Wir ziehen Bilanz - 2012 bis 2016 - Tätigkeitsbericht der Landwirtschaftskammer Kärnten - Landwirtschaftskammer Kärnten

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Wir ziehen Bilanz - 2012 bis 2016 - Tätigkeitsbericht der Landwirtschaftskammer Kärnten - Landwirtschaftskammer Kärnten
Wir ziehen Bilanz – 2012 bis 2016
Tätigkeitsbericht der Landwirtschaftskammer Kärnten
Wir ziehen Bilanz - 2012 bis 2016 - Tätigkeitsbericht der Landwirtschaftskammer Kärnten - Landwirtschaftskammer Kärnten
Auch die Biene macht die Milch!
Letztendlich sind wir alle Teil des Ganzen. Nur wenn wir die Artenvielfalt schützen
und fördern und unsere Tiere artgerecht behandeln, kommen wir in den Genuss
hochwertiger Lebensmittel!

Biomilch fördert die Vielfalt!
Biomilcherzeuger bewirtschaften ihre Wiesen und Weiden mit biologischer Sorgfalt. Das schafft Raum für
Leben in besonderer Vielfalt. Oft kann man hier bis zu 50 % mehr Pflanzenarten und doppelt so viele Indi-
viduen zählen als auf herkömmlich bewirtschafteten Wiesen und Weiden.
Die Bio-Wiesenmilch geht deutlich weiter!
Nur wenn wir „von Grund auf natürlich“ wirtschaften und auch die kleinsten Lebewesen und Nützlinge
schützen, kann ein intakter natürlicher Kreislauf langfristig aufrechterhalten werden. Genießen Sie mit gutem
Gewissen die wertvolle Bio-Wiesenmilch und gehen Sie mit uns auf unserer Milchstraße ... in die richtige
Richtung!

MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND, LÄNDERN UND EUROPÄISCHER UNION

                                                 Europäischer
                                     Landwirtschaftsfonds für
                                         die Entwicklung des
                                           ländlichen Raums:
                                     Hier investiert Europa in
                                       die ländlichen Gebiete
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Fünf Jahre Arbeit für unsere bäuerlichen Familien
Zum Abschluss jeder Funktionsperiode legt die Land-        bäuerlichen Familien unterstützt haben. Gemeinsam mit
wirtschaftskammer Kärnten (LK Kärnten) mit einem           ihnen gehen wir, trotz aller derzeit nicht leichten Her-
Tätigkeitsbericht Rechenschaft ab über die von Mitar-      ausforderungen, optimistisch in die nächsten Jahre.
beitern und Funktionären geleistete Arbeit. Wenn Sie       Wir sind fest davon überzeugt, dass Land- und Forst-
den neu gestalteten Bericht 2012 bis 2016 durchlesen,      wirtschaft immer Zukunft hat.
werden Sie erkennen, welch umfangreiches Aufgaben-         Gesunde Lebensmittel, erneuerbare Energie aus dem
gebiet die Landwirtschaftskammer bei ihren Haupttä-        ländlichen Raum, moderne Dienstleistungen und eine
tigkeiten Interessenvertretung, Interessenausgleich,       gepflegte Kulturlandschaft sind Produkte, die zwar der-
Beratung, Bildung, Förderung und Service während der       zeit weit unter ihrem Wert gehandelt werden, jedoch
vergangenen fünf Jahre für die LK-Mitglieder und deren     speziell vor dem Hintergrund einer steigenden Weltbe-
Angehörige wahrzunehmen hatte. Gleichzeitig wurde          völkerung und der Notwendigkeit steigender Ressour-
immer darauf geachtet, dass die Erfüllung der Aufgaben     cen-Effizienzen bald wieder massiv nachgefragt sein
zweckentsprechend, effizient und sparsam aus der           werden.
Sicht unserer Mitglieder, nämlich den Bäuerinnen und       Damit unsere Bäuerinnen und Bauern ihre verantwor-
Bauern, dem Land und dem Bund geschah.                     tungsvolle Rolle für die Gesellschaft weiterhin nach
Mit dem vorliegenden Tätigkeitsbericht danken wir          bestem Wissen und Gewissen wahrnehmen können,
allen Kammermitgliedern für die Unterstützung und          brauchen sie das Vertrauen und die volle Wertschät-
Mitarbeit zum Wohle des gesamten Berufsstandes.            zung aller Kärntnerinnen und Kärntner.
Dies gilt selbstverständlich auch für unsere Funktionäre   Wir von der Landwirtschaftskammer Kärnten werden
und Mitarbeiter. Unser Dank gilt aber auch all jenen       uns weiterhin mit vollem Einsatz für die Wünsche und
öffentlichen Dienststellen bei Gemeinden, Land und         Anliegen aller unserer Mitglieder bestmöglich einset-
Bund sowie auf EU-Ebene, welche unsere Arbeit für die      zen!

Präsident ÖR Ing. Johann Mößler                                          KAD Dipl.-Ing. Hans Mikl
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Inhalt

INTERESSENVERTRETUNG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

BERATUNG & BILDUNG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

FÖRDERUNG & SERVICE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31

AUSSENSTELLEN – ERSTE ANLAUFSTELLE IN DEN BEZIRKEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45

UNSERE BILDUNGS- UND SERVICEEINRICHTUNGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49

WISSENSWERTES ZUR LK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57

Kontakt:
Kammer für Land- und Forstwirtschaft Kärnten
9020 Klagenfurt am Wörthersee, Museumgasse 5
Tel. 0463/58 50-0, www.lk-kaernten.at

Impressum
Herausgeber: Landwirtschaftskammer Kärnten, Museumgasse 5, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Konzept und Redaktion: Mag. Christoph Gruber auf Grundlage der Tätigkeitsberichte der LK-Referate und LK-Außenstellen
Koordination der einzelnen Kapitel: Mag. Christoph Gruber, Mag. Robert Madrian, Ing. Hans Pirker, Dipl.-Ing. Bernhard Tscharre
Grafiken: Mag. Martin Kasmannhuber
Gestaltung, Satz und Druck: type&sign Graphikagentur GmbH, Rosentaler Straße 116, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Anzeigen: Anhell-Werbung, Mölltalweg 40, 9061 Wölfnitz
Titelfoto: Mag. Christoph Gruber

Danke an unsere Sponsoren, mit deren finanzieller Unterstützung dieser Jahresbericht ermöglicht wurde.
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TÄTIGKEITSBERICHT 2012–2016 – INTERESSENVERTRETUNG

                                                           Interessenvertretung
                                                                                                                     Foto links: LK-Aktionstag
                                                                                                                     „Faire Preise für unsere
                                                                                                                     Bauern!“
                                                                                                                     Foto rechts: Auf Einladung
                                                                                                                     von LK-Präsident Johann
                                                                                                                     Mößler traf sich die Kärnt-
                                                                                                                     ner Milchbranche am 4.
                                                                                                                     März 2016 zum Gipfelge-
                                                                                                                     spräch in der Landwirt-
 2                                                                                                             3
                                                                                                                     schaftskammer.

D       ie bäuerliche Berufsgrup-
      pe und die Grundbesitzer
sind zahlenmäßig eine Minder-
                                                           tember 2015 wurde die Öffentlichkeit in Kärnten wach-
                                                           gerüttelt und über die Situation der heimischen Bäue-
                                                           rinnen und Bauern in allen Bezirksstädten Kärntens
                                                           informiert. Die Forderung „Faire Preise für unsere Bau-
                                                                                                                     FOTOQUELLEN:
                                                                                                                     ■
                                                                                                                     1 Gert Eggenberger
                                                                                                                     ■
                                                                                                                     2 Christoph Gruber
                                                                                                                     3 Christoph Gruber

heit in der Gesellschaft. Umso                             ern!“ richtete sich an den Lebensmittelhandel. Die Kon-
wichtiger ist es, eine starke,                             sumenten wurden aufgefordert, mehr zu heimischen
                                                           Lebensmitteln zu greifen. Milchverarbeiter berichteten,
eigene Interessenvertretung zu
                                                           dass seit dem Aktionstag der Handel bei den Verhand-
haben, die mit einer starken Stim-                         lungen weniger Druck auf die heimischen Milchpreise
me spricht und dem Druck der                               ausübt als bisher.
Gesellschaft und der Märkte laut                           Arbeitsgruppe: Heimische Lebensmittel in öffent-
                                                           lichen Küchen! Im Herbst 2015 startete die LK Kärn-
entgegentritt.                                             ten gemeinsam mit der Wirtschaftskammer eine Offen-
                                                           sive für mehr heimische Lebensmittel in den Küchen der
1. Agrarmärkte und Lebensmittel                            öffentlichen Hand. In der gemeinsamen Regierungssit-
Die vergangenen Jahre waren geprägt von internatio-        zung mit den Sozialpartnern wurde die Forderung
nalen politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen,       gemeinsam eingebracht und auf Druck der beiden Inter-
die ihre Spuren auch in Europa und Österreich hinterlas-   essenvertretungen eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die
sen haben. Die Auswirkungen, etwa des Ölpreisverfalls      derzeit intensiv an der Umsetzung einer Richtlinie für
und der Russland-Sanktionen, sind stark im land- und       alle Einrichtungen des Landes arbeitet.
forstwirtschaftlichen Umfeld zu spüren. Das Auslaufen      Milchgipfel: Klare Forderungen aus Kärnten. Im
der Milchquote hatte negative Auswirkungen auf den         März 2016 lud LK-Präsident Mößler die heimische
Milchpreis. Diese schwierigen Umstände haben die           Milchbranche zu einem gemeinsamen Gipfel. Ziel war
Arbeit der LK Kärnten in den letzten Jahren geprägt.       es, eine einheitliche Kärntner Positionierung gegenüber
Aktionstag: Faire Preise für unsere Bauern! Mit            der Landes- und Bundespolitik zu koordinieren. Das
dem landesweiten bäuerlichen Aktionstag am 19. Sep-        gemeinsam verabschiedete Papier enthielt unter ande-                                    3
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Gemeinsam mit dem Agrarreferat des Landes ist es der
                                                                                       LK gelungen, Soforthilfemaßnahmen für Milchbauern im
                                                                                       Berggebiet und für Schweineproduzenten zu erreichen.

                                                                                           2

 1

FOTOQUELLEN:                rem die Einführung des Bestbieterprinzips für alle         konnte eine Verschärfung der Beurteilung, ob eine Täu-
■1   Fotolia                Milchprodukte und die Wiedereinführung des Trans-          schung durch die Auslobung mit dem Begriff „Bauer“
■2   Peter Knapp, SZV, OÖ   portkostenzuschusses für Milch (Flächenbeitrag 3).         vorliegt, erreicht werden. Die Verwendung des Begriffs
■3   Christoph Gruber
■4   LK-Archiv
                            Augen auf beim Lebensmittelkauf! Zahlreiche                „Bauer“ darf von nicht-bäuerlichen Produzenten nur
                            Initiativen setzte die LK Kärnten im Bereich der Her-      mehr für einzelne Codex-Produkte verwendet werden
                            kunftskennzeichnung von Lebensmitteln. Der Forderung       (wie Bauernsalami, Bauernspeck und Bauernbrot),
                            nach einer klaren, ehrlichen Herkunftskennzeichnung        wobei aber nicht der Anschein erweckt werden darf,
                            nach Lebensmitteln wurde durch die Aktion „Augen auf       dass diese Produkte aus bäuerlicher Herstellung stam-
                            beim Lebensmittelkauf!“ unterstützt. Konsumentinnen        men.
                            und Konsumenten können unter der Mailadresse ehrli-
                            che.lebensmittel@lk-kaernten.at fragwürdige Her-           2. Schutz des Eigentums
                            kunftskennzeichnungen (rot-weiß-rote Fahnen, Herzen        Der gesellschaftliche Druck auf das Eigentum wird
                            etc.) melden, die von der LK Kärnten an den Schutzver-     immer größer. Die Landwirtschaftskammer ist das ein-
                            band für unlauteren Wettbewerb weitergeleitet wer-         zige Bollwerk gegen die Zugriffe auf das Eigentum.
                            den.                                                       Dazu braucht es klare Positionen, ein gutes Netzwerk,
                            Hilfsmaßnahmen aus Landesmitteln für Milch-                Verhandlungsgeschick und Hartnäckigkeit.
                            und Schweinesektor. Trotz der angespannten Situati-
                            on des Landesbudgets ist es gelungen, gemeinsam mit        ZAHLEN & FAKTEN 2012–2016
                            dem Agrarreferat des Landes einige Soforthilfemaß-
                                                                                        Natura 2000. Hinsichtlich der geplanten Neuaus-
                            nahmen für die Kärntner Bäuerinnen und Bauern in die-
                                                                                        weisungen von insgesamt 40 neuen Natura 2000-
                            ser schwierigen Marktsituation auf den Weg zu brin-
                                                                                        Schutzgebieten führte die LK Kärnten seit 2015 zahl-
                            gen.
                                                                                        reiche Beratungen, Interventionen und Verhandlun-
                            ■ Wiedereinführung eines Transportkostenzuschusses
                                                                                        gen durch. Insbesondere wurden
                                (Flächenbeitrag 3)
                            ■ Ankaufsbeihilfe für weibliche Zuchtrinder                               Informationsveranstaltungen für die
                            ■ Aufstockung der Ankaufsbeihilfe für Zuchtsauen                   12 betroffenen Grundeigentümer
                            Schutz der Bezeichnung „Bauer“. Um die miss-                              abgehalten,
                            bräuchliche Kennzeichnung von Produkten mit dem                           negative Stellungnahmen für betroffe-
                            Begriff „Bauer“ einzuschränken bzw. zu beenden und              500       ne Land- und Forstwirte erarbeitet
                            um die Täuschung der Konsumenten bewusst zu                               und formuliert sowie
                            machen, wurde auf Initiative der LK Kärnten eine Unter-                   Anträge und Resolutionen seitens der
                            schriftenaktion „Bauernbrot ist Brot vom Bauernhof“
                            durchgeführt. Bei der Aktion samt Online-Petition unter-
                                                                                                 6 Vollversammlung der Landwirtschafts-
                                                                                                      kammer Kärnten verabschiedet.
4                           zeichneten rund 40.000 Personen österreichweit. Es
Wir ziehen Bilanz - 2012 bis 2016 - Tätigkeitsbericht der Landwirtschaftskammer Kärnten - Landwirtschaftskammer Kärnten
TÄTIGKEITSBERICHT 2012–2016 – INTERESSENVERTRETUNG

                                                    3                                                                                       4

Nutzungsartenänderung. 2012 wurden durch Verän-           desregierung überreicht. LK-Präsident ÖR Ing. Johann     Erörterten 2012 gemeinsame
                                                                                                                   Lösungsmöglichkeiten der
derung der Nutzungsarten bei Luftbildeinschätzungen       Mößler übergab das Gutachten auch dem zuständigen
                                                                                                                   Nutzungsarten auf Almen
seitens der Vermessungsämter plötzlich Almfutterflä-      Beamten der Europäischen Kommission in Brüssel.          (von rechts): Dipl.-Ing.
chen zu z. B. Ödland erklärt. Nach scharfen Protesten     Forderungen der LK Kärnten zu Natura 2000:               Wernher Hoffmann (Bundes-
der LK Kärnten konnte in einem Gipfelgespräch eine        ■ Klare Definition und Abgrenzung der Schutzgüter        amt für Eich- und Vermes-
Lösung und Änderung der Benützungsarten-Nutzungen-        ■ Ausweisung nur auf Basis gesicherter wissen-           sungswesen), Dipl.-Ing.
                                                                                                                   Wolfgang Senicar (Vermes-
Verordnung auf Bundesebene erreicht werden.                  schaftlicher Grundlagen                               sungsamt Spittal), Dipl.-Ing.
Natura 2000. Erstmals will der Naturschutz des Landes     ■ Ausweisung nur unter Einbindung der Grundeigen-        August Hochwartner (Bun-
Kärnten großflächige Wirtschaftswälder (z. B. Illyri-        tümer und Vorabinformation über Auflagen und Ver-     desamt für Eich- und Ver-
scher Buchenwald) als Natura 2000-Flächen auswei-            bote                                                  messungswesen) und von
                                                                                                                   der LK Präs. ÖR Ing. Johann
sen. Dies führt bei den Bewirtschaftern zu großer Ver-    ■ Entschädigung sämtlicher Auflagen, Verbote,
                                                                                                                   Mößler, KAD Dipl.-Ing. Hans
unsicherung.                                                 Erschwernisse durch Einführung eines Entschädi-       Mikl, Dr. Franz Hartlieb.
Mit Natura 2000 beschäftigt sich in der Landwirt-            gungsparagraphen im Naturschutzgesetz
schaftskammer Kärnten insbesondere das Referat            Biosphärenpark Nockberge. Am 13. Dezember 2012
Rechtswesen im Zusammenwirken mit dem Referat             beschloss der Kärntner Landtag ohne entsprechende
Forstwirtschaft. In der Zeit seit Juni 2015 wurden eine   Begutachtung und ohne jede Notwendigkeit ein eige-
Vielzahl von Besprechungen geführt – mit Fachbeamten      nes „Kärntner-Biosphärenpark-Nockberge-Gesetz“. Ein
der zuständigen Abteilung 8 der Kärntner Landesregie-     Regelungsbedarf lag deshalb nicht vor, da die Voraus-
rung, mit einzelnen betroffenen Grundeigentümern          setzungen und Bedingungen für die Errichtung und
sowie mit den verschiedensten Interessenverbände wie      Betreibung von Sonderschutzgebieten bereits im Kärnt-
zum Beispiel Land&Forst Betriebe Kärnten, Forstverein     ner Nationalpark- und Biosphärenparkgesetz festge-
und Wirtschaftskammer Österreich. Auch mit dem poli-      schrieben waren.
tisch dafür verantwortlichen Landesrat Rolf Holub         Im Jahr 2007 wurden die Verträge von der Verwaltung
sowie mit Landesrat Christian Benger erfolgten zahlrei-   des Biosphärenparks einseitig gekündigt. Über einen
che Gespräche. Im Sommer 2015 erteilte die LK Kärnten     Zeitraum von 5 Jahren blieb die Verwaltung den Grund-
gemeinsam mit den Land&Forst Betrieben Kärnten Pro-       besitzern die ihnen gesetzlich zustehenden Zahlungen
fessor Vasilije Isajev von der Universität von Belgrad    schuldig. Erst durch entsprechende Klagen der Grundei-
den Studienauftrag hinsichtlich der Vorkommen des Illy-   gentümer – unterstützt von der LK – konnte eine kon-
rischen Buchenwaldes in Kärnten. Professor Isajev kam     sensuale Lösung herbeigeführt werden.
in seiner Expertise zum Schluss, dass der Illyrische      Um Rechtssicherheit wieder herzustellen – es besteht
Buchenwald zwar in Kärnten vorkommt, jedoch nur spo-      ein verfassungswidriger Widerspruch hinsichtlich der
radisch und kleinflächig. Ähnliche Aussagen gibt es von   Verordnungsermächtigung – stellte die LK Kärnten im
weiteren Wissenschaftlern. Das gefertigte Gutachten       Oktober 2015 die Forderung auf, das Gesetz vom 13.
wurde der zuständigen Fachabteilung der Kärntner Lan-     Dezember 2012, mit dem der Biosphärenpark-Nockber-                                    5
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Wildschäden bedin-
      gen wirtschaftliche
      Verluste und verrin-
       gern die Stabilität
     des Waldes – insbe-
      sondere im Schutz-
                             1                                                                 1
                    wald.

    FOTOQUELLEN:                 ge errichtet wurde, gänzlich aufzuheben. Gleichzeitig          terien im Nationalpark Hohe Tauern erarbeitet und
    ■
    1 Günther Kuneth
                                 wurde ein entsprechender Vorschlag für eine Verord-            dem Nationalparkkuratorium rechtzeitig zur
    2■ KB-Archiv
    3■ Rudolf Fritzer
                                 nung unterbreitet.                                             Beschlussfassung vorgelegt werden.
    4■ Bilderbox                 Nationalpark Hohe Tauern. In der Sitzung des Natio-         Mountainbike Fair-Play-Modell Kärnten. Nach 3
                                 nalparkkuratoriums Hohe Tauern wurde am 20. Juli            Jahren intensiver Gespräche hat im Mai 2012 die
                                 2015 der Beschluss gefällt, Verträge, welche die Ent-       Kärntner Landesregierung mit fachlicher Begleitung der
                                 schädigung für die Grundeigentümer im Nationalpark          Landwirtschaftskammer Kärnten und unter Einbindung
                                 regeln, mit Wirksamkeit Jänner 2016 zu kündigen. Kon-       aller wichtigen Organisationen mit dem Mountainbike
                                 kret betroffen sind ca. 200 Verträge der Kategorie Kul-     Fair-Play-Modell Kärnten die Grundlage für ein geord-
                                 turlandschaftsabgeltung und der Naturlandschaftsab-         netes Radfahren im Wald geschaffen. Neben entspre-
                                 geltung. In einer Arbeitsgruppe sollte daraufhin ein        chenden Musterverträgen war vor allem die mit dem
                                 neues Vertragsnaturschutzmodell ausgearbeitet und           Vertrag zwingende Haftpflichtversicherung ein zentra-
                                 dem Nationalparkkuratorium zur Beschlussfassung vor-        les Anliegen. Mit diesem aktiven Schritt zur Lenkung
                                 gelegt werden. Die Grundbesitzervertreter haben dar-        der Freizeitaktivitäten ist es gelungen, einerseits die
                                 aufhin, aufbauend auf das bestehende Vertragsnatur-         stetig zunehmende Beanspruchung des Waldes durch
                                 schutzmodell, Vertragsentwürfe vorgelegt, die mit der       die Gesellschaft in geordnete Bahnen zu lenken und
                                 Fachabteilung des Bundesministeriums für Land- und          gleichzeitig klarzustellen, dass der Wald und die Forst-
                                 Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft,               straßen vor allem ein Arbeitsplatz ist und die Natur
                                 BMLFUW (ÖPUL-Abteilung), abgestimmt wurden und              nicht grenzenlos beansprucht werden kann. Damit kann
                                 die Zustimmung seitens des Ministeriums erfahren. Die       auch der immer wiederkehrenden Forderung nach einer
                                 Verwaltung des Nationalparks Hohe Tauern hat ihrer-         generellen Öffnung von Forststraßen für das Mountain-
                                 seits losgelöst von der Arbeitsgruppe neue Verträge         biking mit guten Argumenten entgegengetreten wer-
                                 ausgearbeitet. Mit diesen Verträgen soll vor allem eine     den, weil auch der Wald Ordnung braucht, wenn die
                                 zusätzliche Außer-Nutzung-Stellung von Flächen              Zahl der unterschiedlichen Nutzer zunehmen. Mittler-
                                 erreicht werden, mit dem Ziel 75 % der Kernzone des         weile gibt es in Kärnten rund 2600 km ausgewiesene
                                 Nationalparks stillzulegen. Die Landwirtschaftskammer       Mountainbike-Strecken.
                                 Kärnten begleitet die Grundeigentümer in der Durchset-      Wald & Wild. Ein höchst sensibles und meist sehr
                                 zung ihrer Interessen und unterstützt den von den           heiß diskutiertes Thema ist die Wald-Wild-Problematik.
                                 Grundeigentümern vorgeschlagenen 2-Stufen-Plan:             Die Wildschadenssituation ist laut Waldinventur und
                                 1. Schaffung von Rechtssicherheit für die betroffenen       Wildeinflussmonitoring unbefriedigend und es zeigen
                                    Grundeigentümer durch raschen Abschluss der adap-        sich weiterhin keine wesentlichen Verbesserungen ab.
                                    tierten und mit dem BMLFUW akkordierten Verträge         Deshalb hat sich die Landwirtschaftskammer Kärnten in
                                    für die Kulturlandschafts- und Naturlandschaftsab-       den letzten 5 Jahren auch mit diesem Thema intensiv
                                    geltung mit den bisherigen Prämiensätzen. Die Ver-       befasst und ihre Positionen in den diversen Gremien
                                    träge für die allgemeine Abgeltung sind unverändert      (Landes- und Bezirksjagdbeiräte, WÖRP-Ausschuss)
                                    weiterzuführen.                                          eingebracht.
                                 2. Einrichtung einer Arbeitsgruppe, in der Optionen im      Ein besonderes Anliegen war auch die Schulung der
6                                   Hinblick auf die langfristige Erreichung der IUCN-Kri-   Jagdverwaltungsbeiräte in allen Bezirken im Hinblick
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Foto oben: Die Innsbrucker
                                                                                                                        Universitätsprofessoren
                                                                                                                        Arno Kahl und Thomas Mül-
                                                                                                                 3
                                                                                                                        ler (4. bzw. 3. v. r.) präsen-
                                                                                                                        tierten 2013 den Vertretern
                                                                                                                        der Auftraggeber Landwirt-
                                                                                                                        schaftskammer Kärnten und
                                                                                                                        Landw. Genossenschaft Kla-
                                                                                                                        genfurt ein Gutachten zu
                                                                                                                        wesentlichen Rechtsfragen
                                                                                                                        zur Feststellung der Almfut-
                                                                                                                        terflächen.

  2                                                                                                              4

auf ihre jagdrechtlichen Möglichkeiten, damit sie die       Im Herbst 2012 wurde mit dem Land eine Zwischenfinan-
Interessen der Grundeigentümer vor Ort besser wahr-         zierung für jene Betriebe ausverhandelt, die bei der
nehmen können. In nahezu allen Forstausschusssitzun-        Herbstauszahlung wegen noch nicht abgeschlossener
gen wurde die Wildschadensproblematik diskutiert und        Almprüfungen keine Auszahlung erhielten.
Forderungen nach einer Gesetzesänderung wie der             Im März 2013 wurde Minister Berlakovich extra zu einem
Stärkung der Grundeigentümerrechte in den Gemeinde-         Almgipfel in die LK geladen, wo nochmals versucht wur-
jagden oder der Aufhebung der Fütterungspflicht artiku-     de, die Resolution der LK-Vollversammlung betreffend
liert. Dabei stellen die oft unterschiedlichen Positionen   eine mögliche Aufrollung der Almfutterflächen bis 2004
selbst innerhalb der Grundeigentümer eine große Her-        mit den Vertretern des BMLF an Ort und Stelle zu erörtern
ausforderung dar.                                           und die gewünschte Aufrollung zu begründen.
                                                            Als einziges Bundesland unterstützte im Mai 2013 Kärn-
3. Almfutterflächen                                         ten (LK gemeinsam mit der Agrarabteilung des Landes)
Die LK Kärnten war immer die Speerspitze bei der Lösung     die Almbewirtschafter durch Mitfinanzierung von 98 Fut-
der Almfutterflächenproblematik. Ein kurzer Rückblick       terflächen-Einschätzungsgutachten, die durch Ziviltechni-
soll dies nochmals in Erinnerung rufen:                     kerbüros erstellt wurden und bei möglichen Kontrollen
Bereits im Juni 2012 wurden von der LK-Führung vier         durch die AMA als „Sicherheitspaket“ gedient haben.
bekannte Rechtsanwälte eingeladen, um gemeinsam mit         Im Juni 2013 beauftragte die LK Kärnten gemeinsam
Mitarbeitern des Hauses mögliche Ansatzpunkte für eine      mit der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Klagen-
Sanktionsgegenstrategie zu den Auswüchsen einer wild        furt-St. Veit-Rosental (Geschäftsführer Dipl.-Ing. Rudolf
gewordenen Verwaltung zu erörtern. Die LK Kärnten war       Grünanger hatte die Idee dazu) die zwei Verwaltungs-
auch bei der Schulung ihrer Digitalisierungs-Mitarbeiter    recht-Professoren Müller und Kahl von der Innsbrucker
Vorreiter, die, unterstützt durch Experten aus Kärntner     Universität mit der Erstellung eines Rechtsgutachtens
Ziviltechnikerbüros, eine perfekte Einschulung zur Flä-     zur Almproblematik. Dieses Gutachten, das von den
cheneinschätzung via Luftbild erhielten.                    Professoren den Auftraggebern in Klagenfurt, Vertre-
                                                            tern des BMLFUW in Wien und allen österreichischen
ZAHLEN & FAKTEN 2012–2016                                   Kammerpräsidenten in Ried vorgestellt wurde, war ein
                                                            ganz wichtiger Meilenstein bei der Lösung dieser
   942 Futterproben auf 228 Betrieben                       unendlichen Geschichte. Die Professoren Müller und
                                                            Kahl analysierten auf Basis des einschlägigen Europäi-
  6407 Tonnen Futtermittel ausgetauscht                     schen und Österreichischen Rechtsbestandes mögliche
                                                            Wege, die es juristisch zu beschreiten gäbe. Das
   430 sensorische Futtermitteluntersuchun-
       gen und Futtermittelbilanzierungen
                                                            Rechtsgutachten war auch eine wichtige Basis für eine
                                                            neue INVEKOS-GIS-Verordnung im Herbst 2013 und für

    10 Informationsveranstaltungen
       bei den betroffenen Betrieben
                                    vor Ort                 eine neue Task Force Almen – bereits unter dem neuen
                                                            Landwirtschaftsminister Dipl.-Ing. Andrä Rupprechter
                                                            im Frühjahr 2014.
  4600 Arbeitsstunden  circa insgesamt von
       den LK-Mitarbeitern                                  Bestätigungen über nicht erkennbare Flächenabwei-
                                                            chungen durch die Außenstellen der LK bringen eine                                       7
Wir ziehen Bilanz - 2012 bis 2016 - Tätigkeitsbericht der Landwirtschaftskammer Kärnten - Landwirtschaftskammer Kärnten
Entlastung für viele Almbewirtschafter. Die große Ent-
                                                                                      lastung für alle Auftreiber brachte erst eine im April
                                                                                      2014 von der LK Kärnten konzipierte und an Minister
                                                                                      Rupprechter vorgeschlagene „Freistellungs-Bestäti-
                                                                                      gung“ für Auftreiber, die dann ins neue Marktordnungs-
                                                                                      gesetz aufgenommen wurde und auch in die Vergan-
                                                                                      genheit eine Befreiung von Sanktionen für alle Auftrei-
                                                                                      ber brachte (2,4 Millionen Euro).
                                                                                      Damit war im Juni 2014 das Almproblem erst wirklich
                                                                                      großteils gelöst – bis auf jene Almbewirtschafter und
                                                                                      Eigenalmbesitzer, denen erst im Jahre 2015 mit Landes-
                                                                                      mitteln (unter großem Einsatz von Landesrat Dipl.-Ing.
                                                                                      Christian Benger) die Sanktionen von rund 1 Million
                                                                                      Euro rückerstattet werden konnten.
  1                                                                                   Kärnten hatte nachweislich den größten Anteil gelei-
                                                                                      stet, um das leidige Thema Alm schlussendlich bundes-
Mehr als 200 Görtschitztaler Bäuerinnen und Bauern nahmen am 2. Dezember 2014 am
Infoabend von Landwirtschaftskammer und Landesagrarreferat in Klein St. Paul teil –   weit noch für die Bauern halbwegs vertretbar lösen zu
eine von insgesamt zehn HCB-Veranstaltungen der LK für die betroffenen Betriebe.      können.

                                                                                      4. HCB
                                                                                      Der HCB-Umweltskandal war nicht nur eine Katastro-
                                                                                      phe für die betroffenen Betriebe im Görtschitztal, son-
                                                                                      dern auch eine Herausforderung für die LK Kärnten.
                                                                                      Sofort nach Bekanntwerden des Skandals wurde sei-
                                                                                      tens der Kammerführung ein Krisenstab eingerichtet
                                                                                      und Personalressourcen abgestellt. Im Mittelpunkt der
                                                                                      Bemühungen der LK Kärnten standen:
                                                                                      a) Feststellung der HCB-Konterminierung durch flächen-
                                                                                      deckende Futteruntersuchungen
                                                                                      b) Sicherstellung der Vermarktung durch Gespräche mit
                                                                                      den Vermarktungsorganisationen – insbesondere Vieh-
                                                                                      und Fleisch
                                                                                      c) Sicherstellung von Soforthilfegeldern von der W&P
                                                                                      Zement GmbH (insbesondere für Direktvermarkter) und
                                                                                      dem Land Kärnten (HCB-Fonds)
  2
                                                                                      d) Beiziehung der Experten von Raumberg-Gumpenstein
Auch die LK-Mitarbeiter waren beim Futtermittelaustausch voll gefordert.              e) Organisation des Futteraustausches und der Futter-
                                                                                      bilanzierung
                                                                                      f) Bewertungsgutachten für die betroffenen Betriebe
                                                                                      g) Information und Kommunikation mit den betroffenen
                                                                                      Betrieben

                                                                                      5. Steuer
                                                                                      Steuerpaket 2012. Bei den Verhandlungen um die
                                                                                      Sanierung der Staatsfinanzen konnten die Vertreter der
                                                                                      LK Österreich eine Reihe von Belastungen für die Bau-
                                                                                      ern abwenden, die speziell seitens der Arbeiterkammer
                                                                                      massiv eingefordert wurden. Dabei wurde u. a. gefor-
                                                                                      dert, die Ausgleichszahlungen empfindlich zu kürzen,
                                                                                      Erhöhung der Pensionsbeiträge, Wegfall der Steuer-
                                                                                      pauschalierung, die Einführung einer Abgabe auf Dün-
                                                                                      gemittel, eine Kfz-Steuer auf landwirtschaftliche
                                                                                      Maschinen, Änderung der Familienförderung zum
  3
                                                                                      Nachteil der Bauern, Anhebung der Grundsteuer, Wie-
TÄTIGKEITSBERICHT 2012–2016 – INTERESSENVERTRETUNG

dereinführung der Erbschaftssteuer, der Vermögens-
steuer und Einführung einer Immobilienertragssteuer.
Von den geforderten 1,8 Mrd. Euro an zusammenge-
rechneten jährlichen Einbußen für die Bauern konnte
der Großteil gegen den erbitterten Widerstand von
Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund wegverhan-
delt werden. Eine starke Interessenvertretung mit mög-
lichst vielen Bäuerinnen und Bauern als Abgeordnete
ist von enormer Wichtigkeit!
Neufeststellung der Einheitswerte. Da der Verfas-
sungsgerichtshof die alten Einheitswerte für die
Bemessungsgrundlage von Steuern und Abgaben
gekippt hatte, musste zum 1. Jänner 2014 eine Haupt-
feststellung der Einheitswerte durchgeführt werden.
Das Einheitswertsystem als Grundlage der Einkommen-        4

steuerpauschalierung konnte von der Landwirtschafts-
kammer in zähen Verhandlungen gerettet werden. Die
Neufeststellung der Einheitswerte wirkt sich auch auf    anstrengung aller Länderkammern konnten Vermögens-          FOTOQUELLEN:
die Sozialversicherungsbeitragszahlungen der Betriebe          steuern verhindert werden. Weitere positive           ■1 Christoph Gruber
                                                                                                                      2■ KB-Archiv
aus. Derzeit sind 15 Mio. Euro jährlich                         Aspekte der Steuerreform sind:
                                                                                                                      3 Christoph Gruber
für die Abfederung von Ein-                                     ■ Einheitswert bleibt die Bemessungsgrundla-           4 Bilderbox
heitswertsteigerungen ab                                           ge für die Grunderwerbsteuer; die Übertra-
10 % reserviert. Sollte die-                                       gung von land- und forstwirtschaftlichen
ser Betrag nicht ausreichen,                                       Grundstücken an den begünstigten Perso-
fordert die LK weitere wirksa-                                     nenkreis bleibt, wie von der Landwirtschafts-
me Abfederungsmaßnahmen.                                           kammer gefordert, der „einfache“ land- und
Steuerreform 2015/2016. In                                          forstwirtschaftliche Einheitswert und nicht
den Verhandlungen wurde die                                          der Verkehrswert.
Forderung nach Vermögenssteu-                                         ■ die Senkung des Einkommensteuersat-
ern laut. Erbschafts-, Schen-                                            zes; hiervon profitieren sowohl Voll- als
kungs- und Vermögenssteuern im                                           auch Nebenerwerbslandwirte.
Ausmaß von 2 Mrd. Euro hätten                                           ■ Negativsteuer für Pensionisten, die
eine massive Belastungswelle des                                           Anspruch auf den Pensionistenab-
Mittelstandes und für die bäuerli-                                         setzbetrag haben und deren Einkom-
chen Familienbetriebe bedeutet.                                            mensteuer unter Null ist und keine
Zudem gab es unermüdliche Kritik                                           Ausgleichszulage bezogen wird
am land- und forstwirtschaftlichen                                         (Erstattung von SV-Beiträgen).
Einheitswert (Pauschalierung). Gefor-                                       ■ Verdoppelung des Kinderfreibe-
dert wurde auch die Anhebung des                                               trages ab 2016 von 220 auf 440
Mehrwertsteuersatzes in der Landwirt-                                          Euro und damit eine Entlastung
schaft von 10 % auf 20 %. In einer gemeinsamen Kraft-                          von Familien mit Kindern

ÖSTERREICH                                  2007–2013                2014–2020                 Differenz
Mio Euro pro Jahr                                                                         Mio. €        %
Säule 1 (z. B. EBP)                             721                       693              –28        –3,8
Säule 2 (z. B. ÖPUL, AZ, Invest)               1134                      1100              –34        –4,5
Summe                                          1855                      1793              –62        –4,3
Quelle: BMLFUW 2014
KÄRNTEN                                     2007–2013                2014–2020                 Differenz
Mio Euro pro Jahr                                                                         Mio. €        %
Säule 1 (z. B. EBP)                             48,8                     49,5              +0,7       +1,4
Säule 2 (z. B. ÖPUL, AZ, Invest)               107,3                    104,2              –3,1       –2,9
Summe                                          156,1                    153,7              –2,4       –1,5
                                                                                                                                           9
1

FOTOQUELLEN:
■1 LK-Archiv
               Auf Initiative der LK Kärnten konnte erreicht werden,     der Kärntner Bäuerinnen und Bauern eingesetzt und
■2 Fotolia     dass im Rahmen der Vollpauschalierung (Urproduktion)      verhandelt.
               keine Einzelaufzeichnungs-, Registrierkassen- und Bele-   Die Einführung einer einheitlichen Flächenprämie in der
               gerteilungspflicht besteht. In den Nachverhandlungen      ersten Säule der Agrarpolitik wurde von der EU gefor-
               konnten einige Erleichterungen im Bereich der Regi-       dert und führt zu teils beträchtlichen Umverteilungen
               strierkassa durchgesetzt werden.                          zwischen Bundesländern, Produktionssektoren und
                                                                         Betrieben. Hier ist es gelungen, durch die Einführung
               6. Agrarreform 2014/Ländliche Entwicklung                 einer Übergangsregelung massive Brüche und Verwer-
               Die Reform der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik der EU)       fungen zu vermeiden. Eines der Hauptziele der LK Kärn-
               von 2014 bis 2020 war neben der Neufeststellung der       ten, die Weiterführung der gekoppelten Mutterkuhprä-
               Einheitswerte das größte Reformprojekt im Agrarbe-        mie, konnte auf Grund mangelnder Unterstützung aus
               reich der letzten 5 Jahre. Die LK Kärnten hat sich auf    anderen Bundesländern nicht erreicht werden, ist aber
               allen Ebenen (z. B. Landesregierung, Bundesregierung,     nach wie vor eine zentrale Forderung der LK Kärnten.
               Nationalrat, EU-Parlament) massiv für die Interessen      Gelungen ist dafür die Einführung einer gekoppelten

                 DIE LANDWIRTSCHAFTSKAMMER HAT FÜR SIE ERREICHT …
                              Steuerreform ohne neue Vermögens-                          Rechtsgutachten Almen und gekop-
                     1.       steuern. Die Einheitswertreform macht            5.        pelte Almprämie. Rechtsgutachten aus
                  sich bezahlt, der Steuersatz von 13 % im Verkauf für       Kärnten bringt die Lösung für die Auftreiber. Auf Lan-
                  die pauschalierten Betriebe konnte durchgesetzt wer-       desebene wird eine Lösung für die Almobmänner
                  den.                                                       durchgesetzt. Die Ungerechtigkeit bei der gekoppel-
                              EU-Agrargelder in Brüssel erkämpft             ten Almprämie wird durch ein Rechtsgutachten der LK
                     2.       und nationale Kofinanzierung der               Kärnten abgewehrt.
                  ländlichen Entwicklungsprogramme gesichert.                            Natura 2000-Ausweisung gebremst.
                  Forderungen nach massiven Kürzungen konnten ver-             6.        Kärnten liegt mit derzeit ca. 5 % der Lan-
                  hindert werden. In anderen EU-Ländern zum Teil dra-        desfläche weiter unter dem österreichischen Durch-
                  stische Kürzungen.                                         schnitt von 13 %.
                              Einheitswert und Einkommensteuer-                          Arbeitslosengeld für Nebenerwerbs-
                     3.       pauschalierung gerettet. Abschaffung             7.        bauern gesichert. Arbeitslosengeld für
                  und damit Besteuerung nach Verkehrswert verhin-            Nebenerwerbsbauern wird wie bisher weiter geführt
                  dert.                                                      (EHW-Grenze 13.177 Euro)
                              Massive Kostenbelastung bei Hof-                           Absicherung des ländlichen Raums.
                     4.       übergaben verhindert. Einheitswert               8.        Schulterschluss der LK Kärnten mit dem
                  bleibt Bemessungsgrundlage für Grundbucheintra-            Gemeindebund – mehr Geld für Landgemeinden,
                  gungsgebühr und Grunderwerbsteuer.                         Maut für Kfz über 3,5 t auf Landes- und Gemeinde-
                                                                             straßen verhindert, Sicherung der ländlichen Haus-
                                                                             apotheken durchgesetzt.
10
TÄTIGKEITSBERICHT 2012–2016 – INTERESSENVERTRETUNG

                                                              die Änderung der Landwirtschaftskammerwahlordnung
                                                              festgelegt. Nach zahlreichen Verhandlungen beschloss
                                                              der Kärntner Landtag mit großer Mehrheit die refor-
                                                              mierte Landwirtschaftskammer-Wahlordnung. Das
                                                              Ergebnis ist ein klares Bekenntnis zum bäuerlichen
                                                              Familienbetrieb und zur geheimen Wahl. Mit den Ände-
                                                              rungen des Wahlrechts wurde die LK-Wahlordnung
                                                              auch jenen in anderen Bundesländern angeglichen:
                                                              Jungbauernwahlrecht. Alle Wahlberechtigten, die
                                                              am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben, sind
                                                              mit dem aktiven Wahlrecht ausgestattet. Das passive
                                                              Wahlrecht bleibt weiterhin bei 18 Jahren.
                                                              Altbauernwahlrecht. Damit wird in Kärnten wieder
     2                                                        eingeführt, was außer in Tirol in allen anderen Bundes-
                                                              ländern als normal gilt. Diese Mitbestimmung und
  Almprämie. Im Bereich der Ausgleichszulage (Bergbau-        gleichzeitig Anerkennung der bedeutenden Rolle der
  ernprogramm) konnte eine Besserstellung der Betriebe        Generationenfolge am Bauernhof ist ein wichtiges Zei-
  mit höherer Erschwernis erreicht werden. In der Invest-     chen für unsere Eltern.
  förderung stehen in Kärnten mehr Mittel zur Verfügung       Wahlberechtigung. Jetzt sind jene Familienmitglie-
  als in der letzten Periode. Die Jungbauernförderung         der wahlberechtigt, „die mit den kammerzugehörigen
  konnte in der neuen GAP-Periode ausgebaut werden. In        Personen in Hofgemeinschaft leben und ohne Rücksicht
  der ersten Säule der GAP gibt es nun ein Top-up für jun-    auf ein Entgelt berufsmäßig in deren land- und forst-
  ge Betriebsführer (71 Euro pro Hektar). In der zweiten      wirtschaftlichen Betrieben tätig sind“ (und sofern diese
  Säule wurde die Jungübernehmerförderung weiterent-          Tätigkeit keine Mitgliedschaft in der Landarbeiterkam-
  wickelt und ein Zuschlag bei der Investförderung für        mer begründet). Die überwiegende Tätigkeit in der
  Junglandwirte eingeführt (5 Prozent).                       Land- und Forstwirtschaft ist nicht mehr notwendig.
                                                              Damit können jetzt z. B. jene Jungbauern wählen, die
  7. Neues Wahlrecht für die Kammerwahlen                     wegen Hauptberufstätigkeit außerhalb der Landwirt-
  Die Regierungskoalition hat in ihrem Arbeitsprogramm        schaft oder wegen des Schulbesuchs beispielsweise

            Kein ungezügeltes Mountainbiken im                           Qplus Rind: Qualitätsprogramm für Mut-
  9.        Wald. Runder Tisch der LK Kärnten bringt         13.         terkuhbetriebe und Rindermäster. Land
Alpenverein und Naturfreunde zur Vernunft – gene-            Kärnten stellt zusätzlich eine Zuzahlung von 400.000
relle Öffnung des Waldes in Kärnten vorerst abge-            Euro jährlich für das Qualitätsprogramm Qplus Rind ab
wehrt!                                                       2016 zur Stärkung der Rinderbauern in Kärnten zur
            Wochengeld für Bäuerinnen mit 50                 Verfügung.
10.         Euro täglich fast verdoppelt.                                Ausbau der Dürreversicherung: Aus-
            TTIP nicht auf dem Rücken der Bau-               14.         bau der Mehrgefahrenversicherung auf
11.         ern! Klare Positionierung in der Vollver-        Dürreschäden. Land und Bund übernehmen 50 % der
sammlung – Resolution der LK Kärnten wird an Bun-            Versicherungsprämie für Mais und Grünland.
desregierung und Agrarkommissar Phil Hogan über-                          Transportkostenzuschuss für Milch:
geben!                                                       15.          500.000 Euro auf Landesebene als Sofort-
            Strohmaßnahme für männliche Rin-                 hilfe für die Milchbauern mit eigener Milchanliefe-
12.         der und Schweine. Beitrag für mehr               rung zur Sammelstelle.
Tierwohl und zusätzliche Mittel für Rindermäster, Bio-
jungrindproduzenten und Schweinebauern. Die LK
Kärnten hat die Strohmaßnahme auch für Einsteller-
produzenten und die Haltung von Kalbinnen gefor-
dert.

                                                                                                                                     11
Landwirtschaftskammer und Wirtschaftskammer Kärnten treten gemeinsam für mehr heimische Lebensmittel in den
     Küchen der öffentlichen Hand und gegen eine flächendeckende LKW-Maut auf – Präsidenten Johann Mößler und Georg
     Mandl.                                                                                         Foto: WK Kärnten

     nur am Wochenende am Hof mitarbeiten können. Mit-        toren!) ein. Der zuständige Verkehrsreferent stimmte in
     erfasst sind damit auch z. B. die Bäuerinnen oder Bau-   der bundesweiten Sitzung gegen die Maut. Gemeinsam
     ern, die als Partnerinnen oder Partner hauptberuflich    mit dem Gemeindebund und dem Ökosozialen Forum
     außerhalb der Land- und Forstwirtschaft arbeiten,        drängte die LK Kärnten auf mehr Fairness beim Finanz-
     jedoch nach dem Hauptberuf oder am Wochenende am         ausgleich.
     Hof tätig sind. Dieses Prinzip der nicht zwingenden
     Hauptbeschäftigung zur Wahlberechtigung gibt es auch     ZAHLEN & FAKTEN 2012–2016
     bei allen anderen Kammern, so dass hiermit prinzipiell    LK-Resolutionen im Überblick
     eine Gleichstellung zu anderen Interessenvertretungen     Folgende Resolutionen brachte die Vollversammlung
     erfolgt ist und dem Familienarbeitskraftprinzip der       der Landwirtschaftskammer auf Vorschlag der Kam-
     Landwirtschaft gefolgt wurde.                             merführung zur Beschlussfassung:
     Elektronisches Wählerverzeichnis. Die LK richtet          ■ GAP-Reform – Einheitliche Kärnten-Position
     zur Anlegung der Wählerverzeichnisse eine elektroni-         (2012)
     sche Plattform ein, die von den Gemeinden mit den         ■ Eigentum – Ablehnung Novellierung Kärntner
     Daten der Wahlberechtigten befüllt wird.                     Naturschutzgesetz (2013)
     Entschädigung für Gemeinden. Für ihre notwendige          ■ Sozialversicherung – Abfederungsmodell Sozial-
     Unterstützung erhalten die Gemeinden eine vereinheit-        versicherungsbeiträge aufgrund neuer Einheits-
     lichte Entschädigungsleistung.                               werte (2014)
     Vorwahltag. Zur Flexibilisierung der Wahlmöglichkeit      ■ Steuerreform – Nein zu höheren Steuern für
     wird es am neunten Tag vor dem Wahltag zwischen 10           Kärntens Bauern (2014)
     und 12 Uhr einen Vorwahltag geben. Dadurch soll die       ■ HCB – Ausfallhaftung des Landes für bäuerliche
     Attraktivität der Wahl insgesamt gesteigert werden.          Betriebe und Erhöhung HCB-Fonds (2014, 2015)
                                                               ■ TTIP – Kein Freihandelsabkommen auf dem
     8. Interessenvertretung für den ländlichen Raum              Rücken der Bauern (2015)
     Die Landwirtschaftskammer Kärnten versteht sich nicht     ■ Landschaftselemente – Praxistaugliche Regelun-
     nur als Interessenvertretung der Land- und Forstwirt-        gen für Kärntens Bauern (2015)
     schaft, sondern darüber hinaus für den gesamten länd-     ■ Natura 2000 – Einbindung und Entschädigung
     lichen Raum und seine Menschen. Die Stärkung des             von Grundeigentümern (2015)
     Ländlichen Raums, der auch Arbeits-, Wirtschafts-, und    ■ Registrierkassa – Erleichterungen für die Land-
     Lebensraum der Bäuerinnen und Bauern ist, ist ihr ein        und Forstwirtschaft (2015)
     zentrales Anliegen. So setzte sich die LK in einem        ■ Einheitswerte – Verschiebung der SV-Beiträge
     Schulterschluss mit der Wirtschaftskammer im Zuge            auf 2018 (2016)
     der Sozialpartner-Regierungssitzung erfolgreich gegen     ■ Milchmarkt – Einführung von Milchmengen-
     die Einführung einer Maut auf Landes- und Gemeinde-          steuerungsmodellen durch die Molkereien (2016)
12   straßen für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen (auch Trak-
TÄTIGKEITSBERICHT 2012–2016 – BERATUNG & BILDUNG

                                                                Beratung & Bildung                                 FOTO: MARCO RIEBLER

B     eratung und Bildung sind in
      einer modernen Welt wich-
tiger denn je. Das Leistungs- und
                                                             Beratungsthemen 2012 bis 2016
                                                             Die Beratungsschwerpunkte der vergangenen fünf Jah-
                                                             re waren:
                                                             ■ Artgerechte Tierhaltung/Tierschutz
Serviceangebot der Landwirt-                                 ■ Bäuerliche Direktvermarktung
schaftskammer Kärnten wird von                               ■ Beratung zum neuen Einheitswert
den bäuerlichen Familien und                                 ■ Betriebswirtschaftliche Beratung
                                                             ■ Bioenergie
Kammermitgliedern intensiv                                   ■ Biologischer Landbau
genutzt. Ergebnisse regelmäßiger                             ■ Einsatz neuer Kommunikations- und Informations-
Kundenbefragungen verdeutli-                                    technologie auf den Bauernhöfen
chen die hohe Akzeptanz unseres                              ■ Entschädigungen/Bewertungen
                                                             ■ Ernährung und Gesundheit
Angebotes.                                                   ■ Förderungsinformation und -beratung
                                                             ■ Forstberatung
Die Rahmenbedingungen für bäuerliche Betriebe verän-         ■ Hofübergabe
dern sich immer schneller. Fragen der erfolgreichen          ■ Kosten senken und Produktionstechnik optimieren
Weiterentwicklung beschäftigen immer mehr. Dabei             ■ Kostengünstiges, tiergerechtes und arbeitswirt-
gibt es kein Patentrezept. Jede Familie, jeder Betrieb ist      schaftlich optimiertes Bauen
anders. Die LK-Beratung unterstützt die Bäuerinnen und       ■ Lebensqualität der bäuerlichen Familie
Bauern bei den notwendigen Anpassungsschritten.              ■ Pachtvertragsberatung
                                                             ■ Persönlichkeitsentwicklung und unternehmerisches
Unsere Organisation                                             Denken
Innerhalb der Landwirtschaftskammer sind vor allem           ■ Qualitätssicherung
folgende Bereiche Träger der Informations-, Beratungs-       ■ Rechtsberatung
und Bildungsarbeit:                                          ■ Sozialrechtliche Beratung
■ Die Fachreferate der LK-Zentrale in Klagenfurt und         ■ Steuerberatung
   LK-Außenstellen in den Bezirken                           ■ Umweltschonende Produktion
■ Die Lehrlings- und Fachausbildungsstelle (LFA)             ■ Urlaub am Bauernhof
■ Das Bäuerliche Bildungshaus Schloss Krastowitz
■ Das Obst- und Weinbauzentrum (OWZ) in St. Andrä            Beratungsformen
■ Das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) Kärnten mit       Die LK setzt(e) folgende Beratungsmethoden ein:
   Sitz in Krastowitz                                        ■ Arbeitskreise zur Betriebszweigauswertung
■ Die Bildungsreferentinnen und -referenten auf              ■ Beratungsgespräch (Sprechtag, Beratung am
   Gemeindeebene                                                Hof)
■ Die Kärntner Landjugendorganisation                        ■ Einzel-, Gruppen-, Projektberatung                                        13
Das Leitbild der LK-Beratung
       Die Beratungskräfte sind Dienstleister für die bäu-
       erlichen Familienunternehmen und die Bevölke-
       rung im ländlichen Raum. Mit unserer Arbeit tra-
       gen wir zur erfolgreichen Unternehmensentwick-
                                                             gebildet und bilden sich laufend weiter. Im Berichtszeit-
       lung und Lebensqualität der bäuerlichen Familie
                                                             raum erfolgte die Zertifizierung der Landwirtschafts-
       bei. Wir unterstützen die Entwicklung neuer Pro-
                                                             kammer Kärnten gemäß den Vorgaben ISO 9001:2008.
       dukte und neuer Märkte und stärken die Bezie-
                                                             Pro Jahr wenden die LK-Mitarbeiterinnen und -Mitar-
       hung zwischen Konsumenten und Produzenten.
                                                             beiter rund 115.000 Stunden für die Beratungs- und
       Diese Ziele erreichen wir durch Beratung und
                                                             Informationsarbeit sowie die Organisation von Bil-
       Bildung, Information, Projektmanagement und
                                                             dungsmaßnahmen auf.
       Öffentlichkeitsarbeit sowie Aufbau von Netzwer-
       ken. Wir orientieren uns bei unserem Handeln am
       Prinzip der Nachhaltigkeit.
                                                             Nachfolgende Beispiele geben Einblick in die
                                                             umfassende Beratungsarbeit der Landwirt-
                                                             schaftskammer Kärnten der letzten fünf Jahre:
     ■ Fachexkursionen
     ■ Informationsangebot via Internet (LK-Homepage)        1. EU-Förderungsinformation und Beratung zum
     ■ Informationsbroschüren                                   Mehrfachtrag (MFA)
     ■ Informationsveranstaltungen und Seminare              Ein wesentlicher Schwerpunkt der Beratung im
     ■ Messeauftritte                                        Berichtszeitraum umfasste die vollständige Information
     ■ ORF-Beiträge                                          der Landwirte über EU-Direktzahlungen (Flächen- und
     ■ Schriftliche Information im „Kärntner Bauer“          Tierprämien), ÖPUL-Maßnahmen und Ausgleichszah-
       (z. B. Fachartikel)                                   lungen. LK-Mitarbeiter bzw. „Bauernberater“ auf
     ■ Telefonauskunft                                       Gemeinde- und Bezirksebene deckten im Vorfeld der
                                                             Förderungsabwicklung den großen Informations- und
     LK-Beratungsdienst ist ISO-zertifiziert                 Beratungsbedarf der Antragsteller in den neuen EU-Pro-
     Fachlich kompetente Beraterinnen und Berater sind der   grammen ab. Beispielsweise stand im Jahr 2015 die LK
     Schlüssel für erfolgreiche Beratungsarbeit. Die LK-     den bäuerlichen Familien bei 10.682 Mehrfachanträgen
     Beratungskräfte sind fachlich und methodisch gut aus-   mit Rat- und Tat zur Seite. 61 Personen erhielten in fünf

14
TÄTIGKEITSBERICHT 2012–2016 – BERATUNG & BILDUNG

Weiterbildungsveranstaltungen bereits Kenntnisse vom    2. Cross Compliance (CC) und Österreichisches
Mehrfachantrag-Online-System; wenn auch der Anteil         Umweltprogramm (ÖPUL)
gering ist, geht der Trend weiter in Richtung Online-   Die Einhaltung anderweitiger Verpflichtungen (Cross
Antragstellung.                                         Compliance) ist für die Betriebsprämie, für das ÖPUL
                                                        und die Ausgleichszulage maßgeblich. Die Nichteinhal-
                                                        tung bewirkt Kürzungen bei den Förderungen. Der CC-
        Wussten Sie, dass …                             Bereich ist daher ein permanenter Beratungs- und Infor-
                                                        mationsschwerpunkt. Allein 2015 wandte die LK für
   … das Organisieren von Fachveranstaltun-             11.073 Teilnehmer insgesamt 4124 Beratungsstunden
         gen aller Art einen wesentlichen               zu CC-relevanten Themen auf. Im Berichtszeitraum lief
         Schwerpunkt der LK-Arbeit bildet? So           das ÖPUL 2007 bis 2013 nach einem Verlängerungsjahr
         führte die LK-Beratung im Jahr 2015 ins-       aus und das neue ÖPUL 2014 bis 2020 startete. Der
         gesamt 476 Fachveranstaltungen für             Bedarf an Schulungen im Rahmen der Weiterbildungs-
         18.058 Teilnehmer durch. Inhaltliche           verpflichtungen bei diversen ÖPUL-Fördermaßnahmen
         Schwerpunkte dabei waren Förderungs-           war hoch. So fanden zur Maßnahme „Umweltgerechte
         information, LebensWirtschaft, Tierpro-        und Biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung“ (UBB) 20
         duktion, Pflanzenproduktion und Bioland-       Veranstaltungen mit 416 Teilnehmern statt. Das LFI-
         wirtschaft.                                    Online-Kursangebot „Biodiversitätsflächen im ÖPUL
         Darüber hinaus nutzten 6089 Personen           2015“ nutzten 28 Landwirte. 10 Veranstaltungen mit
         das Angebot von 310 Veranstaltungen            418 Teilnehmern fanden zur Maßnahme „Vorbeugender
         aus den Bereichen Persönlichkeitsbil-          Boden- und Gewässerschutz“ statt. Darüber hinaus
         dung, Kreativität, Lebensmittel, Gesund-       begann im Spätherbst 2015 mit 60 Teilnehmern das
         heit, Exkursion. Das Gesamtangebot             Beratungsangebot „ÖPUL-Aufzeichnungen“.
         umfasste daher 786 Veranstaltungen mit
         24.147 Teilnehmern.                            3. Landschaftselemente (LSE)
                                                        Die Landwirtschaftskammer unterstützte die LK-Mit-
                                                        glieder bei der Digitalisierung der Landschaftselemen-                 15
Wie bäuerliche Betriebe die Zukunft gut meistern können, zeigte der „Tag der Arbeitskreise“ am 22. November 2013 im
     Bildungshaus Krastowitz.                                                                             Foto: LFI Kärnten

     te. In 22 Veranstaltungen mit 1847 Teilnehmern infor-       gen, zweitägige Spezialseminare zur Vertiefung der
     mierten die Mitarbeiter außerdem über die Antragstel-       betroffenen Fachbereiche und schlussendlich ein kon-
     lung im MFA und über förderrechtliche Definitionen von      kretes Einzelberatungsangebot seitens der LK-Außen-
     LSE.                                                        stellenleiter. Pro Jahr wurden im Schnitt über 200 Ein-
                                                                 zelberatungen durchgeführt.
     4. Rechts- und Steuerberatung
     Der LK-Beratungsdienst unterstützte die bäuerlichen         7. Pachtvertragsberatung
     Familien mit vier Mitarbeitern in der Rechts- und Sozi-     44 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Kärn-
     alberatung und zwei Mitarbeitern im Steuerwesen. Die        ten (ohne Almflächen) sind Pachtflächen. Knapp 71 %
     Beratung der Kammermitglieder erfolgte an den               der INVEKOS-Betriebe haben zumindest eine Pachtflä-
     Rechtssprechtagen in der Landwirtschaftskammer und          che. Pachten und Verpachten wird zunehmend komple-
     an regelmäßigen Sprechtagen in den jeweiligen               xer. Vieles ist zu beachten.
     Außenstellen. Jährlich führten die Mitarbeiter durch-       Die Pachtvertragsberatung ist ein Standardschwer-
     schnittlich rund 3600 persönliche Beratungen und rund       punkt der LK-Außenstellenleiter und der Berater im LK-
     6300 Telefonberatungen durch. Im Steuerbereich wurde        Rechtsreferat. Das angebotene Beratungsprodukt
     die Einzelberatung durch zahlreiche Fachartikel sowie       berücksichtigt neben dem allgemein rechtlichen Aspekt
     die Herausgabe von Beratungsbroschüren (z. B.               auch sozial-, förderungs- und steuerrechtliche Fragen.
     Broschüre „Steuerkunde“) ergänzt. Im Steuerbereich          Neben der Bereitstellung von Musterverträgen und
     sorgten die Änderung der Landwirtschaftlichen Pau-          zahlreichen Telefonauskünften ist das Kernangebot die
     schalierungsverordnung (LuF Pausch VO 2015) und die         Einzelberatung mit der Erstellung des Pachtvertrages im
     Steuerreform 2015 für einen hohen Beratungsbedarf.          Einzelfall.
                                                                 Die LK-Außenstellenleiter erstellten, adaptierten bzw.
     5. Einheitswertfeststellung                                 lösten im Jahr 2015 1402 Pachtverträge auf. Pro Fall
     Das Thema „Einheitswerthauptfeststellung“ war 2014          wendeten sie rund 1,5 Stunden auf. Die Pachtvertragsbe-
     bis 2015 ein umfassender Beratungsschwerpunkt. Die          ratung ist damit neben der EU-Förderungsberatung das
     LK informierte und unterstützte die Landwirte bei der       am meisten genutzte Beratungsangebot der LK.
     Einheitswerthauptfeststellung flächendeckend. Ande-
     rerseits leistete die Interessenvertretung ab Mitte des     8. Arbeitskreisberatung
     Jahres 2015 bereits Hilfestellung bei Beschwerden zum       Die Arbeitskreisberatung ist das Top-Beratungsangebot
     neuen Einheitswertbescheid.                                 der Landwirtschaftskammer. Ein Arbeitskreis besteht
                                                                 meist aus 10 bis 20 unternehmerisch eingestellten
     6. Hofübergabeberatung                                      Landwirten mit gleichem Produktionsschwerpunkt. Die
     Ein permanenter Schwerpunkt der LK-Beratungsarbeit          Betreuung bzw. Leitung erfolgt von einem Arbeitskreis-
     bildete die Beratung „Rund um die Hofübergabe“. Dazu        berater. In den Arbeitskreisen werden Daten auf Basis
     wurde den potenziellen Hofübergebern und -überneh-          einzelbetrieblicher Aufzeichnungen ausgewertet, pro-
     mern folgendes Servicepaket angeboten: Informations-        duktionstechnische und ökonomische Kennzahlen ana-
16   veranstaltungen in den Bezirken zu grundsätzlichen Fra-     lysiert, untereinander verglichen, Schwachstellen sicht-
TÄTIGKEITSBERICHT 2012–2016 – BERATUNG & BILDUNG

Statistik Arbeitskreisberatung                                           2011                      2015
                                                                Anzahl    Teilnehmer      Anzahl     Teilnehmer
AK Unternehmensführung                                             7          130            7           160
AK Milchproduktion                                                 5           82            6            81
AK Mutterkuh                                                       5           68            6            88
AK Ferkelproduktion                                                                          4            29
AK Schweinemast                                                                              1            10
AK Ackerbau                                                                                  7            72
AK Biogas                                                          2           25            1            20
AK Kleinwald                                                       1           50            1            32
Summe                                                             20          355          33            492

bar gemacht und Verbesserungsmöglichkeiten aufge-          Bauernhof, Seminarbäuerinnen, Schule am Bauernhof,
zeigt.                                                     Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof und Green
Zusätzlich wird mit einem zielgruppenorientierten Wei-     Care bilden wesentliche Bereiche der „LebensWirt-
terbildungsangebot sowie einem Erfahrungsaustausch         schaft“.
unter den Mitgliedern ein Beitrag zu deren Höherquali-     In den letzten Jahren setzten die Mitarbeiterinnen in
fizierung geleistet.                                       ihrem Bildungsangebot verstärkt auf die Einheit von
Die Arbeitskreisberatung hat sich in den Hauptproduk-      Familie und auf die erfolgreiche unternehmerische
tionssparten in Kärnten etabliert (siehe dazu Tabelle      Betriebsführung. Zwei ideale Weiterbildungsprojekte
oben). Seit 2011 wurde die Anzahl der Sparten von fünf     für Bäuerinnen und Bauern sind dahingehend die
mit 20 Arbeitskreisen auf acht Sparten mit 33 Arbeits-     „Zukunftsorientierte agrarwirtschaftliche Motivation“
kreisen gesteigert. Die Mitgliederzahl bei den Arbeits-    (ZAM) und die „Ideenwerkstatt Bauerhof“.
kreisen erhöhte sich um 38 % von 355 auf 492 Teilneh-
mer.                                                       10. Bäuerinnenarbeit
Die Arbeitskreisberatung soll künftig ausgebaut wer-       Bäuerinnen machen durch verschiedene Aktionen auf
den. Sie ist ein wesentlicher Schwerpunkt der LK-Bil-      den Wert der heimischen Lebensmittel und die bäuerli-
dungs- und Beratungsoffensive „Forcierung der Unter-       chen Leistungen aufmerksam. Unter dem Motto „Bäue-
nehmerkompetenz“ bis 2020.                                 rinnen ernähren die Welt – Lebensmittel sind kostbar“
                                                           wurden bundesweit Aktionstage veranstaltet. In Kärn-
9. LebensWirtschaft                                        ten setzten die Bäuerinnen in den letzten Jahren dazu
Die Mitarbeiterinnen des LK-Referates „LebensWirt-         folgende größeren Aktionen:
schaft“ leisten Bildungs- und Beratungsarbeit für die      2012. In Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche
bäuerlichen Familien mit Erwerbskombination. Zum           wurde in fast allen Gemeinden Kärntens ein Erntedank-
anderen betreiben sie Öffentlichkeitsarbeit für die hei-   fest mit Agape abgehalten. Die Bäuerinnen machten
mische Landwirtschaft. Angebote wie Lebensqualität         in besonderer Weise darauf aufmerksam, dass ein                        17
Bäuerinnenarbeit –
     ein wichtiger Beratungs-
              schwerpunkt der
         LK-LebensWirtschaft.
      Foto: LK-LebensWirtschaft

                                  achtsamer Umgang mit Lebensmitteln nicht nur die           weitergeführt wurde. Die vielfältigen Berichte in den
                                  eigene Geldbörse, sondern auch die Umwelt schont.          Tages- und Lokalzeitungen spiegelten die erfolgreichen
                                  2013. Auf der Klagenfurter Herbstmesse halfen die          Aktionen wider.
                                  Bäuerinnen gemeinsam mit den Seminarbäuerinnen
                                  den Konsumenten durch den Gütesiegeldschungel. Das         11. Konsumenteninformation
                                  Motto lautete „Qualität hat einen Namen“.                  Die Seminarbäuerinnen sind ganzjährig als Botschafte-
                                  2014. Die Bäuerinnen verzauberten das ATRIO Einkaufs-      rinnen für heimische Lebensmittel unterwegs und bie-
                                  zentrum in Villach in eine kleine Lebensmittelwerkstatt.   ten neben Kursen Gesundheitstage in verschiedenen
                                  Bäuerinnen zeigten die Herstellung von verschiedenen       Firmen und Betrieben sowie Information auf Messen
                                  Lebensmitteln und informierten die Konsumenten über        an. Im Schnitt sind täglich zwei Seminarbäuerinnen im
                                  die bäuerlichen Produkte.                                  Einsatz.
                                  2015. Die Bäuerinnen gestalteten in rund 270 Kärntner
                                  Volksschulen Unterrichtseinheiten. Ziel war es, die jun-   12. Urlaub am Bauernhof
                                  gen Menschen mit der Arbeitswelt der Bauern und            Die rund 1200 bäuerlichen Vermieter in Kärnten stellen
                                  Bäuerinnen wie auch mit den selbst produzierten            8500 Betten auf den Bauernhöfen zur Verfügung und
                                  Lebensmitteln zu begeistern – was hervorragend gelun-      zählen rund 830.000 Nächtigungen pro Jahr. Als Bera-
                                  gen ist, so dass die Aktion mit Schulen, Bäuerinnen und    tungsleistungen der LK an die „Urlaub am Bauernhof“-
                                  Bauern 2016, mit neuen Ideen angereichert, recht gut       Betriebe können drei Schwerpunkte hervorgehoben
                                                                                             werden: Beratungen zur Qualitätskategorisierung,
                                    Wetterbericht auf Tonband                                Grundberatungen zur bäuerlichen Vermietung und Bera-
                                    Im Juni 2013 installierte die LK für ihre Mitglie-       tungen zur Diversifizierung.
                                    der einen kostenlosen Wetter-Tonband-Dienst,             Die Beratung zur Qualitätskategorisierung umfasst eine
                                    der täglich von der ZAMG Klagenfurt neu bespro-          umfassende Betriebsbesichtigung, die hinsichtlich der
                                    chen wird und unter der Telefonnummer                    Ausstattungs-, Bauernhof-Erlebnis-, und Servicequali-
                                    0463/5850-5850 auf die laufenden Feldarbeiten            tät durchgeführt wird. Im Jahr 2015 nahmen 56 Betrie-
                                    abgestimmte Wetterprognosen liefert – ein                be dieses Beratungsprodukt in Anspruch. Die Grundbe-
                                    Dienst, der täglich intensiv genutzt wird.               ratungen zur bäuerlichen Vermietung beinhalten diver-
                                                                                             se Informationen zu persönlichen, betrieblichen, regio-
                                                                                             nalen und rechtlichen Anforderungen in der bäuerlichen
                                                                                             Vermietung und wurden von 303 Betrieben (841 Stun-
                                                                                             den) in Anspruch genommen. Im Rahmen der Beratung
                                                                                             zur Diversifizierung land- und forstwirtschaftlicher
                                                                                             Betriebe werden bäuerliche Vermieter unterstützt, die
                                                                                             für die Vermietungsarbeit Umbau- oder Neubaumaß-
                                                                                             nahmen am Betrieb vornehmen. Hierbei erfolgt die
                                                                                             Erstellung eines Diversifizierungskonzeptes und der
18                                                                                           Wirtschaftlichkeitsberechnung. Diese Unterlagen kön-
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