Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen

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Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
Infonium
 PH Zug 2/2021
 Mathematisches Denken
 und Lernen

               Pädagogische Hochschule Zug
Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
Editorial                                                           Inhalt

                                                                    Editorial2
                                                                    Kompetenzzentrum Mathematisches Denken
                                                                    und Lernen: Interview mit Kurt Hess                   3–4
                                                                    Ausbildungsschwerpunkte entlang
                                                                    fachdidaktischer Prinzipien                             5
                                                                    Herausforderungen für Lernende mit auffälligen
                                                                    Matheleistungen und Lernverhaltensweisen              6–7
                                                                    Herausforderungen für Lernende mit
                                                                    grossem mathematischem Potenzial                      8–9
                                                                    Mathematik fordert heraus und kann begeistern       10–11
Esther Kamm                                                         Zahlbeziehungen nutzen – flexibel rechnen:
                                                                    Bachelorarbeit12
                                                                    Formative Feedbacks zum mathematischen
                                                                    Argumentieren aus fachdidaktischer Sicht               13
                                                                    Das Einmaleins intelligent lehren und lernen        14-15
                                                                    Crisis Driven Innovation: Antriebskraft
                                                                    schulischer Innovation jetzt nutzen                 16–17
                                                                    «Let’s talk!» – Forschung und Praxis im Dialog      18–19
                                                                    Wie kann Dankbarkeit bei Primarschulkindern
                                                                    gefördert werden? Bachelorarbeit                    20–21
                                                                    Gründe für (k)ein Gastsemester: Bachelorarbeit      22–23
                                                                    Kulturvermittlung: Braucht der Kanton Zug
                                                                    Kulturverantwortliche in Schulen? Bachelorarbeit    24–25
                                                                    Das kann ich! – Selbstwirksamkeit als Thema
                                                                    der Kinder- und Jugendliteratur: Bachelorarbeit        26
                                                                    Die Quereinsteigenden – ein Mehrwert
                                                                    für PHs und die Klassenzimmer: Studierendenkolumne     27
                                                                    Veranstaltungen28

Die PH Zug hat in ihrer Strategie 2019–2026 festgehalten, dass      analysiert in ihrer Dissertation, wie Lehrpersonen die Schüler*in-
sie ihr Profil weiter stärkt, indem sie thematische Schwerpunkte    nen im Lernprozess zum mathematischen Argumentieren unter-
setzt. Mit dem neuen Kompetenzzentrum Mathematisches                stützen (S. 13). Und Barbara Hohl-Krähenbühl untersucht in ihrer
Denken und Lernen (MaDeL) bietet die PH Zug individuelle            Dissertation, wie das Einmaleins auf der Primarstufe unterrichtet
Dienstleistungen, Beratungen sowie Weiter- und Zusatzausbildun-     werden soll (S. 14–15).
gen zum mathematischen Denken und Lernen, zur Planung und
Gestaltung des Mathematikunterrichts oder spezifischer Lernset-     Es freut mich, dass im zweiten «Infonium»-Teil unsere Studieren-
tings an. Geleitet wird das Kompetenzzentrum von Kurt Hess.         den zu Wort kommen. Vier spannende Bachelorarbeiten (S. 20–
Im Interview erzählt er, welche Absichten hinter dem neuen An-      26) und die Studierendenkolumne zum Thema «Die Quereinstei-
gebot stecken (S. 3–4).                                             genden – ein Mehrwert für PHs und die Klassenzimmer» (S. 27)
                                                                    warten auf Sie.
Gemäss der Fachschaft Mathematik der PH Zug orientiert sich
guter Unterricht an zehn fachdidaktischen Prinzipien (S. 5). Kin-   Das «Infonium» erscheint zum letzten Mal unter der Verantwor-
der verfügen über sehr unterschiedliche mathematische Kompe-        tung von Luc Ulmer, Leiter Kommunikation & Marketing. Er ver-
tenzen. Der Unterricht muss so gestaltet werden, dass sowohl        lässt nach über elf Jahren und 34 «Infonium»-Ausgaben die PH
Lernende mit auffälligen Matheleistungen und Lernverhaltenswei-     Zug, um eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen. Ich
sen (S. 6–7) als auch Lernende mit einem grossen mathemati-         danke ihm für seine engagierte Arbeit und wünsche ihm alles
schen Potenzial (S. 8–9) eigene Herausforderungen annehmen,         Gute für die Zukunft.
bewältigen und Erfolge erleben können.
                                                                    Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich eine anregende
Im Interview erzählen Primarlehrerin Selma Surbeck und Heilpäd-     Lektüre.
agogin Linda van Holten, wie sie das mathematische Denken und
Lernen ihrer Schüler*innen fördern (S. 10–11). Für ihre Bachelor-
arbeit hat Miriam Frick Kindern über die Schulter geschaut und      Prof. Dr. Esther Kamm
versucht, ihre Rechenwege nachzuvollziehen (S. 12). Heidi Dober     Rektorin
2
Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
Kompetenzzentrum Mathematisches Denken und Lernen

Das Kompetenzzentrum MaDeL unterstützt             solchen Negativspiralen erklärt sich das Kind,
Schüler*innen mit auffälligem Lernverhalten und    dass es keine Rolle spiele, ob es sich einsetze,
Leistungsvermögen, es berät Lehrpersonen,          es «kann Mathe ohnehin nicht» (vgl. Beitrag
bietet Weiterbildungen und Dienstleistungen an.    S. 6–7). Gezielte Lerneinheiten mit erreichba-
                                                   ren Zielen können aus dieser Spirale herausfüh-
Sie sind Initiator und Leiter des Kompetenz­       ren, weil sie mit Erfolgserlebnissen und Freuden
zentrums. Welche Absichten und Angebote            sowie mit der Steigerung des Selbstwertgefühls
stehen dahinter?                                   und der Selbstwirksamkeit verbunden sind. In
Ich möchte vorausschicken, dass das Kompe-         der Variante Standard plus erfolgt eine – von
tenzzentrum zwar von mir geleitet, aber von der    Studierenden angebotene und durch Dozieren-
gesamten Fachschaft Mathematik getragen            de begleitete – Fördereinheit mit Kindern und
wird. Unser Fachteam bietet diagnostische Ab-      Jugendlichen sowie eine Beratung bezüglich                 Kurt Hess, Leiter Kompetenzzentrum
                                                                                                              Mathematisches Denken und Lernen.
klärungen von Kindern und Jugendlichen mit         Fortschritten, Potenzialen und motivationalen
besonderen Schwierigkeiten an sowie daran          Belangen. Anstelle der individuellen Förderein-
anschliessende Fördereinheiten und Beratun-        heiten können auch Unterrichtsbesuche und
gen. Wir erarbeiten auch Differenzierungsvor-      Differenzierungsvorschläge zielführend sein.
schläge für den Mathematikunterricht, allenfalls
im Nachgang an eine schulpsychologische Ab-        Bis anhin werden Schüler*innen mit mathemati-
klärung. In unserem Team hat es ehemalige Pri-     schen Lernschwierigkeiten von Schulischen Heil-
marlehrpersonen und einen Schulischen Heil-        pädagog*innen unterstützt. Bauen Sie ein Kon-
pädagogen (SHP). Mit unserem theoretischen         kurrenzangebot auf?
Wissen und den praktischen Erfahrungen fühlen      Unser Angebot ist nicht als Konkurrenz zu ver-
wir uns gut gerüstet, um gemeinsam mit Lehr-       stehen, sondern als Ergänzung. Ich habe selbst
personen oder SHP nach konstruktiven Lösun-        einige Jahre als SHP gearbeitet und weiss, dass
gen zu suchen. Die von uns gewonnenen Er-          dieser Aufgabenkatalog sehr breit gefächert ist.
kenntnisse fliessen in Weiterbildungs- und         Für differenzierte Abklärungen und die Umset-
Beratungsangebote ein, die sich den unter-         zung von Fördereinheiten fehlt die Zeit oder die
richtspraktischen Bedingungen und Möglichkei-      nötige Distanz zum Unterricht und zu den Lern-
ten stellen.                                       prozessen der Kinder. Eine etwas neutralere

Wie können Lehrpersonen und Schulen von den
Angeboten profitieren?
Lehrpersonen, SHP, IF-Lehrpersonen oder Dys-                                                  Lernen
kalkulie-Therapeut*innen können sich über                                                     adaptiv
                                                                                            unterstützen
madel.phzg.ch informieren und Kinder und Ju-                                                                       Beziehungen,
                                                                     Kompetenz-                                    Regelmässig-
gendliche nach Absprache und Einwilligung der                         orientiert                                      keiten
Eltern über madel@phzg.ch anmelden. Sie ge-                           beurteilen                                   thematisieren
ben an, ob sie «lediglich» eine diagnostische
                                                                                                 4

Abklärung und Beratung – Variante Standard –
                                                                                                             3

oder zusätzlich eine Fördereinheit bzw. Diffe-
                                                      Differenzierte
renzierungsvorschläge für den Mathematikun-
                                                         Übungs-                                1                                 Relevante
                                                                                                                                  Konzepte
terricht erwarten – Variante Standard plus.              anlässe              2              Gute                                fokussieren
                                                        initiieren                        Lernanlässe
Wie sehen diese Angebote konkret aus?                                                      initiieren
In der Variante Standard erfolgt eine kompe-
tenzorientierte Abklärung entlang fachdidakti-
scher Kriterien und es werden Kompetenzprofile               Aufbau
                                                            mentaler                                                          Aktives
erstellt. Die Beratung enthält fachliche und mo-          Vorstellungen                                                     Lernen und
                                                          unterstützen                                                       Anwenden
tivationale Aspekte. Letztere sind wichtig, weil                                                                            ermöglichen
viele Kinder schon einen langen Leidensweg
hinter sich haben, bis sie bezüglich Lernverhal-                                  Mathemati-
                                                                                  sieren und               Lernen im
ten und Leistungsvermögen auffällig werden.                                                                  Dialog
                                                                                  Darstellen
Damit sind häufig Unlust, Demotivation, Ängste,                                    initiieren            ermöglichen
ein geringes Selbstwertgefühl und ein geringer
Glaube an die Selbstwirksamkeit verbunden. In      Abb. 1: Fachdidaktische Prinzipien, die zum erfolgreichen Lernen beitragen.

                                                                                                                                               3
Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
Aussensicht kann neue          Massnahmen. Andererseits orientiert sich die
                                                        Perspektiven öffnen und        Forschung an Kindern mit auffälligem Lernver-
                                                        den Kindern die Chance         halten und Leistungsvermögen sowie an Fragen
                                                        bieten, mitverantwortlich      zur Differenzierung und Motivation.
                                                        zu lernen.                     Die Fachschaft Mathematik hat zudem zehn
                                                                                       fachdidaktische Prinzipien erarbeitet, an wel-
                                                          Weshalb fallen Schüler*in-   chen sich die Aus- und Weiterbildung, Bera-
                                                          nen mit mathema­tischen      tungsangebote und Entwicklungsarbeiten sowie
                                                          Schwierigkeiten auf?         die Forschung orientieren (siehe Abb. 1 und
                                                          Gewisse Kinder verfügen      Artikel S. 5).
                                                          am Ende des Kindergar-
                                                          tens noch nicht über jene    Welche F&E-Projekte laufen derzeit? Wie gelan-
                                                          Voraussetzungen, die der     gen die Erkenntnisse dieser Projekte in die Aus-
                                                          Einstieg in die Grundope-    und Weiterbildung der PH Zug und somit zu den
                                                          rationen und in höhere       Studierenden und Lehrpersonen?
                                                          Zahlenräume bedingen         Im Zentrum unserer Forschungstätigkeit stehen
                                                          würde. Andere fühlen sich    momentan zwei SNF-Projekte. Die erste SNF-In-
Mathematisches Denken in der Sackgasse?                   unterfordert bis gelang-     terventionsstudie «Formatives Feedback zum
                                                          weilt von den schulischen    mathematischen Argumentieren – FEMAR»
                                    Lernangeboten. Wird dieser Heterogenität nicht     realisiert die PH Zug gemeinsam mit der PH
                                    entsprochen, bleibt das mathematische Lernen       St. Gallen (vgl. Beitrag S. 13). Sie untersucht die
                                    in einer Sackgasse stecken. Es ist also wichtig,   Auswirkungen von Feedbacks, die Lehrpersonen
                                    die Nichtverfügbarkeit dieser Basis – als ein      den Lernenden entlang eines Rubrics (Beurtei-
                                    zentrales Kriterium für Dyskalkulie – möglichst    lungsraster) geben, und zwar hinsichtlich Leis-
                                    früh zu erkennen, damit der Zug nicht einfach      tungsentwicklungen, Selbstregulationskompe-
                                    davonfährt.                                        tenzen und Selbstwirksamkeit. Beim Feedback
                                                                                       handelt es sich um lernfördernde formative
                                   Erkennt man schon im Kindergarten, wer mathe-       Rückmeldungen der Lehrperson gegenüber den
                                   matisch begabt ist und wer wohl Schwierigkeiten     Schüler*innen. Wir klären momentan ab, wie wir
                                   haben wird?                                         das Thema «formatives Feedback» ab Frühling
                                   Die frühe Sicht ist auf Motivationen und zentra-    2022 in Weiterbildungen, Dienstleistungen und
                                   le mathematische Voraussetzungen gerichtet.         Publikationen aufgreifen können.
                                   Prädiktoren zum Zählen und zum Mengenver-
                                   ständnis zeigen bereits ausgangs des Kinder-        Und das zweite SNF-Projekt?
                                   gartens eine grosse Verlässlichkeit bezüglich       In einer zweiten SNF-Interventionsstudie na-
                                   späterer Lernschwierigkeiten. Eigentlich para-      mens QUEST kooperieren Nikolina Stanic vom
                                   dox: Die Diagnose kann vor Schulbeginn ge-          Institut für internationale Zusammenarbeit in
                                   stellt werden, obschon eine Dyskalkulie über        Bildungsfragen (IZB) und ich mit dem Departe-
                                   die Unfähigkeit, schulisch aufzubauende Grund-      ment Volkswirtschaftslehre der Universität
                                   operationen zu lösen, definiert wird. Die Konse-    Bern. Die Studie wird von Prof. Dr. Aymo Bru-
                                   quenzen sind in Richtung «Mathe treiben im          netti mit dem Ziel geleitet, Erkenntnisse zum
                                   Kindergarten» (publikationen.phzg.ch > Mit-         Design effektiver Weiterbildungsprogramme für
                                   arbeitenden-Broschürenreihe) oder unter dem         Mathematiklehrpersonen zu generieren. Es soll
                                   grossen Schlagwort Prävention zu ziehen.            ermittelt werden, welche von drei Interventions-
                                                                                       einheiten – Fachwissen Mathematik, Fachdi-
                                   Sie leiten auch die Professur zum mathemati-        daktik Mathematik und allgemeine Didaktik –
                                   schen Denken und Lernen (MaDeL). Wie ist die-       bei den Schüler*innen die grössten
                                   se mit dem Kompetenzzentrum sowie mit Aus-          Lernfortschritte bewirken. Die Ergebnisse der
                                   und Weiterbildungen verknüpft?                      Studie können durchaus zu Fragen in der hiesi-
                                   Die Professur ist auf eine evidenzorientierte       gen Aus- und Weiterbildung führen. Beispiels-
                                   Forschung und Entwicklung ausgerichtet. Deren       weise, wie viele oder welche allgemein didakti-
                                   Ergebnisse sollen in Aus- und Weiterbildungen,      schen und fachlichen Inhalte in einer
                                   in Beratungen und auch in Publikationen ein-        fachdidaktischen Weiterbildung eine möglichst
                                   fliessen. Inhaltlich werden die Studien insbe-      grosse Wirkung zeigen.
                                   sondere das mathematische Denken und Ler-
                                   nen junger Kinder fokussieren. Daraus erwarte       Die Fragen stellte Luc Ulmer,
                                   ich relevante Beiträge in Richtung präventiver      Leiter Kommunikation & Marketing

4
Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
Ausbildungsschwerpunkte entlang fachdidaktischer Prinzipien

Erfolgreiches mathematisches Lernen hängt von        Insofern lässt sich das fachdidaktische Prinzip
verschiedenen Aspekten ab. Die Fachschaft Ma-        der Differenzierung nicht losgelöst vom ersten –
thematik stellt diese mit zehn fachdidaktischen      der guten bzw. reichhaltigen Aufgabe – realisie-
Prinzipien dar und orientiert das Curriculum sowie   ren.
die zu erwerbenden Lehrkompetenzen an diesen.
                                                     3 Die Lehrperson fordert mit mathematischen
Ein guter Mathematikunterricht orientiert sich       Beziehungen und Regelmässigkeiten heraus
am Zusammenspiel von zehn Prinzipien (vgl.           Die reichhaltigen Aufgaben und die Differenzie-
Abb. 1 auf Seite 3). Beispielsweise tragen gute      rung bedürfen der Ergänzung mit zentralen ma-
Aufgaben (1), differenzierte Erwartungen (2),        thematischen Kompetenzen. Die Schüler*innen
das Erforschen und Argumentieren hinsichtlich        werden entlang der curricularen Handlungsas-
mathematischer Beziehungen (3) oder eine indi-       pekte Operieren, Benennen, Erforschen, Be-
viduelle Lernbegleitung (4) zum Gelingen bei.        gründen, Mathematisieren und Darstellen von
Bei den vier genannten Prinzipien kommt zum          mathematischen Beziehungen und Regelmäs-
Ausdruck, dass sich dieselbe Lern- oder Unter-       sigkeiten herausgefordert. Solche Auseinander-
richtssituation unter verschiedenen Perspekti-       setzungen müssen breit angelegt sein, weil sie
ven – bzw. im Zusammenspiel der Prinzipien           ein erfolgreiches Weiterlernen in zunehmend
– planen, realisieren und auswerten lässt. Die       komplexeren und abstrakteren Zusammenhän-
Prinzipien orientieren sich an der Systematik        gen sichern und zu effizienten (vorteilhaften)
des Faches, an den Zusammenhängen und Be-            Strategien führen. Beziehungen spiegeln rele-
sonderheiten der Lerninhalte, an den Voraus-         vante Konzepte bzw. sind für das kumulative
setzungen der Lernenden und an den curricula-        Weiterlernen bedeutsam (vgl. Prinzip «Relevante
ren Kompetenzansprüchen. Sie geben den               Konzepte fokussieren»).
fachdidaktischen Studieninhalten einen Rah-
men und eine Ausrichtung.                            4 Die Lehrperson unterstützt das Lernen
                                                     adaptiv
1 Die Lehrperson inszeniert gute Lernanlässe         Gute Aufgaben, differenzierte Herausforderun-
In der Fachdidaktik erhalten mathematische           gen und Übungsabsichten genügen dem einzel-
Lernanlässe das Prädikat gut bzw. reichhaltig,       nen Kind vielleicht noch nicht, um erfolgreich
wenn sie individuelle Zugänge und Herausforde-       zu lernen. Deshalb braucht es die Lehrperson
rungen bieten. Dies drückt sich durch unter-         als Anlaufstelle, um auftauchende Fragen zu
schiedliche Lösungswege, Strategien, Abstrak-        klären oder Blockaden zu lösen. Die Lehrperson
tionsgrade oder Darstellungsmittel aus. Alle         kann individuelle Lernprozesse unterstützen,
Schüler*innen sollen eigene Herausforderun-          indem sie Aufgaben, Lern- und Sozialformen,
gen annehmen, bewältigen und Erfolge erleben         Darstellungsmittel und förderorientierte Feed-
können.                                              backs adaptiv einsetzt. Die Unterstützung ist
                                                     dann gewinnbringend, wenn die Lehrperson
2 Die Lehrperson initiiert differenzierte            allen Schüler*innen – für das kumulative Wei-
Übungsanlässe                                        terlernen – relevante mathematische Einsichten
Beim Üben müssen verschiedene Übungsab-              ermöglicht. Auch dieser Anspruch verweist auf
sichten differenziert werden, die wiederum un-       das Prinzip «Relevante Konzepte fokussieren».
terschiedliche Komplexitäten und Abstraktionen
annehmen können:                                     Fazit
– Beim produktiven Üben werden mathemati-            Kompetenzorientiertes Lernen ist eine komple-
   sche Beziehungen erforscht, genutzt und er-       xe Angelegenheit. Mit den fachdidaktischen
   weitert (konzeptuelles und prozedurales Wis-      Prinzipien versucht die Fachschaft Mathematik,
   sen).                                             diese Komplexität sicht- und fassbar zu ma-
– Das Üben von Verfahren und Strategien ver-         chen. Diese sollen dem Mathematikunterricht
   mittelt Sicherheiten, Geläufigkeiten und Rou-     und den fachdidaktischen Studieninhalten ei-
   tinen (prozedurales Wissen).                      nen Rahmen und eine Ausrichtung geben.
– Das Automatisieren führt zu Routinen und
   geläufig abrufbaren Wissensinhalten und           Priska Fischer Portmann, Fachschaftsleite-
   mentalen Vorstellungen (deklaratives Wis-         rin Fachdidaktik Mathematik, und Kurt Hess,
   sen).                                             Leiter Kompetenzzentrum MaDeL

                                                                                                        5
Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
Herausforderungen für Lernende mit auffälligen Matheleistungen
und Lernverhaltensweisen
                                        Kinder verfügen über sehr unterschiedliche ma-       ser). Einige Kinder strecken auf und teilen ihre
                                        thematische Kompetenzen. Sie müssen reich-           Entdeckungen mit.
                                        haltige Aufgaben erhalten, damit sie individuell
                                        herausgefordert werden, eigene Ziele erreichen
                                                                                                Die erste Zahl wird immer
                                        und motiviert bleiben.
                                                                                                     um eins kleiner!

                                        Das gemeinsame Fazit aus unzähligen Studien
                                        zum mathematischen Anfangsunterricht betrifft
                                        die grosse Heterogenität im mathematischen                                 Ja, aber die zweite Zahl
                                        Leistungsvermögen. Die Unterschiede pro Jahr-                                 wird dafür um eins
                                        gangsklasse betragen je nach Studie drei bis vier                          grösser. Wie ändert sich
                                        Entwicklungsjahre. Die einen Kinder verfügen                                  also das Ergebnis?
                                        eingangs der 1. Klasse über gute bis sehr gute                                    Gar nicht.
                                        Zählkompetenzen, ein elaboriertes Mengenver-
                                        ständnis und bereits weit fortgeschrittene opera-
                                        tive Kompetenzen, während anderen minimale
                                                                                                Ich weiss, wie die nächste
                                        Grundvorstellungen fehlen. Der schulische An-
                                                                                                  Aufgabe heisst: 7 + 8.
                                        fangsunterricht nimmt sich dieser Heterogenität
                                        mit verschiedenen, u. a. auch mit natürlichen
                                        Differenzierungen an (vgl. Artikel S. 5).
                                        Die Zählkompetenzen und das Mengenverständ-                               Das Ergebnis bleibt immer
                                        nis werden im Lehrplan 21 explizit aufgeführt,                                  gleich, weil …
                                        weil sie jenen Grundvorstellungen entsprechen,
                                        die über das erfolgreiche Weiterlernen bestim-
                                        men. Kinder mit mangelnden Voraussetzungen           Frau Braun lässt die genannten Beziehungen mit
                                        oder mit sehr weit fortgeschrittenen Kompeten-       Farben und Pfeilen an die Wandtafel zeichnen
                                        zen werden oft ab Beginn der 1. Klasse in ihrem      und freut sich über die engagierte Mitarbeit eini-
                                        Lernverhalten und Leistungsvermögen auffällig.       ger Kinder. Sie bestätigt, lobt und fragt nach. In
                                        Sie erleben wiederkehrend, dass sie mit Aufga-       der nächsten Unterrichtsphase dürfen die Kinder
                                        ben herausgefordert werden, deren Sinn sie           weitere schöne Päckchen erforschen, weiterfüh-
Kompetenzzentrum                        nicht verstehen oder die sie langweilen. In der      ren und Regelmässigkeiten begründen. Leider
Mathematisches Denken                   Folge verlieren sie sich in blossen Beschäftigun-    sind einige Kinder von solchen – an sich wertvol-
und Lernen (MaDeL)
                                        gen, die sie nach Anweisung durchführen, oder        len – Auseinandersetzungen ausgeschlossen,
Das Kompetenzzentrum MaDeL              in Kompensationshandlungen ausserhalb der            weil sie (noch) nicht verstehen, was mit einer
rückt Kinder mit auffälligem Lern­
                                        Mathematik. Das gemeinsame Lernen «läuft an          Summe passiert, wenn einer der Summanden um
verhalten und Leistungsvermögen –
am unteren und oberen Rand der          ihnen vorbei». Gelangweilt, frustriert und demoti-   1 verkleinert oder vergrössert wird, und ebenso
Normalverteilung – in den Fokus.        viert ziehen sie sich zurück, werden albern oder     wenig, dass eine Summe aus verschiedenen und
Die diagnostische Erfassung und         stören das unterrichtliche Geschehen (vgl. Inter-    verschieden vielen Summanden besteht.
die natürliche Differenzierung orien-
                                        view mit Kurt Hess, S. 3–4).
tieren sich an Phänomenen, Ursa-
chen und unterrichtlichen Bedingun-                                                          Pia sucht während des Klassengesprächs die
gen. Das Ziel besteht darin, dass       Weshalb zeigt Pia ein ungünstiges                    Toilette auf und lässt sich dort viel Zeit. Sie sagt,
die einbezogenen Kinder nach einer      Lernverhalten?                                       sie möge Mathe nicht, weil diese zu schwierig
Abklärung, Beratung und/oder
                                        Frau Braun ist Erstklasslehrerin. Sie schreibt ein   oder sie zu dumm sei. In der Zwischenzeit erfor-
Fördereinheit wieder möglichst
optimal von den Lernangeboten im        sogenanntes schönes Päckchen an die Wand­            schen andere Kinder schöne Päckchen, stellen
regulären Unterricht profitieren.       tafel:                                               sie dar und begründen. Pia setzt sich an ihr Pult
Dabei muss sorgfältig zwischen                                                               und spitzt ihren Bleistift. Die Lehrerin ermahnt
auffälligem Lernverhalten – dessen
                                        10 + 5                                               sie, nun endlich mit den Aufgaben zu beginnen.
fachlichen und sozio-emotionalen
Ursachen – und dem Leistungsver-         9+6                                                 Das Mädchen drückt seine fehlende Motivation
mögen unterschieden werden. Je           8+7                                                 und den geringen Glauben an seine Fähigkeiten
nach Fragestellung kann es sinnvoll                                                          mit Kompensationshandlungen aus: Es spielt
sein, die unterrichtlichen Bedingun-
                                        In einem schönen Päckchen stehen die Aufga-          keine Rolle, ob oder wie sie sich einsetzt, es ist
gen vor Ort auszuloten und in
deren Rahmen nach Lösungen zu           ben in einer bestimmten Abfolge bzw. in einer        ohnehin kein Erfolg in Sicht. Die Negativspirale
suchen.                                 operativen Beziehungsstruktur, hier mit gegen-       – mit dem ungünstigen Lernverhalten, den nega-
Mehr Infos: madel.phzg.ch
                                        sinnigen Veränderungen (der erste Summand            tiven Einstellungen und den fehlenden Leistungs-
                                        wird um je 1 kleiner und der zweite um je 1 grös-    fortschritten – liesse sich durchbrechen, wenn
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Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
sich Pia an Erfolgshoffnungen orientieren könnte      rativ-strukturierten Päckchen tragen dazu bei,
                                                                                                             CAS Mathematisches
und zu Leistungen anspornen liesse, die mit so-       dass Pia die Invarianz einer Menge erkennt. Bei-       Lernen in der Sackgasse
zialer Anerkennung verbunden sind.                    spiele für andere operative Strukturen:                (MaLe)
Ein sehr weit fortgeschrittenes, mathematisch         – immer 1 mehr (9 + 1, 9 + 2, 9 + 3, …, 9 + 10)        Das CAS qualifiziert u. a. Lehrperso-
hochbegabtes Kind kann vergleichbare Perfor-          – immer 10 (9 + 1, 8 + 2, 7 + 3, …, 1 + 9)             nen und Schulische Heilpädagog*in-
manzen zeigen: Passivität, Rückzug, zunehmend         – verdoppeln (1 + 1, 2 + 2, 3 + 3, …, 10 + 10)         nen hinsichtlich Diagnose und För-
ungenügende Leistungen und ein auffälliges            – immer 2 mehr (6 + 4, 7 + 5, 8 + 6, …, 11 + 9)        derung von Kindern mit erheblichen
                                                                                                             mathematischen Lernschwierigkei-
Lernverhalten. Solche sogenannte Minderleister                                                               ten. Mehr Infos: male.phzg.ch
zeigen ähnliche Symptome wie ein Kind mit feh-        Die Einsichten können sich beim Lernen mit ge-
lenden Grundvorstellungen.                            meinsamen Lerninhalten, aber unterschiedli-
                                                      chen Absichten oder Zielsetzungen einstellen.
Differenzieren mit Legen, Zeichnen,                   Kinder geraten gerne in ein Abarbeiten – insbe-
Beschreiben und Begründen                             sondere diejenigen, die schöne Päckchen ohne
Kinder wollen an Aufgaben arbeiten, die für sie       Anschauungsmittel lösen – und schreiben die
herausfordernd, aber auch lösbar sind. In hetero-     Summen mechanisch z. B. «immer 1 mehr» ein.
genen Klassen müssen diese natürlich differen-        Dies, sobald sie die Regelmässigkeit nach zwei
ziert werden, sodass jedes Kind seine eigenen         oder drei Aufgaben erkennen. Sogenannte
Herausforderungen, Wege und Lösungen finden           Strukturbrüche vermögen derartige Gepflogen-
kann. Bei Pia wäre es naheliegend,                    heiten zu durchkreuzen und ebenso das Darstel-
– die Aufgaben in den schönen Päckchen mit            len der Operationen. Letztere können Kindern
   Steinen zu legen oder zu zeichnen.                 helfen, zu begründen, warum eine Struktur an
– die Summanden auszuzählen und nach den              einer Stelle nicht mehr funktioniert (z. B. 9 + 1,
   Veränderungen zu vergleichen.                      9 + 2, 9 + 3, 3 + 9, 9 + 5, …, 9 + 10). Im Beispiel
– zu überlegen, mit welchem geringsten Auf-           beruht die Beziehung zwischen der 3. und 4.
   wand die Rechnungen gelegt werden können.          Aufgabe auf dem Tauschgesetz, es werden ledig-
– ihr Tun und die Erkenntnisse sprachlich aus-        lich die Summanden getauscht, folglich sind
   zudrücken, allenfalls handlungsbegleitend.         diese beiden Summen (ausnahmsweise) gleich.
                                                      3 + 9 müsste durch 9 + 4 ersetzt werden, damit
Vielleicht erkennt Pia, dass sie jeweils zur nächs-   die Strukturrealisierung einheitlich mit «1 mehr»
ten Rechnung gelangt, wenn sie einen Stein vom        ausfällt. Die gleichen schönen Päckchen könn-
ersten in den zweiten Summanden verschiebt,           ten sehr weit fortgeschrittene Kinder mit kom-
z. B. von 10 + 6 zu 9 + 7. Allenfalls erkennt sie     plexeren Strukturen, mit Begründungen, Darstel-
(noch) nicht, dass es bei den Verschiebungen          lungen, erweiterten Zahlenräumen oder
lediglich um eine andere Anordnung derselben          Eigenproduktionen herausfordern. Letzteres
Steine geht und sich deshalb auch die Summe           meint, dass die Kinder selber schöne Päckchen
nicht ändert. Ein mögliches Argument zur soge-        erfinden und andere diese lösen und Regelmäs-
nannten Invarianz einer Menge könnte lauten:          sigkeiten begründen.
«Kein Stein wurde hinzugefügt oder weggenom-
                                                                                                            Aufgaben müssen so gestellt
men, deshalb sind es weiterhin gleich viele.» Sol-    Anne Tester, Dozentin Fachdidaktik
                                                                                                            werden, dass alle Schüler*innen
che und andere konkrete (handelnde, bildliche         Mathematik, und Kurt Hess,                            eigene Herausforderungen
und sprachliche) Auseinandersetzungen mit ope-        Leiter Kompetenzzentrum MaDeL                         annehmen, bewältigen und Erfolge
                                                                                                            erleben können.

                                                                                                                                                 7
Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
Herausforderungen für Lernende mit grossem
mathematischem Potenzial
                                        Einige Kinder fallen im Mathematikunterricht        (vgl. Abb. 1). Ein anderes Kind erkennt in soge-
 Weiterbildungen zum
                                        auf, weil sie sehr schnell lernen, Beziehungen      nannten schönen Päckchen umgehend operati-
 Thema Begabungs- und
 Begabtenförderung                      zwischen Zahlen scheinbar spontan nutzen und        ve Muster, was es mit der ungewöhnlichen No-
                                        manchmal ganz ungewöhnliche Lösungswege             tation sichtbar macht (vgl. Abb. 2). Etwas
 CAS Integrative Begabungs- und
 Begabtenförderung, PH Luzern.          suchen. Ihren besonderen Lernbedürfnissen           grundsätzlicher gilt: Lernende mit einem gros-
 Mehr Infos: www.phlu.ch > CAS          kann und soll mit reichhaltigen Lernangeboten       sen mathematischen Potenzial sind fasziniert
 IBBF                                   und einer gezielten Lernbegleitung entsprochen      von mathematischen Strukturen und Mustern,
 CAS oder MAS Integrative Bega-         werden.                                             sie suchen und nutzen Regelmässigkeiten bzw.
 bungs- und Begabtenförderung,                                                              wenden ihr Beziehungswissen flexibel an, fallen
 PH FHNW. Mehr Infos:                   In jeder Schulklasse befinden sich nicht nur        durch originelle, unerwartete und spontane Vor-
 www.phfhnw.ch > Weiterbildung >
 CAS oder MAS IBBF
                                        Schüler*innen mit erheblichen Lernschwierig-        gehensweisen auf und langweilen sich bei Wie-
                                        keiten, sondern auch solche, die über ein gros-     derholungen und redundanten Übungen (vgl.
                                        ses oder sogar sehr grosses mathematisches          Käpnick & Benölken, 2020). Solche Schüler*in-
                                        Potenzial verfügen. Letzteres kann sich in unter-   nen brauchen mathematische Herausforderun-
                                        schiedlichen Unterrichtssituationen bemerkbar       gen im Sinne reichhaltiger Aufgaben und Lehr-
                                        machen. Grundsätzlich gilt: Begabte Schü-           personen, die ihnen Mut machen, eigene Wege
                                        ler*innen lernen sehr schnell, speichern ihr        zu gehen.
                                        Wissen «intelligent» ab, verstehen grundlegende
                                        Konzepte und stiften kreative, originelle und       Herausfordern mit reichhaltigen Aufgaben
                                        originale Beziehungen (vgl. Weinert, 2000). Die     Es wird deutlich: Besonders vielversprechend
                                        folgenden Beispiele (Abb. 1 und 2) zeigen auf,      für den Umgang mit einer Lern- und Leistungs-
                                        wie sich solche Kinder bemerkbar machen kön-        heterogenität sind reichhaltige Aufgaben, die
                                        nen.                                                allen Kindern und so auch den begabten Ler-
                                        Ein Erstklässler löst Additionen und Subtraktio-    nenden ihre Herausforderungen bieten. Ein Bei-
                                        nen bis 20 richtig, ebenso wie auch andere Kin-     spiel ist die Aufgabe «Immer 1089» (Wittmann &
                                        der in der Klasse. Erst bei einer reichhaltigen     Müller, 1994, S. 40):
                                        Aufgabe wie «Erfinde eigene Zahlenmauern»           – Bilde aus drei unterschiedlichen Ziffern eine
                                        kann er seine überaus fortgeschrittenen opera-         Zahl wie z. B. 674. Spiegle nun diese dreistel-
                                        tiven Kompetenzen im Tausenderraum zeigen              lige Zahl an der mittleren Ziffer (476). Sub­
                                                                                               trahiere die kleinere von der grösseren Zahl
                                                                                               674 – 476 = 198. Spiegle nun auch diese
                                                                                               Lösungszahl (891). Addiere nun diese beiden
                                                                                               Zahlen 198 + 891 = 1089. Wiederhole dies
                                                                                               mit verschiedenen dreistelligen Zahlen. Was
                                                                                               fällt dir auf?

                                                                                            Die Lernenden üben mit der Aufgabe «Immer
                                                                                            1089» z. B. die schriftliche Addition und Sub-
                                                                                            traktion. Sie erforschen auch Regelmässigkei-
                                                                                            ten und versuchen, zu begründen und darzu-
Abb. 1: Knabe, 1. Klasse. Quelle: Katarina Farkas, PH Zug.                                  stellen, warum diese entstehen.
                                                                                            Die Aufgabe wird im Unterricht idealerweise in
                                                                                            vier Phasen bearbeitet:
                                                                                            – Lehrperson initiiert die Aufgabe im Klassen-
                                                                                               verband.
                                                                                            – Schüler*innen lösen mehrere Beispiele, die
                                                                                               Lehrperson beobachtet und unterstützt.
                                                                                            – Austausch und Diskussion in Kleingruppen,
                                                                                               eventuell weiteres Forschen in dieser Grup-
                                                                                               pe.
                                                                                            – Ergebnissicherung mit der ganzen Klasse
                                                                                               (sammeln, ordnen, vergleichen, diskutieren
                                                                                               der Entdeckungen und Erkenntnisse). Die
                                                                                               Lernspuren aller Kinder werden gesammelt
Abb. 2: Kind, 1. Klasse. Quelle: Marianne Ettlin, Lehrerin, Hünenberg.                         (vgl. Abb. 3).
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Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
Literatur
                                                                                                                                                                    Käpnick, F. (2010). Mathematik plus.
                 Unter sc
                                                                                                                                                                    Mathe für kleine Asse. 3./4. Klasse
                          hied 2                                                                                                                       910
        312      darum 2x                 613                  824                 823
                                                                                                                                      921                           (Band 1). Berlin: Cornelsen.
                           99                                                                                                                        –019
       –213                              –316                 –428                –328                                               –129
        099          412                  297                   396                                                                   792            891            Käpnick, F. & Benölken, R. (2020).
                                                                                   495
                    –214
                     198                                                                                                                                            Mathematiklernen in der Grundschu-
                                                                                       Uns fällt auf:
        453                                956                                            · Bei der Subtraktion gibt es die folgenden Resultate                     le. Berlin: Springer Spektrum.
           312
                  Untersc
                          hied 2
                                        –659
                                      613
                                                               915                                                 921           910
       –354       darum 2x
                       583                             824                                  (Differenzen):
          –213
                           99
                                     –31629           –428
                                                              –519 823                                            –129         –019
        099099       –385                  7                       –328                     99, 198, 297, 396, 792  497, 594, 693,
                                                                                                                               891 792, 891                         Leuders, T. & Prediger, S. (2016).
                      412             297               396    396 495
                     –214
                      198                                                                 · Es gibt 9 verschiedene Resultate (Differenzen).
                                                                                                                                                                    Flexibel differenzieren und fokussiert
                       198
                                       95662
                                            3                           Uns fällt auf:    · Es sind alles Vielfache der Zahl 99.
        72453
           6                                           915               · Bei der Subtraktion gibt es die folgenden Resultate                                      fördern im Mathematikunterricht.
       –62–354                       –659–326                                             · In den Differenzen verändern sich die Ziffern nach
           7          583
                      634                             –519                 (Differenzen):
        099099       –385
                                      297 297
                                                       396
                                                                                            einem
                                                                           99, 198, 297, 396,       Muster:
                                                                                              497, 594,         Hunderter
                                                                                                        693, 792,  891       werden um 1 grösser, Einer             Berlin: Cornelsen.
                     –43
                      1986                                                                  werden
                                                                         · Es gibt 9 verschiedene     1 kleiner.
                                                                                                  Resultate  (Differenzen).
           726         198            623                             · Es sind alles Vielfache der Zahl 99.
                                                                                                                                                                    Weinert, F. E. (2000). Lernen als
                                     –326                             · In den Differenzen verändern sich die Ziffern nach
          –627         634           Wenn7 sich die Ziffern der Hunderter  undMuster:
                                                                        einem   Einer Hunderter
                                                                                         um 1 werden     312 um 1 grösser, Einer
           099                         29                                                                                                                           Brücke zwischen hoher Begabung
                      –436
                                      unterscheiden, dann bekomme ichwerden      1 kleiner.           –213                        eiter:
                       745                                               die Lösung     099.                                chen w
                       198                                                                                          Wir fors dies so?                               und exzellenter Leistung. Vortrag
                      –547
                                      Wenn sie sich um 2 unterschieden, dann…                            099              m  ist
                                   Wenn sich die Ziffern der Hunderter und Einer um 1312                            Waru                                            anlässlich der zweiten internationa-
                        195 8
                       74          unterscheiden, dann bekomme ich die Lösung 099. –213             chen w
                                                                                                           eiter:
                                                                                            Wir fors dies so?
                      –547
                                   Wenn sie sich um 2 unterschieden, dann…           099
                                                                                             Warum
                                                                                                     ist                                                            len Salzburger Konferenz zu Bega-
                       198                                          198 Bei den Additionen werden immer zwei der Lösungen der                                       bungsfragen und Begabungsförde-
                                                                     891 Subtraktionen
                                                           198 Bei+den Additionen
                                                                                                   zusammengezählt.
                                                                      0 8 9     Dannwerden
                                                                                        stecktimmer zwei der Lösungen der
                                                                                                in der   Summe (1089) immer 11 mal 99.                              rung, gehalten am 3. Oktober 2000
                                                          + 891     1
                                                                  Subtraktionen  zusammengezählt.
                                                           1089
                                                                  Dann steckt in der Summe (1089) immer 11 mal 99.                                                  in Salzburg.

                                                                                                                                                                    Wittmann, E. Ch. & Müller, G. M.
Abb. 3: Gesammelte Lernspuren der Kinder zur Aufgabe «Immer 1089».                                                                                                  (1994). Handbuch produktiver Re-
                                                                                                                                                                    chenübungen. Vom halbschriftlichen
                                                                                                                                                                    zum schriftlichen Rechnen. Band 2.
                                                  423 – 324 = 99
                                                         423 – 324 = 99                                                                                             Stuttgart, Düsseldorf, Berlin, Leip-
                                                                                                                                                                    zig: Klett-Schulbuchverlag.
                          H                                     Z                                   E
                          H                                                Z                                            E

                                                                                                   +1
                                                                                                                                                                    Lehrmittel mit reichhaltigen
                             – 100
                                                                                                                                                 Abb. 4: Die        Aufgaben
                                                     – 100 + 1 = – 99                                                                            Differenzen sind
                                                                                                                                                                    Hengartner, E., Hirt, U. & Wälti, B.
                              – 100                                                                                     +1                       99er-Zahlen.
                                                                                                                                                                    (2010). Lernumgebungen für Re-
                                                                                                                                                                    chenschwache bis Hochbegabte.
                                                              – 100 + 1 = – 99                                                                                      Natürliche Differenzierung im Mathe-
Schüler*innen begleiten                                                                 und Legeplättchen kann weiterführend aufge-                                 matikunterricht. Zug: Klett und
                                                                                                                                                                    Balmer. (Zyklus 1 und 2)
Während die Lernenden die Aufgabe bearbei-                                              zeigt werden, wie der Unterschied «99» (oder ein
ten, begleitet die Lehrperson mit gezielten Im-                                         Vielfaches davon) entsteht (vgl. Abb. 4). Von der                           Hirt, U. & Wälti, B. (2008). Lern-
pulsen:                                                                                 Zahl 423 zur Zahl 324 wird ein Plättchen von der                            umgebungen im Mathematikunter-
                                                                                                                                                                    richt. Natürliche Differenzierung für
– Rechne mehrere Aufgaben. Notiere sie auf                                              Hunderterstelle in die Einerstelle verschoben.                              Rechenschwache bis Hochbegabte.
  A5-Karten. Ordne diese nach den Zwischen-                                             Das bedeutet: –100 + 1 = –99.                                               Seelze-Velber: Kallmeyer. (Zyklus
  resultaten (Differenzen). Was entdeckst du?                                           Die Förderung (hoch)begabter Kinder sollte in                               1 und 2)
  Zeige, färbe, erkläre!                                                                der Regel gemeinsam mit anderen Kindern der                                 Waasmaier, S. (2013). Mathematik
– Welche Zwischenresultate (Differenzen) sind                                           Lerngruppe erfolgen. Denn auch sie brauchen                                 in eigenen Worten. Lernumgebungen
  möglich? Warum weisst du, ob du alle gefunden                                         den fachlichen Austausch im regulären Sozial-                               für die Sekundarstufe I. Mit Schüler-
                                                                                                                                                                    beispielen und Kopiervorlagen. Baar:
  hast? Begründe!                                                                       verband und üben dabei, ihre Gedanken und                                   Klett und Balmer.
– Welche Ausgangszahlen ergeben die gleichen                                            Ideen für andere nachvollziehbar zu formulieren
                                                                                                                                                                    Wälti, B., Schütte, M. & Friesen, R.
  Zwischenresultate (Differenzen)? Beachte                                              und darzustellen. «Heterogenität wird zur Chan-
                                                                                                                                                                    A. (2020). Mathematik kooperativ
  besonders die Einer- und Hunderterziffer.                                             ce, wenn beim Lernen am gemeinsamen Gegen-                                  spielen, üben, begreifen: Lernumge-
– Die Zahl 99 spielt eine besondere Rolle. Verglei-                                     stand und dem Austausch darüber unterschied-                                bungen für heterogene Gruppen.
  che und überlege! Achte insbesondere auf die                                          liche Anspruchsniveaus und Bearbeitungswege                                 Band 1: 3.–5. Schuljahr, Band 2:
                                                                                                                                                                    5.–7. Schuljahr. Hannover: Kall-
  Zwischenresultate (Differenzen).                                                      verglichen werden» (Leuders & Prediger, 2016).
                                                                                                                                                                    meyer.
– Kannst du erklären, warum es immer 1089 gibt?                                         In diesem Sinne sollte der Erhalt und die Freude
                                                                                                                                                                    Wittmann, E. Ch., Müller, G. M.
  Hinweis: Untersuche jeweils die beiden Sum-                                           am Umgang mit Zahlen, Formen und Strukturen
                                                                                                                                                                    (2017). Handbuch produktiver Re-
  manden der letzten Addition und vergleiche die-                                       sowie die Stärkung der Persönlichkeitsentwick-                              chenübungen. Band 1. Stuttgart:
  se mit den Differenzen.                                                               lung aller Kinder im unterrichtlichen Zentrum                               Klett/Kallmeyer. (Zyklus 1, z.T.
                                                                                        stehen (vgl. Käpnick, 2010). Denn es müsste                                 auch Zyklus 2)
Solche Impulse ermöglichen eine vertiefte Aus-                                          eigentlich eine unterrichtliche Pflicht sein, allen                         Wittmann, E. Ch., Müller, G. M.
einandersetzung mit der Aufgabenstellung und                                            Lernenden eine solche Ausrichtung zu bieten.                                (2018). Handbuch produktiver Re-
fordern alle Lernenden «passend» heraus, wobei                                                                                                                      chenübungen. Band 2. Stuttgart:
                                                                                                                                                                    Klett/Kallmeyer. (Zyklus 2, z.T.
die kursiv gesetzten Impulse «erweiterten Anfor-                                        Priska Fischer Portmann, Fachschafts­                                       auch Zyklus 1)
derungen» entsprechen. Mithilfe der Stellentafel                                        leiterin Fachdidaktik Mathematik
                                                                                                                                                                                                             9
Infonium PH Zug 2/2021 Mathematisches Denken und Lernen
Mathematik fordert heraus und kann begeistern

                Selma Surbeck arbeitet als Lehrerin auf der         Begriffe sind zentral, um über das mathemati-
                1/2. Primarstufe in Steinhausen und Linda van       sche Denken zu sprechen. Das Mathematisie-
                Holten als Heilpädagogin in Unterägeri. Im          ren erfordert für diese Kinder besonders enge
                «Infonium»-Interview äussern sie sich dazu, wie     Begleitung. Da bereits vor dem Schuleintritt das
                sie das mathematische Denken und Lernen             Fundament für das mathematische Denken und
                ihrer Schüler*innen fördern.                        Lernen gelegt wird, würde ich es sehr begrüs-
                                                                    sen, wenn der Austausch zwischen Kindergar-
                Selma Surbeck, was macht für Sie guten Mathe-       ten- und Unterstufenlehrpersonen noch intensi-
                matikunterricht aus?                                ver wäre.
                Selma Surbeck: Für mich ist guter Unterricht,       Auch die überfachlichen Kompetenzen spielen
                wenn alle Kinder möglichst viele Lernfortschrit-    in der Mathematik eine wichtige Rolle. Bei-
Selma Surbeck   te erzielen. Der Unterricht ist strukturiert, die   spielsweise stossen die Kinder bei Knobelauf-
                Lernatmosphäre konstruktiv und der Umgang           gaben an ihre Grenzen. Sie müssen es «aushal-
                miteinander wertschätzend. Ich als Lehrerin bin     ten» können, dass sie etwas nicht im ersten
                Vorbild und selber Lernende: Ich zeige Freude       Versuch schaffen, es immer wieder versuchen
                am Problemlösen und gebe nicht schnell auf,         müssen, bis sie eine Lösung finden.
                mache Fehler, beziehe die Strategien der Schü-
                ler*innen ein und mache deutlich, dass es viele     Linda van Holten, Sie unterstützen als Heilpäda-
                Lösungswege gibt. Im Mathematikunterricht           gogin Schüler*innen der 3. bis 6. Primarklasse.
                finde ich darum gute Aufgaben besonders zen­        Bei welchen Mathematikaufgaben stehen die
                tral. Diese sollen so offen sein, dass jedes Kind   Kinder an?
                angemessen gefordert und gleichzeitig ein Ler-      Linda van Holten: Oftmals sind die Grundlagen
                nen voneinander möglich wird.                       wie das Einmaleins oder flexibles Kopfrechnen
                                                                    zu wenig gefestigt. Die Schüler*innen brauchen
                Und wie schaffen Sie es, Ihren Unterricht so zu     zu viel Zeit und Energie, um sich auf die nötigen
                gestalten, dass er allen Schüler*innen gerecht      weiterführenden Gedankenschritte einer Aufga-
                wird?                                               be konzentrieren zu können. Ich versuche dann,
                Selma Surbeck: Solche Aufgaben zu finden, ist       kleinschrittig zu arbeiten. Je nach Kind hilft es,
                für uns Lehrpersonen eine Herausforderung.          die Aufgabe zu visualisieren, eine Zeichnung zu
                Für eine möglichst gute Passung bin ich auf die     machen oder etwas zu legen. Wichtig ist mir
                Zusammenarbeit mit der Heilpädagogin ange-          auch, dass die Kinder erklären können, was sie
                wiesen. Das Spannende am Unterrichten ist,          sich bei ihrem Lösungsweg überlegt haben. Die-
                dass derselbe Input bei den Schüler*innen eine      sen zu erklären, bedarf der Sprache. Dies ist
                andere Wirkung erzeugt. Dies bedeutet für mich      aber ein weiterer Stolperstein. Am meisten
                als Lehrerin, mich immer wieder auf neue Situa-     Schwierigkeiten entstehen erfahrungsgemäss
                tionen einzustellen und Neues auszuprobieren.       bei Textaufgaben. Solche kann man nur lösen,
                Zentral finde ich zudem, dass wir überprüfen,       wenn man den Text versteht. Und Probleme
                ob die Schüler*innen auch wirklich verstehen,       können auch auftauchen, wenn im Unterricht zu
                wie ihr Resultat zustande gekommen ist. Es gibt     schnell verschiedene Themen behandelt wer-
                Kinder, die das Einmaleins auswendig aufsagen       den. So kann es passieren, dass einige Schü-
                können, ohne das Prinzip der Multiplikation be-     ler*innen Inhalte miteinander vermischen, was
                griffen zu haben. Durch handelndes, entdecken-      zu einem «Gedankenchaos» führt.
                des Lernen sollen die Kinder Zusammenhänge
                erkennen und selbst Strategien erarbeiten, wie      Mathematik gilt als «schwieriges» Fach. Weshalb
                Mathematikaufgaben gelöst werden können.            eigentlich?
                Begreifen und Üben müssen dazu in ein passen-       Linda van Holten: Erstens glaube ich, dass dies
                des Gleichgewicht gebracht werden.                  gesellschaftlich bedingt ist und die Kinder z. T.
                                                                    schon zu Hause vermittelt bekommen, dass
                Sie unterrichten auf der 1./2. Primarstufe. Auf     Mathematik anspruchsvoll sei. Dies kann dazu
                welche Herausforderungen treffen Sie in Ihrem       führen, dass Schüler*innen nicht gleichermas-
                Unterricht?                                         sen mutig und unbeschwert auf Aufgaben zuge-
                Selma Surbeck: Wenn den Kindern zentrale            hen wie in anderen Fächern. Ein weiterer Grund
                Begriffe wie «mehr, weniger, dazu, weg» unbe-       kann sein, dass ein Resultat entweder richtig
                kannt sind oder deren Bedeutung unklar ist,         oder falsch ist und somit eine Bewertung sofort
                stellt dies eine grosse Herausforderung dar.        möglich ist. Dadurch können sich die Schü-
10
ler*innen untereinander relativ einfach verglei-   fen können. Für die Kooperation mit anderen
chen. Wenn die Kinder sehen, dass andere           Lehrpersonen bedeutet dies, dass wir nicht ein-
schneller und besser sind, kann das dazu füh-      fach so Lernmaterialien weitergeben können,
ren, dass sie resignieren und kein Selbstver-      sondern wir uns auch über die dahinterstecken-
trauen mehr haben.                                 den Überlegungen austauschen müssen.

Und wie kann das Selbstwertgefühl solcher          Linda van Holten, wie läuft die Zusammenarbeit
Schüler*innen wieder gestärkt werden?              bei Ihnen in Unterägeri?
Linda van Holten: Wichtig ist, dass alle Kinder    Linda van Holten: Wir tauschen uns ebenfalls
Erfolgserlebnisse haben und dass sie nicht per-    wöchentlich aus, besprechen die kommenden
manent überfordert sind. Es muss Druck her-        Themen und allfällige Stolpersteine und formu-
ausgenommen werden und Vergleiche mit leis-        lieren die zentralen Denkschritte zusammen         Linda van Holten
tungsstarken Schüler*innen müssen vermieden        aus. Dies hilft uns, besser und effizienter auf
werden. Ich versuche jeweils zu vermitteln,        Schwierigkeiten der Schüler*innen zu reagie-
dass Mathematik auch lustig sein kann. Mir ist     ren. Wichtig finde ich auch, dass wir als «Grup-
es wichtig, dass die Kinder wissen, dass sie       pe um das Kind» dieselben Begriffe verwenden
Fehler machen dürfen und es für mich kein Pro-     und ein möglichst weitgehend gemeinsames
blem ist, eine Aufgabe auch fünfmal zu erklä-      Verständnis von Mathematiklehren und -lernen
ren. Eine grosse Rolle spielt auch das Zwischen-   entwickeln. Ein professionell gestalteter, päda-
menschliche: Wenn die Schüler*innen sich           gogischer Austausch ist zwingende Vorausset-
geborgen und verstanden fühlen, lernen sie         zung dafür und eine langjährige Zusammen-
besser.                                            arbeit kann deshalb von Vorteil sein.

Selma Surbeck, Sie arbeiten in Steinhausen mit     Sie haben sich für das CAS Mathematisches Ler-
einer Schulischen Heilpädagogin zusammen.          nen in der Sackgasse (MaLe) der PH Zug ange-
Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt?            meldet. Was ist Ihre Motivation, dieses CAS zu
Selma Surbeck: Unser Unterrichtsteam, be-          absolvieren?
stehend aus zwei Lehrpersonen und einer Heil-      Linda van Holten: Ich möchte mir ein grösseres
pädagogin, arbeitet sehr eng zusammen. Wir         methodisches Repertoire aneignen, damit ich
machen jeweils von Ferien zu Ferien gemein-        möglichst viele unterschiedliche Möglichkeiten
sam die Grobplanung. In unseren wöchentli-         kenne, wie ich die Schüler*innen bei auftau-
chen Sitzungen tauschen die SHP und ich unse-      chenden Lernschwierigkeiten unterstützen
re Beobachtungen aus, setzen Schwerpunkte          kann. Ebenfalls erhoffe ich mir einen fruchtba-
und machen die Feinplanung. Wir sind bestrebt,     ren Austausch mit Kindergarten- und Primar-
bei unseren Überlegungen alle Kinder zu be-        lehrpersonen und anderen Schulischen Heilpä-
rücksichtigen, und planen sowohl Settings für      dagog*innen. Ich finde es wichtig zu wissen,
Kinder mit Defiziten als auch für jene mit hohen   was in den anderen Stufen läuft, damit ich den
Fähigkeiten in der Mathematik. Je länger ich als   Bogen über das grosse Ganze spannen kann.
Lehrerin arbeite, desto wichtiger finde ich eine
theoriegeleitete Auseinandersetzung, damit wir     Die Fragen stellte Luc Ulmer, Leiter
fachdidaktisch begründete Entscheidungen tref-     Kommunikation & Marketing.

                                                                                                                         11
Zahlbeziehungen nutzen – flexibel rechnen

                                      Miriam Frick hat für ihre Bachelorarbeit Kindern     deten für alle Aufgaben dieselbe Strategie, an-
                                      über die Schulter geschaut und versucht, ihre        dere gingen auf Aufgabenmerkmale ein und
                                      Rechenwege nachzuvollziehen.                         setzten je nach Aufgabe unterschiedliche Re-
                                                                                           chenwege ein.
                                      «Kinder rechnen anders. […] anders, als wir es
                                      selbst rechnen, als wir es vermuten, als andere      Interessanterweise kamen Lernende mit guten
                                      Kinder und als eben noch bei ‹derselben› Auf-        bis sehr guten Mathematiknoten zwar auf eine
                                      gabe» (Selter & Spiegel, 1997, S. 10). Wer ver-      geringere Fehlerquote als Lernende mit genü-
                                      sucht, die «flexiblen» Rechenwege von Kindern        genden Noten, doch rechneten sie nicht unbe-
                                      nachzuvollziehen, erhält Einblicke in eine span-     dingt flexibler. Im Unterricht sollten daher Re-
                                      nende Gedankenwelt. Doch was wird unter fle-         chenstrategien und das Erkennen von Zahl- und
                                      xiblem Rechnen überhaupt verstanden? Flexible        Aufgabenmerkmalen auch mit den stärkeren
                                      Rechner*innen verwenden nicht blind ihre ge-         Lernenden geübt werden. Nicht überraschend
                                      wohnte Strategie, sondern passen ihren Re-           hingegen ist, dass bei Lernenden mit ungenü-
                                      chenweg den Zahl- und Aufgabenmerkmalen              genden Mathematiknoten kaum flexible Re-
                                      an. Der Rechenweg von Nino kann beispielswei-        chenwege erkannt werden konnten. Vielmehr
                                      se als flexibel bezeichnet werden, weil klar wird,   wurde hier z. T. eine fehlende Grundvorstellung
                                      dass er ein spezifisches Aufgabenmerkmal er-         der Subtraktion festgestellt. Bei Milena wird
                                      kannt hat (Nähe zum Hunderter) und dies ge-          dies durch die mehrmalige Verdrehung von Sub-
                                      schickt ausnutzt (Abb. 1).                           trahenden und Minuenden sichtbar (Abb. 2).
                                      Aus dem breit gefassten Gebiet «flexibles Rech-
                                      nen» kristallisierten sich für die Bachelorarbeit
                                      «Zahlbeziehungen nutzen – flexibel rechnen. Eine
                                      empirische Arbeit zur Strategienutzung beim
                                      halbschriftlichen Subtrahieren» folgende Frage-
                                      stellungen heraus: Welche Strategien nutzen
                                      Schüler*innen der 6. Klasse bei Subtraktionsauf-
                                      gaben im 1000er-Raum? Wie unterscheidet sich
Abb. 1: Den                           die Strategiewahl von schwächeren und stärke-
Rechenweg den
                                      ren Schüler*innen? Konsequenzen für den Un-          Abb. 2: Verdrehung von Subtrahenden und Minuenden.
Zahl- und Auf-
gabenmerkma-                          terricht: Wie können Lernende darin unterstützt
len anpassen.                         werden, flexibel zu rechnen?                         Die Voraussetzung für flexibles Rechnen ist ein
                                                                                           gesichertes Zahl- und Operationsverständnis.
                                                                                           Schüler*innen sollen genug Raum haben,
                                                                                           selbstständig Rechenwege auszuprobieren, die-
                                                                                           se mit anderen Lernenden zu vergleichen und
                                                                                           zu diskutieren und andere Rechenwege nachzu-
                                                                                           vollziehen. Eine gesunde Fehlerkultur und ein
                                                                                           echtes Interesse der Lehrperson nicht nur für
                                                                                           das Resultat, sondern vor allem auch für den
                                      Viele Wege führen zum richtigen Resultat             Rechenweg und die Überlegungen der Kinder
                                      Ein Test und einzelne Interviews in einer            sind hilfreich. Alles mit dem Ziel, die Lernenden
                                      6. Klasse gaben Aufschluss zu den genannten          auf ihrem Weg zu flexiblen Rechner*innen zu
                                      Fragestellungen. Die Auswertung ergab folgen-        begleiten.
                                      de Ergebnisse:
                                      Zur selben Subtraktionsaufgabe wurden von            Miriam Frick
                                      den Lernenden jeweils verschiedene Rechen-
                                      wege gewählt. Vielfach konnten «geschickte»          Die Autorin hat ihr Studium an der PH Zug im
 Literatur
                                      Rechenwege erkannt werden (Hilfsaufgabe, Ver-        Sommer 2021 erfolgreich abgeschlossen. Ihre
 Selter, C. & Spiegel, H. (1997).     einfachen, Ergänzen).                                Bachelorarbeit wurde von Priska Fischer Port-
 Wie Kinder rechnen. Leipzig: Klett
 Verlag.
                                      Die Schüler*innen haben auch unterschiedlich         mann, Fachschaftsleiterin Fachdidaktik Mathe-
                                      flexibel gerechnet. Gewisse Lernende verwen-         matik, betreut.

12
Formative Feedbacks zum mathematischen Argumentieren
aus fachdidaktischer Sicht
Im Rahmen der SNF-Studie FEMAR wurden                    nen sind 15-mal mehr als 2 Personen, also
Übungslektionen zum mathematischen Argumen-              brauchen sie auch 15-mal mehr, nämlich
tieren in 5. und 6. Klassen videografiert. Die Ana-      2 kg 625 g.
lyse soll aufzeigen, wie Lehrpersonen die Schü-          Strategie 2: Nein, das stimmt nicht! Für
ler*innen im Lernprozess zum mathematischen              4 Personen braucht es 350 g Nüsse, also
Argumentieren unterstützen.                              braucht es für 40 Personen 3 kg 500 g. Dies
                                                         ist weniger als 10 kg. Für 30 Personen
Beispiel: Kuchenaufgabe                                  braucht es noch weniger.
Gemäss einem Kuchenrezept für 4 Personen                 Andere, hier nicht angeführte Lösungsstrate-
braucht es 350 g gemahlene Nüsse. Für 30 Per-            gien würden zu weiteren Argumenten führen.
sonen bräuchte man 10 kg Nüsse, um die Ku-             – Bereich 4: Bilder, Beispiele, Tabellen und an-
chen zu backen. Stimmt das? Begründe.                    dere Anschauungsmittel: Zur Darstellung der
                                                         Proportionalität wurde in den Beispielen eine
Der mathematische Argumentationsprozess                  Tabelle gewählt.
fordert die Schüler*innen in allen Handlungs-
aspekten des Fachbereichslehrplans Mathema-            Das Argumentieren stellt für die Schüler*innen
tik heraus (vgl. Lehrplan 21): Die Sachsituation       eine grosse Herausforderung dar. Insbesondere
«Kuchen backen» soll in ein mathematisches             die anspruchsvolle Spracharbeit ist einfacher
Modell (z. B. in die Proportionalität) überführt       zu leisten, wenn sie sich z. B. auf eine Tabelle
bzw. mit mathematischen Begriffen und Symbo-           beziehen können. Bilder, Beispiele oder Tabel-
len beschrieben, sinnvoll dargestellt, erforscht       len erleichtern auch der Lehrperson die Unter-
und berechnet werden. Das mathematische Tun            stützung des Argumentationsprozesses.
führt zu Erkenntnissen, welche die Schüler*in-
nen zum Argumentieren nutzen. Letztere lassen          Warum-Frage steht im Zentrum
sich kombinieren mit verschiedenen Darstel-            Die Videoanalyse wird Aufschluss darüber ge-
lungsmitteln wie Tabellen, Pfeilen, Farben und         ben, in welchem der vier Bereiche des Argu-
Kurzkommentaren.                                       mentationsprozesses die Schüler*innen von
                                                       den Lehrpersonen unterstützt werden, wie die
Die Analyse der formativen Feedbacks der Lehr-         Feedbacks formuliert sind und ob diese Auswir-
person zu den Argumentationsprozessen be-              kungen auf die Leistung der Lernenden haben.
zieht sich auf vier Teilbereiche:                      Das Ziel der Analysen
– Bereich 1: Aufgaben- und Fragestellung ver-          besteht darin, die Unter-
   stehen und in Operationen zur Sachsituation         scheidung zwischen
   übersetzen. Das bedeutet in der Kuchenauf-          Feedbacks aufzuzeigen,
   gabe: Proportionalität zwischen der Anzahl          die sich auf das Finden
   Personen und den gemahlenen Nüssen her-             der Operation (Be-
   stellen.                                            reich 1) und das Operie-
– Bereich 2: Operieren und Benennen                    ren (Bereich 2) bezie-
   Strategie 1:                                        hen, und solchen, die in
   Nüsse         175 g       350 g        2625 g       Verbindung mit dem ei-
                                                       gentlichen Argumentie-
   Personen      2           4            30
                                                       ren (Bereich 3) stehen.
   Operation     350 g : 2                175 g × 15
                                                       Der Bereich 1 kann als
  Strategie 2:                                         wichtige Voraussetzung
                 350 g                                 oder Vorleistung gesehen werden und der Be-
   Nüsse                     3500 g                                                                       FEMAR
                                                       reich 4 als hilfreiches Instrument. Es wird ver-
   Personen      4           40                                                                           Das Projekt FEMAR – Formatives
                                                       mutet, dass viel Feedback zum ersten und zwei-
   Operation                 350 g × 10                                                                   Feedback zum mathematischen
                                                       ten Bereich gegeben wird. Künftig soll im          Argumentieren – ist ein Koopera-
  Es wären noch andere Lösungsstrategien               Unterricht zum mathematischen Argumentieren        tionsprojekt der PH Zug und der
  möglich.                                             die Warum-Frage bzw. das Denken und Verste-        PH St. Gallen. Die vom Schweizeri-
                                                                                                          schen Nationalfonds (SNF) unter-
                                                       hen der Schüler*innen (Bereich 3) im Zentrum
                                                                                                          stützte Studie hat eine Laufzeit
– Bereich 3: mathematisches Argumentieren              stehen.                                            von August 2018 bis April 2022.
  Strategie 1: Nein, das stimmt nicht! Für
                                                                                                          Mehr Infos: madel.phzg.ch >
  4 Personen braucht es 350 g Nüsse, also              Heidi Dober, Wissenschaftliche                     Professur Madel > FEMAR
  braucht es für 2 Personen 175 g. 30 Perso-           Mitarbeiterin Projekt FEMAR
                                                                                                                                          13
Das Einmaleins intelligent lehren und lernen

                                          Barbara Hohl-Krähenbühl ist Dozentin Fachdidak-      einfach mit Verdoppeln von 2 × 7 hergeleitet
 Dissertationsstudie                      tik Mathematik an der PH Zug sowie Doktorandin       werden kann, ja, dass eigentlich alle 4mal-Auf-
 zum Einmaleins
                                          an der ETH Zürich. In ihrer Dissertation unter-      gaben mit der entsprechenden 2mal-Aufgabe
 Barbara Hohl-Krähenbühl geht in          sucht sie, wie das Einmaleins auf der Primarstufe    verwandt sind. Somit müssen Kinder nicht jede
 ihrer Dissertation am Lehrstuhl für
 Lehr- und Lernforschung von Prof.
                                          unterrichtet werden soll.                            Einmaleinsaufgabe einzeln in ihrem Kopf ab-
 Dr. Elsbeth Stern an der ETH Zürich                                                           speichern oder mühsam durch wiederholtes
 der Frage nach, wie der Aufbau von       Das Einmaleins zählt weltweit zum zentralen          Addieren (6 + 6 + 6 + 6 für 4 × 6) berechnen,
 intelligentem Wissen im Einmaleins       Bestandteil des Mathematikunterrichts an Pri-        sondern können diese schnell mit Hilfe der er-
 unterstützt werden kann. Das Dis-
 sertationsprojekt wird vom Rekto-
                                          marschulen. Dennoch weiss man aus empiri-            kannten Verwandtschaften herleiten.
 ratsfonds der PH Zug und der Aebli-      scher Sicht noch sehr wenig darüber, wie das         Drittens ist intelligentes Wissen in Teilen proze-
 Näf-Stiftung unterstützt.                Einmaleins genau gelehrt und gelernt werden          duralisiert resp. automatisiert (vgl. ebd.). Bezo-
 Das Projekt wurde in der Vorstudie       sollte. Klar ist heute, dass der Aufbau von intel-   gen auf das Einmaleins heisst das, dass zentra-
 mit 11 Schulklassen und in der           ligentem respektive tragfähigem Wissen im Fo-        le Aufgaben (z. B. 5mal-Aufgaben) und
 Hauptstudie mit 15 Schulklassen          kus stehen muss (vgl. Stern, 2011; Stern &           Lösungswege (12mal mit der jeweiligen 10mal-
 durchgeführt. Lehrer*innen von
                                          Schumacher, 2004). Doch wie kann der Aufbau          Aufgabe herleiten) irgendwann ohne grosse An-
 folgenden Primarschulen haben das
 Projekt mit ihrer Teilnahme unter-       von intelligentem Wissen im Einmaleins genau         strengung abgerufen werden können.
 stützt: Affoltern a. A., Auw, Berikon,   unterstützt werden?                                  Und viertens ist intelligentes Wissen vernetzt
 Bünzen, Jonen, Lenzburg, Meren-                                                               und umfasst zentrale Begriffe und Konzepte
 schwand, Muri/Kloster, Muri/Röss-
                                          Wann ist Wissen im Einmaleins intelligent?           (vgl. ebd.). Kinder sollten also Beziehungen zwi-
 limatt, Niederwil, Oberentfelden,
 Sarmenstorf, Seon, Sins, Steinhau-       Grundsätzlich ist Wissen intelligent, wenn Ler-      schen den Malaufgaben herstellen können, wie
 sen, Tägerig, Wohlen/Junkholz und        nende es erstens zur Bewältigung von Aufgaben        beispielsweise in der Lernumgebung «Netze
 Wohlen/Halde.                            heranziehen können, zu deren Lösung sie bisher       knüpfen» von Keller & Noelle (2006) angeregt
 Herzlichen Dank!
                                          kein Rezept von aussen erhalten haben. Wenn          (vgl. Abb. 1).
                                          ein Kind 9 × 7 schnell abrufen kann, es sich je-     Zentrale Konzepte des Einmaleins, in welche die
                                          doch überhaupt nicht vorstellen kann, dass           Kinder Einsicht erhalten sollten, umfassen das
                                          10 × 7 eine benachbarte Aufgabe ist, dann hat        Kommutativgesetz, das Distributivgesetz oder
                                          es wohl eher träges und unflexibles Wissen er-       das Assoziativgesetz. Es ist jedoch keinesfalls
                                          worben. Ziel im Unterricht zum Einmaleins darf       gemeint, dass Primarschulkinder unverstande-
                                          darum nicht das Lernen von reinen Assoziatio-        ne Formeln pauken sollen wie z. B. 9 × 8 + 1 × 8
                                          nen sein (9 × 7 = 63, 8 × 7 = 56 etc.), viel eher    = (9+1) × 8 oder Begriffe wie «Distributivgesetz»
                                          müssen die Kinder und Jugendlichen bei ihrer         nutzen müssen. Vielmehr wird ein verstehens­
                                          eigenen (Re-)Konstruktion von intelligentem          orientiertes und kindgemässes Lernen fokus-
                                          Wissen unterstützt werden (vgl. Stern, 2021. S.      siert, das den nachhaltigen Wissensaufbau un-
Abb. 1: Inner-
halb der Lern-                            24 ff.).                                             terstützt.
umgebung «Net-                            Ein solches Wissen ist so organisiert, dass zwei-
ze knüpfen»                               tens damit Informationen gezielt gebündelt wer-      Verstehendes Lernen des Distributivgesetzes
erkennen Kinder
                                          den können (Chunking). Dies hilft den Kindern,       bereits mit Zweitklässlern?
verschiedene
Beziehungen                               schneller zu denken (vgl. ebd.). Im Einmaleins       Ein bisschen salopp gesagt, haben Kinder der
im Einmaleins.                            sollten Kinder also erkennen, dass 4 × 7 ganz        Primarschulstufe Einsichten in das Distributiv-
                                                                                               gesetz, wenn sie beispielsweise wissen, dass
                                                                                               man Malaufgaben additiv zerlegen kann (10 × 8
                                                                                               kann ich in 9 × 8 und 1 × 8 zerlegen). Hinter vie-
                                                                                               len Rechenstrategien im Einmaleins steckt das
                                                                                               Distributivgesetz.
                                                                                               In einer Vorstudie (F&E-Projekt «Mathematische
                                                                                               Muster» mit lokalen Schulpartnern der PH Zug)
                                                                                               kam zum Vorschein, dass einige Kinder wenig
                                                                                               Kenntnisse vom Distributivgesetz hatten –
                                                                                               selbst, wenn sie bereits zentrale Rechenstrate-
                                                                                               gien im Einmaleins nutzten (z. B. 9 × 8 rechne
                                                                                               ich mithilfe von 10 × 8. Also 80 – 8 = 72). Diese
                                                                                               Erkenntnis zeigt sich auch bei Steinweg (2013,
                                                                                               S. 142 ff.). Aus diesem Grunde wurde auf Basis
                                                                                               aktueller Erkenntnisse zum lernwirksamen Un-
                                                                                               terricht eine Intervention entwickelt, die noch
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