Und los geht's! Ausbildung in Schleswig-Holstein 2021/22 Entdecke deine Talente - ausbildung-in-sh.de - Ausbildung in Schleswig ...
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Ausbildung in Schleswig-Holstein
2021/22
Entdecke
deine Talente
und los geht’s!
ausbildung-in-sh.de
1Vorwort
Moin,
ich freue mich, dass Sie sich um Ihre Zukunft kümmern!
Dazu habe ich nur zwei Fragen:
Was interessiert Sie? Und wo liegen Ihre Stärken?
Wenn Sie die Antworten bereits kennen, hilft Ihnen dieser
Ausbildungsführer auf dem Weg zu einer erfolgreichen Berufsausbildung.
Aber auch wenn Sie die Antworten noch nicht wissen, kann er ein guter
Kompass für Sie sein.
Denn das Angebot an Ausbildungsberufen ist groß und hier wird
echte Orientierung und Unterstützung geboten.
Viele Fragen rund um die Berufswahl, das
Ausbildungsplatzangebot und die Bewerbung in
unserem schönen Schleswig-Holstein werden
beantwortet.
Doch was spricht eigentlich für
eine Berufsausbildung gerade jetzt?
Corona hat zwar vieles erschwert,
doch das Angebot ist noch immer
groß und es gibt viele attraktive und
zukunftsträchtige Ausbildungsplätze
zu ergattern – und keineswegs nur
Restposten.
Und die Möglichkeiten einer dualen
Ausbildung sind in Zeiten von Corona
und des Fachkräftemangels so groß wie nie.
Nutzen Sie jetzt diese Chance. Die Betriebe
freuen sich auf Sie!
Ihre Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein
P.S. Die IHKs helfen bei allen Fragen rund um die Ausbildung. Sprechen Sie
uns gern direkt an.
3Begleitwort der Redaktion
Jetzt wird es ernst!
Dein Start in das Berufsleben
Wenn der Schulabschluss immer näherrückt, wird eine Frage im Kopf
immer lauter: Wie geht es nach der Schule weiter? Plötzlich scheint ein
neuer Lebensabschnitt zum Greifen nahe. Das ist einerseits
schön und kann dir das Gefühl von Freiheit vermitteln.
Und andererseits kann es überfordern im Angesicht
der vielen Ausbildungsmöglichkeiten.
Wenn du schon eine Antwort auf diese Frage
gefunden hast, dann wird dir in diesem Heft
geholfen, deine Pläne in die Tat umzusetzen.
Zum Beispiel werden dir wichtige Fristen und
Termine zum Ausbildungs- und Studienstart,
Bewerbungstipps und -tricks und deine
Rechte und Pflichten als auszubildende Person
vorgestellt.
Doch auch wenn du noch nicht weißt, wie es
weitergehen mag, kann dir dieses Heft helfen, deiner
persönlichen Antwort näherzukommen. Es werden
dir verschiedene Wege zur Berufsorientierung aufgezeigt,
um Ordnung in das Chaos und die Vielzahl der Möglichkeiten zu bringen.
Außerdem stellen wir dir Berufswahltests, Berufsberatungsmöglichkeiten
und verschiedene Linksammlungen zur Berufsorientierung vor. Und es
werden verschiedene Berufsbranchen besprochen und gezeigt, wo deine
persönlichen Talente eingesetzt werden könnten.
Egal, ob du schon weißt, was du machen willst, oder noch keine Ahnung
hast: Die meisten Lebenswege verlaufen nicht auf einer Geraden,
sondern es können Umwege und Abzweigungen genommen werden. Die
Entscheidung für eine Ausbildung stellt also nicht das Ende deines Weges
dar, sondern einen Anfang. Und aller Anfang ist schwer, weswegen wir dich
dabei unterstützen wollen, die ersten Schritte in die Berufswelt zu gehen.
Wir wünschen dir alles Gute für deine Zukunft!
Die Redaktion
4Inhalt
03 Vorwort
04 Begleitwort der Redaktion
08 Berufswahltests
12 Ich weiß noch gar nicht,
was ich machen möchte.
Das hilft mir bei der Berufsorientierung
17 Ich weiß, was ich machen möchte
So finde ich einen Ausbildungsplatz
20 So kann die Schule unterstützen
Externe Personen hinzuziehen
21 Praktische Erfahrungen ermöglichen
22 Berufsorientierung im Unterricht einbauen
23 So können die Eltern unterstützen
24 Du musst dich nicht für dein Leben festlegen
26 Berufsberatung und Coaching
Was ist der Unterschied?
29 Interview mit Coach Anja Worm – mir selber auf den
Grund gehen
30 Diese Ausbildungsmöglichkeiten habe ich
32 Das duale Studium
34 Die berufliche Ausbildung
36 Die schulische Ausbildung
38 Sechs große Ausbildungsbereiche
Mit Laborkittel und Mikroskop
40 Interview mit Moira (MTRA)
642 Eintauchen in die Welt der Bits und Bytes
44 Interview mit Kim (Medieninformatikerin)
46 Die Bilanz stimmt: Berufe in Handel, Vertrieb
und Organisation
47 Interview mit Maximilian
(Kaufmann für Bürokommunikation)
49 Handwerk: Erbauen, Erschaffen, Kreieren
50 Interview mit Botho (Koch)
52 Interview mit Florian (Friedhofsgärtner)
55 Für andere da sein: Helfen, Heilen, Pflegen
56 Interview mit Julia (Heilerziehungspflegerin)
58 Öffentlicher Dienst: Verwaltung, Recht und Ordnung
60 Fristen, Termine und Voraussetzungen
für Ausbildung und Studium
Worauf muss ich achten?
62 Bewerbung
Das Bewerbungsschreiben
64 Das Bewerbungsgespräch
65 Interviewfragen zum Thema
67 Rechte und Pflichten der Auszubildenden
Grafische Gestaltung Anzeigen
Impressum German Romani
Redaktion
Nils Petersen
Drucklegung
Anneke Lindenberg August 2021
Herausgeber Kerstin Harmsen-Petersen
à la carte-Verlag Martin Reuter Titelbild
Bahnhofstraße 12 Monika Cordes Dmitry Lobanov -
24253 Probsteierhagen Baifroen Thomsen-Losse Adobe Stock
Tel.04348-9192582
Fax 04348-9192583 Lektorat
e-mail redaktion@ausbildung-in-sh.de Claudia Lazar
home www.ausbildung-in-sh.de Kerstin Harmsen-Petersen
7Foto: Chivalry Creative
Berufswahltests: Was ist das
und was bringen sie mir?
Was will ich nach der Schule machen? Bereits während der Schulzeit
ist diese Frage bei vielen Schülerinnen und Schülern präsent. Auch
du wurdest bestimmt schon in deinem familiären Umfeld nach deinen
Berufswünschen gefragt. Doch die Berufswelt ist vielfältig und nur
wenige Menschen wissen bereits in der Schule, was für einen Job sie
nach ihrem Abschluss ergreifen wollen. Die meisten Schülerinnen und
Schüler werden von Unsicherheit und Ängsten geplagt angesichts der
Vielzahl von Ausbildungsmöglichkeiten, der Flut an Informationen über
verschiedene Berufswege und der Frage nach den eigenen Wünschen und
Vorstellungen. Denn die Entscheidung für einen Beruf kann von großer
und weitreichender Bedeutung sein – schließlich stellst du eine der
Weichen für dein weiteres Leben.
8Um Ordnung in das riesige Angebot der Ausbildungsmöglichkeiten
zu bringen, wurden Berufswahltests entwickelt. Sie helfen dir
herauszufinden, welche Berufe bei deinen persönlichen Stärken,
Interessen und Wünschen für dich geeignet sein könnten. Solche Tests
werden von Berufspsychologen entwickelt und umfassen meist einen
Katalog an Fragen zu deinen Vorlieben, Fähigkeiten, Kenntnissen,
Lebensvorstellungen und deiner Persönlichkeit. Oftmals hast du
dabei mehrere Antwortmöglichkeiten und musst dich für diejenige
entscheiden, die am besten zu dir passt. Anhand deiner Antworten wird
ein Profil von dir erstellt. Dann läuft dein Profil durch einen Algorithmus
und deine besten Berufsmatches werden dir vorgestellt. Und schon hast
du einen Orientierungspunkt, auf dem du deine weiteren Recherchen
aufbauen kannst.
https://karrierebibel.de/berufswahl/
9Foto: Annie Spratt
Berufswahltests der
Bundesagentur für Arbeit
Du kannst online mit dem Berufserkundungstool ‚Check-U‘ der
Bundesagentur für Arbeit mehr über Berufe erfahren, die zu deinen
Interessen und Fähigkeiten passen. Um den kostenlosen Check-U-Test
zu machen, brauchst du einen Account, der sich aber easy anlegen lässt.
Und du brauchst einen Laptop und ca. zwei Stunden Zeit. Bei Check-U
werden deine Fähigkeiten im räumlichen Denken, dein Textverständnis
und deine Denkgeschwindigkeit getestet. Dafür musst du verschiedene
Aufgaben in diesen Themenbereichen auf Zeit lösen. Anschließend
werden deine sozialen Kompetenzen betrachtet. Deine privaten
und deine beruflichen Interessen werden ebenfalls berücksichtigt.
Am Ende bekommst du deine Testergebnisse und ein Ranking über
10sechs verschiedene Ausbildungsberufe und sechs Studienfelder, die
zu deinen Stärken passen. Du kannst die einzelnen Berufe anklicken
und dich näher über sie informieren. Und zusätzlich kannst du einen
persönlichen Termin mit den BerufsberaterInnen der Bundesagentur
für Arbeit ausmachen, bei dem ihr deine Ergebnisse besprecht und auch
weitere Optionen erörtert, beispielsweise die Anmeldung für einen
weiteren Berufswahltest bei dem Berufspsychologischen Service.
Das Ergebnis von Check-U sollte von dir als Orientierungshilfe
verstanden werden. Du solltest das Ergebnis anhand deiner eigenen
Wünsche und Vorstellungen überprüfen und wenn es für dich nicht
passt, dann kannst du weitere Berufswahltests machen, bis du etwas
Interessantes findest.
Check-U:
https://www.arbeitsagentur.de/bildung/welche-ausbildung-welches-studium-passt
Weitere Berufswahltests:
https://interessencheck.einstieg.com/intro.php
https://job-guru.de/berufstest/
11Bereich für die zukünftigen Auszubildenden und Studierenden
Ich weiß noch gar nicht, was ich machen möchte.
Das kann ICH machen:
Das hilft mir bei der Berufsorientierung
Berufsmessen besuchen
Bei einer Berufs- oder Jobmesse stellen sich verschiedene Unternehmen
aus unterschiedlichen Branchen vor. Die Unternehmen haben jeweils
eigene Stände, an denen du dich informieren kannst. Wenn du
dich für eine bestimmte Branche oder einen Betrieb interessierst,
hast du die Möglichkeit, deine Fragen den Ansprechpartnern des
Unternehmens direkt zu stellen. Zusätzlich verteilen viele Unternehmen
Informationsmaterial, das du dir zuhause nochmal in Ruhe anschauen
kannst. Und oftmals werden Werbegeschenke verteilt, wie Naschsachen
oder Kugelschreiber – der Besuch lohnt sich also jedenfalls. Zusätzlich
bieten viele Berufs- oder Jobmessen Angebote, wie beispielsweise
Bewerbungstraining oder Vorträge, an und vermitteln dir so mehr
Wissen, das dich bei deiner nahenden Ausbildungssuche unterstützen
kann. Der Eintritt für Berufs- und Jobmessen ist in den meisten Fällen für
SchülerInnen, Auszubildende und Studierende kostenlos. Untenstehend
sind drei Jobmessen aufgeführt, die in nächster Zeit stattfinden.
Jobmesse Lübeck:
07./08. August 2021
Samstag 10.00 - 16.00 Uhr • Sonntag 11.00 - 17.00 Uhr
Jobmesse Lübeck
19./20. März 2022
Kulturwerft Gollan
Einsiedelstraße 6
D-23554 Lübeck
Der Eintritt für SchülerInnen, Studis und Azubis ist frei.
https://jobmessen.de/luebeck
Jobmesse Kiel
23. Oktober 2021, 10 bis 16 Uhr 24. Oktober 2021, 11 bis 17 Uhr
Messehalle Mercedes-Benz Süverkrüp Automobile
(Kiel-Wittland)
Daimlerstraße 1 • 24109 Kiel
Der Eintritt ist frei.
https://jobmessen.de/kiel/
12Foto: Tommy Lisbin 13
Foto: Leon
Ein Praktikum absolvieren
Bei einem Praktikum hast du die Chance, in einen Betrieb
hineinzuschnuppern und verschiedene Aufgaben darin zu übernehmen.
In einigen Betrieben kannst du richtig mitanpacken und einen Eindruck
von der geforderten Arbeit gewinnen. In anderen Betrieben bist du
vielleicht eher BeobachterIn und übernimmst nur kleine Aufgaben.
Doch das Praktikum, egal ob mit großen oder kleinen Aufgaben, gibt dir
einen ungeschönten Einblick in die Arbeitswelt und im Besonderen in
einen einzelnen Betrieb. Hierbei kannst du die Strukturen und Abläufe
des Betriebs kennenlernen und feststellen, ob du die geforderte Arbeit
gern tust und dir eine Ausbildung in diesem Bereich vorstellen kannst.
Du sammelst wertvolle Erfahrungen für deine Zukunft und lernst dabei
mehr über dich selbst und deine Fähigkeiten und Fertigkeiten. Praktika
werden in den meisten Fällen nicht vergütet, dennoch kann es sinnvoll
sein, vor dem Antritt einer langjährigen Ausbildung erste Eindrücke in
diesem Bereich zu gewinnen. Die untenstehenden Links zeigen dir freie
Praktikumsplätze in deiner Nähe an.
Praktikum Rendsburg-Eckernförde
www.praktikum-rendsburg-eckernfoerde.de
Praktikum Westküste
www.praktikum-westkueste.de
Azubi-Match: Praktikumsplätze finden
www.ihk-sh.de/ausbildung-jetzt
14Bereich für die zukünftigen Auszubildenden und Studierenden
Die Online-Angebote der Bundesagentur
für Arbeit ansehen
Die Bundesagentur für Arbeit stellt ein Online-Angebot zur Verfügung,
das dich bei der Berufsorientierung, bei der Suche nach einem
Ausbildungsplatz und bei der Erstellung deiner Bewerbung unterstützt.
Leider ist das Berufsinformationszentrum (BiZ) aufgrund von Corona
momentan nicht geöffnet, doch das Online-Angebot bietet dir
ebenfalls interessante Vorschläge. Zur Berufsorientierung wird ein Test
angeboten, der deine Stärken und Schwächen prüft und dir passende
Ausbildungsberufe vorschlägt. Außerdem hast du auf dieser Webseite
die Möglichkeit, dich über verschiedene Branchen und Ausbildungsarten
zu informieren, beispielsweise über ein Studium oder eine Ausbildung
in einem spezifischen Bereich. Auf der Webseite werden Tipps für die
erfolgreiche Erstellung einer Bewerbung gegeben und du bekommst
durch ein Videoangebot Eindrücke von verschiedenen Berufen
vermittelt. Gleichzeitig werden dir alternative Ausbildungswege
aufgezeigt, beispielsweise für Schulabbrechende oder Menschen, die
einen Abschluss nachholen wollen. Zusätzlich gibt es eine Jobbörse, bei
der du den passenden Ausbildungsplatz finden kannst.
www.arbeitsagentur.de/bildung
www.jobboerse.arbeitsagentur.de
Das digitale Berufsorientierungsportal
des Handwerks nutzen
Auf dieser Webseite wird dir der Ausbildungsbereich des
Handwerks nähergebracht. Hier kannst du dich über die vielfältigen
Handwerksbranchen informieren: Vom Holzgewerbe über das
Textilgewerbe bis zum Baugewerbe wird dir ein Überblick über deine
Ausbildungsmöglichkeiten geliefert. Zusätzlich sind einige Videos
verlinkt, die den Weg von verschiedenen Menschen zum Handwerk
erzählen und ihre Arbeitsbereiche vorstellen. Wenn dich ein Beruf
interessiert, werden dir die Ausbildungsinhalte, die Schwerpunkte des
Berufs und der Ausbildungsablauf erklärt. Zusätzlich werden Tipps für
gute Bewerbungen gegeben. Außerdem kannst du auf dieser Webseite
gezielt freie Ausbildungsplätze in einem Handwerksbereich suchen.
www.handwerk.de
15Bereich für die zukünftigen Auszubildenden und Studierenden
Linksammlung für die Berufsorientierung
Ich möchte verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten kennenlernen
• Videoangebote der Bundesagentur für Arbeit, bei dem verschiedene
Berufsbereiche im Videoformat vorgestellt werden: www.berufe.tv
• Berufsorientierungsportal der Bundesagentur für Arbeit,
bei dem nach gezielter Suche schriftliche Informationen zu
Ausbildungsmöglichkeiten gegeben werden:
www.berufenet.arbeitsagentur.de
• Hier wird dir ein Fahrplan von Berufsorientierung bis zum
Unterschreiben des Ausbildungsvertrags vorgestellt: www.planet-beruf.de
• Digitales Ausbildungsportal für Schleswig-Holstein, wo du
Informationen zur Berufsorientierung, zu verschiedenen Berufen und
zu Bewerbungen bekommst: www.me2be.de
• Hier werden dir von der Bundesagentur für Arbeit verschiedene
Berufswelten vorgestellt, wie beispielsweise Ausbildungen,
Studienfächer oder Weiterbildungen: http://berufsfeld-info.de
• Digitales Berufsorientierungsportal, dass dir verschiedene Branchen
durch 360-Grad-Videos von Betrieben zeigt, Erklärvideos rund um
Ausbildungen anbietet und digitale Lerneinheiten zu Fragen und Themen
bereitstellt: www.deinerstertag.de
Ich möchte eine Ausbildung machen
• Hier findest du eine Videosammlung zu unterschiedlichen Themen
rund um die Ausbildung, beispielsweise über verschiedene Berufe oder
Finanzierungstipps für deine Ausbildung und vieles mehr:
www.youtube.com/c/AusbildungdeVideo/videos
• ‚Teilzeitausbildung für alle!‘ ist ein vom Land gefördertes Projekt,
um Menschen einen Berufsabschluss zu ermöglichen, die eine
Vollzeitausbildung nicht absolvieren können:
www.hwk-luebeck.de/ausbildung/wege-ins-handwerk/teilzeitausbildung.
www.ihk-schleswig-holstein.de/bildung/ausbildung/teilqualifikation
Ich möchte studieren
• Dir werden verschiedene Wege nach deinem Abitur vorgestellt,
beispielsweise Studienrichtungen, Ausbildungsmöglichkeiten und
Angebote zur Berufsorientierung: www.abi.de
• Auf dieser Webseite wirst du fündig, wenn du dich dazu entschieden
hast zu studieren, aber noch nicht sicher bist, was genau du machen
möchtest, und worauf du achten musst: www.studienwahl.de
• Hier werden dir verschiedene Studienfächer, Studienformen
und mögliche Studienorte vorgestellt sowie eine Studienberatung
angeboten:
www.arbeitsagentur.de/studiensuche
16Foto: Obi Onyeador
Ich weiß, was ich machen möchte:
So finde ich einen Ausbildungsplatz
Diesen Betrieb will ich kennenlernen:
Imagefilm schauen als Einstieg in die Recherche
Interessierst du dich für einen bestimmten Betrieb oder ein bestimmtes
Unternehmen, dann hast du die Möglichkeit, dir diese genauer
anzuschauen, indem du einen Imagefilm des Betriebs guckst. Besonders
größere Unternehmen haben auf ihren Webseiten oft verschiedene
Videos verlinkt, die dir einen ersten Eindruck über die Strukturen und
Aufgabenbereiche in deiner zukünftigen Ausbildung vermitteln. Hier
musst du aber aufpassen, denn oftmals ist ein Imagevideo als Werbung
aufwendig inszeniert und zeigt den Betrieb oder das Unternehmen nur
von seiner Schokoladenseite. Deswegen ist es unerlässlich, dass du
auch andere Informationen heranziehst, um ein Rundumbild von dem
Ausbildungsbetrieb zu bekommen. Ein Imagefilm stellt also nur den
Ausgangspunkt für weitere Recherchen dar und liefert einen kleinen
Einblick in Arbeitsweise und Ausrichtung des Unternehmens.
#bleiboben auschecken
#bleiboben ist eine Kampagne des Landes Schleswig-Holstein, die
SchülerInnen den Ausbildungsstandort Schleswig-Holstein näherbringen
will. Denn auch in unserem Bundesland herrscht Fachkräftemangel,
der sich in den nächsten Jahren noch verschärfen wird. Deswegen bist
DU als zukünftige Auszubildende oder Auszubildender gefragt und
es wird um den Einsatz deiner Fähigkeiten und Fertigkeiten in einem
Ausbildungsbetrieb in Schleswig-Holstein geworben. Über den Hashtag
findest du auf Instagram verschiedene Ausbildungsangebote und
17Bereich für die zukünftigen Auszubildenden und Studierenden
Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten in Schleswig-Holstein,
wie beispielsweise Vorstellungen von verschiedenen Betrieben oder
Weiterbildungsmöglichkeiten in einem Ausbildungsberuf. #bleiboben
ist auch bei Youtube zu finden. Dort werden dir die Lebensläufe von
verschiedenen Auszubildenden vorgestellt, die sich für eine Karriere im
hohen Norden entschieden haben. Die Youtube-Videos von #bleiboben
sind aufwendig produziert und lohnen einen Blick.
www.instagram.com/sh_derechtenorden/?hl=de
www.youtube.com/hashtag/bleiboben
Foto: Brooke Cagle
Stelle finden: Ausbildung jetzt!
Das ist eine Plattform, die von der IHK Flensburg, Kiel und
Lübeck sowie der HWK Lübeck ins Leben gerufen wurde und
freie Ausbildungsplätze vermittelt. Auf dieser Plattform können
sich Ausbildungsinteressierte und Ausbildungsbetriebe treffen und
einen ersten Eindruck voneinander gewinnen. Du hast die Chance,
verschiedene Betriebe online kennenzulernen, die Ausbildungsplätze
für dich anbieten. Wenn du dich für etwas interessierst, kannst du
mit dem Betrieb direkt einen Gesprächstermin vereinbaren und
in einer anschließenden ‚Speed-Dating-Runde‘ deine Fragen mit
Ansprechpartnern aus dem Betrieb klären. Außerdem hast du hierbei
die Möglichkeit, den jeweiligen Betrieb von deinen Fähigkeiten und
Fertigkeiten zu überzeugen. Das Gespräch kann telefonisch oder
über einen Videocall stattfinden und ist ganz unverbindlich, ohne
Verpflichtungen, Bewerbungsunterlagen oder Kosten. Und wenn es
zwischen euch ‚matched‘, hast du vielleicht auf unkomplizierte Weise
deinen Ausbildungsplatz in der Tasche.
Vom 6. bis zum 24. September ist das Portal offen und über die
untenstehenden Links zu erreichen.
www.ihk-sh.de/ausbildung-jetzt
https://ausbildung-jetzt-sh.de/ausbildung-jetzt-sh
Stelle finden: Jobufo
Auf Jobufo werden dir freie Ausbildungsplätze angezeigt. Du hast die
Chance, eine zielgerichtete Suche zu starten, indem du aus zahlreichen
18Branchen die passende auswählst und die Suche auf die Stadt deiner
Wahl einstellst. Zusätzlich kannst du dort eine Praktikumsstelle
oder einen Nebenjob finden. Doch Jobufo unterscheidet sich von
anderen Webseiten, die freie Ausbildungsplätze anzeigen. Auf dieser
Seite kannst du außerdem zu einer digitalen Bewerbungsmappe
eine Bewerbung per 30-sekündiger Sprachnotiz, per Video oder
Telefonat abgeben. So kann deine persönliche Bewerbung aus der
Masse herausstechen und bekommt eine besondere Note. Bei Jobufo
sind Ausbildungsbetriebe gelistet, die diese ungewöhnliche Art der
Bewerbung schätzen und wünschen. Zusätzlich zu diesem Angebot
kannst du dir Bewerbungstipps von den Karriere-Coaches von Jobufo
holen, beispielsweise per WhatsApp oder telefonisch.
Das Angebot von Jobufo ist kostenlos, aber erfordert eine
Registrierung per Facebook, Google oder E-Mail. www.jobufo.com/de/
Recherchetipps: Das sollte ich beachten
Seriös?
Internetseiten solltest du unbedingt auf Seriosität prüfen, besonders
bevor eine Registrierung mit der eigenen E-Mail-Adresse vorgenommen
wird. Seriöse Webseiten haben meist ein Impressum, bei dem du
nachschauen kannst, wer für den Inhalt der Seite verantwortlich ist.
Wenn Quellenangaben zu finden sind, ist dies ebenfalls ein Zeichen für
die Zuverlässigkeit des Angebots.
Aktuell?
Angebote auf Aktualität prüfen: Manchmal finden sich ‚Internetleichen‘.
Das sind Seiten, die nicht mehr in Betrieb sind oder lange nicht
aktualisiert wurden. Achte darauf, dass du nur auf aktuelle Angebote
schaust. Hierfür kannst du auf der Seite gezielt nach Jahres- oder
Datumsangaben Ausschau halten. Wenn es um Fristen und Termine rund
um deine Ausbildung geht, ist die Aktualität der Seite besonders wichtig.
Wahrheitsgetreu?
Wenn dich ein Ausbildungsbereich interessiert, dann informiere dich
auf verschiedenen Webseiten darüber. Manchmal stehen auf Webseiten
falsche Informationen, beispielsweise zu Ausbildungsstart etc.,
weswegen deine Recherche sich auf mehrere Quellen stützen sollte.
Ergänzende Recherche?
Es lohnt sich zusätzlich zur Online-Recherche auch im ‚Reallife‘
Informationen einzuholen, beispielsweise indem du Menschen aus
deinem Umfeld zu ihren Berufen und Erfahrungen befragst, Jobmessen
besuchst, eine Berufsberatung in Anspruch nimmst oder ein Praktikum
absolvierst.
19Bereich der Lehrenden
So kann die Schule unterstützen:
Foto: ThisisEngineering RAEng
Externe Personen hinzuziehen
Arbeitsagentur – Berufsberatung
Sie haben die Möglichkeit, externe BerufsberaterInnen in
Ihren Unterricht einzuladen. Die Bundesagentur für Arbeit
bietet diesen Service für Ihre Klasse an und vermittelt den
Schülerinnen und Schülern einen Überblick über verschiedene
Ausbildungsmöglichkeiten. Die SchülerInnen können wiederum
ihre Fragen loswerden. Pandemiebedingt werden diese
Veranstaltungen momentan nicht in Präsenz abgehalten,
sondern per Videokonferenz.
www.arbeitsagentur.de/bildung/berufsberatung
20IHK Schleswig-Holstein –
AusbildungsbotschafterInnen
Die IHK Schleswig-Holstein bietet den Einsatz von AusbildungsbotschafterInnen
für Schulen an. Der Besuch nimmt eine Doppelstunde in Anspruch und wird
von zwei Auszubildenden aus Ihrer Region gestaltet, die von ihrer aktuellen
Situation erzählen und Fragen beantworten. Da die Personen sich selbst in
einer Ausbildungssituation befinden, können sie einen authentischen Eindruck
über Anforderungen der Arbeit vermitteln und begegnen den Schülerinnen und
Schülern auf Augenhöhe.
www.ihk-schleswig-holstein.de/bildung/berufsorientierung/
ausbildungsbotschafter
Praktische Erfahrungen ermöglichen
Wirtschaftspraktikum 2.0
Viele Unternehmen nehmen aufgrund der pandemiebedingten
Kontaktbeschränkungen keine Praktikanten auf. Das Projekt
Wirtschaftspraktikum 2.0 will diesem Problem entgegenwirken und,
trotz Corona, das Erleben von praktischen Erfahrungen ermöglichen.
Es wurde ein Online-Angebot geschaffen, bei dem die Schülerinnen
und Schüler selbständig ein Wirtschaftskonzept für ein spezifisches
Unternehmen erarbeiten können. Das Ziel ist es, einen Business-Plan
zu erstellen und diesen zu präsentieren. So können die SchülerInnen
wichtige Erfahrungen im Bereich des Entrepreneurships erwerben
und sich intensiv mit einer Wirtschaftsbranche auseinandersetzen.
Dieser Prozess wird durch AnsprechpartnerInnen der verschiedenen
Unternehmen begleitet.
https://wirtschaftspraktikum.schule/
Foto: Christina Wocintechchat
21Bereich der Lehrenden
Berufsorientierung im Unterricht einbauen
Handbuch für LehrerInnen
Durch die Pandemiebestimmungen sind viele Möglichkeiten der
Berufsorientierung weggefallen, beispielsweise der Besuch eines
Berufsinformationszentrums in Ihrer Nähe. Doch die Bundesagentur für
Arbeit hat bereits 2019 ein umfangreiches Handbuch für Lehrkräfte erarbeitet,
dass Sie bei der Berufsorientierung Ihrer SchülerInnen unterstützen kann. In
diesem Handbuch finden sich 50 verschiedene Unterrichtseinheiten zu dem
Thema. 2020 wurde das Angebot um Online-Unterrichtseinheiten erweitert,
sodass die Berufsorientierung auch im Fernunterricht stattfinden kann.
www.arbeitsagentur.de/news/berufliche-orientierung-im-virtuellen-unterricht
Foto: Sigmund
Gemeinsam Jobmessen besuchen
Sie können mit Ihren SchülerInnen Berufs- oder Jobmessen besuchen. Die
ganze Klasse befindet sich in der gleichen Situation der Berufsorientierung
und die gemeinsame Erfahrung ermöglicht, sich über Ängste, Pläne oder
Gedanken auszutauschen. Einige Messen bieten pandemiebedingt die
Zusendung von schriftlichem Material an, das im Unterricht besprochen
werden kann. Termine für Berufs- und Jobmessen in Präsenz finden Sie in
diesem Ratgeber unter ‚Das hilft mir bei der Berufsorientierung’ (S. 12).
Linksammlung zur Berufsorientierung in der Schule
• Die App ‚Svipe‘ kann im Unterricht der Berufsorientierung eingesetzt
werden und bietet Ihnen die Möglichkeit, diesen digital und multimedial zu
gestalten: www.visionyou.de
• Das Projekt ‚Du bist ein Talent‘ stellt interessierten Schülerinnen und
Schülern für drei Jahre einen Paten aus der Berufswelt an die Seite, der
ihnen in 15 Unterrichtseinheiten Wissen und Erfahrungen vermittelt und
so den Berufsübergang erleichtern soll: www.das-macht-schule.net/talent
• ‚Mein mutiger Weg‘ bietet drei verschiedene Seminare zur
Berufsorientierung an und die Berufsorientierungsplattform ‚Traumjob
Campus‘: www.mein-mutiger-weg.de/
22Bereich für die Eltern
Foto: Daniel Cheung
So können die Eltern unterstützen:
Unterstützung und Beratungshilfen
Der Übergang von der Schule zu einem Beruf ist ein neuer
Lebensabschnitt und damit auch mit vielen Unsicherheiten verbunden:
Was will ich vom Leben? Was sind meine Möglichkeiten? Wie finde ich
Orientierung? Die Beschäftigung mit diesen grundlegenden Fragen kann
viele Jugendliche stark in Anspruch nehmen. Sie als Eltern können Ihr
Kind bei der Beantwortung dieser Fragen wriksam unterstützen, denn Sie
kennen Ihr Kind in all seinen Facetten und sind ein wichtiger Ratgeber in
allen Lebenslagen. Ob bei der Klärung finanzieller Fragen, durch seelische
Unterstützung oder bei der Orientierung zur Erkundung der Stärken Ihres
Kindes – Sie haben die Möglichkeit, aktiv zu helfen. Ebenfalls können Sie
sich für den Prozess der Berufsorientierung Hilfen und Tipps einholen,
beispielsweise durch das Elternberatungsangebot der Bundesagentur
für Arbeit. Auch durch eigenständige Online-Recherche können Sie ihre
Unterstützungsmaßnahmen begleitend einsetzen. Die untenstehenden
Links helfen Ihnen dabei weiter.
• Hier wird Ihnen ein Überblick über verschiedene
Unterstützungsmaßnahmen für die Berufsorientierung gegeben, wie
beispielsweise die Förderung von Stärken Ihres Kindes, und Ihnen werden
praktische Tipps für die Stellensuche und Bewerbung vermittelt:
https://planet-beruf.de/eltern/
• Verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten, Bewerbungsstandards,
Finanzhilfen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Unterstützungsmaßnahmen
werden Ihnen hier vorgestellt: www.azubi.de/beruf/tipps/fuer-eltern
• Auf dieser Seite haben Sie die Möglichkeit, einen Beratungstermin
zu vereinbaren und weitere schriftliche Informationen rund um die
Ausbildung Ihres Kindes einzuholen:
www.arbeitsagentur.de/bildung/schule/tipps-fuer-eltern
• Das Sonderheft ‚abi extra Eltern‘ fasst Unterstützungsmöglichkeiten und
Informationen um verschiedene Ausbildungsarten zusammen und kann auf
dieser Seite eingesehen werden: https://abi.de/eltern/tipps-und-infos.htm?zg=eltern
23Bereich für die Eltern
Du musst dich nicht für dein Leben festlegen
… ist ein Satz, der mir aus dem Gespräch mit Emmi Levsen
(Kreisfachberaterin Berufliche Orientierung in Kiel) besonders hängen
geblieben ist. Ein Satz, den sie ihren SchülerInnen oft sagt. Hauptsächlich
ist sie nämlich Lehrerin an einer Kieler Gemeinschaftsschule.
Und weiß genau, was
SchulabgängerInnen mit
ESA und MSA umtreibt.
Aktuell sei bei den
Ausbildungen zum/zur
Einzelhandelskaufmann/-
frau der Bereich
Sportartikel und Mode sehr
angesagt. Aber „die meisten
wollen weiter zur Schule
gehen. Unser Schulsystem
ist sehr durchlässig. Wer
motiviert ist, kann auf den
unterschiedlichsten Wegen
auch zu einem Abitur
kommen.“
Ich bin total überrascht,
wie viele unterschiedliche
Profile es an den
Beruflichen Gymnasien
(BG), den Berufsfachschulen
(BFS 1-3) und den Regionalen Bildungszentren (RBZen) gibt. An den
BFS 1 wird zum Beispiel in zwei Jahren eine berufliche Grundbildung
vermittelt und es kann der MSA erreicht werden. Angeboten werden
die Fachrichtungen Nahrung und Gastronomie, Gesundheit und
Ernährung, Soziales, Technik sowie Wirtschaft.
„In der Corona-Zeit waren viele Angebote zur Berufsorientierung nur
digital möglich“, berichtet Emmi Levsen weiter. „Vieles lief auch wirklich
gut, aber kein digitales Angebot kann reale Bedingungen ersetzen.
Gerade Schüler und Schülerinnen mit nicht so guten Schulnoten, können
sich in einem Praktikum vor Ort ganz anders mit ihren Stärken zeigen.
Und bekommen selber ein Gefühl dafür, ob die Tätigkeit zu ihnen passt.“
An Emmi Levsens Schule ist es üblich, mit jedem/-r Schulabgängerin
im Februar nach dem Halbjahreszeugnis ein Einzelgespräch zu führen.
„Das persönliche Gespräch und die Begleitung sind für alle Schüler
total wichtig!”
24Dass niemand auf dem Weg in das Berufsleben verloren geht, ist
auch das oberste Ziel der Jugendberufsagenturen (JBAen). Die gibt
es in vielen Städten und Kreisen Schleswig-Holsteins. Dort sitzen
beispielsweise LehrerInnen, BerufsberaterInnen, BeraterInnen im
Jobcenter, JugendberaterInnen aus dem Jugendamt, PädagogInnen aus
den Jugendtreffs und viele andere mehr. Alle Hilfen unter einem Dach
zu finden, erspart den Jugendlichen lange Wege von Amt zu Amt.
Geplant ist, dass junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren ohne
Termin spontan vorbeikommen können. Dieses Angebot richtet sich
übrigens gleichfalls an Eltern.
Neu in Schleswig-Holstein ist das Angebot des „Stärkenparcours“:
„Alle SchülerInnen der 7. Klassen an Gemeinschaftsschulen werden von
PädagogInnen angeleitet, spielerisch ihre Stärken und Zukunftswünsche
zu entdecken“, erfahre ich. Es geht darum, sich selbst besser
kennenzulernen. Zum Beispiel: Wie einfühlsam bin ich? Wie zupackend?
Arbeite ich lieber für mich allein oder mit anderen zusammen? Mit
Glück kann dieser Tag im Schuljahr 2021/22 „in echt“ und nicht
nur digital stattfinden. Lehrkräfte und Eltern werden mit eigenen
Angeboten eingebunden.
Ein weites Feld, die Berufliche Orientierung. Und total spannend, finde ich.
Interessante Links:
www.sinus-bfk.de/projekt/staerken-parcours-schleswig-holstein/
www.jba-kiel.de
www.kieler-talentschmiede.de
25Berufsberatung und Coaching:
Was ist der Unterschied?
Foto: Evangeline Shaw
Neben den bereits vorgestellten Möglichkeiten der Berufsorientierung
kannst du auch eine professionelle Berufsberatung oder ein Coaching in
Anspruch nehmen. Hier lautet die Devise: Ein Beruf macht einen großen
Teil deiner Lebenszeit aus, deswegen ist es sehr wichtig, dass du gerne in
diesem Beruf arbeitest. Auf dem Weg zu einem glücklichen Berufsleben
kann dich die Expertise von BerufsberaterInnen und Coaches
unterstützen. Die Arbeitsweise von BerufsberaterInnen und Coaches
kann sehr unterschiedlich sein, obwohl das gleiche Ziel verfolgt wird.
Eine Berufsberatung ist, wie der Name schon sagt, darauf ausgelegt, den
für dich passenden Beruf zu finden. BerufsberaterInnen haben große
fachliche Kenntnisse und sind meistens in diesem Bereich ausgebildet
worden. Sie wissen um die unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten
und können dir konkrete Berufsvorschläge anbieten, die zu deinen
Stärken passen. Um deine Stärken und Vorlieben herauszufinden,
26werden oftmals strukturierte Interviews mit dir geführt, Tests
durchgeführt oder aber in einem gemeinsamen Gespräch diese Themen
bearbeitet. Die genaue Vorgehensweise hängt immer davon ab, wo du
die Berufsberatung machst.
Bei einem Coaching können ähnliche Methoden wie bei der
Berufsberatung benutzt werden, aber im Unterschied zur
Berufsberatung steht hier nicht die Sache, der Beruf, sondern du
selbst, deine Person, im Vordergrund. Der vorherrschende Ansatz ist
die ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ und es werden dir bestimmte Maßnahmen
und Möglichkeiten aufgezeigt, wie du dein Ziel erreichen kannst.
Beispielsweise kann ein Coaching konkret darauf bezogen sein, deine
persönlichen Stärken, Vorlieben oder Ängste herauszuarbeiten, die
vielleicht über Schulfächer und gute Noten noch nicht dargestellt
sind. So lernst du dich selbst und deine Wünsche besser kennen
und bekommst in dem komplexen Prozess der Berufsorientierung
Anhaltspunkte. Doch auch hier hängt die genaue Vorgehensweise von
dem gebuchten Coaching ab.
Berufsberatung: wo und wie?
Zu einer Berufsberatung kannst du gehen, wenn du noch keine Ahnung
hast, was du machen möchtest. Hier bekommst du von fachlich geschulten
BerufsberaterInnen Tipps zur Berufsorientierung und konkrete Vorschläge,
wie du vorgehen könntest. Außerdem könnt ihr in einem Gespräch deine
Stärken, Interessen und Vorlieben klären und die Berufsberatung kann dir
aufgrund dieser Informationen Hinweise über passende Ausbildungen für
dich liefern. Die Angebote sind als Empfehlungen zu verstehen, denn du
selbst musst entscheiden, welchen Beruf du ergreifen willst.
Doch auch wenn du schon weißt, in welchem Arbeitsbereich du tätig
werden möchtest, kann eine Berufsberatung sinnvoll sein. Ihr könnt euch
darüber beraten, welche Jobs in diesem Arbeitsbereich dir liegen und dir
werden konkrete Kontaktdaten von in Frage kommenden Unternehmen
gegeben. Außerdem gibt dir die Berufsberatung Bewerbungstipps,
die direkt auf deine mögliche Arbeitsbranche bezogen sind. Denn in
unterschiedlichen Branchen sind unterschiedliche Fähigkeiten gefordert,
die du in deiner Bewerbung unbedingt herausstellen solltest.
Berufsberatungen können dir auch helfen, wenn du in einem Beruf
arbeitest, in dem du unglücklich bist. Hier werden dir verschiedene
Weiterbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Berufsberatungen bei der Bundesagentur für Arbeit sind
kostenlos. Auch die IHK Schleswig-Holstein bietet kostenlose
Ausbildungsberatungen an sowie die HWK in Schleswig-Holstein.
Bundesagentur für Arbeit:
www.arbeitsagentur.de/bildung/berufsberatung
IHK-Ausbildungsberatung:
www.ihk-schleswig-holstein.de/bildung/ausbildung/Tipps
HWK-Ausbildungsberatung:
www.hwk-luebeck.de/ausbildung/fuer-auszubildende.html
27Foto: Leon
Coaching: wo und wie?
Ein Coaching zum Thema der Berufsberatung oder Berufsorientierung
kann ganz unterschiedliche Ansätze verfolgen. Doch das Herausfinden
deines Berufswunsches stellt auch hier das Ziel dar. Da Coachings aber oft
durch private Anbieter durchgeführt werden, kann hier kein einheitliches
Coaching-Konzept vorgestellt werden. Teilweise kann ein Coaching
über mehrere Wochen stattfinden, oder es wird nur ein einziger
Termin vereinbart – das hängt ganz von dem individuellen Konzept des
Coaches ab. Doch oftmals steht das durch den Coach unterstützte
Kennenlernen der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Vordergrund.
Dieser Prozess kann sehr intensiv sein und sich über mehrere Wochen
erstrecken, in denen der Coach mit dir zusammenarbeitet. Nachdem
diese herausgearbeitet worden sind, können passende Berufswünsche
gemeinsam diskutiert werden und dir Orientierungspunkte liefern. Viele
Coaching-Konzepte sprechen aber keine direkten Berufsempfehlungen
aus, sondern unterstützen den Prozess der Berufsfindung professionell. So
kannst du ‚aus dir selbst‘ zu deinem Wunschberuf finden.
Es werden aber nicht nur Coachings zum Thema der Berufsorientierung
angeboten, sondern zu vielen verschiedenen Themen rund um
Ausbildung, Beruf oder Studium. So kannst du beispielsweise ein
Bewerbungscoaching machen oder aber in einem Coaching lernen, wie
du deine Fähigkeiten besser in deinem Job einsetzen kannst. Auch für
Schulen werden Coachings im Klassenverband angeboten.
Da die Coaches oftmals private Anbieter sind, können Kosten entstehen.
Bevor du einen Coaching-Termin buchst, kann es deswegen sinnvoll sein,
dich im Vorfeld über das Coaching zu informieren, damit du das für dich
richtige und ein seriöses Angebot auswählst.
Berufsorientierungscoaching für die Klassen 8 bis 10, kostenlos für
Schulen: www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/S/schule_und_beruf/
handlungskonzept_plus.html
Bewerbungstraining, kostenlos mit Aktivierungs- oder Bildungsgutschein:
https://sh.kursportal.info/k1001563051?q=Coaching+%5BKursthema%5D
Einzel- oder Gruppencoaching zur Berufsorientierung (Kennenlerntermin
kostenlos): www.anjaworm.de/schwerpunkte/welcher-beruf-passt-zu-mir
28Coaching – mir selber auf den Grund gehen
„Wann sollte man sich coachen lassen, anstatt einfach zur Berufsberatung
zu gehen?“, ist meine Einstiegsfrage an Anja Worm. Und ich bekomme
erklärt: „Der Unterschied zwischen einer Berufsberatung und einem
Coaching ist, dass hier nicht einfach anhand von Interessen oder Stärken
Berufe herausgesucht werden. A la ‚ich kommuniziere gern, bin kreativ
und handwerklich begabt, also ist der Traumberuf Friseur/in’.
Die ehemalige Inhaberin der Inlingua-Sprachschule Kiel
leitet Menschen an, über sich selbst nachzudenken:
Welche Neigungen hatten sie als Kind, was fällt
ihnen leicht, was macht ihnen Spaß, welche
Rolle soll die Berufsarbeit im Leben spielen.
Sich nur auf die so genannten Stärken
und Schwächen zu fokussieren, ist nicht
das Ausschlaggebende. Denn allzu oft
wird geschlussfolgert: „Ich war nie gut in
Mathe, deshalb sollte ich nichts mit Zahlen
machen.“ Dabei wurde der Spaß an Zahlen
vielleicht einfach nur nie geweckt. Zudem
gilt es herauszufinden, welche Motivation
man für einen Job hat. Geht es um den
gesellschaftlichen Status? Üben Eltern oder
Freunde einen – zu – großen Einfluss aus? Steht das
Geldverdienen an erster Stelle oder die Freude an der
Arbeit? Schmunzelnd führt sie weiter aus: „Manchmal sind
es auch drei Ideen, die alle gar nicht zueinander passen. Eine Kombi wie
Physiotherapeutin, Game- und Industriedesignerin.“ Anja Worm hat sich
aus Interesse mittels Fortbildungen beruflich immer weiterentwickelt.
Nicht nur Fremdsprachen haben sie interessiert, sondern die
Kommunikation mit und zwischen Menschen ganz allgemein. Auch stand
sie selbst einige Male vor der Frage, wie es beruflich weitergehen kann.
Hat Pläne geschmiedet und wieder verworfen.
Zudem ist „die Entscheidung für den ersten Beruf nicht zwangsläufig
lebenslang gültig: Sollte man nach 5 Jahren merken, dass der Traumberuf
gar nicht mehr so ein Träumchen ist, man sich in eine andere Richtung
entwickelt hat – na und! Arbeitszeit ist Lebenszeit und mit der
Entwicklung kommen durchaus neue Neigungen, Interessen und Stärken.“
Das ist auch ein Grund, warum nicht nur SchulabgängerInnen ihren Weg
zu Anja Worm finden.
Coaching und Beratung Anja Worm
An der Halle 400
24143 Kiel
Telefon: +49 (0) 171 33 11 509
E-Mail: kontakt@anjaworm.de
29Diese Ausbildungsmöglichkeiten
habe ich
Foto: Bruce Mars
In Deutschland gibt es vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten – da fällt
die Orientierung ganz schön schwer. Um dir einen Überblick zu
verschaffen, haben wir dir Merkmale der beliebtesten Ausbildungswege
zusammengestellt.
Bei einer betrieblichen Ausbildung arbeitest du aktiv in einem
Unternehmen und besuchst gleichzeitig eine Berufsschule. So erlangst
du neben deinen praktischen Erfahrungen auch theoretisches Wissen
und verdienst dabei dein erstes eigenes Geld. Der Unterricht an
der Berufsschule findet entweder ein- bis zweimal die Woche oder
in Theorieblöcken statt. In der Berufsschule belegst du sowohl
berufsspezifische als auch allgemeinbildende Fächer, wie beispielsweise
30Deutsch oder Englisch. Betriebliche Ausbildungen dauern im Schnitt
zwei bis drei Jahre. Durch gute Leistungen hast du oftmals die
Möglichkeit, deine Ausbildungszeit zu verkürzen. Wenn du eine
betriebliche Ausbildung machen möchtest, bewirbst du dich direkt bei
einem Unternehmen. Und das frühzeitig! Am besten schon eineinhalb
Jahre vor Ausbildungsstart.
Ein duales Studium ist einer betrieblichen Ausbildung sehr ähnlich.
Neben der Arbeit in einem Unternehmen erlangst du theoretisches
Wissen, allerdings an einer Hochschule, und du wirst für deine
betriebliche Tätigkeit bezahlt. Bei vielen dualen Studiengängen wechseln
sich Praxis- und Theoriephasen in Blöcken ab – der einmal wöchentliche
Besuch einer Universität ist eher selten. Für ein duales Studium solltest
du dich ebenso frühzeitig bei einem Unternehmen bewerben. Am besten
eineinhalb Jahre im Voraus. Ein duales Studium dauert meist länger als
eine betriebliche Ausbildung: In der Regel zwischen drei und fünf Jahre.
Aber am Ende hast du einen Hochschulabschluss in der Tasche.
Eine schulische Ausbildung findet Vollzeit an einer Berufsfachschule
statt. Im Unterricht lernst du neben allgemeinbildenden Fächern auch
ausbildungsspezifische Themen intensiv kennen. Auch hier kommt
die Praxis nicht zu kurz, denn meistens müssen Praktika absolviert
werden. Du verdienst allerdings kein eigenes Geld, hast aber die
Möglichkeit, deine Ausbildung mithilfe staatlicher Unterstützung, wie
das BAföG, zu finanzieren. Die Ausbildung dauert in der Regel ein bis
drei Jahre. Am Ende erhältst du ein staatliches Zertifikat, das dich
für die Arbeit in diesem Beruf qualifiziert. Bewerben kannst du dich
direkt bei der Berufsfachschule deiner Wahl. Die Schulen geben die
Bewerbungszeiträume vor.
Bei einem Studium studierst du Vollzeit an einer Universität oder
Fachhochschule und lernst die theoretische Basis deines Studienfachs
intensiv kennen. Es dauert in der Regel drei Jahre und endet mit
einem Bachelorabschluss, auf den dann noch ein Masterstudiengang
und -abschluss folgen kann. Ein Studium muss man selbst bezahlen,
aber auch hier kannst du finanzielle Unterstützungen in Anspruch
nehmen, wie beispielsweise durch BAföG, ein Stipendium oder einen
Studienkredit. Bei einigen Studiengängen sind Praktika zu absolvieren.
Um einen Studienplatz zu bekommen, bewirbst du dich direkt bei deiner
Wunschhochschule. Die Bewerbungszeiträume sind festgelegt und
starten in der Regel vier bis fünf Monate vor Studienbeginn.
31Praxis im Betrieb und Theorie in der Hochschule,
so sieht ein duales Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre
(BWL) oder der Wirtschaftsinformatik (WI) aus an der Dualen
Hochschule Schleswig-Holstein (DHSH). Die ca. 550 Studierenden an
drei Standorten, Kiel, Lübeck und Flensburg, sind eingebunden in ein
intensives dreijähriges Studium von gelehrter Theorie, die direkt auf
eine betriebliche Praxis zugeschnitten ist, einer umfassenden Ausbildung
im Betrieb, dazu kommt das konzentrierte Lernen in kleinen, persönlich
geführten Studiengruppen an der Hochschule.
Voraussetzung für dieses duale Studium sind Fachhoch-/Hochschulreife
oder Ausbildung plus bestandene Hochschulreifeprüfung oder Meister-/
Fachwirt-Titel, ein Studien- und Ausbildungsvertrag mit einem
Unternehmen, gute Mathe-Kenntnisse sowie hohe Leistungsbereitschaft,
Belastbarkeit und Engagement. Dafür erhält man, dass in kleinen
Gruppen gelernt wird, was die gegenseitige Wahrnehmung der
Studierenden untereinander fördert und ein persönliches Verhältnis
zu den Dozenten. So erklärt sich, dass hier nur wenige ihr Studium
abbrechen. Die Abbrecherquote liegt in der Regel im einstelligen
Bereich. Die enge Zusammenarbeit mit den Betrieben erklärt außerdem,
warum so gut wie alle Studierende ein gesicherter Arbeitsplatz nach
dem Studium erwartet. Denn der Betrieb zahlt die Studiengebühren
und investiert viel: Er sucht sich deshalb genau die Auszubildenden aus,
die voraussichtlich den Anforderungen des Unternehmens entsprechen.
Auch die private DHSH ist interessiert, dass jedes Studium gelingt, es ist
32die beste Werbung, denn sie finanziert sich über die Studiengebühren.
Die Studiengänge BWL und WI beinhalten drei Bereiche: Basiswissen in
BWL und VWL bzw. WI, Basiswissen nach Branchen z.B. Tourismus-,
Bank- oder Logistikmanagement sowie Wahlpflichtmodule wie z.B.
Human Resource Management, Relationship Marketing oder E-Business.
Die Verzahnung von betrieblicher Praxis und Theorie ist immer
gegeben, schließlich besteht das Studium aus ca. 60% Praxis.
Insbesondere während dreier Praxisprojekte arbeiten die drei
Beteiligten, Professoren der Hochschule, Projektbetreuer im Betrieb
und der/die Studierende gemeinsam. In der Bachelor-Thesis, der
schriftlichen Abschlussarbeit, ist nach solch einem Studium der
Praxisbezug zur Theorie deutlich. Ein dreifacher Abschluss kann Lohn
der Mühen sein: Bachelor, Berufsabschlüsse, z.B. Industriekaufmann,
-frau, Fachinformatiker/in und die Ausbildereignung.
Während des Studiums arbeiten die Studierenden eines
Branchenschwerpunktes eng zusammen. Teamwork und
Kommunikation werden hier eingeübt. Ein Gewinn für jedes gut
funktionierende Unternehmen, wenn die interne Gesprächskultur
stimmt. Genau dafür bieten neben dem großen Hörsaal die kleinen
konferenzraum-ähnlichen Lernbereiche im modernen Kieler
Hochschulgebäude den passenden Umraum. Auch die lässigen
Co-Working-Spaces unterstützen flexible Lerngruppen mit
unterschiedlichen technischen Ausstattungen.
Ein Studium, das es in sich hat, aber gute Zukunftsaussichten garantiert!
33Handwerk hat goldenen Boden
Davon ist Frau Propf überzeugt, Schulleiterin und Geschäftsführerin
des RBZ, des Regionalen Bildungszentrums am Kieler Westring 100.
Angesteckt von dieser Überzeugung verlasse ich nach einem angeregten
Gespräch mit ihr den großzügigen, freundlichen Kieler Berufsschul-
Neubau am Westring. Ihr ist die Begeisterung für den beruflichen
Weg über eine Ausbildung anzumerken. Sie selbst, ausgebildet als
Zahnarzthelferin vor ihrem Studium, ist sicher, dass junge Menschen
durch eine praktische Ausbildung nach der Schule erst einmal festen
Boden unter den Füßen gewinnen.
Sie begrüßt, dass an Gemeinschaftsschulen ‚Berufsorientierung‘
als Schulfach angeboten wird. Denn „Jugendliche wissen oft nicht,
welchen Weg sie einschlagen sollen. Leistungsdruck macht Stress.
Eltern mit Abitur können sich oft nicht vorstellen, wie durchlässig
Ausbildungswege heute sind“. Das RBZ bietet u.a. für SchülerInnen mit
Oberstufen-Genehmigung den Weg zum Abitur/Fachabitur, wobei alle
Fächer auf die allgemeine gewählte Berufs-
wunschrichtung bezogen sind. Frau Propf
berichtet z.B. vom Mathe-Unterricht,
wo für die Azubis im medizinischen
Bereich Prozentrechnen am
Beispiel von Infusionslösungen
gelehrt wird. Auch die
berufsvorbereitenden Kurse
sind ihr wichtig, und selbst
als Schulleiterin möchte sie
ihre Unterrichtsstunden in
dem Bereich auf keinen Fall
missen. „Der direkte Kontakt
zu den Schülen ist mir ein
Anliegen!“ An dieser Stelle des
Gesprächs wünschte ich, ich hätte
als Schülerin eine Lehrerin mit so viel
Herzblut für ihren Beruf gehabt.
Die schulische Begleitung der Ausbildungen
im RBZ am Westring liegt in den Bereichen
Gesundheit, Ernährung und Gestaltung, wobei ‚Gestaltung‘ u.a. die
Baugewerke einschließt. Frau Propf legt Wert auf modernste Technik
in den Schulwerkstätten, um hochwertige Ausbildungen zu garantieren,
auch wenn die praktische Ausbildung schwerpunktmäßig im Bereich der
Betriebe stattfindet. Die Azubis werden persönlich betreut und es gibt
Coaching für individuelle Probleme.
Der unterschiedliche Werdegang der SchülerInnen und Azubis
34erfordert eine breite Qualifizierung der Berufsschullehrer und ein
großes Spektrum an Ausbildungsangeboten für die jungen Menschen.
Immer geht es auch um Integration anderer Kulturen oder schwierige
soziale Hintergründe oder um Bedürfnisse von StudienabbrecherInnen.
Gerade hier, bei der Beschreibung der aktuellen Herausforderungen
spürt man die Begeisterung der Schulleiterin Frau Propf: „Die
Jugendlichen bilden die Zukunft ab, hier liegt unsere Verpflichtung.“ Für
die Lehrkräfte gibt es deshalb laufend Weiterbildungsangebote. Von den
Azubis wünscht sie sich ein „Gespannt-Sein auf ihre Zukunft und ein
Bewusstsein dafür, dass sie selbst ihre Zukunft mitgestalten“.
Es ist bereichernd, Frau Propf über ‚ihr‘ RBZ sprechen zu hören. Sie
gibt mir noch andere Gedanken mit auf den Weg, erzählt vom Green
Team, das sich um Nachhaltigkeit und den ökologischen Fußabdruck der
Schule kümmert. Ein Signal, dass man hier die Zukunft in den Händen
und im Blick hat!
35Schulische Ausbildung zur staatl. geprüften
Designerin mit Schwerpunkt Fotografie.
Keine Lust auf den „normalo“ Schulalltag? Dann mach doch was
Kreatives!
Amelie Rickers (19 Jahre alt) aus Kiel hat kurz vor den Sommerferien
ihre schulische Ausbildung zur staatlich geprüften Designerin mit
Schwerpunkt Fotografie absolviert. Gleichzeitig hat sie nun auch
ihre Fachhochschulreife in der Tasche. Sie erzählt uns, wie sie zu der
kreativen Alternative kam.
Moin Amelie, was hat dich zur Kamera gebracht
und dir Lust darauf gemacht, eine Ausbildung
zur Designerin mit Schwerpunkt Fotografie zu
machen?
Ich war auf jeden Fall schon immer kreativ.
Ich bekam ziemlich früh eine eigene Kamera
zum Geburtstag und die musste immer mit.
Ich habe schon früh gemerkt, dass ich es
liebe, die schönen Momente meines Lebens
festzuhalten. Als ich die Mittlere Reife
abschloss, wusste ich noch gar nicht, wie
es weitergehen soll. Eine Freundin erzählte
mir von einem Informationsabend in der
Landesberufsschule Photo + Medien Kiel. Dort gäbe
es die tolle Möglichkeit, eine Ausbildung zum staatlich
geprüften Designer, zur staatlich geprüften Designerin mit
dem Schwerpunkt Fotografie zu machen. Verbunden mit der
Möglichkeit, die Allgemeine Fachhochschulreife zu erwerben. Da bin ich
dann mit hingegangen.
Wie waren deine ersten Eindrücke und dein Gefühl von der Schule?
Ich habe mich direkt wohl gefühlt. Die Atmosphäre war so familiär
und entspannt. Die Lehrkräfte sind total relaxt und nett gewesen. Für
mich waren große Schulen einfach nie etwas. Ich habe mich für diese
Ausbildung entschieden, weil mein Bauchgefühl es mir gesagt hat.
Ausbildung zur Designerin mit Schwerpunkt Fotografie hört sich sehr
interessant an. Hat man aber auch „klassische“ Fächer?
Ja klar! Also, der Unterricht gliedert sich in einen berufsübergreifenden
und einen berufsbezogenen Teil. Zum berufsübergreifenden Teil
gehören die „klassischen“ Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch,
Wirtschaft/Politik, Sport und Philosophie. Im Lernfeldunterricht des
berufsbezogenen Bereichs (9 Lernfelder) geht es um Gestaltungslehre,
Medientechnik, Grafik und Design und Auftragsgebiete der Fotografie.
Einschließlich wirtschaftlicher Grundlagen, Kommunikation sowie
36Kunst- und Mediengeschichte. Außerdem ist ein Pflichtpraktikum als
ein Kriterium für den Abschluss vorgesehen, um betriebliche Abläufe
kennenzulernen. Das habe ich in einem Fotostudio gemacht.
Was hat dir am allerbesten in deiner Schul-/Ausbildungszeit gefallen?
In meiner Ausbildungszeit haben mir am besten die unterschiedlichen
Projekte gefallen.
Kannst du mir sagen, welches das interessanteste Projekt war?
(Amelie lacht) Oh, da muss ich jetzt echt kurz überlegen. Ich mochte
wirklich alle. Eines, was mir unter anderem sehr gefiel, war ein
Wettbewerb des Schuhladens ‚Sneax’ in der Holtenauer Straße
in Kiel. Bei der Produktfotografie geht es nicht allein um das Foto
des Produkts. Wir Fotografen müssen uns Gedanken machen, wer
überhaupt angesprochen werden soll. Danach richtet sich die komplette
Ausarbeitung. Ebenso die Bearbeitung, Farbgestaltung, der Hintergrund,
damit das Gesamtbild am Ende stimmig für den Endverbraucher ist. Und
dieser dazu motiviert wird, genau dieses Produkt kaufen zu wollen.
Du hast dein Pflichtpraktikum in einem Fotostudio gemacht, bist fertig
mit deiner Ausbildung und hast die Fachhochschulreife. Geht’s für dich
nun in einem Studio weiter?
Nein, ich möchte auf keinen Fall in einem Studio arbeiten oder, wie
viele meiner Mitabsolventen, mich selbständig machen als Content
Manager oder so ähnlich. Nach den Sommerferien werde ich meine
Allgemeine Hochschulreife an der Berufsoberschule, Fachrichtung
Gestaltung am Schützenpark beginnen. Um danach Kunstgeschichte und
Museumspädagogik zu studieren.
Wow! Woher weißt du so genau, was du willst, und bist so fokussiert?
Ich war früher so oft mit meinen Eltern in Museen und war immer
gelangweilt. Mein Ziel ist es, einmal als Kuratorin – insbesondere Kindern –
Kunst und die Geschichte dahinter mit Spaß zu vermitteln. Denn Kunst ist
nicht langweilig und trocken, sondern wirklich was ganz Tolles.
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