Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124

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Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
Januar 2021/1 Nr. 124

           Informationsblatt
     der Ärztegesellschaften
der Kantone Luzern, Ob- und
Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug
Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
IMPRESSUM                                                      INHALTSVERZEICHNIS
«Der Luzerner Arzt» erscheint viermal    Das nächste Jahr wird besser, wenn … (Herbert Widmer)                                                5
jährlich (plus Spezialausgabe).
                                         Rückblick auf 2020, Dank, Kritik, Konsequenzen
Verlag:                                  Ein bewegtes Jahr endet – mit einem hoffnungsvollen Blick ins neue Jahr (Aldo Kramis)8
Ärztegesellschaft des Kantons Luzern     Vergangenes, Pandemie-Jahr 2020, Belastungsgrenzen und Dank,
Schwanenplatz 7, 6004 Luzern             Mitdenken, Optimierung
Tel. 041 410 88 85
Fax 041 410 80 60                        Die nicht-invasive Beatmung und der Einsatz von Steroiden haben den Behandlungs-                 10
                                         erfolg deutlich positiv beeinflusst (Felix Reichlin, Rami Sommerstein)
Redaktionsadresse:                       Was hat die Medizin in den letzten 10 Monaten über Covid-19 gelernt?
Dr. med. Herbert Widmer                  Veränderung der Therapie?
Sonnbühlstrasse 15, 6006 Luzern
Tel. 041 410 65 81                       Betriebsdaten 2019 im Praxis-Navigator erfassen!                                                 14
                                         Aufforderung der Luzerner, Urner und Unterwaldner Ärztegesellschaften an ihre Mitglieder
Redaktion:
Dr. med. Herbert Widmer, Luzern
                                         Kommentar zum Artikel «Mitgliederumfrage zu LUKSlink im LAZ Nr. 123                              15
  (Redaktor)                             (Balthasar Hug, Daniel Käch)
Dr. med. Aldo Kramis, Emmenbrücke        HIN-Versand von Dokumenten, Grosses Potenzial bei der Terminübersicht,
  (Präsident)                            Informationsdarstellung
Inserate-Verkauf:                        Frühjahrszyklus                                                                                  16
Dr. med. Herbert Widmer
Sonnbühlstrasse 15                       Berufs- oder Arztgeheimnis (siehe BAG)                                                           17
6006 Luzern                              Mehrere Ereignisse des letzten Jahres haben Fragen aufgeworfen.
Tel: 041 410 65 81                       Der Ruf unseres Berufs soll nicht leiden!
E-Mail: hcwidmer@bluewin.ch
                                         Das Management des Zenker-Divertikels am Luzerner Kantonsspital (LUKS):                          18
                                         modernste, interdisziplinäre Diagnostik und Therapie unter einem Dach
Herstellung:                             (Sarah Zwyssig, Nadja Stenz, Seo Ko, Gunesh Rajan, Patrick Aepli)
SWS Medien AG PriMedia                   Anatomie und Pathophysiologie, Diagnostik und Befund, Therapie, Fazit
Am Viehmarkt 1, 6130 Willisau
info@swsmedien.ch                        Ginko biloba – ein Wundermittel gegen kognitive Hirnleistungsstörungen und Demenz?24
                                         (Peter E. Ballmer)
                                         Doxium – signifikante Verbesserung bei Hämorrhoidalbschwerden nach 48 Stunden                    28
                                         Je früher desto besser – die HPV-Impfung sollte während der aktuellen                            30
                                         Coronavirus Pandemie nicht vergessen werden (Anne Jäkel)
                                         Mandatsträger / Sektionen / Fachvereinigungen                                                    32
                                         Adressliste Zentralschweizerische Chiropraktoren – Gesellschaft (ZSCG)                           35
                                         Der Schwyzer Arzt                                                                                36
                                          Delegiertenliste Schwyzer Ärzte                                                                 36
                                          Telefon-, Telefax- und E-Mail-Verzeichnis Spital Schwyz                                         38
                                          Adressen und Telefon-Nummern Schwyz                                                             41
                                         Der Unterwaldner Arzt                                                                            45
                                          Vorstand Ärztegesellschaft                                                                      45
                                          Aus den Reihen unserer Mitglieder                                                               45
                                          Telefon- und Telefaxnummer, E-Mail-Adressen Kantonsspital Nidwalden                             46
                                          Telefon- und Telefaxnummern, E-Mail-Adressen Kantonsspital Obwalden                             49
                                          Adressen und Telefon-Nummern Nidwalden                                                          50
                                          Adressen und Telefon-Nummern Obwalden                                                           51
                                         Der Zuger Arzt                                                                                   52
                                          Vorstand der Zuger Ärztegesellschaft                                                            52
                                         Der Urner Arzt52
                                          Vorstand Ärztegesellschaft Uri               52
                                          Adressen und Telefon-Nummern der Urner Ärzte 52
                                         Chirurgische Therapie der symptomatischen Carotis-Stenose:                                       54
                                         «Die Streifung» als neurologischer und gefässchirurgischer Notfall
                                         (Ines Naumburger, Günter Eisele, Saulius Korsakas, Stefan Ockert)
                                         Fallbeispiel, Risikofaktoren, Definition, Anamnese und klinische Untersuchung,
                                         Symptomatik, Diagnostik, Management, Indikation zur Carotis-Endarteriektomie,
                                         Operativtechnisches Vorgehen
                                         Ich hätte dies kaum für möglich gehalten … (Jens Westphal)60
                                         Von einer grippalen Erkrankung zu einem lebensbedrohlichen Ereignis

Titelbild:
Kutschenfahrt ins neue Jahr im Engadin
(Foto. Rolf Stockmann, Montagnola)

                                                                                                                    Luzerner Arzt 124 / 2021   3
Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
IMPRESSUM                                                   INHALTSVERZEICHNIS
Mitarbeiter dieser Ausgabe:         SwissSarcomaNetwork (SSN) – Fakten und erste Zahlen zur Verbesserung                     61
Dr. med. Patrick Aepli, LUKS        der Qualität der Behandlung von Patienten mit Sarkomen (Bruno Fuchs, Beata Bode,
  (Das Management des Zenker-
   Divertikels)
                                    Stefan Breitenstein, Christian Michelitsch, Désirée Klass, Alex Vogetseder, Veronika Blum,
Prof. Dr. med. Peter E. Ballmer,    Thomas Treumann, Andreas Scheiwiller, Mario Scaglioni. Gabriela Studer)
  Winterthur (Ginko biloba)         Hintergrund und bisherige Entwicklung, Fakten und Zahlen, Register und Qualitätsindikatoren,
PD Dr. med. Günter Eisele, Luzern   Zusammenfassung und Ausblick
  (Chirurgische Therapie der
   symptomat. Carotis-Stenose)
                                    Chirurgie beim Pankreaskarzinom: Möglichkeiten und Grenzen                                           65
PD Dr. med. Balthasar Hug, LUKS     (Ralph F. Stärkle, Christopher Soll)
  (Antwort zur Mitgliederumfrage    Beurteilung der Resektabilität, Gefässresektionen in der Pankreaschirurgie,
   zu LUKSlink)                     Neoadjuvante Therapie als «Magic Bullet», Das oligometastatische Pankreaskarzinom
Dr. phil. Anne Jäkel, Oxford
  (Die HPV-Impfung)
                                    Andere Länder, andere Probleme? (ePA bzw. EPD)                                                       68
Daniel Käch, LUKS                   Umfrage zur elektronischen Patentenakte (ePA): 9 von 10 Patienten in Deutschland
  (Antwort zur Mitgliederumfrage    wissen nicht oder nur oberflächlich, wie die ePA funtioniert
   zu LUKSlink)                     Zur Einführung des ePA am 01.01.2021 in Deutschland, Stand des Wissens
Dr. med. Seo Ko, LUKS               Organisationsstruktur der neuen Spitalgruppe steht fest (Pressemitteilung 09.12.2020) 70
  (Das Management des Zenker-
   Divertikels)                     Zürcher Corona-Impfstrategie: Hausärzte werden wohl erst im Februar oder März                        72
Dr. med. Saulius Korsakas, Luzern   Impfdosen erhalten (NZZ 03.01.2021)
  (Chirurgische Therapie der
   symptomat. Carotis-Stenose)      Die Hausärzte müssen die Zulassung des Moderna-Impfstoffs abwarten.
                                    Das schon zugelassene Vakzin taugt noch nicht für die Arztpraxen
Dr. med. Ines Naumburger, Luzern
  (Chirurgische Therapie der        Verhandlungen LUKS und lups zum Gesamtarbeitsvertrag:                                                73
   symptomat. Carotis-Stenose)      Urabstimmung im 2. Halbjahr 2021
Prof. Dr. med. Stefan Ockert, Lu
  (Chirurgische Therapie der        Datenschutz- und Sicherheit: Datensicherheitsexperte warnt vor IT-Pandemie / FMH                     74
   symptomat. Carotis-Stenose)
Prof. Dr. med. Gunesh Rajan,        Aus den Reihen unserer Mitglieder75
   LUKS (Das Management des
  Zenker-Divertikels)
Dr. med. Felix Reichlin, St. Anna
  (Die nicht-invasive Beatmung)     Zur LAZ-Struktur
PD Dr. med. Christopher Soll,       Vielleicht – und dies würde mich keineswegs überraschen – haben Sie sich schon gefragt, weshalb
   St. Anna (Chirurgie beim         denn welcher Beitrag, welcher Bericht vorne im Heft, in der Mitte oder hinten platziert ist. Nur eine
   Pankreas-Carcinom)
                                    Antwort ist wichtig: dies hat überhaupt nichts mit der Gewichtung des Artikels etc. sondern mit
PD Dr. med. Raemi Sommerstein,      drucktechnischen und finanziellen Kriterien zu tun!
   St. Anna (Die nicht-invasive
   Beatmung)                        1.	Die Seitenzahl einer Ausgabe muss immer durch 4 teilbar sein
PD Dr. med. Ralph F. Stärkle,       2.	Eine drucktechnische «Form» umfasst 8 Seiten. Die Seiten 1, 4, 5 und 8 dieser «Form» sind eine
   St. Anna (Chirurgie beim             «farbtechnische» Einheit, ebenso die Seiten 2, 3, 6 und 7
  Pankreas-Carcinom)
                                    3.	In dieser 80-seitigen Ausgabe sind die Seiten 1 – 4 und 77 – 80, 5 – 8 und 73 – 76 etc, eine entspre-
Dr. med. Nadja Stenz, LUKS
                                        chende Einheit
  (Das Management des Zenker-
   Divertikels)                     4.	Jede dieser Einheiten, welche im 4-Farbendruck erstellt werden, bewirkt zusätzliche Ausgaben.
Prof. Dr. med. Gabriela Studer,
                                        Es ist daher ein Ziel, die Zahl solcher Farbeinheiten nicht unnötig zu erhöhen.
  et alt., LUKS (SwissSarcoma       5.	Aus diesem «einfachen» Grund liegen die Farbseiten im ersten und letzten Drittel des Hefts,
  Network (SSN))                        die Schwarz-Weiss-Seiten im mittleren Drittel, womit auch diese Sparmassnahme im Gesundheits-
Dr. med. Jens Westphal, Geuensee        wesen erfüllt ist. (Ist übrigens in der SAeZ auch so!)
  (Erfahrungen mit Covid-19)
                                    Ist doch eine simple Erklärung, oder nicht? Wichtig ist doch, dass die Autorinnen und Autoren
Dr. med. Sarah Zwyssig, LUKS        wissen, «weshalb sie wo zu finden sind». Es ist mir aber auch wichtig, Ihnen allen zu danken für Ihre
  (Das Management des Zenker-
                                    Bereitschaft, unser Informationsblatt attraktiv und informativ zu gestalten.
   Divertikels)
                                                                                                           Dr. med. Herbert Widmer
                                                                                                           Redaktor «Der Luzerner Arzt»

                                    Wir wünschen Ihnen, Ihren Familien, Ihren Spitalmitarbeiterinnen und -mitarbeitern,
                                    Ihrem Praxisteam und Ihren Patientinnen und Patienten nochmals alles Gute, Gesundheit
                                    und physische und psychische Widerstandkraft im wohl nicht nur einfachen neuen Jahr!
                                    Dr. med. Herbert Widmer, Redaktor «Der Luzerner Arzt», auch im Namen des
                                    Vorstandes und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle.

                                    Erscheinungsdatum / Redaktionsschluss für den Luzerner Arzt 2021/22:
                                    Nr. 125 /April 2021                                                                15. März 2021
                                    Nr. 126 / Juli 2021                                                                25. Mai 2021
                                    Nr. 127 / November 2021                                                            25. September 2021
                                    Nr. 127 / Spezialheft / November 2021                                              05. Oktober 2021
                                    Nr. 128 / Januar 2022                                                              15. Dezember 2021

4  Luzerner Arzt 124 / 2021
Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
EDITORIAL

Das nächste Jahr wird besser, wenn...
Liebe Kolleginnen und Kollegen                                                                 Dass Kritik oft nicht geschätzt wird, ist
Liebe Leserinnen und Leser                                                                     eine der ältesten Weisheiten unter Men-
                                                                                               schen. Die Amerikaner haben dazu einen
Wenn Sie diesen «Luzerner Arzt» in Ihren                                                       entsprechenden Sinnspruch: «Die meisten
Händen halten, wird das neue Jahre bereits                                                     Menschen wollen lieber durch Lob rui-
einige Tage alt sein. Viele unter Ihnen wer-                                                   niert als durch Kritik gerettet werden.»
den am Abend des 31. Dezember 2020 –                                                           (Siehe aktuelles amerikanisches Politik-
unter anderem – den grossen Wunsch aus-                                                        geschehen!). Für eine aufbauende Kritik
gestossen haben, dass das neue Jahr besser                                                     sind allerdings grosse Voraussetzungen zu
werde als das vergangene. «Es kann ja nur                                                      erfüllen.
besser werden», dürfte dabei oft ein Begleit-
gedanke gewesen sein. Ich wünsche dies für                                                        Im April 2020 lautete der Titel des
uns alle, für unser Land, ja für die ganze Welt!                                               LAZ-Editorials: «Nein, nur Kritik ist nicht
                                                                                               angebracht, aber wir alle müssen analy-
Ob dieser Wünsch erfüllt werden wird,                                                          sieren und Konsequenzen ziehen!». Die-
hängt wohl von uns allen ab, oder zumin-                                                       ser Aussage stimme ich noch immer voll
dest von vielen unter uns. So von jedem in                                                     zu, nur fehlt nach den vergangenen zehn
seinem Lebens- und Berufsbereich, von im                                                       Monaten in unserem Land – und anders-
Gesundheitswesen Tätigen, von Wissen-                                                          wo auch – noch immer eine tiefgreifende
schaftern, von Politikerinnen und Politi-                                                      Analyse und es fehlen sinnvolle Konse-
kern und von vielen mehr.                                                                      quenzen. Versuchen wir doch, einiges aus
                                                                                               dem Bereich «Kritik» so zu formulieren,
Zugegeben, das Titelbild stammt nicht                                                          dass es als aufbauend betrachtet werden
aus der Zentralschweiz, sondern aus dem                                                        kann.
Engadin. Es verkörpert für mich aber viel
Positives: unsere wunderbare Natur, Frie-
den, Wärme auch in einer kalten Welt, Op-          nahme in irgendeinem Bereich nicht von
                                                                                               Zuerst gilt es aber zu danken!
timismus, Vorwärtskommen – nicht allzu             allen geschätzt wurde. «Geäusserte Kritik   Am 20. August 1940 hielt Winston Chur-
schnell, aber doch irgendwie «nachhaltig».         könnte schaden, statt den erhofften Nut-    chill vor dem britischen Parlament eine
                                                   zen zu bringen.» Doch wie soll der an-      Rede unter dem Titel: «Never was so much
                                                   dere merken, dass mein entsprechendes       owed by so many to so few!» (Noch nie
Ist (aufbauende) Kritik                            Schweigen nicht einer Zustimmung zu sei-    haben so viele so wenigen so viel zu verdan-
erlaubt?                                           nem Tun, zu seiner Rede entspricht, son-    ken gehabt). In diesem Zitat aus der Ge-
                                                   dern seinen effektiven Grund in meinem      schichte des Zweiten Weltkriegs sind mit
Im vergangenen Jahr erlebte ich – nicht            fehlenden Mut hat, zu meiner Meinung        den «wenigen» die Piloten der Royal Air
zum ersten Mal –, dass ein kritischer Ent-         zu stehen und mich dafür – und damit oft    Force während der Luftschlacht um Eng-
wurf aus meiner Feder für eine Stellung-           eben auch für die anderen – einzusetzen.    land gemeint.

                                                            Kindheitstraum?
                                                            Rufen Sie uns an,
                                                            wir begleiten Sie
                                                            bei der Praxisübernahme                           Unsere Inserenten 
                                                                                                              im Jahre 2021

                                                            und beim Neuaufbau!                               Ärztekasse, Urdorf
                                                                                                              Contrust Finance AG,
                                                                                                              Luzern
                                                                                                              Hirslanden Klinik
                                                        contrust finance ag                                   St. Anna, Luzern
                                                        Friedentalstrasse 43, Postfach 2441                   Luzerner Kantonsspital,
                                                                                                              Departement Medizin
                                                        CH-6002 Luzern
                                                                                                              +medkey Trustcenter,
                                                        Telefon 041 429 09 09                                 Luzern
                                                        www.cfag.ch                                           Pfizer AG, Zürich
                                                                                                              Universität Luzern
        Beratung von Arztpraxen und Gesundheitszentren                                                        Viollier AG, Allschwil

                                                                                                                     Luzerner Arzt 124 / 2021   5
Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
An dieses Zitat eines grossen Staatsmanns     Ebenso wichtig: Organisation Information
musste ich oft denken, wenn ich die Leis-
tungen der vielen Gesundheitsberufe wie       und Entwicklung              und Kommunikation
Pflegende, Praxispersonal, Ärztinnen und      Schon oft hat unser Land beziehungswei-         Noch nie in der Geschichte standen so viele
Ärzte, Mitarbeiter des Rettungswesens         se dessen Bevölkerung bewiesen, dass ei-        Mittel für die Information zur Verfügung.
und viele mehr gesehen habe. Ja, man hat      niges an Organisationstalent zu finden ist.     Noch nie wurde so viel über eine gute In-
auf den Balkonen vieler Städte für diese in   Manchmal hochqualifiziert, manchmal mit         formation und über die Wichtigkeit der
Spitälern, Praxen, Heimen etc. Arbeitende     einer Prise Taktik, manchmal geschickt          offenen Kommunikation geschrieben und
geklatscht, gesungen, Leserbriefe geschrie-   und manchmal mit einer Prise «Schlitzoh-        gelehrt. Und doch, noch selten wussten
ben und anderes mehr. Wenn es aber dar-       rigkeit». Im Bereich der aktuellen Corona-      z.B. so viele so wenig über das weitere Vor-
um ging bzw. geht, das Spital- und Praxis-    Pandemie war davon nicht genügend zu            gehen im Bereich der Covid-19-Impfung.
personal durch einen Verzicht im eigenen      sehen.                                          Die Ärztinnen und Ärzte berichten, dass
Bereich zu entlasten – z.B. durch Einhal-                                                     sie mit Fragen ihrer Patientinnen und Pa-
tung der Corona-Regeln –, dann vergisst          Die Organisation der täglich hohen           tienten überhäuft werden. Recherchieren
männiglich, dass auch dies ein Teil eines     Anzahl an Tests war im ganzen Land von          in den Webseiten von Bund und Kantonen
effizienten und vernünftigen Danks wäre!      sehr unterschiedlicher Qualität, allzu oft      hilft wenig.
                                              dauerte die Resultatmeldung viel zu lange
   In diesem Sinne geht der Ruf an viele      oder es wurden falsche Resultate übermit-          Einige Beispiele nach Telefonaten aus
– an die Politikerinnen und Politiker, an     telt. Dabei ist aber auch hier klar zu er-      meinem Freundes- und Bekanntenkreis
die Spitalleitungen, an die Bevölkerung       wähnen, dass die damit beauftragten Mit-        haben mich entsprechend beeindruckt.
allgemein etc., sich die Mühe zu nehmen       arbeiter in Labors, Spitälern etc. bis an die   Eine 65-jährige Patientin, welche sich von
zu überlegen, wie man den geschilderten       Grenze des Zumutbaren belastet wurden.          einer sehr schweren Erkrankung glückli-
Dank ehrlicher und wirkungsvoller abstat-                                                     cherweise erholt hat, erhielt vom LUKS die
ten kann. Dabei geht es nicht nur um ma-        Wir versprechen uns von der soeben            Meldung, dass sie sich unbedingt so rasch
terielle Aspekte, sondern auch um emotio-     angelaufenen Corona-Impfung viel, die           als möglich impfen lassen sollte. Allerdings
nale und um rationale, vorausschauende!       entsprechende Hoffnung vieler ist sehr          könne man ihr nicht sagen, wo und wie sie
                                              gross. Bisher war die Organisation der          entsprechend vorzugehen habe. Alle Er-
                                              Impfkampagnen in manchen Kantonen               kundigungen bei den «zuständigen» Stel-
Im Vordergrund                                keine Meisterleistung, dies auch in ande-       len des Kantons brachten kein brauchbares
steht Führung!                                ren Ländern. Dass die dafür zuständigen         Resultat. In mehreren Fällen aus meinem
                                              Stellen aber vor allem durch deutlich zu        Bekanntenkreis ging es gleich.
«Führung» hat nichts mit Befehlen, mit        wenig erhaltene Impfdosen gebremst wur-
Manipulation der Bevölkerung, mit der         den bzw. werden, ist auch eine Analyse            Es ist selbstverständlich, dass das Pro-
Massierung der Macht bei der Politik zu       und das Ziehen von Konsequenzen wert.           blem nicht im schlechten Willen der Ver-
tun. Führen bedeutet:                                                                         antwortlichen begründet ist, sondern u.a.
• Analysieren der Situation,                     Die ebenso ungenügenden Organisa-            durch die sehr schleppende Lieferung des
  des Geschehens                              tionsbeispiele in anderen Ländern, wel-         Impfstoffs. Die Bevölkerung ist sich aber
• Konsequenzen ziehen daraus                  che praktisch stündlich bekannt werden,         bewusst, dass man sie aufgerufen hat, sich
• Entscheidungsfähigkeit                      sind keineswegs ein Trost. In Frankreich        möglichst bald impfen zu lassen. Auf der
• Verzicht auf die Gewohnheit von             scheint bei der Impfkampagne alles drun-        Homepage des GSD des Kantons Lu-
   anderen «Kopfnicken» zu erwarten           ter und drüber zu gehen, in Holland zeigte      zern ist heute Folgendes zu lesen: «Für
• Vorausschauend denken und z. B.             sich die Regierung erst unter massivem          die breite Bevölkerung steht die Impfung
  vorbehaltene Entschlüsse ziehen             Druck der Experten, der Ärzte und der           im Spätfrühling 2021 zur Verfügung. Der
  (sogar wenn es bei günstiger Entwick-       Bevölkerung bereit, vor dem 18. Januar          Kanton Luzern informiert laufend über
  lung diese nicht braucht)                   mit dem Impfen zu beginnen. In Deutsch-         die aktuellen Entwicklungen und die
• Sich für die anderen verantwortlich         land wurde am 1. Januar 2021 die ePA            Möglichkeiten, sich impfen zu lassen». Da
  fühlen                                      eingeführt, nur wenige wissen um was es         wird sich wohl mancher Gedanken über
• Absolute Ehrlichkeit                        geht. (Vgl. S. 68)                              die Planung «seines» laufenden Jahres
• Tiefgreifendes Vertrauen schaffen                                                           machen...
• Informieren und kommunizieren                  Seit vielen Jahren werden vor allem
• Hintanstellen der Eigeninteressen           die praktizierenden Ärztinnen und Ärzte
• und vieles mehr                             gescholten, sie seien die Bremser im Be-
                                                                                              Welch ein Glück; wir haben
                                              reich der Digitalisierung. Dem ist klar zu      ein sehr gutes Gesundheits-
Zugegeben, führen ist oft sehr schwierig,     widersprechen, wir haben uns schon eini-        wesen!
ist aber auch erfüllend, wenn eben die        ge Male entsprechend geäussert. Die ent-
Führung gelingt! Dass dabei das Tragen        sprechenden politischen Entscheidungen          Zweifellos, das haben wir und dafür sind
der Verantwortung oft sehr drückend           schon vor Jahren waren falsch, als man          wir dankbar. Doch wie lange noch? Im
sein kann, ist wohl den meisten klar – wer    unter Auskostung des Föderalismus so-           Gesundheitswesen kann doch problemlos
denkt da nicht an die aktuelle Covid-         wohl dem Kanton Appenzell Innerrhoden           gespart werden, fragen Sie unseren Bun-
19-Pandemie.                                  als auch dem 100 x bevölkerungsreicheren        desrat. Mit der Einführung eines Global-
                                              Kanton Zürich den gleichen Auftrag gab,         budgets, wie dies eine Expertengruppe
Sicher hat «unsere Führung» (Bundesrat,       Software für die Patientenkarte, das elek-      und gewisse Politikerinnen und Politiker
Parlament etc.) in den vergangenen zehn       tronische Patientendossier etc. zu entwi-       anstreben, mit einem Referenzpreissys-
Monaten oft gut gearbeitet. Fehlleistungen    ckeln und dafür drei Jahre Zeit gab. Die        tem im Bereich der Medikamente, trotz-
– teils grosse – waren aber doch nicht so     Zertifizierung der Stammgemeinschaften          dem immer mehr wichtige Medikamente
selten oder eben – ehrlich ausgedrückt – zu   ist zumindest bezüglich des Zeitaufwandes       fehlen und der Anreiz für die Entwick-
häufig. Dabei sind nur die anfänglich nega-   ein nicht endendes Trauerspiel, wobei hier      lung neuer Medikamente rasant abnimmt
tiven Aussagen zum Schutz durch Masken        nicht die Stammgemeinschaften selbst da-        (fragen Sie dazu den Experten Dr. pharm.
und zu den Abstandsregeln, die eher un-       für verantwortlich sind. Hätte man diese        Enea Martinelli), ja, mit diesen «Mass-
klare Aussage, dass man «bedenkenlos» 15      Aufgabe rechtzeitig an die Hand genom-          nahmen» kann doch gespart werden. Die
Minuten mit anderen zusammen sein kön-        men, wäre der Stichtag 15. April 2020 für       fehlenden Schutzmasken, Desinfektions-
ne», nicht aber länger und anderes mehr zu    die Einführung des EPD eher zu errei-           material, Handschuhe u.a.m. vom Februar
erwähnen.                                     chen gewesen.                                   2020 lassen grüssen.

6  Luzerner Arzt 124 / 2021
Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
Es ist eine wichtige Aufgabe gerade unse-     Es ist daher keine Schande, Anlass zu           Nebenschauplätze...?
res Berufsstandes, uns für die Erhaltung      Kritik zu geben, wenn man nur bereit ist,
eines sehr guten Gesundheitswesens ein-       Fehler zuzugeben und daraus zu lernen.          Für etliches, was in dieser sehr schwieri-
zusetzen, keineswegs aus Eigeninteresse,      Es ist aber auch keine Schandtat, korrekt       gen Zeit geschehen ist, habe ich wenig
wie dies gewisse Leute und Medien sehen,      zu kritisieren, solange der Kritiker sich der   Verständnis.
sondern für uns alle. Um dies zu erreichen    Wahrheit des Apollodor`schen Zitats be-         • Die Polarisierung bezüglich der unter-
müssen wir aber auch den Mut haben, of-       wusst ist.                                        schiedlichen Meinungen über die Bewäl-
fen über die Probleme zu sprechen, auch                                                         tigung der Corona-Pandemie hat eine
Kritik zu äussern, immer im Wissen, dass                                                        akzeptable Linie überschritten
auch sehr viel Positives zu erkennen ist.
                                              Das Problem der Ethik                           • Äusserungen auch aus ärztlichem Mun-
                                              Gerade die letzten Monate haben uns gros-         de wie diejenigen eines St. Galler Amts-
   Es wird uns immer wieder erklärt, dass     se ethische Probleme gebracht, über die           arztes über den Wert des Lebens eines
es für weniger Geld bessere Gesundheits-      sehr viel diskutiert wurde. Es stellen sich       102-jährigen Patienten sind inakzeptabel
systeme gebe, so zum Beispiel in Schwe-       Fragen, deren Beantwortung sehr schwie-         • Ebenso unannehmbar ist es, wenn ein
den. Die Entwicklungen der letzten Mo-        rig sind, ja über deren Bewertung man             Arzt den Tod eines von ihm betreuten
nate zeigen aber ein anderes Bild. So wird    auch unterschiedlicher Meinung sein kann.         91-jährigen Patienten einige Tage nach
glaubhaft berichtet, dass das Nya Karo-       • Welchen Wert hat das Leben eines Ein-           einer erfolgten Impfung ohne genügend
linska Universitätsspital in Stockholm an       zelnen?                                         Wissen über die Todesursache und un-
einem eklatanten Mangel an Personal und       • Darf ein Arzt eine Triage vornehmen             ter Umgehung des Arztgeheimnisses
Intensivpflegeplätzen leiden würde, dies        wie dies zum Beispiel in Schweden bei           ähnlich denkenden Kolleginnen und
nachdem sowohl Pflegepersonal als auch          massiver Überlastung der Intensivsta-           Kollegen – und erst später an GSD und
Ärzte entlassen worden seien. Ein wenige        tionen vorgesehen ist (Über 80-jährige          Swissmedic – weitermeldet (so war es
Tage zurückliegender Bericht aus Schwe-         Patienten, Übergewichtige, Alkoholi-            zumindest den Medien zu entnehmen).
den erklärte, dass gerade im Bereich der        ker etc. sollen dann nicht aufgenommen          Hier erwarte ich, dass die zuständigen
Hausarztmedizin grosse Lücken entstan-          werden)?                                        Stellen Abklärungen treffen, schadet das
den seien. Wahr? Erstrebenswert?              • Was steht im Vordergrund: das Leben             Geschehen doch auch dem Ruf unseres
                                                oder die Wirtschaft, wo sind die ent-           Berufsstandes.
Kritisieren ist leicht,                         sprechenden Entscheidungsgrenzen zu
                                                ziehen?                                       Eine Berufskollegin sagte mir vor einem
besser machen ist schwer!                     • Welche «Notlügen» aus dem Munde der           Jahr, meine Editorials seien zu lange. Ich
Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, das        Verantwortlichen sind zu akzeptieren,         entschuldige mich mit dem folgenden
Zitat stamm von Apollodor aus der 2.            welche nicht?                                 Bibelzitat: «Wes das Herz voll ist, des geht
Hälfte des 2. Jahrhunderts vor Christus,      • Darf – wie oben verlangt – erwartet           der Mund über» (Lukas 6,45).
griechischer Gelehrter aus Athen, Schü-         werden, dass wichtige Persönlichkeiten
ler des Aristachos von Samothrake. Auch         Fehler eingestehen?                                         Dr. med. Herbert Widmer
wenn die Feststellung alt ist, ist sie den-   • Wo liegen die Belastungsgrenzen für die                     Redaktor «Der Luzerner Arzt»
noch sehr wahr.                                 im Gesundheitswesen Tätigen?

                                                                             Bild aus Video «Ambulant Operieren
                                                                             Bild aus
                                                                             im St.   Video
                                                                                    Anna im «Ambulant
                                                                                            Bahnhof» Operieren
                                                                             im St. Anna im Bahnhof»

     EINBLICK
     EINBLICK INS
              INS AMBULANTE
                  AMBULANTE
     OPERATIONSZENTRUM
     OPERATIONSZENTRUM
      Im Ambulanten Operationszentrum St. Anna im Bahnhof führen akkreditierte Ärztinnen und Ärzte ambulante
      Im Ambulanten
      Eingriffe durch. Operationszentrum
                       Das eingespielte, aufSt. Anna im Bahnhof
                                             ambulante          führen
                                                        Operationen    akkreditierte
                                                                    spezialisierte   Ärztinnen
                                                                                   Team,       und Ärzte
                                                                                         die passende     ambulante
                                                                                                       Infrastruktur
      Eingriffe durch. Das
      und die optimale     eingespielte, auf ambulante
                        Verkehrsanbindung    im BahnhofOperationen  spezialisierte
                                                         Luzern garantieren        Team, die passende
                                                                            hohe Termintreue           Infrastruktur
                                                                                               und zufriedene
      und die optimale
      Patientinnen  und Verkehrsanbindung
                        Patienten.           im Bahnhof Luzern garantieren hohe Termintreue und zufriedene
      Patientinnen und Patienten.
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      Zwei  neue Videos
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                        direkt zu den       Patienten
                                      Kurzvideos      Einblickoder
                                                 zu gelangen  ins Ambulante Operationszentrum.
                                                                   besuchen Sie                  Scannen
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      klinikstanna.ch/ambulantes-operationszentrum.
      klinikstanna.ch/ambulantes-operationszentrum.
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                        Matthias    möchten
                                 Wissler,     auch Sie Ihre
                                          Standortleiter     Eingriffe
                                                         St. Anna      im Bahnhof
                                                                  im Bahnhof,     Luzern
                                                                              Telefon +41durchführen?
                                                                                          41 556 61 88. Melden Sie
      sich bei Dr. med. Matthias Wissler, Standortleiter St. Anna im Bahnhof, Telefon +41 41 556 61 88.
      KOMPETENZ, DIE VERTRAUEN SCHAFFT.
      KOMPETENZ, DIE VERTRAUEN SCHAFFT.
      Ambulantes Operationszentrum/Tagesklinik St. Anna im Bahnhof, Zentralstrasse 1, 6003 Luzern
      Ambulantes Operationszentrum/Tagesklinik St. Anna im Bahnhof, Zentralstrasse 1, 6003 Luzern
Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
EDITORIAL DES CO-PRÄSIDENTEN

Ein bewegtes Jahr endet – mit einem hoffnungsvollen
Blick ins neue
Das Jahr 2020 war geprägt von neuen              dere auf den Intensivstationen, in den         geht. Der Bund hat via BAG entschieden,
Herausforderungen, viel Leid, zahlrei-           Notfallstationen. Aber auch alle die im        dass ab sofort geimpft wird. Eine breite
chen Einschränkungen, sozialen Proble-           Gesundheitswesen, die in der Pflege, in der    Impfkampagne wurde vor Weihnachten
men. Als Resümee des vergangenen Jah-            Betreuung involviert sind, wo gemeinsa-        lanciert   (www.bag-coronavirus.ch/imp-
res scheint man dem 2020 auf den ersten          me Gespräche, Begegnungen, Umarmun-            fung). Vergessen ging dabei der Hinweis
Blick nicht viel Gutes abgewinnen zu kön-        gen, persönliche Nähe und Zuneigungen          auf zu wenig Impfstoff, unmögliche Um-
nen! Das hätte, sollte, müsste man besser        sowie Sympathien dazugehören. Besuchs-         setzung in den bestehenden Gesundheits-
wissen – solche Sätze sind im Nachhinein         beschränkungen, Enttäuschungen, Isolati-       strukturen aufgrund der Lagerungsvor-
immer schnell aus dem Munde vieler zu            onen und kontinuierliche Überforderun-         schriften.
hören. Fest steht aber auch: Wir – unsere        gen, unpopuläre oder ethisch-schwierige
Generation – hat eine solche Pandemie            Entscheidungen, Pflege bis an die Grenzen
noch nie erlebt. Zwischen 1346 und 1353          der Belastbarkeit aushalten. Das verdient
forderte das Bakterium Yersinia pestis           grosses Lob, grosse Anerkennung. Ohne
schätzungsweise 25 Millionen Todesopfer          alle diese Menschen hätte unser Gesund-
in Europa. Anfangs 20. Jahrhundert suchte        heitssystem nicht funktioniert. Im neuen
dann die Spanische Grippe rund um den            Jahr geht es auch darum, diese Personen
Globus Millionen Menschen heim. Skepti-          zu entlasten, damit sie gesund bleiben.
ker und Nörgler gab es schon damals. Und         Das dürfte extrem schwierig werden, weil
auch damals mussten Menschen und Re-             nun der Mangel an Gesundheitspersonal
gierungen schnell handeln und Entscheide         anschaulich zur Geltung kommt. Daraus
treffen, die sicher nicht populär waren.         müssen wir lernen. Die Gesundheitsbe-
                                                 rufe müssen attraktiver werden, wenn wir
  Das Bild hat sich auch bei der jetzigen        über lange Sicht die Pflege und Betreuung
Pandemie nicht gross verändert. Ausser           von den Menschen in der Schweiz auf-
natürlich, dass das Gesundheitssystem ein        rechterhalten wollen. Ein Applaus mag
maximal besseres ist und Medikamente             zwar wohlwollend gemeint sein, ist aber
zur Verfügung stehen. Die Rahmenbedin-           ein ungenügender Ansatz für eine Verbes-
gungen sind aber noch ähnlich. Es werden         serungen in diesem Bereich. Es müssen
vom Staat nach Beratung mit Medizinern           Taten folgen.
Massnahmen getroffen und umgesetzt,
später analysiert, inwiefern diese greifen.         Danke merci, gracie molto für euren
Das heisst für alle, man braucht Geduld,         riesigen Einsatz! Das Gesundheitswesen
man muss aushalten und zuwarten kön-             funktioniert, jeder von uns hat seinen
nen. Entscheide sollen und dürfen kritisch       Beitrag geleistet und wir sind froh, dass      Dr. med. Aldo Kramis
hinterfragt werden, doch sind sie letztlich      unsere Spitäler und ambulanten Praxen
zu akzeptieren, weil der Staat – sei es auf      und Zentren im 2020 diese einzigartigen
Bundes- oder Kantonsebene – letztlich die        Aufgaben bewältigen konnten! Wir müs-          Um alle Institutionen von einer Telefon-
Aufgabe hat, die Bevölkerung zu schüt-           sen und machen weiter und haben genug          flut infolge verunsicherten Personen zu
zen. Das ist die Absicht hinter sämtlichen       Selbstvertrauen für die Zukunft!               schützen bedarf es einer optimalen Kom-
Massnahmen. Und das deckt sich mit dem                                                          munikation in den Medien. Welche Risi-
Ziel von uns: Menschen schützen, Leben             COVID hat uns massiv herausgefor-            kogruppen werden an welchem Ort und
retten.                                          dert!! Pandemiepläne wurden aus der            zu welchem Zeitpunkt mit welchem Impf-
                                                 Schublade gezogen. Oft haben sie sich          stoff geimpft? Da hat der Kanton Luzern
   Was lernen wir aus dem Pandemie-Jahr          aber nicht einwandfrei bewährt und müs-        unseres Erachtens noch Verbesserungspo-
2020, wo ein 120 Nanonmeter kleines Vi-          sen überarbeitet werden.                       tenzial. Aktuell scheint vielen Bürgerin-
rus das Leben aller Menschen rund um                                                            nen und Bürgern unklar, wie das mit der
den Globus auf den Kopf stellt? Wir ler-            Die Luzernern Ärzteschaft wurde bei         Impfung funktioniert.
nen – nebst aller Trauer um Verstorbene          Entscheiden angehört, aber hatten keinen
– auch Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass            aktiven Mitgestaltungsanspruch. Darum             Doch nicht nur da gibt es mögliche Op-
unsere Gesundheitssystem sehr gut funk-          war es für uns nicht immer einfach, die        timierungen vorzunehmen: Wir würden
tioniert, unsere Infrastruktur solide ist, un-   Entscheide des Bundes/Regierung zu ver-        es zum Beispiel begrüssen, wenn wir eine
ser Personal im Gesundheitswesen profes-         stehen. Selbstverständlich haben wir die-      korrekte Information, wie es zum Beispiel
sionell, engagiert und motiviert arbeitet,       se aber stets mitgetragen. In Krisenzeiten     im INFOVAC Bulletin dargestellt ist, er-
unser Bildungssystem anpassungsfähig ist,        muss man zusammenhalten.                       halten würden. Das BAG hat uns alle in-
Menschen jeglicher Altersgruppen zu un-                                                         formiert – es beteuert die Impfung sei ein-
glaublicher Solidarität fähig sind, dass das        Anders sieht es bezüglich Impfstrategie     fach, sicher und wirksam. Die Ärzteschaft
die grosse Mehrheit der Bevölkerung die          aus. Dort sind wir in den Kantonen sehr        ist mehrheitlich mit der Impfindikation
Entscheide und Massnahmen des Staates            gut vernetzt und können mitreden. Das          einverstanden, um die Risiko-Bevölke-
mitträgt, Verantwortung für sich und das         ist wichtig, damit das Impfen einwandfrei      rung zu schützen und unsere Gesundheits-
Umfeld wahrnimmt… um ein paar positi-            abläuft. So werden vorerst gefährdete Ri-      institutionen wie Spitäler vor dem Kollaps
ve Aspekte zu nennen.                            sikogruppen geimpft, dann Pflegepersonal       zu bewahren. Es genügt nicht, mit diesen
                                                 und später dann die allgemeine Bevölke-        einfachen Botschaften die Bevölkerung zu
  Viele von uns kamen aber an ihre Gren-         rung. Nur so ist sicherzustellen, dass alles   überzeugen. Wir sind uns gewohnt unsere
zen, vor allem in den Spitälern, insbeson-       rund um die Impfung gut über die Bühne         Patientinnen und Patienten, aufzuklären

8  Luzerner Arzt 124 / 2021                                                                                                              1
Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
und ihnen gegenüber klar zu kommuni-        voll. Nur wenn wir gemeinsam die Strate-      Wie wir nun schon oft gehört haben, ist Co-
zieren. Genau das wünschen wir uns auch     gie mittragen, kann es uns gelingen, die-     rona kein Sprint, sondern ein Marathon. Um
vom Bund und Kanton.                        se Pandemie soweit einzudämmen, dass          diesen zu bewältigen, brauchen wir Energie
                                            ein Leben ohne grosse Einschränkungen         und Ausdauer. Das wünschen wir uns allen!
  Nur gut aufgeklärte Menschen werden       wieder möglich ist. Wir danken allen herz-    Und natürlich – unser grösster Wunsch an
verstehen, was eine Impfung bringt und      lichst für das Engagement, das Mitziehen,     alle – beste Gesundheit!
warum wir das so und nicht anders ma-       Mitdenken und Handeln im vergangenen
chen.                                       Jahr. Wir sind ein wichtiger Pfeiler in der   Aldo Kramis
                                            Bekämpfung der Covid-19-Pandemie!             Co-Präsident Ärztegesellschaft
  Nun – liebe Mitglieder – wir wünschen                                                   des Kanton Luzern
euch einen guten Start in das neue Jahr.      Darum wünschen wir euch nebst Hoff-
Bleiben wir zuversichtlich und hoffnungs-   nung und Zuversicht auch viel Energie.

Traktandum 8 – IHAM-Beitrag zur GV 2020
Wir danken euch allen für die Zustim-       Dank ihres Durchhaltewillens, ihres hart-     nur die universitäre Forschung und die
mung zum Förderbeitrag für die Haus-        näckigen Dranbleibens und ihrer Ver-          Ausbildung der Studenten umfasst, son-
arztmedizin! Auf Februar 2021 wird das      netzung mit allen andern HA-Instituten        dern auch die Weitebildung der Assistenz-
Zentrum für Hausarztmedizin und Com-        ist es gelungen, das IHAM &CC Luzern          ärzte in Hausarztmedizin, wozu auch die
munity care an der Universität Luzern       schweizweit bekannt zu machen. Somit ist      Curriculastellen resp. Praxisassistenzen
gegründet. Mit dabei sind auch zwei un-     die Ausbildung der Joint MasterMedizin-       gehören. Eine weitere Tätigkeit ist die
serer Mitglieder: Christoph Merlo und       studenten im Luzerner Track in Hausarzt-      hausärztliche Fortbildung in Zusammen-
Christian Studer. Ebenso mit von Partie     medizin gesichert, die Forschung erhält       arbeit mit der VLUHA, anlässlich der
sind Reto Babst und Armin Gemperli.         die Reputation und die Bedingungen für        Entlebucher Tage oder die FB für unsere
Somit wird aus dem Verein IHAM & CC         universitäre Forschung und Christoph          MPA/MPK. Hier stehen eure Beiträge
ein universitäres Zentrum HAM & CC mit      Merlo und Christian Studer sind neu Kli-      und Sponsorengelder zur Verfügung.
den beiden Hauptbereichen Lehre und         nische Dozenten für Hausarztmedizin.
Forschung. Christoph Merlo und Chris-                                                     Aldo Kramis
tian Studer gebührt grosses Lob für das       Der Verein «Hausarztmedizin & Com-          Co-Präsident Ärztegesellschaft
immense, intensive, herausfordernde und     munity care» wird beibehalten (vormals        des Kanton Luzern
nimmermüde Engagement für das IHAM.         Institut für HAM & CC), da dieses nicht

KLINIK ST. ANNA.
WO SICH RETO, 46, VON
SEINER SKITOUR ERHOLT.
BLICK AUS EINEM PATIENTENZIMMER DER KLINIK ST. ANNA

2
Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
AUS DER HIRSLANDEN KLINIK ST. ANNA

«Die nicht-invasive Beatmung und der Einsatz
von Steroiden haben den Behandlungserfolg deutlich
positiv beeinflusst»
Seit rund zehn Monaten werden auch in der Zentralschweiz Patientinnen und Patienten behandelt, die an Covid-19 erkrankt sind.
Was hat die Medizin in dieser Zeit über die Krankheit gelernt? Und wie haben die neuen Erkenntnisse die Therapie verändert?

Der Intensivmediziner Felix Reichlin und der Infektiologe Rami Sommerstein von der Hirslanden Klinik St. Anna geben Auskunft.

Dr. Reichlin, PD Dr. Sommerstein, die
Wissenschaft hat in den letzten Monaten
viel über SARS-CoV-2 und Covid-19
gelernt. Wie viel grösser ist der Konsens,
was die Behandlung von Covid-19-
Patienten betrifft, im Vergleich mit
der ersten Welle im Frühling 2020?
Felix Reichlin: Er ist viel grösser. Heute
besteht ein ziemlich breiter Konsens über
die verschiedensten Gesundheitsdienst-
leister hinweg, wie Covid-19 behandelt
werden soll. Im letzten Frühling war das
noch ganz anders. Damals waren alle auf
der Suche. Nach dem optimalen Schutz,
der besten Behandlung, dem wirksamsten
Medikament.

Rami Sommerstein: Dem kann ich von
infektiologischer Seite her absolut zu-
stimmen. Es ist unglaublich, wie viel wir
in dieser kurzen Zeit über dieses neue Vi-
rus gelernt haben, und darüber, was es im
menschlichen Körper anrichtet. Ich denke      Dr. med. Felix Reichlin                      PD Dr. med. Rami Sommerstein
nicht, dass es je etwas Vergleichbares gab    Facharzt für Intensivmedizin, Anästhesio-    Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
– dass man eine so schwere Krankheit in       logie, Hirslanden-Klinik St. Anna            Infektiologie; Hirslanden-Klinik St. Anna
so kurzer Zeit so gut erforscht hat. Natür-
lich wissen wir vieles noch immer nicht,
aber die Fortschritte sind unbestritten.      ten Welle noch zum Teil widersprüchliche     RS: Genau. Bei SARS-CoV-1 waren die
Erstaunlich finde ich, dass sich sowohl in    Ansichten bei den verschiedenen Fachge-      Patienten am zehnten Tag nach Symptom-
der Prävention wie in der Therapie welt-      sellschaften gab.                            beginn am ansteckendsten. Das stellt ein
weit ähnliche Grundsätze etabliert haben.                                                  Spital natürlich vor ganz andere Heraus-
                                              Reden wir über Konkretes und begin-          forderungen.
Warum hat das so gut funktioniert?            nen wir bei der Prävention: Zu Beginn
                                              der Pandemie sah man Bilder aus              Vor welche konkret?
RS: Ich denke, das hat mit dem generellen     Intensivstationen, deren Mitarbeitende
wissenschaftlichen Fortschritt und mit der    in ihrer Schutzkleidung aussahen, als        FR: Nehmen wir als Beispiel die Beat-
globalen Vernetzung zu tun. Jede neue Er-     wären sie auf einem Mondspaziergang.         mung intensivpflegebedürftiger Patien-
kenntnis, jede Studie und Publikation ist     Heute sieht man dies kaum noch. Wel-         ten. Zu Beginn der Pandemie rieten prak-
heute rasch online verfügbar und kann         che Erkenntnis steckt dahinter?              tisch alle grossen Fachgesellschaften dazu,
sofort in den medizinischen Diskurs ein-                                                   dyspnoische Patienten möglichst bald zu
fliessen.                                     RS: Eine wichtige Erkenntnis in Bezug auf    intubieren. Von der nicht-invasiven Sauer-
                                              den Schutz vor Ansteckung im Spitalum-       stoffversorgung, etwa mit einer Mund-
Wie muss man sich das konkret                 feld ist zweifelsfrei die, dass SARS-CoV-2   Nasen-Maske oder über eine Nasenbrille,
vorstellen? Wie wird aus der Theorie          in den 24 Stunden vor und nach Symp-         wurde vehement abgeraten. Dahinter
Praxis?                                       tombeginn am stärksten übertragen wird.      steckte die Sorge, dass sich das Virus bei
                                              Das ist die intensivste Ansteckungsphase.    nicht-invasiver Beatmung in der Umge-
FR: In den meisten Fällen geschieht das       Das wusste man in den ersten Wochen der      bungsluft verbreiten könnte, wie das bei
im Rahmen von so genannten Konsensus-         Pandemie nicht. Damals ging man davon        SARS-CoV-1 der Fall gewesen war. Erst
Konferenzen, die von den Fachgesell-          aus, dass sich das neue Coronavirus ähn-     mit der Zeit setzte sich auf den Intensiv-
schaften organisiert werden. Dort werden      lich verhalten dürfte wie SARS-CoV-1.        stationen die Erkenntnis durch, dass das
neue Erkenntnisse diskutiert und dann                                                      Ansteckungsrisiko auch bei Masken- oder
in Form konkreter Empfehlungen an die         Jenes Coronavirus, welches 2002              Nasenbrillen-Beatmung gering blieb, und
Basis weitergegeben. Auch hier sehen wir,     und 2003 zur SARS-Pandemie in Süd-           mehr noch: dass eine Intubation mögli-
dass sich die Behandlungskonzepte immer       ostasien und weiten Teilen der Welt          cherweise nicht den gewünschten Effekt
stärker angleichen, während es in der ers-    geführt hatte.                               erzielte, sondern die entzündete Lunge

10  Luzerner Arzt 124 / 2021                                                                                                        1
Informationsblatt der Ärztegesellschaften der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri, Zug - Januar 2021/1 Nr. 124
zusätzlich belastete. Wir waren glückli-       Kann man Covid-19 vereinfacht in               ein deutlich grösserer Anteil direkt auf
cherweise schon sehr früh sehr zurück-         zwei Phasen einteilen? Eine erste, rund        die IPS eintritt und nicht erst während des
haltend mit dem Intubieren von Covid-          zweiwöchige Phase, in der es darum             Spitalaufenthalts zum Intensivpflegefall
19-Patienten, und heute sehen wir anhand       geht, die Vermehrung und Verbreitung           wird. Das macht die Behandlung sehr an-
der im Vergleich zur ersten Welle deutlich     des Virus im Körper möglichst einzu-           spruchsvoll und von der Planung her sehr
tieferen Mortalitätsraten, dass sich diese     dämmen, und eine zweite Phase, in der          aufwändig.
Zurückhaltung auszahlt.                        die Immunreaktion des Körpers im
                                               Zentrum steht?                                 FR: Die Covid-19-Patienten bleiben oft
Hat man demnach keine Angst mehr                                                              über mehrere Wochen auf der Intensivsta-
vor einer Übertragung mittels Aerosole         RS: Ja, das trifft so zu. Und das Problem      tion. Bei einem günstigen Verlauf können
über die Luft?                                 bei Covid-19 besteht nun darin, dass es für    wir sie innert einer Woche soweit restabi-
                                               die Behandlung während der ersten Phase        lisieren, dass sie zurück auf die Abteilung
RS: SARS-CoV-2 ist ein Virus, das sich         keine erfolgsversprechenden Therapiean-        verlegt werden können. Die ganz langen
primär über Tröpfchen verbreitet, ähn-         sätze gibt. Das Medikament Remdesivir          Verläufe sehen wir meist bei betagten
lich wie das Influenza-Virus. Und genau        beispielsweise, das genau in dieser Phase      Menschen.
wie bei der Grippe gehen wir auch bei          antiviral wirken müsste, und in das an-
Covid-19 davon aus, dass virushaltige          fangs grosse Hoffnungen gesetzt worden
Kleinstpartikel in der Luft – eben die so      sind, hat sich als wenig wirksam erwiesen
genannten Aerosole, die sich über eine         und wird heute nur noch zurückhaltend
Distanz von mehr als 2 Metern verbreiten       eingesetzt. Möglicherweise sind die Studi-
und auch länger in der Raumluft schwe-         enresultate aber auch deshalb so ernüch-
ben können – eine Rolle spielen. Wohl          ternd, weil die Patientinnen und Patienten
aber keine entscheidende Rolle. Die            relativ spät ins Spital kommen, nämlich
Angst, die man im letzten Frühjahr noch        dann, wenn die erste Phase schon weit
hatte, dass sich zum Beispiel von einem        fortgeschritten ist. Viele Patienten, die
beatmeten Covid-19-Patienten auf der           das Gefühl haben, sie seien erst seit zwei
Intensivstation das Virus im ganzen Spital     oder drei Tagen krank, sind womöglich
ausbreiten kann, ist unbegründet. SARS-        schon seit mehr als sieben Tagen krank.
CoV-2 ist nicht vergleichbar mit Erregern,     Das erschwert die Behandlung in dieser
die sich sehr leicht über die Luft verbrei-    ersten Phase sehr stark. Wir sprechen hier
ten, wie bei Masern, Tuberkulose oder          vom so genannten «insidious onset», also
Windpocken.                                    einem schleichenden Auftreten. Covid-19        Bleiben wir noch kurz auf der IPS: Sie
                                               fängt ganz diskret an, kann sich aber dann     haben erwähnt, dass man aufgrund der
Heisst das, dass ein Patient, der sich         im ganzen Körper ausbreiten und unver-         infektiologischen Erkenntnisse ver-
zwei Wochen nach Symptombeginn                 mittelt zu schweren Verläufen führen, die      mehrt nicht-invasiv beatmet. Das ist
auf einer Intensivstation befindet, mit        Intensivpflege voraussetzen.                   aber nicht der einzige Grund, warum
grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr                                                         man von der Intubation so oft wie
sehr ansteckend ist?                           Wie viele Prozent der wegen Covid-19           möglich absieht.
                                               hospitalisierten Personen werden
FR: Dazu gibt es leider noch keine verläss-    intensivpflegepflichtig?                       FR: Nein, denn eine invasive Beatmung
lichen Daten. Aber es ist schon so, dass wir                                                  birgt immer ein zusätzliches Risiko für
auf der Intensivstation bei einem solchen      RS: Wir haben diese Frage schweizweit          respiratorische Infekte und Lungenschä-
Patienten von einer geringeren Virenlast       ausgewertet und mit der Grippe vergli-         digungen. Der grösste Vorteil der nicht-
ausgehen. Das bedeutet natürlich nicht,        chen. Von 100 Personen, die wegen Co-          invasiven Beatmung besteht aber darin,
dass wir die strengen Schutzkonzepte des-      vid-19 ins Spital müssen, sind im Schnitt      dass der Patient bei Bewusstsein ist, aktiv
wegen vernachlässigen würden. Es ist viel-     etwa 20 intensivpflegebedürftig. Aber nur      bleibt, trinken und essen kann und so sel-
mehr so, dass wir unsere Aufmerksamkeit        die Hälfte dieser 20 Prozent tritt bereits     ber zur Therapie beiträgt. Die Intubation
zwei Wochen nach Symptombeginn nicht           als Intensivpflegefall ein. Die andere Hälf-   geht leider oft einher mit einem Verlust
mehr auf das Virus richten, sondern auf        te ist zuerst während maximal einer Wo-        der Selbstwahrnehmung, mit muskulären
die Entzündungsreaktionen im Körper,           che auf der normalen Bettenstation, bis        und neuronalen Schädigungen. Deshalb
also auf die Antwort des Immunsystems          sich ihr Zustand so stark verschlechtert,      sind wir hier sehr zurückhaltend gewor-
auf das Virus. Wir mussten erst lernen, wie    dass sie auf die IPS verlegt werden müs-       den.
diese Krankheit verläuft, und erkennen,        sen. Zum Vergleich: Bei der Grippe sind
dass es je nach Phase der Krankheit unter-     nur rund 10 Prozent aller hospitalisierten     Ein Bild, das ebenfalls mit der Covid-
schiedliche Therapieansätze braucht.           Personen intensivpflegebedürftig, wobei        19-Pandemie ins öffentliche Bewusst-
                                                                                              sein gerückt ist, sind Patienten in
                                                                                              Bauchlage. Eigentlich nichts Unge-
                                                                                              wöhnliches auf einer IPS, oder?
                                                                                              FR: Nein, das Konzept der Lagerungs-
                                                                                              therapie bei Patienten mit stark einge-
                                                                                              schränkter Lungenfunktion, insbesondere
                                                                                              in Zusammenhang mit dem ARDS, ist
                                                                                              in der Intensivmedizin schon lange etab-
                                                                                              liert. Neuer ist, dass die Bauchlage jetzt
                                                                                              auch gezielt bei nicht beatmeten COVID-
                                                                                              19-Patienten eingesetzt wird. Mittlerwei-
                                                                                              le halten wir diese Patienten selbst auf
                                                                                              der Normalstation zur intermittierenden
                                                                                              Bauchlage an. Auch dort machen Bauch-
                                                                                              oder sogenannte 135-Grad-Lagerungen
                                                                                              Sinn und wir sehen positive Effekte, was
                                                                                              die Linderung der Atemnot betrifft.

2                                                                                                                 Luzerner Arzt 124 / 2021   11
Sprechen wir über die zweite Phase der                                                     urteilen gemeinsam, ob wir auf dem richti-
Behandlung, in der es darum geht, das                                                      gen Weg sind oder ob es Anpassungen bei
Immunsystem zu stabilisieren und die                                                       diesen Behandlungsbausteinen braucht.
Entzündungsreaktionen im Körper zu
verringern. Sind die Therapieansätze                                                       Müsste man bei Covid-19 inzwischen
hier erfolgsversprechender?                                                                nicht von einer Gefässerkrankung
                                                                                           sprechen? Es ist ja viel mehr als eine
FR: Ja, das kann man sagen. Neben der                                                      Lungenkrankheit.
nicht-invasiven Beatmung mittels NIV-
Maske oder High-Flow-Nasenbrille hat                                                       RS: Ja, im weitesten Sinn ist es eine Sys-
sicher der Einsatz von Steroiden den Be-                                                   temerkrankung. Deshalb treten die unter-
handlungserfolg am deutlichsten positiv                                                    schiedlichsten Symptome auf, wie Frost-
beeinflusst. Wir wenden das Medikament                                                     beulen bei Kindern, Schlaganfälle bei
Dexamethason heute bei den meisten Pa-                                                     jungen Erwachsenen, sowas.
tienten an, bei denen es nicht klar kon-
traindiziert ist, auch bei solchen, deren                                                  FR: Wir müssen aber auch aufpassen, dass
Allgemeinzustand sich noch nicht so stark                                                  wir nicht alles unter dem Krankheitsbild
verschlechtert hat.                                                                        Covid-19 subsumieren. Es gibt ja nach wie
                                                                                           vor viele andere Krankheiten. Hier muss
Man hört immer wieder, dass sich der                                                       eine saubere Abgrenzung erfolgen: was ist
Zustand hospitalisierter Covid-19-                                                         Ursache und was Begleiterscheinung?
Patienten sehr schnell verschlechtern
kann. Warum ist das so?                                                                    Aus den USA hört man, dass erfolgreich
                                                                                           Rekonvaleszentenplasma und monoklo-
RS: Wir wissen, dass das Virus, spätestens                                                 nale – also künstlich hergestellte – Anti-
wenn es das Immunsystem zu einer Reak-                                                     körper eingesetzt werden. Donald Trump
tion zwingt, den Gasaustausch behindert.                                                   soll während seiner Erkrankung einen
Der Sauerstoff wird also im Blut weniger                                                   solchen Antikörper-Cocktail bekommen
gut aufgenommen. Deshalb beobachten                                                        haben. Ist das bei uns ein Thema?
wir bei vielen Patienten einen Rückgang
der Sauerstoffsättigung. Das Problem         Wie wichtig sind Antikoagulantien?            RS: In der Schweiz gilt diese Therapie als
ist nun, dass Atemnot nicht durch einen      RS: Die sind in der Behandlung eben-          experimentell und ist nicht zugelassen.
mangelhaften Sauerstoffaustausch, son-       falls sehr wichtig geworden. Bei Covid-19     Der Mechanismus macht aber durchaus
dern durch Probleme beim Kohlenstoff-        denkt man ja nach wie vor an Lungen-          Sinn. Wenn wir an die beiden Phasen zu-
austausch verursacht wird. Und dieser        entzündungen. Dabei ist es mehr als das.      rückdenken: Hier geht es wieder um die
funktioniert im Gegensatz zur Sauer-         SARS-CoV-2 verursacht Gefässentzün-           erste Phase, also darum, das Virus an der
stoffaufnahme noch recht lange recht gut,    dungen. Das sieht man auch anhand der         Reproduktion zu hindern. Dabei gilt:
weshalb viele Patienten auch dann noch       besonders gefährdeten Personengruppen:        je schneller nach einer Ansteckung das
keine Atemnot bemerken, wenn ihre O2-        Menschen mit kardiovaskulären Gefä-           passiert, umso besser. Bei Donald Trump
Sättigung im Blut bereits auf 90 Prozent     sserkrankungen, Raucher, Diabetiker, alte     darf man davon ausgehen, dass die Anste-
zurückgegangen ist. Erst wenn sie sich be-   Menschen. Wenn man jetzt weiss, dass          ckung aufgrund der regelmässigen Tests
wegen, merken sie, dass sie kurzatmig und    das Virus diese vorgeschädigten Gefässe       sehr früh erkannt wurde, weshalb die
schnell erschöpft sind. Gerade bei älteren   angreift, und dabei besonders das Endo-       Wirkung einer solchen Therapie natür-
Menschen, die sich wenig bewegen, kann       thel, also die Zellschicht an der Innenflä-   lich entsprechend erfolgsversprechender
das ein grosses Problem sein. Sie merken     che der Blut- und Lymphgefässe, so ist es     gewesen sein dürfte. Aber wir wollen an
erst dann, dass etwas nicht stimmt, wenn     überhaupt nicht erstaunlich, dass es zu       dieser Stelle nicht über Einzelfälle speku-
das System nahe am Kollaps ist. Dieses       Gerinnungsproblemen kommt. Primär             lieren.
Phänomen hat man im März in New York         geschieht das in den kleinen Gefässen, es
erstmals genauer beobachtet. Dort sprach     können aber auch Beinvenenthrombosen          Der nächste Meilenstein, der sich
man von «silent hypoxemia» oder «happy       auftreten, die dann zu einer Lungenembo-      abzeichnet, ist die Covid-19-Impfung.
hypoxemia».                                  lie führen können.                            Wie geht es weiter, bis flächendecken-
                                                                                           de Impfungen möglich und verfügbar
                                             Was kommt zum Einsatz? Heparine?              sind?
                                             FR: Da hat jede Klinik ihre eigenen Stan-     FR: Ich denke, wir sind mit den aktuel-
                                             dardprodukte. Wir setzen in der Regel         len Schutz- und Behandlungskonzepten
                                             niedermolekulare Heparine ein, beispiels-     auf einem guten Weg. Wir hatten bisher
                                             weise Fragmin. Es gibt aber auch andere,      kaum nosokomiale Übertragungen und
                                             vergleichbare Medikamente.                    konstatieren eine vergleichsweise tiefe
                                                                                           Mortalitätsrate. Wir dürfen aber nicht den
                                             RS: Bei diesen Medikamenten ist es ganz       Fehler machen, Covid-19 als kurzfristiges
                                             wichtig, dass nicht zu aggressiv antiko-      Problem abzutun, das so schnell wieder
                                             aguliert wird. Wir streben da immer die       verschwindet, wie es gekommen ist. Alle
                                             perfekte Balance an und überwachen die        Lösungsansätze, von den Schutzmassnah-
                                             Blutgerinnung ganz genau.                     men bis zu den Behandlungspfaden soll-
                                                                                           ten darauf abzielen, dem Virus langfristig
FR: Wir beobachten dieses Phänomen           FR: Bei den Covid-19-Patienten auf der        Paroli bieten zu können. Auch wenn die
auf der Intensivstation täglich. Auch jün-   Intensivstation überwachen und reevalu-       Impfstoffe vielversprechend sind, dürfte
gere Personen äussern selbst bei einer       ieren wir täglich in einem Gremium aus        uns Covid-19 noch eine ganze Weile be-
Sauerstoffsättigung von 80 Prozent oder      Intensivmedizinern, Infektiologen und         schäftigen.
sogar weniger subjektiv kaum Dyspnoe-        Internisten bei jeder Person die grund-
Beschwerden. Das ist ein ganz spezieller     sätzlichen Therapiepfeiler wie Steroide,      Dr. Reichlin, Dr. Sommerstein, vielen
Aspekt dieser Viruserkrankung.               Antikoagulation und Antibiotika. Wir be-      Dank für dieses Gespräch.

12  Luzerner Arzt 124 / 2021                                                                                                        3
STS 0292

My Viollier – Die Patienten App
Ihre Laborgeschichte immer dabei

Mit der My Viollier App haben Sie als Patient – nach einmaliger Freigabe durch Ihren Arzt – Zugang
zu Ihren bisherigen und künftigen Laborresultaten von Viollier. Ist es für Sie von Vorteil, auch auf Reisen
auf Ihre Laborresultate zugreifen zu können? Was benötigen Sie sonst noch für Ihre Reise?

myviollier.ch

                                 Ch e c k lis t e
                                  Pa s s ✔
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                                   K r im i ✔
                                                              n✔
                                    H y g ie n e m a s k e
                                          e  s in f e k t io n s m it te l   ✔
                                      D
                                                               ✔
Aufruf der Ärztegesellschaften
                        UWÄG                                                Kantone Luzern, Uri
                        Unterwaldner
                                                                            und Unterwalden
                         Ärztegesellschaft        Ärztegesellschaft
                                                  des Kantons Uri

Betriebsdaten 2019 im PraxisNavigator
erfassen!
Die Luzerner, Urner und Unterwaldner Ärztegesellschaften fordern
ihre Mitgliedern auf, ihre Betriebsdaten im PraxisNavigator von
medkey zu erfassen.
  Was müssen Sie tun?

  Die Leistungs- und Kostendaten (Betriebsdaten) können im medPoint PraxisNavigator in der Rubrik „Finanzzahlen“
  eingegeben werden. Halten Sie den Jahresabschluss des Jahres 2019 sowie Ihre Login Informationen in den Praxis-
  Navigator bereit.
  Nutzen Sie verschiedene Möglichkeiten, wie Sie die Daten des Finanzjahres 2019 erfassen können:

  •    Erfassung im medPoint PraxisNavigator (für Kunden medkey)
  •    Erfassung im Excel Formular, Download unter www.medkey.ch/projekte/betriebsdatenerhebung
  •    Beauftragen Sie Ihren Treuhänder (Nutzung Excel Formular) oder medkey mit der Erfassung

  Transfer der Daten in den eFragebogen MAS des BFS via BFS XML

Wozu brauchem die Ärztegesell-             oder über eine Institution abrechnen.    Fristen in der Übersicht:
schaften die Betriebsdaten?                Angestellte Ärzte koordinieren die
Eine solide Datenbasis ist für die Ärz-    Lieferung der Betriebsdaten mit ihren    28.02.2021
teschaft unerlässlich – an allen Fron-     Arbeitgebern.                            Erfassung FJ 2019 im PraxisNavigator
ten werden Statistiken präsentiert die                                              (Luzern, Uri, Unterwalden)
darauf abzielen die Kosten zu senken,      Die Ärztegesellschaften Luzern und
was im Endeffekt den Tarif und die         Unterwalden haben eine Lenkungs-         28.02.2021 alle Kantone:
Einnahmen der Ärzte beeinflussen           abgabe von Fr. 1‘000.- bei               Abschliessen eFragebogen MAS 2019
wird.                                      Nicht-Lieferung der Betriebsdaten
                                           festgelegt.
Die Verhandlungen zu TARDOC ge-
hen weiter, das Jahr 2019 wurde als        Schnittstelle eFragebogen MAS
Referenzjahr bestimmt, vor diesem          Die Erhebung 2019 des Bundesamt
Hintergrund ist eine hohe Teilnahme-       für Statistik (BfS) läuft bis Ende
quote am Finanzjahr 2019 von grös-         Februar 2021.
ster Wichtigkeit! Damit eine Entwick-      Die bereits im PraxisNavigator erfass-   Weitere Fragen?
lung verfolgt werden kann, sind auch       ten Daten können ab dann via einer       www.aerzte-zs.ch
die Vorjahre als Basis äusserst wichtig.   Schnittstelle in den eFragebogen des
                                           BfS importiert werden. Es entfällt so-   Die Geschäftsstelle steht Ihnen gerne
Wer muss an der Betriebsdatener-           mit ein grosser Teil der mühsamen        zur Verfügung:
                                                                                    sekretariat@aerzte-lu.ch /
hebung teilnehmen?                         Datenübernahme von beispielsweise
                                                                                    041 410 80 85
Alle Ärzte mit ambulanter Praxistä-        Patientenzahlen, Konsultationszah-
tigkeit müssen ihre Daten liefern. Un-     len, Personal, Anzahl Arbeitstage so-    Für technische Fragen:
abhängig davon, ob sie selbständig         wie den Finanzzahlen - nutzen Sie        www.medkey.ch
oder angestellt sind, mit eigener ZSR      diese Vereinfachung!                     medkey@hin.ch / 041 410 88 39

14  Luzerner Arzt 124 / 2021
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