Internationale Konferenz - Digital Memory - Digital History - Digital Mapping Transformationen von Erinnerungskulturen und Holocaust-Education ...

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Internationale Konferenz - Digital Memory - Digital History - Digital Mapping Transformationen von Erinnerungskulturen und Holocaust-Education ...
Internationale Konferenz
Digital Memory – Digital History – Digital Mapping
           Transformationen von Erinnerungskulturen
                           und Holocaust-Education

                                                22.–24. SEPTEMBER 2021

                                                        ONLINE – WEBEX
                           REGISTRIERUNG UNTER: OFFICE.CJS@UNI-GRAZ.AT|

                           www.uni-graz.at
Digital Memory – Digital History –
                                                                                                                            Digital Mapping
                                                                                                                            Transformationen von Erinnerungskulturen und
                                                                                                                            Holocaust-Education
                 Programm                                                                                                   Die Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust be-
                                                                                                                            findet sich seit einiger Zeit in einem Prozess des Übergangs,
                                                                                                                                                                                            erlangen, zeigen zahlreiche Projekte der Zeitgeschichtsfor-
                                                                                                                                                                                            schung, digitale Projekte von Gedenkstätten und Museen,
                                                                                                                            an der Schwelle vom kommunikativen zum kulturellen Ge-          Vermittlungsprojekte und verschiedene Projektschienen von
                                                                                                                            dächtnis. In diesem Transfer werden Erinnerungen mittels        Förderinstitutionen. Zahlreiche dieser Projekte haben die
                                                                                                                            spezifischer Techniken und Strategien an Medien gebunden.       Entwicklung von georeferenzierten Webapplikationen, in
                                                                                                                            Diese Funktion übernehmen Denkmäler, Gedenkstätten,             denen Erinnerungsorte auf digitalen Landkarten markiert
                 Mittwoch, 22. September 2021
                                           ������������������������������������������������������������������������� 4     Museen, audiovisuelle Massenmedien und immer mehr               und im Sinne des Deep Mappings mit weiterführenden Infor-
                                                                                                                            auch digitale Tools und Praktiken sowie das World Wide          mationen versehen werden, zum Ziel.
                                                                                                                            Web. Letztere vereinfachen diesen Transferprozess und de-       Seit 2019 wird am Centrum für Jüdische Studien der Univer-
                                                                                                                            mokratisieren die Formung des kulturellen Gedächtnisses         sität Graz in Kooperation mit _erinnern.at_ – Nationalso-
                                                                                                                            beispielsweise durch die erleichterte Zugänglichkeit und        zialismus und Holocaust: Gedächtnis und Gegenwart sowie
                                                                                                                            Erreichbarkeit von digitalen Räumen. Doch die rasant vo-        dem Zentrum für Informationsmodellierung der Universität
                 Donnerstag, 23. September 2021
                                           ������������������������������������������������������������������������� 5     ranschreitende digitale Transformation eröffnet nicht nur       Graz das Projekt „Digitale Erinnerungslandschaft Österreich
                                                                                                                            neue Chancen für die Darstellung von und Erinnerung an          (DERLA) | erinnerungslandschaft.at – Verfolgung und Wi-
                                                                                                                            den Nationalsozialismus und Holocaust sowie deren Ver-          derstand im Nationalsozialismus | dokumentieren und ver-
                                                                                                                            mittlung, sondern beinhaltet auch große Herausforderungen       mitteln“ realisiert.
                                                                                                                            und Spannungsfelder. So entzieht sich beispielsweise der        Die internationale und interdisziplinäre Tagung „Digital Me-
                 Freitag, 24. September 2021 ������������������������������������������������������������������������� 6   interaktive Social Media Bereich weitgehend einer instituti-    mory – Digital History – Digital Mapping. Transformationen
                                                                                                                            onellen, wissenschaftlichen oder didaktischen Regulierung.      von Erinnerungskulturen und Holocaust-Education“ ist im
                                                                                                                            Somit bedarf es konkreter Anstrengungen, wenn es um             Kontext dieses Projektes zu sehen und zielt auf die Diskussi-
                                                                                                                            einen erfolgreichen Transfer der Holocausterinnerung vom        on unterschiedlicher Aspekte von digitalen georeferenzierten
                                                                                                                            kommunikativen in das kulturelle Gedächtnis geht, die eben      Dokumentations-, Erinnerungs- und Vermittlungsprojekten
                                                                                                                            nicht zuletzt der medialen und digitalen Entwicklungen und      ab.
                                                                                                                            den Dynamiken und komplexen Bedingungsgefügen he-
                                                                                                                            terogener Gesellschaften Rechnung tragen müssen.                Victoria Kumar, Bregenz
                                                                                                                            Dass Fragen nach den Transformationen der Erinnerung            Gerald Lamprecht, Graz
                                                                                                                            an den Nationalsozialismus und Holocaust ebenso wie             Lukas Nievoll, Graz
                                                                                                                            nach der Bedeutung von Digitalität in Aneignung und Ver-        Grit Oelschlegel, Wien
                                                                                                                            mittlung, der Holocaust Education, immer mehr Relevanz          Sebastian Stoff, Graz

                                                                                                                            Eine Kooperationstagung des Centrums für Jüdische Studien, des Zentrums für Informationsmodellierung (beide Universität

                 Abstracts | Biographien
                              ������������������������������������������������������������������������������ 7
                                                                                                                            Graz), von _erinnern.at_ Nationalsozialismus und Holocaust: Gedächtnis und Gegenwart sowie dem Institut für das künstleri-
                                                                                                                            sche Lehramt der Akademie der bildenden Künste Wien im Rahmen des Projektes „Digitale Erinnerungslandschaft Österreich
                                                                                                                            (DERLA) | erinnerungslandschaft.at – Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus | dokumentieren und vermitteln“

                                                                                                                            Gefördert von: Zukunftsfonds Steiermark (PN: 1012), Stadt Graz, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Nationalfonds der
                                                                                                                            Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, Land Vorarlberg, Land Tirol, Stadt Innsbruck, Land Kärnten, Stadt Kla-
                                                                                                                            genfurt

                                                                                                                                                                                                                                                       3
Cover picture: © DERLA
Programm 

    WEBEX

    MITTWOCH, 22. SEPTEMBER 2021                                                                                 DONNERSTAG, 23. SEPTEMBER 2021

     12:45   WELCOME                                                    Wolfgang Schellenbacher (DÖW, Wien)       9:00    PANEL 3                                            13:00   Mittagspause
                                                                        MAPPING GEO-REFERENCED DATA                       DIGITAL MEMORY – KRITISCHE
     13:00   BEGRÜSSUNG UND EINLEITUNG                                  ON THE HOLOCAUST IN PRAGUE AND                    REFLEXIONEN                                        15:00   PANEL 5
             Gerald Lamprecht, Patrick Siegele, Georg Vogeler                                                             Chair: Grit Oelschlegel (IKL, AkBild Wien)                 VERMITTLUNGSPERSPEKTIVEN
                                                                        VIENNA – FROM REMEMBRANCE ONLINE
                                                                                                                                                                                     Chair: Anna Pritz (IKL, AkBild Wien )
                                                                        TOOLS TO NEW RESEARCH QUESTIONS                   Timo Bautz (Universität Würzburg)
     13:30   PANEL 1
             GEDENKSTÄTTEN UND ARCHIVE                                                                                    SIMULATION UND EMOTION – ZWEI                              Christian Heuer (Universität Graz)
                                                                        Benjamin Grilj (INJOEST, St. Pölten)
             Chair: Victoria Kumar (_erinnern.at_, Bregenz)                                                               ANTAGONISTEN BEI DER DIGITALEN                             HISTORISCHE BILDUNG IN DIGITALIEN?
                                                                        MARBURG, ADOLF-HITLER-PLATZ,
                                                                                                                          VERMITTLUNG VON LEIDERFAHRUNG?                             Ambivalenzen aus geschichtsdidaktischer
             Lukas Hennies (Universität Osnabrück)                      LITZMANNSTADT
                                                                                                                                                                                     Perspektive
             MAPPING FORCED MIGRATION                                                                                     Julia Stolba (Kunsthochschule Kassel) / Stefan
                                                                        Peter Stadlbauer (Nationalfonds, Wien)
             tracing violence-induced mobility through                                                                    Wahler (Kassel)                                            Tamara Rachbauer/Kathrin Eveline Plank
                                                                        FOGIS – MAPPING HISTORY FOR                                                                                  (Universität Passau)
             various datasets                                                                                             AFFECTIVE ARCHIVE OF MEMORIES AND
                                                                        HOLOCAUST REMEMBRANCE AND                                                                                    VOM DIGITAL ZUM SPATIAL TURN IN DER
                                                                                                                          TIME
             Robert Vorberg (Gedenkstätte Mauthausen)                   EDUCATION                                                                                                    HOLOCAUST EDUCATION?
             DER VIRTUELLE GUIDE DER KZ-                                                                                  Laura Leo Dressel (Akademie der bildenden Künste           Medienpädagogische Anforderungen und
                                                                18:00   Pause/wonder.me                                   Wien)
             GEDENKSTÄTTE MAUTHAUSEN                                                                                                                                                 Möglichkeiten einer digitalen VerORTung von
             Möglichkeiten der digitalen Erschließung                                                                     ÜBERLEGUNGEN ZU EINER KRITISCHEN                           Erinnerung
                                                                18:30 KEYNOTE 1
             historischer Orte                                                                                            KARTOGRAFIE TRAUMATISCHER ORTE

                                                                      Anne Kelly Knowles (University of Maine)                                                                       Georg Marschnig (Universität Graz)
             Marlene Wöckinger (Gedenkstätte Mauthausen)                                                                  Matthias Heyl (Mahn- und Gedenkstätte
                                                                      TEACHING THE HOLOCAUST THROUGH                      Ravensbrück) /Henning Schluß (Universität Wien)            LOST… AND FOUND?!
             GEDENKSTÄTTE DIGITAL
                                                                      DIGITAL MAPPING                                     REMEMBERING AND EMPATHY ON                                 Auf der Suche nach historischer Orientierung
             Gedenkstättenpädagogische Vermittlungsarbeit
                                                                                                                          SOCIAL MEDIA IN TIMES OF SOCIAL                            in digitalen Erinnerungslandschaften
             für Schüler*innen in Zeiten einer Pandemie
                                                                                                                          DISTANCING
             Janine Doerry / Nils Casties (Stiftung                                                                                                                                  Grit Oelschlegel (IKL, Akademie der bildenden
             niedersächsische Gedenkstätten, Celle)                                                               11:00   Pause/wonder.me                                            Künste Wien)
             ORTE DES GESTAPOTERRORS IM                                                                                                                                              DERLA ALS DIGITALES ARCHIV
             HEUTIGEN NIEDERSACHSEN                                                                               11:30   PANEL 4                                                    Vermittlungspraktische Horizonte
                                                                                                                          MAPPING HISTORY – BEST PRACTICE
                                                                                                                          Chair: Victoria Kumar (_erinnern.at_, Bregenz)     17:00   Pause/wonder.me
     15:30   Pause/wonder.me

                                                                                                                          Debora Antmann / David Studniberg (Jüdisches       17:30   PROJEKTPRÄSENTATION
     16:00   PANEL 2
             EHRI-AT                                                                                                      Museum Berlin)                                             Digitale Erinnerungslandschaft Österreich
             Chair: Gerald Lamprecht (CJS, Universität Graz)                                                              JEWISH PLACES – ES GIBT NOCH VIEL ZU                       (DERLA) | erinnerungslandschaft.at
                                                                                                                          ENTDECKEN!                                                 Verfolgung und Widerstand im
             Bálint Kovács, Éva Kovács (VWI, Wien)                                                                                                                                   Nationalsozialismus | dokumentieren und
             JÜDISCHE SKLAVEN IN EINER                                                                                    Peter Pirker (Universität Innsbruck)
                                                                                                                                                                                     vermitteln“
             ‚JUDENREINEN’ STADT                                                                                          DIGITALE KARTEN ZUR
             Die Topographie der ungarisch-jüdischen                                                                      ERINNERUNGSLANDSCHAFT WIEN                         18:30   KEYNOTE 2
             Zwangsarbeit in Wien 1944/45                                                                                 Ambitionen, Erfahrungen, Reflexionen
                                                                                                                                                                                     Edith Blaschitz (Donau Universität Krems)
                                                                                                                          Bettina Loppe, Kurt Winkler (Brandenburgische              ERINNERUNGEN, TECHNOLOGIEN UND
                                                                                                                          Gesellschaft für Kultur und Geschichte, Potsdam)           DIE SUCHE NACH AUTHENTIZITÄT
                                                                                                                          Projektpräsentation Interdisziplinäres
                                                                                                                          Forschungslabor SPUR.LAB | ERINNERN IM
                                                                                                                          VIRTUELLEN RAUM

4                                                                                                                                                                                                                                    5
Programm                                                                                                                Abstracts | Biographien

    FREITAG, 24. SEPTEMBER 2021                                                                                             Debora Antmann / David Studniberg                selbstbestimmt gelebt und gewirkt haben. Ein       setzung wird beim Hologramm unterbrochen.
                                                                                                                            (Jüdisches Museum Berlin)                        Jewish Place ist auch ein physischer Ort, der      Ein Sprachprogramm wählt Stichworte aus
     9:00    PANEL 6                                                    Daniel Burckhardt (Moses Mendelssohn Zentrum        JEWISH PLACES – es gibt noch viel zu             sich schwerpunktmäßig mit jüdischem Leben          aktuellen Besucherfragen aus und ordnet sie
             THE AESTHET(H)ICS OF THE FRAGMENT.                         für europäisch-jüdische Studien Potsdam), Sonja     entdecken!                                       und jüdischer Kultur befasst. Das bedeutet im      aufgezeichneten Antworten zu.
             CONCEPTUALISING IMMERSIVE                                  Dickow-Rotter, Anna Menny (beide Institut für die                                                    Umkehrschluss, dass Gedenkstätten und Orte,        Kommunikationen, in denen Leiderfahrungen
             KNOWLEDGE AS CO-CREATIVE PRACTICE                          Geschichte der deutschen Juden Hamburg)             Jewish Places ist seit September 2018 die ein-   die von Nationalsozialist:innen und anderen        mitgeteilt und auf der anderen Seite nicht nur
             Chair: Lukas Nievoll (CJS, University of Graz)                                                                 zige bundesweite Plattform, die jüdische Orte    unterdrückenden Gruppen der jüdischen Be-          verstanden, sondern bewertet werden sollen,
                                                                        (VER)ORTE(N).
                                                                                                                            auf einer interaktiven Karte deutschlandweit     völkerung aufgezwungen wurden, keine jü-           sperren sich einer technischen Koppelung, die
                                                                        Auslotung der Potenziale einer                      bündelt. Durch die Orte auf der Karte wird                                                          alle Besucher als durchschnittlich interessierte
             Laura Brazzo (Historical Archive of the CDEC                                                                                                                    dischen Orte sind. Zudem definieren wir Er-
             Foundation)                                                Georeferenzierung am Beispiel der                   jüdisches Leben und jüdische Geschichte als      eignisse zu jüdischem Leben ohne einen fest        Sprecher gleichbehandelt. Unser Vertrauen in
                                                                        Theresienstädter Tagebücher von Martha              integraler Teil der eigenen Umwelt sichtbar.     verankerten Ort, wie zum Beispiel Veranstal-       Technik basiert darauf, dass sie funktioniert,
             WHAT’S IN A NAME? FROM PEOPLE TO                                                                               Das Prinzip ist ganz einfach: man kann entwe-
                                                                        Glass                                                                                                tungen, Ausstellungen, Konzerte etc. ebenfalls     in allen Situationen und für alle Nutzer. Ge-
             DATA AND BACK                                                                                                  der über die Suchmaske Orte, Einrichtungen,                                                         nau deshalb können wir sie aber auch nicht
                                                                                                                                                                             nicht als Jewish Place.
                                                                                                                            Personen oder Straßen eingeben oder sich frei                                                       ernsthaft mit Persönlichkeitsmerkmalen auf-
                                                                        Fani Gargova (Universität Wien)                     über die Karte bewegen. Das Innovative an Je-
             Martina Melilli (Rovereto)                                                                                                                                                                                         laden und uns ihr gegenüber öffnen. Das hält
                                                                        TOWARDS A JEWISH TOPOGRAPHY OF                      wish Places ist die Öffnung nach außen. Jede:r                                                      uns auf Distanz, obwohl der Realismus des
             ON FRAGMENTS: OF LIFE AND DEATH                                                                                kann selbst Texte, Fotos oder Videos auf der     Timo Bautz (Universität Würzburg)
                                                                        SOFIA:                                                                                                                                                  Hologramms gerade sie überbrücken will. Bei
                                                                                                                            Karte hinzufügen oder auch neue Einrichtun-      Simulation und Emotion – zwei
                                                                        Reinscribing Jewish Spaces into the Urban                                                                                                               kognitiven Lernprogrammen muss das nicht
             Piera Rossetto (CJS, University of Graz)                                                                       gen anlegen.                                     Antagonisten bei der digitalen
                                                                        Fabric through a Digital Mapping Project                                                                                                                stören, bei normativen Themen entstehen
                                                                                                                                                                             Vermittlung von Leiderfahrung?
             DOES THE FORM OF THE MAP FIT THE                                                                                                                                                                                   Probleme.
                                                                                                                            Die Idee                                                                                            Menschen reagieren selbst unter Androhung
             KNOWLEDGE?                                         13:00   SCHLUSSDISKUSSION                                                                                    In realen Situationen befragen wir Menschen
                                                                                                                            Orte, an denen jüdisches Leben stattfand, sind                                                      von Folter und unter Schmerzen nicht mecha-
             On fragments, multidirectionality, and                                                                         heute oftmals nicht mehr als solche zu erken-    nach ihren Leiderfahrungen unter Abwägung          nisch. Nur deshalb können wir uns als freie
             immersive knowledge                                                                                            nen und das Wissen über sie geht zunehmend       der eigenen Motive. Wie ist das Verhältnis         Wesen begegnen. Die Zeitzeugen haben ihre
                                                                                                                            verloren. Dieses Wissen zusammenzutragen,        von Zuwendung, Diskretion, Zumutbarkeit?           Erinnerungen, Gefühle, Gedanken mit be-
     10:30   Pause/wonder.me                                                                                                zu visualisieren und der Öffentlichkeit frei     Welche Frage ist angemessen, nicht zu persön-      stimmten Wirkungsabsichten formuliert. Das
                                                                                                                            zugänglich zu machen ist das Ziel von Jewish     lich oder zu direkt, aber auch nicht zu unver-     mag Betroffenheit auslösen, aber die Selektivi-
     11:00   PANEL 7                                                                                                        Places.                                          fänglich und anonym? Die Antworten geben           tät der präsentierten Antworten verzerrt die
             MAPPING UND DIGITAL HUMANITIES                                                                                 Die Website ist ein Kooperationsprojekt, das     dann meistens auch darüber Auskunft, wie die       Situation, weil Zurechnungsmöglichkeiten
             Chair: Roman Bleier (ZIM, Universität Graz)                                                                    vom Jüdischen Museum Berlin initiiert wur-       Frage aufgenommen wurde. Alle Beteiligten          verloren gehen. Als schlimmste Erfahrung
                                                                                                                            de und zusammen mit wissenschaftlichen und       fühlen sich für die Situation verantwortlich.      erinnern viele Holocaustüberlebende, dass sie
             Selina Galka, Sebastian Stoff (ZIM, Universität                                                                Bildungsinstitutionen stetig weiterentwickelt    Es entstehen Erwartungen, Überraschungen           nicht wie Menschen behandelt wurden, son-
                                                                                                                            wird.                                            und Enttäuschungen. Und der wiederholte            dern wie Nummern. Dafür kann die neue Ver-
             Graz)
                                                                                                                            Vor dem Launch der Plattform, gab es viele       Umgang damit ist es, der ganz nebenbei sozi-       mittlungstechnik schwer sensibilisieren.
             DERLA ALS DIGITALE EDITION AM GAMS                                                                             sehr gute Websites, Publikationen und Doku-      alisiert.
             AUS PERSPEKTIVE DER DIGITALEN                                                                                  mentationen jüdischer Orte in Deutschland.       Eine Technik nennen wir „interaktiv“, wenn
             LANGZEITARCHIVIERUNG                                                                                           Die Idee war es, all diese Informationen auf     freie Benutzer-Entscheidungen gespeicher-          Edith Blaschitz (Donau Universität Krems)
                                                                                                                            einer Seite zu bündeln und über Verlinkungen     te Reaktionen auslösen, die dann wieder ein        Erinnerungen, Technologien und die
                                                                                                                            auf weitere Quellen und Websites aufmerk-        neues Nutzerverhalten ermöglichen und mo-
             Tobias Ebbrecht-Hartmann (The Hebrew University                                                                                                                                                                    Suche nach Authentizität
                                                                                                                            sam zu machen. Um den community‐basier-
             of Jerusalem)/Michael Loebenstein (Austrian Film                                                                                                                tivieren. Was in kognitiven Lernprogrammen
                                                                                                                            ten Ansatz des Projekts zu fördern, wurde die
             Museum)                                                                                                                                                         erfolgreich ist, könnte bei moralisch sensiblen    Im Ausstellungs- und Vermittlungsbereich
                                                                                                                            technische Struktur so aufgebaut, dass jede:r
             MAPPING VISUAL HISTORY OF THE                                                                                                                                   Themen psychologische Effekte haben, die für       werden große Hoffnungen auf digitale Tech-
                                                                                                                            dazu beitragen kann, das Bild zu jüdischer Ge-
                                                                                                                                                                             eine längerfristige Verinnerlichung hinderlich     nologien wie Augmented oder Virtual Reality
             HOLOCAUST IN THE DIGITAL AGE:                                                                                  schichte der Vergangenheit und Gegenwart zu
                                                                                                                            vervollständigen. Mit der Sichtbarmachung        sind. Der Einsatz eines Hologramms für eine        gesetzt, die Wahrnehmungssteigerungen für
             Approaching Holocaust Memory through                                                                                                                            virtuelle Begegnung von Museumsbesuchern
                                                                                                                            des vielfältigen jüdischen Lebens in ganz                                                           das Publikum versprechen. Auch die zeithis-
             Digitized Moving Images in the Visual History                                                                                                                   mit Holocaust-Überlebenden muss in dieser          torische Vermittlungsarbeit sucht für die nun-
                                                                                                                            Deutschland soll auch der Diskurs über Di-
             of the Holocaust and the Ephemeral Films                                                                       versität und Toleranz in der sich wandelnden     Hinsicht höchste Maßstäbe erfüllen. Die Hoff-      mehr beginnende Zeit, in der bald niemand
             Projects                                                                                                       Gesellschaft angestoßen und in die öffentliche   nung ist, dass die simulierte Interaktion ähnli-   mehr in direkter Zeugenschaft über NS-Ge-
                                                                                                                            Diskussion verlagert werden.                     che Effekte hat wie eine echte.                    schichte und Shoah berichten kann, nach neu-
                                                                                                                                                                             Reale Interaktionen finden ihren Weg im            en Formen der Vermittlung und erprobt in
                                                                                                                            Was ist ein Jewish Place?                        Rahmen doppelter Kontingenz. Beide Seiten          zunehmenden Maße den Einsatz von digitalen
                                                                                                                            Ein Jewish Place ist qua Definition des Pro-     nehmen sich gegenseitig wahr und richten ihr       Technologien.
                                                                                                                            jekts ein physischer Ort, an dem Jüdinnen:-      Verhalten unter Berücksichtigung der gegen-        Geschichtsreproduzierende Formate werden
                                                                                                                            Juden selbstbestimmt leben und wirken bzw.       seitigen Reaktionen aus. Diese Grundvoraus-        eingesetzt, um Objekte oder Räume mit Hil-

6                                                                                                                                                                                                                                                                          7
fe von digitalem Content zu erweitern und zu     oder die oftmals beklagte Geschichtsmüdig-         bieten damit gewissermaßen eine Alternative        Zugänglichkeit spezialisiert ist. Die Präsentati-   bearbeitet und ausgewertet werden. Weitere        Laura Leo Dressel (Akademie der bildenden
kontextualisieren – oder in der Diktion der      keit in der jüngeren Generation. Die Rückbin-      zur Zeitzeugenschaft, bzw. erweitern diese in      on des Forschungs- und Bildungsprojekts auf         Informationen werden dynamisch aus ver-           Künste Wien)
Vermittlungsinstitutionen                        dung an Orte, das digital mapping, spielt hier     den Raum. Gleichzeitig wollen wir mit unserer      der Tagung „Digital Memory – Digital History        schiedenen Quellen wie dem Digitalen Denk-        Überlegungen zu einer kritischen Kar-
„Geschichte lebendig werden zu lassen“.          eine besondere Rolle.                              Quellen-basierten Auswertung das analytische       – Digital Mapping“ soll durch die Historikerin      malatlas Niedersachsen und Wikimedia Com-         tografie traumatischer Orte
Dabei werden (Bewegt-)bilder verwendet,          Ausgehend von dem Themendossier zu den             Potential beim Übergang von der gedruckten         und den Webentwickler erfolgen, die das Pro-        mons eingebunden. Open Science und Open
die über mobile Applikationen auch an den        Theresienstädter Tagebüchern von Martha            zur Online-Edition der Tagebücher verdeut-         jekt im Open Science Lab der TIB umsetzen,          Data sind somit integraler Bestandteil des Pro-   Ausgehend von Aleida Assmanns Diktum,
Schauplätzen historischer Ereignisse und Er-     Glass, das im Januar 2021 im Rahmen der            lichen. Die Digitalisierung und Bereitstellung     und somit geschichtswissenschaftliche, didak-       jekts, das Digital Memory, Digital History und    dass traumatische Orte dadurch gekennzeich-
fahrungen eingesetzt werden können. Das          vom Institut für die Geschichte der deutschen      im World Wide Web erleichtert nicht bloß die       tische und technische Aspekte umfassen.             Digital Mapping miteinander verbindet.            net seien, dass ihre „Geschichte nicht erzähl-
digital vermittelte historische Bild verbindet   Juden herausgegebenen Schlüsseldokumen-            Zugänglichkeit, die Annotation mit Norm-           Ziel von OGT ist die Entwicklung einer in-          In die Entwicklung des Wikidata-bezogenen         bar ist“ (Assmann 1999: S. 329) möchte ich in
sich mit der Gegenwart und dem gegenwärti-       te-Edition gelauncht wurde, möchten wir uns        und Geodaten ermöglicht die Verlinkung von         teraktiven digitalen Landkarte, mittels derer       Datenmodells der Wikibase-Instanz werden          meinem Beitrag untersuchen, ob die digitale
gen Erleben. Damit wird die Empfindung ei-       in unserer virtuellen Projektpräsentation mit      Inhalten und umfassende Registerfunktionen         auf der Website des Projekts sowohl die his-        aktuell Studierende der Informationswis-          Kartierung von Orten der Holocaust-Erin-
gener visueller Zeugenschaft des historischen    unterschiedlichen Ebenen des digital mapping       und bildet zugleich die Grundlagen für neue        torischen Orte des Gestapoterrors als auch die      senschaften an der Hochschule Hannover            nerung eine vermeintlich neutrale Form dar-
Ereignisses evoziert. Vergangenes kann, so       auseinandersetzen: unter Gesichtspunkten der       algorithmische Lesarten und Visualisierun-         heutigen Erinnerungszeichen und Gedenk-             eingebunden. Zur weiteren inhaltlichen und        stellt, mit der versucht wird, dem Dilemma
die diesbezüglichen Slogans, selbst gesehen      Vermittlung und der Wissenschaft sowie aus         gen.                                               stätten erschlossen werden. Diese Landkar-          didaktischen Ausgestaltung der interaktiven       der Repräsentation zu begegnen. Basis meiner
oder gar erfahren werden („Werden Sie zum        der Perspektive des close bzw. distant readings.   Während im Großen (distant reading) Bewe-          te bildet zugleich die Schnittstelle von For-       digitalen Landkarte sind Workshops mit nie-       Überlegungen bilden, neben medien- und
Zeitzeugen“). Authentizitätserwartungen des      Die Online-Tagebuchedition, die wir als ein        gungen und räumliche Netzwerke nachvoll-           schungszweck und didaktischer Zielsetzung:          dersächsischen Erinnerungsinitiativen und         kulturwissenschaftlichen Beiträgen zur Dar-
Publikums („Ich möchte wissen, wie es wirk-      implizit georeferenziertes Erinnerungsprojekt      zogen werden können, sind Orte innerhalb           Die damaligen Dienstsitze und Haftstätten           Gedenkstätten geplant. Die auf diese Weise zu     stellung von Erinnerungsorten (vgl.Hohen-
lich war“) werden mit eindeutigen Bildern des    verstehen, ist nach aktuellen wissenschaftli-      des Lagers Theresienstadt bislang nicht ausge-     sollen erstmals flächendeckend als integrale        einer öffentlichen Website weiterentwickelte      berger/Koch 2019), Theorien der kritischen
Vergangenen bedient, digital augmentierte        chen Standards ausgezeichnet (TEI P5) und          zeichnet (close reading).                          Faktoren der Gestapotätigkeit untersucht wer-       Karte kann wiederum von niedersächsischen         Kartografie, die Karten seit den späten 1980er
historische Orte werden zu „Scripted Spaces“,    mit Normdaten verlinkt. Hierzu zählen neben        Durch eine entsprechende Georeferenzierung         den. Über die Ergebnisse der Untersuchung           Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen           Jahren als Macht-Wissens-Komplexe begrei-
die in sich geschlossene Versionen der Ge-       Personen, Organisationen und historischen          der erwähnten Lagerstraßen, einzelner Bara-        von Standorten und Infrastruktur hinaus bin-        sowie Forschenden, Studierenden und ande-         fen (vgl. Crampton 2010). Die vermeintliche
schichte erzählen.                               Epochen insbesondere auch Orte: Ortsnamen          cken oder Plätze würden sich etwa Bewegun-         det das Projekt historiografische Informati-        ren Interessierten genutzt und im Sinne von       Neutralität der Karte führe, so die Autor_in-
Der Vortrag setzt sich damit auseinander, wie    werden mit dem Getty Thesaurus of Geogra-          gen innerhalb des Lagers nachvollziehen las-       onen über die Organisations-, Personal- und         Citizen Scienceship ergänzt werden. Darüber       nen der kritischen Kartografie, zur Verde-
digitale Erinnerungstechnologien für die Su-     phic Names verlinkt, konkrete Adressen mit         sen, bestimmten Orten könnten Funktionen           Aufgabenentwicklung der Gestapo ein. Das so         hinaus bietet sie auch weitere Anknüpfungs-       ckung der (ideologischen) Vorannahmen
che nach dem ebenso vagen wie wesentlichen       Geodaten hinterlegt, sodass deren Position         zugeordnet werden, möglicherweise würden           aufbereitete Geschichtswissen lag bislang vor       punkte für die schulische und außerschulische     ihrer Produktion. Mit diesem Hintergrund
Begriff der „Authentizität“ verwendet werden     unmittelbar im Text in einer eingeblendeten        die Bewegungsprofile Aufschluss über die La-       allem in Form analoger Texte vor; OGT trägt         Bildungsarbeit.                                   möchte ich fragen, was auf digitalen Karten
und fragt ebenso danach wie digitale Techno-     Karte angezeigt werden kann.                       gergemeinschaft und einzelne soziale Grup-         somit zur Digitalisierung und interaktiven          Unter den zahlreichen digitalen Geschichts-       von Erinnerungsorten gezeigt werden kann
logien, historische Räume und Akteure ver-       Im Gegensatz zu den sonst innerhalb der            pierungen geben: Bewegte sich Martha Glass         Dissemination dieser Forschungsdaten bei.           karten des (nord-)deutschen Raumes sind für       und was versteckt bleibt. Mit Jeremy Cramp-
bunden, aber auch Mehrperspektivität und         Schlüsseldokumente-Edition bereitgestellten        als eine ältere deutsche Jüdin anders als etwa     Die (Erinnerungs-)Orte des Gestapoterrors           das Projekt OGT insbesondere zwei Vorbilder       ton möchte ich dem Potenzial von Karten als
das Verständnis von Geschichte als rekonst-      Kurztexten oder Quellenauszügen handelt es         eine junge tschechische Jüdin? Wo unter-           werden auf der interaktiven Karte für ver-          zu nennen: Zum einen handelt es sich um das       kritische Instrumente nachgehen (Crampton
ruktivem Prozess vermittelt werden können.       sich bei dem Tagebuch-Transkript und der           schieden sich Orte und Wege, wo überlappen         schiedene Zeitabschnitte anwählbar sein: Die        Projekt „Hotel Silber. Virtueller Geschichts-     2010: S. 39). Ziel meiner Überlegungen ist die
                                                 dazugehörigen Einleitung um längere zusam-         sie sich und warum?                                Kartierung umfasst neben der historischen           ort“ des Hauses der Geschichte Baden-Würt-        Entwicklung von Strategien für eine kritische
                                                 menhängende Texte, deren Auszeichnung              Diese knappen Überlegungen zeigen, wie             Ebenen auch eine gegenwärtige, in der In-           temberg, das sich ebenfalls mit der Gestapo       Kartografie traumatischer Orte.
Daniel Burckhardt (Moses Mendelssohn             auch umfassendere Auswertungsmöglichkei-           fruchtbar das Nachdenken über digital map-         formationen über Erinnerungszeichen und             und deren Orten auseinandersetzt. In Ent-
Zentrum für europäisch-jüdische Studien          ten eröffnet. Auffällig ist, dass Personen und     ping sowohl für quellenkritische Analysen als      Gedenkstätten sowie deren Genese hinterlegt         sprechung zur dortigen Karte Württemberg-
Potsdam), Sonja Dickow-Rotter, Anna              Orte eng verbunden sind, fast alle erwähnten       auch für erinnerungspolitische Ansätze sein        werden. Die aktuelle Kartenebene wird mit           Hohenzollerns und Badens entwickelt OGT           Tobias Ebbrecht-Hartmann (The Hebrew
Menny (beide Institut für die Geschichte der     Orte lassen sich in Beziehung zu einer Bio-        kann. Es öffnet den Blick für bislang unreali-     einem Open Source Web Map Framework                 eine georeferenzierte Webanwendung für den        University of Jerusalem) and Michael
deutschen Juden Hamburg)                         grafie setzen, in erster Linie der von Martha      sierte Möglichkeiten unserer Edition, schärft      für OpenStreetMap gestaltet. Die mit der ge-        Bereich des heutigen Landes Niedersachsen.        Loebenstein (Austrian Film Museum)
(Ver)Orte(n). Auslotung der Potenziale           und ihrem Ehemann Hermann Glass, aber              aber auch das Bewusstsein für Grenzen der          genwärtigen kombinierte historische Kartene-        Zum anderen ist die mit einer interaktiven        Mapping Visual History of the
einer Georeferenzierung am Beispiel              auch zu Familienangehörigen, Bekannten und         bestehenden Textannotation und zeigt damit         bene soll einen Überblick über den gesamten         Karte Norddeutschlands kombinierte Außen-         Holocaust in the Digital Age:
der Theresienstädter Tagebücher von              Freund*innen.                                      auch Desiderate für zukünftige Projekterwei-       Bereich des heutigen Landes Niedersachsen           lagerliste der KZ-Gedenkstätte Neuengamme         Approaching Holocaust Memory
Martha Glass                                     Im Rahmen einer geobasierten Auswertung            terungen.                                          ebenso ermöglichen wie das Eintauchen in            hervorzuheben, deren Beschreibungstexte           through Digitized Moving Images in
                                                 soll unsere Präsentation deshalb räumliche                                                            einzelne Städte und Landstriche. Im Sinne des       auch Informationen zu Gedenkorten enthal-         the Visual History of the Holocaust
Angesichts der sich zuspitzenden gesell-         Veränderungen innerhalb einer Biografie                                                               Deep Mapping sollen Erläuterungstexte und           ten. Auf die Darstellung der Orte des Gestapo-    and the Ephemeral Films Projects
schaftlichen Debatten, die durch Fremden-        (Leben in Hamburg, Deportation nach The-           Janine Doerry / Nils Casties (Stiftung             zusätzliche Artefakte eingeblendet werden           terrors übertragbar sind die Überlegungen zur
feindlichkeit, Antisemitismus sowie mitunter     resienstadt, Befreiung und Reise nach Berlin)      niedersächsische Gedenkstätten, Celle)             können, etwa Dokumente, Fotos oder Grund-           didaktischen Zuspitzung und Vereinfachung,        Historical films provide a very specific form
Geschichtsvergessenheit oder gar -leugnung       ebenso wie Netzwerke in ihrer geografischen        „Orte des Gestapoterrors im heutigen               risse und Schnitte von Gebäuden. Dargestellt        die Sebastian Bode und Mathias Renz hinsicht-     of accessing the past, especially in context of
gekennzeichnet sind, erleben historische         Ausdehnung und Mobilität aufzeigen und da-         Niedersachsen“                                     werden über Standorte, Organisationsstruk-          lich der „Optionen und Muster der Holocaus-       the Holocaust. Moving images were part of
Zeugnisse und insbesondere Egodokumente          mit sowohl gruppenbiografische Aufschlüsse                                                            tur, Personal und Aufgaben der Gestapo hi-          tvisualisierung“ in der Konstruktion analoger     humiliation and cruelty, they later served as
einen Bedeutungszuwachs. Durch die persön-       als auch allgemeinere über Verfolgung oder         Bei der Durchführung des Projekts „Orte des        naus Fallbeispiele von Menschen, die von der        und digitaler Geschichtskarten anstellen. Die     documentation of those events, they provided
liche Ebene erhalten abstrakte Zahlen, formale   (Zwangs-)Migration geben. Auch wenn die            Gestapoterrors im heutigen Niedersachsen“          Gestapo verfolgt und ermordet wurden. Sie           Grenzen, die dem Einsatz von Kartenzei-           evidence for confronting atrocities, but they
Gesetzestexte oder diskriminierende Hand-        enge Verschränkung der räumlichen und bio-         (OGT) kooperiert die Stiftung niedersächsi-        verdeutlichen exemplarisch, gegen wen sich          chen und Erläuterungstexten in analogen           also offered unexpected views and insights in
lungen ein Gesicht, die Auswirkungen auf die     grafischen Ebene dem Genre des Tagebuchs           sche Gedenkstätten (SnG), zu deren Auftrag         der Terror der politischen Polizei des natio-       Geschichtskarten gesetzt sind, zeigen sich im     everyday lives and the perspectives of different
individuelle Biografie und den Lebensalltag      geschuldet ist, zeigt sich hier eine unter Ver-    die Forschungs- und Bildungsarbeit über            nalsozialistischen Staates richtete.                von Kai Dohnke 2001 herausgegebenen Atlas         historical actors. Beyond the huge amount
lassen sich nachvollziehen. Gerade der digi-     mittlungsgesichtspunkten zentrale Bedeu-           die nationalsozialistische Verfolgungspolitik      Als Grundlage der interaktiven Landkarte            „Nationalsozialismus in Norddeutschland“,         of official and semi-official filmmaking that
tale Raum bietet – werden die Eigenschaften      tung von Orten. Diese werden zu direkten           zählt, mit der Technischen Informationsbib-        auf der Website des Projekts dienen sowohl          exemplarisch auch auf der dortigen Karte „Die     served ideological needs in a machinery that
des Mediums ernst genommen – mögliche            Anknüpfungspunkten für eine Auseinander-           liothek (TIB), die auf die digitale Erschließung   Einträge in Wikidata als auch eine Wikiba-          Gestapo in Norddeutschland“                       helped realizing mass murder and genocide,
Antworten auf das Ende der Zeitzeugenschaft      setzung mit historischen Geschehnissen und         und Aufbereitung von Daten und deren freie         se-Instanz, anhand derer die Forschungsdaten                                                          private and ephemeral films offer an ambiva-

   8                                                                                                                                                                                                                                                                                                    9
lent insight into the social realities of the Third   tories in order to discover and unlock layers       known to have maintained at least four syn-          Benjamin Grilj (INJOEST, St. Pölten)               Historische Migrationsforschung (NGHM) an        und gefördert durch die Stiftung EVZ, den
Reich and World War II. During the war,               of context and meaning inaccessible through         agogues among other communal structures.             Marburg, Adolf-Hitler-Platz,                       der Universität Osnabrück hat in den vergan-     in Bad Arolsen überlieferten Bestand der sog.
allied soldiers used professional and private         traditional linear narrative modes. Digitized       With Bulgaria’s independence from Ottoman            Litzmannstadt                                      genen Jahren mit unterschiedlichen Quellen-      C/M1-Akten erschlossen und in Stichproben
cameras to document atrocities as early as in         film and media collections are entered into a       sovereignty in 1878, Sofia became the capital                                                           beständen die Bewegungen von Menschen in         digital zugänglich gemacht. Die C/M1- Akten
1942. How do we handle these collections of           new system designed to allow for participatory      of the young state. Therefore, the Ottoman era       Mit der Digitalisierung der Welt ging auch         der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den    sind Antragsformulare auf Aufnahme in die
moving images, and how can digitization and           forms of user interaction and enabling users’       urban fabric including the Jewish quarter were       eine Digitalisierung der Geschichte einher.        Blick genommen und diese durch Adaption          Hilfsprogramme der internationalen Hilfsor-
digital curation enable new ways of engaging          engagement and co-creation. In doing so this        dismantled to make way for a European-look-          Für die Geschichtswissenschaft öffneten sich       geographischer Tools prozessiert und analy-      ganisationen UNRRA bzw IRO von diversen
with these visual remnants of the past?               project aims at critical awareness for the use of   ing capital city. In consequence, the Jewish po-     damit Tore: unbekannte Schätze können orts-        siert. Die sogenannten Geoinformationssys-       Personen(-gruppen) ab 1945 gestellt wurden.
Our presentation will introduce two online            imagery about mass murder by implementing           pulation was pushed out of the representative        unabhängig aus Archiven gehoben, Verknüp-          teme (GIS) haben sich als potentes Werkzeug      Darunter befanden sich unter anderen ehe-
infrastructures that offer advanced search            an ethics guideline and general principles of       part of Sofia and resettled to a new makeshift       fungen erstellt und neue Forschungsfragen          bei der Analyse großer Datenbestände erwie-      malige Zwangsarbeiter:innen, befreite Insas-
functions and online tools for viewing, re-           digital curation of filmic records and contex-      neighborhood, Yuch-Bunar. Forming the cen-           gestellt werden. Ergebnisse werden in Echtzeit     sen, die in ihrem Umfang nur noch schwer         sen:innen der deutschen Konzentrations- und
viewing, annotating and connecting moving             tual documents related to the Holocaust.            ter of Jewish life, Yuch-Bunar became home           publiziert und somit einer schier unbegrenz-       mit klassischen historischen Methoden über-      Kriegsgefangenenlager, aber auch nicht-deut-
images from the era of National Socialism and         For more information, please visit the project      to a dense network of personal, institutional,       ten Öffentlichkeit präsentiert. Die interessier-   blickt werden könnten. Neben diesem Vorteil      sche NS-Kollaborateur:innen und Flüchtlinge
the Holocaust. The Ephemeral Films Project, a         websites at https://www.vhh-project.eu/ and         and communal spaces that shaped the reality          te Öffentlichkeit wurde mittlerweile ebenso        beim Arbeiten mit historischer „big data“ lie-   aus Osteuropa, die erst nach 1945 in den west-
collaboration between the Ludwig Boltzmann            at https://efilms.at/                               of Jewish life until the 1940s.                      zu Produzenten: die digitale Genealogie und        gen die Vorzüge in der Mustervisualisierung,     lichen Besatzungszonen ankamen. Im Projekt
Institute for Digital History, the Austrian Film                                                          While, historically, it is possible to trace these   ihre Plattformen erlebten in den vergangenen       der Möglichkeit sowohl auf Individuen als        „Transnational Remeberance on Nazi Forced
Museum and the United States Holocaust                                                                    two layers of Jewish life in the urban fabric of     Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung.           auch auf ganze Gruppen von Menschen und          Labor and Migration“ wurden die Anga-
Memorial Museum, makes available digital              Selina Galka, Sebastian Stoff (ZIM,                 Sofia, virtually no part of this Jewish topogra-     Sie sind unter Nachkommen von vertriebenen         ihre Bewegung zu blicken und dem Potential,      ben der Antragssteller:innen aus etwa 1.000
copies of rare amateur and non-fiction filmic         Universität Graz)                                   phy is preserved or has ever been the focus of       und ermordeten Jüdinnen und Juden beson-           die verarbeiteten Daten mit anderen Daten-       CM/1-Akten in einer Datenbank erfasst und
documents that offer insight into the weeks           DERLA als Digitale Edition am                       scholarly attention. Research has rather focu-       ders beliebt, so ist es nicht weiter verwunder-    beständen zu verschneiden und verknüpfen.        auf einem interaktivem Webportal (trans-
and months following the “Anschluss”, as well         GAMS aus Perspektive der Digitalen                  sed on the building and the mythical import-         lich, dass der Branchenriese „myheritage“ aus      Letzteres kann einerseits in der Forschung       rem.arolsen-archives.org/maps) zugänglich
as the events’ pre-history and aftermath. The         Langzeitarchivierung                                ance of the Sofia Central Synagogue, the proud       Israel stammt.                                     zur Erweiterung der Perspektiven auf den Da-     gemacht. Das Webportal beinhaltet eine
online platform offers various possibilities to                                                           monument of the presence of Jewish life in the       Viele auf Schwarminformation aufbauenden           tenbestand, aber gerade in der Bildungs- und     durchsuchbare, filterbare und kartenbasierte
explore the footage, review annotations with          Das Projekt wurde mittels dem Geisteswis-           city. This majestic building, standing in the        Plattformen fehlt häufig ein kritischer, wis-      Gedenkarbeit zur didaktischen Erschließung       interaktive Darstellung der von den Antrags-
information about date, location, events, con-        senschaftlichen Asset Management System             very center of the Bulgarian capital, neighbors      senschaftlich geschulter Zugang. Dies betrifft     historischer Bestände genutzt werden.            steller:innen genannten Bewegungsdaten und
tent and shot types, and locate the films geo-        (GAMS) am Institut Zentrum für Infor-               other places of worship for Orthodox Chris-          nicht nur die Verwendung von Akten (wer-           An der Universität Osnabrück wurde diese         verweist dabei auf die von den Arolsen Ar-
graphically on a map. The video player offers         mationsmodellierung umgesetzt, welches              tians, Muslims, and Catholics. Therefore, it         den beispielsweise euphemistische Umschrei-        GIS-basierte Herangehensweise zuletzt ex-        chives frei zugänglichen digitalen Fotorepro-
possibilities for interacting with the films, by      als OAIS-konform gilt und sich an den               also carries the symbolic importance of repre-       bungen wie Altersschwäche als Todesursache         plorativ an zwei kleineren Datenbeständen        duktionen der Akten. Somit haben die Benut-
watching, rewinding, stopping or manipula-            FAIR-Prinzipien orientiert. Mit Hilfe des           senting Jews’ belonging to Bulgarian society         in Ghettos und Konzentrationslagern über-          erprobt und in einem dritten Projekt bis zur     zer:innen des Portals immer die Möglichkeit,
ting the frame rate. Thereby, the platform pre-       Systems können unterschiedliche Ressourcen          as a whole. This prominence of the Central           nommen), sondern auch geographische Be-            abschließenden Webpräsentation mit interak-      die dargestellten Daten in den Originalakten
sents the digitized moving images not just as         verwaltet, langzeitarchiviert, mit Metadaten        Synagogue, however, underplays the absence           grifflichkeiten. Ausgehend vom Memorbuch           tiver Karte und didaktischem Begleitmaterial     nachzuvollziehen, zu prüfen und anhand an-
illustrations of historical events but as a source    angereichert und persistent zitierbar publi-        of a tangible historical presence of the Jewish      www.juden-in-st-poelten.at und den Erfah-          gebracht. Die beiden erstgenannten sind Vi-      derer Informationen in den Akten weiter zu
for close inspection and active investigation.        ziert werden. Das Projekt orientiert sich am        community within Sofia’s urban context and           rungen in der personenbezogenen Holocaus-          sualisierungen                                   verfolgen.
Based on the experiences of the Ephemeral             Konzept Open Science - sämtliche Daten ste-         masks the loss of the great majority of the ci-      tforschung sollen in diesem Vortrag drei Pro-      1) des sog. „Totenbuchs“ Mittelbau-Doras         Der geplante Vortrag könnte eines oder meh-
Films Project, the Visual History of the Ho-          hen open access und zur Weiternutzung, -ver-        ty’s synagogues, schools, hospitals, or other        blemfelder thematisiert werden:                        (https://www.buchenwald.de/101/), das        rere der genannten Projekte präsentieren und
locaust Project endeavors to chart new terri-         breitung und -verarbeitung bereit. Dies er-         communal institutions, and ultimately Jewish         Marburg: Umgang mit altösterreichischen                Daten zur Herkunft, den Verlegungen in-      exemplarisch auf den Mehrwert von GIS-ge-
tory in the way that moving image materials           möglicht eine fruchtbringende Nachnutzung           communal and family life. The Bulgarian nar-         Bezeichnungen im digital mapping;                      nerhalb des KZ-Systems und dem Todes-        stützten Datenanalysen eingehen. Gleichzeitig
of the Holocaust have been, are, and could            der Daten mithilfe unterschiedlicher Visuali-       rative of a saved Jewish life during World War       Adolf-Hitler-Platz: das Problem der „letzten           zeitpunkt und –ort von mehr als 10.000       birgt die Methode auch Fallstricke und Schwie-
be presented and represented in the future.           sierungs- und Analysetools.                         II further negates the troubled history of the       Wohnadresse“;                                          der Häftlinge im KZ-Komplex Mittel-          rigkeiten, insbesondere durch die digitale
Funded by the European Commission’s Ho-               Die durch DERLA erforschten Erinnerungs-            Sofia municipality and its large Jewish popula-      Litzmannstadt: die Verwendung „kontami-                bau-Dora enthält und                         Normalisierung in der Datenerhebung und
rizon 2020 program, the project brings to-            orte werden am GAMS als Digitale Objekte            tion well into the mid-20th century.                 nierter“ Ortsbezeichnungen.                        2) eine Visualisierung der Aufenthalts- und      die daraus resultierenden Vereindeutigungen
gether 12 consortium members and 3 asso-              archiviert und repräsentiert. Jedwede Re-           The Digital Humanities provide suitable                                                                     Fluchtorte des Malers Felix Nussbaum,        komplexer historischer Informationen, die
ciated partners—including institutions from           präsentationsform - wie zum Beispiel eine           approaches for tackling the historical presen-                                                              der vor der nationalsozialistischen Ver-     sowohl den Forscher:innen, den Akteur:innen
Europe, Israel, and the United States—with            Webansicht - ist folgend eine transparent           ce of the Jewish community within the urban          Lukas Hennies (Universität Osnabrück)                  folgung nach Belgien floh und in Brüssel     der Bildungs- und Gedenkarbeit und letztlich
content providers from the UK, Russia, Bel-           dokumentierte Ableitung der originalen For-         context of Sofia. DH methods and technolo-           Mapping Forced Migration - tracing                     1944 verhaftet, nach Auschwitz depor-        den Nutzer:innen immer bewusst sein muss.
arus, the Ukraine, and the Baltics. With the          schungsdaten aus dem (digitalen) Archiv.            gies can help identify, research, and represent      violence-induced mobility through                      tiert und dort vermutlich noch im selben     Dies sollte der zweite Stützpfeiler eines Vor-
creation of new online interactive tools, the                                                             Sofia’s historical Jewish topography. Therefo-       various datasets                                       Jahr ermordet wurde. Verbunden haben         trags über die genannten Projekte sein.
project re-evaluates the filmed history of the                                                            re, this project envisions to establish a digital                                                           wir die Daten seiner Flucht mit den Ent-
Holocaust, based on a comprehensive map-              Fani Gargova (Universität Wien)                     framework, which through data curation and                                                                  stehungskontexten seiner Bilder, die sich
ping, contextualization, and reframing of film        Towards a Jewish Topography of                      geo-referencing will help regain an understan-       Die Digitalisierung von historischen (Mas-             nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der      Matthias Heyl (Mahn- und Gedenkstätte
documents recorded by Allied troops during            Sofia: Reinscribing Jewish Spaces into              ding of the now lost pre-World War II Jewish         sen-)Daten, deren Verfügbarkeit und die tech-          Welt verbreiteten. Durch dieses Vorgehen     Ravensbrück) /Henning Schluß (Universität
and subsequent to the liberation of Nazi con-         the Urban Fabric through a Digital                  topography of Sofia. To this end, the project        nischen Möglichkeiten ihrer Verarbeitung und           konnte ein Blick auf die Rezeption des       Wien)
centration camps at the end of World War II.          Mapping Project                                     aims to build on resources (archival descrip-        Visualisierung haben in den vergangenen Jah-           künstlerischen Schaffens Felix Nussbaums     Remembering and empathy on social
In bringing together a range of source ma-                                                                tions and/or digitized material) made availa-        ren enorm zugenommen. Besonders Datenbe-               eröffnet werden.                             media in times of social distancing
terial we develop, and encourage others to            Until the mid-20th century, the City of Sofia,      ble through key institutions and repositories,       stände, die Informationen in den Dimensio-
develop, new methods in digital curation by           Bulgaria was home to a sizable Jewish com-          while incorporating relevant research from           nen Raum und Zeit enthalten, lassen sich mit       In einem größeren Projektrahmen haben wir        Die Corona-Krise zwang im Bereich der Ge-
dynamically linking the filmic records with           munity. During Ottoman times, Sofia’s Jews          traditional or print-publication.                    digitalen Methoden anschaulich strukturie-         in Kooperation mit den Arolsen Archives          denk- und Erinnerungsarbeit zu neuen We-
photographs, text documents, and oral his-            lived in the very center of the town and are                                                             ren. Das Institut für Neueste Geschichte und       (vormals Internationaler Suchdienst, ITS)        gen, da bewährte Modi des Arbeitens, z.B.

   10                                                                                                                                                                                                                                                                                                     11
persönliche Begegnungen mit Zeitzeug_inn-              “sound in the silence” - In der „Gedenk-          „Wendung aufs Subjekt“, wie sie Theo-          sprechungen behindert werden kann. Das             Der eingereichte Forschungs- und Vermitt-        Das Projekt versteht sich dabei als Labor und
nen und/oder Seminare am historischen Ort              Szene“ debattiert man seit Längerem über          dor W. Adorno eingefordert hat, Diese          durch Bildung evozierte „Anderswerden“ des         lungsplan sah die Auf- und Einarbeitung          Experimentierraum. Die Projektpartner arbei-
unmöglich waren. In Frage kamen digitale               den Wandel vom „kommunikativen“ oder              „reflexive Wendung“ schließt aber eine         Individuums muss immer in beide Richtun-           der Literatur der bekannten Wiener Orte          ten über vier Jahre gemeinsam und instituti-
Formate, die an Formate in Realpräsenz an-             „kommunizierten“ zum „kulturellen Ge-             zweite „Wendung aufs Subjekt“ im päda-         gen gedacht werden. Auch in Digitalien sind        sowie Quellen aus Archiven, aber auch von        onenübergreifend an Prototypen für digitale
knüpften und sie in den virtuellen Raum über-          dächtnis“. „Kulturelles Gedächtnis“ werde         gogischen Bildungs- und Auseinanderset-        die Prozesse historischer Bildung immer mit        Oral-History-Zeugenaussagen in einen Stadt-      Narrative und Vermittlungsformate der Zeit-
nahmen.                                                die Erinnerungskultur prägen, wenn die            zungsprozess ein: die notwendige Wahr-         Herausforderungen und Zumutungen zu-               plan auf Basis von Google-Maps vor, schlug       geschichte.
Damit gingen einerseits Verluste der persön-           lebendigen Stimmen der Überlebenden               nehmung der Lernenden als Subjekte. Das        gleich konfrontiert.                               die Konzeption von kleinen, thematisch ge-       Die Forschung des SPUR.lab wird dabei gelei-
lichen und physischen Begegnungserfahrun-              einmal nicht mehr zu hören sein werden.           heißt, dass die pädagogische Auseinan-         Diese Ambivalenzen sollen im Vortrag aus ge-       gliederten Stadtrundgängen und die Vermitt-      tet von drei zentralen Themenfeldern: Erin-
gen einher aber auch neue und andere Mög-              Wir überlegten, dass wir diesen Über-             dersetzung mit der Geschichte des Natio-       schichtsdidaktischer Perspektive thematisiert      lung der Ergebnisse nicht nur an Fachleute,      nern, Erzählen und Verbinden.
lichkeiten des virtuellen Raumes konnten               gang gemeinsam mit den Überlebenden               nalsozialismus und seinen Verbrechen in        werden, um nicht zuletzt auch das Konzept          sondern auch an ein breiteres Publikum, wie      Die Leitfragen des Projekts:
genutzt werden. Gewinne und Verluste dieser            gestalten wollten. Im Ravensbrücker               einer deutlichen Subjektorientierung die       der historischen Bildung zeitgemäß zu refor-       etwa HistorikerInnen, LehrerInnen und Mul-       • Wie können die Erfahrungsräume Mu-
Erfahrungen sollen hier nicht gegeneinander            Generationenforum entstand die Idee,              Interessen der Teilnehmenden als einen         mulieren.                                          tiplikatorInnen vor. Als Grundlage sollte die        seum und Gedenkstätten untereinander
aufgewogen werden. Vielmehr wollen wir in              einen „History HipHop“-Workshop aus-              der Ausgangspunkte jeglicher Auseinan-                                                            Konzipierung und Programmierung einer                vernetzt und in einen digitalen Raum er-
einem Vortrag anhand mehrerer Beispiele                zuschreiben, in dem die Rapper*innen              dersetzung und Projektarbeit reflektieren                                                         Datenbank dienen, die – soweit es die Da-            weitert werden?
darstellen, inwiefern die gezwungenermaßen             und Breakdancer*innen aus Berlin und              und ansprechen müssen. Zum Ende des            Anne Knowles (University of Maine)                 tenschutzbestimmungen zulassen – auch für        • Wie nutzen wir digitale Technologien, um
erfolgte Umstellung auf virtuelle Formate für          Bredereiche Gelegenheit erhielten, mit            Vortrages werden wir versuchen zu resü-        Teaching the Holocaust through Digital             wissenschaftliche Recherchezwecke genutzt            Biographien, Objekte, Ort und Kontexte
eine Erinnerungsarbeit an die Shoa und die             den amerikanischen Rappern Dan und                mieren, wie vor dem Hintergrund dieser         Mapping                                            werden kann.                                         zu verbinden?
Entrechtung und Ermordung vieler anderer               Tommy zusammenzutreffen. Jens Hucke-              Herausforderung künftige Formen der                                                               Im Zuge der Forschungsarbeiten eröffneten        • Wie kann NS-Geschichte im virtuellen
Gruppen im NS Impulse geben kann. Es wäre              riede hat das Projekt filmisch dokumen-           Gedenkarbeit weiterentwickelt werden           For more than a decade, Anne Kelly Knowles         sich allerdings gleich anfangs eine Fülle von        Raum erzählt und vermittelt werden?
vermessen zu behaupten, dass diese neuen               tiert, seinen Film aber vor seinem plötzli-       können.                                        has been teaching courses on Holocaust his-        neuen Quellen (sowohl von Dokumenten als         • Wie können digitale Technologien Ge-
Formate die alten gleichwertig “ersetzen” kön-         chen Tod nicht mehr fertigstellen können.                                                        tory from a geographical perspective. In this      auch von Interviews), weshalb die Datenbank          denkstätten und Museen darin unterstüt-
nen. Zugleich aber ist aufmerksam zu prüfen,           Aus seinen Filmsequenzen habe ich mit                                                            presentation, Dr. Knowles will share the con-      wesentlich erweitern werden musste, um noch          zen, Geschichte zu erzählen und Erinne-
wo möglicherweise auch Zugewinne und ge-               dem Einverständnis aller Beteiligten eine     Christian Heuer (Institut für Geschichte,          ceptual basis of her approach, explain how         mehr Unterlagen, aber auch Orte als vorgese-         rungen lebendig zu halten – am Ort und
genüber den traditionellen Formen erweiterte           Dokumentation zusammengestellt, von           Universität Graz)                                  she uses maps in lectures, and what students       hen in die Umsetzung integrieren zu können.          im digitalen Raum?
Möglichkeiten der virtuellen Formate liegen.           dem wir Ausschnitte zeigen und diskutie-      Historische Bildung in Digitalien?                 gain by making their own maps for research         Ebenso wurde die Zahl der vorgesehenen           • Welche Chancen und Möglichkeiten öff-
Dabei ist von Vorteil, dass bereits vor Coro-          ren werden.                                   Ambivalenzen aus                                   projects. She will argue that melding historical   Rundgänge erhöht, da sich aus dem neuen              nen sich hier, wo verlaufen die ethischen
na digitale und audiovisuelle Formate relativ      3.) “Silence is no longer here because of us”     geschichtsdidaktischer Perspektive                 and geographical ideas and sources can make        Material weitere thematisch zusammenstell-           Grenzen?
breit in die Erinnerungsarbeit Einzug gehalten         - Das Leuchtturmprojekt Ravensbrücker                                                            history more vivid for students. Showing stu-      bare Annäherungen ergeben hatten.                • Welche ethischen und ästhetischen Stan-
haben und z.B.in der pädagogischen Arbeit              Generationenforum geht in seiner bisheri-     „Education as we know it is in trouble.” (Bau-     dents the „back end“ (or digital architecture)     Die Auffindung zweier Bestände im Archiv             dards gelten, wenn die Verbrechen des
der Gedenkstätte Ravensbrück kreativ genutzt           gen Form seinem Ende entgegen. Aber da        mann, Z. Educational Challenges of the Li-         of a mapping database can also be an entry         der Israelitischen Kultusgemeinde Wien               Nationalsozialismus digital erzählt wer-
wurden.                                                bereits jetzt Angehörige der zweiten und      quid-Modern Era (2003).                            point for discussing important issues that are     (IKG) – der Krankenhausbehandlungskarto-             den?
Im Einzelnen wollen wir dazu:                          dritten Generation daran nicht als mög-       Die Feststellung, dass sich gegenwärtig alle       common in digital historical research, inclu-      thek und einem Konvolut von Rechnungen,          • Wie weit kann und darf immersives Er-
1.) Die Erfahrung mit einem gemeinsamen                licher Ersatz, sondern zur Unterstützung      gesellschaftlichen Teilbereiche durch den          ding how to acknowledge the uncertainty in         die im Zusammenhang mit der Betreuung der            zählen und virtuelles Erleben gehen?
     Seminar an der Universität Wien zum               der Überlebenden – teilnehmen und die         Prozess der Digitalisierung im Modus der           historical sources and how to deal with mis-       ungarisch-jüdischen      ZwangsarbeiterInnen
     Thema “Erziehung nach Auschwitz” be-              Nichte von Emmie sagte, „Sound in the         Veränderung und Transformation befinden,           sing or inconsistent temporal information in       gestellt wurden – ermöglichte es auch, mittels   Die Partner im Projekt sind das Haus der
     schreiben. Dieses Seminar ist als Blockse-        Silence“ habe ihr erstmals die Chance ge-     ist seit mindestens zwanzig Jahren ein zeit-       digital database design.                           Massendaten neue Schlaglichter auf die Ge-       Brandenburgisch-Preußischen        Geschichte
     minar konzipiert. Die ersten, vorwiegend          geben, sich als zweite Generation „auszu-     überdauernder Gemeinplatz. Diese Verände-                                                             sundheitsversorgung bzw. den Gesundheits-        in Potsdam, die beiden brandenburgischen
     theoretischen Blöcke finden in Wien statt.        drücken“, sind neue Formen denkbar, das       rungsprozesse umfassen kulturelle Formen,                                                             zustand der Deportierten, aber auch auf die      Gedenkstätten und ehemaligen Konzentra-
     Ein großer Block als Exkursion nach Ra-           Wort „Generationenforum“ auch dauer-          Gewissheiten und Institutionen gleicherma-         Bálint Kovács, Éva Kovács (VWI, Wien)              finanzielle Verstrickung der Gemeinde Wien       tionslager Ravensbrück und Sachsenhausen
     vensbrück, der dankenswerter Weise vom            hafter mit Leben zu erfüllen. „Leuchttür-     ßen. So betreffen sie selbstverständlich auch      Jüdische Sklaven in einer ‚judenreinen’            und der Wiener Bevölkerung in das System         und die Filmuniversität Babelsberg KONRAD
     Zukunftsfond der Republik Österreich              me“ sind nicht nur einsam aus der Land-       die Praxen und Akteur:innen des historischen       Stadt. Die Topographie der ungarisch-              der NS-Zwangsarbeit zu werfen.                   WOLF.
     gefördert wird. Aufgrund der Pandemie             schaft herausragende Gebäude, sondern         Lernens und Lehrens in den unterschiedlichen       jüdischen Zwangsarbeit in Wien                                                                      Die Partner entwickeln gemeinsam und insti-
     musste eine digitale Version deses Semi-          Wegmarken, die scheinen und leuchten          geschichtskulturellen Handlungsfeldern.            1944/45                                                                                             tutionenübergreifend die zukünftigen Anwen-
     narkonzepts erfunden werden. Dieses               dürfen, aber eben auch den Weg weisen         Die mit der Digitalisierung einhergehende                                                             Bettina Loppe, Kurt Winkler                      dungen. Dabei steht explizit nicht das techno-
     Konzept vereinte vorhandene digitale An-          sollen.                                       Vervielfältigung und gleichzeitige Begrenzung      Das Hauptziel des Projektes war es, ein kaum       (Brandenburgische Gesellschaft für Kultur        logisch Mögliche im Vordergrund, sondern
     gebote mit neu erstellten Video-Rundgän-      4.) Im Zuge der Neugestaltung des Geden-          kultureller Möglichkeiten der Teilhabe an Ge-      behandeltes Kapitel der Stadtgeschichte Wiens      und Geschichte, Potsdam)                         das dem Thema angemessene Erzählen und
     gen über das Gelände der Gedenkstätte             kortes des ehemaligen KZ-Oranienburg          schichte(n) und individueller und kollektiver      zu ‚relokalisieren’ und wieder in die Geschich-    PROJEKTPRÄSENTATION                              Bewahren von Erinnerung. Um diesen An-
     Ravensbrück mit der Erstellung von Pod-           wird mit einem multiprofessionellen           Erinnerung(en), und die sich daraus ergeben-       te, aber nicht nur der Stadt, sondern auch in      INTERDISZIPLINÄRES                               spruch zu stärken, begleiten und unterstützen
     Casts und multimedialen Hausarbeiten              Team ein Audio-Walk entwickelt. Die           den neuen und anderen Bedürfnisse nach Ori-        die Österreichs, Ungarns und Deutschlands          FORSCHUNGSLABOR SPUR.LAB                         Expert:innen aus Kunst, Wissenschaft und
     durch die Studierendengruppen als Semi-           Medienkünstlerin Frederike Moormann,          entierung und Vergewisserung, erfordern so         einzuschreiben. Diese Absicht wurde mit ei-        ERINNERN IM VIRTUELLEN RAUM                      Technologie die Entwicklung.
     narleistungen. So entstanden zumindest            der Rechtshistoriker Ralf Oberndorfer,        eine Diskussion über den ambivalenten Pro-         ner Website realisiert, die die Geschichte der                                                      Am Ende des Projekts stehen Prototypen für
     teilweise selbst wieder ‘dauerhaft fixierte       die Medienwissenschaftlerin Paulina           zess historischer Bildung, der sich nicht allein   Ankunft, des Aufenthalts, des Leids sowie das      Als interdisziplinäres Forschungslabor erkun-    digitale Narrative und Vermittlungsformate
     Lebensäußerungen’, wie z.B. die Über-             Rübenstahl entwickeln hier mit Hen-           mit den Begriffen des historischen Lernens         Sterben und schließlich die Befreiung eines        det das SPUR.lab (Site Specific Storytelling.    der Zeitgeschichte.
     setzung der Erinnerung einer polnischen           ning Schluß einen Audio-Walk, der             und Lehrens fassen lässt.                          großen Teils jener rund 16.000 ungarischen         lab) die narrativen Möglichkeiten von inter-     Die Projektträgerin ist die Brandenburgi-
     inhaftierten, die erstmalig einem deutsch-        virtuellen und aktuellen Raum mitei-          So ist auch der digitale Raum als Bildungsort      Jüdinnen und Juden topographisch verortet          aktiven digitalen Technologien. Ziel ist, neue   sche Gesellschaft für Kultur und Geschichte
     sprachigem Interessent_innenkreis er-             nander verbindet und erlebbar macht.          zu begreifen, an dem nicht nur historische         und beschreibt, die über Strasshof in den Os-      Erzählformen zum Thema „Nationalsozialis-        GmbH. Bettina Loppe, Projektleitung, und Dr.
     schlossen wurden.                                 Multiperspektivität in biografischer wie      Bildung ermöglicht wird, sondern diese auch        ten des heutigen Österreichs deportiert wur-       mus und nationalsozialistische Lager in Bran-    Kurt Winkler, Geschäftsführung, werden die
2.) “Ravensbrücker Generationenforum” trifft           situativer Konkretion ermöglicht die          durch machtförmige Praktiken und ihre Ver-         den.                                               denburg“ zu entwickeln.                          Präsentation übernehmen..

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