Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ

 
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
DAS MAGAZIN DER ELEKTRIZITÄTSWERKE DES KANTONS ZÜRICH
A U S G A B E 1 2 018

                                                                         ONL INE
                                                                    UE

                                                                 BL
                                                                                er
                                                                        h r Bild s
                                                                      Me Video
                                                                      und

                                                                                        e
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S TA BI LI T Ä T F Ü R U NSER STR O MNETZ                      SOLARSTROM
                                                               Trotz Nebel und

Mit Megabatterien in                                           Wolken S.10

                                                               SMART HOME

die Energiezukunft                                      S.12
                                                               Kein Heim zu klein,
                                                               um smart zu sein
                                                               S. 18
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
EDITORIAL

Liebe Leserin
Lieber Leser
   Energiegeladen starten wir ins Jahr
   2018: Seit Ende Januar steht in Volketswil
   der grösste Batteriespeicher der Schweiz.
   Seine Wirkung aber geht über die Landesgrenzen
   hinaus. Der Speicher stellt Regelenergie zur Ver­
   fügung und trägt so zur Stabilisierung des Strom­
   netzes von Lissabon bis Istanbul bei. Wie das
   mit der Regelenergie genau funktioniert und wa­
   rum gerade wir so eine Batterie bauen und be­
   treiben, erklären wir Ihnen ausführlich in dieser
   Ausgabe.

                                                        IHR DRAHT
   Von Volketswil nach Urdorf: Dort ist das verkehrs­
                                                        ZU DEN EKZ
   beobachtende Licht installiert, das vor einem
   ­Monat den renommierten Schweizer Energiepreis       Wenn’s um Energie geht,
                                                        sind wir für Sie da –
    Watt d’Or gewonnen hat. Wir fragen, wie die         an 365 Tagen, rund
    ­Zukunft des preisgekrönten Lichts aussieht.        um die Uhr.

                                                        STÖRUNGSDIENST
   Von Urdorf zu Ihnen nach Hause: Ist Ihr Zuhause      (24 STD.):
                                                        0800 359 359
   schon smart? Falls die riesige Auswahl an Smart-     — bei Stromausfall
   Home-Produkten für Sie bislang eher eine Qual als    —	bei Schäden an
                                                           Freileitungen
   eine Wahl war, helfen wir gern weiter. Wir sind      — Meldung defekter
   derzeit daran, die besten Produkte auszusuchen.         Strassenlampen

   Für Sie, ja sogar mit Ihnen. Neugierig? Dann         KUNDENDIENST:
   un­bedingt weiterlesen!                              058 359 55 22
                                                        Servicetelefon für fachkundige
                                                        Beratung:
   Viel Energie fürs neue Jahr wünscht Ihnen            — Wohnungswechsel
                                                        — EKZ Stromprodukte
                                                        — Stromrechnung

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                                                        — Elektroinstallationen
                                                        — Gebäudeautomation
                                                        — Telematik/IT
   Urs Rengel
   CEO EKZ
                                                        ekz.ch
                                                        info@ekz.ch

                                  2   EKZ BLUE 1 2018
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
4	MEIN SOHN
       Rolf über Gregory Knie

8      WATT D’OR 2018
       Urdorf räumt ab

10     SOLARSTROM
       Wann wie viel

                                                                             INHALT
       pro­duziert wird

12	MEGABATTERIE I
       Wie sie für Balance sorgt                           18
16	MEGABATTERIE II
       Kompakt erklärt

18	SMART HOME
       Leben Sie schon smart?

20     RADQUER
       Hart und hip

22	NATÜRLI
       Zu Besuch beim Käse­
       philosophen                                                                                                                                     22
26     ENERGIEWISSEN

27     AUSDAUERND
       Europameister
       Yvan Fässler

28     SONNTAGSTIPP
       Wo Geniesser                                                                                                             Im Uhrzeigersinn:
       überrascht werden
                                            20
                                                                                                                                Im Gewölbekeller
                                                                                                                                entfalten die
30     RÄTSEL                                                                                                                  ­natürli-Käse ihr
                                                                                                                                 Aroma.

32     WARENTEST                                                                                                               Idyllischer
                                                                     EB
                                                                  ANG OT                                                        ­Wirtsgarten vor
                                                                ER                                                               dem First.
                                                          LES

                                                                                                                                Nicht nur ­Moun­-
                                                                        bei                                                     tainbikerin
                                                                    uch
                                                                 Bes türli                                                      ­­Jolanda Neff setzt
                                                                    na                                                            auf Radquer.

                                                                                   2
                                                                                                                           28   So wird Ihr
                                                                                   2

                                                                                                                                Zuhause smart.
                                                                     A uf S eite

Impressum
Herausgeber Elektrizitätswerke des Kantons Zürich — Verantwortlich Urs Freudiger — Redaktion Katia Soland (Chef­
redaktion), Jessica Weber, Noël Graber, Luzia Troxler, Anja Rubin, Irene M. Wrabel, Mark van Huisseling, Daniel Bütler —
Kontakt zur Redaktion blue@ekz.ch — Konzept, Layout und Realisation ­Linkgroup AG — Projektleitung Beat Kühler
— Art Direction Claudia Schmid, Joschko Hammermann — Erscheinungsweise drei Mal jährlich, 300 000 Exemplare —
Nachdruck nach A  ­ bsprache mit der Redaktion unter Angabe der Quelle gestattet — In der Schweiz gedruckt                              PERFORM ANCE

                                                                                                                                            neutral    01-18-115270
Blue — Das Magazin der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich, 2. Jahrgang                                                                Drucksache    myclimate.org

                                                                               3       EKZ BLUE 1 2018
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
MEIN SOHN

 Gregory Knie, 40,
   Sohn von Erica
Brosi und Rolf Knie,
  ist Zirkusprodu-
zent und Unterneh-
 mer. Das Mitglied
  der siebten Knie-
 Gene­ration stand
  mit sechs Jahren
 zum ersten Mal in
    der Manege.

  «SEIN
ENTWAFF-
 NENDES
 LACHEN
   HILFT
 ENORM»
    Das erste Mal, als Gregory
   seinen Vater Rolf Knie sah,
       muss ein ziemlicher
 Schreck für den Kleinen gewesen
    sein. Doch er scheint sich
   gut davon erholt zu haben.

                                   4   EKZ BLUE 1 2018
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
M                 ein Sohn kam zwi­
 schen zwei Clownnummern an einem Sonntag in
­Lausanne zur Welt. Am Morgen war ich noch im S     ­ pi-
                                                                                                             Zwei Generationen –
                                                                                                             eine gemeinsame
                                                                                                             Leidenschaft: Rolf
                                                                                                             Knie ist glücklich
                                                                                                             darüber, dass sein
                                                                                                             Sohn Gregory in
 tal gewesen, es war eine schwierige Sache, die Herz-                                                        seine Fussstapfen
 töne hatten abgenommen, dann kehrten sie zurück.                                                            getreten ist.
 Der Doktor fragte, wann ich wieder kommen könne.
 Ich sagte, um halb fünf am Nachmittag, dann sei
 mein Auftritt im Circus Knie fertig; ich zeigte da‑                                     Was Gregory gutgetan hat, sind die Jahre, die er
 mals zusammen mit Gaston unsere Box-Nummer. Ich                                     als Heranwachsender nicht in der Schweiz verbrachte.
war sehr nervös. Mein Auto parkte ich hinter dem                                     Er hat das Gymnasium in Spanien besucht und die
 Chapiteau, so dass ich gleich einsteigen und losfahren                              Universität in Orlando in Florida; das war zu der Zeit,
konnte. Kaum war ich im Spital, brachte der Arzt             AUFGEZEICHNET von       als die Firma Walt Disney ihren neuen Themenpark
  ­meinen Sohn auf die Welt und gab ihn mir. Aufgeregt       Mark van Huisseling     Animal Kingdom bei Orlando eröffnete, ich hatte bei
                                                                 FOTOS zvg
wie ich war, ging ich mit dem Neugeborenen in den                                    der Entwicklung mitgearbeitet. Als er im Jahr 2000,
Armen in den Korridor, um meinen Vater anzurufen.                                    mit 23, in die Schweiz zurückkam – ich hatte damals
Als ich eine Schwester sah, drückte ich ihr das Telefon                              gerade mit meinem Winterzirkus Salto Natale ange­
 in die Hand und fragte, ob sie meinem Vater sagen                                   fangen –, war er erstaunt, dass man den Namen Knie
könne, es sei ein Junge. Dann fiel mir auf, wie                                      hier kennt. Ich hab ihm immer gesagt: ‹Du sollst ver­
­komisch sie mich anschaute. Ich fragte: ‹Haben Sie                                  suchen, an die Spitze zu kommen wegen deiner Leis­
 noch nie einen gesehen, der so viel Freude hat an sei­                              tung, nicht wegen deines Namens.›
 nem Baby?› Bis ich mein Spiegelbild in einem Fenster                                    Als meine Geschwister und ich Kinder waren, gab
   ­sah – ich war in voller Clownmontur ins Spital gefah­                            es noch keine Zirkusschule bei Knie, darum wurde
 ren. Das war wahrscheinlich der erste Schreck, den                                  ich in einer Gastfamilie platziert, in Belp bei Bern. Die
 ­Gregory in seinem Leben hatte, als er seinen Vater­                                Bürgis hatten die grösste private Sammlung von
 in ­dieser Aufmachung sah.                                                          Bildern des Malers Paul Klee; über meinem Bett hing
        Am Anfang meiner Ehe wollte ich noch keine Kin­                              das Werk ‹Der Feuervogel›. Damals verstand ich noch
   der. Ich hatte Respekt vor der Verantwortung, die                                 nicht, weshalb sich meine Gastmutter aufregte, wenn
   damit einhergeht. Ich fand es immer merkwürdig,                                   ich im Zimmer Fussball spielte. Gregory wuchs eben­
wenn jemand sagte, ein Kind tue der Ehe gut oder er                                  falls nicht im Zirkus auf, weil ich die Familienfirma
wünsche sich einen Stammhalter und so weiter. Das                                    1984 verlassen hatte und später nach Mallorca zog. Es
 ist doch egoistisch. In erster Linie geht es für mich da­                           ist aber nicht so, dass ich ihm damit eine Laufbahn im
 rum, ob ein Kind in unsere Familie möchte, wenn es                                  Circus Knie verunmöglicht hätte – er könnte, wenn er
   entscheiden könnte. Ob wir in der Lage sind, das zu                               möchte, morgen dort anfangen zu arbeiten. Und er
   bieten, was es erwartet und braucht. Diese Verant­                                wird einmal meine Aktien, ich halte einen Drittel
wortung ist gross und ich wollte sie in jungen Jahren            Rolf Knie, 68,      der Anteile, übernehmen. Bis jetzt war das aber kein
 nicht auf mich nehmen.                                      ge­boren in Bern, ist   Thema, weil wir zusammen Salto Natale betreiben.
                                                                Kunstmaler und
        Gregory war als Baby schon ein Strahlemann. Das      Zirkusunternehmer.      Und Ohlala, den erotischen Zirkus, den wir zusam­
 ist bis heute so geblieben. Und ich darf sagen, ich bin       Er verliess das Fa­   men angefangen haben, leitet er jetzt bereits in der
   dafür mitverantwortlich. Ich habe das nämlich mit         milienunter­nehmen      vierten Saison ohne mich.
                                                               Circus Knie 1984,
 ihm trainiert, wir haben bereits viel Blödsinn zusam­        weil er zusammen            Es ist etwas Schönes für einen Vater, wenn der
   men angestellt, als er noch ganz klein war. Und ich       mit dem Clownkolle-     Sohn das Erbe antritt. Und es dann auch kann. Zum
wollte, dass er immer, wenn er mich sieht, einen                gen Gaston seine     einen Teil, denke ich, hat das mit der Erziehung zu
                                                              Clown- und Schau-
    strahlenden, lachenden Vater sieht. Ich wollte ihm so       spielerlaufbahn      tun, aber nur zu einem Teil. Der andere ist Glück – es
   eine positive Ausstrahlung, eine bejahende Art in die      auf Theaterbühnen      hätte genauso gut anders kommen können: dass sich
Wiege legen. Das ist mir gelungen, so sieht es aus. Er         fortsetzen wollte.    mein Sohn nicht für Zirkus interessiert hätte. Und das
                                                                Rolf Knie lebt in
 hat bis heute ein entwaffnendes Lachen, das hilft              der Schweiz und      hätte ich akzeptieren müssen. Aber so, wie es jetzt ist,
   enorm – und kostet nichts.                                     auf Mallorca.      ist es mir natürlich lieber.»

                                                              5   EKZ BLUE 1 2018
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
IN KÜRZE

LESENSWERT —

Wie die Elektrizität
die Schweiz prägt(e)
  Der Journalist und Buchautor Steven Schneider
  schaut in seinem Buch «Elektrisiert – Geschichte
  einer Schweiz unter Strom» (Hier und Jetzt
­Verlag) zurück: Er schildert anhand von über
200 starken Bildern die Meilensteine, die
  Krisen und den Wandel der Elektrizitätswirtschaft
  in der Schweiz. Diese sei «ein Symbol dafür,
  wie sich die Schweiz durch technische Spitzen-
 ­leistun­gen und Innovationsgeist von einem
 Auswan­de­rungsland zu einem der reichsten                                  ERNEUERUNG KRAFTWERK DIETIKON —
  Länder der Welt wandelte», schreibt der
 Autor im Vorwort.                                                      Mehr Energie für alle
                     Bestellen und einen              In diesem Frühling wird das EKZ Wasserkraftwerk an der Limmat in Dietikon
                     Blick ins Buch werfen            erneuert und erweitert. Unmittelbar unterhalb des Stauwehrs entsteht
                     können Sie hier                  ein neues Dotierkraftwerk, sozusagen ein Kraftwerk im Kraftwerk. Dieses
                     > hierundjetzt.ch                wird nach seiner Fertigstellung erneuerbare Energie für rund 4500 Vier­
                                                      personenhaushalte produzieren.

                                                      Die Sanierung beinhaltet verschiedene Massnahmen für die Ökologie, die
                                                      Erholung und den Hochwasserschutz. Dazu gehören neue Fischwander­
                                                      hilfen, ökologische Uferaufwertungen und eine Erholungs­fläche für die ­Be-
                                                      völkerung mit Grillstellen, Liegewiese und direktem Zugang zur Limmat.
                                                      Einzelne Baumassnahmen haben bereits im letzten Jahr begonnen.

          GESCHÄFTSJAHR 2016/17 —                     Insgesamt investieren die EKZ rund 37 Millionen Franken in den Weiter­

      Gemeinden und                                   betrieb des Kraftwerks Dietikon und in die begleitenden Massnahmen.
                                                      Zum Start der Kraftwerkerneuerung laden die EKZ am 23. März 2018,
            Kunden                                    um 17.00 Uhr, zu ­einem Informationsanlass ein.
          profitieren
                                                      Mehr Infos > ekz.ch/kraftwerk
           Die EKZ haben ihren Geschäfts­
     bericht 2016/17 veröffentlicht. Vom
       erfreulichen Betriebsergebnis profi-
    tieren Kunden und Gemeinden auch                              SOCIAL MEDIA —
         in diesem Jahr wieder: 2016/17
    flossen rund 11,5 Millionen Franken
                                                                  Willkommen in der EKZ

                                                                                                                                    Fotos: hierundjetzt.ch; EKZ; radsportphoto.net/Steffen Müssiggang
              als freiwillige Ausgleichsver-                      Community
    gütungen an die von den EKZ direkt
           versorgten Gemeinden im Kan-                           Diskutieren Sie mit uns! Über die Energiezukunft,
         ton Zürich. Die Kunden e­ rhielten                       über dieses Magazin oder über Alltagsthemen.
        neben den vorteil­
                                                                  Auf der Facebook-Seite der EKZ finden Sie regelmässig
     haften Tarifen einen
                                                                  News, Hintergrundinformationen und spannende
         Bonus von 29,5
                                                                  Geschichten rund um Energie, aber auch Fragen und
       Millionen Franken.
                                                                  Antworten zum Energiealltag: Wie wird die Woh­
      Den EKZ Geschäfts­                                          nung am besten gelüftet? Gehört das Geschirr vor­
         bericht 2016/17                                          gespült in den Geschirrspüler? Bei welcher Wasch­
          finden Sie hier                                         temperatur wird die Wäsche am saubersten? Folgen
            > ekz.ch/gb                                           Sie uns auf Facebook, bleiben Sie informiert und
                                                                  ­stellen Sie Ihre eigenen Fragen – es lohnt sich!

                                                                  > facebook.com/ekzenergie

                                                       6   EKZ BLUE 1 2018
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
2024
                                                                                              SMART METER —

                                                                                              Das Netz der Zukunft
                                                    100 JAHRE EKZ EICHSTELLE —
                                                                                              Der Countdown läuft: Bis 2024 werden
                                Auf in ein neues Zeitalter!                                   sämtliche Privatkunden im EKZ Verteilnetz
                                                                                              einen Smart Meter erhalten. Der intelli­
             Happy birthday, liebe Eichstelle! Vor 100 Jahren erhielt die EKZ                 gente Zähler ist ein zentrales Element des
                    Eichstelle als eines der ersten Prüfämter der Schweiz vom                 revidierten Energiegesetzes, das per ­
            ­Eid­genössischen Amt für Mass und Gewicht die Zulassung zum                      1. Januar 2018 in Kraft trat. Denn er ist die
                    ­Eichen und Prüfen von elektrischen Zählern. Seither über­-               Voraussetzung für das intelligente Netz.
             prüfen die Mitarbeitenden der Eichstelle pro Jahr Tausende von                   Aber auch Ihnen als Kunden bietet er
            Zählern der EKZ sowie von Drittkunden auf deren Messgenauig­                      zahlreiche Vorteile: Sie können dank dem
                keit, damit die Verrechnung gegenüber den Kundinnen und                       Smart Meter Ihren Verbrauch jederzeit
            Kunden stets mit rechten Dingen zu und her geht. Und auch als                     nachvollziehen und somit beeinflussen. Da
                100-jährige Dame bleibt die Eichstelle stets am Puls der Zeit,                der Smart Meter im Unterschied zum
              denn mit der Einführung des Smart Meters ist ein neues ­Zeit­-                  konventionellen digitalen Zähler kommuni-
                 ­alter ange­brochen. Erfahren Sie mehr über die Entwicklung                  zieren kann, erübrigt sich die Ablesung
                        im Zähler­wesen auf unserem Themenportal – vielleicht                  vor Ort; die Verbrauchsdaten werden
                     erkennen ­Sie noch einen der alten mechanischen Zähler                    auto­matisch an den Energieversorger über­-
                                                        aus Ihren ­Kindertagen…               ­mittelt. Damit verschwindet auch
                                                                                               eine ­Eigentümlichkeit der Strombranche:
                                               Mehr Infos > ekz.ch/eichstelle                  die Akonto­rechnung. Der Kunde erhält
                                                                                               künftig nur noch die Abrechnung über
                                                                                              ­seinen ­tatsächlichen Verbrauch.

                    ZUM DRITTEN —
                                                                       UNG
        Urban Cyclocross                                         ER
                                                                    LOS
                                                            V

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                                                                     in   nen
    Radquer‑Fans sollten sich den 7. April 2018 vor­             Gew
                                                                                           rgie

                                                                                n
     merken. Dann findet in der Stadt Zürich die                       eine latz
                                                                        t a r tp
 dritte Ausgabe des Urban Cyclocross statt. Tücki‑                    S
                                                                                       ne
                                                            fa

                                                                                      ze

      sche Hindernisse wie Betontreppen, Beach­                 eb                     k
                                                                c

                                                                     ook          /e
 volleyball-Sandfelder und Wasserbecken fordern                            .com
    die Fahrer heraus. Erwartet werden die besten
 Schweizer wie der Vorjahressieger Marcel Wildha‑
    ber sowie Simon Zahner und Nicola Rohrbach,
bei den Frauen die Vorjahressiegerin Jasmin Egger-
    Achermann. Ergänzt wird das Starterfeld durch
internationale Topfahrer und viele Hobbyfahrer, die
  sich mit den Profis messen wollen. Das Anmelde‑
portal für die limitierten Startplätze ist am 1. Februar
2018 ­aufgegangen (ekzcrosstour.ch). Das Rad­quer‑
 Rennen im Zürcher Kreis 5 ist Teil des drei­tägigen
   ­Urban Bike Festivals, das vom 6. bis 8. April 2018
statt­findet. Erwartet werden gegen 22 000 Besucher.

                Startplatz gesucht?
   Wir verlosen am 6. März 2018 über Facebook
 je einen Startplatz für eine Frau und einen Mann.
           > facebook.com/ekzenergie

                    Mehr Infos
               > urbanbikefestival.ch
                 > ekzcrosstour.ch

                                                            7    EKZ BLUE 1 2018
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
WAT T D ’ O R 2 0 1 8

     PREIS-
 ­GEKRÖNTES
   LICHT DER
    ZUKUNFT
          Das EKZ Pilotprojekt «Verkehrsbeobach­
             tendes Licht» in Urdorf gewinnt
         einen Watt d’Or. Die Steuerung, die die
        Strassenbeleuchtung sanft dem Verkehrs­
            aufkommen anpasst, hat die Jury
          überzeugt. Die EKZ freuen sich riesig –
               und entwickeln bereits die
                       Version 2.0.

                    E           s war Freitagnachmit­
tag, irgendwann im letzten November», erzählt Jörg
Haller, Leiter Beleuchtung und Smart City bei den EKZ.
«Ich hatte eine intensive Woche hinter mir und war
                                                                   TEXT
                                                               Katia Soland
                                                                                 WATT D’OR

noch unterwegs, als ein Mail vom Bundesamt für
Energie in meinem Postfach landete.» Der Satz «Ihr
Projekt ‹Verkehrsbeobachtendes Licht› hat den Watt
d’Or 2018 in der Kategorie Energietechnologien ge­
wonnen», traf ihn ziemlich unvorbereitet. «Im ersten
                                                                                 Mit dem Watt d’Or zeichnet das Bundesamt für Energie
Moment war ich völlig überrascht. Ich hatte über­
                                                                                 ­innovative Schweizer Unternehmen aus, welche die Ener­
haupt nicht damit gerechnet», gibt Jörg Haller zu.                                giezukunft erfolgreich und mutig in die Praxis umsetzen.
«Mir war zwar klar, dass die Steuerung, die wir mit                               Der Preis wird in den vier Kategorien Energietechnologien,
dem Beleuchtungsunternehmen Schréder in Urdorf                                    erneuerbare Energien, energieeffiziente Mobilität sowie
                                                                                                                                               Fotos: Günter Bolzern; BFE

an der Birmensdorferstrasse – übrigens eine Kantons­                              ­Gebäude und Raum vergeben. Zusätzlich wurde dieses
strasse – entwickelt haben, innovativ ist. Wir haben                               Jahr ein Spezialpreis Energieeffizienz vergeben. Die
bei dieser Smart‑City‑Lösung Verkehrsmessung und                                   Preisverleihung fand am 11. Januar 2018 in Bern statt.
Lichtsteuerung miteinander verknüpft.» Gleichzeitig
wusste er aber nicht, wie viele und vor allem welche                             > wattdor.ch
Projekte sonst noch eingereicht worden sind. «Im           > ekz.ch/wattdor

                                                           8   EKZ BLUE 1 2018
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
Ist kein Verkehr da,
                                                                     wird die Beleuch-
                                                                     tung gedimmt (l.).
                                                                     Sobald Verkehr auf-
                                                                     kommt, passt sich
                                                                     die Beleuchtung an.

                                                                                 ist eine neue Philosophie in der Art und Weise, das
                                                                                 Licht zu steuern. Und der Watt d’Or bestätigt uns in
                                                                                  dieser Philosophie. Gleichzeitig motiviert er uns und
                                                                                  gibt uns eine gewisse Zuversicht für weitere Projekte,
                                                                                 in denen wir ganz neue Wege gehen, gerade im
                                                                                 ­Bereich Smart City.»

                                                                                 VON DER NISCHE IN DIE MASSE Schliesslich rückt der
                                                                                 Watt d’Or das verkehrsbeobachtende Licht in den
                                                                                 Fokus der Öffentlichkeit. «Diese Aufmerksamkeit
                                                                                 ­
                                                                                 möchten wir nutzen, um die neue Idee, Licht zu steu­
                                                                                 ern, weiterzuentwickeln», erklärt er. Die Idee müsse
                                                                                 von der Nische in die Masse kommen. Mit Masse
                                                                                 meint Haller aber nicht, dass jede öffentliche Beleuch­
                                                                                 tung in Zukunft so gesteuert werden sollte: «Meine
                                                                                 Vision ist, dass diese Idee, Licht zu steuern, in Zu­
                                                                                 kunft auf allen Hauptverkehrsachsen der Schweiz an­
                                                                                 gewandt wird.» In Wohnquartieren hingegen, wo es
                                                                                 weniger Verkehr hat, würden sich auch andere Steue­
                                                                                 rungen eignen.

zweiten M ­ oment habe ich mich dann riesig gefreut»,                               EINFACHER, GÜNSTIGER, MASSENTAUGLICH Bis dahin
 sagt ­Haller strahlend. Noch grösser wurde die Freude,                             fällt noch viel Arbeit an, nicht nur für Haller und sein
als er später erfuhr, dass insgesamt über 70 Projekte                            Team. «Wir entwickeln den Prototyp in Urdorf weiter,
im Rennen waren. Fünf davon wurden mit einem                                        denn wir glauben, dass dies das Licht der Zukunft
Watt d’Or ausgezeichnet, eines davon mit einem                                    ist», sagt Haller. «Nicht nur weil es Energie spart und
­Spe­zialpreis (siehe Box).                                                         die Umwelt schont, sondern weil ein Licht, das sich
                                                                                    der Umgebung anpasst, ein wichtiger Baustein einer
AUF DEM RICHTIGEN WEG Ausgiebig feiern konnten                                      Smart City ist.» Unter «weiterentwickeln» versteht
Jörg Haller und sein Team allerdings zunächst nur im                             ­Haller vor allem, die Technik im Hintergrund zu ver­
kleinen Kreis, weil die Gewinner und ihre Projekte         «Es ist eine             einfachen. «Dadurch braucht sie weniger Komponen­
erst an der Verleihung im Januar bekannt gege­-             neue Philo­           ten und wird günstiger», erklärt er. Dies wiederum
ben wurden. «Das hat mir nichts ausgemacht, gerade         sophie, das           vereinfacht den Schritt zur Serienreife – ein wichtiger
wenn ich vergleiche, wie viel Zeit die Entwicklung der                              Schritt, für den Haller auch auf die Industrie zählt:
                                                              Licht zu
ganzen Lichtsteuerung in Urdorf in Anspruch genom­                               «Sie muss mitziehen und mithelfen, diese dynami­
men hat», meint Jörg Haller und ergänzt: «Diesen
                                                          steuern. Und              schen Steuerungen marktreif zu machen.»
Preis überreicht zu bekommen, das ist das eine. Das       der Watt d’Or                 Entwicklungspotenzial sieht Haller auch beim
andere ist die Bedeutung, die diese Auszeichnung für         ­bestätigt          Einsatzort: «Ich könnte mir gut vorstellen, dass die
die Zukunft der intelligenten Lichtsteuerung, für die      uns in dieser            Steuerung auch bei komplexeren Verkehrssituationen
EKZ und für mich persönlich hat.» Jörg Haller hat das     Phi­losophie.»            eingesetzt wird, zum Beispiel bei einer Kreuzung.»
Projekt an der Birmensdorferstrasse in Urdorf schon                              Wo dies genau der Fall sein wird, darf Haller noch
                                                              Jörg Haller,
an verschiedenen Fachtagungen im In- und Ausland          Leiter ­Beleuchtung     nicht verraten. Nur so viel: «Anfragen haben wir
präsentiert, wo es sehr positiv aufgenommen worden         und Smart City,        ­­be­reits.»
ist. Im Vergleich dazu aber habe ein solcher Preis doch            EKZ
nochmals einen anderen Stellenwert, holt er aus. «Es                                 Videos zum «verkehrsbeobachtenden Licht» > ekz.ch/blue

                                                          9   EKZ BLUE 1 2018
Mit Megabatterien in die Energiezukunft S.12 - EKZ
MEINE SOLARANLAGE

           STROM
     VOM EIGENEN
            DACH
          Einflussfaktoren
          Solarstrom­produktion
          —  Standort
          —  Winkel
          —  Geografische Ausrichtung
          —  Wetter
          —  Jahreszeit (Tageslänge
              und Sonnenstand)

     BEISPIEL                         SCHÖN, WOLKENLOS             SCHÖN, WOLKENLOS                    NEBLIG
EINFAMILIENHAUS                           10. Mai 2017               3. November 2017             5. November 2017
   IN DIETIKON
                                         TAGESLÄNGE                    TAGESLÄNGE                  TAGESLÄNGE
 Auswirkungen der                           14:51 h                       09:51 h                     09:45 h
   Jahres­zeiten
  und des Wetters

                    Erzeugter
                Strom PV-Anlage
                                                      64                           34,72                         2,51
                                                      KWH                               KWH                          KWH
           Einfamilienhaus (8,7 kW)
               Fläche etwa 50 m²

          Ein Schweizer Einfamilien­              1 KWH ENTSPRICHT
         haus (4-Personen-Haushalt)
            verbraucht pro Tag im
                   Schnitt

                      20
                                                                                                                           Fotos: fotolia.com; zvg

                    kWh Strom.

                                                                                   133
                                                                                   Scheiben Toastbrot in einem
                                                                                   Toaster rösten.

                                                            10   EKZ BLUE 1 2018
Wussten Sie, dass Solaranlagen
  auch bei Bewölkung oder Nebel
 Strom erzeugen? Warum dies so
  ist und wie unterschied­lich die
produzierten Strom­mengen sind,
  haben wir für Sie r­ echerchiert.

             TEXT Luzia Troxler

                                                          UMWEG FÜR SONNENSTRAHLEN Da Willi Pfeiffer über           «Wir dachten,
                                                          das einfachSolar Portal Entstehung und Verbrauch            dass die
                                                          von Strom in seinem Haushalt fleissig vergleicht, ist
                                                                                                                    Sonne voll auf
                                                          ihm nicht lange verborgen geblieben, dass auch bei
                                                          Nebel oder Bewölkung Strom entsteht. Aber warum ist
                                                                                                                    unsere Panels
                                                          das so? «Der Nebel und die Partikel im Nebel absor­         scheinen
                                                          bieren, reflektieren und lenken die direkte Sonnen­        muss, ­damit
                                                          einstrahlung ab, somit gelangt keine direkte Ein­          Strom ent­
                                                          strahlung auf die Erde», erklärt Fabian Carigiet. Er         steht.»
                                                          ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachgruppe

             W
                                                                                                                        Willi Pfeiffer,
                                                          Photovoltaik von Franz Baumgartner an der ZHAW.               Besitzer einer
                                                          «Das heisst aber nicht, dass keine Sonnenstrahlung              eigenen
                                                          den Erdboden erreicht», fährt er fort, «die diffuse           Solaranlage
                                                          Strahlung ist immer noch da. Ansonsten könnten
                                                          wir gar nichts sehen, es wäre finster. Die diffuse Ein-
                                                          strahlung reicht aus, um Strom in den Solarmodulen
                                                          zu produzieren. Es entsteht jedoch deutlich weniger
                                                          Strom als an schönen Tagen.»
                                   enn Willi Pfeiffer
und seine Frau ihr Frühstück mit selber produziertem      KLEINE AUSBEUTE Wie viel weniger das ist, zeigt ein
Strom zubereiten können, freuen sie sich. Je nach­         Beispiel der Testanlange, die die Fachgruppe Photo­
dem, wie hell es draussen ist, reicht ihre Photovolta­    voltaik der ZHAW zusammen mit den EKZ in Dietikon
ikanlage aus, um die Filterkaffee-Maschine mit Heiz­       betreiben. An einem schönen, wolkenlosen Tag im Mai
platte aufzuheizen und die Milch im Mikrowellenofen        produzierte eine der Photovoltaikanlagen* 15,3 Kilo­
warm zu machen. «Wie viele Leute dachten auch wir,        wattstunden Strom. An einem wolkenlosen November­
dass die Sonne voll auf unsere Panels scheinen muss,       tag hingegen wurden nur 8,3 Kilowattstunden Strom              einfachSolar
damit Strom entsteht», erzählt Willi Pfeiffer. Der Pen­    produziert, also gut die Hälfte. Nur zwei Tage später,       Zur einfachSolar
sionär hat sich gemeinsam mit seiner Frau im Herbst        bei dichtem Nebel, produzierte die PV-Anlage 0,6 Kilo­        Anlage der EKZ
                                                                                                                    ­gehören ein Online-
2016 dazu entschieden, das Dach ihres Einfamilien­        wattstunden Strom. Das bedeutet, dass an ­einem neb­        Portal, eine Steue-
hauses in Eglisau mit einer Photovoltaikanlage auszu­      ligen Herbsttag sehr viel weniger Strom produziert            rung und – falls
statten. Seither ist die optimale Nutzung des selber      wird als an einem sonnigen. Warm duschen können              ­gewünscht – eine
                                                                                                                    Batterie. Im einfach-
produzierten Stroms für ihn fast zu einem Hobby ge­        die Pfeiffers an einem solchen Tag mit ihrem selber        Solar-Portal sehen
worden. «Wenn ich sehe, dass für den nächsten Tag          ­erzeugten Strom nicht – wohl aber eine Tasse Kaffee      Sie Produktion und
schönes Wetter angesagt ist, schalte ich abends den       ­kochen.                                                      Verbrauch Ihrer
                                                                                                                     Anlage, Sie können
Boiler aus, damit er nicht in der Nacht mit zugekauf­                                                                über die Steuerung
                                                          * 2,08 Kilowatt Nennleistung
tem Strom geheizt wird», so Pfeiffer. «Auch Wäsche                                                                    zum Beispiel Ihren
waschen und bügeln wir, wenn die Sonne scheint,                                                                      Boiler selber regeln
                                                                                                                        oder den Ladezu-
und den Geschirrspüler lassen wir jeweils jeden zwei­           Selber Solarstrom produzieren? Mehr Infos            stand Ihrer ­Batterie
ten Tag nach dem Mittagessen laufen.»                           > einfachSolar.ch                                          ­überprüfen.

                                                           11    EKZ BLUE 1 2018
G R Ö S S T E B AT T E R I E D E R S C H W E I Z

 BALANCE
 AUS DEM
CONTAINER                  In Volketswil steht die grösste
                         Batterie der Schweiz. Sie ist aber
                            weder Stromspeicher für den
                             Winter noch Not­reserve bei
                        ­einem Stromausfall. Zwei Spezia-
                           listen der EKZ erzählen, wozu
                            es die Gross­batterie wirklich
                         braucht und w  ­ arum auch Sie als
                            Strom­verbraucher sich dafür
                                inter­essieren sollten.

                                                            TEXT
                                                       Noël Graber
                                                          FOTOS
                                                      Lea Meienberg

                   E               s gibt sie. Die Tage,
an denen nicht alles so läuft wie geplant. Zwei Bei­
spiele: Die Nigglis in Hombrechtikon wollten am
Abend eigentlich zum Italiener um die Ecke. Jetzt ist
Vater Niggli krank, und der Rest der Familie verpflegt
sich notgedrungen mit Tiefkühl- statt Steinofenpiz­
zas. Oder bei Zimmerlis in Fehraltorf: Kater Fridolin
war ob des unerwarteten Besuchs von Tante Cordula
derart erbost, dass er aus Protest die riesige Porzellan­
vase im Ankleidezimmer vom Tisch stiess. Die Vase

                                                                       12      EKZ BLUE 1 2018
Mehr Zahlen & Fakten
                                                  zur Batterie siehe auch
                                                    Infografik S. 16/17

           Marina González Vayá
           und Claudio Cerri
           vor der Schaltanlage
           des Batteriespeichers,
           die sich im alten Ge­
           bäude des Unterwerks
           Volketswil befindet.

                        liegt jetzt – zusammen mit der familiären Stimmung –
                        in 1000 Einzelteilen auf dem Parkettboden. ­Solche
                        und ähnliche Geschichten passieren tagtäglich. Sie
                        haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. ­Ausser,
                        dass plötzlich Strom zu einer Zeit verbraucht wird,
                        in der es eigentlich nicht vorgesehen war. Denn bei
                       ­Nigglis läuft jetzt ausserplanmässig der Backofen, bei
                        Zimmerlis der Staubsauger.

                       STROMNETZ IST GESAMTEUROPÄISCH VERKNÜPFT Sol­
                       che Einzelfälle fallen natürlich nicht ins Gewicht.
                       Wenn aber die Dinge einmal wirklich nicht so laufen
                       wie geplant und plötzlich Hunderte oder sogar Tau­
                       sende elektrischer Geräte unerwartet und gleichzeitig
                       an- oder abgeschaltet werden, dann stellt das die
                       Übertragungsnetzbetreiber durchaus vor eine He-
                       rausforderung. Auch wenn irgendwo in Europa ein
                       Grosskraftwerk ausfällt, hat das Auswirkungen auf
                       das Stromnetz in der Schweiz. Denn das Stromnetz
                       endet nicht an der Landesgrenze: Der europäische
                       Kontinent ist von Lissabon bis Istanbul vernetzt. «Im
                       gesamten Stromnetz müssen sich Produktion und
                       Verbrauch stets die Waage halten», erklärt die EKZ
                       Batteriespezialistin Marina González Vayá. Die pro­
                       movierte Elektroingenieurin ist Teil des Teams, das
                       die grösste Batterie der Schweiz plant und baut.
                       «Wenn im Stromnetz ein Ungleichgewicht entsteht,
                       muss dieses schnell ausgeglichen werden.» Bis aber
                       grössere Kraftwerke hochgefahren sind, um den feh­
                       lenden Strom für Nigglis Backofen, Zimmerlis Staub­
                       sauger oder eben das europäische Grosskraftwerk zu
                       produzieren, braucht es eine Übergangslösung. Man
                       spricht hier von der sogenannten Regelenergie. Diese
                       wird von unzähligen ­
                                           Anlagen in ganz Europa an­-
                       ge­boten.

                       VERSTÄNDNIS SCHAFFEN FÜR DIE BATTERIE In der
                       Schweiz übernehmen diese Aufgabe heute hauptsäch­
                       lich Wasserkraftwerke. Immer interessanter werden >

13   EKZ BLUE 1 2018
G R Ö S S T E B AT T E R I E D E R S C H W E I Z

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                                                                                  In den drei weis-
                                                                                   sen Containern
in diesem Bereich aber Grossbatterien. Denn Batterien                             befinden sich die
können ihre Leistung viel schneller und dynamischer                                Batteriezellen.

anpassen als konventionelle Kraftwerke. Deshalb                                           2
                                                                                Neue Systeme wer-
bauen die EKZ in Volketswil die grösste Batterie der
                                                                                  den be­nötigt,
Schweiz – damit es erst gar nicht zum Stromausfall                              um die Batterie ans
kommt.                                                                           Netz an­zubinden.
     «Vorbeugen statt heilen», bringt es Claudio Cerri                                     3
auf den Punkt. Der Elektroingenieur gehört ebenfalls                             Die beiden Inge­-
                                                                                 nieure ­prüfen die
 zu den EKZ Spezialisten, die am Grossprojekt mit­                                Schalt­­anlagen.
arbeiten. Cerri ist komplexe Projekte gewohnt: «Wenn
 du in der Elektrotechnik arbeitest, musst du damit
leben, dass viele Menschen nicht verstehen, was du
 genau machst.» Das sei auch bei der grössten Batterie
 der Schweiz nicht anders: «Im Gespräch mit den Leu­
 ten merke ich, dass sie Sinn und Zweck unserer Batte­
 rie nicht immer auf Anhieb verstehen. Viele denken,                                      3
wir bunkern hier in Volketswil Solarstrom für den
Winter. Oder wir würden mit der Batterie Volketswil
versorgen, wenn einmal der Strom ausfällt.» Betrach­
 tet man ihre Speicherkapazität, könnte die B    ­ atterie
 die Stadt Volketswil tatsächlich 8 bis 12 Minuten lang
 mit Strom versorgen. In der Praxis ist die B
                                            ­ atterie aber
keine Notfallreserve, sondern wichtige Lieferantin
von Regelenergie,um das Stromnetz stabil zu halten.
 Sie wird entladen, wenn kurzfristig zu wenig Energie
im Netz vorhanden ist; und sie wird geladen, wenn es
 zu viel Energie im Netz hat. Batterie­       spezialistin
­Marina González Vayá erklärt es so: «Das System er­
kennt anhand der Netzfrequenz laufend, ob es zu viel
 oder zu wenig Energie hat.»
                                                               «Im gesamten
 KREATIVAUFGABE FÜR THEORIE UND PRAXIS Fürs Auge                 Stromnetz
 ist die grösste Batterie der Schweiz unspektakulär.            müssen sich
 Drei weisse Schiffscontainer sind neben dem EKZ
                                                                Produktion
­Unterwerk Volketswil auf grauen Betonfundamenten
 montiert und surren leise vor sich hin. Das Surren
                                                               und Verbrauch
 kommt nicht von der Batterie selbst, sondern von den               stets
Wechselrichtern – also den Geräten, die den Gleich­              die ­Waage
 strom aus der Batterie in netztauglichen Wechsel­                ­halten.»
 strom umwandeln. «Unspektakulär?», lacht Batterie­
                                                                  Marina González
 spezialistin Marina González Vayá. «Das kann man so              Vayá, Batterie­
 sehen. Zugegebenermassen waren Planung und Ent­                  spezialistin EKZ

                                                               14     EKZ BLUE 1 2018
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wicklung des Projekts für mich spannender als der                                     FÜR DIE ENERGIEZUKUNFT Die beiden Ingenieure sind
Bau. Mich fasziniert die Evolution von der Idee bis                                   stolz, am G­ rossprojekt mitzuarbeiten. «Es ist nicht
zur konkreten Anlage. Wenn du an so einer komple­                                     nur ein absolut einmaliges Leuchtturmprojekt in der
xen Geschichte arbeitest, tauchen immer wieder                                        Schweiz», schwärmt Claudio Cerri, «die Grossbatterie
kleine Hindernisse auf. Hier gilt es kreative, aber rea­                             ist auch wirtschaftlich ausgelegt.» Sie unterstützt die
lisierbare Lösungen zu finden.» Ein Beispiel: Anstelle                               Energiezukunft und ist gleichzeitig rentabel. Denn
der geplanten 12-Megawatt-Batterieleistung gab es                                    wer in der Schweiz Regelenergie anbietet, wird dafür
vom Lieferanten plötzlich 18 Megawatt zum gleichen           «Die Gross­              entschädigt.
Preis. Das ist zwar schön, stellt die EKZ aber auch vor                                   Wenn die grösste Batterie der Schweiz auf dem
                                                               batterie
neue Herausforderungen: «Wenn wir die ganze An­                                      ­Gelände des EKZ Unterwerks Volketswil also dem­
lage für 18 Megawatt neu dimensioniert hätten, wäre
                                                            ist auch wirt­            nächst ans Netz geht, merken die Stromverbrau-­
sie viel teurer geworden», erklärt González Vayá. «Jetzt      schaftlich              cher davon nichts. Weder im Kanton Zürich, in der
haben wir die Anlage so ausgelegt, dass sie nur wäh­         ausgelegt.»              Schweiz, noch sonst irgendwo in Kontinentaleuropa.
rend kurzer Zeit die maximalen 18 Megawatt leisten         Claudio Cerri, Elektro­   Dafür können sich die Nigglis, Zimmerlis und alle an­
kann.» Kreativität mussten die Ingenieure auch beim            ingenieur EKZ          deren Stromverbraucher sicher sein: Auch in Zukunft
Bau an den Tag legen, erzählt In­genieur Claudio Cerri:                              kommt jederzeit genauso viel Strom aus der Steck­dose,
«Um schnell auf solche Leistungsänderungen bei der                                   wie sie brauchen. Nicht zuletzt dank der grössten Bat­
Batterie reagieren zu können, mussten wir den An­                                    terie der Schweiz.
schluss ans Stromnetz flexibel wählen. Aus diesem
Grund erhielten die Transformatoren ein bis heute                                       Video und mehr Bilder zur grössten Batterie
noch nie verwendetes Design.»                                                           der Schweiz > ekz.ch/blue

                                                           15   EKZ BLUE 1 2018
INFOGRAFIK

MEGABATTERIE                                                                                    INFOGRAFIK
Damit die Stromversorgung gewährleistet ist, müssen sich Stromproduktion und -verbrauch
                                                                                                Joschko Hammermann
die Waage halten. Nur so bleibt die Spannung im Netz stabil bei 50 Hertz. Weicht die
Frequenz unvorhergesehen von 50 Hertz ab, weil mehr verbraucht als produziert wird oder
umgekehrt, muss kurzfristig Energie ins Netz geliefert oder aus dem Netz bezogen wer­-
den. Diese Energie nennt man Regelenergie. Der grosse Batteriespeicher in Volketswil, aber
auch andere Batterien sowie Kraftwerke stellen Regelenergie bereit.

       LEISTUNG
                             KAPAZITÄT
      18 Megawatt                                                                              GRÖSSE
                                 7500
                            Kilowattstunden                                                   3 Container
                                                                                             (nur Batterie­
                                                                                                zellen)

                                                                                                                     GARAN‑
                                                                                                                       TIERTE
                                                                                                                   LEBENSDAUER
                                                                                                                      10 Jahre
   TECHNOLOGIE
     Lithium-Ionen

                     STANDORT
                      Volketswil

GRÖSSTE BATTERIE DER SCHWEIZ                                                                                   KOSTEN
Der Batteriespeicher der EKZ in Volketswil ist in Bezug auf Leistung und ­Ka-                                 6 Millionen
pazität der grösste in der Schweiz: Er leistet maximal 18 Megawatt – was                                       Franken*
der Leistung von 10 000 Haarföhnen (à 1800 Watt) entspricht. Und er hat eine
Speicherkapazität von 7,5 Megawattstunden. Mit dieser Energie könnte
man 600 durchschnittliche Vierpersonenhaushalte einen Tag lang mit Strom                                  *Gesamtkosten
versorgen. Konkret liefert er aber Regelenergie für die nationale Netzgesell­                              des Projekts
schaft Swissgrid.

                                                          16    EKZ BLUE 1 2018
DIE KAPAZITÄT VON 7500 KILOWATTSTUNDEN ENTSPRICHT

100 BATTERIEN DES MODELLS TESLA S
Kapazität: 75 Kilowattstunden

Regelenergie                              FREQUENZABWEICHUNG (IN mHz)

                                                  [f]
Die Batterie (weisse Linie) springt
dann ein, wenn die Frequenz ­im
Stromnetz (blaue Linie) von den 50
                                          50 Hz                                                                                  [t]
Hertz abweicht: Wenn die Frequenz
sinkt, wird mehr Energie verbraucht,
als gerade produziert wird. In die-
sem Fall liefert die ­Batterie Energie,
                                          LADEZUSTAND DER BATTERIE IN %
das heisst, ihr Ladezustand sinkt.
Umgekehrt steigt die Frequenz,            100 %
wenn weniger verbraucht als produ­
ziert wird. Dann ist zu viel Energie
                                          50 %
im Netz. In diesem Fall bezieht
die Batterie Energie aus dem Netz
und ihr Lade­zustand steigt.                0%                                                                                   [t]

                                          Weltweit
                                          Batteriespeicher gibt
                                          es auf der ganzen
                                          Welt. Laut ­Wiki­pedia
                                          sind es über 700.
                                          ­Unsere Karte zeigt eine
                                           kleine Auswahl:

                                          LONG BEACH,                SCHLESWIG-­           ULSAN,               JAMESTOWN,
                                          KALIFORNIEN,               HOLSTEIN,             SÜDKOREA             AUSTRALIEN
                                          USA                        DEUTSCHLAND           — Leistung: 150 MW   — Leistung: 100 MW
                                          — Leistung: 100 MW         — Leistung: 48 MW     — Erbauer: Hyundai   — Kapazität:129 MWh
                                          — Kapazität:               — Kapazität: 50 MWh     Electric           — Erbauer: Tesla
                                            400 MWh                  — Eigentümer: Eneco   — soll im Februar    — seit Ende 2017
       MILLION                            — Erbauer: AES und           und Mitsubishi        2018 in Betrieb      in Betrieb
                                            Siemens                  — soll demnächst        gehen
       IPHONE‑8‑AKKUS                     — noch nicht in Betrieb      in Betrieb gehen
       (1821 mAh, 3,82 V)

                                                        17   EKZ BLUE 1 2018
SMART HOME

EIN SMARTES
  ZUHAUSE                     Ob Mietwohnung oder Einfamilienhaus –

  FÜR ALLE!
                                 das Zuhause der Zukunft ist smart.­
                               Entsprechend gross ist die Auswahl an
                              Smart-Home-Produkten auf dem Markt.
                                 Unser Smart-Home-Team macht es ­
                               Ihnen einfach: Es stellt Ihnen das pas­
                                  sende ­Produktpaket zusammen.

           TEXT Katia Soland
       FOTOS Herbert Zimmermann

       18   EKZ BLUE 1 2018
S           oundsysteme, intelli­
gente Leuchten, Überwachungskameras – die Aus­
wahl an Smart-Home-Produkten ist gross. Doch wel­
che machen unseren Alltag in der Mietwohnung oder
im Einfamilienhaus tatsächlich komfortabler und
                                                                        einfachSMART
                                                                        Schon jetzt testen wir unsere Produkte am Markt.
                                                                        Dafür suchen wir weitere Interessenten, die im
                                                                        Frühling neue Smart-Home-Produkte bei sich zu
                                                                        Hause ausprobieren möchten.

                                                                        Jetzt anmelden > ekz.ch/einfachsmart
­sicherer als bisher? Welche sind zuverlässig und ma­
chen auch noch Spass? Das wis­sen Wolfgang Zimmer­
mann, Rieke Bärenfänger und Valentin Wyss. Die drei
prüfen in Dietikon diverse Smart-Home-Produkte. Ihr
Ziel: Die besten Lösungen in der passenden Kombina­                                «Letzterer muss zuverlässig sein und attraktive Preise
tion für jede Lebenssituation zu finden. Und zwar so,                              bieten», meint Rieke Bärenfänger. Die ideale Überwa­
dass Sie Ihr Zuhause möglichst einfach smart machen                                chungskamera muss also viele Kriterien erfüllen. Aber
können.                                                                            nicht nur sie: Die Kriterien gelten für alle Smart-
                                                                                   Home-Produkte, welche die EKZ dereinst anbieten
FÜR ALLE FÄLLE «Aktuell testen wir Produkte, die un-                               wollen. «Aus den besten Produkten stellen wir dann
ser Zuhause sicherer machen sollen», sagt Wolfgang                                 Lösungspakete in den vier Kategorien Heizungslösun­
Zimmermann, der die neue Abteilung Smart Home bei                                  gen, Sicherheit, Energiemessung und Licht zusam­
den EKZ leitet. So zum Beispiel Überwachungskame­                                  men», erklärt Wolfgang Zimmermann. Denn je nach
ras, von denen es unzählige gibt. Die Menge ist aber                               Lebenssituation sind die Bedürfnisse andere, wie
nicht die einzige Herausforderung für die drei. «Die                               Rieke Bärenfänger präzisiert: «Eine Familie in einer
Kameras der verschiedenen Hersteller unterscheiden                                 Mietwohnung wünscht sich etwas anderes als ein
sich enorm. Und das nicht nur äusserlich», erzählt                                 älteres Paar, das ein eigenes Haus besitzt.» Deshalb
Rieke Bärenfänger, Produktmanagerin Smart Home.                                     unterstützen die EKZ ihre Kunden dabei, die Produkte
«Deshalb ist es wichtig zu definieren, wo und mit wel­                              zu finden, die am besten zu ihnen passen. «Konkret
chem Ziel die Kamera eingesetzt werden soll.» Erst                                  heisst das, mein Smart Home muss mich im Alltag
einmal sei der Standort – ob drinnen oder draussen –                                entlasten. Es bringt mir Komfort und Sicherheit
wichtig, meint sie. «Wenn ich mit der Kamera aus                                    und – ganz wichtig – es bereitet mir auch Freude»,
den Ferien mitverfolgen möchte, was in meinem Gar­                                  meint Rieke Bärenfänger.
ten zu Hause passiert, dann ist die Bildqualität wich­
tig», sagt Wolfgang Zimmermann. «Wenn ich die                                       KEINE QUAL DER WAHL Gleichzeitig müssen die einzel­
­ amera hingegen bei mir über der Haustüre montiere,
K                                                                                   nen Produkte auch untereinander zusammenpassen,
um mit dem Pöstler zu kommunizieren, wenn ich                                        ergänzt Valentin Wyss: «Sie müssen die gleiche
nicht zu Hause bin – ihm zum Beispiel sage, er könne                                 ­Sprache sprechen oder sich zumindest verstehen. Nur
das Paket für mich vor die Türe stellen –, dann braucht                               so ist das Zuhause vernetzt – ein richtiges Smart Home
die Kamera auch eine Gegensprechanlage.» Die Ka­                                     eben.»
mera sollte zusätzlich intuitiv über eine App zu be-                                      All diese Anforderungen berücksichtigen Wolf­
dienen sein, meint Valentin Wyss, Fachspezialist                                     gang Zimmermann, Rieke Bärenfänger und Valentin
Innovation. «Ich möchte die aufgezeichneten Videos        «Mein Smart               Wyss bei der Zusammenstellung der Pakete. Damit
einfach und bequem abrufen können und bei Bedarf           Home bringt              befreien wir Sie von der komplizierten Auswahl der
über Ereignisse benachrichtigt werden.» Noch kom­          mir Komfort               Smart-Home-Komponenten und machen Ihnen den
plexer wird es, wenn die Kamera mit dem Schloss ver­                                Einstieg besonders einfach. Die Pakete bieten die
                                                          und Sicherheit
knüpft wird, meint Rieke Bärenfänger: «Eine Kamera                                  EKZ noch in diesem Jahr allen Kunden an. Wer sein
mit Gesichtserkennung kann zum Beispiel die Bewoh­
                                                            und – ganz              ­Zuhause bereits jetzt smart machen möchte, kann
ner sowie Putzpersonal reinlassen, bei Fremden hin­        wichtig – es               sich als Smart-Home-Tester anmelden (siehe Box
gegen die Bewohner benachrichtigen.»                       bereitet mir              oben).
                                                          auch Freude.»
NUTZEN UND FREUDE Neben den technischen Funktio­
                                                          Rieke Bärenfänger,
nen berücksichtigen die drei beim Testen weitere Kri­     Produktmanagerin
terien wie zum Beispiel das Design und den Hersteller.       Smart Home                 Mehr über Smart-Home-Produkte > ekz.ch/einfachsmart

                                                          19   EKZ BLUE 1 2018
CYCLOCROSS

                                                 SCHLAMMIG,
                                                 HART
  Er war einer der grossen ­Namen
     im Radquer-Zirkus der 1990er
 Jahre. Wer an e­ inem grossen Rad­
      quer-­Rennen vorn mitfahren
  wollte, kam an Beat Wabel nicht

                                                 UND HIP
       vorbei. Der heute 50-Jährige
   ist dem Sport i­ mmer noch eng
     verbunden. Und er stellt fest:
  Radquer wird wieder populärer.

                                   INTERVIEW Noël Graber

    Für den Zuschauer sieht Radquer –
    oder Cyclocross wie man heute sagt –
    ­unglaublich hart aus. Schlammpisten,
    verdreckte Gesichter, Hindernisse
     und dann muss das Velo noch ge­
     tragen werden. Wieso sollte man als
    Velofahrer Radquer fahren wollen?
Beat Wabel: Genau deshalb! Diese Vielsei­
tigkeit macht die Faszination aus. Cyclo­
cross findet zu fast allen Jahreszeiten statt.
Es ist mal warm, mal nass, mal schlam­
mig, mal verschneit. Als Fahrer musst du
dich auf jeder Strecke neu zurechtfinden.
Klar haben es die einen lieber trocken,
die anderen lieber nass. Aber so richtige
Schönwetterfahrer gibt es unter den Cyclo­
crossern eigentlich nicht.
    Bis zu den 1990er Jahren galt Radquer
     in der Schweiz als Volkssport. Sie
     selbst waren zu dieser Zeit aktiv. Wie
     haben Sie diese Zeit erlebt?
Der Sport hatte eine riesige Popularität.
Wir Schweizer waren – mit Grössen wie Al­
bert Zweifel und Beat Breu – absolute Welt­           Sie haben 1995 in Eschenbach SG WM-      kum Dritter wirst, ist das natürlich super.
klasse und erreichten national und inter­            Bronze geholt und standen auf dem         Gewonnen hätte ich natürlich trotzdem
national grosse Siege. Zudem gab es viele            ­Podest neben Ihrem Landsmann, dem        gern.
gute Rennen in der ganzen Schweiz. Und              Weltmeister Dieter Runkel. Würden              Kurze Zeit später, so um die Jahrtau-
gerade weil die Schweiz zur Weltspitze ge­            Sie das als Höhepunkt Ihrer Karriere         sendwende, war es plötzlich vorbei mit
hörte, kamen auch die Zuschauer zu Tau­               ­bezeichnen?                                 dem Hype. Radquer verschwand aus
senden. Das hat die Fahrer motiviert, Rad­       Es war sicher einer der Höhepunkte. Die           der öffentlichen Wahrnehmung. Was ist
quer zu fahren. Ich selbst habe mehrmals         Saison selbst war für mich eigentlich nicht       passiert?
mit dem Gedanken gespielt, in einem              gut. Ich war weder unter den besten Vor­      Der Radquer-Sport kam in eine Negativspi­
Strassenteam zu fahren. Bedingung wäre           aussetzungen noch mit grossem Selbstver­      rale. Nach Generationen von Spitzenfah­
aber gewesen, dafür auf Radquer zu ver­          trauen unterwegs. Aber wenn du an der         rern wie Zweifel, Frischknecht, Richard,
zichten. Das kam für mich nicht in Frage.        Weltmeisterschaft vor heimischem Publi­       Breu und Runkel kamen keine Jungen

                                                             20   EKZ BLUE 1 2018
Dem Cyclocross sind Sie bis heute
                                                                                                                           treu geblieben. Sie sind technischer
                                                                                                                           Delegierter beim Rad-Weltverband
                                                                                                                           UCI – was ist dort Ihr Job?
                                                                                                                       Ich bin bei Radquer- und Mountainbike-
                                                                                                                       Weltcup- und -WM-Rennen für die Strecke
                                                                                                     EKZ Crosstour     verantwortlich. Während der Rennen sorge
                                                                                                    ekz-crosstour.ch   ich dafür, dass alles nach Reglement läuft.
                                                                                                    Union Cycliste     Einerseits muss die Sicherheit garantiert
                                                                                                    Internationale
                                                                                                                       sein, andererseits werden die Events im­
                                                                                                        uci.ch
                                                                                                                       mer grösser, es kommen immer mehr Zu­
                                                                                                                       schauer und Medienschaffende. Da gibt es
                                                                                                                       viel zu organisieren.
                                                                                                                           Sehen Sie, dass Cyclocross wieder
                                                                                                3                          ­populärer wird?
                                                                                                                       Ja, seit einigen Jahren werden wieder
                                                                                                                       mehr Rennen organisiert – die EKZ Cross­
                                                                                                                       tour ist ein gutes Beispiel dafür. Solche
                                                                                                                       Anlässe bieten auch Jungtalenten die
                                                                                                                       Chance, diese Sportart mal auszuprobie­
                                                                                                                       ren. Das wird im In- und Ausland wahr­
                                                                                                                       genommen.
                                                                                                                           Wieso diese erneute Trendwende?
                                                                                                                       Es sind viele Faktoren, die zusammenspie­
                                                                                                                       len. Jeder grosse Hersteller baut plötzlich
                                                                                                                2      Quervelos – oder Cyclocross-Bikes, wie es
                                                                                                                       heute heisst. Diese sind viel leichter und
                                                                                                     1                 besser als früher. Und die jungen Fahrer
                                                                                               EKZ Crosstour:          merken, dass es eine attraktive Disziplin
                                                                                         Simon Zahner kämpft sich
                                                                                            in Eschenbach durch        ist. Zwar eine sehr intensive, aber nach
                                                                                           Schlamm und Schnee.         einer Stunde ist alles vorbei. Und dann
                                                                                                      2                ­sehen wir auch Mountainbiker, die sich
                                                                                          Beat Wabel an der Rad-       plötzlich für Cyclo­cross interessieren.
                                                                                          quer Weltmeisterschaft
                                                                                                                       Nehmen Sie M   ­ ountainbike-Weltmeisterin
                                                                                            1995 in Eschenbach,
                                                                                           wo er Dritter wurde.        Jo­landa Neff, die plötzlich auch im Cyclo­
                                                                                                     3                 cross an den Start geht. Das hilft dem
                                                                                          Jolanda Neff, Mountain­-     Sport natürlich enorm.
                                                                                            bike-Weltmeisterin,             Wird es Cyclocross wieder zur Grösse
                                                                                         fährt neu auch Cyclocross.
                                                                                                                            der 1970er und 1980er Jahre bringen?
                                                                                                                       Ich hoffe es natürlich. Das passiert aber
                                                                                                                       nicht von heute auf morgen. Die Aufwärts­
                                                                         1                                             spirale läuft, und die Fahrer überlegen sich,
                                                                                                                       wieder Cyclocross zu fahren. Wichtig ist,
                            mehr nach. Das hatte auch mit der Kon­            Sie selbst haben zu dieser Zeit auch     dass es eine gewisse Dichte an guten Fah­
                            kurrenz durch das Mountainbike zu tun.            aufs Mountainbike gewechselt.            rern hat, die sich gegenseitig motivieren
                            Vielversprechende Jungtalente setzten           Und das recht erfolgreich. Blieb den       können. Das war für mich immer das
                            nicht mehr auf Radquer, sondern aufs             ­Radquerfahrern zu dieser Zeit gar        Schöne am Quer. Wir waren Kollegen, die
                            trendige Mountainbike. Immer mehr Renn­-          nichts anderes übrig?                    Stimmung war super. Erst beim Rennen
                            veranstalter führten anstelle von Rad-       Ich habe beides gemacht und sah es als        wurde dann so richtig gefightet.
Fotos: Steffen Müssiggang

                            quer- halt Bikerennen durch. Zur gleichen    Chance und Ergänzung. Viele junge Rad­
                            Zeit gab es in Belgien – sowieso schon ein   sportler haben in dieser Zeit voll aufs
                            radsportverrücktes Land – einen richtigen    Mountainbike gesetzt. Ich hatte damals
                            Radquer-Boom. Für die Schweizer war          schon eine gewisse Routine und wusste,
                                                                                                                          Wir verlosen am 6. März zwei Startplätze
                            dann international plötzlich nichts mehr     wie man beides unter einen Hut bringen
                                                                                                                          für das Urban Cyclocross in Zürich
                            zu holen.                                    konnte.                                          > facebook.com/ekzenergie

                                                                                    21    EKZ BLUE 1 2018
R E P O R TA G E

              Regionale Produkte, aus natür­li­
                chen Zutaten ohne künstliche
            ­Zusatzstoffe: Das ist das Konzept
                  der natürli züri­oberland ag.
                                                         DER KÄ
                                                         PHILOSO
            Eine Füh­rung durch das Unterneh-
                 men mit Gründer Fredy Bieri.

                D                 ass hier ein veri­
bles Käseparadies auf den Besucher wartet, würde
man von draussen noch nicht vermuten: Durch eine
                                                   ta­

unscheinbare Tür betritt man die natürli zürioberland
ag in Saland. Und steht vor einer Alphütte, mitten in
                                                         auch noch weiter wachsen. Aber wir müssen mit dem
                                                         Platz haushälterisch umgehen.» Insgesamt rund 100
                                                         Mitarbeitende sind hier tätig. «Wir machen sehr viel
                                                         in Handarbeit, da braucht es viele flinke Hände.»
                                                             Durch diese Welt führt er seine Gäste (mittlerweile
                                                                                                                    TEXT
                                                                                                                    Irene M. Wrabel
                                                                                                                    FOTOS
                                                                                                                    Severin Jakob

einer Lagerhalle. Nun ist klar, hier warten noch mehr    selbstverständlich auch in Schutzkleidung) mit der
Überraschungen auf den Besucher. Ein Mann im             Grandezza des Patrons. Für jeden ein freundliches
weis­sen Schutzkittel mit Haube auf dem Kopf und         Wort, hier etwas zurechtrücken, dort etwas prüfen –
Maske vor dem Gesicht hastet vorbei und ruft uns zu:     Fredy Bieri ist in seinem Element. Es geht durch Hallen
«Chumme grad!» Das muss Fredy Bieri sein.                mit grossen Tanks, chromglänzenden Armaturen und
                                                         diversen Messinstrumenten. Das sei noch wenig span­
 EIGENE REGELN Wenige Minuten später geht die Tür        nend, sagt der 58-Jährige: «Die Milchverarbeitung
wieder auf, und ein drahtiger Mann mit offenem           sieht auf der ganzen Welt mehr oder weniger gleich
­Lächeln begrüsst die Gäste – barfuss, trotz winterli­   aus.» Was auffällt, sind die Sauberkeit und der frische
 chen Temperaturen. Das sei das Geheimnis seiner Ge­     Geruch in den Hallen. «Selbstverständlich wird hier je­
 sundheit, wird er beiläufig verraten und erzählt von    den Tag alles von Grund auf gereinigt. Die Milch muss
 Bergtouren auf blanken Sohlen. In seinem Betrieb           höchsten hygienischen Anforderungen genügen,
jedoch muss er, wenn er in die Produktion                       weil sie mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen ein
 geht, neben der Schutzkleidung auch Schuhe                      optimaler Nährboden für alles Mögliche ist.»
 tragen – Hygienevorschrift. Mit Vorschriften
 scheint Bieri aber ein wenig auf Kriegsfuss zu                   KULINARISCHE KOSTBARKEITEN Da versteht
 stehen. Er beklagt den schwindenden gesun­                     einer sein Handwerk, keine Frage. Doch die
 den Menschenverstand, der immer neue Regeln               wahre Leidenschaft kommt erst ein Stockwerk tiefer
 und Gesetze nötig machen würde. Doch die Freude an      so richtig zum Vorschein. Fredy Bieri geht voran, in die
 seinem Metier, dem Käsen, haben ihm alle Gesetze        Schatzkammer. Hier lagert die Sorte ‹Der Wilde vom
 und Vorschriften bis heute nicht nehmen können.         Walde›, und zwar in verschiedenen Jahrgängen, ge­
«Ich kämpfe sehr für diesen Betrieb, dafür setze ich     staffelt nach Lagerungsdauer. «Ich finde die verschie­
 sehr viel ein. Aber es macht mir Freude, und ich        denen Aromen total spannend und lasse daher ein paar
komme jeden Morgen gern hierher.»                        Laibe auch immer richtig alt werden.» Es ist fast wie in
                                                         einem Weinkeller. 2014, 2013, 2012 – immer weiter zu­
DAS KÄSENETZWERK Seit 2006 ist das Unternehmen in        rück reichen die Zahlen an der Stirnseite der Regale.
einem ehemaligen Armeegebäude in Saland ansässig.        Ein Jahr Reifeprozess bedeutet rund 12 Prozent Ge­
«Wir haben nach und nach ausgebaut und können            wichtsverlust, da die Laibe Feuchtigkeit abgeben. >

                                                         22    EKZ BLUE 1 2018
ÄSE­                                                «Es macht mir
                                                  Freude, ich komme
                                                    jeden Morgen
                                                     gern hierher.»
                                                  Fredy Bieri, Gründer natürli
                                                        zürioberland ag

SOPH

                                                                       Über die natürli
                                                                       zürioberland ag
                                                                       Unter dem Label
                                                                     «natürli» hat Grün-
                                                                     der Fredy Bieri seit
                                                                    1995 die gemeinsame
                                                                      Vermarktung von
                                                                       19 Käsereien im ­
                                                                      Zürcher Oberland
                                                                    übernommen. Natur­
 Bei sachgemässer Lage-                                               nähe, Nachhaltig-
 rung ist Käse praktisch                                            keit und Genuss sind
 unbegrenzt haltbar.                                                   die Grundwerte,
                                                                     nach denen das Un-
                                                                     ternehmen agiert.
                                                                    2012 wurde das Unter-
                                                                      nehmen in die na-
                                                                    türli zürioberland ag
                                                                       mit aktuell rund
                                                                       500 Aktio­nären
                                                                         ­um­firmiert.

                                                                       > naturli-ag.ch

                           23   EKZ BLUE 1 2018
R E P O R TA G E

1

                                                                                                                                           3
                              2

Gleichzeitig konzentriert sich das Aroma. «Der Käse ge­                            von 92 Prozent. So entsteht ein einmaliger Genuss,
winnt mit zunehmendem Alter an Geschmack, irgend­                                  schwärmt Fredy Bieri: «Ein alter Goldinger und ein
wann bleibt er dann aber relativ gleich. Bei sachge­                               Glas saurer Most sind eine hervorragende Kreation!»
mässer Lagerung ist er praktisch unbegrenzt haltbar.»                              Abgepackter Käse, wie er üblicherweise in den Kühl­
    Weiter geht es durch verschiedene Gänge in die Ge­    «Wir machen              regalen der Supermärkte auf seine Käufer wartet, hat
wölbekeller. Im ersten dieser Keller sticht einem ein      sehr viel in            weniger Aroma, denn: «Der Käse will atmen können,
beissender Ammoniakgeruch in die Nase. Ein Abbau­                                  das hat er nicht gern, wenn man ihn einpackt.»
                                                           Handarbeit,
produkt der Reifung aus dem Käse. Die Konzentration                                   Es geht weiter, neuer Keller, neue Spezialitäten.
in der Luft fördere die Reifung. «In einem Naturkeller
                                                           da braucht              Von der Decke hängen die sogenannten Milchzapfen.
reguliert sich das alles selbst. Wir haben natürliche     es viele flinke          «Der braucht keine Pflege, er reift allein.» Je nach Alter
Keller, ohne Klimaanlage oder Kühlung und ohne Lüf­          Hände.»               sind die Zapfen mit einer unterschiedlich dicken
tung. Sie sind ziemlich das Gegenteil der vollklima­             Fredy Bieri,      Schimmelschicht bedeckt. Ist das nicht schädlich?
tisierten Keller, die man heute baut.» Das alles für –         Gründer natürli     «Nein, der pH-Wert im Käse ist viel zu tief, als dass der
richtig – den Genuss. «Die Aromen sind viel intensiver,        zürioberland ag     Schimmel auf dem Käse so viel Toxine bilden könnte,
weil die Luft stillsteht.»                                                         dass sie für den Menschen schädlich wären. Der Schim­
                                                                                   mel ist für die Bildung der Aromen sehr wichtig.»
IM HUMIDOR REIFEN Im nächsten Keller ist der Geruch
wieder anders. Jede Sorte hat eben ihr eigenes Aroma.                              GESCHMACK KENNT KEINE REGELN Die Natur funk­
Hier lagert der Goldinger Bergkäse, ein echter Roh-                                tioniere positiv, erklärt Bieri weiter. Kleine Mengen
milchkäse, der bis zu zwei Jahre lang reift. Je älter                              verschiedenster Bakterien stärken unser Immunsys­
der Käse wird, desto dunkler wird er. «Das sind Spe­                               tem – eine Stärkung, die durch eine immer sterilere
zialitäten, die wir vorwiegend in unserem Humidor                                  Umgebung verloren geht. «Hygiene ist eine riesige
verkaufen», erzählt der Fachmann. Ein Humidor für                                  Errungenschaft, das darf man nicht unterschätzen.
Käse? «Ja, wir haben bereits in einer ganzen Reihe von                             Doch auf der anderen Seite gibt es immer weniger He­
Läden solche Humidore gebaut, um den Kunden                                        rausforderung fürs Immunsystem.» Beim Käse gibt es,
echten Käsegenuss wieder näherzubringen.» Darin
­                                                                                  wie bei allen Nahrungsmitteln, ein Mindesthaltbar­
herrscht – wie in den Gewölbekellern – eine Tempe-                                 keitsdatum, das sich daran orientiert, wie lang es
ratur von 15 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit                                dauern würde, bis sich an der Schnittfläche Schimmel

                                                          24     EKZ BLUE 1 2018
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