Gesch ftsbericht 2006 - Stiftung Deutsche Kinemathek
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Inhalt
1. Vorwort 2
2. Eröffnung der
Ständigen Ausstellung
Fernsehen 3-4
3. Abteilungen 5-13
Filmarchiv und -verleih
Sammlungen
Ausstellungen Film
Fernsehen
Publikationen und Forschung
Bibliothek
4. Retrospektive 13-14
5. Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit 15-16
6. Die Besucher 17-21
7. Verwaltung 22-27
8. Ausblick 28
Organe der Stiftung 29
Impressum 30
Anhang 31
Pressespiegel
1Vorwort
Das Jahr 2006 brachte für die Stiftung
Deutsche Kinemathek mit der Eröffnung der
Ständigen Ausstellung Fernsehen eine be-
sondere Herausforderung. Als Konsequenz
dieser Erweiterung des Angebots im Haus
wurde der neue Name “
Deutsche Kinemathek
- M usuem für Film und Fernsehen” gewählt
und auf einer Sondersitzung des Stiftungs-
rats bestätigt.
Hans Helmut Prinzler - langj
ähriger Direktor
und Vorstand des Filmmuseums Berlin - ging
in den Ruhestand und das Haus bekam mit
Dr. Rainer Rother (
Künstlerischer Direktor)
und Dr. Paul Klimpel (
Verwaltungsdirektor)
eine Doppelspitze. Die Sammlungen konnten
durch neue Nachlässe und Ankäufe ergänzt
werden. Neben der Ständigen Ausstellung
Fernsehen wurden die erfolgreichen Sonder-
ausstellungen “
Tor! Fußball und Fernsehen”
,
“
M ichael Jary 1906-1988. Der Nachlass” und
“
Kino im Kopf. Psychologie und Film seit
Sigmund Freud”eröffnet.
2006 war geprägt von W echsel und Ver-
änderungen,Plänen und neuen Ideen.
Im vorliegenden Geschäftsbericht lässt sich
rückblickend auf die Arbeit der einzelnen Ab-
teilungen verfolgen, was die Stiftung Deut-
sche Kinemathek geleistet hat,um ihre Auf-
gaben als M useum,Archiv,Ort des Diskurses
und als Forschungsinstitution zu erfüllen.
Allen M itarbeiterinnen und M itarbeitern dan-
ken wir für ihren produktiven Einsatz, die
kreative Arbeit und die großartigen Ergeb-
nisse im Jahr 2006.
Dr. Rainer Rother,Künstlerischer Direktor
Dr. Paul Klimpel,Verwaltungsdirektor
2Die Eröffnung Ständige Ausstellung Fernsehen
Am 31. Mai 2006 wurde die Ständige Aus- Zahlreiche prominente Gäste nahmen am 31.
stellung Fernsehen der Deutschen Kine- Mai 2006 an den Eröffnungsfeierlichkeiten
mathek eröffnet. Damit ging ein persönlicher teil: Die Bundesregierung war durch den
Wunsch in Erfüllung, den vor einem Viertel- Beauftragten der Bundesregierung für Kultur
jahrhundert der große Fernsehautor und Re- und Medien, Bernd Neumann, das Land Berlin
gisseur Eberhard Fechner in der Berliner Aka- durch den Chef der Senatskanzlei, den
demie der Künste geäußert und zugleich zur Staatssekretär André Schmitz, und die
kulturpolitischen Forderung erhoben hatte: Staatsekretärin des Kultursenats, Barbara
Fechner wollte, dass die bedeutenden Sen- Kisseler vertreten; die ARD durch die
dungen und Programme aus der deutschen Intendantin des RBB, Dagmar Reim, und ihren
Fernsehgeschichte dem Publikum an einem Kollegen vom MDR, Udo Reiter, das ZDF
öffentlichen Ort zugänglich gemacht und so durch seinen Intendanten Markus Schächter,
dem Vergessen entzogen werden. Das Pro- die Landesmedienastalten durch Prof. Dr.
jekt, das über mehr als zwei Jahrzehnte hin- Norbert Schneider, Direktor der Landesan-
weg unter dem Titel „
Deutsche Mediathek“ stalt für Medien Nordrhein-Westfalen, und
firmierte und von zahlreichen Personen und Hans Hege, den Chef der Medienanstalt
Institutionen, allen voran der ARD und dem Berlin-Brandenburg. Zahlreiche Schauspieler,
ZDF sowie von den Landesmedienanstalten, Redakteure, Autoren kamen zum Festakt,
dem Land Berlin und dem Bund, vor dem unter ihnen die personifizierte Fernseh-
Scheitern bewahrt wurde, konnte allerdings geschichte:Wolfgang Menge.
erst mit seiner Integration in die Deutsche
Kinemathek unter Hans Helmut Prinzler rea- Der große Star des Abends war jedoch Vicco
lisiert werden. von Bülow. Loriot hielt die Festrede und stell-
te darin sich und seinen Zuhörern die zentra-
Gelder vom Europäischen Fonds für Regio- le mediale Frage „
Sollen Hunde fernsehen?“.
nale Entwicklung in Brüssel und von der Dazu spielte und verband ein Ensemble der
Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin Berliner Philharmoniker während der Eröff-
ermöglichten 2005/2006 den Ausbau der nungsfeier Erhabenes (Mozart) und Profanes
freien Flächen im Filmhaus, deren Miete (die Titelmusik zur „
Lindenstraße“).
langfristig vom Bund übernommen wurde.
Neben dem inzwischen unbefristeten Enga- Die Ständige Ausstellung Fernsehen
gement von ARD, ZDF und RTL, unterstützt Die Ständige Ausstellung Fernsehen ist in
Veolia Wasser künftig und über Jahre hinweg drei Räumen untergebracht, zwei weitere
als Hauptsponsor die Programmarbeit der sind Sonderausstellungen und Veranstal-
Kinemathek im Bereich Fernsehen. Das Haus tungen vorbehalten.
hat sich nach der Eröffnung umbenannt und
lädt seitdem unter dem Namen „
Deutsche Die fünf Räume wurden nach Plänen der
Kinemathek – Museum für Film und Architekten Hans Dieter Schaal (Architektur
Fernsehen“ das Publikum ein, nicht nur die und Gestaltung) und Jakob Lehrecke (Bau-
Ausstellungen im Bereich Film, sondern nun leitung) konzipiert, in Zusammenarbeit mit
auch die Präsentationen im Bereich dem Initiator des Ausstellungsbereiches
Fernsehen wahrzunehmen. Mit dem Einzug Fernsehen, Hans Helmut Prinzler und der
des Fernsehens veränderte sich nicht nur die Projektgruppe mit Christa Donner, Peter Paul
Kinemathek, sondern das gesamte Filmhaus Kubitz, Peter Schwirkmann und Gerlinde Waz.
am Potsdamer Platz: Es erweiterte sich zu
einem in Europa einmaligen „House of
Moving Images“.
3Im ersten Raum der Ständigen Ausstellung, Mit der Eröffnung der Ständigen Ausstellung
dem Spiegelsaal, führt eine 30-minütige Re- Fernsehen konstituierte sich auch der Fern-
vue durch mehr als fünf Jahrzehnte Unter- sehbeirat des Museums für Film und Fern-
haltungsfernsehen. Im Zeittunnel, dem zwei- sehen. Ihm gehörten 2006 an: Staatssekretär
ten Raum, ist die Rundfunkgeschichte des André Schmitz für das Land Berlin, Minis-
Fernsehens von den Anfängen bis zur Gegen- terialdirigent Ernst Hanten für den Beauf-
wart dokumentiert, einschließlich der großen tragten der Bundesregierung für Kultur und
Live-Programme, von der Krönung Elisabeths Medien, Prof. Dr. Norbert Schneider, Direktor
II. von England im Jahr 1953 bis zur Zerstör- der Landesanstalt für Medien Nordrhein-
ung des World Trade Centers am 11. Sept- Westfalen für die Landesmedienanstalten,
ember 2001. Im dritten Raum, der Pro- Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Ber-
grammgalerie, können die Besucher schließ- lin-Brandenburg, Hans Janke, Stellvertre-
lich aus einem Programm, das aus allen tender Programmdirektor des ZDF, Jürgen
Genres die interessantesten und wichtigsten Thebrath, Stellvertretender Chefredakteur
Sendungen bereit hält und ständig erweitert des WDR sowie Helmut Lohlhöffel, Unter-
wird, Fernsehsendungen in voller Länge nehmenssprecher von Veolia Wasser.
sehen und sich umfassend über die Produk-
tionshintergründe informieren. Peter Paul Kubitz / Peter Schwirkmann
Die Programmgalerie ist die zentrale Samm-
lung des Bereichs Fernsehen. Sie startete
2006 mit mehreren hundert Sendungen und
soll zügig auf einen Bestand von mehreren
tausend Sendungen anwachsen. In ihr werden
in Zukunft auch die Gesamtwerke einzelner
herausragenden Persönlichkeiten der deutsch
- deutschen Fernsehgeschichte zu finden
sein, als erstes das von Eberhard Fechner.
4Filmarchiv und -verleih
Die Akquisition von Filmmaterial, die techni- Der Filmverleih hat seine Informationen für
sche Bearbeitung der Filme und die Kata- die Homepage überarbeitet, eine Liste mit
logisierung wurden kontinuierlich fortge- Jubilaren eingestellt und 40 Filmblätter zu
setzt. In Zahlen ausgedrückt ergibt sich fol- Verleihkopien erarbeitet.
gendes Bild: 488 Titel wurden akquiriert, im
Rahmen der technischen Kontrolle der Posi- Das ganze Jahr über unterstütze das Film-
tive und Negative wurde Filmmaterial im archiv das Filmprogramm im Kino Arsenal
Umfang von 1.727.250 m (1.255 Titel) durch die Bereitstellung von Kopien (insge-
geprüft. In die OMNIS-Datenbank wurden samt 118 Titel). Im Kino Babylon zeigte die
856 Titel neu aufgenommen. Stiftung Deutsche Kinemathek im Rahmen
der Stummfilmkonzerte #2 ein Filmpro-
Es wurden 549 Filme an nicht-kommerzielle gramm unter dem Titel „Kurz und in Farbe“.
Spielstellen im In- und Ausland verliehen. Die Für die Ausstellung „Berlin – Tokyo/Tokyo –
Zahl der Besucher, die Filmmaterial für film- Berlin“ in der Neuen Nationalgalerie entstand
wissenschaftliche Zwecke sichteten, ist leicht im Auftrag der Filmabteilung eine Medienin-
angestiegen. 128 Besucher sahen insgesamt stallation.
1.003 Filme. Hier gab es zwei Schwerpunkte: Eingebunden war das Filmarchiv in das Pro-
Zum einen die Unterstützung der Kinemathek jekt „Schule im Kino“, das in Zusammenarbeit
bei dem DFG-Projekt „Industrialisierung der mit den Freunden der Deutschen Kinemathek
Wahrnehmung“ von Dr. Klaus Kreimeier, zum vorbereitet wurde.
andern die Bereitstellung von Produktionen Mit der Transit Film GmbH wurden die kon-
der Deutschen Film- und Fernsehakademie kreten Arbeiten zur Herstellung einer DVD
Berlin (dffb) zur Vorbereitung für ein des Films PANZERKREUZER POTEMKIN be-
Programm anlässlich des 40-jährigen gonnen, die neben dem Transfer des Film-
Jubiläums der dffb. materials die Produktion eines Films über die
Restaurierungsarbeiten und ein Booklet bein-
Die finanziellen Mittel der Abteilung wurden halteten.
für die Sicherung von Nitrofilmen verwendet,
die von der Zersetzung bedroht waren (10 Gemeinsam mit allen Abteilungen der
Titel). Außerdem wurden neue Verleihkopien Stiftung Deutsche Kinemathek arbeitete das
angefertigt und es wurden einige Titel aus Filmarchiv an dem Projekt „Gerhard
dem Bestand der Produktion des Literari- Lamprecht“. Mit ihm soll die Arbeit des Grün-
schen Colloquiums Berlin gesichert, bei de- dungsdirektors der Deutschen Kinemathek
nen die Zersetzung eingesetzt hatte. Schlie- erschlossen und perspektivisch in verschie-
ßlich wurden neue Filmbüchsen angeschafft. denen Formen der Öffentlichkeit präsentiert
In Zusammenarbeit mit dem Norsk Film- werden.
institut wurde der Film NORDLAND – ODINS
PARADIES (G 1930, Produktion: Roto-Film Die Leiterin der Abteilung, Präsidentin der
Siem & Co, Hamburg) restauriert. Eine erste Fédération Internationale des Archives du
digitale Restaurierung wurde an dem Unikat Film (FIAF), nahm an Kongressen und Sitzun-
DIE EINGEBILDETE KRANKE (The Tonic, UK gen in Santiago de Chile, Paris, São Paulo,
1928, Regie: Ivor Montague) vorgenommen. Pordenone/Sacil und Taipeh teil.
Das filmhistorische Kolloquium im Septem- Eva Orbanz
ber fand zum Thema „Special Effects“ statt.
Den Abschluss des Kolloquiums bildete die
Verleihung des Kinopreises des Kinemathe-
kenverbunds.
5Sammlungen
In Zeiten, in denen Filme und Dokumente Dies sind nur die umfangreichsten Zugänge,
vorwiegend als digitale Dateien angeboten die in der Regel vom Nachlassarchivar betreut
werden, fühlen wir uns gelegentlich wie die werden.
letzten Handwerker in einem Umfeld voller Neuerwerbungen sind die spektakulärsten
genormter Produkte. Was werden zukünftige Ereignisse im Archiv. Sie machen aber nur
Generationen ausstellen? Chips, Clips und dann wirklich Sinn, wenn sie auch erfasst,
Bytes? Nicht, wenn sie auf unser Archiv verzeichnet und damit benutzbar werden.
zurückgreifen.
2006 gelang es, aus einer der größten So konnten mit Hilfe der DEFA-Stiftung in
Privatsammlungen der Bundesrepublik den diesem Jahr über 1000 Kostümfigurinen von
umfangreichen Teil der Stummfilmpro- Walter Schulze-Mittendorf identifiziert und
gramme zu erwerben. Zwei Jahre hatten die fotografiert werden.
Verhandlungen gedauert, ehe sie erfolgreich Rund 5000 Dokumente wurden im Schrift-
abgeschlossen werden konnten. Und diese gutarchiv eingearbeitet, rund 3.700 Fotos
Verhandlungen basierten auf über zwanzig wurden im Fotoarchiv eingescannt.
Jahren an Kontakten und regelmäßigen Diese Erfassungsarbeiten sind unspektakulär;
Treffen. die Zahlen stehen auch für die anderen
Noch etwas länger dauerte es, bis der Abteilungen der Sammlungen, die mit der
Nachlass von Arthur Maria Rabenalt für Berlin Sichtung und Erfassung von Altbeständen
gesichert werden konnte. Lange Zeit war er befasst sind.
unauffindbar und wäre beinahe vernichtet Dies alles geschieht nicht um seiner selbst
worden. Nun ist auch diese Sammlung, um willen. 19 Ausstellungen mit insgesamt 421
die sich die Kinemathek bereits in den sieb- Leihgaben zeugen von dem kontinuierlichen
ziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Interesse der Öffentlichkeit an den Samm-
bemüht hat, nach Berlin gekommen. lungen.
Die Kontinuität unserer Arbeit führt aber Werner Sudendorf
glücklicherweise auch dazu, dass vieles
unkompliziert und schnell gehen kann.
So übergab uns Rosa von Praunheim in die-
sem Jahr sein Archiv und dazu DVDs, auf
denen dieses Archiv bereits digitalisiert ist.
Auch die Sammlung Werner Schroeter wurde
zu einem bedeutenden Teil in unsere
Sammlungen überführt.
Hans Clarin vermachte uns testamentarisch
seinen Nachlass, Micaela Jary übergab uns
Dokumente ihres Vaters Michael Jary, der
Schauspieler Günther Lamprecht brachte an
einem Wochenende Fotos, Requisiten und
Kostüme seiner Arbeit mit.
Die Drehbuchautoren Volker Vogeler, Werner
Lüddecke und Fred Breinersdorfer sind eben-
falls in diesem Jahr mit umfangreichen
Sammlungen in das Archiv aufgenommen
worden.
Dazu konnte der Nachlass des Filmprodu-
zenten Alf Teichs für Berlin gewonnen wer-
den und Wolfgang Fischer übergab Doku-
mente seiner langjährigen Freundschaft mit
Peter Pewas.
6Ausstellungen Film
Bis zum 17. April 2006 zeigte die Deutsche interesses. Sie wurde daher im Dezember
Kinemathek die Ausstellung »Hildegard Knef 2006 bis Ende Februar 2007, also über die
– Eine Künstlerin aus Deutschland«, die mit Laufzeit der Internationalen Filmfestspiele
mehr als 18.000 Besucherinnen und Be- 2007 hinaus, verlängert.
suchern eine der erfolgreichsten Sonder-
ausstellungen des Hauses war und die Im Begleitbuch (erschienen bei Bertz +
anschließend im Theatermuseum Hannover Fischer) vermittelten achtzehn führende
gezeigt wurde. Film- und Kulturwissenschaftler, Psycho-
logen, Psychoanalytiker und Gehirnforscher
Nachdem der Sommer im Zeichen der einen interdisziplinären Blick auf Phänomene
Ausstellungen »Tor! Fußball und Fernsehen« wie den Traum, die Verdrängung, den
sowie der Eröffnung der Ständigen Ausstel- Rausch, auf Narzissmus und Schaulust.
lung Fernsehen gestanden hatte, nahm die Interviews mit den Regisseuren Michael
Deutsche Kinemathek ab dem 14. September Haneke, Ken Jacobs und Benoî
t Jacquot
das Sigmund-Freud-Jahr 2006 zum Anlass, ergänzen die wissenschaftlichen Beiträge. Die
um die vielschichtigen Beziehungen zwischen Publikation entstand in Zusammenarbeit mit
Psychologie und Film einem breiten Publikum SYNEMA, Gesellschaft für Film und Medien,
vorzustellen. Die Ausstellung »Kino im Kopf. Wien. Der Band wurde von den Lesern der
Psychologie und Film seit Sigmund Freud« Zeitschrift epd-Film auf den zweiten Platz der
betrachtete die Überschneidungen zwischen »Leserliste 2006« gewählt.
den beiden Bereichen und ließ die Besucher
eintauchen in die Bilderwelten von Traum, Anlässlich des Ausstellungsprojekts „Kino im
Schaulust und Rausch. Ausstellung, Begleit- Kopf“ gab es eine enge Zusammenarbeit mit
buch und Filmreihe wurden von der Kultur- Universitäten und Hochschulen. Es entstan-
stiftung des Bundes gefördert. den begleitend zwei studentische Filmarbei-
Neben über fünfzig Filmbeispielen der inter- ten, die in die Ausstellung integriert wurden:
nationalen Filmgeschichte präsentierte die »Traum im Film. Tricktechnik in GEHEIMNISSE
Ausstellung bedeutende Objektleihgaben, EINER SEELE« von Susanne Blaschke, Sandra
unter anderem Originaldokumente aus dem Lehner, Julia Schwartz, Stefanie Walter und
Besitz Sigmund Freuds aus den beiden Katharina Webersinke wurde realisiert im
Freud-Museen in London und Wien, die als Rahmen des Studiengangs AV-Medienwis-
Kooperationspartner das Projekt unterstütz- senschaft an der HFF „Konrad Wolf“, Pots-
ten. Darüber hinaus konnte die Deutsche dam-Babelsberg unter der Projektleitung von
Kinemathek auf die eigenen Bestände – so Lothar Mikos.
auch auf den Ende 2005 erworbenen Nach- »Identifikationen« von Julia Riedhammer ent-
lass von G.W. Pabst – zurückgreifen. Anhand stand im Rahmen einer Magisterarbeit im
raumgreifender Medieninstallationen hatten Fach Kulturwissenschaft an der Humboldt-
die Besucher die Möglichkeit, die psychologi- Universität zu Berlin bei Christina von Braun.
sche Wirkung des Films an sich selbst auszu- Zudem arbeiteten Studentengruppen der
probieren: Eine überdimensionierte Analyse- Universitäten in Mainz (Susanne Marschall),
couch und ein so genanntes „Tränenkabinett“ Siegen (Susanne Regener) und München
mit Ausschnitten aus Hollywood-Melodra- (Andreas Rost), sowie der Berliner Universität
men luden zum Selbstversuch ein. der Künste (Anja Osswald) während des
Durch den Ausbau des ehemaligen Veran- Semesters mit dem Begleitbuch und besuch-
staltungsraums in der ersten Etage des ten in Exkursionen die Ausstellung.
Filmhauses wurde ein zusätzlicher Ausstel-
lungsraum hinzugewonnen, so dass das
Projekt auf 450 qm einen abwechselungsrei-
chen Parcours aufbot. Insgesamt erfreute
sich die Ausstellung eines großen Besucher-
7Der Veranstaltungszyklus richtete sich wie Am 15. November 2006 schließlich diskutier-
die Ausstellung an ein breites Publikum. ten Micaela Jary und der Entertainer Götz
Zusammen mit dem Journalisten Nils Meyer Alsmann über das Werk des Filmkompo-
(Dresden) wurde eine Reihe von Vorträgen nisten Michael Jary, moderiert von dem
und Diskussionen vorbereitet, die – ähnlich Künstlerischen Direktor der Deutschen Kine-
wie das Begleitbuch – zu Denkanstößen zwi- mathek, Rainer Rother. Anlass der Veranstal-
schen den Bereichen anregen sollte. Alle zwei
Wochen lud die Deutsche Kinemathek zur tung war die Eröffnung einer Präsentation des
Auseinandersetzung mit Film, Freud und Nachlasses von Michael Jary im Kassenfoyer
Psychologie. In insgesamt sechs Veranstal- der Deutschen Kinemathek. Die kleine Aus-
tungen waren als Referenten zu Gast: die stellung und eine Präsentation im Internet in-
Philosophin Miriam Schaub, der Sprachwis- formierten über den Komponisten, der in der
senschaftler Manfred Geier, die Medienwis- NS-Zeit und den fünfziger Jahren erfolgreich
senschaftler Hans Jürgen Wulff und Patrick für den deutschen Film arbeitete.
Kruse, die Autorin Thea Dorn, die Medienwis-
senschaftlerin Susanne Regener, der Krimi- Peter Mänz
nologe Gerd Hasse, die Fernsehwissen-
schaftlerin Christine Hanke, die Filmwissen-
schaftlerinnen Regine-Mihal Friedman und
Gertrud Koch, sowie der Neurowissen-
schaftler Hans J. Markowitsch und der Sozial-
psychologe Harald Welzer. Die abschließende
Podiumsdiskussion fand in Kooperation mit
dem Einstein Forum Potsdam statt.
Die Filmreihe im Kino Arsenal, kuratiert von
den Freunden der Deutschen Kinemathek,
bereicherte mit über 40 Programmpunkten,
die insbesondere das Verhältnis der Psycho-
analyse zum Film im Blick hatten, das Projekt.
Zahlreiche Gäste – darunter Hermann Kappel-
hoff (Freie Universität Berlin), Sabine Nessel
(J.W.-Goethe-Institut, Frankfurt), Karyn
Sandlos (Toronto) und Christine Noll Brinck-
mann (Berlin) – stellten eigene Filmpro-
gramme vor oder regten mit Einführungen
zur Reflexion und Diskussion an. Weitere
Informationen zu dem Projekt stehen auf der
zweisprachige Website www.deutsche-kine-
mathek.de/kino-im-kopf zur Verfügung.
Dort findet sich unter anderem ein reich
bebilderter Fotorundgang, sowie Weblinks
zur vertiefenden Recherche.
8Fernsehen
Die Arbeit der Abteilung Fernsehen im Jahr light Casino) und Theo Metzger (Regisseur)
2006 war maßgeblich bestimmt durch Bau, stellten sich bei einer Diskussion im An-
Eröffnung und die technisch-organisatori- schluss an die Vorführung den Fragen von
sche Konsolidierung der am 31. Mai eröffne- Moderatoren und Publikum.
ten Ständigen Ausstellung Fernsehen.
Mit „TOR! – Fußball und Fernsehen“ konnte Am Jahresende konnte das seit Januar 2005
jedoch bereits am 4. Mai die erste Sonder- von der Direktorenkonferenz der Landes-
austellung in den neu ausgebauten Räumen medienanstalten (DLM) geförderte Projekt zur
präsentiert werden. Die von Petra Schlie und „Geschichte des deutschen Fernsehspiels und
Peter Jammerthal kuratierte Ausstellung Fernsehfilms“ zum Abschluss gebracht wer-
erzählte in bewegten und bewegenden Bil- den. Die Erfassung und Dokumentation von
dern, zahlreichen Exponaten sowie beschrei- rund 800 Fernsehtiteln in der Datenbank der
benden und analytischen Texten, wie der Programmgalerie war eines der Projekter-
Fußball die Entwicklung des Fernsehens gebnisse. Mit „Es geht auch anders -
beeinflusst und das Fernsehen den Profi- Gespräche über Leben, Film und Fernsehen“
Fußball mit geformt hat. Sie beschrieb die von Egon Netenjakob erschien in diesem
Inszenierung von Bild und Wort, das Zusammenhang aber auch die erste größere
Spektakel um Schau und Show, das Drama Publikation des Bereichs Fernsehen. Das Buch
um Geld und Gefühle, den Bilderrausch und versammelt 25 Gespräche, die der renom-
die nüchternen Momente rund um den Ball. mierte Fernsehpublizist Egon Netenjakob mit
Die Eröffnung in Anwesenheit der „Fußball- Regisseuren, Dramaturgen und Produzenten
legende“ Hans Tilkowski, Torwart der deut- aus West und Ost geführt hat; dabei geht es
schen Nationalmannschaft im Endspiel bei sowohl um biografische wie um künstlerische
der Weltmeisterschaft 1966 im Londoner und produktionsbezogene Fragen. Zu den
Wembley-Stadion, gehörte zu den Höhe- Gesprächspartnern gehören Fernsehmacher
punkten der ersten Jahres-Halbzeit 2006. aus verschiedenen Generationen, von Wolf-
Das Projekt war Teil des offiziellen Kunst- gang Staudte über Edgar Reitz und Mar-
und Kulturprogramms der Bundesregierung garethe von Trotta bis zu Dominik Graf,
zur FIFA WM und wurde von der DFB- Detlev Buck und Andreas Dresen. In der
Kulturstiftung gefördert. Summe der Beiträge erschließt sich eine
Geschichte des Fernsehens der Bundesrepu-
Am 8. September 1966 wurde in den USA die blik, aber auch der DDR, in einer anschauli-
erste Folge der von Gene Roddenberry chen und lebendigen Form.
(Drehbuchautor und Produzent) konzipierten Egon Netenjakob stellte das Buch im Ge-
Weltraumserie STAR TREK gesendet. Nur spräch mit Hans Helmut Prinzler und dem
neun Tage später, am 17. September, starte- Regisseur und Produzenten Nico Hofmann
te in der Bundesrepublik die Ausstrahlung am 17. Oktober im neuen Veranstaltungs-
der RAUMPATROUILLE ORION. Aus Anlass raum vor.
des 40-jährigen Jubiläums beider Kultserien
führte das Museum für Film und Fernsehen Peter Paul Kubitz / Peter Schwirkmann
am 8. und 14. September ausgewählte Folgen
beider Serien im Kino Arsenal vor. Zwei wis-
senschaftliche Vorträge aus filmgeschichtli-
cher wie aus Sicht einer Ethnologin boten
dem Publikum eine kulturhistorische Ein-
ordnung der beiden ebenso innovativen wie
anhaltend populären Weltraumabenteuer. Die
„Orion-Veteranen“ Charlotte Kerr (alias Ge-
neral Lydia van Dyke), Wolfgang Völz (alias
Mario Monti), Roswitha Völz (Tänzerin Star-
9Publikationen und Forschung
Die erfolgreiche Buchreihe „Film & Schrift“ in Erfreulich die Rezeption der Buchreihe, die
der Münchener edition text + kritik interes- Michael Omasta etwa eine „editorische
siert sich für die Autoren hinter den Wörtern Großtat“ nennt.
und Bildern von Filmkritik und Filmen. Die
von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen her- „Die Menschen werden von mir sagen, dass
ausgegebene Reihe stellt bekannte und weni- ich tot bin. Sie lügen.“ So der Schauspieler
ger bekannte Filmpublizisten vor, die aus- Klaus Kinski über sich – und seinen Nach-
geprägt individuell-formale Momente im ruhm. Im Aufbau Verlag, Fortsetzung einer
Schreiben, ein Stil, ebenso auszeichnet wie erfolgreichen Kooperation, auf deren
der Reichtum an biografischen Hintergrün- Grundlage schon Biografien über Heinz
den und die Verwicklung in deutsche Rühmann, Hildegard Knef und Konrad Wolf
Zeitgeschichte. Zusammen mit verschiedenen veröffentlicht werden konnten, kam im ver-
Autorinnen und Autoren erarbeiten die gangenen Jahr die erste umfangreiche
Herausgeber für die Deutsche Kinemathek Biografie Kinskis auf den Markt, geschrieben
eine Geschichte der deutschen Filmkritik in von dem österreichischen Autor Christian
biografischen und publizistischen Studien, David, im Fachlektorat durch die Kinemathek
nehmen dabei die gesamte Praxis von begleitet. Eine Studie, die das überragende
Schreiben und Filmen in den Blick, Talent des Schauspielers ebenso würdigt, wie
Filmkritiker als Drehbuchautoren wie als sie diesen Menschen mit einem ausgeprägten
Regisseure, als Wort- und Bildproduzenten in und verzweifelten Hang zur Exzentrik in den
einer Person. Blick nimmt. Eine Grundlagenarbeit über den
Im Jahr 2005 erschien der erste Band der Mythos Kinski, verfasst auf der Basis zahlrei-
Reihe über den Regisseur und Kritiker cher und erstmals bewerteter Dokumente
Theodor Kotulla. 2006 nun folgte zunächst sowie nach Gesprächen mit Bruno Ganz,
ein Band über den Filmkritiker Ernst Jäger, in Michael Jürgs, Claude Lelouch und vielen
der Weimarer Republik zu den einflussreich- anderen Zeitgenossen Kinskis.
sten seiner Zunft gehörend. Zunächst der
Sozialdemokratie nahestehend, später den Zum 100. Geburtstag von Billy Wilder wurden
filmpolitischen Maßgaben der National- in Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv
sozialisten folgend, ging Jäger Ende der Austria und in dessen Verlag die Wiener jour-
1930er Jahre ins amerikanische Exil und nalistischen Arbeiten des Regisseurs veröf-
wendete sich politisch abermals. Ein weiterer fentlicht. „Billie“ wurde herausgegeben von
Band untersucht Leben und Werk von Erwin Rolf Aurich, Andreas Hutter, Wolfgang
Goelz, der unter dem Pseudonym Frank Jacobsen und Günter Krenn. Beim Lesen von
Maraun schrieb und als Publizist über ein Wilders frühen journalistischen Betrachtun-
halbes Jahrhundert in drei politischen gen, Reportagen, Anekdoten und Streiflich-
Systemen wirkte. Politisch war Goelz ein tern entfalten sich einfühlsame Porträts sei-
Nationalkonservativer, der sich 1933 den ner Zeit, wie sie nur jemand entwerfen konn-
nationalsozialistischen Vorgaben umstands- te, der mit seinen von Sinn für Witz und
los anpasste und 1945 seinen Weg in der Skurrilität geprägten Arbeiten Jahre später
Demokratie neu suchen musste. Band 4 ist die Leinwand eroberte. Der Leser wird unter-
der Feuilletonistin und Kritikerin Karena richtet über die „Kunst, sich umsonst auszu-
Niehoff gewidmet, die – als Jüdin verfolgt – ziehen“, und erhält Antwort auf die Fragen,
die NS-Zeit im Berliner Untergrund überlebte, warum in Wien täglich sechs Menschen ver-
1945 ihre journalistische Karriere begann schwinden, neunzig Prozent der Verschwun-
und zu einer der einflussreichsten Publi- denen allerdings wieder zurückkehren, und
zistinnen des bundesdeutschen Feuilletons wieso das Maschinengewehr ein ideales
aufstieg, deren ironisch-assoziativer Stil und Weihnachtsgeschenk für einen 12-Jährigen
politische Couragiertheit Maßstäbe für das ist.
kritische Handwerk setzte.
10Unter dem Titel „Der Teufelsreporter“ veran- Was sonst noch geschah: Redaktion, Lektorat,
staltete die Abteilung Publikationen und Autorenschaft für jene Bücher, die 2007 und
Forschung eine Hommage à Wilder, die – am 2008 unter dem Label der Deutschen Kine-
19. Juni 2006 - in einer vertrauensvollen mathek erscheinen werden. Erstmals dann
Zusammenarbeit mit dem Österreichischen auch Titel aus einer weiteren neuen Buch-
Kulturforum in der Österreichischen Bot- reihe, „Filit“ mit Namen, aus dem Verbrecher
schaft Berlin stattfand. Wilders Texte wurden Verlag, eröffnet mit Beiträgen von Thomas
gelesen von dem Regisseur und Schauspieler Brandlmeier zur Panik des 20. Jahrhunderts,
Thomas Keck, musikalische Kommentare personifiziert in der literarischfilmischen Ge-
spielte das Berliner Saxophon Ensemble. Für stalt von Fantomas.
das leibliche Wohl während der Veranstaltung
sorgte das Billy Wilder’
s, das Museumscafé im Wolfgang Jacobsen / Rolf Aurich
Filmhaus.
Aus Anlass des Jahrestages der nationalso-
zialistischen „Bücherverbrennung“ am 10. Mai
1933 lud die Abteilung zu einer Lesung in die
Bibliothek der Deutschen Kinemathek.
Befreundete Autorinnen und Autoren erin-
nerten mit Texten von Alfred Polgar, Rudolf
Arnheim, Lucy von Jacobi, Mersus alias
Wolfgang Duncker, Siegfried Kracauer, Hans
Sahl, Willy Haas, Lotte H. Eisner und Hans
Feld nicht nur an das Schicksal der von den
Nazis Verfolgten und ins Exil Getriebenen,
sondern brachten so auch deren unwieder-
bringlich literarisch formuliertes, kritisches
Urteil zu Gehör. Eine Lesung unter dem Titel
„Hommes livres – Hommes libres“, die eine
kleine, aber interessierte Zuhörerschaft fand.
„Filmliteratur heute“ war Thema einer Lesung
und Diskussion, die von den Verantwort-
lichen der Abteilung am 5. Mai 2006 in der
Buchhandlung Treptow angeboten wurde; ein
Termin, zum zweiten Mal realisiert, mit der
Intention, über die Arbeit des Publizierens
über Filme und Filmgeschichte auf exterrito-
rialem Gelände zu referieren, um auch einen
Teil jener an Filmpublizistik interessierten
Klientel zu erreichen, die nicht den Weg in die
Räume der Deutschen Kinemathek findet.
Dieses Angebot wird fortgesetzt werden,
auch mit anderen Partnern.
11Publikationsliste
Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen (Hrsg.):
Ernst Jäger. Filmkritiker. Film & Schrift Band
2. Essay von Heinrich Lewinski. München:
edition text + kritik 2006
Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen (Hrsg.):
Erwin Goelz alias Frank Maraun. Filmkritiker.
Film & Schrift Band 3. Essays von Rolf Aurich
und Herbert Spaich. München: edition text +
kritik 2006
Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen (Hrsg.):
Karena Niehoff. Feuilletonistin und Kritikerin.
Film & Schrift Band 4. Essay von Jörg Becker.
München: edition text + kritik 2006
Rolf Aurich, Andreas Hutter, Wolfgang
Jacobsen, Günter Krenn (Hrsg.): Billie. Billy
Wilders Wiener journalistische Arbeiten. Wien:
verlag filmarchiv austria 2006
Christian David: Kinski. Die Biographie.
Berlin: Aufbau Verlag 2006
Außerdem:
Retrospektive
Gabriele Jatho, Hans Helmut Prinzler (Hrsg.):
Traumfrauen. Stars im Film der fünfziger
Jahre, Berlin: Bertz + Fischer 2006
Katalog zur Ausstellung
Kristina Jaspers und Wolf Unterberger (Hrsg.):
Kino im Kopf. Psychologie und Film seit
Sigmund Freud. Berlin: Bertz + Fischer Verlag
2006
Veröffentlichung zum Fernsehen
Egon Netenjakob: Es geht auch anders.
Gespräche über Leben, Film und Fernsehen.
Berlin: Bertz + Fischer Verlag 2006
12Die Bibliothek
Zu Ehren des ausgeschiedenen Vorstands Im Rahmen des Studiums zur Diplom-Biblio-
wurde die Bibliothek am 30. März in “Hans thekarin betreuten die Mitarbeiter für mehre-
Helmut Prinzler Bibliothek” umbenannt. re Monate eine Praktikantin. Eine weitere
Praktikantin wurde im Rahmen einer Ausbil-
Plakatausstellungen und ein themenbezoge- dungsförderung im Pressearchiv beschäftigt,
ner Büchertisch machen die Räume der Bib- wo sie nach kurzer Einarbeitungszeit Archi-
liothek für die Besucher und die Nutzer seit vierungstätigkeiten übernehmen konnte.
2006 noch attraktiver. Der Büchertisch wird Die Mitarbeiter der Bibliothek nahmen 2006
von den Mitarbeitern zur Vertiefung der je- an verschiedenen EDV-Schulungen teil, in
weiligen Sonderausstellung zusammenge- deren Zentrum Allegro, Excel und das Osiris
stellt. Zwei Plakatausstellungen, eine zum cms-System standen. Es fand eine Einfüh-
40-jährigen Jubiläum der dffb und eine zur rung der FIAF-Online-Datenbank mit Artikeln
Sonderausstellung “Kino im Kopf” boten den aus Filmzeitschriften bzw. Filmarchiv-Pub-
Lesern eine optische Abwechslung zum likationen statt, die über die Linkauswahl mit
Bücherstudium. Datenbanken, Katalogen, etc. zu finden sind.
Das Projekt Zeitschriftendatenbank in Zu-
2006 wurden insgesamt 4.594 Nutzer in der sammenarbeit mit der Zentral- und Landes-
Bibliothek betreut, die 201 Termine am bibliothek Berlin wurde weitergeführt.
Mikrofilm-Reader-Printer wahrnahmen und
4.182 DIN A 4-Prints erstellten. 1.194 neue Die jährliche Tagung des Arbeitskreises
Bücher wurden in den Bestand übernommen, Filmbibliotheken im Herbst 2006 wurde in
davon 604 durch Ankauf und 590 durch diesem Jahr von der Bibliothek organisiert
Schenkung. 209 Zeitschriften-Abonnements, und fand im Filmhaus statt. Themen auf der
16 Zeitungs-Abonnements, zehn Loseblatt- Konferenz waren unter anderem die KOBV-
sammlungen sowie 913 durch Schenkungen Anwendung, Sammlungen von DVDs und
zugegangene Zeitschrifteneinzelhefte konn- Videos in Bibliotheken, die Nutzung der FIAF-
ten archiviert werden. In das Pressearchiv Online Datenbank und die Zukunft des
wurden 21.712 Artikel eingearbeitet, in das Arbeitskreises.
Archiv der Festivalkataloge 393 Exemplare. Aus Anlass des Jahrestages der “Bücherver-
Neu gebunden wurden 13 Buch- und 130 brennung” wurden die Räume der Bibliothek
Zeitschriftenbände. für die Lesung ”Hommes livres – Hommes
Bücher und Zeitschriften wurden beispiels- libres” genutzt. Außerdem war die Bibliothek
weise von Fritz Güttinger, Tamara Wyss oder Kulisse für ein Interview mit dem dffb-Ab-
dem Filmmuseum Potsdam (Festivalmate- solventen und heutigen Regisseur Wolfgang
rialien) übernommen. Becker.
Zusätzlich zu den Einführungen für neue Um neue Leser zu gewinnen, wurde die
Nutzer fanden auch im Jahr 2006 wieder Rubrik „Das Buch des Monats“ weitergeführt,
Führungen für angemeldete Gäste statt. in der die Bibliotheksleiterin regelmäßig
Neben 30 FU-Studenten der filmhistorischen interessante Neuerscheinungen zum Thema
Recherche, neun Schülern eines Kunst- Film auf der Webseite des Hauses ausführlich
Leistungskurses, 30 Umschülern und Aus- vorstellt.
zubildenden zu Fachangestellten für Medien- Uta Orluc
und Informationsdienste und 20 UdK-
Studenten wurden 16 Besucher des Goethe-
Instituts durch die Räume der Bibliothek
geführt. Am Tag der offenen Tür anlässlich
des 40-jährigen Jubiläums der dffb besich-
tigten 40 Besucher die Bibliothek.
13Die Retrospektive
HOLIDAY, THE SNOWS OF KILIMANJARO, A
Traumfrauen. Stars im Film der
STAR IS BORN, LA VÉRITÉ).
fünfziger Jahre
Publikationen
Die weiblichen Stars der fünfziger Jahre stan-
Das Buch zur Retrospektive versammelt vier
den im Mittelpunkt der Retrospektive der 56.
übergreifende Essays, die anhand der Frau-
Internationalen Filmfestspiele. Ein facetten-
enbilder Hollywoods, West- und Osteuropas
reiches Programm mit 43 Filmen präsentierte
sowie Japans die Inszenierungsmuster von
33 Schauspielerinnen aus den USA, Europa
Weiblichkeit im internationalen Kino der
und Japan. Fokus der Retrospektive war das
Nachkriegszeit untersuchen. Zwanzig an-
Bild der Frau, wie es sich durch die großen
schauliche Einzelporträts komplettieren den
Stars des amerikanischen und europäischen
Band. In diesen Beiträgen werden Rollen-
Kinos der fünfziger Jahre vermittelt hat.
modelle und Starbiografien von Ikonen und
Zwei neu restaurierte Stummfilme mit Live-
Trendsetterinnen der fünfziger Jahre filmhi-
Musik ergänzten das Programm: die einmali-
storisch und gesellschaftsanalytisch beleuch-
ge Sondervorführung der digital restaurierten
tet: von Harriet Andersson und Brigitte Bardot
Fassung von Carl Theodor Dreyers MICHAEL,
über Ava Gardner, Audrey Hepburn und Anna
begleitet vom ensembleKONTRASTE, in der
Magnani bis Maria Schell, Elizabeth Taylor
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz so-
und Marina Vlady. Die Publikation „Traum-
wie die Aufführung von Arthur von Gerlachs
frauen. Stars im Film der fünfziger Jahre“
ZUR CHRONIK VON GRIESHUUS im CinemaxX
erschien im Berliner Verlag Bertz + Fischer
8 am Potsdamer Platz. Die Filme und Ver-
und stieß auf große Resonanz; die Verlags-
anstaltungen waren sehr gut besucht, oft-
ausgabe (Auflage 1.500) ist vergriffen, die
mals waren die Häuser ausverkauft.
Museumsausgabe (Auflage 1.000) verkaufte
sich ebenfalls außerordentlich gut.
Zur Retrospektive konnten zwei der “Traum-
frauen“ eingeladen werden: die schwedische
Die zehnte Ausgabe des FilmHefts dokumen-
Schauspielerin Harriet Andersson und die in
tiert sämtliche Filme der Retrospektive mit
Berlin-Köpenick lebende Annekathrin Bürger.
ausführlichen filmografischen Angaben und
Sie präsentierten ihre Filme im Kino, gaben
zeitgenössischen deutschen und englischen
Interviews und freuten sich sehr über die
Kritiken. Die Zweisprachigkeit (ein Vorteil
Aufmerksamkeit von Publikum und Presse.
gegenüber dem Buch) wird insbesondere von
Weitere Festivalgäste haben ihre Filme per-
den internationalen Gästen der Berlinale
sönlich eingeführt: Ein Höhepunkt war die
begrüßt. Die Filmblätter können sowohl von
Einführung von Isabella Rossellini zu MY DAD
der Internetseite der Deutschen Kinemathek
IS 100 YEARS OLD und VIAGGIO IN ITALIA.
als auch von der der Berlinale als pdf-Dateien
Vanessa Wanger präsentierte den von ihrem
heruntergeladen werden. Weiterhin wird im
Großvater Walter Wanger produzierten Film
Kino zu jedem gezeigten Film ein Filmblatt
I WANT TO LIVE! mit Susan Hayward.
ausgelegt, was vom Publikum sehr geschätzt
wird. Für die Premiere der restaurierten
Die Qualität der Filmkopien war wie in den
Fassung von Carl Theodor Dreyers MICHAEL
Jahren zuvor sehr gut. Zwölf neue Kopien
wurde ein informatives Programmblatt erar-
wurden speziell für die Retrospektive von
beitet.
amerikanischen Studios zur Verfügung ge-
Zur Berlinale erschien auch die Publikation
stellt. Für diese Studios ist die Retrospektive
„Kinos. Berlin um die Ecke und Entdeckungen
international der wichtigste Aufführungsort
unterwegs. Fotografiert von Volker Noth“
für ihre restaurierten Filme. Acht restaurierte
(Bertz + Fischer), die redaktionell und kon-
Fassungen wurden präsentiert (ALL ABOUT
zeptionell betreut wurde. Der Fotoband mit
EVE, THE BAREFOOT CONTESSA, FORTY
einem Vorwort von Hans Helmut Prinzler ist
GUNS, GENTLEMEN PREFER BLONDES, ROMAN
vergriffen.
14Für die grafische Gestaltung der Publikatio- Zeitgleich zur Retrospektive widmete die
nen und Plakate zur Retrospektive (Haupt- Abteilung Ausstellungen Film einer „Traum-
motiv und Premierenveranstaltung „Michael“) frau“ eine Ausstellung: „Hildegard Knef. Eine
sowie der „Traumfrauen“-Lesezeichen (20 Künstlerin aus Deutschland“. Diese Sonder-
Motive) zeichnete Volker Noth Grafik-Design ausstellung konnte von allen akkreditierten
verantwortlich. Festivalgästen mit freiem Eintritt besucht
werden.
Veranstaltungen
Sechs Veranstaltungen wurden den “Traum- Die Retrospektive „Traumfrauen“ war die 30.
frauen” der Retrospektive gewidmet. Die Au- Retrospektive, die von der Deutschen Kine-
torinnen Elisabeth Bronfen und Claudia mathek für die Berlinale veranstaltet wurde,
Lenssen diskutierten über Stars der fünfziger was in zahlreichen Festivalberichten aufge-
Jahre im europäischen und amerikanischen griffen wurde. Das Retro-Thema rief sowohl
Kino. Anlass der Diskussion war die Präsen- in den Printmedien als auch im Fernsehen
tation der Publikation “Traumfrauen”. und im Rundfunk eine große Resonanz her-
In einer weiteren Veranstaltung berichtete vor. Der Begriff „Traumfrau“ wurde von den
Harriet Andersson im Gespräch mit Jan Journalisten sektionenübergreifend als Auf-
Lumholdt über ihre langjährige Karriere als hänger für ihre Beiträge genutzt. Mit Hans
Schauspielerin. Inszenierungsstrategien der Helmut Prinzler wurden zahlreiche Interviews
Kostümbildnerin Edith Head thematisierte die geführt und veröffentlicht.
Soziologin Marisa Bouvolo in ihrem Vortrag Als Direktor der Stiftung Deutsche Kine-
“Designing Women”. Ergänzend zum Pro- mathek verabschiedete er sich nach der
gramm wurden die DVDs SELLING DEMO- Berlinale in den Ruhestand. Für ihn waren die
CRACY - DIE FILME DES MARSCHALL-PLANS „Traumfrauen“ die letzte Retrospektive. Am
und die Studienfassung von METROPOLIS 14. Februar 2006 wurde er mit der Berlinale-
vorgestellt. Der Fotoband “Kino. Berlin um die Kamera geehrt. Die Laudatio hielt Senta
Ecke und Entdeckungen unterwegs” wurde in Berger.
Anwesenheit des Autors und Grafikdesigners
Volker Noth im Gespräch mit Hans Helmut Conny Betz / Gabriele Jatho
Prinzler vorgestellt.
15Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Öffentlichkeitsarbeit / Marketing Außenwerbung am Filmhaus umgesetzt, bei
Neben der zielgerichteten Information der den Drucksachen zum Nachlass von Michael
nationalen wie internationalen Medien, der Jary sowie bei der neuen Image-Werbebro-
Akquisition von Medienpartnern, der Bewer- schüre angewandt. Es soll bei den Schau-
bung der Ausstellungen und der Organisation medien aller Sonderausstellungen konse-
zahlreicher Veranstaltungen stand das Jahr quent eingehalten werden, um eine Wieder-
2006 ganz unter dem Zeichen einer grund- erkennbarkeit des Hauses zu garantieren.
sätzlichen Änderung der visuellen Kommu- Eine weitere Marketing-Maßnahme zur Pro-
nikation. filierung des Hauses ist die Verdichtung der
Mit der Eröffnung der Ständigen Ausstellung Inhalte der beiden Ständigen Ausstellungen
Fernsehen und der Namensänderung des zu griffigen Slogans: „100 Jahre deutsche
Hauses musste ein neues Logo gefunden Filmgeschichte“ und „50 Jahre deutsche
werden, das die Verbindung der Bereiche Film Fernsehgeschichte“ sind die zentralen Bot-
und Fernsehen grafisch umsetzt. Den im schaften, die auf dem Cover der Image-
Sommer ausgeschriebenen Ideenwettbewerb, Werbebroschüre und mit Anzeigen transpor-
an dem sich sechs überregionale Grafik- tiert werden.
design-Agenturen beteiligten, gewann das Die Abteilung legte im Jahr 2006 den
Berliner Büro der international renommierten Schwerpunkt auf die „Verpackung“ des Hau-
Agentur Pentagram Design Ltd.. Pentagram ses, weil sie nicht nur ein wichtiger Faktor für
entwickelte ein Corporate Design mit klarer die Publikumswirksamkeit eines modernen
Linie, das auf hohem ästhetischen Niveau Museums ist, sondern auch dem Alleinstel-
eine Wiedererkennbarkeit aller visuellen lungsmerkmal der Ausstellung entspricht,
Medien schafft und damit den Grundstein für das nicht unbedingt in der Bedeutung der
einen optimierten Werbeerfolg legt. Originalobjekte, sondern vor allem im insze-
Das von Pentagram entworfene Logo stellt nierten Schauwert liegt.
eine Synthese zwischen den Ausstellungs-
bereichen Film und Fernsehen her: Der Quer- Internet
schnitt eines Projektors (Film) und eines Mo- Eine neu entwickelte Formatvorlage für die
nitors (Fernsehen), beide reduziert auf die Homepage der Deutschen Kinemathek wurde
gleiche Grundform, überschneiden sich und Anfang 2006 umgesetzt: Unter anderem
bilden ein Haussymbol, das die Gemein- wurden für die deutsche und englische Ver-
schaftlichkeit der beiden Medien ausdrückt sion der Website einheitliche Schreibweisen
und mit der Randlinie die Beziehung zum „M“ und Formatierungen eingearbeitet, Inkonsis-
des früheren Logos “Film Museum Berlin” tenzen des Layouts behoben, der Aufbau der
knüpft. Bildunterschriften wurde vereinheitlicht bzw.
Bei der Gestaltung von Printprodukten wird vervollständigt. Die zu diesem Zeitpunkt rund
der Themenkreis Licht als grafische Basis vierhundert Unterseiten wurden auf den
genommen. Licht ist die Bedingung und aktuellen Stand der neuen deutschen Recht-
kleinster gemeinsamer Nenner der beiden schreibung gebracht, Doppelungen von
technischen Bildmedien, Pentagram setzt es Seiteninhalten wurden beseitigt und fehlende
als Projektionsfläche und als gebündelten Daten ergänzt. Neben einer Chronik der
Strahl um: Für die Verknüpfung von Text und Kolloquien, die seit 1978 alljährlich von der
Bild werden transparente diagonale Farbflä- Deutschen Kinemathek veranstaltet werden,
chen eingesetzt, die den Fond für Fotos bil- entstand in Zusammenarbeit mit dem
den. Bei Teilen des Geschäftsbedarfs er- Filmarchiv und -verleih ein neuer Bereich auf
scheint das Logo fragmentiert, dann assozi- der Website, in dem mehrere hundert
iert die umgrenzende Linie einen Lichtstrahl Verleihfilme des Hauses alphabetisch, nach
im Dunkeln. Genres, Regisseuren, Darstellern und The-
Das prägnante Designkonzept wurde bereits men geordnet und auf diese Weise für poten-
für den gesamten Geschäftsbedarf und die tielle Interessenten leichter auffindbar sind.
16Die im Sommer 2005 begonnenen Bemühun- Zugleich bot der Relaunch die Gelegenheit,
gen, die als Drittelversion angelegte engli- ein neu entwickeltes technisches Detail in das
sche Website des Hauses zu erweitern, wur- Content Management System des Hauses zu
den im Bereich der Ausstellungen mit voll- integrieren, mit dessen Hilfe u. a. Flash- oder
ständigen Übersetzungen der neu hinzuge- Shockwave-Animationen, Audio- und Video-
kommenen deutschen Unterseiten fortge- streams bzw. –inhalte sowie externe HTML-
führt. Dateien direkt in die Website eingebunden
Im Zusammenhang mit dem veränderten werden können. Zum Beginn der Berlinale am
Corporate Design wurde auch der Internet- 8. Februar 2007 ging die neue Website on-
Auftritt des Hauses überarbeitet. Eine bereits line.
im Vorfeld entwickelte Neustrukturierung der Unabhängig hiervon wurde bereits im Som-
Homepage war die Basis für den Entwurf von mer 2006 als neuer Name der Hauptdomain
Pentagram, der den Nutzern vor allem auf- des Hauses „www.deutsche-kinemathek.de“
grund der Reduktion auf eine Hauptnavi- eingeführt.
gation eine größere Übersichtlichkeit bietet.
Zur besseren Lesbarkeit wurde die Schrift Die durchschnittliche Zahl von Besuchern der
deutlich vergrößert, und auch die Anforder- Website belief sich im Jahr 2006 monatlich
ungen für eine barrierefreie Nutzung sind auf rund 15.000, die durchschnittliche Zahl
nun zum ersten Mal erfüllt. der monatlichen Hits auf 79.000.
Katrin Kahlefeld / Karin Herbst-Meßlinger
16Die Besucher
Verteilung der Befragten nach Wohnort
Die Besucherbefragung
Aus Berlins Umland (Radius 30 km) besuch-
ten 2006 23 % der Befragten das Museum.
Als Museum für Film und Fernsehen richtet
Aus der übrigen Bundesrepublik kamen 46 %.
sich die Stiftung Deutsche Kinemathek nicht
31 % der Befragten waren aus dem weltweiten
nur an ein Fachpublikum, sondern an eine
Ausland.
breite Öffentlichkeit. Jeden Tag kommen
Besucher in die Ausstellung, um Zeugnisse
der Film- und Fernsehgeschichte zu studie- 60
2006
ren, sich zu bilden und sich nicht zuletzt gut
2005
zu unterhalten. Um die Besucher besser ken- 50
nenzulernen und etwas über die Akzeptanz
des Museums zu erfahren, wird seit 2003 40
einmal jährlich eine Befragung durchgeführt.
30
Die Besucherbefragung im vergangenen Jahr
fand vom 29. März bis 6. April 2006 statt.
20
Insgesamt füllten 300 Besucher des Museums
den Fragebogen, entworfen von einer Mitar- 10
beiterin des Instituts für Museumsfor-
schung, im Anschluss an den Besuch der
Berlin Umland Überregional Ausland
Ständigen Ausstellung aus. 100 der 300 Fra-
gebögen wurden an fremdsprachige Besu-
cher verteilt.
Verteilung nach Geschlecht
Unter anderem wurden die Besucher nach
Von den Befragten waren 2006 ca. 60 %
soziodemografischen Merkmalen wie Ge-
weiblich und ca. 40 % männlich.
schlecht, Alter oder Schulbildung befragt.
Weitere Fragen zielten auf die Motivation
zum Museumsbesuch oder auf die erfüllten
und enttäuschten Erwartungen ab. Die 60
2006
Ergebnisse von 2006 stehen jeweils im
2005
Vergleich zu den Ergebnissen von 2005, um 50
Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr
40
oder auch problematischere Bereiche aufzu-
zeigen.
30
20
10
weiblich männlich
18Verteilung nach Alter Besuchsanregung
Die Altersstruktur unserer Besucher erstreckt Die meisten Befragten wurden durch Reise-
sich von 1 bis 99 Jahre. führer (29 %), Freunde/Familie (35 %) und
Die meisten Besucher und dadurch eine wich- Außenwerbung am Filmhaus (21 %) zu einem
tige Zielgruppe des Museums sind Jugend- Besuch im Filmhaus angeregt.
liche zwischen 12 und 19 Jahren (37 %), ge-
folgt von den jungen Erwachsenen zwischen
40
20 und 29 Jahren (23 %). 2006
2005
35
45
2006 30
2005
40
25
35
20
30 15
25
10
20 5
15
Filmhaus
Plakate
Tagespresse
Fernsehen
Stadtmagazine
Freunde/Familie
Website
Hörfunk
Reiseführer
10
5
12-19 20-29 30-39 40-49 50-59 60-69 70-...
Motivation zum Museumsbesuch
Ausschlaggebend für den Museumsbesuch
80 % aller Befragten besuchten die Ausstel- waren hauptsächlich Neugierde (56 %) und
lung in Begleitung eines Freundes, einer das Kulturerlebnis (50 %). An dritter Stelle
Gruppe oder des Partners. Nur ca. 20 % stand der Besuch auf Grund der eigenen
schauten sich das Haus alleine an. Ausbildung (16 %). 40 % aller Befragten
besuchten neben der Ständigen Ausstellung
auch die Sonderausstellungen.
60
2006
2005
50
40
30
20
10
Sonderausstellung
Entspannung
Begleitung
Ausbildung
Zufall
Sammlung
Kulturerlebnis
Neugierde
Beruf
19Museum weiterempfehlen Auf der Basis dieses neuen Ticketsystems
Fast alle der Befragten (91 %) würden einen werden die Besucherzahlen insgesamt erfasst
Besuch im Filmhaus weiterempfehlen. Die Er- und nicht getrennt nach Film, Fernsehen und
wartungen von ca. 80 % aller Besucher wur- Sonderausstellungen. Da der neue Veranstal-
den voll und ganz oder zumindest zum größ- tungsraum im Filmhaus kontinuierlich be-
ten Teil erfüllt. spielt wird, sollen auch diese Besucher in der
Statistik berücksichtigt werden.
60
2006 Die Zahlen
2005
50
16000
40
14000
30
12000
20
10000
10
8000
Nein, überhaupt nicht
Ja, voll und ganz
Ich hatte keine Erwartungen
Nein, wenig
Zum Teil
Ja, größtenteils
6000
4000
2000
September
Februar
November
Oktober
Dezember
August
Januar
Juni
Juli
Mai
März
April
Besucherzahlen
Neues Ticketsystem Besucherzahlen der Ausstellungen (Ständige
Mit der Eröffnung der Ständigen Ausstellung Ausstellung Film, Ständige Ausstellung Fern-
Fernsehen zum 1. Juni 2006 wurde das sehen, Sonderausstellung)
Ticketsystem und damit auch die Grundlage
der Besucherstatistik geändert. Das stark Die Besucherzahlen 2006 sind trotz der
vereinfachte neue System bietet dem Fußball WM, die viele Besucher von den Ber-
Besucher die Möglichkeit, mit einem norma- liner Museen fernhielt, sehr zufriedenstel-
len Ticket das komplette Haus, also die Stä- lend. Besonders in den Monaten April, August
ndige Ausstellung Film, die Ständige Aus- und November besichtigten jeweils über
stellung Fernsehen und die jeweilige Sonder- 11.000 bzw. 12.000 Besucher die Ausstel-
ausstellung zu besuchen. Außerdem gibt es lungen der Deutschen Kinemathek. Insge-
eine gesonderte Eintrittskarte, falls ein Be- samt besuchten im Jahr 2006 102.439 Gäste
sucher nur die Sonderausstellung besichtigen die Ständigen Ausstellungen und die Sonder-
möchte. ausstellungen.
Diese Ticketstruktur stellt die Preise für die
Besucher verständlich dar und unterstreicht
die Einheit des Hauses als Museum für Film
und Fernsehen.
20120000
2006 kamen 130.406 Besucher in die
Ausstellungen und zu den Veranstaltungen
100000 der Stiftung Deutsche Kinemathek. 17.413
besuchten die Retrospektive im Rahmen der
Berlinale, 2.094 Besucher sahen im Kino
80000
Arsenal Filme begleitend zur Sonderausstel-
60000
lung an.
Unter die 8.460 Besucher der sonstigen
40000
Veranstaltungen fallen vor allem die Besucher
20000
der Langen Nacht der Museen, aber auch die
der Eröffnungen von Sonderausstellungen
und der Veranstaltungen in dem neuen
Filme
Sonstige
Ausstellungen
Gesamt
Retrospektive
Veranstaltungsraum. Die Besucherzahlen der
Langen Nacht der Museen, sowohl im Februar
als auch im August, waren mit jeweils 4.000
Besuchern, auch im Vergleich zu anderen
Häusern, sehr gut.
Besucherzahlen 2006 insgesamt inklusive der Zusätzlich zu den gezählten Besuchern der
Veranstaltungen (Retrospektive, Filme be- Ausstellungen gibt es zahlreiche Kontakte
gleitend zu den Sonderausstellungen, sonsti- mit der Öffentlichkeit, die im Schriftverkehr,
ge Veranstaltungen) telefonisch oder auf der Homepage von der
Deutschen Kinemathek sachkundige Infor-
mationen zur Geschichte von Film und Fern-
sehen bekommen.
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