Sicherheit Lebensqualität Intelligente Ressourcennutzung - Nachhaltigkeitsbericht - Landentwicklung Steiermark
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vorausdenken
Sicherheit
Lebensqualität
Intelligente Ressourcennutzung
Nachhaltigkeitsbericht
des Lebensressorts SteiermarkNachhaltigkeitsbericht 2012 des Lebensressorts Steiermark Impressum: Herausgeber: Land Steiermark – Lebensressort 8010 Graz, Herrengasse 16 www.lebensressort.steiermark.at Projektleitung: Hofrat Dipl.-Ing. Dr. Wilhelm Himmel Projektassistenz: Dipl.-Ing. in Gudrun Walter Projektteam: Dr. Dieter Andersson Günter Felsberger Ing.in Kathrin Grillitsch Mag.a Sonja Lackner Ing. Hubert Langmann Dipl.-Ing.in Silke Leichtfried Dipl.-Ing.in Anita Mogg Ulrike Urisk-Rauter Johanna Reinbrecht Eingebundene Organisationseinheiten: Amt der Steiermärkischen Landesregierung • Abteilung 6 – Bildung und Gesellschaft Betrieblicher Bereich im landwirtschaftlichen Schulwesen 8010 Graz, Trauttmansdorffgasse 2 • Abteilung 8 – Wissenschaft und Gesundheit Veterinärdirektion/öffentliches Veterinärwesen 8010 Graz, Friedrichgasse 9 • Abteilung 10 – Land- und Forstwirtschaft 8052 Graz, Krottendorferstraße 94 8047 Graz, Ragnitzstraße 193 8020 Graz, Brückenkopfgasse 6 • Abteilung 14 – Wasserwirtschaft, Ressourcen und Nachhaltigkeit 8010 Graz, Stempfergasse 7 8010 Graz, Wartingergasse 43 8010 Graz, Bürgergasse 5a • Abteilung 15 – Energie, Wohnbau, Technik Fachabteilung für Energie und Wohnbau 8010 Graz, Dietrichsteinplatz 15 Agrarbezirksbehörde für Steiermark 8020 Graz, Bahnhofgürtel 77 8950 Stainach, Salzburgerstraße 232 8700 Leoben, Max Tendler Straße 14 Landentwicklung Steiermark 8010 Graz, Hans Sachs Gasse 5/3 Nachhaltigkeitsberatung: Mag. Karl Resel, denkstatt GmbH., www.denkstatt.at Layout und Grafik: www.kerstein.at Druck: www.rehadruck.at Fotos: Dienststellen des Landes Steiermark Landentwicklung Steiermark klimaneutral
Erster Nachhaltigkeitsbericht
des Lebensressorts Steiermark
Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen
Für erfolgreiche Unternehmen ist es zur Selbstverständlichkeit gewor-
den, in ihrer Unternehmensbilanz neben den wirtschaftsrelevanten
Darstellungen insbesondere auch auf die Nutzenstiftung für die
Umwelt und Gesellschaft zukunftsorientiert einzugehen und ihre
Beziehung zu allen Anspruchsgruppen in „Nachhaltigkeitsberichten“
darzulegen.
Als Nachhaltigkeitslandesrat, der für die Bereiche Land- und Forstwirt-
schaft, Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Wohnbauförderung zu-
ständig ist, die im steirischen Lebensressort zusammengefasst sind,
war es eine besondere Herausforderung, das für Unternehmen aus-
Johann Seitinger gelegte Berichtsformat erstmals in Österreich auf den Bereich einer
Landesverwaltung zu adaptieren. Im Unterschied zu den traditionel-
Landesrat für Land- und Forstwirtschaft, len Sachberichten (Umweltschutzbericht, Grüner Bericht, Boden-
Wasserwirtschaft und Abfallwirtschaft, schutzbericht, u.a.m.) war es unser Ziel mit diesem Nachhaltigkeitsbe-
Wohnbau und Nachhaltigkeit
richt über Legislaturperioden hinausgehend, strategisch wichtige Ziel-
setzungen und Maßnahmen im Ressortbereich anzusprechen und
erkennbar zu machen, wie Verantwortung für Generationen in Politik
und Verwaltung wahrgenommen werden soll. Ausgehend von einer
mit meinen Führungskräften ausgearbeiteten Ressortstrategie war es
Aufgabe des eingesetzten Projektteams, unter Einbindung aller Füh-
rungsebenen in den Abteilungen, den Beitrag des Lebensressorts für
die zentralen Themen Sicherheit – Lebensqualität – intelligente Res-
sourcennutzung darzulegen.
Mit dem nunmehr vorliegenden ersten Nachhaltigkeitsbericht wollen
wir dem Verständnis einer transparenten Politikgestaltung und einer
modernen Verwaltung entsprechen, die auf Entwicklungen und Trends
(z.B. Lebensmittelproduktion, Flächenverbrauch, Ressourcenverbrauch,
Abfallaufkommen, leistbares Wohnen) eingeht. Der Bericht soll einen
Einblick in die Komplexität meines Zuständigkeitsbereiches geben und
den interessierten Leserinnen und Lesern die Botschaft vermitteln
„Wir gestalten Zukunft“.
Nachhaltigkeit ist gleichzusetzen mit Zukunftsfähigkeit und Enkeltaug-
lichkeit. Es ist mir ein persönliches Anliegen, Entwicklungen im 21.
Jahrhundert so zu steuern und zu gestalten, dass es auch nachfolgen-
den Generationen möglich ist, ein lebenswertes Land und Umfeld
vorzufinden.
Ich danke dem Projektteam und allen beteiligten Personen, die in
unterschiedlichen Aufgabenbereichen zu den zentralen Themen
stellungen jeweils aus ihrem Blickwinkel zum gemeinsamen Ganzen
ihren Beitrag geleistet haben.
Hans Seitinger|2|
Sicherheit
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• Bodenq rauch
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Inhalt • Ge n e ti s c Pflanzen-
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Lebensmit
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3 | Organisation Lebensressort der
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Steiermärkischen Landesregierung • Q ua
Resso gente
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• Aufbauorganisation des Wasse
• Strategische Partnerschaften raum Wald
• Lebens
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• Leitlinien fahren
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• Kommunikation • S
vorsorge:
5 | Sicherheit
6 | 1. Erhalt von landwirtschaftlichen
• Daseins
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8 | 2. V
ielfalt und Gesundheit Rohst b e i E ne r
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12 | 3. Lebensmittelqualität
und S rbare Ene
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14 | 4. Schutz vor Naturgefahren därst gie, Rohst
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16 | 5. D
aseinsvorsorge – Wasser
versorgung, Abwasserentsorgung
und Abfallbehandlung
18 | Intelligente Ressourcennutzung
19 | 1. Effizienz im Wohnbau
20 | 2. E ffizienz bei Energie, Wasser,
Rohstoffen und Abfällen
23 | 3. Erneuerbare Energie, R
und Sekundärstoffe
ohstoffe
Lebens
26 | Lebensqualität
27 | 1. Wie viel neuer Wohnraum
qualität
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wird gefördert? • Leistbares Woh
inander
28 | 2. N
achhaltige Entwicklung von
• Kultur des Mite
Bevölkerung und Berufsangeboten
pekte
im ländlichen Raum • Ökologische As
in der
30 | 3. Wie wird der ländliche zu den Gewässern
Raum gestärkt? Steiermark
32 | 4. Nachhaltigkeit in der L andwirtschaft
und bei O
berflächengewässern
34 | Nachhaltigkeit innerhalb der
Organisation des Lebensressorts
34 | Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Lebensressorts
35 | Gelebter Umweltschutz im
Lebensressort
36 | Index Global Reporting Initiative
Thema 1/2012: wissenswert2012
Nachhaltigkeitsbericht|3|
Lebensressort
Organisationsstruktur
Landesrat
Johann Seitinger
Regierungsbüro
LR Seitinger
Agrarbezirksbehörde Abteilung 6 Abteilung 8 Abteilung 10 Abteilung 14 Abteilung 15
für Steiermark Bildung und Gesellschaft Wissenschaft und Gesundheit Land- und Forstwirtschaft Wasserwirtschaft, Ressourcen Energie, Wohnbau, Technik
und Nachhaltigkeit
Fachabteilung Fachabteilung Fachabteilung
Berufsbildendes Schulwesen Gesundheit und Energie und Wohnbau
Pflegemanagement
Referat
Referat Referat Nachhaltigkeitskoordinator Rechtsangelegenheiten
Land- und forstwirtschaftliche Veterinärsdirektion /
Schulen und Betriebe öffentliches Veterinärswesen Land Steiermark
Referat
Wohnungsneubau-
Förderungen
Referat
Sanierung u. Ökoförderung
Revitalisierung
Referat
Technik und Energie
Wohnungsneubau
Amt der Steiermärkischen Landesregierung
Landarbeiterkammer Kammer Landesjägerschaft Verein Eco World Styria
für Land- und Forstwirtschaft Landentwicklung Steiermark Umwelttechnik Cluster GmbH
Partnerorganisationen – betraut mit Aufgaben aus dem Lebensressort
Aufbauorganisation der Dienststellen im Lebensressort
Aufbauorganisation MitarbeiterInnenstand
Das Lebensressort Steiermark umfasst die In Summe sind 377 MitarbeiterInnen im Lan- ziert. Die ursprünglich dem Lebensressort
Agrarbezirksbehörde für Steiermark und fünf desdienst mit der Umsetzung der Ressort- zugeordneten Aufgabenfelder sind mit Aus-
Abteilungen des Amtes der Steiermärki- aufgaben betraut. Verstärkt wird das Team nahme des Tierschutzes weiterhin im Le-
schen Landesregierung. Die Aufgabenerfül- von 13 MitarbeiterInnen des Vereines „Land- bensressort wahrzunehmen. Durch die Re-
lung wird auf den verschiedensten Ebenen entwicklung Steiermark“, welcher Aufgaben form wurde die Fachabteilung „Energie
in den Abteilungen (Abteilung, Fachabtei- der A 10 und A 14 zur „Entwicklung des länd- wirtschaft und allgemeine technische An
lung, Referat, Fachbereich) wahrgenommen lichen Raums“ wahrnimmt. gelegenheiten“ mit der Abteilung „Wohn-
(siehe Aufbauorganisation). In der operati- bauförderung“ zur Abteilung 15 zusammen-
ven Umsetzung wird das Lebensressort da- Verwaltungsreform geführt. Die Bereiche Wasserwirtschaft und
bei von der Kammer für Land- und Forstwirt- Im September 2003 hat Johann Seitinger die Abfallwirtschaft wurden in der Abteilung 14
schaft, dem Verein „Landentwicklung Steier- Leitung des Lebensressorts von seinem Vor- gebündelt.
mark“ und der ECO WORLD STYRIA Umwelt- gänger Landesrat Erich Pöltl übernommen. Bis zum Jahr 2015 ist darüber hinaus eine
cluster GmbH unterstützt. Darüber hinaus Im Rahmen des Reformprozesses wurde mit Haushaltsreform (Globalbudget) samt Kos-
stellt das Land Steiermark über die Abteilun- Beschluss der Steiermärkischen Landesregie- ten- und Leistungsrechnung und Budget-
gen 10 und 14 Aufsichtsräte und Mitglieder rung mit 1. August 2012 die Struktur der Lan- controlling mit dem Ziel eines wirkungsori-
in der Landarbeiterkammer, der Landesjä- desverwaltung reformiert, dabei wurde die entierten Steuerungsmodells für die Landes-
gerschaft und der ECO WORLD STYRIA. Anzahl der Abteilungen von 50 auf 25 redu- verwaltung umzusetzen.|4|
Lebensressort
NGOs, Politik
Anspruchsgruppen des
NetzwerkpartnerInnen,
Lebensressorts Steiermark
Organisationen Öffentliche Verwaltung
EU, Bund, Land,
Gemeinden
Wissenschaft Lebensressort
und Forschung Steiermark
MitarbeiterInnen
Medien und Wirtschaft (Unternehmen,
Öffentlichkeit Land- u. Forstwirtschaft)
Strategische Partnerschaften der e² group umweltengineering GmbH, der fen, Meilensteine zu aktualisieren und ge-
und Beteiligungen FIBAG Forschungszentrum für integrales meinsam mit den MitarbeiterInnen die Fort-
Verein Landentwicklung Bauwesen AG sowie der KWB Kraft und Wär- schreibung des Nachhaltigkeitsberichtes
Steiermark me aus Biomasse GmbH. Die Aktivitäten und weiter zu entwickeln.
Die Landentwicklung Steiermark ist ein vom Leistungen für ECO CLUSTER Unternehmen
Lebensressort getragener Verein und hat den zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit Kommunikation zwischen
Auftrag BürgerInnenbeteiligungsprozesse zu steigern und den Standort Steiermark als Lebensressort Steiermark und
im Rahmen der Lokalen Agenda 21 im Sinne Nr.1 für Energie und Umwelttechnik mit der Anspruchsgruppen
der Förderung nachhaltiger Good-Gover- Gestaltung von maßgeblichen Trends zu eta- Um die Anspruchsgruppen und Netzwerk-
nance-Strukturen auf kommunaler und blieren. partnerInnen in einen dauerhaften Dialog
kleinregionaler Ebene zu begleiten und zu erfolgreich einzubinden werden von den Ab-
fördern. Weitere strategische teilungen und Fachabteilungen in regelmä-
Partnerschaften mit: ßigen Abständen Netzwerktreffen und Ver-
ECO WORLD STYRIA zz Landarbeiterkammer anstaltungen durchgeführt und die Möglich-
Die ECO WORLD STYRIA Umwelttechnik Clus- zz Kammer für Land- und keiten der sich bietenden Kommunikations-
ter GmbH steht im Eigentum der Steirischen Forstwirtschaft Steiermark möglichkeiten vielfältig genutzt (Themen
Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG), des zz Landesjägerschaft orientierte Informationsportale im Internet,
Landes Steiermark, Abteilung 14 – Referat zz Wirtschaftskammer Steiermark Multiplikatoren wie z.B. AbfallberaterInnen,
Abfallwirtschaft und Nachhaltigkeit, der WIN-KonsulentInnen, GreenTech-Valley Bot-
Stadt Graz, Abteilung für Wirtschafts- und Leitlinien des Lebensressorts: schafterInnen, LA21-ProzessbegleiterInnen,
Tourismusentwicklung, der Binder+Co AG, Wir tragen Verantwortung Newsletter, Befragungen, Wettbewerbe, Aus-
für den l ändlichen Raum zeichnungen, Berichte, Dokumentationen,
Lebensressort In einer Zeit des gesellschaftlichen und de- Magazine).
mografischen Wandels ist die Sicherstellung
Steiermärkische Landesregierung von Lebensqualität im Ländlichen Raum ein Netzwerkveranstaltungen
Lebensressort Steiermark
Landesrat Johann Seitinger zentrales Thema. Schutzmaßnahmen in den zz Österreichischer LA21-Gipfel in der
Büroleitung: Mag. Gerhard Uhlmann Bereichen Wasser und Boden, leistbares Steiermark (2003 und 2012)
Abteilung 10, Land- und F orstwirtschaft Wohnen sowie die Versorgungssicherheit ha- zz Interkommunaler Erfahrungsaustausch
Leitung: Dipl.-Ing. Georg Zöhrer ben in Zukunft oberste Priorität. Abfallwirtschaft (2006, 2007, 2008, 2009,
Abteilung 14, Wasserwirtschaft, Ressourcen 2010, 2011)
und Nachhaltigkeit
Unsere Kommunikation ist zz Regional-TRIGOS-Steiermark als
Leitung: Dipl.-Ing. Johann Wiedner transparent und aufrecht Plattformpartner (2008, 2009, 2010, 2011,
Nachhaltigkeitskoordinator:
Dipl.-Ing. Dr. Wilhelm Himmel Das Lebensressort Steiermark wird sich in Zu- 2012, 2013)
kunft offen und kommunikativ positionieren, zz ÖKOPROFIT als Partner des CPC (Cleaner
Abteilung 15, Energie, Wohnbau, Technik
Leitung: Dr. Gerhard Semmelrock setzt auf eine breit getragene Öffentlich- Production Centers Graz)
Fachabteilung für Energie und Wohnbau keitsbeteiligung, dies schließt den Mut zu zz Energy Globe Styrian Award als Partner
Leitung bis August 2013: Veränderung und Wandel ein. des NÖEST (2008, 2009, 2010, 2011, 2013)
Dr. Siegfried Kristan
zz Großer steirischer Frühjahrsputz (2008,
Agrarbezirksbehörde für Steiermark Wir entwickeln unsere 2009, 2010, 2011, 2012, 2013)
Leitung: Dr. Gernot Zangl Strategien und Ziele zz WIN-KonsulentInnenpoolmeetings
Abteilung 6, Referat land- und forstwirt- Um einen dauerhaften Erfolg bei der Leis- (seit 2004 – mind. einmal jährlich)
schaftliche Betriebe
tungserbringung des Lebensressorts zu er- zz Abfallberaterforum (seit 2002 – mind.
Abteilung 8, Referat Veterinärdirektion/öf- zielen sind die Wirkungen der gesetzten einmal jährlich)
fentliches Veterinärwesen
Maßnahmen an Hand geeigneter Indikato- zz Ressortstrategienmeeting (2012, 2013)
ren in regelmäßigen Abständen zu überprü- zz Jahreskonferenz Netzwerk Land
Thema 1/2012: wissenswert2012
Nachhaltigkeitsbericht|5|
Sicherheit
Sicherheit
In der Steiermark leben zurzeit über 1,2 Millionen Menschen, davon be-
wohnen 950.000 Personen den ländlichen Raum. Auf Grund der demo-
grafischen Entwicklung verzeichnen die Orte außerhalb der zentralen
Orte und des Großraums Graz rückläufige Bevölkerungszahlen. Eine
der größten Herausforderungen der Zukunft ist die Aufrechterhaltung
der Versorgungssicherheit, andererseits muss v erstärkt das Augenmerk
in die Funktionsfähigkeit der Entsorgungsinfrastruktur gelegt werden.
Hinzu kommt, dass die finanziellen Möglichkeiten vieler Gemeinden für
die Sanierung und den Erhalt öffentlicher Netze in den nächsten Jahren keinen
oder nur einen sehr eingeschränkten Spielraum haben werden. Große Sorgen bereiten
auch die mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebrachten extremen Wettereignisse
mit besonders großer Wirkung auf den Bereich der Land- und Forstwirtschaft,
wo in Folge auch noch Schädlinge zusätzliche Probleme verursachen können.
Qualität
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Landwirtschaft sowie funktione rk ist sow r
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Aufgabe, damit nicht wert aßnah-
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volles Erbgut unwiederbring- Zusamm
mit Bewu enhang
lich verloren geht. Aber auch Schutz vor Naturgefahren sstseinsb
begleiten ildung un
den Plan d
die laufende Beobachtung Finanzieru ungs- un
Bewirtschaftung schützt vor ngsinstru d
und Bekämpfung von Schad- zu sehen menten
Naturkatastrophen und . Die Steie
organismen ist zur S icherung fügt über rmark ve
sichert die Kultur- und Er eine dich r-
von gesundem Pflanzmaterial struktur z te Infra-
holungslandschaft. Hoch ur getren
und zur Verhinderung von Sammlun nten
wasserschutz in Zusammen- g verwert
Pflanzenschäden notwendig. fälle, bei barer Ab
hang mit Prognosemodellen der Abfall -
Der Tiergesundheitsdienst lung ist se behand-
und Warnsystemen bleibt hr darauf
(TGD) stellt ein zentrales Ele- dass die d zu achten
weiterhin prioritäres Thema, amit verb ,
ment der Qualitätssicherung Wertschö undene
wobei der Bedarf an Ausbau pfung un
im Bereich der Tierhaltung cennutzu d Ressou
von Schutzanlagen vor allem ng im Lan r-
dar. bleibt. d erhalte
für Siedlungs- und Gewerbe- n
gebiete weiter gegeben ist.|6|
Sicherheit
1. Erhalt von landwirtschaft
lichen Nutzflächen
Auch wenn gefüllte Super-
marktregale den Anschein er-
wecken, dass unbegrenzt Nah-
rungsmittel vorhanden sind, ist
die Versorgungssicherheit ein
wichtiges Zukunftsthema.
Damit die Nahrungsmittelerzeugung weiter-
hin gewährleistet ist, müssen ausreichend
landwirtschaftliche Nutzflächen vorhanden
sein. Der Boden ist auch Rohstofflieferant
und Standort für Siedlung, Erholung, Verkehr
sowie wirtschaftliche und öffentliche Nut-
zung. Dafür wird er häufig versiegelt und ver-
braucht. Ebenso wichtig ist es, dass unsere
landwirtschaftlichen Böden eine gute Nähr-
stoffversorgung und eine geringe Schad-
stoffbelastung aufweisen. Genpoolfläche des Landes mit mehr als 350 alten Apfel- und Birnensorten.
Foto: Dr. Thomas Rühmer
1.1. W
ie stark nehmen die
nig produktive Flächen in Ungunstlagen F lächen verbaut werden. Sollten in Zukunft
Ackerflächen ab?
(etwa im Gebirge) und der Prozess ist rever- aufgrund höherer Energiepreise und knap-
zz Die Ackerflächen sind seit 1999 um sibel, weil Waldflächen auch wieder in land- per Rohstoffe Düngemittel und Pflanzen-
mehr als 5 % zurückgegangen wirtschaftliche Flächen umgewandelt wer- schutzmittel teurer werden oder nicht mehr
zz Hauptursache ist der Bodenverbrauch den könnten. Bei versiegelten Flächen dage- verfügbar sein, fehlen besonders die hoch-
für Bau- und Verkehrsflächen gen ist das kaum möglich. wertigen landwirtschaftlichen Flächen
zz Die Bau- und Verkehrsflächen haben in Bodenverbrauch wird in Zukunft an Brisanz (Ackerflächen), um die Versorgung im Inland
diesem Zeitraum um 10.000 Hektar gewinnen, zumal von den für die Deckung sicherzustellen. Der Grad der Selbstversor-
zugenommen des jährlichen EU-Bedarfs an Lebensmitteln gung in Österreich erreichte 2011 bei Fleisch
zz Die Geschwindigkeit der Boden und Konsumgütern benötigten landwirt- 112 %, bei Getreide 88 %, bei Gemüse 68 %,
versiegelung nimmt jedoch ab schaftlichen Böden rund 120 Mio. Hektar bei Obst 56 %, bei Käse 94 %, bei Eiern 75 %,
außerhalb der EU liegen. Viele importierte bei Konsummilch 155 % und bei Butter 75 %.
Von 1999 bis 2010 haben die Ackerflächen Nahrungsmittel werden z. T. auf wenig er- Im agrarischen Außenhandel übersteigt der
um 5,7 % abgenommen, während die Bau- tragreichen Böden mit negativen Auswirkun- Wert der Importe (9,7 Mrd. Euro) jenen der
und Verkehrsflächen dagegen um rund gen für Mensch und Umwelt produziert, Exporte (8,8 Mrd. Euro).
10.000 Hektar zugenommen haben. Im Zeit- während in der Steiermark hochwertige
raum 2001 bis 2010 gingen in der Steiermark
pro Tag daher durchschnittlich drei Hektar, Flächen der landwirtschaftlichen Betriebe in der Steiermark in Hektar
meist landwirtschaftlicher Boden verloren.
Der Bodenverbrauch hat sich aber einge-
bremst: In den Jahren 2009 und 2010 wurden
durchschnittlich 0,7 Hektar landwirtschaftli- 1999
cher Flächen pro Tag für Bauten und Verkehr 2010
verbraucht.
Die Reduktion der landwirtschaftlichen Flä-
chen hängt aber auch mit der Zunahme des
Waldes zusammen. Allein von 2000 bis 2009
sind lt. Waldinventur 4.000 Hektar landwirt-
schaftliche Flächen zu Wald geworden. Für
die Versorgungssicherheit stellt dies aller-
dings kaum eine Gefahr dar: Im Gegensatz
zur Bodenversiegelung durch Bau und Ver-
kehr betrifft die Waldzunahme meist nur we-
Nachhaltigkeitsbericht 2012|7|
1.2. B leibt die Güte des Bodens es kann zusätzlich beim Zukauf von Mineral-
düngern gespart werden.
erhalten?
zz Die Qualität des landwirtschaftlichen Schadstoffe im Boden
Bodens bleibt erhalten Schwermetalle im Boden sind entweder na-
zz Pflanzenschutzmittel werden immer türlicher (geogener) oder menschlicher (an-
effizienter eingesetzt thropogener) Herkunft. Veränderungen der
zz Die Düngeberatungen erfolgen gezielt Schwermetallbelastungen von Böden gehen
auf Basis von Bodenuntersuchungen. sehr langsam vor sich und werden über eine
zz Eine Herausforderung ist der bessere Bodendauerbeobachtung (mind. 20 Jahre)
Einsatz von Wirtschaftsdüngern verfolgt. Abschließende Ergebnisse der
zz Die Schadstoffgehalte des Bodens Bodenzustandsinventur Steiermark sind ab
Bei jedem Standort der Bodenzustands
stellen keine Gefahr dar 2027 zu erwarten. Während die Obersteier-
inventur wurde auch ein Bodenprofil
mark geogen sowie industriebedingt eine
gegraben. Foto: Dr. Krainer
Die Steiermark war das erste Bundesland, das höhere Belastung durch Schwermetalle in
Mitte der Achtzigerjahre mit einer Bodenzu- Böden verzeichnet, weisen die Böden in den
standsinventur auf gesetzlicher Basis starte- Kaliumgehalt aufgrund des hohen Vieh übrigen Teilen der Steiermark eine niedrige-
te. Innerhalb von 20 Jahren wurden 1.000 bestands zur Überversorgung. Eine wesent- re Belastung auf. Wichtig ist, dass die eben-
Untersuchungsstandorte in unserem Bun- liche Maßnahme des Lebensressorts zur falls untersuchten Pflanzenproben bisher
desland eingerichtet und die Böden auf eine Behebung von Versorgungsmängeln und zur keine überhöhten Schwermetallbelastungen
breite Palette von Nähr- und Schadstoffen Verhinderung von Überdüngung sind ergeben haben.
untersucht. Zur Bodendauerbeobachtung Bodenuntersuchungen. Mit deren Ergebnis- Polycyclische aromatische Kohlenwasser-
werden die Untersuchungen an diesen sen wird von der Landwirtschaftskammer stoffe (PAKs) entstehen bei diversen Verbren-
Standorten in 10-Jahres-Abständen wieder- (LK) die Düngeberatung durchgeführt. Die nungsvorgängen und werden als universel-
holt. Anzahl der Bodenuntersuchungen hat in den ler Umweltbelastungsindikator angesehen.
vergangenen drei Jahren in der Steiermark Von den 1.000 Standorten wiesen nur 54
Effizienter Einsatz von Dünge- deutlich zugenommen. eine stärkere Belastung auf.
und Pflanzenschutzmitteln Darüber hinaus gibt es Initiativen, um den Chlorierte Kohlenwasserstoffe (HCB, Lindan,
Land- und forstwirtschaftliche Betriebe be- Landwirten den Wert der wirtschaftseigenen DDT) stammen aus ehemaligen Pflanzen-
nötigen für die Herstellung ihrer Produkte Dünger aus der Nutztierhaltung und die Be- schutzmittelanwendungen und wurden nur
Betriebsmittel wie Düngemittel und Pflan- deutung ausreichender Lagerräume zu ver- sporadisch und kleinräumig auftretend fest-
zenschutzmittel. Der Einsatz von Pflanzen- mitteln. Sind ausreichend Lagerräume vor- gestellt.
schutzmitteln unterliegt strengen gesetz handen, können die Wirtschaftsdünger zeit- Wegen der vernachlässigbaren Pflanzen
lichen Regelungen, die unter anderem der lich und mengenmäßig noch besser auf den verfügbarkeit beider Stoffgruppen besteht
Verminderung der Risiken für die menschli- Pflanzenbedarf abgestimmt aufgebracht aber keine Gefahr des Eintrags in die Nah-
che Gesundheit sowie für die Umwelt dienen werden. Das kommt der Umwelt zugute und rungskette.
und eine entsprechende Aus- und Fortbil-
dung der Verwender verlangen. Der inte
Anzahl der jährlichen Bodenproben
grierte Pflanzenschutz sowie alternative Me-
thoden und Verfahren sollen die nachhaltige
Verwendung sichern.
Beim Pflanzenschutz ergeben sich durch-
wegs positive Trends: Die in Verkehr gebrach-
te Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffmenge hat
sich in Österreich im Zeitraum 2007 bis 2011
um zwei Prozent verringert. Dagegen haben
sich neue Methoden – wie etwa der Einsatz
von Nützlingen – weiter durchgesetzt. 2007
wurden 18.279 Hektar mit Nützlingen ge-
schützt, 2011 waren es bereits 21.700 Hektar.
Im gleichen Zeitraum hat sich der Verkauf Anzahl der Bodenproben davon in Aktion der LK
mineralischer Düngemittel in der Steiermark
von 29,7 Tausend Tonnen auf 32,6 Tausend
Tonnen erhöht1. Maßnahmen 2012 2013
Nährstoffgehalte unserer Böden Steiermärkische Bodenzustandsinventur ✔ ✔
Während der Phosphorgehalt in steirischen
Bodenuntersuchung für die sachgerechte Düngung ✔ ✔
Böden geologisch bedingt eher niedrig ist,
tendieren etwa ein Drittel der Böden beim Düngeberatung durch die Landwirtschaftskammer ✔ ✔
Bewusstseinsbildung für ausreichende Lagerkapazität und ✔ ✔
für den optimalen Einsatz wirtschaftseigener Dünger
1 Angaben in Reinnährstoffen.|8|
Sicherheit
2. Vielfalt und Gesundheit bei
Pflanzen und Tieren
Pflanzen stehen am Beginn der Die Produktion gesunder Pflanzen ist die Vo- 2.1. Bleibt die Vielfalt der Pflanzen
raussetzung für die Herstellung qualitativ
Nahrungskette und stellen die
hochwertiger Lebensmittel. Für eine nach-
und Tiere in der Land- und Forst-
Basis für die Ernährung von haltige heimische Tierhaltung ist ein hervor- wirtschaft erhalten?
Mensch und Tier dar. Sie dienen ragender Tiergesundheitsstatus als Grund-
auch diätetischen und pharma- voraussetzung für den wirtschaftlichen Er- zz Obst- und Weinsorten sowie Spezial
folg der Tierhaltungsbetriebe, für die Produk- kulturen werden in Genbanken des
zeutischen Zwecken, liefern
tion sicherer und qualitativ hochwertiger Lebensressorts bewahrt
Grund- und Wertstoffe und Nahrungsmittel tierischer Herkunft sowie für zz Das Lebensressort prüft Neuzüchtun-
erfüllen in der Umwelt weitere das Wohlbefinden der gehaltenen Tiere un- gen bei Obst, Wein und Gemüse auf
Aufgaben wie Landschafts abdingbar. Der Wald bietet Lebensraum für ihre Anbaueignung unter den steiri-
gestaltung, Schutz vor Boden- zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Zur Erfül- schen Klima- und Bodenbedingungen
lung der im Forstgesetz beschriebenen Ziele zz Die Basisversorgung mit hochwertigen
erosion, Filterung von Schad- muss der Wald in einem guten Zustand er- Forstpflanzen heimischer Herkunft wird
stoffen oder Kohlenstoff halten bleiben. gewährleistet
speicherung. Pflanzengeneti- zz Über Förderungen werden landwirt-
sche Ressourcen sind zu schaftliche Betriebe motiviert, seltene
Kulturpflanzen und gefährdete Nutz-
erhalten, damit sie für Nutzung,
tierrassen zu erhalten
Forschung und Züchtung wei-
terhin zur V
erfügung stehen.
Pflanzen- und Nutztiervielfalt in der steirischen Landwirtschaft
Bewahrung der Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen 2002 2007 2013
erhaltene Apfelsorten 271 260 249
erhaltene Birnensorten 62 77 77
erhaltene Spezialkulturarten und -sorten 386
Obstsorten in Prüfung (Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschke, Pfirsich) 948 897 934
Gemüsesorten in Prüfung (Paradeiser, Paprika, Salat) 161* 110
zugelassene Haidegger Rebstöcke 0 9 24
Bewahrung der Vielfalt in landwirtschaftlichen Betrieben
2002 2007 2011
(gefördert im ÖPUL-Agrar-Umweltprogrammes)
Fläche mit seltenen Kulturpflanzen (in Hektar) 421 367
Betriebe mit seltenen Nutztierrassen 373 497
* 2006
Nachhaltigkeitsbericht 2012|9|
Genetische Vielfalt in der Maßnahmen 2007 2010 2012
Landwirtschaft
Zahl der Monitoring-Maßnahmen 11 12 13
Das Lebensressort bewahrt die genetische
Zahl der pflanzengesundheitlich registrierten
Vielfalt für die steirische Landwirtschaft der 276 307 320
Betriebe
Steiermark auf verschiedene Arten. Eine da-
von ist die Führung von Genbanken in den
Versuchsstationen Haidegg und Wies, wo die
Pflanzen auf Vermehrungsflächen ausge-
pflanzt sind. Samen werden auch in Gefrier- 2.2. Sind unsere Nutztiere und maßnahmen zur Ausrottung oder Eindäm-
lagern aufbewahrt. So sichert das Lebensres- mung der Schadorganismen an. Die Zahl der
Kulturpflanzen gesund?
sort eine Vielzahl von Apfel-, Birnen- und zu überwachenden Schadorganismen nahm
Spezialkultursorten für die Zukunft. Es wer- zz Maßnahmen zur Überwachung und Be- in den vergangenen Jahren leicht zu.
den aber auch Neuzüchtungen, die auf dem kämpfung von Schadorganismen bei Ergänzend zur ohnehin bestehenden Melde-
europäischen Markt in Umlauf kommen, auf Pflanzen nehmen leicht zu verpflichtung beim Auftreten von Quarantä-
eigenen Flächen des Lebensressorts getes- zz Die Zahl der pflanzengesundheitlich re- neschadorganismen werden das Auftreten
tet. Dabei wird geprüft, ob sie für das Klima gistrierten Betriebe nimmt zu und die Ausbreitung dieser und anderer
und die Böden der Steiermark geeignet sind. zz Tierseuchen bleiben konstant, die Zahl Schadorganismen mit Maßnahmen wie
Die Ergebnisse dieser Tests sind eine wichti- lebensmittelbedingter Krankheiten Schädlingsfallen, Untersuchungen, Proben-
ge Entscheidungshilfe für die Landwirtschaft schwankt jährlich nahmen und Laboranalysen vom Lebensres-
bei der Sortenwahl. Darüber hinaus ist das zz Der Anteil der vom Tiergesundheits- sort überwacht. Es werden örtliche Kontrol-
Lebensressort selbst in der Züchtung neuer dienst betreuten Betriebe bleibt kons- len durchgeführt und bei Bedarf Bekämp-
Typen von Rebsorten aktiv: Vor mehr als 30 tant fungsmaßnahmen angeordnet. Betriebe, die
Jahren wurde in der Versuchsstation für zz Gemeldete Humanerkrankungen durch Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse in Verkehr
Obst- und Weinbau Haidegg damit begon- Erreger überwachungspflichtiger Zoo- bringen, müssen überdies registriert und in
nen, alte typische Rebstöcke der wichtigsten nosen nehmen ab weiterer Folge überwacht werden. Die Zahl
steirischen Rebsorten zu sammeln und zu er- der registrierten Betriebe hat in der Steier-
halten, um dem Weinbau in der Steiermark mark von 276 Betrieben im Jahr 2007 auf 320
nach Auslesezüchtung Pflanzmaterial zur Pflanzengesundheit Betriebe 2012 zugenommen.
Verfügung stellen zu können. Mittlerweile Ziel der pflanzengesundheitlichen Maßnah-
dürfen bereits 24 Haidegger Typen von Reb- men ist die Verhinderung von Schäden an
sorten, die für die Steiermark bestens geeig- Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen durch Tiergesundheit
net sind, für die Auspflanzung verwendet Quarantäneschadorganismen. Aktuelle Bei- Die Freiheit von anzeigepflichtigen Tierseu-
werden. Neben den Versuchsstationen des spiele sind der Feuerbrand bei Kernobst und chen und deren rasche Bekämpfung im Fal-
Lebensressorts können alle landwirtschaft- bestimmten Zierpflanzen, der Maiswurzel- le eines Auftretens sind von entscheidender
lichen Betriebe in der Steiermark mithelfen, bohrer und die Goldgelbe Vergilbung der Bedeutung. Die Anzahl von Tierseuchenaus-
die genetische Vielfalt zu bewahren. Im Rah- Rebe. Das Lebensressort überwacht das Auf- brüchen hängt allerdings von verschiedenen
men des Agrar-Umweltprogramms ÖPUL treten solcher Schadorganismen (Monito- Faktoren ab. Neben der Effektivität veterinär-
wird der Anbau seltener Kulturpflanzen in ring) und ordnet, wenn nötig, Bekämpfungs- behördlicher Überwachungs- und Bekämp-
der Landwirtschaft ebenso gefördert wie die fungsmaßnahmen sowie der durchgeführ-
Haltung gefährdeter Tierrassen. Im Jahr 2011 ten Biosicherheitsmaßnahmen der Betriebe
wurden in der Steiermark der Anbau seltener spielen bei bestimmten Tierseuchen auch
Kulturpflanzen auf 367 Hektar gefördert und nicht steuerbare Faktoren eine große Rolle.
497 Betriebe bei der Haltung gefährdeter So ist die Verbreitung bestimmter, als Über-
Tierrassen unterstützt. träger von Tierseuchen fungierender Insek-
ten sehr von der Witterung abhängig. Zur Mi-
Genetische Vielfalt im Forst nimierung von Tierseuchenausbrüchen tra-
In der Forstwirtschaft ist es wesentlich, dass gen jedenfalls auch strenge Kontrollen bei
nur geeignete Baumsorten zum Einsatz kom- aus Drittländern oder EU-Mitgliedstaaten
men. Die Prüfungsperioden gehen hier über eingeführten Tieren bei. Um den Fortschritt
Jahrzehnte. Mitunter treten ein bestimmtes von Bekämpfungsmaßnahmen zu überwa-
Krankheitsbild oder ein schlechter Wuchs chen und die Einschleppung von Tierseu-
erst nach längerer Zeit auf. Bei den Her- chen rasch zu erkennen, werden zahlreiche
kunfts- oder Wuchsgebieten sind Höhenstu- Monitoringprogramme durchgeführt. Die Er-
fen und ökologische, regionale Verhältnisse gebnisse der letzten Jahre bestätigen den
entscheidend. Entsprechende Kontrollen bei hohen Tiergesundheitsstatus steirischer Be-
forstwirtschaftlichen Betrieben werden vom triebe. So konnten weder Fälle von BSE („Rin-
Lebensressort durchgeführt. Darüber hinaus derwahnsinn“) beim Rind noch Ausbrüche
gewährleisten die vier steirischen Landes- von Schweinepest oder Aujezky´scher Krank-
forstgärten, dass eine Basisversorgung mit heit beim Schwein festgestellt werden. Er-
hochwertigen Forstpflanzen sämtlicher hei- Mehr als 70 Jahre alter Welschriesling- freulich ist auch, dass alle Schaf- und Ziegen-
mischer Herkünfte gewährleistet ist. Rebstock. Foto: Ing. Wolfgang Renner betriebe als frei von Brucella melitensis| 10 |
Sicherheit
Zerlegung und Verarbeitung der von ihnen
Maßnahmen 2008 2011 2012
stammenden Produkte. Die Kontrolle der
Gesundheitsmonitoring Rind - 1.963 2.808 Einhaltung dieser Maßnahmen zählt zu den
Aufgaben der Veterinärbehörden. Die Anzahl
Tiergesundheit und Management beim Schwein 618 1.618 1.576
der Kontrollen hat in den letzten Jahren
Eutergesundheit 56 485 500 deutlich zugenommen. Der Fokus wurde da-
bei verstärkt auf Hygienebedingungen bei
Fruchtbarkeit und Zuchtmaßnahmen beim Rind 113 398 400
der Geflügelhaltung gelegt.
PRRS-Screening in Herdebuchbetrieben beim - 24 25 Die jährliche Anzahl von Humanerkrankun-
Schwein gen durch Erreger von überwachungspflich-
tigen Zoonosen (d.s. Krankheiten und Infek-
Anzahl der TeilnehmerInnen an TGD-Programmen tionen, die auf natürlichem Weg zwischen
Tieren und Menschen übertragen werden)
war in den vergangenen Jahren rückläufig.
(„Maltafieber“) gelten und dass der Anteil an spezifische Fortbildungsveranstaltungen
amtlich anerkannt BVD-virusfreien Rinder- und überprüft die Einhaltung der Weiterbil-
betrieben von 35,5 % im Jahr 2006 auf 98,0 % dungsverpflichtungen seiner Mitglieder.
im Jahr 2012 angestiegen ist.
Der Tiergesundheitsdienst (TGD) stellt ein Im Bereich der Schlachttier- und Fleischun-
zentrales Element der Qualitätssicherung im tersuchung befindet sich derzeit gerade ein
Bereich der Tierhaltung dar. Auch wenn der Rückmeldesystem für erhobene Organbe-
Anteil der TGD-Mitgliedsbetriebe an allen funde im Aufbau. Die Information über fest-
Betrieben mit Nutztieren in den letzten Jah- gestellte Organveränderungen ermöglicht
ren konstant blieb, ist der Anteil an Tieren, den Landwirten und Tierärzten gezielte Maß-
die in TGD-Betrieben gehalten werden, deut- nahmen zur Gesundheitsvorsorge und Hal-
lich angestiegen. So stehen derzeit 55 % der tungsoptimierung einzuleiten.
Rinder und 89 % der Schweine in TGD-Betrie- Ein nachhaltiges Ziel des Veterinärwesens ist
ben. Zugenommen hat auch die Anzahl der die Prävention bzw. Minimierung von durch
Betriebe, die an spezifischen TGD-Program- Tiere bzw. Lebensmittel tierischer Herkunft
men teilnehmen. Von großer Bedeutung für bedingten Humanerkrankungen. Dies wird
die Tiergesundheit ist die laufende Weiter- erreicht durch entsprechende Hygienemaß-
bildung der Landwirte und der Betreuung- nahmen bei der Haltung, dem Transport und
stierärzte. Daher organisiert der TGD fach- der Schlachtung von Nutztieren sowie bei
Entwicklungen bei der Tiergesundheit in der Steiermark 2.3. Wie gesund ist der Wald?
2010 2011 2012 zz Die Schadstoffbelastung des Waldes ist
gering
Tierseuchenausbrüche 195 198 210
zz Wildschäden stellen eine große Heraus-
Lebensmittelbedingte 7 14 5 forderung dar
Krankheitsausbrüche zz Immer mehr Mischwald: Der Wald stellt
sich auf den Klimawandel ein
Gemeldete Humanerkrankungen durch
Auf das komplexe Ökosystem Wald wirken
Erreger überwachungspflichtiger Zoonosen 1055 960 820
viele verschiedene Einflüsse: Luftschadstoffe,
Bodenversauerung, Wild oder Klimawandel
Maßnahmen 2012 2013 mit verstärktem Auftreten von Unwetter,
Dürre und Schadinsekten. Sie vermindern
Beobachtung und Anordnen von Bekämpfungsmaßnahmen ✔ ✔ die Fähigkeiten des Waldes, die für den Men-
zur Pflanzengesundheit schen wichtigen Leistungen zu erbringen.
Einführung eines Steuerungssystems zur Sicherstellung der ✔ ✔
Einfuhrkontrollen bei Lebendtieren Schadstoffbelastung des Waldes
Organisation einer Fortbildungsreihe zum Thema ✔ ✔ Um Belastungen der Wälder festzustellen,
„Bestandsbetreuung“ für TGD-Tierärzte weist die Steiermark das dichteste Überwa-
chungsnetz in Österreich auf. Von der Lan-
Umsetzung risikobasierter Tierseuchenüberwachungs ✔ ✔
desforstdirketion Steiermark werden dazu
programme
Schadstoffe wie Schwefel, Nährstoffe wie
Evaluierung der mikrobiologischen Eigenkontrolle bei ge- ✔ Stickstoff sowie Schwermetalle in den Na-
werblichen Schlachtbetrieben und bei Direktvermarktern deln im Rahmen des Bioindikatornetzes un-
tersucht. Zu berücksichtigen ist, dass die Be-
Aufbau eines Rückmeldesystems für Organbefunde bei der ✔ ✔
lastung von Jahr zu Jahr aufgrund der Witte-
Schlachttier- und Fleischuntersuchung
rung schwankt.
Nachhaltigkeitsbericht 2012| 11 |
Im Allgemeinen ist die Schadstoffbelastung Klimaresilienz des Waldes aufgebaute Mischwälder können diese ne-
in weiten Teilen der Steiermark gering. Aus- Auf Grund der Klimaveränderungen hin zu gativen Auswirkungen am besten ausglei-
nahmen bilden vereinzelte Hot Spots in den höheren Temperaturen, einer größeren Häu- chen. Ziel ist es, den Anteil an Mischwäldern
Industrieräumen wie in der Mur-Mürz-Furche figkeit von Starkregenereignissen und Stür- weiter zu forcieren, um Schädlingen wie Bor-
und im Großraum Graz. Werden Unterneh- men ist auch eine höhere Anfälligkeit einför- kenkäfern vorzubeugen. Dies ist in den ver-
men auf die Einhaltung von Emissionswerten mig aufgebauter Wälder verbunden. Stufig gangenen Jahren gelungen.
geprüft, so wird auf das Monitoring zur
Schadstoffbelastung des Waldes zurückge-
griffen. So können Auflagen erteilt werden. Maßnahmen 2012 2013
Das Funktionieren dieses Umweltinspekti-
Jubiläum: 30 Jahre Bioindikatorennetz ✔
onsprogramms ist ein wesentlicher Grund
für die guten Bedingungen in der Steiermark. Laufende Teilnahme an betrieblichen Umweltinspektionen ✔ ✔
Teilnahme an „Mariazeller Erklärung“ zur Eindämmung von ✔ ✔
Wildschäden Wildschäden
Das Land Steiermark führt seit vielen Jahren Bewusstseinsbildung zu Wildschäden über „Woche des ✔ ✔
Untersuchungen über den Einfluss des Wil- Waldes“ und laufende Artikel
des auf den Wald durch. Waren bis vor weni-
gen Jahren diese genauen Erhebungen nur Jagdrechtliche Verfahren ✔ ✔
auf Schadensschwerpunktgebiete begrenzt, Anpassung der Förderung: keine Unterstützung für ✔
so hat nunmehr ein umfangreiches Wildscha- Borkenkäferbekämpfung und -prävention bei nicht stand-
densmonitoring eingesetzt. ortgerechten Wäldern
Der Anteil der Flächen mit starkem Wildein-
fluss liegt in der Steiermark bei 67 Prozent, Förderung von Mischwald- und Laubwaldbegründungen ✔ ✔
das heißt, dass hier ein großer Handlungs- Erarbeitung von Kriterien für neue Förderperiode ✔
bedarf gegeben ist. Ziel ist es, dass nicht
mehr als 25 Prozent der Flächen einen star-
Wildschäden im Wald nach Belastungskategorien (Anteil der Punkte in %)
ken Wildschaden aufweisen. In der Mariazel-
ler Erklärung im Rahmen des Forst- und
Jagddialogs werden neue Lösungsansätze
definiert. Ebenso werden bewusstseinsbil-
dende Maßnahmen wie etwa die „Woche des 2004–06
Waldes“ gesetzt. Bei eklatanten Schäden 2007–09
können jagdrechtliche Verfahren eingeleitet 2010–12
werden.
Anteil aller Mischwälder an der
Gesamtwaldfläche (in %) Schadstoffbelastung des Waldes nach Belastungskategorien (Anteil der Punkte in %)
2010
2011
2012| 12 |
Sicherheit
3. Lebensmittelqualität
Lebensmittelqualität ist schwer
zu beschreiben und dennoch
definieren wir das Lebensmittel
über deren Eigenschaften. Per
Definition wird die Qualität
eines Lebensmittels durch die
Gesamtheit seiner wertbestim-
menden Eigenschaften
bestimmt. Unterschieden
werden Kategorien der Lebens-
mittelqualität wie Produktions-
qualität, Prozessqualität und
verbraucherorientierte Qualität.
Die weiß-grüne Mark ist untrennbar mit Le-
bensmittel, Regionalität, Kulturlandschaft
und Nachhaltigkeit verbunden. In keinem
anderen Bundesland gibt es so eine große
agrarische Vielfalt auf so engem Raum. Die
Regionen schaffen mit ihrer kulinarischen
Auswahl eine unverwechselbare Marke.
Die 16 Genussregionen Ausseerland Seesaib-
ling, Hochschwab Wild, Oststeirischer Apfel,
Murtaler Steirerkäs, Pöllauer Hirschbirne,
Steirisches Kürbiskernöl g.g.A., Steirischer
Vulkanland Schinken, Steirischer Teichland-
Karpfen, Südsteirische Käferbohne, Weizer
Berglamm, Gesäuse Wild, Grazer Krauthäup-
tel, Steirischer Kren g.g.A. und Weststeiri-
sches Turopoljeschwein, Ennstaler Steirerkas
und Ennstal Lamm machen die regionalen
landwirtschaftlichen Spezialitäten sichtbar.
Initiative „Steirisch essen“
Die Steiermark verfügt über ein reichhaltiges
Angebot an eigenen landwirtschaftlichen
Produkten mit geringen Transportwegen.
Drei ausgewählte Familien aus der Steier-
mark haben sich 2011 verpflichtet, für ein
halbes Jahr lang ausschließlich steirische
Produkte zu konsumieren, dadurch hat sich
für diese Familien der Wert der Lebensmittel
und der respektvolle Umgang mit Nahrungs-
mitteln (weniger Müll, mehr Bio) wesentlich
erhöht. Im Buch „Steirisch essen“ wurden die
Ergebnisse der Initiative veröffentlicht und
die steirische Produktauswahl dokumentiert.
Beispielsweise gibt es in unserem Bundes-
land eine Vielzahl an Vermarktungsplattfor-
men, wie Kulinarium Steiermark, Slow Food
Styria, Bio Ernte Steiermark und die Marke
Gutes vom Bauernhof. Auf der anderen Seite
werden der sichere Umgang mit Lebens
Nachhaltigkeitsbericht 2012| 13 |
mitteln, praktische Anleitungen zur Ver tet ist, muss ein Beobachtungsgebiet verord-
arbeitung sowie die Vielfalt der Produkt- net werden. Wenn an mehr als der Hälfte der
kennzeichnung und G ütesiegel dargestellt. Messstellen Schwellenwertüberschreitun-
gen ermittelt werden, muss ein voraussicht-
Steirisches Kürbiskernöl – liches Maßnahmengebiet ausgewiesen wer-
Herkunftsschutz den. Die überwiegende Mehrheit der 57
Kein anderes Lebensmittel ist von seiner Ent- Grundwasserkörper der Steiermark war in
stehung und Entwicklung so untrennbar mit den vergangenen Jahren unbelastet. Ledig-
der Steiermark verbunden wie das Steirische lich die Grundwasserkörper „Grazer Feld“,
Kürbiskernöl. Diese Regionalität gilt es zu er- „Leibnitzer Feld“ und „Unteres Murtal“ muss-
halten und diese typische Spezialität zu be- ten in den letzten Jahren immer wieder als
schützen. Über 2000 heimische Kürbiskern- Beobachtungs- oder voraussichtliches Maß-
produzenten und etwa 30 Ölmühlen haben nahmengebiete ausgewiesen werden. Im
sich 1998 im Erzeugerring „Steirisches Kür- letzten Beobachtungszeitraum - 2011/12 -
biskernöl g.g.A.“ zusammengeschlossen und erreichten jedoch alle Grundwasserkörper
dieser ist mittlerweile auf über 2400 Mitglie- meidung von Lebensmittelabfällen zu ent- einen guten Zustand. Es kann allerdings
der angewachsen. Mit der Umsetzung des wickeln und umzusetzen. Die Aktionsplatt- nicht ausgeschlossen werden, dass das Jahr
Herkunftsschutzes durch die Gemeinschaft form übernimmt dabei folgende Aufgaben: 2013 auf Grund der lang andauernden Tro-
ist die Herkunft des Steirischen Kürbiskernöls zz Vernetzung der Akteure ckenheit kritischer verlaufen kann. Eine sol-
vom Feld über die Erntemenge bis zum Pres- zz Informations-, Ideen- und Erfahrungs- che Witterung vermindert das Pflanzen-
sen in den Ölmühlen und der Vermarktung austausch wachstum, Nährstoffe werden von den Pflan-
vollständig nachvollziehbar. Damit zählt das zz Mediale Begleitung und Präsentation zen daher weniger aufgenommen und sie
„Steirische Kürbiskernöl g.g.A.,“ zu den am von guten Beispielen könnten in Folge ins Grundwasser gelangen.
besten kontrollierten, elitärsten und exklu- zz Koordination und Abstimmung Prinzipiell gibt es drei Grundwasserkörper in
sivsten Spezialitäten Europas. regionaler Aktionen und Initiativen der Steiermark, die ein erhöhtes Risiko für
www.lebensmittel.steiermark.at Grenzwertüberschreitungen aufweisen: Das
Direktvermarktung in der Steiermark Grazer Feld, das Leibnitzer Feld und das Un-
Zur Sicherung einer flächendeckenden Ver- Trinkwasser ist ein lebensnotwendiges und tere Murtal. Um die Situation langfristig zu
sorgung mit regionalen Lebensmitteln arbei- in seiner Bedeutung meist unterschätztes Le- entschärfen, beschreitet das Lebensressort
tet die Steiermark seit Jahren federführend bensmittel. Im folgenden Abschnitt werden einen neuen Weg: Gab es bisher nur ver-
in Österreich an der Professionalisierung der Maßnahmen zur Sicherung der Grundwas- gleichsweise kleine Wasserschongebiete mit
bäuerlichen Direktvermarktung. Über 50 % serqualität erläutert. sehr strengen Auflagen, wird nun im kriti-
der österreichischen „Gutes vom Bauernhof“- schen Gebiet ein großflächiges Regionalpro-
Betriebe finden sich in der Steiermark. Mehr gramm initiiert, das dafür weniger strikte Be-
als 500 Betriebe nehmen jährlich an Produkt-
3.1. W
ie gut ist der Zustand des wirtschaftungseinschränkungen aufweist.
prämierungen teil. 2009 wurden ableitend Grundwassers?
vom Direktvermarkterstrategieplan 2020 der zz Im vergangenen Jahr erfüllten alle
LKÖ die Entwicklungsziele für die Steiermark Grundwasserkörper die notwendigen
festgelegt: Bis 2020 sollen 1800 steirische Anforderungen für einen guten Zustand
„Gutes vom Bauernhof“-Betriebe 5000 Ar- zz Für die potenziell kritischen Grundwas-
beitsplätze in der Landwirtschaft sichern – serkörper „Grazer Feld“, „Leibnitzer Feld“
überwiegend in Vollerwerbsbetrieben (70 % und „Unteres Murtal“ wird ein Regional-
Vollerwerbsquote). programm zur Vorsorge entwickelt
Ideen und Projekte zur Vermeidung Grundwasser ist unterirdisches Wasser, das
von Lebensmitteln im Abfall Hohlräume im Gestein ausfüllt und das am
Ein bewusster und sorgsamer Umgang mit Wasserkreislauf teilnimmt. In der Regel ist
Lebensmitteln spart Geld und hilft uns, den Grundwasser frei von Schadstoffen und Kei-
persönlichen ökologischen Fußabdruck zu men und deshalb zur Nutzung als Trinkwas-
senken. Der Fleischkonsum ist energieauf- ser geeignet. Die Reinheit des Grundwassers
wendig, macht Futtermittelimporte notwen- ist daher von zentraler Bedeutung und wird
dig und erfordert bei nicht tiergerechter vom Lebensressort laufend überwacht.
Massentierhaltung einen hohen Einsatz von Besteht ein Risiko, dass der chemisch gute
Medikamenten. Saisonale, steirische Lebens- Zustand des Grundwassers nicht gewährleis-
mittel haben kürzere Transportwege, sind
daher frischer, meist auch weniger aufwen-
Maßnahmen 2012 2013
dig verpackt und daher zu bevorzugen.
Die „Aktionsplattform – Lebensmittel im Ab- Laufende Untersuchung der Grundwassergüte ✔ ✔
fall“ wurde 2012 von Landesrat Johann Sei-
Entwicklung von Regionalprogrammen zum Schutz von ✔
tinger offiziell ins Leben gerufen. Ziel ist es,
Grundwasserkörpern mit Grenzwertüberschreitungen in der
gemeinsam mit steirischen PartnerInnen
Vergangenheit
konkrete Aktionen und Initiativen zur Ver-| 14 |
Sicherheit
4. Schutz vor Naturgefahren
4.1. W
ie sicher sind wir vor Hochwas-
ser und Hangrutschungen?
zz Hochwasserschäden steigen – Haupt-
gründe dafür sind rascherer Abfluss
durch Veränderungen in der Bodennut-
zung sowie der steigende Anteil an
versiegelten Flächen
zz Derzeit knapp 400 km² Überflutungs-
raum ausgewiesen für 30-jährliches
Hochwasser – Raum für Flüsse soll
größer werden
zz Hochwasser-Warnsysteme für die Flüsse
Mur, Enns und Raab vorhanden.
Warnsystem für kleine Einzugsgebiete
im Aufbau
zz Hochwasserschutz-Ausgaben sind
durch Großereignisse verstärkt worden.
Finanzierungsmöglichkeiten von Seiten Oberwölz und 2012 in der Obersteiermark, Ein weiterer Grund für höhere Schäden ist,
der Gemeinden mitunter s chwierig im Palten/Liesingtal, insbesondere Gemein- dass in Ballungsräumen Gebäude werthalti-
de Trieben, und im Bereich Obdachersattel, ger sind. Beispielsweise werden Kellerräume
Entwicklung von Schäden insbesondere in den Gemeinden Obdach/ intensiver genutzt und im Falle eines Hoch-
durch Hochwasser Amering auf. wassers werden somit Arbeits- oder Wohn-
Die Katastrophen der letzten Jahre in der Die Schäden durch Hochwasser lassen sich räume zerstört.
Steiermark stellten nicht nur alle Einsatzor- an den Ausgaben des Landes für Sofortmaß-
ganisationen vor große Herausforderungen. nahmen nachvollziehen. In den vergange- Vermeidung von Schäden
Das Land Steiermark mit der Fachabteilung nen drei Jahren beliefen sich die Ausgaben durch Hochwasser und Hang
Katastrophenschutz beziffert die monetäre auf 5,2 Mio. € (2010), 1,7 Mio. € (2011) und rutschung
Bilanz im Jahr 2012 mit 84,8 Millionen Euro. 2,7 Mio. € (2012). Der Schutzwasserbau hat mit der Besiede-
Kleinräumige Starkregenereignisse führten Im langjährigen Schnitt steigen die Schäden lung der Flusstäler, die seit jeher bedeutende
vom 14. bis 16. August 2010 vor allem im Be- durch Hochwasser. Ein Grund ist, dass die zu- Verkehrswege und damit Entwicklungsach-
reich des Voraubaches und der oberen Laf- nehmenden Bodenversiegelungen, bedingt sen waren, seinen Anfang genommen. Der
nitz zu extremen Hochwasserereignissen mit durch Straßen- und Wegebau bzw. verstärk- Infrastrukturvorteil der Flusstäler hat in den
zahlreichen kleinräumigen Überflutungen. te Siedlungstätigkeit, und Bewirtschaftungs- letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass der
Große Katastrophen mit hohen Sach- und änderungen in der Land- und Forstwirtschaft Druck auf die Talräume infolge des Bevölke-
Personenschäden in jüngerer Zeit traten im zum häufigeren Auftreten von exzessiven rungswachstums und der Zunahme von Mo-
Sommer 2011 in der Steiermark im Raum Hochwässern führen können. bilität und Wohlstand stark angewachsen ist.
Ohne aktiven Schutz vor Hochwässern wäre
Hochwasserereignisse und Muren in Wildbächen 1994–2012 in der Steiermark die Entwicklung in den Tal-
landschaften in der heutigen Form nicht
denkbar. Es gibt jedoch keinen absoluten
Schutz, ein Restrisiko bleibt stets vorhanden.
Passiver Hochwasserschutz: Raum für
die Flüsse durch Überflutungsflächen
Wichtig ist, dass den Flüssen wieder ver-
mehrt Raum zur Verfügung gestellt wird. Da-
durch können sie sich im Falle eines Hoch-
wassers ausbreiten, ohne dass zu große
Schäden für die Menschen entstehen. Die in
der Steiermark auf Basis von aktuellen Ab-
flussuntersuchungen ausgewiesenen Flä-
chen für ein 100-jährliches Hochwasser be-
tragen derzeit rund 504 km². Mit der Weiter-
führung der Abflussuntersuchungen soll die
Ausweisung von Hochwasserabflussgebie-
ten fortgeführt werden. Abflussuntersu-
chungen ermöglichen eine angepasste
Nachhaltigkeitsbericht 2012Sie können auch lesen