Mitteilungsblatt "Instaurare omnia in Christo" - District de Suisse
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40 Tage nach dem Darstellung des Herrn im Tempel
Geburtsfest des
Herrn ist das Fest Herr, nun entlässest Du Deinen Diener nach Deinem
Worte in Frieden;
Mariä Lichtmess. Denn meine Augen haben Dein Heil gesehen,
Damit endet die das Du bereitet hast vor dem Angesichte aller Völker.
Weihnachtszeit. Ein Licht zur Erleuchtung der Heiden
und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.
Nunc dimittis des hl. Simeon (Lukas 2, 29–32)Mitteilungsblatt: Schweizer Distrikt
Informationsorgan des Schweizer Distrikts
der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Wort des Distriktoberen 6
Gebet in Kreuz und Leid 11
Herausgeber:
Distriktnotizen12
Priesterbruderschaft St. Pius X.
Solothurnerstrasse 11
4613 Rickenbach
Kirchliches Leben
Schweiz
T +41 62 209 16 16 Interview – „Die Zukunft der Kirche und der
F +41 62 209 16 17 Berufungen liegt bei den Familien, in denen die Eltern
das Kreuz Unseres Herrn aufgepflanzt haben.“ 20
Verantwortlich (i.S.d.P.):
Pater Pascal Schreiber
Interview – „Die Kirche hat sich nicht 2000 Jahre geirrt“28
„Zum Altare Gottes will ich treten ...“ 33
Erscheinungsweise:
Einsegnung der neuen Kirche Heiliger Mauritius
Monatlich
in Glis (Oberwallis) 37
Preis:
Gegen freiwillige Spende.
(Jedem Mitteilungsblatt liegt
Geistliches
ein Überweisungsträger bei. Kleine Schule des Gebetes –
Bitte geben Sie Ihre Adresse an!) Die Notwendigkeit des Gebetes 39
Bestellung bei:
Msgr. Marcel Lefebvre –
Priorat St. Niklaus von Flüe Unsere Zukunft liegt in Gottes Händen 45
Solothurnerstr. 11 Liturgischer Kalender 50
4613 Rickenbach
Spendenkonten des
Mitteilungsblatt
Schweizer Distrikts:
Distrikt der Schweiz der
Priesterbruderschaft St. Pius X.
PostFinance
Kontonummer: 17-5510-1
CHF IBAN: CH60 0900 0000 1700 5510 1
CHF BIC: POFICHBEXXX “Alles in Christus erneuern”
Spendenkonto des
deutschsprachigen Priesterseminars
Priesterseminar Herz Jesu, Zaitzkofen Termine und Ankündigungen51
IBAN: DE 05 75062026 0005 1197 66
BIC: GENODEF 1 DST Exerzitien und Einkehrtage 54
Heilige Messen 56
Internet:
www.fsspx.ch Buch des Monats 66
Es kommt der Tag ... 67
4 Mitteilungsblatt Februar 2019 5Wort des Distriktoberen
Liebe Gläubige,
oder eine andere Schwäche. Deshalb wollen wir uns
nun gemeinsam mit dem Thema auseinandersetzen: Wie
gehen wir mit den Grenzen im Leben um, mit unseren
liebe Freunde und
Schwachheiten, die uns seelisch oder körperlich beein-
trächtigen? Dabei will ich vorwegnehmen, dass es um
uns selbst geht und nicht um die Grenzen und Schwä-
Wohltäter! chen der anderen.
Zuerst einmal müssen wir uns bewusst werden, dass
diese Grenzen und Schwachheiten eine Folge der
Erbsünde sind. Zwar wird bei der Taufe die Erbsünde
getilgt, aber ihre Folgen bleiben bestehen. Unser Körper
ist zudem vergänglich und Schwachheiten unterworfen.
Herr Frühling kann aufgrund eines Skiunfalls nicht Alle Menschen haben in ihrem Leben mit Schwierigkei-
mehr in die Berge zum Wandern und auch nicht mehr ten zu kämpfen. Auch die Heiligen bild(et)en hier keine
zum Skifahren, was ihn sehr belastet. Ausnahme.
Frau Sommer hatte vor zwei Jahren ein Burnout. Sie Der hl. Apostel Paulus kommt in seinem zweiten Brief
muss seither auf jegliche anstrengende Arbeit verzich- an die Korinther immer wieder auf dieses Thema zu
ten. sprechen und beschreibt, wie man mit Schwierigkeiten
Pater Pascal Schreiber umgehen soll. Es ist das erschütternde Zeugnis eines
Herr Herbst leidet an Depressionen, wenn im Herbst Apostels, der sich um seine Gemeinde sorgt und für
die Blätter von den Bäumen fallen. Er hat dann grosse sie ringt. Am Anfang seines Briefes erwähnt er, wie
Mühe im Alltag. stark ihm die überstandenen Bedrängnisse zusetzten.
Gleichzeitig ist das Herz des Völkerapostels in Dankes-
Frau Winter war einmal eine grosse Geigenspielerin. stimmung für die erfahrene Hilfe Gottes: „Denn wir
Am liebsten spielte sie die „Vier Jahreszeiten“ von Vi- möchten euch, Brüder, nicht ohne Wissen lassen, von
valdi im Orchester. Leider leidet sie nun an Arthrose der Drangsal, die uns in Asia widerfuhr; über unsere
und muss auf das Geigenspiel verzichten. Zum Glück Kraft hinaus hatten wir in einem solchen Übermass
verbleiben ihr noch Tonaufnahmen auf CD, die sie noch zu tragen, dass wir keine Möglichkeit mehr sahen,
hören kann. noch weiter zu leben. Hatten wir doch für uns selbst
das Urteil des Todes gesprochen, um so nicht auf uns
Vielleicht finden Sie sich in einem dieser Schemata selbst zu vertrauen, sondern auf Gott, der die Toten
wieder. Noch wahrscheinlicher ist es, dass Sie in ir- auferweckt“ (2 Kor 1,8-9).
gendeiner Weise körperlich oder seelisch leiden, sei
es bedingt durch körperliche Gebrechen, moralisches Im vierten Kapitel nimmt der hl. Paulus den gleichen
Unvermögen, Sinnlichkeit, Zornausbrüche, Gereiztheit Gedanken wieder auf und spricht über die menschliche
6 Mitteilungsblatt Februar 2019 7Wort des Distriktoberen
Schwachheit, welche sich zuversichtlich auf Gottes Hilfe heimkehrten. Die Heilung fand nicht statt. Das Wunder
und Erbarmen stützt: „Wir tragen aber diesen Schatz in geschah nicht. Oder doch?
irdenen Gefässen, damit das Übermass an Kraft auf-
seiten Gottes sei und nicht bei uns. In allem werden Müssen Wunder immer sicht- und messbar sein? Kann
wir bedrängt, aber nicht erdrückt; sind im Zweifel, man manchmal nicht von einem kleinen Wunder spre-
aber verzweifeln nicht; leiden Verfolgung, sind aber chen, wenn jemand in seinem Leiden, in seiner Krank-
nicht verlassen; werden niedergeworfen, gehen aber heit, nicht verbittert? Oder wenn der Betroffene sogar
nicht zugrunde“ (2 Kor 4,7-9). Der Apostel erfährt auf beginnt, seine Leiden und Gebrechen zu akzeptieren und
der einen Seite seine menschliche Unzulänglichkeit und geduldig zu ertragen? Ist es nicht ein Wunder der Gnade,
auf der anderen Seite das starke Wirken Gottes – und wenn ein Katholik auf den Spuren des hl. Paulus wandelt
das ständig und ein Leben lang. und sich sogar an der eigenen Schwachheit freut?
Im zwölften Kapitel, gegen Ende des Briefes, beschreibt Vielleicht haben Sie schon von Bruder Andreas von
der Apostel noch, wie er selbst einen Stachel in seinem Montréal (1845 - 1937) gehört. Man schreibt ihm 125‘000
Fleisch trägt, damit er nicht überheblich werde (vgl. 2 Heilungen zu. Kein Wunder (!), dass er am Ende seines
Kor 12,7). Gott will ihm diesen Stachel nicht wegneh- Lebens 80‘000 Bittbriefe pro Jahr erhielt und dass eine
men, sondern spricht zu ihm: „Es genügt dir meine Million Menschen bei der Aufbahrung an seinem Sarg
Gnade; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollen- vorbeizogen.
det“ (2 Kor 12,9). Je schwächer der hl. Paulus erscheint,
desto stärker kommt das Wirken Gottes zur Geltung. Bruder Andreas empfahl den Menschen die Verehrung
Darum geht der Apostel im nächsten Vers sogar so weit, des hl. Josef und ein unerschütterliches Vertrauen in
dass er „Gefallen an Schwächen, an Verschmähungen, den Nährvater Jesu. Man stellte dem Ordensmann eines
an Nöten, an Verfolgungen, an Bedrängnissen um Tages die Frage, warum einige sofort geheilt würden,
Christi willen“ findet und fügt hinzu, „denn wenn ich während andere lange warten mussten. Bruder Andreas
schwach bin, dann bin ich stark“ (2 Kor 12,10). Ja, das erklärte das so: „Diejenigen, die sofort erhört werden,
Geheimnis seiner Kraft, und diese Kraft des hl. Paulus besitzen den Glauben nicht. Sie brauchen etwas Spekta-
ist ein Geheimnis, liegt in der Gnade Gottes. kuläres, um sich zu bekehren. Diejenigen aber, die den
Glauben besitzen, müssen oft warten, da der liebe Gott
Oft sind wir versucht, unsere Schwächen und Grenzen sie prüft, damit sie mehr Verdienste sammeln können.“
zu verleugnen, aber wir können uns dieser Wahrheit Der eigene Cousin des Bruders war blind, wurde aber
nicht entziehen. Es gibt kein christliches Leben ohne nie geheilt. Zu ihm sagte Bruder Andreas: „Du besitzt
Kreuz. Natürlich dürfen wir auf Wunder hoffen, auf den Glauben, du kannst also deine Prüfung ertragen, um
Heilung, auf Befreiung von Gebrechen. Immer wieder dich zu heiligen.“
zeigte der liebe Gott an verschiedenen Wallfahrtsorten
seine unendliche Macht und kam den Menschen zu Hilfe. Wenn wir an unsere Grenzen stossen, wenn Gott Kreuze
Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die z.B. schwerkrank in unserem Leben zulässt, so wissen wir, dass er uns zu
nach Lourdes pilgerten und als Schwerkranke wieder etwas Höherem, Besserem führen will. „Denen, die Gott
8 Mitteilungsblatt Februar 2019 9Wort des Distriktoberen Gebet
lieben, gereicht alles zum Besten“, erklärt uns wieder-
um der hl. Apostel Paulus (Röm 8,28).
Nie dürfen wir uns von unseren Schwachheiten entmuti-
gen lassen, sondern sollen vielmehr zum Heiland gehen,
Gebet in Kreuz
der uns einlädt: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig
und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmet
mein Joch auf euch und lernet von mir; denn ich bin
und Leid
sanftmütig und demütig von Herzen, und ihr werdet
Erquickung finden für eure Seelen, denn mein Joch ist
sanft und meine Bürde ist leicht“ (Mt 11,28-30).
Heiliger Franz von Sales
Vielleicht zeigt uns gerade die Tugend des Gleichmutes
den Weg der Heiligkeit und hilft uns über alle Schwie-
rigkeiten und Schwachheiten hinwegzukommen. Der hl.
Ignatius von Loyola pocht in seinen Exerzitien geradezu Gott, du hast in deiner ewigen Weis- mich und meine schwache Kraft mit
auf den Erwerb dieser Tugend. Das nachfolgende Gebet heit mir dieses Kreuz ausersehen, dem Blick der Liebe umfangen hast
fasst in ergreifender Weise seine Lehre zusammen und das ich jetzt tragen muss. Es drückt – o ich dürfte nicht klagen.
soll uns ein kleiner Ansporn sein: mich schwer; verzeih mir, wenn
ich darunter seufze. Ich denke zu
Herr, wie du willst, soll mir gescheh‘n, wenig Deine Gedanken, die so ganz Ich will vielmehr bereit sein, anzu-
und wie du willst, so will ich geh‘n, anders sind als unsere Menschenge- nehmen, was mir von Deiner Hand
hilf deinen Willen nur versteh‘n. danken. zugeschickt ist als ein Gruss von
Dir, als eine Botschaft Deines Ver-
Herr, wann du willst, dann ist es Zeit, Wenn ich wüsste und bedächte, trauens, als eine liebe Einladung zu
und wann du willst, bin ich bereit, wie Du mit Deinen allwissenden Dir: mich aufzumachen, um Chris-
heut und in alle Ewigkeit. Augen mein Kreuz betrachtet hast, tus, Deinem für uns hingegebenen
ehe Du es schicktest; wie Du es ge- Sohne, nachzufolgen bis ans Kreuz.
Herr, was du willst, das nehm‘ ich hin, prüft und gewogen hast, ob es auch Musste Er nicht leiden? Ja, auch ich
und was du willst, ist mir Gewinn; nicht zu gross und zu schwer für muss und will es mit Ihm, um einzu-
genug, dass ich dein Eigen bin. mich sei; wie Du es gesegnet hast gehen mit Ihm in Seine Herrlichkeit:
mit Deiner Gnade und wie Du dann heim zu Dir, o Vater, Amen.
Herr, weil du‘s willst, drum ist es gut,
und weil du‘s willst, drum hab‘ ich Mut,
mein Herz in deinen Händen ruht!
10 Mitteilungsblatt Februar 2019 11Aus dem Distrikt
bleibt. Schon seit Jahren besteht So, 2. Dezember - Am Morgen hal-
sein Apostolat „nur“ noch im Lesen te ich das Hochamt in Montreux. Es
der hl. Messe und im Beten des Bre- ist das erste Mal, dass ich diese Ge-
Distriktnotizen viers. Dem scheidenden Pater wün-
schen wir Gottes Segen und alles
Gute für sein neues Wirkungsfeld
meinde besuche. Leider gehört Mon-
treux zu den kleineren Messzentren
des Schweizer Distrikts, obwohl
im Altenheim von Weihungszell. die Kapelle zwei grosse Vorteile
Wir werden seinen Humor und sein mit sich bringt: Der sakrale Raum
Vorbild vermissen! bildet einen würdigen Rahmen für
die göttliche Liturgie. Zudem ist der
Di, 20. November - Wieder einmal Standort mit den öffentlichen Ver-
Der Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. für die Schweiz, Pater Pascal nehme ich an der Generalversamm- kehrsmitteln sehr gut erreichbar,
Schreiber, veröffentlicht in unregelmässigen Abständen kurze Aufzeichnungen lung der Schule „Fleurs de Mai“ in die Kapelle steht nämlich neben
von seiner Arbeit und von Ereignissen im Schweizer Distrikt. Lesen Sie heute die Riddes teil. Dieses Jahr steht unter dem Bahnhof.
„Distriktnotizen“ für die Zeit vom 30. Oktober bis 16. Dezember 2018. anderem die Wahl der Vorstands-
mitglieder auf der Traktandenliste. Nach dem gesungenen Amt mache
Erfreulicherweise stellen sich bei- ich mit den Gläubigen eine kleine
nahe alle amtierenden Vorstands- „Tour de Suisse“, d.h. ich erzähle
Di 30. Oktober - „Sie täuschen mitglieder zur Wiederwahl für die ihnen ein paar Neuigkeiten aus dem
sich, wenn Sie denken, dass viele nächsten drei Jahre. Sie werden Distrikt. Beim anschliessenden
Kranke den Ruin Ihres Hauses selbstverständlich (wieder-)ge- Fondue-Essen mit den Gläubigen
bedeuten. Nie überschüttet Gott wählt! Die Wiederwahl bedeutet kommt auch die Geselligkeit nicht
ein Kloster mit mehr Segen, als Kontinuität. Kontinuität bedeutet zu kurz.
wenn sich daselbst viele Kranke Stabilität. Kontinuität und Stabilität Am Nachmittag halte ich in Enney
befinden.“ So sprach eines Tages sorgen für Ruhe. Wo Ruhe herrscht, einen Vortrag über das Vertrauen
die grosse hl. Theresia von Avila da lässt sich gut arbeiten. Ein herz- und seine verschiedenen Facetten:
mit der Priorin eines Karmelitin- liches Vergelt‘s Gott allen, die sich Urvertrauen, Gottvertrauen, Ver-
nen-Klosters. für die Schule „Fleurs de Mai“ ein- trauen in der Erziehung. Der Anlass
setzen! ist eingebettet in einen von den
Segnet der liebe Gott nun das Nach getaner Arbeit beginnt das Gläubigen organisierten „Marché de
Priorat in Rickenbach weniger, traditionelle Raclette. Einziger Noël“.
wenn Pater Markus Heggenberger Wermutstropfen an diesem Abend:
dieses verlässt und Richtung Wei- Wenn man am gleichen Tag noch Fr, 7. Dezember - Der Monat De-
hungszell zieht? Wir hoffen nicht. nach Rickenbach zurückfahren zember ist von mehreren Todesfäl-
Die voranschreitende Krankheit muss, kann man leider nicht bis len überschattet.
unseres Mitbruders lässt es leider zum Schluss bleiben und verpasst Heute ist die Kirche in Wil bis fast
nicht zu, dass er weiterhin bei uns somit ein paar fröhliche Stunden. zum letzten Platz besetzt für die
12 Mitteilungsblatt Februar 2019 13Aus dem Distrikt
Beerdigungsmesse von Herrn Karl Lasset uns auch beten für alle, wel- mehr als allen
Suter, dem Vater von zwei Priestern che diese Todesfälle mit Schmerz anderen Ge-
und zwei Schwestern der Bruder- und Trauer erfüllt hat. Möge Gott schöpfen seine
schaft. Pater Pirmin Suter bringt die Betrübten trösten, die Gebeug- besondere Lie-
in seiner Predigt das Kunstwerk ten aufrichten und den Verlassenen be zu und fand
fertig, anhand des Lebens seines Kraft und Stärke verleihen. an ihr allein
Vaters in 30 Minuten den Katechis- sein höchstes
mus zusammenzufassen und einen Sa, 8. Dezember - Heute legen Wohlgefallen.
kurzen Abriss über das christliche sieben Priester, die im Schweizer So überhäufte
Leben zu geben. Der Verstorbene, Distrikt tätig sind, ihre ewigen er sie weit mehr
der dem Dritten Orden der Bruder- Treueversprechen in der Priester- als alle Engel und Heiligen mit einer chem die Priester der Bruderschaft
schaft angehörte, findet seine letzte bruderschaft St. Pius X. ab. Sechs Fülle himmlischer Gnadengaben, ihr Treueversprechen ablegen. Ein
Ruhestätte auf dem Friedhof von Mitglieder kommen dafür nach die er aus der Schatzkammer seiner Grund mehr auch für uns, die „Virgo
Kirchberg. Oensingen, wo den Gläubigen das Gottheit nahm, begnadigte sie so fidelis“, die getreue Jungfrau, wie
besondere Privileg zuteil wird, der wunderbar, dass sie allezeit frei wir sie in der Lauretanischen Lita-
Drei Tage später verstirbt Herr Versprechensablegung und einem blieb von jedem Makel der Sünde, nei anrufen, zu bitten, dass sie uns
Wolfgang Rimmele. Er gehörte den levitierten Hochamt beizuwohnen. dass sie ganz schön und vollkom- Priestern diese Treue erbitten wol-
Marienrittern an. Als nächste wird Ein Ausschnitt der Bulle „Ineffabilis men wurde und eine solche Fülle le, ganz gemäss den Statuten der
Frau Erika Giroud aus dem Leben Deus“ von Papst Pius IX. bildet den von Reinheit und Heiligkeit besass, Priesterbruderschaft: „An diesem
gerissen. Sie hinterlässt einen Anfang der Predigt: „Gott wählte dass man, ausser in Gott, eine Gnadentag sollen alle Mitglieder,
Ehemann und fünf schulpflichtige von Anfang an und vor aller Zeit grössere sich nicht denken kann sowohl die Priester als auch die
Kinder – ein Drama. Herr Patrick schon für seinen eingeborenen und dass niemand ausser Gott sie zukünftigen Priester, die getreue
Theiler, den viele von Ihnen kennen Sohn eine Mutter aus, und bestimm- begreifen kann.“ Dieser Text zeigt Jungfrau um die Gnade der Treue
dürften, verliert innerhalb von vier te, dass er von ihr in der seligen auf, wie die Muttergottes bereits zu ihrem Versprechen bitten und
Tagen seine Taufpatin und seinen Fülle der Zeiten als Mensch gebo- im Augenblick ihrer Unbefleckten um die Gnade der vollkommenen
Vater; dazwischen liegt Weih- ren werden sollte; ihr wandte er Empfängnis eine grössere Heilig- Einheit in der Liebe für die ganze
nachten! Schliesslich wird Frau keit besass, als die gesamte Kirche Bruderschaft.“
Annamaria Pfluger, die zur ersten am Ende der Zeiten besitzen wird.
Generation der Pfluger-Geschwister Die Heiligkeit Mariens wuchs mit
gehört, in die Ewigkeit abberufen. jedem Tag ihres Lebens, weil sie
Beten wir für die Seelenruhe der ge- dem Gnadenwirken Gottes niemals
nannten Verstorbenen, wie auch für das kleinste Hindernis entgegen-
alle, die hier nicht aufgeführt sind. setzte, wie es bei uns und sogar im
Seien wir eingedenk, dass wir ihnen Leben der Heiligen der Fall ist.
vor das Angesicht Gottes folgen Unser Gründer, Erzbischof Lefeb-
werden – zu der Stunde, die Gott vre, wählte ganz bewusst den 8.
allein kennt. Dezember als den Tag aus, an wel-
14 Mitteilungsblatt Februar 2019 15Aus dem Distrikt
Do, 13. Dezember - Die Kultur- haben dürften, wie die heutigen So, 16. Dezember - In Glis wird
kommission der Gemeinde Ricken- Menschen in einer einzigen Stunde die neue Kirche St. Mauritius ein-
bach lädt mich zur Weihnachtsfeier SMS empfangen.) gesegnet. „Freuet euch allzeit im
der Senioren ein. Eigentlich ist mein Herrn! Wiederum sage ich: Freuet
Jahrgang für die kommenden zwei Die Frau des Posthalters fügt hinzu, euch!“ Mit diesen Worten des hl.
Jahrzehnte noch von solchen Anläs- dass Mgr. Lefebvre und ihr Mann Paulus beginnt am Eröffnungstag
sen ausgeschlossen. Der Grund für sich gut gekannt hätten, als der Erz- der Introitus. Welch wunderbare
die Einladung muss also anderswo bischof noch als Generaloberer die Fügung, dass die Liturgie die Freu-
liegen. Ich soll bei der Veranstal- Priesterbruderschaft von Ricken- de der Gläubigen so deutlich zum
tung das Mikrophon ergreifen, bach aus leitete. Sie hätten freund- Ausdruck bringt!
den älteren Dorfbewohnern eine schaftlichen Umgang gepflegt und Um Mitternacht war in Glis noch
Weihnachtsgeschichte vorlesen und auch einmal zusammen ein Glas alles grün, oder sagen wir besser
ihnen ein paar Gedanken zur nahen Wein getrunken. schwarz. Sechs Stunden später
Geburt unseres Herrn und Heilan- liegen 15 Zentimeter Schnee, Glis
des mit auf den Weg geben. Sa, 15. Dezember - Bei einem präsentiert sich im herrlichsten
vorweihnachtlichen Essen habe ich Winterkleid. Es scheint, als wolle
Beim gemütlichen Beisammensein Gelegenheit, mit den Angestellten die Natur an der enormen Freude
kommt die Frau des ehemaligen unseres Brockenhauses zu plaudern des heutigen Tages ihren aktiven
Posthalters von Rickenbach auf und ihnen für ihren unermüdlichen Beitrag leisten.
mich zu. Sie könne sich noch gut Einsatz während des ganzen Jahres Der diesjährige Gaudete-Sonntag
erinnern, erzählt sie, wie damals, hindurch zu danken. Einige unter- wird den Oberwalliser Gläubigen
als Erzbischof Marcel Lefebvre stützen das Werk durch ihre Arbeit bestimmt in beeindruckender und
1991 starb, eine wahre Flut von und verdienen sich damit ihren beglückender Erinnerung bleiben:
Telegrammen auf der Poststelle Lebensunterhalt; andere, welche Zum ersten Mal wird in der Kirche
eingetroffen sei, die ihr Mann an bereits das Pensionsalter erreicht hl. Mauritius ein katholischer Got-
die Solothurnerstrasse 11 ausliefern haben, opfern jede Woche einige tesdienst gefeiert.
musste, wo anno dazumal noch das Stunden und arbeiten um Gottes- Das neue Gotteshaus ist ein aus-
Generalhaus der Bruderschaft sei- lohn. Meine Hochschätzung für die- erwählter Ort, wo Gott im Be-
nen Standort hatte. (Den jüngeren se Treue und Hilfsbereitschaft darf sonderen das Werk der Heiligung
Lesern dürfte es Mühe bereiten, ich mit einem kleinen Weihnachts- vollbringt. Mögen die Gottesdienst-
sich etwas Konkretes unter dem geschenk ausdrücken. besucher hier die Macht des anbe-
Ausdruck „Telegramm“ vorzustel- tungswürdigen Namens Gottes spü-
len. Die älteren Leser können sich Ein besonderes Dankeschön ge- ren – und zwar jedes Mal, wenn sie
sicher noch an die Zeit der „Tele- bührt Frau Monique Jolissaint, auf sich in dieser Kirche einfinden.
gramme“ zurückerinnern, auch deren Schultern die Verantwortung Ein herzliches und ewiges Vergelt’s
wenn sie in ihrem ganzen Leben für das Brockenhaus schon über ein Gott allen, die diesen Tag ermög-
nicht so viele Telegramme erhalten Jahrzehnt lastet. licht haben!
16 Mitteilungsblatt Februar 2019 17Blasius-Segen Der hl. Bischof Blasius von Sebaste (ehe- mals armenische Stadt, heute auf türki- schem Staatsgebiet) starb zu Beginn des 4. Jahrhunderts als Blutzeuge, weil er sich weigerte, den Götzen zu opfern. Unter Anrufung seines Namens wird an seinem Fest (3. Februar) mit geweihten Kerzen der Blasius-Segen für die Gesundheit des Leibes und der Seele gespendet: „Auf die Fürsprache des heiligen Bischofs und Märtyrers Blasius bewahre dich Gott vor Halskrankheiten und allem anderen Übel. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
Interview
„Die Zukunft der Kirche
und der Berufungen liegt bei
den Familien, in denen die
Eltern das Kreuz Unseres
Herrn aufgepflanzt haben.“
Interview von „La Porte latine“ mit Pater Davide Pagliarani
Katholische Familien waren immer der Nährboden für ernsthaftes christliches Leben
La Porte Latine: Es ist nun fünf
Monate her, dass Sie für eine Amts- liebe Gott heiligt alle unsere Mit- P. Pagliarani: Ich bin überzeugt,
zeit von zwölf Jahren zum General glieder und Gläubigen durch Miss dass die wirkliche Lösung zur Er-
oberen der Priesterbruderschaft St. erfolge, Prüfungen, Enttäuschungen, höhung der Zahl der Berufungen
Pius X. gewählt wurden. Diese fünf in einem Wort durch das Kreuz und und ihrer Beharrlichkeit nicht in
Monate haben es Ihnen sicherlich nicht etwa mit anderen Mitteln. erster Linie in menschlichen und
ermöglicht, einen ersten Blick auf sozusagen „technischen“ Mitteln wie
das von Erzbischof Lefebvre gegrün- Die Berufungen kommen aus Rundbriefen, apostolischen Reisen
dete Werk zu werfen, der Ihre be- Familien, in denen der Bitter oder Werbung liegt. In erster Linie
reits reiche persönliche Erfahrung keit und der Kritik an den braucht eine Berufung zum Aufblü-
ergänzt. Haben Sie einen ersten Priestern kein Raum gegeben hen ein Zuhause, in dem Unser Herr
Gesamteindruck gewonnen, können wird. Jesus Christus, sein Kreuz und sein
Sie die ersten Prioritäten für die Entscheidungen und Beschlüsse Priestertum geliebt werden; ein Zu-
kommenden Jahre festlegen? eines Heiligen, der allein von über- La Porte Latine: Mit 65 neu ein- hause, in dem keine Bitterkeit und
natürlicher und „prophetischer“ getretenen Seminaristen in diesem keine Kritik an den Priestern Platz
P. Pagliarani: Die Bruderschaft ist Klugheit geleitet wurde. Seine Weis- Jahr hält die Bruderschaft ihren haben. Eine Berufung wird durch
ein Werk Gottes, und je mehr wir es heit ist im Lauf der Jahre und in dem Rekord der letzten dreißig Jahre. Sie Osmose geweckt, im Kontakt mit
entdecken, desto mehr lieben wir es. Maß, wie sich die Krise der Kirche selbst waren fast sechs Jahre lang wahrhaft christlichen Eltern und
Zwei Dinge packen mich bei dieser vertieft, noch mehr zu schätzen. Im Regens des Seminars in La Reja (Ar- mit Priestern, die tief vom Geist Un-
Entdeckung am meisten. Zunächst Weiteren konnte ich noch einmal gentinien). Wie wollen Sie die Ent- seres Herrn erfüllt sind. Auf dieser
der Vorsehungscharakter der Bru- feststellen, dass wir nicht das Privi- wicklung immer zahlreicherer und Ebene müssen wir mit aller Kraft
derschaft. Er ist das Ergebnis der leg haben, verschont zu werden: Der gefestigter Berufungen fördern? weiterarbeiten. Eine Berufung ist
20 Mitteilungsblatt Februar 2019 21Interview
niemals das Ergebnis spekulativer jenseits der medialen Emotionen, in den Sinn, alle einem ganzen ultraprogressiven
Überlegungen oder einer Lektion, die einige Stunden gedauert und we- Päpste von Paul und pseudoreformatorischen Flügel
die ein junger Mensch erhalten hat der bei ihren Befürwortern noch bei III. bis zu Sixtus als überholt angesehen. Ich denke
und mit der er intellektuell ein- ihren Gegnern tiefe Spuren hinter- V. ohne Unter- zum Beispiel an den deutschen Epis-
verstanden ist. Solche Elemente lassen haben. Im Gegenteil, nach ein Papst Johannes XXIII.
schied heiligzu- kopat. Und auf der anderen Seite
können helfen, auf den Ruf Gottes paar Wochen können diese Gefühle sprechen. Sie hat sehen sich auf Grund der Tatsachen
zu antworten, aber nur unter der leicht in Gleichgültigkeit umschla- nur Pius V. heiliggesprochen, und die Konservativsten gezwungen
Voraussetzung dessen, was ich eben gen. Wir müssen uns in Acht neh- zwar nicht etwa wegen seiner Ver- festzustellen, dass das Konzil einen
gesagt habe. men, nicht in diese Falle zu treten. bindung zum Konzil von Trient oder Prozess ausgelöst hat, der die Kirche
dessen Umsetzung, sondern wegen in eine zunehmende Unfruchtbarkeit
La Porte Latine: Am vergangenen Zunächst erscheint es mir ganz of- seiner persönlichen Heiligkeit, die führt. Angesichts dieses anschei-
14. Oktober hat Papst Franziskus fensichtlich, dass mit den Seligspre- für die ganze Kirche als vorbildlich nend unumkehrbaren Prozesses ist
den Papst heiliggesprochen, der alle chungen bzw. Heiligsprechungen gilt und die er als Papst in den Dienst es verständlich, dass die gegenwär-
Dokumente des Zweiten Vatikani- aller Päpste der neuesten Zeit seit der Kirche gestellt hat. tige Hierarchie versucht, mittels die-
schen Konzils unterzeichnet hat, Johannes XXIII. der Versuch unter- ser Heiligsprechungen dem Konzil
den Papst der neuen Messe, den nommen wurde, in gewisser Weise Das Phänomen, das wir derzeit einen gewissen Wert zurückzugeben,
Papst, dessen Pontifikat von den das Konzil und das vom Konzil erleben, erinnert uns eher an die Na- um die unaufhaltsame Tendenz der
80.000 Priestern geprägt wurde, die geschaffene neue Verständnis der mensänderung der Hauptplätze und Fakten zu bremsen.
ihr Priestertum aufgegeben haben. Kirche und des christlichen Lebens Prachtstraßen nach einer Revolution
Zu welchen Gedanken bewegt Sie „heiligzusprechen“, wie es alle diese oder einem Regimewechsel. Ich komme zurück auf den Vergleich
diese Heiligsprechung? Päpste befördert haben. mit der Zivilgesellschaft: Jedes Mal,
Aber diese Heiligsprechung muss wenn sich ein Regime in einer Krise
P. Pagliarani: Diese Heiligspre- Dies ist ein neues Phänomen in der auch im Licht des gegenwärtigen Zu- befindet und dessen gewahr wird,
chung muss uns zu einem tiefer- Geschichte der Kirche. So kam es standes der Kirche gelesen werden, versucht es, die Verfassung des
greifenden Nachdenken anregen, der posttridentinischen Kirche nie denn die Bereitschaft, die Päpste Landes, seine Sakralität, seine Be-
des Konzils heiligzusprechen, ist ein ständigkeit, seinen transzendenten
relativ junges Phänomen, und sie hat Wert neu ins Bewusstsein zu rufen ...
ihren offensichtlichsten Ausdruck in In Wirklichkeit ist es jedoch ein Zei-
der fast sofortigen Heiligsprechung chen dafür, dass alles, was aus die-
von Johannes Paul II. gefunden. ser Verfassung hervorgeht und auf
ihr beruht, in Gefahr ist zu sterben,
Diese Entschlossenheit, „schnell und dass es darum geht, sie mit allen
zu handeln“, zeigt einmal mehr die möglichen Mitteln zu retten. Die Ge-
Gebrechlichkeit, in der sich die aus schichte zeigt, dass diese Maßnah-
dem Konzil hervorgegangene Kirche men in der Regel nicht ausreichen,
derzeit befindet. Ob man es zugeben um das wieder zum Leben zu erwe-
Zweites Vatikanische Konzil will oder nicht, das Konzil wird von cken, dessen Zeit abgelaufen ist.
22 Mitteilungsblatt Februar 2019 23Interview
Nur die Bruderschaft kann Tatsächlich wird sie oft erwähnt, schaft gehört wird. Vor-
der Kirche helfen, indem auch in Debatten, in denen es um erst ist es unsere Pflicht,
sie daran erinnert, dass ein anderes Ziel oder Thema geht. diesen tiefen Sinn für die
die K
irche eine Monarchie Ich denke zum Beispiel an die letzte Kirche und ihre Hierar-
und nicht eine chaotische Synode über die Jugend, bei der das chie zu bewahren, trotz
moderne Vereinigung ist Thema zum x-ten Mal angesprochen des Schlachtfeldes und
wurde. Dies zeigt, dass die Hierar- der Ruinen, die vor uns
La Porte Latine: Vor drei Jahren chie noch keine zufriedenstellende liegen.
(am 17. Oktober 2015) hielt Papst Lösung gefunden hat, und das ist Papst Franziskus bei der Familiensynode
Franziskus eine wichtige Rede zur unvermeidlich, da das Problem un- La Porte Latine: Wie könnte die
Förderung der „Synodalität“ in der lösbar ist. are Lehre und ihre Folgewirkungen Kirche die Fehler des Konzils kor-
Kirche und lud die Bischöfe ein, verzichten, ohne die Autorität des rigieren? Ist es nach fünfzig Jahren
„auf Gott zu horchen, bis sie mit ihm Es ist so, dass die Kollegialität die Konzils und damit die Grundlage noch realistisch, so zu denken?
den Ruf des Volkes hören, und auf Kirche in die andauernde Lage ei- der gegenwärtigen Ekklesiologie in
die Menschen zu hören, bis sie den nes Quasikonzils versetzt, mit der Frage zu stellen. Tatsächlich gehen P. Pagliarani: Aus rein menschli-
Willen einatmen, zu dem Gott uns Utopie, die universelle Kirche könne sie alle weiter in dieselbe Richtung, cher Sicht ist es nicht realistisch, so
ruft“. Gestützt auf diese neue Syno- unter Beteiligung aller Bischöfe der wenn auch mit unterschiedlichen zu denken, denn wir haben eine Kir-
dalität, erließ er nach seinen eigenen Welt regiert werden. Dies hat seitens Geschwindigkeiten. che vor uns, die völlig umgestaltet
Worten (Rede vom 25. November der nationalen Bischofskonferenzen ist, in allen Aspekten ihres Lebens,
2017) die neuen Gesetze zur Verein- zur Forderung nach einer systemati- Die fortwährenden Debatten offen- ohne Ausnahme. Es ist eine neue
fachung der Ehenichtigkeitsverfah- schen und unersättlichen Dezentrali- baren dieses verdeckte Unbehagen Auffassung von Glaube und christ-
ren, oder schrieb er Amoris Laetitia sierung geführt, die nie enden wird. und insbesondere die Tatsache, dass lichem Leben, die dementsprechend
im Anschluss an die Synode über Wir stehen vor einer Art Klassen- diese revolutionäre Lehre völlig im eine neue Art des Verständnisses
die Familie. Erkennen Sie darin die kampf der Bischöfe, der in einigen Widerspruch zum monarchischen der Kirche und des täglichen Lebens
Stimme des Hl. Geistes? Was können Bischofskonferenzen einen Geist Wesen der Kirche steht. Eine zufrie- in ihr hervorgebracht hat. Mensch-
Sie uns über diesen neuen Ausdruck hervorgebracht hat, der als vorschis- denstellende Lösung kann so lange lich gesehen ist es unmöglich, zu-
sagen, der heute von den Amtsträ- matisch definiert werden kann. Ich nicht gefunden werden, als sie nicht rückzukehren.
gern der Kirche verwendet wird? denke hier wiederum an den deut- endgültig verworfen wird.
schen Episkopat, der ein sprechen- Aber wir vergessen vielleicht zu oft,
P. Pagliarani: Die periodisch des Beispiel für alle gegenwärtigen Es ist paradox, aber allein die Bru- dass die Kirche in ihrer Grundlage
wiederkehrende Debatte über die Verwerfungen darstellt. Rom befin- derschaft kann der Kirche helfen, göttlich ist, auch wenn sie in den
Synodalität ist nichts anderes als die det sich in einer Sackgasse. Auf der indem sie die Päpste und Bischöfe Menschen und in der Geschichte
nachkonziliare Projektion der Lehre einen Seite muss es versuchen, ge- daran erinnert, dass Unser Herr Je- der Menschheit verkörpert ist. Ei-
des Konzils über die Kollegialität genüber den nationalen Episkopaten sus Christus eine monarchische Kir- nes Tages wird ein Papst, entgegen
und die von ihr hervorgerufenen seine untergrabene Autorität eini- che und keine chaotische moderne allen Erwartungen und gegen alle
Probleme in der Kirche. germaßen zu retten. Auf der anderen Vereinigung gegründet hat. Der Tag menschlichen Berechnungen, die
Seite kann es nicht auf die konzili- wird kommen, an dem diese Bot- Dinge in die Hand nehmen und alles,
24 Mitteilungsblatt Februar 2019 25Interview
was korrigiert werden muss, korri- von denen, die sie zu seiner Zeit nicht wie wir diesen Geist bewahren, ist. Die Welt kann sich entscheiden,
gieren, denn die Kirche ist göttlich verstanden hatten, haben ihr Urteil werden wir einen guten Einfluss unsere Predigten nicht zu hören,
und Unser Herr lässt sie nicht im allmählich geändert. auf die Seelen haben und wird die aber sie kann nicht umhin, diesen
Stich. Tatsächlich sagt er nichts an- Bruderschaft noch viele Berufungen Anblick vor Augen zu haben. Auch
deres, wenn er feierlich verspricht, Der wahre Geist unseres anziehen. das verkörpert die Bruderschaft.
dass „die Pforten der Hölle sie nicht Gründers: ein Geist der Liebe Letztlich ist es dasselbe Ideal des
überwältigen werden“ (Mt 16,18). zum Glauben und zur Wahr La Porte Latine: Das ist ein schö- Kreuzes – ich wiederhole es erneut
Die Strahlkraft der Göttlichkeit der heit, zu den Seelen, zur Kir nes und begeisterndes Programm! –, das eine Seele dazu bewegt, sich
Kirche wird umso stärker sein, als che, in einem Geist der wah Aber es ist auch erforderlich, dass Gott zu weihen, und das eine Mutter
die Situation derzeit unumkehrbar ren Nächstenliebe unter den die Gläubigen sich ganz dafür ein- dazu befähigt, sich großzügig und
erscheint. Mitgliedern setzen. Sie haben sie zu Tausenden uneingeschränkt der Erziehung und
zur letzten Wallfahrt nach Lourdes Heiligung aller Kinder zu widmen,
La Porte Latine: In diesem Jahr La Porte Latine: Der Distrikt kommen sehen, bei der Sie das Hoch- die die Vorsehung ihr anvertrauen
2018 begingen wir den dreißigsten Frankreich ist der älteste und größ- amt am Christkönigssonntag gefeiert möchte.
Jahrestag der von Erzbischof Lefeb- te, auch wenn ihm der Distrikt der haben. Was verlangen Sie von ihnen?
vre in Écône erteilten Bischofswei- Vereinigten Staaten von Amerika Was schlagen Sie ihnen vor? Schließlich erinnert uns diese Wall-
hen, einer echten „Überlebensübung „auf dem Fuß folgt“. Welche mensch- fahrt auch und vor allem daran,
der Tradition“. Sind Sie der Ansicht, lichen, materiellen oder apostoli- P. Pagliarani: Ich war tief berührt, dass jede Erneuerung nur unter
dass diese Maßnahme von Natur aus schen Prioritäten haben Sie seinem Pilger jeden Alters in Lourdes zu dem Schutzmantel der allerseligsten
einzigartig war und dass sie auch neuen Oberen, Pater de Jorna, ge- sehen, vor allem viele Familien und Jungfrau Maria gelingen kann, denn
deshalb ein Erfolg war, weil die Bi- setzt, der 22 Jahre lang Regens des Kinder. Diese Wallfahrt ist wirklich in der gegenwärtigen Öde gibt es
schöfe heute bereit sind, Weihen und Priesterseminars in Ecône war? bemerkenswert und auch sehr wich- keinen Ort auf der Welt, der weiter-
Firmungen im überlieferten Ritus zu tig. Sie erinnert uns daran, dass die hin die Seelen so sehr anzieht wie
spenden, oder sind Sie der Meinung, P. Pagliarani: Alle Schwerpunkt- Zukunft der Kirche und der Berufun- Lourdes.
dass nach so vielen Jahre neue Bi- setzungen lassen sich in wenigen gen bei den Familien liegt, in denen
schofsweihen in Betracht gezogen Worten zusammenfassen: Der neue die Eltern das Kreuz Unseres Herrn Den Gläubigen Frankreichs sage ich
werden sollten? Distriktobere hat die sehr schöne aufgepflanzt haben. Denn nur das ganz einfach: Vergesst nicht, dass
Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Kreuz Unseres Herrn Jesus Chris- diejenigen, die euch vorausgegan-
P. Pagliarani: Die Zukunft der wahre Geist, den uns unser Gründer tus und die aus ihm hervorgehende gen sind, Kämpfer und Kreuzritter
Bruderschaft liegt in den Händen hinterlassen hat, in allen unseren Großzügigkeit bringen kinderreiche waren, milites Christi, und dass der
der Vorsehung. Es liegt an uns, ihre Häusern und in allen Gliedern der Familien hervor. Vor unserer egois- gegenwärtige Kampf um die Vertei-
Zeichen zu erkennen, so wie es unser Bruderschaft erhalten bleibt: ein tischen und von Gott abgefallenen digung des Glaubens und der Kirche
Gründer getan hat, treu und ohne je- Geist der Liebe zum Glauben und zur Gesellschaft, die mit ihrer eigenen zweifellos der bedeutendste ist, den
mals der Vorsehung vorgreifen oder Wahrheit, zu den Seelen, zur Kirche, Unfruchtbarkeit bestraft wird, gibt die Geschichte je gesehen hat.
sie missachten zu wollen. Dies ist und vor allem, was daraus hervor- es kein edleres und kostbareres
die schönste Lektion, die Erzbischof geht, ein Geist echter Nächstenliebe Zeugnis als das einer jungen Mutter, Ich wünsche allen ein reich
Lefebvre uns erteilt hat, und viele unter den Mitgliedern. In dem Maß, die von einer Kinderschar umgeben gesegnetes Jahr 2019!
26 Mitteilungsblatt Februar 2019 27Interview
Die Kirche hat sich
P. Pagliarani: Die Priesterbruder-
schaft St. Pius X. ist dem Nachfol-
ger Petri zutiefst verbunden, selbst
nicht 2000 Jahre
dann, wenn sie sich den Irrtümern
des Zweiten Vatikanischen Kon-
Der Papa emeritius zils entgegenstellt. Ein Grundzug
geirrt Salzburger Nachrichten: Auch
Franziskus kam Ihnen entgegen.
des gegenwärtigen Pontifikats
erschüttert uns aber zutiefst: die
völlig neue Anwendung des Be-
Was erwarten Sie noch? griffs der Barmherzigkeit. Diese
wird auf ein Wundermittel für alle
Gespräch mit Pater Davide Pagliarani in den Salzburger Nachrichten P. Pagliarani: Wir erwarten, was Sünden reduziert, ohne auf die
jeder Katholik bei seiner Taufe von wahre Bekehrung zu drängen, auf
der Kirche verlangt: den Glauben. die Umwandlung der Seele durch
Die göttliche Offenbarung ist abge- Gnade, Abtötung und Gebet. In sei-
Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X., schlossen, und es ist die Aufgabe nem nachsynodalen Apostolischen
gab den Salzburger Nachrichten ein Exklusivinterview, das am Samstag, des Papstes, dieses Glaubensgut Schreiben Amoris Lætitia eröffnet
15. Dezember 2018, abgedruckt wurde. Darin erklärt er, was jeder Katholik treu weiterzugeben. Der Papst muss der Papst den Christen die Möglich-
vom Papst erwarten kann: die treue Weitergabe des Gutes des Glaubens, daher der schrecklichen Krise ein keit, sich in Fragen der Ehemoral
der das Festhalten des Verstandes an der göttlichen Offenbarung und nicht Ende bereiten, durch die die Kirche von Fall zu Fall nach ihrem persön-
eine persönliche subjektive Erfahrung ist. Leider fördern jüngste römische seit 50 Jahren erschüttert wird. lichen Gewissen zu entscheiden.
Dokumente wie das Apostolische Schreiben Amoris Lætitia einen Subjek- Diese Krise wurde ausgelöst durch Das widerspricht ganz eindeutig
tivismus, der eine allgemein gültige Wahrheit nicht mehr anerkennt, was einen neuen Glaubensbegriff, der der notwendigen und klaren Orien-
große Verwirrung stiftet und den missionarischen Eifer der Kirche gegen- bestimmt wird von der subjektiven tierung am Gesetz Gottes.
über anderen Religionen bricht. Erfahrung des Einzelnen. Man
meint, der einzelne Mensch selbst
sei für seinen Glauben verantwort-
Salzburger Nachrichten: Der nichts geändert, weil wir diese Ex- lich und könne sich frei für irgend-
Gründer der Piusbruderschaft, kommunikationen nie als gültig an- eine Religion entscheiden, ohne Un-
Erzbischof Marcel Lefebvre, wurde gesehen haben. Allerdings wurden terscheidung zwischen dem Irrtum
1988 exkommuniziert, weil er un- Menschen ermutigt, zu uns zu kom- und der Wahrheit. Das widerspricht
erlaubt vier Bischöfe geweiht hat. men, die es bis dahin nicht gewagt jedoch dem objektiven göttlichen
2009 hat Papst Benedikt XVI. diese hatten. Auch unsere Beziehung zu Gesetz.
Exkommunikation aufgehoben. gewissen Bischöfen und einem Teil
Was hat das für Sie bedeutet? des Klerus, insbesondere zu jungen Salzburger Nachrichten: Wo
Priestern, wurde erleichtert. kann die Priesterbruderschaft dem
P. Pagliarani: Für uns hat sich Papst entgegenkommen? Der regierende Pontifex
28 Mitteilungsblatt Februar 2019 29Interview
Wir sehen darin einen Widerhall auch in anderen Religionen viele P. Pagliarani: Das Zweite Vati-
der Spiritualität von Luther: ein Menschen, die nach bestem Wissen kanum hat sich selbst zum reinen
Christentum ohne Forderung nach und Gewissen gut leben. Wird Gott Pastoralkonzil erklärt. Tatsächlich
sittlicher Erneuerung, einen Subjek- ihre Verdienste anerkennen? wurden aber schwerwiegende dog-
tivismus, der keine allgemein gül- matische Entscheidungen wie die
tige Wahrheit mehr anerkennt. Das P. Pagliarani: Die Kirche ist we- von Ihnen genannten getroffen. Das
hat unter den Gläubigen und dem sentlich missionarisch. Christus hat zu einer völligen Umgestaltung
Klerus eine tief greifende Verwir- sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit des Glaubens geführt.
rung ausgelöst. Jeder Mensch ist auf und das Leben“. Allein durch ihn
der Suche nach der Wahrheit. Dazu werden die Menschen gerettet. Er Papst Benedikt XVI. meinte, die
braucht er aber die Führung durch hat als einzige Kirche die römische Differenzen zwischen Rom und der
den Priester, wie der Schüler die Kirche gegründet. Diese theologi- Pater Davide Pagliarani
Priesterbruderschaft St. Pius X. sei-
Führung durch den Lehrer braucht. sche Wahrheit muss verkündet wer- en ein Problem der Interpretation
den, wie auch die Geradlinigkeit in der Konzilstexte. Man müsse sich
Salzburger Nachrichten: Was hat der Moral und die Strahlkraft der P. Pagliarani: Der Modernismus nur auf diese Texte selbst besinnen,
das Lutherjahr 2017 in dieser Hin- traditionstreuen Messe im Tridenti- gehört zu den gefährlichsten Irr- dann sei eine Einigung möglich.
sicht bewirkt? nischen Ritus. tümern. Bis zum Zweiten Vatikani- Das ist aber nicht unsere Position.
schen Konzil verlangte die Kirche Die Priesterbruderschaft St. Pius
P. Pagliarani: Seit dem 16. Jahr- Das aufrichtige Streben nach der daher von allen Priestern, den An- X. verwirft alles, was im Zweiten
hundert ist die katholische Kirche Wahrheit in anderen Religionen ist timodernisten-Eid zu leisten, den Vatikanischen Konzil nicht mit der
auf die Protestanten zugegangen, nicht hinreichend, um die Wahrheit auch ich abgelegt habe. katholischen Tradition überein-
um sie zu bekehren und in die hervorzubringen. Man muss also stimmt.
wahre Kirche zurückzuführen. Das diesen Seelen helfen, sich zu retten. Was das Judentum betrifft, wäre
Lutherjahr hat nicht diesem vorran- Wenn eine Seele außerhalb der ka- es eine unverzeihliche Sünde, das Der Papst müsste das Dekret über
gigen Ziel gedient, die Protestanten tholischen Kirche gerettet werden jüdische Volk von den Gütern und die Religionsfreiheit als falsch
zurückzuführen. Im Gegenteil, kann, so geschieht dies trotz des Schätzen der katholischen Kirche erklären und entsprechend korri-
diese wurden in ihren Irrtümern Irrtums, in dem sie sich befindet, auszuschließen. Die Heilsmission gieren. Wir sind überzeugt, dass ein
bestärkt. Der Grund dafür ist, dass nicht dank desselben. In jedem Fall der Kirche ist allumfassend, und sie Papst das eines Tages tun und zur
die Kirche seit dem Zweiten Vatika- geschieht es allein durch Christus. kann kein Volk ausgrenzen. reinen Lehre zurückkehren wird,
nischen Konzil meint, jeder Mensch die vor diesem Konzil maßgeblich
könne in seiner Religion zu Gott fin- Salzburger Nachrichten: Ihr Vor- Salzburger Nachrichten: Sie wei- war. Die Fragen bezüglich der Re-
den. Das ist eine Prämisse, die den gänger Bernard Fellay sah in Juden, sen wesentliche Dokumente des II. ligionsfreiheit, des Ökumenismus
Glauben auf eine persönliche, inne- Freimaurern und Modernisten die Vatikanums zurück, etwa über die und der göttlichen Verfassung der
re Erfahrung reduziert, anstelle des Feinde der Kirche. Müssen sich Religionsfreiheit und den Ökume- Kirche sind von den Päpsten vor
Festhaltens des Verstandes an der auch die Juden zur katholischen nismus. Geht es nur um eine andere dem Zweiten Vatikanum behandelt
göttlichen Offenbarung. Kirche bekehren, so wie Sie es für Interpretation, oder lehnen Sie die- worden. Es genügt, ihre Lehren
Salzburger Nachrichten: Es gibt die Protestanten sagen? se Konzilstexte völlig ab? wieder aufzugreifen.
30 Mitteilungsblatt Februar 2019 31Interview Aus dem Leben der Bruderschaft
Salzburger Nachrichten: Belastet die Gewissheit hätte, in der und für
es Sie in Ihrem Gewissen, dass Sie die römisch-katholische Kirche zu
aus römischer Sicht im Schisma mit
der Kirche leben?
arbeiten.
Die 1945 gegründeten S alzburger
„Zum Altare Gottes
P. Pagliarani: Tatsächlich betrach-
tet Rom uns nicht als schismatisch,
sondern als „irregulär“. Wie auch
Nachrichten erscheinen in
einer Auflage von 80.000 Stück
(Angabe von 2016). Interview
will ich treten ...“
immer: Ich würde die Bruderschaft mit Josef Bruckmoser. Titel und
sofort verlassen, wenn ich nicht Präsentation: FSSPX.News.
Weihen in Argentinien und Australien
Petersplatz-Vatikanstadt
Das Ziel der Bruderschaft ist das Priestertum und alles, was sich darauf
bezieht. Daraus folgt, dass die Ausbildung von guten und nach Heiligkeit
strebenden Priestern ihr wichtigstes Werk ist.
Die vollkommene Treue ihrer Mit auf alles, was daraus fließt, und auf
glieder zur Tradition der Römischen alles, was es ergänzt.“ (Statuten)
Kirche soll sich in allen Aspekten Seminar Australien
ausdrücken: Lehre,
Liturgie, Gebet, geist-
liches Leben und Seel-
sorge.
Es geht in der Seminar
ausbildung um die
„Ausrichtung und Ver-
wirklichung des Lebens
des Priesters auf das
hin, was den wesent-
lichen Grund seines
Seins ausmacht: auf
das heilige Messopfer in
allem, was es bedeutet,
32 Mitteilungsblatt Februar 2019 33Aus dem Leben der Bruderschaft
Priesterweihe.
Der aus Kenia stam-
mende Diakon John
Gitonga Mwangi
empfing die „Weihe
zur Messe“, d.h. die
Gnade des katholi-
schen Priestertums,
der aus Nigeria stam-
mende Subdiakon
Martin Anozie die
„Weihe zum Evange-
lium“, d.h. den Diako-
nat in Christus.
26 Mitbrüder nahmen
Primizmesse
an der Zeremonie teil
und legten dem Neu-
priester die Hände
auf, darunter Pater
Henry Wuilloud, der
Distriktobere der
Bruderschaft für
Afrika.
Priesterweihen in Argentinien
Das australische
Seminar „Heilig Kreuz“ der Pries- Ebenfalls am 13. Dezember 2018
terbruderschaft St. Pius X. liegt im weihte Msgr. Alfonso de Galarreta,
Südosten des Kontinents, zwischen I. Generalassistent der Priesterbru-
Sidney und Canberra. Es hat inter- derschaft St. Pius X. in Argentinien
nationalen Charakter und nimmt einen Diakon und drei Priester.
die englischsprachigen Berufungen
Priesterweihen in Australien
aus Afrika auf. Die Zeremonie fand im Priester
Die wunderbaren Zeremonien der Am 13. Dezember 2018 spendete seminar „Maria Miterlöserin“ statt.
Priesterweihe sind Tage großer Weihbischof Bernard Fellay im aus- Direktor des Seminars ist Pater Es befindet sich in La Reja, einem
Freude für die Priesterbruderschaft tralischen Priesterseminar „Heilig Daniel Themann, ein gebürtiger Vorort der Metropolitanregion
in ihrem Dienst an den Seelen. Kreuz“ eine Diakonats- und eine US-Amerikaner. Buenos Aires.
34 Mitteilungsblatt Februar 2019 35Aus dem Leben der Bruderschaft Aus der Bruderschaft
Regens ist
der aus
Einsegnung der
Frankreich
stammende
Pater Jean de
neuen Kirche
Lassus. Er hat-
te das Amt im Heiliger Mauritius
in Glis (Oberwallis)
vergangenen
Juli von Pater
Davide Paglia-
rani übernom-
men, der nach Pater David Köchli
Priesterweihe in
sechs Jahren Argentinien Zu Priestern geweiht wurden Pater
als Verant- Humberto Bernabe aus Mexiko,
wortlicher der Priesterausbildung Pater Pablo Bianchetti aus Argen-
in La Reja zum Generaloberen ge- tinien und Pater Raphael Da Silva Die Einsegnung einer neuen Kirche ist immer etwas ganz Einmaliges für
wählt worden war. aus Brasilien. eine Gemeinde. Nicht jede Generation darf ein derartiges Ereignis erleben.
Fast 40 Jahre lang feierten die Gläubigen des Oberwallis in der Schweiz die
hl. Messe im Dachstock eines Wohn- und Gewerbebaus unter großen Ein-
schränkungen. Nun konnte die Bruderschaft in Glis (Brig) ein Gebäude der
„Neuapostolischen Kirche“ erwerben, das sich durch eine große Zahl von
Nebenräumen wie Priesterwohnung, Vortragssaal und Unterrichtszimmer
auszeichnet und auch eine eigene Tiefgarage besitzt.
In der kurzen Zeit von fünf Wochen Gläubigen alles her, um am dritten
richteten die Handwerker und die Adventssonntag die feierliche Ein-
segnung feiern zu können. Nach meh-
reren Jahren Leerstand musste das
ganze Gebäude gereinigt oder muss-
ten die Bäume so zurückgeschnitten
werden, dass die Kirche nicht hinter
einer Baumwand verschwand. Außer
am Altarraum waren aber sonst kei-
ne Umbauten nötig. Altar und Kom-
munionbank stammen aus der alten
La Reja Segnung der Kirche von außen Kapelle in Zürich und passen in ihren
36 Mitteilungsblatt Februar 2019 37Der Altarraum
der neuen Kirche
„Heiliger Mauritius“
Geistliches Leben
Kleine Schule des Gebetes
Die Notwendigkeit
des Gebetes
Pater Matthias Gaudron
Maßen wie extra für Glis hergestellt einem jeden Altar befindet. Selbst in
genau in den Raum. Holzaltären müssen Altarsteine mit
Reliquien von Martyrern eingelegt
Unter großer Anteilnahme von Gläu- werden. Die Predigt endete mit ei- Das Gebet ist die einfachste und wichtigste Weise, Gott zu verehren. Wir
bigen aus dem ganzen W allis segnete nem Zitat aus Isaias: „Mein Haus ist können es zu jeder Zeit und an jedem Ort üben. Ohne Gebet gibt es kein
der Distriktsobere, P. Pascal Schrei- ein Bethaus für alle Völker“ (Is 56,7). religiöses Leben, denn es ist das Gebet, durch das wir mit Gott in Kontakt
ber, vor dem feierlichen Hochamt die Möge es in dieser Ferienregion wahr treten und eine lebendige Beziehung zu ihm aufbauen. Nach einem Wort
Kirche ein. Unter Psalmengesang werden, dass nicht nur zahlreiche des hl. Alphons Maria von Liguori sind alle Seligen im Himmel, weil sie ge-
umschritt er dabei die Kirche von neue Gläubige den Weg in diese Kir- betet haben, und alle Verdammten in der Hölle, weil sie nicht oder schlecht
außen und von innen und besprengte che finden, sondern auch tatsächlich gebetet haben. Der hl. Franz von Sales soll auf die Frage, wozu der Mensch
sie mit Weihwasser. In seiner Predigt Feriengäste aus aller Welt in der geschaffen sei, sogar geantwortet haben: „Für das Gebet.“
zeigte er, dass die Geschichte der neuen Kirche den Sonntag heiligen
Bruderschaft in Glis ein Abbild der werden!
Geschichte der Urkirche darstellt. Im Gebet erheben wir unsere Seele sich nicht in die Lüfte erheben
Die ersten Christen mussten den zu dem, der unser Schöpfer und können. Wenn sie etwas fliegen,
Gottesdienst während der ersten unser Ziel ist, zu dem, der allein un- so fallen sie doch bald wieder
zwei Jahrhunderte genauso in Pri- serem Leben Sinn und Glück geben hinab, m achen sich durch Schar-
vathäusern feiern, den sogenannten kann. Wer nicht betet, gleicht daher ren in der Erde ein Lager, stecken
„Hauskirchen“. Wegen der zahlrei- dem dumpfen Vieh, das seinen Blick den Kopf hinein und scheinen
chen Christenverfolgungen wurden beständig auf die Erde gewandt hat. keine andere Freude mehr zu
richtige Kirchen aber erst unter Kon- Der Pfarrer von Ars sagte in seinen haben. Wer dagegen betet, gleicht
stantin dem Großen möglich. Diese Katechesen: dem furchtlosen Adler, welcher
entstanden meist über den Gräbern in den Lüften schwebt und sich
der Martyrer. Daran erinnert noch „Wer nicht betet, ist wie eine immer mehr der Sonne zu nähern
heute das Reliquiengrab, das sich in Die Kirche besitzt eine grosse Empore. Henne oder ein Truthahn, die scheint.“
38 Mitteilungsblatt Februar 2019 39Geistliches Leben
ist und ohne innere Anteilnahme, Von höherer Art ist das Gebet eines Wir sollen ihn bitten, uns zu helfen,
ohne Vorbereitung und Danksagung Menschen, der schon in der Gnade alles aus Liebe zu ihm zu tun und
die Sakramente empfängt, wird aus Gottes ist. Diese hat ihn zum Kind ihn allezeit vor Augen zu haben.
ihnen keinen großen Nutzen ziehen, Gottes gemacht und ihn mit Gott Er möge uns beistehen, damit wir
sich vielleicht sogar eher den Zorn verähnlicht, soweit dies für ein nicht in die Sünde fallen und damit
Gottes als seine Gnade zuziehen. Geschöpf möglich ist. Der Mensch wir die Widerwärtigkeiten, die uns
Im Notfall können wir uns zudem in der Gnade ist ein Tempel, in dem vielleicht begegnen, als unser Kreuz
sogar ohne die Sakramente retten, die Allerheiligste Dreifaltigkeit annehmen. Dies kann mit eigenen
aber nie ohne das Gebet. wohnt. Darum darf und soll er Worten geschehen oder auch mit ei-
zu Gott sprechen wie ein Kind zu nem vorformulierten Text wie dem
Um die hl. Kommunion zu empfan- seinem Vater oder wie ein Freund „Morgengruß zum Herzen Jesu“
gen, müssen wir im Gnadenstand zu seinem Freunde. „Ihr habt den oder einem anderen guten Gebet.
sein; beten kann dagegen jeder, Geist der Kindschaft empfangen“, Im kirchlichen Morgengebet der
selbst wenn er in die Todsünde ge- schreibt der hl. Paulus an die Rö- Prim heißt es:
fallen ist, denn das Gebet wendet mer, „in dem wir rufen: Abba, Va-
sich an die Barmherzigkeit Gottes. ter“ (8,15). Darum müssen wir aber „Herr, allmächtiger Gott, der Du
Darum kann der Sünder durch das auch mit Gott leben, denn ein Gast, uns an den Beginn dieses Tages
Gebet die Gnadenhilfen erflehen, den wir zwar in unser Haus lassen, gelangen ließest: bewahre uns
Hl. Alphons Maria von Liguori
die er braucht, um sich aus der Sün- mit dem wir aber nicht sprechen heute durch Deine Kraft, damit
de zu erheben und seine Seele in und um den wir uns gar nicht küm- wir an diesem Tag zu keiner
Durch das Gebet erlangen wir von einer guten Beichte zu reinigen. mern, wird uns sicher bald wieder Sünde hinneigen, sondern unsere
Gott die Gnaden, die wir brauchen, enttäuscht verlassen. So wird ein Worte, Gedanken und Werke im-
um unser christliches Leben füh- „Selbst der Elendeste vermag aus Mensch, der sich um den göttlichen mer dahin geleitet werden, Deine
ren zu können. Sicherlich sind die der Tiefe des Abgrundes, in den Gast in seiner Seele nicht kümmert, Gerechtigkeit zu erfüllen. … Herr,
hl. Messe und die Sakramente die er gestürzt ist, den Schrei um diesen nicht halten können. Da er Gott, König des Himmels und der
größten Quellen der Gnade, die wir Barmherzigkeit hinaufzusenden, nur mit dem Irdischen beschäftigt Erde, leite und heilige, regiere
hier auf Erden besitzen, aber ohne d. h. zu beten. Der Bettler, der ist, wird er bald in die schwere Sün- und lenke heute gnädig unsere
das Gebet bleiben sie fruchtlos. nichts hat als seine Armut, ver- de fallen. Herzen und Leiber, unsere Sinne,
Nur die kleinen Kinder können die mag gerade unter Berufung auf Reden und Handlungen nach Dei-
Taufe ohne inneres Mittun frucht- sein Elend zu bitten, und wenn er nem Gesetz und den Vorschriften
bar empfangen, weil das Sakrament in dieses Flehen sein ganzes Herz Die wichtigsten Gebetszeiten Deiner Gebote, damit wir durch
eine innere Kraft hat und die Kin- hineinlegt, neigt sich ihm die Deine Hilfe verdienen, hier und
der noch nicht fähig sind, sich selb- Barmherzigkeit zu; der Abgrund Die wichtigsten Zeiten für das in der Ewigkeit frei und selig zu
ständig auf Gott auszurichten. Für seines Elends ruft den Abgrund Gebet sind der Morgen und der sein, Du Heiland der Welt.“
diejenigen aber, die zum Vernunft- der Barmherzigkeit.“ 1 Abend. Jeden Morgen sollen wir
gebrauch gelangt sind, gilt: Wer nur 1
Garrigou-Lagrange: Des Christen Weg zu Gott,
unser Herz zu Gott erheben und Wir sollen uns auch an die allerse-
äußerlich bei der Messe anwesend Bd. 1, S. 455. ihm unser Tagewerk anempfehlen. ligste Jungfrau Maria wenden, die
40 Mitteilungsblatt Februar 2019 41Sie können auch lesen