Die Inhouse-Weiterbildung wurde von Trainern der kooperieren-
  den Kinderklinik Worms durchgeführt. Ermöglicht hat sie die Os-
  sig-Stiftung, die nachhaltige Projekte in der Kinder- und Jugend-
  medizin am Diakonie Krankenhaus Bad Kreuznach unterstützt.
 „Qualifikation ist genauso nachhaltig wie die Investition in mo-
  derne medizinische Geräte. Wir freuen uns, dass unsere Stiftung
  damit Know-how fördert, das Kindern in Extremsituationen das
  Leben retten kann. Denn es sind letztlich immer die handelnden
  Personen, die über den Einsatz der richtigen Maßnahmen ent-
  scheiden“, betont Dr. Karlheinz Ossig, der Vorsitzende der Ossig-

 Diakonie Sozialstation Bad Kreuznach erweitert ihre Kapazitäten

 Außenstelle in Windesheim sorgt für kürzere Wege
     (su) Seit einer guten Woche ist der Parkplatz vor dem Gebäude in der Hauptstraße 50                           15 Mitarbeitende des Teams Nord starten
     in Windesheim regelmäßig belegt: Die Außenstelle der Diakonie Sozialstation Bad                               von Windesheim aus zur Versorgung von
     Kreuznach ist hier eingezogen. Vorerst ist das Büro immer montags und donnerstags                             Klientinnen und Klienten in der Verbands-
     in der Zeit von 9 bis 13 Uhr besetzt, Beratungstermine können auch außerhalb dieser                           gemeinde Langenlonsheim und auch dar-
     Öffnungszeiten (Tel. 0671 / 5739999) vereinbart werden. „Wir genießen es, jetzt zusätz-                       über hinaus. Die Hauptstelle der Diakonie
     liche Räume zu haben“, betont die Leiterin der Ambulanten Dienste der Stiftung kreuz-                         Sozialstation Bad Kreuznach befindet
     nacher diakonie, Anja Bindges. Ein Raum mit Küchenzeile wird schon für Schulungen                             sich weiterhin in der Ringstraße 89.
     und die Teambesprechungen genutzt und mittelfristig soll es hier auch ein Betreu-
     ungscafé für Seniorinnen und Senioren nach dem Vorbild des „Café Spurensuche“ in
     Riesweiler und Büchenbeuren geben. Der barrierefreie Zugang zum Gebäude ist dabei
     ein großer Pluspunkt. Außerdem sind die Wege zur Diakonie Sozialstation für die Klien-
     tinnen und Klienten, ihre Angehörigen sowie die Mitarbeitenden aus der Region kürzer.

              Ein Teil des Mitarbeiterteams der Außenstelle Windesheim hat sich vor dem neuen Gebäude versammelt

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Auszubildende zum Clown besuchten Wohngemeinschaft „In den Weingärten“

Mit roter Nase und Ukulele die Herzen im Sturm erobert
(hs) Sie haben rote Nasen, oft viel zu große Schuhe an den              muss man ganz sensibel und feinfühlig herangehen, aber dann
 Füßen und spielen manchmal lächerlich kleine Instrumente:              ist man gemeinsam ganz im Hier und Jetzt, was bei anderen
 Richtig, hier geht’s um Clowns. Tutto-Clowns, um genau zu sein.        Menschen nicht so leicht gelingt.“
„Ein Tutto-Clown ist ein Clown, der nicht nur auf Kinderstatio-         In einem Basiskurs erhalten die angehenden Clowns die Grund-
 nen in Krankenhäusern auftritt, sondern auch Seniorinnen und           lagen für ihre „komische“ Arbeit. Nachdem die eigene Clownfigur
 Senioren und Menschen mit Behinderung besucht. Das macht               entwickelt wurde, kann man den Kurs zum „Tutto-Clown“ bele-
 schon einen Unterschied“, erklärt Sigi Karnath vom „Clown-             gen, als Clown im zweiten Lehrjahr sozusagen. Etwa 80 Prozent
 Werk“. Sie bildet Clowns in verschiedenen Fachrichtungen aus.          der Menschen, die die zeitintensive Ausbildung zum Clown auf
 Nun besuchte eine Gruppe der „Clown-Azubis“ unter anderem              sich nehmen, arbeiten in sozialen Berufen: Lehrer, Erzieherinnen,
 die Wohngemeinschaft „In den Weingärten“ der Stiftung kreuz-           Altenpfleger und andere mehr.
 nacher diakonie. Dort leben 24 Menschen mit unterschiedlichen
                                                                                                       Mit Ukulele und roter Nase machen die beiden
 Behinderungen.                                                                                          Clowninnen Punti (links) und Cosima ihrem
 Als Punti (Steffi Graf-Vienken) und Cosima (Melanie Schlich),                                                                   Publikum etwas vor
 die beiden Clowninnen mit Ukulele, den Freizeitraum betreten,
 herrscht erstmal Neugier. „Wer seid ihr denn?“, fragt eine Be-
 wohnerin und darf sich gleich über ein Ständchen der beiden
 Spaßmacherinnen freuen. „Der Löwe schläft heut‘ Nacht“ er-
 klingt, und gemeinsam mit den anderen Bewohnerinnen und
 Bewohnern wagt man eine Polonaise durch den Saal. Auch
 Clown Willi (Thomas Schugg) kommt schnell mit seinem Publi-
 kum ins Gespräch. Vor allem Bewohnerin Heidi hat es Willi an-
 getan: Gemeinsam singt man den Schlager „Heidi“ und unterhält
 sich über den Ziegenpeter.
„Beeinträchtigte Menschen reagieren anders und meistens po-
 sitiver auf uns, als es nicht beeinträchtigte tun“, stellt Sigi Kar-
 nath fest. „Irgendwie sind wir von der gleichen Sorte. Zunächst

Willi macht eine gute Figur und hat so
manchen Scherz mitgebracht                                       Informationen
                                                                 rund um die
                                                                 Ausbildung zum
                                                                 Clown gibt’s unter
                                                                www.clownpaedagogik.d
                                                                                          e

                                                                                              Clownin Cosima überrascht mit einer kleinen
                                                                                              Fledermaus, die offenbar in ihrer Tasche wohnt

                                                                                                                                                  17
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                                                                                         Konzentriert bei der Arbeit: Lena Blaschke
                                                                                         übernimmt in ihrem dritten Ausbildungsjahr
                                                                                         verantwortungsvolle Aufgaben

                                                                                          Ausbilderin von Lena Blaschke. „Wichtig
                                                                                          ist uns, dass sich die Schülerinnen und
                                                                                          Schüler vor dem Auswahlgespräch einge-
                                                                                          hend mit dem Berufsbild befasst haben
                                                                                          und etwa wissen, welche Schwerpunkte
                                                                                          sie in der Ausbildung wollen.“
                                                                                          Die Ausbildung für Kaufleute für Büroma-
                                                                                          nagement bietet viele Einsatzmöglichkei-
                                                                                          ten, Absolventen sind universell einsetz-
 Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement                                               bar und haben gute berufliche Chancen,
                                                                                          erzählt die Ausbilderin für kaufmännische
 Alles andere als langweilig                                                              Berufe der Stiftung kreuznacher diakonie.
                                                                                          In diesem Sommer absolviert Lena
 (kr) Lena Blaschke sitzt am Schreibtisch, Kommunikative Fähigkeiten wichtig              Blaschke ihre letzten Prüfungen, an-
 neben ihr ein Stapel Belege, die sie gera- „Bei der Auswahl der Kandidaten achten schließend möchte die leidenschaftliche
 de bearbeitet. Als angehende Kauffrau wir darauf, dass die Bewerberinnen und Vereinsschwimmerin, die auch an so
 für Büromanagement ist die 21-Jährige Bewerber aufgeschlossen sind und sich manchen Schwimmwettkämpfen teil-
 in der Abteilung Kunden- und Kostenträ- mündlich und schriftlich gut ausdrücken nimmt, weiterhin im Forderungsmanage-
 germanagement eingesetzt und arbeitet können. Die Schulnoten sind weniger ment tätig sein – den Vertrag hat sie so
 im Forderungsmanagement. Hier rech- wichtig, aber wir legen Wert darauf, dass gut wie in der Tasche. „Vielleicht studiere
 net sie die Leistungen der Krankenhäuser die künftigen Auszubildenden gerne ler- ich später auch noch etwas im Bereich
 und der anderen Einrichtungen der Stif- nen, kommunikativ und engagiert sind“, Buchhaltung, aber erstmal freue ich mich
 tung kreuznacher diakonie mit den Kran- erläutert Irina Ott-Vrbat, kaufmännische auf meine neuen Aufgaben!“
 kenkassen und Kostenträgern ab.
 Die Bad Kreuznacherin ist inzwischen im
 dritten Ausbildungsjahr und hat die Stif-       Ausbildung zur Kauffrau oder zum Kaufmann
 tung kreuznacher diakonie ganz gut ken-         für Büromanagement
 nengelernt: „Spannend finde ich, dass
 man so viele Abteilungen durchläuft und          Eine Kauffrau oder ein Kaufmann für Büromanagement organisiert den
 unterschiedliche Bereiche kennenlernt.“          gesamten Büroalltag, kümmert sich um den Schriftverkehr, verfasst und
 So war sie zuvor etwa im Einkauf tätig,          verschickt Geschäftsbriefe, plant Termine, kümmert sich um Abrechnungen,
 im Personalmanagement und im Pati-               bearbeitet eingehende Post und assistiert bei Besprechungen. Die Ausbildung
 entenservice. Von der Ausbildung zur             gliedert sich in die praktische Ausbildung in der Verwaltung und die theore-
 Kauffrau für Büromanagement hat sie              tische Ausbildung in der berufsbildenden Schule.
 während ihres Jahrespraktikums erfah-
                                                     Voraussetzung: Qualifizierter Sekundarabschluss I oder
 ren, das sie in der 11. Klasse zur Vorbe-
                                                      höhere Handelsschule oder Fachhochschul-/Hochschulreife
 reitung auf das Fachabitur schon in der
                                                      Ausbildungsdauer: 3 Jahre
 Stiftung kreuznacher diakonie absolvier-
                                                      Ausbildungsbeginn: jeweils August/September
 te. „Viele Leute glauben, dass diese Arbeit
                                                      Ausbildungsstandort: Bad Kreuznach
 langweilig ist – das finde ich nicht: Ich
 habe viel Kontakt zu den Kunden und die          Der theoretische Teil der Ausbildung findet an den Berufsbildenden Schulen
 Arbeit ist abwechslungsreich und inter-          Bad Kreuznach statt.
 essant!“

18                                         offene tür 1 / 2019
                                           www.kreuznacherdiakonie.de
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