Lichtblicke auf der Gasse - DIAKONIE - UND AUSSERDEM: Gott poetisch auf der Spur - Wie gut läuft die Reform? - Wie halten wir es mit Symbolen? ...
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Nr. 1 Februar 2021
Zeitschrift für die Mitarbeitenden der
Zürcher Landeskirche
DIAKONIE
Lichtblicke auf der Gasse
UND AUSSERDEM:
Gott poetisch auf der Spur — Wie gut läuft die Reform? — Wie halten wir es mit Symbolen?2 EDITORIAL
3
AKTUELL
Nachrichten
5
KOMMENTAR
Gottesdienste feiern?
Jetzt?
CHRISTIAN SCHENK
Redaktor «notabene»
6
SCHWERPUNKTE
Liebe Leserin, lieber Leser Gott poetisch auf die
Mit den Worten des «Unservaters» zu spie-
len, hielt ich einst für ein unnötiges und fast
Spur kommen – mit Kurt
schon verbotenes Manöver. Dieses Gebet, Marti
von Jesus überliefert, über Generationen
weitergegeben und von Menschen auf der
ganzen Welt immer wieder gesprochen, hätte 8
ich nicht anzutasten gewagt. Die Worte
wogen schwer, waren ein für alle Mal gesetzt
KirchGemeindePlus: Wie
wie fix aufgereihte Steine auf einem Zählrah- gut läuft die Reform?
men. Da verändert man nichts, auch wenn
man das eine oder andere nicht versteht.
Und dann erfuhr ich von einem, der da 10
weniger Hemmungen kennt. Ein Pfarrer
notabene, der den fest verschraubten Rah-
Was wir uns wünschen?
men öffnet, die Worte in die Hand nimmt, «Ein Daheim» – Repor-
vorsichtig und liebevoll – und sie neu for-
miert und konjugiert. Er sprach damit nicht
tage aus der Sunestube
nur «unseren Vater» neu an, sondern auch
mich als Beter und Leser. Er forderte mich
heraus, nahm mich in die Pflicht. Das war
13
Kurt Marti, der Berner Pfarrer, der mit seinem Themen und Termine
poetischen Zugang zu Gott so vieles und so
viele in Bewegung gebracht hat. Ein Bericht
in diesem Heft (ab Seite 6) würdigt den 15
Dichter-Pfarrer.
«Dein Name werde Bewegung», heisst es
PORTRÄT
bei ihm; «dein Name werde Tätigkeitswort». Jutta Lang – urbanes
Allein dieser Gedanke, dass Gott nicht nur
ein majestätisch thronendes Hauptwort,
Kirchenleben
sondern pure Bewegung sein kann, lässt
Menschen aufbrechen und anpacken, «zet-
telt» Nächstenliebe an. Bis heute. Auch
16
davon ist – mit einer Reportage aus der IMPRESSUM &
Obdachlosenhilfe in Zürich – in diesem Heft
(ab Seite 10) zu lesen.
CARTOON
Eine gute und bewegende Lektüre!AKTUELL 3
PANDEMIE KIRCHENRAT
—Verschärfte Massnahmen —Bruno Kleeb soll Nachfol-
und Homeoffice-Pflicht ger von Daniel Reuter werden
KOM. Seit dem 18. Januar und voraussichtlich bis KOM. Die Evangelisch-Kirchliche Fraktion (EKF)
Ende Februar gelten die vom Bundesrat verschärf- schlägt Bruno Kleeb zur Wahl als Kirchenrat vor.
ten Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie Dies gab die Fraktion am 19. Januar bekannt. Der
Covid-19. Bis anhin war Homeoffice eine Empfeh- Synodale Oliver Madörin, den die Fraktion zuvor
lung. Nun ist es Pflicht. Die Kirchenpflegen sind für den nach dem Rücktritt von Daniel Reuter va-
daher aufgefordert, für ihre Mitarbeitenden Homeof- kanten Sitz in der Exekutive der Landeskirche por-
fice anzuordnen, sofern Aufgaben und Tätigkeiten tiert hatte, hat seine Kandidatur aus persönlichen
dies zulassen. «Wo Home-Office nicht oder nur zum Gründen zurückgezogen. Wahltermin in der Kir-
Teil möglich ist, sind weitere Massnahmen am Ar- chensynode ist der 23. März.
beitsplatz nötig. Neu soll zum Schutz von Arbeit- Bruno Kleeb wird dieses Jahr 50-jährig, ist ver-
nehmenden in Innenräumen überall dort eine Mas- heiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.
kenpflicht gelten, wo sich mehr als eine Person in Er wuchs im Zürcher Oberland auf. Nach der Schul-
einem Raum aufhält.» zeit absolvierte er eine Lehre als Schreiner für Mö-
Der Artikel der bundesrätlichen Verordnung, bel und Innenausbau. In den 90er-Jahren besuchte
der «religiöse Veranstaltungen mit bis zu 50 Perso- er die Fachhochschule Aarau und schloss als Sozi-
nen» zulässt, wurde nicht gestrichen. Somit sind alpädagoge FH ab. Er arbeitete als Arbeitstherapeut
Gottesdienste unter Einhaltung der Schutzmassnah- in einer Wiedereingliederungsstätte, als Personalbe-
men möglich. Das Ziel der Homeoffice-Massnah- rater beim RAV und als Amtsvormund bei der Stadt
me, die Zahl der Kontakte zu reduzieren, gilt aber Wetzikon. Seit mehr als 12 Jahren ist er Heimleiter
auch hier, nicht nur im Gottesdienst selber, sondern des Alters- und Pflegeheims Böndler in seiner
auch davor und danach bzw. auf dem Hin- und dem Wohngemeinde Bauma.
Rückweg. Die Kirchgemeinden sind deshalb aufge- Bruno Kleeb ist Präsident der Geschäftsprü-
fordert, sorgfältig zu prüfen, ob und wie die Durch- fungskommission der Kirchensynode. Dem kanto-
führung eines Gottesdienstes aufgrund der lokalen nalen Kirchenparlament gehört er seit 2006 an.
Umsetzungsmöglichkeiten der Schutzmassnahmen Während drei Amtsdauern war Bruno Kleeb Mit-
zu verantworten ist – gerade in Anbetracht der ge- glied der Kirchenpflege an seinem Wohnort, acht
nerell verschärften Massnahmen. In Erwägung zu Jahre davon als Präsident. Seine Fraktion beschreibt
ziehen ist auch, Gottesdienste nur noch einmal und ihn als Kandidaten, der sich mit seiner grossen be-
nicht wie in der Weihnachtszeit mehrfach durchzu- ruflichen und kirchlichen Erfahrung kompetent und
führen und auf Online-Angebote auszuweichen sachbezogen im Kirchenrat einbringen werde.
(siehe dazu auch den Kommentar auf Seite 5).
Die Bestimmung, wonach sich Exekutiven und
Legislativen ohne Zahlenbegrenzung treffen dürfen,
gilt weiterhin. Zu beachten ist aber, dass unabhän- KOLLEKTE
gig vom Einhalten der Abstände in jedem Fall Mas-
ken getragen werden müssen. —Spenden mit Bezahl-App
Der Kirchenrat bedauert in seinem Schreiben KOM. Die Beschränkung der Teilnehmenden-Zahl
vom 13. Januar, dass die schwierige Situation auch bei Gottesdiensten bzw. die Durchführung elektro-
im neuen Jahr anhält. Er zeigte sich aber beein- nischer Formate führen zu Einnahme-Rückgängen
druckt «von der Motivation, Ausdauer und Kreati- bei den Kollekten. In dieser Situation hilft es, wenn
vität, mit der die Kirchgemeinden die Advents- und Kirchgemeinden die Bezahlung der Kollekte auf
Weihnachtszeit gestaltet haben und auf diesem Weg elektronischem Weg ermöglichen – beispielsweise
vielen Menschen einen Lichtblick in schwieriger mit der Bezahl-App Twint.
Zeit vermitteln konnten». Dazu muss die Kirchgemeinde in der App einen
Store erfassen. Der entsprechende QR-Code kann
online publiziert und am Kollektentopf befestigt
werden. Wichtig ist bei der Verbuchung der Zah-
lungseingänge, dass die Spenderinnen und Spender
anonym bleiben. Die Streetchurch, die Kirchge-
meinde Zürich Hirzenbach und weitere Gemeinden
nutzen Twint bereits. Gute Erfahrungen hat auch die
Kirchgemeinde Bergdietikon gesammelt. Bei einem
Konfirmationsgottesdienst in diesem Sommer sind
dort rund die Hälfte der Kollekten via Twint einge-
gangen, wie die Zeitschrift «a+o» der Aargauer
Landeskirche berichtet.4 AKTUELL
NACH KOVI
NACHGEFRAGT
—Die Symbole —Druck auf NGO՚s steigt
ROD/REF.CH. Der politische Druck auf Nichtre-
der anderen gierungsorganisationen (NGO) wird in der
SCH. Kruzifix, Kopftuch und Co. Schweiz grösser. Dies monieren Dieter Wüth
– Wie gehen wir um mit religiösen Sym- rich, Leiter Medien beim Heks, und Bernard
bolen? Fragen an Marc Bundi, Beauftrag- DuPasquier von Bfa in einem Artikel auf ref.
ter der Zürcher Landeskirche für den ch. Seit dem Abstimmungskampf um die
Interreligiösen Dialog, im Vorfeld der Konzernverantwortungsinitiative (KOVI)
Abstimmung über das Verhüllungsverbot. gebe es verstärkt Bestrebungen, die NGO’s
enger an die Leine zu nehmen.
Im Umgang mit religiösen Symbolen sind Ende des letzten Jahres hat die Direktion
wir Reformierten so sparsam wie kaum für Entwicklung und Zusammenarbeit ange-
jemand. Warum messen andere Religi- kündigt, dass NGO’s Gelder vom Bund nicht
onsgemeinschaften ihnen mehr Wert bei? mehr in die Informations- und Bildungsarbeit
Im Zuge der gesellschaftlichen Säkulari- in der Schweiz investieren dürften. Zwar sind
sierung wird die traditionelle christliche Heks und Bfa von dieser Einschränkung
Symbolik im öffentlichen Raum zuneh- nicht betroffen, trotzdem sehen sie die neue
mend in Frage gestellt. Gleichzeitig Regelung kritisch. Die Bevölkerung müsse
rücken mit der religiösen Pluralisierung über die Ursachen des Geschehens im globa-
Symbole der als fremd empfundenen len Süden informiert werden, wird DuPas-
Religionen ins Blickfeld. Mit dem Tragen quier von Bfa zitiert.
solcher Symbole wird selbstbewusst Auch die Kirchen sehen sich mit Kritik
Zugehörigkeit zu einer bestimmten für ihr Engagement im Abstimmungskampf
religiösen Gemeinschaft signalisiert, was der Konzernverantwortungsinitiative kon-
wiederum den multireligiösen Charakter frontiert. Nachdem eine Beschwerde der
unserer Gesellschaft sichtbar macht. Jungfreisinnigen ans Bundesgericht gelangt
ist, bezog Mitte Januar auch die Bundeskanz-
Man kann religiöse Symbole und Kleider lei Position und bezeichnete das Verhalten
der anderen auch als Abgrenzungsmerk- der Kirchen als «zumindest grenzwertig»,
male wahrnehmen ... wie ref.ch berichtete. Die Bundeskanzlei
Ich sehe sie grundsätzlich nicht als spreche sich für eine Klärung aus, ob das
Zeichen der Abgrenzung, sondern als kirchliche Engagement zulässig gewesen sei.
Ausdruck einer religiösen und kulturellen
Vielfalt, die unsere Gesellschaft berei
chert. Mit einer solchen Haltung begegne
ich Menschen unvoreingenommen und
reduziere sie nicht auf das, was ich glaube 75 JAHRE HEKS
den Symbolen entnehmen zu können. Ich
lasse lieber die Menschen über sich und —So feiert das Hilfswerk
ihre Religion sprechen, als die Symbole, KOM. Das Heks feiert 2021 sein 75-jähriges
die sie zur Schau stellen. Bestehen und will das Jubiläumsjahr nach ei-
genen Angaben nutzen, um zurückzuschauen
Wie diskutieren Vertreter der Religionsge- auf die bewegte Geschichte des Hilfswerkes.
meinschaften in Zürich das Thema, wenn Gleichzeitig will es einen Blick in die Zu-
gewisse Symbole wie Burka oder Niqab kunft werfen, die es gemeinsam mit «Brot für
mittels Initiative verboten werden sollen? alle» begehen wird. Das Heks wurde nach
Viele Stimmen aus den Religionsgemein- dem Zweiten Weltkrieg vom Evangelischen
schaften stehen der Burka und dem Niqab Kirchenbund gegründet, um die europäische
kritisch gegenüber, lehnen ein Verbot aber Bevölkerung zu unterstützen. Aus der Wie-
dennoch ab. Einerseits finden sie, dass mit deraufbauhilfe im kriegsversehrten Europa
der Burka-Frage Symbolpolitik betrieben entwickelte sich ein weltweites Engagement
wird, die ein Scheinproblem bewirtschaf- für eine gerechtere Welt.
tet. Andrerseits äussern Stimmen aus den Um Stationen des Wirkens zu reflektie-
Religionsgemeinschaften die Befürchtung, ren, plant das Heks im Lauf des Jahres diver-
dass ein Verschleierungsverbot weitere se Aktivitäten. Bereits verfügbar ist eine Fo-
Verbote religiöser Symbole oder religiös toausstellung, die Einblick in das reichhaltige
bedingter Bekleidung nach sich ziehen Bildarchiv eröffnet. Die Wanderausstellung
und die Religionsfreiheit im Grundsatz in 12 Stellrahmen wird nach Wunsch vom
gefährden könnte. Heks geliefert und auf- wie abgebaut.
An der Wanderausstellung Interessierte melden sich
bei projektdienst@heks.ch. Weitere Infos: heks.chAKTUELL 5
ELTERNBRIEFE
—Aus «Wegzeichen» wird
Kommentar
«farbenspiel.family»
KOM. Aus den nüchternen Elternbriefen wird die
kunterbunte Webseite «farbenspiel.family» – das
ökumenische Gemeinschaftsprojekt macht es mög-
lich. Seit über 25 Jahren hatten die Elternbriefe
«Wegzeichen» Eltern inspiriert, mit ihren Kindern
spirituelle Themen zu entdecken und zu leben. In
dieser Zeit habe sich das Informations- und Lese- MICHEL MÜLLER
verhalten junger Eltern drastisch verändert, schreibt Kirchenratspräsident
Oliver Wupper-Schweers, zuständig für Familienar-
beit in der Zürcher Landeskirche, in einer Medien- Gottesdienst feiern?
mitteilung. «Moderne Mütter und Väter warten Während der Kirchenratssitzung kündigte
nicht mehr auf Informationen. Sie holen sie sich.» der Bundesrat den zweiten Lockdown an.
Daher verwandeln sich die Elternbriefe von einst in Zuerst herrschte Aufregung, bis sich her-
eine farbenfröhliche und informative Website, auf ausstellte: Religiöse Feiern mit bis 50
der Eltern eine Menge Informationen und Inspirati- Personen bleiben erlaubt. Sollten wir uns
onen finden. freuen? Sind die Kirchen doch «systemrele-
Sie haben dort Zugriff auf zahlreiche Beiträge vant»?
kompetenter Autorinnen und Autoren zu unter- Es stimmt wohl: Es gibt wenigstens noch
schiedlichsten Themen. So findet etwa eine Mutter einen Ort, an dem Menschen Gemeinschaft
unter dem Stichwort «Tischgebete» auf farbenspiel. finden. Und doch beschlich mich auch ein
family eine Auswahl an ansprechenden Gebeten. mulmiges Gefühl: Sind das nicht egoisti-
Farbenspiel.family ist ein ökumenisches Ge- sche Privilegien der Kirchen? Braucht es
meinschaftsprojekt der reformierten und der katho- wirklich Gottesdienste? Der soziale Aspekt
lischen Kirche des Kantons Zürich, der reformierten kann nicht allein als Begründung dienen in
Kirchen Bern-Jura-Solothurn und der römisch-ka- einer säkularen Gesellschaft, die Sport-,
tholischen Landeskirche des Kantons Bern. Als Er- Kultureinrichtungen und Gaststätten
gänzung zur Webseite gibt es Broschüren, etwa zum schliesst, wo mindestens so viele Men-
Thema «Abschied, Tod und Trauer gestalten». At- schen Gemeinschaft finden wollen. Müss-
traktives Werbematerial wie etwa eine hübsche Ge- ten nicht die Kirchen aus Solidarität
schenkbox ist erhältlich im Webshop des Verbandes schliessen und ihren Beitrag zur Eindäm-
«Kind und Kirche». mung der Pandemie leisten?
Weitere Informationen bei Oliver Wupper-Schweers, Als der Kirchenrat dies ein erstes Mal zur
oliver.wupper-schweers@zhref.ch Prüfung empfahl, bekam er Zustimmung,
aber auch Kritik: Gibt sich so die Kirche
nicht selbst auf, ist doch der Gottesdienst
der «Quellort» der Gemeinde? Ein Gottes-
dienst darf nicht einem persönlichen oder
kirchlichen Selbstzweck dienen. Vielmehr
glaube ich, dass die Gesellschaft spürt,
dass sie Orte und Gemeinschaften braucht,
wo Gefühle der Verunsicherung, Angst und
Trauer, aber auch Hoffnung und Liebe
ausgedrückt werden. Ich persönlich tue das
stellvertretend für meine Nächsten und
Fernen, die nicht zusammenkommen
können oder wollen. Die Gottesdienstge-
meinde lobt, dankt und bittet zu Gott:
Jeden Sonntag findet ein «Bettag» statt,
«Elternbriefe» kommen künftig auf digitalem Weg. auch für Gebetsanliegen, die in ein Buch
Anklicken auf: farbenspiel.family
Foto: zVg eingetragen oder zugesandt werden und
am Sonntag vor Gott gebracht werden.
Nicht nur zur persönlichen Erbauung,
sondern als Licht, das allen leuchten soll.
Diese Feier darf auch via Streaming in die
Welt hinaus «strahlen». Eine solche Aufgabe
ist für die Kirche kein Privileg, sondern
Dienst an der ganzen Gesellschaft!6 SCHWERPUNKT
100 JAHRE KURT MARTI
Gott poetisch
auf die Spur
kommen
Am 31. Januar wäre Kurt Marti 100 Jahre alt geworden.
Der Pfarrer und Sprachkünstler kam Gott mit Poesie auf
die Spur und hielt die Kirche politisch auf Trab.
Von Christian Schenk
«Jetzt, da alles ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt bräuchliche Beerdigungsformeln, wonach es Gott
wird, erquickt mich Gottes Verborgenheit», schreibt gefallen haben soll, dass ein Familienvater gestor-
Kurt Marti 2010. Er ist damals 89, lebt im Alters- ben ist, protestiert Kurt Marti beispielsweise in sei-
heim und gesteht gegenüber einem Journalisten der nen berühmt gewordenen Leichenreden:
«Wochenzeitung», der ihn dort besucht: «Ich gehö- dem herrn unserem gott / hat es ganz und gar
re zum 20. Jahrhundert, das jetzige wird mir fortzu nicht gefallen / dass gustav e. lips / durch einen ver-
fremder.» Es sind dies bald die letzten Zeilen von kehrsunfall starb
Kurt Marti, die veröffentlicht werden. Er fühlt sich und weiter: dem herrn unserem gott / hat es
manchmal «überzählig». Bitter wird Marti aber ganz und gar nicht gefallen / dass einige von euch
auch im hohen Altern nicht: «Ich wurde geliebt, also dachten / es habe ihm solches gefallen
war ich.» Sieben Jahre nach diesen «Spätsätzen»
stirbt Kurt Marti im Alter von 96 Jahren. Auch das Unservater schreibt Marti dichterisch
neu. Er will Gott nicht mehr einen alten Mann sein
Politisch engagiert lassen und fordert die Kirche mit den damals hoch
In den 1950er Jahren hatte der Berner Pfarrer provokanten Zeilen heraus:
mit Schreiben begonnen und erste Poesie- und Pro- unser vater / der du bist die mutter / die du bist
sastücke veröffentlicht. Die schriftstellerische Tä- der sohn / der kommt / um anzuzetteln / den himmel
tigkeit «erweitert und beschleunigt sich» und er- auf erden …
weist sich als gute Alternative zu einer Der bis heute viel beachtete und oft zitierte Pfar-
«Midlife-Crisis», wie Marti in seinen autobiografi- rer will eine Kirche, die sich einmischt. Sein Gott ist
schen Notizen schreibt. kein statisches Hauptwort, er erkennt ihn als in allen
Marti nimmt in jener Zeit vermehrt politisch Zeiten konjugierbares Verb. Damit hebt er auch den
Stellung, engagiert sich gegen Atomwaffen und Stellenwert der Diakonie in der Kirche. «Dass Gott
-werke und setzt sich als Mitbegründer der «Erklä- ein Tätigkeitswort werde», darauf berufen sich bis
rung von Bern» für Menschenrechte in der Dritten heute unzählige Engagierte in den Kirchgemeinden.
Welt ein. Auch innenpolitisch mischt er sich ein, Auch in der Zürcher Landeskirche findet sich dieses
eckt damit an, verärgert beispielsweise die damalige Zitat in der Einleitung ihres Diakoniekonzepts.
Berner Kantonsregierung, die ihn als zu linken Auch der Auferstehung spürt Kurt Marti poe-
Theologen erachtet und ihm einen Lehrauftrag an tisch mit einem Frage-Antwort-Spiel nach:
der Universität verweigert. ihr fragt / was ist die auferstehung der toten? / ich
weiss es nicht
Neue Sprache für den Glauben ihr fragt / wann ist die auferstehung der toten? / ich
Neben politisch engagierter Lyrik sucht Marti weiss es nicht (...)
als Pfarrer an der Berner Nydegg Kirche auch für ich weiss / nur / wonach ihr nicht fragt: / die aufer-
Glaubensfragen eine neue Sprache. Für damals ge- stehung derer die leben7
Künstler, Pfarrer, Freund
Die Essaysammlung von Freun-
den und Weggefährtinnen Martis
eröffnet neue und persönliche
Perspektiven auf das Leben und
Schaffen des Dichterpfarrers.
Franz Hohler, Joy Matter, Fredi
Foto: Hektor Leibundgut, Bern. kurtmarti.ch
Lerch, Klaus Bäumlin und weitere
Autorinnen und Autoren beschrei-
ben aus ihrer Warte, wie sie mit
Kurt Marti unterwegs waren, was
sie mit ihm verband und wie er
sie geprägt hat. Immer wieder
kommt auch Kurt Marti selbst zu
Wort. Eine faszinierende und
bewegende Lektüre.
Klaus Bäumlin (Hg.): Kurt Marti,
Sprachkünstler, Pfarrer, Freund. TVZ
2020. 174 Seiten, Fr. 16.20
Läuten und eintreten
«Kurt Marti hat keine dicken
Bücher geschrieben», halten die
Er holt die Auferstehung ins Hier und Jetzt. Ihr Herausgeber fest und fassen
Geheimnis plump aufschlüsseln zu wollen, lässt er Martis Kurzprosa und Lyrik in ein
bleiben. Stattdessen mündet sein lyrischer Erklä- ziemlich dickes Buch. Das Lese-
rungsversuch in einem Aufruf an uns alle: buch führt durch das Kirchenjahr.
Marti sinniert theologisch,
ich weiss schreibt akrobatisch und argu-
mentiert politisch, er setzt Hoff-
nur nungszeichen und platziert
wozu Er uns ruft: Pamphlete. In aller Auflehnung
bleibt eine bejahende Haltung
zur auferstehung heute und zum Auferstandenen: «Soll man
jetzt
mit ihm, mit Jesus noch rechnen?
Nichts spricht dafür, dass man es
tun soll. Nichts ausser: Ostern.
Nichts ausser dem Ja Gottes zum
Gekreuzigten.»
Kurt Marti: Läuten und eintreten
bitte. Ein Lesebuch im Jahreslauf, hg
Studientag online von Ralph Kunz und Andreas Mauz.
TVZ 2020, 254 Seiten, Fr. 28.–
«Die gesellige Gottheit am Werk». Weitere Werke und Bild- und
Kurt Marti, Theologe und Dich- Tonaufnahmen unter: www.tvz.ch
ter-Pfarrer. Zu seinem 100. Ge-
burtstag würdigen ihn Universität
und Kirche als Theologen: mit Gemeinsam Texte lesen
Vorträgen und Workshops, Erin- Mehr erfahren über Martis Leben
nerungen und einer Lesung. und seine radikale und zugleich
1. März, 9.15 bis 17 Uhr. Kontakt: verletzliche theologische Exis-
barbara.bays@refbejuso.ch tenz. Kontakt: Pfr. Matthias
Infos: bildungkirche.ch/weiterbil- Rüsch. www.refuster.ch
dung/weiterbildungskurse/ 19. Februar, 18 bis 21 Uhr Kirch-
gesamtubersicht gemeindehaus Kreuz, Uster8 BEGLEITFORSCHUNG
KIRCHGEMEINDEPLUS
Wie gut läuft die
Reform?
Eine externe Begleitforschung beobachtet den Reform
prozess «KirchGemeindePlus». Jetzt liegen ein Zwischen
bericht und Empfehlungen für Nachbesserungen vor.
Von Christian Schenk
Seit 2012 ist die Landeskirche auf dem Weg, sich 4. Auf die Arbeitsbelastung sowie Veränderungen
zukunftsfähig auszurichten: Zusammenschlüsse von in den Rollen und Aufgaben von Pfarrpersonen und
Kirchgemeinden sollen Kräfte bündeln und neue Angestellten solle von Seiten der Landeskirche ein
Räume schaffen, damit die Kirche das Gemeindele- grösseres Augenmerk gelegt werden.
ben vielfältig und nahe bei den Menschen gestalten 5. Die Wirkung der sich ändernden Rahmenbedin-
kann. Das ist die Vision des von Kirchensynode und gungen, beispielsweise die Bemessung der Pfarr-
Kirchenrat angestossenen und mit dem Titel «Kirch- stellen, müsse stärker beachtet werden. Dazu zählen
GemeindePlus» versehenen Prozesses. Ein Grossteil auch der voraussichtliche Rückgang von Kirchen-
der Kirchgemeinden hat sich ihm angeschlossen und steuern und der Mitgliederrückgang.
treibt ihn in eigener Verantwortung voran.
Wie gut ist der Reformprozess bisher gelungen? So reagiert der Kirchenrat
Und wie kann er gefördert und gesteuert werden? Der Kirchenrat bewertet Bericht und Empfeh-
Um diese Fragen nicht nur aus der Binnenperspek- lungen in seiner Stellungnahme positiv. Er hält fest,
tive zu beantworten, untersucht das unabhängige dass einige der Empfehlungen bereits in Umsetzung
Forschungsinstitut Interface (Luzern) im Auftrag oder in die Legislaturziele eingeflossen sind: Die
von Kirchensynode und Kirchenrat den Prozess im Empfehlung zur vermehrten Partizipation von Mit-
Zeitraum von 2018 bis 2023. Jetzt liegt ein Zwi- arbeitenden und Behörden zur inhaltlichen Entwick-
schenbericht vor, der den Prozess der letzten zwei lung des Prozesses begrüsst er und weitet sie aus:
Jahre analysiert und in fünf Bereichen Empfehlun- «Nicht nur Profis, alle gestalten Kirche und haben
gen für die zukünftige Gestaltung formuliert: das Potenzial, mit ihrem Engagement die inhaltliche
1. Für die inhaltlich-theologische Weiterentwick- Entwicklung ihrer Kirchgemeinde voranzutreiben.»
lung von «KirchGemeindePlus» und der Entwick- Bei der zweiten Empfehlung weist der Kirchen-
lung von innovativen Kirchenformen bedarf es ge- rat unter anderem auf die seit 2016 ausgerichteten
mäss der externen Expertise weiterer Unterstützung Integrationsbeiträge und auf die Unterstützung der
durch die Landeskirche sowie partizipativer Prozes- Kirchgemeinden durch Fachleute der Abteilung
se mit Einbezug von Kapiteln, Kirchen- und Kirchentwicklung hin. Zurückhaltender ist der Kir-
Bezirkskirchenpflegen. Nach wie vor bestehe im chenrat bei der dritten Empfehlung, namentlich bei
Reformprozess das Bedürfnis nach einer Auseinan- der Einschätzung von Zusammenarbeitsverträgen
dersetzung mit den Inhalten. als Vorstufe von Zusammenschlüssen. Der Kirchen-
2. Kirchgemeinden, die den Zusammenschluss rat beobachtet, dass ein solches Zusammenarbeiten
vollzogen haben, brauchen bei der inhaltlichen Ge- zu einem hohen Koordinationsaufwand führt und
meindeentwicklung und der Weiterentwicklung ih- für Behörden und Mitarbeitende zur zusätzlichen
rer Organisationsstruktur weitere Unterstützung Belastung wird. Unbestritten ist für ihn hingegen,
und Begleitung. dass eine übergemeindliche Zusammenarbeit in ein-
3. Die Zusammenarbeit von Kirchgemeinden sol- zelnen Feldern fruchtbar ist und den Boden für ei-
le der Kirchenrat als Vorstufe zu Zusammenschlüs- nen Zusammenschluss bereiten kann.
sen honorieren. Dies kann in den Kirchgemeinden Bezüglich Rollenklärung für Mitarbeitende und
Hürden abbauen und die Bereitschaft für strukturel- bei der Beachtung der Rahmenbedingungen teilt der
le Veränderungen unterstützen. Kirchenrat die Einschätzungen des Forschungsbe-9
richts. Für Letzteres stellt er Vorschläge zu Handen
der Kirchensynode in Aussicht, um Fehlanreize zu
korrigieren. Noch 126 Gemeinden
Stand heute zählt die Zürcher
Landeskirche 126 Kirchgemein-
Begleitforschung geht weiter den – 50 weniger als Ende 2012.
Die Begleitforschung beobachtet den Prozess
Ende 2020 sagten die Stimmbe-
bis ins Jahr 2023. Wie gut die inhaltlichen Ziele von
rechtigten ausserdem Ja zu
«KirchGemeindePlus» erreicht werden, wird erst
Zusammenschlussprojekten der
dann sinnvoll zu beantworten sein. Insbesondere
Kirchgemeinde Weinland Mitte,
Wirkungen auf Mitglieder und Öffentlichkeit zeigen
der Kirchgemeinde im Knonauer
sich erst dann, wenn nach einem Zusammenschluss
Amt und der Kirchgemeinde
die neue Organisation konsolidiert ist und Schwer-
Breite. Werden diese Vorhaben
punkte und Profilierungen im erweiterten Sozial-
realisiert, zählt man nach dem
raum entwickelt wurden.●
nächsten Jahreswechsel noch
• Der Bericht der Begleitforschung und die Stellungnahme 111 Kirchgemeinden. Weitere
des Kirchenrates sind zugänglich auf:
kirchgemeindeplus.ch acht Kirchgemeinden haben ihre
• Auch die Kirchgemeinde Zürich hat ein Forschungs-
Kirchenpflegen mandatiert, über
projekt zur Analyse ihrer neuen Kirchenformen lanciert. einen Zusammenschluss nachzu-
Der Bericht «Vitale ekklesiale Vielfalt», erstellt vom denken.
Zentrum für Kirchenentwicklung der Theologi schen
Fakultät, untersucht die kirchlichen Projekte Coffee & Alle Infos und eine aktualisierte Landkarte
Deeds, Green City Spirit, Hoch3, Ladenkirche, Sonnegg, finden Sie auf: kirchgemeindeplus.ch/
Stadtkloster, Streetchurch und Zytlos. gemeindepraxis/zusammenschluesse10 REPORTAGE
SUNESTUBE, SOZIALWERK PFARRER SIEBER
Was wir uns
wünschen?
«Ein Daheim»
Eine warme Mahlzeit und Gemeinschaft – das Team der
Sunestube unterstützt bedürftige Menschen Tag und Nacht.
Von Madeleine Stäubli-Roduner
Ein eiskalter Januartag, kurz vor 6 Uhr morgens. An le, soziale oder therapeutische Beratung verweist
der Ecke Militärstrasse/Langstrasse harrt eine Schar sie auf entsprechende Anlaufstellen; bei Themen
fröstelnder Menschen auf Einlass. Um Punkt 6 öff- wie Beziehungsknatsch, Verlusten oder Ängsten
net sich die Tür der Sunestube, um ihre Gäste zu hingegen ist ihr Team zur Stelle. Dabei hält es keine
bewirten. Die Gastgeber, ein Team von Festange- raschen Lösungen bereit, sondern unterstützt und
stellten, Zivis und Freiwilligen, haben sich bereits ermutigt zur Selbständigkeit, etwa bei der Suche
eine halbe Stunde zuvor eingefunden, um Kaffee zu nach Arbeit oder einer Wohnung. Neben Mahlzei-
kochen und Brot aufzubacken. «Was wünscht Ihr ten, Gesprächsangeboten und niederschwelliger ad-
Euch für 2021?», heisst es auf einer Schiefertafel an ministrativer Unterstützung bietet das Team zudem
einer Tür. «Ein Daheim», hat jemand notiert. Und Schlafsäcke, Aussenhüllen, Mätteli und Zelte an.
das finden die Eintretenden in der warmen Stube, «Wir vermitteln ihnen: Du bist ein vollwertiger Teil
wo ihnen an zugewiesenen Plätzen ein feines Früh- dieser Gesellschaft, an deren Rand Du Dich be-
stück serviert wird. «Aufgrund der coronabedingten wegst!», sagt die Leiterin.
Massnahmen hat sich bei uns einiges beruhigt», be- Wer sind die Gäste, die das Gassencafé aufsu-
richtet Christine Diethelm, Leiterin Sunestube und chen? Es sind zu 70 Prozent Männer, mehrheitlich
Gassenarbeit beim Sozialwerk Pfarrer Sieber zwischen 35 und 55 Jahre alt, häufig ohne geregel-
(SWS). Statt 20 Personen in einem Raum unterbrin- ten Aufenthaltsstatus, viele aus lateinamerikani-
gen zu müssen, werden heute in zwei Räumen an schen oder osteuropäischen Staaten oder aus
vier Tischen je vier Personen platziert. Das entspan- Deutschland. Die Arbeitsmigranten auf schwieriger
ne vieles, sagt die Leiterin. Jobsuche werden an die Sozialarbeitenden des
Brot-Egge in Seebach weitergewiesen. «Unser spe-
Die Gäste zifisches Zielpublikum sind Menschen mit Sucht-
Sie und ihr Team sehen alle Besuchenden in ers- hintergrund wie Alkohol oder Drogen oder mit psy-
ter Linie als Gäste auf Augenhöhe. Ein Kaffee und chischen Problemen und Obdachlose», sagt
ein Stück Brot decken Grundbedürfnisse ab und bil- Christine Diethelm. Sie alle suchen die wärmende
den gleichzeitig einen «hervorragenden Rahmen», Gemeinschaft und fühlen sich wohl in den Räum-
um unkompliziert miteinander ins Gespräch zu lichkeiten der familiären Anlaufstelle.
kommen. Warum ein Gast hier ist, im Gassencafé?
Welcher Rucksack sie oder ihn drückt? Dies erfah- Das Essen
ren die interessiert, aber stets behutsam kommuni- Diese schliesst um 11 Uhr ihre Türen, damit das
zierenden Gastgeber manchmal beim ersten Ge- Team aufräumen, putzen und das Mittagessen vor-
spräch, oft jedoch gar nie. Was einzig zählt: «Die bereiten kann. Das Essen kommt direkt aus der
Menschen kommen in Gemeinschaft und wir neh- Grossküche des von Pfarrer Sieber gegründeten
men sie auf.» Christuszentrums, das seine Lebensmittel aus über-
Denn die Sunestube «ist ein Café, keine Bera- schüssigen Beständen von Grossverteilern bezieht.
tungsstelle», sagt Christine Diethelm. Für finanziel- Verwertung statt Verschwendung, lautet die DeviseFür Menschen in Not
Das Sozialwerk Pfarrer Sieber,
1988 gegründet, unterstützt mit
Zusammensein in der Sunestube an der Militärstrasse 118 in Zürich. Foto: zVg rund 180 Mitarbeitenden unbüro-
kratisch und vielfältig Menschen
in Not. Zum Bereich «auffangen»
gehören die aufsuchende Gas-
der Lebensmittelabgabestelle Reschteglück. «An senarbeit, die beiden Notschlaf-
Essen gibt es in Zürich keinen Mangel», sagt Chris- stellen Pfuusbus und Iglu für
tine Diethelm. Zwar bilden sich seit Beginn der Co- Obdachlose und Arbeitsmigran-
ronazeit auch über Mittag kleinere Warteschlangen, ten, die Sunestube und der
aber stets erhalten alle 50 bis 60 Interessierten ein Brot-Egge (mit Sozialberatung)
vollwertiges Menu. Um 14.30 Uhr ist die Mittags- als Anlaufstellen für Notleidende,
zeit zu Ende, das Lokal schliesst. Obdachlose und Suchtkranke.
Das neue Projekt «Essen für Alle»
Die Gemeinschaft bietet samstags von 11 bis 17
Ein gefüllter Magen erhöht die Bereitschaft zu Uhr an der Hohlstrasse 420
gemeinsamen Aktivitäten. Das Gassencafé bietet in Lebensmittel. Infos: swsieber.ch
normalen Zeiten an einzelnen Nachmittagen zwi-
schen 15 und 18 Uhr soziale Teilhabe, indem die
Gäste etwa Dekorationen und Geschenke basteln,
gemeinsam singen oder miteinander sogar Ausflüge
in den Zoo oder zum Minigolf unternehmen. Das
Fehlen dieser Gemeinschaftserlebnisse schmerze,
noch schwerer wäre jedoch ein Schliessen der Lo-
kale wie im Frühling zu verkraften, bemerkt die
Leiterin.
Damals legten Pfuusbus, Sunestube und
Brot-Egge ihre Kräfte zusammen und eröffneten be-
reits eine Woche nach dem Shutdown den «Pfuus-
bus 24/7» mit riesigem Zelt und Gastronomiebe-
trieb in drei Schichten. Das Projekt konnte sogar bis
Mitte Mai verlängert werden, danach durften alle
Anlaufstellen wieder öffnen. Weitere grössere Ver-
änderungen hat die Sunestube coronabedingt nicht
zu verzeichnen: «Wir sind für Menschen da, die
schon vor Corona im Sozialsystem waren oder ei-
nen ungeregelten Aufenthaltsstatus haben», sagt
Christine Diethelm.
Die Gassenarbeit
Sie sucht mit ihrem Team diese Menschen auch
aktiv auf der Strasse auf, spricht sie an und ermutigt Etwas Warmes für Bauch und Seele. Foto: sch12 REPORTAGE
sie zum Besuch im Café, wo es gegen Abend noch
Suppe und Snacks von der Essbar gibt. Einige re-
agieren etwas betupft, andere sind froh, angespro-
chen zu werden. «Wir halten die Augen offen und
respektieren alle», sagt die Leiterin. Die Gassenar-
beit, einst beim Pfuusbus angesiedelt, ist heute ein
wichtiger Tätigkeitsbereich der Sunestube.
Von den neun Festangestellten sind vier aufsu-
chend tätig, die immer auch im Café mitwirken. Die
Mitarbeitenden haben diakonische Ausbildungen
oder sind gelernte Sozialbegleiter, eine Pflegefach-
frau ergänzt die berufliche Vielfalt. Die unterschied-
lichen Herangehensweisen innerhalb des Teams
seien ein grosser Gewinn, sagt die Leiterin, die ih-
rerseits eine Coaching-Ausbildung absolviert hat
und jahrelange Erfahrung in der Entwicklungszu-
sammenarbeit mitbringt. Da sie Teil «von etwas
Grösserem» sein wollte, stieg sie vor sechs Jahren
beim Sozialwerk Pfarrer Sieber ein.
Die Beziehungsarbeit drinnen und draussen er-
freut sie. «Im Gespräch den Herzschlag des Gegen-
übers zu spüren, das beglückt mich», sagt sie. Es sei
mit besonderer Verantwortung verbunden, im Ver- Das Team der Sunestube ist stets für Obdachlose da:
trauen an Lebensgeschichten teilzuhaben und mit Christine Diethelm mit einem vor Ort arbeitenden Zivildienst-
Hilfestellungen Leid zu lindern. Sie führt Gesprä- leistenden. Foto: sch
che mit Menschen, die nicht lesen können, ebenso
aber mit Hochschulabsolventen in Nöten. Meist er-
lebt sie ihre Gäste dankbar und konstruktiv, aber es
kann vorkommen, dass Betrunkene aggressiv wer-
den. In sehr seltenen Fällen muss die Polizei geru-
fen oder ein Hausverbot ausgesprochen werden. Für Menschen am Rand
Die Kältepatrouille • Die Zürcher Stadtmission hält ihre
Angebote ebenfalls aufrecht: Dazu
Um 19 Uhr gehen in der Sunestube die Türen für
alle zu, das Team der Tagschicht wird um 19.30 Uhr gehören das Café Yucca an der
heimgehen. Für Christine Diethelm ist der Arbeits- Häringstrasse mit Verpflegung und
tag heute noch nicht beendet. Bald heisst es jene Sozialberatung sowie die Beratungs-
Obdachlosen zu suchen, die auch im Winter den stelle Isla Victoria in Zürich und
Notschlafstellen fernbleiben. Für sie steht ein Team Winterthur für Personen im Sexge-
von insgesamt 20 Freiwilligen bereit, die so ge- werbe. stadtmission.ch
nannte Kältepatrouille. Diese trifft sich mehrmals
pro Woche um 22.30 Uhr im Pfuusbus, fährt mit • Auch der ökumenisch ausgerichtete
dem Auto in verschiedene Stadtquartiere und sucht Verein Incontro, gegründet von
zu Fuss mit wachen Sinnen nach Menschen, die am Schwester Ariane Stocklin, ist im
Waldrand, an Busendhaltestellen oder unter Brü- Zürcher Langstrassenquartier aufsu-
cken in eisiger Kälte übernachten. Vielleicht neh- chend unterwegs. Seit Beginn der
men sie eine Jacke oder ein warmes Getränk an oder Corona-Krise verteilt ein Freiwilligen-
sind sogar bereit mitzukommen und ein freies Plätz- team jeden Abend rund 250 warme
chen im Pfuusbus zu belegen. Mahlzeiten an Bedürftige. Im Lokal
3 Uhr nachts. Die Tour der Kältepatrouille geht Primero finden Menschen einen Ort,
zu Ende, ihr Marsch durch die nächtlichen Quartie- wo sie auftanken können. Die Aktion
re hat sich über mehr als zehn Kilometer erstreckt. «Broken Bread» wird neben Privat-
Christine Diethelm war für heute lang genug auf personen und Service-Clubs auch
Achse, sie fährt durch die leeren Strassen heim. Ver- von Zürcher Pfarreien und Kirchge-
mutlich liegen irgendwo da draussen noch in alte meinden unterstützt.
Wolldecken gehüllte Menschen ohne Daheim. incontro-verein.ch
In weniger als drei Stunden werden sich an der
Ecke Militärstrasse/Langstrasse wieder Warte- • Weitere Beratungsstellen und Hilfs-
schlangen mit Menschen bilden, die es kaum erwar- und Seelsorgeangebote finden Sie
ten können, bis die Frühschicht der Sunestube den gesammelt auf unserer Website:
dampfenden Kaffee serviert.● zhref.ch/wenn-beten-alleine-nicht-
reichtAGENDA 13
Themen & Termine
Walk-Mandala- gesagt. Sie lösen unterschiedliche
Reaktionen bei den Menschen aus.
Formen von kirchlicher Präsenz und
Kommunikation. Kirchliche Vielfalt zu
Ausstellung im Darum nehmen wir uns Zeit, jedem der
mit den Worten verbundenen Inhalte
fördern bedeutet, dass Kirche neue
«Räume» und Zielgruppen erschliesst,
Kloster Kappel auf den Grund zu gehen – zum Beispiel
schon dadurch, dass wir eine andere
Übersetzung wählen.
beispielsweise in einem Neubauquar-
tier, wo sie mit Menschen Beziehungen
knüpft, die bisher kaum mit der Kirche
BIS 7. MÄRZ Leitung: Angela Wäffler-Boveland, in Kontakt kamen.
Projektleitung Fokus Theologie und Bei diesem Treffen erhalten die
Die Mandala-Bilder der jungen Detlef Hecking, Projektleitung Bibel- Teilnehmenden Einblick in Orbit, ein
Künstlerin Manuela Hostettler zieren pastorale Arbeitsstelle BPA Anmel- Projekt der Reformierten Stadtkirche
die Wände im Amtshaus des Klosters dung: info@fokustheologieref.ch Winterthur, und arbeiten an ihren
Kappel. Hoffentlich können sie bald fokustheologieref.ch eigenen, konkreten Ideen für neue
live und vor Ort betrachtet werden. Bis Kirchenformen. Leitung: Mathias Burri.
dahin kann die Ausstellung virtuell
besucht werden auf:
www.unamanu.net.
Macht euch die Anmeldung auf:
zhref.ch/bildungsangebote
Erde untertan? Austausch Ressort
AB 15. MÄRZ
Wer kann in Zeiten ökologischer Krise,
Klima-Debatten und Zukunftssorgen
Kommunikation
solch einen Satz noch ernsthaft 23. MÄRZ
unterschreiben? Umweltbewusst zu Wie läuft es im Ressort Kommunikation
handeln ist das Gebot der Stunde und und Vernetzung? Austausch aller, die
lädt zu praktischen Aktivitäten ein. Gibt sich für die Kommunikation und
es dafür biblische Begründungen? Vernetzung ihrer Kirchgemeinde
Anhand von drei Text-Beispielen engagieren. Zielgruppe: Behörden,
reflektieren wir das eigene Tun vor dem Pfarrschaft, Sozialdiakonie, Jugendar-
Netzwerktreffen biblischen Horizont kritisch – und
umgekehrt werden die Bibeltexte an
beit, Verwaltung.
Online: 16.30 bis 18 Uhr
Generationen-
den eigenen Handlungen überprüft. Anmeldung: annemarie.huber@zhref.ch
Kursleitung: Angela Wäffler-Boveland, Fragen: simone.strohm@zhref.ch
arbeit
Projektleitung Fokus Theologie. zhref.ch/kommunikation
Anmeldung: an info@fokustheologieref.
9. FEBRUAR
ch oder 044 258 92 17
fokustheologieref.ch Bildungsangebot
«Liefere ond Lafere» – Online-Aus-
tausch über Mittag. Im Fokus steht das
Generationenspiel «Zeitmaschine.TV»,
2021
ein Recherche-Spiel für Jugendliche AB SOFORT
und die älteren Generationen rund um In der Zürcher Kirche arbeiten Men-
Oral History und Neue Medien. Aus schen mit unterschiedlichen Berufspro-
den Erinnerungen und Fotos der filen zusammen und engagieren sich.
Zeitzeugen und Zeitzeuginnen drehen Das Bildungsangebot 2021 der Zürcher
Jugendliche Kurzfilme und publizieren Landeskirche unterstützt dies mit einer
sie online. «Zeitmaschine.TV» kann von Vielfalt an neuen Themen.
Social Media für
Kirchgemeinden und Pfarreien in der Alle Angebote auf:
Generationenarbeit und im Konfirman- zhref.ch/bildungsangebote
denunterricht umgesetzt werden, auch
in Zusammenarbeit mit anderen
Projektpartnern wie etwa Altersheimen,
Einsteigende
Museen oder Altersorganisationen. 16. MÄRZ
Leitung: Jessica Stürmer-Terdenge. Facebook & Co für Ihre Kirchgemein-
12 bis 14 Uhr. Anmeldung: zhref.ch/ de? Die Teilnehmenden lernen, wie in
intern/kurse/2021 ihrer Kirchgemeinde Social Media
(speziell Facebook) sinnvoll eingesetzt
Vertrauen – werden können, was zu beachten ist
und wo die Gefahren und Chancen
Zuversicht – liegen. Leitung: Barbara Roth. Kontakt:
Annemarie Huber, 044 258 92 76 ST E L
LEN
Anteilnahme Anmeldung auf: zhref.ch/bildungsan-
gebote Offen IM W
AB 10. MÄRZ in de e Pfarrste EB
n
Die christlichen Tugenden. Zwei Kirche an neuen l
Dien Gesamt len, Stel
geme sten und kirchlich len
Veranstaltungsreihen, eine vertiefende
und eine kurze von Fokus Theologie, Orten i
.zhre
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www nden find en Kirch n
en Si
e
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offen .ch/ange e auf:
der Fachstelle für Erwachsenenbildung
der reformierten Kirchen Schweiz.
13. MÄRZ
e-ste b
Die drei Begriffe gelten als die Von der Idee zur Umsetzung.
Für eine vielfältige und sich verändern-
llen ote/
christlichen Tugenden und sind leicht
de Gesellschaft braucht es neue14 TIPPS
LESETIPP BILDUNGSTIPP
— «frauen forum» über —Segen im Mittelpunkt
Frauenrechte in der Kirche EB. In einem reformierten
Gottesdienst wird die Ge-
KOM.Am 7. Februar 1971 stimm- meinde in der Regel am
ten die Schweizer Männer dem Schluss gesegnet. Diese
Frauenstimm- und Wahlrecht auf Form ist vertraut. Wie aber
nationaler Ebene zu. Der Weg zu wird ein Gottesdienst ge-
diesem Ziel war lang und mühe- staltet, in welchem der Segen im Mittelpunkt steht
voll gewesen, unzählige Frauen und persönlich empfangen werden kann? Dieser
– und auch Männer – hatten sich Frage gehen die Teilnehmenden nach im Seminar
jahrzehntelang dafür engagiert «Gottesdienstformen mit Segnen und Salben – Pra-
und so erreicht, dass bereits ver- xis und Einführung in der Kirchgemeinde». Das
schiedene Kantone und auch die Seminar ist Teil des Lehrgangs Heilsame Rituale in
Kantonalkirchen in ihrem Be- der Kirche und kann einzeln besucht werden.
reich zugunsten der Frauen entschieden hatten. Segnungsgottesdienste zu feiern bedeutet, die
In der ersten Ausgabe des «frauen forum» 2021 Liebe Gottes zu inszenieren und ihr eine konkrete
werden Frauen aus verschiedenen Zeiten und in un- Gestalt zu geben. Wie macht man das auf angemes-
terschiedlichen Positionen gewürdigt, die sich für sene Weise? Wer segnet da wen und wann und wie
die Gleichberechtigung eingesetzt haben, zum Bei- und wozu? Wie geht man vor, wenn man einen Seg-
spiel Clara Ragaz-Nadig, Kunigund Feldges-Oeri nungsgottesdienst in der Gemeinde einführen
oder Hanna Sahlfeld-Singer. möchte? Zudem wird ein Augenmerk auf die Sal-
Die Einzelnummer «Frauenrechte in der Kirche» kostet bung als einer besonderen Form der Segnung ge-
Fr. 7.–. Das Jahresabonnement (acht Ausgaben) kostet legt.
Fr. 38.–.
Kontakt: frauenforum@solnet.ch Das Seminar findet vom 26. bis 26. März auf dem Leuen-
zeitschrift-frauenforum.ch berg in Hölstein statt. Anmeldung bis 31.01.2021 auf:
bildungkirche.ch/kurse
BUCHTIPP KIRCHENTAGUNG 2021
—Hoffnungszeichen —Kappeler Kirchentagung
50 Schlagzeilen zur Krise,
ROD. digital
50 Bibeltexte, 50 Kalligraphi-
en und 50 Kommentare: aus KOM. Die Pandemie Covid-19
diesen Ingredienzien setzen zwingt nach wie vor zu Ein-
sich die persönlichen Beiträge schränkungen. Dies betrifft auch
der Sammlung «Hoffnungszei- die Kappeler Kirchentagung, die
chen in Krisenzeiten» zusam- in diesem Jahr nicht als Präsenz-
men. Die Schatztruhe voller veranstaltung sondern digital
Hoffnungszeichen haben Kir- stattfinden wird. Online gibt es
chenrat und Theologe Andrea Marco Bianca und zwei Tagungstermine: Am 13.
seine Partnerin Katharina Hoby zusammen mit Per- März sowie am 20. März 2021.
sönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen Alle, die sich dafür anmelden
kreativ und geistreich gefüllt. Sie haben etwa zur wollen, können dies bis jeweils dienstags vor der
Schlagzeile «Masken tragen und Handydaten preis- Tagung tun. Es gibt keine Teilnahme-Obergrenze.
geben – was auf uns zukommt» die Bibelstelle «In Die Anmeldung und das verfeinerte Programm finden Sie
der Wirklichkeit eines neuen Lebens unseren Weg auf: zhref.ch/kirchentagung.
gehen» aus Römer 6,4 gesetzt. Dazu kommt eine
symbolstarke Kalligraphie von Marianne Suter und Übrigens: Das Kloster Kappel heisst Gäste
ein persönlicher Text von Moderatorin Sandra Stu- trotzdem herzlich willkommen: Sie können indivi-
der, die ermutigt, «kreative Wege (zu) finden, um duell oder als Gruppe Zimmer und Mahlzeiten im
Liebe, Nähe, Verständnis und Herzenswärme ihren Seminarhotel buchen. Und dort abseits der Alltags-
Platz zu geben». Die Sammlung wird komplettiert hektik online an der Tagung dabei sein. Ihre Anmel-
mit Online-Gottesdiensten, einem theologischen dung richten Sie direkt an das Kloster Kappel:
Kommentar und den «Zehn Corona-Geboten» von klosterkappel.ch
Bianca. Angesichts der fortdauernden Krise führt er
unter bianca.ch/hoffnungszeichen seine ermutigen-
den Tiefenimpulse online weiter.
Andrea Marco Bianca, Katharina Hoby: Hoffnungszeichen in
Krisenzeiten. Friedrich Reinhardt Verlag, 2020. 139 Seiten,
Fr. 25.–15
JUTTA LANG
Kirchgemeinde Zürich
Chemikerin, Journalistin,
Mit dem Blick für urbanes Kirchenleben: Jutta Lang unterwegs in Zürich. Foto: sch Mutter von zwei erwachse-
nen Kindern, Pilgerin und
Kommunikationsbeauftragte
der Kirchgemeinde Zürich.
Urbane Kirche leben
Kommunikation im grossen Stil und in kleinen Schritten
SCH. «Man muss das grosse Bild vor Augen haben kleinen Anstieg auf der verschneiten Klopstockwie-
und in kleinen Schritten vorwärtsgehen», empfiehlt se, wo Trittsicherheit noch mehr gefragt ist. Die
Jutta Lang, wenn man sie über den Zusammen- Kommunikationsverantwortlichen der ehemals
schluss der Kirchgemeinde Zürich und die Rolle der selbständigen Kirchgemeinden zögen heute ver-
Kommunikation in diesem Prozess befragt. Das gel- mehrt am gleichen Strick und erlebten, dass Bünde-
te auch zwei Jahre nach erfolgter Fusion, und das lung der Kräfte nicht mit Kompetenz- und Profilver-
gilt besonders heute, da dieses Thema im Schnee- lust einhergehen müsse.
treiben und auf glitschigem Untergrund auf einem
Spaziergang der Sihl entlang besprochen wird. Seltene Laufbahn
Die turbulente Wetterlage ist nicht die unpas- Ihr eigenes Profil hat sich Jutta Lang auf einem
sendste Metapher für die Gemengelage, die Jutta selten gegangenen Berufsweg geschärft. Die gebür-
Lang bei ihrem Arbeitsantritt beim damaligen Stadt- tige Pfälzerin studierte erst Chemie, wechselte nach
verband vor drei Jahren vorfand. Die Fusion war dem Abschluss und der Geburt des zweiten Kindes
beschlossene Sache, aber was dies für die Kommu- in den Journalismus. Später befähigten sie die bei-
nikation bedeuten würde, noch neblig. Auch Gegen- den Disziplinen für eine Stelle in der Kommunika-
wind blies der damals 53-jährigen Fachfrau biswei- tionsabteilung der Nagra, dem Kompetenzzentrum
len ins Gesicht, wenn es darum ging, die der Schweiz für die Entsorgung radioaktiver Abfäl-
Kommunikations-Strategie von ehemals 32 selb- le. Schon bei diesem Job war Wetterfestigkeit ge-
ständigen Gemeinden zu bündeln. fragt – Gegenwind bei so heikler Thematik courant
Kleine Schritte bringen einen aber auch im Ge- normal. «Ich muss hinter dem stehen können, was
genwind vorwärts: Die mit 80 000 Mitgliedern ich mache», sagt Jutta Lang. Und das habe für alle
grösste Kirchgemeinde Europas hat heute verein- ihre Tätigkeiten gegolten. Auch wenn sie keine
heitlichte Kommunikationskanäle, sie spricht ihre Freundin von Atomkraft sei, müsse man sich der
Mitglieder mit einer magazinartigen Gemeindebei- Verantwortung stellen, die entstandenen Abfälle si-
lage an, die das kirchliche Leben im lokalen Stadt- cher zu entsorgen, so ihre Analyse. Den Job habe sie
kreis und im ganzen Stadtgebiet sichtbar macht. gern gemacht, dann aber noch einmal eine ganz an-
Ausserdem wurde ein gemeinsamer Newsletter und dere Herausforderung gesucht und sie bei der Zür-
eine Bilddatenbank aufgebaut und die Website wird cher Kirchgemeinde gefunden. Sichtbar machen,
kontinuierlich weiterentwickelt. was eine urbane Kirche zu bieten hat; Werte vertre-
Die gemeinsame Arbeit an diesen Projekten trü- ten, die ihr auch selber wichtig sind und Menschen
gen bei den Mitarbeitenden und Behörden zum ge- befähigen, der Kirchgemeinde ein vielfarbiges Bild
genseitigen Verständnis und zur Entwicklung einer und eine vernehmbare Sprache zu geben, das will
gemeinsamen Identität bei, erzählt Jutta Lang beim sie voranbringen – Schritt für Schritt.●CH-8001 Zürich
P. P. / Journal
Post CH AG
notabene
AZB
8024 Zürich, notabene@zhref.ch
Hirschengraben 7, Postfach 673,
Kommunikation
Evang.-ref. Landeskirche,
Adressberichtigung an:
Hirschengraben 7, 8024 Zürich
Kantons Zürich
Evang.-ref. Landeskirche des
Absender: notabene
Wegweisende Worte von Kurt Marti, illustriert von Anna Sommer (annasommer.ch).
Mehr lesen ab Seite 6.
IMPRESSUM DRUCK UND DESIGN
«notabene» ist die Zeitschrift aller, die Robert Hürlimann AG, Zürich
beruflich, ehrenamtlich oder regel Raffinerie AG, Zürich
mässig freiwillig als Mitglieder in der
Zürcher Landeskirche mitarbeiten. AUFLAGE
6500 Exemplare. Erscheint monatlich
HERAUSGEBERIN mit Doppelnummern im Juli und
Evangelisch-reformierte Landeskirche Dezember.
des Kantons Zürich. Abteilung
Kommunikation (KOM), NÄCHSTE AUSGABE
Hirschengraben 7, 8024 Zürich
Nr. 2 / 2021 (März)
REDAKTION UND
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Christian Schenk (SCH),
Madeleine Stäubli-Roduner (ROD)
Tel. 044 258 92 97, notabene@zhref.ch TITELBILD
Redaktionssekretariat: Mitarbeitende vor der Sunestube. Hier
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