SINNVOLLES GESUCHT UND GEFUNDEN - Freiwillige im Einsatz bei Velafrica WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL - Sinnovativ

 
SINNVOLLES GESUCHT UND GEFUNDEN - Freiwillige im Einsatz bei Velafrica WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL - Sinnovativ
Zeitung für Mutanfälle
                                                   Stiftung Sinnovativ
                                                         Herbst 2017

                                                            o   ffen
                                                      Jetzt

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                                                         Lade ant
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                                                         Resta

SINNVOLLES GESUCHT UND GEFUNDEN
Freiwillige im Einsatz bei Velafrica

WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL
Am Tisch mit Menschen aus der Wege Weierbühl
SINNVOLLES GESUCHT UND GEFUNDEN - Freiwillige im Einsatz bei Velafrica WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL - Sinnovativ
INHALT
GLÜCKSMOMENTE
                                                3   Hereinspaziert
                                                    Dreigänger – das neue Gastro- und Ladenprojekt
Liebe Leserinnen und Leser

Die Wege Weierbühl lädt einmal im Jahr
Bewohnerinnen und Bewohner, Angehöri-           4   Ein Projekt kommt in die Gänge
                                                    Baustelle Dreigänger – wie alles begann
ge und die Nachbarschaft zum Pizza-Essen
ein. Im Aufenthaltsraum stehen die Zutaten
bereit – ein farbenfrohes Buffet, das Wasser
läuft einem im Mund zusammen. Jeder             5   Sonne in der Tasche
                                                    Neue Produkte aus altem Material
Gast stellt sich die Pizza nach seinem Gusto
selbst zusammen und bringt sie zum Holz-
ofen im Garten. Dies ist jeweils ein schöner
Abend. Diesmal bin ich nicht nur zufrieden      7   Fünf Jahre kreativ kommunizieren
                                                    Soziales PR-Büro feiert Jubiläum
nach Hause gegangen, sondern glücklich.
Zwei Frauen gehen im Garten der Wege
etwas unsicher aufeinander zu, schauen sich
an und fallen sich unter Tränen in die Arme.    8   Tanzen, Essen und j-aah! sagen
                                                    Förderverein der Stiftung Sinnovativ sucht Mitglieder
Mutter und Tochter hatten seit Jahren kei-
nen Kontakt mehr und sehen sich hier nach
langer Zeit zum ersten Mal wieder. Auch für
die Umstehenden ein bewegender Moment.          9   Wünsche, Glück und Redbull
                                                    Am Tisch mit Menschen aus der Wege Weierbühl
Am Tisch komme ich mit einem Mann ins
Gespräch. Er ist Betreibungsbeamter. Viele
unserer Wege-Klienten sind regelmässig auch
seine «Kunden». Sie erhalten jeweils ein       10   Sinnvolles gesucht und gefunden
                                                    Freiwillige im Einsatz bei Velafrica
Aufgebot, sich am Tag x zur Zeit y auf dem
Betreibungsamt in Ostermundigen einzufin-
den. Wenn sie nicht erscheinen – was öfters
vorkommt – werden sie von der Polizei abge-    11   Mehr Ausbildungsplätze in Afrika
                                                    Paolo Richter auf Projektbesuch in Tansania
holt. Für meinen Gesprächspartner ein un-
nötiger Aufwand, der nur zu verhärteten
Fronten führe. Er geht einen eigenen Weg
und kommt nun jeweils früh morgens in die      12   Kurz und Quer
                                                    Neuigkeiten aus dem Drahtesel
Wege, wenn die Bewohnerinnen und Bewoh-
ner noch im Haus und manchmal im Bett
sind. Er werde immer freundlich begrüsst
und es heisse, er sei «schwer in Ordnung».     13   Kerala Liebefeld einfach
                                                    Crowdcontainer vor dem Drahtesel entladen
Ich wünsche auch Ihnen hin und wieder
Glücksmomente!

                                               14   Kleinstadt bewirkt Grosses
                                                    Münsingen und Velafrica – eine weitreichende Zusammenarbeit

Thomas Vatter
Stiftungsrat                                   15   Geschickt im Kleinen wie im Grossen
                                                    Begegnung in der Metallwerkstatt
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Dreigänger – das neue Gastro- und Ladenprojekt

HEREINSPAZIERT
Der Dreigänger, das jüngste soziale Projekt des Drahtesels, ist eröffnet: Restaurant,
Laden und Lokal für Anlässe. Kommen Sie vorbei, lassen Sie sich überraschen und
beleben Sie den Ort.

Text und Foto: Sabine Zaugg

In der Küche scheppert es, auf dem        nehmerinnen und Teilnehmer aus
Herd köchelt die Gemüsesuppe für das      Programmen für Erwerbslose sind in
Mittagsbuffet und der Lernende richtet
Salat in Weckgläsern schön an. Weiter
                                          Kontakt mit der Kundschaft. Wir freuen
                                          uns auf Ihren Besuch. Hereinspaziert!
                                                                                   MIETEN SIE DAS
hinten im grosszügigen Raum näht eine                                              LOKAL
Teilnehmerin eine Einkaufstasche auf
der Nähmaschine. Wer will, kann einen                                              Suchen Sie ein Lokal mit speziellem
Blick ins Atelier erhaschen, wo Eigen-                                             Charme für Ihr Geburtstagsfest, das
produkte entstehen. Daneben eine                                                   Büro-Weihnachtsessen oder einen
schöne Auswahl an auserlesenem                                                     Ort für eine Lesung oder ein Konzert?
Kunsthandwerk. Eine Kundin gibt ei-       Öffnungszeiten                           Den Dreigänger können Sie auch
nen Sack mit aussortierten Winterklei-    Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr         mieten. Nehmen Sie Kontakt mit uns
dern im Secondhand-Shop ab. An den        (erweiterte Öffnungszeiten geplant)      auf. Auf Wunsch bieten wir auch
Holztischen wird Kaffee und Tee ge-                                                Führungen und erzählen Spannendes
trunken und geplaudert. Was wie eine      17. November 2017:                       zu unserem sozialen Betrieb. 
Wimmelbuch-Szene anmutet, ist der         3 × 3 im Dreigänger.
Dreigänger. Ein buntes Treiben, ein le-   Mehr dazu auf Seite 16.                  Telefon 031 979 70 70
bendiger, gemütlicher Ort zum Verwei-
len. Lernende, Mitarbeitende und Teil-    www.dreigänger.ch

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Baustelle Dreigänger – wie alles begann

EIN PROJEKT KOMMT
IN DIE GÄNGE
Wände raus, neue rein, gipsen, malen, schweissen, einbau-
en, verkabeln, anschliessen, montieren . . . Herzlichen Dank
an alle, die mitgewirkt haben: Handwerker, Architekten,
Zivis, Teilnehmende und Mitarbeitende.

Fotos: Fred Werren, Orlando Willi, Sabine Zaugg

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SINNVOLLES GESUCHT UND GEFUNDEN - Freiwillige im Einsatz bei Velafrica WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL - Sinnovativ
Neue Produkte aus altem Material

SONNE IN DER TASCHE
Zur Eröffnung des Dreigängers sind neue Produkte entstanden. Aus alten Büchern, aus-
rangierten Hemden und Tapetenresten wurde Neues mit dem Charme des Alten kreiert.
Ein Blick in die Upcycling-Werkstatt.

Text: Sabine Zaugg Fotos: Fred Werren, Sabine Zaugg

Hüllen für Allerlei                                                                     Kerzenschein aus der Nabe

Wer im früheren Pico-Bollo-Laden                                                        Die Metallwerkstatt hat ausrangierte
eine Karte gekauft hat, weiss: Dazu                                                     Vorderräder aus der Velowerkstatt
gibt es eine schmucke Hülle aus alten                                                   zerlegt, gereinigt und verarbeitet. Aus
Tapetenmustern, die beispielsweise als                                                  der Vorderradnabe sind wunderschö-
Kuvert verwendet werden kann. Die-                                                      ne Kerzenständer entstanden. Ad-
se waren stets heiss begehrt. Darum                                                     vent, Advent, ein Lichtlein brennt.
hat das Team die Nähmaschinen rat-
tern lassen und eine ganze Serie von
neuen Hüllen produziert. Sie können
nun im Fünferset erstanden werden.

                                                NÄHFREUDE
                                                Elma ist eine der Teilnehmerinnen,
                                                die bei der Herstellung der neuen
                                                Eigenprodukte im Atelier mitgear-
                                                beitet hat. «Ich habe mehrere Ein-
                                                kaufstaschen genäht und es hat mir
                                                richtig Spass gemacht. Ich habe
                                                noch nie vorher auf einer Nähma-
                                                schine gearbeitet. Ich bin froh, dass
Notizen im Leinengewand                         ich etwas Neues gelernt habe. Ich
                                                mag Herausforderungen», sagt die
Früher, als es im Sortiment noch ge-            gebürtige Philipina. 
brauchte Spielwaren gab, wurden oft
auch Bücher abgegeben. Alte Lei-
neneinbände in allen Farben mit de-
korativen Prägungen. Zu schön um
wegzuwerfen. Jetzt sind daraus Notiz-        «Ich habe noch nie vorher auf einer Nähmaschine gearbeitet.
bücher entstanden, die bei Bedarf                            Ich mag Herausforderungen.» Elma, Teilnehmerin
nachgefüllt werden können. 

                                             Sonne in der Tasche

                                             Manchmal braucht es Glück und ein
                                             gutes Auge. Das Rohmaterial der neu-
                                             en Einkaufstaschen wurde in einer
                                             Brocki entdeckt. Aus den gestreiften
                                             und unifarbenen Sonnenstoren-Stof-
                                             fen sind Taschen mit Innenfach und
                                             schönen Lederhenkeln entstanden,
                                             die durch ihre schlichte Form beste-
                                             chen.

                                                                 5
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Inserate

                                                                        Stefan Geissbühler

                                       Unabhängige Vorsorgeberatung
                                                                        Holzikofenweg 22, Postfach 6058
                                                                        3001 Bern
                                                                        Telefon 031 378 10 25
                                                                        unabhaengig@vorsorgen.ch
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SINNVOLLES GESUCHT UND GEFUNDEN - Freiwillige im Einsatz bei Velafrica WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL - Sinnovativ
Soziales PR-Büro feiert Jubiläum

FÜNF JAHRE KREATIV
KOMMUNIZIEREN
Im Sommer 2012 schickte die Stiftung Sinnovativ die Idee eines sozialen PR-Büros mit
Integrations-Arbeitsplätzen an den Start. Fünf Jahre später kümmert sich das Kommbüro
nicht nur erfolgreich um PR und Fundraising der Stiftung, sondern hat auch viele Men-
schen zurück in den Arbeitsmarkt geführt.

Text und Foto: Orlando Willi

Ein Tisch, ein Stuhl, eine Occasions-­
Kaffeemaschine und eine PR-Be­raterin
im 60-Prozent-Pensum in einem an-
sonsten fast leeren Büro. Und eine
aus­ sergewöhnliche und innovative
Idee. So startete vor fünf Jahren unter
dem Namen Kommunikationsbüro ein
neues Unternehmen der Stiftung Sin-
novativ. Die Idee stammte von Stif-
tungsratsmitglied und PR-Berater Karl
Johannes Rechsteiner. Jahrelang hat-
ten sich einzelne Mitglieder des Stif-
tungsrates um die Öffentlichkeitsarbeit
und das Fundraising der Stiftung ge-
kümmert.
Nun sollte das Kommunikationsbüro
unter der Leitung von Sabine Zaugg
diese Aufgaben übernehmen. Und
gleichzeitig Integrationsarbeit betrei-
ben. Von Beginn an konnten qua­
lifizierte Stellensuchende oder junge
Menschen nach der Ausbildung mit
­einem Praxiseinsatz Arbeitserfahrung
 sammeln.

Berufliche Erfolgsgeschichten                Die aktuelle Praxisteilnehmerin Sutharshana Ravikkumar bei der Arbeit.

Zwei Praktikantinnen und ein Prakti-
kant, 23 Teilnehmende, 19 Ausgaben           stellung. So zum Beispiel der allererste           Als PR-Büro etabliert
gump! und Nord-Süd (heute Velafrica –        Teilnehmer, Ramon Tompos, der nach
Zeitung für Mobilität mit Perspekti-         seinem Einsatz bei einer KMU ­Assistent            Neben der Ausführung interner Aufträ-
ven), ein komplettes Rebranding der          des CEO wurde. «Mit dem Einsatz im                 ge hat sich das Kommbüro in der Regi-
Stiftung und ihrer Unternehmen, ein          Kommbüro samt seinem sozialen Um-                  on Bern auch als PR-Agentur für kleine
Umzug und ein durchgebrannter Ser-           feld habe ich beim Bewerbungsge-                   und mittelgrosse Aufträge etabliert. Für
ver später ist es Zeit für eine Zwischen-    spräch damals sicher gepunktet.»                   28 Kundinnen und Kunden sind in den
bilanz. Eingespart wurde beim Namen,         Oder Anna Diec. Die studierte Betriebs-            vergangenen fünf Jahren Websites,
erweitert beim Personal. Seit Novem-         wirtschaftlerin träumte schon lange                Jahresberichte, Flyer, Karten, Logos,
ber 2014 heisst es nur noch Komm-            von einer Stelle beim Schweizerischen              Tischsets und vieles mehr entstanden.
büro, aus einer 60-Prozent-Stelle ist        Roten Kreuz (SRK). Mit den Referen-                Dass sich dabei dauerhafte Kundenbe-
seit Februar 2015 ein Duo mit 100 Stel-      zen ihrer Arbeiten im Kommbüro                     ziehungen aufgebaut haben, bestätigt
lenprozent geworden. Geblieben ist           ergatterte sie sich kurz nach ihrem                den Erfolg der aus­   sergewöhnlichen
«das Karussell, das sich dreht», wie         Praxis­einsatz die Stelle Manager                  Agentur. Die Kaffeemaschine hat übri-
Unternehmensleiterin Sabine Zaugg es         Marketing und PR beim SRK. «Im
                                             ­                                                  gens Ende Sommer pünktlich zum Ju-
bereits beim Start beschrieben hatte.        Kommbüro konnte ich meine Lücken                   biläum ihren Dienst quittiert. Möge
Teilnehmende kommen und gehen. Im            schliessen und meine redaktionellen
                                             ­                                                  auch ihre Nachfolgerin viel kreativen
Erfolgsfall finden sie direkt eine Festan-   Fähigkeiten schärfen.»                             Schub verpassen.

                                                                   7
SINNVOLLES GESUCHT UND GEFUNDEN - Freiwillige im Einsatz bei Velafrica WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL - Sinnovativ
Förderverein der Stiftung Sinnovativ sucht Mitglieder

TANZEN, ESSEN UND                                                                                                     Barendjans Blickwinkel

J-AAH! SAGEN                                                                                                          SCHNEE BIS IN DIE
Eine Stiftung hat keine Mitglieder. Darum gibt es bei                                                                 NIEDERUNGEN
Sinnovativ den Förderverein j-aah!. Dieser unterstützt                                                                In dieser Kolumne habe ich schon
die Unternehmen der Stiftung dort, wo gerade                                                                          mehrmals über Erlebnisse und Themen
kein Budget besteht. Zudem lädt j-aah! halbjährlich                                                                   in Zusammenhang mit meinem nieder-
                                                                                                                      ländischen Hintergrund berichtet. Nun
zu speziellen Events ein.                                                                                             habe ich eine Frage:

Text: Orlando Willi Fotos: Diana Ulrich                                                                               Sie haben sicher auch schon festgestellt,
                                                                                                                      dass die Wettervorhersagen im Ausland
                                                                                                                      anders sind – nicht nur klimatisch be-
Der Name klingt etwas speziell: j-aah!                                                                                dingt. So werden zum Beispiel bei den
Er imitiert das Rufen des Esels und                                                                                   Wettervorhersagen in den Niederlan-
stammt aus der Entstehungszeit als                                                                                    den die Wasserspiegel der Seen und
Förderverein des Drahtesels. 2015 hat                                                                                 Flüsse durchgegeben. Diese Angaben
der Verein seine Förderung auf alle                                                                                   sind wichtig für die Schifffahrt. In an-
Unternehmen und Projekte von Draht-                                                                                   deren Ländern werden neben den
esel, Velafrica, Dreigänger, Wege Wei-                                                                                effektiven auch die Windchill-Tempe-
erbühl und Kommbüro ausgedehnt.               Benefiz-Dinner mit westafrikanischem Buffet                             raturen genannt. Diese «gefühlten»
                                              GENIESSEN FÜR VELAFRICA                                                 Temperaturen sind unter Umständen
Für einen guten Zweck                         26. OKTOBER 2017, 18.30 UHR                                             wichtig.
                                              im Restaurant Dreigänger, Bern-Liebefeld

Die Mitglieder sollen nicht nur för-          mit Paolo Richter, Gründer Velafrica
                                              und Diana Ulrich, Fotografin                  Förderverein Sinnovativ
                                                                                                                      In der Schweiz hört man in der Winter-
dern helfen. Ihnen soll auch etwas                                                                                    zeit hingegen diese interessante Wetter-
Spezielles geboten werden: Mit Kon-                                                                                   vorhersage: «Es fällt Schnee bis in die
zerten, Benefizessen, Filmabenden                                                                                     Niederungen». Ich frage mich seither:
oder Führungen durch Betriebe lädt                                                                                    Wo sind diese Niederungen? Ich habe
j-aah! regelmässig zu spannenden                                                                                      noch nie gehört, dass jemand in die
Events ein. Im Frühling wurden mit                                                                                    Niederungen spazieren geht. Oder je-
einem Konzert im alten Drahtesel-                                                                                     manden in die Niederungen besuchen
Bistro 2721 Franken für das neue                                                                                      geht, geschweige denn, dass jemand in
Gastro-Projekt Dreigänger gesammelt                                                                                   den Niederungen wohnt.
(siehe Seite 3 bis 5). Und am 26. Ok-      Einladung zum Benefiz-Dinner zugunsten von
tober lädt j-aah! zu einem Bene-           Velafrica mit afrikanischem Buffet.                                        Die Berge, die Täler, das Flachland, die
fiz-Dinner zugunsten von Velafrica,                                                                                   Seen, die Voralpen – die kenne ich und
an dem Gründer Paolo Richter von           mit, dass auch in Zukunft kreative und                                     weiss, wo sie sind. Aber die Niede-
seiner Afrikareise erzählt. Mit dem        innovative Projekte möglich werden.                                        rungen? Dort hat es scheinbar keine
jährlichen Mitgliederbeitrag helfen Sie    Herzlichen Dank!                                                           Wolken, keinen Nebel, keinen Regen
                                                                                                                      und keine Sonne. Aber Schnee schon –
                                                                                                                      also Achtung!

                                                                                                                      Nun habe ich nachgedacht und frage
   MITGLIED WERDEN                                                                                                    mich: Haben diese Niederungen wohl
                                                                                                                      etwas mit den Niederlanden zu tun?
   Senden Sie eine Mail an
   j-aah@sinnovativ.ch oder rufen                                                                                     Barendjan van Harskamp,
   Sie uns an unter 031 971 84 48.                                                                                    Unternehmensleiter Wege Weierbühl
                                                                 Förderverein Sinnovativ
   Einzelmitglied              Fr. 50.–
   Nichtverdienende            Fr. 20.–
   Firma/Institution           Fr. 200.–   j-aah! Pro Sinnovativ
                                           Waldeggstr. 27 | 3097 Liebefeld
   IBAN CH06 0900 0000 3073 6791 5         www.sinnovativ.ch/j-aah

                                                                             8
SINNVOLLES GESUCHT UND GEFUNDEN - Freiwillige im Einsatz bei Velafrica WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL - Sinnovativ
Am Tisch mit Menschen aus der Wege Weierbühl

WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL
Ende Sommer traf sich der gump! mit einer Bewohnerin und zwei Bewohnern aus
der Wege Weierbühl zum Gespräch: Saskia, Franco und Beat. Spannend sind sie, ihre
Meinungen, Wünsche und Lebensweisheiten.

Text und Foto: Sabine Zaugg

Als Einstieg eine lockere Frage, eine      spräch im ersten Arbeitsmarkt. Wenn                  es sich um eine Institution handle. Es
Eisbrecherfrage. «Was würdest du als       ich den Job bekomme, ist die Aus-                    werde einem viel Selbständigkeit ge-
Königin oder König von Bern als Ers-       gangslage viel besser.»                              nommen, finden alle am Tisch. Der
tes durchsetzen?» Ein Fest für alle,                                                            Tag hätte mehr Struktur, wenn man
sagt die junge Frau. «Die Integrations-    Selbständigkeit wird genommen                        selber einkaufen und kochen würde.
zulage wieder erhöhen von 100 auf                                                               Und die Runde am Abend, ob alle da
300 Franken, wie früher», meint Fran-      «Was gefällt euch in der Wege?» Uni-                 sind, ist auch mühsam, muss aber sein.
co. IZU, wie es auch genannt wird, ist     sono: das Team. Es hilft jederzeit, ist              Am meisten stören die rücksichtslosen
ein heisses Thema. Sofort geht eine        tolerant und menschlich. «Ich musste                 Mitbewohner. «Wenn ich am Morgen
hitzige Debatte los. Alle kennen je-       mal ins Spital. Jemand vom Team kam                  im Gang in eine Urinpfütze trete,
manden, der weniger arbeitet und           mich besuchen und brachte eine Zeit-                 löscht es mir ab.» Auch mühsam: lau-
trotzdem mehr behalten darf, oder          schrift mit. Das ist nicht selbstver-                te Musik und dass gestohlen wird.
nicht arbeite und trotzdem etwas be-       ständlich.» Gelobt wird auch das Bil-                «Was dir lieb ist, musst du abschlies­
kommt. Mehr Durchsichtigkeit, wie          dungsangebot und dass es hier nicht                  sen, sogar eine Dose Redbull.»
das Geld verteilt wird und wem wann        so strenge Regeln gibt wie in anderen                Schlussfrage: Was ist Glück? «Der
wieviel zusteht – das möchten alle         Institutionen. In der Wege kann man                  Kontakt zu den Kindern und meiner
wissen. Aber zurück zur Frage: «Die        sich am Abend in der Küche bedienen,                 Mutter und dass ich im Moment kein
Schere zwischen Armen und Reichen          wenn man Hunger hat und muss nicht                   Problem mit Alk habe.» «Glück hat
verkleinern», das würde Beat.              zu einer bestimmten Zeit essen. Man                  viel mit Dankbarkeit und Liebe zu tun.
                                           darf sogar backen, wenn man Lust hat.                Wir alle haben Glück und müssen es
«Wir alle haben Glück und                  Natürlich gibt es auch Sachen, die stö-              nur greifen und etwas damit machen.»
                                           ren. Das habe aber weniger mit der                   «Hier zu sein, so viel Flexibilität und
müssen es nur greifen und                  Wege zu tun, als vielmehr mit den                    Verständnis zu bekommen.» Das
etwas damit machen.»                       Mitbewohnern oder der Tatsache, dass                 Glück bleibt individuell, zum Glück.
Bewohner der Wege Weierbühl

Wunsch nach eigenen vier Wänden

Nach dem anregenden Start wird es
individueller.«Was fehlt euch persön-
lich?» «Nichts», sagt Beat. «Drogen-
technisch sowieso nicht. Wir haben
Glück, dass wir in der Schweiz sind.
Wer eine Krise hat, bekommt Hilfe,
und zwar sofort. Das habe ich selber
erlebt.» Alle nicken. Aber ein Thema
gibt es doch: die eigene Wohnung.
Schwierig, wenn man Schulden hat
oder gar einen Eintrag im Strafregister.
«Die Wege ist ein Übergang für mich.
Ich suche schon seit ewig langer Zeit
eine eigene Wohnung. Die Chancen
sind gering. Dabei ist betreutes und
begleitetes Wohnen so teuer», sagt
Franco. Das Thema beschäftigt auch
Saskia. «Ich hatte zwar noch nie Miet-
schulden. Es ist trotzdem extrem
schwierig. Aber ich bin guter Dinge.       Beat (links) fühlt sich wohl in der Wege und will im Moment nicht weg, Franco sucht schon lange eine
Morgen habe ich ein Vorstellungsge-        eigene Wohnung.

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SINNVOLLES GESUCHT UND GEFUNDEN - Freiwillige im Einsatz bei Velafrica WÜNSCHE, GLÜCK UND REDBULL - Sinnovativ
Freiwillige im Einsatz bei Velafrica

SINNVOLLES GESUCHT
UND GEFUNDEN
Velafrica kann auf einen Pool von freiwilligen Helferinnen und Helfern zählen.
Sie unterstützen Velosammlungen, bereiten zusammen mit Asylsuchenden in der
Werkstatt Velos auf und führen sie in die deutsche Sprache ein. Oder sie stellen
ihr Fach­wissen zur Verfügung.

                Jürg Blatti                                 Jürg Kollbrunner                               Selina Wälti

«Als Pensionierter hatte ich plötzlich viel     «Nach meiner Pensionierung suchte ich        «Als Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache
Zeit, die ich sinnvoll, lustvoll und auf neue   eine Herausforderung, die nicht nur für      und Velo-Fan ist mir das Inserat auf der
Art nutzen wollte. Mir schwebte etwas           mich, sondern auch für andere Sinn macht.    Website benevol.ch ins Auge gestochen, wo
Handfestes vor. Früher habe ich Blut ent-       Ich bin kein Hirsch in Small-Talk, mag       Velafrica Freiwillige sucht für Deutsch­
nommen und Verbände angelegt. Hier zen-         nicht die immer gleichen Fragen stellen:     unterricht oder Aufgabenhilfe für Asyl­
triere ich Räder, stelle Bremsen und Gang-      Woher kommst Du? Wie lange bist Du           suchende. Ich unterstütze Velafrica konzep­
schaltungen ein. Kürzlich habe ich mit          schon in der Schweiz? Lieber mache ich       tionell. Wir überlegen uns, wie man den
einer jungen Iranerin, die alleine in die       ­einen kleinen Witz oder kommentiere eine    Spracherwerb der Asylsuchenden in der
Schweiz geflüchtet ist, zu Mittag gegessen.      Beobachtung. So ergeben sich oft unerwar-   Werkstatt noch besser fördern kann. Um zu
In einem Gemisch aus Deutsch und ein             tete Gesprächsmomente, die mir neue As-     sehen, wie die Abläufe hier sind und wo
paar Brocken Englisch haben wir uns un-          pekte fremder Kulturen zeigen.»            man mit der Sprachförderung noch anset-
terhalten. Am Schluss hat sie gesagt: ‹Dan-                                                  zen könnte, helfe ich einen halben Tag pro
ke für das Gespräch.› Das hat mich be-                                                       Woche bei den Reparaturen mit. Mir ge-
rührt.»                                                                                     fällt, dass ich neben meinem kopflastigen
                                                                                             Beruf mit den Händen arbeiten kann.» 
                                                   FREIWILLIGE
                                                   GESUCHT
                                                   Schenken Sie uns Ihre Zeit und hel-
                                                   fen Sie mit, dass in Afrika schneller
                                                   mehr Velos in Fahrt kommen. Ihr
                                                   Einsatz kann von einem halben Tag
                                                   bis zu einer Woche oder regelmäs­
                                                   sig über längere Zeit dauern. Helfen
                Josef Vogel                        Sie mit bei einem Sammelanlass
                                                   oder unterstützen Sie uns in der
«Beim 14-täglichen Container-Verlad von            Werkstatt im Liebefeld. Vorkennt-                      Werner Meyer
rund 500 Velos reihe ich mich mit den Asyl-        nisse sind keine nötig. Wichtig ist
suchenden in der Arbeitskette ein. Dabei           vor allem Ihr Engagement!                «Ich habe eine Freiwilligenarbeit gesucht,
versuche ich immer wieder bewusst, ein-            Nehmen Sie mit uns Kontakt auf:           die nichts mit dem Bildschirm zu tun hat.
fache Gegebenheiten zu kommentieren, da-           Telefon 031 979 70 50                     Die Zusammenarbeit mit guten Leuten
mit ihnen die Sprache vertrauter wird: Oh,         matthias.maurer@velafrica.ch             und das Handwerkliche gefallen mir gut
das ist ein ganz schönes Velo, das ist ein                                                   hier. Ich bin sehr gerne dabei und hoffent-
blaues Velo, usw.»                                                                          lich noch lange.»

                                                                    10
Paolo Richter auf Projektbesuch in Tansania

MEHR AUSBILDUNGSPLÄTZE
IN AFRIKA
Vor gut 20 Jahren hat Paolo Richter die Idee Velafrica entwickelt. Das Projekt ist den
Kin­der­schuhen entwachsen. Immer mehr ausgemusterte Velos werden in der Schweiz von
Er­werbslosen instand gestellt und nach Afrika exportiert. Dort werden neuerdings auch
Velo- und Ausbildungszentren aufgebaut. Der Gründer erzählt von seinem Besuch in Tansania.

Interview: Sabine Zaugg Foto: Diana Ulrich

                                                                                                  und ermöglichen, dass lange Wege
                                                                                                  schneller und günstig zurückgelegt
                                                                                                  werden können. Die Velozentren
                                                                                                  können nun viel mehr Velos in Um-
                                                                                                  lauf bringen und diese auch reparie-
                                                                                                  ren. Und: Mit dem Berufsbildungsan-
                                                                                                  gebot schaffen wir Perspektiven. Denn
                                                                                                  ohne Ausbildung ist die Chance ge-
                                                                                                  ring, eine bezahlte Arbeit zu bekom-
                                                                                                  men, mit der eine Familie ernährt
                                                                                                  werden kann.

                                                                                                  Gab es eine besondere Begegnung?
                                                                                                  Davon gab es unzählige. Speziell be-
                                                                                                  rührt hat mich die Aussage der 23-jäh-
                                                                                                  rigen Victoria, die mir gesagt hat, dank
                                                                                                  Velafrica könne sie eine Lehre absol-
                                                                                                  vieren und später einmal selber für
                                                                                                  ­ihren Lebensunterhalt aufkommen. Es
                                                                                                   gibt viel zu wenige Ausbildungsmög-
                                                                                                   lichkeiten. Darum wollen wir noch
                                                                                                   mehr investieren.
Paolo Richter, Gründer und Leiter von Velafrica, auf Trainingstour mit dem Veloclub von Arusha.
Dabei auch Victoria (links), die eine Velomechanik-­Lehre absolviert.                             Was hat sich am meisten verändert seit
                                                                                                  dem Start 1993?
                                                                                                  Mobilität war auch in Afrika schon
gump!: Paolo, was hat dich dazu                     nen eine Ausbildung in Velomechanik           immer wichtig. Heute erstreckt sich
bewogen, nach Ostafrika zu reisen?                  absolvieren. Auf diese Weise stossen          die Nachfrage unserer Partner auf ei-
Paolo Richter: Diesen Frühling wurde                wir einen selbständigen Velomarkt vor         nen grösseren Bereich von Velotypen.
ich ans afrikanische World Economic                 Ort an. Das «Arusha Bicycle Center»,          Gefragt ist die ganze Bandbreite: vom
Forum in Durban, Südafrika, eingela-                mein Reiseziel, wurde 2015 mit Un-            einfachen Stadtvelo über das Renn-
den. Ich nahm dies zum Anlass, wie-                 terstützung von Velafrica eröffnet.           velo bis zum Mountainbike. Das The-
der einmal einen Partner in Afrika zu               Bisher haben zehn Jugendliche ein
                                                    ­                                             ma Nachhaltigkeit gewinnt ebenfalls
besuchen. Das «Arusha Bicycle Cen-                  Velomechanik-Programm abgeschlos-             an Bedeutung. In Afrika hat man heu-
ter» in Tansania war für mich von spe-              sen. Aktuell absolvieren zwei Frauen          te die historisch einmalige Chance,
ziellem Interesse, da ich mir hier gut              und zwei Männer eine zweijährige              nicht die gleichen Fehler zu machen
ein Bild von der jüngsten Entwicklung               Lehre. Einige der Absolventen haben           wie die Industrieländer, welche mit
von Velafrica machen konnte, dem                    heute ein eigenes Velogeschäft.               den schweren Folgen der übermässi-
Aufbau von Velozentren.                                                                           gen Automobilität zu kämpfen haben.
                                                    Du bist auf Tuchfühlung gegangen,             Auch die Kommunikation ist heute
Was genau sind Velozentren?                         hast mit Werkstattleitern, Lernenden,         einfacher als früher. Mobiltelefone
Diese Zentren gehen einen Schritt                   Velofans und Leuten auf der Strasse           sind weit verbreitet, WhatsApp und
weiter als unsere früheren Projekte.                gesprochen. Was hast du gesehen und           Skype sehr beliebt. Das vereinfacht
Hier werden nicht nur Spendenvelos                  gehört?                                       nicht nur unsere Kommunikation mit
aus der Schweiz verkauft und repa-                  Ich bin beeindruckt, was Velos dort           den Partnern. Auch die Vermarktung
riert, sondern junge Menschen kön-                  bewirken. Sie erleichtern den Alltag          der Velos läuft über diese Kanäle. 

                                                                          11
Neuigkeiten aus dem Drahtesel

    KURZ UND QUER
                                                                           Mitarbeitende und Lernende Metall-         Idee gefällt uns, da wollen wir mitma-
                                                                           tröge bepflanzt: Gurken, Tomaten, Au-      chen», sagt Björn Fischer, Fachleiter
                                                                           berginen, Peperoni und viele Kräuter.      Mechanik beim Drahtesel. Doch: Es
                                                                           Das alles geschah unter fachkundiger       sei anzunehmen, dass die heutigen
                                                                           Leitung von Gabriel Köppel, der sich       Veloläden in Bern die Nachfrage nach
                                                                           zum Umweltingenieur ausbilden lässt.       neuen Bremsklötzen, Justierungen
                                                                           Wir danken ihm herzlich für die tolle      von Gangschaltungen und Pneuwech-
                                                                           Begleitung, die viele Früchte trägt.       seln nicht genügend würden abdecken
                                                                           Danke auch der Zürcher Hochschule          können. «Einfache Reparaturen kön-
                                                                           für angewandte Wissenschaften (ZAHW),      nen gut selber gemacht werden» sagt
                                                                           Hauenstein-Rafz, Lubera und Ricoter,       der Veloexperte. Dieses Wissen will
                                                                           die uns günstig oder gar gratis Pflan-     der Drahtesel fördern und bietet ab
                                                                           zen und Erde zur Verfügung gestellt        Herbst 2017 zusammen mit Pro Velo
                                                                           haben.                                     Bern Kurse an. Sie finden jeweils mitt-
                                                                                                                      wochs zwischen 18.30 und 21.00 Uhr
    Eigene Gurken und Tomaten                                              Sein Velo selber flicken                   unter fachkundiger Anleitung in der
                                                                                                                      Drahtvelo-Werkstatt in Liebefeld statt.
    Künftig will der Dreigänger seine Spei-                                Künftig soll sich in der Stadt Bern jede   Die Teilnehmenden bringen ihr eige-
    sen mit eigenen Kräutern würzen und                                    fünfte Person mit dem Velo fortbe-         nes Velo mit.
    die Salatschale mit eigenen Ringelblu-                                 wegen. Das ist das Ziel der Berner
    men dekorieren. Wer gärtnern will,                                     «Velo-Offensive». Wenn das gelingt,
    muss Erfahrungen sammeln. In einer                                     werden so viele Velos auf den Strassen     Details und Anmeldung unter:
    Anpflanzaktion Anfang Mai haben                                        von Bern fahren, wie noch nie. «Diese      www.drahtesel.ch/veloladen

Inserate

     Wir suchen per 8. Januar 2018 für unser neues Gastro-Projekt
     Dreigänger einen

     Zivildienstleistenden
     im Bereich Gastronomie / Küche
     Deine Hauptaufgabe ist die fachliche Anleitung von Stellen-
     suchenden und Lernenden bei der Essensausgabe, Kassenbe-
     dienung und Reinigungsarbeiten.
                                                                                                      Nur innovativ
     Bevorzugt werden Bewerber, welche einen langen Einsatz
     (mindestens 180 Tage) leisten möchten.                                                             ist nachhaltig
     Kontakt: gianfranco.martina@drahtesel.ch
              T 031 979 70 70

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Crowdcontainer vor dem Drahtesel entladen

KERALA LIEBEFELD EINFACH
Crowdcontainer – das ist die Idee, Lebensmittel direkt vom Feld in die Schweiz zu
bringen. Sind über die Crowdfunding-Plattform genügend Bestellungen eingegangen,
wird ein voller Container in die Schweiz geschickt. Kundinnen und Kunden holen ihre
bestellten Pakete selber ab. Kürzlich auf dem Areal des Drahtesels.

Text und Foto: Orlando Willi

Normalerweise treffen auf dem Draht­      Ziel ist, ein Netzwerk des transparen-    den. Oikocredit, ein Partner der Stif-
esel-Gelände leere Schiffscontainer       ten Handels aufzubauen. Wer sein          tung Sinnovativ, beteiligte sich an der
ein und verlassen es gefüllt mit Velos.   ­Paket an jenem Abend nicht abholen       Bestellung von Container Nummer 1
Am 20. September 2017 jedoch wurde         konnte, kann dies im Dreigänger          und spendete Velafrica zehn Päckli.
ein Container mit Paketen aus dem in-      nachholen. Hier ist das aktuelle Ber-    Diese wurden an Slow Races von
dischen Kerala abgestellt, gefüllt mit     ner Lager von Crowdcontainer. Mit        Velafrica als Preise vergeben und er-
Paketen voller duftender Gewürze, ro-      dem nächsten Container können Le-        freuten viele Gewinnerinnen und Ge-
tem Reis, Cashewnüssen, Kaffee und         ckereien aus Sizilien bestellt werden:   winner. Die Genossenschaft Oikocre-
Kokosöl. Gegen 80 Käuferinnen und          feine Passata, Olivenöl, Kichererbsen,   dit vergibt in über 70 Entwicklungs-
Käufer kamen und holten ihr Päckli         Linsen, Mandeln und vieles mehr.         und Schwellenländern Darlehen und
ab. Das Ausladen des Containers im         «Wir sind sehr an einer weiteren Zu-     Kapitalbeteiligungen. Dabei werden
Liebefeld wurde zur Ankunftssause.         sammenarbeit mit dem Drahtesel und       ökologische, soziale und ethische Kri-
Neben Live-Musik vom Jammeror-             Velafrica interessiert», sagt Maren      terien besonders gewichtet. Herzlichen
chester gab es im Dreigänger ein le-       Kern von Crowdcontainer.                 Dank an Oikocredit für die Spende.
ckeres Curry. Natürlich gekocht mit                                                 
frisch gelieferten Zutaten aus Kerala.    Oikocredit spendet Päckli                 Bestellen Sie jetzt Ihr Paket mit
Crowdcontaier ist ein innovatives Pro-                                              einzigartigen Zutaten aus Sizilien.
jekt, das von einer kleinen Crew und      Schon vom ersten Container hatten
vielen Freiwilligen getragen wird. Das    Pakete den Weg ins Liebefeld gefun-       www.crowdcontainer.ch

                                                            13
Münsingen und Velafrica – eine weitreichende Zusammenarbeit

KLEINSTADT BEWIRKT GROSSES
Die Gemeinde Münsingen fördert das Velo auf mehreren Ebenen: Die Verwaltung macht
mit bei Bike to Work und Hallo Velo, sammelt Velos für Velafricas Partner in Madagaskar und
unterstützt damit gleichzeitig eigene Entwicklungsprojekte.

Text und Foto: Cheyenne Keusen

«Meine Erwartungen sind übertrof-
fen», strahlt Patricia Hasler-Arana,
Mitglied der Kommission für In- und
Auslandhilfe (KIAH) von Münsingen.
«Insgesamt sind 99 Drahtesel abgege-
ben worden.» Die Rückmeldungen
der Velospenderinnen und Velospen-
der seien durchwegs positiv gewesen,
berichtet das Kommissionsmitglied
über die Velosammlung, die dieses
Jahr zum ersten Mal in der Gemeinde
im Aaretal stattgefunden hat. Die Leu-
te seien froh, wenn sie ihre alten Velos
in die professionellen Hände von
Velafrica übergeben können. Alle 99
Velos wird Velafrica aufbereiten und
nach Madagaskar exportieren. Das hat
seine Gründe.

Engagement in Madagaskar
                                           Erfolgreiche Velosammlung der Gemeinde Münsingen: 99 gespendete Drahtesel kann Velafrica
Schon seit mehr als 20 Jahren unter-       nach Madagaskar schicken.
stützt Münsingen Projekte in den
ärmsten Regionen von Madagaskar.           «Unser Hauptanliegen ist, dass Kinder           tert. Junge Menschen zwischen 14
Der Fokus liegt auf der Förderung von      auch aus armen Verhältnissen zur                und 20 Jahren können eine Lehre in
Wasserversorgungs- und Bildungspro-        Schule gehen und nicht den ganzen               Velomechanik absolvieren. Und die
jekten. Seit 2001 arbeitet die Kommis-     Tag mit den Eltern auf dem Acker ar-            Bevölkerung profitiert von Velos aus
sion mit Helvetas vor Ort zusammen.        beiten müssen», sagt Patricia Hasler-­          der Schweiz, die dort verkauft und re-
                                           Arana.                                          pariert werden. Heritiana Rakotomal-
                                           In der Kleinstadt Masindray wurde               ala, Programmverantwortlicher Was-
                                           jüngst von madagassischen Behörden              seraufbereitung und Entsorgung von
                                           ein Berufsbildungsprogramm aufge-               Abwasser bei der Helvetas, hat das
VELOVILLE                                  baut, bei dem sich alles um das Rad             Zentrum besucht: «Es ist für uns eine
MÜNSINGEN                                  dreht. «Das Programm sieht sich
                                           ­vielen Herausforderungen ausgesetzt,
                                                                                           gute Inspiration.» Die Zusammen­
                                                                                           arbeit zwischen Velafrica und Münsin-
                                            darum denken wir über eine Part­               gen reicht von der Schweiz bis nach
Münsingen hat sich 1995 als Veloville       nerschaft nach. Auch eine Zusam-               Madagaskar. «Die Arbeit von Velafrica
proklamiert. 1998 wurde sie als erste       menarbeit mit Velafrica ist denkbar»,          ist toll», schwärmt Patricia Hasler-Ara-
Gemeinde des Kantons Bern als Ener-         erzählt Angèle Rafiringason, Projekt­          na. «Ich würde mich freuen, wenn wir
giestadt ausgezeichnet. 2009 und 2014       koordinatorin der Gemeinde Münsin-             nächstes Jahr wieder eine Velosamm-
erhielt sie die Gold-Auszeichnung. Um       gen von Helvetas.                              lung durchführen.»
dieses Qualitätssiegel zu ­    erhalten,
braucht es viel Initiative und Engage-     Gegenseitige Inspiration
ment. Die Gemeinde spendet Velafrica                                                       Möchten auch Sie sich für
im Rahmen von Bike to work seit 2015       Als Vorbild dient Akany Risika in Ant-          Velafrica engagieren?
Fixbeträge oder Kilometerspenden. Die      sirabe, ein langjähriger Partner von            Wir unterstützen Sie gerne.
von der Polizei eingesammelten Velos       Velafrica. Das Centre Risika, ein Schul-
werden Velafrica gespendet.               und Ausbildungszentrum für Jugend-              Kontaktieren Sie Matthias Maurer:
                                           liche aus armen Verhältnissen, hat              Telefon 031 979 70 50
                                           2012 sein Ausbildungsangebot erwei-             matthias.maurer@velafrica.ch

                                                               14
Begegnung in der Metallwerkstatt

GESCHICKT IM KLEINEN
WIE IM GROSSEN
Auf unzähligen Baustellen hat Boris Kostic als Schlosser mitgearbeitet. Anfangs Jahr hat
er den Job verloren. Nun bringt er sein handwerkliches Geschick in der Metallwerkstatt
des Drahtesels ein. Er produzierte die Lampen, die im neuen Restaurant Dreigänger von
der Decke baumeln.

Text und Foto: Sabine Zaugg

Boris Kostic trägt eine grau-rote Latz-             42 Stützen geschweisst                       neun Monaten war alles fertig. Ich bin
hose und dazu ein passendes Po-                                                                  sehr stolz, dass ich dabei war.»
lo-Shirt. Diese Kombination trägt er                Sein handwerkliches Geschick ist
immer, es ist seine Berufsbekleidung.               schon in viele Projekte und Baustellen       Lampen aus der eigenen Werkstatt
Sie stammt von einem früheren                       in der Schweiz eingeflossen. Am ein-
Arbeitgeber. Der gelernte Schlosser
­                                                   drücklichsten für ihn war der Bau des        Dass Boris ein äusserst geschickter
kennt jedes Schweissverfahren – von                 Medienzentrums des Bundeshauses.             Handwerker ist und sehr viel Erfahrung
Aluminium über Chromstahl bis zu                    Ausgangslage: eine Liegenschaft unter        in allen Arten von Metallverarbeitung
Schwarzmetall. «Ich liebe meinen Be-                Denkmalschutz, 375 000 Tonnen Last           hat, ist auch den Fachleitern in der
ruf und habe ein Leben lang als Schlos-             auf fünf Stockwerke verteilt. Hier galt      Drahtesel-Metallwerkstatt nicht ent-
ser gearbeitet.» Im Februar 2017 hat                es, drei weitere Stockwerke in die Tie-      gangen. Seit er hier ist, hat er unzählige
er die Stelle verloren. Seit Mai ist er als         fe zu bauen. «Ich war verantwortlich         Grill- und Feuerschalen aus alten Boi-
Teilnehmer beim Drahtesel in der Me-                für die ganze Stützung des Gebäudes.         lern produziert. «Alle Objekte, die im
tallwerkstatt tätig. «Ich bin sehr froh,            Ich habe viel geschweisst, ganze 42          Schaufenster stehen, sind von mir»,
dass ich hier sein kann, denn es ist                Stützen wurden eingebaut, alle elekt-        sagt er sichtlich stolz. Auch bei der Ein-
hart, wenn man mit 58 Jahren er-                    ronisch    miteinander     verbunden.        richtung für das neue Restaurant Drei-
werbslos wird. So habe ich einen                    Wenn die Bauarbeiten irgendwo im             gänger (siehe Seiten 3–5), dem jüngsten
Tagesrhythmus und kann etwas pro-                   Gebäude eine kleinste Verschiebung           Projekt des Drahtesels, hat er tatkräftig
duzieren», sagt der gebürtige Serbe,                auslösten, gab es Alarm und die Pfeiler      mitgewirkt. Er hat Tische geschweisst
der seit fast 30 Jahren in der Schweiz              richteten sich automatisch neu aus.          und Metallrahmen für Schattendächer
lebt.                                               Diese Baustelle war gewaltig. In nur         bei den Aussensitzplätzen gemacht. Für
                                                                                                 die Beleuchtung der hohen Räume im
                                                                                                 Dreigänger wurden mit einem Lichtde-
                                                                                                 signer Lampen aus Lochblech entwor-
                                                                                                 fen. In der Metallwerkstatt ist die benö-
                                                                                                 tigte Stückzahl produziert worden. Und
                                                                                                 weil es dafür besonders viel Fingerspit­
                                                                                                 zengefühl brauchte, hat Boris Hand an-
                                                                                                 gelegt.
                                                                                                 Mit den Händen arbeitet er auch in der
                                                                                                 Freizeit. Als leidenschaftlicher Gärtner
                                                                                                 versorgt er seine ganze Familie mit Ge-
                                                                                                 müse – Tochter, Sohn und sieben Enkel-
                                                                                                 kinder. Falls Boris keine Anstellung
                                                                                                 mehr findet, muss er sich frühpensio-
                                                                                                 nieren lassen. Dann würde er in seine
                                                                                                 alte Heimat gehen und eine kleine
                                                                                                 Schlosserei eröffnen und nebenbei gärt-
                                                                                                 nern, um sich und seine Frau selbst zu
                                                                                                 versorgen. Dass er irgendwann zurück
                                                                                                 nach Serbien will, steht schon länger
                                                                                                 fest. «In der Schweiz fühle ich mich als
                                                                                                 Serbe. Gleichzeitig habe ich aber Angst
                                                                                                 davor, dass ich mich in Serbien dann als
Boris Kostic ist ein geschickter Schlosser. Er hat die Lampen für den Dreigänger aus Lochblech   Schweizer fühle. Wir werden uns um-
produziert.                                                                                      gewöhnen müssen.»

                                                                           15
3×3
www.sinnovativ.ch

Die Unternehmen und Projekte:

                                              im
                                                                                          IM REIFEN-JUNGLE
www.wege-weierbuehl.ch
                                                                                          In der Drahtesel-Velowerkstatt bli-
                                                                                          cken wir täglich weit in die Veloge-
                                                                                          schichte zurück. Vor der Globalisie-
                                             17. NOVEMBER 2017                            rung buk jedes Land seine eigenen
                                             VON 15 BIS 22 UHR                            Brötchen. Darum gibt es verschie-
                                                                                          dene «Sprachen» zur Benennung
www.drahtesel.ch                                                                          der Reifengrösse. Die Engländer
                                                                                          beschrieben ihre Laufräder anhand
                                             Herzliche Einladung zur ersten
                                                                                          des Aussendurchmessers am Reifen
                                             Veranstaltungsserie.
                                                                                          in Zoll. Die Franzosen nahmen
                                                                                          ebenfalls den Aussendurchmesser
                                             Kommen Sie vorbei an die Wald-
                                                                                          in Millimeter und rundeten ihn auf
                                             eggstrasse 27 im Liebefeld und
www.dreigänger.ch                                                                         gerade 50 mm. So lässt sich der
                                             lassen Sie sich überraschen.
                                                                                          Aussendurchmesser ungefähr be-
                                                                                          stimmen. Es ist aber noch nicht si-
                                             3×3    Handwerker präsentieren               cher, auf welche Felge der Reifen
                                                    Schmuckes, Schmackhaf-                passt. Darum gilt heute das ETRTO-
                                                    tes, Textiles und Holziges.           Mass; es beschreibt den genauen
www.velafrica.ch                             3×3    Kochbücher zum Lesen                  Durchmesser an der Felge. Ein Renn-
                                                    und Kaufen.                           veloreifen auf einer 622 ETRTO-
                                                                                          Felge ergibt ein normales 28-Zoll-
                                                                                          Rad. Montiert man einen dicken
                                             3×3    Köstlichkeiten aus der                Bikepneu auf eine 622-Millimeter-
                                                    Dreigänger-Küche.                     Felge, nennt es sich 29 Zoll.
                                                                                          In der Werkstatt haben wir eine
www.kommbuero.ch
                                                3   neue Eigenprodukte aus                schöne Holzlehre gebaut, mit wel-
                                                    der Werkstatt.                        cher wir die Felge messen können.
                                                                                          Darauf finden sich nicht weniger als
                                                                                          vier 26-Zoll-Masse für unterschiedli-
                                                3   Workshops für kreative
                                                                                          che Felgendurchmesser.
                                                    Hände.
IMPRESSUM
Gump! Zeitung für Mutanfälle                 Ab 17 Uhr gibt es Musik und
Nr. 29, Herbst 2017
                                             Feines aus der Küche.
gump@sinnovativ.ch

Herausgeberin:
Stiftung Sinnovativ
www.sinnovativ.ch

Auflage:
6350 Exemplare, erscheint zweimal jährlich

Mitarbeitende dieser Ausgabe:
Barendjan van Harskamp, Cheyenne Keusen,
Diana Ulrich, Fred Werren, Orlando Willi,

                                              GUTSCHEIN
Sabine Zaugg

Redaktion und Inserate:
Kommbüro, Stiftung Sinnovativ
Waldeggstrasse 27, 3097 Liebefeld              GRATIS-KAFFEE IM DREIGÄNGER
Tel. 031 971 84 48                             dem neuen Gastro-Projekt des Drahtesels.
hallo@kommbuero.ch
                                               Einlösbar bis 31. Dezember 2017      Dreigänger, Waldeggstrasse 27, 3097 Liebefeld
Layout & Druck:
Schürch, Druck und Medien, Huttwil
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