Wegbegleiter - Ausgabe 75 - Freundeskreis Christlicher Mission eV

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Wegbegleiter - Ausgabe 75 - Freundeskreis Christlicher Mission eV
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                                                                      © berwis @ pixelio.de
Dienet einander
  Ein jeder mit der Gabe,
die er empfangen hat.

                            Freundeskreis Christlicher Mission e.V.

                              Ausgabe 75
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2   wegbegleiter
                                                                         ßen und zu anderen haben zu können.
                                       VORWORT                           Ohne die vielen ehrenamtlichen Mitarbei-
                                                                         ter und Helfer im Hintergrund wäre das al-
                            Liebe Leser,                                 les so nicht möglich! Egal ob Corona-Krise
                            Mittwochs früh im Treffpunkt „Lebens-        oder Normalbetrieb - Wie dankbar sind
                            wert“: Ein guter Kaffeeduft zieht durch      wir immer wieder neu für all diejenigen
                            den Raum und ein reich gedecktes Buffet      die nach den Öffnungszeiten alles wieder
                            lädt zum Frühstück ein. Die ersten Gäste     in Ordnung bringen, die aufräumen, ab-
                            kommen schon über eine halbe Stun-           waschen, putzen, Tische abwischen, ka-
                            de vor dem Beginn in den Treffpunkt.         putte Dinge reparieren und vieles mehr
                            Gemeinsam beginnen wir mit einer An-         ganz selbstverständlich erledigen. Dabei
                            dacht, einem Impuls zum Leben. Für viele     muss ich an das Bibelwort aus 1. Petrus
                            ist dieser Morgen ein besonderer Höhe-       4, 10 denken: „Gott hat Jedem von euch
                            punkt im wöchentlichen Ablauf ihres All-     Gaben geschenkt, mit denen ihr einander
                            tages. Es wird gemeinsam an den Tischen      dienen sollt. Setzt sie gut ein, damit sichtbar
                            gefrühstückt und viel erzählt. Unsere        wird, wie vielfältig Gottes Gnade ist.“
                            Gäste stehen bei uns im Mittelpunkt, ob
                            beim Frühstück, dem Mittagessen, den         Petrus schreibt diese Worte an Christen
                            Familiennachmittagen oder anderen ver-       in Kleinasien. Er macht Mut, in einer heid-
                            schiedenen Angeboten. Die gesamte Ar-        nischen Umgebung am Glauben festzu-
                            beit wäre ohne den Einsatz von unseren       halten. Dies gilt für uns heute genauso. In
                            ehrenamtlichen Mitarbeitern undenkbar.       einer Zeit, in der Christen oftmals genau
                            Schon 90 Minuten vor der Öffnungszeit        beobachtet werden, welchen Lebensstil
                            wirbeln die Helfer durch die Küche und       sie haben. Ist er offen und einladend?
                            den Saal und bereiten alles in großer Lie-   Wie begegnen wir Menschen die anders
                            be vor. Vom Tischschmuck bis zur kleinen     leben oder ausgegrenzt sind? Der Treff-
                            Süßigkeit unter der Tasse. Jedes Mal wer-    punkt „Lebenswert“ möchte ein Ort sein,
                            den die Öffnungszeiten durch ein gutes       an dem Jeder und Jede seine von Gott
                            Wort, Zuwendung und Ermutigung zu            geschenkten Gaben einbringen kann.
                            etwas Besonderem. Gottes Liebe weiter-
                            zugeben, ohne zwischen den Menschen          Und das ist nicht nur im Treffpunkt in
                            einen Unterschied zu machen, ist unsere      Frankenberg so, sondern auch in allen
                            Motivation, unser Antrieb.                   anderen Projekten die wir als FCM e.V.
                                                                         weltweit unterstützen und gemeinsam
                            Gerade diese festen Treffs und Öffnungs-     umsetzen. Egal was wir machen: einla-
                            zeiten fehlen den Menschen nun zur Zeit      den, moderieren, dekorieren, kochen, er-
                            der Corona-Krise. Derzeit können wir         zählen, ermutigen - es soll zur Ehre Gottes
                            leider nur Essen vor dem Treffpunkt aus-     geschehen! Alle sind wir beschenkt mit
                            teilen und nur mit großem Abstand das        Gaben, die zum Bau des Reiches Gottes
                            Gespräch und den Austausch miteinan-         benötigt werden.
                            der suchen. Doch, dass es möglich ist,
                            wenigstens noch das zu tun, erhellt den      Lassen Sie sich ganz neu dazu ermutigen,
                            Alltag unserer Gäste, sorgt für ein klein    gerade in der jetzigen Zeit, die uns ganz
                            wenig Abwechslung und Ablenkung und          neu anregt, über den Glauben und Gottes
                            treibt zunehmend mehr Menschen vor           Führung nachzudenken. Gott segne Sie!
                            unsere Tür, die nicht nur wegen des Es-
                            sens kommen, sondern um in diesen Zei-       Herzliche Grüße, Ihr Andreas Kaden
                            ten wenigstens etwas Kontakt nach drau-      Missionsleiter des FCM

               2 - Vorwort - Andreas Kaden | 3 - Ich lasse dich nicht fallen - Daniel Franke
               4 / 5 - FCM - Rückblick 2019 / Brasilienreise 2020 | 6 - AMB - Missionare des FCM
               7 /8 - AMB - Einander dienen / Bericht Martin Schauder
               9 / 10 / 11 - FCM - Freiwilligenberichte / Aktuelles zur Corona-Krise
     INHALT    12 - FCM - Nachgefragt | 13 - FCM - Der Treffpunkt „Lebenswert“ zieht um!
               14 - MTHUNZI - Masken für Alle | 15 - PARA - Schwierige Zeiten
               16 / 17 - HHM - Liebe geben und empfangen | 18 - FCM - Informationen / Aktuelles
               19 - Mitarbeiter / Freiwillige | 20 - FCM - Unsere Arbeit in Zeiten von Corona
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                                                                geln von Bund, Ländern, und dem Robert-Koch-Institut
ICH LASSE DICH NICHT FALLEN ...                                 Folge leisten. Vertrauen wir Gott. Befehlen wir uns Ihm
                                                                an. Alle unsere Sorgen dürfen wir auf ihn werfen.
Liebe Schwestern, liebe Brüder, im Moment wird unser
aller Leben ziemlich durcheinander geworfen. Nichts ist         Haben wir Mut und vertrauen wir darauf, dass unser Herr
mehr, wie es war. Es trifft viele in Deutschland und in allen   für uns alle da ist, gerade jetzt ganz besonders. Warum bin
anderen Wohlstandsländern besonders hart, weil wir an           ich mir dessen so sicher? Ich habe seit 2014 eine schwere
unseren Wohlstand gewöhnt sind.                                 Krankheit und kenne die Situation der Angst und Unsi-
                                                                cherheit gut. Ich weiß, wie es ist, wenn einem Ärzte als
Arme Menschen, beispielsweise in Afrika, machen sich            jungem Menschen schlimme Nachrichten überbringen
darüber keine Gedanken. Sie müssen sich darum küm-              und habe daraus gelernt, wie wertvoll das Leben ist. Es
mern, wo sie genug zu Essen und zu Trinken für sich und         ist nicht dafür da, Jahre oder gar jahrzehntelang in Le-
ihre Familie her bekommen.                                      bensweisen („Alltagstrott“) zu verfallen, die einen selbst
                                                                „ankotzen“. Auch nicht, seine Gesundheit achtlos aufs
Ich möchte alle jetzt ganz besonders dazu aufrufen: Betet       Spiel zu setzen, jeden Tag 5 Stunden fernzusehen, selbst
für Afrika, für die armen Länder! Es gibt dort kein modernes    während des Laufens auf das Smartphone zu starren, um
Gesundheitssystem wie bei uns. Wenn das Coronavirus in          nichts zu verpassen oder anderen um jeden Preis gefallen
Afrika ausbricht, hat das verheerende Folgen. Viele Men-        zu müssen.
schen sterben, weil sie nicht rechtzeitig in eine Klinik kom-
men und/oder die Krankenhäuser überlastet sind. Nutzen          Nein, das Leben ist dazu da, erfüllt und gesegnet zu sein
wir also die frei werdende Zeit jetzt zum Gebet nicht nur       mit Beziehungen zu Familie und Mitmenschen, schönen
für die Alten und Kranken (Risikogruppen), sondern auch         Erlebnissen, sowie einer guten Beziehung zu Gott, unse-
für die armen Menschen, die keine ausreichende Versor-          rem Herrn. Das Leben dient dazu, Weisheit zu lernen und
gung haben. Das sind weltweit mindestens eine Milliarde         sie mit dem Evangelium zusammen an die nächsten Ge-
Menschen! Spenden für die armen Menschen und Hilfs-             nerationen weiterzugeben. Freude zu haben und andere
projekte sind ebenfalls wichtig. Es wurden bereits Corona-      damit anzustecken. Glücklich zu sein, sich in guten wie
Nothilfe-Fonds eingerichtet, beispielsweise auch vom FCM        auch schlechten Zeiten vom Herrn getragen zu wissen
e.V., der ja weltweit Hilfsprojekte unterstützt.                und füreinander zu sorgen.

Einige sagen, das Coronavirus sei eine Strafe Gottes. Gott      Wachen und beten, aufeinander achten. Keine Panik
ist ein barmherziger Gott. Der Gott der Liebe. Er würde so      machen, nur Notwendiges (z.B. Einkäufe) erledigen, die
etwas niemals tun, weil er die Menschen liebt! Nach der         Regeln und Maßnahmen einhalten – das ist im Moment
Sintflut hat er beschlossen, die Menschheit nicht mehr zu       das Wichtigste für uns alle. „Ich lasse dich nicht fallen und
vernichten. Seinen Sohn gab er für uns, stellvertretend für     verlasse dich nicht.“ (Josua 1,5b). Das sagt Gott uns zu und
alle unsere Sünden und Fehler, die uns von Gott trennen.        diese Gewissheit wünsche ich uns allen. Herzliche Grüße,
Jeder Regenbogen zeigt uns: Gott ist für uns da.                Ihr Daniel Franke

Wir dürfen jetzt solchen Behauptungen, die hauptsäch-           > Daniel Franke, 32 Jahre alt, wohnt in Chemnitz, Gemein-
lich darauf hin zielen, Gottes Existenz zu widerlegen, nicht      depädagoge. Derzeit lebt er aufgrund einer schweren
glauben. Unsere Aufgaben als Christen sind Gebet, Got-            Tumorerkrankung wieder bei seinen Eltern und versucht,
tesliebe, Nächstenliebe und die Weitergabe des Evange-            dem Corona-Virus in seinen Gedanken und seinem Alltag
liums. Darauf gilt es sich zu konzentrieren - Gerade jetzt,       nicht zu viel Raum zu geben, sondern aus der nach dem
wo die „heile Welt“ vieler Menschen zusammenbricht, die           Winter wieder erwachenden Natur Kraft zu schöpfen.
seit langer Zeit schon im Überfluss leben und sich bisher
nie Gedanken darüber gemacht haben was passiert. Jetzt
aber wissen sie nicht, wie es weitergehen soll. Viele be-
ginnen, nach Gott zu fragen.

Was ist mit der Angst? Was wird werden? Angst ist ein
ganz normales Gefühl des Menschen und momentan
auch wirklich begründet, weil der Coronavirus gefähr-
lich ist. Ohne Angst würde es auch keine Vorsicht geben.
Doch derzeit wird, besonders über die sozialen Medien,
sehr viel Angst gemacht. Ständig werden Bilder von lee-
ren Regalen im Supermarkt, sowie Gerüchte gepostet
und in kürzester Zeit verbreitet. Was sollen wir denn nun
tun? Keinen Whatsapp-Gerüchten und falschen Nach-
richten glauben und uns nicht ständig mit den Corona-
Nachrichten befassen, sondern die Anweisungen und Re-
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       RÜCKBLICK
       2019 war für den FCM e.V. ein besonderes Jahr! Angefangen mit den Gruppenreisen nach Brasilien und Malawi,
       über die 8. Sächsische Landesgartenschau in Frankenberg bis zum Missionsfest mit Samuel Rösch. Patenschaftsarbeit
       und Freiwillige, viele Kleinstprojekte, neue Missionare, Treffpunktarbeit, Höhen und Tiefen. Die Bilder (oben links: Lan-
       desgartenschau; unten links: Besuch auf den Philippinen; mitte: Missionsfest; oben rechts: Malawireise; unten rechts:
       Sommerfest im Treffpunkt „Lebenswert“) zeigen einige Höhepunkte des vergangenen Jahres. Vielen Dank für Ihre treue
       Unterstützung im zurückliegenden Jahr! Andreas Kaden, Christian Seidel, Steffi Lauterbach und Sebastian Rentsch

    BRASILIENREISE 2020
       Samstag den 8. Februar: Abflug ab        und besuchten Patenfamilien. Ein         Wassermangel. Wir besuchten auch
       München. Mein erster Flug in mei-        ganz besonderer Höhepunkt war für        den zweitgrößten Staudamm der
       nen 65 Lebensjahren. Weiter ging es      mich die liebevolle Begegnung mit        Welt auf der Grenze zwischen Brasi-
       dann mit einstündiger Verspätung         meinem Patenkind, dem fünfjährigen       lien und Paraguay. Am Freitag dann
       von Frankfurt nach Rio de Janeiro.       Brayen. Ich habe selbst erlebt, wie      unsere letzte lange Autofahrt: in acht
       Ankunft am Sonntag früh bei 36 Grad.     wichtig es ist, von unserem Überfluss    Stunden über 450 km nach Asuncion,
       Besuch der Copacabana, der Chris-        abzugeben an Kinder oder Familien in     der Hauptstadt von Paraguay. Unter-
       tusstatue und des Zuckerhutes. Am        Brasilien, die von der AMB Lebenshilfe   wegs sahen wir uns die mennoniti-
       Nachmittag: Weiterflug nach Curitiba,    brauchen.                                sche Ansiedlung Seefeld an.
       wo wir abgeholt und in unsere Quar-
       tiere in Witmarsum gebracht wurden.    Beeindruckend war auch der Emp-            In Asuncion lernten wir die Arbeiten
       Bis Freitag wurden wir von dort jeden  fang beim Bürgermeister, der zum           von SERVOME kennen. Den Abschluss
       Tag von der AMB abgeholt und nach      Abschluss darum bat, gemeinsam zu          unserer Reise machte am Sonntag der
       Palmeira gebracht. Im Familienzen-     beten! Nach einem kleinen Strandur-        Besuch des deutschsprachigen Got-
       trum lernten wir in diesen Tagen die   laub übers Wochenende in Guaratu-          tesdienstes in der mennonitischen
       einzelnen Aufgabengebiete kennen       ba, ging es am Dienstag weiter nach        Concordia Kirche und ein leckeres Piz-
                                              Curitiba. Zuerst mit dem Zug durchs        zaessen in der Pizzeria unseres Fahrers,
       > Reinhard Backhaus und sein brasili-
                                              Gebirge und dann mit dem Auto. Wir         darüber haben er und seine Familie
         anisches Patenkind Brayen
                                              besichtigten die Stadt und lernten         sich sehr gefreut. Reinhard Backhaus
                                              die Arbeit von PARA Vida Sem Drogas        > Die Mitglieder der Brasilien-Reise-
                                              kennen. Dann: Weiterflug nach Foz            gruppe des FCM 2020
                                              do Iguacu! Mittwoch und Donnerstag
                                              besichtigten wir die wasserreichsten
                                              Wasserfälle der Welt von der brasili-
                                              anischen Seite und am nächsten Tag
                                              von der argentinischen Seite aus.
                                              Diese litten in diesem Jahr sehr unter
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 „Denn der Herr tut heute noch Wunder, Stunde um Stunde, Tag für Tag.“
                                                                                  Samuel Harfst

Ja, Wunder Gottes durften wir als      rende brasilianische Wildnis im T2 Bus   ten über Brücken, durch Tunnel, vorbei
13-köpfige Reisegruppe im Februar      mit ihm besuchten: Dankbare Famili-      an Wasserfällen und dem Marumbi
2020 auf der Brasilienreise mit dem    en, welche uns spontan zum Kaffee,       (dem höchsten Berg des dortigen Ge-
FCM e.V. hautnah miterleben! Unser     Mate-Tee oder sogar Mittagessen          birges) erlebten. Weiter auf dem Weg
Abenteuer begann am 08.02. auf dem     einluden! Überwältigt von herzlicher     nach Guaratuba ging es mit PKW‘s. Als
Münchner Flughafen mit einem zuver-    Gastfreundschaft trotz offensichtli-     Dolmetscher begleitete uns Anders-
sichtlichen Gebet. Während Deutsch-    cher Armut, waren wir die Beschenk-      son Henke, ein ehemaliger DE-Freiwil-
land sich auf das Sturmtief „Sabine“   ten! Es gab eine Menge ermutigende       liger des FCM. „Santa Catarina“ bot vier
einstellte, durften wir friedlich über Gespräche, sowie spürbare Verbun-        Tage Erholung pur! Dazu trugen auch
den Atlantik fliegen. Gottes Zeitma-   denheit im Glauben! Dass unsere          die „umwerfenden“ Atlantikwellen, die
nagement ist einfach perfekt!          Unterstützung in Form von Spenden,       strahlende Sonne (wer nicht LSF 50
                                       Gebeten und persönlichen Paten-          hat, muss glühen), ein Badeausflug mit
In Rio de Janeiro zwischengelandet, schaften als „Trampolin fürs Leben“         Piratenschiff, leckerstes Essen, tägliche
ging es direkt auf Stadtrundfahrt mit wirklich ankommt, davon durften wir       Andachten, sowie eine Begegnung mit
Carla und Johannes. Zwischen Alt- uns persönlich überzeugen!                    Pastor Friesen und seiner Familie bei.
stadt, Copacabana, Christusstatue
und Zuckerhut, verwöhnten uns bei- Berührt war mancher Reiseteilnehmer          Auf der Rückfahrt nach Curitiba mit
de mit typisch brasilianischen Köst- auch vom Besuch der „eigenen“ Paten-       Eliel erlebten wir erneut Gottes Ein-
lichkeiten und einem gigantischen familie, deren Not aber auch Dankbar-         greifen: Reifenpanne auf der Auto-
Ausblick. Spät abends in Witmarsum keit, sowie von der genialen Möglich-        bahn, aber an einer Stelle mit (schat-
wurde uns ein warmherziger Empfang keit der persönlichen Begegnung! Als         tigem!) Standstreifen zum Abwarten...
durch unsere Gastfamilien bereitet. Reisegruppe schweißte uns auch eige-        Was hier passierte, glaubt uns zu Hau-
Die folgenden vier Tage ermöglichten ne Not zusammen: Durch sich plötzlich      se keiner: Pannenhilfe per Fahrrad! Ein
uns wertvolle Begegnungen und Ein- ausbreitende Krankheiten brauchten           Gelegenheitsarbeiter brachte uns den
blicke in verschiedene Projekte sowie wir ärztliche Hilfe, die Gott sei Dank    dringend notwendigen Wagenheber,
die Geschichte der AMB. Bemerkens- auch dabei war, Dolmetscherhilfe in          sodass zwei Fachkundige unserer Rei-
wert fanden wir den täglichen ge- der Apotheke und Gebet. Wiederum              segruppe gemeinsam mit ihm die Re-
meinsamen Start aller Mitarbeiter in zum Staunen brachte uns Gottes Ti-         paratur vornehmen konnten. Mit nur
der Zentrale in Palmeira mit Lobpreis, ming: Pünktlich zur Weiterreise waren    einer Stunde Verspätung erreichten
Gebet und ermutigenden Zeugnissen alle Teilnehmer fit! Nur zwei der Gast-       wir „Para Vida sem Drogas“ wo wir nach
- Gott ist da und tut Wunder!          geberfamilien mussten sich noch ei-      dem Mittagessen, gemeinsam mit den
                                       nen Tag länger mit unserem „Keim“ he-    dort Betreuten, von Ellen Sachse die
Martin Schauder wählte verschiedene rumquälen, während wir in Richtung          Einrichtung und deren segensreiche
Familienpatenschaften aus, welche Atlantikküste im „Serra Verde Express“        Arbeit vorgestellt bekamen. Danke, Je-
wir nach teilweise langen und aben- eine atemberaubend schöne Fahrt             sus! Diese prägende Zeit werden wir so
teuerlichen Fahrten durch faszinie- durch für Parana typische Landschaf-        schnell nicht vergessen! Fam. Gottlebe
Wegbegleiter - Ausgabe 75 - Freundeskreis Christlicher Mission eV
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                                                                                         ! Infobox
    AMB > Missionare                                 des FCM
                                                                                                                 Palmeira

      Mit meiner Frau und unserer gemein-       auf, dass er uns durch diese Zeit, die
      samen Tochter Amaya-Marly sind wir        für alle Menschen auf der Welt eine
      nun seit etwa viereinhalb Monaten in      neue Erfahrung ist, hindurch tragen
      Brasilien als Kurzzeitmissionare. Wir     wird. Und uns trotz der Umstände         Die Associação Menonita Benefi-
      sind hierher gekommen, um Gott zu         Möglichkeiten geben wird, ihn zu         cente (AMB) hat ihre Wurzeln in der
      dienen, seine Liebe weiterzugeben         bezeugen, ihm zu dienen und den ar-      deutschen Kolonie Wittmarsum und
      und im Bereich Entwicklungshilfe den      men Menschen hier vor Ort zu helfen.     heute ihr Zentrum in Palmeira / Brasi-
      armen Menschen in und um Palmei-                                                   lien. Dort betreut sie über 350 Paten-
      ra Trost zu geben, sie mit praktischen    Vor ein paar Wochen durften wir be-      familien durch tägliche Programme
      Dingen zu unterstützen und gerne          reits ganz persönlich einer Familie      für Kinder, Jugendliche und Familien.
      auch im Glauben zu begleiten. Nun         helfen, der es gar nicht gut geht, die   Viele der Patenfamilien kommen aus
      sind wir in der bisherigen Zeit in die-   ohne Strom lebt und auf ein besseres     dem Umland und werden regelmä-
      sem Land erst einmal richtig ange-        Zuhause wartet. Da die Eltern nicht      ßig besucht und auf vielfältige Art
      kommen, haben uns eingelebt, Land         mal ein vernünftiges Bett zum Schla-     und Weise unterstützt.
      und Leute und den Alltag in Brasilien     fen haben, entschieden Christine und
      kennengelernt. Jetzt ist sozusagen        ich uns, ihnen ganz praktisch zu hel-
      der Zeitpunkt, um wirklich gedank-        fen, setzten einen Teil unseres priva- sorgt zu sein und vernünftig leben zu
      lich, innerlich und aktiv bei den Pro-    ten Geldes ein und kauften den Eltern können. Wir versuchen mit dem Über-
      jekten dabei sein zu können.              ein Bett.                              fluss, den wir persönlich in Deutsch-
                                                                                       land haben, Menschen, die hier in Not
      Als dann Mitte März die Nachricht         Weiterhin schlossen wir eine weitere leben, ganz praktisch zu dienen. Und
      aus Deutschland kam, dass man alle        Patenschaft für einen kleinen Jungen wenn wir Not sehen, überlegen wir
      Mitarbeiter aus dem Ausland auf-          einer anderen Familie ab. Diese Fami- uns, was wir möglich machen können.
      grund des Corona-Virus zurück in die      lie wohnt in sehr ärmlichen Verhält-
      Heimat holen wolle, fragten wir uns,      nissen und braucht ebenfalls sehr viel Viele Grüße aus Brasilien, Christine,
      was das für uns für einen Sinn haben      Unterstützung, um ausreichend ver- Amaya-Marly und Christian Knösel
      sollte. Wir konnten uns nicht vorstel-
                                             > Zu Besuch bei einer der vom Patenschaftsteam betreuten Familien
      len, dass Gott uns nach den Strapazen
      in Deutschland, die wir während den
      Vorbereitungen für unseren Dienst
      in Brasilien hatten, so schnell wieder
      zurückholen möchte. Wir wollten hier
      bleiben und Gott dienen und uns
      nicht durch dieses Virus einschüch-
      tern lassen. Gott hatte uns an diesen
      Platz gestellt und uns eine Aufgabe
      gegeben und die möchten wir gerne
      erfüllen. Deshalb vertrauen wir dar-
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wegbegleiter           7

                               AMB > Einander                                    dienen
Gott hat jedem von euch Gaben ge- es mir, den Familien der Kinderpaten- Medikamente einnehmen. Wenn ich
schenkt, mit denen ihr einander dienen schaften zu zeigen, dass Gott an jedem die Familie besuche, versuche ich im-
sollt. 1. Petrus 4, 10                  Tag und in jedem Moment für sie da ist. mer, dies zu einer Zeit zu tun, in der
                                                                                Karin zu Hause ist. Sie ist ein kluges,
Was bedeutet uns heute das Wort „die- Hier ein Beispiel aus unserer täglichen freundliches Mädchen und ich rede
nen“? Werden wir heutzutage nicht als Arbeit: Hans* ist 46 Jahre alt und kann gern mit ihr. Ich spreche mit der gan-
egoistische Gesellschaft betrachtet, nicht arbeiten, weil seine Frau Ma- zen Familie und versuche Karin zu er-
die mehr haben und weniger dienen ria*, 41 Jahre alt, an schwerer zereb- klären, dass die Schule für ihr Leben
will? Bei der AMB werden wir auch mit raler Demenz leidet. Maria hörte auf, und den Umgang mit Menschen in ih-
solchen Gedanken konfrontiert. Vie- ihre Medizin einzunehmen, weil sie rem Alter sehr wichtig ist. Auch, dass
le Menschen, die eine Beziehung zur glaubt, dass Gott sie heilen wird. Sie ihre Entwicklung und Zukunft davon
AMB durch eine Patenschaft haben, nimmt es nicht mehr ernst, dass sie abhängig sind.
vergessen, dass wir das Bindeglied die Medikamente richtig einnehmen
sind, das sie mit den Paten verbindet. muss, um eine stabile Gesundheit zu Mit Fürsorge, vielen Gesprächen und
Ihrer Meinung nach wären wir da, um haben. Die Tochter Karin* im Alter von gemeinsamen Gebeten versuchen
ihnen zu dienen und nicht Gott. Wir 16 Jahren wiederholt die 8. Klasse. Ka- wir den von unserem Team betreuten
bei der AMB aber wissen, wie wichtig rin leidet an einer leichten Depressi- Kindern und Familien zu zeigen, dass
es ist, eine tägliche Andacht zu haben, on und möchte oft nicht zur Schule es auch in schwierigen Zeiten mög-
die Bibel zu lesen usw. Diese täglichen gehen. Das Mädchen bekommt eine lich ist, Gott zu dienen. Hilda Koop,
Gemeinschaftserlebnisse ermöglichen medizinische Begleitung und muss Kinderpatenschaftsteam der AMB

   Interesse und Anteilnahme am Leben der Menschen:
      Drei Tage bei der Tabakernte im Landesinneren
                                                                                      >A
                                                                                        nbau und Ernte des Tabaks erfol-
Als Jesus auf diese Erde kam, sagte er     mit Respekt, egal aus welcher sozialen
                                                                                       gen mit einfachsten Hilfsmitteln.
selbst von sich: Ich bin gekommen, um      Schicht der Mensch stammte, welche
zu dienen (vgl. Markus 10,45). Und wenn    Herkunft er auch hatte. Er zeigte echtes
wir uns sein Leben anschauen, dann         Interesse an dem Leben und Arbeiten
tat er das in Wort und Tat. Er verkünde-   der Menschen und verstand die Nöte
te das kommende Reich seines Vaters,       und Bedürfnisse, die sie hatten, so viel
er predigte und heilte die Menschen.       besser. Wir bei der AMB möchten nach
Er tat Gutes, wo immer er konnte. Eine     dem Vorbild Jesu dienen: In Wort, in Tat
Besonderheit zeichnete ihn dabei aus:      und mit einer respektvollen, demüti-
Er stellte sich nie über die einfachen     gen Herzenshaltung, die an dem Men-
Menschen. Jesus behandelte jeden           schen wirklich interessiert ist.
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8   wegbegleiter
     Das war einer der Gründe, warum ich      kommen. In gebückter Haltung bra-
     mich entschloss, dieses Jahr bei der Ta- chen wir nun bei jeder Pflanze immer
     bakernte zweier Patenfamilien im Lan-    die untersten, schon gelblichen Blätter
     desinneren mitzuarbeiten. Ich wollte     ab und sammelten sie unter unseren
     deren Leben und Arbeiten besser ken-     Armen. War der Arm voll, wurde ein
     nenlernen, als es bei nur einem kur-     kleiner Blätterhaufen am Boden abge-
     zen Besuch möglich ist. Ich wollte den   legt. Waren einige Reihen der Pflanzen
     Familien zeigen, dass ich ihre Arbeit    abgeerntet, fuhren wir mit dem Pfer-
     wertschätze und auch „als Deutscher“     dewagen durch die Reihen und luden
     nichts Besseres bin.                     die Blätterhaufen auf. Sie wurden an-
                                              schließend zu dem Trocknungsofen
     Zwischen Dezember und Februar fin- gebracht, in Holzgestelle eingespannt
     det in Paraná die Tabakernte statt. Für und im Ofen einsortiert.
     viele Familien ist der Tabakanbau die
     einzige rentable Möglichkeit, selbst Insbesondere das Ernten in gebückter
     etwas anzubauen und zu verkaufen. Haltung in der Mittagshitze war kör-
     Obwohl der Anbau von Tabak gesund- perlich sehr anstrengend. Aber obwohl
     heitlich nicht ungefährlich ist und wir wir bereits zwölf Stunden am Arbeiten
     das Rauchen nicht unterstützen, ver- waren, war unsere Patenfamilie noch           >M
                                                                                          artin Schauder, Missionar des
     stehen wir dennoch, dass es zum Über- immer nicht fertig, als ich gegen halb        FCM e.V. bei der AMB in Brasilien.
     leben der Familien wichtig ist und es acht Uhr Richtung Zuhause aufbrach.
     kaum Alternativen gibt. So also fragte Bei meinem dritten Ernteeinsatz arbei-      ungefähr vier bis fünf Mal. Für die bes-
     ich zwei Familien an, ob ich dieses Jahr tete ich nur einen halben Tag. Trotz-     te Qualität, die aber nur wenige Pro-
     als Erntehelfer mitarbeiten dürfte. Die dem bekam ich die Nebenwirkungen           zent der Ernte darstellt, bekommen
     Familien waren zunächst eher verun- des Spritzmittels zu spüren. Übelkeit,         die Familien pro Kilo ca. 10 Reais, das
     sichert und konnten es sich nicht vor- Schwindel und Kopfschmerzen beglei-         entspricht ca. 1,75€. Die schlechteste
     stellen, dass ich sie bei dieser harten teten mich noch den nächsten Tag.          Qualität wird mit ca. 0,35 € vergütet.
     Arbeit wirklich unterstützen wollte.
     Nach mehrmaligem Nachfragen aber, Nachdem die Blätter im Trocknungs-               Was mich beeindruckt hat: Zum einen
     ließen sie sich darauf ein. So fuhr ich ofen einsortiert sind, müssen sie ca.      ist mir aufgefallen, wie wichtig dieses
     das erste Mal Anfang Dezember früh acht Tage bei 180 Grad trocknen. Alle           Interesse am Anderen ist. Mehrere
     morgens ins Landesinnere. Die richtige zwei Stunden muss Holz nachgelegt           Tage mit einer Familie zu verbringen,
     Kleidung ist dabei wichtig. Trotz som- werden. Die Menschen schlafen da-           ihr Leben als besonders und bedeut-
     merlicher Hitze zogen wir lange Hosen für neben dem Trocknungsofen. Nach           sam zu betrachten und ihnen zu die-
     und Pullover an, dazu Handschuhe der Trocknungszeit werden die Blät-               nen, hat sie sehr beeindruckt. Inner-
     und Kopfbedeckung. Tabak wird mit ter in vier Qualitätsstufen sortiert, zu         halb kürzester Zeit wusste das ganze
     starken Spritzmitteln behandelt, um kleinen „Puppen“ gebündelt und an-             Dorf Bescheid, dass „der Deutsche“
     Ungeziefer fernzuhalten. Bei der Ernte schließend in große Würfel von je 50        bei der Ernte mitgeholfen hat. Die
     sollte kein Tabak an die Haut gelangen, kg gepresst. Dieser Vorgang wieder-        Beziehung zu diesen Familien ist eine
     um mit dem Gift nicht in Berührung zu holt sich im Abstand von zehn Tagen          tiefere geworden und somit können
                                                                                        wir ihnen viel besser in Wort und Tat
     > Der Tabak wird in Hütten getrocknet.                                             dienen. Zum anderen habe auch ich
                                                                                        Respekt vor dem gewonnen, was die-
                                                                                        se Familien leisten. Sie arbeiten hart,
                                                                                        deutlich härter als ich, und trotzdem
                                                                                        reicht es fast nicht zum Leben. Den-
                                                                                        noch leben sie unter unwürdigen Be-
                                                                                        dingungen und in Armut. Es gibt mir
                                                                                        Motivation, mich noch mehr für diese
                                                                                        Menschen einzusetzen und mich für
                                                                                        sie für bessere Lebensbedingungen
                                                                                        stark zu machen. Außerdem lehrt es
                                                                                        mich Dankbarkeit gegenüber mei-
                                                                                        nem Leben zu empfinden. Ich habe
                                                                                        es nicht „verdient“, Gottes Gnade al-
                                                                                        lein verdanke ich mein Leben, meine
                                                                                        Finanzen, meine Arbeit. Das möchte
                                                                                        ich nicht vergessen und mit Freuden
                                                                                        anderen dienen! Martin Schauder
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               AMB und FCM >Einblick in ein anderes Leben

Als Freiwillige/r in Brasilien bei der      meisten Menschen, die im Landesin-        Sophie: Ich hatte ein ganz besonde-
AMB lernt man viele Familien kennen,        neren wohnen. Der Familienvater war       res Erlebnis – einige Tage durfte ich
die in Armut leben. Besuche in deren        deswegen den Tag über auf dem Feld        bei einer jungen Familie mit zwei Kin-
Häusern berühren und man ist froh,          zum Ernten.                               dern wohnen. Es war ein einfaches
helfen zu können. Dennoch kann man                                                    3-Zimmer-Haus, wirkte jedoch mehr
es sich nicht wirklich vorstellen, wie es   Ich habe einfach versucht, den Alltag     wie ein einziger Raum, weil es keine
ist, in Armut oder einfacheren Verhält-     der Mutter mitzuleben. Kochen, abwa-      Türen gab. Generell waren die Verhält-
nissen zu leben. Die Freiwilligen Esther,   schen, putzen, Tabak klassifizieren und   nisse sehr einfach bzw. ärmlich: Es gab
Miriam und Sophie hatten die Chance         binden, mit dem Sohn spielen und          nicht wirklich ein Bad und das Plumps-
für vier Tage aus ihrem bequemen Le-        ihn zum Schulbus bringen - täglich        klo befand sich etwas weiter weg vom
ben in ihren Gastfamilien auszusteigen      anstehende Arbeiten. Ich habe mich        Haus. Ich habe in einem Zimmer mit
und bei einer unserer Patenfamilien im      in der Familie sehr wohl gefühlt und      der Mutter und dem Baby geschlafen.
Landesinneren von Palmeira zu woh-          konnte mich gleich gut einbringen.        Ich bin immer wieder überwaltigt, wie
nen. Keine von ihnen hat diese Ent-         Auch wenn der Vater manchmal etwas        gastfreundlich die Leute hier doch
scheidung bereut! Von ihren Erfahrun-       schnell und undeutlich gesprochen         sind! Obwohl sie nur so wenig Platz
gen möchten sie gerne berichten.            hat, funktionierte die Kommunikation      haben, erlauben sie mir als Fremde, bei
                                            auf portugiesisch erstaunlich gut.        ihnen zu wohnen.

Miriam: Wir Freiwilligen leben in der       Ich bin mit dem Ziel in diese Zeit ge-    Es war sehr interessant, den Alltag
deutschen Kolonie Witmarsum, aber           gangen, den Alltag der Familie best-      dieser Familie mitzuerleben und zu
weil sich die Kultur und auch insge-        möglichst mitzuleben. Ich würde sa-       begleiten. Der Vater arbeitet als Tage-
samt der Lebensstandart hier sehr           gen, das hat auf jeden Fall sehr gut      löhner bei der Tabakernte mit. Zwei
von dem Rest Brasiliens unterschei-         funktioniert und ich werde diese Zeit     Tage war er mehr als 12 Stunden weg!
den, wollte ich selbst erfahren, wie        immer als eine positive Erfahrung in      Eine harte, mühsame Arbeit, die nur
die Familien im Landesinneren leben.        Erinnerung behalten :)                    wenig belohnt wird... In dieser Zeit
                                                                                      war ich mit der Mutter zu Hause. Ich
Bei einem Besuch habe ich daher ein- > Miriam hilft bei der Tabakbindung.            habe mit den Kindern gespielt und im
fach bei einer Familie gefragt, ob man                                                Haushalt geholfen. Das Wäsche wa-
mich für vier Tage aufnehmen würde                                                    schen per Hand war sehr interessant.
und am nächsten Tag habe ich auch                                                     Das ist eine Arbeit für den ganzen Tag,
schon mit meinem Koffer vor der Tür                                                   wenn man keine Waschmaschine hat!
gestanden. Mich hat wieder einmal                                                     An einem Tag hatte der Vater frei und
die Offenheit der Menschen über-                                                      wir sind ein Schwein kaufen gefahren
rascht: Einfach spontan eine fremde                                                   – eine halbe Stunde Fahrt – mit dem
Person aus einem anderem Land für                                                     Pferdewagen. Die Familie hat näm-
vier Tage aufzunehmen! Die Familie                                                    lich kein Auto. Neben dem Motorrad
verdient ihren Lebensunterhalt durch                                                  ist die Kutsche das einzige Mittel zur
die Arbeit mit Tabak, wie auch die                                                    Fortbewegung.
Wegbegleiter - Ausgabe 75 - Freundeskreis Christlicher Mission eV
10   wegbegleiter
                                              im Wald. Aber ich war auch froh, direkt  anderer Länder haben. Es war für sie
                                              gebraucht zu werden. Allgemein war       nicht verständlich, warum jemand sich
                                              diese Zeit eine sehr wertvolle Erfah-    für das Leben im Landesinneren inte-
                                              rung und hat auch meinen Portugiesi-     ressieren sollte. Umso mehr haben sie
                                              schkenntnissen enorm gut getan.          sich gefreut, als ich mit ihnen Maniok
                                                                                       (ähnlich wie Kartoffeln), Süßkartoffeln
                                                                                       und Wassermelonen ernten gegangen
                                              Esther: Als mir ganz am Anfang mei- bin. Neben dem Spielen und Malen
                                              ner Zeit in Brasilien gesagt wurde, dass durfte ich auch in der schönen Natur
                                              man die Möglichkeit hat, für eine Wo- mit den Pferden reiten.
                                              che in das Interior zu gehen, stand ich
                                              dieser Idee eher negativ gegenüber. In meiner Zeit im Interior konnte ich
                                              Doch aus der eher negativ behafteten so viel mehr über die Kultur, die Spra-
                                              Idee wurde die schönste und erleb- che und die Menschen lernen, als ich
                                              nisreichste Arbeitswoche meiner Zeit es in den vergangenen Monaten getan
                                              hier in Brasilien. Meine Gastfamilie habe. Ich habe nicht nur an Erfahrun-
                                              (bestehend aus Mutter, Vater und zwei gen, sondern auch an einer brasiliani-
                                              Kindern) wohnt in „Faxinal dos Minei- schen Familie dazugewonnen.
      > Eines der 2 Kinder der Familie        ros“ in Teixeira Soares. Die Familie ist
                                              im Familienpatenschaftsprogramm, > Neben der Mitarbeit in der Familie
      An Internet war nicht zu denken –       sodass durch die einkommenden Gel-         gab es für Esther auch gemeinsame
      dort, wo sie leben gibt es kein Netz.   der schon vieles verändert werden          Ausflüge mit den Kindern.
      Ich habe auch gemerkt, wie interes-     konnte. In meiner Gastfamilie habe
      siert sie an meinem Handy und auch      ich das Leben meiner Gastmutter mit-
      an Fotos waren - auch die Eltern! Ein   gelebt. Da sie momentan wegen ihres
      Smaprtphone haben sie wohl noch         zwei Jahre alten Sohnes zuhause ist,
      nicht sehr oft in der Hand gehabt.      bestand der Alltag hauptsächlich aus
                                              kochen, backen und anderen Hausar-
      Die Tage im Interior (Landesinnere)     beiten. In meiner Zeit im Landesinne-
      haben mir wirklich gut getan und ich    ren konnte ich viele neue und positive
      habe unglaublich viel über diesen Be-   Erfahrungen machen. Egal, ob wir mit
      reich der brasilianischen Kultur lernen dem Nachbarn Chimarrão (Matetee)
      können! Aber die Zeit war auch sehr     getrunken haben, in die Kirche gegan-
      intensiv und herausfordernd. Direkt     gen sind oder einfach nur zusammen
      in der ersten Nacht sind die Eltern mit gegessen haben, ich wurde wie ein Fa-
      dem Baby zum Arzt gefahren, weil es     milienmitglied behandelt.
      Fieber hatte. Ich bin dann mit dem äl-
      teren Jungen zu Hause geblieben. Da Für die Menschen war es eine große
      war mir schon etwas mulmig zumute Freude, dass ich da war, da sie im Nor-
      – so allein, ganz abgeschieden, mitten malfall nicht viel Kontakt zu Menschen

         Die Freiwilligen des FCM e.V. und die Folgen von Corona
                                              Sophie Schlese: Das Coronavirus           Bus zurück nehmen müsse, weil ich
                                              übernimmt nicht nur gerade die            noch am Donnerstag dieser Woche
                                              Weltherrschaft, er ist auch der Grund,    nach Deutschland zurückfliegen wür-
                                              wieso ich 3 Monate früher als ge-         de. Das traf mich echt wie ein Schlag!
                                              plant zurück nach Deutschland             Zwar habe ich schon mitbekommen,
                                              musste. Ich will kurz erzählen, wie       was in Deutschland in letzter Zeit ab-
                                              es dazu kam und wie alles ablief.         ging und wie schnell sich dort alles
                                              Ich war gerade einige Tage im Urlaub      zugespitzt hat, aber ich habe keine
                                              in Sao Paulo und habe anschließend        Sekunde daran gedacht, dass es ir-
                                              dort eine Missionsfamilie besucht.        gendetwas mit mir zu tun haben
                                              Ganz plötzlich erhielt ich am Diens-      könnte, da in Brasilien bis dahin noch
                                              tag einen Anruf von Martin Schauder       nicht wirklich was angekommen war
                                              (dem Missionar hier vor Ort), in dem      (zumindest nicht da, wo ich war…).
                                              er mir erklärte, dass ich den nächsten    Ich musste zurück nach Deutschland,
wegbegleiter               11

weil die deutsche Regierung aus Si-       Flora Weber: Ich bin Flora, 19 Jahre alt    Am Freitag ging der nächste Flug. Wir
cherheitsgründen alle Freiwilligen,       und ich habe, zusammen mit meiner           haben uns registriert und diesmal ha-
die über einen IJFD im Ausland wa-        Freundin Eva, einen Freiwilligendienst      ben wir auch eine Bestätigung erhal-
ren, zurückgerufen hat. Ich hatte gar     auf den Philippinen bei POCM ge-            ten. Nun hieß es, „Auf Wiedersehen“ zu
keine Wahl – ich musste fliegen, noch     macht. In einem Kinderheim, in dem          sagen. Am schwersten ist mir der Ab-
in dieser Woche, weil keiner wusste,      meine Aufgaben vor allem darin be-          schied von den Kindern gefallen - Ich
wie lange noch normale Linienflü-         standen auf Kinder aufzupassen die im       hatte sie so tief in mein Herz geschlos-
ge zur Verfügung stehen würden.           Alter von 0 bis 5 Jahren sind und aus       sen, dass es mir unendlich schwer fiel
Mir blieb also nur noch der Mittwoch,     verschiedenen Gründen hier leben.           sie zu verlassen. Ich habe so viele Trä-
um mich von dem Team der AMB, den                                                     nen an dem Tag vergossen, obwohl
Kindern, und einigen Freunden, die     Am 17. März war noch alles ruhig. Die          die Kinder mir immer wieder sagten:
ich noch so spontan sehen konnte zu    Ruhe vor dem Sturm. Natürlich hatten           „Mama Flora, wein doch nicht, wir wer-
verabschieden. An dem Tag gab es       wir auf den Philippinen auch schon             den uns wiedersehen, stimmt`s?“ Man
sogar noch zwei spontane Abschieds-    Fälle von Corona und bei POCM wur-             hat tiefe Freundschaften geschlossen
feiern für mich. Das war total rührend!den bereits alle Sicherheitsvorkehrun-         und Menschen liebgewonnen, die man
Oh, was habe ich in diesen Tagen ge-   gen vorgenommen, die nötig waren.              nun für lange Zeit nicht sehen kann.
weint! Ich wollte wirklich nicht weg,  Z.B. das keine Besucher mehr erlaubt
weil ich mich gerade in den letzten    waren und dass die Schulen geschlos-           Wir wollten am Freitag fliegen, aber
Monaten echt gut eingelebt und mir     sen wurden. Corona - Bis zu diesem             ich hatte erhöhte Temperatur und
doch was Eigenes aufgebaut hatte.      Tag, als ich von Andreas Kaden die             wir waren nicht sicher ob die Polizei
Und das sollte mir dann so ganz plötz- vom Auswärtigen Amt weitergelei-               uns an den Checkpoints nach Manila
lich alles genommen werden. Dazu       tete Mail erhielt, dass die sofortige          durchlassen würden. Auf gut Glück
kam, dass ich mich auch nicht von      Rückholung aller Freiwilligen angord-          sind wir los, begleitet von vielen Ge-
allen verabschieden konnte, einfach,   net wurde, hat das Wort nicht wirklich         beten und es ging alles gut. Wir sind
weil die Zeit fehlte.                  für mich existiert. Damals habe ich            dann am Freitagabend nach Deutsch-
                                       noch nicht gewusst, was das für Konse-         land geflogen. Vom Flughafen wurden
Durch diese Situation, in der ich so quenzen für meinen Freiwilligendienst            wir von unseren Familien abgeholt. In
hilflos war, habe ich extrem gemerkt, haben sollte und welcher schmerzhaf-            Deutschland war es sehr, sehr kalt. Ich
wie nichtig unsere menschlichen Plä- te Abschied mir bevorstand.                      vermisse die Philippinen und vor al-
ne sind. Von einem Moment auf den                                                     lem die Menschen. Ich werde die Zeit
anderen kann sich alles ändern. Aber Und dann diese E-Mail! Ich war so                zusammen mit ihnen nie vergessen.
Gott hat andere Pläne und das ver- schockiert, denn eigentlich hatte ich              Zuletzt möchte ich noch meinen Dank
suche ich zu akzeptieren. Ich werde vor, erst in zwei Monaten heimzuflie-             zum Ausdruck bringen, auch wenn
noch etwas Zeit brauchen um alles gen. Die Charterflüge, mit denen alle               die ganze Rückholaktion für mich al-
zu verarbeiten; innerlich loszulassen, ausreisewilligen Deutschen von den             les andere als leicht war. Danke an den
und hier anzukommen.                   Philippinen zurückeholt werden soll-           FCM e.V., dass ihr uns nicht im Stich
                                       ten, gingen täglich nach einer Regis-          gelassen und viele Sachen organisiert
                                       trierung über die Deutsche Botschaft.          habt. Ohne euch wären wir jetzt nicht
                                       Für den ersten Charterflug haben wir           hier. Danke an alle Mamas von POCM
                                       uns zwar registriert aber nie eine Be-         das sie uns getröstet haben. Und vor
                                       stätigung bekommen, weil das ganze             allem Danke ich unserem Gott. Seine
                                       System so überlastet war. Dadurch              Gedanken sind höher als meine.
                                       konnten wir auch nicht nach Manila
                                       (Hauptstadt) reisen. Denn wir brauch-
                                       ten eine Bestätigung für unseren Flug,         Jeder von uns musste schon irgend-
                                       um die etlichen Checkpoints passie-            wo einstecken, auf etwas verzichten,
                                       ren zu können. So warteten wir also.           oder ihm wurde etwas durch diese
                                                                                      Krise genommen. Wir sind alle be-
                                          Es war sehr komisch zu wissen das wir       troffen und keiner kann sich davon
                                          bald abreisen würden aber nicht ge-         distanzieren. Die meisten machen
                                          nau wussten wann. Es machte mich            sich Sorgen, wie das alles weiterge-
                                          nervös das es dann ganz schnell gehen       hen soll und vielen wird es wahr-
                                          würde und wir dann vielleicht keine         scheinlich auch so gehen wie mir,
                                          Zeit mehr zum Verabschieden haben           dass sie das Wort „Corona“ einfach
                                          könnten. Doch in der Nacht erlebten         nicht mehr hören können. Aber ich
Aber nicht nur in Brasilien mussten       wir noch eine Überraschung: Die Ba-         weiß, dass Gott das alles aus einem
die Freiwilligen zurück nach Deutsch-     bys Unit hatte eine Abschiedsfeier für      bestimmten Grund zulässt. Er ist
land, auch von den Philippinen wur-       uns organisiert. Es flossen viele Tränen,   immer noch größer und wenn wir
den alle Deutschen und darüber hi-        aber ich war dankbar das ich mich rich-     ihm vertrauen, brauchen wir uns vor
naus alle Ausländer zurückgebracht.       tig verabschieden konnte.                   nichts zu fürchten. Vertraust du ihm?
12   wegbegleiter

                                       FCM >            Nachgefragt
                                                 > AK:                                      konkrete Hilfe Menschen in Not zu un-
                                                 Als Gründungsmitglied des FCM e.V.         terstützen.“ Dass das für mich untrenn-
                                                 bin ich von Anfang an dabei. Zuerst als    bar zusammengehört, zeigen auch alle
                                                 Vorsitzender und in anderen Funktio-       Projekte die wir unterstützen. In erster
                                                 nen im FCM-Vorstand und nun schon          Linie entsteht die Zusammenarbeit
                                                 seit über 14 Jahren als hauptamtlicher     für mich persönlich durch Vertrauen
                                                 Missionsleiter. Die Arbeit im FCM e.V.     und Kontakte zu Menschen und Part-
                                                 hat mein Leben über die Jahre sehr be-     nerwerken.
                                                 reichert und geprägt. Gemeinsam mit
                                                 dem Vorstand durfte ich in den vielen      > FCM:
                                                 Jahren Entscheidungen treffen, die         Wo siehst du den FCM e.V. in 10 Jahren?
                                                 den FCM e.V. bis heute zu einem ver-
                                                 lässlichen Partner von Missionsprojek-     > AK:
                                                 ten und Organisationen auf vier Erdtei-    Ich wünsche mir sehr, dass der FCM
                                                 len der Welt gemacht haben.                e.V. auch weiterhin ein zuverlässiger
      > Im Interview: Andreas Kaden                                                         Partner für seine Partnerwerke ist, so-
                                                  FCM:
                                                 >                                          wie Ideen und Visionen in die Arbeit
      > FCM:                                     Was ist dir am FCM e.V. bzw. an seiner     einbringen kann. Das wir auch weiter-
      Stellst du dich dem Leser kurz vor?        Arbeit besonders wichtig?                  hin eine gute Beziehung zu den Freun-
                                                                                            den und Unterstützern pflegen und
      > AK: Ich heiße Andreas Kaden, bin 58 > AK:                                           somit ein Freundeskreis bleiben, dem
      Jahre alt, verheiratet, und habe 4 er- Für mich ist immer wieder der Leitsatz         die Arbeit vor Ort in den Projekten
      wachsene Kinder.                       des FCM e.V. in allen Entscheidungen           eine Herzenssache ist. Und das durch
                                             maßgebend und zugleich auch Kern               Kontakte und Beziehungen die Arbeit
      > FCM:                              unserer sozial-missionarischen Arbeit:         weitergeführt wird, sowie das sich die
      Warum arbeitest du im Vorstand des „Jesus Christus beauftragt uns, das                Mitarbeiter, Freiwilligen und Helfer als
      FCM e.V. mit?                          Evangelium zu verbreiten und durch             Werkzeug Gottes gebrauchen lassen.

                                                 > TJ:                                      und Jahrzehnten zu unseren Partnern
                                                 Mein erster Impuls dazu kam aus mei-       und unserer Verantwortung. Es gibt
                                                 ner sehr guten Erfahrung mit dem           einen festen Kern engagierter, ehren-
                                                 Freiwilligendienst, den ich mit dem        amtlicher Mitarbeiter und sehr treue
                                                 FCM e.V. in Brasilien machen durfte. Da    Unterstützer. Das ist ein Segen, weil
                                                 wollte ich damals mithelfen, dass die-     wir unseren Kernauftrag ehrlich leben,
                                                 se wertvolle Arbeit weiter getan wird.     jeden Menschen ernst zu nehmen und
                                                 Mit der Zeit habe ich noch viele andere    ihm mit Gottes Liebe zu begegnen.
                                                 Aspekte kennengelernt, die mich mo-
                                                 tivieren, vor allem die Dynamik, wenn      > FCM:
                                                 sich Türen für neue Möglichkeiten öff-     Wo siehst du den FCM e.V. in 10 Jahren?
      > Im Interview: Thomas Janzen              nen. Der Vorstand des FCM e.V. ist auch
                                                 ein richtig netter und angenehmer          > TJ:
       FCM:
      >                                          Kreis, mit dem ich gerne Zeit verbringe.   Eine wichtige Aufgabe bis dahin wird
      Stellst du dich dem Leser kurz vor?                                                   der Generationswechsel in der Leitung
                                                  FCM:
                                                 >                                          sein. Das werden wir gut meistern! Der
      > TJ:                                      Was ist dir am FCM e.V. bzw. an seiner     Fokus wird auch zukünftig auf dem
      Mein Name ist Thomas Janzen. Ich           Arbeit besonders wichtig?                  Auftrag aus unserem Leitsatz liegen,
      bin 39 Jahre alt, verheiratet, und ich                                                die frohe Botschaft von Jesus in Wort
      wohne und arbeite gemeinsam mit    >TJ:                                               und Tat weiterzugeben. Wenn wir das
      meiner Frau seit einiger Zeit in Bayern.
                                         Ich bin mir sicher, dass man mit Über-             mit Freude und Mut tun, habe ich kei-
                                         zeugung, Leidenschaft und Einsatz-                 ne Zweifel, dass wir immer genügend
      > FCM:                          freude viel mehr erreicht als mit Hoch-            Aufgaben – und auch die notwendi-
      Warum arbeitest du im Vorstand des glanz-Broschüren. Und das erlebe ich               gen Mittel dafür – im In- und Ausland
      FCM e.V. mit?                      beim FCM e.V.: Wir stehen seit Jahren              haben werden.
wegbegleiter              13

  FCM > Der Treffpunkt                                       „Lebenswert“ zieht um!
Seit seiner Gründung im Jahr 2006       Daher sind wir immer noch für Ihre geführt werden, profitieren von dem
befindet sich der Treffpunkt „Lebens-   Spende dankbar!                         Umzug. Die Kleiderkammer in Sortie-
wert“ im alten Treppenkonsum auf                                                rung und Verkauf genauso, wie der
der August-Bebel-Straße 7 in Franken-   Spenden-Konto:                          Treffpunkt „Lebenswert“ an sich mit Es-
berg / Sachsen.                         Freundeskreis Christlicher Mission e.V. sensausgaben und Gesprächsangebo-
                                        Sparkasse Chemnitz                      ten. Nicht zuletzt ist der Umzug auch
Seitdem sind viele hundert Menschen     IBAN: DE 35 8705 0000 3530 0001 23 eine Wertschätzung für die aufopfe-
tagtäglich aus- und eingegangen.        BIC: CHEKDE81XXX                        rungsvolle Arbeit der vielen ehrenamt-
Es wurde Essen ausgegeben, mit ei-                                              lichen Helfer, die uns jeden Tag tatkräf-
nander gesprochen, Freud und Leid       Verwendungszweck:                       tig unterstützen. Herzlichen Dank an
geteilt, in Notsituationen geholfen,    „Treffpunkt-Umzug“                      dieser Stelle für alles Engagement!
gespielt, gebastelt, gesungen, Ge-
meinschaft erlebt, konkret geholfen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!     Nicht zuletzt wurde dieser Umzug
Für viele Menschen ist es ein ganz                                           auch durch die Unterstützung der
besonderer Ort.                        Die neuen Räume werden helfen, die Stadt Fankenberg und ihres Bürger-
                                       Bedürftigen hier in Frankenberg unter meisters Thomas Firmenich möglich.
Und eigentlich zieht der Treffpunkt besseren Bedingungen betreuen und Vielen Dank auch für Ihren Einsatz! Es
nun nur eine Querstraße weiter Rich- versorgen zu können. Alle Arbeitsbe- grüßt sie in freudiger Erwartung, Ihr
tung Zentrum auf die Schulstraße 7, reiche, die hauptsächlich ehrenamtlich Andreas Kaden
doch die alten Räume werden noch
lange in Erinnerung bleiben. Geplant > Bis zu ihren Wegzug Ende 2019 die „treue Seele“ des Treffpunktes: Ramona
ist der Umzug nun in den Monaten Mai
und Juni 2020 und wir hoffen, dass er
sich durch die Corona-Krise nicht noch
weiter verzögert. Es kann leider kei-
ne große Umzugsaktion geben, denn
das ist derzeit nicht möglich. So muss
Stück für Stück, eins nach dem ande-
ren seinen Platz wechseln.

Dankbar macht uns die Spende einer
neuen Küche für den neuen Treffpunkt.
Die Alte würde den Umzug wohl nicht
mehr überstehen. Aber wer schon mal
umgezogen ist, weiß, dass die vielen
kleinen und großen Dinge, die es neu
braucht und die bedacht sein wollen,
Geld, Zeit und Arbeit kosten.
14   wegbegleiter

                                                                                                 ! Infobox
      MTHUNZI > Masken für Alle

      Isolation ist ein Privileg. Das klingt erst-   sind sie natürlich besonders gefährdet,
      mal widersprüchlich, aber Isolation be-        sich mit dem Virus anzustecken.                      Blantyre
      deutet, dass man es sich „leisten“ kann,
      zu Hause zu bleiben. Man hat alles,      Uns war es deshalb so wichtig, in                 MTHUNZI Ministries setzt sich in
      was man zum (Über-) Leben braucht.       dieser Krisenzeit Alternativen zu ent-            Blantyre, der zweitgrößten Stadt
      In Malawi ist das für einen Großteil der wickeln, um unsere Kids und deren                 Malawis, für Straßenkinder und Ge-
      Bevölkerung fast unmöglich, denn vie-    Familien trotz aller Umstände und                 fangene ein. Dazu gehört ein Center
      le leben „von der Hand in den Mund“.     Einschränkungen unterstützen und                  für schulische Angebote, Workshops,
      Man kann sich nicht isolieren, wenn      schützen zu können. Wir haben uns                 Nothilfen und vielem mehr. Durch
      man täglich sein Wasser an einer öf-     also überlegt, Masken für alle zu nä-             Straßeneinsätze entsteht der Kon-
      fentlichen Wasserpumpe schöpfen          hen, sowohl für die Kids auf den Stra-            takt zu den Kindern. Darüber hinaus
      oder am Straßenrand Erdnüsse ver-        ßen, ihre Familien und für die 250 Jungs          wird ein Jugendgefängniss betreut.
      kaufen muss, um seine Familie zu er-     im Jugendgefängnis. Kurzerhand wur-
      nähren, oder wenn man als Tagelöhner     de unser Missionshaus zu einer kleinen
      keine Vorräte anlegen kann. Unsere       Nähwerkstatt umfunktioniert und alle            soziale Distanz in den Townships und
      Kinder, die wir im Projekt betreuen,     im Haus haben fleißig mit angepackt.            auf den Straßen, können diese Mas-
      befinden sich genau in diesen schwie-    Bisher konnten wir schon 300 Masken             ken einen gewissen Schutz bieten.
      rigen Lebensumständen.                   verteilen und wir sind immer noch voll          Zusätzlich haben wir an alle Familien
                                               dabei, denn die Nachfrage ist groß.             auch Seife, kleine Corona-Info-Flyer
      Auch wenn es in Malawi bisher noch Trotz schlechter Vorraussetzungen für                 und eine große Ration Maismehl mit
      wenige (offizielle) Corona-Fälle gibt, > Die durch die FCM-Aktion „Von Kind             Soya-fleisch verteilt, damit sie gut
      haben die Vorsichtsmaßnahmen der           zu Kind“ finanzierten Hilfsgüter kom-         über die nächsten Wochen kommen.
      Regierung große Auswirkungen auf           men direkt Straßenkindern und de-             Die Kosten für diese Soforthilfe konn-
      die arme Bevölkerung. So ist es zum        ren Familien zugute.                          ten durch die FCM-Aktion „Von Kind
      Beispiel verboten, auf den Straßen Wa-                                                   zu Kind“ gedeckt werden. Kinder kön-
      ren zu verkaufen. Wir verstehen und                                                      nen wirklich so viel bewegen!
      respektieren diesen Beschluss und
      doch ist z.B. der Verkauf von selbstge-                                                  Uns war es auch sehr wichtig in die
      machten Snacks oder Bananen oft die                                                      Townships zu gehen, um über Corona
      einzige Einnahmequelle für unzählige                                                     und die damit verbundenen Vorsichts-
      Familien. Die Schließung der Schulen                                                     maßnahmen aufzuklären: Richtig Hän-
      und der Wegfall vom kleinen Famili-                                                      dewaschen, Maskenhygiene, aufeinan-
      enbusiness treibt in dieser Zeit noch                                                    der achtgeben, vor allem auf die Alten
      mehr Kinder auf die Straße. So „vertrei-                                                 und Schwachen. Jesus hat gesagt. „In
      ben“ sich auch viele unserer Kids, die                                                   der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost,
      seit mehreren Monaten jeden Tag treu                                                     ich habe die Welt überwunden.“ (Johan-
      in die Schule gegangen sind, nun statt-                                                  nes 16,33) Herzliche Grüße, John und
      dessen ihre Zeit auf der Straße. Und so                                                  Daniela Disi
wegbegleiter              15

! Infobox
                                                   PARA > Schwierige                                    Zeiten
                        Curitiba

                                         den Vollzeitmitarbeitern, die auf dem     zusammenommt. Außerdem haben
                                         Gelände wohnen. Die zahlreichen,          wir angefangen, einen Gemüsekeller
                                         durch Ehrenamtliche abgedeckten,          in einen Hang zu graben, damit halt-
PARA Vida Sem Drogas in Curitiba         Aktivitäten, wie Gemeindeabende in        bare Gemüsesorten wie Rote Beete,
ist heute eine Suchtpräventions-         der therapeutischen Gemeinschaft,         Kartoffeln, Kraut und Zwiebeln über
und -therapieeinrichtung für Män-        Seelsorge, Hand- und Bastelarbeiten,      längere Zeit hinweg gelagert werden
ner. Eliel und Christiane Dantas ha-     Musiktherapie und anderes mehr,           können. Wir sind Gott dankbar, dass
ben die Arbeit seit 1998 aufgebaut.      mussten vorläufig ausgesetzt wer-         wir inmitten dieser Situation geduldig
Sie begann in der Favela Curitibas       den. Die Therapiegäste dürfen keine       und kreativ sein können und danken
in der Eliel aufgewachsen ist und        Heimfahrten machen und am Famili-         allen, die für uns beten! Wir können
umfasst heute ein großes Landstück       entag wird erstmals nur ein virtueller    erneut versichern: Wir sind hier in der
mit eigener Infrastruktur. Die Tätig-    Kontakt mit den Familien stattfinden      therapeutischen Gemeinschaft an ei-
keitsfelder erstrecken sich von der      können. Die Krise kann uns kreativ        nem geschützten Ort! Wenn uns die
Präventionsarbeit mit Kindern in der     werden lassen. Wie heißt es so schön:     Krisensituation Angst macht, will Gott
Favela, über die eigentliche Sucht-      Not macht erfinderisch.                   selbst unser Schutz und Trost sein.
therapie bis hin zur Reintegration
und Angehörigenarbeit.                   Unser Therapieprogramm geht weiter.       Luiz-Antonio, der jetzt seine Therapie
                                         Die Arbeit erfolgt mit allen Vorsichts-   beendete, brachte seine Dankbarkeit
                                         maßnahmen, aber ohne Panik unter          und Bewunderung zum Ausdruck,
Dass wir schwierige Zeiten durch-        den Therapiegästen zu verbreiten, was     als unsere Praktikantin Caro und wir
leben, das weiß jeder. Wir müssen        eine Kunst ist. Die aktuelle Situation,   deutschen Mitarbeiter entschieden,
schnell Entscheidungen treffen und       in der Selbstversorgung einen hohen       nicht in unser Heimatland zurückzu-
vieles neu organisieren. Regeln, die     Stellenwert bekommt, hat uns veran-       gehen, sondern die Arbeit hier auch
bisher Gültigkeit hatten, gelten nun     lasst, unseren brasilianischen Freun-     in der Krise weiterzuführen. So glau-
nicht mehr. Internationale Notstands-    deskreis herauszufordern, für den Kauf    ben wir, dass Gott auch diesen Mo-
gesetze ändern unseren Alltag und        eines Traktors im Wert von 15.000 Real    ment nutzt, um sein Reich unter uns
inmitten all dessen darf unsere Arbeit   (ca. 2.600€), zusammenzulegen. Er soll    zu bauen. Ellen Sachse
nicht zum Stillstand kommen. Unser       uns zum Anbau von Mais, Kartoffeln,
Arbeitsbereich, die Suchtkrankenhil-     Kraut und Bohnen dienen, für den Ei-      > „Aufnahmegespräch“ vor dem Tor
fe, ist im Gesundheitswesen angesie-     genbedarf und zum Weitergeben an
delt und auch von der neuen Gesetz-      Bedürftige. Wir haben einiges noch
gebung bezüglich der Corona-Krise        unbebautes Land, was als Anbaufläche
als essenzieller Dienst angesehen.       genutzt werden kann.

Es ist klar, dass diese Gesetzgebung     Innerhalb von einer Woche haben wir
viele Neuerungen für die Therapiegäs-    bereits die Zusage für 13.000 Real er-
te und das Team bringt. Im Moment        halten und sind zuversichtlich, dass
besteht unser Team nur noch aus          mit Gottes Hilfe der Rest auch noch
16   wegbegleiter

          HHM > Liebe                            geben und empfangen
      Mein Vier-Wochen-Einsatz bei Hel- Hands Healing Hearts kennenlernen               nis. Einige Eltern sind nicht in der Lage
      ping Hands Healing Hearts auf den und mitarbeiten. Ein wichtiger Grund            für ihre Kinder zu sorgen, weil sie keine
      Philippinen                         für meinen Einsatz war, dass ich dank-        Arbeit haben und selbst nicht mit ih-
                                          bar bin, wie Gott mich durch mein             rer Lebenssituation klar kommen. Drei
      Liebe geben kann ich genug: In mei- Leben führt. Besonders in den Krisen-         Gehminuten entfernt befindet sich das
      nem Beruf als Gemeindepädagogin, zeiten war und ist für mich das Wissen           zweite Haus von HHM. Dort leben ca.
      in meiner Familie, in meinem Freun- entlastend, dass Gott den Überblick           18 schwerkranke und behinderte Kin-
      deskreis. Und natürlich bekomme ich über mein Leben hat und dass SEIN Se-         der. In beiden Häusern werden Kinder
      auch sehr viel an Wertschätzung und gen bleibt. Mit meiner Missionsarbeit         betreut, die sonst niemand will. Emy,
      Liebe zurück.                       möchte ich Gott DANKE sagen.                  eine leitende Krankenschwester sagte
                                                                                        mir: Kinder, die krank und behindert
      Was ist der Grund, dass ich zwei Wo-       Vom 8. Januar bis 8. Februar 2020 er- sind, werden oft von ihren Eltern im
      chen meines Jahresurlaubes plus            lebte ich eine sehr gesegnete und in- Krankenhaus zurückgelassen.
      zusätzlich zwei Wochen unbezahlte          tensive Zeit auf den Philippinen. Ich
      Freistellung nahm und um die halbe         wohnte in Baguio, direkt im Kinder- So war ich also angekommen, bei den
      Welt unterwegs war, um jeden Tag           heim. Dort leben 29 Kinder. Viele sind ungewollten, vergessenen Kindern.
      acht Stunden in einem Kinderheim zu        Waisen oder die Eltern sind im Gefäng- Nein, vergessen nicht und erst recht
      arbeiten?
                                                 > Jacko und ich bei seinem Lieblingsspiel „Memory“
      Missionarin zu sein, ist ein Kindheits-
      wunsch von mir. Als siebenjähriges
      Mädchen saß ich in der Sonntagsschu-
      le und sah die große Schrift vorn an
      der Wand: „Jesus sagt: Das tat ich für
      dich. Was tust du für mich?“ Das sprach
      direkt in mein Herz. Am liebsten wäre
      ich damals gleich zu armen Kindern
      nach Afrika gereist und hätte ihnen
      von Jesus erzählt.

      Heute erzähle ich als Gemeindepäda-
      gogin vielen Kindern und Erwachse-
      nen von Jesus. Ich bin eine Missiona-
      rin im eigenen Land. Trotzdem zieht
      es mich ab und zu in die Ferne. Nach
      meinem dreimonatigen Einsatz 2017
      in Brasilien bei der AMB, wollte ich die
      Arbeit auf den Philippinen bei Helping
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