MÜNCHEN ALS WACHSENDER HOTSPOT FÜR INNOVATIONEN UND ENTREPRENEURSHIP - Ein Whitepaper zur Betrachtung des MUNICH INNOVATION ECOSYSTEMS - MUST Munich

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MÜNCHEN ALS WACHSENDER HOTSPOT FÜR INNOVATIONEN UND ENTREPRENEURSHIP - Ein Whitepaper zur Betrachtung des MUNICH INNOVATION ECOSYSTEMS - MUST Munich
2021

MUNICH IS
WAITING FOR YOU ...

SO WHAT ARE YOU
WAITING FOR?

MÜNCHEN ALS WACHSENDER
HOTSPOT FÜR INNOVATIONEN
UND ENTREPRENEURSHIP
Ein Whitepaper zur Betrachtung des
MUNICH INNOVATION ECOSYSTEMS
MÜNCHEN ALS WACHSENDER HOTSPOT FÜR INNOVATIONEN UND ENTREPRENEURSHIP - Ein Whitepaper zur Betrachtung des MUNICH INNOVATION ECOSYSTEMS - MUST Munich
Autorinnen und Autoren:
Dr. Dominik B. Domnik, Katja Werner – MUC SUMMIT GmbH
Michael Birlbauer, Helena Meerpohl, Julia Ochsenmeier – PwC

Herausgegeben von:
Frizzi Engler-Hamm, Matthias Notz
CEO / Geschäftsführung
MUC Summit GmbH
Freddie-Mercury- Straße 5 | 80797 München
contact@muc-summit.com
www.must-munich.com

Publikation: Oktober 2021

2
INHALT

Abbildungsverzeichnis                                            4

Executive Summary                                               5

Einleitung und Vorgehensweise 		                                6

THESE 1:     München ist ein Tech-Hub                            8

THESE 2: München ist ein starker Wissenschaftsstandort          12

THESE 3: München ist ein starker Wirtschaftsstandort            16

THESE 4: München verfügt über einen guten Vernetzungsgrad
		       seiner Anspruchsgruppen 		                             19

THESE 5: München bietet beste Lebensqualität                    21

THESE 6: München verfügt über viel Innovationskapital           24

THESE 7:     München kann hinsichtlich der UN SDGs eine
		           Vorreiterrolle übernehmen                          27

HANDLUNGSEMPFEHLUNG                                             30

        1.   Bessere Innovationskultur schaffen                 30

        2. Bezahlbaren Wohn-, Büro- und Kreativraum schaffen    32

  3.         Besseres Standortmarketing und Entwicklung einer
		           vollumfänglichen Standortstrategie                 32

  4.         Gemeinsame Wertschöpfung im Netzwerk
		           über Plattformlösungen                             33

        5. Öffnung und gezielte Schaffung von mehr Diversität   34

Fazit und Ausblick                                              35

Verzeichnis der Interviewpartnerinnen und Partner               35

                                                                     3
ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1:   Wertschöpfungsprozess in Ökosystemen                     7

Abbildung 2:   Acht Vorteile für München                               9

Abbildung 3:   Art der Technologiegebiete                              12

Abbildung 4:   Studierende an Münchner Hochschulen                     13

Abbildung 5:   Die Münchner Mischung                                   17

Abbildung 6:   Beispielhafte Vernetzungen der
               Stadt München innerhalb der EU                          21

Abbildung 7:   Mietbelastung nach Wohnsituation in der Stadt München   22

Abbildung 8:   VC investment global hubs: 2016 vs. 2020                24

Abbildung 9:   Sustainable Development Goals                           28

4
EXECUTIVE
SUMMARY

Immer wieder erreicht München in Städterankings Spitzenplätze – so auch im Jahr 2020: Das IW Consult
Städteranking platzierte die bayerische Landeshauptstadt an der Spitze in Kategorien wie Wirtschaftskraft
oder Dynamik in Bezug auf Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilienmarkt und Lebensqualität1. Doch sind
das auch optimale Voraussetzungen für ein Entrepreneurship- und Innovationsökosystem? Dieser Frage
widmet sich dieses Whitepaper zum Standort München – es beleuchtet Dimensionen wie Netzwerk, Industrie,
Start-up-Szene und Nachhaltigkeit. Dabei wird die Attraktivität Münchens in den verschiedensten Bereichen
sehr deutlich. Es zeichnet sich aber auch ein Problem ab: Das Profil der Stadt ist im Innovations- und Entre-
preneurship-Ökosystem noch zu undifferenziert und das Potenzial zu wenig bekannt – auf nationaler wie
internationaler Ebene. Um hier nachzuschärfen, schließt das Whitepaper mit Handlungsempfehlungen für
Politik, Wirtschaft und Kammern sowie für alle Stakeholder, die ein Interesse an der Zukunftsgestaltung und
Weiterentwicklung Münchens haben.

Konkret sehen wir in folgenden Punkten Bedarf, die Strategie der Stadt München zu erweitern:

1.        Schaffung einer besseren Innovationskultur durch Förderung von Entrepreneurship
          seitens der Universitäten und besseren Zugang zu Kapital

2.        Schaffung von mehr Wohn-, Arbeits- und Kreativraum

3.        Verbesserung des Standortmarketings und Einführung einer holistischen Standortstrategie

4.        Steigerung des Vernetzungsgrads zwischen den verschiedenen örtlichen und nationalen –
          aber auch internationalen – Initiativen durch Einführung geeigneter Plattformen

5.        Gezielte Schaffung von mehr Diversität durch Vereinfachung qualifizierter Migration
          und systematische Frauenförderung

Außerdem würde die Betrachtung der hiesigen Innovationspolitik über rein wirtschaftliche Determinanten
hinaus den Innovationsgeist zusätzlich befruchten und insgesamt zu größerer sozialer Kohäsion und
Widerstandsfähigkeit der Stadtgesellschaft führen. Die in den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen
beschriebenen Herausforderungen lassen darüber hinaus erahnen, welche Themen die moderne Stadt in
Zukunft bespielen muss. Die genannten Themen müssen gebündelt und Akteure übergreifend adressiert
werden, um München als Innovations- und Entrepreneurship-Standort international zu vertreten, den mobilen
Talenten gute Gründe zu geben, sich in München anzusiedeln und Akteuren im Innovationsbereich jegliche
Art von Investments in die Stadt schmackhaft zu machen. Nur koordiniertes Handeln kann München als ein
weltweit wahrnehmbares Innovationsökosystem positionieren und damit die Zukunftsgestaltung und Wett-
bewerbsfähigkeit der Stadt sichern.

Im Rahmen eines Strategieprozesses wurden 45 Teilnehmer aus Wissenschaft, Start-up-Szene, der Industrie
und Politik eingebunden, um folgende Vision für München zu verabschieden

„Munich’s innovative, open-minded, and diverse community brings together international young talent,
startups, and established companies. Together, they co-create scalable innovation that thrives toward the
Sustainable Development Goals. This unique blend of academia, industry, startups, government, science
and society offers a unique high-tech based ecosystem in one of the most livable cities in the world.“

1
    https://www.muenchen.de/rathaus/wirtschaft/wirtschaftsstandort/ranking.html                              5
EINLEITUNG UND
VORGEHENSWEISE

Munich, Monaco di Baviera oder auch 慕尼黑 [mùníhēi] – die Welt kennt viele Namen für die bayerische
Landeshauptstadt (LH) München. Das spricht für ihre Vielseitigkeit, ein Nachweis ist es noch nicht.

ZIELSETZUNG Mit dem vorliegenden Paper wollen wir daher im Stil eines „Whitepapers“ der Frage
nachgehen, wie gut die LH München hinsichtlich der Zukunftsthemen Innovation und Entrepreneurship
aufgestellt ist. Es stellt damit einen Diskussionsbeitrag zur Entwicklung des Münchner Innovationsökosys-
tems dar und ergänzt und erweitert diesen Diskurs. Dabei möchten wir bewusst über bestehende Standort-
beschreibungen und Analysen hinsichtlich der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Region hinausgehen
und München aus verschiedenen, für die gesellschaftliche Entwicklung maßgeblichen Perspektiven betrach-
ten. Bei diesem Vorgehen nehmen wir auch Bezug auf den Bürgerdialog und aktuelle Debatten darüber, wie
die Stadtgesellschaft prägende Kernthemen der Zukunft gestalten möchte.

PARTNER Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat sich ein Konsortium aus der Wirtschaftsprüfungs-
und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers GmbH WPG (PwC) und der MUC SUMMIT GmbH, die mit
vielen anderen an der Verwirklichung von Münchens Innovationsökosystem arbeitet, zusammengetan,
um dieses Papier gemeinsam zu verfassen.

VORGEHEN Die Studie erscheint im Format eines „Whitepapers“, da sie eine Momentaufnahme, der sich
ständig verändernden sozialen und wirtschaftlichen Wirklichkeit einer Millionenstadt darstellt. Es basiert auf
einer Auswertung qualitativ hochwertiger Fachinformationen in Form von Interviews und Dokumentenana-
lysen und zielt auf die Vermittlung von Handlungsempfehlungen und Problemlösungen ab. Unsere Linse ist
auf die Voraussetzungen und Kriterien für die Entstehung von Innovationen mit unternehmerischen Mitteln
eingestellt. Die entsprechende Ausgangsfrage lautet:
Eignet sich München besonders gut für Innovationen?

Dazu haben wir sieben als Thesen formulierte Aussagen getroffen:

• München ist ein Tech Hub
• München ist ein starker Wissenschaftsstandort
• München ist ein starker Wirtschaftsstandort
• München hat ein breites Netzwerk
• München bietet eine hohe Lebensqualität
• München verfügt über viel Innovationskapital
• München kann eine Vorreiterrolle beim Erreichen der UN SDGs übernehmen

Diese Aussagen leiteten wir aus der gängigen Literatur zum Wirtschaftsstandort München ab. Um sie zu
überprüfen, werteten wir in einer Textanalyse bestehendes Material wie Jahreswirtschaftsberichte, Studien
zur regionalen Wettbewerbsfähigkeit, Umfragen unter Start-ups und Unternehmensvertreterinnen und Unter-
nehmensvertretern sowie statistische Daten aus.

6
Auf dieser empirischen Basis entwickelten wir einen Fragebogen für Experteninterviews. Mit zehn Interview-
enden führten wir ausführliche, circa einstündige Experteninterviews. Um die Multiperspektivität abzubilden,
wählten wir als Interviewpartnerinnen und Interviewpartner Entscheiderinnen und Entscheider aus unter-
schiedlichen Branchen: Start-ups und Technologiekonzerne, wissenschaftliche Einrichtungen oder Kammern.
Die in der Folge dargelegten Ergebnisse gestatten uns, Strukturen im Münchner Ökosystem herauszuarbeiten
und die Aussagen in einen empirischen Kontext zu stellen. Es zeigt sich deutlich, welch enormes Innovations-
potenzial in der Metropole München steckt. Wir diskutieren, inwieweit dieses Potenzial auch genutzt wird,
beziehungsweise in Zukunft genutzt werden kann oder muss. Ferner stellen wir Verbindungen zu anderen
attraktiven Wirtschaftsregionen her und leiten daraus Empfehlungen für die wichtigsten Handlungsfelder ab.

Folgend eine Abbildung zu einem Ökosystem, welche auf eine gemeinsame Wertschöpfung ausgerichtet ist.
Ziel ist es, durch die gegenseitige Nutzung der Ressourcen der beteiligten Akteure Werte für alle beteiligten
Stakeholder zu schaffen.

                                                                                                                ÖKO-
                                                                                                                SYSTEME
                                     WERTSCHÖPFUNG                                      Mobilität

                 Kern

                                                          aquirieren
                                                                                                            Wohnen

                                           kooperieren                  investieren

                                                inkubieren         entwickeln
                                                                                                          Finanzielle
                                                                                                          Bedürfnisse

                Vision
                                                KULTUR
                                                                                                                ZUSÄTZLICHE
                                                                                                                SERVICES
                                                                                         Dienst-
                                                                                        leistung

Abbildung 1: Wertschöpfungsprozess in Ökosystemen2

2
    Eigene Darstellung, angelehnt an https://www.baloise.com/de/home/news-stories/top-themen/oekosysteme.html             7
THESE             1                      MÜNCHEN IST
                                         EIN TECH-HUB

TEASER Digital- und Technologieunternehmen siedeln sich häufig in hoher Konzentration in Städten an.
Es entsteht eine Clusterbildung, die unter dem Begriff Tech Hub bekannt ist. Viele Merkmale eines Tech Hubs,
die das für Technologie-Start-ups hervorragende Umfeld charakterisieren, finden wir in der bayerischen
Landeshauptstadt wieder.

„Als wir inveox in München gründeten, wussten wir, dass wir uns einer pulsierenden und vielfältigen Tech-
Community anschließen würden: Mit Start-ups wie ProGlove, Kronos Solar und MedTech-Unternehmen
wie inveox, global agierenden Tech-Innovatoren und dank TU und LMU auch mit einer starken lokalen
Forschungsbasis“ Mara und Dominik Sievert, inveox

POLICY-EBENE Essenziell für die Entstehung neuer Technologien und deren Kommerzialisierung im Ge-
schäftskontext sind nicht nur kluge Köpfe, die an Münchens renommierten technischen Hochschulen und
Universitäten3 ausgebildet werden (These 2 siehe Wissenschaftsstandort), auch die Infrastruktur der Stadt
München spielt eine große Rolle bei der Begründung eines Tech Hubs. In München ist die Nähe zu Europas
einzigem 5-Star-Airport nicht nur ein Tor zu 266 Zielen in 74 Ländern weltweit,4 sondern auch das engmaschige
Netz des ÖPNV ermöglicht es, sich schnell und unkompliziert für Meetings zu treffen. Die digitale Infrastruktur ist
ebenfalls beachtlich: Im Gegensatz zu suburbanen oder ländlichen Regionen verfügt München über ein nahezu
flächendeckendes LTE-Netz.5 Große Institutionen für Forschung und Entwicklung wie die Max-Planck-Gesell-
schaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. oder die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten
Forschung e.V. sind in München ansässig und versorgen den Standort laufend mit den neuesten wissenschaft-
lichen Erkenntnissen und deren Überführung in die unternehmerische Praxis. Darüber hinaus bestimmen auch
die Abteilungen für Forschung und Entwicklung der lokalen Unternehmen die Rahmenbedingungen für Mün-
chen als Tech Hub.6 Nicht zuletzt spielt die Nähe zu aufblühenden Regionen in Bayern sowie zu den wirtschaft-
lich starken Nachbarn Schweiz und Österreich eine signifikante Rolle.7

Der Beitrag der Politik ist von wesentlicher Bedeutung. Aktuell ist München bereits Hub für Versicherungswirt-
schaft, Mobilität und Biotech, was sicherlich zum Großteil den vielen örtlichen Unternehmen und Konzernen
der jeweiligen Branchen zuzuschreiben ist. Dank der Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) hat München nun zusätzlich das Potenzial zum Zentrum für Künstliche Intelligenz: Mithilfe
des BMBF konnte das Munich Center for Machine Learning8 mit 22 neuen Lehrstühlen an der Ludwig-Maximi-
lians-Universität und der Technischen Universität München ins Leben gerufen werden.9 Außerdem befindet
sich in München einer von drei bayerischen Cross Reality-Hubs, in die das Bayerische Staatsministerium für
Digitales seit 2020 jährlich 1,5 Millionen Euro investiert.10,11 Nicht zuletzt hat der Freistaat Bayern mit „Bavaria

3
   https://www.pwc.de/de/branchen-und-markte/start-up-monitor-dsm-2020.pdf, S. 52
4
   https://www.munich-airport.de/
5
   https://www.toptarif.de/handy/wissen/handynetz-muenchen/#:~:text=Die%20Netzabdeckung%20von%20Vodafone%20in%20
M%C3%BCnchen&text=Eine%20LTE%2DVerbindung%20(4G)%20mit%20einer%20maximalen%20Geschwindigkeit%20von,%2DVerbin-
dung%20(4G)%20m%C3%B6glich.
6
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Wirtschaftsstandort_Muenchen_d.pdf
7
   https://www.tmf-group.com/-/media/files/publications/2014/eu-tech-hubs-whitepaper_ger_final.pdf?la=en
8
   https://www.tmf-group.com/-/media/files/publications/2014/eu-tech-hubs-whitepaper_ger_final.pdf?la=en
9
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/de_factsandfigures_2020.pdf, S.9
10
    https://www.invest-in-bavaria.com/blog/beitrag/staatsregierung-verstaerkt-foerderung-von-virtual-reality-in-bayern.html
11
   https://xrhub-bavaria.de/ueber-uns/

8
One“ eine eigene Luft- und Raumfahrtstrategie entwickelt. Im Landkreis soll die größte Fakultät für Luft- und
  Raumfahrt in ganz Europa entstehen, wofür die Staatsregierung 700 Millionen Euro ausgeben möchte.12
  Ein Vorhaben dieser Größe hat das Potenzial, viele weitere Innovationen und technologische Entwicklungen
  hervorzubringen, die Münchens Stellung als Tech Hub manifestieren.

                          Nähe zu fest                                              Gute Verkehrs-
                           etablierten                                              und IT-Infrastruktur
                         Universitäten
                                                 8                            1
                                                                                                Technologische Infrastruktur
  Einfacher Zugang zu                                                                           durch ansässige, große
einem Pool talentierter
  junger Arbeitnehmer                 7                                                 2       inländische multinationale
                                                                                                Unternehmen

Campus-Einrichtungen
  und Gemeinschafts-                 6                                                      3    Verfügbarkeit von
                                                                                                 Fördergeldern und
        arbeitsplätze                                                                            Steuervergünstigungen

                                          5                                             4
                        Viele IKT-                                                          Rasches Wachstum
                       Aktivitäten

  Abbildung 2: Wesentliche Vorteile für München sich als Tech Hub zu positionieren 13

  CORPORATE-EBENE Aktuell zeichnet sich die bayerische Landeshauptstadt als Tech Hub unter anderem
  durch eine hohe Beschäftigtenzahl im Informations- und Kommunikationstechniksektor aus14 und wurde in
  einer EU-Studie sogar zum besten IuK-Standort Europas gekürt.15 Darunter befindet sich das 2011 von TUM-
  Studierenden gegründete Unicorn bzw. mittlerweile Decacorn Celonis, das Software für Process Mining
  weltweit vertreibt, aber auch globale Konzerne wie Cisco, Huawei oder Salesforce sind in München verortet.16
  Nicht zuletzt bestätigt die Präsenz jedes der fünf größten Technologieunternehmen der Welt München als
  Tech Hub: Apple, Amazon, Google (Alphabet), Microsoft und IBM sind mit jeweils einem wichtigen Standort
  in München vertreten.17

  Mitten in der Stadt plant und baut der Global Player Google zum jetzigen Zeitpunkt ein zusätzliches Ent-
  wicklungszentrum mit Arbeitsplätzen für weitere 1500 Mitarbeitende. Auf diesem Gelände der historischen
  Arnulfpost soll in Kürze an Themen wie Datenschutz, Weiterentwicklung des offenen Web sowie der Google
  Cloud gearbeitet werden. Auch am Standort München folgt Google dem Anspruch, von 2030 an ununter-
  brochen CO2-frei zu arbeiten, nachdem man als Unternehmen weltweit schon seit 2007 CO2-neutral ist.18

  12
     https://www.bavarian-space-agency.de/bavaria-one/
  13
     Eigene Darstellung
  14
     http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/de_factsandfigures_2020.pdf, S.11
  15
     http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Wirtschaftsstandort_Muenchen_d.pdf
  16
     http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/de_factsandfigures_2020.pdf, S.1315 http://www.wirtschaft-muenchen.de/publika-
  tionen/pdfs/Wirtschaftsstandort_Muenchen_d.pdf
  17
     https://www.gevestor.de/details/die-5-groessten-hightech-unternehmen-der-welt-712322.html
  18
     https://about.google/intl/ALL_de/stories/arnulfpost/

                                                                                                                                      9
Mit dem LabCampus reiht sich auch das Gelände des Flughafens München als weiterer Standort für die aus
dem Boden sprießenden Innovationszentren ein. Am LabCampus sollen über sämtliche Branchen und
Unternehmensgrößen hinweg gemeinsame Innovationsprojekte vorangetrieben werden – von der Entwick-
lung über Tests und Präsentationen bis hin zur Realisation. Renommierte Partner wie das Fraunhofer-Institut
für Integrierte Schaltungen IIS, die German Entrepreneurship oder Bayern Innovativ unterstützen das im Auf-
bau befindliche Konzept.19 Nicht zuletzt setzt die jüngste Ankündigung von Apple, stärker in die bayerische
Hauptstadt zu investieren, ein starkes Signal, das für München als Innovation Hub spricht: Zusätzlich zum be-
reits 2015 eröffneten Bavarian Design Center möchte Apple das European Silicon Design Center als weitere
Basis für seine Entwicklungsteams aufbauen. Dort soll primär an 5G und Mobilfunktechnologien der Zukunft
gearbeitet werden.20

Die starke Präsenz dieser Schlüsselunternehmen fördert die Entwicklung vieler Digitalisierungstrends,
wie zum Beispiel des Internet of Things (IoT), wo auch erfolgreiche Start-ups wie ProGlove oder Magazino
mitmischen.21

START-UPS In Deutschland ist die Stadt München nach Berlin Vorreiter mit 1300 Informations- und Kommu-
nikationstechnologie-Neugründungen (IKT) pro Jahr – was etwa 9% aller deutschen Gründungen entspricht.
Bei der Zahl der Beschäftigten in IKT-Start-ups liegt München sogar an der Spitze.22 Vor allem die Qualität des
Start-up-Ökosystems zieht Gründende an: Mehr als 75% der Gründerinnen und Gründer schätzen die Güte
des Netzwerks, das sie vor Ort zur Suche von Investorinnen und Investoren, zum Ideenaustausch oder zur
Zusammenarbeit erhalten.23

Auf der anderen Seite suchen Großunternehmen, die Abteilungen und Töchter einrichten, um sich mit innova-
tiven Gründern zusammenzutun, ebenfalls die Nähe zu München. Eines dieser Unternehmen ist Intel: Das Pro-
gramm Intel Ignite, welches seinen Ursprung in der Start-up-Nation Israel hat, unterstützt junge Unternehmen
bei ihrer Entwicklung. Hierzu werden zehn ausgewählte Start-ups zwölf Wochen lang durch Intel und weitere
Branchenexperten gefördert. Die Teilnehmenden erhalten Zugang zu Technologie-, Management- und Fach-
expertise sowie zu einem breiten Unternehmensnetzwerk. Stephan Heller, Managing Director für Intel Ignite in
Europa, erzählt: „Nicht umsonst ist auch die Entscheidung Intels auf München für den europäischen Standort
von Intel Ignite gefallen. Zum einen, weil wir in der Region bei der Entwicklung von Technologien immer noch
eine große Kreativität spüren. Und zum anderen, weil wir von hier aus dank hoch qualifizierter Fachkräfte, viel
Know-how und einem starken Netzwerk das Potenzial haben, Start-ups in ganz Europa zu fördern.“
Gleichzeitig bringt die Aktivität des Standorts auch gewisse Herausforderungen mit sich: So kämpfen viele
Start-ups mit den hohen Mietpreisen in München. Es gibt einige Fälle, in denen ein Start-up nach Beendigung
der finanziellen Förderung seinen Standort verlagerte. Hier setzt sich die Landeshauptstadt München aktiv
für den Standort ein. Mit dem Münchner Technologiezentrum (MTZ) gibt sie Starthilfe für Gründerinnen und
Gründer. Einen weiteren Lichtblick für Start-ups bietet das Munich Urban Colab. Dieses wurde von der Stadt in
Kooperationen mit der UnternehmerTUM als neues Innovations- und Gründerzentrum im Kreativquartier eröff-
net, das unter anderem auch günstige Büroräume für Start-ups vorsieht.24 Gleichzeitig entstehen zurzeit immer
mehr Subzentren, vor allem im Osten der Stadt.

SCHLUSSFOLGERUNG Mit seinen renommierten Hochschulen und Universitäten, einem großen und
konzentrierten Unternehmensumfeld sowie einem starken Start-up-Ökosystem, sticht die Landeshauptstadt
im deutschlandweiten Vergleich sowie der EU heraus und hat den Titel „Tech Hub“ definitiv verdient. Die hohe
Präsenz und Ansiedlung einzelner Schlüsselunternehmen stärkt den Standort München ebenso als internatio-

19
   https://www.labcampus.de/
20
   https://www.apple.com/uk/newsroom/2021/03/apple-to-invest-over-1-billion-euros-in-germany-with-new-munich-campus/
21
   https://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Wirtschaftsstandort_Muenchen_d.pdf
22
   https://www.muenchen.de/rathaus/wirtschaft/branchen/medien-informations-kommunikationsbranche-iuk.html
23
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Forschungs-und-Innovationsbericht-muenchen-2020.pdf, S. 7
24
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Forschungs-und-Innovationsbericht-muenchen-2020.pdf, S. 7

10
nal wahrgenommenen Tech-Standort.
Jedoch sind viele Projekte gerade erst in der Entstehung, und zentrale Akteure wie Fördererinstitutionen und
Investierende beginnen aktuell ein Verständnis für ihre treibende Rolle in München zu entwickeln. Um den
Standort München zukünftig vor allem auch international als führenden Tech Hub weiter zu stärken, sollten
aktuell entstehende Projekte sowie zukünftige Projekte gemeinsam im Innovations-Ökosystem vorangetrie-
ben und umgesetzt werden.

                                                                                                           11
THESE              2                        MÜNCHEN IST EIN STARKER
                                            WISSENSCHAFTSSTANDORT

TEASER Es ist kein wohlgehütetes Geheimnis mehr: München ist ein einzigartiger Wissenschaftsstandort,
denn München schafft es in 27 von 35 der wichtigsten untersuchten Innovationsfelder unter die Top 10 in
Europa – hinsichtlich Diversität und Leistungsstärke ein unerreichtes Ergebnis.25

ANZAHL DER TECHNOLOGIEGEBIETE,
BEI DENEN DIE REGION ZU EUROPAS TOP 10 GEHÖRT

     MÜNCHEN                                                                                             27

     ZÜRICH                                                               19

     PARIS                                                             18

     ZUUIDOST-NOORD-BRABANT                                15

     BERLIN                                                15

Abbildung 3: Anzahl der Technologiegebiete26,27

Eine von Prognos im Auftrag der Landehauptstadt erstellte Studie hat folgende Technologiegebiete
herausgearbeitet, auf denen sich München besonders hervortut. Sie lesen sich wie ein Who’s Who
der Zukunftsökonomie:

• Informations- und Kommunikationstechnologien
• Life Sciences und Biotechnologie
• Luft- und Raumfahrt
• Automotive
• Umweltwirtschaft
• Kreativwirtschaft
• Fintech
• Insurtech

Die starke Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft sind dabei die Triebfeder für diese gute Positionie-
rung.

25
    https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Arbeit-und-Wirtschaft/News/studie-wissenschaftsstandort.html
26
    Eigene Darstellung nach Daten von Prognos (2019) und Schmoch (2008) sowie https://www.wipo.int/export/sites/www/ipstats/en/statis-
tics/patents/pdf/wipo_ipc_technology.pdf
 27
    http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Innovations-und-Wissenschaftsstandort19-kurz.pdf

12
POLICY-EBENE Als Prof. Dr. Andreas Felix von Oefele als Vorsteher der Hofbibliothek die Gründung der
Bayerischen Akademie der Wissenschaften Ende des 18. Jahrhunderts vorantrieb, war noch nicht absehbar,
dass sich hier einmal nahezu vierzig Prozent der bayerischen Studierenden einschreiben sollten und Mün-
chen im nationalen Vergleich die größte Dichte außeruniversitärer und staatlicher Forschungseinrichtungen
aufweisen würde. Heute haben die Fraunhofer-Gesellschaft und die Max-Planck-Gesellschaft ihren Hauptsitz
in der Region München und betreiben in ihr weitere Institute, ebenso wie die Helmholtz-Gesellschaft und die
Leibniz-Gemeinschaft. In der Region München sind drei Universitäten und 13 Hochschulen angesiedelt, an
denen rund 120 000 Studierende immatrikuliert sind. In der erweiterten Metropolregion zählen wir sogar 29
Hochschulen und fast 170 000 Studierende.28 Annähernd 70 Haupt- und Nebenstandorte von außeruniversi-
tären Forschungseinrichtungen versammeln sich hier und erzeugen auf diese Weise eine ungewöhnlich hohe
Dichte an wissenschaftlichem Potenzial und „Brainpower“. Als Leuchttürme stechen die beiden großen Uni-
versitäten LMU München und Technische Universität München (TUM) sowie die Hochschule München hervor.
Beide Universitäten wurden wiederholt national als Exzellenzuniversitäten29 ausgezeichnet und belegen in
zahlreichen internationalen Rankings Spitzenplätze,30 während die Hochschule München deutschlandweit in
ihrer Kategorie sogar an der Spitze steht.31

STUDIERENDE AN MÜNCHNER HOCHSCHULEN
Wintersemester 2018/2019

                                          51 164
                                                                    40 623
131 006 Studierende                                                                      17 987                           17 952
in München, darunter                                                                                      3 271
26 401 ausländische
Studierende (Anteil 20,2%)

                                    Ludwig-Maximilians-             Technische        Hochschule für Universität der      Weitere
                                    Universität München         Universität München    angewandte     Bundeswehr        Hochschulen
                                                                                      Wissenschaften   München         und Fachhoch-
                                                                                         München                          schulen

Abbildung 4: Studierende an Münchner Hochschulen32

In Münchner Exzellenzclustern werden zudem wichtige international wettbewerbsfähige Forschungsfelder
über Arbeitsgebiete hinweg oder in Universitätsverbünden vorangetrieben. Das Origin and Structure of the
Universe-Cluster an der TUM oder die Nanosystems Initiative Munich (NIM) an der LMU sind zwei solcher
Cluster. Einrichtungen wie das Digital Innovation Hub (vormals Zentrum Digitalisierung Bayern)33 oder gemein-
sam von Wissenschaft und Wirtschaft initiierte Verbünde wie bavAIRia, das BICCnet oder BioM erzeugen eine
Katalysatorwirkung für weitere Forschungs- und Gründungsaktivitäten. Erwähnenswert ist in diesem Zusam-
menhang auch das in München sitzende Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb.

„Münchens exzellente, entrepreneurial ausgerichtete Hochschulen wie der TUM, LMU, HM und UniBW
bieten die besten Voraussetzungen, München als entrepreneurial Eco-System zu positionieren“
Prof. Dr. Klaus Sailer, Strascheg Center for Entrepreneurship

28
   https://www.metropolregion-muenchen.eu/region/wissenschaftsstandort/
29
   https://www.dfg.de/foerderung/exzellenzstrategie/index.html
30
   https://www.timeshighereducation.com/world-university-rankings/2021/world-ranking#!/page/1/length/25/sort_by/rank/sort_order/asc/
cols/stats
31
   https://www.hm.edu/sekundaer_navigation/presse/pressemitteilungen_1/detail_148097.de.html
32
   Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
33
   https://www.bayern-innovativ.de
                                                                                                                                       13
Dieses akademische Umfeld in München schafft es der Datenlage nach besonders gut, die von Gaan,
Montresor & Eisenberg in einer Publikation des World Economic Forum herausgearbeiteten drei Koopera-
tionsstrategien34 umzusetzen. 1) Systematisch werden neue Formate der Zusammenarbeit entwickelt: von den
bereits erwähnten Branchenclustern über Spin-off-Aktivitäten oder Start-up-Akzeleratoren bis hin zu systema-
tischen Talentsharingstrategien wird permanent Innovation geschaffen. 2) Beispiele für die Vernetzung des
Technologiebereichs mit den Sozialwissenschaften sind das Innovations- und Gründerzentrum Martinsried
oder das Media Lab Bayern35 3) Flexibilität und Geschwindigkeit der Gründerzentren sind erheblich gesteigert
worden und erhalten durch das Zusammenwirken von Bayerischer Forschungsallianz, universitärer Transfer-
stellen sowie der Kammern zusätzliche Wirkungskraft.

START-UPS Insofern überrascht es nicht, dass bereits jedes fünfte Münchner Start-up mit wissenschaft-
lichen Einrichtungen kooperiert. Im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt von 16% ist das überdurch-
schnittlich viel.36 Dies liegt auch an der hervorragenden Infrastruktur der Gründungsförderungseinrichtungen
vor Ort. Der German Accelerator, umgesetzt von German Entrepreneurship mit Hauptsitz in München, unter-
stützt beispielsweise deutsche Start-ups im Rahmen diverser Programmangebote bei der internationalen Ex-
pansion und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Die Hochschule München mit
ihrem An-Institut Strascheg Center for Entrepreneurship sowie die TU München, flankiert durch die Unterneh-
merTUM, führen seit Jahren das Gründerradar37 des Stifterverbands im nationalen Ranking an. Zusammen mit
der LMU München, die laut Start-up-Monitor auch zu den Top-5-Gründerhochschulen in Deutschland gehört,38
bietet das Münchner akademische Umfeld einzigartige Unterstützung und Bedingungen für Neugründungen
und Ausgründungen. Allein aus den Entrepreneurship Centern der Hochschulen gehen über 120 Start-ups
jährlich hervor. Ferner konnten die HM, LMU und TUM durch Fördergelder der Initiative EXIST-Potentiale des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit ihrem Gemeinschaftsantrag überzeugen. Er zielt darauf ab,
internationale Talente und Start-ups mit skalierbaren Geschäftsmodellen anzusiedeln, um Innovationen mit ge-
sellschaftlichem Mehrwert im Münchner Ökosystem zu verankern.
Beispiel einer weiteren universitätsübergreifenden Zusammenarbeit: LMU und TUM haben das Center for
Digital Technology and Management (CDTM) ins Leben gerufen – das CDTM,39 sichtbar in Form zahlreicher
bekannter Start-ups wie Personio oder CliniServe, die von den „Centerlings“ (ehemalige Studierenden des
CDTM) gegründet wurden. Hinzu kommt ein großes Netz kleinerer und häufig stark spezialisierter Hochschu-
len und privater Einrichtungen. Aus diesem Grund verfügt das Münchner Ökosystem über sehr gute Ausbil-
dungsmöglichkeiten für künftige Talente und Gründende und zieht Studierende an. Nicht nur hat München
eine überdurchschnittlich hohe Akademikerdichte (>32%), auch die Verteilung auf die zukunftsträchtigen
MINT-Fächer (MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) (>40%) und Medizin (8%) ist bemer-
kenswert40 und findet ihren Niederschlag in der positiven Bewertung Münchens.41

CORPORATE-EBENE Schon früh setzte die Bayerische Staatsregierung auf Förderung und Ansiedelung
von Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, um eine entsprechende Inzidenzwirkung für wirtschaftliche
Entwicklung und Ansiedelung von Schlüsseltechnologien zu erzielen.42 Dazu wirbt die Landeshauptstadt seit
Jahren um die Ansiedelung weiterer wissenschaftlicher Einrichtungen und der sie umgebenden Sekundärge-
werke. Ergänzt wird diese öffentliche Innovationspolitik durch umfangreiche Forschungs- und Entwicklungs-
einrichtungen der Wirtschaft, wie beispielsweise das FIZ, das Forschungs- und Innovationszentrum von BMW,
in dem rund 15 000 Menschen beschäftigt sind. In den Bereichen Umwelttechnologie, Fintech oder in der
Informationstechnologie wurde ebenfalls strukturiert nachgezogen, wie im Abschnitt zum Tech Hub Mün-
chen nachgelesen werden kann. Durch die hohe Dichte an Unternehmenszentralen von DAX, M-DAX oder

34
   https://www.weforum.org/agenda/2018/11/3-ways-to-nurture-collaboration-between-universities-and-industry/
35
   Für eine Übersicht: https://www.ihk-muenchen.de/de/Service/Gründung/Netzwerke-Kooperationen/Inkubatoren-und-Acceleratoren.html
36
   https://www.pwc.de/de/pressemitteilungen/2017/umfrage-start-up-unternehmen-muenchen-2017.pdf
37
   https://www.gruendungsradar.de/gesamtranking/grosse-hochschulen
38
   https://deutscherstartupmonitor.de
39
   Gespräch mit Andrea Hofmann (Lab Campus)
40
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Innovations-und-Wissenschaftsstandort19.pdf
41
   https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/de/Documents/Innovation/Tech-Standorte-Deutschland-Ranking-Deloitte-2018.pdf
42
   https://www.ihk-muenchen.de/ihk/documents/Innovation/FuE-Report_Langversion_finweb.pdf

14
Tech-DAX Unternehmen43, ergänzt durch Europazentralen der internationalen IKT Konzerne ergibt sich in der
bayerischen Landeshauptstadt eine außergewöhnliche Konzentration von unternehmensbasierter Forschung
- und Entwicklung, die sich natürlich stark mit den Universitäten und Wissenschaftsinstitutionen vernetzt und
befruchtet.

SCHLUSSFOLGERUNG Vor diesem Hintergrund kann Andreas von Oefele ganz zufrieden sein mit der
Saat, die er vor über 200 Jahren säte. München vereint die hohe Akademikerdichte kleiner Universitätsstädte
mit großstädtischer Anziehungskraft und Institutionendichte in einer sehr ungewöhnlichen Mischung.

43
     http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/boersennotierte_unternehmen_d.pdf

                                                                                                            15
THESE              3                       MÜNCHEN IST EIN STARKER
                                           WIRTSCHAFTSSTANDORT

TEASER Laut einer neuen Studie des bayerischen Unternehmensverbands vbw belegt Deutschland welt-
weit Rang vier der Länder mit den besten Bedingungen für Industrieunternehmen.44 Davon ist natürlich auch
München nicht ausgenommen – im Gegenteil: München ist hier besonders stark aufgestellt. Doch was genau
macht den Wirtschaftsstandort München aus?

„Noch verbinden viele mit München den Fußball und das Oktoberfest, nicht aber einen Investitions-
standort – daran muss man noch arbeiten. Aufgrund der Nähe zu den großen Industrien und DAX-
Unternehmen ist München jedoch sehr sichtbar.“
Gabirle Böhmer, Munich Startup

POLICY-EBENE München zeichnet sich insbesondere durch außergewöhnliche Wettbewerbsquoten und
einen herausragenden Branchenmix aus. Die Stadt vereint knapp 19% des gesamten BIPs in Bayern auf sich,
mit dem Münchner Umland sogar 31,4%. Auch die Kaufkraft liegt in München mit etwa 38% über dem Bundes-
durchschnitt. Die Arbeitslosenquote liegt in der Region München mit 3,3% deutlich unter der bundesweiten
Quote von 5%.45 Der wohl wesentlichste Faktor ist jedoch der bereits angesprochene Branchenmix, auch
bekannt als „Münchner Mischung“46, die aus Großunternehmen, Mittelständlern, Start-ups sowie traditionellen
Handwerksbetrieben in einer ausgewogenen Zusammensetzung besteht. Relevante Branchen sind u.a.
die Informations- und Kommunikationstechnologie, Dienstleistungen, Forschungs- und wissensintensive
Branchen – insbesondere Life Sciences, Medizin- und Umwelttechnologien – sowie die Kultur- und Kreativ-
wirtschaft. München ist außerdem der größte Versicherungsstandort Deutschlands und nach Frankfurt am
Main der zweitwichtigste deutsche Bankenplatz.

München wird zudem als „die DAX-Hauptstadt“ bezeichnet, da sechs der 40 DAX-notierten Unternehmen ihre
Heimat in München haben. Hierzu zählen die Allianz, BMW, Munich RE, Siemens, MTU Aero Engines AG und
Infineon Technologies (Neubiberg).47 Betrachtet man alle Unternehmen zusammen, ist erkennbar, dass bei
einem Großteil ein Tech-Fokus besteht. Im MDAX hat München mit zwölf Unternehmen klar die Nase vorn.48
Auch im Tec DAX kann München sechs Unternehmen vorweisen.49 Neben diesen traditionellen Dax-Unter-
nehmen siedeln sich auch immer mehr ausländische Hightech-Unternehmen in München an, wie beispiels-
weise Google (seit 2007 in München), das gerade eine neue Zentrale in München baut, Apple, Microsoft, IBM,
Oracle, Cisco oder Huawei.50 Hier zeigt sich in und um München eine klare Tendenz zu starkem Wachstum im
Bereich (High-)Tech.

München ist mit der Messe München außerdem internationaler Messeplatz und lockt mit seinen Leitmessen –
der analytica, BAUMA, electronica, EXPO REAL, Intersolar, ispo und MATERIALICA – zahlreiche Branchengrö-
ßen nach München. 2021 hat zudem erstmals die IAA Mobility in München stattgefunden.51

44
   https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/industrie-muenchen-studie-deutschland-unter-den-top-industriestandorten-dpa.urn-newsml-
dpa-com-20090101-190823-99-573180
45
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/de_factsandfigures_2020.pdf
46
   Gespräch mit Gabriele Böhmer (Munich Startup)
47
   https://www.muenchen.de/rathaus/wirtschaft/wirtschaftsstandort/wirtschaftsstruktur/dax-unternehmen-muenchen.html
48
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/boersennotierte_unternehmen_d.pdf
49
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/boersennotierte_unternehmen_d.pdf
50
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Wirtschaftsstandort_Muenchen_d.pdf
51
   https://messe-muenchen.de/de/technisches/veranstaltungen/iaa-mobility-2021.php

16
Luft- und
                                                 Life Sciences      Raumfahrt

                                                  25.000            15.000
                                                 Beschäftigte      Beschäftigte

                      Automotive

                      128.500
                     Beschäftigte
                                                                                               Unternehmensnahe
                                                                                                Dienstleistungen
                                                           Handwerk                               210.000
                                                                                                  Beschäftigte
                                                           76.700
                                                          Beschäftigte

                                Kultur- und
                             Kreativwirtschaft

                               179.000                                    Informations – und
                               Beschäftigte                              Telekommunikations-
                                                                              technologie

                                                                                                                      G
                                                                             118.600

                                                                                                                   UN
                                                                            Beschäftigte

                                                                                                            CH
                                                                                                              IS
                                                     Finanzwirtschaft
                                                                                                          M
                                                                                                    ER
                                                       ohne Angabe

                                                                                      H         N
                                                                              M Ü N C

Abbildung 5: Die Münchner Mischung – eine vielschichtige Wirtschaftsstruktur52

CORPORATE EBENE Betrachtet man die Unternehmen in München genauer, ist München insbesondere
im Bereich Automotive und Informations- und Kommunikationstechnologie sowie unternehmensnahe Dienst-
leistungen wie beispielsweise Versicherungen herausragend aufgestellt. Hier sind insgesamt ca. 460 000
Personen in ca. 46 700 Unternehmen beschäftigt. Die räumliche Nähe von Unternehmen auf verschiedenen
Ebenen der Wertschöpfungskette, wie Zulieferer und Endhersteller, stellt neben vielfältigen Kooperationsmög-
lichkeiten mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen einen besonderen Standortvorteil dar. Weiterhin
begünstigen die Mischung von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie die Nähe zu den wichtigen
Kunden die Arbeit dieser Branchen.
München ist unter anderem auch wichtigster Versicherungsstandort Deutschlands, und der Consulting-Sek-
tor hat hier eine prägende Bedeutung. Nicht zuletzt zeichnet die Stadt aus, wichtigster Standort für (Patent-)
Anwaltskanzleien zu sein, was insbesondere auf die große Zahl an Tech-Unternehmen zurückzuführen ist. In
diesen Bereichen sind in München weitere etwa 210 000 Personen beschäftigt. Erwähnenswert ist darüber
hinaus die Luft- und Raumfahrt, welche in München auch historisch einen besonderen Stellenwert einnimmt.
Hier werden allein in der Produktion circa 10 Mrd. Euro Umsatz generiert, und mit Airbus, MTU Aero Engines
und Premium Aerotec sind drei „Weltklasse“-Unternehmen angesiedelt. An der TU München entsteht in
diesem Kontext der größte Fachbereich seiner Art in Europa. Nicht zuletzt bestätigen derartige Aktivitäten
Münchens Ruf als Industriestandort.53

52
     Eigene Darstellung in Anlehnung an: http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Wirtschaftsstandort_Muenchen_d.pdf
53
     http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Wirtschaftsstandort_Muenchen_d.pdf

                                                                                                                                   17
„Wir möchten mit unseren Aktivitäten den Standort München nachhaltig weiterentwickeln, Talente mit
werthaltigen und skalierbaren Geschäftsmodellen ansiedeln, Potentiale und Synergien zwischen Startups,
Hochschulen, Corporates, öffentlicher Hand erkennen, um branchenübergreifende Kooperationen aktiv
zu gestalten und die richtigen Partner zu vernetzen.“
Frizzi Engler-Hamm, MUC SUMMIT

START-UPS München als starker Wirtschafts- und Industriestandort ist für die Ansiedlung von Start-ups re-
levant. Viele große Industrieunternehmen reichern ihre Innovationsbereiche mit dem Know-how von Start-ups
an und bilden mit ihnen Joint Ventures und Kooperationen. Dasselbe gilt für die großen Bildungseinrichtun-
gen der Metropolregion: sie fördern aktiv Jungunternehmen oder Spin-offs aus Wissenschaft und Forschung.54
So entstand im Rahmen der Start-up-Förderung unter anderem die „BMW Startup Garage“, in welcher der
Konzern das Wissen besonders innovativer Start-ups für sich nutzen möchte, und in Kooperation mit der TU
München entstand das Accelerator-Programm „TechFounders“ für Technologie-Start-ups.55 Ebenso entstehen
branchenspezifische Angebote wie das Accelerator-Programm Drink Innovation Campus (DICA) des Strascheg
Center for Entrepreneurship oder der Food Startup Incubator Weihenstephan, in denen das Innovations-
ökosystem der Getränkewirtschaft und die Innovationskraft der Start-ups mit Produkt- und Markt-Know-how
etablierter Unternehmen kombiniert werden.56 Initiativen wie diese sind sicherlich einer der Gründe, weshalb
München auch für die Start-up-Szene ein relevanter Standort ist. Um die Vernetzung weiter zu fördern, wurden
in München der Hub für Versicherungswirtschaft und der für Mobilität sowie das Biotech-Cluster BioM ins
Leben gerufen. Außerdem ist geplant, München zum bayerischen Zentrum für Künstliche Intelligenz (KI) zu
machen, mit dem „Mission Institute für KI“ und 22 neuen KI-Lehrstühlen an der Ludwig-Maximilians-Universität
und der Technischen Universität.57

SCHLUSSFOLGERUNG München ist nicht nur als Wirtschaftsstandort äußerst stark, sondern auch als
Industriestandort, insbesondere im Technologie-Bereich. Hervorgehoben sei hierbei die starke Vernetzung
zwischen Industrie, Start-ups und Wissenschaftseinrichtungen, was die bayerische Landeshauptstadt insbe-
sondere für Gründende interessant macht. Obwohl München große Schritte im Rahmen der Vernetzung
unternimmt, z.B. in Form neuer Hubs, scheint hier noch in Bezug auf vertikale Integration und branchenüber-
greifende Vernetzung weiteres Ausbaupotenzial zu bestehen. Frizzi Engler-Hamm, Geschäftsführerin von
MUC SUMMIT erzählt: „Im Rahmen der Initiative “MUST – The Munich Innovation Ecosystem” hat sich die
MUC SUMMIT GmbH unter anderem die branchenübergreifende Vernetzung zur Aufgabe genommen, um
gemeinsam mit den Stakeholdern aus der öffentlichen Hand, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Start-
up-Szene den Wirtschaftsstandort München national und international weiter zu stärken.“

54
   https://www.businessinsider.de/gruenderszene/allgemein/bmw-i-ventures-investment-caroobi/
55
   https://gruenderfreunde.de/bmw-setzt-verstaerkt-auf-startup-trend/
56
   vgl. www.drinkinnovation.de & https://fsiws.com
57
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/de_factsandfigures_2020.pdf

18
MÜNCHEN VERFÜGT ÜBER EINEN                                                             THESE           4
GUTEN VERNETZUNGSGRAD
SEINER ANSPRUCHSGRUPPEN

TEASER Die sprichwörtliche bayerische Gemütlichkeit gilt als ideale Voraussetzung für die Vernetzung und
Zusammenkunft des Münchner Ökosystems. Deswegen verwundert es nicht, dass im Zusammenspiel mit dem
Oktoberfest als größtem Volksfest der Welt die Bits&Pretzels als eine der wesentlichen Vernetzungsveranstal-
tungen der Innovations- und Entrepreneurship-Szene entstand.

POLICY-EBENE Die überschaubare Größe der Stadt und die hohe Dichte an Veranstaltungen und Aus-
tauschmöglichkeiten geben dem Tech-Hub München eine sehr gute Ausgangslage für die schnelle Verteilung
von Informationen. Die Dichte an Akteuren lässt sich gut auf dem Ecosystem Dashboard von Munich Startup
ablesen: Über 1500 Start-ups treffen auf über 300 Unternehmen, die gezielt die Zusammenarbeit mit Start-ups
suchen, gepaart mit rund 130 Investorinnen und Investoren und einem Talentpool von 45 000 Mitarbeitenden.58

„Durch MUST, Bits&Pretzels, Veranstaltungen der Entrepreneurship Zentren oder der Start-up-Unit der
IHK gibt es schon viel Vernetzung in München.

Laut Studie der BCG „The most innovative companies”, in der 50 der innovativsten Unternehmen identi-
fiziert wurden, haben 40 davon Vertretungen in München oder Bayern – wichtig ist, diese zusammenzu-
bringen und in unseren Stakeholder-Mix zu integrieren.“
Frank Dollendorf, IHK für München und Oberbayern

Das Münchner Innovations-Ökosystem verfügt über einen einzigartigen Stakeholder-Mix. Mit der Initiative
“MUST – The Munich Innovation Ecosystem“ werden die relevantesten Akteure zusammengebracht, um somit
den Austausch in, von und für München zu fördern und das Münchner Innovations-Ökosystem national und
international besser sichtbar zu machen. Auf diese Weise können stärkere Verbindungen und Synergien zwi-
schen Wirtschaft, Wissenschaft, Start-ups und der Politik sowie weiteren Partnern des Ökosystems entstehen
und den Standort langfristig attraktiv machen.
Dabei spielen die Landeshauptstadt selbst, die Handelskammern, Unternehmensverbände und die Wissen-
schaft ebenfalls eine große Rolle. Zusätzlich prägen von Stadt und Land unterstützte Veranstaltungen und
Messen die Vernetzung untereinander. Die von Steffi Czerny und der Burda Mediengruppe ins Leben geru-
fene Digital Life Design (DLD), beispielsweise, ist seit über 15 Jahren die führende Konferenz zum Austausch
der innovativen Köpfe mit Politik, Kunst und Wissenschaft vor dem Hintergrund der raschen digitalen Verän-
derung unserer Welt. Eine Perspektive, die auch eine weitere sehr wichtige, jährlich in München stattfindende
Konferenz zunehmend beschäftigt: die Münchner Sicherheitskonferenz. Auch dieses Forum vernetzt sich
zunehmend mit anderen Bereichen außerhalb des Politikbetriebs, da die enge Verflechtung von Ökologie,
Sozialem und Wirtschaft im öffentlichen Raum die Innovationen aus dem privaten und dem dritten Sektor be-
nötigt. Gerade die überregionale und europäische Ebene spricht die Startup Cities Alliance (SCALE)59 an. Über
eine gemeinsame Plattform, eine Ökosystemkarte und zahlreiche andere Instrumente lassen sich die wichtigs-
ten europäischen Technologiestandorte miteinander vergleichen. Insgesamt hat SCALE das Potenzial einer
europäischen Antwort auf das US-amerikanische oder das chinesische Start-up-Ökosystem und wird die Zu-
sammenarbeit von Oslo bis Rom sowie von Porto bis Vilnius befruchten. Münchens zentrale Lage im Herzen
Europas offenbart sich hier erneut.

58
     https://www.munich-startup.de/ecosystem/insights/
59
     https://scalecities.com                                                                               19
CORPORATE-EBENE Im internationalen Wettlauf um Märkte, Innovationen und Talente wird es auch für
etablierte Unternehmen von entscheidender Bedeutung sein, mit Start-ups zusammenzuarbeiten, um den
Anschluss nicht zu verlieren.60 Eine BCG-Studie hat diese Art der Zusammenarbeit von Großunternehmen und
Start-ups untersucht und dabei fünf Kooperationsinstrumente identifiziert, die sich alle in München wiederfin-
den:

• innovation or digital labs: z.B. Deloitte Digital oder Siemens AI Lab
• accelerators: z.B. BMW Startup Garage, Climate-KIC Accelerator
• corporate venture capital (CVC): z.B. Allianz X, BayWa r.e. Energy Ventures oder HV Holtzbrinck Ventures
• partnership units: z.B. Infineonʼs Inno.Wafer oder Giesecke+Devrient
• incubators: Media Lab Bayern oder ESA Business Incubation Centre (BIC) Bavaria

Dabei fällt auf, dass in der DACH-Region etwa 50 % der Start-ups und Unternehmen unzufrieden mit der Zu-
sammenarbeit sind und die hohen Erwartungen an Prozessen, Strukturen und Kulturen scheitern.61 Mit einer
klaren und allgemein geteilten Vorstellung der Kooperationsziele im Hinterkopf wird vorgeschlagen, eine Ver-
bindung der Start-ups mit dem Kerngeschäft der Großunternehmen herzustellen. Damit die Partner das jeweils
richtige Gegenüber und dann innerhalb der stark diversifizierten Strukturen großer Unternehmen die richtigen
Adressaten finden, ist erneut Netzwerkarbeit gefragt.

„Das Innovationsökosystem kann noch von einer Professionalisierung, wie sie von MUST vorangetrieben
wird, profitieren, um vor allem in der internationelen Wahrnehmung stärker aufzutreten.“
Matthias Marschall, Google Germany

START-UPS München ist ein attraktiver und innovationsfreundlicher Standort, der Talente und Start-ups
ebenso wie Unternehmen aus der Region und der ganzen Welt in seinen Bann zieht. Mit MUST – The Munich
Innovation Ecosystem – gegründet durch UnternehmerTUM, Strascheg Center for Entrepreneurship und Ger-
man Entrepreneurship – lässt sich die Vernetzung des einzigartigen Stakeholder-Mix durch Formate wie z.B.
MUST Dialogue oder fachspezifische Workshops immer besser realisieren.
Deswegen werden für die Kuratierung der Inhalte die Funktionen von Market-Makern und die systematische
Aufarbeitung der Wissensressourcen immer wichtiger. Interessanterweise greifen Münchner Start-ups diese
Trends seit Längerem auf. Einige der erfolgreichsten Neugründungen der letzten Jahre, das new data mining
Software-Haus Celonis oder der Personalvermittler Personio, bieten ihren Kundengruppen entsprechende
Lösungen an. Doch es ist „noch viel Luft nach oben“ finden die beiden Geschäftsführer von inveox: „Auch
die Münchner Umgebung beheimatet noch so viele weitere Player und Stakeholder – die Möglichkeiten hier
sollten für künftige Unternehmer noch viel transparenter und zugänglicher sein. Unternehmerinnen und Unter-
nehmer sollten nicht danach suchen müssen, welche Münchner Unternehmen für eine Partnerschaft infrage
kommen könnten. Ein leichterer Zugang für Unternehmer zu Ressourcen und dem nötigen Support würde die
Innovationskraft am Standort München sicherlich zusätzlich stärken“, so Maria und Dominik Sievert, inveox.

SCHLUSSFOLGERUNG Das Münchner Innovationsökosystem ist zwar hochgradig vernetzt, doch um auf
die Ebene einer gemeinsamen Wertschöpfung zu gelangen, besteht noch Potenzial nach oben. Dabei wird es
vor allem darum gehen, spezialisierte Communities wie z.B. die One Mission Initiative und das Female Inves-
tors Netzwerk oder den Venture Capital Club e.V. mit anderen Akteuren zu verbinden. Genügend durchlässig
zu sein, um wertvolle Querverbindungen aufzubauen und gleichzeitig die Identität und das Zusammengehö-
rigkeitsgefühl der Gruppen zu wahren, ist die Aufgabe der Zukunft.

60
   Weiblen, T., & Chesbrough, H. W. (2015). Engaging with startups to enhance corporate innovation. California Management Review, 57(2),
66–90. Abrufbar unter https://journals.sagepub.com/doi/10.1525/cmr.2015.57.2.66
61
   https://www.bcg.com/publications/2019/corporate-startup-relationships-work-after-honeymoon-ends

20
MÜNCHEN BIETET BESTE                                                                                         THESE        5
LEBENSQUALITÄT

TEASER München ist eine wunderschöne Stadt, hat den größten innerstädtischen Park der Welt, durch des-
sen Mitte die Isar fließt, zahlreiche Ausflugsziele sind nicht weit entfernt, und international angebunden ist die
Stadt über ihren modernen Flughafen. München scheint vor Lebensqualität zu strotzen.

POLICY-EBENE Die Lebensqualität in München ist auch bei der Wahl des Arbeitgebers oder Unterneh-
mensstandorts relevant. So geben neun von zehn Berufstätigen in München an, sich in ihrer Region wohlzu-
fühlen, und sogar ungefähr jeder Zweite kam in die Metropolregion aus beruflichen Gründen, knapp jeder
Fünfte der Ausbildung bzw. des Studiums wegen. Gründe für die Zufriedenheit in München sind u.a. die gute
Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, die Erreichbarkeit für Aktivitäten auf öffentlichen Grünflächen und in
Parks, aber auch gute Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf sowie weitere Möglichkeiten, etwa für
Sport und Bewegung, um nur einige zu nennen.62

                                                                                                  HELSINKI
                                                                    OSLO
                                                                                  STOCKHOLM

                                                                        KOPENHAGEN

                            DUBLIN

                                                       AMSTERDAM           BERLIN             WARSCHAU
                                         LONDON
                                                      BRÜSSEL
                                                                               PRAG

                                              PARIS                     MÜNCHEN
                                                                                    WIEN

                                                            BERN

                       MADRID                                               ROM

      LISSABON

Abbildung 6: Gute Anbindung der Stadt München innerhalb der EU63

62
     https://www.pwc.de/de/standorte/muenchen-und-umland-auswirkungen-hoher-mieten.pdf
63
     Eigene Darstellung, angelehnt an https://www.lmu.de/de/die-lmu/die-lmu-auf-einen-blick/die-lmu-muenchen/index.html
                                                                                                                          21
Neben diesen Faktoren bietet München ein abwechslungsreiches Kultur- und Gastromilieu. Laut dem “Cul-
tural & Creative Cities Monitor” der EU-Kommission aus dem Jahr 2019 belegt München in dieser Kategorie
den zweiten Platz, direkt hinter Paris. Die Theater- und Opernszene kann immerhin fünf staatliche, 50 private
und drei städtische Bühnen vorweisen.64 Sicherlich ist auch die Heimat des erfolgreichsten Deutschen Fuß-
ballclubs, des FC Bayern München, für die andere oder den anderen ein attraktiver Faktor. München ist unter
anderem geprägt durch seine kulturelle Vielfalt und spannenden internationalen Austausch. So stammen etwa
28% aller in München Lebenden aus dem Ausland. Hier leben Menschen aus etwa 180 Ländern – was die
Stadt zu einem internationalen Hotspot macht.65 Die große Zahl an Expatriates in München ist ebenfalls ein
Indiz dafür, dass München Vorreiter in puncto Lebensqualität in Deutschland ist.

Was den 1,47 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern allerdings Sorge bereitet, ist der stetige Trend zu
steigenden Preisen für Häuser und Wohnungen, auch in Krisenzeiten.66 Das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“
ist in München seit 30 Jahren ein Dauerbrenner, und das bayerische Landesamt für Statistik prognostiziert ein
Wachstum der Einwohnerzahl bis 2038 auf 1,67 Millionen, was keineswegs auf eine Entspannung der Lage
hinweist.67 In Deutschland beträgt der durchschnittliche Anteil an Miete vom Haushaltseinkommen ca. 20,6%.68
In München liegt dieser Wert im Schnitt bei 29,5%, was 18,61 Euro pro Quadratmeter entspricht.69 Gerade bei
Personen mit geringem Einkommen oder Berufseinsteigern dürfte der Wert deutlich höher liegen. Bei Wohn-
eigentum ist das Münchner Gefälle im Vergleich sogar noch stärker ausgeprägt.70

München ist in Deutschland diesbezüglich nach wie vor Spitzenreiter und kann sich mit den großen internatio-
nalen Metropolen messen.

MIETBELASTUNG NACH WOHNSITUATION IN DER STADT MÜNCHEN
Median in Prozent des Haushaltsnettoeinkommens aus 10 041 Befragten

     ALLEINERZIEHEND MIT FAMILIE                                                   37

     ALLEIN LEBEND                                                     31

     MIT FAMILIE                                        28

     IN EINER WOHNGEMEINSCHAFT                         27

     MIT PARTNER/-IN                                  25

                                        IN DEUTSCHLAND             IN MÜNCHEN

Abbildung 7: Mietbelastung nach Wohnsituation in der Stadt München71

64
   https://exporo.de/standortanalyse/muenchen/
65
   http://www.wirtschaft-muenchen.de/publikationen/pdfs/Wirtschaftsstandort_Muenchen_d.pdf
66
   http://www.kommunalreferat-muenchen.de/gaa/immo/analysen/index.htm
67
   https://aigner-immobilien.de/download-muenchner-immobilien-marktbericht-20-21/?ref=AdW-SU-Marktbericht-2021&gclid=EAIaIQob-
ChMIwPKBl6Cj7wIVGuJ3Ch3oDglgEAAYASAAEgKDj_D_BwE
68
   https://de.statista.com/statistik/daten/studie/459578/umfrage/mietanteil-am-haushaltseinkommen-privater-haushalte-in-deutsch-
land/#:~:text=Im%20Jahr%202019%20belief%20sich,auf%20etwa%2020%2C6%20Prozent.
69
   https://de.statista.com/infografik/20131/anteil-der-miete-am-gehalt-in-grossstaedten-in-ost-und-west/
70
   https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6654/umfrage/immobilienpreise-fuer-eigentumswohnungen-in-deutschen-staedten-2008/
71
   https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/muenchen/meinemiete-so-stark-belastet-die-miete-die-muenchner-e807307/

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