CONSILIUM - Ärztekammer Niederösterreich

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CONSILIUM - Ärztekammer Niederösterreich
CONSILIUM
MITTEILUNGEN DER ÄRZTEKAMMER FÜR NIEDERÖSTERREICH | 74. JAHRGANG           NR. 01+02/19

                               Hände we
                            vom KA-A      g
                            Die Verkü
                                         ZG!
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                           Ruhezeit
                                       im Rahme
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                         sind nich                   Hände weg vom KA-AZG
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                         verhande
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                                                     Ausbildungsevaluierung

                                                             Ärztemangel
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Die von der HCS GmbH entwickelte C-Box ist Ihr Soft-
waremodul zur Anbindung an ELGA, die über IHE-Profile
Daten in ELGA speichert bzw. abruft.

ZÜGIGES ARBEITEN
durch rasche Übertragung

MAXIMALE SICHERHEIT
durch lokale Protokollierung und verschlüsselten
Zwischenspeicher

ZUKUNFTSORIENTIERT
durch den international etablierten IHE Standard

Die C-Box ist mit CGM MEDXPERT, CGM PCPO, INNOMED
und jeder Ordinationssoftware kompatibel, die eine C-Box
Schnittstelle integriert hat.

Health Communication Service GmbH
Ricoweg 22
2351 Wiener Neudorf
T +43 (0) 2236 8000-600
                                                           CGMCOM-9954_AT_0119_RRH

F +43 (0) 2236 8000-777
office@hcs.at
hcs.at

cgm.com/at
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KURZ &
                                                                                                                                                        BÜNDIG

Kurz & bündig
57 neue Mitglieder in der                                                   Dr. Bernhard TRABAUER, BSc, Dr. Sascha VALLANT,
NÖ Ärztekammer                                                              Dr. Sebastian WEIXELBRAUN, dr.med. Julia WETTER,
                                                                            Mag. d-r Anna ZAEKOVA und Dr. Felix ZAVADIL ihre Aus-
Seit 2009 werden die Ärzteausweise im Zuge einer Informations-              weise verliehen.
veranstaltung persönlich übergeben. Seitens der Ärztekammer
sind Spitzenfunktionäre bei den monatlich stattfindenden                    Bei der Ausweisverleihung am 23. Jänner 2019 wurden
Ärzteausweisverleihungen anwesend. So wurde den Jungmedi-                   Dr. Carina BAUER, MUDr. Michaela CEVELOVA, Dr. Verena
zinerInnen die Gelegenheit geboten, den Kurienobmann-Stell-                 DASTL, Dr. Daniel Antonio EPPEL, dr.med. Tonatiuh
vertreter Dr. Philipp Wimmer sowie den Vorsitzenden des                     FLORES, dr.med. Gergely GARAB, Dr. Agnes GLATTER-
Ausbildungssenats Dr. Karl Ischovitsch, aber auch Vertreter des             GÖTZ, BSc, Dr. Philipp HACKER, Dr. Felix HÖLTL,
Wohlfahrtsfonds und des Kammeramtes persönlich kennenzu-                    Dr. Christian KATZIAN, dr.med. Anna KOVACS, Dr. Veronika
lernen.                                                                     RAAB, Dr. Günther RIEGLER, MUDr. Alena ROSENAUER,
Die Teilnehmergruppen haben die perfekte Größe, um produk-                  Dr. Bernhard SCHERZ, Dr. Michael SCHRANZ, Dr. Christoph
tiv und zeitökonomisch zu arbeiten. Aufgrund des großen Inter-              WEGSCHEIDER und Dr. Johanna ZECHMEISTER ihre Aus-
esses und der zahlreichen Anfragen im Laufe des Abends plant                weise verliehen.
die Kurie Fortsetzungsveranstaltungen, in denen auf spezifische
Themen ausführlich eingegangen werden kann.                                 Wir gratulieren recht herzlich!

Bei der Ausweisverleihung am 5. Dezember 2018 wurden
Mag. Dr. Gisela ALBRECHT, Dr. Theresa BAEK, Dr. Julia
BILLETH, Dr-medic Vanesa-Anamaria BODEA, Dr. Fabian
BÖHM, Anisa CURAN, Dr. Thomas EISNER, Dr. Pia                                 Versand Consilium in Plastikfolie
ERLINGER, Dr. Balint FÜRTÖS, Dr. Simon GÖRG, Dr. Nils
                                                                              Immer wieder erreichen uns Anfragen, warum das Consi-
GOTSMI, BSc, Dr. Tanja HABERMÜLLER, Dr. Frieda-Maria
                                                                              lium in einer Plastikfolie verschickt wird. Beilagen machen
KAINZ, Dr. David KARL, MUDr. Zuzana KARNASOVA
                                                                              eine extra Verpackung versandtechnisch notwendig. Bei
DOBSOVICOVA, Dr. Jelena KNEZEVIC BOSKOVIC,
                                                                              der Folie handelt es sich allerdings um eine „umweltver-
MUDr. Nina KOCALKOVA, MUDr. David MACHAL,
                                                                              trägliche Folie“. Diese wird aus Polyethylen (PE-LD) ohne
Dr. Sandra MOSER, Dr. Caroline NEIGER, Dr-medic Pierce-
                                                                              Verwendung von Zusätzen und mit Druckfarben, die keine
lestino NUTOLO, Dr. Hannes OBERMANN, lek. Dr Maciej
                                                                              toxischen Schwermetalle wie Blei, Cadmium oder Queck-
PELAK, Dr. Stephan SCHERZ, Dr. Melanie SCHINDLER,
                                                                              silber enthalten, hergestellt. Sie verhält sich auf Mülldepo-
MUDr. Katerina SCHOVANKOVA, Dr. Felix Seraphin
                                                                              nien grundwasserneutral, ist in Müllverbrennungsanlagen
SCHRAGEL, Dr. Kyra SCHWIERING, Dr. Viktoria SIEDLER,
                                                                              schadlos zu entsorgen, ist recyclingfähig und deshalb um-
MUDr. Barbora SOLOVA, Mag. d-r Vlatko SPASENOSKI,
                                                                              weltverträglich.
Dr. Matthias STEININGER, Dr-medic Anca SZAKALLAS,

    IMPRESSUM: Verleger, Medieninhaber und Herausgeber: Ärztekammer für Niederösterreich, Körperschaft Öffentlichen Rechts; 1010 Wien, Wipplinger-
    str. 2, Tel. 01/53751-0, FAX: 01/53751-19, www.arztnoe.at; Chefredaktion: Präs. Dr. Christoph Reisner, MSc, Dw. 241; Redaktion: Mag. Birgit Jung (Leitung),
    Dw. 623; Dr. Sigrid Ofner, Dw. 636; Bildredaktion, Layout, Produktion, Abonnements, Wortanzeigen: Daniela Indich, MA, Dw. 633, presse@arztnoe.at.
    Die Redaktion behält sich vor, unaufgefordert eingesandte Beiträge teilweise oder gar nicht zu veröffentlichen. Alle mit „Promotion“ gekennzeichnete
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    tieren. Anzeigen: FIVE NF GmbH, Kutschkergasse 26, Postfach 63, 1180 Wien, Tel. 0676/440 51 81, redaktionsbuero@five-nf.tv; Grafisches Konzept:
    Kotschever Kommunikationshaus; Herstellung, Druck, Vertrieb: Bösmüller Print Management GesmbH & Co. KG, 2000 Stockerau, Josef-Sandhofer-
                        Straße 3, 1020 Wien, Obere Augartenstraße 32, Tel. +43 2266 681 80 16, office@boesmueller.at; Abopreis: 55 Euro/Jahr (10 Ausgaben)
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                     Gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens, UW-Nr. 779

                                                                                                                                 CONSILIUM 01+02/19           3
CONSILIUM - Ärztekammer Niederösterreich
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INHALT

                                                                                                                                                                    © WoGi - Fotolia
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                                    Seite   07                                                          Seite   12                                         Seite   18

         Inhalt                                                                            Service
         Kurz & bündig                                                       Seite   03 Fortbildungsveranstaltungen                                      Seite   49

         Editorial Präsident                                                 Seite   05 Anmeldeformular                                                  Seite   54

         Regression                                                          Seite   07 DMP DM2-Schulungstermine                                         Seite   55

         KA-AZG Rechtslage                                                   Seite   08 FAM-Seminare                                                     Seite   56

         Initiative gegen den Ärztemangel                                    Seite   10 Vertretungsärzte                                                 Seite   59

         Lücken in der Ausbildung                                            Seite   12 Ärztestand                                                       Seite   60

         Ärztemangel                                                         Seite   18 Standesveränderungen                                             Seite   60

         Attestitis                                                          Seite   20 Ehrungen                                                         Seite   63

         Digitales Arzneimittel-Sicherheitssystem                            Seite   22 Termine                                                          Seite   64

         PVE in NÖ Landeshauptstadt                                          Seite   23 Punktewerte                                                      Seite   66

         1. Primärversorgungsdialog NÖ                                       Seite   25 Kleininserate                                                    Seite   67

         Neuer Kollektivvertrag                                              Seite   26

         Vertretungen in der Praxis                                          Seite   27

         Blick auf die Gesundheit Europas                                    Seite   28

         Ombudsstelle für Patientenbeschwerden  Seite 29

         Leserbriefe                                                         Seite   30

         10. NÖ Impftag                                                      Seite   33

         WFF: Jahresvorschau 2019 übermittelt                                Seite   35

         DFP: Kognition und Mobilität                                        Seite   37

         DFP: Fragebogen                                                     Seite   43

         Schule des Sprechens                                                Seite   44

         Lange Nacht der Fortbildung®                                        Seite   46   Liebe LeserInnen! Diese Ausgabe des NÖ Consilium ging am
                                                                                           6. Februar 2019 in den Versand. Sollten Sie das Heft nicht zeitgerecht im
         Erfahrungsaustausch                                                 Seite   47   Briefkasten vorfinden, wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Postamt.
                                                                                           
                                                                                           REDAKTIONSSCHLUSS:
                                                                                           Ausgabe 04/19: Mittwoch, 13. März 2019, 12.00 Uhr;
                                                                                           Coverfoto: ©Kaesler Media - stock.adobe.com

 4       CONSILIUM 01+02/19
CONSILIUM - Ärztekammer Niederösterreich
TEXT
                                                                                                                                                         PRÄSIDENT

                                                                                                               Foto: www.raimo.at
Die Wahrheit ist den                                                                                                                    Dr. Christoph
                                                                                                                                        Reisner, MSc

Ärzten zumutbar
                                                                                                                                      www.wahlarzt.at

Wie man mit Geldsorgen umgehen kann

A     ls ich mir das Thema dieses Editorials überlegt habe, war
      ich durchaus in einem Zwiespalt. Keinesfalls wollte ich
vorschnell oder unüberlegt agieren. Ich habe daher sorgfältig
abgewogen, ob ich diesen Stoff im Kreise der Leserschaft des
Consilium beschreiben soll. Ob ich aufschreiben soll, was mich
seit vielen Wochen beschäftigt oder ob ich Gras über die Sache
wachsen lassen soll. Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem
Schluss gekommen, dass ich meinen Kolleginnen und Kollegen
in Niederösterreich gegenüber verpflichtet bin, über die Vorgän-
ge in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) zu berichten.
Transparenz war für mich immer eines der obersten Prinzipien,
dieser Einstellung werde ich auch dieses Mal treu bleiben.
                                                                   österreich nicht. Auch wir hätten die höheren Beiträge unseren
Finanzielle Löcher müssen gestopft werden                          Mitgliedern einfach verrechnen können – tun wir aber nicht.

Wenn man die Anträge und leider auch Beschlüsse der Vor-           Der Unterschied zwischen der ÖÄK und der NÖ Ärztekammer
standssitzungen der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK)             liegt darin, dass wir mehr als 7.200 aktive Mitglieder haben, jedes
verfolgt, kommt man zu dem untrüglichen Urteil: Die ÖÄK            einzelne ist uns wichtig. Die ÖÄK hat genau neun Mitglieder,
braucht Geld - und das dringend. Woher aber nehmen, wenn           nämlich die neun Landesärztekammern. Wir kennen die Prob-
nicht stehlen? Während andere Organisationen sich in dieser        leme der angestellten ebenso wie der niedergelassenen Kollegen-
Situation den Kopf zerbrechen würden, wie man die Ausgaben         schaft. Wir führen im Laufe eines Jahres tausende persönliche
senken und gleichzeitig Einnahmen mittels kreativer Ideen          und telefonische Gespräche mit unseren Ärzten, beraten diese
lukrieren könnte, denkt die ÖÄK ganz offensichtlich anders. Für    und versuchen, wo immer wir können, zu helfen. Keiner der
sie stellen Geldsorgen kein wirkliches Problem dar, denn sie hat   österreichweit 40.000 Kollegen lässt sich in der ÖÄK beraten.
eine simple Lösung: Man stellt einen Antrag auf Erhöhung der       Diese hat nur Kontakt zu den Landesärztekammern. Warum
ÖÄK-Umlage und schon fließt der Geldstrom.                         sollte man dort also Hemmungen haben, von Menschen Geld
                                                                   einzufordern, die man nicht kennt und denen man sich offen-
Exakt diesen Eindruck hatten alle anwesenden Funktionäre           sichtlich nicht verpflichtet fühlt?
aus Niederösterreich, als sie im Vorstand und beim Kammertag
der ÖÄK über den Antrag zur Erhöhung der ÖÄK-Umlage um             Keine Weitergabe der Erhöhung an unsere Mitglieder
knapp 23 Prozent abstimmen sollten. In meiner Verantwortung
als Funktionär war mir klar, dass Niederösterreich dieser Erhö-    In einer Zeit, in der öffentlich über die Pflichtmitgliedschaft in
hung nicht zustimmen kann. Vor allem, weil mit keiner einzigen     Kammern diskutiert wird, in der wir in der NÖ Ärztekammer
Maßnahme versucht wurde, aus eigenem Antrieb die steigenden        jeden Tag überlegen, wie wir unsere Serviceleistungen verbessern
Kosten in den Griff zu bekommen. Nach einer längeren durch-        und so die Mitgliedschaft attraktiv halten können, dürfen wir
aus heftigen Diskussion regten sich auch bei anderen Bundes-       solche Auswüchse nicht tolerieren. Die Herbstvollversammlung
ländern Bedenken. Soweit, dass sie gegen den Antrag gestimmt       der NÖ Ärztekammer hat einstimmig beschlossen, die Erhö-
hätten, ging allerdings außer Niederösterreich nur ein einziges    hung, solange wir es uns irgendwie leisten können, nicht an
weiteres Bundesland aus dem Süden Österreichs.                     Sie weiterzugeben. Aufgrund einiger Sparmaßnahmen, wie einer
                                                                   ökonomischen Personalpolitik, der Neuverhandlung von Ver-
NÖ Ärztekammer stimmt gegen Erhöhung der ÖÄK-Umlage                trägen, der Umstellung von Briefpost auf Mail bzw. E-Brief etc.,
                                                                   konnten wir bereits in den letzten Jahren unsere Ausgaben sehr
Der Antrag wurde gegen unseren Willen beschlossen. Unver-          gut in den Griff bekommen und haben derzeit einen Polster,
ständlich, aber die meisten Landesärztekammern sehen die           aus dem wir die Mehrkosten der ÖÄK begleichen können, ohne
ÖÄK-Kammerumlage als reinen „Durchlaufposten“ in der               unsere Mitglieder, die Ärztinnen und Ärzte in NÖ, zusätzlich
Buchhaltung und verstehen daher die Aufregung aus Nieder-          belasten zu müssen.                                            

                                                                                                                                    CONSILIUM 01+02/19      5
CONSILIUM - Ärztekammer Niederösterreich
KA-AZG

         Die ÖÄK - ein Fass ohne Boden: Prüfungsgebühren plus                Bei dieser Entwicklung auf Bundesebene ist es umso wichtiger,
         48 %, Ausstellung Spezialdiplome plus 144 %                         dass die Landesärztekammern sich weiter vernetzen, Entwicklun-
                                                                             gen auf Bundesebene frühzeitig erkennen und dem Treiben der
         Wer die Erhöhung der Kammerumlage als unüberbietbare                ÖÄK einen Riegel vorschieben. Innerhalb der NÖ Ärztekammer
         Chuzpe empfindet, der kennt die jüngsten Maßnahmen der              ziehen wir diesbezüglich geschlossen an einem Strang und wer-
         ÖÄK noch nicht: So wurde zunächst die Gebühr für die Aus-           den weiterhin äußerst wachsam bleiben.
         stellung der Spezialdiplome um 144 (!) Prozent von 45,- auf 110,-
         Euro erhöht. Und wie dies bei Fässern ohne Boden so ist, hat
         auch das nicht gereicht: Im November letzten Jahres wurde die
         Prüfungsgebühr zum Arzt für Allgemeinmedizin um 48 (!) Pro-
         zent von 426,- auf 630,- Euro, die Gebühr für Facharztprüfungen                                 DR. CHRISTOPH REISNER, MSC
         um 35 Prozent von 852,- auf 1.150,- Euro erhöht. Eine herzli-                   Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich
         chere Begrüßung unserer jungen Kollegenschaft durch die ÖÄK                                     facebook.com/christoph.reisner
         könnte man sich gar nicht vorstellen.

          Auch NÖ unterstützt Initiative                                     Ab 1. Juli 2021 darf die durchschnittliche wöchentliche Ar-
          „Hände weg vom KA-AZG“                                             beitszeit von Spitalsärztinnen und Spitalsärzten 48 Stunden
                                                                             nicht überschreiten. In den NÖ Landeskliniken konnten die
          Sicherheit für Ärzte und Patienten muss oberste Priorität
                                                                             dafür nötigen Rahmenbedingungen bereits jetzt geschaffen
          haben
                                                                             werden. Über alle Krankenhäuser der NÖ Landeskliniken-
          In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Krankenanstal-         Holding gerechnet liegt die Wochenarbeitszeit der Ärztinnen
          ten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) positiv entwickelt. Dr. Chris-      und Ärzte im Durchschnitt bereits unter dem in zweieinhalb
          toph Reisner, MSc, Präsident der Ärztekammer für NÖ, stellt        Jahren erforderlichen Limit. Gallob: „Man könnte also sagen,
          dazu fest: „Einerseits ist es für die Spitalsärztinnen und Spi-    die Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht ist op-
          talsärzte eine wesentliche Säule des Arbeitnehmerschutz-           timal gelungen. Durch die geplante Novellierung des Kran-
          gesetzes, andererseits sichert es für die Patientinnen und         kenanstalten-Arbeitszeitgesetz würde aber eine drastische
          Patienten eine qualitativ hochwertige Versorgung. Mit dem          Entwicklung in die Gegenrichtung erfolgen, die von uns ganz
          Inkrafttreten der bisher letzten Novelle im Jahr 2015 haben        klar abgelehnt wird.“
          sich die Arbeitsbedingungen für angestellte Ärztinnen und
          Ärzte in Spitälern deutlich verbessert. Die nun vorliegende        Maximale Wochenarbeitszeit und Mindestruhezeit sind
          Gesetzesänderung stellt einen klaren Rückschritt dar.“             nicht verhandelbar
                                                                             Der Kurienobmann der angestellten Ärzte Niederösterreichs
          NÖ Ärztekammer lehnt rückläufige Entwicklung bei                   spricht sich auch strikt gegen die Kürzung der Mindestruhe-
          Arbeitsbedingungen vehement ab                                     zeit zwischen zwei Arbeitseinsätzen aus: „Die Mindestruhe-
          „Der Gesetzgeber fordert zu Recht Qualität, definiert diese        zeit soll von elf auf fünf Stunden reduziert werden. Diese Idee
          und verspricht sie den Patienten“, betont OA Dr. Ronald Gal-       des Gesetzgebers ist untragbar und nicht verhandelbar.“
          lob, Obmann der Kurie Angestellte Ärzte der Ärztekammer für        Gallob unterstreicht dies mit einem Vergleich: „Es ist voll-
          Niederösterreich und meint weiters: „Wir Ärzte müssen die-         kommen unverständlich, dass die Sicherheit von Patienten
          se Versprechen halten und tun dies selbstverständlich gerne,       weniger Wert sein soll als zum Beispiel jene von Fluggästen.
          aber die Voraussetzungen dafür müssen gegeben sein.“               Wobei wir bei einer fünfstündigen Ruhezeit schon weit weg
                                                                             sind von den Standards bei Piloten, da könnten wir nicht ein-
                                                                             mal mehr mit dem Transportgewerbe mithalten.“
                                                                                                              Presseinformation vom 28. Jänner 2019

 6       CONSILIUM 01+02/19
CONSILIUM - Ärztekammer Niederösterreich
KA-AZG

                                                                                                                  Foto: www.raimo.at
                                                                                                                                         VP OA Dr. Ronald
                                                                                                                                                   Gallob

Regression                                   *)

Zur Vorlage einer Novelle des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes

*) (bildungssprachlich) langsamer Rückgang; rückläufige Tendenz,      deutlich unter den 48 Stunden pro Woche. Offenbar gibt es
‚rückläufige‘ Entwicklung (Duden, online)                             in Österreich noch Rechtsträger von Krankenanstalten, die die-
                                                                      ses Ziel nicht erreichen können oder wollen. Selten, so könnte

Ü    ber die letzten mehr als 10 Jahre hat sich ein wesentliches
     Gesetz für unseren Alltag im Krankenhaus, das Kranken-
anstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG), sehr positiv entwickelt.
                                                                      man aus subjektiver Sicht meinen, ist es in der Gesetzgebung
                                                                      gelungen, die nationale Umsetzung einer EU-Richtlinie in eine
                                                                      darüber hinaus höchst positive Umsetzung zu bringen. Diese
Dieses Gesetz, in der hauptsächlichen Intention ein Arbeitneh-        Entwicklung würde durch diese Vorlage zu einer Novelle des KA-
merschutzgesetz, ist nicht nur für alle Spitalsärztinnen und Spi-     AZG drastisch in die Gegenrichtung entwickelt werden.
talsärzte eine wesentliche Säule für die Arbeitsbedingungen im        Dies ist eindeutig abzulehnen!
Krankenhaus, es ist direkt proportional mit der Sicherheit der
Patientenversorgung verknüpft.                                        Insbesondere, da es eine grundlegende Intention für diese
                                                                      Gesetzgebung war, die Patientensicherheit in den Vordergrund
Jene Qualität, die mit Recht vom Gesetzgeber definiert, eingefor-     zu stellen. Gerne zieht man die Piloten mit ihrem Sicherheits-
dert und sanktioniert wird.                                           denken und ihren Rahmenbedingungen als gutes Beispiel
Jene Qualität, welche vom Gesetzgeber unseren Patientinnen            heran, um uns Ärztinnen und Ärzten Qualität in der Arbeitswelt
und Patienten versprochen wird und das Versprechen, die Qua-          begreifbar zu machen. Fast drängt sich der Verdacht auf, dass das
lität, welche wir Ärztinnen und Ärzte, halten müssen und selbst-      Wohl eines größeren Kollektivs (= Gesamtzahl von Menschen
verständlich auch halten wollen!                                      in einem Flugzeug) mehr Wert ist als das Wohl von wenigen
                                                                      (= Patienten pro Ärztinnen-/Arzt-Arbeitszeit). Für den viel zitier-
Gerade in Niederösterreich ist es gelungen, diesen Aspekt der         ten Notfall, außergewöhnliches Ereignis, ist ohnehin vorgesorgt
Qualität und die damit verbundene Langzeitwirkung auch auf            und gerade für die, die im Gesundheitssystem beschäftigt sind,
den Bereich der angestellten Ärztinnen und Ärzte, mit Leben zu        ist es eine Selbstverständlichkeit, dann ihre Arbeit zu tun, ohne
erfüllen. In Niederösterreich wurde bereits Personalentwicklung       auf das Dienstende zu schauen.                                 
betrieben, als selbst der Bundesgesetzgeber noch die Realität der
EU-Arbeitszeitrichtlinie gemütlich aussitzen wollte. Schlussend-
lich ist am 1. Jänner 2015 jene Novelle zum KA-AZG in Kraft
                                                                       Resolution der „Bundeskurie angestellte Ärzte“:
getreten, die das Berufsleben im Krankenhaus wesentlich ver-
                                                                       Hände weg vom KA-AZG!
bessert hat.
Die Eckpunkte siehe „Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz
                                                                       Die „Bundeskurie angestellte Ärzte“ hat in ihrer außeror-
(KA-AZG) – eine Darstellung der Rechtslage“.
                                                                       dentlichen Bundeskuriensitzung am 24. Jänner 2019 eine
                                                                       Resolution zum Formulierungsvorschlag einer Novelle des
Auf dem Weg zu einer regulären Arbeitszeit von 40 Stunden pro
                                                                       KA-AZG beschlossen:
Woche war damit ein gutes Stück des Weges geschafft.
                                                                       Diese geplante Novelle wird vollinhaltlich abgelehnt. Die
Im Dezember 2018 ist ein Entwurfspapier zu einer Novelle zum
                                                                       Verkürzung der Ruhezeit im Rahmen der Rufbereitschaften
KA-AZG in Umlauf gekommen, welches in seiner Ausführung
                                                                       sowie die Verlängerung der Arbeitszeit (opt out über Juni
nur als Regression beschrieben werden kann!
                                                                       2021 hinaus) sind nicht verhandelbar.
                                                                       Der Wunsch der Politik nach Verschlechterungen im KA-
Durchschnittliche wöchentliche Höchstarbeitszeit
                                                                       AZG stößt auf großes Unverständnis. Die Bundeskurie
                                                                       verweist erneut darauf, dass es sich dabei um ein Gesetz
Seit einer Dekade ist den Rechtsträgern der Krankenanstalten
                                                                       handelt, das erst 2014 zum Schutz sowohl der Ärztinnen und
bekannt, dass ab 1. Juli 2021 die durchschnittliche wöchentliche
                                                                       Ärzte als auch der Patientinnen und Patienten abgeändert
Arbeitszeit 48 Stunden nicht überschreiten darf! In der NÖ Lan-
                                                                       wurde.
deskliniken-Holding konnten wir, in gemeinschaftlicher Arbeit,
                                                                       Die Bundeskurie fordert den Gesetzgeber auf, die vollstän-
die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, dass dieses Ziel prob-
                                                                       dige Aufrechterhaltung der derzeit gültigen Bestimmungen
lemlos erreichbar war und ist. In Realita ist die durchschnittliche
                                                                       des KA-AZG zu garantieren.
Wochenarbeitszeit, über die gesamte Holding gerechnet, schon

                                                                                                                                       CONSILIUM 01+02/19      7
CONSILIUM - Ärztekammer Niederösterreich
KA-AZG

                                                                             Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz
                                                                             – eine Darstellung der Rechtslage

         Rufbereitschaft, Mindestruhezeit

         Der zweite abzulehnende Punkt in der Vorlage zur Novelle des
                                                                             D    as KA-AZG legt die Eckpunkte der Arbeitszeitgestaltung
                                                                                  in Krankenanstalten fest. Es ist ein Arbeitnehmer- und Pa-
                                                                             tientenschutzgesetz. Das heißt, dass einerseits die in Spitälern
         KA-AZG ist der Themenkomplex Rufbereitschaft und dabei ins-         beschäftigten Angehörigen der Gesundheitsberufe, somit auch
         besondere die Intention des Gesetzgebers, die Mindestruhezeit       die Ärztinnen und Ärzte, vor übergebührlicher (gesundheit-
         zwischen Arbeitseinsätzen von 11 Stunden auf 5 (!!!) Stunden zu     licher) Belastung - damit einhergehend einer Risikoerhöhung in
         reduzieren. In diesem Zusammenhang wollen wir an die Piloten        Haftungsfragen - und andererseits Patientinnen und Patienten
         gar nicht mehr denken, hier kann man nicht einmal mehr mit          vor übermüdetem und ausgebranntem Gesundheitspersonal ge-
         dem Transportgewerbe mithalten. Es erübrigt sich eine weitere       schützt werden sollen.
         Abhandlung, denn eine derartige Idee ist nicht verhandelbar
         und ist daher eindeutig abzulehnen!                                 Was gilt jetzt?

         Die Rufbereitschaft ist ohnehin ein höchst fragwürdiges Inst-       Nach derzeit geltender Rechtslage erlaubt das KA-AZG ohne
         rument und hat in Niederösterreich unter Bezugnahme auf die         weiteres Zutun eine Tagesarbeitszeit von 13 Stunden, eine durch-
         Patientencharta bei festgelegtem Facharztstandard wenig Bedeu-      schnittliche Wochenarbeitszeit innerhalb eines 17-wöchigen
         tung. Rufbereitschaft für seltene Leistungen, die noch dazu         Durchrechnungszeitraums von 48 Stunden pro Woche und
         nur wenige Spezialisten erbringen können, ist ein sinnvolles        eine Wochenhöchstarbeitszeit von 60 Stunden in der einzelnen
         Einsatzgebiet. Niemals darf Rufbereitschaft für die Abwicklung      Woche des Durchrechnungszeitraums.
         der Vorhaltekapazität angewandt werden, auch dürfen unsere
         Ausbildungsassistentinnen und -assistenten vor Ort nicht alleine    Mit einer Betriebsvereinbarung - das ist ein Vertrag zwischen
         gelassen werden und per Rufbereitschaft ausgebildet werden.         dem Betriebsinhaber und der Dienstnehmerschaft, vertreten
         Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang den „Fach-          durch den Betriebsrat mit Zustimmung der Spitalsärztevertre-
         arztstandort“, der versprochen wird und von uns angestellten        tung (für den Bereich der ärztlichen Mitarbeiter und Mitarbei-
         Ärztinnen und Ärzten garantiert werden muss!                        terinnen) - ist es zulässig, sogenannte verlängerte Dienste anzu-
                                                                             ordnen. Lässt es die Betriebsvereinbarung zu, darf die Arbeitszeit
         Die Bundeskurie der Angestellten Ärztinnen und Ärzte hat in         verlängert werden.
         einer außerordentlichen Sondersitzung am 24.1.2019 ein klares
         einstimmiges Votum gegen diese Änderungen im KA-AZG abge-           Unter der Voraussetzung, dass die Dienstnehmerinnen und
         geben. Alle Vertreter aller Bundesländer sind ganz klar gegen       Dienstnehmer nicht durchgehend in Anspruch genommen wer-
         eine Verschlechterung der derzeitigen gesetzlichen Arbeitszeitbe-   den und dies aus wichtigen organisatorischen Gründen unbe-
         dingungen (siehe Kasten auf Seite 7).                               dingt notwendig ist, darf die Arbeitszeit bei einem verlängerten
                                                                             Dienst bis zu 29 Stunden (ab 1.7.2021 bis zu 25 Stunden) und
                                             OA DR. RONALD GALLOB            die Arbeitszeit in der einzelnen Woche des Durchrechnungs-
                                       Kurienobmann angestellte Ärzte        zeitraums bis zu 72 Stunden betragen. Die durchschnittliche
                                                                             Wochenarbeitszeit darf weiterhin 48 Stunden nicht überschrei-
                                                                             ten. Es kann aber der Durchrechungszeitraum mit Betriebsver-
                                                                             einbarung auf 26 Wochen verlängert werden.

                                                                             Darüber hinaus gibt es derzeit noch die Möglichkeit, mit schrift-
                                                                             licher Zustimmung der Ärztin bzw. des Arztes bis zum 30.6.2021
                                                                             die durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf 55 Stunden zu erhö-
                                                                             hen. Das ist das sogenannte opt out, das Herausoptieren aus
                                                                             der EU-rechtlich vorgesehenen niedrigeren Wochenarbeitszeit-
                                                                             höchstgrenze von 48 Stunden.

 8       CONSILIUM 01+02/19
CONSILIUM - Ärztekammer Niederösterreich
KA-AZG

Insgesamt muss noch erwähnt sein, dass auch die Einteilung          zu 55 Stunden betragen darf, soll bei personalorganisatorischen
zu Rufbereitschaft grundsätzlich zulässig ist. So hart es klingt,   Engpässen, wenn die Betriebsvereinbarung dies zulässt, auch
ist Rufbereitschaft Freizeit und nur der Arbeitseinsatz während     nach dem 1.7.2021 fortgeführt werden dürfen.
einer Rufbereitschaft Arbeitszeit.
                                                                  Die zweite wesentliche Neuerung zielt auf eine Verkürzung der
Flankiert werden diese Arbeitszeitbestimmungen von Ruhezei-       Ruhezeit bei einem Arbeitseinsatz während der Rufbereitschaft
tenregelungen. So muss nach derzeit geltender Rechtslage nach     ab. So soll anstatt der derzeit vorgeschriebenen 11-stündigen
der Tagesarbeitszeit oder nach einem verlängerten Dienst eine     Ruhezeit vor oder nach einem Arbeitseinsatz während der Ruf-
Mindestruhezeit von 11 Stunden gewährt werden und eine            bereitschaft künftig diese Ruhezeit nur mehr 5 Stunden betra-
wöchentliche Ruhezeit von 36 Stunden.                             gen müssen. Binnen zwei Wochen wäre eine Ausgleichsruhe
                                                                  im Ausmaß des 1,5-fachen der Arbeits- und Wegzeit (diese ist
Dies trifft auch bei einem Arbeitseinsatz während der Rufbereit- Dienstgeberseitig auf 30 Minuten beschränkbar, sodass die Ärz-
schaft zu, sofern die 11-stündige Ruhezeit nicht vor dem Arbeits- tin bzw. der Arzt sich in einem Umfeld von 30 Minuten vom
einsatz konsumiert werden konnte.                                 Arbeitsplatz entfernt aufhalten darf) zu gewähren, diese kann
                                                                  aber auch dann gewährt werden, wenn sowieso keine Arbeitszeit
Zuletzt muss auch noch der sogenannte Notfallsparagraph eingeteilt ist. Bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit
erwähnt werden. In außergewöhnlichen                                                     von 55 Stunden und einer Maximalwo-
und unvorhersehbaren Fällen finden die                                                   chenarbeitszeit von 72 Stunden gibt es
Bestimmungen zur täglichen Arbeits-            Durch das KA-AZG sollen ja auch Zeiten, in denen die angestellte
zeithöchstgrenze, zur durchschnittlichen                                                 Ärztin bzw. der angestellte Arzt nicht zur
wöchentlichen Arbeitszeit und zur maxi-          sowohl     die  in Spitälern            Arbeit eingeteilt sind. Es ist im Novellen-
mal zulässigen Arbeitszeit einer einzelnen        beschäftigen Ärzte als                 vorschlag auch das Ausfallsprinzip veran-
Woche im Durchrechnungszeitraum                    auch deren Patienten                  kert - die eingeteilte Arbeitszeit, die durch
keine Anwendung. Das trifft auch auf                                                     die Einhaltung der 5-stündigen Ruhezeit
die Ruhezeitregelung zu, die im Notfall
                                                     geschützt    werden.                ausfällt, muss abgegolten werden. Durch
unterschritten werden darf.                                                              geschickte Dienstplangestaltung - eine
                                                                                         5-stündige Ruhezeit ist planbarer als eine
Objektiv betrachtet muss man feststellen, dass nach derzeit gel- 11-stündige - erscheint es für Krankenanstaltenträger reizvoll,
tender Rechtslage der Arbeitnehmer- und Patientenschutz ziem- Ärztinnen und Ärzte vermehrt zu Rufbereitschaft statt zu verlän-
lich hohe Arbeitszeiten zulässt.                                  gerten Diensten einzuteilen. Billiger kommt es jedenfalls.

Offenbar kommen manche Spitalserhalter aber nicht mit den           In einer Stellungnahme zu diesem Formulierungsvorschlag einer
derzeit zulässigen Arbeitszeiten der Dienstnehmerinnen und          KA-AZG-Novelle hat die Kurie der angestellten Ärzte der Ärz-
Dienstnehmer aus und fordern eine Abschaffung des gold-pla-         tekammer für Niederösterreich diese für die angestellten Ärz-
ting. Auf Druck dieser hat das Bundesministerium für Arbeit,        tinnen und Ärzte verschlechternden Bedingungen vollinhaltlich
Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz einen Vorschlag          abgelehnt. Als letzten Satz dieser Darstellung der Rechtslage
für ein Bundesgesetz, mit dem das Krankenanstalten-Arbeitszeit-     erlauben wir uns zu wiederholen: Das Krankenanstalten-Arbeits-
gesetz geändert wird, formuliert.                                   zeitgesetz (KA-AZG) ist ein Arbeitnehmer- und Patientenschutz-
                                                                    gesetz.
Was soll gelten?

In diesem Formulierungsvorschlag sind zwei wesentliche Neue-
rungen enthalten. Die erste Neuerung betrifft die durchschnitt-
liche Wochenarbeitszeit. Das opt out, also das Herausoptieren
aus der grundsätzlichen Vorschrift, dass die durchschnittliche
Wochenarbeitszeit 48 Stunden nicht überschreiten sondern bis

                                                                                                                   CONSILIUM 01+02/19       9
CONSILIUM - Ärztekammer Niederösterreich
ÄRZTE-
MANGEL

                                Foto: www.raimo.at
             VP OA Dr. Ronald
                       Gallob                        Exzellent: Initiative gegen
                                                             den Ärztemangel!
                                                                                                      Was dabei vergessen wird!

          Fakten bleiben Fakten.                                                 hat schon weit mehr mit der Entstehung des Mangels zu tun.
          Nach Jahren, in denen die Ärzteschaft den Ärztemangel ohne             Einzelunternehmer, gleichzeitig erste Anlaufstelle für ALLES zu
          Unterlass angesprochen hat, ist die Botschaft endlich angekom-         sein und die BREITESTE Kompetenz dafür zu haben, das ist
          men. Dabei muss allerdings ganz offen zugegeben werden, dass           eine gewaltige Herausforderung. Ob die Ausbildung zum Allge-
          das Argument „Ärztemangel“ auch da oder dort überstrapaziert           meinmediziner das heute in diesem Maße hergeben kann?
          worden ist. Abgesehen von der Tatsache, dass wir den „relativen“
          Ärztemangel schon heute haben und dieser sich sehr rasch wei-          Wir haben durch die Medien in den letzten Jahren gelernt, dass
          ter steigern wird, bleibt ganz klar, dass die Bildungspolitik und      die Niederlassung offenbar den Mangel auf sich vereint. Wir
          die Sichtweise des Berufsbildes Ärztin/Arzt einem sehr raschen         wissen, dass die Ordinationen zunehmend nicht mehr besetz-
          Wandel unterlegen sind.                                                bar sind. Auch haben wir gelernt, dass die Pensionierungswelle
                                                                                 die niedergelassene Ärzteschaft förmlich dahinrafft. Wir ver-
          Ich erspare uns die weitere Analyse des „was schon alles falsch        folgen eine Debatte über Zusammenarbeitsformen von Ärztin-
          gemacht worden ist und was wir sowieso besser gemacht hätten“.         nen und Ärzten und herausgekommen ist die Anstellung von
          Es kann unserem Berufsstand nur gut tun, wenn die „Botschaft“          Ärzten bei Ärzten. Zusammenarbeitsformen von verschiedenen
          angekommen ist. Aber welche Botschaft ist angekommen?                  Fachrichtungen gibt es lediglich vereinzelt zwischen der Allge-
                                                                                 meinmedizin und der Kinder- und Jugendheilkunde in den neu
          Wird da nicht gerade etwas vergessen?                                  gegründeten Primärversorgungseinheiten. Dort konnte die nie-
          Die Botschaft, dass die Versorgung der Bevölkerung schon heute         dergelassene Kurie übrigens etwas Positives gemeinsam mit der
          ein Problem ist, ist angekommen! Na klar, geht es ja auch um die       Gebietskrankenkasse umsetzen: Die Zusammenarbeit mit ande-
          Zufriedenheit der Wähler (frei nach dem Motto: einen Konditor          ren medizinischen Berufen, aus meiner Sicht eine notwendige
          für die Diabetesstation)! Der Fokus ist klar auf die Niederlassung     Entwicklung. Jede Form der Entlastung der Kliniken, Montag
          ausgerichtet.                                                          bis Sonntag, 0-24 Uhr, ist allerdings offenbar kein Thema.

          Ich wage zu behaupten, dass dieser angesprochene Mangel noch           Zur Erinnerung an dieser Stelle: Es mag den einen oder anderen
          gar nichts mit der Tatsache des quantitativen Ärztemangels zu          überraschen, aber auch Ärztinnen und Ärzte in der Anstellung
          tun hat. Die Zahl der Köpfe, wie es so schön heißt, wäre ausrei-       werden in einem hohen Maß in Pension gehen. Die Pensionie-
          chend hoch, aber die Zahl derer, die in die Niederlassung gehen        rungswelle kennt keine Gnade!
          und die Bürde des Unternehmertums übernehmen möchten,

                                      Altersstruktur der niederösterreichischen Ärztinnen und Ärzte (Stand 01/2019)

                                                                                                         Angestellte in den Landeskliniken
                   416                               434                              517
                                                                                                         Niedergelassene mit GKK-Vertrag

                                                                                              321
                                                                                                                       270
                                                                237                                           220
                                      213

                                                                                                                                       79
                                                                                                                                  22

                    45-49 Jahre                        50-54 Jahre                  55-59 Jahre               60-64 Jahre      >= 65 Jahre

 10       CONSILIUM 01+02/19
ÄRZTE-
                                                                                                                                                                                                              MANGEL

Bevor ich zum „Vergessenen“ komme, wollen wir mit Freude                                                                                   Vergessen wird, dass die Kliniken nicht nur an ärztlichem Per-
feststellen, dass dem kommenden quantitativen Mangel an Ärz-                                                                               sonal verarmen, es wird auch vergessen, dass das JETZT zur
tinnen und Ärzten aktiv entgegengewirkt werden soll. Eine Lan-                                                                             Verfügung stehende ärztliche Personal mit der Arbeitsbelas-
desinitiative, um Schulabgängerinnen und Schulabgänger zum                                                                                 tung und der Verteilung der Arbeitslast über die Kliniken nicht
Medizinstudium zu leiten und zu finanzieren, ist begrüßenswert!                                                                            mehr zurechtkommt. Nein, ganz im Gegenteil. Die Belastung
In wie weit dabei die beschränkte Anzahl an netto zur Verfügung                                                                            ist an manchen Abteilungen auf einem nicht mehr zumutbaren
stehenden und auch wirksam werdenden Studienplätzen eine                                                                                   Niveau angekommen. Dies beschleunigt im Übrigen die Abwan-
Rolle spielt, kann sich die geschätzte Leserin bzw. der geschätzte                                                                         derung von Personal!
Leser selbst vergegenwärtigen. Sollte es, so hoffen wir alle, tat-
sächlich durch diese Maßnahme zu einer relevanten Zunahme                                                                                  Man kann natürlich dieses „Vergessen“ (ist natürlich bequemer
der fertig ausgebildeten Medizinerinnen und Mediziner kom-                                                                                 als die nötigen Schritte dagegen zu setzen) weiter prolongieren.
men, dann wird dies in acht bis zehn Jahren frühestens spürbar                                                                             Wir hoffen für das Jahr 2019!
werden.
                                                                                                                                                                              OA DR. RONALD GALLOB
Soweit so gut - aber damit sind wir bereits beim „Vergessenen“!                                                                                                         Kurienobmann angestellte Ärzte
Richten wir unsren Blick von der verzerrenden Brille, welche die
Medien in den letzten Jahren so herrlich strapaziert haben, auf
die Kliniken, die einen nicht unerheblichen Anteil der Versor-
gungslast stemmen.
    Lehr(gruppen)praxisleiter-Seminar

                                                                                                                                                                            Ort
                                                                                                                                                                            Ärztekammer für NÖ
                                                                                                             Programm
                                   6. April 2019, 9:00 bis ca.13:00 Uhr

                                                                                                                                                                              Wipplingerstraße 2
                                                                                                                                                                                  1010 Wien
                                                                                                            • Allgemeines zur Lehr(gruppen)praxis
                                                                                                            • Didaktische Grundlagen
                                                                                                            • Ausbildungskonzept
                                                                   (Sem.-Nr. 9572/Fortbildungs-ID 633481)

                                                                                                            • Erfahrungsbericht

                                                                                                            Die Inhalte dieses Seminars
                                                                                                            beruhen auf dem von der
                                                                                                            Bundessektion Allgemeinmedizin
                                                                                                            der ÖÄK ausgearbeiteten Curriculum
                                                                                                            für LehrpraxisleiterInnen

                                                                                                                                                                           Anmeldung
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                                                                                                                 mit 4 sonstigen                                           Anmeldung unbedingt
                                                                                                                  DFP-Punkten                                            erforderlich per E-Mail an
                                                                                                                                                                        fortbildung@arztnoe.at oder
                                                                                                                                                                             Tel: 01/53 751-270!

                                                                                                                                                                                         CONSILIUM 01+02/19      11
AUS-
BILDUNG

                                                    Fotos: www.raimo.at
            Dr. Philipp Wimmer            Dr. Markus
                                          Weilharter
                                                                           Lücken in Struktur und
                                                                          Qualität der Ausbildung
             Aktuelle Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung der Österreichischen Ärztekammer

           V    erbesserungsbedarf bei der Ärzteausbildung gibt es vor al-
                lem, wenn es um die mangelnde Zeit der Ausbildner für
           die Vermittlung von fachspezifischen Inhalten für Jungärztinnen
                                                                                Nachfolgend werden die jüngsten Daten und Fakten der Ausbil-
                                                                                dungsevaluierung präsentiert und die Schlussfolgerungen daraus
                                                                                gezogen.
           und -ärzte geht. Oft fehlt es an der Umsetzung eines strukturier-
           ten Ausbildungskonzeptes, dem nötigen Feedback und der Ent-          Allgemeines zu Beteiligung und Ergebnissen
           lastung von Administrations- und Dokumentationsaufgaben.
           Das sind die wesentlichsten Ergebnisse der im Auftrag der Bun-       Seit 2016 liegen österreichweit 1.180 Bewertungen für die Basi-
           deskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer          sausbildung und 2.620 für die allgemeinärztliche Ausbildung
           (ÖÄK) durchgeführten Befragung der in Ausbildung stehenden           sowie für die fachärztliche Ausbildung aus der aktuellen Erhe-
           Ärztinnen und Ärzte.                                                 bung 1.977 Bewertungen vor.
           In der Evaluierung der Ärzteausbildung wird schon seit 2008          Die Beteiligung für die Facharztausbildung ist um 43 Prozent
           detailliert erhoben, wie die einzelnen Krankenhausabteilungen        gegenüber 2017 gestiegen, das sind um 594 Bewertungen mehr,
           von den Turnusärztinnen und -ärzten beurteilt werden. Darüber        davon 282 alleine in Wien.
           hinaus findet vierteljährlich eine Befragung jener Turnusärzte
           statt, die die Basisausbildung im jeweiligen Quartal abgeschlos-     Für die allgemeinmedizinische Ausbildung konnten 2018 die
           sen haben. Und auch die Ausbildungsqualität in den verschie-         Bewertungen nach einer geringeren Anzahl 2017 wieder deutlich
           denen Sonderfächern wird seit Herbst 2015 einmal jährlich            gesteigert werden.
           erhoben.                                                             Im Zeitverlauf kann sowohl für die Basisausbildung als auch
                                                                                die allgemeinmedizinische Ausbildung ein gesicherter positiver
           Um aussagekräftige österreichweite Vergleichswerte zu bekom-         Trend festgestellt werden. Die Bewertung der fachärztlichen Aus-
           men werden diese Evaluierungen vom Ärztlichen Qualitätszen-          bildung ist gleichbleibend gut.
           trum im Auftrag der Österreichischen Ärztekammer durchge-
           führt. Sich daraus ergebendes Verbesserungspotential in der In Tabelle 1 werden die Bewertungen für alle Bundesländer
           Ausbildung der Ärzte wird schließlich von uns als Landesärz- getrennt aufgelistet.
           tekammer für Niederösterreich beim Rechtsträger der Kliniken
           gezielt eingefordert. Ausgewählte besonders schlecht bewertete
           Abteilungen werden zur Visi-
           tation vorgeschlagen. Dabei Bundesland                     2016-2018               2016-2018            2017
           wird ein Gremium der Öster-                             Basisausbildung  Allgemeinmedizinische      Fachärztliche
           reichischen Ärztekammer zur
                                                                                            Ausbildung          Ausbildung
           betroffenen Abteilung ent-
           sandt, um vor Ort Missstände                         Anzahl ø Bewertung Anzahl ø Bewertung Anzahl ø Bewertung
           in der Ausbildung zu identi- Österreich               1180        2,42     2620           2,44  1977         2,33
           fizieren. Sollten sich an der
           Abteilung gravierende Mängel Burgenland                34         2,59       35           2,54   49          2,43
           zeigen ist der Ausbildungsver- Kärnten                  50        2,47      134            2,52  121         2,37
           antwortliche der Abteilung Niederösterreich            195        2,54      378           2,60*  212         2,37
           verpflichtet diese binnen einer
                                             Oberösterreich       179        2,21      416            2,24  297         2,18
           vom Visitationsteam festgeleg-
           ten Frist zu beseitigen. Sollten Salzburg               63        2,37      202            2,13  162         2,10
           die Mängel auch nach Ablauf Steiermark                 186        2,43      601            2,54  273         2,29
           der Frist bestehen kann der Tirol                      178        2,12      204            2,12  209         2,15
           entsprechenden Abteilung die
                                             Vorarlberg            48        2,46       93            2,13   57         2,25
           Ausbildungsberechtigung ent-
           zogen werden.                     Wien                 230       2,61*      557           2,62*  596        2,44*
                                                                                     Tabelle 1: Verfügbare Ausbildungsbewertungen mit dem Stand 30. August 2018,
                                                                                                                      * signifikante Verschlechterung zum Vorjahr

  12       CONSILIUM 01+02/19
AUS-
                                                                                                                                                            BILDUNG

Basisausbildung                                                              • Die Ausbildungsverantwortlichen haben sich in 71,9 Prozent
                                                                               der Fälle nie oder nur hin und wieder um die Ausbildung
Die Basisausbildung wird im Österreichdurchschnitt mit 2,42                    bemüht
bewertet. Wie bereits im Vorjahr ist die Zufriedenheit mit der               • Ein Gesamtverantwortlicher für die Ausbildung wurde in
ärztlichen Ausbildung in Tirol am höchsten (ø 2,12), dicht gefolgt             62,4 Prozent der Fälle genannt
von Oberösterreich (2,21) und Salzburg (2,37). Niederösterreich              • Ein Ausbildungskonzept, ein Logbuch oder einen Leitfaden
hat sich mit einem Durchschnitt von 2,54 im Vergleich zum Vor-                 gab es zu 49,5 Prozent an allen Abteilungen, zu 37,6 Prozent
jahr leicht gebessert, liegt im Österreichvergleich allerdings noch            an nicht allen Abteilungen, 12,9 Prozent hatten eine Anlei-
immer an 7. Stelle. Wien bildet mit einer Gesamtbewertung von                  tung in der Form nicht zur Verfügung
2,61 das Schlusslicht im Bundesländervergleich. Österreichweit               • § 15 Abs. 5 GuKG-Tätigkeiten wurden in 73,8 Prozent der
beträgt die Teilnahmequote 48,6 Prozent, in Niederösterreich                   Fälle auch im Routinebetrieb, also auch nach ausreichender
kann diese mit 52 Prozent sogar noch überboten werden.                         Erlernung, durchgeführt
                                                                             • Während der Kernarbeitszeit war für 94,8 Prozent die Stamm-
Folgende Faktoren sind ausschlaggebend für eine gute Gesamt-                   mannschaft (fast) immer oder meistens erreichbar, wenn Un-
bewertung der Basisausbildung:                                                 terstützung benötigt wurde; während der verlängerten Dienste
1. Die Umsetzung eines guten Ausbildungskonzepts                               war das bei 91,8 Prozent der Teilnehmer so
2. Das Bemühen des Ausbildungsverantwortlichen um die Aus-                   • Überlastet fühlten sich 25,1 Prozent, 72,3 Prozent fühlten
   bildung                                                                     sich größtenteils ausgelastet
3. Die Erreichbarkeit und Unterstützung durch die Stamm-                     • Die Höchstarbeitszeitgrenzen und die vorgesehenen Ruhe-
   mannschaft                                                                  zeiten wurden in 83,5 Prozent bzw. 82 Prozent eingehalten,
4. Aktive Lernformen wie Ambulanztätigkeit mit vidit, Visiten,                 im regulären Tagdienst mussten 4,1 Prozent immer länger
   Teilnahme an Bedside-Teaching, Teilnahme an Abteilungs-                     bleiben, bei 45,4 Prozent war das meistens der Fall
   besprechungen, Abteilungsspezifische Untersuchungen, selb-                • Nachtdienste wurden von 49 Prozent 3 - 4 Mal im Monat
   ständiges Durchführen von Untersuchungen                                    und von 48,5 Prozent 5 - 6 Mal im Monat geleistet, 1 Prozent
5. Umsetzung des mitverantwortlichen Tätigkeitsbereichs                        leisteten 7 - 8 Dienste pro Monat
6. Ermöglichen einer guten Work-Life-Balance
7. Fortbildungen an der Abtei-
   lung                                         Gründe für                     eine schlechte Bewertung der
8. Möglichst wenig Zeit für nich-
   tärztliche Tätigkeiten                                                       Basisausbildung
9. Fortbildungen an der Abtei-
   lung                                                                                                               Viel Routineaufgaben, wenig
                                                                                                                      Lernzuwachs

Nachfolgend werden die wich-                                                                                          Wenig aktives Lernen, wenig
                                                                     6% 2%
tigsten Fakten zu den Bewer-                                    7%                                                    Feedback

tungen und Angaben der sich                                7%                           35%
                                                                                                                      Hoher Workload des Stammpersonals
in Basisausbildung befindlichen                          9%
Ärztinnen und Ärzte aus Nieder-
österreich aufgelistet:                                       15%
                                                                                                                      Fehlen von Anforderungsprofilen,
                                                                                                                      Einführungsgesprächen &
• 98,6 Prozent sind vollzeitbe-                                               19%
                                                                                                                      Einschulungen
   schäftigt, 1,4 Prozent teilzeit-                                                                                   Learning by Doing, man wird oft
   beschäftigt                                                                                                        alleine gelassen

• 77,7 Prozent haben einen Ver-
                                                                                                                      Zu viele Rotationen
   trag auf die Gesamtdauer der
   Ausbildung
                                       Abbildung 1: Genannte Begründungen für eine schlechte Bewertung der Basisausbildung

                                      Abbildung 1: Genannte Begründungen für eine schlechte Bewertung der Basisausbildung

                                                                                                                                       CONSILIUM 01+02/19      13
                                      Da die Basisausbildung am Ende der 9 Monate als Gesamtes bewertet wird und nicht jede Abteilung,
AUS-
BILDUNG

           Im Zuge der Evaluierung der Basisausbildung steht es den teil-                        Nachfolgend werden die wichtigsten Fakten zu den Bewertungen
           nehmenden Ärztinnen und Ärzten frei einen Freitext als Erklä-                         und Angaben der sich in allgemeinmedizinischer Ausbildung
           rung zu ihrer Bewertung anzugeben. Abbildung 1 zeigt die mit-                         befindlichen Ärztinnen und Ärzte aus Niederösterreich aufge-
           tels Freitext angegebenen Gründe für eine schlechte Bewertung                         listet:
           der Ausbildung.                                                                       • In 45,7 Prozent der Fälle wussten die Teilnehmer nicht, wer
           Da die Basisausbildung am Ende der neun Monate als Gesamtes                              der Ausbildungsverantwortliche an der Abteilung ist bzw. wur-
           bewertet wird und nicht jede Abteilung, an der jemand tätig war,                         de keiner genannt
           ist ausschließlich eine Auswertung nach Krankenhäusern mög-                           • In 58,2 Prozent der Fälle hat sich der Ausbildungsverantwort-
           lich. Die vier bestbewerteten Kliniken in Niederösterreich sind                          liche oder sein Vertreter um die Ausbildung sehr oft oder
           in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet.                                                zumindest oft bemüht
                                                                                                 • In 71,8 Prozent der Fälle wird kein Ausbildungskonzept, Log-
           Rang     Klink                                     Bewertung (Schulnote)
                                                                                                    buch, Leitfaden o.Ä. verwendet
             1      Landesklinikum Scheibbs                                1,40
                                                                                                 • 70,2 Prozent der Teilnehmer, die ein Ausbildungskonzept,
             2      Landesklinikum Waidhofen/Ybbs                          1,75
                                                                                                    Logbuch etc. bekamen, bewerteten dieses als sehr gut oder
             3      Landesklinikum Neunkirchen                             2,08
                                                                                                    zumindest gut
             4      Landesklinikum Horn                                    2,33
                                                                                                 • In 51,5 Prozent der Fälle gibt es keine Rotationsregelung, die
              Tabelle 2: Im Rahmen der Evaluierung der Basisausbildung im Zeitraum 2016 - 2018      das Kennenlernen verschiedener Abteilungen ermöglichte
                                                    bestbewertete Kliniken in Niederösterreich
                                                                                                 • In 72,9 Prozent der Fälle wurde die Umsetzung des § 15 Abs.
                                                                                                    5 GuKG eingehalten
           Allgemeinmedizinische Ausbildung                                                      • Während der Kernarbeitszeit war für 91,7 Prozent die Stamm-
                                                                                                    mannschaft erreichbar, wenn Unterstützung benötigt wurde,
           Die Zufriedenheit mit der allgemeinärztlichen Ausbildung steigt                          während der verlängerten Dienste war das bei 95,6 Prozent
           weiterhin in allen Bundesländern und liegt für die aktuell ausge-                        der Turnusärzte so
           wertete Periode (2016 - 2018) bei 2,44 und damit um 0,18 Punkte                       • Überlastet fühlten sich 16,3 Prozent, 81,8 Prozent fühlten
           besser als für die Periode 2014 - 2015.                                                  sich größtenteils ausgelastet
           Die deutlichste Steigerung (0,35) zeigt sich in Salzburg, die                         • Im regulären Tagdienst mussten 72,6 Prozent nie oder nur
           größte Zufriedenheit (2,12) in Tirol. In Niederösterreich liegt                          selten länger bleiben, um die Arbeit erledigen zu können
           die Zufriedenheit mit einer Bewertung von 2,60 (Steigerung um                         • Nachtdienste wurden von 13,2 Prozent 1 - 2 Mal im Monat,
           0,22) österreichweit im unteren Drittel.                                                 von 46,6 Prozent 3 - 4 Mal im Monat und von 39,2 Prozent
                                                                                                    5 - 6 Mal im Monat geleistet
           Folgende Faktoren sind ausschlaggebend für die gute Bewertung                         • Als Berufswunsch gaben 31,7 Prozent Arzt für Allgemeinme-
           der allgemeinmedizinischen Ausbildung:                                                   dizin an, 37,2 Prozent möchten sich in einem Sonderfach spe-
           1. Die Umsetzung eines guten Ausbildungskonzepts                                         zialisieren und 30 Prozent sind noch unentschieden
           2. Das Bemühen des Ausbildungsverantwortlichen um die Aus-
              bildung                                                                            Die vier bestbewerteten Kliniken in Niederösterreich sind in der
           3. Die Erreichbarkeit und Unterstützung durch die Stamm-                              nachfolgenden Tabelle aufgelistet.
              mannschaft
                                                                                                 Rang      Klinik                                   Bewertung (Schulnote)
           4. Fortbildungen an der Abteilung
                                                                                                   1       Landesklinikum Lilienfeld                              2,00
           5. Abschlussgespräch nach Abschluss
                                                                                                   2       Landesklinikum Melk                                    2,25
           6. Rotationsregelung zum Kennenlernen verschiedener Ein-
                                                                                                   3       Landesklinikum Mödling                                 2,33
              heiten
                                                                                                   4       Universitätsklinikum Krems                             2,35
           7. Aktive Lernformen wie Ambulanztätigkeit mit vidit, Bedside-
                                                                                                 Tabelle 3: Im Rahmen der Evaluierung der allgemeinärztlichen Ausbildung im Zeitraum
              Teaching, selbständiges Durchführen von Untersuchungen,                                                          2016 - 2018 bestbewertete Kliniken in Niederösterreich
              aktive Teilnahme an Abteilungsbesprechungen
           8. Eine Regelung für die Anordnungsbefugnis an das Pflegeper-                         Die vier bestbewerteten Abteilungen in Niederösterreich sind in
              sonal                                                                              der nachfolgenden Tabelle aufgelistet.

  14       CONSILIUM 01+02/19
AUS-
                                                                                                                                                            BILDUNG

Rang      Abteilung                                Bewertung (Schulnote)              Fachärztliche Ausbildung
 1        Kinder- & Jugendheilkunde,                            1,13
		        Landesklinikum Mödling                                                      Die Zufriedenheit mit der fachärztlichen Ausbildung liegt im
 2        Kinder- & Jugendheilkunde,                            1,70                  Österreichdurchschnitt bei 2,30 (Schulnotenskala) und ist damit
		        Universitätsklinikum St. Pölten                                             gleich wie im Jahr 2017. In Niederösterreich zeigt sich die Zufrie-
 3        Gynäkologie und Geburtshilfe,                         1,75                  denheit mit einem Wert von 2,37 (Abfall um 0,11) auf der Schul-
		        Landesklinikum Lilienfeld                                                   notenskala schlechter als im Österreichdurchschnitt.
 4        Kinder- & Jugendheilkunde,                            1,88
		        Universitätsklinikum Krems                                                  Über alle Fächer und Einrichtungen gesehen sind die wichtigs-
Tabelle 4: Im Rahmen der Evaluierung der allgemeinärztlichen Ausbildung im Zeitraum   ten Faktoren für eine gute Bewertung der Ausbildung an einer
                          2016 - 2018 bestbewertete Abteilungen in Niederösterreich
                                                                                      Abteilung und des Lernerfolgs durch die Turnusärztinnen und
                                                                                      Turnusärzte in Ausbildung zum Facharzt:
                                                                                      1. Es gibt gute Rotationsmöglichkeiten in der Ausbildung
                                                                                      2. Der Ausbildner erhält genügend Unterstützung durch die
                                                                                          Leitung, hat ausreichend Zeit für die Ausbildung, ist fachlich
                                                                                          kompetent und vermittelt gut
                                                                                      3. Es ist ein gutes Ausbildungskonzept vorhanden, das tatsäch-
                                                                                          lich angewandt wird

 Informationen zur Methodik
 Die Ausbildungsevaluierung ist auf die Spezifika der ärztlichen Ausbildung ausgerichtet und geht daher methodisch je nach
 Ausbildungsteil spezifisch vor:

 Basisausbildung
 • Nach Abschluss der Ausbildung erhalten alle Ärztinnen und Ärzte die Einladung zur Evaluierung.
 • Die Basisausbildung wird als ein Ganzes bewertet und nicht jede Abteilung. Besonders gravierende Unterschiede zwischen
   Ausbildungsteilen an verschiedenen Abteilungen bzw. verschiedenen Krankenhäusern können die Teilnehmer als Freitext
   beschreiben.
 • Da die Basisausbildung an mehreren Abteilungen gemacht werden muss, und z.T. auch an mehreren Krankenhäusern ab-
   solviert wird, können diese entsprechend ausgewählt werden.
 • Für die Auswertung werden nur jene Antworten herangezogen, welche sich eindeutig nur auf diese Einheit (z.B. das Kran-
   kenhaus) beziehen.

 Allgemeinärztliche Ausbildung
 • Jede Abteilung wird zeitnahe nach Abschluss des Ausbildungsteils bewertet. Die Einladung erfolgt auf Basis der Teilneh-
   merangabe, wann er/sie voraussichtlich das nächste Fach abschließen wird.

 Fachärztliche Ausbildung
 • Da im Rahmen der Facharztausbildung im Unterschied zur Allgemeinmedizin-Ausbildung selten die Ausbildungsstelle ge-
   wechselt wird, wird diese Evaluierung als stichtagsbezogene Befragung alle 2 Jahre durchgeführt.
 • Die Evaluierung wird (für die ÄAO 2006) auf Ausbildungsteile, welche im Hauptfach absolviert werden, beschränkt. Wenn
   jemand aktuell im Nebenfach oder Additivfach ist, so soll jene Abteilung bewertet werden, an welcher der Arzt zuletzt im
   Hauptfach tätig war. Abteilungen, welche ausschließlich für ein Additivfach eine Ausbildungsberechtigung haben, sind im
   Fragebogen nicht auswählbar. Damit zusammenhängend wird auch abgefragt, wie lange jemand bereits nicht mehr an der
   bewerteten Abteilung ist.

                                                                                                                                      CONSILIUM 01+02/19       15
AUS-
BILDUNG

           4. Der Ausbildungsverantwortliche bemüht sich um eine gute         • Während der Kernarbeitszeit war für 82,5 Prozent die Stamm-
               Ausbildung                                                       mannschaft immer erreichbar, wenn Unterstützung benötigt
           5. Der Ausbildungsverantwortliche bzw. Vorgesetzte gibt oft-         wurde, für 16,1 Prozent meistens; während der verlängerten
               maliges Feedback darüber, wie gut die Arbeit erledigt wird       Dienste war das bei 78,8 Prozent der Teilnehmer immer der
           6. Die Stammmannschaft ist gut erreichbar und bereit, wäh-           Fall, bei 17,7 Prozent meistens
               rend der Kernarbeitszeit und der verlängerten Dienste Aus-     • 25,5 Prozent fühlten sich überlastet, 68,4 Prozent fühlten sich
               kunft zu geben, wenn ein Arzt in Ausbildung Fragen bezüg-        größtenteils ausgelastet
               lich einer Therapie oder eines Eingriffs hat oder generell     • Im regulären Tagdienst mussten 6,1 Prozent immer, 38,2 Pro-
               Unterstützung braucht                                            zent meistens länger bleiben, um ihre Arbeit erledigen zu können
           7. Die Berücksichtigung von Leitlinien wird vermittelt             • 2,4 Prozent machen keine Nachtdienste, 4,9 Prozent machen
           8. Evaluierungsgespräche zum jeweils absolvierten Ausbil-            1 - 2 Dienste im Monat, 44,4 Prozent leisten 3 - 4 Dienste,
               dungsabschnitt finden wie in der ÄAO vorgesehen statt           47,8 Prozent 5 - 6 Dienste und 0,5 Prozent machen 7-8 Dien-
           9. Der Dienstgeber schickt Ärzte in Ausbildung regelmäßig auf        ste
               externe Fortbildungen und Kongresse                            • Die Höchstarbeitszeiten und Ruhezeiten wurden in 93,4 Pro-
           10. Es ist eine gute Work-Life-Balance möglich                       zent der Fälle eingehalten

           Nachfolgend werden die wichtigsten Fakten zu den Bewertungen       Die vier bestbewerteten Kliniken in Niederösterreich sind in der
           und Angaben der sich in fachärztlicher Ausbildung befindlichen     nachfolgenden Tabelle aufgelistet.
           Ärztinnen und Ärzte aus Niederösterreich aufgelistet:
                                                                              Rang     Klinik                                    Bewertung (Schulnote)
           • 81,1 Prozent der Teilnehmer absolvieren ihre Ausbildung
                                                                                1      Landesklinikum Amstetten                               1,73
             nach der „alten“ (ÄAO 2006), 18,9 Prozent nach der „neuen“
                                                                                2      Landesklinikum Horn                                    2,00
             Ausbildungsordnung (ÄAO 2015)
                                                                                3      Landesklinikum Neunkirchen                             2,18
           • 63,4 Prozent der Teilnehmer sind männlich, 36,6 Prozent
                                                                                4      Landesklinikum Zwettl                                  2,18
             weiblich
                                                                              Tabelle 5: Im Rahmen der Evaluierung der fachärztlichen Ausbildung im Zeitraum 2018
           • Die Ausbildung wird wie folgt bewertet: 21,7 Prozent sehr gut,                                             bestbewertete Kliniken in Niederösterreich
             36,3 Prozent gut, 29,7 Prozent befriedigend, 8,0 Prozent genü-
             gend und 4,2 Prozent nicht genügend                              Die vier bestbewerteten Abteilungen in Niederösterreich sind in
           • In 14,2 Prozent wurden die fach- und abteilungsspezifischen      der nachfolgenden Tabelle aufgelistet.
             Kenntnisse und Fertigkeiten zur Gänze, in 65,9 Prozent zu
                                                                              Rang     Abteilung                                 Bewertung (Schulnote)
             einem großen Teil vermittelt
                                                                               1       Anästhesie,                                            1,20
           • Der Ausbildungsverantwortliche bzw. sein Vertreter hat sich
                                                                              		       Landesklinikum Wiener Neustadt
             in 71,6 Prozent der Fälle sehr oft oder oft um die Ausbildung
                                                                               2       Neurologie,                                            1,75
             bemüht, die Voraussetzungen für einen Ausbildner werden
                                                                              		       Landesklinikum Horn
             hinsichtlich der fachlichen Kompetenz von 92,8 Prozent sehr
                                                                               3       Anästhesie,                                            2,00
             gut oder gut erfüllt
                                                                              		       Universitätsklinikum St. Pölten
           • Ein Ausbildungskonzept, Logbuch, Leitfaden o.Ä. wurde in
                                                                               4       2. Interne Abteilung,                                  2,50
             32,3 Prozent der Fälle verwendet
                                                                              		       Landesklinikum Wiener Neustadt
           • Die Möglichkeit, in die vorgeschriebenen Pflichtfächer/Wahl-
                                                                              Tabelle 6: Im Rahmen der Evaluierung der fachärztlichen Ausbildung im Zeitraum 2018
             nebenfächer zu rotieren, haben 58,3 Prozent; 15 Prozent ha-                                           bestbewertete Abteilungen in Niederösterreich
             ben diese Möglichkeit teilweise
           • Verschiedene Einheiten (Ambulanz, Station, etc.) konnten         Schlussfolgerungen
             56,6 Prozent durch Rotationsmöglichkeiten kennenlernen;
             mit den Rotationsmöglichkeiten waren 32,2 Prozent sehr zu-       Die wohl zentralste Aufgabe der Ärztekammer stellt die Siche-
             frieden oder eher zufrieden                                      rung der Ausbildungsqualität dar. Die Ergebnisse der Ausbil-
           • § 15 Abs. 5 GuKG wurde an 90,7 Prozent der Abteilungen           dungsevaluierung werden von uns daher stets genau betrachtet,
             umgesetzt                                                        um Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

  16       CONSILIUM 01+02/19
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