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Gartenkultur 2016
Mitteilungen der DGGL Hessen e.V.
Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL)
Landesverband Hessen e.V.Impressum Inhalt 2016
Wir danken allen, die die Redaktion bei Autoren: Inhalte Autoren
der Erstellung der »Gartenkultur 2016«
2 Impressum
– Mitteilungen der DGGL Hessen e. V. – Nina Gerlach
4 Begrüßung Petra Hirsch
unterstützt haben.
5 Editorial Monika Horlé-Kunze
Mechthild Harting
6-7 Leitbild der DGGL
Thomas Herrgen Gartenkultur aktuell
8 - 11 Verleihung des »Garten-Oskar« 2015 Thomas Herrgen
Petra Hirsch 12 - 13 Barbara Vogt: GartenRheinMain in guten Händen Lydia Specht
14 - 15 Zu Gast bei Claudia und Werner G. Müller Petra Hirsch
Wolf-Dieter Hirsch im »GARTEN MIT SCHWUNG«
16 - 19 Ehemaliger Park der Villa Mumm – Geschosswohnungsbau Otfried Ipach
Monika Horlé-Kunze an der Kennedyallee auf historischem Gelände
20 - 23 Magie der Orte – urbane Räume im Kontext Prof. Cornelia Müller
Otfried Ipach 24 - 25 Dazwischen oder da draußen?! Grüne Räume in der Region Mechthild Harting
Gartenkultur im Film
Die DGGL Hessen e.V. hat mit freundlicher Christian E. Loeben 26 - 29 Wenn man in einem Garten nicht träumen kann ... Monika Horlé-Kunze
Genehmigung der Autoren und Bildrechte- 30 - 31 Vom Untergang des Bösen zum Untergang der Erkenntnis – Prof. Dr. Nina Gerlach
inhaber die einmaligen Veröffentlichungs- Cornelia Müller Gartendarstellung in Lars von Triers Melancholia (2011)
rechte für die Gartenkultur 2016 erhalten. Historische Gartenplanung
Annette Otte
32 - 35 Anmerkungen zum Einfluss André Le Nôtres Stefan Schweizer
Redaktionsschluss: 23.03.2016 auf den Städtebau
Cassian Schmidt
36 - 41 Altägyptische Gärten – die ältesten Gärten der Welt Dr. Christian E. Loeben
Redaktion:
Monika Horlé-Kunze, Birgit Greiner Lydia Specht Parkanlagen
42 - 45 Schloss und Schlosspark zu Rauischholzhausen Prof. Dr. Dr. Annette Otte
Kontakt Redaktion: Stefan Schweizer
Pflanzen
mhk@dggl.org 46 - 49 Farben der Prärie -nordamerikanische Stauden Prof. Cassian Schmidt
in der Gartenkultur
Lektorat:
Belinda Vogt Gartenfeste
50 - 55 Das Fürstliche Gartenfest Schloss Fasanerie 2015 Thomas Herrgen
Layout und Gestaltung: 56 - 59 Das Fürstliche Gartenfest Schloss Wolfsgarten 2015 Thomas Herrgen
Bettina Riedel, briedel64@gmx.de Mit »Flammenden Gärten« in den Herbst
60 Die Offene Gartenpforte Wolf-Dieter Hirsch
Herausgeber: Nachhaltiges Bauen
Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und 62 - 65 Nachhaltige Baukultur mit höchsten ästhetischen Ansprüchen: Firma Rinn
Landschaftskultur (DGGL) Betonwerkstein-Hersteller Rinn produziert CO2-neutral
Landesverband Hessen e.V.
DGGL Hessen
Postfach 1144
66 - 67 Ein Planungsbüro stellt sich vor: Jobst Seeger Monika Horlé-Kunze
65521 Niedernhausen
68 Kreativ und administrativ – Wolf-Dieter Hirsch
Arbeiten für die DGGL und Mitgliederentwicklung Monika Horlé-Kunze
V.i.S.d.P. Petra Hirsch
70 - 75 Mitgliederliste
76 - 77 DGGL Hessen e.V. Programm 2015
© DGGL-Landesverband Hessen e.V. 78 - 79 DGGL-Akademie Schloss Biebrich Programm 2015
2 Impressum Inhalt 3BEGRÜSSUNG »GARTENKULTUR 2016« Editorial
Was soll man darunter verstehen? Die »Ein Garten ist ein idealer Ort, um sich Gärten der Welt, die in Ägypten entstanden, Monika
Definition für »zeitgenössische Garten- auf die großen Fragen einzulassen.« Dieser wieder vor unseren Augen erblühen. Prof. Horlé-Kunze
kunst« ist einfach: das ist Gartenkunst Satz von Charles Jencks umschreibt sehr Stefan Schweizer erläutert uns den Zusam-
der Gegenwart. gut die Bedeutung unseres Themas. menhang von Gartenkunst und Städtebau
am Beispiel des Erbes von André Le Nôtre.
Und was macht sie herausragend? Jeden- Über Vorträge, Lesungen, Filme, Exkursio- Barbara Vogt und Mechthild Harting laden
falls nicht allein planerischer und gestal- nen und Führungen wollen wir Ihre Sehn- ein, Gärten und Landschaften im Rhein-
terischer Perfektionismus. Auch nicht die sucht wecken, Gartenanlagen und Kultur- Main-Gebiet zu entdecken. Die Magie der
Größe eines Projektes oder herausragend landschaften zu entdecken. Die Gartenkultur Orte – Prof. Cornelia Müller gelingt in ih-
Erste Vorsitzende
hohe Kosten pro Quadratmeter. 2016 zeigt nur einen Ausschnitt aus unseren rem Artikel eine faszinierende Zusammen-
der DGGL Hessen
Programmen und den Veranstaltungen, an fassung der Komplexität unseres Themas.
e.V. Petra Hirsch
Aber ein Unikat mit einer pfiffigen Idee, denen wir teilnehmen. Unsere vielen Akti-
Liebe Mitglieder und Freunde der DGGL, ein Geist, der dem Projekt innewohnt, vitäten sind nur möglich, weil wir Unter- Private Gärten, öffentliche Gärten, Garten-
seine »Aura «. stützung und Bestätigung, nicht nur aus den denkmäler, Gartenfeste, die Vielfalt unserer
GARTENKUNST führen wir im Namen Reihen der DGGL, erhalten. Viele wirken Themen begeistert mich immer wieder.
unserer Gesellschaft. Mit der Gartenkunst Den »Garten-Oskar 2015« dürfen Sie im mit – als Referenten, Autoren, Ratgeber oder Ganz besonders freut es mich, dass wir im
setzen wir uns in der DGGL permanent Oktober 2016 besichtigen und dann selbst Sponsoren. Dafür ein großes Dankeschön. vergangenen Jahr zum ersten Mal das The-
und intensiv auseinander. In unseren Ver- urteilen. Wir sind gespannt auf interes- ma »Gärten im Film« sowohl im Akademie-
anstaltungen können Sie alles über Garten- sante Diskussionen. Ästhetik, Kunst, Wissenschaft, Architektur, programm als auch im DGGL-Programm
kunst erfahren. Unser Ziel ist, aufzuzeigen, Denkmalpflege und Naturschutz. All das präsentieren konnten. Ich wünsche Ihnen
welchen Stellenwert sie in unserer Gesell- Ich freue mich, Sie dort und zu unseren sind Aspekte, mit denen wir uns beschäfti- viel Vergnügen beim Entdecken und jede
schaftskultur hat, und wir wollen Begeiste- weiteren vielfältigen Veranstaltungen be- gen. Dr. Christian Loeben lässt die ältesten Menge Anregungen für eigene Recherchen.
rung und Leidenschaft für sie wecken. grüßen zu dürfen.
Die Vielfältigkeit der Gartenkunst zeigen Ihre
uns unsere Referenten in ihren Vorträgen,
sehen wir auf unseren Exkursionen und
stellen uns Landschaftsarchitekten mit
ihren Projekten im öffentlichen Raum und
mit der Gestaltung von privaten Gärten
und Objekten vor. Wie vielfältig die Mei-
nung über Gartenkunst ist, zeigen die an-
schließenden interessanten Diskussionen.
Wie einfach war es doch zu Zeiten Lud-
wigs XIV., als alle wussten(!), dass die
Gärten von Veaux-le-Vicomte und Ver-
sailles das Nonplusultra der Gartenkunst
waren oder sein sollten!
Wir als DGGL-Hessen machen es dann
auch noch ein bisschen schwieriger: In
einer Zeitepoche der gesellschaftlichen
Freiheit und damit einhergehender garten-
©Wolf-Dieter Hirsch (3)
künstlerischer Freiheit loben wir einen
Preis für »herausragende zeitgenössische
Gartenkunst« aus.
4 Begrüßung Editorial 5Leitbild der DGGL
Natur und grüne Kultur Bewährtes erhalten
Die DGGL ist die gesellschaftliche Kraft für Garten- und Landschaftskultur Historische Gärten und bedeutende Land-
schaften als kulturelles Erbe erhalten: Die
in Deutschland. In siebzehn Landesverbänden und dem Bundesverband
DGGL engagiert sich für die Erforschung
engagieren sich Fachleute und Garten-begeisterte gemeinsam für historische und Erhaltung historischer Gärten und
Gärten, moderne Landschaftsarchitektur, urbane Gartenkultur und ge- Parks sowie der Kulturlandschaft.
wachsene Kulturlandschaften.
Neues entwickeln
Neue Grün- und Freiräume mit gestalteri-
Gartenlust wecken Einfluss nehmen schem Anspruch, in sozialer und ökologi-
Gärten schaffen, erhalten und erleben: Die Politik, Verwaltung und Gesellschaft vom scher Verantwortung gestalten: Die DGGL
DGGL weckt Begeisterung für Gärten, Wert des Freiraums, des gestalteten Grüns setzt sich dafür ein, bei Planung und Bau
vermittelt Wissen – und führt Menschen und der Landschaft überzeugen: Die von Anlagen neuen Ideen und kreativen
zusammen, die diese Leidenschaft teilen. DGGL tritt auf allen Ebenen konsequent Lösungen angemessen Raum zu geben.
dafür ein, Gärten, Parks und Spielflächen
Bewusstsein schaffen ästhetisch, funktional und ökologisch Demokratie leben
Gestaltetes Grün als kulturellen Wert er- hochwertig zu gestalten sowie bestehen- Demokratie mit Leben erfüllen: Die
kennen: Die DGGL macht die Geschichte de Freiflächen und Kulturlandschaften DGGL versteht sich als unabhängiges
historischer Anlagen erlebbar, zeigt die mit qualifizierter Pflege zu erhalten. Die Forum mit demokratischer Willensbil-
Schönheit gut gestalteter Gärten und DGGL setzt sich dafür ein, das Wissen dung in föderaler Struktur. Sie vereinigt
Parks, vermittelt die soziale Bedeutung um Garten- und Landschaftskultur in der in ihren Arbeitskreisen umfangreiches
von Spiel-, Sport- und Erholungsanlagen Aus- und Weiterbildung fachübergreifend Expertenwissen und steht in den Landes-
– und schafft Verständnis für die öko- zu verankern. verbänden allen Interessierten als breit
logische und kulturelle Bedeutung der angelegtes Netzwerk offen.
gestalteten Natur.
Grafik © B.Riedel
6 Leitbild der DGGL 7Verleihung des »Garten-Oskar« 2015
Neujahrsemp- Foto oben: Futuris-
fang der Grünen tische Kletterhilfen
aus Edelstahl-Stäben
Verbände 2016 im
stützen die Rambler-
Planungsdezernat, Rosen und tragen zur
Frankfurt Raumbildung bei.
am Main:
Verleihung des Foto unten: Mauern
Garten-Oskar 2015 und Stufen als Son-
deranfertigungen aus
am 22.01.2016
Beton überbrücken die
Höhenunterschiede
Thomas Herrgen seitlich des Hauses.
©Thomas Herrgen (2)
Der DGGL Landesverband Hessen vergibt Stufen und Terrassen aus hellem Beton die
seit 2001 jährlich den »Garten-Oskar«. Übergänge zur Topographie des Weinber-
Der Preis für zeitgenössische Gartenkunst ges her. Der helle Beton und der Bodenbe-
geht im Wechsel an private und öffentliche lag aus Muschelkalk korrespondieren mit
Projekte. Die Auszeichnung 2015 für Pri- den für Ingelheim typischen Kalkmergel-
vatgärten wurde am 22. Januar, wie immer mauern, die sich auch auf dem Grundstück
während des gemeinsamen Neujahrs- kulissenhaft abbilden. Das Material nimmt
empfangs der Grünen Verbände Hessen Bezug auf das »Terroir« Ingelheims, wo die
(BDLA, DGGL, FGL, GALK, HVNL), vor Weine auf Muschelkalk und Kalkmergel
rund 300 Gästen verliehen. wachsen. Damit wurde der Vorliebe des
Bauherrn, einem Connaisseur für erlesene
Die Firma Gramenz Im November zuvor hatte die Jury die Ein- Weine, entsprochen.
Garten- und Land- reichungen anonym gesichtet und bewer-
schaftsbau aus tet. Es wurde ein würdiger Preisträger ge- Anlage mit Hofgut-Charakter
Wiesbaden sponsort
den Garten-Oskar mit
funden, der die Trophäe des Frankfurter Ein Karree aus neun dachförmig geschnit-
3.000 Euro jährlich. Künstlers Bernhard Jäger und das Preisgeld tenen Amberbäumen formt zusammen
von 2.500 Euro sogar schon zum zweiten mit dem L-förmigen Gebäude ein hofarti-
Mal gewann: Adler & Olesch Landschafts- ges Ensemble. So wird das Thema Hofgut
architekten aus Mainz. Gebaut hat den aufgegriffen und neu interpretiert. Die
Garten die Gramenz Hausgarten GmbH Architektur und reduzierte Gestaltung
Foto oben links: aus Wiesbaden. des Wohnhauses entspricht der schlichten
Etwa 300 Gäste
Moderne, korrespondiert jedoch im Ma-
verfolgten die
Preisverleihung im
»Terroir« – Moderne Gestaltung in terial der Fassaden aus hellem Sand- und
Planungsdezernat altem Weinberg Kalkstein mit den Elementen des Frei-
Frankfurt, darunter So nannten die Planer ihr Projekt im rhein- raums. Aufgabe des Planers war es, mit den
die Dezernenten hessischen Ingelheim. Mitten in einem neuen, hinzugefügten Elementen zwischen
Olaf Cunitz und Weinberg eines Traditionsweinguts, ein- Architektur und Vorhandenem zu vermit-
Rosemarie Heilig gebettet im alten Ortskern von Ober-Ingel- teln. Andererseits »war es uns wichtig, dass
(1. R. rechts) sowie
© Adler & Olesch (2)
Grünflächenamtsleiter
heim liegt das neue sandsteinfarbene der Garten zwischen Historischem und
Stephan Heldmann Wohnhaus mit Blick auf die Streuobstwie- Neuem eine deutliche ‚Zeitfuge‘ bildet«.
(1. R. links). sen des Selztales. Im Außenbereich stellen Damit vermieden die Planer, »dass ein his-
8 Verleihung des »Garten-Oskar« 2015 Verleihung des »Garten-Oskar« 2015 9Foto unten: Der Nord- torisierendes und rustikales ‚Weinbergs- mit der Umgebung verbindet«, so das Foto oben: Der Garten-
garten mit Cornus idyll‘ in ein kulturell gewachsenes Ensem- Juryurteil weiter. Die verwendeten neuen plan/Grundriss zeigt
kousa und den die Lage im Weinberg
ble implantiert wird, das sich an das vor- Steinmaterialien korrespondierten mit
japanischen Pflanzen. und die Bezüge
handene respektlos anbiedert«, so Stefan den vorhandenen Kalkmergelmauern auf von Architektur und
Bitter von Adler & Olesch. dem Weinbergsgrundstück. Das Gestal- Freiraum.
tungsprinzip der »geliehenen Landschaft«
Jurybegründung sei deutlich erkennbar realisiert und die Foto unten: Die Ter-
Die Jury würdigte ein Gartenprojekt, »das beabsichtigte zeitgenössische Neuin- rasse mit Kies unter
Dach-Amberbäumen
die Feinsinnigkeit der Planer auf Anhieb terpretation eines »Hofgutes« gekonnt
ist das zentrale Nutz-
erkennen lässt«. Die Gartenarchitektur umgesetzt. Geglückt sei mit dem Projekt element der Anlage.
sei sehr einfühlsam in die Topographie des »Terroir«, so die Juroren abschließend,
Weinberges eingefügt worden, ohne die um- »ein gestalterisch und handwerklich
gebende, regionaltypische Kulturlandschaft sehr gut gelungenes zeitgenössisches
und den »Genius Loci« zu dominieren. Gartenkunstwerk«.
Die Gestaltung setze »gekonnt ausdrucks-
stark einen zeitgenössischen Kontrast,
der die reduzierte moderne Architektur
des Wohnhauses aufnimmt und perfekt
© Adler & Olesch (2)
© Bauherr privat
10 Verleihung des »Garten-Oskar« 2015 Verleihung des »Garten-Oskar« 2015 11Barbara Vogt: GartenRheinMain in guten Händen
Lydia Specht: Sie haben am 1. April 2015 RheinMain gut etabliert und wird von Grüngürtels in diesem Jahr. Für unsere Mit- Ganz praktisch finden sich im Programm
die Projektleitung für GartenRheinMain immer mehr Menschen nachgefragt. Ihr glieder muss das Thema natürlich geeignet Führungen in Burggärten, Wallanlagen oder
übernommen. War das eine große Um- Anspruch war es, so hat sie es ja auch in der sein, ihre Park- und Gartenanlagen einzu- Wanderungen im Grüngürtel, ebenso wie
stellung für Sie, aus dem freiberuflichen »Gartenkultur 2015« formuliert, möglichst bringen und so haben wir zunächst auf ring- Spaziergänge oder weiter ausgreifende Rad-
Bereich der Gartendenkmalpflege in die viele Kommunen bei der Vermittlung von förmige Park- und Gartenanlagen geschaut, routen entlang der Flussufer. Es gibt auch
Verwaltung zu wechseln? Gartenkultur einzubinden, auch wenn dort und da finden sich schon etliche Gärten und Veranstaltungen, die ganz konkret mit dem
auf den ersten Blick vielleicht »nur« blü- Parks anstelle ehemaliger Wehranlagen. Der Wasser zu tun haben, wie eine Schifffahrt in
Barbara Vogt: Während meines Studiums tenreiche Verkehrskreisel, Streuobstwiesen, Grüngürtel verbindet ja verschiedene Qua- Eltville, eine Floßtour auf einem Nidda-Ab-
Barbara Vogt im Inter- der Landespflege in Hannover habe ich be- Kleingärten oder etwa ein schöner histori- litäten von Grünräumen miteinander, und schnitt oder eine Kinderführung zu »Wald,
view mit Lydia Specht reits einige Zeit in einem Grünflächenamt scher Aussichtspunkt in der Landschaft zu das gilt auch für Flussuferpromenaden und Wasser, Zisterzienser« mit Experimenten
gejobbt, aber eine Institution, die Kultur finden sind. Ich möchte damit fortfahren, Alleen oder für die Regionalparkrouten. im Kloster Eberbach, um nur einige wenige
in einer Region vermittelt, ist schon etwas den Blick auf die gartenkulturellen und kul- Zunächst titelten wir daher »Grüne Ringe herauszugreifen. Nicht alle Veranstaltungen
anderes. Wir haben mit vielen Kommunen, turlandschaftlichen Werte möglichst vieler
mit vier Landkreisen und einigen regio- unserer Mitgliedskommunen zu schärfen.
© KulturRegion Frankfurt RheinMain
nalen Institutionen zu tun. In der Kultur-
Region Frankfurt RheinMain bin ich von Es ist gerade unser Profil, die lokalen Klein-
meinen Kolleginnen und Kollegen sehr gut ode zu entdecken und zu zeigen. Natürlich
aufgenommen und bei allen Fragen oder freuen wir uns auch, Führungen zu den
Arbeitsengpässen gut unterstützt worden. überregional bedeutsamen, gut gepflegten
historischen Gärten der Verwaltung der
Bei GartenRheinMain gibt es zeitweise Staatlichen Schlösser und Gärten anbieten
Phasen hoher Arbeitsintensität mit langen zu können. Hier kann man Gartengeschich-
Arbeitstagen. Zu anderen Zeiten ist Gar- te und Gartenkultur bestens vermitteln. Ich
tenRheinMain auch mit einer halben Stelle möchte dazu anregen, das Unbekannte vor
zu bewältigen, so dass ich noch Zeit für der eigenen Haustür in der Metropolregion
kleinere Projekte und Recherchearbeiten zu entdecken. Abb. oben:
habe. In den mehr als 17 Jahren in meinem Titel des 200-seitigen
Programms von Gar-
Büro ‚Der alte Garten‘, in denen ich garten- Ein gewisser Wandel ergibt sich bei unserem
© Barbara Winterott (2)
tenRheinMain 2016
denkmalpflegerische Projekte bearbeitet Angebot fast automatisch, denn in unserem »Grün trifft Blau« mit
habe, konnte ich mich ebenfalls schon der Facharbeitskreis mit den Kommunen, von 600 Veranstaltungen
Vermittlung von Gartenkultur widmen mit garteninteressierten Bewohnern der Regi- in der Region.
zahlreichen Vorträgen, Führungen oder on, durch bestimmte Förderprogramme,
der Arbeit mit Ehrenamtlichen. Nun hat durch die Projekte meiner Kolleginnen in ∞ Blaue Bänder« woraus schließlich ganz sind dem Schwerpunktthema gewidmet, son- Foto rechts:
sich die Gewichtung zugunsten der Ver- der KulturRegion, und nicht zuletzt durch knapp »Grün trifft Blau« wurde. dern das Programm enthält auch regelmäßi- Barbara Vogt erläutert
mittlung verschoben. meine eigenen Ideen ergeben sich neue ge Park- und Gartenführungen, die man viel- die von ihr kuratierte
Wanderausstellung
Themen oder neue Vermittlungsformen. Es Fachlich gesprochen, beschäftigen wir uns leicht schon lange einmal besuchen wollte.
über den Gartenkünst-
Lydia Specht: Das Projekt GartenRhein- sind eigentlich immer mehr Ideen vorhanden mit vernetzten Grünflächen, mit der Inwert- ler Heinrich Siesmayer
Main geht nun in das zwölfte Jahr seit der als Zeit diese umzusetzen. Daher befürchte setzung der Flussufer und mit der Sicht auf Lydia Specht: Ich danke Ihnen für das Ge- im Palmengarten.
Gründung. Welche Formate der Organisa- ich nicht, dass in den nächsten Jahren Lan- Grünflächen als dem notwendigen Aus- spräch und freue mich sehr auf die vielfälti-
tion und der Programmgestaltung werden geweile bei GartenRheinMain aufkommt. gangspunkt für Stadtplanung in expandie- gen Veranstaltungen der nächsten Jahre.
Sie in den kommenden Jahren weiter- renden Großstädten.
führen oder was möchten Sie ergänzen Lydia Specht: Wo setzt Ihr Programm
oder erneuern? »Grün trifft Blau« die Schwerpunkte für Zum Jahresschwerpunkt bieten wir auch in Das Programm ist online als PDF einzu-
das Jahr 2016? diesem Jahr wieder eine Vortragsreihe an, die sehen sowie in Rathäusern, Bürger- und
Barbara Vogt: Zunächst bin ich sehr froh, im Palmengarten stattfindet. Auch in diesem Touristinfos der Region FrankfurtRhein-
die gute Arbeit von Heidrun Merk fort- Barbara Vogt: Der Anlass für dieses Pro- Punkt greife ich gern auf die von Heidrun Main erhältlich.
setzen zu dürfen. Durch sie ist Garten- gramm war das Jubiläum des Frankfurter Merk geschaffenen Strukturen zurück.
12 Barbara Vogt: GartenRheinMain in guten Händen Barbara Vogt: GartenRheinMain in guten Händen 13Zu Gast bei Claudia und Werner G. Müller
im »GARTEN MIT SCHWUNG«
Besuch eines Als die DGGL-Akademie bei Frau Clau- terschiedlichen Gartenräume, sie trennen lich zum mit quadratischen Säulen von und wann entsprechende Gartenbereiche
Privatgartens in dia Müller anfragte, ob es möglich sei, sie aber auch voneinander, um die üppige Carpinus betulus räumlich abgegrenzten dann wahrgenommen werden sollen. So
Königstein, ihren Garten mit interessierten Teilneh- Vielfalt der Gestaltung so zu neutralisieren, »FRANZÖSISCHEN GARTEN«. Dieser ist sind die Höhepunkte der pflanzlichen Ge-
im Rahmen des mern zu besichtigen, antwortete Frau dass die unterschiedlichen Bereiche einzeln formal mit rechtwinkligen Beetstrukturen staltung fein verteilt und dosiert. Frau Mül-
Grünen Salons Müller ohne Zögern und freudig: »Ja wahrgenommen werden können. Sie sollen angelegt, auch um eine gestalterische Ein- ler erklärte uns, dass ihr Garten trotz seiner
am 29.05.2015 selbstverständlich! Mein Garten ist viel zum »Lustwandeln« anregen und den Gar- bindung der schräg stehenden Bestands- Pflanzenvielfalt Ruhe ausstrahle, aber auch
zu schön, als dass nur mein Mann und ten mit allen Sinnen erlebbar machen. mauer aus Taunusquarzit-Bruchsteinen zu permanent Neugierde erzeuge. Er verlange
Petra Hirsch ich uns daran erfreuen.« So ist sie: Frau erhalten. Für eine geborgene Atmosphäre nach den »täglichen« morgendlichen und
Müller! Voller Lebensfreude, spontan, Mit dieser Absicht führte uns Frau Müller des Sitzplatzes sorgt das Blätterdach eines abendlichen Spaziergängen.
temperamentvoll und herzlich. Und genau durch ihren Garten und ließ uns an ihrer großen Acer palmatum. Dieser und die
so wurden wir mit 15 Teilnehmern auch Begeisterung teilhaben: Wir betraten den Magnolien spenden bis in den späteren Auch wir lustwandelten neugierig mit Frau
am Nachmittag des 29. Mai 2015 mit Garten durch den »ROTEN VORGAR- Nachmittag lichten Schatten. Das Geplät- Müller durch ihren Garten und lauschten
Begrüßungsgetränken empfangen. Wir TEN«. Ein Spontankauf Frau Müllers gab scher des Brunnens, der Duft des Laven- ihren Ausführungen. Sie und ihr Mann
schauten von der großzügigen neuen Ter- den Ausschlag für diese Gestaltungsidee: dels und der auch hier gepflanzten hoch- würden jede freie Minute im Garten ver-
rasse hinab in den Garten und erfuhren, 30 samtigrote Beetrosen »Lavaglut«. Sie stämmigen »Schneewittchen« sollen an bringen, um keinen Augenblick des wech-
in welchem Zustand das Ehepaar Müller standen eingebettet in Imperata cylindrica heißen Sommertagen eine wohlige Atmo- selnden »Gartenschauspiels« zu verpassen.
diesen Garten vorfand: `Red Baron´. Für den roten Frühjahrsas- sphäre zum Lesen und Träumen schaffen. Sie kenne und beobachte jedes einzelne Ge-
pekt sorgte Iris b.-e. `Red Orchid´. Parrotia hölz, jede einzelne Staude und überwache
Sie erwarben 2013 die sehr geschmack- persica, Sambucus nigra `Red Lace´ und Die Auswahl der Gehölze und Stauden, ihr Wohlergehen. Es war zu erkennen, dass
volle Villa aus den 1960er Jahren auf in den Übergangsbereichen Cornus florida ihrer Charakteristika und Blühzeiten richten es dem Garten gut ging. Auch wir fühlten
einem 2.500 qm großen Grundstück im `Rubra´, Acer palmatum `Bloodgood´, sich danach, wie der Garten oder die Räume uns wohl und entspannt als Gäste in diesem
Hochtaunus, leider mit einem durch un- Cornus kousa `Milky Way´ sorgten für die des Wohnhauses im jahres- und tageszeit- Garten und genossen diesen Freitagnach-
sachgemäße Pflege und dilettantische Um- vertikale Struktur. Sie waren großzügig mit lichen Rhythmus genutzt werden und wie mittag im Mai.
gestaltungen von Terrassen und Treppen- graulaubigen Miscanthus sin. `Morning
anlagen grausam verstümmelten Garten. Light´ unterpflanzt, die hier einen wohltu-
Eigentlich nur noch eine traurige Ruine. enden Kontrast der Leichtigkeit bildeten.
Bei der ersten Besichtigung des »Tatortes« Ein Acer griseum mit seinen in der Abend-
hob Frau Müller deutlich hervor, dass sie sonne rotglühenden abgerollten Rinden-
© Petra Hirsch
diesen Anblick maximal einen Winter ertra- röllchen sorgte für den Abschluss. Von
gen mochte. Ein neuer, schöner und Freude dort gelangte man zur großzügigen Terras-
spendender Garten musste bis zum Sommer se oder seitlich abbiegend in den »HIBIS-
2014 entstanden sein! Das Grundstück selbst CUS-GARTEN«, weiter lustwandelnd
besaß eine traumhafte Lage: auf einem Hügel unter pittoresk ausgeschnittenen Carpinus
liegend mit freiem Blick vom Wohnhaus über bet. Pendulus zum »ROSEN-GARTEN«
© Marion Nickig
die gedachte, aber nicht vorhandene Mittel- des Hausherrn mit ca. 100 ausschließlich
achse des Gartens zur »Burg Königstein«. duftenden Rosen in 15 Sorten.
Betrachten wir nun den Garten: Grundlage Zurück zum Gartenkonzept: Der Schwung
der Gestaltung ist die proportional zum der Wege führt zur Mittelachse des Gar-
Haus, zum Garten und zur Höhendifferenz tens mit einer Bank unter dem Dach einer
gestaltete Terrasse und deren An- und malerisch schräg gewachsenen Larix
Einbindung in den Garten mit der Sicht- decidua. Hinter dieser Larix erstreckt sich
achse zur Burg. Das gestalterische Grund- im gesamten südlichen Kurvenbereich bis
gerüst ist das schwungvolle Wegekonzept, zur östlichen Grenze der »ASIATISCHE
inspiriert durch die Form des Grundstücks GARTEN«. Hier geht es vorbei an bizarr
© Petra Hirsch
© Petra Hirsch
und das Temperament der Bauherrin. Die gewachsenen Pinus banksiana, weiter zum
Wege verbinden und erschließen die un- »MAGNOLIENGARTEN« und schließ-
14 Zu Gast bei Claudia und Werner G. Müller Zu Gast bei Claudia und Werner G. Müller 15Ehemaliger Park der Villa Mumm – Geschosswohnungsbau
an der Kennedyallee auf historischem Gelände
DGGL-Führung 1. Einleitung Freifläche zwischen den Gebäuden. Im mit Bäumen bestanden war. Nur an der schützte Grünanlage ausgewiesen. Die Villa
26.06.2015 Die DGGL hatte zu einer öffentlichen aktuellen Baubereich konnte der Schicht- süd-westlichen Seite der Villa wurde eine Mumm und das Pförtnerhaus sind als Kul-
Führung durch die im Bau befindliche aufbau auf der Tiefgaragendecke erläu- halbrunde Rasenfläche mit einem Wasser- turdenkmal eingetragen. Darüber hinaus
Otfried Ipach Wohnanlage FRANK An der Kennedyal- tert werden. Das Bauvorhaben zeigte das becken angelegt. Der älteste vorliegende stehen die Einfassungsmauer mit Zaun und
lee in Frankfurt eingeladen. In dem ehe- breite Spektrum des Garten- und Land- historische Plan »Park von Mumm« von die Toranlage an der Kennedyallee unter
maligen Park der Villa Mumm wurden, schaftsbaus bis hin zur Sanierung der 1915 zeigt die Villa Mumm, das Pförtner- Denkmalschutz. Einige steinerne Vasen,
nach dem Abbruch des siebenstöckigen historischen Mauer mit Zaun und impo- häuschen an der Forsthausstraße (heute die im Parkgelände verteilt sind, stammen
Gebäudes der Deutschen Flugsicherung, santer Toranlage. Kennedyallee) und ein weitläufiges und noch von der ehemaligen Parkanlage. Die
neun mehrgeschossige Wohngebäude mit verzweigtes Wegesystem mit dem Haupt- einzig erhaltene historische Wegeführung,
mittiger Tiefgarage errichtet. Die Füh- 2. Geschichte des ehemaligen Parks der weg vom Frankfurter Weg (heute Mör- die Hauptwegetrasse vom Pförtnerhäus-
rung begann in der Villa Mumm. Hier Villa Mumm, Frankfurt am Main felder Landstraße) zur Forsthausstraße. chen bis zur Villa Mumm, wurde 1976
erläuterte Herr Hallfahrt vom Denkmal- Hermann Mumm von Schwarzenstein er- Durch den Ersten Weltkrieg verlor die durch den Neubau der Deutschen Flugsi-
amt der Stadt Frankfurt deren Historie. warb 1902 ein 12,5 Hektar großes Grund- Familie Mumm ihre Güter in der Champa- cherung zerschnitten.
Anschließend referierte Frau Mayerhofer, stück in der Villenkolonie am Frankfurter gne und damit ihre Haupteinnahmequelle.
Büro Ipach, über die Geschichte des ehe- Stadtwald und beauftragte den dänischen Sie verließ die Villa vor Beginn der 20er
maligen Parks, erläuterte die Projekthis- Architekten Aage von Kauffmann, eine Jahre des 20. Jahrhunderts.
torie und führte durch die Neuanlage Villa im neoklassizistischen Stil zu erbau-
der Außenanlagen. Die komplett fertig- en. Gleichzeitig entstand die Parkanlage im Die Stadt Frankfurt kaufte 1937 das Anwe-
gestellten Bereiche vermittelten bereits Charakter eines Waldparks, da das Gelände sen, und der östliche Parkbereich wurde
einen Eindruck von der großzügigen am Rande des Stadtwaldes großflächig zur Bebauung freigegeben. Ein Teil des
Parks wurde als Stadtwald festgesetzt. Der
restliche Park mit Villa und Wirtschafts-
gebäude wurde Staatseigentum und für
behördliche Zwecke genutzt.
Heute ist die Liegenschaft noch ca. 4 ha
© Otfrid Ipach
groß. Seit 1955 ist dort das Institut für
Angewandte Geodäsie (jetzt Bundesamt
für Kartographie und Geodäsie) unter-
gebracht. Der Erweiterungsbau entstand 3. Projekthistorie Die Toranlage im
1970. Das Institut überwacht unter ande- Auf Grundlage des Vorkonzepts von Wentz- renovierten Zustand.
rem die Drehung der Erde. Dabei geht es Concept (Projektentwickler) 2009 lobte
um die Abweichung zwischen der Zeitmes- FRANK Heimbau, Hofheim, 2011 einen
sung der Atomuhren und der astronomi- städtebaulichen Workshop mit Gutach-
schen Zeit, die am Sonnenstand gemessen terverfahren für den Hochbau aus. Die
wird. Alle paar Jahre muss nachjustiert teilnehmenden fünf Architekturbüros
werden, um die Koordinierte Weltzeit waren Planquadrat (Darmstadt), Turkali
aufrecht zu erhalten. Man fügt eine Schalt- Architekten, Landes + Partner, Meixner
sekunde ein, wobei das Bundesamt ent- Schlüter Wendt (alle Frankfurt am Main)
scheidet, wann dieser Vorgang notwendig und das Büro Ipach (Neu-Isenburg) als
ist. Zuletzt geschah dies in der Nacht vom Landschaftsarchitekt und externer Berater
30. Juni auf den 1. Juli 2015. für die Hochbaukollegen. Die Jury für die-
sen über drei Monate angesetzten Workshop
Die Anlage der Villa Mumm steht heute bestand aus Vertretern der Stadt Frankfurt -
© Wolf-Dieter Hirsch
unter Denkmalschutz. Die heutige Rest- Leiter der Bauaufsicht Hr. Dr. Kummer und
parkfläche, ca. ein Drittel der ehemaligen Hr. Neubauer, Bauaufsicht -, Vertretern des
Parkanlage von Mumm, ist als denkmalge- Bauherrn Frank Heimbau GmbH Hofheim
16 Ehemaliger Park der Villa Mumm Ehemaliger Park der Villa Mumm 17der Historie der Parkanlage von Mumm. erhalten werden. Einzelne Charakterbäume sorgfältige und sehr gelungene Ausführung
Die FRANK an der Kennedyallee GmbH wurden freigestellt. Die Pflanzenauswahl der Außenanlagen war Firma August Fich-
beauftragte das Büro Irmela Löw, Frankfurt, für die Gehölzcluster in den Rasenflächen ter GmbH aus Raunheim verantwortlich.
eine gartendenkmalpflegerische Recherche orientierte sich unter anderem an historisch Firma Nüthen Restaurierungen GmbH &
durchzuführen und die Belange des Denk- dokumentierten Pflanzenarten im Wald- Co. KG aus Erfurt führte gewissenhaft und
malamtes bereits im Vorfeld einzubeziehen. park, wie Taxus und Rhododendron. fachgerecht die Sanierung der historischen
Wichtig war die Wiederherstellung der Anlagen aus. Die Betonsitzquader und
historischen Wegeverbindung vom Pfört- Mit dem Bundesamt für Kartographie und großformatigen Platten in den Eingangs-
nerhaus an der Kennedyallee bis zur Villa Geodäsie wurden Festlegungen hinsicht- bereichen sowie die Mauerabdeckungen
Mumm. Die ursprünglich begleitende Allee lich der Grenzbepflanzung mit Heckenro- und Sockelsteine für die neue Mauer, in
konnte aufgrund der Erfordernisse für die sen abgestimmt und zur Optimierung der
Feuerwehr (Zufahrten und Aufstellflächen) Grundstückszuschnitte tauschten Frank
nur im Bereich des Pförtnerhäuschens ver- Heimbau und das Bundesamt Flurstücke.
wirklicht werden. Die hellen geschwunge- Zahlreiche Abstimmungen mit der Bauauf-
nen Asphaltwege im Quartier stehen als Zi- sicht, dem Denkmalamt und dem Umwelt-
tat für die Wegeführungen des ehemaligen amt waren für das Bauvorhaben erforder-
Landschaftsparks. Haupt- und Nebenwege lich. Ein faunistischer Gutachter entdeckte
differenzieren sich durch unterschiedliche den unter Schutz stehenden Heldbockkäfer
Wegebreiten. Die historische Treppenanlage in einer abgängigen Eiche. Diese wurde
zur Villa Mumm wurde erhalten. fachgerecht so zurückgeschnitten, dass
keine Unfallgefahr für die Bewohner besteht
Herr Hallfahrt vom Denkmalamt begleitete und der Heldbockkäfer dort weiter leben
intensiv die Sanierung der denkmalge- kann. Da Eichen auch potentielle Lebens-
schützten Mauer mit Zaun und Zauntor. räume für Hirschkäfer sind, wurde im Wald-
Die zugewachsene Mauer und der Zaun bereich eine Hirschkäferwiege aus Eichen-
© Planquadrat Elfers Geskes Krämer Part.G. (2)
wurden zunächst freigestellt, defekte Steine stammabschnitten angelegt.
ausgetauscht und der Mauersockel aus
Basaltlava stellenweise gerichtet. In Anleh- Besondere planerische Herausforderung
nung an ein historisches Rosenrondell im lag in der Integration parkunverträglicher
Bereich der Mauerrundung im Norden soll Planungsinhalte. So wurden die Feuer-
noch eine mit Rosen bepflanzte Holzpergo- wehrzufahrts- und Aufstellflächen in
la als Sitzplatz eingebaut werden. Schotterrasen hergestellt und mit dezen-
© Wolf-Dieter Hirsch (2)
Abbild. oben: Plan- und MOW-Architekten, vertreten durch ten niedrigen Markierungsquadern und
quadrat Elfers Geskes Frau Giebel. Ziele des Workshops waren die Um weitere Freiflächen für die hochwer- Pollerleuchten gekennzeichnet. Entlang der
Krämer Part.G. städtebauliche Überprüfung der Gebäude, tige Wohnbebauung zu erhalten, erwarb Richard-Strauß-Allee wurde neben dem
der Freiraumqualität, der Wege- und Sicht- Frank Heimbau zusätzlich den 20 Meter neuen Trafobauwerk der Besucherparkplatz
beziehungen unter Berücksichtigung der breiten städtischen Grünstreifen zwischen angelegt, den eine Taxushecke zur Straße
Parkhistorie und eine verkehrsfreie innere der Kennedyallee und dem eigenen Grund- hin kaschiert. Das 100-jährige Hochwasser Anlehnung an die historische Mauer, lieferte Foto oben: Hirsch-
Erschließung des Grundstücks. Als Ergeb- stück. Offene Rasenflächen mit Solitärbäu- des Luderbachs erforderte die Anlage von Firma Rinn Beton- und Naturstein GmbH käferwiege aus Eichen-
Retentionsräumen in den Außenanlagen. & Co. KG aus Heuchelheim. Auch die spe- stämmen.
nis erfolgte die Gebäudeanordnung unter men und Gehölzclustern um die Wohn-
anderem so, dass möglichst viele Sichtbezie- gebäude prägen nun die Freiflächen des Rasenmulden im Gelände kompensieren ziell für dieses Bauvorhaben von Büro Ipach Foto unten: Treppen-
hungen zur Villa Mumm entstanden. neuen Wohnquartiers. Der Charakter des heute das durch die Baukörper verloren entworfenen Markierungsquader für die anlage zum histori-
Waldparks ist im südlichen Bereich heute gegangene Überflutungsvolumen. Feuerwehrflächen wurden als Sonderteile schen Gartenteil.
4. Konzeption der Außenanlagen noch zu spüren. Ein Rindenhäckselweg führt von Firma Rinn gefertigt. .
Das Leitbild der Außenanlagenplanung durch den vorhandenen Waldbestand und Dank der Bewirtung durch Fa. Fichter mit
war der Siesmayersche Landschaftspark des bindet den Waldspielplatz ein. Der überwie- kalten Getränken und Knabberzeug war die
19. Jahrhunderts, unter Berücksichtigung gende Teil des Baumbestands konnte hier Führung keine »trockene Baustelle«. Für die
18 Ehemaliger Park der Villa Mumm Ehemaliger Park der Villa Mumm 19Magie der Orte – urbane Räume im Kontext
Vortrag zur Landschaftsarchitektur bereitet ein weites ist sie in der Symbolik, Heilkunde und im tion, Nutzungsansprüchen, ökologischer Umfragen und Untersuchungen, die die Foto links:
DGGL Hessen Feld von Chancen und Möglichkeiten im Nutzen bis hin zur Verschönerung der Le- Bedingtheit und Nachhaltigkeit werden heutigen Wünsche der Bürger an die Stadt, Elisengarten.
Mitgliederver- Wandel der Epochen, die sich stetig ver- benswelt des Menschen. Jede Gesellschaft selbstverständlich, sind konzeptimmanent, den öffentlichen Raum notieren, steht der
Foto rechts:
sammlung ändernden Gesellschaftsformen, die Schich- und Epoche entwickelte eine ganz eigene haben keinen ausschließlichen Charakter. Park, inmitten der Stadt, immer ganz oben Kurbad Meran.
14.04.2015, tung des kulturellen Erbes. Auch wird die Verwendung und Formensprache bei der – gleichgültig, welche Altersgruppe oder
19.00 Uhr Vorstellung von Natur, Landschaft und ur- Sorten- und Artenwahl, bei Habitus und Die neuen Konzeptionen erwarten inter- Bevölkerungsschicht man befragt. Jeder
Palmengarten, banem Raum durch den Menschen immer- Phänologie. Individuelle und reflexive An- disziplinäre Zusammenarbeit als Team mit wünscht sich großzügige Naturräume,
Frankfurt zu neu definiert sowie in der vielfältigen wendung der Pflanzenverwendung schafft Stadtplanern, Architekten, Verkehrsplanern, Parks oder Gärten, und jeder stellt sich da-
am Main Wechselwirkung des Anthropogenen mit zeitgenössische, authentische, identitäts- Lichtplanern, Künstlern, Ökologen und bei etwas anderes vor. Die Landschaftsar-
dem Natürlichen fortgeschrieben. Mit stiftende und charakterbildende Orte im Pflanzschulisten. chitekten, traditionell ambitioniert, jedoch
Prof. Cornelia dem gestärkten Bewusstsein für die Umwelt Gefüge von Zeit und Raum, auch durch die nicht zu verwechseln mit rückwärtsge-
Müller wird die Theorie und Praxis zur Konzept- jahreszeitlichen Aspekte der raumbildenden Die Kulturgeschichte bietet Konzepte, Kom- wandtem Bewusstsein, sind Visionäre, den-
findung und dem Entwerfen von »einfach, Wirkung und wechselnder Atmosphäre. positionsregeln, Bilder, Formen, Symbolik, ken ebenfalls an die Gestalt, die Entstehung
Lützow 7 eindeutig und eindrucksvoll« der dem Die Pflanze und das mit ihr geschaffene Bild die es zu entdecken und weiterzuentwickeln urbaner Orte und die Unverwechselbarkeit
C. Müller Natürlichen innewohnenden Konsequenz von Garten und Landschaft lebt gleichfalls gilt. Die Vollkommenheit der Schöpfung, der Adresse.
J. Wehberg nähergebracht. In der Tradition der Garten- mit dem Jahr, altert und vergeht, macht der Natur und der gestaltende Eingriff sind
Landschafts- und Landschaftsarchitektur kommt der wieder Platz für die zukünftige Entwick- a priori keine unversöhnlichen Gegensätze So z. B. der Elisengarten in Aachen als
architekten Pflanze hierbei ein besonders hoher Stellen- lung. Das Neue soll für den Ort und die und lassen es zu, die Geschichte eines Ortes öffentlicher Garten: Neben der räumli-
Berlin wert zu. Mannigfaltig gefragt und gesucht Adresse sprechen. Fragen nach Partizipa- immer wieder neu zu erzählen. Bei allen chen und denkmalgerechten Öffnung des
© Erik Jan Ouwerkerk
© Jîrg Hempel
20 Magie der Orte – urbane Räume im Kontext Magie der Orte – urbane Räume im Kontext 21und zur Kontemplation. Gleiches gilt für Orte auch repräsentative Orte, die Gelas- Fotos links:
öffentliche Parks mit überregionaler Be- senheit und Atmosphäre für den Besucher Regierungsviertel,
Berlin.
deutung, wie z. B. die Revitalisierung und vermitteln, wie das neue Regierungsviertel in
Stadtplatz Kesselbrink,
städtebaulich/landschaftsarchitektonische Berlin im Spreebogen. Der 1997 internatio- Bielefeld.
Neuordnung des Kurbades Meran. nal ausgelobte Wettbewerb - Freiflächen im
neuen Regierungsviertel von Berlin - war Fotos rechts:
Urbane Orte und Prägnanz, wie z. B. das mit einem 1. Preis für Lützow 7 Ausgangs- Neanderthal Museum,
Internationale Handelszentrum in Berlin punkt für die Realisierung und Schaffung Mettmann.
Int. Handelszentrum,
oder der Stadtplatz Kesselbrink in Biele- eines Ortes der Begegnung zwischen Öffent-
Berlin.
feld, entstehen durch intensive, konsequen- lichkeit und »der am Ort sichtbar, greifbar
te und thematische Konzeptentwicklung werdenden Politik«. Der Raum als Bühne
und sachlich-fachliche, sorgfältige Präzision interpretiert den Stadt- und Landschafts-
in der Ausführung, was die Transformation raum, die Textur, das Maß des Ortes und
eines Ortes gelingen lässt. Die Unverwech- fügt dem Gesamtensemble behutsam und
selbarkeit und Individualität wie z. B. beim sensibel eine eigene landschaftsarchitektoni-
Gartens im Umfeld des Doms stand die Jüdischen Museum Berlin, dem Nean- sche Sprache hinzu. Die neuen Parkanlagen Tiergartens und der Spree als Flussraum.
Integration unterschiedlichster Nutzungs- derthal Museum in Mettmann oder dem verstehen sich als demokratischer Raum Zitat: »…was wir davon hoffen, ist die
ansprüche im Vordergrund. Die Neuge- Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück sind mit einer repräsentativen Gelassenheit Wirkung und die Macht des Beispiels«
staltung bietet Orte urbanen Aufenthalts weitere Aspekte. Last not least sind urbane zwischen den weiten Flächen des Berliner Peter Joseph Lenné
© Erik Jan Ouwerkerk (4)
22 Magie der Orte – urbane Räume im Kontext Magie der Orte – urbane Räume im Kontext 23Dazwischen oder da draußen?! Grüne Räume in der Region
Wahrnehmung des Kennen Sie vielleicht noch den Begriff Zuzugs von jährlich 15.000 Menschen allein haben: Die Schaffung des Regionalparks geschaffen, die historische, wirtschaftliche
Grüns zwischen des Bauerwartungslandes? Früher, als nach Frankfurt scheint für manchen wieder Rhein-Main. Die Idee war und ist bis heute, und heimatkundliche Bezüge zum Stand-
Stadt und Region noch kaum von Ökologie und wenig vom jede freie Fläche, selbst wenn sie mittlerwei- die regionalen Grünzüge endlich für jeder- ort herstellen. Beispielsweise verweist das
Vortrag DGGL Landschaftsschutz die Rede war, da wur- le geschützt ist, zur Disposition zu stehen. mann erfahrbar zu machen. Dahinter stand 1997 in Hattersheim geschaffene Rosari-
06.05.2015 den gerne gemeinhin die freien Flächen der Gedanke, dass Dinge, die man kennt und um darauf, dass bis in die siebziger Jahre
am Rand einer Kommune, die Äcker und Als ob sie es geahnt hätten, haben im Rhein- schätzt, weniger schnell aufgegeben werden von der Main-Taunus-Kommune aus
Mechthild Harting Felder, als Bauerwartungsland bezeichnet. Main-Gebiet zwei Generationen von Regi- als noch so gut gemeinte Planeinträge. das Rhein-Main-Gebiet mit Schnittrosen
Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, onalplanern ihre Aufmerksamkeit auf den versorgt wurde. In Frankfurt-Oberrad, wo
wann auch diese Areale sich in Neubauge- Schutz des Grüns zwischen den Kommunen Der Begriff des Parks im Wort Regional- die sieben Kräuter der Grünen Soße ange-
biete verwandelten. gelegt. Schon in den sechziger Jahren haben park ist dabei ein wenig verwirrend. Denn baut werden, hat der Regionalpark sieben
sie – zumindest für den Kern des Ballungs- es sollten »draußen« vor den Toren der Gewächshäuser errichten lassen, jedes steht
Heute wird der Ausdruck in aller Regel nur raums – entschieden, regionale Grünzüge Städte nie Grünanlagen im klassischen für eines der Grüne-Soße-Kräuter.
noch im juristisch korrekten Sinn gebraucht. auszuweisen, um sie vor Bebauung zu Sinne geschaffen werden. Vielmehr geht es
Aus dem allgemeinen Sprachgebrauch ist schützen. Ebenso wurden die Kalt- und um ein gut erschlossenes Wegenetz durch Rund 550 Kilometer Regionalpark-Routen
er weitestgehend verschwunden. Auch die Frischluftschneisen markiert, die vor allem die Landschaft des Rhein-Main-Gebiets. gibt es inzwischen, dazu seit 2011 eine
Haltung, nicht bebaute Wiesen und Felder der Großstadt Frankfurt in den Sommer- Die Landschaft soll zum Park werden. 190 Kilometer lange, durchweg befahrbare
per se als potentielle Siedlungsflächen zu monaten ein erträgliches Klima erhalten Und so wie es im klassischen Landschafts- Rundroute, die in einem großen Bogen
sehen, hat sich in den vergangenen 20 Jah- sollen. Natürlich ist in der Zwischenzeit garten unverhofft Blickachsen etwa zu rund um Frankfurt führt. Und die Macher
Foto unten links:
Das Grüne-Soße-
ren immer weiter abgeschwächt. Das Grün hier und dort in die regionalen Grünzüge eigens geschaffenen Ruinen und Brücken bauen und planen weiter. Eines haben sie
Denkmal in den »da draußen« hat im naturschutzrechtlichen hineingebaut worden, sind Kaltluftschnei- gibt, versuchen auch die Macher entlang schon erreicht: Die Routen werden genutzt, Foto unten links:
Kräuterfeldern in Sinn, aber auch in den Köpfen der Bürger sen ignoriert worden, dennoch ist eine der Routen Attraktionen zu schaffen. Da die Menschen sind in der Region unter- Das »Sonnendeck«
Frankfurt-Oberrad. allmählich einen Wert bekommen. Doch in planerische Hürde entstanden, die es zu wird Vorhandenes wie Aussichtspunkte wegs und kennen mittlerweile ihre Land- bei Friedrichsdorf-
Zeiten, in denen - wie derzeit in der Rhein- überwinden gilt, ehe gebaut werden kann. und Naturdenkmäler einbezogen, aber es schaft. Zumindest entlang der Routen ist Seulberg.
Foto unten rechts:
»Sitzkiesel« als ein
Main-Region - die Städte in den Ballungs- werden auch neue Attraktionen errichtet das Grün der Region dank dieser Popula-
Foto unten rechts:
Erkennungszeichen räumen unerwartet stark wachsen, erlebt die Für den Bürger sehr viel deutlicher zu spüren wie Türme, Stege und Plattformen, von rität geschützt. Was für ein Erfolg für die Skyline-Blick: Die
der Regionalpark- Bauerwartungsland-Mentalität eine über- ist die Entscheidung, die Regionalplaner denen ein weiter Blick in die Region mög- Planer und deren tolle Idee eines Regional- Regionalpark-Rund-
Rundroute. raschende Renaissance. Angesichts eines 20 Jahre später, im Jahr 1988, getroffen lich ist. Und es werden Anziehungspunkte parks Rhein-Main! route bei Steinbach.
© Wolfgang Eilmes
© Regionalpark (2)
© Regionalpark
24 Grüne Räume in der Region Grüne Räume in der Region 25Wenn man in einem Garten nicht träumen kann ...
Gartenfilme im In Kooperation mit Ilona Grundmann gen und Gartenliebhabers Tim Smit. Von Im Kosmos des Charles Jencks Mathematik. Er wollte mit diesem Garten
Schloss Biebrich Filmproduction und der Deutschen den Anfängen im Jahr 1995 bis zur Eröff- An der schottischen Westküste, nordwest- althergebrachte Vorstellungen, wie ein Gar-
Film- und Medienbewertungsstelle nung der Anlage vergingen sechs Jahre. Ziel lich von Dumfries, ist einer der spektaku- ten aussehen soll, in Frage stellen.
Samstag, lud die DGGL Hessen im Rahmen der war es, eine natürliche Umgebung nach- lärsten Gärten unserer Zeit entstanden:
21.11.2015, Veranstaltungsreihe »Der Grüne Salon« zuahmen, um Pflanzen und auch einige The Garden of Cosmic Speculation. Vor allem die Anwendung des Konzepts
19.00 Uhr am 21. November 2015 zu einer Filmvor- Tierarten aus aller Welt dort unterbringen der »geborgten Landschaft« macht den
führung ein. Aus der Sendereihe »NEUE zu können. Gemeinsam mit seiner Frau Maggie Kes- Garden of Cosmic Speculation zu einem
Filmsaal der FBW GARTENKUNST« präsentierten wir in wick, einer renommierten Expertin der eindrucksvollen Kunstwerk. Jencks und
Wiesbaden Schloss intimer Studio-Atmosphäre drei Filme Unter den Dächern aus Kunststoff-Folie Geschichte chinesischer Gartenkunst, hat seine (inzwischen verstorbene) Frau Mag-
Biebrich, Ostflügel auf großer Leinwand. Es war ein Film- beherbergt das »Eden Project« eine Pflan- Charles Jencks eine Gartenlandschaft mit gie Keswick nahmen sich die chinesische
abend für Menschen, die schöne Gärten zensammlung quer durch die Klimazonen riesigen Grashügeln und wundervollen Gartenphilosophie zum Vorbild. So ist ihr
Monika und gute Filme lieben. Unsere Gäste der Welt: Über 100.000 Pflanzen aus ca. Teichlandschaften geschaffen. Dazu Terras- Garten auch eine miniaturisierte und idea-
Horlé-Kunze waren begeistert, die Filme beeindru- 5.000 Arten versammeln sich in dem von sen, Treppen und Kunstwerke. Inspiration lisierte Form der schottischen Highlands.
ckend und inspirierend, der Abend war Menschen geschaffenen Biosphärenreser- fand Charles Jencks in Wissenschaft und
ein großer Erfolg. vat. Ein Schwerpunkt liegt auf Pflanzung
und Nachzucht vom Aussterben bedrohter
seltener und alter Sorten.
Das »Eden Project« von Tim Smit
Wie intergalaktische Riesenwaben liegen Der Rundgang durch die »Biome« führt
die größten Gewächshäuser der Welt in von Olivenhainen des Mittelmeerraumes
Cornwall. Nahe der südenglischen Klein- bis zum tropischen Regenwald. Gründer
stadt St. Austell erheben sich futuristische Tim Smit verwirklichte mit dem Projekt
High-Tech-Kuppeldächer bis zu einer Höhe seinen Traum vom Paradies – und eine
von 55 Metern. Das »Eden Project« entstand Attraktion, die täglich mehrere tausend
nach einer Idee des englischen Archäolo- Besucher anlockt.
© Ilona Grundmann Production(4)
26 Wenn man in einem Garten nicht träumen kann ... Wenn man in einem Garten nicht träumen kann ... 27Zen und die Gärten von »NEUE GARTENKUNST« – die Filmreihe
Shunmyo Masuno Die 13-teilige ARTE-Sendereihe »NEUE
Die japanische Gartenkunst hat eine jahr- GARTENKUNST« dokumentiert die welt-
hundertealte Tradition und beeinflusst welt- weit interessantesten Facetten und Protago-
weit zeitgenössische Gartendesigner. Shun- nisten zeitgenössischer Gartengestaltung.
myo Masuno ist einer der wichtigsten Gar-
tenkünstler unserer Zeit: Der 50-jährige Im Auftrag von ZDF/ARTE besuchte Re-
Professor für Gartendesign lebt in Yoko- gisseur Christoph Schuch mit dem Kame-
hama, der zweitgrößten Stadt Japans. Er ist ramann Rüdiger Kortz und dem Tonmann
Zen-Priester in der 18. Generation und der Hans Warth-Leimbert Landschaftsarchi-
letzte Geistliche, der aus dieser religiösen tekten und Gartenkünstler in Europa,
Inspiration heraus Gärten anlegt. Doch der Asien, Australien und den USA.
Zen-Mönch zieht sich nicht hinter Kloster-
mauern zurück. Seine Entwürfe finden sich Produziert wurde die »NEUE GARTEN-
mitten in den Zentren der Metropolen To- KUNST« von 2001 bis 2005 von der Ilona
kio und Yokohama. Diese zeitgenössischen Grundmann Filmproduction aus Wiesba-
Gärten sollen nach dem Willen Masunos den. Die Filme haben eine Länge von 26
Oasen der Ruhe und Besinnlichkeit für Minuten. Im Jahr 2007 wurde »Im Kosmos
gestresste Großstadtbewohner sein. Das Set- von Charles Jenks« stellvertretend für die
zen der Steine ist für Shunmyo Masuno der gesamte Reihe mit dem 1. Preis für die bes-
entscheidende Akt seiner Gartengestaltung. te Dokumentation beim Gartenfilmfestival
in Gaillac, Frankreich, ausgezeichnet.
Wir freuen uns sehr, dass wir diese wun-
derbare Reihe mit unseren Kooperations- Ilona Grundmann Production
partnern im Jahr 2016 fortsetzen können. Seit mehr als 30 Jahren produziert Ilona
Am 18. November 2016 zeigen wir im Ost- Grundmann vielfach preisgekrönte Filme,
flügel des Schloss Biebrich drei weitere Kultur-Dokumentationen, Features und
Filme aus der Reihe »Neue Gartenkunst«. Porträts aus allen Teilen der Erde.
© Ilona Grundmann Production(5)
28 Wenn man in einem Garten nicht träumen kann ... Wenn man in einem Garten nicht träumen kann ... 29Vom Untergang des Bösen zum Untergang der Erkenntnis –
Gartendarstellung in Lars von Triers Melancholia (2011)
Vortrag im 2011 schickte der dänische Regisseur Lars Der Garten als Sinnbild des Werke der Gartenkunstgeschichte negativ, Postmoderne. Diese ist gekennzeichnet
Palmgarten von Trier mit Melancholia einen Film in die Bösen in der Welt die den menschlichen Eingriff in die Natur von dem Bewusstsein, dass sich die Welt
Frankfurt Kinos, der in bildgewaltiger Schönheit den Von Triers Film stellt uns den Garten zur Anschauung bringen. Sie folgt damit auf einer eindeutigen Deutung entzieht und
am Main Untergang der Welt darbietet. Ursache ist hingegen als Sinnbild des Bösen vor und der visuellen Ebene einer naturrechtlichen sich der Blick auf dieselbe je nach Pers-
11.11.2015 ein riesiger Gasplanet, der sich auf Kolli- den Weltuntergang als apokalyptische Ethik, die »Natürlichkeit« mit dem Guten und pektive verändert. Als Resultat entstehen
sionskurs mit der Erde befindet und diese Befreiung von diesem, insofern eine Pro- einem Abweichen von derselben mit Ver- verschiedene gleichwertige Annahmen
Prof. Dr. auch letztlich erreicht. Die verbleibenden tagonistin meint: »Life on earth is evil. We fehlung gleichsetzt; so auch in Melancholia. über die Welt. Die Darbietung des physi-
Nina Gerlach Stunden vor dem Ende alles Irdischen lässt don’t need to grieve for it.« Der Garten steht kalisch nicht zu erklärenden Schattenspiels
von Trier auf dem schwedischen Schloss also in von Triers Film gerade nicht für die Gartendarstellung als Symbol des in L’Année dernière à Marienbad kann als
Tjolöholm (1898-1904) und in dessen ar- gelungene Schöpfungsnatur, sondern für Verlusts des Erkenntniszugangs zur Welt Sinnbild dieses Verlusts von eindeutiger
chitektonischem Gartenkunstwerk spielen. deren Zerstörung durch Unmoral. Diese Die Inszenierung des Gartenkunstwerkes Gewissheit angesehen werden, den der
Welt und Garten fallen in Melancholia also Verknüpfung moralischer Verfehlung und von Schloss Tjolöholm in Melancholia Mensch in der Postmoderne erfährt. In
im doppelten Sinne zusammen. architektonischer Gartenkunst ist filmhisto- erinnert zudem an Alain Resnais’ Film der Perspektive dieses filmhistorischen
risch nichts Außergewöhnliches. So werden L’Année dernière à Marienbad (1961). In Gartenzitats wäre dann der Weltuntergang
Der Garten als Sinnbild einer guten Welt etwa in Stanley Kubricks Paths of Glory der berühmtesten Einstellung des fran- in Melancholia auch als Verlust des einen
Das metaphorische Verständnis des Gar- (1957) drei Soldaten unschuldig auf dem zösischen Klassikers werfen zahlreiche gesicherten Weltzugangs in der Postmo-
tens als Welt hat Tradition. So sieht etwa die Parterre von Schloss Schleißheim hinge- Personen ihren Schatten auf die Hauptach- derne zu deuten.
natürliche Theologie die Welt als Garten, richtet und in Lewis Gilberts Moonraker se der Anlage von Schloss Nymphenburg;
Weiterführende Literatur:
insofern sich in ihrer natürlichen Vollkom- (1979) bewohnt ein Rassenideologe Schloss die künstlichen »Buchsbaumpyramiden«, Nina Gerlach: Gartenkunst im Spielfilm. Das Filmbild als Argument. München: Wilhelm
menheit göttliche Vollkommenheit spiegle. Vaux-le-Vicomte. Dem gegenüber stehen die dort aufgestellt wurden, jedoch nicht. Fink Verlag 2012.
Nina Gerlach: »Das kinematographische Bild der Vierten Natur«. In: Stefan Schweizer,
Verbreitung findet diese Deutung irdischer in der Filmgeschichte seit 1945 zumeist Von Triers Gartendarstellung zeigt eben- Sascha Winter (Hg.): Geschichte der Gartenkunst in Deutschland. Von der frühen
Neuzeit bis in die Moderne: Geschichte – Themen – Perspektiven. Regensburg: Schnell +
Natur bis heute, etwa durch Verfilmungen Landschaftsgärten und die Gärten der Arts falls ein irritierendes Schattenspiel. Die Steiner 2012, 479-491.
Christoph Grunenberg/Eva Fischer-Hausdorf (Hg.): Letztes Jahr in Marienbad. Ein Film
wie Frances H. Burnetts The Secret Garden & Crafts-Bewegung. Ihre augenscheinliche Eiben der Anlage von Schloss Tjolöholm als Kunstwerk. Köln: Wienand 2015.
(1911), wenn es dort heißt: »If you look the Natürlichkeit dient in Kinder- und Liebes- werfen Schatten in zwei Richtungen. Andreas Jacke: Krisen-Rezeption oder was Sie schon immer über Lars von Trier wissen
wollten, aber bisher Jacques Derrida nicht zu fragen wagten. Würzburg: Königshausen
right way, you can see that the whole world filmen als Kulisse menschlichen Glücks. Wie ist dieses Zitat zu deuten? Resnais’ & Neumann 2014.
Christopher Peterson: »The Magic Cave of Allegory. Lars von Trier’s Melancholia«. In:
is a garden.« (Holland 1999). Die Filmgeschichte besetzt somit diejenigen Werk gilt als eines der ersten Filme der Discourse 35/3 (2013), 400-422.
Grafik © B.Riedel
30 Gartendarstellung in Lars von Triers Melancholia Gartendarstellung in Lars von Triers Melancholia 31Sie können auch lesen