PORTUGAL Report 068 BRAGA - Deutsch-Portugiesische Gesellschaft eV
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PORTUGAL Report
JOURNAL DER DEUTSCH-PORTUGIESISCHEN GESELLSCHAFT E. V. (DPG)
Erscheint beim Präsidium der DPG · Gemeinnütziger Verein zur Förderung der 068
freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Portugal 09 | 2017
BRAGAAnzeige LECKERE WEINE AUS PORTUGAL! MUNDUS LEVE QUINTA DAS AMORAS VINHO REGIONAL LISBOA VINHO REGIONAL LISBOA Spritziger halbtockener und leichter Wein von ausgewähl Extrem frisch, trocken und aromatisch. Mit einer inten ten Trauben. Zitronengelb. Aroma nach frischen Früchten. siven Note von Erdbeeren und Himbeeren. Gut ausbalan Langer und anhaltender Abgang. Trinktemperatur: 8–10°C cierte und erfrischende Säure. Passt zu allen Essen. Rebsorten: Moscatel-Graúdo, Seara Nova, Fernão Pires, Trinktemperatur: 8–10°C · Rebsorten: Castelão, Cama Malvasia · Produzent: Adega Cooperativa da Vermelha · rate, Cabernet Sauvignon · Produzent: Casa Santos Lima Inhalt: 0,75 l · Alkohol: 13 % / Vol. Preis: 4,55€* Inhalt: 0,75 l · Alkohol: 12,5 % / Vol. Preis: 4,95€* O TAL VINHO DA LIXA FORAL DE LISBOA VINHO VERDE VINHO REGIONAL LISBOA Leichter, spritziger junger Wein mit der typischen Säure Dunkle rubinrote Farbe. Aroma von reifen schwarzen und eines Vinho Verde. Klare fruchtige Aromen mit Spuren roten Früchten. Körperreich und fruchtig. Leichte Tan von Blüten. Ausgeglichener und anhaltender Geschmack. nine, feine Gewürznote. Ausbalancierte Säure, angeneh Erfrischender Wein, der besonders gut zu Fisch, Meeres mer Abgang. Der Wein will den Menschen Tribut zollen, früchten und hellem Fleisch schmeckt. · Trinktemperatur: die ihre Arbeit den Weinen und Weinbergen der Region 6–8°C · Rebsorten: Trajadura, Pedernã, Azal, Loureiro · widmen. Trinktemperatur: 17–19°C · Rebsorten: Caste Produzent: Quinta da Lixa Sociedade Agricola · Inhalt: lão, Touriga Franca, Syrah · Produzent: Casa Santos Lima 0,75 l · Alkohol: 10 % / Vol. Preis: 5,45€* · Inhalt: 0,75 l · Alkohol: 13 % / Vol. Preis: 5,45€* MUNDUS ROSÉ LEVE RAYEO CAPITÃO RESERVA VINHO REGIONAL LISBOA VINHO REGIONAL ALENTEJANO Rötlicher, lachsfarbener Wein mit einer außergewöhn Angenehme Aromen, ausgewogene Tannine, anhalten- lichen Frische. Fruchtig und halbtrocken. Mit anhal der Abgang. Sechs Monate in Eichenfässern gereift. Zu tendem Abgang. Darf gerne kalt getrunken werden! · rotem Fleisch, Wild, reifem Käse servieren. · Trinktem- Trinktemperatur: 6–8°C ·Rebsorten: Castelão, Aragonez peratur: 18–20°C · Rebsorten: Syrah, Trincadeira, ·Produzent: Adega da Vermelha · Inhalt: 0,75 l · Alkohol: Aragonez · Produzent: Adegas das Mouras de Arraiolas · 9,5 % / Vol. Preis: 4,55€* Inhalt: 0,75 l · Alkohol: 14 % / Vol. Preis: 7,65€* *INKL. MWST., ZZGL. VERSANDKOSTEN · ANGEBOT GÜLTIG: 1.9.–30.11.2017. ES GELTEN DIE AGB VON PIRI PIRI. Bestellen Sie jetzt auf: piripiri24.de PIRI PIRI · JOSÉ MANUEL LIMA · SCHWARTAUER ALLEE 67 · 23554 LÜBECK TEL. 0451 | 8997578 · MOBIL 0170 | 5208944 · LIMA@PIRIPIRI24.de
Herzlich willkommen! Inhalt
Liebe LeserInnen des Portugal-Reports, halt in Porto habe ich die Gunst der
wie Sie alle wissen, findet die Jahres Stunde genutzt und bin mit dem Com-
tagung der DPG dieses Jahr in Erfurt boio Histórico vom Régua nach Tua am
statt, und zwar vom 20.10. bis zum 22.10. Douro entlang gefahren. Und auch wie-
Die Jahrestagung ist immer eine gute der zurück. Alles mit viel Spaß, einer
4
Möglichkeit, um sich besser kennenzu- schönen Stimmung, mit Musik, Port- Portugal, Deutschland, DPG:
lernen und in Ruhe ein paar Worte mit- wein und viel Getöse. Über TAP Portugal Interview mit Michael W. Wirges
einander zu plaudern. Neue Gesichter habe ich mich geärgert und die Ge-
oder lange nicht aufgetauchte sind na- schichte aufgeschrieben, um anderen
türlich immer gern gesehen. ACHTUNG: Menschen Mut zu machen, sich gegen
Eine kleine Änderung des Programms dreiste Unverfrorenheiten, Ignoranz
aus Heft 67 steht auf Seite 19. und schläfriges Nichtstun zu wehren.
In diesem Heft finden Sie ein länge- Eine gute Nachricht gibt es noch: Die
res Interview mit Michael W. Wirges,
dem Präsidenten der DPG. Er nutzt die
Gelegenheit, über die wichtigsten Mo-
neu gestaltete Website ist endlich on-
line. Unter www.dpg.berlin finden Sie
alles, was die DPG meint, veröffentli-
Comboio hístórico: Von Régua
nach Tua am Douro entlang 7
mente seines bisherigen Lebens zu chen zu müssen. Anregungen, Kritik
erzählen: Er spricht über seine Kindheit und Kommentare zu den Artikeln sind
in Portugal, die Sheraton-Hotels in Lis- herzlich willkommen. Ein Teil der Web-
sabon, Paris, Frankfurt und München site wird demnächst ins Portugiesische
8
und erklärt, warum er sich entschieden übersetzt, um vor allem Menschen in
hat, eine Ausbildung zum Export-Kauf- Portugal über die DPG zu informieren.
Schlaraffenland für Naschkatzen:
mann zu machen. Das Foto auf Seite 6 Nach dem vielen Lob für die Illustra- Zuckerbäckereien am Algarve
beweist, dass er gut und gerne auch tion von Martina S ophie Pankow in der
einen anderen Job hätte machen kön- letzten Ausgabe finden Sie in diesem
nen. Weil er in Lissabon geboren ist, Heft wieder eine. Dieses Mal geht es um
schlagen während eines Fußballspieles einen Satz Fernando Pessoas aus dem
zwischen Deutschland und Portugal Gedicht Ó Mar, das in seinem Buch Men-
zwei Herzen in seiner Brust. sagem veröffentlicht ist: »Ó mar salgado,
Catrin George stellt einige Leckerei-
en der Zuckerbäckereien am Algarve
quanto do teu sal são lágrimas de Portu-
gal!« Das Ergebnis ihres Denkprozesses
Garranos: Eine Begegnung in
den Bergen von Peneda-Gerês 10
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vor: Es geht Produkte aus Feigen, Man- können Sie wieder auf der Rückseite
Breesen: Fado-Töne im
deln und Johannisbrot. Naschkatzen des Heftes bewundern.
norddeutschen Moor
kommen auf Ihre Kosten. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim
Andreas Lausen blickt 100 Jahre
zurück und erzählt über das einzige
Gefangenenlager für portugiesische
Lesen dieses Portugal Reports und hof-
fe, dass der eine oder andere Artikel
eine nachhaltige Wirkung auf Sie hat.
Ausstellung der Malerei von
Hans-Georg Hofmann in Speyer 13
Offiziere in Breesen.
Auch dieses Mal gibt es einen Text auf Herzliche Grüße
TAP Portugal: Keine Spur
von offenen Armen 14
16
portugiesisch. Ana Carla Gomes und
Festa de São João em Braga cada
Eberhard Fedtke beglücken Sie mit
vez mais viva (em português)
einigen Gedanken über das Fest zu Eh- Andreas Lahn
ren des São João in Braga. Nur am Ran-
de: Ich kann über dieses »wichtige«
Bericht vom DASP-Kolloquium
2017 in Aachen 17
18
Thema jetzt auch mitreden!
Veranstaltungen, Berichte und Ter- Wenn Sie noch ein Veranstaltungen | Berichte |
mine dürfen natürlich auch in diesem bisschen mehr von Termine | Neue Website
Foto: © Lea Henning
19
Portugal Report nicht fehlen. mir und über mich Impressum
Ich selbst bin auch unterwegs gewe- lesen wollen, schau- Spendenaufruf
sen. Deshalb dürfen Sie lesen, wie es en Sie sich gern auf
mir bei den Garrano-Wildpferden im
Minho ergangen ist. Bei einem Aufent-
meiner Website um:
www.portandi.de
Martina Sophie Pankow:
Illustration zu F. Pessoa 20
TERMIN +++ BITTE VORMERKEN ++++ TERMIN +++ BITTE VORMERKEN +++ TERMIN
NÄCHSTE JAHRESTAGUNG DER DPG: 20.–22.10.2017 IN ERFURT
1. SEPTEMBER 2017 3»Wer in Berlin lebt, dem
Du bist in Lissabon geboren. Deshalb stellt
sich natürlich sofort die Frage: Sporting
oder Benfica?
wird nicht langweilig«
Michael W. Wirges: Obwohl meine Schu-
le näher am Sporting-Stadion liegt, bin
ich Benfica-Fan, weil das Krankenhaus
meiner Geburt im Stadtteil Benfica liegt.
Ich muss aber auch sagen, dass ich nicht
viele Spiele gucke. Nur die wichtigen… Michael W. Wirges ist seit 18 Monaten Präsident der
Und für wen bist du, wenn Deutschland
DPG. Er spricht über Portugal, Deutschland, sein Leben
gegen Portugal spielt? in Berlin und über die DPG Fragen von Andreas Lahn
Ich habe die Frage schon mal so beant-
wortet: In der ersten Hälfte bin ich für
Deutschland und in der zweiten für Por- Sachsen. Sie hat von 1936 bis 1938 bei ei- bei der Industrie- und Handelskammer
tugal. Aber mein Herz schlägt natürlich ner deutsch-portugiesischen Familie als zum Industriefachwirt umschulen lassen.
für Portugal. Au-pair-Mädchen gearbeitet. Da mein Va
ter ein Freund der Familie war, haben sie Du hast ein halbes Leben als Exportkauf-
Als Kind bist du auf die »Deutsche Schule« sich eines Tages kennengelernt. Meine mann für Bombardier in Berlin gearbeitet.
gegangen. Wie lange hast du in Lissabon Mutter ist nach Sachsen zurückgekehrt, Was hast du dort hauptsächlich gemacht?
gelebt und warum seid ihr fortgegangen? um ihr Studium zu beenden. Während Ich habe dafür gesorgt, dass Maschinen
In Lissabon habe ich nur mein erstes Le- des Krieges haben sie sich geschrieben. und Maschinenteile versendet wurden,
bensjahr verbracht. Wir sind 1954 in die Und danach hat mein Vater ihr vorge- habe Angebote geschrieben, den Trans-
Nähe von Estoril gezogen. Dort und in schlagen, nach Portugal auszuwandern. port, die Zollabwicklung und Bankpapie-
Cascais habe ich meine Kindheit ver- Ich war nach der Schule zur Ausbil- re organisiert. Bis 2016, allerdings nicht
bracht. Später auch in Lissabon, weil ich dung als Hotelkaufmann ein Jahr in nur bei Bombardier, sondern zunächst
dort auf die Oberschule gegangen bin. Deutschland, am Tegernsee. Im Oktober bei kleineren Firmen. 1985 bin ich zur
Mein Vater stammt aus der Nähe von 1972 bin ich nach Portugal zurückge- AEG gewechselt, die jedoch in die Pleite
Köln. Er ist Mitte der zwanziger Jahre kehrt, um bis Oktober 1974 ein Praktikum rutschte. Ich habe einen neuen Arbeits-
ausgewandert. Meine Mutter stammt aus am Lisboa Sheraton Hotel anzutreten. platz bei der Waggon Union Gmbh ge-
funden, die Waggons für die Alliierten
Du hast während der Nelken-Revolution in gebaut und repariert hat, und Doppel
diesem Hotel gearbeitet. Wie hast du den decker-Busse für Berlin, Lübeck und Bag-
Sturz der Diktatur aufgenommen? dad. Sie wurde mit anderen Firmen zu
Den Sturz der Diktatur vom 24. auf den Adtrans, die im Jahre 2000 von Bombar-
25. April 1974 habe ich live miterlebt, weil dier übernommen wurde. Ich habe
ich als Praktikant Nachtdienst hatte. 30 Jahre für das gleiche Unternehmen
Einen Monat später bin ich nach Paris gearbeitet, obwohl ungefähr fünfmal der
gegangen, um meine Stelle im dortigen Unternehmer gewechselt hat.
Foto: © Andreas Lahn
Sheraton-Hotel anzutreten. Damals war Letztes Jahr wurde ich verabschiedet,
das Hotel das größte in Europa. Das hat- habe mich zwei Jahre für die Altersteil-
te keine politischen Gründe, sondern war zeit verpflichtet, ein Jahr aktiv und ein
schon länger geplant. Jahr passiv, das Ende September zu Ende
geht. Am 1. Oktober gehe ich in meinen
Wann und warum bist du nach Deutsch- wohlverdienten offiziellen Ruhestand.
MICHAEL W. WIRGES ist am 23.4.1953
in Lissabon geboren. Dort, in Estoril und land gekommen?
Cascais verbringt er seine Kindheit. Er lernt Ich war zwei Jahre in Paris, habe dort ge- Jeder Portugiese reist so oft es geht nach
Hotelkaufmann und arbeitet für die She lebt und gearbeitet, und immer wieder Portugal. In welche Regionen fährst du?
raton-Hotels in Lissabon, Paris, Frankfurt nach Portugal geschaut, ob sich die Lage Ich fahre am liebsten in die Region Lis-
und München. 1980 zieht er nach Berlin. dort beruhigt, denn in Portugal ging zu sabon, weil dort Freunde und Bekannte
Nach der Umschulung zum Industriefach dieser Zeit alles drunter und drüber. Da leben und ich das Grab meiner Eltern
wirt durch die IHK arbeitet er 35 Jahre als eine Besserung nicht in Sicht war, habe und meines Bruders auf dem deutschen
Exportkaufmann in verschiedenen Unter
ich beschlossen, erst einmal nach Friedhof aufsuche. Meine Freunde in Lis-
nehmen. Am 1.10.2017 geht er in Rente.
Michael W. Wirges ist ledig und Vater Deutschland zu gehen. Ich habe ein Jahr sabon, Estoril, Cascais, Sintra und ande-
zweier erwachsener Kinder. Im Jahre 2001 für das Sheraton in Frankfurt gearbeitet ren Orten freuen sich jedes Mal, wenn ich
tritt er in die DPG ein und wird im Februar und wurde dann nach München versetzt. komme − und ich mich natürlich auch.
2016 deren Präsident. Er fotografiert viel, Dort war ich circa vier Jahre. Der Ver- Ich möchte auch mal wieder an den
fährt gerne Fahrrad, singt im Jazz-Chor, dienst war nicht üppig und ich wollte Algarve fahren. Weitere Reiseziele sind
hört Musik und beschäftigt sich mit Kunst keinen Schichtdienst mehr machen. Des- Madeira und die Azoren.
und Historischem. Er liest gern Texte von halb habe ich entschieden, bei einer
Fernando Pessoa, Hermann Hesse und Rai
kleinen Firma alles zum Thema Indus Liest du Bücher und Zeitungen lieber auf
ner Maria Rilke. Seine Lieblingsfarben
sind dunkelblau und dunkelgrün. trieexport zu lernen. Im Oktober 1980 bin deutsch oder auf portugiesisch?
ich nach Berlin gezogen und habe mich Da ich Deutscher bin, lese ich vorwie-
4 PORTUGAL-REPORT NR. 68Foto: © Andreas Lahn
gend auf deutsch, aber ich nehme auch Es heißt, es gäbe für jeden Tag des Jahres esuchen ein Konzert. Dieses Jahr war
b
portugiesische Schriftstücke in die Hand ein andere Art, Bacalhau zu servieren. Wel- ich in Amsterdam, um diese herrliche
und beziehe zwei Zeitungen. Meinen ches ist dein Lieblings-Rezept? Stadt kennenzulernen.
Freunden in Portugal schreibe ich natür- Ich schätze viele Arten von Bacalhau,
lich auf portugiesisch. aber am liebsten mag ich Bacalhau à Du bist seit 18 Monaten Präsident der DPG.
Brás. Das Gericht esse ich nicht nur in Hast du dich mittlerweile an die Anforde-
Musik von Madredeus und der Fado von Portugal, sondern auch in Berlin. Ich rungen dieses Amtes gewöhnt oder bist du
Amália Rodrigues, Mariza, Mísia, Ana habe auch nichts einzuwenden gegen immer noch in der »Lernphase«?
Moura etc. werden weltweit bewundert. Ist ein kräftiges Mahl aus dem Alentejo oder Ich bin eigentlich immer in der Lernpha-
das auch deine Musik? einer anderen Region. se. Wir lernen ja jeden Tag etwas dazu.
Ja, selbstverständlich! Das ist ein Mix aus Ich bin 2001 in die DPG eingetreten. Kur-
dem ursprünglichen Fado mit Folklore, Eines deiner Hobbys ist das Rad fahren. Ist ze Zeit später hat Harald Heinke mein
Jazz und ein bisschen Pop. Exemplarisch das für dich ehrgeiziger Sport oder nutzt Potential erkannt und mich ins Präsidi-
dafür ist die Gruppe Sina Nossa. Ich bin du die Zeit in der Natur, um abzuschalten? um berufen. Dort war ich lange als einer
noch die alte Fado-Zeit aus den 60er und Ich bin gerne Radfahrer. Aber kein Renn- der vier Vize-Präsidenten tätig. Ich habe
70er Jahren gewohnt, wo der konserva radfahrer, sondern eher der gemütliche. vor allem von Harald Heinke viel gelernt
tive Fado noch unter Beobachtung Sala- Ich fahre gerne in Berlin, hauptsächlich und bin so in die Aufgaben hineinge-
zars und dem Estado Novo stand: Carlos in meinem Kiez im Westend, in Charlot- wachsen. Ich war also kein Anfänger
do Carmo, Amália Rodrigues etc. Von den tenburg. Ich mache auch Radtouren z. B. mehr, als ich 2016 gewählt wurde, und
jungen Leuten wurde er weitgehend ab- durch Brandenburg. Einmal im Jahr wusste, was auf mich zukommt. Es sollte
gelehnt. Nach der Revolution ist eine fahre ich mit meiner Schwägerin durch ja jemand sein, der sich auskennt mit
neue Generation von Fado-SängerInnen Holland. Von Enschede, Groningen oder Deutschland, Portugal, den beiden Spra-
entstanden. Die haben einen neuen Fado Alkmaar aus fahren wir fünf Tage durch chen und den Mentalitäten. Wichtig war
entwickelt, der auch die Jugend an- Nord-Holland, schauen uns schöne Land- für Harald Heinke, dass die zu wählende
spricht und von ihr akzeptiert wird. schaften an, gehen ins Museum oder Person in Berlin ansässig ist.
1. SEPTEMBER 2017 5Ist alles so gelaufen wie erwartet oder ist geben, die wir zusammen mit der Bot- durchlässig war. Wenn man raus wollte,
etwas besonders Schönes, Komisches oder schaft und dem Instituto Camões durch- musste man Anträge stellen und sich
Ungewöhnliches passiert? geführt haben. Das freut mich sehr! Visa von den DDR-Behörden holen. Ich
bin froh, dass die Mauer weg ist. Ich
Eine Sache war besonders schön und Die Regierung von António Costa hat den erzähle meinen erwachsenen Söhnen
auch komisch: Ich wachte Anfang März Mindestlohn angehoben, Renten und Sozi- von der Existenz dieser Mauer, damit so
auf, saß an der Bettkante, schüttelte mei- alleistungen für Geringverdienende erhöht, etwas nie wieder passiert. Ich lebe hier
nen Kopf und sagte zu mir: Mein Gott, die 35-Stunden-Woche im Öffentlichen gern. Und Berlin wird auch meine letzte
Michael, jetzt bist du Präsident der DPG! Dienst eingeführt etc. und zahlt Staats- Adresse werden. Ich gehe von hier nicht
Da lief mir ein Schauer über den Rücken, schulden trotzdem pünktlich zurück. Ein weg und werde meine Zeit als Rentner
und ich fragte mich, ob das wohl gutge- kleines Wunder, das größte Anerkennung auf keinen Fall am Algarve verbringen!
he… Ich begreife das Amt als Herausfor- verdient, oder?
derung, als Dienst an der Freundschaft Selbstverständlich. Toll, dass es mit »Ó mar salgado, quanto do teu sal são
zu Harald Heinke, seiner Frau Gabi, zum Portugal wieder aufwärts geht. Selbst lágrimas de Portugal!« Was denkst du
Präsiduum und zur DPG ingesamt. Finanzminister Schäuble hat Portugal über diese Worte von Fernando Pessoa?
gelobt. Der Tourismus hat stark zuge- Ein sehr schöner Spruch: »Oh du salziges
Vom 20. bis 22.10.2017 findet die Jahres nommen. Die Portugiesen sind jedoch Meer, wie viel von deinem Salz sind Tränen
tagung der DPG in Erfurt statt. Warum noch unzufrieden, weil bei ihnen viel ge- Portugals!« Die Portugiesen sind zwar ein
sollten noch mehr Mitglieder als sonst kürzt wurde, wodurch sie viel leiden heiteres Volk, aber sie lamentieren auch
daran teilnehmen? müssen. Bis 2020 will der Staat aus der gerne. Auch über ihr Land. Und sie lei-
Bisher hatten wir immer 40−60 Anwesen- Schuldenfalle raus sein. den. Ich denke, dass dieser Spruch rich-
de. Ich würde es natürlich begrüßen, tig gut zu Portugal passt.
wenn mehr kämen. Wir haben 350 Mit- Du lebst seit 36 Jahren in Berlin.
glieder in Deutschland und Portugal. Ich Was gefällt dir an dieser Stadt Die Sardinhada im Juni in Berlin
wäre froh, wenn wenigstens 1oo kämen. und was nicht? hat allen BesucherInnen große
Ich fordere nochmals alle Mitglieder auf, Ich mag die heitere, lockere Freude bereitet. Deshalb
nach Erfurt zu kommen. Schließlich ist Art der Berliner, auch wenn schlage ich vor, sie zukünftig
es schön, über Portugal zu sprechen und sie bisweilen sehr frech einmal im Monat zu feiern.
sich über Kultur auszutauschen. Je mehr sind. Doch so ist die Berliner Was meinst du?
Außenstehende davon erfahren, desto Schnauze eben. Man muss Ein- bis zweimal im Jahr ist
besser ist das für die DPG. Das ist eine Art auf humorvolle Art und Wei- das wunderbar. Jeden Mo-
Schneeball- oder Synergie-Effekt. se kontern können. Dann wird nat wäre es irgendwann
man akzeptiert. Ich mag die of- langweilig und würde
Persönlich und bezogen auf die DPG: Wel- fene Art und die Stadt selbst: dem Fest seinen Reiz
che Ziele hast du für die Zukunft? Häuser, Hochhäuser und man ist nehmen.
Wir müssen ein stabiler und erfolgrei- schnell im Grünen, in Müggelsee,
cher Verein bleiben, der sich weiterent- Wannsee, Grunewald. Und dann
wickelt und es schafft, jüngere Men- ist da ja auch noch die hoch-
schen für die Mitarbeit in der DPG zu karätige Kultur. Wer in
begeistern, für Portugal, die portugie- Berlin lebt, dem wird
sisch-sprachige Welt und Kultur. Der nicht langweilig. Und
Verein wurde ja 1964 gegründet und 1990 wenn doch, ist er sel-
erweitert durch die Freundschaftsgesell- ber Schuld! Das gilt
schaft DDR/Portugal. Wir sind zusam- für das Jahr 2017.
mengewachsen. Außerdem möchte ich Noch in den 1980er
noch einige Reisen im Inland machen Jahren waren wir
und auch im Ausland wie z. B. auf die jedoch umzin-
Kapverdischen Inseln. gelt von ei-
ner schreck-
Der Kontakt zur portugiesischen Botschaft lichen Mau-
ist immer wichtig für die DPG. Wie läuft die er, die un-
Zusammenarbeit mit Botschafter João
Mira Gomes? Gibt es etwas zu verbes-
sern?
Die Zusammenarbeit mit dem Bot-
schafter und seinem Team
läuft sehr gut. Ich bin froh,
dass wir uns oft treffen,
Foto: © Andreas Lahn
auch zu Kunst- und Kultur-
veranstaltungen. So können
wir zusammen auftreten, auch
mit dem Instituto Camões. Es hat in der
letzten Zeit in Berlin einige Lesungen ge-
6 PORTUGAL-REPORT NR. 68W
enn Sie Lust auf eine abwechs-
lungsreiche Zeitreise haben,
buchen Sie bei Comboios de
Portugal (CP) einen Platz im Comboio
histórico. Der Zug fährt von R égua nach
Tua am Douro entlang. Die schwarze Lo-
komotive heißt Vapor 0186 und ist 1925
von Henschel & Sohn konstruiert.
Als ich auf dem Bahnhof in Régua an-
komme, herrscht dort schon ein reges
Treiben. Viele Fahrgäste sind neugierig
Fotos (4): © Andreas Lahn
und steigen in den Führungsstand der
Lokomotive. Hier wird nichts per Soft-
ware geregelt. Alles wird von Hand ge-
pflegt, wofür immenses Wissen nötig ist.
Die Lok soll fünf Waggons ziehen, von
denen zwei als 1. Klasse ausgewiesen
sind. Alles wirkt dort edler und komfor-
Das schrille Pfeifen
tabler. Doch mir gefällt mein Platz in der
2. Klasse. Die komplette Inneneinrich-
tung ist aus Holz gefertigt − gemütlich!
macht den Unterschied
Ich habe einen Platz auf der rechten Sei-
te am Fenster − mit dem perfekten Blick
auf den Douro (beim Buchen beachten!).
Die Lok fährt mit großem Getöse los,
dampft, was das Zeug hält, kommt aber
genau so gut voran wie heutige Züge. Die Der »Comboio histórico« fährt durch die Weinberge von
spannende Tour beginnt! Ich mag die ro-
mantische und geheimnisvolle Ausstrah-
Régua nach Tua am Douro entlang von Andreas Lahn
lung des Douro und bin beeindruckt von
den an Berghängen angelegten Wein-
bergen − Trauben für den Portwein, den
ich bisweilen genieße. So auch im Zug,
denn nach einer Flasche Wasser wird ein
Gläschen Portwein gereicht. Wie passend!
Um die Reise durch alte Zeiten fühlba-
rer zu machen, darf Musik nicht fehlen.
Eine Musikgruppe aus der Region zieht
in traditionellen Kleidern durch die
Waggons und macht den Zug zum Fest-
saal. Diese Mischung aus wundervoller
Landschaft, gemütlichem Fahren und
kleinem Fest gefällt allen Reisenden. Be-
eindruckend finde ich das schrille Pfei-
fen, mit dem sich der Zug bemerkbar
macht. Vermutlich kommt den Gästen
auf den Kreuzfahrtschiffen des Douro ihr
eigenes Gefährt seltsam langweilig vor
im Vergleich zu diesem schnaufenden,
dampfenden und pfeifenden Zug, der
alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und gruppe legt sich ins Zeug und erobert die
man spürt den Spaß, den der Lokführer Herzen vieler Menschen. Der Zug fährt noch bis zum 29.10.2017 sams-
und die Techniker dabei haben, die Fahrt Auf dem Rückweg sind alle Passagiere tags und sonntags um 15.33 Uhr ab Régua und
ist um 18.32 Uhr wieder zurück. Tickets und
zu etwas Besonderem zu machen. Dieses bester Stimmung, plaudern miteinander
weitere Informationen:
Pfeifen werde ich nie vergessen! und freuen sich über die alles über
https://www.cp.ptpassageiros/pt/
Der Zug hält in Pinhão, wo die Lok ge- tönende Pfeife. Und so kommen wir nach
how-to-travel/em-lazer/Roteiros/blog-ch
hegt und gepflegt wird. Die Reisenden einer kurzweiligen Reise pünktlich wie
https://www.cp.ptpassageiros/en/
bestaunen dieses Spektakel. Schnell geht der in Régua an: Ein wunderschöner
como-viajar/For-leisure/circuits/blog-ch
es weiter nach Tua, wo eine längere Pau- Nachmittag in einem faszinierenden Zug!
Sie können auf www.cp.pt auch einen
se gemacht wird. Die Lok muss ans ande-
Account einrichten und alle Zugtickets für
re Ende des Zuges rangiert werden. In Gostaria de agradecer aos Senhores Bruno
Portugal buchen, ausdrucken und per
der Bahnhofshalle von Tua werden regi- Martins e Pedro Gonçalves dos Comboios de
Portugal pelo bilhete e pelas informações. Lastschrift bezahlen.
onale Spezialitäten verkauft. Die Musik-
1. SEPTEMBER 2017 7Schlaraffenland für Naschkatzen:
Zuckerbäckereien am Algarve
Feige, Mandel und Johannisbrot stillen sinnliche Gelüste nach Süßem und bieten
unzählige Möglichkeiten beim Kochen und Backen von Catrin George
D
en kulinarischen Naschhäppchen Pralinen in Mandelsplitter gewälzt oder Mittelalter regional famoses Naschwerk
in den Auslagen der Algarve-Cafés Kugeln aus Feigenkonfekt, gerollt mit buken und zu süßen Botschaftern erho-
kann kaum jemand widerstehen. Schokohäubchen, und vieles mehr. Ein ben, kreierten maurische Zuckerbäcke-
Die Auswahl ist riesig, die Portionen sind Schlaraffenland für Naschkatzen! rInnen feines Marzipan wie Petite Four,
zu Miniaturen gebacken und klein ge- Das Wissen, wie man die drei Ur-Früch- Mandel-Honig-Baklava und Feigen-Sor-
nug, um mehr als nur eine süße Köstlich- te Feige, Mandelkern und Johannisbrot- bet. Homer erwähnte die drei Ur-Früchte
keit zum Kaffee zu probieren. Neben Schote trocknet, aufbewahrt und zu Nah- bereits in seiner »Odyssee« und laut bi
bekanntem Gebäck und Kuchen, Obst- rung verarbeitet, gelangte mit den puni- blischer Überlieferung überlebte Johan-
Tarten und Topfkuchen brillieren die schen und griechischen Seefahrern nach nes der Täufer während seiner Wüsten-
Konditorei-Vitrinen mit einer Fülle von Portugal − und mit ihnen die Bäume. Die durchquerung Hunger und Durst nur
regionalen Spezialitäten: Kunstwerke fühlen sich in der steinig lehmigen und deshalb, weil er sich von der Frucht des
aus Feigen-Rohmasse, Süßmandel-Mar- stark kalkhaltigen Erde im Hinterland Karob-Baumes nährte, so dass die dun-
zipan und Johannisbrot-Paste. Die gera- des Algarve ganz besonders wohl und kelbraune Schote seitdem den lautmale-
de einmal daumengroßen, filigran von tragen zum typischen lokalen Land- rischen Namen Johannisbrot trägt. Ein
Hand modellierten Figuren aus Marzi- schaftsbild im Barrocal im mittleren und Feigenbaum, heißt es in einer griechi-
pan sehen täuschend echt aus wie Gemü- im Sotavento im östlichen Algarve bei. schen Sage, beschützte mit seinen weit
se, Obst oder Tiere und liegen hübsch mit Die Backkunst hat im Algarve Tradi ausladenden Ästen unter dem wie zu ei-
Lebensmittelfarbe bemalt in Papier-Man- tion: Bereits vor den KlosterkonditorIn- nem Herz geformten Blätterdach einst
schetten aus. Daneben türmen sich − auf nen, die aus den Zutaten der verführeri- Remus und Romulus, die Gründer Roms.
Silbertabletts präsentiert − Johannisbrot- schen Früchte-Trilogie seit dem späten Über den Mandelbaum erzählt eine Ge-
schichte aus 1001 Nacht: Ein Mauren
könig hat um die Burg von Silves herum
tausende Mandelbäume pflanzen lassen,
weil er unsterblich in seine Lieblingsfrau,
eine Prinzessin aus dem hohen Norden,
verliebt gewesen ist, die tief traurig
jeden Winter wieder den Schnee in ihrer
Heimat vermisste. Sobald jedoch die
hübschen weiß leuchtenden Blüten jedes
Jahr wieder im Januar und Februar wie
Schneegestöber durch die Luft vor ihrem
Turmfenster in der Burg vorbei wirbel-
ten, war die Schöne aus dem Norden wie-
der glücklich und der König sich ihrer
Gunst sicher.
Fotos (4): © Catrin George
Feigensterne (o. l.), Feigen-Johannisbrot-Trüffel
mit Schoko-Kapuze und Mandelsplitter (o. r.),
Feigen (u. l.), Johannisbrotbäume (u. r.)
8 PORTUGAL-REPORT NR. 68Foto: © Mauro Rodrigues@fotolia.de
Die Mandelblüte am Algarve ist eine farbenfrohe Angelegenheit und auf jeden Fall eine Reise wert
Mandel, Feige und Johannnisbrot, alle man lose ausgebreitet an der Sonne oder um auf Berufe im Tourismusmarkt. Der
drei Früchte reifen im Frühsommer und auf einem Backblech im Ofen bei Nied- bis dato lukrative Wirtschaftszweig für
werden in der heißen Jahreszeit im Au- rigtemperatur trocknen, danach halbie- Bauern und Industrie brach komplett
gust und September geerntet. Während ren, in Splitter oder grobe Krümel und zu weg. Als kulinarischer Geheimtipp über-
Mandeln und Johannisbrot vom Baum Mandelstaub für die Marzipankunst fein- lebte die famose Konditoreikunst der
geschüttelt auf ausgebreitete Tuchlaken mahlen. Algarven dennoch, und zwar in den Vitri-
fallen, pflücken Erntearbeiter Feigen be- Im Algarve gehörten Anbau, Handel nen der Café-Häuser in der Nachbar-
hutsam Frucht für Frucht. Frische, für und Weiterverarbeitung von frischen schaft, wo noch Kuchen und feine Ge-
den Handel bestimmte Feigenfrüchte und getrockneten Mandeln, Feigen und bäck-Spezialitäten von Hand gebacken
werden sorgsam in Körbchen oder Plas- Johannisbrot über viele Jahrhunderte angeboten werden. Ein Geheimtipp blei-
tikschalen verpackt, damit sie prall blei- hinweg zu den tragenden Säulen der hie- ben die süßen Verführungen der Algar-
ben und keine Stoßflecken bekommen. sigen landwirtschaftlichen Erwerbswirt- ven auch in Zukunft, obwohl die Nach
Überreife Feigen trocknen an sonnenex- schaft, bis in den 1980er Jahren industri- frage nach Gebäck, Marzipan und
ponierter Stelle. Bereits weiche Früchte ell hergestellte Süßigkeiten die leckeren Kuchen-Spezialitäten − hergestellt nach
legt man für Schnaps und Likör in Früchte aus dem Süden Portugal vom Ur-Omas R ezept − stetig steigt, was meh-
Weinbrand ein oder kandiert sie in
internationalen Nasch-Markt verdräng- rere positive Aspekte nach sich zieht:
Zuckerlösung. Aus Trockenfeigen wird ten. Bis dahin galt speziell die Hafenstadt Stillgelegte Plantagen werden rekulti-
Feigenkonfekt als Grundmasse für die Portimão − im westlichen Algarve an der viert, neue Setzlinge angepflanzt. Land-
Algarve-Zuckerbäckerei hergestellt. Die Mündung des Arade-Flusses gelegen − wirt sein hat wieder Zukunft, Erntearbeit
Mandelblüte im Januar und Februar als Zentrum für den Export für süße Ver- ist wieder Geld wert. Die zumeist frisch
kündigt das Ende des Winters an. Man- führungen aus Feigen, Mandel und gebackenen Jungunternehmer nutzen
delbäume blühen, bevor ihre Blätter Johannisbrot, vornehmlich nach England die neuen Medien geschickt für ihr Mar-
sprießen, und aus der Blüte wächst eine und Frankreich, weswegen die Landwir- keting und platzieren ihre wohlschme-
pelzig-grüne Außenhaut, die die Mandel- te im Landkreis Portimão eine für Portu- ckenden, nahrhaften und überwiegend
nuss umhüllt. In Inneren der Nuss liegt gals Steuer-Geschichte einmalige, eigens biologisch angebauten Früchte gezielt
der Mandelkern, nochmals umhüllt von erhobene »Feigensteuer« − auf Portugie- auf dem Markt, indem sie für glutenfreie
einer rauen, braunen Haut. Sobald die sisch »Imposto do Figo« − entrichten und Bio-Produkte werben und damit in
grüne Schale aufspringt, sind die Man- mussten, die erst zu Beginn des letzten den wachsenden Nischenmarkt für be-
deln reif für die Ernte. Die Mandelnüsse Jahrhunderts abgeschafft wurde. Als die wusstere Ernährung vordringen. Mit Er-
knackt man mittels Mandel-Mühle auf. internationale Nachfrage nach den Kon- folg! Die Renaissance der Konditorei-
Die braune Haut um den Mandelkern ditorei-Spezialitäten aus dem Algarve Kunst im Algarve begünstigt das Klein-
entfernt man am leichtesten mit brü- vor fünfzig Jahren faktisch auf null sank, unternehmertum, die wirtschaftlich
hend heißem Wasser-Aufguss, oder man stellten etliche Fabriken die Produktion nachhaltige Entwicklung der Region mit
verwertet Mandelkerne mit Haut, was ein. Die Folgen für die Erzeuger waren vorhandenen Natur-Ressourcen und
dem späteren Gebäck eine leicht bittere fatal: Plantagen verwaisten, Früchte ver- stärkt gleichzeitig die lokale Marktposi-
Note verleiht. Nackte Mandelkerne kann faulten, Ernte-Arbeiterinnen sattelten tion der Marke »Made in Algarve«.
1. SEPTEMBER 2017 9Die Power der Garranos
Foto: © Andreas Lahn
Über eine Begegnung in den Bergen von Peneda-Gerês von Andreas Lahn
W
ild lebende Pferde im nordpor- ganz schnell gehen: Auf meiner Reise beeindrucken mich, wie sie trotz ihrer oft
tugiesischen Minho: Über ein nach Portugal in diesem Jahr plane ich gigantischen Ausmaße majestätisch
Jahr laufe ich mit der Erinne- einen Abstecher in den Minho ein. So auch auf höchsten Gipfeln thronen, ohne
rung an den Film auf ARTE durchs Leben. komme ich auch in das von Eberhard nach unten zu kugeln. Und auch die aus
Die Garranos sehen nicht nur wundervoll Fedtke geführte »Casa do Javali« (Wild- massiven Steinen gebauten Vorratsspei-
aus, sie haben eine würdevolle Ausstrah- schweinhaus) in Caniçada und genieße cher. Diese Gegend in und um den Natio
lung und etwas Geheimnisvolles, wenn diesen wunderschönen Blick auf den Rio nalpark von Peneda-Gerês ist ein idealer
sie in größeren oder kleineren Herden Cávado und zwischen den Bergen hin- Ort, um zu wandern, zur Ruhe zu kom-
in der Abendsonne durch die Gegend zie- durch bis nach Gerês. men und um Tieren zu begegnen, die
hen. In der tiefstehenden Sonne leuchtet Als wir an einem wunderschönen Som- man sonst nirgends findet, den Garranos.
das Fell und die schwarze Mähne glitzert. mertag gemeinsam aufbrechen, um Aus- Diese Pferde sind im Minho seit über
Ich bin nicht vernarrt in irgendwelche schau zu halten nach den Garranos, bin 20.000 Jahren ansässig, werden aber erst
Tiere. Doch diese Pferde sind von nun an ich mir sicher, dass wir Glück haben und seit 1993 als eigenständige Rasse* staat-
in meinem Herzen und harren der leib- in den Bergen welchen begegnen. Die lich anerkannt. Ihr Bestand wird aktuell
haftigen Begegnung. Eine Zeitlang schaf- Landschaft wird von grünen Weiden, ho- auf 1.000 − 1.500 Pferde* geschätzt. Pro
fe ich es, dieses stärker werdende Gefühl hen Gebirgsformationen und riesigen bleme gibt es, wenn die Garranos sich auf
zu ignorieren. Doch dann muss alles Steinen dominiert. Vor allem die Steine den Mais- und Gemüseackern der Bau-
10 PORTUGAL-REPORT NR. 68ern bedienen*. Wie ein Mensch diese Filmes zurückdenken, als ich zum ersten
wundervollen Tiere mit einem Jagd Mal von der Existenz dieser Pferde höre.
gewehr einfach abschießen kann, ist mir Und nun stehe ich hier im Nirgendwo des
unbegreiflich. Garranos werden zudem Minho mitten in den Bergen und kom-
von Wölfen bedroht und finden weniger muniziere auf eine freundliche Art und
Weideland infolge von Waldbränden. Weise mit den Garranos. Damit ist ein
Wir fahren einige Zeit durch die Berge, kleiner Traum Wirklichkeit geworden.
gar nicht mal lange, und dann es soweit: Auf der Weiterfahrt durch die Berge
Circa 100 Meter von der Straße entfernt sehen wir in der Nähe eines Restaurants
steht eine kleine Herde von sechs Tieren. noch zwei weitere Garranos, eine Stute
Ich gehe über einen Feldweg auf die mit ihrem Fohlen. Ich glaube, das Fohlen
Pferde zu, was sie zunächst nicht stört, möchte gerne näherkommen, um Kon-
doch als ich näher komme, sind plötzlich takt aufzunehmen zu dem merkwürdi-
alle Augen auf mich gerichtet. Und auch gen Wesen, das ihm da gegenübersteht.
die Ohren scheinen jedes Geräusch Doch die Mutter schiebt einer weiteren
wahrzunehmen. Ich habe mir Gedanken Annäherung energisch einen Riegel vor.
gemacht, wie ich mich verhalte, wenn ich Pferde haben ihren eigenen Kopf. Und
den Pferden nahekomme und gehe das ist ja auch gut so!
furchtlos auf die Herde zu. Ich halte ein Es wird sich kaum vermeiden lassen,
paar Meter Abstand, werde weiterhin noch einmal in die Gegend von Gerês zu
von allen gemustert, bis das Leitpferd auf kommen. Zum einen habe ich mich ein
mich zukommt. Ich strecke ihm meinen wenig in die Pferde verliebt und möchte
Arm entgegen und lasse meine Hand be- gerne mehr Zeit in ihrer Nähe verbrin-
schnuppern. Als das Pferd wahrnimmt, gen, als das an diesem einen Tag möglich
dass von mir keine Gefahr ausgeht, ent- ist. Und zum anderen gilt das gleiche
spannen sich die anderen Pferde und für’s Casa do Javali: Die wenigen Tage
fressen weiter in Ruhe die Gräser der hier sind wunderschön, anregend und
Weide. Ich streichle dem Leitpferd über beruhigend zugleich, mit liebevollen
die Nüster und spüre die Energie dieses Gastgebern, die diese Zeit im Minho für
Tieres. Ich kann mich jetzt bewegen, mich unvergesslich machen. Also Ana
ohne misstrauisch beäugt zu werden. So Carla, Rodrigo und Eberhard: Vielen
entstehen einige Fotos, die ich nie ver- Dank für die schönen Tage, die ich mit
gessen werde. Gerade das Leitpferd mit euch habe verbringen dürfen! Gern erin-
seiner Mähne, dem braunen und in der nere ich mich an die angenehme Ruhe
Sonne so schön leuchtenden Fell und vor bei euch und in den Bergen. Ich bin von
allem die bis zum Knie schwarzen Beine den Festen für Santo António aus Lissa-
erfüllen mich mit Glücksgefühlen, die bon gekommen und fahre weiter nach
sich kaum beschreiben lassen. Für mich Porto zum Fest für São João, wo ich min-
Fotos (4): © Andreas Lahn
ist dieses zehn-minütige Eintauchen in destens 100 Menschen mit dem Plastik-
die Welt dieser sechs Garranos etwas Be- hammer auf den Kopf haue. Dazwischen
sonderes, weil es wieder zeigt, dass nicht liegen Caniçada und die Garranos.
die Dauer von Erlebnissen wichtig ist
sondern die Intensität. Ich sehe mich ver-
träumt an die halbe Stunde des ARTE- * nach Infos auf www.portugalmania.de
1. SEPTEMBER 2017 11W
er heute auf der Bundesstraße
208 von Ratzeburg nach Gade-
busch fährt, kommt durch die
Breesen: Fado-Töne im
norddeutschen Moor
kleine Ortschaft Breesen-Chaussee.
Nichts deutet darauf hin, dass diese un-
scheinbare Siedlung einmal Teil euro-
päischer Geschichte war − ein Schau-
platz deutscher und portugiesischer Ge-
schichte im I. Weltkrieg.
Vor 100 Jahren wurden portugiesische Offiziere in
Die DPG hat 2003 ein Stück portugiesi- deutschem Lager inhaftiert von Andreas Lausen
scher Vergangenheit aufgespürt. Hier,
am Rande des Breesener Moors, stand
von 1917 bis 1919 das einzige Kriegsgefan-
genen-Lager für portugiesische Offiziere,
das es jemals in Europa gegeben hat.
Das Deutsche Reich hatte am 9. März
1916 Portugal den Krieg erklärt, nachdem
Portugal 72 deutsche Handelsschiffe be-
schlagnahmt hatte, die sich in Häfen des
neutralen Portugal geflüchtet hatten. Zu-
vor hatten deutsche U-Boote die Versor-
gung Portugals mit Lebensmitteln und
englischer Kohle stark beeinträchtigt.
Deutsche Truppen drangen bald da
© Arquivo Histórico Militar Lisboa
rauf von der deutschen Kolonie Tanga-
nyika in das portugiesische Moçambique
ein. Ab Februar 1917 schickte Portugal ein
Expeditionskorps nach Frankreich und
bestand dort auf einen eigenen Frontab-
schnitt gegen die Deutschen, der bis zu
18 Kilometer breit war. In blutigen Kämp-
fen fielen 2.424 Portugiesen, 7000 gerie-
ten in deutsche Gefangenschaft. Von den Musik als Zeitvertreib im Lager Breesen
285 gefangenen Offizieren kamen 262 in
das abgelegene Lager Breesen. wässeriger Grütze. »Die Deutschen haben genen durften einen Brief pro Woche
Dem Großherzogtum Mecklenburg- selbst nichts zwischen den Zähnen«, nach Hause schicken, und aus dem eben-
Schwerin fiel die Aufgabe zu, die portu- schrieb ein Portugiese nach Hause. Und falls hungernden Portugal kamen Päck-
giesischen Offiziere unterzubringen und so war der Hunger ständiger Begleiter chen mit Lebensmitteln. So mancher
zu versorgen. Das deutsche Kommando im Lageralltag. Bacalhau, mancher Bolo do Rei und man-
wählte dazu dieses einsame Lager Bree- Der Alltag der Portugiesen war geprägt che Chouriço fand so seinen Weg ins
sen, das direkt an der Landesgrenze zum von Gedanken an die Heimat, an ihre Mecklenburger Moor − wenn er nicht
preußischen Herzogtum Lauenburg lag. Familien und von Langeweile. Einige vorher von hungrigen Deutschen gestoh-
Mit dessen Hauptstadt Ratzeburg ver- Offiziere meldeten sich freiwillig zur Ar- len wurde. Auch Bücher und Musik
band es eine Bahnlinie, die die Transpor- beit im Forst oder im Moor. Gelegentlich instrumente kamen per Post, dank der
te einfach machte. wurden sie mit einer Bahnfahrt unter Bemühungen portugiesischer Frauen-
Während Mannschaftsdienstgrade Bewachung in die nächstgelegene katho- verbände und des Roten Kreuzes.
nach der Haager Landkriegsordnung in lische Kirche nach Ratzeburg belohnt. Als der Krieg im November 1918 mit der
der Gefangenschaft zur Arbeit verpflich- Das Verhältnis zu den deutschen Bewa- deutschen Niederlage endete, dauerte es
tet waren, galt dies nicht für Offiziere. Sie chern − meist verwundete Soldaten oder noch einige Monate, bis die letzten Ge-
hatten »Anspruch auf die landesübliche ältere Reservisten − wird als gut be- fangenen im April 1919 nach Portugal
Verpflegung«. Diese bestand zu dieser Zeit schrieben. Schwieriger war das Verhält- heimkehrten. Trotz des Hungers kamen
meist aus Steckrüben, Kartoffeln und nis zu den 17 portugiesischen Gefreiten, aus Breesen alle lebend zurück.
die den Offizieren für allerlei unliebsame Der mit einer Mecklenburgerin verhei-
Arbeiten zugeteilt waren. Sie wurden ratete portugiesische Schriftsteller Aqui-
»standesgemäß« von den meist besser ge- lino Ribeiro begab sich 1920 auf Spuren-
stellten Offizieren schikaniert und belei- suche in das Lager Breesen. Er fand
© Agrarmuseum Breesen
digt. Die Gefreiten setzten sich schließ- nichts mehr vor: Selbst die Bretter der
lich mit einer wüsten Prügelattacke auf Baracken waren als Baumaterial und
eine Offiziersstube zur Wehr, was den Brennholz verwendet worden. »Aus dem
entsetzten deutschen Kommandanten zu blinden Stolz der Deutschen und der Unver-
einem Appell an die Ehre der portugie- nunft der Briten und Franzosen wird schon
sischen Soldaten veranlasste. bald ein neuer Krieg entstehen«, schrieb er
Zeichnung des Lagers Breesen in Mecklenburg Ganz wichtig war die Post. Die Gefan- − und behielt Recht.
12 PORTUGAL-REPORT NR. 68D
er 1957 in Speyer geborene, inzwi-
schen in Stuttgart lebende Maler
Hans-Georg Hofmann zeigt in der
Städtischen Galerie Speyer anlässlich sei-
nes 60. Geburtstags eine retrospektive
Auswahl seiner Arbeiten der letzten drei-
ßig Jahre. Das Meer, das Quadrat und
immer wieder die Farbe Blau sind kon
stante Elemente seiner Malerei.
Die Ausstellung zeigt spannende und
überraschende Variationen aus seinen
verschiedenen Schaffensphasen. Zu se-
hen sind: Frühe Arbeiten, SEE-STÜCKE,
Gemälde aus seinem Zyklus ATLANTIK-
MADEIRA, Arbeiten aus seiner Serie über Hans-Georg Hofmann, Atlantik Madeira, # 5611, Hans-Georg Hofmann, Ode Marítima 5, # 2615,
Fernando Pessoa und Lissabon und 20×20cm, Acryl auf Holz, 2011 80×80cm, Acryl auf Leinwand, 2015
schließlich seine neuen Acrylbilder »Pai- © VG Bild-Kunst, Bonn © VG Bild-Kunst, Bonn
sagens que não existem − Landschaften
die nicht existieren«.
Madeira, Fernando
Die intensive Auseinandersetzung mit
der Landschaft Madeiras und den Texten
von Fernando Pessoa und seinen Hetero-
Pessoa und Lissabon
nymen hat Hans-Georg Hofmanns Inter-
esse an der Fülle der portugiesischen
Kultur geweckt − von der Literatur bis
zur Musik. Auch die portugiesische Kü-
che wird im Hause von Familie Hofmann
gepflegt. Ein weiterer Ausdruck seiner
Ausstellung der Malerei von Hans-Georg Hofmann in
Verbundenheit mit Portugal ist seine Mit- der Städtischen Galerie Speyer von Margit Metzger
gliedschaft in der Deutsch-Portugiesi-
schen Gesellschaft.
Die Ausstellung in Speyer bietet die
Möglichkeit, Werke des Künstlers aus
seinen verschiedenen Arbeitsphasen im
Zusammenhang zu sehen und so auch
Einblick zu erhalten in den Entwick-
lungsprozess, der zu diesen Arbeiten ge-
führt hat.
Zur Ausstellung gibt Frank Buchholz,
Galerie per-seh Hannover, die Publikation
Hans-Georg Hofmann, Malerei 1987−2017
heraus, die zentrale Arbeiten der Malerei
Hans-Georg Hofmanns zeigt. Das Buch
mit Texten von Hans-Jürgen Herschel ist
ab 20.10.2017 auch im Buchhandel unter
der ISBN 978-3-940576-80-4 zu erhalten.
INFOS ZUR AUSSTELLUNG:
Hans-Georg Hofmann, Malerei –
Retrospektive zum 60. Geburtstag
20. Oktober – 26. November 2017
Städtische Galerie Speyer
Kulturhof Flachsgasse, Flachsgasse 3
67346 Speyer, Tel. 06232 | 142399
Öffnungszeiten: Do – So, 11 – 18 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Ausstellungseröffnung:
Freitag, 20. Oktober 2017, 18 Uhr
Einführung: Hans-Jürgen Herschel Hans-Georg Hofmann, …o colorido variadíssimo de Lisboa – Die Farben von Lissabon
# 1512, 80×80cm, Acryl auf Leinwand, 2012 © VG Bild-Kunst, Bonn
1. SEPTEMBER 2017 13Festa de São João em Braga
cada vez mais viva
Foto: © Andreas Lahn
Ana Carla Gomes e Eberhard Fedtke
O martelo de plástico é o utensílio mais significativo na festa do São João
O
mais recente programa da festa se o Santo António a 13 de Junho e em S. João representa uma tradição verda-
do S. João, apresentando uma Évora o S. Pedro a 29 de Junho, já para deiramente fixa. Depois de uma saborosa
agenda cultural, folclórica e cle- não falar de outras comemorações simi- sardinhada em casa com a própria famí-
rical, no dia 24 de Junho, é um evento lares em variadíssimas regiões de Portu- lia ou fora com os amigos num dos mui-
cada vez mais popular, com relevância gal. Um plano vantajoso para a indústria tos restaurantes das ruas da cidade,
comparável ao Natal e Páscoa. de carrosséis e variadíssimos animado- acompanhada por broa de milho, azeito-
Já este ano o S. João chamou para a rua res circenses, bandas e músicos que nas e pimentos e uma boa garrafa de
milhares de cidadãos de Braga e arredo- passam a vida andando de um lugar para vinho, a festa continua pelas ruas da
res, acrescendo a estes, multidões de outro energicamente. cidade. Aí a comunicação é muito boa e
turistas, vindos de quase toda parte do A atual festa do S. João de Braga está intensa, quer com o »martelo na cabeça«
planeta que percorreram a pé a Avenida culturalmente enriquecida de exposi- quer com o alho porro debaixo do nariz,
da Liberdade e festejaram efusivamente ções e variadas apresentações musicais atividades que têm tanto de amigável
o acontecimento anual, debaixo de um e culturais, este ano todo o programa quanto de cansativa, mas em qualquer
agradável céu de verão, uma componen- decorreu entre 11 e 30 de Junho. Os temas caso pacífica.
te muito importante para esta celebra- das exposições foram, por exemplo, des- A festa prossegue com inúmeras ban-
ção plebeia de rua. A atmosfera foi, como de »O S. João de 1917«, aliás o ano do das de música. Grupos de dança assim
sempre, bem colorida. milagre de Fátima, até aos »Gigantones e como coloridas e inventivas rusgas
Também no Porto, na famosa capital Cabeçudos do São João em Braga« que atingem o top e o ponto culminante, por
do Douro Litoral, as gentes celebram o deram testemunhos silenciosos e clássi- volta da meia-noite. Crianças entram ati-
S. João. O evento foi importado de Braga, cos da arquitectura da cidade de Braga, vamente na celebração, bebés de colo
onde originalmente terão começado tais Bracara Augusta e Barroca e lembrando adormecem num cansaço profundo nos
comemorações. Braga e Porto vivem de simultaneamente o S. João do homem braços dos pais, apesar da crescente
uma concorrência animada para ver sagrado. No programa vistoso, saltam à agitação e barulho. Este advém de vários
quem torna o espetáculo mais criativo e vista as Sanjoaninas e os desfiles de ban- palcos espalhados pela cidade, que
impressionante. Outras cidades no país das. Promovem-se cada vez mais eventos oferecem música para todos os gostos.
também festejam diversos e conhecidos de alta categoria. Diversos palcos apresentam sugestivos e
santos, por exemplo, em Lisboa celebra- A cerimónia anual dos festejos de pitorescos nomes tais como: palco Syner-
14 PORTUGAL-REPORT NR. 68gia, palco Desperados, palco Bira Ú lustre, tiscos diversos, salgados, farturas e ou- um homem sem medo, que proclamou a
palco RUM e palco da Avenida Central. No tras apetitosas escolhas da doçaria da verdade perante os compatriotas e
entanto todas estas fantásticas designa- famosa cozinha tradicional portuguesa. perante os representantes do estado,
ções parecem viradas para a imaginação A multidão animada vai ficando até ser denunciando sem ilusões e falsa perspi-
mística e contemporânea da juventude. dia, rindo e tagarelando toda a noite, cácia os erros da sua época e da sua
Quem tem o desejo de dançar pode fazê- alguns preparam-se já interiormente, de sociedade, mesmo quando corria risco
-lo intensivamente com os POPados. forma gulosa, para a próxima grande de vida. O arcebispo primaz encorajou os
Vem depois o ponto alto da festa com festa pública da cidade, a brilhante noite fiéis a soltar a língua, a deixar a passivi-
o obrigatório fogo-de-artifício. Para os branca, a ter lugar no início de Setembro. dade e a inércia e a interferir dedicada-
portugueses puros e fiéis, geneticamente Assim se vive neste país com uma deter- mente nos problemas atuais. Aguarde-
marcados e infetados por qualquer tipo minada obsessão permanente pelas mos para o que virá para 2018, tendo
de vírus fogo, este momento reflete a festas e festivais e que dá prioridade ao D. Jorge Ortiga sublinhado que é indis-
alegria total: mais foguetes! Muito mais entretenimento e bem-estar, enfim, uma pensável para o desenvolvimento de uma
doses! Sem fim, se faz favor! Uma ento- vida de luxo de abraços e beijinhos em sociedade ativa, com alma e sentido, a
nação infernal, um tártaro estético! Que grandes quantidades. intervenção hábil dos seus cidadãos,
desejo orgástico! No dia seguinte, não se O evento clerical significante ocorreu abrindo os mesmos mão da sua própria
pensa sequer nos custos deste mágico e na tradicional missa do arcebispo de Bra- comodidade, eminente preferência para
fascinante evento. ga, D. Jorge Ortiga, conhecido como um a sociedade moderna.
Quem tem fome a meio da exaustiva homem de coragem e de mente aberta, Vamos a ver, se o S. João ajudar. Por
noite, encontra de forma opulenta, pão recordou, no dia 24 de Junho, a histórica favor, santo reverendo, auxilia! É a tua
com chouriço, bifana, frango assado, pe- figura de S. João Batista que viveu como festa!
DASP-Kolloquium 2017
Jahres-Treffen in Aachen dieses Mal in Gedenken an
Prof. Dr. Anne Begenat-Neuschäfer von Josef Wolters
I
n Heft 067 des PORTUGAL REPORT phia de Mello Breyner Andresen befasste,
steht die Notiz, dass wir um das DPG- gab auch Gelegenheit, Prof. Dr. Bege-
Mitglied Prof. Dr. Anne Begenat- nat-Neuschäfer, wie sie persönlich erlebt
Neuschäfer aus Aachen, welche am wurde, zu würdigen.
3.3.2017 verstorben ist, trauern. Ihr lang- Noch im vergangenen Jahr weilte sie
jähriger Kollege, unser Vizepräsident mit ihrem Gatten auf Einladung der Uni-
Prof. Dr. Helmut Siepmann, hat das dies- versidade Presbiteriana Mackenzie São
Foto: © Heinz A. Begenat
jährige Kolloquium der DASP (Deutsche Paulo in Brasilien und gab dort Seminare
Gesellschaft für die Afrikanischen Staa- für Studierende. Ein Semester lang hielt
ten Portugiesischer Sprache) in Aachen sie sich dort auf und beeindruckte mit
( 6.7. − 7.7. 2017 ) dem Gedenken der Verstor- ihrem umfangreichen Wissen ihre Zuhö-
benen gewidmet. rer. Frau Prof. Dr. Helena Bonito Couto
Frau Prof. Dr. phil. Dr. (Paris) Anne Pereira aus São Paulo erinnerte im Kol-
Begenat-Neuschäfer war eine Romanis- loquium in einer Präsentation an diesen Prof. Dr. Anne Begenat-Neuschäfer † 3.3.2017
tin, die nicht nur aus dem Französischen, letzten Aufenthalt. Dann gab die Aache-
Italienischen, Spanischen und Portugie- ner Bürgermeisterin Hilde Scheidt ihr der Verfasser noch vor einem Jahr im
sischen übersetzt hat, nein, sie war mehr persönliches Bild von der Verstorbenen Aachener Kolloquium getroffen hat, fehl-
als eine Wissenschaftlerin, die sich mit wieder: »Sie strahlte Energie aus, sie te in diesem Jahr, aber irgendwie war sie
den Werken verschiedener Autoren aus konnte jemanden mitnehmen, sie war eine in Bildern, Videos, Berichten und Erinne-
den Ländern romanischer Sprache aus- Brückenbauerin.« In der ehema ligen rungen bei den Teilnehmern des Kollo-
einandergesetzt hat. Prof. Dr. Begenat- Hauptstadt der Elfenbeinküste Abidjan quiums präsent.
Neuschäfer konnte als zierlich anmutige habe sie sich mit den Themenfeldern Prof. Siepmann gebührt großer Dank
Person ihre Studierenden begeistern, Bildung, Gesundheitsvorsorge, Umwelt- für die Konzipierung und Durchführung
nicht nur romanische Sprachen zu be- schutz und Energie befasst. Sie leistete des Kolloquiums, an dem auch DPG-Mit-
herrschen, sondern sich wie sie selbst mit Hilfe zur Selbsthilfe und erkannte, was glied Dr. Heinz A. Begenat teilnahm. An
ihrem Ehemann Dr. med. Heinz A. Bege- in diesem Entwicklungsland zu tun war. diesen beiden Tagen konnte er noch ein-
nat auch in anderen Ländern romani- Sie schaute »über den Tellerrand hinaus« mal spüren, welch großartige Frau die
scher Sprache sozial zu engagieren. und band den Aachener Hydrogeologen Partnerin an seiner Seite war, die nicht
Das Kolloquium, das sich schwer- Prof. Dr. Kurt Schetelig von der RWTH nur in Aachen, sondern auch in anderen
punktmäßig mit der Arbeit der portugie- Aachen in ihre Projekte ein. Orten auf dieser Welt in ehrfürchtiger
sischen Schriftstellerin und Lyrikerin So- Prof. Dr. Anne Begenat-Neuschäfer, die dankbarer Erinnerung behalten wird.
1. SEPTEMBER 2017 15Sie können auch lesen