INSIDE AFD INSTAGRAM 4: DALAI LAMA, KLIMAFAKTENCHECK - VOLKSVERPETZER

Die Seite wird erstellt Heinz Janssen
 
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INSIDE AFD INSTAGRAM 4: DALAI LAMA, KLIMAFAKTENCHECK - VOLKSVERPETZER
Inside AfD Instagram 4: Dalai
Lama, Klimafaktencheck

Inside AfD 4
„Dalai Lama warnt vor zu vielen Migranten: Europa darf nicht
muslimisch oder afrikanisch werden“ – so lautet eine Headline,
die die AfD Esslingen auf ihrem Instagramaccount gepostet hat
und die mir heute als erstes entgegenstrahlt. Der Dalai Lama
als rechter Scharfmacher? Kommt mir suspekt vor – den
Faktencheck kann ich mir aber sparen, wie ich merke, denn
correctiv.org hat das für mich übernommen und stellt fest,
dass der Dalai Lama zwar fordert, Migranten sollten möglichst
bald in ihre Herkunftsländer zurückkehren (können!), aber
nicht vor etwas „warnt“ oder gar Gefahren anzeigt – er ist
wohl im Großen und Ganzen lediglich der Meinung, dass jeder
Mensch ein Zuhause haben sollte, zu dem es ihn immer wieder
hinzieht.

Da die Seite in ihrer Reichweite relativ begrenzt ist, ist die
Zahl der Kommentare überschaubar – einer der Kommentare ist
dennoch fast schon anekdotisch: „Es gibt wenige Deutsche, die
sich gegen die Flüchtlings Flut bekennen!“ stellt der Urheber
fest – scheinbar nicht wissend, dass auch der Dalai Lama ein
Geflüchteter ist.
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AfD gegen den Dalai Lama?
Man könnte die fast schon philosophische Frage stellen: Ist
die AfD jetzt auf Seiten des Dalai Lamas, wie der Post
suggeriert, oder entscheidet sie sich gegen ihn, da er ja ein
Flüchtling ist, der schnell wieder nach Hause sollte? Hier
zeigt sich, dass es nicht um Migration an sich geht (Denn dann
würde die AfD einen tibetischen Flüchtling in Indien nicht
anders behandeln als einen afghanischen Flüchtling in
Deutschland) sondern darum, primitive, nationalistische
Bedürfnisse der Anhängerschaft anzusprechen – und gegebenfalls
mit schlampig recherchierten Quellen zu „belegen“.

Den nächsten Post („VERRÜCKTE MUTPROBEN! 2010: Vom 10er
springen! 2020: Ins Freibad gehen!“) überspringe ich daraufhin
erstmal, da ich, ohne den Post zu lesen, genau weiß, worum es
geht und welch platte Hetze sich dahinter versteckt.

Der nächste Post ist ohnehin viel interessanter: Eine Seite
bietet eine „Faktensammlung“ (behauptet sie zumindest) unter
der Überschrift „4 Unglaubliche Klimafakten“. Das ist schon
eher etwas für mich.

Erster „Fakt“: „85% sämtlicher Emissionen
werden von 3 Ländern erzeugt – China,
Indien und USA“
Was mir sofort auffällt: „Sämtliche Emissionen“ ist total
schwammig formuliert – eine „Emission“ kann per Definition
alles sein, von einer schweizerischen Rundfunksendung über die
Ausgabe von Wertpapieren im Finanzwesen bis zum „Ausströmen
verunreinigender Stoffe, schädlicher Energien in die Umwelt“
(Quelle)

Aber gut, gehen wir davon aus, dass hier die Emission von CO2
gemeint ist. Auch dann stimmen die Zahlen wohl nicht. Es ist
zwar keine Quelle angegeben (außer ein ominöses „Wissen ist
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Macht“ in der unteren rechten Ecke), aber es finden sich nach
eigener Recherche folgende Aussagen zum Thema: „Fast zwei
Drittel der weltweiten Kohlendioxidemissionen werden von 10
Staaten verursacht [darunter die 3 genannten, außerdem auch
Deutschland!]“ Quelle; Wikipedia (Quelle ) gibt auf einer
„Liste der größten Kohlenstoffdioxidemittenten“ China mit
26,4%, die USA mit 17,7% und Indien mit 5,3% Anteil an;
statista.de (Quelle) ermittelte folgende Zahlen: China 28,21%,
USA 15,99%, Indien 6,24%.

Fakt ist also: Die 3 genannten Staaten sind tatsächlich die 3
größten Emittenten von CO 2 , die 85% entspringen aber einem
Reich der Albträume. Realistischer sind wohl Werte knapp unter
50%.

Zweiter „Fakt“: „derzeit      weltweit   im   Bau   befindliche
Kohlekraftwerke: 1.400“

Diese Zahl dürfte stimmen (u.a. hier: Quelle ) – ist aber ein
Grund mehr, dass Deutschland sich neben dem nationalen auch
für einen weltweiten Kohleausstieg einsetzen sollte.

Dritter „Fakt“: „derzeit weltweit im Bau
befindliche Kernkraftwerke: 147“
Wir müssen dabei bedenken: Es geht hier um die Klimapolitik!
Atomkraftwerke sind prinzipiell kein Problem für das Klima (da
sie nunmal kaum CO 2 oder andere klimaschädigende Gase
emittieren), sondern eher eine Gefahr für die Umwelt und auch
für die Menschen, die im ihrer Umgebung leben. Hier kann man
schön sehen, wie groß der Unterschied zwischen Klima- und
Umweltschutz sein kann.

Ob die Zahl 147 korrekt ist, lässt sich nicht so leicht
bestätigen. World-nuclear.org (Quelle) spricht von ca. 50
Atomkraftwerken die momentan in Bau seien – vermutlich sind
also auch die 147 zu hoch gegriffen.
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Vierter „Fakt“: „Weltweiter Anteil Deutschlands am CO2 [sic!]-
Gehalt der Luft: 0,0004712%“

Abgesehen davon, dass die Fußnote „2“ natürlich auch am Fuß
des „O“ stehen muss (also CO2): Diese Zahl kann bei der Aussage
nicht stimmen. Hier wurde nämlich eine beliebte rechte
Zahlenspielerei in einen falschen Kontext gestellt.

Die 0,0004712% sind der Anteil der gesamten, weltweiten Luft,
den CO2 aus Deutschland einnimmt! Deutschland beeinflusst also
nicht nur 0,0004712% des CO 2 , welches insgesamt ausgestoßen
wird.
Laut der oben zitierten Wikipedia-Liste dürfte Deutschland
(Stand: 2011) einen Anteil von 2,4% liegen – mehr als doppelt
so viel wie unser Bevölkerungsanteil weltweit!

Falls nicht ganz klar wird, worauf ich
hinaus will, hier eine Veranschaulichung:
In einer Garage stehen hundert Autos. Von diesen hundert Autos
sind 10 rot. Eines der roten Autos ist ein deutsches Auto (die
anderen 9 nicht). Der Gesamtanteil von roten, deutschen Autos
in der Garage beträgt 1% (da ja nur auf eins von 100 Autos
diese Kategorien zutreffen)- die Anzahl deutscher Autos an
roten Autos allerdings 10%. Die obige Quelle hingegen
behauptet, der Anteil deutscher Autos an den roten Autos
betrage 1% – was einfach falsch gerechnet ist.

Ich vermute ja, dass sich hier eben nicht „verrechnet“ wurde,
sondern bewusst alles so gedreht wird, dass der Klimawandel
möglichst kleingerechnet ist. Das Ganze soll halbwegs
wissenschaftlich aussehen – wohl auch, damit potenzielle
Skeptiker in den eigenen Reihen gar nicht erst auf die Idee
kommen, die Zahlen zu überprüfen.

Doch die Schlussfolgerung, die diese Leute dann für die
Politik ziehen ist verheerend. Der Post suggeriert nämlich,
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die USA, Indien und China müssten 85% zum weltweiten
Klimaschutz beitragen, während Deutschland nur 0,0004712%
beitragen müsse – nicht zufällig werden diese beiden Zahlen zu
Beginn und Ende genannt. Das bestärkt dann „Klimaleugner“ und
„-skeptiker“ in ihrer Haltung, man müsse sich gegen eine
„Ökodiktatur“ und „Klimahysterie“ wehren.

Was können wir gegen diese Meinungsmache
tun?
Der erste Schritt ist natürlich, Artikel wie diesen hier zu
verbreiten, sodass möglichst viele Menschen eben NICHT der
rechten Hetze und den „alternativen“ Fakenews auf den Leim
gehen. Man kann Hetze und Wahrheitsverdrehung nur mit Bildung
entgegentreten. Auch dieser Artikel bietet hilfreiche
Argumentationsgrundlagen.

 Mit diesen Fakten & Strategien zerlegst du AfD-Klimaskeptiker
 in Diskussionen (Teil 1)

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Diskussionen im
echten Leben darüber hinaus deutlich fruchtbarer sind als
Diskussionen in der Anonymität des Internets. Und zu guter
Letzt darf man auch angesichts der scheinbaren Flut an rechter
Häme und Hetze nie vergessen: In der Realität sind die
vernünftigen Menschen nach wie vor in der Überzahl. Wir müssen
nur lauter werden und zu Fakten, Vernunft und Wissenschaft
stehen.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Die wohl wichtigste Meldung
fürs    Klima,    die    du
wahrscheinlich nicht gehört
hast

Es ist schlimmer als befürchtet
Immer noch wird in der Öffentlichkeit und Politik die Dramatik
und die Dringlichkeit der Klimakrise massiv unterschätzt. Im
Bundestag sitzt gar eine Partei, die den menschengemachten
Klimawandel gänzlich leugnet, doch auch die Union ist mit
ihrer Verschleppungstaktik äußerst gefährlich. Dabei ignoriert
sie ihren eigenen Koalitionsvertrag und das Pariser
Klimaabkommen. Wenn man diese ernst nehmen würde, müsste die
Klimaneutralität bereits 2035 erreicht werden. Und wir wollen
noch 2038 Kohle verbrennen!
Es ist kein Wunder, das das Ausmaß der Klimakatastrophe bei
vielen Menschen nicht realisiert wird, wenn diese in den
Medien kaum behandelt werden. Denn: Es ist viel schlimmer als
gedacht. Neue Studien legen nahe, dass die Eisschmelze in der
Arktis viel schneller abläuft als bisher angenommen. In
Grönland verlor die Insel 2 Milliarden Tonnen Eis am Tag, wie
der Experte Thomas Mote von der University of Georgia in CNN
erklärte. Zur Visualisierung:

 Daily chart: The Greenland ice sheet is melting unusually
 fast https://t.co/6cpgYCqGCs via @TheEconomist

 — Lügenpetzer (@ThomasLaschyk) June 22, 2019

 News from @ZERO74N : The 15th of June is the long term
 average date for 50 % #snowcover in the central part of the
 #Zackenberg Valley (1998-2017). While last year it was still
 around 100 %, this year all snow was gone on this date.
 Imagery     data     from        #sentinel      #Greenland
 pic.twitter.com/kB2VEm9Yek

 — Greenland Ecosystem Monitoring (@GEM_Arctic) June 18, 2019

Schmelze 70 jahre früher als gedacht
Bereits im Jahr 2012 schmolz das Eis in Grönland so stark wie
nie zuvor, die Forscher fürchten jetzt, dass jetzt ein neuer
Rekord aufgestellt wird. Auch alarmierend ist die Meldung,
dass die Permafrostböden der kanadischen Arktis ebenfalls viel
schneller als vorgesehen. „An allen untersuchten Stellen traf
oder übertraf die maximale Auftautiefe seit 2003 die in einem
Szenario des UN-Weltklimarats IPCC für 2090 prognostizierten
Werte“, sagt das Forscherteam des Geophysikalischen Instituts
in Fairbanks, Alaska.

Die Befürchtungen der Forscher werden übertroffen: Selbst wenn
die Welt sich an die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens
halten sollte (was bisher nicht der Fall ist, Deutschland
verpasst seine Ziele für 2020 deutlich), würden die
Temperaturen in der Arktis bis 2050 3 bis 5 Grad höher als
bisher. So der Unep-Bericht „Global Linkages“. Bereits 2030
dürfte die Arktis im Sommer eisfrei sein. Wir müssen also
jetzt dringend handeln. Doch warum wird diese Meldung nicht
breit diskutiert?

Meghan Markle ist interessanter
Bis zum Freitag haben nur sehr wenige deutsche Medien über
diese schockierende Nachricht berichtet, dass das Eis in
Grönland viel stärker schmilzt als angenommen, wie die taz
oder der Focus. Die Anzahl aller Meldungen dazu ist höchst
überschaubar, wie Analysen zeigen:

Nimmt man beispielsweise zum Vergleich Artikel mit Meldungen
über „Meghan Markle“ sieht man die Diskrepanz deutlicher:
Und nein, Klatschzeitungen sind nicht dabei, es handelt sich
um Spiegel und Co.

Mehr über Klima berichten!
Und natürlich werden sich immer mehr Menschen bewusst, wie
sehr wir bei der Bewältigung Klimakrise hinterherhängen. Erst
gestern demonstrierten zehntausende Demonstranten in Aachen
bei #FridaysForFuture. Dennoch wird das Thema anscheinend von
den Regierungsparteien weiter ignoriert, kein Wunder also,
dass die Grünen inzwischen in Umfragen die stärkste Partei
sind. Dennoch ist dieses Fehlen an Meldungen, die die
Dringlichkeit des Themas verdeutlichen, ein Faktor, der die
Lethargie der Politik erklärt. Und warum „Klimaskeptiker“ mit
Unsinns-Argumenten und Verschwörungstheorien Zulauf erhalten:

 Mit diesen Fakten & Strategien zerlegst du AfD-Klimaskeptiker
 in Diskussionen (Teil 1)

Und natürlich geht das ohne Alarmismus und Clickbait. Aber es
wäre schön, wenn solche beunruhigenden Meldungen mehr
Aufmerksamkeit bekommen würden. Die Klimakrise ist eine
Informationskrise.

Daten: Philip Kreißel, Artikelbild: pixabay.com, CC0, Dean
Drobot, shutterstock.com

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Lebt Weidel auf dem Mars? Das
nächste Klima-Eigentor der
AfD
Weidel im wunderland
Die AfD von Alice Weidel ist die vielleicht klimafeindlichste
Partei Europas. Um vom wissenschaftlichen Konsens des
menschengemachten Klimawandels abzulenken werden allerlei
Verschwörungstheorien und Unsinn verbreitet.

 Studie: Die AfD ist die vielleicht klimafeindlichste Partei
 Europas

Und immer wieder wird so getan, als beziehe man sich auf
Studien. In ihrem jüngsten Welt-Interview sagte AfD-
Parteichefin Alice Weidel, dass das Niels Bohr Institut einen
„viel belastbareren Zusammenhang zur Sonnenaktivität“ als zu
CO2-Emissionen zuschreibt wenn es um die Erwärmung des
Planeten geht. Und sie hat Recht! Das stimmt!

Aber halt auf dem Mars.

                                             Dasselbe
Institut bestätigt übrigens auch, dass im Gegensatz dazu auf
der Erde ein direkter Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg
und CO2 besteht.

Da Alice Weidel wohl nicht auf dem Mars lebt (sondern in der
Schweiz), bleibt zu fragen, warum sie denn denkt, dass
menschengemachtes CO2 auf dem Mars relativ selten ist. Sorry,
AfD: Die Realität sieht mal wieder anders aus, als man sich
das zurechtl(e/ü)gen möchte!
Danke an die Hooligans Gegen Satzbau für den Hinweis:

 Liebe Alice Weidel,in Ihrem Welt-Interview sagen Sie, dass
 das Niels Bohr Institutet zur Erderwärmung einen „viel…

 Gepostet von Hooligans Gegen Satzbau am Donnerstag, 13. Juni
 2019

AfD lügt ständig über das klima
Solange es irgendwie andeutet, dass es mit der Klimakrise
nicht    doch   so   schlimm  sei,   wird   die   AfD   es
instrumentalisieren, egal wie wahr es ist. So zum Beispiel
jüngst mit diesem Fake:

 Fake: AfD manipuliert ihre Wähler & teilt irreführende Grafik
 des Wetterberichts der Tagesschau

Mein persönliches Highlight ist immer noch dieses hier. Im
Versuch, Windräder schlecht zu reden, beginnen diese zwei AfD-
Politiker einen buchstäblichen Kampf gegen Windmühlen:

 Windräder erzeugen WAS?! AfD-Abgeordnete blamieren sich auf
Twitter

Artikelbild:   photocosmos1,   shutterstock.com,   Screenshots
news.ku.dk

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Die Zerstörung der FAZ: 4
Anzeichen für den Rechtsruck
der Frankfurter Allgemeine
Die Zerstörung der FAZ
Die FAZ war schon immer eine konservativ-liberale Zeitung,
vielleicht auch eher dem „Mainstream“ zuzuordnen. Neben echt
guten Artikeln war auch immer etwas dabei, das
linksökologischen Leser*innen aufgestoßen ist, das soll hier
niemanden verwundern. Doch in letzter Zeit haben sich die
Zeichen vermehrt, die eine subtil andere Richtung suggerieren.

Den jüngsten Fall mit Jasper von Altenbockum und Rezo will ich
einmal zum Anlass nehmen, um ein paar Beispiele aufzulisten,
in welchen sich die FAZ oder ihre Redakteure kritisierenswert
verhalten haben, die mir in letzter Zeit auffielen. Mit dabei
sind Ausflüge in die Klimawandelleugnung und Verbreitung von
Fake News à la AfD. Und daraus möchte ich eine Richtung
ableiten, die die FAZ bzw. ihre Herausgeber derzeit verbreiten
möchten.

1. Verbreitung von Fakes über rezo
Der Kollege Stefan Niggemeier hat es bei Übermedien bereits
bestens zusammengefasst, deshalb werde ich mich kurz halten.
Innenpolitikchef der FAZ, Jasper von Altenbockum, ist auf ein
Youtube-Video hereingefallen, das behauptet, Rezo sei gar
nicht für seine Inhalte verantwortlich, sondern nur ein
bezahlter Influencer. Und sei gar von den Grünen bezahlt
worden. Es ist natürlich völliger Unsinn, was aber Altenbockum
nicht daran hinderte, die Behauptung zu übernehmen.

Zusammen mit einigen CDU-Politikern, die die Unzufriedenheit
über Rezo eint, gaben sie den haltlosen Unterstellungen eine
breite Bühne. Und blamierten sich dabei ordentlich. Während
sich CDU-Politiker Kiesewetter später entschuldigte, redete
sich von Altenbockum erst noch um Kopf und Kragen und
bestritt, gesagt zu haben, was er gesagt hatte. Erst später
äußerte er Reue darüber, es geteilt zu haben. Der FAZ als
Ganzes muss man allerdings zu Gute halten, dass andere
Redakteure, wie Wieduwilt, über den Unsinn des Videos
aufklärten.

 Lieber @hwieduwilt, könnten Sie nicht einen Workshop zum
 Thema Online-Vermarktung am Beispiel YouTubes für alle
 @faznet-Kollegen organisieren, damit ihre Autoren nicht
 komplett den Eindruck erwecken, die FAZ sei das neue KenFM?

 — jerks (@ulmentv) June 10, 2019

Oh und vergessen wir nicht die Berichterstattung über Rezo
mit „Rezo, der Geschäftsmann“ oder „Eine Reichweite, von der
mancher Sender nur träumen kann“. Wo die FAZ es skandalisiert,
dass Rezo Geld verdient. Und wenn man es so formuliert,
erweckt es den Eindruck, wenn einer Geld damit verdient, macht
es seine Aussagen weniger richtig, wichtig oder wert.

Das ist völliger Unsinn. Das ist faktisch und logisch falsch.
Und darüber hinaus auch pure Heuchelei. Denn beide dieser
Artikel stecken hinter einer Paywall. Die FAZ will
buchstäblich, dass du ihr Geld dafür gibst, dass sie dir sagt,
dass Rezo nur finanzielle Interessen hat. Die FAZ, eine
kommerzielle Zeitung, die Geld mit ihren Artikel verdient,
will dir buchstäblich verkaufen, dass das ein sinnvolles
Argument sei.

 Profitframing: Wie mit diesem Bullshit-Argument von Rezos
 Inhalten abgelenkt wird

2.   Verschwörung                   von    „Gletscher-
Vertuschung“
Philip Plickert, aus der Wirtschaftsredaktion, sollte
vielleicht auch bei seinem Kernthema bleiben und keine
Ausflüge in die Klimaforschung unternehmen.

 Hallo @PhilipPlickert, der raunige Artikel über die große
 Gletscher-Vertuschung, den sie offenbar affirmativ teilen,
 stammt von einer Seite, die laut CNN konspirativ ist und wo
 alle Autoren ihre Texte ausnahmslos unter dem Namen "Tyler
 Durden" veröffentlichen
 nur so als Info pic.twitter.com/wQG1HyeA5l

 — Samira El Ouassil (@samelou) June 11, 2019

Um nicht ein Riesenfass aufzumachen, nur kurz: Im Schnitt
schmelzen die Gletscher mehr. Sehr viel mehr. Und die meisten
Gletscher schmelzen. Und temporäres Wachstum (völlig normal)
von einzelnen Gletschern ersetzt nie die Verluste. Erst Recht,
wenn man einen größeren Zeitraum betrachtet als nur ein paar
Monate. Und auch wenn der Schwurbel-Artikel etwas anderes
suggeriert: Ja, auch dieser Gletscher ist geschmolzen. Und man
sollte aufpassen, was man da teilt.

3. Der dümmste Satz der Klimadebatte
In meiner Kolumne aus dem April habe ich mich über einen
speziellen Kolumnenbeitrag von von Altenbockum aufgeregt.
„Lieber zwei Grad höhere Temperatur als zwei Grad weniger
Freiheit“ ist der vielleicht dümmste Satz zum Klimawandel
bisher. Er ist so horrend dämlich & fasst die Kurzsichtigkeit,
die Ahnungslosigkeit & den Egoismus konservativer Stimmen beim
Klima perfekt zusammen. Und hat Altenbockum, der genau das
gleiche Studium absolvierte wie ich, bereits damals zu meinem
erhabenenen Anti-Vorbild erhoben.

 Das darf doch nicht wahr sein! Der dümmste Satz zur
 Klimakrise bisher
4.   Rechtsextreme               sind         nicht      nur
„Internetnutzer“
Was Ruprecht Polenz, der vielleicht anständigste CDU-
Politiker, den es derzeit gibt, hier auch richtig kritisierte,
war dieser Artikel der FAZ, beziehungsweise was darin nicht
stand.

 Es sind Rechtsradikale, nicht irgendwelche „Internetnutzer“.
 Kann man auch so sagen, liebe FAZhttps://t.co/jMpW7AXhP5
 https://t.co/jMpW7AXhP5

 — Ruprecht Polenz (@polenz_r) June 5, 2019

Nachdem wir über die rechtsextreme Häme über den getöteten
CDU-Politiker berichteten (Hier), griffen viele Medien diese
ungeheuerlichen Reaktionen ebenfalls auf. Und nannten das Kind
auch beim Namen. Nicht aber die FAZ. Warum so zögerlich?
Welchen Grund gibt es, hier die Hetzer mit berichteter
Anprangerung zu verschonen? Es hinterlässt einen unguten
Nachgeschmack.

Das   waren  jetzt               doch         nur     alles
Kleinigkeiten?
Richtig. Das war jetzt alles doch eher ganz genaues Hinsehen.
Oder vielleicht eher: Aufmerksam machen auf die
offensichtlichsten „Ausrutscher“. Denn wenn Rezo bei
Böhmermann von den Verschwörungstheorien bei Altenbockum
erzählt tut Hanfeld so, als hätte es sie nie gegeben (Und
versucht die berechtigte Kritik ausgerechnet noch in eine
„Lügenpresse“-Ecke zu stellen). Und nein, natürlich ist die
FAZ kein AfD-Blatt oder dergleichen, auch wenn sie so manchmal
in ähnlichen Gewässern schwimmt. Nein, die FAZ und ihre
Redakteure sind keine Freunde der AfD. Aber Freunde der
„Werteunion“.
In letzter Zeit berichtet die FAZ über die Forderung der
„Werteunion“ nach Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten,
berichtet über eine Tagung mit Ex-Verfassungsschutzchef
Maaßen, der in der Gruppe Mitglied ist, nochmal über die
Forderung, und nochmal und letztlich berichtet sie darüber,
wie bedeutend angeblich die Werteunion sei. Dieser
konservative Verein innerhalb der Union, der nach Merkel eine
wertkonservative und neoliberale(re) Wende möchte, stellt aber
weniger als 0,5% ihrer Mitglieder. In der Bundesspitze ist sie
auch höchstens mit Sylvia Pantel vertreten.

 „Die sog. #Werteunion stellt weniger als 0,5% der Mitglieder
 der #CDU.. völlig irrelevant“-#Servicetweet für die
 @tagesthemen   Und zur WU gehört unter den @CDU–@cducsubt-
 MdBs im wesentlichen nur @SylviaPantel, welche vom CDU-
 Bundesparteitag aus dem Bundesvorstand abgewählt wurde
 pic.twitter.com/J9k4YbA8P7

 — Union der Mitte in der CDU (@UnionderMitte) June 11, 2019

Die FAZ ist kein KenFM, wie @ulmentv überspitzt formulierte.
Aber eine konservative Richtung und konservative Vorurteile
lassen ihre Redakteure manchmal journalistische Standards
vergessen und in Teichen fischen, die eher Rechtsextremen
vorbehalten     sind.   Sie   möchten    anscheinend    eine
konservative(re) Wende in der CDU pushen und verbreiten gerne
mal Verschwörungstheorien und unwissenschaftlichen Unfug über
das Klima.

Was in letzter Zeit mit der FAZ los ist? Ihre Redakteure
fallen manchmal auf ihre eigenen Vorurteile herein. Das machen
wir alle. Aber als professionelle Journalisten sollte man
besser aufpassen, denn sonst verbreitet man eben solchen
Unsinn wie soeben aufgezeigt. Die FAZ macht größtenteils immer
noch gute Arbeit. Aber sie hat wohl auch eine kleine Agenda.

Artikelbild: Screenshot youtube.com/Screenshot twitter.com
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Versucht   die    AfD,                                 die
Klimafrage                                              zu
instrumentalisieren?

Was gerade passiert.
Die CDU zerfleischt sich. Jedes Mal, wenn die
Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer an ein Mikrophon
tritt, verliert die Partei Prozente. AKK will Klarnamen im
Netz haben, damit „man weiß, mit wem man es zu tun hat.“
Dass ihre Partei es mit Klarnamen eigentlich nicht so hat –
zum Beispiel wenn es um Schwarzgeld geht, ist egal.

Julia Klöckner, die Bundeslandwirtschaftsministerin, macht
unverhohlen Werbung für Nestlé. Und kommt damit durch.

Philipp Amthor, die Nachwuchshoffnung, versucht sich mit ganz
YouTube und Twitter anzulegen. Klappt nicht.

Paul Zimiak, der Generalsekretär, hackt auf Greta Thunberg
rum.

Rezo, mittlerweile der bekannteste YouTuber Deutschlands, hat
ein Zerstörungsvideo produziert. Auch wenn man meinen kann,
dass er die Partei zerstört, macht er es nicht – die Partei
erledigt das ganz allein.

Die Grünen gehen derweil durch die Decke, weil die Partei seit
Jahren konsequent auf Umweltthemen setzt.
Und den Jungen ist die Umwelt nicht egal. Im Gegenteil. Sie
wachen auf, gehen für das Klima auf die Straße, legen sich mit
den Alten, Etablierten an, gehen in Talkshows, prangern den
Konsumrausch an, verachten Autos, sie wissen, dass ein
Verhaltenswandel nötig ist.

Die Bewegung ist nötig und beachtlich          und   wird   die
Gesellschaft nachhaltig verändern.

Die AfD merkt das natürlich auch.
Momentan halten sich die Brunnenvergifter, abgesehen vom
chronischen Grünen-Bashing mit Provokationen zurück.

Taktik.

Und leider gar nicht mal so doof.
Das Zerstören der Altparteien wird schön den anderen
überlassen. Die AfD lehnt sich zurück, spielt über Bande und
überlässt das den Usern, den Twitterern, den YouTubern. Und
natürlich der Starrköpfigkeit und den verkrusteten Strukturen
der „Altparteien“.

Ganz nebenbei werden grüne Themen gespielt.

Schön subtil, damit die Mitliker und AfD-Bots nicht
überfordert sind, während sie im Schrebergarten sitzen und
sich ein paar bunte Nackensteaks von Lidl reinpfeifen.

Die AfD postet hier mal eine Biene zu Pfingsten, da mal die
herzzerreißende Geschichte einer Schildkröte oder den Tipp,
doch mal wieder „in die Natur zu gehen.“
Noch vor ein paar Tagen hätte es geheißen: „Wenn Sie Pfingsten
vor die Tür gehen, passen Sie auf Messermänner auf!!!1!!11!“

Als nächstes wird die Partei sich mehr und mehr in Richtung
Klima öffnen.
Vielleicht mit eigenen Studien, vielleicht nur stückweise,
aber es wird spürbar sein. Denn die Partei hat spätestens nach
der Aussage von Annegret Kramp-Karrenbauer, dass „Die
Klimadebatte die Gesellschaft spalten wird wie damals die
Flüchtlingskrise.“ verstanden, was sie machen muss.

Deutschland hat begriffen, dass das Thema Flüchtlingskrise
keine FlüchtlingsKRISE mehr ist – sondern ein Thema, mit dem
Deutschland derzeit umzugehen lernt. Deutschland hat auch
begriffen dass das Klima weder Grenzen noch Hautfarben noch
einen sozialen Status kennt. Sondern uns alle angeht.

Die Partei, die noch vor ein paar Monaten behauptet hat, dass
„der Klimawandel eine dreckige Lüge ist“, die Partei, deren
stellvertretende Fraktionsvorsitzende „die Sonne verklagen
will“ (Quelle), wird versuchen, auf den Klimazug
aufzuspringen. Damit es den deutschen Kartoffeln gut geht.
Und damit sie sich langsam an die Macht schummeln können.
Genau das passiert gerade.

Und ich finde, alle sollten wissen, dass sogar ein
abgestorbener Ast diese billige Strategie durchschauen kann
und dass die Partei für das Klima (und auch für die
Demokratie) ungefähr so sinnvoll ist wie eine Tonne Agent
Orange als Düngemittel.

Lasst das nicht zu!

#beimschummelnerwischt

 Was gerade passiert.Die CDU zerfleischt sich. Jedes Mal, wenn
 die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer an ein…

 Gepostet von Sorgenboy am Montag, 10. Juni 2019

Autor: Sorgenboy (Hier zum Beitrag) Artikelbild: pixabay.com,
CC0

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Fake: AfD manipuliert ihre
Wähler & teilt irreführende
Grafik des Wetterberichts der
Tagesschau

AfD manipuliert ihre wähler
Ein Beitrag, der mit „Fühlen sie sich manipuliert“ [sic]
überschrieben ist, soll suggerieren, dass „früher“ die
Wetterkarten der Tagesschau noch nicht rot eingefärbt worden
waren, auch nicht bei hohen Temperaturen. Dazu wird ein Bild
der Tagesschau von 2009 mit einem von 2019 verglichen. Das
verbreiteten AfD-Accounts, auch AfD-Politiker wie der
Bundestagsabgeordnete Jan Nolte.
(Inzwischen gelöscht)

Weitere Beispiele sind hier gesammelt

 Aluhüte für alle! pic.twitter.com/u3lwNzzxeO

 — Sonderberater gegen Rechts (@Chronik_ge_Re) 5. Juni 2019

Und es passt in ihr Narrativ: Es soll zeigen, dass die Folgen
der Klimakrise künstlich aufgebläht werden, und ebenfalls
passend zum „Lügenpresse“-Narrativ: Dass die Öffentlich-
Rechtlichen „heimlich“ ihre Zuschauer*innen manipulieren. Doch
das ist völliger Unsinn, vielmehr manipuliert hier die AfD
ihre eigene Anhängerschaft.

Tagesschau vom 18.08.2009
Die Bilder sind nicht manipuliert, aber hier werden Äpfel mit
Birnen verglichen. Denn man vergleicht die Darstellung in der
Drei-Tagesvorschau mit der Ein-Tag-Vorschau, die einfach
unterschiedlich eingefärbt sind, wie schon immer. Das kann
jeder selbst überprüfen, wenn er die Tagesschau schaut. Nehmen
wir mal den Wetterbericht aus dem Jahr 2009, der hier
hergenommen wurde. Es handelt sich genauer um den Bericht vom
18.08.2009. Den kann man praktischerweise einfach in der
Mediathek ansehen.

3-Tages-Trend 18.08.2009

Wenn wir uns einfach aber zum Vergleich den 1-Tag-Trend vom
gleichen Tag, der nur wenige Sekunden zuvor eingeblendet wird,
anschauen, stellen wir fest: Er ist genau so rot.
1-Tag-Trend 18.08.2009

War doch nicht so schwer, oder? Beim Drei-Tage-Trend ist die
Temperatur einfach nicht farblich gekennzeichnet, im Gegensatz
zur Vorschau für den nächsten Tag. Fühlen Sie (großschreiben!)
sich schon manipuliert? Die AfD verbreitet also wieder einmal
Fake News, um ihre klimafeindliche Agenda zu verbreiten. Doch
nicht unerwähnt soll bleiben, dass auch CDU-Politiker wie
Marco Tuller (Ausgerechnet Bildungsminister! in Sachsen-
Anhalt) diese Grafik verbreiten:

 pic.twitter.com/wZrKZsahr3

 — Marco Tullner (@MarcoTullner) June 5, 2019

Die AfD leugnet den menschengemachten Klimawandel und ist
vielleicht eine der klimafeindlichsten Parteien Europas.
Deshalb versucht sie mit Manipulationen wie diesen Misstrauen
zu   erzeugen,    um   ihre   Verschwörungstheorien       und
unwissenschaftlichen Thesen zu verbreiten.

 Studie: Die AfD ist die vielleicht klimafeindlichste Partei
 Europas
Auch die Kollegen von Mimikama haben das Sharepic als
Manipulation entlarvt.

Artikelbild: Screenshot Tagesschau/twitter.com

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Schwere Anschuldigungen: Zwei
Fälle      von      extremer
Polizeigewalt bei Klima-Demo
in Wien
Die Klima-Demo und ihre Folgen
Der in München lebende Anselm Schindler ist im Web derzeit der
wohl bekannteste Demonstrations-Teilnehmer – wenn auch aus
unerfreulichen Gründen.

Er nahm als Journalist an der Klima-Demonstration teil, die
vom Bündnis Ende GeländeWagen organisiert wurde. Sie fand in
zeitlicher Nähe zur Fridays for future Demo statt, bei welcher
auch Greta Thunberg eine Rede hielt. In Wien wurde die größte
Klima-Demonstration aller Zeiten erwartet und es nahmen
schlussendlich über 35.000 Menschen teil. An der kleineren
anderen Demonstration, um die es hier geht, nahmen circa 5.000
Menschen teil. Teilnehmende der Fridays for future-
Demonstration sind zum Teil im Anschluss zur Demo Ende
GeländeWagen hinzugestoßen, es gab Überschneidungen bei den
Teilnehmenden. Anselm Schindler nahm eigentlich nur als
Journalist am Rande des Geschehens teil, filmte die Auflösung
einer Sitzblockade und wurde dann plötzlich der prominenteste
Demo-Teilnehmer in Wien. Im Laufe der Demonstration wurde er
dann in Gewahrsam genommen und am Folgemorgen um 7 Uhr
entlassen.

Grundsätzlich dürfen Personen in Österreich nur maximal 24
Stunden zur Identitätsfeststellung inhaftiert werden. Gelingt
es den Behörden in der Zeit nicht die Person eindeutig zu
identifizieren, so muss diese freigelassen werden.

Die   Demonstration   lief   in   Anbetracht   der   Zahl   der
Teilnehmenden (35.000) weitestgehend friedlich ab, es gab
lediglich eine Besetzung des Wiener Rings durch den Bau eines
Tripods welcher von zwei Aktivist*innen besetzt wurde. Auch
haben sich zwei weitere Personen von einer Brücke abgeseilt.
In der Pressemeldung der Polizei Wien ist die Rede von 96
festgenommenen Personen, davon 94 Personen wegen
„verwaltungsstrafrechtlichen Übertretungen“ und zwei Personen
wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt.
Die Initiative „RADikal Autofrei“ bzw. „Ende GeländeWagen“
dokumentiert einen Angriff auf den Journalisten Anselm
Schindler auf diesem Video:

 *Trigger Warnung #Polizeigewalt*
 Auf diesem Video sieht man nochmal deutlicher, wie
 @AnselmSchindler s Kopf beinahe überrollt wird.
 Er stand am Bürgersteig, um journalistische Arbeit zu machen
 und die Aktion auf diese Weise zu unterstützen. (1/2)
 pic.twitter.com/zobclp5u2X

 — Ende GeländeWagen (@RADikalAutofrei) June 4, 2019

hier aus einer anderen Perspektive:

 #Polizeigewalt war bei unserem antikapitalistischen Klima-
 Protest am Freitag kein Einzelfall. Auf diesem Video sieht
 man, wie ⁦@AnselmSchindler⁩ brutal auf dem Boden fixiert wird
 und beinahe ein Polizeiwagen über seinen Kopf rollt.#Wien
 #autofrei #Klimacamp2019 pic.twitter.com/jDiI646QH8

 — Ende GeländeWagen (@RADikalAutofrei) June 3, 2019

Scheinhinrichtung                      oder       absurde
anschuldigungen?
Twitter-User bezeichnen das Vorgehen der Polizei Wien als sog.
„Scheinhinrichtung“,   die   Polizei   Wien   erklärt   in   einer
Pressemeldung:

 Die medialen Darstellungen der Ereignisse entbehren teilweise
 dem Grundsatz einer objektiven und faktenbasierten
 Berichterstattung. Insbesondere die Kommentare und Vorwürfe
des gestern in den Medien veröffentlichten Videos rund um
 eine Festnahme neben einem Polizeibus lassen sich mit diesem
 Grundsatz nicht in Einklang bringen. Betont wird in diesem
 Zusammenhang auch, dass die Unschuldsvermutung nicht nur für
 alle angezeigten Personen, sondern auch für Polizistinnen und
 Polizisten im Dienst gilt.
 Die teils absurden Anschuldigungen gegen die Wiener Polizei,
 die in diversen sozialen Netzwerken kursieren, werden aufs
 Schärfste zurückgewiesen. (Quelle: Presseaussendung Polizei
 Wien)

Oliver von Dobrolowski, selbst Polizist und bekannt für seine
Kritik an den eigenen Kolleg*innen, legte dar wieso der Kopf
sich definitiv unter dem Fahrzeug befunden haben muss:

 Mir wäre es lieber, Sie hätten recht.
 Aber schauen Sie auf das Foto: der rechte Beamte hat sein
 linkes Knie (welches im Nacken der Person sitzt) noch hinter
 dem rechten Knie, und dieses befindet sich schon im
 Radkasten…
 Deutlich.
 Und     nein:    so     fixiert            man   niemanden.
 pic.twitter.com/33oUgGwjE2

 — Oliver von Dobrowolski (@vonDobrowolski) June 4, 2019

„die quati“ belegt seine Position unter dem Auto ebenfalls:

 kopf war nicht unter dem auto?
 doch. war er. pic.twitter.com/37vvd3ug3d

 — die quati (@KatQuat) June 4, 2019
Die folgen dieses einsatzes
Anselm Schindler reagierte nach seiner Haftentlassung recht
besonnen. Er retweetete Postings der Demo und auch das Video
in dem er selbst am Boden liegend zu sehen ist. Erst am Montag
bilanzierte er das Geschehen vom Freitag wie folgt:

 Die Polizeiwillkür beim Aktionstag vom #Klimacamp2019 in
 #Wien ist kein Ausrutscher sondern Ausdruck des Rechtsrucks.
 Europas Regierungen haben keine effektiven Lösungen für die
 #Klimakrise anzubieten, deshalb reagieren sie auf unsere
 Proteste mit autoritärem Gehabe. (1/2)

 — Anselm Schindler (@AnselmSchindler) June 3, 2019

Gestern Abend, nachdem die Videos viral gingen, schrieb er:

 "Schrei doch, dir glaubt eh keiner" – der Satz eines Beamten
 als er mir den Arm bis zum Anschlag nach hinten dreht.

 Glaube er hat sich getäuscht #WienAutofrei #Polizeigewalt
 #EndeGeländewagen #FFF #ClimateJustice #EndeGelände

 — Anselm Schindler (@AnselmSchindler) June 4, 2019

Nicht nur verdrehte man seinen Arm bis zum Anschlag nach
hinten, auch die Handfesseln legte man nach seiner Aussage zu
eng an, was er mit folgendem Foto belegt:

 Eines meiner Handgelenke nach der Festnahme. Frage an die
 Wiener Polizei: Gibt es einen speziellen Grund dafür, die
 Handschellen so eng anzulegen, dass es einem die Hände
 abschnürt? #EndeGeländewagen #WienAutofrei #Polizeigewalt
 #FridaysForFuture pic.twitter.com/XjXM2693CC

 — Anselm Schindler (@AnselmSchindler) June 4, 2019
ein zweiter fall von polizeigewalt
Vor dem jetzt bekannt gewordenen Video gab es bereits ein
anderes Video von der selben Demonstration an einer anderen
Stelle. Auch hier war Florian Klenk vor Ort und filmte die
Situation, in welcher ein Polizist immer wieder zu den (erst
drei, später fünf) fixierenden Polizisten rief: „In die
Nieren! In die Nieren!“

 Was passieren müsste. Sofortige Einvernahme aller Polizisten
 und Passanten durch einen Staatsanwalt zwecks Verhinderung
 von Verabredung. Entscheidung über Anklage binnen dreier
 Monate. Bis dahin Suspendierung aller Beteiligten. Was
 passieren wird: nix pic.twitter.com/ACVqwK8IiD

 — Florian Klenk (@florianklenk) June 1, 2019

Zwei weitere Polizisten drehen dem Vorgang den Rücken zu, sehr
wahrscheinlich um die fixierenden Beamten vor Zugriffen durch
weitere Demonstrationsteilnehmer zu schützen / abzuschirmen.
In den Richtlinien für das Einsatztraining der Polizei sind
Fauststöße zwar als Zwangshandlung vorgesehen, ob sie in
diesem Fall jedoch notwendig waren und dann auch noch in die
Nieren erfolgen sollten, sei dahingestellt. Auch diese Person
wurde bis Samstag früh in Gewahrsam genommen und dann
entlassen. Eine Bestätigung über einen erlittenen
Mittelhandknochenbruch haben wir derzeit nicht vorliegen.

Folgen für die polizisten
Es   ist   unklar,   welche   Folgen   diese   Angriffe   auf   die
Demonstranten für die Polizisten haben werden. Zunächst einmal
muss man die Polizisten anzeigen und identifizieren. In
Österreich gibt es jedoch keine Kennzeichnungspflicht für
Polizisten: „Für die österreichische Polizei besteht keine
Kennzeichnungspflicht. Polizeibeamte sind verpflichtet, auf
Wunsch ihren Dienstausweis zu zeigen oder ihre Dienstnummer
offenzulegen, sofern sie dies nicht bei der Erfüllung ihrer
aktuellen Aufgabe behindert.“ (Quelle: Kennzeichnungspflicht,
Wikipedia).

Zumindest das zweite Video wurde mittlerweile an das Referat
für besondere Ermittlungen weitergeleitet Der prügelnde Beamte
wurde mit sofortiger Wirkung in den Innendienst versetzt. Da
dieses Referat aber selbst Teil der Polizei Wien ist,
bearbeiten nun Arbeitskollegen der Polizisten diesen Vorfall.
Eine ähnliche Problematik gibt es auch in Deutschland, wobei
manche Bundesländer bereits fortschrittlicher waren oder nun
neue Bestrebungen unternehmen, um unabhängige Instanzen zu
implementieren.       Forderungen      nach    unabhängigen
Beschwerdestellen gibt es schon seit vielen Jahren, Amnesty
International beispielsweise verweist auf das Beispiel der
USA: dort gibt es unabhängige Polizeibeschwerdestellen, welche
ermitteln und eigenständig Zeug*innen vorladen dürfen. Die
Zeitung ‚Die Zeit‘ schrieb am 07. Juli 2014:

 Oder, analog zum Datenschutzbeauftragen, einen für die
 Polizei – der könnte neben konkreten Ermittlungen zu
 einzelnen Fällen auch Empfehlungen für strukturelle
 Veränderungen geben. In Rheinland-Pfalz soll dieses Modell
 nun erprobt werden.

 In Hamburg gab es eine von der Polizei unabhängige
 Beschwerdestelle, die durchaus erfolgreich arbeitete. Bis im
 Jahr 2001 die rechtspopulistische Partei Rechtsstaatlicher
 Offensive an die Macht kam und der Innensenator Ronald Schill
 die Kommission auflöste. (Quelle: Zeit.de)

Das Austrian Center for Law Enforcement Sciences gelangt in
seiner Studie zur Gewalt durch Exekutivbeamte zu dem Ergebnis,
dass Misshandlungen durch Exekutivbeamte selten vor Gericht
landen. Sie werden in den meisten Fällen spätestens durch die
Staatsanwaltschaft eingestellt. (Studie des ACLE)
Update 06.06.2019
Die Polizei Wien verkündet auf twitter, dass es bei einem der
beiden Videos „tatsächlich“ so aussähe als läge der Kopf unter
dem Polizeibulli. In Anbetracht der Aussage von Freitag, dass
es sich um absurde Anschuldigungen handle, stellt sich
durchaus die Frage, mit welcher Begründung diese Aussage
verfasst wurde. Zunächst einmal pauschal alles zu dementieren
und zurückzuweisen, wirkt nicht sehr professionell und
vertrauenerweckend.

 Diese Videoperspektive zeigt tatsächlich eine gefährliche
 Situation. Unabhängig von der bereits eingeleiteten
 strafrechtlichen Überprüfung wird dieser Vorfall im Zuge
 einer Evaluierung in die Einsatztaktik und das
 Einsatztraining einfließen. https://t.co/FBSPV9AL4g

 — POLIZEI WIEN (@LPDWien) June 5, 2019

polizisten als gewalttäter
Regisseur Stefan Lukacs veröffentlichte 2018 mit den Film
‚Cops‘ bereits seinen zweiten Film zum Thema Gewaltexzesse
bei (österreichischen) Polizeibeamten. In Deutschland
zeichnete man den Spielfilm mit insgesamt drei Preisen aus.
Der erste Teil ‚VOID‘ ist mittlerweile fester Bestandteil der
Polizeiausbildung.

Martha Krumpeck, Teil der Fridays for Future-Bewegung zeigte
sich ebenfalls entsetzt:

 Wir sind im Übrigen zutiefst schockiert über das Vorgehen der
 österreichischen Polizei gegen gewaltfrei protestierende (und
 blockierende) Menschen und fordern eine umgehende, lückenlose
 Aufklärung sämtlicher Fälle. Unser Mitgefühl gilt den Opfern.
Es sollte im Interesse der österreichischen Polizei sein,
beide Fälle möglichst schnell und umfassend aufzuklären. Ein
weiterer Vertrauensverlust in die Institution sollte dringend
vermieden werden.

Artikelbild: Screenshots twitter.com

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Kritik an FridaysForFuture-
Flashmob im Bundestag: Ihr
müsst       euch                                  nicht
rechtfertigen!

Flashmob fürs klima
AktivistInnen von FridaysForFuture haben gestern am Ende der
Veranstaltung im Bundestag „Jugend und Parlament“, an der etwa
300 Jugendliche teilnahmen      – also nicht während einer
(regulären) Sitzung – ein Banner entrollt mit der Aufschrift
„Eure Klimapolitik = Katastrophe“ und sich auf den Boden
gelegt, um sich „tot zu stellen“. Ein anderer Jugendlicher
entriss ihnen das Plakat, was sie nicht daran hinderte, die
Aktion durchzuziehen. Bundestagspräsident Schäuble blieb ruhig
und erklärte nur, dass die AktivistInnen bis zur nächsten
offiziellen Sitzung im Bundestag nicht mehr da sein sollten.

 20 junge Klima-Aktivisten stellen sich im #Bundestag tot.
 Bundestagspräsident #Schäuble ließ sich davon nicht aus der
 Ruhe bringen. #schaeuble #FridaysForFurture #Fridaysforfuture
 bundestag #protest pic.twitter.com/J9PDQ5SGTj

 — ZDF heute (@ZDFheute) June 4, 2019

rrr

Kritik an der Aktion
Für die Bewegung war es das einmalige Ziel, ihre Botschaft
medienwirksam in die Welt zu tragen. Und direkt in den
Bundestag – etwas, das immer schon gefordert wird.

 Oft wird #FridaysforFuture gesagt: "Geht doch einfach selber
in die Parlamente."
 Heute haben wir das im #Bundestag auch gemacht – seht selbst!
 pic.twitter.com/5MQRgy1EuF

 — Franzi Wessel (@FranziWessel) June 4, 2019

Jetzt wird die Aktion im Bundestag scharf kritisiert. Bereits
während der Aktion gab es viele Buhrufe, andere Jugendliche
kritisierten, dass „die Würde des hohen Hauses gestört“ werde.
Ein Großteil der Jugendlichen solle gegen diese Aktion gewesen
sein. Auch ein Sympathisant der Aktion, der nicht teilgenommen
hat, sah das skeptisch: „‚Fridays for Future‘ muss auch nicht
immer neue Mittel finden, um auf sich aufmerksam zu machen.
Sie sollen einfach freitags demonstrieren und dadurch sichtbar
bleiben.“ (Hier). Die Junge Union rief den AktivistInnen gar
„Schämt euch!“ zu.

Es ist die gleiche Leier wie immer: Man redet nur darüber, ob
die Aktion gerechtfertigt war oder überzogen. Die Jugendlichen
werden als extrem abgetan und ihre Aktionen als „zu viel“.
Aber wir hatten das alles doch schon? Wir sollten aufhören,
uns dafür zu rechtfertigen, warum wir auf die Klimakrise
aufmerksam machen. Aufhören, ständig darüber zu diskutieren,
wie man „richtig“ Aufmerksamkeit erregt. Denn diese Debatte
werden wir sonst nie beenden.

Ablenkungen vom Thema
Wenn man mit den Jugendlichen spricht, die die Aktion
veranstaltet haben, wird schnell klar: Sie haben sich viel
dabei gedacht. Sie haben extra keine Sitzung des „echten“
Bundestags gewählt, sondern die von „Jugend und Parlament“.
Und extra bis zum Ende der letzten Debatte gewartet, um die
Veranstaltung nicht zu stören. Sie haben Parolen und Rufe
absichtlich unterlassen, ebenso wie Gewalt oder Widerstand.
Das Plakat haben sie sich anstandslos entreißen lassen. Sie
haben alles dafür getan, dass es eine friedliche und
demokratische Aktion wird.

Wir müssen uns klar werden: Es gibt keine Form der Aktion, die
nicht kritisiert worden wäre. Nicht überzogen wäre es nur,
wenn sie ruhig sitzen geblieben wären. Und eben nicht auf das
Problem aufmerksam gemacht hätten. Wer sagt, sie sollen eben
weiter demonstrieren, das reicht doch, hat wohl vergessen, wie
viel die Klimastreiks kritisiert werden.

 Die 6 schlechtesten Argumente gegen FridaysForFuture & Greta
 Thunberg (& warum sie scheitern)

Sie sollen doch zur Schule gehen, oder streiken, wenn keine
Schule ist (was sie auch die ganze Zeit machen!). Dann würde
man sie ernst nehmen. Wenn man das bis zu seinem logischen
Ende verfolgt, dann sollen die Kinder und Jugendlichen nicht
streiken, keine Aktionen machen und einfach nur still und
leise im eigenen Zimmer protestieren. Oh, selbst wenn sie das
machen und sich dabei filmen und das bei Youtube hochladen,
hagelt es Kritik:

 Diffamierungen, keine Argumente: So unsachlich reagieren CDU
 & Co auf das Rezo-Video

FridaysForFuture hat einfach Recht
Und wer meint, demokratische Meinungen werden an der Wahlurne
getroffen: Viele davon dürfen noch nicht wählen. Oder erst in
zwei Jahren. Bis dahin wird das Problem nicht warten. Unsere
Klimaziele für 2020 verpassen wir bereits garantiert. Und zwar
deutlich. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssen wir
bereits 2035 deutschlandweit klimaneutral sein. Und um das zu
schaffen, hätten wir schon vorgestern handeln müssen.

Lasst euch nicht damit ablenken, darüber zu diskutieren, wie
Protest im Bundestag oder anderswo richtig gemacht wird.
Ziviler Ungehorsam ist immer unangenehm und ungemütlich. Das
war er auch schon immer und das muss er auch sein. Natürlich
heißt das nicht, das alles erlaubt ist, im Gegenteil, aber wer
diese Aktionen kritisiert, soll entweder bessere Vorschläge
bringen oder dafür sorgen, dass etwas getan wird, dass die
Forderungen gehört werden. Oder zugeben, dass er sie nicht
ernst nimmt.

Und die Schüler*innen haben einfach Recht. Über 26.800
Wissenschaftler*innen haben eine Erklärung unterschrieben, die
FridaysForFuture-Demos zu unterstützen. Sie haben auch hier
eine lange Liste an Fakten und Studien aufgelistet, die das
untermauern. Und wisst ihr was? Die Demos gibt es nicht aus
Spaß, sondern eben weil die junge Generation sieht, dass so
eine große Diskrepanz zwischen dem Konsens in der Wissenschaft
herrscht und dem, was die Bundesregierung macht. Nicht die
Experten unterstützen die Schüler, die Schüler unterstützen
eigentlich die Experten.

 5 Fakten über die Forderungen von FridaysForFuture

Menschen sterben wegen des Klimawandels,
das ist bewiesen
Es gibt hunderte, gar tausende Studien und Berichte, die die
Existenz und die Ausmaße des menschengemachten Klimawandels
beweisen. Wer das jetzt noch nicht akzeptiert, dem kann man
auch nicht mehr helfen. Aber bereits heute sterben Menschen
wegen des Klimawandels. Exakt diese Aussage konnte man bisher
nicht so eindeutig treffen, aber hier eine Studie, von der du
vielleicht noch nicht gehört hast und die so deutlich war,
dass sie sogar die Wissenschaftler selbst überraschte.

Eine Studie über die Hitzewelle in Japan im Juli 2018 zeigt,
dass es fast unmöglich ist, dass diese Hitzewelle entstanden
wäre, wenn es nicht den Klimawandel gegeben hätte. Dabei sind
1032 Menschen gestorben. Und es ist fast ausgeschlossen, dass
der Grund ein anderer war als die Erwärmung des Klimas. Es ist
die erste Studie, die es so eindeutig nachweist, dass so ein
tödliches Wetterphänomen nicht ohne den Klimawandel hätte
stattfinden können. Heute sterben bereits Menschen. In
Nordindien sind die Temperaturen auch derzeit bereits bei über
50° C. Und auch hier gibt es Tote.

Wenn es nach der Politik der derzeitigen Regierung geht, ist
Deutschland erst nach 2100 klimaneutral. Keine Übertreibung,
sondern nachgewiesen. Bis dahin hat sich das Klima um 2° oder
3° erwärmt, statt bisher „nur“ um ein Grad. Die Folgen sind
unvorhersehbar. Klimakatastrophen in ungeahntem Ausmaß,
hunderte Millionen Klimaflüchtlinge. Wir können natürlich
darüber diskutieren, ob ein Flashmob am Ende einer nicht
essentiellen Bundestagsveranstaltung jetzt ok war oder nicht.
Oder wir realisieren, dass die Botschaft auf dem Transparent
wahr ist und machen etwas dagegen: „Eure Klimapolitik =
Katastrophe!“

https://twitter.com/Luisamneubauer/status/1135952275485184000

Artikelbild: Screenshot phoenix.de

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Faktencheck:    Nein,  Greta
Thunberg wird nicht ein Jahr
die „Schule schwänzen“

Greta „schwänzt“ nicht ein jahr die
schule
Gestern wurde viel darüber berichtet, dass die Klimaaktivistin
Greta Thunberg „ein Jahr nicht zur Schule“ gehen werde.
Stattdessen wolle sie sich in dieser Zeit voll auf ihren
Aktivismus gegen die Klimakrise konzentrieren. Andere meldeten
sie „setzt das nächste Schuljahr aus“ (Spiegel, ZEIT) oder
„geht ein Jahr lang nicht zur Schule“ (Welt). Die BILD
hingegen titelte, sie werde „ein Jahr lang die Schule
schwänzen“. Rechtsextreme Medien wiederholten das „Schwänzen“
oder sprachen gar davon, dass sie die „Schule abbricht“.

Doch so ist es nicht
Die Realität ist relativ banal: Greta Thunberg hat ihre neun
Jahre   Schulpflicht    und   Grundschule   abgeschlossen.
Normalerweise könnte sie jetzt auf das weiterführende
Gymnasium wechseln, diesen Wechsel verschiebt sie jedoch für
eine Art „Sabbatical-Jahr“, in welchem sie sich voll auf ihren
Kampf für das Klima konzentrieren will. Ein ordentlicher
Schulbesuch und der Teilnahme an beispielsweise des
Klimagipfels in New York, welches sie per Schiff erreichen
will, ließen sich nicht gut vereinbaren.

Also: Sie hat ihre Schulpflicht abgeschlossen und wird auch in
einem Jahr noch weiter lernen und aufs Gymnasium wechseln.
Anstatt ihre Bildung zu gefährden, verschiebt sie diese, damit
ihr Aktivismus diesem eben nicht im Weg steht. Mit „Schwänzen“
hat das nichts zu tun. Allein schon, weil sie ihre 9 Jahre
Schulpflicht abgeschlossen hat. In Deutschland ist das nicht
anders. Und wer sich jetzt fragt, was an dieser Meldung so
spektakulär ist, dass sie die FAS beispielsweise auf die Seite
1 getan hat – gute Frage.

 Was die FAS für eine Nachricht hält, die groß auf die Seite 1
 gehört. (Greta #Thunberg hat die 9 Jahre Schulpflicht
 absolviert und geht erst ein Jahr später aufs Gymnasium.)
 pic.twitter.com/HHJwnyIPRB

 — Stefan Niggemeier (@niggi) June 2, 2019

Vielleicht   hilft   es   einigen   dabei,   das   Narrativ   der
Schulabbrecher zu befördern – obwohl das hier nicht vorliegt –
und von den Inhalten der Klimadebatte mit einer
Personaldebatte über Greta Thunbergs Privatleben abzulenken?
Ein Narrativ aus AfD-Kreisen ist die Unterstellung, Grünen-
Wähler hätten einen niedrigeren Bildungsstand.
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