Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM

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Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM
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Trend
Guide
Gesundheits-IT

                    2019

EHEALTHCOMPENDIUM
                                    9
Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM
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Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM
Editorial

                    Druck im Kessel
                    In Sachen Digitalisierung im Gesundheitswesen befinden wir uns gerade
                    (wieder einmal) in bewegten Zeiten. Bundesgesundheitsminister Jens
                    Spahn macht Druck, um die technologische Entwicklung hierzulande vor-
                    anzutreiben. Dafür hat er u. a. die Mehrheitsanteile an der gematik über-
                    nommen und die neue Unterabteilung „gematik, Telematikinfrastruktur,
                    eHealth“ in seinem Ministerium gegründet. Dynamik in den Gesund-
                    heitsmarkt haben auch die elektronischen Patientenakten verschiedener
                    Krankenversicherer gebracht. Das Ganze kulminiert gerade in einem
                    Kräftemessen der unterschiedlichen Player, bei dem es vor allem um die
                    Interoperabilität der Aktenmodelle und deren internationale Anschluss-
                    fähigkeit geht. Und nicht zuletzt auch um die Frage, wie teuer und damit
                    unrealisierbar das Ganze wird. Wir dürfen also gespannt sein, wie Jens
                    Spahn die zentralen Herausforderungen für die Digitalisierung des deut-
Anne Wolf           schen Gesundheitssystems weiter angeht und welche Überraschungen
Projektleitung,     vielleicht schon mit dem bis zum Sommer erwarteten Referentenentwurf
Chefin vom Dienst   für das E-Health-Gesetz 2.0 auf uns warten.
bei E-HEALTH-COM
                    In der inzwischen sechsten Auflage des TrendGuide beleuchten wir drei
                    unterschiedliche Blickwinkel auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen
                    näher. Die Sicht von Bürgern, Patienten und Ärzten auf die digitale Ent-
                    wicklung hat Dr. Schachinger im Rahmen des Digitalen Gesundheitsmarkt
                    Reports sowie dem Digitalisierungsreport 2019 näher unter die Lupe
                    genommen und fasst die zentralen Ergebnisse seiner Untersuchungen
                    zusammen. Viel beachtet war die #SmartHealthSystems-Studie der
                    Bertelsmann Stiftung, der zufolge Deutschland im internationalen Ver-
                    gleich weit hinten landet bei der digitalen Durchdringung des Gesundheits-
                    systems. Was man besser machen und von anderen Ländern lernen
                    kann, zeigen die Autoren der Vergleichsstudie auf. Im dritten Beitrag
                    beschäftigen sich die Autoren mit der Frage nach der Sicherheit unserer
                    Gesundheitsdaten unter den Herausforderungen von Big Data und Künst-
                    licher Intelligenz und präsentieren die wesentlichen Ergebnisse der PwC-
                    Studie „Datensicherheit in Kliniken und Arztpraxen“, für die 1 000 Bundes-
                    bürger danach befragt wurden, wie sie den Stand der Datensicherheit in
                    Krankenhäusern und Arztpraxen einschätzen. Und selbstverständlich
                    geben wir – wie in den letzten Jahren auch – mit den Markttrends eine
                    Übersicht über die aktuelle Studienlage zu den Entwicklungen im Gesundheits-
                    IT-Bereich, die Bernhard Calmer, Natalie Gladkov und Andreas Kassner
                    kommentieren.

                    Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

                    Anne Wolf

                                                                                                          3
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Inhalt

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Trends                               Unternehmen                           Service

 8		 Der digitale Gesundheitsmarkt   48   Informationssysteme              92 Veranstaltungen

16		 #SmartHealthSystems             58   Dokumentenmanagement,            94 Firmenverzeichnis
                                          Archivierung und
22		 Cyberkriminalität                    Bildmanagement
                                                                           Standards
28		 Markttrends                     68   Vernetzung und
                                          Versorgungsintegration            3 Editorial
34		 Verbände-Statements
                                     76   IT-Infrastruktur und -services   96	Schlagwortverzeichnis /
40		 Branchen-Statements                                                   		Firmenfindex / Impressum
                                     80   Kommunikation

                                     86   Krankenhausmanagement

                                                                                                     5
Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM
Trends

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Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM
8   Der digitale Gesundheitsmarkt
     Status quo
     bei Bürgern, Patienten und Ärzten

16   #SmartHealthSystems
     Digital Health
     im internationalen Vergleich

22   Cyberkriminalität
     Risiken und Nebenwirkungen
     der digitalen Medizin

28   Markttrends im Überblick
     Mit Kommentaren von
     Bernhard Calmer, Natalie Gladkov
     und Andreas Kassner

34   Verbände-Statements
     Mit Statements von Verbände-
     vertretern aus dem E-Health-Bereich

40   Branchen-Statements
     Mit Statements von Unternehmens-
     vertretern der Gesundheits-IT-Branche

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Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM
Trends | Digitaler Gesundheitsmarkt

    Der digitale Gesundheitsmarkt
    Status quo bei
    Bürgern, Patienten
    und Ärzten

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Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM
Zwischen Hype und Fatalismus, zwischen Vermutungen und messbaren
Markt- und Verbraucherdaten: Wie genau sieht eigentlich die Wirklichkeit
des Bürgers und Patienten aus, welcher Apps und Co. zum Thema „Digitale
Gesundheit“ verwendet? Und was bekommen davon überhaupt die Ärzte mit
– oder sind jene wirklich alle noch am Faxen?

Zuerst eine kleine, aber von der Gesundheitswirtschaft häufig negierte
Klarstellung: Webseiten, Apps, Online-Coaching-Programme oder Wearables
sind Produkte auf dem freien Konsumgütermarkt. Jeder Bürger kann
sich einen Arzt auf jameda suchen, eine Präventions-App benutzen, als
Diabetespatient die mySugr-App oder online Therapieprogramme wie
deprexis24 oder Selfapy nutzen oder auch nicht.
Dilemma No. 1: Das Wissen um die Dynamiken und Planungen auf dem
freien Konsumentenmarkt ist den Entscheidern im Gesundheitssystem in
der Regel nicht bekannt, obwohl sie es eigentlich für die strategische Planung
digitaler Gesundheitslösungen bräuchten.
Dilemma No. 2: Das „Zwei Welten“-Dilemma: Tausende von Webseiten,
Apps und Start-ups zum Thema Digitale Gesundheit auf dem freien digitalen
Gesundheits-Markt und auf der anderen Seite die traditionelle medizinische
Versorgung vor Ort. Nur wenige neue Lösungsanbieter schaffen es bisher
fließend, diese beiden Welten zu verbinden. Ein Beispiel in Reinform hierfür
ist Caspar Health, ein Online-Reha-Programm beispielsweise für Post-OP-
Patienten: Das Operations- oder Stationsteam personalisiert Online-Übungen
für den operierten Patienten (auf der Ebene n=1 wohlgemerkt), vertreibt
es und erklärt es auf Station dem zu entlassenden Patienten persönlich.
Der Forschungsstand zur Evidenz und zum Nutzennachweis digitaler
Inter­ventionen zeigt dazu: Die generell hohe (traurige) Abbruchrate von
digitalen Therapieanwendungen optimiert sich, wenn sie von medizinischem
Fachpersonal vor Ort dem Patienten ausgehändigt und erklärt wird. Von
diesen Ausnahmeszenarien ist der gesamte digitale Gesundheitsmarkt jedoch
weit entfernt.

Wie sind also der Status quo und aktuelle Marktentwicklungen? Die folgen­
den Markttrends sind eine Zusammenfassung der jährlich erscheinenden
strukturierten Marktanalysen der EPatient RSD GmbH (dgm-report.de).

Text: Dr. Alexander Schachinger

                                                                                 9
Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM
Trends | Digitaler Gesundheitsmarkt

      1. Anwendungen
      Entwicklung der Angebote auf dem Markt
      Anwendungen
      Entwicklung der Angebote auf dem Markt:

                   Coaching-                     Online-                          Chatbots
                   Anwendungen                   Videosprechstunde                (Ar ficial Intelligence)

                   Tracking-Apps,                Diagnos k,                       Online-
                   Wearables                     Sensorik                         Gesundheitsakte

           2010                                  2014                                            2018

                                                                         Quelle: dgm-report.de

                                                Anwendungen
                                                Die Vielfalt der Anwendungen hat sich in Breite
                                                und Tiefe in den letzten Jahren deutlich weiterent-
                                                wickelt. Anwendungsarten verschmelzen unterein-
                                                ander (Bsp.: Coaching, Tracking, Chatbots als Teil
                                                einer Gesamtlösung) und bieten für breitere wie
                                                auch speziellere Zielgruppen digitale Versor-
                                                gungslösungen an (siehe oben erwähntes Beispiel
                                                Caspar Health: Digitale Reha / Nachsorge direkt
                                                nach Klinikentlassung). Diagnostik und Sensorik
                                                kann in diversen Szenarien ohne zusätzliche Hard-
                                                ware zunehmend vom Smartphone übernommen
                                                werden (siehe exempl. Preventicus). Neue Formen
                                                von Chatbots werden einzeln oder miteinander
                                                kombiniert in ersten Schritten in Form von Piloten
                                                in der Versorgung eingesetzt. 2018 und 2019 werden
                                                die Startjahre der Online-Gesundheitsakte sein.
                                                Werden sie eine ausreichende Nutzermasse in der
                                                Bevölkerung erreichen?

10
Vertriebskanäle
Eine derzeit spannende Marktentwicklung: Die
Werbe- und Vertriebskanäle für digitale Gesund-
heitsanwendungen wachsen aus dem Internet über
die traditionellen Massenmedien in ersten Schrit-
ten in die medizinischen Versorgungsstrukturen
vor Ort. Die Mehrheit der Bürger und Patienten
muss zwar noch Apps im Netz alleine suchen, je-
doch erhalten sie ihre „App“ in ersten Szenarien
verknüpft mit ihrer Behandlung von ambulanten
oder stationären Versorgern. Diverse Kom­        mu­
nikationskanäle der Krankenversicherungen an
ihre Mitglieder greifen digitale Versorgungslösungen
ebenso verstärkt auf. Im Gegensatz zu Deutschland
sind in ersten EU-Ländern Gesundheits-Apps schon
in Apotheken erhältlich.

2. Vertriebskanäle: Aus Versorgungskulturen werden Versorgungsstrukturen
Vertriebskanäle
Vertriebskanäle entwickeln sich einerseits in die Massenmedien und
Vertriebskanäle entwickeln
andererseits in die         sich einerseits in die Massenmedien und anderserseits in die
                    Versorgungskulturen
Versorgungsstrukturen.

Internet & App Stores         Massenmedien &                Kranken-           Ärzte und           Apotheken
                              Aussenwerbung              versicherungen         Kliniken         (Point of Sale)

      2010                                        2014                                            2018

                                                                                    Quelle: dgm-report.de

                                                                                                                   11
Trends | Digitaler Gesundheitsmarkt

      3. Geschäftsmodelle

     Geschäsmodelle
                      Drei der wichgsten Umsatzströme auf dem Markt (vereinfachte Darstellung):

                        Bürger,                               Kosten-
                                                                                                       Versorger
                        Pa ent                                träger

     Die Zahlungsbereitscha für             Die Anzahl der Anwendungen,            Ob als Eigeninveson oder als
     digitale Gesundheitsanwendungen         welche eine Form der ErstaŒung         abzurechnende Leistung: Ärzte,
     bei Gesundheits-Surfern ist in den      erhalten sowie auch die Anzahl         Therapeuten und Kliniken ver-
     vergangenen vier Jahren von 4           der Krankenversicherungen,             wenden zunehmend digitale
     Prozent auf 10 Prozent gesegen.        welche dies ermöglichen, ist in        Versorgungslösungen für ihre
                                             den letzten Jahren exponenell         Paenten im Versorgungskontext
     (Quelle: EPaent Survey 2010-2018)      gesegen.                              vor Ort.

                                                                                            Quelle: dgm-report.de

                                                 Geschäftsmodelle
                                                 Trotz des zunehmenden Hypes stellt eine nachhal-
                                                 tige Finanzierung von digitalen Gesundheitsanwen-
                                                 dungen auch zukünftig noch eine Herausforderung
                                                 dar. Trotzdem sind vereinfacht dargestellt drei Um-
                                                 satzquellen derzeit am Wachsen: 1. der Bürger und
                                                 Patient, 2. Krankenversicherungen und 3. Ärzte und
                                                 Therapeuten aus dem ambulanten und klinischen
                                                 Sektor (Quelle u. A.: EPatient Survey 2010-2018).

                                                 Evidenz und Nutzennachweis
                                                 Circa seit dem Jahr 2000 nimmt die Anzahl der glo-
                                                 balen Publikationen mit einem Nutzennachweis für
                                                 digitale Interventionen langsam aber stetig zu. Sie
                                                 zeigen ebenso eine Art Best Practice in der Planung
                                                 und Anwendung auf. In der Grafik 4 werden drei
                                                 Wirkungsaspekte exemplarisch zitiert.

12
4. Evidenz und Nutzennachweis

Evidenz und Nutzennachweis
                   Drei exemplarische Erfolgskriterien aus der Forschung:

                   Modell,
                                                                    Nutzer                      Integration
                   Iteration

Die Anwendung wird basierend eines             Die Anwendung personalisiert      Die Anwendung wird als Teil der
wissenschaftlich anerkannten Modells           sich auf allen inhaltlichen und   verordneten Therapie vom
der Verhaltensänderung entwickelt und          formalen Ebenen bspw. in          medizinischen Fachpersonal vor
durchläuft in der Versorgungspraxis            Abhängigkeit der Nutzerdaten      Ort an den Patienten ausgehän-
und innerhalb eines interdisziplinären         und des Behandlungspfades.        digt und in ihrem anfänglichen
Entwicklerteams viele Optimierungs-                                              Gebrauch erklärt.
schleifen.

                                                                                        Quelle: dgm-report.de

    Der digitale Patient
    Nicht jeder Bürger hat ein Smartphone und nicht
    allein das Alter ist ein Kriterium, welches die Smart-
    phoneverbreitung beeinflusst. Grafik 5 zeigt deut-
    lich, dass insbesondere der Bildungsstand eine deut-
    liche Einflussgröße darstellt. Kombiniert man diese
    Mediennutzungsdaten mit der Soziodemografie
    bestimmter Erkrankungen, lassen sich auch digitale
    Patientenzielgruppen gut vorausberechnen.
         Welche Sorte Bürger und Patienten welche di-
    gitalen Gesundheitsanwendungen nutzen, wie diese
    gewirkt haben, ob etwas dafür bezahlt wurde oder
    nicht und viele weitere Aspekte erhebt jährlich der
    EPatient Survey, die größte Online-Befragung zum
    digitalen Patienten seit 2010 (siehe hierzu auch
    www.epatient-survey.de). Eine Auswahl häufiger di-
    gitaler Anwendungen und ihre Wachstumsdynami-
    ken der letzten Jahre zeigt exemplarisch Grafik 6.

                                                                                                                   13
Trends | Digitaler Gesundheitsmarkt

                5. Smartphone-Nutzung nach Alter und Bildungsstand
                Mobile Onliner nach Alter und Bildung:
             Mobile  Onlinerdas
                 Je höher    nach  Alter desto
                                 Alter,  und Bildung:
                                                stärker ist der Bildungsstand
             Je höher das Alter, desto
                 ein deutlicher        stärker ist der Bildungsstand* ein deutlicher Trennfaktor
                                  Trennfaktor

                                                                             höchste Bildung       unterste Bildung

                             97%                    96%
                                                                            92%
                                     84%                     81%                                    84%

                                                                                     66%
                                                                                                              57%               60%

                                                                                                                                          28%               29%
                                                                                                                                                                       4%

                     Alter      20-29                  30-39                   40-49                   50-59                       60-69                         >70

                                                                                                                                                                  Quelle: dgm-report.de
               Kommentar:                                                                                                                 Quelle: www.dgm-report.de
               Dass der Bildungsstand insbesondere in der mobilen Internetnutzung eine große Einflussgröße darstellt, zeigt diese Abbildung. Ist der Bildungsunterschied
               bei mobilen Onlinern unter 30 Jahren bei höher und weniger formal gebildeten Gruppen nur ein Unterschiedsfaktor um 1,2, liegt er bei Bürgern >70 beim
               Faktor 7,3!

               * Def.: Höchste Bildung: Abgeschl. Hochschulstudium, unterste Bildung: Haupt-/Volksschulabschluss mit/ohne Berufsausbildung

         1
          Ärzte und digitale
          Patientenlösungen?
                                                                                                DGM: Digitale Zielgruppen 2018 Lizenz für Kundenname   © EPatient RSD GmbH, Berlin

          Gemeinsam mit der DAK-Gesundheit und der Ärzte                                                                    geworden. Breitere Anwendung finden
          Zeitung hatten wir vor zwei Jahren die Idee, endlich                                                              sie jedoch noch nicht alle.
          Licht ins Dunkel eines unserer Ansicht nach ziem-                                                        •        So hat die Bekanntheit der Online-
          lich entscheidenden Punktes zu bringen: Wie genau                                                                 Sprechstunde von 83 auf 87 Prozent zu-
          kennen, bewerten und nutzen Ärzte eigentlich diese                                                                genommen, nachdem im Frühjahr 2018
          ganzen neuen Apps, Start-ups, Wearables, Online-                                                                  das Verbot der ausschließlichen Fernbe-
          Videosprechstunden etc. für ihre Patienten? Es ent-                                                               handlung gelockert wurde. Neun Prozent
          stand der jährlich erscheinende Digitalisierungs­                                                                 der befragten Ärzte hatten mit der
          report der DAK-Gesundheit und Ärzte Zeitung                                                                       ­Online-Sprechstunde schon konkret zu
          (Umsetzung: EPatient RSD GmbH). Folgende Teil-                                                                     tun (2018: 8 Prozent).
          ergebnisse aus dem Digitalisierungsreport 2019                                                           •         Von der Online-Gesundheitsakte haben
          (Online-Ärztebefragung unter 2313 Ärzten):                                                                         74 Prozent der Ärzte 2019 schon gehört –
                                                                                                                             eine Zunahme von 22 Prozent im Ver-
                 •       Ärzte sind gegenüber der Digitalisierung                                                            gleich zum Vorjahr. Auch hier schlägt
                         offen, haben aber klare Ansprüche:                                                                  sich die öffentliche Diskussion um pati-
                         Sie wollen eHealth-Anwendungen nut-                                                                 entenzentrierte Gesundheitsakten nieder.
                         zen, wenn sie Diagnosen erleichtern und                                                             Konkret damit zu tun hatten jedoch erst
                         ­Arbeitsabläufe im Praxisalltag                                                                     neun Prozent.
                          ver­schlanken.                                                                           •         Szenario: Mit einer Online-Gesundheits-
                 •        Im Vergleich zum ersten Digitalisierungs-                                                          akte ändert sich das Verhältnis zwischen
                         report 2018 sind einige digitale Anwen-                                                             Arzt und Patient. Nutzer haben die Mög-
                         dungen im Gesundheitswesen bekannter                                                                lichkeit, sich intensiver mit ihren Gesund-

14
6. Nutzungsverbreitung der häufigsten Formen
        digitaler Gesundheitsanwendungen
        Entwicklung 2016 – 2018

                                                       Quelle: EPatient Survey 2018

         heitsdaten zu befassen und haben
         ­Zugang zu nahezu allen behandlungs­
          relevanten Dokumenten. Die Folge: Sie
          kommen informierter in die Praxis. Ärzte
          stehen diesem „aufgeklärten Patienten“
          neutral gegenüber.
    •     Szenario: Einen digitalen Check von
          Wechselwirkungen zwischen Medika-
          menten mithilfe einer Online-Gesund-
          heitsakte bewerten 71 Prozent der
          ­Befragten positiv.

     Der Digitalisierungsreport als komplette Studie
ist frei verfügbar unter: www.dak.de/dak/bundes-
themen/digitalisierungsreport-2047352.
     Wir von der EPatient RSD GmbH sehen Markt-        Autor
fakten, wie hier auszugsweise dargestellt, als das     Dr. Alexander Schachinger
                                                       Gründer und Geschäftsführer
kleine Einmaleins der digitalen Gesundheit. Dies
                                                       EPatient RSD GmbH
sollte jedes Unternehmen auf dem Gesundheits-
                                                       as@epatient-rsd.com
markt beherrschen.

                                                                                      15
Trends | #SmartHealthSystems

#SmartHealthSystems
Digital Health
im internationalen
Vergleich

16
Wenn andere etwas besser machen, lohnt sich stets die Frage: Was macht
ihren Erfolg aus? Genau das ist Dreh- und Angelpunkt einer Studie der
Bertelsmann Stiftung: #SmartHealthSystems hat analysiert, warum
Deutschland im Vergleich mit 16 anderen Nationen bei der Digitalisierung des
Gesundheitswesens deutlich hinterherhinkt – und was wir von den anderen
lernen können.

Text: Timo Thranberend, Dr. Thomas Kostera, Dr. Cinthia Briseño

U
             m in einem Bild zu sprechen: Die rich-    forschung hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung
             tigen Zutaten sind vorhanden. Doch es     den Grad der Digitalisierung im Gesundheitswesen
             mangelt an den passenden Rezepten,        von insgesamt 17 Ländern einschließlich Deutsch-
             der richtigen Zusammenarbeit in der       land im Detail analysiert und miteinander vergli-
             Küche und an einem Küchenchef, der        chen. Die Studie #SmartHealthSystems offenbart,
dafür sorgt, dass es mit dem Teamwork klappt. Dass     dass wir unsere Potenziale nicht nutzen – von den
etliche Länder in ihren Bemühungen zur Digitalisie-    17 untersuchten Ländern liegen wir auf dem vor-
rung im Gesundheitswesen Deutschland weit vor-         letzten Platz.
aus sind, liegt nicht etwa an fehlenden Technologi-         Doch woran liegt das? Oder anders gefragt:
en oder am mangelnden Innovationspotenzial. Seit       Was machen die anderen Länder besser als
vielen Jahren gibt es hierzulande erfolgreiche digi-   Deutschland? Um Antworten darauf zu finden, geht
tale Projekte in der Gesundheitsversorgung. Die        #SmartHealthSystems über eine einfache Beschrei-
meisten von ihnen aber bleiben regional oder auf       bung des Digitalisierungsgrades der jeweiligen
einzelne Versorger begrenzt und schaffen nicht den     Gesundheitssysteme hinaus. Vielmehr untersucht
Weg in die Regelversorgung.                            die Studie Rahmenbedingungen sowie Entwicklungs-
     Von E-Rezept über elektronische Patientenak-      linien der jeweiligen Länder und leitet die Erfolgs-
ten bis hin zu Telemedizin: In zahlreichen anderen     faktoren ab, die zum Digitalisierungsfortschritt
Ländern sind E-Health-Anwendungen dagegen              beitragen.
längst Teil des Versorgungsalltags. Die empirica Ge-
sellschaft für Kommunikations- und Technologie-

                                                                                                              17
Trends | #SmartHealthSystems

             Erfolgsbasis anderer Länder ist ein Dreiklang aus effektiver Strategie,
             politischer Führung und koordinierenden nationalen Institutionen

         Erfolgskritisch:                                            Beispiel Dänemark: Bereits 1999 wurde hier die
         Dreiklang aus Strategie,                               erste nationale E-Health-Strategie verabschiedet.
                                                                Diese verknüpft seither konkrete Digitalisierungs-
         politischer Führung und                                initiativen mit Vorgaben und Zielen. Als Koordina-
         koordinierenden                                        tor agiert das nationale E-Health-Board, das die In-
                                                                halte der nationalen E-Health-Strategien festlegt.
         Institutionen                                          Zudem entwickelt die staatlich finanzierte Digital-
         Auf dem Siegerpodest stehen Estland, Kanada und        Health-Agentur MedCom Standards, die zur An-
         Dänemark. Diesen und weiteren erfolgreichen Län-       wendung gelangen, und bestimmt die Vorgaben für
         dern ist der Analyse zufolge vor allem eines gemein    die Implementierung digitaler Maßnahmen.
         – es ist ein Dreiklang aus Faktoren, der am ehesten         Der Erfolg dieser strategischen Vorgehensweise
         dafür sorgt, dass digitale Lösungen flächendeckend     zeigt sich im Versorgungsalltag der Dänen. Über das
         zum Einsatz kommen:                                    nationale Gesundheitsportal sundhed.dk hat jeder
             1.	Es existiert eine effektive Strategie. Sie     Bürger Zugang auf seine gesamte Krankheitsge-
                   basiert auf einer gesundheitspolitischen     schichte. Rezepte existieren nur noch in elektroni-
                   Zielvorstellung, die alle wichtigen Akteu-   scher Form und der Datenaustausch zwischen den
                   re teilen.                                   Gesundheitsversorgern findet sowohl stationär als
             2.	Die Politik nimmt eine Führungsrolle           auch ambulant überwiegend elektronisch statt.
                   ein.                                              Zwar gibt es auch in Deutschland mit gesetzli-
             3.	Eine oder mehrere politisch verankerte         chen Vorgaben wie dem E-Health-Gesetz strategi-
                   Institutionen koordinieren und begleiten     sche Elemente für Digital Health. Im Gegensatz zu
                   den Prozess.                                 der überwiegenden Anzahl der untersuchten Län-

18
der hat man hierzulande aber noch keine Instituti-
on geschaffen, die die Digitalisierung im Gesund-
heitswesen umfassend koordiniert. Übergreifende
elektronische Patientenakten sollen nach aktuellem
Plan erst Anfang 2021 zur Verfügung stehen. Die
regulatorischen Voraussetzungen für ein E-Rezept
werden frühestens 2020 stehen.
     Dagegen sind etwa in Kanada digitale Rezepte
längst selbstverständlich, ebenso wie Ferndiagno-
sen und Fernbehandlungen per Video, und die
wichtigsten Gesundheitsdaten der Patienten sind in
digitalen (Kurz-)Akten gespeichert. In Estland kön-
nen ähnlich wie in Dänemark alle Bürger ihre Un-              Der Erfolg oder Misserfolg von digitalen Lösun-
tersuchungsergebnisse, Medikationspläne oder             gen in der Gesundheit hängt darüber hinaus aber
Impfdaten online einsehen und Zugriffsmöglich-           auch von politischen Präferenzen sowie wirtschaft-
keiten für Ärzte und andere Gesundheitsfachkräfte        lichen und kulturellen Faktoren ab. Um diese näher
digital verwalten. Auch Israel ist viele Schritte vor-   zu beleuchten, haben wir fünf Länder intensiver
aus: Dort werden bereits intelligente Algorithmen        unter die Lupe genommen: In Dänemark, Frank-
für die Vorhersage und Vermeidung von Krankhei-          reich, Israel, Niederlande und der Schweiz fanden
ten sowie für Forschung und Entwicklung genutzt.         Interviews vor Ort mit Vertretern von Ministerien
Basis für die Big-Data-Anwendungen sind die seit         und Verbänden sowie unabhängigen Experten statt.
vielen Jahren verfügbaren elektronischen                      Zwar weist keines der analysierten Länder ei-
Patientenakten.                                          nen perfekten Digitalisierungsgrad auf. Fest steht
                                                         aber, dass die meisten in allen drei Teilbereichen
Methode:                                                 weit vor Deutschland liegen. 13 der 17 analysierten
                                                         Länder verfügen auf nationaler Ebene über klar aus-
Digital-Health-Index und                                 formulierte Digital-Health-Strategien. Dabei han-
detaillierte Analyse in fünf                             delt es sich nicht um starre Detailpläne, sondern
                                                         vielmehr um Zielbilder, die genügend Freiraum für
Ländern                                                  regionale Entwicklungen und dynamische Anpas-
Um die digitalen Fortschritte in den Gesundheits-        sungen lassen und helfen, lokal entwickelte Lösun-
systemen der 17 Länder miteinander vergleichen zu        gen national zu skalieren.
können, haben die empirica-Forscher für die                   Die ausführlichen Gespräche mit den Akteuren
#SmartHealthSystems-Studie eigens einen speziel-         für Digitalisierung im Gesundheitswesen zeigen zu-
len Digital-Health-Index entwickelt, der sich aus        dem: Zum einen bedeutet politische Führung nicht,
drei Teilbereichen zusammensetzt:                        Digitalisierungsprozesse einfach von oben zu ver-
     1.	Policy-Aktivität: Gemeint ist die politisch-    ordnen, zum anderen reichen gute Strategien und
          strategische Herangehensweise der Län-         der politische Wille allein nicht aus. Vielmehr müs-
          der in Bezug auf Rechtsrahmen, Gover-          sen die vielfältigen Aufgaben und Interessen im
          nance oder spezielle Institutionen.            Kontext der Digitalisierung effektiv koordiniert
     2.	Digital Health Readiness:                       und gesteuert werden.
          Beleuchtet die technischen Voraussetzun-            Erfolgreich sind deshalb insbesondere jene
          gen für die ­Implementierung von               Länder, die mit einer guten Gesundheitspolitik für
          Digital-Health-Anwendungen.                    einen klaren Rahmen und Akzeptanz sorgen und
     3.	Tatsächliche Datennutzung:                      die Entwicklung vorantreiben, sich aber im Detail
          Untersucht die Reichweite der digitalen        auf Ausgestaltung durch die Akteure im Gesund-
          Applikationen.                                 heitswesen verlassen.

                                                                                                                19
Trends | #SmartHealthSystems

        Digital-Health-Index als Summe der Sub-Indizes pro Studienland
        Leseanleitung: Die Sub-Indizes (Maximalwert = 100) werden im Balkenformat dargestellt. Dabei werden sie
        einfach aufaddiert und die einzelnen Balken entsprechend nebeneinandergestellt. Die Gesamtlänge der
        Balken dividiert durch 3 ergibt den Gesamtindexwert.

                                                                  „Es braucht strukturierte
                                                                  Daten, Interoperabilität
                                                                  und eine neue
                                                                  Kommunikationskultur“
              Auch hier liefert die führende Nation Däne-         Eine der Hauptaufgaben dieser Kompetenzzentren
         mark ein gutes Beispiel: Zwar wird dort das Ge-          ist das Thema Interoperabilität: Gemeinsam mit Ex-
         sundheitssystem zentral gesteuert, doch die Verwal-      perten und Stakeholdern arbeiten sie Standards aus
         tungen der einzelnen Dienstleistungen liegen auf         und schaffen die technischen Voraussetzungen und
         regionaler Ebene, und die Regionen haben die Auf-        eine Datenbasis, die alle Nutzer verstehen und für
         sicht über die nationale Digital-Health-Agentur          ihre Zwecke verarbeiten können. „Es braucht struk-
         MedCom. Auf diese Weise haben zunächst lokal             turierte Daten, Interoperabilität und eine neue
         oder regional erfolgreiche Digital-Health-Projekte       Kommunikationskultur, damit Patientenakten
         die Möglichkeit, auch national zu skalieren. „Viele      mehr werden als schlecht bedienbare Bibliotheken“,
         der besten Projekte beginnen in Zusammenarbeit           sagt Dr. Yvonne Gilli, Verantwortliche für E-Health
         mit Patienten in der Klinik“, sagt Jakob Uffelmann,      des Schweizer Ärzteverbands FMH.
         Director Innovation von sundhed.dk. „Dort testen              Ein weiteres wesentliches Kriterium erfolgrei-
         und prüfen wir Projekte, sodass wir sie dann auf         cher Länder: Sie verstehen Digitalisierung nicht als
         nationaler Ebene fortführen können.“                     Selbstzweck. Vielmehr orientieren sich die Digitali-
              Außer in Deutschland und in Spanien existie-        sierungsbemühungen am Nutzen, den sie stiften
         ren in den untersuchten Ländern Kompetenzzen­            können: Wie können digitale Anwendungen die
         tren oder Agenturen für digitale Gesundheit als          Qualität der Versorgung steigern? Wie kann die
         ­politisch verankerte Behörden. In vielen Fällen         Versorgung im ländlichen Raum verbessert wer-
          übernehmen sie aber dabei nicht nur Beratungs-          den? Welchen Mehrwert haben sie für Patienten,
          oder Koordinierungsaufgaben, sondern greifen            Ärzte oder das Pflegepersonal?
          durch bindende Vorschriften und Standards auch               Dabei zeigt sich, dass zum einen vor allem Pro-
          aktiv in den Entwicklungsprozess ein.                   jekte dann erfolgreich sind, wenn sie Schritt für

20
Schritt vorgehen, während allumfassende groß an-
gelegte Programme eher zum Scheitern tendieren.        etwa regen ihre Mitarbeiter an, aktiv Ideen für die
Beispiel England: 2005 initiierte der NHS ein nati-    Digitalisierung ihres Alltags zu entwickeln, und die
onales IT-Programm für die Erstellung einer zentra-    Betreiber des Patientenportals sundhed.dk laden re-
lisierten elektronischen Patientenakte, das mit        gelmäßig Patienten ein, Neuentwicklungen zu
mehr als zwölf Milliarden britischer Pfund finan-      bewerten.
ziert werden sollte. Doch das Projekt scheiterte und       Fest steht: Digitalisierung ist dann erfolgreich,
wurde 2011 zugunsten von lokal entwickelten Kran-      wenn sie zur Verbesserung beiträgt – für das Ge-
kenaktensystemen eingestellt.                          sundheitssystem und jeden einzelnen Menschen.
                                                       Auch in Deutschland kann das gelingen. Dafür
                                                       braucht es ein entschlossenes Handeln der Gesund-
Wichtige Strategie-                                    heitspolitik und mehr Geschwindigkeit in der Um-
Elemente: Systematische                                setzung. Der Blick auf die Erfolgsfaktoren in ande-
                                                       ren Ländern kann uns dabei helfen.
Akzeptanzförderung und
Einbindung von Endnutzern                              Weitere Informationen & Studienergebnisse auf
                                                       smarthealthsystems.de
Auch die eine systematische Förderung von Akzep-
tanz bei Ärzten und Patienten – etwa als strategi-
sche Aufgabe einer nationalen Agentur – und die
Einbindung der Endnutzer sowohl bei der Entwick-
lung von digitalen Lösungen sowie der Formulie-
rung von Digitalisierungsstrategien trägt wesent-
lich zu deren Erfolg bei. Dänische Krankenhäuser
                                                                                           Autoren
                                                                                           Timo Thranberend
                                                                                           Senior Project Manager,
Verfügbarkeit von nationalen Strategien,                                                   Bertelsmann Stiftung
                                                                                           Dr. Thomas Kostera
Digital-Health-Institutionen und digitalen Anwendungen                                     Project Manager,
                                                                                           Bertelsmann Stiftung
                                                                                           Dr. Cinthia Briseño
                                                                                           Managing Partner,
                                                                                           Frisk Innovation GmbH

                                                                                                                     21
Trends | Cyberkriminalität

Cyberkriminalität
Risiken und
Nebenwirkungen der
digitalen Medizin

22
Daten sind die neue Währung in der Gesundheitswirtschaft. Durch
Technologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz können sie das
deutsche Gesundheitswesen nicht nur besser, sondern auch wirtschaftlicher
machen. Doch die Nutzung von Daten setzt das Vertrauen der Versicherten
voraus. Wie schätzen die Bürger den Stand der Datensicherheit in
Krankenhäusern und Arztpraxen ein? Für wie angreifbar halten sie das
Gesundheitssystem durch Cyberkriminalität? Glauben sie, dass ihre Daten
bei Ärzten gut aufgehoben sind? Um Antworten zu finden, hat PwC in einer
Studie 1 000 Bürger befragt.

Michael Burkhart, Jörg Asma

O
              perationen, die verschoben werden         ebenfalls von einem Hackerangriff betroffen war.
              müssen, eine Notaufnahme, die nicht       Durch die Attacke mit Schadsoftware musste die IT
              mehr einsatzbereit ist, Ärzte und Pfle-   abgeschaltet, die Strahlentherapie für Krebspatien-
              ger, die im digitalen Zeitalter wieder    ten ausgesetzt und ebenfalls die Notaufnahme
              auf Papier und Bleistift angewiesen       geschlossen werden. Eine „wochenlange digitale
sind, Computer, die über Wochen ausfallen – das         Fastenzeit“ folgte auf den Angriff an Aschermitt-
hat sich in der deutschen Krankenhauslandschaft         woch 2016, wie es die Geschäftsführung des Kranken-
zu einem realistischen Szenario entwickelt. Erst im     hauses formulierte. In Großbritannien wurden im
Herbst vergangenen Jahres wurde das Klinikum            Mai 2017 rund 40 Krankenhäuser Opfer einer groß-
Fürstenfeldbruck von einem Trojaner lahmgelegt,         angelegten Cyberattacke – ebenso wie viele Unter-
der Hunderte Rechner befiel. Die Notaufnahme des        nehmen weltweit.
Krankenhauses konnte über Tage nicht mehr ange-
fahren werden. Einer der bekanntesten Fälle ist der
Angriff auf das Lukaskrankenhaus in Neuss, das

                                                                                                              23
Trends | Cyberkriminalität

                                                                 Mit digitalen Technologien
                                                                 steigt die Verwundbarkeit
                                                                 durch Cybercrime
                                                                 Cyberkriminalität ist zu einer ernsten Bedrohung
                                                                 für die Wirtschaftswelt allgemein geworden, doch
                                                                 für die Gesundheitswirtschaft stellt sie eine be­­
                                                                 sondere Gefahr dar, weil es bei Krankenhäusern,
                                                                 Arztpraxen und anderen Einrichtungen des
                                                                 ­Gesundheitswesens immer um den Schutz von
          Drei von zehn Deutschen                                 ­Menschenleben geht. Daher zählen größere Kranken-
          haben Angst vor einem                                  häuser auch zu den kritischen Infrastrukturen, sol-
                                                                 chen Einrichtungen, die für das staatliche Gemein-
          Computerausfall                                        wesen von besonders hoher Bedeutung sind.
          Cyberkriminalität hat sich zu einer der größten Be-         Die Verwundbarkeit der Gesundheitswirtschaft
          drohungen für das deutsche Gesundheitswesen            steigt durch den zunehmenden Grad der Digitalisie-
          entwickelt – die Gesundheitswirtschaft steht beson-    rung noch weiter. Digitale Technologien prägen
          ders im Visier von Cyberkriminellen. Wie eine PwC-     schon heute den Arbeitsalltag, und dieser Trend
          Bevölkerungsbefragung zur Datensicherheit in Kli-      wird sich in den kommenden Jahren noch verstär-
          niken und Arztpraxen unter 1 000 Bürgern zeigt, ist    ken, denn die Digitalisierung bietet dem Gesund-
          diese Botschaft auch bei den Versicherten angekom-     heitswesen ein enormes Potenzial – die Gesund-
          men. Die Deutschen fürchten die Risiken und Neben-     heitswirtschaft weltweit kann ihre Effizienz dank
          wirkungen der digitalen Medizin: Drei von zehn         smarter Technologien bis zum Jahr 2021 um etwa 15
          Versicherten haben Angst davor, dass Computersys-      bis 20 Prozent steigern, wie die PwC-Studie „Global
          teme bei einem geplanten Krankenhausaufenthalt         Top Health Industry Issues“ vorhersagt. So arbeiten
          ausfallen könnten. Diese Sorge beschäftigt vor allem   Kliniken inzwischen stark vernetzt und sind in nahe-
          jüngere Menschen, die bereits mit digitalen Techno-    zu allen Arbeitsabläufen auf digitale Technologien
          logien groß geworden sind. Für besonders schlecht      angewiesen, medizinische Geräte sind mit dem Inter-
          vorbereitet auf einen Hackerangriff halten die Bür-    net verbunden und Patientendaten werden zwischen
          ger kleinere kommunale Krankenhäuser in länd-          den einzelnen Sektoren elektronisch ausgetauscht.
          lichen Gegenden, wie 51 Prozent bestätigen. Großen          Diese Form von Vernetzung kann zu einem Ein-
          Nachholbedarf beim Thema Datensicherheit sehen         fallstor für Cyberkriminelle werden. Derzeit greifen
          sie auch bei konfessionellen Krankenhäusern, wie       sie vor allem mit Schadsoftware an, mit der sie IT-
          46 Prozent angeben, und bei Hausarztpraxen (45         Systeme verschlüsseln und anschließend Lösegeld
          Prozent). Als vergleichsweise gut aufgestellt be-      zu erpressen versuchen. Weniger bekannt ist bis-
          zeichnen sie dagegen Universitätskliniken, Gesund-     lang, dass die Angreifer medizinische Geräte hacken
          heitszentren oder große Gemeinschaftspraxen und        oder sich Zugang zu Patientendaten verschaffen,
          Kliniken in privater Trägerschaft mit mehreren         aber prinzipiell ist das natürlich ebenfalls
          Häusern.                                               möglich.

24
Global healthcare payer and provider leaders are acting on the need
  for increased data privacy and trust
  Payer/provider respondents say they are taking steps to provide security for technologies

  Quelle: PwC Health Research Institute analysis of PwC Global State of Information Security Survey, 2018

Schutz vor Angriffen: der
Faktor Mensch zählt am
meisten
Wie können Krankenhäuser, Praxen und andere
Einrichtungen des Gesundheitswesens sich vor sol-
chen Zugriffen schützen? Wie würden sich die Bür-
ger am besten abgesichert fühlen? Deutlich mehr                                 Als weitere Maßnahme für mehr Datensicher-
als die technische Sicherheitsinfrastruktur zählt für                      heit in Krankenhäusern wünschen sich die Bürger
die Deutschen der Faktor Mensch, wie die PwC-                              ein standardisiertes Sicherheitskonzept, das alle
Befragung zeigt: 87 Prozent halten die Schulung                            notwendigen Schutzmaßnahmen beschreibt und
und Sensibilisierung der Klinik- oder Praxismitar-                         von einer Instanz wie dem Bundesgesundheits-
beiter für die wichtigste Maßnahme, um Datensicher-                        ministerium vorgegeben wird – das bestätigen 85
heit zu gewährleisten. Damit bestätigen die Laien                          Prozent der Studienteilnehmer. Ebenso halten sie
die Einschätzung von Experten für Internetsicher-                          die Meldung von Angriffen aus dem Internet bei
heit: Mitarbeiter sind das häufigste Einfallstor in                        der zuständigen Behörde (82 Prozent) und regelmä-
das Netz eines Unternehmens oder einer Organisa-                           ßige Testangriffe oder Angriffssimulationen (77
tion. Über E-Mails verschaffen sich Internetkrimi-                         Prozent) für sinnvoll. Bei allen Maßnahmen
nelle Zugang zu den Systemen, wie beispielsweise                           wünscht sich die Mehrheit der Bürger, dass diese
in Neuss oder Fürstenfeldbruck geschehen, alterna-                         gesetzlich vorgeschrieben werden. Noch sicherer
tiv über einen betrügerischen Anruf. Deshalb ist es                        würden sich die Deutschen insbesondere bei einem
zwingend notwendig, Mitarbeiter laufend zu schu-                           Krankenhausaufenthalt fühlen, wenn die Informa-
len und ihr Bewusstsein für Gefahren aus dem Netz                          tionssicherheit des Hauses durch eine unabhängige
wach zu halten.                                                            Prüfstelle zertifiziert wäre.

                                                                                                                               25
Trends | Cyberkriminalität

                      Vertrauen in den
                              Umgang mit
                       Patientendaten?
               Nur zwei von drei Deutschen
                 vertrauen darauf, dass ihre
        Hausarztpraxis Datenpannen oder
                Datenschutzverstöße an die
                   Aufsichtsbehörde meldet.

Quelle: Studie „Datensicherheit in Kliniken und Arztpraxen“, PwC 2019

                                                                             Der Gesetzgeber hat die Vorgaben für Kranken-
                                                                        häuser bereits verschärft. Da sie zu den Kritischen
                                                                        Infrastrukturen gehören, müssen Kliniken mit
     Welche Maßnahmen sind geeignet?                                    mehr als 30 000 vollstationären Fällen pro Jahr ab
                                                                        Juli 2019 in Audits nachweisen, dass sie die „Ände-
     Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter wird
                                                                        rungsverordnung zur Bestimmung Kritischer Infra-
     als beste Maßnahme gesehen, um Datensicherheit                     strukturen nach dem BSI-Gesetz“ vom 30. Juni 2017
     zu gewährleisten.                                                  umgesetzt haben. Da es allerdings noch keinen all-
                                                                        gemeinen Datensicherheitsstandard gibt, ist die
                                                                        Verunsicherung in der Branche derzeit groß – aus
                                                                        Sicht vieler Experten kann die Verordnung kaum
                                                                        zum Stichtag eingehalten werden. 120 Kliniken
                                                                        sind nach derzeitigem Stand von dem Informations-
                                                                        sicherheitsgesetz betroffen.

                                                                        Nur jeder zweite Deutsche
                                                                        glaubt, dass Ärzte alle
                                                                        Sicherheitsmaßnahmen
                                                                        umsetzen
                                                                        Nicht nur Krankenhäuser gehen täglich mit sensiblen
                                                                        Daten um, auch in Arztpraxen hinterlassen Patienten
                                                                        persönliche Informationen, die vor Zugriffen von
                                                                        außen geschützt werden müssen. Halten sich nieder-
                                                                        gelassene Ärzte an diese Vorgabe? In diesem Punkt
                                                                        sind die Bürger eher skeptisch – so glauben nur 69
                                                                        Prozent, dass der Arzt alle Patientendaten ver-
Quelle: Studie „Datensicherheit in Kliniken und Arztpraxen“, PwC 2019   schlüsselt speichert, und lediglich 65 Prozent gehen

26
Inwieweit sind Kliniken / Praxen
     auf Netzangriffe vorbereitet?
         45 Prozent der Bundesbürger sehen
 allgemeinmedizinische Praxen nur begrenzt
    auf potenzielle Cyberangriffe vorbereitet.

                                                          Quelle: Studie „Datensicherheit in Kliniken und Arztpraxen“, PwC 2019

davon aus, dass er Datenschutzpannen und -verstöße
an die zuständige Aufsichtsbehörde meldet. Nur
knapp jeder Zweite ist davon überzeugt, dass der           Schutz von Patientendaten
Arzt alle notwendigen Schutzmaßnahmen um-                  Wie lassen sich sensible Patientendaten am besten
setzt. In diesem Bereich gibt es großen Handlungs-         sichern, die über Health-Wearables übertragen
                                                           werden? Dieser Frage ist die Studie „Global Top
bedarf: Die sichere Übermittlung von persönlichen
                                                           Health Industry Issues“ des Health Research Institute
Patientendaten muss zum Standard werden, wie es            (HRI) von PwC nachgegangen. Die Anbieter weltweit
auch das E-Health-Gesetz fordert.                          bestätigen, dass sie bereits Sicherheitsmaßnahmen
     Trotz der Skepsis ist die Bereitschaft der Bürger,    treffen, um die Daten zu schützen: 63 Prozent haben
                                                           eine Risikobewertung der Geräte eingeführt und 55
Daten zu teilen, vergleichsweise hoch: 52 Prozent          Prozent haben Sicherheitskontrollen implementiert.
wären bereit, alle persönlichen Daten über die elek-       Da die Nutzung von Wearables, die Gesundheitsdaten
tronische Gesundheitskarte mit ihrem Arzt oder             per App übertragen, noch deutlich steigen wird, sind
                                                           erhebliche weitere Sicherheitsmaßnahmen notwendig.
ihrer Krankenkasse zu teilen, lediglich 26 Prozent
                                                           Wichtig ist vor allem, dass alle notwendigen Daten-
lehnen das strikt ab und 22 Prozent sind noch un-          schutzmaßnahmen umgesetzt werden und die Daten-
sicher. Sorgen machen sich die Bürger im Zusam-            hoheit allein beim Nutzer liegt.
menhang mit der elektronischen Gesundheitskarte,
die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach
einer langen Anlaufphase vorantreiben möchte, be-
sonders um den Verlust der Chipkarte: 67 Prozent
befürchten, dass sie die Karte verlieren könnten
und eine notwendige Behandlung dann nicht mehr
stattfinden kann, weil die Daten nicht mehr verfüg-
bar sind. Das Vertrauen der Versicherten in die                                                   Autoren
elektronische Gesundheitskarte muss noch weiter                                                   Michael Burkhart
                                                                                                  Leiter des Bereichs
gestärkt werden, damit diese wie geplant künftig
                                                                                                  Gesundheitswirtschaft bei PwC
auch zum gezielten Informationsaustausch genutzt
                                                                                                  Jörg Asma
werden kann. Dazu gehört auch der weitere Ausbau                                                  Leiter des Bereichs
der Telematikinfrastruktur.                                                                       Cyber Security bei PwC

                                                                                                                                  27
Trends | Markttrends

Markttrends
im Überblick
Es gibt weltweit zahlreiche Studien, die interessante Hintergründe und Trends im Bereich Health IT aufzeigen.
Bernhard Calmer (Cerner), Natalie Gladkov (bvitg) und Andreas Kassner (3M Deutschland) scannen
solche Studien innerhalb der AG Marktforschung des bvitg und ordnen sie ein. Hier präsentieren wir Ihnen
einige Highlights daraus.

  Neue Märkte: Milliardengeschäft Artificial Intelligence

AI IN HEALTHCARE FUNDING HIT A HISTORIC HIGH IN Q 2 OF 2018

700      Equity funding ($M)                                                     # of equity deals         8

600                                                                                                        7
                                                                                                           6                   Artificial Intelligence
500
                                                                                                           5                   rockt: Stetig wächst die
400
                                                                                                           4                   Liste der von der FDA zugelassenen
300
                                                                                                           3                   Produkte. Ob so was mit der
200                                                                                                        2                   europäischen Medical Device
100                                                                                                        1                   Regulation (MDR) in den
        Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4              Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4                   Q1 Q2                       kommenden Jahren möglich sein
             2013              2014                2015          2016              2017            2018                        wird, ist zu bezweifeln.

AI ALGORITHMS APPROVED BY THE FDA

STROKE                         DIABETIC RETINOPATHY               INTR ACR ANIAL                               WRIST FR ACTURE                      DIABETES SUPPORT
Scans CT images for            Analyzes ratinal images and        HEMORRHAGE                                   Scans X-ray images aiding            Analyzes data from continuous
indication of stroke,          uploads to the cloud with          Processes CT images to triage                providers to identify a              glucose monitors, insulin
and alerts specialist          a binary result in minutes         cases most in need of expert                 common type of wrist bone            pumps and self-monitoring to
in case of a large             indicating that more than mind     review and diagnosis with a focus            fracture, known as distal            determinate an insulin delivery
vessel blockage                diabetic retinopathy is present    on acute intracranial hemorrhage             radius fracture                      recommendation

ATRIAL FIBRILL ATION           ATRIAL FIBRILL ATION               CARDIAC FUNCTION                             CARDIOVASCUL AR DX                   ONCOLOGY IMAGING
Enables its smartphone         Analyzes data from sensors         Auto-reviews echocardio-                     Scans CT images to develop           Helps clinicians analyze
ECG device to detect           built into the Apple Watch         graphy study videos to select                an artery calcification score        ARIs and CT scans for
atrial fibrillation and        to detect irregular heart rate     the best to calculate ejection               that clinicians can use to           signs of potential liver
other rythm abnor-             passively and alert users to       fraction, a key measure of                   flag patients at high risk of        and lung cancer
malities                       potential problems                 cardiac function                             cardiovascular disease

Quelle: Dave Gartner (auf Anfrage)

28
Neue Märkte: KI in Pharma und Life Sciences
Die Pharma- und Life-Sciences-Industrie integriert Anwendungen für
Künstliche Intelligenz für immer mehr Aufgaben in den Arbeitsalltag ihrer
Mitarbeiter. Das geht aus einer Studie des IT-Unternehmens Infosys hervor.

                                                                                                                                 Die Studie des IT-Unternehmens
                              Für rund 90 Prozent der                                          Rund 40 Prozent der

     90 %                     befragten Entscheider bildet             40 %                    Organisationen aus
                                                                                                                                 Infosys hat insgesamt zehn
                                                                                                                                 Unternehmensbereiche analysiert, darunter
                              KI eine Kernkomponente für den                                   Pharma und Life Sciences
                              Unternehmenserfolg und wird in                                   nutzen bereits KI und sind        den Einzelhandel, Finanzdienstleistungen,
                              Zukunft unentbehrlich sein.                                      damit zufrieden.                  Pharma und Life Sciences,
                                                                                                                                 Telekommunikation, die Automobil- sowie
                                                                                                                                 Luft- und Raumfahrtindustrie und den
                                                                                                                                 öffentlichen Sektor. Dabei erwies sich die
                                                                                                                                 Pharma- und Life-Sciences-Industrie am

     78 %                     78 Prozent der befragten
                              Führungspersonen geben an,
                                                                       53 %                    Nur 53 Prozent der
                                                                                               Befragten glauben, dass
                                                                                                                                 fortschrittlichsten in Bezug auf die
                                                                                                                                 Implementierung von KI im Arbeitsumfeld
                              die Mitarbeiter ungeachtet der                                   ihre Organisationen               sowie besonders offen gegenüber
                              Arbeitsübernahme durch Maschinen                                 die ethischen Fragen
                                                                                                                                 Änderungen in der Betriebsstrategie. Wo
                              weiterhin zu beschäftigen.                                       im Zusammenhang mit
                                                                                                                                 wohl die anderen Bereiche im
                              Sie wollen die betroffenen                                       KI in vollem Umfang
                                                                                                                                 Gesundheitswesen im Vergleich stehen?
                              Angestellten innerhalb des gleichen                              berücksichtigt haben.
                              Funktionsbereichs umstellen bzw. zu
                              einer völlig neuen Rolle oder Funktion
                              umschulen.                                                       Quelle: IT-Production

  Neue Märkte: Pläne der Big Three
                                                                                                Ganz klare Ausrichtung zu den Gesundheitsdaten.
Was haben die Silicon-Valley-Giganten im Bereich
Healthcare in 2018 unternommen und investiert?

ONLINE PHARMACY, ALEX A SKILLS,                                     PERSONAL HEALTH RECORDS, APPLE                                 AI DIAGNOSTICS, CHRONIC DISEASE
EMPLOYER HEALTH ANALY TICS                                          WATCH FEATURES, PARTNERSHIPS                                   PARTNERSHIPS, INVESTMENTS
Partnership with Berkshire Hathaway and J. P. Morgan                The Series 4 Apple's Watch includes an FDA-cleared             Cityblock Health, which spun out of Alphabet's
for an employer health initiative                                   cardiac monitoring product; Also includes fall detection       Sidewalk Labs, raised $ 17.8 m
Acquired online pharmacy start-up PillPack,                         features                                                       Alphabet invested $ 375 m in Oscar Health
for around $ 1b                                                     Launches their Health Records feature, allowing patients       Google published that their AI could successfully
Deal with Arcadia Group on an exclusive brand of home               to aggregate and share data with their EHR if the patient      predict cardiovascular problems such as heart attacs
health products                                                     is at a participating hospital; 75 hospitals were enrolled     and strokes from images of the retina
                                                                    as of August
Cloud-based service from AWS will 'read' text submitted                                                                            Partnerships: VA and DeepMind on research
to it and identify the medical information contained within         Major partnerships include deals with LensCrafters,            targeting patient deterioration during hospital care;
                                                                    Zimmer Biomet with 10k knee and hip replacement                Verily and ResMed on sleep apnea treatments
Alexa team to explore things like determining sickness via
                                                                    surgery patients an a trial involving their Watch and a
speech analysis and integration with devices like blood                                                                            Shut down their high-profile partnership with
                                                                    specialized app, and RapidSOS on first responder data
pressure cuffs (partnership with Omron)                                                                                            Novartis on a glucose-sensing contact lens
                                                                    from iPhones

                                                                                                                                                  Quelle: Dave Gartner (auf Anfrage)

                                                                                                                                                                                     29
Trends | Markttrends

         Leistungserbringer: Technologie-Skills
Deloitte hat für die Time to Care Studie in 14 europäischen Ländern über 1 350 Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhäusern –
auch zu ihrem Umgang mit digitalen Technologien im Arbeitsumfeld – befragt.

COGNITIVE, EMOTIONAL AND ANALY TICAL SKILLS WILL BE KEY FOR THE
HEALTH PROFESSIONAL OF THE FUTURE
                                                            - f u n c t i o n a l
                                                      o s s
                                                  C r                                   s k
                                                                                            il
                                                                                               ls
                                            TECHNICAL SKILLS         SOCIAL SKILLS

                                            IT and analytics,        Perceptiveness, Coordination,
                                            Understanding deep,      Negotiation, Persuasion, Service
                                            machine learning         orientation, Ethical counselling

                                                  MANAGEMENT         SYSTEM SKILLS
                                                  SKILLS
                                                                     Complex
                                                  Team management,   problem-solving,          CONTENT SKILLS
                                                  Time management    Decision-making           Reading comprehension,
                                                                                               Active listening, Speaking,
                                                                                               Mathematics, Science,                                         Durchaus spannende Einsichten im
                                                                                                                                  B a s
                                                                                               Analytics
K n o w l e d g e

                      KNOWLEDGE

                      Generalist and specialist                                                                                         i c                  internationalen Vergleich: Es zeigt sich,
                      knowledge Evidence-based                                                PROCESS SKILLS
                                                           FUTURE SKILLS
                      medicine Evidence-based                                                 Critical thinking Active learning                              dass länderübergreifend die Erwartungen an
                                                                                                                                   s k i l l s

                      therapy Health economics               FOR HE ALTH                      Lifelong learning strategies
                      Public health
                                                                                                                                                             Digitalisierung ähnlich ausfallen. Je verbreiteter

                                                                                          Physical skills, Psychomotor
                                                                                                                                                             eine Technologie im Arbeits- oder Privatleben ist,
                                                                                          abilities, Physical abilities
                                                                                                                                                             desto höher wird das Verbesserungspotenzial
                                              COGNITIVE
                                              ABILITIES                                                                                                      gesehen.
                                              Verbal Idea
                                              generation and
                                                                       SENSORY ABILITIES
                                              reasoning Analytics
                                              Memory Perceptual        Visual auditory and speech
                                              and spatial
                                              Attentiveness
                                              Adaptability

                                                             A b i l i t i e s

VIEWS OF HOSPITAL DOCTORS AND NURSES ON ORGANISATIONAL AND INDIVIDUAL PREPAREDNESS
TO ENGAGE WITH TECHNOLOGY IN HEALTH CARE

                             VIEWS ON ORGANISATIONAL PREPAREDNESS
                                Very well and reasonably well prepared                                                                           AVER AGE SATISFACTION LEVELS WITH THE TR AINING AND SUPPORT FROM THEIR
                                                                                                                                                  ORGANISATION TO INTEGR ATE NEW TECHNOLOGIES INTO THEIR DAILY WORK
                                                      50%

                         25%                                                     75%                                                                             Very and generally satisfied    Generally dissatisfied and not at all satisfied

                                                                                                                                           Combined
                                                                                                                                                                 38.2 %                          53.1 %
                                                                                                                                                                 Highest ranking countries       Lowest ranking countries
                                                                                                                                                                 1. United Kingdom (55%)         1. Ireland (37%)
                    0%                                 40.3 %                              100%                                                                  2. Belgium (45%)                2. Spain (34%)
                    Doctor average:                                              Nurse average:                                                                  3. Netherlands (44%)            3. Denmark (34%)
                    41.8 %                                                       38.9 %

                                                                                                                                           Doctors
                                                                                                                                                                 33.6 %                          58.5 %
                                      INDIVIDUAL PREPAREDNESS                                                                                                    Highest ranking countries       Lowest ranking countries
                                                                                                                                                                 1. United Kingdom (60%)         1. Finland (45%)
                                   Adequately trained or tech expert
                                                                                                                                                                 2. Belgium (47%)                2. Denmark (39%)
                                                      50%                                                                                                        3. Spain (47%)                  3. Sweden (39%)

                         25%                                                     75%                                                       Nurses
                                                                                                                                                                 42.1 %                          48.7 %
                                                                                                                                                                 Highest ranking countries       Lowest ranking countries
                                                                                                                                                                 1. Sweden (55%)                 1. Ireland (37%)
                                                                                                                                                                 2. Switzerland (55%)            2. Spain (36%)
                                                                                                                                                                 3. United Kingdom (53%)         3. Denmark (31%)

                    0%                                 51.7 %                              100%
                    Doctor average:                                              Nurse average:
                    52.5 %                                                       51. 2 %                                                                 Source: Deloitte research and analysis of interviews across Europe, Deloitte, 2017

30
Leistungserbringer: Stand Digitalisierung
Im Rahmen der erstmaligen Erhebung „PraxisBarometer Digitalisierung“ der KBV wurden mehr als 1 750 Ärzte und
Psychotherapeuten befragt, wie es in deutschen Praxen um die Digitalisierung bestellt ist.

    WUNSCH NACH AUSBAU DIGITALER ANGEBOTE FÜR PATIENTEN

                                                                                                                                             Schön, dass es zunehmend
                                                     Sonstiges 7 %
                                                                                                                                             Studien zur Digitalisierung
                  Online-Diagnose/-Therapie bei geeigneten… 9 %
   Empfehlung und Verordnung von Gesundheits-Apps als… 11 %                                                                                  bei den Niedergelassenen gibt.
       Fernabfrage von medizinischen Daten (z.B. Blutdruck) 14 %                                                                             1 750 Rückmeldungen von 7 000
                                        Online-Sprechstunde 14 %                                                                             angeschriebenen Praxen zeigen, dass
                digitale Version Mutterpass, Impf-/Allergie-… 16 %
                                                                                                                                             insbesondere die Kommunikation
            einrichtungsübergreifende digitale Patientenakte 16 %
     Erstellung und Pflege eines digitalen Notfalldatensatzes 19 %                                                                           zwischen den Sektoren immer noch
        Online-Fallbesprechungen mit Kolleginnen/Kollegen 19 %                                                                               hauptsächlich „papierlastig“ ist.
                                  Online-Terminvereinbarung 21 %                                                                             Zumindest hat aber keiner in diesem
Erstellung und Pflege eines elektronischen Medikationsplans 27 %
                                                                                                                                             Kontext nach dem Fax gefragt.
digitale Verordnungen, Überweisungen und Bescheinigungen 29 %
                                                  weiß nicht 34 %

                                                                                                            DIGITALE KOMMUNIK ATION MIT ANDEREN PR A XEN /
                                                                                                            AMBUL ANTEN EINRICHTUNGEN (Anteil der Praxen)

                                                                                                            Schriftliche Kommunikation mehrheitlich/komplett Papierform
                                                                                                mit anderen Ärzten / Psychotherapeuten                                             86 %
                                                                                                                     mit Krankenhäusern                                                94 %

                                                                                                            digitaler Datenaustausch (nur vertragsärztliche Praxen)
     Offensichtlich beginnen die Niedergelassenen                                                              Empfang von Labordaten                                      69 %
     die Nachfrage der Patienten nach digitalen                                   Austausch von Bildmaterial, Arztbriefen, Befunddaten             11-17 %
     Angeboten deutlich wahrzunehmen. Zugleich sehen
     die Ärzte darin aber viel mehr Aufwand als
                                                                                                            einrichtungsübergreifende digitale Patientenakte: Bereitschaft
     Potenziale. Diesen die Angst vor Mehrbelastung zu                                                      zur Umstellung auf einheitliche Dokumentationsstandards
     nehmen, wäre eigentlich eine Aufgabe der                                                                                 alle Praxen                   37 %
     Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) – oder?                                                      psychotherapeutische Praxen               21 %
                                                                                           spezialisierte/interdisziplinäre Facharztpraxen                          50-54 %

ENTL ASTUNG DER PR A XEN DURCH ZUSÄTZLICHE DIGITALE ANGEBOTE FÜR PATIENTEN?

   INSGESAMT                  5 UND MEHR ÄR Z TE /                      2 BIS 4 ÄR Z TE/                            EINZELPR A XIS
                              PSYCHOTHER APEUTEN                     PSYCHOTHER APEUTEN
          12 %                                                                                                                                        Ich halte das für realistisch.
                                                                                                                            9%
                                          24 %                                    19 %                                                                Ich habe daran gewisse Zweifel.
    44 % 37 %

                              29 %                                     43 %                                      45 %                                 Digitale Angebote können hierzu keinen
                                                                                                                                37%                   wesentlichen Beitrag leisten.
                                       40 %                                       34 %
                                                                                                                                                      Ich habe mir hierzu noch kein Urteil
                                                                                                                                                      bilden können.

Quelle: KBV/IGES, PraxisBarometer Digitalisierung, 2018

                                                                                                                                                                                       31
Trends | Markttrends

   Krankenhaus: Entlassmanagement
 Für den Gesundheitsreport 2018 der hkk Krankenkasse wurden Versicherte danach befragt, wie die Umsetzung
 des Entlassmanagements aus Patientensicht zu bewerten ist.

 ANTEIL DER STUDIENTEILNEHMER, MIT DENEN EIN ENTL ASSPL AN AUFGESTELLT WURDE

 (ohne Studienteilnehmer, die erklärten, keinen Entlassplan zu brauchen)

       Stoffwechselerkrankung (z. B. Diabetes)                                                                 50 %
                                      Verletzung                                                          44,4 %
         chronische Herz-Kreislauf-Erkrankung                                                      40 %
                                           Krebs                                               36 %
                                           Unfall                                         33,3 %
               starke Schmerzen (z. B. Migräne)                                           33,3 %
      Magen-Darm-Erkrankung akut / chronisch                                          29,4 %                  Die Befragung von rund 350
Muskel-/ Skeletterkrankung (z. B. Bandscheibe)                                        29 %                    hkk-Versicherten zeigt, dass das
                                                                                                              Entlassmanagement die Bedingungen
                         psychische Erkrankung                                   25 %
                                                                                                              in der Klinik verbessert hat. IT ist dazu
                                        Infektion                           21,4 %                            förderlich gewesen. Jedoch kommt es
                        Schlaganfall / Herzinfarkt                      16,7 %                                immer noch zu Informationslücken
                          Atemwegserkrankung                            16,7 %                                bezüglich gesetzlicher Regelungen zum
                                                                                                              Entlassmanagement bei einigen
                                     Entbindung                 7,1 %
                                                                                                              Patienten. Demnach gibt es noch Luft
                                                                                                              nach oben.

ERSTELLUNG EINES ENTL ASSPL ANS UND DAUER DES KR ANKENHAUSAUFENTHALTS

                                                                                                            10 und
       1–3 Tage                                 4–6 Tage                   7–9 Tage
                                                                                                            mehr Tage                       Entlassplan ja

                                                                                                                                            Entlassplan nein
      10,5 %
               25,3 %                        18,3 %    26,9 %            23,1%   19,2 %                            14,9 %
                                                                                                      33,8%                                 Entlassplan weiß nicht
                                                                                                                       9,5 %
                                                                                      7,7 %
                    7,4 %                                  5,8 %                                                                            brauchte keinen
                                                                                                                                            Entlassplan
      56,8 %                                    49 %                        50 %                            41,9 %

 Quelle: hkk Gesundheitsreport 2018 – Entlassmanagement

 32
Versicherte: Digitale Pflege
Die Menschen in Deutschland stehen der Digitalisierung der Pflege aufgeschlossen gegenüber. Das zeigt eine
repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 1 000 Befragten ab 18 Jahren.

                                                                                                                             sehr weit verbreitet
42 %
            36 %                                                  VIDEOSPRECHSTUNDE AUCH FÜR
                                                                                                                             eher verbreitet
                                                                  PFLEGEBEDÜRF TIGE SINNVOLL
                                                                                                                             eher wenig verbreitet
                        17 %                                      Wie stark wird der Einsatz telemedizinischer
                                                                  Angebote zur ortsunabhängigen Behandlung,                  überhaupt nicht verbreitet
                                     4%           2%              z. B. per Videosprechstunde, in zehn Jahren in
                                                                                                                             weiß nicht / k. A.
                                                                  der Pflege in Deutschland verbreitet sein?

       MEHR ALS DIE HÄLF TE OFFEN FÜR
       DIGITALE HELFER IN DER PFLEGE

       Können Sie sich vorstellen, sich von einem
                                                                                                Interessante Studie mit
       Roboter zumindest teilweise pflegen zu lassen?
                                                                                                statistischen Erkenntnissen, die
                                                                                                für unsere Branche Relevanz haben
                                                                                                können. Abseits des „Klassikers“ der
                                             34 %
                                                                                                digitalen Dokumentation in der Pflege
                    24 %        23 %                                                            gibt es noch mehr Potenziale zu heben.
        17 %

                                                             3%

       Wünschen Sie sich einen verstärkten Einsatz                                             ja

       von digitalen Anwendungen in der Pflege?
                                                                                               eher ja
                    30 %
        23 %                    25 %                                                           eher nein
                                             19 %
                                                                                               nein

                                                             2%                                weiß nicht / k. A.

Quelle: Bitkom Studie "Digitalisierung in der Pflege, 2018

                                                                                                                                                      33
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