Trend Guide Gesundheits-IT 2019 - E-HEALTH-COM
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LAUFSTARK. IT-SPITZENLEISTUNG FÜR DIE GKV. Ihr System- und Softwarehaus für den Gesundheitsmarkt. www.aok-systems.de 8
Editorial
Druck im Kessel
In Sachen Digitalisierung im Gesundheitswesen befinden wir uns gerade
(wieder einmal) in bewegten Zeiten. Bundesgesundheitsminister Jens
Spahn macht Druck, um die technologische Entwicklung hierzulande vor-
anzutreiben. Dafür hat er u. a. die Mehrheitsanteile an der gematik über-
nommen und die neue Unterabteilung „gematik, Telematikinfrastruktur,
eHealth“ in seinem Ministerium gegründet. Dynamik in den Gesund-
heitsmarkt haben auch die elektronischen Patientenakten verschiedener
Krankenversicherer gebracht. Das Ganze kulminiert gerade in einem
Kräftemessen der unterschiedlichen Player, bei dem es vor allem um die
Interoperabilität der Aktenmodelle und deren internationale Anschluss-
fähigkeit geht. Und nicht zuletzt auch um die Frage, wie teuer und damit
unrealisierbar das Ganze wird. Wir dürfen also gespannt sein, wie Jens
Spahn die zentralen Herausforderungen für die Digitalisierung des deut-
Anne Wolf schen Gesundheitssystems weiter angeht und welche Überraschungen
Projektleitung, vielleicht schon mit dem bis zum Sommer erwarteten Referentenentwurf
Chefin vom Dienst für das E-Health-Gesetz 2.0 auf uns warten.
bei E-HEALTH-COM
In der inzwischen sechsten Auflage des TrendGuide beleuchten wir drei
unterschiedliche Blickwinkel auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen
näher. Die Sicht von Bürgern, Patienten und Ärzten auf die digitale Ent-
wicklung hat Dr. Schachinger im Rahmen des Digitalen Gesundheitsmarkt
Reports sowie dem Digitalisierungsreport 2019 näher unter die Lupe
genommen und fasst die zentralen Ergebnisse seiner Untersuchungen
zusammen. Viel beachtet war die #SmartHealthSystems-Studie der
Bertelsmann Stiftung, der zufolge Deutschland im internationalen Ver-
gleich weit hinten landet bei der digitalen Durchdringung des Gesundheits-
systems. Was man besser machen und von anderen Ländern lernen
kann, zeigen die Autoren der Vergleichsstudie auf. Im dritten Beitrag
beschäftigen sich die Autoren mit der Frage nach der Sicherheit unserer
Gesundheitsdaten unter den Herausforderungen von Big Data und Künst-
licher Intelligenz und präsentieren die wesentlichen Ergebnisse der PwC-
Studie „Datensicherheit in Kliniken und Arztpraxen“, für die 1 000 Bundes-
bürger danach befragt wurden, wie sie den Stand der Datensicherheit in
Krankenhäusern und Arztpraxen einschätzen. Und selbstverständlich
geben wir – wie in den letzten Jahren auch – mit den Markttrends eine
Übersicht über die aktuelle Studienlage zu den Entwicklungen im Gesundheits-
IT-Bereich, die Bernhard Calmer, Natalie Gladkov und Andreas Kassner
kommentieren.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!
Anne Wolf
3Trends Unternehmen Service
8 Der digitale Gesundheitsmarkt 48 Informationssysteme 92 Veranstaltungen
16 #SmartHealthSystems 58 Dokumentenmanagement, 94 Firmenverzeichnis
Archivierung und
22 Cyberkriminalität Bildmanagement
Standards
28 Markttrends 68 Vernetzung und
Versorgungsintegration 3 Editorial
34 Verbände-Statements
76 IT-Infrastruktur und -services 96 Schlagwortverzeichnis /
40 Branchen-Statements Firmenfindex / Impressum
80 Kommunikation
86 Krankenhausmanagement
58 Der digitale Gesundheitsmarkt
Status quo
bei Bürgern, Patienten und Ärzten
16 #SmartHealthSystems
Digital Health
im internationalen Vergleich
22 Cyberkriminalität
Risiken und Nebenwirkungen
der digitalen Medizin
28 Markttrends im Überblick
Mit Kommentaren von
Bernhard Calmer, Natalie Gladkov
und Andreas Kassner
34 Verbände-Statements
Mit Statements von Verbände-
vertretern aus dem E-Health-Bereich
40 Branchen-Statements
Mit Statements von Unternehmens-
vertretern der Gesundheits-IT-Branche
7Trends | Digitaler Gesundheitsmarkt
Der digitale Gesundheitsmarkt
Status quo bei
Bürgern, Patienten
und Ärzten
8Zwischen Hype und Fatalismus, zwischen Vermutungen und messbaren
Markt- und Verbraucherdaten: Wie genau sieht eigentlich die Wirklichkeit
des Bürgers und Patienten aus, welcher Apps und Co. zum Thema „Digitale
Gesundheit“ verwendet? Und was bekommen davon überhaupt die Ärzte mit
– oder sind jene wirklich alle noch am Faxen?
Zuerst eine kleine, aber von der Gesundheitswirtschaft häufig negierte
Klarstellung: Webseiten, Apps, Online-Coaching-Programme oder Wearables
sind Produkte auf dem freien Konsumgütermarkt. Jeder Bürger kann
sich einen Arzt auf jameda suchen, eine Präventions-App benutzen, als
Diabetespatient die mySugr-App oder online Therapieprogramme wie
deprexis24 oder Selfapy nutzen oder auch nicht.
Dilemma No. 1: Das Wissen um die Dynamiken und Planungen auf dem
freien Konsumentenmarkt ist den Entscheidern im Gesundheitssystem in
der Regel nicht bekannt, obwohl sie es eigentlich für die strategische Planung
digitaler Gesundheitslösungen bräuchten.
Dilemma No. 2: Das „Zwei Welten“-Dilemma: Tausende von Webseiten,
Apps und Start-ups zum Thema Digitale Gesundheit auf dem freien digitalen
Gesundheits-Markt und auf der anderen Seite die traditionelle medizinische
Versorgung vor Ort. Nur wenige neue Lösungsanbieter schaffen es bisher
fließend, diese beiden Welten zu verbinden. Ein Beispiel in Reinform hierfür
ist Caspar Health, ein Online-Reha-Programm beispielsweise für Post-OP-
Patienten: Das Operations- oder Stationsteam personalisiert Online-Übungen
für den operierten Patienten (auf der Ebene n=1 wohlgemerkt), vertreibt
es und erklärt es auf Station dem zu entlassenden Patienten persönlich.
Der Forschungsstand zur Evidenz und zum Nutzennachweis digitaler
Interventionen zeigt dazu: Die generell hohe (traurige) Abbruchrate von
digitalen Therapieanwendungen optimiert sich, wenn sie von medizinischem
Fachpersonal vor Ort dem Patienten ausgehändigt und erklärt wird. Von
diesen Ausnahmeszenarien ist der gesamte digitale Gesundheitsmarkt jedoch
weit entfernt.
Wie sind also der Status quo und aktuelle Marktentwicklungen? Die folgen
den Markttrends sind eine Zusammenfassung der jährlich erscheinenden
strukturierten Marktanalysen der EPatient RSD GmbH (dgm-report.de).
Text: Dr. Alexander Schachinger
9Trends | Digitaler Gesundheitsmarkt
1. Anwendungen
Entwicklung der Angebote auf dem Markt
Anwendungen
Entwicklung der Angebote auf dem Markt:
Coaching- Online- Chatbots
Anwendungen Videosprechstunde (Ar ficial Intelligence)
Tracking-Apps, Diagnos k, Online-
Wearables Sensorik Gesundheitsakte
2010 2014 2018
Quelle: dgm-report.de
Anwendungen
Die Vielfalt der Anwendungen hat sich in Breite
und Tiefe in den letzten Jahren deutlich weiterent-
wickelt. Anwendungsarten verschmelzen unterein-
ander (Bsp.: Coaching, Tracking, Chatbots als Teil
einer Gesamtlösung) und bieten für breitere wie
auch speziellere Zielgruppen digitale Versor-
gungslösungen an (siehe oben erwähntes Beispiel
Caspar Health: Digitale Reha / Nachsorge direkt
nach Klinikentlassung). Diagnostik und Sensorik
kann in diversen Szenarien ohne zusätzliche Hard-
ware zunehmend vom Smartphone übernommen
werden (siehe exempl. Preventicus). Neue Formen
von Chatbots werden einzeln oder miteinander
kombiniert in ersten Schritten in Form von Piloten
in der Versorgung eingesetzt. 2018 und 2019 werden
die Startjahre der Online-Gesundheitsakte sein.
Werden sie eine ausreichende Nutzermasse in der
Bevölkerung erreichen?
10Vertriebskanäle
Eine derzeit spannende Marktentwicklung: Die
Werbe- und Vertriebskanäle für digitale Gesund-
heitsanwendungen wachsen aus dem Internet über
die traditionellen Massenmedien in ersten Schrit-
ten in die medizinischen Versorgungsstrukturen
vor Ort. Die Mehrheit der Bürger und Patienten
muss zwar noch Apps im Netz alleine suchen, je-
doch erhalten sie ihre „App“ in ersten Szenarien
verknüpft mit ihrer Behandlung von ambulanten
oder stationären Versorgern. Diverse Kom mu
nikationskanäle der Krankenversicherungen an
ihre Mitglieder greifen digitale Versorgungslösungen
ebenso verstärkt auf. Im Gegensatz zu Deutschland
sind in ersten EU-Ländern Gesundheits-Apps schon
in Apotheken erhältlich.
2. Vertriebskanäle: Aus Versorgungskulturen werden Versorgungsstrukturen
Vertriebskanäle
Vertriebskanäle entwickeln sich einerseits in die Massenmedien und
Vertriebskanäle entwickeln
andererseits in die sich einerseits in die Massenmedien und anderserseits in die
Versorgungskulturen
Versorgungsstrukturen.
Internet & App Stores Massenmedien & Kranken- Ärzte und Apotheken
Aussenwerbung versicherungen Kliniken (Point of Sale)
2010 2014 2018
Quelle: dgm-report.de
11Trends | Digitaler Gesundheitsmarkt
3. Geschäftsmodelle
Geschäsmodelle
Drei der wichgsten Umsatzströme auf dem Markt (vereinfachte Darstellung):
Bürger, Kosten-
Versorger
Pa ent träger
Die Zahlungsbereitscha für Die Anzahl der Anwendungen, Ob als Eigeninveson oder als
digitale Gesundheitsanwendungen welche eine Form der Erstaung abzurechnende Leistung: Ärzte,
bei Gesundheits-Surfern ist in den erhalten sowie auch die Anzahl Therapeuten und Kliniken ver-
vergangenen vier Jahren von 4 der Krankenversicherungen, wenden zunehmend digitale
Prozent auf 10 Prozent gesegen. welche dies ermöglichen, ist in Versorgungslösungen für ihre
den letzten Jahren exponenell Paenten im Versorgungskontext
(Quelle: EPaent Survey 2010-2018) gesegen. vor Ort.
Quelle: dgm-report.de
Geschäftsmodelle
Trotz des zunehmenden Hypes stellt eine nachhal-
tige Finanzierung von digitalen Gesundheitsanwen-
dungen auch zukünftig noch eine Herausforderung
dar. Trotzdem sind vereinfacht dargestellt drei Um-
satzquellen derzeit am Wachsen: 1. der Bürger und
Patient, 2. Krankenversicherungen und 3. Ärzte und
Therapeuten aus dem ambulanten und klinischen
Sektor (Quelle u. A.: EPatient Survey 2010-2018).
Evidenz und Nutzennachweis
Circa seit dem Jahr 2000 nimmt die Anzahl der glo-
balen Publikationen mit einem Nutzennachweis für
digitale Interventionen langsam aber stetig zu. Sie
zeigen ebenso eine Art Best Practice in der Planung
und Anwendung auf. In der Grafik 4 werden drei
Wirkungsaspekte exemplarisch zitiert.
124. Evidenz und Nutzennachweis
Evidenz und Nutzennachweis
Drei exemplarische Erfolgskriterien aus der Forschung:
Modell,
Nutzer Integration
Iteration
Die Anwendung wird basierend eines Die Anwendung personalisiert Die Anwendung wird als Teil der
wissenschaftlich anerkannten Modells sich auf allen inhaltlichen und verordneten Therapie vom
der Verhaltensänderung entwickelt und formalen Ebenen bspw. in medizinischen Fachpersonal vor
durchläuft in der Versorgungspraxis Abhängigkeit der Nutzerdaten Ort an den Patienten ausgehän-
und innerhalb eines interdisziplinären und des Behandlungspfades. digt und in ihrem anfänglichen
Entwicklerteams viele Optimierungs- Gebrauch erklärt.
schleifen.
Quelle: dgm-report.de
Der digitale Patient
Nicht jeder Bürger hat ein Smartphone und nicht
allein das Alter ist ein Kriterium, welches die Smart-
phoneverbreitung beeinflusst. Grafik 5 zeigt deut-
lich, dass insbesondere der Bildungsstand eine deut-
liche Einflussgröße darstellt. Kombiniert man diese
Mediennutzungsdaten mit der Soziodemografie
bestimmter Erkrankungen, lassen sich auch digitale
Patientenzielgruppen gut vorausberechnen.
Welche Sorte Bürger und Patienten welche di-
gitalen Gesundheitsanwendungen nutzen, wie diese
gewirkt haben, ob etwas dafür bezahlt wurde oder
nicht und viele weitere Aspekte erhebt jährlich der
EPatient Survey, die größte Online-Befragung zum
digitalen Patienten seit 2010 (siehe hierzu auch
www.epatient-survey.de). Eine Auswahl häufiger di-
gitaler Anwendungen und ihre Wachstumsdynami-
ken der letzten Jahre zeigt exemplarisch Grafik 6.
13Trends | Digitaler Gesundheitsmarkt
5. Smartphone-Nutzung nach Alter und Bildungsstand
Mobile Onliner nach Alter und Bildung:
Mobile Onlinerdas
Je höher nach Alter desto
Alter, und Bildung:
stärker ist der Bildungsstand
Je höher das Alter, desto
ein deutlicher stärker ist der Bildungsstand* ein deutlicher Trennfaktor
Trennfaktor
höchste Bildung unterste Bildung
97% 96%
92%
84% 81% 84%
66%
57% 60%
28% 29%
4%
Alter 20-29 30-39 40-49 50-59 60-69 >70
Quelle: dgm-report.de
Kommentar: Quelle: www.dgm-report.de
Dass der Bildungsstand insbesondere in der mobilen Internetnutzung eine große Einflussgröße darstellt, zeigt diese Abbildung. Ist der Bildungsunterschied
bei mobilen Onlinern unter 30 Jahren bei höher und weniger formal gebildeten Gruppen nur ein Unterschiedsfaktor um 1,2, liegt er bei Bürgern >70 beim
Faktor 7,3!
* Def.: Höchste Bildung: Abgeschl. Hochschulstudium, unterste Bildung: Haupt-/Volksschulabschluss mit/ohne Berufsausbildung
1
Ärzte und digitale
Patientenlösungen?
DGM: Digitale Zielgruppen 2018 Lizenz für Kundenname © EPatient RSD GmbH, Berlin
Gemeinsam mit der DAK-Gesundheit und der Ärzte geworden. Breitere Anwendung finden
Zeitung hatten wir vor zwei Jahren die Idee, endlich sie jedoch noch nicht alle.
Licht ins Dunkel eines unserer Ansicht nach ziem- • So hat die Bekanntheit der Online-
lich entscheidenden Punktes zu bringen: Wie genau Sprechstunde von 83 auf 87 Prozent zu-
kennen, bewerten und nutzen Ärzte eigentlich diese genommen, nachdem im Frühjahr 2018
ganzen neuen Apps, Start-ups, Wearables, Online- das Verbot der ausschließlichen Fernbe-
Videosprechstunden etc. für ihre Patienten? Es ent- handlung gelockert wurde. Neun Prozent
stand der jährlich erscheinende Digitalisierungs der befragten Ärzte hatten mit der
report der DAK-Gesundheit und Ärzte Zeitung Online-Sprechstunde schon konkret zu
(Umsetzung: EPatient RSD GmbH). Folgende Teil- tun (2018: 8 Prozent).
ergebnisse aus dem Digitalisierungsreport 2019 • Von der Online-Gesundheitsakte haben
(Online-Ärztebefragung unter 2313 Ärzten): 74 Prozent der Ärzte 2019 schon gehört –
eine Zunahme von 22 Prozent im Ver-
• Ärzte sind gegenüber der Digitalisierung gleich zum Vorjahr. Auch hier schlägt
offen, haben aber klare Ansprüche: sich die öffentliche Diskussion um pati-
Sie wollen eHealth-Anwendungen nut- entenzentrierte Gesundheitsakten nieder.
zen, wenn sie Diagnosen erleichtern und Konkret damit zu tun hatten jedoch erst
Arbeitsabläufe im Praxisalltag neun Prozent.
verschlanken. • Szenario: Mit einer Online-Gesundheits-
• Im Vergleich zum ersten Digitalisierungs- akte ändert sich das Verhältnis zwischen
report 2018 sind einige digitale Anwen- Arzt und Patient. Nutzer haben die Mög-
dungen im Gesundheitswesen bekannter lichkeit, sich intensiver mit ihren Gesund-
146. Nutzungsverbreitung der häufigsten Formen
digitaler Gesundheitsanwendungen
Entwicklung 2016 – 2018
Quelle: EPatient Survey 2018
heitsdaten zu befassen und haben
Zugang zu nahezu allen behandlungs
relevanten Dokumenten. Die Folge: Sie
kommen informierter in die Praxis. Ärzte
stehen diesem „aufgeklärten Patienten“
neutral gegenüber.
• Szenario: Einen digitalen Check von
Wechselwirkungen zwischen Medika-
menten mithilfe einer Online-Gesund-
heitsakte bewerten 71 Prozent der
Befragten positiv.
Der Digitalisierungsreport als komplette Studie
ist frei verfügbar unter: www.dak.de/dak/bundes-
themen/digitalisierungsreport-2047352.
Wir von der EPatient RSD GmbH sehen Markt- Autor
fakten, wie hier auszugsweise dargestellt, als das Dr. Alexander Schachinger
Gründer und Geschäftsführer
kleine Einmaleins der digitalen Gesundheit. Dies
EPatient RSD GmbH
sollte jedes Unternehmen auf dem Gesundheits-
as@epatient-rsd.com
markt beherrschen.
15Trends | #SmartHealthSystems #SmartHealthSystems Digital Health im internationalen Vergleich 16
Wenn andere etwas besser machen, lohnt sich stets die Frage: Was macht
ihren Erfolg aus? Genau das ist Dreh- und Angelpunkt einer Studie der
Bertelsmann Stiftung: #SmartHealthSystems hat analysiert, warum
Deutschland im Vergleich mit 16 anderen Nationen bei der Digitalisierung des
Gesundheitswesens deutlich hinterherhinkt – und was wir von den anderen
lernen können.
Text: Timo Thranberend, Dr. Thomas Kostera, Dr. Cinthia Briseño
U
m in einem Bild zu sprechen: Die rich- forschung hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung
tigen Zutaten sind vorhanden. Doch es den Grad der Digitalisierung im Gesundheitswesen
mangelt an den passenden Rezepten, von insgesamt 17 Ländern einschließlich Deutsch-
der richtigen Zusammenarbeit in der land im Detail analysiert und miteinander vergli-
Küche und an einem Küchenchef, der chen. Die Studie #SmartHealthSystems offenbart,
dafür sorgt, dass es mit dem Teamwork klappt. Dass dass wir unsere Potenziale nicht nutzen – von den
etliche Länder in ihren Bemühungen zur Digitalisie- 17 untersuchten Ländern liegen wir auf dem vor-
rung im Gesundheitswesen Deutschland weit vor- letzten Platz.
aus sind, liegt nicht etwa an fehlenden Technologi- Doch woran liegt das? Oder anders gefragt:
en oder am mangelnden Innovationspotenzial. Seit Was machen die anderen Länder besser als
vielen Jahren gibt es hierzulande erfolgreiche digi- Deutschland? Um Antworten darauf zu finden, geht
tale Projekte in der Gesundheitsversorgung. Die #SmartHealthSystems über eine einfache Beschrei-
meisten von ihnen aber bleiben regional oder auf bung des Digitalisierungsgrades der jeweiligen
einzelne Versorger begrenzt und schaffen nicht den Gesundheitssysteme hinaus. Vielmehr untersucht
Weg in die Regelversorgung. die Studie Rahmenbedingungen sowie Entwicklungs-
Von E-Rezept über elektronische Patientenak- linien der jeweiligen Länder und leitet die Erfolgs-
ten bis hin zu Telemedizin: In zahlreichen anderen faktoren ab, die zum Digitalisierungsfortschritt
Ländern sind E-Health-Anwendungen dagegen beitragen.
längst Teil des Versorgungsalltags. Die empirica Ge-
sellschaft für Kommunikations- und Technologie-
17Trends | #SmartHealthSystems
Erfolgsbasis anderer Länder ist ein Dreiklang aus effektiver Strategie,
politischer Führung und koordinierenden nationalen Institutionen
Erfolgskritisch: Beispiel Dänemark: Bereits 1999 wurde hier die
Dreiklang aus Strategie, erste nationale E-Health-Strategie verabschiedet.
Diese verknüpft seither konkrete Digitalisierungs-
politischer Führung und initiativen mit Vorgaben und Zielen. Als Koordina-
koordinierenden tor agiert das nationale E-Health-Board, das die In-
halte der nationalen E-Health-Strategien festlegt.
Institutionen Zudem entwickelt die staatlich finanzierte Digital-
Auf dem Siegerpodest stehen Estland, Kanada und Health-Agentur MedCom Standards, die zur An-
Dänemark. Diesen und weiteren erfolgreichen Län- wendung gelangen, und bestimmt die Vorgaben für
dern ist der Analyse zufolge vor allem eines gemein die Implementierung digitaler Maßnahmen.
– es ist ein Dreiklang aus Faktoren, der am ehesten Der Erfolg dieser strategischen Vorgehensweise
dafür sorgt, dass digitale Lösungen flächendeckend zeigt sich im Versorgungsalltag der Dänen. Über das
zum Einsatz kommen: nationale Gesundheitsportal sundhed.dk hat jeder
1. Es existiert eine effektive Strategie. Sie Bürger Zugang auf seine gesamte Krankheitsge-
basiert auf einer gesundheitspolitischen schichte. Rezepte existieren nur noch in elektroni-
Zielvorstellung, die alle wichtigen Akteu- scher Form und der Datenaustausch zwischen den
re teilen. Gesundheitsversorgern findet sowohl stationär als
2. Die Politik nimmt eine Führungsrolle auch ambulant überwiegend elektronisch statt.
ein. Zwar gibt es auch in Deutschland mit gesetzli-
3. Eine oder mehrere politisch verankerte chen Vorgaben wie dem E-Health-Gesetz strategi-
Institutionen koordinieren und begleiten sche Elemente für Digital Health. Im Gegensatz zu
den Prozess. der überwiegenden Anzahl der untersuchten Län-
18der hat man hierzulande aber noch keine Instituti-
on geschaffen, die die Digitalisierung im Gesund-
heitswesen umfassend koordiniert. Übergreifende
elektronische Patientenakten sollen nach aktuellem
Plan erst Anfang 2021 zur Verfügung stehen. Die
regulatorischen Voraussetzungen für ein E-Rezept
werden frühestens 2020 stehen.
Dagegen sind etwa in Kanada digitale Rezepte
längst selbstverständlich, ebenso wie Ferndiagno-
sen und Fernbehandlungen per Video, und die
wichtigsten Gesundheitsdaten der Patienten sind in
digitalen (Kurz-)Akten gespeichert. In Estland kön-
nen ähnlich wie in Dänemark alle Bürger ihre Un- Der Erfolg oder Misserfolg von digitalen Lösun-
tersuchungsergebnisse, Medikationspläne oder gen in der Gesundheit hängt darüber hinaus aber
Impfdaten online einsehen und Zugriffsmöglich- auch von politischen Präferenzen sowie wirtschaft-
keiten für Ärzte und andere Gesundheitsfachkräfte lichen und kulturellen Faktoren ab. Um diese näher
digital verwalten. Auch Israel ist viele Schritte vor- zu beleuchten, haben wir fünf Länder intensiver
aus: Dort werden bereits intelligente Algorithmen unter die Lupe genommen: In Dänemark, Frank-
für die Vorhersage und Vermeidung von Krankhei- reich, Israel, Niederlande und der Schweiz fanden
ten sowie für Forschung und Entwicklung genutzt. Interviews vor Ort mit Vertretern von Ministerien
Basis für die Big-Data-Anwendungen sind die seit und Verbänden sowie unabhängigen Experten statt.
vielen Jahren verfügbaren elektronischen Zwar weist keines der analysierten Länder ei-
Patientenakten. nen perfekten Digitalisierungsgrad auf. Fest steht
aber, dass die meisten in allen drei Teilbereichen
Methode: weit vor Deutschland liegen. 13 der 17 analysierten
Länder verfügen auf nationaler Ebene über klar aus-
Digital-Health-Index und formulierte Digital-Health-Strategien. Dabei han-
detaillierte Analyse in fünf delt es sich nicht um starre Detailpläne, sondern
vielmehr um Zielbilder, die genügend Freiraum für
Ländern regionale Entwicklungen und dynamische Anpas-
Um die digitalen Fortschritte in den Gesundheits- sungen lassen und helfen, lokal entwickelte Lösun-
systemen der 17 Länder miteinander vergleichen zu gen national zu skalieren.
können, haben die empirica-Forscher für die Die ausführlichen Gespräche mit den Akteuren
#SmartHealthSystems-Studie eigens einen speziel- für Digitalisierung im Gesundheitswesen zeigen zu-
len Digital-Health-Index entwickelt, der sich aus dem: Zum einen bedeutet politische Führung nicht,
drei Teilbereichen zusammensetzt: Digitalisierungsprozesse einfach von oben zu ver-
1. Policy-Aktivität: Gemeint ist die politisch- ordnen, zum anderen reichen gute Strategien und
strategische Herangehensweise der Län- der politische Wille allein nicht aus. Vielmehr müs-
der in Bezug auf Rechtsrahmen, Gover- sen die vielfältigen Aufgaben und Interessen im
nance oder spezielle Institutionen. Kontext der Digitalisierung effektiv koordiniert
2. Digital Health Readiness: und gesteuert werden.
Beleuchtet die technischen Voraussetzun- Erfolgreich sind deshalb insbesondere jene
gen für die Implementierung von Länder, die mit einer guten Gesundheitspolitik für
Digital-Health-Anwendungen. einen klaren Rahmen und Akzeptanz sorgen und
3. Tatsächliche Datennutzung: die Entwicklung vorantreiben, sich aber im Detail
Untersucht die Reichweite der digitalen auf Ausgestaltung durch die Akteure im Gesund-
Applikationen. heitswesen verlassen.
19Trends | #SmartHealthSystems
Digital-Health-Index als Summe der Sub-Indizes pro Studienland
Leseanleitung: Die Sub-Indizes (Maximalwert = 100) werden im Balkenformat dargestellt. Dabei werden sie
einfach aufaddiert und die einzelnen Balken entsprechend nebeneinandergestellt. Die Gesamtlänge der
Balken dividiert durch 3 ergibt den Gesamtindexwert.
„Es braucht strukturierte
Daten, Interoperabilität
und eine neue
Kommunikationskultur“
Auch hier liefert die führende Nation Däne- Eine der Hauptaufgaben dieser Kompetenzzentren
mark ein gutes Beispiel: Zwar wird dort das Ge- ist das Thema Interoperabilität: Gemeinsam mit Ex-
sundheitssystem zentral gesteuert, doch die Verwal- perten und Stakeholdern arbeiten sie Standards aus
tungen der einzelnen Dienstleistungen liegen auf und schaffen die technischen Voraussetzungen und
regionaler Ebene, und die Regionen haben die Auf- eine Datenbasis, die alle Nutzer verstehen und für
sicht über die nationale Digital-Health-Agentur ihre Zwecke verarbeiten können. „Es braucht struk-
MedCom. Auf diese Weise haben zunächst lokal turierte Daten, Interoperabilität und eine neue
oder regional erfolgreiche Digital-Health-Projekte Kommunikationskultur, damit Patientenakten
die Möglichkeit, auch national zu skalieren. „Viele mehr werden als schlecht bedienbare Bibliotheken“,
der besten Projekte beginnen in Zusammenarbeit sagt Dr. Yvonne Gilli, Verantwortliche für E-Health
mit Patienten in der Klinik“, sagt Jakob Uffelmann, des Schweizer Ärzteverbands FMH.
Director Innovation von sundhed.dk. „Dort testen Ein weiteres wesentliches Kriterium erfolgrei-
und prüfen wir Projekte, sodass wir sie dann auf cher Länder: Sie verstehen Digitalisierung nicht als
nationaler Ebene fortführen können.“ Selbstzweck. Vielmehr orientieren sich die Digitali-
Außer in Deutschland und in Spanien existie- sierungsbemühungen am Nutzen, den sie stiften
ren in den untersuchten Ländern Kompetenzzen können: Wie können digitale Anwendungen die
tren oder Agenturen für digitale Gesundheit als Qualität der Versorgung steigern? Wie kann die
politisch verankerte Behörden. In vielen Fällen Versorgung im ländlichen Raum verbessert wer-
übernehmen sie aber dabei nicht nur Beratungs- den? Welchen Mehrwert haben sie für Patienten,
oder Koordinierungsaufgaben, sondern greifen Ärzte oder das Pflegepersonal?
durch bindende Vorschriften und Standards auch Dabei zeigt sich, dass zum einen vor allem Pro-
aktiv in den Entwicklungsprozess ein. jekte dann erfolgreich sind, wenn sie Schritt für
20Schritt vorgehen, während allumfassende groß an-
gelegte Programme eher zum Scheitern tendieren. etwa regen ihre Mitarbeiter an, aktiv Ideen für die
Beispiel England: 2005 initiierte der NHS ein nati- Digitalisierung ihres Alltags zu entwickeln, und die
onales IT-Programm für die Erstellung einer zentra- Betreiber des Patientenportals sundhed.dk laden re-
lisierten elektronischen Patientenakte, das mit gelmäßig Patienten ein, Neuentwicklungen zu
mehr als zwölf Milliarden britischer Pfund finan- bewerten.
ziert werden sollte. Doch das Projekt scheiterte und Fest steht: Digitalisierung ist dann erfolgreich,
wurde 2011 zugunsten von lokal entwickelten Kran- wenn sie zur Verbesserung beiträgt – für das Ge-
kenaktensystemen eingestellt. sundheitssystem und jeden einzelnen Menschen.
Auch in Deutschland kann das gelingen. Dafür
braucht es ein entschlossenes Handeln der Gesund-
Wichtige Strategie- heitspolitik und mehr Geschwindigkeit in der Um-
Elemente: Systematische setzung. Der Blick auf die Erfolgsfaktoren in ande-
ren Ländern kann uns dabei helfen.
Akzeptanzförderung und
Einbindung von Endnutzern Weitere Informationen & Studienergebnisse auf
smarthealthsystems.de
Auch die eine systematische Förderung von Akzep-
tanz bei Ärzten und Patienten – etwa als strategi-
sche Aufgabe einer nationalen Agentur – und die
Einbindung der Endnutzer sowohl bei der Entwick-
lung von digitalen Lösungen sowie der Formulie-
rung von Digitalisierungsstrategien trägt wesent-
lich zu deren Erfolg bei. Dänische Krankenhäuser
Autoren
Timo Thranberend
Senior Project Manager,
Verfügbarkeit von nationalen Strategien, Bertelsmann Stiftung
Dr. Thomas Kostera
Digital-Health-Institutionen und digitalen Anwendungen Project Manager,
Bertelsmann Stiftung
Dr. Cinthia Briseño
Managing Partner,
Frisk Innovation GmbH
21Trends | Cyberkriminalität Cyberkriminalität Risiken und Nebenwirkungen der digitalen Medizin 22
Daten sind die neue Währung in der Gesundheitswirtschaft. Durch
Technologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz können sie das
deutsche Gesundheitswesen nicht nur besser, sondern auch wirtschaftlicher
machen. Doch die Nutzung von Daten setzt das Vertrauen der Versicherten
voraus. Wie schätzen die Bürger den Stand der Datensicherheit in
Krankenhäusern und Arztpraxen ein? Für wie angreifbar halten sie das
Gesundheitssystem durch Cyberkriminalität? Glauben sie, dass ihre Daten
bei Ärzten gut aufgehoben sind? Um Antworten zu finden, hat PwC in einer
Studie 1 000 Bürger befragt.
Michael Burkhart, Jörg Asma
O
perationen, die verschoben werden ebenfalls von einem Hackerangriff betroffen war.
müssen, eine Notaufnahme, die nicht Durch die Attacke mit Schadsoftware musste die IT
mehr einsatzbereit ist, Ärzte und Pfle- abgeschaltet, die Strahlentherapie für Krebspatien-
ger, die im digitalen Zeitalter wieder ten ausgesetzt und ebenfalls die Notaufnahme
auf Papier und Bleistift angewiesen geschlossen werden. Eine „wochenlange digitale
sind, Computer, die über Wochen ausfallen – das Fastenzeit“ folgte auf den Angriff an Aschermitt-
hat sich in der deutschen Krankenhauslandschaft woch 2016, wie es die Geschäftsführung des Kranken-
zu einem realistischen Szenario entwickelt. Erst im hauses formulierte. In Großbritannien wurden im
Herbst vergangenen Jahres wurde das Klinikum Mai 2017 rund 40 Krankenhäuser Opfer einer groß-
Fürstenfeldbruck von einem Trojaner lahmgelegt, angelegten Cyberattacke – ebenso wie viele Unter-
der Hunderte Rechner befiel. Die Notaufnahme des nehmen weltweit.
Krankenhauses konnte über Tage nicht mehr ange-
fahren werden. Einer der bekanntesten Fälle ist der
Angriff auf das Lukaskrankenhaus in Neuss, das
23Trends | Cyberkriminalität
Mit digitalen Technologien
steigt die Verwundbarkeit
durch Cybercrime
Cyberkriminalität ist zu einer ernsten Bedrohung
für die Wirtschaftswelt allgemein geworden, doch
für die Gesundheitswirtschaft stellt sie eine be
sondere Gefahr dar, weil es bei Krankenhäusern,
Arztpraxen und anderen Einrichtungen des
Gesundheitswesens immer um den Schutz von
Drei von zehn Deutschen Menschenleben geht. Daher zählen größere Kranken-
haben Angst vor einem häuser auch zu den kritischen Infrastrukturen, sol-
chen Einrichtungen, die für das staatliche Gemein-
Computerausfall wesen von besonders hoher Bedeutung sind.
Cyberkriminalität hat sich zu einer der größten Be- Die Verwundbarkeit der Gesundheitswirtschaft
drohungen für das deutsche Gesundheitswesen steigt durch den zunehmenden Grad der Digitalisie-
entwickelt – die Gesundheitswirtschaft steht beson- rung noch weiter. Digitale Technologien prägen
ders im Visier von Cyberkriminellen. Wie eine PwC- schon heute den Arbeitsalltag, und dieser Trend
Bevölkerungsbefragung zur Datensicherheit in Kli- wird sich in den kommenden Jahren noch verstär-
niken und Arztpraxen unter 1 000 Bürgern zeigt, ist ken, denn die Digitalisierung bietet dem Gesund-
diese Botschaft auch bei den Versicherten angekom- heitswesen ein enormes Potenzial – die Gesund-
men. Die Deutschen fürchten die Risiken und Neben- heitswirtschaft weltweit kann ihre Effizienz dank
wirkungen der digitalen Medizin: Drei von zehn smarter Technologien bis zum Jahr 2021 um etwa 15
Versicherten haben Angst davor, dass Computersys- bis 20 Prozent steigern, wie die PwC-Studie „Global
teme bei einem geplanten Krankenhausaufenthalt Top Health Industry Issues“ vorhersagt. So arbeiten
ausfallen könnten. Diese Sorge beschäftigt vor allem Kliniken inzwischen stark vernetzt und sind in nahe-
jüngere Menschen, die bereits mit digitalen Techno- zu allen Arbeitsabläufen auf digitale Technologien
logien groß geworden sind. Für besonders schlecht angewiesen, medizinische Geräte sind mit dem Inter-
vorbereitet auf einen Hackerangriff halten die Bür- net verbunden und Patientendaten werden zwischen
ger kleinere kommunale Krankenhäuser in länd- den einzelnen Sektoren elektronisch ausgetauscht.
lichen Gegenden, wie 51 Prozent bestätigen. Großen Diese Form von Vernetzung kann zu einem Ein-
Nachholbedarf beim Thema Datensicherheit sehen fallstor für Cyberkriminelle werden. Derzeit greifen
sie auch bei konfessionellen Krankenhäusern, wie sie vor allem mit Schadsoftware an, mit der sie IT-
46 Prozent angeben, und bei Hausarztpraxen (45 Systeme verschlüsseln und anschließend Lösegeld
Prozent). Als vergleichsweise gut aufgestellt be- zu erpressen versuchen. Weniger bekannt ist bis-
zeichnen sie dagegen Universitätskliniken, Gesund- lang, dass die Angreifer medizinische Geräte hacken
heitszentren oder große Gemeinschaftspraxen und oder sich Zugang zu Patientendaten verschaffen,
Kliniken in privater Trägerschaft mit mehreren aber prinzipiell ist das natürlich ebenfalls
Häusern. möglich.
24Global healthcare payer and provider leaders are acting on the need
for increased data privacy and trust
Payer/provider respondents say they are taking steps to provide security for technologies
Quelle: PwC Health Research Institute analysis of PwC Global State of Information Security Survey, 2018
Schutz vor Angriffen: der
Faktor Mensch zählt am
meisten
Wie können Krankenhäuser, Praxen und andere
Einrichtungen des Gesundheitswesens sich vor sol-
chen Zugriffen schützen? Wie würden sich die Bür-
ger am besten abgesichert fühlen? Deutlich mehr Als weitere Maßnahme für mehr Datensicher-
als die technische Sicherheitsinfrastruktur zählt für heit in Krankenhäusern wünschen sich die Bürger
die Deutschen der Faktor Mensch, wie die PwC- ein standardisiertes Sicherheitskonzept, das alle
Befragung zeigt: 87 Prozent halten die Schulung notwendigen Schutzmaßnahmen beschreibt und
und Sensibilisierung der Klinik- oder Praxismitar- von einer Instanz wie dem Bundesgesundheits-
beiter für die wichtigste Maßnahme, um Datensicher- ministerium vorgegeben wird – das bestätigen 85
heit zu gewährleisten. Damit bestätigen die Laien Prozent der Studienteilnehmer. Ebenso halten sie
die Einschätzung von Experten für Internetsicher- die Meldung von Angriffen aus dem Internet bei
heit: Mitarbeiter sind das häufigste Einfallstor in der zuständigen Behörde (82 Prozent) und regelmä-
das Netz eines Unternehmens oder einer Organisa- ßige Testangriffe oder Angriffssimulationen (77
tion. Über E-Mails verschaffen sich Internetkrimi- Prozent) für sinnvoll. Bei allen Maßnahmen
nelle Zugang zu den Systemen, wie beispielsweise wünscht sich die Mehrheit der Bürger, dass diese
in Neuss oder Fürstenfeldbruck geschehen, alterna- gesetzlich vorgeschrieben werden. Noch sicherer
tiv über einen betrügerischen Anruf. Deshalb ist es würden sich die Deutschen insbesondere bei einem
zwingend notwendig, Mitarbeiter laufend zu schu- Krankenhausaufenthalt fühlen, wenn die Informa-
len und ihr Bewusstsein für Gefahren aus dem Netz tionssicherheit des Hauses durch eine unabhängige
wach zu halten. Prüfstelle zertifiziert wäre.
25Trends | Cyberkriminalität
Vertrauen in den
Umgang mit
Patientendaten?
Nur zwei von drei Deutschen
vertrauen darauf, dass ihre
Hausarztpraxis Datenpannen oder
Datenschutzverstöße an die
Aufsichtsbehörde meldet.
Quelle: Studie „Datensicherheit in Kliniken und Arztpraxen“, PwC 2019
Der Gesetzgeber hat die Vorgaben für Kranken-
häuser bereits verschärft. Da sie zu den Kritischen
Infrastrukturen gehören, müssen Kliniken mit
Welche Maßnahmen sind geeignet? mehr als 30 000 vollstationären Fällen pro Jahr ab
Juli 2019 in Audits nachweisen, dass sie die „Ände-
Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter wird
rungsverordnung zur Bestimmung Kritischer Infra-
als beste Maßnahme gesehen, um Datensicherheit strukturen nach dem BSI-Gesetz“ vom 30. Juni 2017
zu gewährleisten. umgesetzt haben. Da es allerdings noch keinen all-
gemeinen Datensicherheitsstandard gibt, ist die
Verunsicherung in der Branche derzeit groß – aus
Sicht vieler Experten kann die Verordnung kaum
zum Stichtag eingehalten werden. 120 Kliniken
sind nach derzeitigem Stand von dem Informations-
sicherheitsgesetz betroffen.
Nur jeder zweite Deutsche
glaubt, dass Ärzte alle
Sicherheitsmaßnahmen
umsetzen
Nicht nur Krankenhäuser gehen täglich mit sensiblen
Daten um, auch in Arztpraxen hinterlassen Patienten
persönliche Informationen, die vor Zugriffen von
außen geschützt werden müssen. Halten sich nieder-
gelassene Ärzte an diese Vorgabe? In diesem Punkt
sind die Bürger eher skeptisch – so glauben nur 69
Prozent, dass der Arzt alle Patientendaten ver-
Quelle: Studie „Datensicherheit in Kliniken und Arztpraxen“, PwC 2019 schlüsselt speichert, und lediglich 65 Prozent gehen
26Inwieweit sind Kliniken / Praxen
auf Netzangriffe vorbereitet?
45 Prozent der Bundesbürger sehen
allgemeinmedizinische Praxen nur begrenzt
auf potenzielle Cyberangriffe vorbereitet.
Quelle: Studie „Datensicherheit in Kliniken und Arztpraxen“, PwC 2019
davon aus, dass er Datenschutzpannen und -verstöße
an die zuständige Aufsichtsbehörde meldet. Nur
knapp jeder Zweite ist davon überzeugt, dass der Schutz von Patientendaten
Arzt alle notwendigen Schutzmaßnahmen um- Wie lassen sich sensible Patientendaten am besten
setzt. In diesem Bereich gibt es großen Handlungs- sichern, die über Health-Wearables übertragen
werden? Dieser Frage ist die Studie „Global Top
bedarf: Die sichere Übermittlung von persönlichen
Health Industry Issues“ des Health Research Institute
Patientendaten muss zum Standard werden, wie es (HRI) von PwC nachgegangen. Die Anbieter weltweit
auch das E-Health-Gesetz fordert. bestätigen, dass sie bereits Sicherheitsmaßnahmen
Trotz der Skepsis ist die Bereitschaft der Bürger, treffen, um die Daten zu schützen: 63 Prozent haben
eine Risikobewertung der Geräte eingeführt und 55
Daten zu teilen, vergleichsweise hoch: 52 Prozent Prozent haben Sicherheitskontrollen implementiert.
wären bereit, alle persönlichen Daten über die elek- Da die Nutzung von Wearables, die Gesundheitsdaten
tronische Gesundheitskarte mit ihrem Arzt oder per App übertragen, noch deutlich steigen wird, sind
erhebliche weitere Sicherheitsmaßnahmen notwendig.
ihrer Krankenkasse zu teilen, lediglich 26 Prozent
Wichtig ist vor allem, dass alle notwendigen Daten-
lehnen das strikt ab und 22 Prozent sind noch un- schutzmaßnahmen umgesetzt werden und die Daten-
sicher. Sorgen machen sich die Bürger im Zusam- hoheit allein beim Nutzer liegt.
menhang mit der elektronischen Gesundheitskarte,
die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach
einer langen Anlaufphase vorantreiben möchte, be-
sonders um den Verlust der Chipkarte: 67 Prozent
befürchten, dass sie die Karte verlieren könnten
und eine notwendige Behandlung dann nicht mehr
stattfinden kann, weil die Daten nicht mehr verfüg-
bar sind. Das Vertrauen der Versicherten in die Autoren
elektronische Gesundheitskarte muss noch weiter Michael Burkhart
Leiter des Bereichs
gestärkt werden, damit diese wie geplant künftig
Gesundheitswirtschaft bei PwC
auch zum gezielten Informationsaustausch genutzt
Jörg Asma
werden kann. Dazu gehört auch der weitere Ausbau Leiter des Bereichs
der Telematikinfrastruktur. Cyber Security bei PwC
27Trends | Markttrends
Markttrends
im Überblick
Es gibt weltweit zahlreiche Studien, die interessante Hintergründe und Trends im Bereich Health IT aufzeigen.
Bernhard Calmer (Cerner), Natalie Gladkov (bvitg) und Andreas Kassner (3M Deutschland) scannen
solche Studien innerhalb der AG Marktforschung des bvitg und ordnen sie ein. Hier präsentieren wir Ihnen
einige Highlights daraus.
Neue Märkte: Milliardengeschäft Artificial Intelligence
AI IN HEALTHCARE FUNDING HIT A HISTORIC HIGH IN Q 2 OF 2018
700 Equity funding ($M) # of equity deals 8
600 7
6 Artificial Intelligence
500
5 rockt: Stetig wächst die
400
4 Liste der von der FDA zugelassenen
300
3 Produkte. Ob so was mit der
200 2 europäischen Medical Device
100 1 Regulation (MDR) in den
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 kommenden Jahren möglich sein
2013 2014 2015 2016 2017 2018 wird, ist zu bezweifeln.
AI ALGORITHMS APPROVED BY THE FDA
STROKE DIABETIC RETINOPATHY INTR ACR ANIAL WRIST FR ACTURE DIABETES SUPPORT
Scans CT images for Analyzes ratinal images and HEMORRHAGE Scans X-ray images aiding Analyzes data from continuous
indication of stroke, uploads to the cloud with Processes CT images to triage providers to identify a glucose monitors, insulin
and alerts specialist a binary result in minutes cases most in need of expert common type of wrist bone pumps and self-monitoring to
in case of a large indicating that more than mind review and diagnosis with a focus fracture, known as distal determinate an insulin delivery
vessel blockage diabetic retinopathy is present on acute intracranial hemorrhage radius fracture recommendation
ATRIAL FIBRILL ATION ATRIAL FIBRILL ATION CARDIAC FUNCTION CARDIOVASCUL AR DX ONCOLOGY IMAGING
Enables its smartphone Analyzes data from sensors Auto-reviews echocardio- Scans CT images to develop Helps clinicians analyze
ECG device to detect built into the Apple Watch graphy study videos to select an artery calcification score ARIs and CT scans for
atrial fibrillation and to detect irregular heart rate the best to calculate ejection that clinicians can use to signs of potential liver
other rythm abnor- passively and alert users to fraction, a key measure of flag patients at high risk of and lung cancer
malities potential problems cardiac function cardiovascular disease
Quelle: Dave Gartner (auf Anfrage)
28Neue Märkte: KI in Pharma und Life Sciences
Die Pharma- und Life-Sciences-Industrie integriert Anwendungen für
Künstliche Intelligenz für immer mehr Aufgaben in den Arbeitsalltag ihrer
Mitarbeiter. Das geht aus einer Studie des IT-Unternehmens Infosys hervor.
Die Studie des IT-Unternehmens
Für rund 90 Prozent der Rund 40 Prozent der
90 % befragten Entscheider bildet 40 % Organisationen aus
Infosys hat insgesamt zehn
Unternehmensbereiche analysiert, darunter
KI eine Kernkomponente für den Pharma und Life Sciences
Unternehmenserfolg und wird in nutzen bereits KI und sind den Einzelhandel, Finanzdienstleistungen,
Zukunft unentbehrlich sein. damit zufrieden. Pharma und Life Sciences,
Telekommunikation, die Automobil- sowie
Luft- und Raumfahrtindustrie und den
öffentlichen Sektor. Dabei erwies sich die
Pharma- und Life-Sciences-Industrie am
78 % 78 Prozent der befragten
Führungspersonen geben an,
53 % Nur 53 Prozent der
Befragten glauben, dass
fortschrittlichsten in Bezug auf die
Implementierung von KI im Arbeitsumfeld
die Mitarbeiter ungeachtet der ihre Organisationen sowie besonders offen gegenüber
Arbeitsübernahme durch Maschinen die ethischen Fragen
Änderungen in der Betriebsstrategie. Wo
weiterhin zu beschäftigen. im Zusammenhang mit
wohl die anderen Bereiche im
Sie wollen die betroffenen KI in vollem Umfang
Gesundheitswesen im Vergleich stehen?
Angestellten innerhalb des gleichen berücksichtigt haben.
Funktionsbereichs umstellen bzw. zu
einer völlig neuen Rolle oder Funktion
umschulen. Quelle: IT-Production
Neue Märkte: Pläne der Big Three
Ganz klare Ausrichtung zu den Gesundheitsdaten.
Was haben die Silicon-Valley-Giganten im Bereich
Healthcare in 2018 unternommen und investiert?
ONLINE PHARMACY, ALEX A SKILLS, PERSONAL HEALTH RECORDS, APPLE AI DIAGNOSTICS, CHRONIC DISEASE
EMPLOYER HEALTH ANALY TICS WATCH FEATURES, PARTNERSHIPS PARTNERSHIPS, INVESTMENTS
Partnership with Berkshire Hathaway and J. P. Morgan The Series 4 Apple's Watch includes an FDA-cleared Cityblock Health, which spun out of Alphabet's
for an employer health initiative cardiac monitoring product; Also includes fall detection Sidewalk Labs, raised $ 17.8 m
Acquired online pharmacy start-up PillPack, features Alphabet invested $ 375 m in Oscar Health
for around $ 1b Launches their Health Records feature, allowing patients Google published that their AI could successfully
Deal with Arcadia Group on an exclusive brand of home to aggregate and share data with their EHR if the patient predict cardiovascular problems such as heart attacs
health products is at a participating hospital; 75 hospitals were enrolled and strokes from images of the retina
as of August
Cloud-based service from AWS will 'read' text submitted Partnerships: VA and DeepMind on research
to it and identify the medical information contained within Major partnerships include deals with LensCrafters, targeting patient deterioration during hospital care;
Zimmer Biomet with 10k knee and hip replacement Verily and ResMed on sleep apnea treatments
Alexa team to explore things like determining sickness via
surgery patients an a trial involving their Watch and a
speech analysis and integration with devices like blood Shut down their high-profile partnership with
specialized app, and RapidSOS on first responder data
pressure cuffs (partnership with Omron) Novartis on a glucose-sensing contact lens
from iPhones
Quelle: Dave Gartner (auf Anfrage)
29Trends | Markttrends
Leistungserbringer: Technologie-Skills
Deloitte hat für die Time to Care Studie in 14 europäischen Ländern über 1 350 Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhäusern –
auch zu ihrem Umgang mit digitalen Technologien im Arbeitsumfeld – befragt.
COGNITIVE, EMOTIONAL AND ANALY TICAL SKILLS WILL BE KEY FOR THE
HEALTH PROFESSIONAL OF THE FUTURE
- f u n c t i o n a l
o s s
C r s k
il
ls
TECHNICAL SKILLS SOCIAL SKILLS
IT and analytics, Perceptiveness, Coordination,
Understanding deep, Negotiation, Persuasion, Service
machine learning orientation, Ethical counselling
MANAGEMENT SYSTEM SKILLS
SKILLS
Complex
Team management, problem-solving, CONTENT SKILLS
Time management Decision-making Reading comprehension,
Active listening, Speaking,
Mathematics, Science, Durchaus spannende Einsichten im
B a s
Analytics
K n o w l e d g e
KNOWLEDGE
Generalist and specialist i c internationalen Vergleich: Es zeigt sich,
knowledge Evidence-based PROCESS SKILLS
FUTURE SKILLS
medicine Evidence-based Critical thinking Active learning dass länderübergreifend die Erwartungen an
s k i l l s
therapy Health economics FOR HE ALTH Lifelong learning strategies
Public health
Digitalisierung ähnlich ausfallen. Je verbreiteter
Physical skills, Psychomotor
eine Technologie im Arbeits- oder Privatleben ist,
abilities, Physical abilities
desto höher wird das Verbesserungspotenzial
COGNITIVE
ABILITIES gesehen.
Verbal Idea
generation and
SENSORY ABILITIES
reasoning Analytics
Memory Perceptual Visual auditory and speech
and spatial
Attentiveness
Adaptability
A b i l i t i e s
VIEWS OF HOSPITAL DOCTORS AND NURSES ON ORGANISATIONAL AND INDIVIDUAL PREPAREDNESS
TO ENGAGE WITH TECHNOLOGY IN HEALTH CARE
VIEWS ON ORGANISATIONAL PREPAREDNESS
Very well and reasonably well prepared AVER AGE SATISFACTION LEVELS WITH THE TR AINING AND SUPPORT FROM THEIR
ORGANISATION TO INTEGR ATE NEW TECHNOLOGIES INTO THEIR DAILY WORK
50%
25% 75% Very and generally satisfied Generally dissatisfied and not at all satisfied
Combined
38.2 % 53.1 %
Highest ranking countries Lowest ranking countries
1. United Kingdom (55%) 1. Ireland (37%)
0% 40.3 % 100% 2. Belgium (45%) 2. Spain (34%)
Doctor average: Nurse average: 3. Netherlands (44%) 3. Denmark (34%)
41.8 % 38.9 %
Doctors
33.6 % 58.5 %
INDIVIDUAL PREPAREDNESS Highest ranking countries Lowest ranking countries
1. United Kingdom (60%) 1. Finland (45%)
Adequately trained or tech expert
2. Belgium (47%) 2. Denmark (39%)
50% 3. Spain (47%) 3. Sweden (39%)
25% 75% Nurses
42.1 % 48.7 %
Highest ranking countries Lowest ranking countries
1. Sweden (55%) 1. Ireland (37%)
2. Switzerland (55%) 2. Spain (36%)
3. United Kingdom (53%) 3. Denmark (31%)
0% 51.7 % 100%
Doctor average: Nurse average:
52.5 % 51. 2 % Source: Deloitte research and analysis of interviews across Europe, Deloitte, 2017
30Leistungserbringer: Stand Digitalisierung
Im Rahmen der erstmaligen Erhebung „PraxisBarometer Digitalisierung“ der KBV wurden mehr als 1 750 Ärzte und
Psychotherapeuten befragt, wie es in deutschen Praxen um die Digitalisierung bestellt ist.
WUNSCH NACH AUSBAU DIGITALER ANGEBOTE FÜR PATIENTEN
Schön, dass es zunehmend
Sonstiges 7 %
Studien zur Digitalisierung
Online-Diagnose/-Therapie bei geeigneten… 9 %
Empfehlung und Verordnung von Gesundheits-Apps als… 11 % bei den Niedergelassenen gibt.
Fernabfrage von medizinischen Daten (z.B. Blutdruck) 14 % 1 750 Rückmeldungen von 7 000
Online-Sprechstunde 14 % angeschriebenen Praxen zeigen, dass
digitale Version Mutterpass, Impf-/Allergie-… 16 %
insbesondere die Kommunikation
einrichtungsübergreifende digitale Patientenakte 16 %
Erstellung und Pflege eines digitalen Notfalldatensatzes 19 % zwischen den Sektoren immer noch
Online-Fallbesprechungen mit Kolleginnen/Kollegen 19 % hauptsächlich „papierlastig“ ist.
Online-Terminvereinbarung 21 % Zumindest hat aber keiner in diesem
Erstellung und Pflege eines elektronischen Medikationsplans 27 %
Kontext nach dem Fax gefragt.
digitale Verordnungen, Überweisungen und Bescheinigungen 29 %
weiß nicht 34 %
DIGITALE KOMMUNIK ATION MIT ANDEREN PR A XEN /
AMBUL ANTEN EINRICHTUNGEN (Anteil der Praxen)
Schriftliche Kommunikation mehrheitlich/komplett Papierform
mit anderen Ärzten / Psychotherapeuten 86 %
mit Krankenhäusern 94 %
digitaler Datenaustausch (nur vertragsärztliche Praxen)
Offensichtlich beginnen die Niedergelassenen Empfang von Labordaten 69 %
die Nachfrage der Patienten nach digitalen Austausch von Bildmaterial, Arztbriefen, Befunddaten 11-17 %
Angeboten deutlich wahrzunehmen. Zugleich sehen
die Ärzte darin aber viel mehr Aufwand als
einrichtungsübergreifende digitale Patientenakte: Bereitschaft
Potenziale. Diesen die Angst vor Mehrbelastung zu zur Umstellung auf einheitliche Dokumentationsstandards
nehmen, wäre eigentlich eine Aufgabe der alle Praxen 37 %
Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) – oder? psychotherapeutische Praxen 21 %
spezialisierte/interdisziplinäre Facharztpraxen 50-54 %
ENTL ASTUNG DER PR A XEN DURCH ZUSÄTZLICHE DIGITALE ANGEBOTE FÜR PATIENTEN?
INSGESAMT 5 UND MEHR ÄR Z TE / 2 BIS 4 ÄR Z TE/ EINZELPR A XIS
PSYCHOTHER APEUTEN PSYCHOTHER APEUTEN
12 % Ich halte das für realistisch.
9%
24 % 19 % Ich habe daran gewisse Zweifel.
44 % 37 %
29 % 43 % 45 % Digitale Angebote können hierzu keinen
37% wesentlichen Beitrag leisten.
40 % 34 %
Ich habe mir hierzu noch kein Urteil
bilden können.
Quelle: KBV/IGES, PraxisBarometer Digitalisierung, 2018
31Trends | Markttrends
Krankenhaus: Entlassmanagement
Für den Gesundheitsreport 2018 der hkk Krankenkasse wurden Versicherte danach befragt, wie die Umsetzung
des Entlassmanagements aus Patientensicht zu bewerten ist.
ANTEIL DER STUDIENTEILNEHMER, MIT DENEN EIN ENTL ASSPL AN AUFGESTELLT WURDE
(ohne Studienteilnehmer, die erklärten, keinen Entlassplan zu brauchen)
Stoffwechselerkrankung (z. B. Diabetes) 50 %
Verletzung 44,4 %
chronische Herz-Kreislauf-Erkrankung 40 %
Krebs 36 %
Unfall 33,3 %
starke Schmerzen (z. B. Migräne) 33,3 %
Magen-Darm-Erkrankung akut / chronisch 29,4 % Die Befragung von rund 350
Muskel-/ Skeletterkrankung (z. B. Bandscheibe) 29 % hkk-Versicherten zeigt, dass das
Entlassmanagement die Bedingungen
psychische Erkrankung 25 %
in der Klinik verbessert hat. IT ist dazu
Infektion 21,4 % förderlich gewesen. Jedoch kommt es
Schlaganfall / Herzinfarkt 16,7 % immer noch zu Informationslücken
Atemwegserkrankung 16,7 % bezüglich gesetzlicher Regelungen zum
Entlassmanagement bei einigen
Entbindung 7,1 %
Patienten. Demnach gibt es noch Luft
nach oben.
ERSTELLUNG EINES ENTL ASSPL ANS UND DAUER DES KR ANKENHAUSAUFENTHALTS
10 und
1–3 Tage 4–6 Tage 7–9 Tage
mehr Tage Entlassplan ja
Entlassplan nein
10,5 %
25,3 % 18,3 % 26,9 % 23,1% 19,2 % 14,9 %
33,8% Entlassplan weiß nicht
9,5 %
7,7 %
7,4 % 5,8 % brauchte keinen
Entlassplan
56,8 % 49 % 50 % 41,9 %
Quelle: hkk Gesundheitsreport 2018 – Entlassmanagement
32Versicherte: Digitale Pflege
Die Menschen in Deutschland stehen der Digitalisierung der Pflege aufgeschlossen gegenüber. Das zeigt eine
repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 1 000 Befragten ab 18 Jahren.
sehr weit verbreitet
42 %
36 % VIDEOSPRECHSTUNDE AUCH FÜR
eher verbreitet
PFLEGEBEDÜRF TIGE SINNVOLL
eher wenig verbreitet
17 % Wie stark wird der Einsatz telemedizinischer
Angebote zur ortsunabhängigen Behandlung, überhaupt nicht verbreitet
4% 2% z. B. per Videosprechstunde, in zehn Jahren in
weiß nicht / k. A.
der Pflege in Deutschland verbreitet sein?
MEHR ALS DIE HÄLF TE OFFEN FÜR
DIGITALE HELFER IN DER PFLEGE
Können Sie sich vorstellen, sich von einem
Interessante Studie mit
Roboter zumindest teilweise pflegen zu lassen?
statistischen Erkenntnissen, die
für unsere Branche Relevanz haben
können. Abseits des „Klassikers“ der
34 %
digitalen Dokumentation in der Pflege
24 % 23 % gibt es noch mehr Potenziale zu heben.
17 %
3%
Wünschen Sie sich einen verstärkten Einsatz ja
von digitalen Anwendungen in der Pflege?
eher ja
30 %
23 % 25 % eher nein
19 %
nein
2% weiß nicht / k. A.
Quelle: Bitkom Studie "Digitalisierung in der Pflege, 2018
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