JAHRES-BERICHT 2020 - Im Kleinen Grosses bewirken - HEKS
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EDITORIAL
Wie fühlen sich Helferinnen, wenn ihnen die Hilfsmittel aus der Hand geschla-
gen werden? Was empfinden Helfer, wenn ihnen die Instrumente abhanden-
kommen, um zu helfen? Zunächst sicher Ohnmacht und Hilflosigkeit. Dass
es während der COVID-19-Pandemie im vergan-
genen Jahr nicht dabei blieb, ist vor allem der
Kreativität und der Innovationskraft aller unserer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken.
Der Lockdown hat im Frühjahr 2020 unser Leben
innert weniger Wochen verändert. Ein Stillstand
des sozialen und wirtschaftlichen Lebens dieses
Ausmasses lag ausserhalb unseres Erfahrungs-
bereiches. Bisherige Gewissheiten wurden vom
Sockel gestossen, an die Stelle von Selbstverständ-
lichem trat Unsicherheit und alle Pläne gerieten
zur Makulatur.
Die Beschränkungen im Frühjahr erschwerten zu-
nächst die Fortsetzung vieler unserer Programme
und Projekte: Sprachkurse sowie Coaching- und
Beratungsgespräche mussten online durchge-
führt werden; die Übersetzungsdienste wurden
nurmehr selten in Anspruch genommen und Gruppentreffen waren nicht
mehr möglich. Auch die Arbeit in unseren Programmländern war von der
Krise heftig betroffen. Die Reisemöglichkeiten wurden stark eingeschränkt,
in manchen Ländern mussten Projekte sistiert werden.
Mit hohem Engagement und grosser Flexibilität haben HEKS-Geschäftslei-
« 2020 war Solidarität tung und Mitarbeitende rasch auf die Krise reagiert. Im Inland wie im Ausland
wurden COVID-19-Nothilfeprojekte realisiert und bestehende Programme der
besonders gefragt. Pandemiesituation angepasst. Menschen in prekären Lebenslagen wurden
Hilfe in der Familie, von der Krise besonders hart getroffen. Betagte Menschen, die ihre Wohnun-
gen nicht mehr verlassen konnten, Armutsbetroffene, denen bald einmal die
unter Freunden, in Nahrungsmittel fehlten, Flüchtlinge, die sich in der neuen Situation nicht mehr
der Nachbarschaft, zu orientieren wussten. In den Programmländern wurde die bitterarme Be-
völkerung oft doppelt geschlagen. Ostafrika litt zusätzlich zum Corona-Virus
aber auch von staat- an einer gewaltigen Heuschreckenplage. HEKS reagierte auf die globale Not
lichen und privaten mit Präventions-, Hygiene- und Schulungsprogrammen, Lebensmittelhilfen,
telefonischen Helplines und digitalen Beratungsangeboten.
Organisationen.»
2020 war Solidarität ganz besonders gefragt. Hilfe in der Familie, unter Freun-
den, in der Nachbarschaft, aber auch von staatlichen und privaten Organisati-
onen. Und diese Solidarität kam in grossem Umfang zum Tragen. Wichtig war
aber auch die Unterstützung durch die breite Bevölkerung. Unsere Spenderin-
nen und Spender sowie verschiedene Geldgeber haben es uns ermöglicht, in
diesem Krisenjahr unseren Auftrag weiterhin zu erfüllen und Menschen in Not
im In- und Ausland Hilfe zu leisten. Dafür danken wir ganz herzlich.
Walter Schmid
Präsident des HEKS-Stiftungsrates
22020 IM ÜBERBLICK
SEITEN 4 BIS 9 UNSERE THEMEN IM AUSLAND: ENTWICKLUNGSZUSAMMEN-
ARBEIT, KIRCHLICHE ZUSAMMENARBEIT UND HUMANITÄRE HILFE
3,63 Mio.
Menschen insgesamt konnten von HEKS-Ausland-
projekten profitieren.
2 Mio.
Menschen profitierten von verschiedenen COVID-
Präventions- und Unterstützungsmassnahmen.
160 000 Menschen hat HEKS beim Einfordern der ihnen
zustehenden Rechte unterstützt.
SEITEN 12 BIS 17 UNSERE THEMEN IM INLAND: INTEGRATION UND
ANWALTSCHAFT
21 473 Menschen profitierten von konkreten Massnahmen
in 17 Corona Nothilfe-Projekten.
63 155 Menschen hat HEKS beim Einfordern Ihrer Rechte
und mit Integrationsmassnahmen unterstützt.
9813 Stunden Freiwilligenarbeit wurden 2020 im HEKS-
Inlandbereich von 241 Personen geleistet.
SEITEN 20 UND 21 INTERVIEW MIT PETER MERZ, DIREKTOR HEKS:
RÜCKBLICK UND AUSBLICK 2021
61,4 Mio.
Franken wurden für Projekte im In- und Ausland
eingesetzt.
332 fest angestellte Mitarbeitende beschäftigte HEKS
im Jahr 2020 in der Schweiz.
16,1% betrug der Anteil der Verwaltungskosten inkl. Mittel-
beschaffung (Durchschnittswert gemäss Zewo: 21%).
SEITEN 22 BIS 25 ORGANISATION, WIRKUNGSORIENTIERUNG, VERANT-
WORTUNG, TRANSPARENZ UND NACHHALTIGKEIT
41 seiner 50 Transparenz-Ziele erfüllte HEKS im Jahr 2020
vollumfänglich, die restlichen teilweise.
7 Leitlinien umfasst das von HEKS mitgetragene Manifest
für eine verantwortungsvolle NGO-Kommunikation.
1 neues digitales Whistleblowing-Tool für den In- und
Auslandbereich wurde eingeführt.
SEITEN 26 UND 27 ERLÄUTERUNGEN ZUM FINANZBERICHT, BILANZ UND
BETRIEBSRECHNUNG 2020
78,8 Mio.
Franken konnte HEKS gesamthaft als Ertrag
verbuchen.
25,2 Mio. Franken kamen aus Spenden zusammen.
14,3% des Ertrags sind Zuwendungen aus dem kirchlichen
Bereich.
3HEKS WIRKT IM
AUSLAND
HEKS reagierte 2020 weltweit mit bestehenden oder adaptierten Projekten der Humanitä-
ren Hilfe, der Entwicklungszusammenarbeit und der Kirchlichen Zusammenarbeit auf die
Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen. Doch COVID-19 war für viele Menschen
in den Projekten nur eine Krise von vielen.
Die HEKS-Länderbüros und Partnerorganisationen reagierten im in der Demokratischen Republik Kongo etwa hat HEKS ein breit
Frühjahr 2020 schnell und professionell auf das sich weltweit aus- angelegtes humanitäres Hilfsprogramm aufgebaut, um den infolge
breitende Corona-Virus. In einem ersten Schritt wurden in den gewaltsamer Konflikte intern vertriebenen Menschen beizustehen.
Projektregionen Informationen zum Virus vermittelt sowie Schutz- Zudem hat HEKS seine Projektaktivitäten auf Venezuela ausgewei-
ausrüstung und Desinfektionsmittel verteilt. Zudem verstärkte tet, wo die politische Krise, die Hyperinflation und internationale
HEKS in vielen Ländern sein Engagement für sauberes Trinkwasser Embargos schon vor COVID-19 zu einem teilweisen Zusammen-
und bessere Sanitäreinrichtungen. In einem zweiten Schritt ging bruch der Grundversorgung geführt hatten.
es darum, die unmittelbaren gravierenden wirtschaftlichen Folgen
der Pandemie abzufedern. Viele Menschen gerieten über Nacht in Traditionelle Gemeinschaften gegen den Klimawandel
existenzbedrohende Situationen, etwa weil sie ihre Produkte nicht Auch bei der Unterstützung traditioneller Gemeinschaften hat
mehr verkaufen oder ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen konnten HEKS wichtige Akzente setzen können: So wurde im März 2020
und über keinerlei finanzielle Reserven verfügten. Um diese Men- das traditionelle Landwirtschaftssystem der BlumenpflückerInnen
schen mit dem Nötigsten zu versorgen, wurde über bestehende im brasilianischen Cerrado von der Welternährungsorganisation
Projektstrukturen Nothilfe geleistet. Die Herausforderung besteht als landwirtschaftliches Welterbe anerkannt – ein entscheidender
nun darin, den Übergang zurück zur langfristigen Entwicklungs- Schritt zu dessen Erhaltung. HEKS ist überzeugt, dass indigene und
zusammenarbeit zu schaffen, damit sich die Menschen ihren Le- lokale Gemeinschaften mit ihrer nachhaltigen Lebensweise und
bensunterhalt wieder selbst sichern können. ihrem traditionellen Wissen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt
der weltweiten Artenvielfalt und gesunder Ökosysteme leisten –
Nur eine Krise von vielen beides sind zentrale Faktoren für die Bewältigung der weltweiten
Für viele Menschen im globalen Süden war und ist die Pandemie Klima- und Umweltkrise.
indes eine Krise unter vielen. Bereits vor COVID-19 bestehende
Herausforderungen wie etwa der Klimawandel und seine Folgen,
Hunger und Armut oder gewaltsame Konflikte bedrohten auch Mehr Informationen zur Projekta rbeit in den
2020 zahlreiche Existenzen. HEKS führte daher seine reguläre einzelnen Ländern:
Projektarbeit im Ausland wo immer möglich fort. In Nord-Kivu www.heks.ch/ausland
4ENTWICKLUNGS-
ZUSAMMENARBEIT
Nebst COVID-19 waren in Entwicklungsländern viele Klein-
bauernfamilien mit diversen anderen Herausforderungen
konfrontiert, etwa mit Folgen des Klimawandels oder der
62 800
Menschen konnten im Jahr 2020
Bedrohung ihres Lebensraumes durch die Agrarindustrie. dank der Unterstützung durch HEKS
HEKS unterstützte ländliche Gemeinschaften, sich Zugang ihr Einkommen erhöhen.
zu Land und Wasser zu erkämpfen, eine nachhaltige Land-
wirtschaft aufzubauen und neue Absatzmärkte zu finden.
BRASILIEN: KLEINBAUERN VERTEIDIGEN IHR RECHT ÄTHIOPIEN: DIE BORANA ALS HÜTER GESUNDER
AUF WASSER ÖKOSYSTEME
Der Rio Pardo ist für Tausende Familien in Minas Gerais und Bahia Für das Viehzüchtervolk der Borana im semi-ariden Tiefland von
Lebensader und Existenzgrundlage. So auch für die traditionellen Äthiopien gehörten längere Trockenperioden und Dürren schon
Quilombola-Gemeinschaften, die entlang des Flusslaufes von immer zum Lebensalltag. Über die Jahrhunderte haben sie ein
der Land-, Vieh- und Sammelwirtschaft leben. Doch die Bewäs- gemeinschaftliches Produktionssystem entwickelt, das die knap-
serung weitläufiger Kaffee-, Eukalyptus- und Zuckerrohrplan- pen Weide- und Wasserressourcen nachhaltig nutzt, die Arten-
tagen wirkt sich verheerend auf den Wasserstand des Flusses vielfalt schützt und gegenüber klimatischen Schwankungen sehr
und auf den Wasserhaushalt der gesamten Region aus. HEKS widerstandsfähig ist. Doch der fortschreitende Klimawandel bringt
unterstützt daher die Menschen am Rio Pardo dabei, sich aktiv dieses System zunehmend aus seinem Gleichgewicht.
für ihr Recht auf Wasser einzusetzen.
2020 bedrohten zusätzlich eine Invasion der Wüstenheuschrecken
Rund 3000 Menschen, meist Kleinbauernfamilien, profitierten und eine Rinderseuche die Lebensgrundlagen der Borana. HEKS
2020 von diesem Projekt. Neben juristischer Beratung und Aus- unterstützte daher rund 1000 Familien bei der Verbesserung ihres
bildung wurden zwei regionale Kommissionen gebildet, über die Boden- und Wassermanagements, bei der Tierfütterung und bei
sich die Bevölkerung bei den lokalen Behörden Gehör verschafft ihrem Kampf gegen die fortschreitende Erosion.
und mit politischen Aktionen für eine nachhaltige Wassernutzung
einsetzt. HEKS begleitete zudem den Aufbau eines zivilgesellschaft- Darüber hinaus setzte sich HEKS dafür ein, dass die Landnut-
lichen Wasserobservatoriums. Die so gesammelten wissenschaft- zungsrechte der Borana endlich staatlich anerkannt werden. Denn
lichen Daten über Veränderungen des Wasservorkommens sind traditionelle Gemeinschaften wie sie sind mit ihrer nachhaltigen
für die politischen Verhandlungen zentral. Im Weiteren wurden Lebensweise und ihrem traditionellen Wissen HüterInnen gesunder
die traditionellen Gemeinschaften in ihrer agrarökologischen Land- Ökosysteme, deren Erhalt für das künftige Leben auf unserem
wirtschaft und bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt. Planeten überlebenswichtig ist.
5KIRCHLICHE
ZUSAMMENARBEIT
2020 hat HEKS im Rahmen seiner Kirchlichen Zusammen-
38 730 arbeit die reformierten Partnerkirchen in Osteuropa und im
Nahen Osten dabei unterstützt, sich in ihren Gesellschaften
Menschen in Osteuropa und im
Nahen Osten profitierten im Jahr aktiv und verantwortungsvoll einzubringen, insbesondere
2020 von Projekten der Kirchlichen für die Schwächsten und Benachteiligten, wie etwa betag-
Zusammenarbeit.
te Menschen, Menschen mit einer Beeinträchtigung oder
Roma-Minderheiten.
UNGARN: CHANCENGLEICHHEIT FÜR JUNGE ROMA RUMÄNIEN: SPITEX-DIENST IN SIEBENBÜRGEN
In vielen Ländern Osteuropas gehören die Roma zu den am stärks- Seit Jahren erlebt Rumänien eine starke Abwanderung der jün-
ten diskriminierten Minderheiten. Viele leiden unter Arbeitslo- geren Bevölkerung vom Land in die Städte oder ins westeuro-
sigkeit, Armut und Perspektivenlosigkeit. Das Zusammenleben päische Ausland. In den Dörfern zurück bleiben vor allem ältere
zwischen den Roma-Gemeinschaften und der Mehrheitsbevöl- Menschen, ohne Unterstützung ihrer Familienangehörigen, mit
kerung ist vielerorts spannungsgeladen. HEKS unterstützt in Un- einer minimalen Rente und konfrontiert mit einem maroden Ge-
garn derzeit fünfzehn reformierte Kirchgemeinden, die einen sundheitssystem. Viele sind zudem pflegebedürftig und leben
Beitrag zum friedlichen Zusammenleben leisten und bewusst auf sozial isoliert. Seit 20 Jahren unterstützt HEKS daher seine kirchli-
die Roma-Bevölkerung zugehen, etwa, indem sie benachteiligten che Partnerorganisation «Diakonia» beim Auf- und Ausbau eines
Familien, Kindern und Jugendlichen verschiedene Bildungskurse, Spitex-Dienstes in Siebenbürgen.
aber auch kulturelle und spirituelle Programme anbieten. Gleich-
zeitig sensibilisieren die Kirchgemeinden ihre Mitglieder für die 2020 profitierten über 15 000 Kranke und Betagte in rund 200
Anliegen der Roma und binden sie ein in Aktivitäten, die das ge- Dörfern von diesem professionellen, ambulanten Sozial- und
genseitige Verständnis und die Wertschätzung fördern. Gesundheitsdienst der reformierten Kirche. Wegen der Coro-
na-Pandemie wurden die rund 120 PflegerInnen diesen Frühling
Gemeinsam mit zehn reformierten Grundschulen arbeitet HEKS mit zusätzlichem Schutzequipment wie Handschuhe, Masken und
zudem daran, diese inklusiver zu gestalten und Roma sowie Desinfektionsmittel ausgerüstet. Dank einem schnell umgesetz-
andere Randgruppen besser in die Regelklassen einzubinden. ten Schutzkonzept hat die Stiftung «Diakonia» ihr Angebot stets
Roma-SchülerInnen können zudem an einem speziellen Nach- aufrechterhalten können und so einen wichtigen Beitrag geleistet
hilfeprogramm teilnehmen, um langfristig ihr Bildungsniveau und zur Entlastung des ohnehin schon überlasteten staatlichen Ge-
ihre Berufschancen zu verbessern. 2020 profitierten 750 junge sundheitssystems. Für die kranken und isolierten Menschen waren
Roma von diesen Angeboten. und sind die Spitex-PflegerInnen in dieser Zeit auch eine wichtige
psychische Unterstützung.
6HUMANITÄRE
HILFE
Nicht nur COVID-19, auch andere Krisen prägten die Nothilfe
von HEKS. Anfang Jahr wurde Ostafrika von der schwers-
ten Heuschreckenplage seit Jahrzehnten heimgesucht, im
In 11 Ländern
weltweit war HEKS im Jahr 2020 mit
Sommer wurde Beirut durch eine verheerende Explosion 29 humanitären Hilfsprojekten präsent.
erschüttert und kurz vor Jahresende richteten Wirbelstürme
in Honduras enorme Verwüstungen an – dies nur drei wei-
tere Katastrophen, nach denen HEKS 2020 Nothilfe leistete.
LIBANON: NOTHILFE NACH EXPLOSION IM HAFEN BANGLADESCH: NOTHILFE FÜR DALIT UND ADIVASI
Der libanesische Staat steht vor dem Kollaps. Eine Wirtschaftskrise, Im Frühling 2020 reagierte das HEKS-Büro in Bangladesch schnell
verstärkt durch COVID-19, führte im Jahr 2020 zu einer rasanten auf die COVID-19-Krise: Über die bestehenden Partner und Struk-
Verarmung der Mittelschicht. Am 4. August 2020 erschütterte turen der Entwicklungsprojekte konnte rasch und effektiv Präven-
zudem eine verheerende, durch unsachgemässe Lagerung von tionsarbeit und Nothilfe für die Ärmsten geleistet werden. Mittels
Ammoniumnitrat ausgelöste Explosion im Hafen Beiruts die Mil- Flyer, Plakaten und über lokale Fernsehsender informierte HEKS
lionenstadt. 300 000 Menschen mussten in der Folge ihre zerstör- die Menschen über das Virus und die Schutzmassnahmen und
ten Häuser und Gewerbelokale verlassen. verteilte Seife, Desinfektionsmittel und Waschutensilien. Viele am
Existenzminimum lebende, marginalisierte Menschen, vor allem
Die langjährige HEKS-Partnerorganisation «Najdeh» leistete be- Dalit und Adivasi, aber auch Sexarbeiterinnen, gerieten wegen
reits ab Ende August Soforthilfe für rund 7000 Menschen aus den der Pandemie in akute Notsituationen.
ärmsten Stadtvierteln Beiruts. Dort hatte die Druckwelle Fenster
und Türen aus den Wänden gerissen, Wohnungen verwüstet und An rund 50 000 Haushalte verteilte HEKS daher dringend benötigte
die Menschen physisch und psychisch verwundet zurückgelas- Lebensmittelpakete. Ein zusätzliches, von der DEZA finanziertes
sen. Die Verletzlichsten, etwa ältere oder kranke Menschen oder Projekt – ebenfalls zugunsten von diskriminierten Minderheiten –
alleinerziehende Frauen mit ihren Kindern, erhielten von HEKS fokussierte derweil auf die Ernährungssicherheit, verbesserte
über vier Monate in drei Raten Direktzahlungen von insgesamt Hygienepraxis sowie ab 2021 vor allem auf den Wiederaufbau
je 700 Dollar. Das Monitoring zeigte, dass diese Unterstützungs- der wirtschaftlichen Lebensgrundlagen marginalisierter Gemein-
gelder vor allem für Lebensmittel, Gesundheitsausgaben und für schaften. Viele von ihnen mussten während des landesweiten
die Instandsetzung der Wohnungen verwendet wurden. Rund Lockdowns ihr gesamtes Hab und Gut verkaufen. Neben Nothilfe
95 Prozent der Betroffenen waren mit der Form und der Wirkung sollen verschiedene Massnahmen sie nun dabei unterstützen, ihren
dieser Unterstützung sehr zufrieden. Lebensunterhalt langfristig wieder zu sichern.
7HEKS WIRKT WELTWEIT
Klara Bosbici, Rumänien: «Bei einem Haus-
haltsunfall erlitt ich schwerste Verbrennung-
PROJEKTLÄNDER 2020 en am ganzen Körper. Dann wurde ich wegen Agahtha Murm, Bangladesch: «Die Nahrungs-
COVID-19 viel zu früh aus dem Spital ent- mittelhilfe während des landesweiten Lock-
Europa Asien lassen. Fortan kümmerte sich das Spitex- downs war eine grosse Unterstützung für uns.
Armenien Bangladesch Team der ‹Diakonia› jeden Tag um die Wir haben in dieser Zeit keinerlei Unterstützung
Wundversorgung. Die Narben blei- von der Regierung erhalten, obwohl die uns
Georgien Indien
ben zwar, aber ich habe meine Le- Hilfe zugesagt hatte. Wir leiden sehr unter der
Italien Indonesien bensfreude wiedergefunden. Die Situation. Meine Familie ist sehr arm. Wir
Kosovo Irak Pflegerinnen sind für mich wie haben drei Kinder und mein Mann ist
Moldau Palästina / Israel Enkelkinder geworden. der Einzige in der Familie, der Geld
Rumänien Kambodscha Projekt Nr. 942.382: Spitex- verdient.»
Serbien Libanon Dienst in Siebenbürgen Projekt Nr. 610.438: Dalit und
Slowakei Myanmar Adibashi schützen sich vor
Mac Donald Germeil, Haiti: «Ende März
Tschechien Syrien der Corona-Pandemie
wurden meine Frau und ich von HEKS kon-
Ukraine taktiert, weil sie lokale Nähateliers suchten, 1
Ungarn Lateinamerika um Schutzmasken herzustellen. Wir haben
Brasilien sofort reagiert, weil Schutzmasken jetzt sehr
wichtig sind. Seit die ersten COVID-19-Fälle
Afrika Haiti
im Land gemeldet wurden, ist die Nachfrage 2
Äthiopien Honduras nach Masken rasant gestiegen. Hier in Jéré- 1
DR Kongo Kolumbien mie ist es fast unmöglich, welche
Niger Venezuela zu finden. Aus diesem Grund
Senegal schätzen wir alle hier die-
Simbabwe Entwicklungs- se Initiative zur lokalen
Südsudan zusammenarbeit Herstellung von Masken Sothearath Sok, Kambod-
4
wirklich sehr.» scha: «Ich habe dank ‹Dak-
Uganda Kirchliche
Zusammenarbeit Projekt Nr. 830.393: Dam›, einem Programm für
Vorsorge und Hygie- JungunternehmerInnen, viel
Humanitäre Hilfe ne gegen die Ausbrei- 2 gelernt, vor allem darüber,
tung des Corona-Virus wie ich meine Idee besser
vermarkten kann. Ich bin über-
8 3 zeugt, dass die Jugend innovati-
8 ve Ideen und neue Führungsqualitäten
einbringen und damit einen wichtigen Beitrag
3 leisten kann zur Überwindung der Armut in
unserem Land.»
5 Projekt 652.329 Innovative Ideen für die
7
Landwirtschaft in Kambodscha
6
7 5
4
6
Ahmed Othman, Libanon:
«Das Haus, in dem wir woh-
Antonia Echenique, Vene- nen, befindet sich direkt
zuela: «Ich bin dankbar für neben dem Hafen, der Be-
die warmen Mahlzeiten, die reich, der von der Explosion
Singa Ndayisama, DR am stärksten betroffen war.
wir hier erhalten. Ich habe
Kongo: «Ich habe am Fetiya Ahmed, Äthio-
drei Kinder, das jüngste ist Es wurde erst vor zehn Jahren
«Cash for Work»-Pro- pien: «Ich bin sehr froh
drei Jahre alt. Der Vater der gebaut, aber wegen der gros-
gramm teilgenommen über das neue Wassersys-
Kinder ist nach Chile ausgewan- sen Druckwelle ging alles kaputt,
und Unterhaltsarbeiten tem. Früher litten die Kinder
dert. Ich selbst arbeite in der infor- die Gipswände, die Fenster. Es sind viele Organisa-
an einer Strasse geleis- oft an Durchfall, jetzt sind sie
mellen Wirtschaft und mein Einkommen ist auf- tionen vorbeigekommen, viele stellten nur Fragen
tet. Dafür habe ich dann 25 viel gesünder. Meine Mädchen und ich profitie-
grund COVID-19 praktisch weggefallen. Derzeit und kamen nie wieder. Die einzige Organisation,
Dollar erhalten. Ich werde nun ren besonders von der neuen Situation, denn
lebe ich von etwa vier Dollar pro Monat.» die uns geholfen hat, seid ihr. Die 200 Dollar, die
auf den Markt gehen und davon Kleider für die das Wasserholen war unsere Aufgabe und meine
Projekt 880.317 Warme Mahlzeiten und Hy- wir nun über zwei Monate erhalten, helfen uns
Familie zu kaufen. Und mit dem, was übrigbleibt, Mädchen verpassten deswegen oft die Schule.
gieneartikel für Mütter mit kleinen Kindern sehr weiter.»
werde ich noch ein Huhn kaufen und es meiner Meine Nachbarinnen und ich haben nun Zeit für
Projekt 660.339 Not- und Wiederaufbauhilfe
Frau bringen, damit sie es zuhause aufziehen andere Arbeiten, mit denen wir ein zusätzliches
nach der Explosion in Beirut
kann.» Einkommen erwirtschaften können. Das kommt
Projekt 788.384 Nothilfe für konfliktbetrof- der ganzen Familie zugute.»
fene Familien in schwer zugänglichen Ge- Projekt 706.401 Trinkwasser und Latrinen für
bieten Dörfer und Schulen
8 9Ein Helfer im Corona-Schutzanzug begleitet eine ältere Frau durch ein Rohingya-Flüchtlingscamp in Bangladesch. Dort leben hunderttausende Menschen auf engstem Raum nebeneinander. Eine Ausbreitung des Virus hätte darum katastrophale Folgen. Foto: Faysal Ahmad 10 11
HEKS WIRKT
IN DER SCHWEIZ
Für die Arbeit des HEKS-Inlandbereiches war die Corona-Pandemie 2020 prägend:
Mit kurzfristiger Soforthilfe und flexibel angepassten Projektangeboten leistete HEKS
in diesem ausserordentlichen Jahr Unterstützung für sozial benachteiligte Menschen.
Als Hilfswerk ist es die Aufgabe von HEKS, für Menschen in Not Angebote für sozial Benachteiligte aufrechterhalten
da zu sein, gerade während einer gesellschaftlichen Krise wie der Wo immer möglich führte HEKS seine Projekte in adaptierter Form
aktuellen Corona-Pandemie. Als sich im Frühling 2020 der Alltag weiter, damit für sozial benachteiligte Menschen trotz der Ein-
für viele Menschen in der Schweiz schlagartig veränderte, wurde schränkungen des öffentlichen Lebens sozialen Kontakte und der
bei HEKS mit Hochdruck weitergearbeitet. Schnell und unkompli- Zugang zu Bildung, zu Beratung sowie rechtlicher Unterstützung
ziert wurden Unterstützungsangebote geschaffen, um besonders erhalten blieb. So fanden beispielsweise Sprach- und Konversa-
benachteiligten Menschen in der Schweiz beistehen zu können. tionskurse über digitale Kanäle und später in Kleingruppen statt,
rechtliche Beratungen im Asylbereich oder Begleitgespräche zur
Soforthilfe für MigrantInnen und Sans-Papiers Arbeitsintegration wurden telefonisch oder unter strenger Einhal-
Die Corona-Krise traf Sans-Papiers und Menschen mit unsiche- tung der Schutzmassnahmen fortgeführt.
rem Aufenthaltsstatus besonders hart. Viele, die als Angestellte
in Privathaushalten arbeiteten, verloren im Zuge des Lockdowns Solidarität wichtiger denn je
ihren Job, hatten jedoch keinen Zugang zu staatlicher Hilfe. Ohne Je länger die Corona-Pandemie andauert, desto deutlicher mani-
Einkommen fehlte das Geld für die Miete und für die Ernährung festieren sich ihre wirtschaftlichen und sozialen Langzeitfolgen.
der Familie. Das HEKS-Projekt «Permanences Volantes» im Kanton Von Armut betroffene Menschen drohen weiter in die Isolation
Genf baute deshalb seine Kapazitäten aus: Täglich beantworteten und an den Rand der Gesellschaft zu geraten. HEKS richtet seine
HEKS-Mitarbeitende hunderte Anrufe verzweifelter Menschen, Inlandarbeit der nächsten Jahre deshalb noch konsequenter darauf
informierten sie über ihre Rechte als ArbeitnehmerInnen und aus, die negativen Auswirkungen der Pandemie mit innovativen
vermittelten Lebensmittelgutscheine. In seinen Projekten stell- Angeboten und zielgerichtet zu bekämpfen.
te HEKS zu Beginn der Pandemie zudem rasch fest, dass viele
MigrantInnen wegen sprachlicher Hürden nicht hinreichend über
die Schutzmassnahmen informiert waren oder nicht wussten, wo
sie bei finanziellen, psychischen oder familiären Problemen Hilfe
finden konnten. Deshalb richtete HEKS temporär ein Hilfetelefon
in zehn Sprachen ein. Anrufende erhielten Informationen, erste Mehr Informationen zur Projekta rbeit der
psychosoziale Unterstützung und wurden bei Bedarf an andere HEKS-Regionalstellen:
Fachstellen weitervermittelt. www.heks.ch/schweiz
12INTEGR ATION
In Kontakt bleiben trotz «Social Distancing» war 2020 das
Motto der 44 HEKS-Integrationsprojekte. Viele ohnehin
bereits benachteiligte oder einsame Menschen litten stark
1034
Personen wurden 2020 von HEKS
unter der sozialen Isolation, die die Pandemie mit sich brachte. bei ihrer beruflichen Integration
HEKS passte seine Angebote flexibel an und führte sie wo unterstützt.
immer möglich weiter, um die Projektteilnehmenden durch
diese herausfordernde Zeit zu begleiten.
INTERKULTURELLER DOLMETSCHDIENST SOZIALE INTEGRATION FÜR LANGZEITARBEITSLOSE
«HEKS LINGUADUKT», NORDWESTSCHWEIZ «HEKS VISITE», AARGAU / SOLOTHURN
MigrantInnen in der Schweiz, die die Landessprache noch nicht «HEKS Visite» richtet sich an Personen, die von der Sozialhilfe
ausreichend beherrschen, sind für Gespräche bei Behörden, im Spi- leben und kaum noch Chancen auf eine Integration in den ersten
tal oder in der Schule auf Übersetzungshilfen angewiesen. In der Arbeitsmarkt haben. Das Projekt vermittelt für die Teilnehmenden
Nordwestschweiz sowie in zwei Bundesasylzentren stellt «HEKS individuell auf ihre Bedürfnisse und Kompetenzen zugeschnittene
Linguadukt» diese Sprachbrücke sicher: Mit einem Pool von über Einsätze in Non-Profit-Organisationen. Durch die regelmässigen
350 Mitarbeitenden bietet HEKS Dolmetschdienstleistungen in Einsätze knüpfen die Teilnehmenden soziale Kontakte und erhal-
über 60 Sprachen und Dialekten an. Die DolmetscherInnen ver- ten eine Aufgabe und eine Wochenstruktur.
mitteln nicht nur sprachlich, sondern berücksichtigen auch soziale
und kulturelle Unterschiede. Corona hat das Programm stark getroffen. Viele Einsatzorgani-
sationen stellten im Frühling ihren Betrieb vorübergehend ein
Der Corona-Lockdown führte 2020 vorübergehend zu einem oder verlagerten die Arbeit ins Homeoffice. Ein Grossteil der «Vi-
starken Auftragseinbruch. «HEKS Linguadukt» nahm dies zum site»-Einsätze konnte deshalb nicht mehr stattfinden und auch
Anlass, seinen Buchungsprozess zu digitalisieren und das Tele- die «Visite»-Gruppentreffen mussten sistiert werden. Für die häu-
fon-Dolmetschen einzuführen. Ab dem Sommer nahmen die fig bereits sozial isoliert lebenden Teilnehmenden bedeutete dies
Aufträge wieder zu: Viele aufgeschobene Gespräche und Begut- den Verlust ihrer wichtigsten Verbindung zur Aussenwelt. Die
achtungen wurden nachgeholt. Bei anspruchsvollen Gesprächen, Mitarbeitenden von «HEKS Visite» überbrückten diese Isolation
die eine Präsenz der Dolmetschenden vor Ort erforderten, wur- während des Lockdowns mit wöchentlichen Telefonaten, in denen
de auf die strenge Einhaltung der Schutzmassnahmen geachtet. sie auch über die aktuellen Corona-Massnahmen informierten. Ab
Trotz erschwerter Bedingungen leisteten die DolmetscherInnen Juni waren Einsätze und Treffen in Kleingruppen und mit Schutz-
von «HEKS Linguadukt» 2020 33 927 Übersetzungsstunden und konzepten wieder vermehrt möglich. 2020 zählte das Programm
stellten damit eine gute Verständigung zwischen fremdsprachigen insgesamt 59 Teilnehmende.
Menschen und Fachpersonen sicher.
13FAIRE ARBEITSBEDINGUNGEN FÜR HAUSANGESTELLTE UNTERSTÜTZUNG FÜR ÄLTERE MIGRANTINNEN
«CHÈQUES-EMPLOI», WAADT «HEKS ALTUM – ALTER UND MIGRATION», ZÜRICH
Seit 16 Jahren setzt sich das Programm «Chèques-emploi» für Die Angst vor dem Virus, kein Austausch mehr mit FreundInnen,
die Rechte von Reinigungskräften und anderen Hausangestell- kaum Abwechslung im Alltag – die Corona-Krise trifft gerade
ten im Kanton Waadt ein. Während der Pandemie gewann die- ältere Menschen besonders hart. Noch schwieriger erwies sich
ses Engagement nochmals zusätzlich an Bedeutung. Denn viele die Situation für ältere MigrantInnen in der Schweiz. Wegen
ArbeitgeberInnen verzichteten wegen des Lockdowns und der sprachlicher Barrieren fehlte vielen von ihnen die Orientierung
teilweisen Stilllegung der Wirtschaft auf die Dienste ihrer An- über die aktuellen Massnahmen des Bundes sowie der Zugang
gestellten, obwohl solche Dienstleistungen nicht untersagt zu öffentlichen Unterstützungsangeboten. Viele litten stark unter
waren. Von heute auf morgen ohne Einkommen, gerieten viele der sozialen Isolation und durchlebten Ängste, Hilflosigkeit und
dieser Menschen plötzlich in eine existenzielle Notlage, da sie Depressionen.
keine staatliche Unterstützung erhielten.
«HEKS AltuM» musste im Frühling 2020 sämtliche physischen
Neben der persönlichen Beratung von 2200 ArbeitgeberInnen Informationsanlässe und Gruppentreffen für MigrantInnen 55+
und 400 ArbeitnehmerInnen im Laufe des Jahres und 11 Kursen absagen, stellte aber mit viel Engagement und Flexibilität sicher,
zu Rechts- und Gesundheitsfragen für Arbeitnehmende lancierte dass für die Teilnehmenden der Zugang zu wichtigen Informatio-
«Chèques-emploi» verschiedene Kampagnen, um die Arbeitge- nen und zu gesundheitlicher Unterstützung erhalten blieb. Schnell
berInnen an ihre gesetzlichen Verpflichtungen zur Bezahlung ihrer wurden «WhatsApp»-Gruppen eingerichtet, um mit den Teilneh-
Mitarbeitenden zu erinnern. In Zusammenarbeit mit der Gewerk- menden in Kontakt zu bleiben und sie in ihrer Muttersprache
schaft «Unia» führte die Kampagne «#JeContinueAPayer» dazu, mit aktuellen Informationen zu bedienen. Die Yoga-, Gymnastik-,
dass viele ArbeitgeberInnen auf ihre Entscheidung, ihre Mitarbei- Tanz- und Computer-Kursleitenden schickten «Übungen für zu
tenden während des Lockdowns nicht zu bezahlen, zurückkamen. Hause» und interaktive Angebote zum sozialen Austausch, die
Die zweite, in Zusammenarbeit mit der «Coordination suisse des fleissig genutzt wurden. Wer den Umgang mit digitalen Kommu-
Chèques-emploi au niveau romand» lancierte Kampagne «Prop- nikationsmitteln nicht beherrschte, wurde regelmässig per Tele-
re? En ordre!» zielte darauf ab, die Arbeitsverhältnisse von nicht fon kontaktiert. Auf diese Weise konnten ältere MigrantInnen im
angemeldeten Hausangestellten zu legalisieren. Denn in der Kanton Zürich in der Corona-Krise begleitet werden.
Schweiz leben rund 400 000 in der Hauswirtschaft Beschäftig-
te, von denen viele nicht angemeldet sind und die daher keinen Unter erschwerten Umständen, aber dennoch erfolgreich lief zu-
Anspruch auf Arbeitnehmerschutz haben. Beide Kampagnen fan- dem das Pilotprojekt «HEKS AltuM Tandem» an. Das Projekt richtet
den ein grosses Medienecho und trugen dazu bei, auf die prekä- sich an isoliert lebende ältere Geflüchtete, die durch freiwillige
ren Arbeitsbedingungen in diesem Wirtschaftssektor aufmerksam Begleitpersonen individuell im Alltag und bei ihrer Integration un-
zu machen. terstützt werden. 2020 konnten elf «Tandems» gebildet werden,
die seither in regelmässigem Austausch stehen.
.
14ANWALTSCHAFT
HEKS bietet rechtliche Beratung und Unterstützung für sozial
benachteiligte Personen wie Asylsuchende und Flüchtlinge,
Sans-Papiers oder Menschen mit geringem Einkommen so-
56%
der durch die Rechtsberatungsstellen
wie Personen, die von Diskriminierung betroffen sind. Sie für Asylsuchende gestellten Anträge
alle sind besonders gefährdet, in ihren Rechten verletzt und wurden 2020 gutgeheissen.
gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden.
BERATUNGSSTELLE GEGEN RASSISMUS UND DISKRIMI- RECHTSBERATUNGSSTELLEN FÜR ASYLSUCHENDE,
NIERUNG, OSTSCHWEIZ DIVERSE REGIONEN
Die internationale «#BlackLivesMatter»-Bewegung rückte 2020 Trotz Pandemie und partiellem Lockdown hatten die HEKS-Rechts-
das Problem des Rassismus in der Schweiz in den Fokus der Öffent- beratungsstellen alle Hände voll zu tun, denn das Staatssekre-
lichkeit. In der gesellschaftlichen Diskussion kamen viele Betroffe- tariat für Migration (SEM) und das Bundesverwaltungsgericht
ne zu Wort und berichteten von rassistischen Vorfällen und Erfah- arbeiteten auf Hochtouren weiter. Zwar wurden in der Schweiz
rungen von Diskriminierung und zeigten abermals auf: Rassismus 2020 wegen der eingeschränkten Reisemöglichkeiten nur 11 041
und Diskriminierung bei der Wohnungssuche, im Umgang mit neue Asylgesuche gestellt, also deutlich weniger als die 14 269 Ge-
Behörden, in der Schule, bei der Arbeit oder im Privatleben prägen suche im Vorjahr, dafür kamen die Behörden dazu, hängige Gesu-
den Alltag von Menschen, die eine andere Herkunft, Hautfarbe, che abzuarbeiten und altrechtliche Asylverfahren abzuschliessen.
Religion oder Lebensweise haben, und bedrohen ihre Existenz.
Insgesamt fanden 2020 in den sieben HEKS-Rechtsberatungs-
Wohl auch sensibilisiert durch diese Ereignisse meldeten sich stellen (Aargau, beide Basel, Ostschweiz, Solothurn, Thurgau,
2020 deutlich mehr Einzelpersonen und Institutionen bei der Westschweiz, Zürich) 9715 Beratungsgespräche statt: Asylsu-
HEKS-Beratungsstelle gegen Rassismus und Diskriminierung. Die chende und vorläufig Aufgenommene wurden über ihre Rechte
Beratungsstelle, die HEKS im Auftrag der Kantone St. Gallen und und Pflichten informiert, bei negativen Entscheiden wurde deren
Appenzell Ausserrhoden führt, erhielt im Berichtsjahr insgesamt Rechtmässigkeit geprüft und wenn nötig Beschwerden einge-
60 Anfragen betreffend rassistische Diskriminierung und führte reicht. Im Auftrag des Bundes vertraten die HEKS-Rechtsbera-
249 Konsultationen durch. Beraten wurden Personen und Insti- terInnen zudem 600 Gesuchstellende im erweiterten Verfahren
tutionen, die Fragen zum Thema Diskriminierungsschutz hatten, und begleiteten sie bei Bedarf zu den Asylanhörungen. Die Ver-
von rassistischer Diskriminierung betroffen waren oder die der unsicherung durch das Virus wie auch die Schutzmassnahmen
rassistischen Diskriminierung beschuldigt wurden. erschwerten die bereits sensiblen Gesprächssituationen zusätz-
lich. Auch im Pandemiejahr unterstütze HEKS Asylsuchende bei
der Wahrnehmung ihrer Rechte.
15HEKS WIRKT IN DER SCHWEIZ
Umagowri Veluppillai aus Sri Lanka: «Die
Teilnahme am Programm «HEKS Visite» bereitet
mir grosse Freude. An den monatlichen Grup- Mahmud W. aus dem Iran: «Mit ‹HEKS rollt›
pentreffen lerne ich viel und treffe neue Men- habe ich Deutsch gelernt und Leute kennenge-
schen. Vorher kannte ich in der Schweiz nicht lernt. Wir fühlen uns in der Schweiz zu-
viele Leute. HEKS hatte mich zudem darin un- hause. Wir vermissen nichts, ausser
HEKS IN DER SCHWEIZ
terstützt, eine Praktikumsstelle in einer die Familienangehörigen im Iran.»
Spielgruppe zu finden. Heute habe «HEKS rollt» – Beschäftigung
1 Regionalstelle Aargau / Solothurn ich eine kleine Teilzeitanstellung in und soziale Integration für
einer Spielgruppe.» Erwerbslose, Regionalstel-
2 Regionalstelle Beide Basel «HEKS Visite» – Wochenstruk- le Zürich / Schaffhausen
tur und soziale Integration
3 Regionalstelle Bern für Erwerbslose, Regional-
stelle Aargau / Solothurn
4 Regionalstelle Ostschweiz (SG / TG / AI / AR)
5
5 Regionalstelle Zürich / Schaffhausen
6 Siège romand (VD / GE / NE) 1
2
5
1
2
4
Kibrom M. Misgina aus Eritrea: 4 Donia Gudeh aus Syrien: «In
«Ich habe den grössten Teil der der Schweiz bedeutet man
Aus- und Weiterbildung für inter- nichts, wenn man kein Dip-
kulturelles Dolmetschen und Ver- lom hat. Den Rest meines Le-
mitteln bei MEL abgeschlossen. Ich bens unqualifizierte Jobs aus-
glaube, dass mein Erfolg an der Berufs- zuführen, das wollte ich nicht.
prüfung auch der Erfolg von HEKS ist.» In Syrien hatte ich die Matura
«HEKS MEL» – Aus- und Weiterbildungen für gemacht und träumte von einem
interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln, Studium. HEKS unterstützte mich
Regionalstelle beider Basel dabei, die Zulassung für das Studium der
Sozialen Arbeit an der Fachhochschule St. Gal-
len zu erreichen und die Finanzierung über Sti-
pendien zu sichern.»
«HEKS MosaiQ» – Fachstelle für qualifizierte
MigrantInnen, Regionalstelle Ostschweiz
3
6
3
Thomas Weissmüller aus dem
Kanton Bern: «Ich habe sehr
6 viel vom Programm «HEKS Stel-
lennetz» profitiert. Dank mei-
nem Arbeitseinsatz habe ich
ein aktuelles und sehr gutes
Arbeitszeugnis erhalten. Das ist
Ulzii Jargal aus der Mon- viel wert. Im wöchentlichen Be-
golei : «In der Mongolei werbungs-Kurs wurde ich bei mei-
gibt es die Solidarität der nen Bewerbungen unterstützt. Darüber
Familie, hier aber bin ich war ich sehr froh. Ich bin eher der Büezer als der
ganz allein. Zum Glück hat Administrative. Die Leute beim «Stellennetz»
mir HEKS helfen können. sind sehr gut und sehr kompetent – das hat mir
Ich habe jede Woche einen gut gefallen.»
Einkaufsgutschein bekommen «HEKS Stellennetz» – Integration in den Ar-
und wurde ans Rote Kreuz verwie- beitsmarkt, Regionalstelle Bern
sen, das meine Miete bezahlt hat. Diese
materielle, aber auch psychologische Hilfe ist
sehr wichtig. Sie hat mich beruhigt und verhin-
dert, dass ich in Panik geriet.»
«Permanences volantes» – Mehrsprachige
Beratung für Sans-Papiers und MigrantIn-
nen, Siège romand
16 17Im Programm «Neue Gärten Tandem» bewirtschaften MigrantInnen gemeinsam mit Einheimischen eine Gartenparzelle. So entsteht ein anregender interkultureller Austausch. Foto: Julie Lovens 18 19
HEKS-DIREKTOR PETER MERZ IM GESPRÄCH
«WIR WOLLEN UNSERE
FLEXIBILITÄT BEWAHREN.»
COVID-19 hat 2020 auch die Arbeit von HEKS massgeblich geprägt. Direktor Peter Merz zieht
Bilanz über ein bewegtes Jahr und blickt auf kommende Aufgaben und Herausforderungen.
Wie hat HEKS die grosse Herausfor- dass sich vieles auch im Homeoffice erle- Beim Bundesmandat des SEM für Rechts-
derung der Corona-Pandemie 2020 digen lässt. Wir wollen allerdings eine gute vertretung in den Bundesasylzentren in der
gemeistert? Balance wahren zwischen dem digitalen Nordwest- und in der Ostschweiz ging es
und dem persönlichen Kontakt sowohl darum, die gemachten Erfahrungen aus-
Peter Merz: Rückblickend hat uns die ers- zwischen den Mitarbeitenden als auch zuwerten und gewisse Abläufe auch unter
te Welle im März mit einer völlig neuen mit unseren Partnern und Begünstigten. COVID-19-Bedingungen zu optimieren.
Situation konfrontiert. Unsere Mitarbei-
tenden haben sich aber sehr schnell mit Ein für die Organisation enorm wichtiger
dieser aussergewöhnlichen Lage arrangiert und strategischer Meilenstein war die Zu-
und ab dann grösstenteils im Homeoffice stimmung der Synode der Evangelisch-Re-
gearbeitet. Im Vordergrund stand für uns formierten Kirche Schweiz (EKS) zur Fusion
immer, die Menschen in unseren Projekten mit «Brot für alle» per 1. Januar 2022.
im In- und Ausland durch diese schwie-
rige Zeit zu begleiten und sie trotz aller Die Zusammenarbeit zwischen dem Haupt-
COVID-19-bedingter Einschränkungen sitz in Zürich und unserer Geschäftsstelle in
bestmöglich zu unterstützen. So haben der Westschweiz konnte intensiviert wer-
wir zum Beispiel im Inland ein mehrspra- den. So stehen nun die operativen Bereiche
chiges Hilfetelefon eingerichtet oder in Not Inland und Ausland wie auch die Kommu-
geratene MigrantInnen und Sans-Papiers nikation jeweils unter einer Leitung. Da-
mit Lebensmittel-Gutscheinen unterstützt. durch konnten Synergien genutzt und der
In verschiedenen Programmländern haben Austausch zwischen allen Regionalstellen
wir Informations- und Sensibilisierungsof- intensiviert werden. Sodann haben wir
fensiven zu COVID-19 lanciert und zum eine Whistleblower-Stelle installiert und
Beispiel in den Rohingya-Flüchtlingslagern die notwendigen Verfahrensschritte de-
in Bangladesch oder auch in Haiti Massnah- finiert, um künftig allfälligen Vorkomm-
men zur Infektionsprävention getroffen, nissen mit der gebotenen Professionalität
etwa mit der Produktion und Verteilung nachgehen können.
von Schutzmasken oder mit der Verbesse- Welches waren 2020 die wichtigsten
rung der hygienischen Bedingungen. Der organisationalen und operativen Mei- Für 2019 stand vor allem eine finan-
grossen Belastung unserer Mitarbeitenden lensteine? zielle Stabilisierung und Konsolidie-
begegneten wir mit internen Beratungs- rung des Betriebsergebnisses im Vor-
und Unterstützungsangeboten. Ich bin vor allem anderen froh und dank- dergrund. Segelt das Schiff «HEKS»
bar, dass wir mit unserer Arbeit gerade finanziell nun wieder in ruhigen Ge-
Welche Schlüsse und Lehren zieht auch in dieser global schwierigen Zeit wässern?
HEKS aus der Pandemie der letzten weit über einer Million Menschen beiste-
Monate? hen konnten – Menschen, die in Armut Wir haben unsere finanziellen Vorgaben so-
und sozialer Ungerechtigkeit leben, von gar übertroffen. Für unsere COVID-19-Pro-
Wir haben in dieser Zeit einen starken Digi- Gewalt, Vertreibung und Ausgrenzung jekte konnten wir zum Beispiel zusätzliche
talisierungsschub für unseren Arbeitsalltag betroffen sind. Sie sind besonders schwer Spenden und Mittel von Bund, Kantonen
erfahren. Und wir mussten lernen, als Ge- von dieser Pandemie betroffen und wer- oder der Glückskette generieren. Dazu ha-
samtorganisation rasch auf neue Heraus- den auch noch länger unter deren Folgen ben wir mehr Legate erhalten als erwar-
forderungen wie eine Pandemie zu reagie- zu leiden haben. Unser Engagement für tet. Wir werden darum unsere Fondsbe-
ren. Im Bereich der humanitären Hilfe war diese Menschen war 2020 das Wichtigs- stände wieder etwas aufstocken können.
dies für uns bereits vor COVID-19 «courant te und bleibt auch künftig unsere obers-
normal», aber für unsere Inlandarbeit war te Maxime. Wir haben aber auch unsere Wie sehen die finanziellen Perspekti-
es in dieser Heftigkeit weitgehend Neu- Programmarbeit im Ausland für die Jahre ven mittel- und längerfristig aus?
land. Diese neu gewonnene Beweglichkeit 2021–2024 weiterentwickelt und die DEZA
in der Entwicklung und Implementierung (Direktion für Entwicklung und Zusam- Vor dem Hintergrund der anhaltenden Pan-
von Projekten wollen wir uns bewahren. menarbeit) hat uns die entsprechenden demie ist die Entwicklung der Ertragssitua-
Dies gilt auch für die Flexibilisierung un- Programmbeiträge für die nächsten zwei tion in den kommenden zwei Jahren noch
seres Arbeitsalltags. Es hat sich gezeigt, Jahre zugesichert. ungewiss. Für 2021 streben wir erneut eine
20«schwarze Null» an. Für die ersten Jahre in ein gemeinsames Verständnis der neuen damit wir ab Januar 2022 als neue Orga-
nach der Fusion mit «Brot für alle» haben Organisation zusammenzuführen. nisation handlungsfähig sind. Im Zentrum
wir zwar gewisse Annahmen getroffen; steht auch 2021 die Projektarbeit im In-
wie stark sich die angestrebten Synergien Welches sind die bisher wichtigsten und Ausland für benachteiligte Menschen.
tatsächlich finanziell manifestieren wer- Erkenntnisse aus diesem Fusionspro- Zudem müssen wir die zahlreichen Heraus-
den, ist allerdings schwierig abzuschätzen. zess für die künftige Arbeit und Posi- forderungen der COVID-19-Pandemie für
tionierung der neuen Organisation? unsere Projekte gut bewältigen und uns
Ist die Fusion mit «Brot für alle» auf unsere Flexibilität bewahren, damit wir
Kurs? Was bleibt noch zu tun? Es ist zentral, eine gemeinsame Perspektive auch bei künftigen unvorhergesehenen
und Arbeitsfelder zu entwickeln, die für Entwicklungen rasch gute Lösungen im
Bereits Anfang 2020 war klar, dass der die Mitarbeitenden beider Organisationen Interesse unserer Begünstigten finden.
ursprünglich für 2021 vorgesehene Zu- attraktiv sind. Unabdingbar ist die Bereit- Schliesslich wollen wir als NGO weiterhin
sammenschluss wohl länger braucht. Das schaft der Mitarbeitenden beider Werke, eine relevante Akteurin sein, die sich für die
war sicher ein guter Entscheid, denn mit sich aufeinander einzulassen. Dieser Pro- Umsetzung der Menschenrechte sowohl in
der Verschiebung um ein Jahr haben wir zess braucht Zeit. Klar ist auch, dass per unseren Programmländern im Ausland als
etwas Zeit gewonnen, insbesondere für 1. Januar 2022 noch nicht alle offenen Fra- auch bei uns in der Schweiz engagiert und
die sehr anspruchsvolle Zusammenführung gen restlos geklärt sein werden. Eine sol- sich dazu auch politisch pointiert äussert.
der Finanzsysteme und der Daten- und che Fusion ist immer auch ein Stück weit
Adressverwaltung, die Überführung der «work in progress».
Anstellungsverträge und die Entwicklung
der neuen Corporate Identity. Ebenfalls Welche Ziele setzt sich HEKS für das
noch im Gang ist die Zusammenführung Jahr 2021?
der beiden Werke auf programmatischer Mehr Informationen zur Arbeits-
Ebene. Und dann gilt es auch, die beiden Unser organisationales Hauptziel ist der er- weise von HEKS:
unterschiedlichen Unternehmenskulturen folgreiche Abschluss des Fusionsprozesses, www.heks.ch/arbeitsweise
KAMPAGNEN, AKTIONEN UND VERANSTALTUNGEN IM JAHR 2020 – EIN ÜBERBLICK
Nebst der konkreten Projektarbeit im In- UN-Bauernrechtsdeklaration allein am Ständemehr. Unter anderem der
und Ausland hat HEKS 2020 mit verschie- Initiative ist es zu verdanken, dass die Ach-
denen Kampagnen, Veranstaltungen und Seit 2018 legt die UN-Deklaration die Rech- tung der universalen Menschenrechte und
Publikationen wichtige Sensibilisierungs- te von Kleinbauern und -bäuerinnen fest. die Garantie fairer Arbeitsbedingungen
und Aufklärungsarbeit geleistet. Mit sechs weiteren Schweizer Nichtre- stärker denn je als wichtige Erfolgsfakto-
gierungsorganisationen hat HEKS in die- ren der Schweizer Wirtschaft akzeptiert
Osterappell: Geflüchtete evakuieren sem Zusammenhang eine Studie zur und wahrgenommen werden.
Schweizer Aussenpolitik in den Bereichen
Auch in Europa, in der griechischen Handel, Saatgut und Landrechte sowie Solidarität in der Corona-Pandemie
Ägäis, leben Geflüchtete in Camps unter Entwicklungszusammenarbeit publiziert
katastrophalen und unhygienischen Be- und mit einem Forderungskatalog den Bereits Mitte März 2020, als die erste CO-
dingungen. Die Corona-Pandemie stellte Bundesämtern präsentiert. VID-19-Welle die Schweiz erreichte, rief
für sie eine zusätzliche, lebensbedrohen- HEKS mit einer ersten Solidaritätskam-
de Gefahr dar. HEKS verstärkte deshalb «KiZa»-Tag: All inclusive?! pagne die Bevölkerung dazu auf, den
seine Forderung nach legalen Zugangs- Schwächsten hier in der Schweiz und in
wegen in die Schweiz: Im #Osterappell Die traditionelle HEKS-Tagung zur Kirchli- den armen Ländern des Südens in dieser
2020 forderten HEKS und weitere 110 chen Zusammenarbeit in Osteuropa und für sie besonders schwierigen Zeit beizu-
Organisationen den Bundesrat auf, mög- im Nahen Osten stand im Januar 2020 stehen. Zugleich ergänzten verschiedene
lichst viele Geflüchtete von den griechi- unter dem Motto «All inclusive?!». In HEKS-Regionalstellen ihre bestehenden
schen Inseln zu evakuieren. verschiedenen Referaten und Workshops Programme mit COVID-19-spezifischen
berichteten Programmverantwortliche so- Elementen oder lancierten gänzlich neue
Für ein würdevolles Leben im Alter wie GastrednerInnen über Fortschritte Angebote, wie etwa ein mehrsprachiges
und Stolpersteine im Miteinander von Hilfetelefon, eine Lern- und Aufgaben-
Mit unserer Sammlungskampagne 2020 verschiedenen Kulturen und Religionen. hilfe für Kinder aus sozial benachteilig-
richteten wir den Blick ins rumänische ten Familien oder die «CoronaNews»
Siebenbürgen, wo HEKS die ungarisch- Konzernverantwortungsinitiative als wöchentliche Informationsvideos für
reformierte Kirche beim Auf- und Ausbau MigrantInnen. In zahlreichen Projektlän-
eines Spitex-Dienstes nach schweizeri- Seit ihrer Lancierung 2017 gehörte HEKS zu dern wurden vor allem Aufklärungs- und
schem Vorbild unterstützt. Dieses Angebot den Trägerorganisationen der Konzernver- Präventionsmassnahmen zum Schutz der
ist für die alten Menschen in den ländlichen antwortungsinitiative (KOVI). Nach einem Menschen vor einer Ansteckung mit dem
Regionen Transsilvaniens gerade in Zeiten intensiven Abstimmungskampf scheiterte Corona-Virus umgesetzt.
der COVID-19-Pandemie wichtiger denn je. das Volksbegehren am 29. November 2020
21ORGANISATION UND
GRUNDSÄTZE
HEKS – 75 JAHRE FÜR EIN LEBEN schiedet. Damit ist nun der Weg frei für den parenz bedeutet für HEKS, die Öffentlich-
IN WÜRDE rechtlichen Vollzug der Fusion im Laufe des keit und insbesondere seine SpenderInnen
Jahres 2021. Das zusammengeführte Werk und AuftraggeberInnen umfassend über
HEKS ist das Hilfswerk der Evangelischen wird seine Arbeit unter dem neuen Namen seine Arbeit, seine Strukturen sowie die
Kirchen Schweiz und wurde 1946 vom «Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Herkunft, den Einsatz und die Wirkung der
Schweizerischen Evangelischen Kirchen- Kirche Schweiz» (HEKS) am 1. Januar 2022 verwendeten Mittel zu informieren. Auch
bund, heute die «Evangelisch-reformierte aufnehmen. Misserfolge und Rückschläge sollen dabei
Kirche Schweiz» (EKS), gegründet. Seit thematisiert werden.
2004 ist HEKS eine Stiftung. HEKS hat WIRKUNGSORIENTIERUNG
seinen Hauptsitz in Zürich und eine Ge-
schäftsstelle für die französische Schweiz HEKS will mit seinen Projekten die grösst-
in Lausanne. mögliche Wirkung zum Wohl der Begüns-
tigten erzielen und überprüft die Resultate
Als Hilfswerk der evangelischen Kirchen seiner Arbeit systematisch. Das Projektmo-
der Schweiz steht für HEKS die Würde nitoring erfolgt laufend anhand digitaler
jedes Menschen im Zentrum seines En- Daten, die Projektevaluationen finden
gagements. Alle Menschen sollen ein regelmässig, jeweils nach einer drei- bis
würdiges und in sozialer, wirtschaftlicher vierjährigen Projektphase, statt. Zusätzlich
und politischer Hinsicht sicheres Leben führt HEKS pro Jahr mit externer Unter-
führen können. HEKS unterstützt bedürf- stützung eine vertiefte Wirkungsstudie
tige Menschen unabhängig von ihrer durch. Die Wirkungsmessung dient HEKS
religiösen und ethnischen Zugehörigkeit. nicht nur dazu, Rechenschaft gegenüber
Projektteilnehmenden und Geldgebenden
HEKS richtet seine Tätigkeit nach den Vor- abzulegen, sondern auch, die Projektarbeit
gaben des Qualitätslabels Zewo aus. Das laufend zu optimieren.
Zewo-Gütesiegel zeichnet gemeinnützige
Organisationen für den zweckbestimmten, So wurde im Jahr 2020 etwa ein seit 2015
wirtschaftlichen und wirkungsvollen Ein- laufendes Projekt zur Sicherung von Bo-
satz von Spendengeldern aus denrechten für Kleinbauernfamilien in
. Senegal analysiert. Die Evaluation zeigte
FUSION HEKS auf, dass das im Projekt vermittelte Wis-
UND «BROT FÜR ALLE» sen die Kleinbauernfamilien im politischen
Kampf um ihre Landrechte unterstützt
Die 2019 beschlossene Fusion von HEKS hatte und der Landzugang ihrer Gemein-
und «Brot für alle» (Bfa) konnte im Jahr den insgesamt verbessert werden konnte.
2020 entscheidend vorangebracht wer- Gleichzeitig konnten die Bodenrechte der
den. An ihrer Synode vom 15. Juni 2020 lokalen Bevölkerung jedoch noch nicht
stimmte die Evangelisch-reformierte Kir- langfristig gesichert werden, denn die
che Schweiz (EKS) der Fusion grundsätz- geplante Landreform ist wegen starker
lich zu, stellte jedoch gleichzeitig Anträge Widerstände aus Privatwirtschaft und Po-
bezüglich Identität und Ausrichtung des litik in eine Sackgasse geraten. Dies wird in
fusionierten Hilfswerks. Um darauf erste der nachfolgenden Projektphase ab 2021
Antworten zu erarbeiten, trafen sich Ver- stärker berücksichtigt: Die KleinbäuerInnen
treterInnen von Bfa und HEKS sowie der werden dahingehend unterstützt, dass sie
EKS und der Kantonalkirchen im Septem- ihre Strategie anpassen und bei den lokalen
ber zu einem Dialogfenster. Die dort aufge- und nationalen Behörden noch effektiver
griffenen Fragen werden in den nächsten für ihre Landrechte lobbyieren können. Hier
zwei Jahren von einer gemischten Arbeits- geht es zur Wirkungsevaluation.
gruppe mit VertreterInnen der Kirchen
und der beiden Werke weiterbearbeitet. TRANSPARENZ
An ihrer Synode vom 2. November gab
die EKS schliesslich grünes Licht für die Nicht immer erzielen die Projekte die ge-
Fusion, und die Stiftungsstatuten für das wünschte Wirkung, nicht immer können
zusammengeführte Werk wurden verab- die gesteckten Ziele erreicht werden. Trans-
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