NUTZEN - NACHHALTIGKEIT Es führt kein Weg daran vorbei - Verband Druck und Medien Bayern

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NUTZEN - NACHHALTIGKEIT Es führt kein Weg daran vorbei - Verband Druck und Medien Bayern
DAS MAGAZIN

                                          NUTZEN
N U T Z E N _ 03/ 20 20 _ M A G A Z I N

                                           DER DRUCK- UND MEDIENVERBÄNDE

                                                                  NACHHALTIGKEIT
                                                                  Es führt kein
                                                                  Weg daran vorbei
                                                                  Sparsamkeit und grünes Engagement
                                                                  Personalmanagement mit Weitblick
                                                                  Massendrucksachen und Nachhaltigkeit

                                                 AUSGABE 03/2020
NUTZEN - NACHHALTIGKEIT Es führt kein Weg daran vorbei - Verband Druck und Medien Bayern
NUTZEN

GARDAMATT ELEVEN
 Bilderdruckpapier - matt gestrichen
 erhältlich von 90 bis 380 g/qm

    holzfrei weiß
    1,1-faches Volumen
    hervorragende Opazität
    hohe Weiße
    sehr gute Laufeigenschaften
    schnelle Trocknungszeit
    FSC® C018175 Mix Credit             Ein Papier produziert von

 info@berberich.de | www.berberich.de
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NUTZEN - NACHHALTIGKEIT Es führt kein Weg daran vorbei - Verband Druck und Medien Bayern
EDITORIAL

                                                                                                                                   Foto: VDMB
                              Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob wir nachhaltiger leben und arbeiten müssen, sondern nur noch wie.

                               Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, seine         werden doppelt hinterfragt, Unternehmen aus
                              Treibhausgasemissionen bis 2030 – bezogen auf         allen Branchen legen beeindruckend nach­
                              die Emissionen des Jahres 1990 – um mindestens        haltige Beschaffungs- und Produktionspläne vor.
                               55 Prozent zu reduzieren. Den größten Anteil am
                               Rückgang der Emissionen im vergangenen Jahr           Die Druck- und Medienwirtschaft arbeitet schon
                              hatte mit einem Minus von 51 Millionen Tonnen         lange vergleichsweise sauber und nachhaltig.
                              die Energiewirtschaft. Dieser Sektor sorgt auch       Aber wir wissen auch, es kann noch besser wer-
                               für die meisten Emissionen in Deutschland.           den. Die Verbände Druck und Medien unter­
                              Zweitgrößter Verursacher von Emissionen war            stützen die Unternehmen dabei. Im Sinne der
                              die produzierende und verarbeitende Industrie,        ­Umwelt, aber auch im Sinne des Geschäfts. Denn
                              aber auch in diesem Sektor gingen die Emissio-        gerade jetzt, wo Geschäfts- und Privatkunden
                              nen um 7,3 Millionen Tonnen zurück. Wir sehen          bereit sind, „grüner“ zu agieren als bisher, gilt
                              also: Es geht. Gleichzeitig steigt die Einsicht in    es branchenweit, Print als wirksames, oft lang-
TITELBILD: BORCHEE – ISTOCK

                               breiten Teilen der Bevölkerung, dass wir nach-       lebiges und eben auch nachhaltiges Medium zu
                              haltiger leben und wirtschaften müssen. Dazu          präsentieren, das zur Firmenphilosophie der
                              hat die Bewegung Fridays for Future im vergan-         Kunden passt.
                              genen Jahr beigetragen. Die Corona-Pandemie
                               schließlich, die uns in diesem Jahr bislang          Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre.
                              ­undenkbare Einschränkungen und alternative
                               Konzepte aufzwingt, lehrt uns: Auch das geht.        Herzlichst, Ihre Geschäftsführer der Druck- und
                               Konferenzen finden digital statt, Dienstreisen       Medienverbände

                                                                                                                                                0 3 / 2 0 2 0 // 3
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NUTZEN
INHALT

                                                      TITELTHEMA:
                                                      NACHHALTIGKEIT

           IN                                         08 — NACHHALTIGKEIT                                30 — DRUCK AUF BERLIN

           HA
                                                      Es führt kein weg daran vorbei                     UND BRÜSSEL
                                                                                                         Damit den Betrieben nicht
                                                      Verbraucher setzen auf
                                                                                                         die Puste ausgeht
                                                      Nachhaltigkeit
                                                      Digitalisierung – ein

           LT
                                                                                                          Anzahl der Branchenbetriebe, die Kurzarbeit
                                                      zweischneidiges Schwert                             angezeigt haben: knapp 5.400 (ca. 70 %)

                                                                                                          6.000
                                                      16 Argumente für Print                                                             + 500
                                                                                                                                                  + 167

                                                                                                          5.000                + 3.620

                                                                                                          4.000

                                                                                                          3.000

                                                                                                          2.000

                                                                                                                      1.087
                                                                                                           1.000

                                                                                                              0
                                                                                                                   März 20    April 20   Mai 20   Juni 20

    Die Druck- und Medien-
    verbände vertreten die
    Interessen der deutschen
    Druck- und Medienwirt-         IMPRESSUM
    schaft auf allen politischen
                                   HERAUSGEBER: Bundesverband Druck und Medien e. V. (Dr. Paul Albert Deimel)
    und technischen Ebenen.        Friedrichstraße 194–199, 10117 Berlin
    Regional, national,            Tel: (0 30) 20 91 390, Fax: (0 30) 20 91 39 113, E-Mail: info@bvdm-online.de
    international.
    Und sie unterstützen die       VERANTWORTLICH: Bettina Knape
    Betriebe auf sämtlichen
                                   REDAKTIONSTEAM UND TEXTE: Kathrin Duschek, Melanie Erlewein, Cordula Hofacker,
    Feldern ihrer Geschäfts-
                                   Bettina Knape, Gwendolyn Paul, Lena Renz, Marian Rappl, Antje Steinmetz, Katrin
    tätigkeit. Praxisnah,          Stumpenhausen
    persönlich, kompetent.
                                   LAYOUT: Verena Rembeck, Marina Kuhn, Verband Druck und Medien Bayern e. V.

                                   DRUCK: Schleunungdruck GmbH
                                   Eltertstraße 27, 97828 Marktheidenfeld, Tel: (0 9391) 6005 0, Fax: (0 9391) 6005 90

                                   GEDRUCKT AUF: GardaMatt Art 135 g/qm (Innenteil) und 250 g/qm (Umschlag),
                                   geliefert von Carl Berberich GmbH

                                   ANZEIGEN: Bundesverband Druck und Medien e. V.

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NUTZEN - NACHHALTIGKEIT Es führt kein Weg daran vorbei - Verband Druck und Medien Bayern
NUTZEN
                                                                                                                 INHALT

03 — EDITORIAL
Herzlich willkommen zum
neuen NUTZEN

06 — PRINT KOMMT AN
Käufer, Leser, Reichweiten

14 — WIRTSCHAFT
Anzeichen einer leichten Erholung
in der Branche

16 — DER NUTZEN
Nachhaltig beeindruckend                                                   Seite   16
18 — NÜTZLICH
Wissenswertes für die Betriebsführung

20 — DIE FIRMA                          22 — FACHKRÄFTESICHERUNG
Sparsamkeit und grünes Engagement –     Personalmanagement mit Weitblick –
das passt zusammen!                     Arbeitgeber-Reputation

                                                                                        Wir hoffen, dass Ihnen
                                                                                        die vierzehnte Ausgabe des
                                                                                        Magazins der Druck- und
                                                                 Seite     24           Medienverbände gefällt
                                                                                        und es Ihnen NUTZEN
                                        24 — DIE PROFIS                                 bringt. Möchten Sie uns
                                        Massendrucksachen und                           Feedback geben, Kritik
                                        Nachhaltigkeit: kein Widerspruch                äußern oder Anregungen
                                                                                        mitteilen?
                                        26 — IHR RECHT AUF BERATUNG
                                        Beste Rechtsberatung – ohne                     Schreiben Sie uns an
                                        Mehrkosten                                      nutzen@bvdm-online.de

                                        28 — UNTERWEGS MIT ...                          Wir freuen uns auf Ihre
                                        Um- oder Erweiterungsbauten                     Rückmeldungen!

                                        32 — KURZMELDUNGEN
                                        Informationen aus den Verbänden

                                        34 — TERMINE
                                        Regionale, nationale und inter­
                                        nationale Branchenveranstaltungen                   ID-Nr. 2093686

         Seite   28

                                                                                                             0 3 / 2 0 2 0 // 5
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NUTZEN
PRINT KOMMT AN

                                              Print kommt an
                                              Print sorgt für Umsatz, Einschaltquoten, Käufer, Wähler,
                                              Gäste, Marktanteile, Mieter, Nutzer und Besucher. Und die
                                              deutschen Druck- und Medienunternehmen gehören zu
                                              den modernsten weltweit: Qualität und Geschwindigkeit der
                                              hiesigen Produktionen sind auf höchstem Niveau – von
                                              Auflage 1 im Digitaldruck bis zur Millionenauflage im Offset.

         73 %
                          der vier- bis 13-Jährigen
                          lesen mindestens mehr-
                          mals pro Woche gedruckte
                          Bücher, Zeitschriften,
                          Magazine oder Comics.

                                                                               83,3 %
                                                                               beträgt die aktuelle
                                                                               Verwertungsquote
                                                                               für grafische Papiere
                                                                               in Deutschland.

                     Um rund  30
                     stieg im März die
                                       %
                     Nachfrage nach
                     Kartonverpackungen
                     aufgrund der Corona-
                     Pandemie. Diese
                     Verpackungen sind
                     in der Regel bedruckt.

                                       3,6 %
                                       legte der Umsatz mit Kinder-
                                       und Jugendbüchern im ersten
                                       Halbjahr 2020 gegenüber 2019 zu.

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NUTZEN
                                                                                             PRINT KOMMT AN

        88 %
        der Bevölkerung
        erhalten regel­
        mäßig kostenlose
                                                                 4,9 %
                                                                 beträgt die Conversion
                                                                 Rate von Print-Mailings
        Anzeigenblätter.                                         für Bestandskunden von
                                                                 Online-Shops.

                                                        Täglich greifen

                                                        36,8 MILLIONEN
                                                        Bürger in Deutschland zu
                                                        einer gedruckten Zeitung.

            10 %
            Wachstum verzeichnet
            der Markt für Kartenspiele
            im Vergleich zum Vorjahr.
                                                                                      Um   25   % stieg die
                                                                                      Reichweite der gedruckten
                                                                                      Publikumszeitschriften im
                                                                                      März 2020 gegenüber Sep-
                                                                                      tember 2018 bis Juli 2019.

ZUSAMMENSTELLUNG: BUNDESVERBAND DRUCK UND MEDIEN; SHUTTERSTOCK.COM                                     0 3 / 2 0 2 0 // 7
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Nachhaltigkeit
Es führt kein Weg daran vorbei

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NUTZEN
                                       NACHHALTIGKEIT

Wenn an vielen
kleinen Orten viele
kleine Menschen
viele kleine Dinge
tun, so wird sich das
Angesicht unserer
Erde verändern.“
Afrikanisches Sprichwort

S
         eit mehr als sechs Monaten steht die Welt im
         Bann von COVID-19, alle anderen Themen wur-
         den schlagartig in die zweite und dritte Reihe
         geschoben oder sind ganz aus dem öffentlichen
Blickfeld geraten. Das galt bis vor Kurzem sogar für die
Nachhaltigkeitsdebatte – immerhin das Thema Nr. 1
im Jahr 2019.
    Doch im Rahmen der Überlegungen, wie nach Lock-
down und anhaltenden Restriktionen für Wirtschaft
und Gesellschaft ein Neuaufbau erfolgen könnte,
­mehren sich die Stimmen, dass dies idealerweise von
 Maßnahmen gestützt werden sollte, die auf nachhaltige
 Entwicklungen setzen. Dies sicherlich auch deshalb, da
 Experten die Corona-Krise als eine Quittung für unser
 nicht nachhaltiges Leben, Wirtschaften und Konsu­
 mieren beschreiben.
    Deshalb − so sind sich Experten ebenfalls einig − ist
 es wichtig, die Wirtschaft nicht weiter nur auf die bis-
 her geltenden Maximen „mehr Wachstum und schnelle
 Rendite“ auszurichten, sondern anstehende (oder auch
 längst überfällige) Transformationen in den Bereichen
 Digitalisierung, Umwelt- und Klimaschutz voranzu­
 treiben. Die Druck- und Medienwirtschaft arbeitet zwar
 bereits überdurchschnittlich nachhaltig, dennoch wird
 auch sie sich auf neue Vorschriften einstellen müssen
 sowie auf Kunden und Verbraucher, die mehr denn je
 nachhaltiges Arbeiten von Produzenten und Dienst-
 leistern erwarten.                                   »

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NACHHALTIGKEIT

                                                   Konzerne präsentieren sich nachhaltig – und punkten damit auch
                                                   in ihren Märkten.

         So zögerlich die Wirtschaft in der Vergangenheit oft war,        genutzt werden darf, den Klimaschutz aufzuschieben.
         wenn es um Nachhaltigkeit ging, so aktiv wird sie jetzt.         Ebenso viele sind der Meinung, Nachhaltigkeit sei der
         Nicht zuletzt, weil sie um anstehende Vorgaben aus der           Schlüssel für Gesundheit und Sicherheit. Zwei Drittel
         Politik weiß und weil Kunden es erwarten. So teilte Apple        haben vor, künftig auf Anbieter zurückzugreifen, denen
         im Juli mit, die Firma wolle bis 2030 klimaneutral sein          Solidarität, soziales Engagement und Nachhaltigkeit
         und reihte sich damit in eine wachsende Zahl von Tech-
         nologiefirmen mit ambitionierten Zielen ein. BMW hat
         sich die „Strategie Nachhaltigkeit 2030“ verordnet und
         nimmt auch seine Lieferanten in die Pflicht. Sie sollen
         schon bei der Auftragsvergabe daran gemessen werden,
         welchen Beitrag sie zur Kohlendioxid-Reduktion leisten.
         Bei Aldi Nord wird das Management in Sachen Nach-
         haltigkeit sogar von den eigenen Mitarbeitern überholt:
         Weil die Klimaschutzmaßnahmen des Konzerns aus Sicht
         der Belegschaft in den Märkten nicht wirklich sichtbar
         werden und nicht ausreichend gewürdigt würden,
         ­haben einige Angestellte die Initiative ergriffen. Das ­erste
          Ergebnis zeigten Hamburger Aldi-Märkte im Juli. Dort
          werden Kunden mit kreativen Bannern auf die Nach-
                                                                              * „New Normal: Wie lebt Deutschland in der
          haltigkeitsmaßnahmen des Handelsriesen aufmerksam                      Post-Corona-Welt?“. Eine Studie von QVC,
          gemacht. Für Druck- und Mediendienstleister können                     Trendforscher Prof. Peter Wippermann und
          die Signale nicht deutlicher sein. Wer sich nachhaltig                 Trendbüro Bonsai Research
          aufgestellt hat, dürfte bei Auftragsvergaben vieler Ein-
          käufer deutlich im Vorteil sein.
                                                                          wichtig sind und genauso viele wollen beim Kleidungs-
                                                                          kauf mehr auf Langlebigkeit und Zeitlosigkeit achten.
         Verbraucher setzen auf                                           Damit kann davon ausgegangen werden, dass auch
         Nachhaltigkeit                                                   Printprodukte eine höhere Akzeptanz erfahren, wenn
                                                                          sie deutlich als ein nachhaltig produziertes Produkt
         Nicht nur die Wirtschaft muss spätestens seit der Pan-           erkennbar sind. Seien es Geschäftsberichte, Gebrauchs-
         demie neue Wege gehen, auch das Verhalten und die                anleitungen oder Werbeflyer. Und nicht nur das: Ein
         Prioritäten der Menschen ändern sich. Dabei stehen               Siegel wie „klimaneutral gedruckt“ der Klimainitiative
         Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei ihnen stärker im             der Verbände in Geschäftsdrucksachen der Hersteller
         Fokus denn je. In einer Studie* geben 75 Prozent von             oder Händler anderer Güter – Bekleidung, Lebensmittel,
         1.000 Befragten an, dass die Corona-Krise nicht dafür            Kosmetik o. Ä. – bietet den entsprechenden Produzenten
                                                                          (und damit den Kunden der Druckindustrie) eine ein-
                                                                          fache, aber wirksame Möglichkeit, ihre Kunden über das
                                                                          Verantwortungsbewusstsein der Firma zu informieren.

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                                                                                                            NACHHALTIGKEIT

                                                 Mobilisierung von Forschung und
                                                 Förderung von Innovationen

                                                                            Null-Schadstoff-Ziel für
                                                                            eine schadstofffreie Umwelt
                                                 Umgestaltung der EU-
             Ambitionierte Klimaschutzziele      Wirtschaft für eine
                                                 nachhaltige Zukunft               Ökosysteme und Biodiversität
             der EU für 2030 und 2050
                                                                                   erhalten und wiederherstellen

   Versorgung mit sauberer, erschwing-
   licher und sicherer Energie                          Der                           „Vom Hof auf den Tisch“: ein faires,
                                                    europäische                       gesundes und umweltfreundliches
                                                                                      Lebensmittelsystem
                                                       Grüne
    Mobilisierung der Industrie für eine
    saubere und kreislauforientierte                    Deal
    Wirtschaft                                                                     Raschere Umstellung auf eine nach-
                                                                                   haltige und intelligente Mobilität

         Energie- und ressourcenschonendes
         Bauen und Renovieren                                                Niemanden zurücklassen
                                                                             (gerechter Übergang)
 Die EU                                                                                                       Ein
 als weltweiter                Finanzierung der Wende                                                         europäischer
 Vorreiter                                                                 Quelle: Europäische Kommission     Klimapakt

                                                              weit Maßnahmen geplant, um die Art und Weise, wie
                                                              Produkte hergestellt werden, zu verbessern und den
                                                              Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, nachhaltige
                                                              Entscheidungen zu ihrem eigenen Nutzen und zum
Die Politik hat gelernt                                       Nutzen der Umwelt zu treffen. Hier kann die deutsche
                                                              Druckindustrie auch gegenüber der Digitalwirtschaft
Bereits nach der Finanzkrise 2008 identifizierte die EU-      deutlich punkten: Die Recyclingquote grafischer
Kommission den Mangel an nachhaltigem Handeln bei             ­Papiere liegt in Deutschland bei 83 Prozent, Druckplat-
Kapitalmarktteilnehmern als einen wesentlichen Kri-            ten werden ebenfalls recycelt, Wasser für die Papier­
senauslöser. Diese Erkenntnis hat letztlich dazu geführt,      produktion wird im Kreislauf gefahren und Zeitungen
dass im Dezember 2019 eine neue Nachhaltigkeits­               werden zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt. Diese
strategie (European Green Deal) verabschiedet wurde.           Informationen gilt es viel sichtbarer zu präsentieren als
Sie soll bei den Unternehmen in der EU das Bewusstsein         bisher – zum Beispiel auf Werbematerial oder Websites
für die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihres           der Druck- und Medienbetriebe.
Handelns schärfen. Mit dem Ziel, ein klimaneutrales                Mit der Verabschiedung des Ressourceneffizienz­
Europa zu schaffen, plant die EU-Kommission, alle EU-          programms III am 17. Juni 2020 schreibt die deutsche
Rechtsvorschriften zu überprüfen, um sie an die neuen          Regierung ihr seit 2012 erfolgreich laufendes Programm
Klimaziele anzupassen. Das gilt unter anderem für              Prog­Ress fort. Damit hat sich das Land auf Ziele, Leit-
Richtlinien über erneuerbare Energien und Energie-             ideen und Handlungsansätze zum Schutz der natür-
effizienz, aber auch für die Vorschriften zum Emissions-       lichen Ressourcen festgelegt. Unternehmen sollen
handel.                                                        natürliche Ressourcen entlang der gesamten Wert-
   Weiterhin hat die Kommission am 11. März 2020               schöpfungskette effizienter nutzen. Sie werden daher
einen neuen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft            dabei unterstützt, Produkte ressourceneffizienter zu
verabschiedet. Er soll die gesamte EU-Wirtschaft fit           gestalten und zu produzieren. Das bedeutet, dass sie
für eine grüne Zukunft machen, ihre Wettbewerbs-               während der Herstellungs-, Nutzungs- und Entsor-
fähigkeit stärken, die Umwelt schützen und den Ver-            gungsphase ein Minimum an Material, Wasser und
brauchern neue Rechte einräumen. Zurzeit werden nur            Energie beanspruchen. Informationen, Instrumente,
12 Prozent der Sekundärmaterialien und -ressourcen             ­P ublikationen und Filme zum Thema Ressourcen­
wieder in die Wirtschaft zurückgeführt. Daher sind EU-          effizienz bietet die Website www.ressource-deutsch-
                                                                land.de des Kompetenzzentrums Ressourceneffizienz
                                                                (VDI ZRE). Branchenspezifische Beratung bieten auch
                                                                die Druck- und Medienverbände.                       »

                                                                                                                      0 3 / 2 0 2 0 // 1 1
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NACHHALTIGKEIT

                                                                              83afis%
                                                                                    cher P
                                                                                          apiere
                                                                                              t.
                                                                               gr        recyce
                                                                                                l
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                        s Wäld
               täglich          er wer
              Fußba
                        um
                     llfelde 1.500      den
                             r größe
                                     r.

         Um Beratungsleistungen und eventuell daraus ­folgende
         Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz in
         den Unternehmen finanziell zu unterstützen, existieren
         Vereinbarungen mit der KfW-Förderbank. Ihr „Sonder-      von Prozessdaten können Produktionen besser gesteu-
         fonds Energieeffizienz“ bezuschusst Energieeffizienz-    ert und der Rohstoffeinsatz effizienter werden. Dass die
         beratungen bei kleinen und mittleren Unternehmen         Digitalisierung jedoch erheblich zum erhöhten
         und vergibt günstige Investitionskredite für Energie-    ­Verbrauch von Rohstoffen beiträgt, vergessen Kunden
         einsparmaßnahmen.                                         und Verbraucher häufig. Das beweisen die ­zunehmende
                                                                   Verbreitung von Smartphones und Tablets sowie die
                                                                   enorm wachsenden Bedarfe an Serverleistungen. Auch
         Digitalisierung –                                         die Appelle zahlreicher Firmen und renommierter
         ein zweischneidiges Schwert                               ­Organisationen (wie im Juli seitens der Bundesrechts-
                                                                    anwaltskammer), der Umwelt zuliebe von Print auf
         Mit dem Programm ProgRess will die Regierung einen         ­Online umzusteigen, zeugen von immenser Unkennt-
         sparsamen Umgang mit Rohstoffen erreichen. Dabei            nis. Schlimmer noch: Diese Haltung stellt die Druck-
         geht es auch darum, die Chancen digitaler Technolo-         industrie in ein falsches, schlechtes Licht und schadet
         gien für mehr Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit,           ihr. Mit der Initiative Green Printing statt Greenwashing
         soziale Gerechtigkeit und eine intakte Umwelt zu            gehen die Verbände gegen entsprechend schmähliche
         ­nutzen. Denn dank immer schnellerer Verarbeitung           Behauptungen vor. Denn Experten wissen: Die digitale
                                                                     Kommunikation mit ihrem enormen Bedarf an Energie,
                                                                     an nicht nachwachsenden Rohstoffen und unbefriedi-
                                                                     genden Recyclingquoten ist nachweislich nicht umwelt-
                                                                     freundlicher als Druck – in jedem Fall aber viel weniger
                                                                     transparent.
                                                                        Im Verhältnis zu vielen anderen Industrien hat die
                                                                     Druckbranche in Fragen der Nachhaltigkeit eine Vor-
                                                                     reiterrolle. Höchste Standards im gesamten Beschaf-
                                                                     fungs- Produktions- und Entsorgungsprozess machen
                                                                     die Branche zu einem vergleichsweise sehr sauberen,
                                                                     transparenten Industriezweig. Der Bundesverband
                                                                     Druck und Medien und seine Landesverbände weisen
                                                                     mit Pressearbeit, in persönlichen Gesprächen mit Jour-
                                                                     nalisten und in Kooperation mit anderen Verbänden seit
                                                                     Jahren konsequent auf das nachhaltige Wirtschaften
                                                                     der Druck- und Papierindustrie hin. Aber im eigenen
                                                                     Interesse jedes Druck- und Medienunternehmens sowie
                                                                     im Interesse der gesamten Branche braucht es heute
                                                                     mehr denn je auch das deutlichere, sichtbare Signal aus
                                                                     den Betrieben selbst: Print ist nachhaltig!
                               BYGERMINA – ISTOCK

                                                                  Mehr Information dazu unter
                                                                  www.bvdm-online.de/themen/umwelt/

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NUTZEN
                                                                                                             NACHHALTIGKEIT

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Digitale M
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                                                                                       ngen
                                                                                            werd

                                                                             aus A
                                                                                      100%      en      zu
                                                                                   ltpap
                                                                                         ie
                                                                                        r her
                                                                                                geste
                                                                                                      llt.

 Nachhaltigkeit ist mehr
 als CO2-Kompensation
 Die Systematik einer nachhaltigen Medienproduktion ist eine schöne,                              16 Argumente
 aber auch große Herausforderung für alle Unternehmen der Druck-
 branche. Der Begriff Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung im latei­
                                                                                                  für Print
 nischen Perpetuitas, womit die Römer das ununterbrochen Fortlau-                                 Dass Print vergleichsweise nach-
 fende beschrieben haben. In der heutigen Zeit, die von schnell                                   haltig ist, wissen wir in der Bran-
 wechselnden Innovationen und einem ständig steigenden Ressour-                                   che. Außerhalb der Branche fehlt
 cenbedarf geprägt ist, erhielt der Begriff Nachhaltigkeit eine neue                              es leider oft an Informationen. Zu-
 Bedeutung: Denn die Endlichkeit von Rohstoffen und Ressourcen                                    nehmend werden die Verbände
 sowie die fortschreitende Klimaerwärmung stellen neue Anforderun-                                daher um gebündelte und beleg-
 gen an soziale und wirtschaftliche Prozesse. Nachhaltigkeit bedeutet                             bare F­ akten gebeten. Die gibt es
 heute also, die Umwelt mit all ihren Ressourcen sowie den Fortbestand                            nun. In dem Farbfächer „Nachhal-
 ihrer Flora und Fauna zu schützen und global zu erhalten.                                        tig kommunizieren mit Print“ sind
    In modernen Produktionsprozessen unterliegt der Anspruch an                                   die 16 wichtigsten Argumente
 Nachhaltigkeit daher einem Gesamtkonzept sowie permanenten Re-                                   leicht verständlich präsentiert. Mit-
 visionen, die sich an den wechselnden technischen Neuerungen und                                 glieder der Druck- und Medienver-
 ihren Auswirkungen orientieren (müssen). Ein flexibles Instrumenta-                              bände erhalten den Fächer über
 rium, das diesen Anforderungen gerecht wird, ist daher unabdingbar.                              ihren ­Landesverband.
    Da die Details eines systematischen Umweltmanagements von
 Branche zu Branche unterschiedlich sind, bietet die ­­Klimainitiative
 der Druck- und Medienverbände den Betrieben der Druck- und
 ­Medienwirtschaft ganz spezifische Unterstützung an, mit der ­gesetzte
  Ziele auch wirklich erreicht werden.

 Zieldreieck der Nachhaltigkeit

   Wirtschaft                              Soziales

                                                                     Absolute Grenze:
                                                                     Erhaltung der
                     Maßnahme                                        Lebensgrundlagen
                                                                     in globaler
                                                                     Perspektive
         relative Grenzen/
         Optimierungsgebot

                         Umwelt

 Quelle: Bundesregierung – Meilensteine der Nachhaltigkeitspolitik

                                                                                                                        0 3 / 2 0 2 0 // 1 3
NUTZEN
WIRTSCHAF T

         Anzeichen einer leichten
         Erholung in der Branche
         Nachdem Ende März der Lockdown einsetzte, brachen               ­ orjahreswerten liegen – das Minus betrug im Juni
                                                                         V
         vor allem im April die wichtigsten Konjunkturindika-            rund 18 bzw. 19 Prozent.
         toren der Druck- und Medienwirtschaft ein und fielen                  Die Erholung könnte sich also noch länger hinziehen
         auf historische Tiefstände. Seit der Lockerung der              und steht angesichts diverser gesamtwirtschaftlicher
         ­infektionsbedingten Schutzmaßnahmen im Mai sind                Risiken und der Abhängigkeit vom ­Infektionsgeschehen
          leichte Anzeichen einer konjunkturellen Erholung sicht-        im weiteren Jahresverlauf auf tönernen Füßen. Dies
          bar. Während der saison- und kalenderbereinigte                ­zeigen auch die Ergebnisse der ­bvdm-Kurzumfrage
          ­P roduktionsindex der Branche zwischen Februar und             von Ende Juni. Hier gaben rund 46 Prozent aller
           Mai 2020 um 25,6 Prozent fiel, legte er seit Mai um 11,3       ­Unternehmer an, dass sie eine Normalisierung ihrer
           Prozent zu. Ähnlich entwickelte sich der saison- und            Geschäftslage – unter der Voraussetzung, dass es keine
           kalenderbereinigte nominale Umsatzindex – er stieg              zweite Infektionswelle geben wird – frühestens in acht
           im Juni um 11,8 Prozent gegenüber dem Vormonat an.              ­Monaten erwarten.
              Dennoch gilt es zu beachten, dass die Erholungs-                 Zudem konnten rund 26 Prozent der Umfrageteilneh-
           entwicklung derzeit nur auf einem niedrigen Niveau               mer – aufgrund der durch die Coronakrise hervorgerufe-
           stattfindet. So zeigen die jüngsten Daten des Statisti-          nen Planungsunsicherheit – keine Prognose hinsichtlich
           schen Bundesamtes, dass der Umsatzindex im 2. Quartal            des ungefähren Zeitpunktes der Normalisierung ihrer
           durchschnittlich 23,9 Prozent unter seinem Vorjahres-            Geschäftslage abgeben.
           niveau lag. Und auch wenn der Geschäftsklimaindex –                 Dementsprechend ist es auch wenig überraschend,
           ein Frühindikator der Branche – im Juli um 11,2 P
                                                           ­ rozent         dass nahezu die Hälfte aller Unternehmer davon
           gegenüber dem Vormonat zulegte und nur noch 2,9                  ­ausging, dass im dritten Quartal der Umsatzrückgang
           Prozent unter seinem Vorjahresniveau notiert, ist zu              mindestens 25 Prozent betragen werde. Selbst im vier-
           berücksichtigen, dass sowohl der Produktions- als auch            ten Quartal erwartete noch nahezu ein Drittel einen
           der Umsatzindex nach wie vor deutlich unter ihren                 Umsatzschwund von mehr als 25 Prozent.

         Umsatzerwartungen der Unternehmen für Juni und das zweite bis vierte Quartal 2020
 100 %                                                                     2%                      1%
                                                                                                                            Mitarbeitern (Produktionsindex), Anmerkungen: Umsatz- und Produktionsindex

                         4%                       2%
                                                                                                                            Quelle: Statistisches Bundesamt, ifo-Institut, Berichtskreis: Fachliche Betriebs­
                                                                                                                            teile mit 50 und mehr Mitarbeitern (Umsatzindex); Betriebe mit 20 und mehr

                                                                                                                            sind saison- und kalenderbereinigt; Geschäftsklimaindex ist saisonbereinigt,

                                                                                                   6%
                                                                           10 %
                         19 %                     19 %
  80 %                                                                                            25 %

                                                                           37 %
                                                                                                                            Berechnungen: bvdm; Rundungsdifferenzen sind möglich.

  60 %                   42 %                     46 %

  40 %                                                                                            48 %

                                                                          39 %

  20 %                   28 %                     27 %

                                                                                                  16 %
                       6%                          5%                      10 %
   0%                   2%                         2%                       1%                      2%
                 Umsatzentwicklung         Umsatzentwicklung       Umsatzentwicklung       Umsatzentwicklung
                  Juni 2020 ggü.           2. Quartal 2020 ggü.    3. Quartal 2020 ggü.    4. Quartal 2020 ggü.
                     Juni 2019                2. Quartal 2019         3. Quartal 2019         4. Quartal 2019

    Steigerung         Keine Veränderung    Rückgang bis zu 25 %   Rückgang 26 % - 50 %    Rückgang 51 % - 75 %   Rückgang über 75 %

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NUTZEN
                                                                                                                                                                                    WIRTSCHAF T

                             Seit dem Tiefpunkt im April geht es wieder aufwärts.
                                 105

                                 100

                                 95

                                 90

                                 85

                                 80
                                                                    Geschäftsklimaindex
  Indexpunkte (Index 2015-100)

                                                                    Umsatzindex
                                  75
                                                                    Produktionsindex

                                  70

                                 65
                                       Jan 19   Feb 19   Mär 19   Apr 19   Mai 19   Jun 19   Jul 19   Aug 19   Sep 19   Okt 19   Nov 19 Dez 19   Jan 20 Feb 20 Mär 20 Apr 20 Mai 20   Jun 20   Jul 20

                                                                                                                                                   Quelle: Corona-Kurzumfrage des bvdm vom Juni 2020

Softproofing
by Stora Enso

                                                                  Proofing von überall.

                                                                                                       Überprüfen &                         Genehmigen &                     Proofs direkt an
Erstelle Projekte                                                 Workflow-Tool
                                                                                                       kommentieren                           verteilen                       der Maschine

              Sie wollen auch Kosten sparen? Wir rechnen Ihnen das Potenzial vor: tcs.paper@storaenso.com
                                                                                                  0 3 / 2 0 2 0 // 1 5
NUTZEN
DER NUTZEN

         Nachhaltig
         beeindruckend
                                                 O
                                                              b glänzend oder glitzernd, temperaturemp-
                                                              findlich oder blickdicht, kratzfest oder ab-
                                                              waschbar – geprägt, kaschiert oder lackiert:
                                                              „Hinter jeder Art der Veredelung verbirgt
                                                 sich komplexe Technik. Wir haben die Erfahrung und
         Das Familienunternehmen Rieker          das Know-how, sie gezielt einzusetzen“, sagt Ralph C.
         Druckveredelung GmbH & Co. KG           Rieker, Geschäftsführer von Rieker Druckveredelung in
         ist als Spezialist für Veredelung ein   Leinfelden. So erzählt er von UV-Lackierungen, durch
         ­wichtiges Glied in der Herstellungs­   die sich ein einfacher Karton wie Seide anfühlt, spekta-
                                                 kulär schimmert oder eine Lederoptik erhält oder von
          kette von Druckerzeugnissen. Das
                                                 vollständig abbaubarer und kompostierbarer Folie auf
          Know-how der Firma kommt immer         Basis nachwachsender Rohstoffe.
          dann ins Spiel, wenn Bücher, Verpa-       Doch sehr oft geht es bei Veredelungen nicht nur
          ckungen oder Werbematerialien          um ansprechende Optik für Druckerzeugnisse, ­sondern
          einen Zusatznutzen erhalten sollen:    auch um Schutz vor Schmutz und Feuchtigkeit oder um
          beeindruckende Optik, ansprechende     längere Haltbarkeit durch höhere mechanische Belast-
          Haptik oder einen wirksamen Schutz.    barkeit. Die hauchdünnen Kaschierfolien wirken als
                                                 Barrieren und sorgen für die Langlebigkeit von Karto-
                                                 nagen, die man sogar abwaschen kann. Sie kommen
                                                 beispielsweise bei Schulbüchern zum Einsatz, die
                                                 ­dadurch eine bis zu 5-fach erhöhte Lebensdauer haben.
                                                  „Nur etwa 0,2 Prozent des gedruckten Materials werden
                                                  veredelt und bei den meisten Anwendungen geht es um
                                                  Schutz“, erläutert Rieker.

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NUTZEN
                                                                                               DER NUTZEN

                                                  Mit umweltfreundlichen
                                                  Materialien und Verfahren
                                                  sorgen wir für nachhaltige
                                                  Druckveredelung.“
                                                  Ralph C. Rieker, Geschäftsleitung Rieker
                                                  Druckveredelung GmbH & Co. KG

                                                Lange Lebensdauer und hohe Recyclingquote
                                                Für den Vater von zwei Söhnen ist die Langlebigkeit der
                                                Produkte ein wichtiger Punkt, nicht zuletzt bei der
                                                ­Debatte um Umweltschutz und mehr Nachhaltigkeit.
                                                 „Die von uns veredelten Drucksachen sind keine Weg-
                                                 werfprodukte und können, wenn sie dann doch irgend-
                                                 wann entsorgt werden müssen, über die Altpapier-
                                                 sammlung recycelt werden.“ Gemeinsam mit den
                                                 Herstellern von Lacken und Farben wird an noch
                                                 ­u mweltfreundlicheren Materialien und Verfahren
                                                  ­gearbeitet. Der Betrieb wird dabei oft genug zum Test-
                                                   labor. „Dieser Wissensvorsprung kommt unseren
                                                   ­Kunden zugute und ist Inspiration für innovative Druck-
                                                    produkte“, so Rieker.

                                                Mehr als 111 Jahre Veredelungskompetenz
                                                Inhaber von Rieker Druckveredelung in Leinfelden mit
                                                20 Mitarbeitern ist der Wirtschaftsingenieur Ralph C.
                                                ­R ieker. Seit 2001 leitet der 56-Jährige den Betrieb, den
                                                 sein Urgroßvater Christian F. Rieker 1906 gründete,
                                                 ­gemeinsam mit seinem Schwager Andreas W. Knauber.
                                                  Seit 2015 ist dessen Sohn Henrik (wie Rieker gelernter
                                                  Drucker und Absolvent der Hochschule der Medien
                                                  [HdM] in Stuttgart) nun schon in der fünften ­Generation
                                                  in der Geschäftsleitung tätig.

                                                Next Generation
                                                Das Unternehmen gut vorbereitet für die Herausforde-
                                                rungen der Zukunft an die nächste Generation zu über-
                                                geben – so, wie es seine Vorgänger schon getan haben –
                                                ist ein weiterer Aspekt seiner Sichtweise von Nachhaltig-
Henrik Knauber und Ralph C. Rieker führen das   keit. Rieker: „Mein Urgroßvater hat das Unternehmen
Familien­unternehmen Rieker Druckveredelung     gegründet und die Aufgabe jeder Generation ist es, es
inzwischen in der 5. Generation.                so zu entwickeln, dass es weiter gedeihen kann.“ 

                                                                                                   0 3 / 2 0 2 0 // 1 7
Neue Richtlinie für
                       Zeitungsbeilagen als
                       Download
                        Die bvdm-Richtlinie regelt, wie Beilagen beschaffen sein müssen, zu
                        verpacken und anzuliefern sind, damit sie in der Zeitungsdruckerei
                        problemlos verarbeitet werden können. Sie gilt fortan auch für
                       ­A nzeigenblätter.

                       Um eine störungsfreie Zeitungsproduktion zu gewährleisten, reicht
                       es nicht aus, lediglich die Druck- und Verarbeitungsprozesse für die
                       Zeitung selbst zu optimieren. Oft enthalten Zeitungen Beilagen, die
                       nicht auf der Zeitungsrotation gedruckt, sondern aus anderen
                       ­Druckereien zugeliefert werden. Ob sich die Beilagen im hochauto-
                        matisierten Fertigungsprozess der Zeitungsdruckereien problemlos
                        in das Trägerprodukt einstecken lassen, hängt wesentlich davon ab,
                        wie die Beilagen beschaffen sind und ob sie in geeigneter Weise

      NÜTZ
                        ­verpackt, gekennzeichnet und angeliefert werden.
                            Die neue Richtlinie benennt die Voraussetzungen für eine reibungs-
                         lose Verarbeitung der Beilagen. Sie dient somit als Verständigungs­

      LICH               mittel zwischen den an der Beilagenwerbung beteiligten Unter­
                         nehmen – den Zeitungs/Anzeigenblatt-Druckereien und -Verlagen,
                         den Beilagenkunden und Agenturen sowie den Druckereien, welche
                         die Beilagen produzieren und zuliefern. Ein neu aufgenommener
                         Anhang „Tip-on-Karten“ ergänzt das Dokument um Hinweise zu Post-
                         karten, die auf Titel oder Rückseite der Zeitung geklebt werden sollen.
                            Die bvdm-Richtlinie „Beilagen in Zeitungen und Anzeigenblättern“
                         löst die zuletzt im Jahr 2014 aufgelegte Publikation „Technische Richt-
                         linien: Fremdbeilagen in Tageszeitungen“ ab. Sie gilt nunmehr auch
                         offiziell für Beilagen in Zeitungen und zeitungsartigen Produkten,
                         die nicht täglich erscheinen. Denn die technischen und organisato-
                         rischen Voraussetzungen für eine qualitätssichere und wirtschaft-
                         liche Beilagen-Verarbeitung sind ungeachtet der Erscheinungsweise
                         identisch.
                            Die Richtlinie wurde von der Interessengruppe Zeitungsdruck des
                         Bundesverbandes Druck und Medien e. V. (bvdm) erarbeitet und mit
                         dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e. V. (BDZV) sowie dem
                         Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter e. V. (BVDA) abgestimmt.

                       GRATIS-DOWNLOAD
                       www.bvdm-online.de/themen/technik-forschung/
                       richtlinien-und-handreichungen/

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VDMB
                                                                                                                    EDITORIAL

INHALT

2 — GEMEINSAM STARK IN
KRISENZEITEN                        noch ist die Corona-Krise nicht ausgestan-      Besonders ans Herz legen möchte ich
Unternehmensporträt                 den, dazu sind die Einschränkungen und          ­Ihnen das Porträt unseres Mitgliedsunter-
Rudolph Druck                       Verwerfungen im Alltag und in der Wirt-               nehmens Rudolph Druck. Es zeigt, wie mit
                                    schaft noch zu massiv. Doch es gibt erste        ­Begeisterung, Engagement und Innovation,
6 — RECHT                           Zeichen der Besserung. Die Wirtschaft fährt       aber auch mit unternehmerischem Mut, ein
Corona-Warn-App im                  allmählich wieder hoch, Aufträge kommen           ­Druckunternehmen erfolgreich am Markt
Unternehmen sicher nutzen           zurück. Es ist also an der Zeit, den Blick         wachsen kann, inklusive der oft heiklen
                                    ­zumindest teilweise und mit der nötigen           ­Frage der Generationennachfolge. Hier wird
8 — ZUKUNFTSTHEMEN IM BLICK          Vorsicht nach vorne zu richten.                    sehr klar, wo die Stärken unserer Branche
VDMB-Vorstand beschäftigt sich           Diesen Blick nach vorne wagte auch der         liegen.
mit Folgen der Corona-Pandemie       Vorstand des VDMB in seiner ersten Präsenz-             Und zu guter Letzt haben wir noch ein
                                     sitzung nach Ausbruch der Pandemie. Im             gerade in Zeiten von Corona prüfens­wertes
10 — INPRINT 2021                    Mittelpunkt der Sitzung standen die Aus-           Angebot für Sie. Gehören Sie zu den Unter­
Neue Wege für Druck und Industrie    wirkungen der Corona-Krise auf die bayeri-         nehmen, die in der Krise eine wichtige
                                     sche Druck- und Medienbranche. Außerdem            ­Maschineninvestition erst einmal auf Eis
12 — KURZMELDUNGEN                   setzte man sich intensiv mit den großen             gelegt haben? Wenn ja, dann muss das
• Interne Mitgliederversammlung      Zukunftsthemen unserer Industrie ausei-             nicht heißen, dass sich Ihre ­P roduktivität
 am 8.10.2020 in Aschheim            nander. An vorderster Stelle rangieren die          nicht auch mit der „alten“ Maschine
• Bayerischer Druck- und             Themen Digitalisierung und Klimaschutz,             ­steigern lässt. Wie das geht? Das erfahren
 Medientag in Bamberg 2021           gefolgt von Nachwuchsgewinnung und                   Sie im Artikel „Retrofit Print“.
• Creative Paper Conference          Vertriebsoptimierungen. Um sie werden
                                     ­                                                       Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!
                                     sich in Zukunft viele Aktivitäten des VDMB
14 — AUS ALT MACH NEU:               ­drehen. Freuen Sie sich also auf viele neue
RETROFIT PRINT                        Angebote Ihres VDMB – mit unserem ­Poster
Ihre Druckmaschine optimieren,        „Umwelt. Bewusst. Gedruckt“ halten Sie
reparieren oder doch austauschen?     ­bereits das erste in der Hand.

                                                                                    Holger Busch, Hauptgeschäftsführer
                                                                                    Verband Druck und Medien Bayern e. V.

                                                                                                                     03/2020        1
VDMB
UNTERNEHMENSPORTRÄT

       Gemeinsam stark
       in Krisenzeiten
       Günter und Veit Rudolph, Vater und Sohn, berichten über eine gelungene
       Generationennachfolge, neue, digitale Geschäftsfelder und die Herausforderungen,
       die Corona für ihr mittelständisches Familienunternehmen mit sich bringt.

       E
              igentlich wollte sich Günter Rudolph, Geschäfts-
              führer von Rudolph Druck in Schweinfurt, in-
              nerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre lang-
              sam aus seinem Unternehmen zurückziehen,
       aber in der aktuellen, außergewöhnlichen Situation
       ist darüber nicht nachzudenken. Im Jahr 1992 grün­
                                                                          Man muss
       dete Günter Rudolph sein Unternehmen im unterfrän-
       kischen Ebertshausen und produzierte Druckprodukte
                                                                          Entscheidungen
       im Offset- und Buchdruck. Das Geschäft lief gut und
       das kleine Familienunternehmen ist schnell gewach-
                                                                          mittragen, auch
       sen. „Wir haben uns früher vor allem auf Flyer und klei-
       nere Broschürenauflagen konzentriert. Später ­haben
                                                                          wenn man es
       wir hier sehr stark die Konkurrenz der entstehenden
       Online-Druckdienstleister zu spüren bekommen“,
                                                                          vermeintlich
       schildert Geschäftsführer Günter Rudolph die Entwick-
       lung seines Unternehmens. „Deshalb haben wir schnell
                                                                          besser weiß.“
       gemerkt, dass wir uns neben dem stark umkämpften                   Günter Rudolph
       Offsetmarkt ein zweites Standbein suchen müssen, in
       dem wir erfolgreich sein können“, erinnert sich auch
       sein Sohn Veit Rudolph, der das Unternehmen mittler-
       weile zusammen mit seinem Vater führt. Mit seinem          im Jahr 2013 die ­Tochtergesellschaft ­Digital Druck
       Einstieg in die Geschäftsleitung ging auch der Schritt     Zentrum Rudolph, die jede Art des Digitaldrucks an
       in den Digitaldruck und die digitale Kundenan­bindung      einem zweiten Standort in Schweinfurt übernimmt.
       des Unternehmens einher.
                                                                  Digitale Kundenanbindung
       Weg vom Standard hin zur Individualisierung                Durch eine enge Verzahnung der Bereiche kann das
       Die breiten Massendrucksachen sind dem Unterneh-           Unternehmen aus einer Hand das gesamte Spektrum,
       men nach und nach weggebrochen. „Auch wenn es              vom Digitaldruck über den Großformatdruck bis hin
       uns das Leben schwerer macht, kann man vor dem             zum Offsetdruck, anbieten. Zudem bietet es auch
       Geschäftsmodell der großen Online-Druckereien nur          Branchenlösungen an: „Ob es um Einzelproduktionen,
       den Hut ziehen. Man muss sich aber auf sich selbst und     bedarfsgenaues Drucken oder Just-in-time-Produktio-
       seine Stärken konzentrieren und dann entscheiden, in       nen mit Paketversand oder Lieferung direkt ans Fließ-
       welche Richtung man sich entwickelt, um erfolgreich        band geht – unsere Aufgabe besteht immer darin, eine
       zu sein. Unser Weg war es, komplett wegzugehen von         genau passende Lösung für die Kundenanforderung zu
       der Standardproduktion in Richtung Individualisie-         finden und umzusetzen. Unsere Spezialität ist vor al-
       rung und digitale Kundenanbindung“, beschreibt Veit        lem die Schnittstellenintegration wie die Anbindung
       Rudolph den Weg des Unternehmens. Insbesondere             von Onlineshops oder Warenwirtschaftssystemen. Die
       der Digitaldruck sei ein wichtiger Baustein gewesen,       Aufträge werden so direkt beim Kunden bei uns aus-
       um weiter existieren und auch wachsen zu können.           gelöst und automatisiert an ihn versandt“, erklärt Veit
       Als Ergänzung zum bestehenden Offsetdruck entstand         Rudolph.

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Günter und Veit Rudolph: mit Leidenschaft und unternehmerischem Mut erfolgreich

Freiheit geben, Fehler erlauben                           Günter Rudolph. „Er war und ist die treibende Kraft
Man merkt: Längst trägt mit Veit Rudolph auch die         im Digitaldruck und hat den zweiten Standort maß-
nächste Generation im Unternehmen Verantwortung           geblich mit aufgebaut. Es ist wichtig, Freiheiten zu
– und das auf Augenhöhe mit seinem Vater. Doch            geben und ihn seine eigenen Erfahrungen machen zu
wie bekommt man das hin? „Man muss sich schon             lassen. Dann funktioniert das auch!“ Veit Rudolph er-
etwas zurücknehmen“, beschreibt Günter Rudolph            gänzt: „Fehler sind erlaubt, das ist wichtig. Ich ­durfte
das Erfolgsrezept für die generationsübergreifende        mich durchsetzen, auch wenn sich eine Entschei-
Zusammenarbeit und ergänzt: „Ich habe Veit nicht          dung vielleicht im Nachhinein auch mal als falsch
dazu gedrängt, in das Unternehmen einzusteigen,           herausgestellt hat.“ Sein Vater fasst zusammen: „Man
im Gegenteil, er kam von selbst auf mich zu, und ich      muss Entscheidungen mittragen, auch wenn man es
bin froh, dass er hier ist und frischen Wind in unser     vermeintlich besser weiß. Wenn immer alles auf die
gemeinsames Unternehmen gebracht hat.“ Bevor er           Goldwaage gelegt wird, geht es nicht lange gut.“
in die Führungsebene wechselte, war Veit im Unter­
nehmen zunächst als Auszubildender und später als         „Plötzlich war es ruhig“
Drucker angestellt. „Schon da hatten wir den groben       Der Erfolg gibt ihnen Recht: Heute hat das Unter-
Plan, dass wir einen zweiten Standort aufmachen mit       nehmen 27 Mitarbeiter und der Bereich Digital-
dem Schwerpunkt Digitaldruck, sodass wir dann für         druck macht bereits einen Anteil von 50 Prozent am
jeden von uns einen getrennten Verantwortungs­            ­Geschäftserfolg aus. Die Zeichen standen auf Wachs-
bereich haben. Das bot eine klare Perspektive. Veit be-    tum – größere Investitionen waren geplant. Doch
treut den Digitaldruck, ich den Offsetdruck“, e­ rzählt    dann kam Corona und damit auch die Unsicherheit,

                                                                                                           03/2020       3
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UNTERNEHMENSPORTRÄT

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                                                                                            sind alle mit Herz-
                                                                                            blut dabei – das
                                                                                            ist wichtig und
                                                                                            macht uns stark.“
                                                                                            Günter und Veit Rudolph

       Druckabstimmung und Qualitätskontrolle bei Rudolph Druck

       erzählt Günter Rudolph: „Plötzlich war es ruhig, es       Herzensangelegenheit Nachhaltigkeit
       gab Tage im April, an denen keine Anrufe von Kun-         Das Thema Umwelt beschäftigt Günter Rudolph schon
       den mehr eingegangen sind, das war schon beängs-          lange. Schon im Jahr 1996 war Rudolph Druck die erste
       tigend. Corona hat uns gewaltig getroffen. Ohne die       Druckerei im Bezirk, die ein Öko-Audit einführte. „Als
       Möglichkeit der Kurzarbeit hätten wir wahrscheinlich      kleines Unternehmen auf dem Lande sind wir dem
       große Probleme bekommen.“ Dem Unternehmen sind            ­Erhalt und der Schonung unserer Umwelt von jeher
       viele Aufträge weggebrochen. „Viele Kunden zögern          verpflichtet, da wir in unserem eigenen Lebensumfeld
       ­momentan, die Großindustrie spart, einige Messen für      produzieren. Es ist uns eine Herzensangelegenheit
        2021 wurden bereits abgesagt. Wir wissen dadurch          und wird von uns privat sowie geschäftlich tagtäglich
        jetzt schon, dass wir voraussichtlich auch nächstes       gelebt“, so Günter Rudolph. So verwendet das Unter-
        Jahr weniger Umsatz machen werden. Jetzt kommt es         nehmen schon lange prozesslose Druck­platten ohne
        auf die Entwicklung im Herbst an“, beschreibt auch        Chemie und setzt bereits seit Jahren mineralölfreie,
        Veit Rudolph die angespannte Situation im Moment.         auf nachwachsenden Rohstoffen basierende Druck-
                                                                  farben ein. Den Klimarechner der Verbände Druck
       Altbewährtes prüfen, neue Projekte in                      und Medien hat das Unternehmen seit 2011 installiert.
       Angriff nehmen                                             Eigentlich war auch eine Photovoltaik-Anlage geplant,
       Trotz der unsicheren Aussicht haben die Rudolphs           aber auch hier macht sich Corona bemerkbar und die
       nicht resigniert – im Gegenteil: Sie nutzen diese Zeit,    Investition wurde vorerst auf Eis gelegt.
       um sich zu sortieren und neu aufzustellen. So haben          Neben all den Herausforderungen und Unwägbar-
       sie versucht, größere Projekte früher abzuschließen,       keiten ist Günter und Veit Rudolph in der Krise aber ins-
       haben ein neues Zeiterfassungssystem eingeführt            besondere eines deutlich geworden: „Unsere größte
       und ihre betrieblichen Abläufe unter die Lupe genom-       Stärke sind sicher unsere Mitarbeiter. Die sind alle mit
       men. „Wir haben die Zeit genutzt, um uns Gedanken          Herzblut dabei und stehen hinter der Firma – das ist
       zu machen, wie wir uns zukünftig ausrichten wollen.        wichtig, macht uns stark und hilft uns, diese Zeit zu
       Gerade überarbeiten wir unsere CI. Zukünftig möch-         überstehen und optimistisch nach vorne zu blicken.“
       ten wir uns stärker auf die Themenfelder Regionalität      Da sind sich die beiden sicher. 
       und Umwelt fokussieren. Zwei wichtige Bereiche, auf
       die sich viele Kunden gerade wieder zurückbesinnen
       und mit denen wir punkten können“, ist sich Günter
       Rudolph sicher.

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Alexander Kirch – Shutterstock.com

VDMB
RECHT

       Corona-Warn-App
       im Unternehmen
       sicher nutzen
       Nach der erfolgreichen Einführung der App gilt es, bei der Nutzung
       im Unternehmen wichtige arbeitsrechtliche Aspekte zu beachten.
       Kann der Arbeitgeber die Installation der App anweisen?

       H
                  ier kommt es zunächst darauf an, ob es         Auf Grundlage seines Weisungsrechts ist der Arbeit-
                  sich um ein privates Smartphone oder ein       geber berechtigt, den Arbeitnehmer anzuweisen,
                  zur dienstlichen Nutzung zur Verfügung         welche Software auf dem Diensthandy genutzt wer-
                  gestelltes Smartphone (Diensthandy) han-
                  ­                                                den muss. Hierzu zählt auch die Verwendung der
        delt. Bei einem Diensthandy kann der Arbeitgeber         ­Corona-Warn-App. Jedoch ist zu beachten, dass sich
        die Installation der App einseitig anordnen, da es        die Anweisung zur Nutzung der App nur auf den
       Eigentum des Arbeitgebers ist. Demnach kann er
       ­                                                          Zeitraum der tatsächlichen Arbeitszeit beschränkt,
       entscheiden, welche Software installiert werden soll.      denn eine Pflicht zur Nutzung der App in der Freizeit
       Auch eine Vereinbarung, welche dem Arbeitnehmer            des ­A rbeitnehmers besteht nicht. Für die Nutzung
       die private Nutzung des Diensthandys erlaubt, ändert       der App während der Freizeit ist der Arbeitgeber
       ­daran nichts. Demgegenüber kann der Arbeitgeber           wiederum auf die Freiwilligkeit des Arbeitnehmers
        die Installation der App auf einem privaten Smart­        ­angewiesen. Eine Pflicht für den Arbeitnehmer, das
        phone nicht einseitig anordnen. Die Installation ist       Diensthandy ganztägig anzulassen (und auch die
        hier nur auf freiwilliger Basis möglich. Mehr als eine     Bluetooth-Schnittstelle zur Nutzung der App aktiviert
        Bitte kann der Arbeitgeber hier nicht äußern.              zu lassen), ist nur in Ausnahmefällen denkbar, z. B.
                                                                   bei Rufbereitschaft oder Bereitschaftsdienst. Da die
       Anordnung der Aktivierung und Nutzung der                   Corona-Warn-App allerdings nur bei der dauerhaften
       Corona-Warn-App durch den Arbeitgeber                       Nutzung, also auch außerhalb der Arbeitszeit, eine
       Der Frage nach der Anordnung der Installation               Nachverfolgung von Infektionsketten gewährleisten
       schließt sich die Frage an, ob der Arbeitgeber nach         kann, stellt sich in der Praxis daher die Frage, wie
       erfolgter Installation der App auch deren Nutzung           sinnvoll eine solche Verpflichtung der Nutzung auf
       einseitig anordnen kann. Auch hier ist wieder eine          dem Diensthandy ist. Bei der Nutzung eines privaten
       Unterscheidung zwischen Diensthandy und privatem            Smartphones kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer
       Smartphone zu beachten.                                     nicht einseitig dazu verpflichten, die App auf seinem

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privaten Smartphone zu nutzen. Ebenso wie bei der          1 lit. t Infektionsschutzgesetz an das Gesundheits­
Installation der App muss er auch bei der Nutzung der      amt gemeldet werden muss, eine solche Pflicht aus
App auf die Freiwilligkeit des Arbeitnehmers setzen.       der Treuepflicht des Arbeitnehmers dem Arbeitsver-
Da die App auf einem Diensthandy sowie auf einem           trag i. V. m. § 242 BGB. Sie kann zudem aus § 16 Abs. 1
privaten Handy volle Funktionalität nur bei dauer-         ­A rbSchG hergeleitet werden. Arbeitgeber sollten ihre
hafter Nutzung entfaltet und der Arbeitgeber dafür          Arbeitnehmer auf diese Informationspflicht hinwei-
in jedem Fall auf die Freiwilligkeit des Arbeitnehmers      sen. Die Details einer Meldepflicht sollten Gegenstand
angewiesen ist, empfiehlt sich für die Praxis eine          einer Betriebsvereinbarung sein, soweit ein Betriebs-
­Nutzungsempfehlung durch den Arbeitgeber.                  rat besteht.

Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats                      Reaktionsmöglichkeiten des Arbeitgebers,
Durch die betriebliche Mitbestimmung können die            bei Warnung über die App
Anordnungsbefugnisse des Arbeitgebers nicht auf die        Klarzustellen ist, dass der Arbeitgeber den Arbeitneh-
private Lebensführung ausgedehnt werden. Im Hin-           mer nicht verpflichten kann, einen Corona-Test durch-
blick auf die Weisung zur Nutzung auf dem Dienst-          führen zu lassen. Seit 1. Juli 2020 besteht in Bayern je-
handy ist der Betriebsrat jedenfalls zu beteiligen, da     doch die Möglichkeit für alle Bürger/innen, sich
bei der Anweisung der Nutzung der App regelmäßig           freiwillig und kostenfrei testen zu lassen. Daher
auch Fragen der Ordnung des Betriebs und des Ver-          ­könnte der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer empfeh-
haltens der Arbeitnehmer im Betrieb i. S. d. § 87 Abs.      len, sich testen zu lassen. Erfährt der Arbeitgeber, dass
1 Nr. 1 BetrVG betroffen und damit die erzwingbare          ein Infektionsverdacht mit dem Corona-Virus besteht,
Mitbestimmung des Betriebsrates eröffnet ist. Glei-         ist er verpflichtet, alles betriebsorganisatorisch Not-
ches gilt bei einer Nutzungsempfehlung des Arbeit-          wendige zu unternehmen, um eine Ausbreitung der
gebers, da es im Rahmen des § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG        Infektion im Betrieb zu verhindern. Das ergibt sich
nicht auf eine rechtliche Verbindlichkeit ankommt,          ­bereits aus seiner Fürsorgepflicht den anderen
sondern darauf, ob die Maßnahme des Arbeitgebers             ­Beschäftigten gegenüber. Betroffen davon ist z. B. die
auf die Steuerung des Verhaltens der Arbeitnehmer             Anordnung von Homeoffice. Fehlt eine Individual-
­gerichtet ist. Da die Anwendung der App ein tech-            oder Betriebsvereinbarung zum Thema Homeoffice/
nisches ­Mittel zur Einhaltung der gesetzlich vorge-          mobile Arbeit, wird die Anweisung von Homeoffice in
 schriebenen A ­ rbeitsschutzvorschriften ist, wird auch      der aktuellen Situation vom Weisungsrecht des
 ein Mitbestimmungsrecht über § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG        ­A rbeitgebers nach § 106 GewO gedeckt sein. Eine sol-
 zu b
    ­ ejahen sein. Eine Mitbestimmung über § 87 Abs.           che Weisung entspricht insbesondere aufgrund der
 1 Nr. 6 BetrVG scheidet jedoch aus, da die App keine          Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen
 Überwachung der Arbeitnehmer selbst ermöglicht.               Beschäftigten billigem Ermessen i. S. d. § 106 GewO.
 Kein Mitbestimmungsrecht besteht bei der bloßen               Ist Homeoffice nicht möglich, überwiegt das arbeits-
 Installation der App auf dem Diensthandy durch den            schutzrechtliche Suspendierungsinteresse des Arbeit-
 Arbeitgeber, da das bloße Installieren der Software           gebers das Interesse des Arbeitnehmers an einer
 auf dem Gerät zu keiner automatischen Nutzung der             ­vertragsgemäßen Beschäftigung. Der Arbeitgeber ist
 Software führt. Die App setzt vielmehr eine aktive             somit berechtigt, den Arbeitnehmer einseitig unbe-
 Nutzung durch den Arbeitnehmer voraus. Insgesamt               zahlt von der Arbeit freizustellen, allerdings können
 sprechen gute Argumente dafür, den Betriebsrat bei             Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch vereinbaren, dass
 der Einführung der Software so früh wie möglich zu             der Arbeitnehmer für die Zeit bis zur Klärung, ob eine
 involvieren. Daraus kann sich nicht zuletzt auch die           Infektion vorliegt oder nicht, Urlaub nimmt oder Über-
 Akzeptanz bezüglich der Nutzung der App erhöhen.               stunden abbaut.

Informationspflicht des Arbeitnehmers bei
Warnung durch die App
Erhält der Arbeitnehmer über die Corona-App einen
Alarm, ist er verpflichtet, diesen unverzüglich an
seinen Arbeitgeber zu melden. Zwar sind Arbeitneh-                                  Marcus Jülicher
mer grundsätzlich nicht verpflichtet, eine konkrete                                 Rechtsanwalt
Diagnose gegenüber dem Arbeitgeber zu offenbaren,                                   (Syndikusrechtsanwalt)
jedoch ergibt sich in der aktuellen Situation für Fälle                             Stv. Leiter Geschäftsstelle
einer möglichen Infektion mit einer hoch anstecken-                                 Nürnberg
den Infektionskrankheit, die auch nach § 6 Abs. 1 Nr.                               Fachanwalt für Arbeitsrecht

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VDMB
ZUKUNFTSTHEMEN VDMB

       Zukunftsthemen im Blick
       Der Vorstand des VDMB hat sich intensiv mit den Folgen der Corona-­
       Pandemie für die Druck- und Medienindustrie auseinandergesetzt,
       aber auch die Relevanz der strategischen Zukunftsschwerpunkte des
       Verbandes einer kritischen Prüfung unterzogen.

       D
                   ie Vorstände des Verbandes waren sich bei       wurden das wirtschaftliche Überleben gesichert und
                   ­ihrem Zusammentreffen in Aschheim einig:       ­A rbeitsplätze erhalten. „Als konjunk­turell nachlau-
                    Die Krise traf die Unternehmen der Branche      fende Branche brauchen wir einen ­besonders ­langen
                    mit leichter Zeitverzögerung. Nach Abarbei-     Atem, um diese herausfordernde Zeit zu überstehen“,
          ten der noch vorhandenen Aufträge brach das Auf-          so Schleunung. Allerdings ­zeigen ­aktuelle Konjunktur-
          tragsvolumen jedoch bei fast allen Betrieben drama-       prognosen, dass mittlerweile ein ­verhaltener Optimis-
       tisch ein. Für das zweite Quartal bedeutete das für zwei     mus in der Druckindustrie zu ­spüren ist.
       Drittel der Unternehmen einen Umsatzrückgang von
       mehr als 25 Prozent. Ein Viertel verliert sogar mehr als    Dienstleistungsangebote des VDMB große
       50 Prozent des Umsatzes.                                    Hilfe für die Unternehmen
             „Dass das alles nicht das sofortige Aus für ­unsere   Der VDMB selbst hat mit Beginn der Corona-Krise
          Unternehmen bedeutete, ist auch der Schnellig-
          ­                                                        ­sofort in den Nothilfe-Modus geschaltet und ­ordnete
          keit und vor allem der Vehemenz des Handelns der          alle sonstigen Aktivitäten der schnellen und praxis­
       ­Politik zu verdanken“, betont Christoph ­Schleunung,        orientierten Mitgliederhilfe unter. Der Vorstand
        Vorsitzender des VDMB. Mit umfassenden und vor              würdigte diese intensive Unterstützung seitens des
        ­allem unbürokratischen finanziellen H  ­ ilfen, mit dem    Verbandes und hob besonders die umfassende Infor-
         ­bewährten Mittel der Kurzarbeit und ­v ielen weiteren     mation per Newsletter und Corona-Service-Center
          Zuschüssen, Steuerstundungen und ­      Sofortkrediten    sowie die persönliche Beratung, vor allem zu den

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Themen Kurzarbeit und finanzielle Hilfen, hervor.
Christoph Schleunung: „Wir alle haben in den zu-
rückliegenden Wochen festgestellt, wie wichtig ein
funktionstüchtiger Verband für seine Mitglieder,
­insbesondere in schwierigen Zeiten, ist. Der VDMB ist
 die gelebte Solidarität unserer Branche.“

Strategische Zukunftsthemen im Visier
Der Vorstand nahm aber auch die Zukunft in den Blick
und diskutierte kritisch die Relevanz der bisherigen
                                                            Die Krise zeigt,
strategischen Zukunftsthemen. Die b   ­ eiden Top­themen
Digitalisierung und Klima/Umwelt ­haben nach wie
                                                            dass die von uns
vor ihre Berechtigung. Gerade beim T     ­ hema Digitali-
sierung hat die Corona-Krise die hohe Rele­vanz für die
                                                            definierten Strategie­
Wirtschaft überdeutlich vor Augen geführt. Hier gilt
es jetzt mehr denn je, digitale Infrastrukturen auf- und
                                                            felder weiterhin
auszubauen und Produktionsprozesse weiter zu digita-
lisieren.
                                                            Bestand haben, ja
   Die Strategiefelder Vertrieb/Preispolitik und Perso-
nal/Nachwuchsgewinnung werden bei der Bewälti-
                                                            sogar noch an
gung der Krisenfolgen eine weiterhin hohe Bedeutung
haben. „Die Krise zeigt, dass die von uns definierten
                                                            Bedeutung
Strategiefelder weiterhin Bestand haben, ja sogar noch
an Bedeutung gewonnen haben. Wenn wir die Erfah-
                                                            gewonnen haben.“
rungen der Krise nun in die Planung der weiteren            Christoph Schleunung, Vorsitzender des VDMB
Strategieumsetzung einfließen lassen, kann der VDMB
auch zukünftig wichtige innovative Impulse für seine
Mitgliedsunternehmen geben“, so Schleunung.

Umwelt. Bewusst. Gedruckt.
Die Themenfelder Umwelt und Nachhaltigkeit wur-
den in den letzten Monaten meist vom allgegenwär-
tigen Thema „Corona“ überdeckt. Sie bleiben jedoch
wichtige Zukunftsthemen, die Unternehmen noch
lange und intensiv beschäftigen werden. Mit einer
Infografik zum Thema in Form eines Plakates hat
der Verband Druck und Medien Bayern sich mit den
Umweltthemen der Branche in der gesamten Wert-
schöpfungskette auseinandergesetzt und die unter-
schiedlichen Umweltaspekte von Print beleuchtet.
Das Plakat liegt diesem Heft bei und kann über den
VDMB angefordert werden.

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