AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin

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AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
AIV-Schinkel-Wettbewerb
2018
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
HKS 41

                                100c 90 m 0y 10k

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AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
Inhalt
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018

Vorwort                                                        3

Förderer und Medienpartnerschaften                             4
AIV-Schinkel-Wettbewerb                                        5
Diesing-Preis                                                  7
Einführung in das Wettbewerbsgebiet und die Aufgabenstellung   8

Aufgabenstellung „Spandau Ballet“                              11
Drei Kieze für Spandau (Schinkelpreis)                         12
There‘s A New Kid On The Block (Diesing-Preis)                 14
Forum Spandau (Diesing-Preis)                                  15
Fortsezung folgt (Anerkennungspreis)                           16
Spandau im Quadrat (engere Wahl)                               17
Stadt – Raum – Integration (engere Wahl)                       18

Aufgabenstellung „Stadtoase – und dennoch voll integriert“     19
Spandauer Dialog (Erwähnung)                                   20

Aufgabenstellung „Im Alltäglichen das Besondere finden“        21
Leschij (Schinkelpreis)                                        22
Orchideenpark (Sonderpreis)                                    24
Grünzug (Anerkennung)                                          25
Projekt Atacama – Gemeinsam aufblühen (engere Wahl)            26
Freiraum verweben (engere Wahl)                                26
Stadt – Raum – Integration (engere Wahl)

Aufgabenstellung „Nahversorgung als Super-Mix“                 27
Nahversorgung als Super-Mix (Schinkelpreis)                    28
Nahversorgung als Super-Mix (Diesing-Preis)                    30
Supergrid (Sonderpreis)                                        31
Polymatrix (engere Wahl)                                       32
Grüne Welle (engere Wahl)                                      32

Preisträger im AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018                    33
Mitglieder des Schinkel-Ausschusses                            34

Impressum

                                                                    1
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018
Vorwort

Ideenwettbewerbe erlauben einen frischen Blick auf komplexe Problemlagen. Fern der stadtentwicklungspolitischen
Planungsrealität greift der AIV-Schinkel-Wettbewerb immer wieder Themen aus der aktuellen Diskussion auf und ver-
sucht, möglichst viele eigenständige Ansätze in einer Art „Werkstatt der Ideen“ in diese Diskussion einzubringen.

  Die steigende Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum prägt die aktuelle Debatte in Berlin. Zahlreiche Areale wer-
den als Potentialflächen für Wohnungsbau identifiziert, darunter auch das Wettbewerbsgebiet in Spandau.

   Der AIV-Schinkel-Wettbewerb will in diese Diskussion eigene Impulse geben und suchte Konzepte für eine ange-
messene Nachverdichtung der ehemaligen Kasernengelände, beziehungsweise die Entwicklung eines Leitbilds für ein
neues, lebendiges Stadtquartier. Insbesondere die Abwägung zwischen der angemessenen Dichte für ein urbanes Um-
feld einerseits und der notwendigen Großzügigkeit für ein zukunftsweisendes Wohnquartier war in diesem Zusam-
menhang darzustellen. Dabei war die aktuelle Nutzung einiger Bauten als Unterkunft für Geflüchtete in das Konzept
mit einzubeziehen. 75 Arbeiten beschäftigten sich mit der städtebaulichen Aufgabenstellung, u.a. in Kooperationen
mit der Architektur, der Landschaftsarchitektur und der Verkehrsplanung.

   Die Heterogenität des Wettbewerbsgebiets wirft die Fragestellung auf, wie sich die vorhandenen Freiräume zu ei-
nem großzügigen Stadtpark zusammenfassen lassen, ohne die bestehenden Kleingartenanlagen und Bestandsbauten
einfach abzuräumen. In 16 Arbeiten untersuchten Teilnehmer*innen, wie Verbindungen und Übergänge zwischen den
großen Grünzügen einerseits und den Wohnquartieren andererseits konzipiert werden können, um ein klares land-
schaftsarchitektonisches Gesamtkonzept zu entwickeln.

   Der AIV-Schinkel-Wettbewerb begreift sich auch als Impulsgeber für Themen, will Fragestellungen formulieren und
Diskussionen anstoßen: Wie kann der wertvolle Stadtraum attraktiv gemacht werden? Und wie soll mit den denkmal-
geschützten Bestandsbauten umgegangen werden? Dieser Frage widmeten sich 36 Arbeiten aus der Architektur und
dem Konstruktiven Ingenieurbau, teilweise in Kooperation mit der Denkmalpflege. Künstlerisch setzte sich mit dem
historisch schwer belasteten Areal leider keine Arbeit auseinander.

   Bedauerlicherweise auch holte nach der Veröffentlichung des Wettbewerbsthemas und im Verlauf der Bearbei-
tungszeit die politische Entwicklung den AIV-Schinkel-Wettbewerb ein. Die ehemaligen Kasernenanlagen nördlich der
Schmidt-Knobelsdorf-Straße sollen nun Standort einer Antiterroreinheit der Bundespolizei werden. Dennoch möchte
der Wettbewerb mit seinen Ergebnissen noch einmal die Diskussion anstoßen, indem er aufzeigt, was ein offenes, le-
bendiges Quartier an diesem Standort für Spandau leisten könnte.

  Mit den Entwurfsaufgaben des AIV-Schinkel-Wettbewerbs 2018 beschäftigten sich insgesamt 321 Teilnehmer*innen
aus Deutschland, Belgien, Dänemark, Italien, den Niederlanden, der Russischen Föderation und der Schweiz. Prämiert
wurden zehn Arbeiten mit Schwerpunkten in den Fachsparten Architektur, Städtebau, Landschaftsarchitektur sowie
konstruktiver Ingenieurbau. Insgesamt standen dazu Preisgelder in Höhe von 24.500 € zur Verfügung.

    Ohne die Zuwendungen unserer zahlreichen Förderer und Unterstützer wäre die Durchführung des Verfahrens nicht
möglich, auch würde der AIV-Schinkel-Wettbewerb ohne die vielen Stunden, die der Schinkelausschuss in ehrenamtli-
cher Tätigkeit in die Organisation des Wettbewerbs steckt, nicht stattfinden können. Und auch nicht ohne die Vorprü-
fer*innen, die teilweise bis aus Stuttgart zur Vorbereitung der Preisgerichtssitzung anreisen. Wir danken allen Betei-
ligten für ihre tatkräftige Unterstützung.

                                                                                                                         3
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

                                          100c 90 m 0y 10k
                                                                                             AIV-Schinkel-Wettbewerb
                                                                                             Ideen- und Förderwettbewerb
                                                                                             für junge Menschen aus den Fachsparten Städtebau,
                                                                                             Landschaftsarchitektur, Architektur, Bauingenieurwesen,
                                                                                             der Verkehrsplanung und der Freien Kunst

                                                                                             Bericht März 2018

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          Förderer des AIV-Schinkel-Wettbewerbs
          Schilder
          Kfz
          …
                                                             Zech Dombrowsky Design . 2007

          Die Durchführung des Wettbewerbsverfahrens wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung und finanzielle
          Zuwendung zahlreicher Institutionen.Den AIV-Schinkel- Wettbewerb 2018 haben gefördert:

                                                                                                                                       Hans-Joachim-Pysall-Stiftung
                                                                                              Karl-Friedrich-Schinkel-Stiftung
                                                                                              des Architekten- und Ingenieur-Veriens
                                                                                              zu Berlin e. V.

                Hans
                 und
              KrulL STIFTUNG
          CharlotTe

          Neben den Fördergeldern des Bundesministeriums, der                                Der Sonderpreis der Baukammer Berlin wird für herausra-
          Senatsverwaltung, der Architektenkammer Berlin, des                                gende Ingenieurleistungen vergeben, der Sonderpreis der
          DAI, der Fa. Filigran Trägersysteme GmbH & Co. KG und                              Lenné-Akademie für Gartenbau und Gartenkultur e.V. für
          der Firma Computerworks GmbH, die in das Wettbewerbs-                              einen Entwurf der Fachsparte Landschaftsarchitektur mit
          verfahren gehen und auch als ungebundene Preisgelder                               einem vorbildlichen Beitrag für Pflanzenverwendung. Die
          alle Fachsparten berücksichtigen können, gibt es zahl-                             Hans und Charlotte Krull Stiftung stiftet einen Sonderpreis
          reiche Sonderpreise: Die Hans-Joachim-Pysall-Stiftung                              explizit für Arbeiten von Künstler*innen.
          zeichnet die beste bereits mit einem Schinkelpreis prä-
          mierte Arbeit durch ein Schinkel-Italienreise-Stipendi-                            In Medienpartnerschaften steht der AIV zu Berlin mit den
          um aus und knüpft damit an den historischen Zweck der                              nachfolgenden Portalen:
          Preisgelder an. Bis zu drei herausragende Arbeiten aus
          der Fachsparte Architektur werden mit dem Diesing-Preis
          von der Karl-Friedrich-Schinkel-Stiftung des AIV zu Berlin
          prämiert. Der Verband Beratender Ingenieure fördert mit
          seinem Sonderpreis für die beste Kooperationsarbeit von
          Ingenieur*innen und einer anderen Fachsparte die inter-
                                                                                             Bereitstellung der online-Plattform
          disziplinäre Zusammenarbeit. Der Verband Restaurator im                            für den Wettbewerb:
          Handwerk e.V. zeichnet einen Beitrag aus, der sich gezielt
          mit dem Thema des Denkmalschutzes auseinandersetzt.

4
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

Der AIV-Schinkel-Wettbewerb
Immer weniger offene Wettbewerbsverfahren geben jun-
gen Entwerfer*innen, Gestalter*innen und Planer*innen
die Möglichkeit, sich in ihrem Berufsfeld zu beweisen und
sich selbst und ihre Leistungen einzuordnen. Der Architek-
ten- und Ingenieur-Verein zu Berlin e.V. schafft gemein-
sam mit Fördermittelgebenden, Stifterinnen und Stiftern,
Juror*innen und Hochschulen ein Netzwerk unterschied-
licher Disziplinen, in dem Antworten auf planerische und
gestalterische Fragen gegeben und gleichzeitig junge Pla-
ner*innen, Architekt*innen, Ingenieur*innen und Künst-
ler*innen in ihrer fachlichen Entwicklung gefördert wer-
den. Das Verfahren richtet sich daher ausdrücklich an Ab-
solvent*innen und Studierende in höheren Semestern.

   Die Aufgabenstellung und die Wahl des Kontextes sol-
len über die Arbeit am eigenen Entwurf die Kreativität und
Phantasie für die Lösung zukunftsorientierter Planungs-
aufgaben herausgefordert und eine Auseinandersetzung
mit komplexen Zusammenhängen und fachübergreifen-
den Sichtweisen initiiert werden.
                                                               Karl-Friedrich-Schinkel
    Auch steht der AIV-Schinkel-Wettbewerb als Ideen-
und Förderwettbewerb nicht unter dem Druck der un-
mittelbaren Umsetzung. Er kann jedoch dazu dienen, In-
teresse für ein Gebiet zu wecken, Sensibilität im Umgang          Die Konzeption und Durchführung des Wettbewerbs
mit dem Bestand zu entwickeln, die Bedeutung für die           wird durch den Schinkelausschuss des AIV zu Berlin über-
Umgebung aufzuzeigen und somit zur Qualifizierung der          nommen. Das Gremium setzt sich aus rund 45 Fachleu-
Aufgabenstellung einer formellen Planung beitragen. In         ten zusammen, die das Verfahren ehrenamtlich begleiten.
diesem Sinne etabliert sich der Wettbewerb immer mehr
als Betrachtungsfeld der informellen Planung und Bürger-       Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin e.V.
beteiligung, die vor allem darauf gerichtet ist, eine Bezie-   Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin e.V. (AIV)
hung der Bürgerschaft zum Planungsgebiet zu generieren         wurde 1824 von jungen „Bauconducteuren“ um Eduard
und sie für die Gestaltung der öffentlichen Räume zu ge-       Knoblauch in Berlin gegründet und gilt als älteste Tech-
winnen. Mit seinem freieren Blick auf Aufgaben in Ber-         nikvereinigung Deutschlands. Der Verein hat wesentlich
lin und Brandenburg gelingt es dem AIV-Schinkel-Wett-          zur Entwicklung des Berufsstandes der Architekt*innen
bewerb häufig auch, Anregungen in laufende Planungen           und Ingenieur*innen sowie der Bau- und Kulturgeschichte
einzubringen.                                                  Berlins, Preußens und Deutschlands beigetragen.

   Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in bis zu            Zu den Zielen des AIV zu Berlin gehört die Förderung
acht Fachsparten angeregt, übergreifende trans- und in-        von Baukultur in ihren unterschiedlichen Facetten. In Ver-
terdisziplinäre Gruppen zu bilden. Die Aufgaben werden         anstaltungen und Publikationen wird dazu das aktuelle
zwar schwerpunktmäßig einzelnen Fachsparten zugeord-           Baugeschehen kritisch und konstruktiv begleitet. Darü-
net, jedoch von einer interdisziplinären Jury beurteilt. Für   ber hinaus beschäftigt sich der Verein mit stadt- und bau-
Kooperationen stehen Sonderpreise zur Verfügung. Mit           historischen Themen. Für seine besonderen Verdienste in
diesem Ansatz soll auch das universale Denken Schinkels        diesem Bereich wurde der AIV zu Berlin 2007 mit der Fer-
in Erinnerung gerufen werden.                                  dinand-von-Quast-Medaille ausgezeichnet.

                                                                                                                            5
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

             Heute gehören dem AIV zu Berlin rund 300 Mitglie-            Neu ist auch die Unterteilung des Wettbewerbs in unter-
          der an. Als Berufsgruppen sind Architekt*innen, Stadtpla-    schiedliche Aufgaben. Der Bereich des Land- und Hochbaus
          ner*innen, Landschaftsarchitekt*innen, Bauingenieur*in-      wird dazu um das Ingenieurwesen ergänzt, zu dem Was-
          nen, Wissenschaftler*innen, Betriebswirt*innen, Jurist*in-   ser-, Eisenbahn- und Maschinenbau gehören. Das Preis-
          nen und Künstler*innen vertreten.                            geld von 1.700 Goldmark (ca. 12.000 EUR) ist an eine mehr-
                                                                       monatige Studienreise gebunden, die zu den Stätten des
          Zur Geschichte des AIV-Schinkel-Wettbewerbs                  klassischen Altertums führen soll. Die Preisträger müssen
          1829 führen die Mitglieder des AIV zu Berlin „Monats-        nach ihrer Rückkehr die Ergebnisse ihrer Reise in Vorträ-
          wettbewerbe“ ein, um gemeinsam aktuelle Fragen der Ar-       gen oder Bauaufnahmen zusammenfassen. Ihre Arbeitser-
          chitektur und des Städtebaus zu erörtern. Diese „Übun-       gebnisse dokumentieren den wissenschaftlichen Anspruch
          gen zum Entwerfen” gehören neben Vorträgen und Ex-           des Vereins.
          kursionen zu den wichtigsten Aktivitäten des Vereins. Im
          selben Jahr wird Karl Friedrich Schinkel Vereinsmitglied.       Für den AIV zu Berlin entwickelt sich der Schinkel-Wett-
          Schinkels beruflicher Werdegang und seine bemerkens-         bewerb rasch zu einem bedeutenden Ereignis. Auf den
          werten Bauwerke sind bereits zu seinen Lebzeiten Anlass      jährlichen Schinkelfesten im eigenen Vereinshaus in der
          zu einer besonderen Verehrung. Seit seinem frühen Tod        Wilhelmstraße werden die Preisträger gekürt und ihre Ar-
          1841 erinnert der Verein an seine Leistungen - ab 1844 mit   beiten präsentiert. Die inzwischen sehr lange Liste der
          dem jährlichen Schinkel-Fest. 1851 schlägt der junge Ar-     Preisträger*innen umfasst u.a. Ludwig Hoffmann, Alfred
          chitekturstudent und spätere Vereinsvorsitzende Friedrich    Messel, Hans Poelzig und David Chipperfield.
          Adler vor, für den Baumeisternachwuchs jährlich eine Kon-
          kurrenz unter den Vereinsmitgliedern durchzuführen. Der
          ab 1852 ausgelobte Wettbewerb ist Karl Friedrich Schin-
          kel gewidmet.

             Ab 1855 wird der Schinkel-Wettbewerb staatlich unter-
          stützt. Zur Förderung des technisch-wissenschaftlichen
          Nachwuchses weist der preußische König Friedrich Wil-
          helm IV. die Stiftung von Siegerpreisen an. Mit den bei-
          den hoch dotierten Staatspreisen für die Fachsparten Ar-
          chitektur und Ingenieurbau erfährt der Wettbewerb eine
          besondere Aufwertung. Gleichzeitig wird damit der Teil-
          nehmerkreis auf Studierende und Absolventen des ersten
          Bauführer-Examens ausgeweitet. Um den Schinkelpreis
          konkurrieren nun Teilnehmer aus dem gesamten preußi-
          schen Staatsgebiet. Die prämierten Arbeiten können von
          der Bauakademie und ihrer Folgeinstitution, der Techni-
          schen Hochschule Charlottenburg, als Examens- oder Di-
          plomarbeiten anerkannt werden.

6
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

Heinz Diesing
(22.4.1922 - 17.2.2014)

                                                             standsangestellter“ fand er eine erste Arbeitsstelle beim
                                                             Magistrat - im Hauptamt für Hochbau, Bauamt 1 am Kai-
                                                             serdamm.
                                                                 1951 ersuchte er um Aufnahme in den von den Alliier-
                                                             ten wieder zugelassenen AIVB, was seinerzeit nur gutbe-
                                                             leumundeten, zuvor nicht in NS-Institutionen verstrickte
                                                             Herren möglich war. Für ihn bürgten beispielsweise die
                                                             Gebr. Luckhardt, auch O. Bartning unterstützte. Sein ver-
                                                             gebliches Bemühen um eine selbständige Tätigkeit in Ber-
                                                             lin führten ihn nach Hamburg, Braunschweig, und selbst
                                                             Ministerialausschreibungen für Pakistan und Afghanis-
                                                             tan ging er nach.
                                                                 Die beiden Schinkelwettbewerbe 1952/1953 leiteten die
                                                             Wende ein. Im ersteren – es ging um Bestattungsanlagen
                                                             und ein Krematorium - erhielt er einen Anerkennungspreis,
                                                             im letzteren um ein „Mehrstöckiges Hotel“ - erwarb er
                                                             die ersehnte Schinkelmedaille. Der Anfang war gemacht.
Heinz Diesing, Portrait von Rainer Bonar 1985                Anschließend beteiligte sich Heinz Diesing erfolgreich an
                                                             mehreren kleineren Realisierungswettbewerben, u.a. um
Es gehört nicht zu den Alltäglichkeiten, dass der AIV aus    Erweiterungen an das Rathaus Neukölln. Eine steile Kar-
den Reihen seiner Mitglieder wohltätig bedacht wird,         riere stellte sich dagegen nicht ein, er wickelte aber ein
um seine vielfältigen Ehrenamtstätigkeiten für Stadt und     ganzes Spektrum der üblichen Bauaufgaben ab. Bekannt
Gesellschaft voranzutreiben. Umso höher empfinden wir        wurden und heute noch zu bewundern sind seine Tier-
Dankbarkeit, wenn uns Mitglieder über ihr Erdendasein        häuser im Zoologischen Garten, wo er bis in die mittle-
hinaus großzügig bedenken, sogar zu Nacherben erklä-         ren 1960er Jahren in Gemeinschaft mit W. Wolff und dem
ren. So war es schon vor geraumer Zeit unser langjähri-      Büro P. Schwebes tätig blieb. In den Jahren der Konsoli-
ges Vereins- und Vorstandsmitglied Johanna Blanck, die       dierung baute H. Diesing sein Büro in Nikolassee bestän-
uns testamentarisch großzügig unterstützte und das Wei-      dig aus, war gut beschäftigt.
terbestehen unserer Vereinigung in vielen Bereichen er-
möglichte.                                                      Heinz Diesing knüpfte seine Schenkung an eine Bedin-
   An dieser Stelle wollen wir einer zweiten Persönlich-     gung. Erträge aus seinem Nachlass müssen ausschließlich
keit dankbar gedenken, die sich – völlig unerwartet – als    in die Schinkelwettbewerbe einfließen. In Ergänzung zu
wahrer Wohltäter für unseren Verein erwies – Architekt       den Schinkelpreisen sollten Heinz-Diesing-Preise speziell
BDA AIV Heinz Diesing.                                       für herausragende Leistungen in der Fachsparte Architek-
   Heinz Diesing war Schinkelpreisträger, und als solcher    tur vergeben werden können. Schon seit 2015 kommen wir
empfand er offenbar rückblickend Dankbarkeit, dass ihm       diesem Wunsch Heinz Diesings mit Dank und Ehrfurcht
diese Auszeichnung in der Wiederaufbauzeit der frühen        nach. Diese Stiftung bereichert unsere älteste, wichtigste
1950er Jahre den steinernen Weg in sein Berufsleben er-      und nachhaltigste Vereinstätigkeit auf höchst willkomme-
leichterte. Jahrgang 1922, hatte er als junger Mann die      ne Weise. Wir sind sicher, dass das nicht nur die Heinz-Die-
Jahre der NS-Diktatur durchlebt, im Kriegsausbruchsjahr      sing-PreisträgerInnen empfinden werden.
1939 seine Ausbildung an den Vereinigten Bauschulen in
Neukölln aufgenommen. Erst nach Kriegsende 1947 konn-
te er sie als Ingenieur für Hochbau abschließen. Als „Not-   Peter Lemburg

                                                                                                                            7
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB
Wettbewerbsgebiet
auf Grundlage eines
Luftbilds

                                                                                Grenzen des Wettbewerbsgebiet: Seeburger Straße /
                                                                                Weg im Westen, Wilhelmstraße im Osten, das ehema-
                                                                                lige Munitionsdepot der Train-Kaserne im Süden

             AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018
             Einführung in das Wettbewerbsgebiet
             und die Aufgabenstellung
            Zum Wettbewerbsgebiet                                      gebracht. Leerstehende Traglufthallen, verfallende Sport-
            Das Bearbeitungsgebiet befindet sich im Süden des Span-    stätten und verwildernde Freiräume prägen zusammen
            dauer Siedlungsgebiets. Es liegt zwischen der geschlos-    mit leer stehenden, teilweise von kleinen Gewerbetrei-
            senen Mietshausbebauung der historischen Wilhelmstadt      benden genutzten Bauten das Innere des Blocks.
            im Osten und einem westlich gelegenen, überwiegend             Im heterogenen Teilbereich südlich der Schmidt-Kno-
            mit Einfamilienhäusern bebauten Bereich. Südwest-          belsdorf-Straße wird ein großzügiger Grünraum von
            lich schließt die Großsiedlung Heerstraße Nord mit rund    straßenbegleitender Bebauung eingefasst. Neben Klein-
            8.000 Wohnungen aus den 1960er und 1970er-Jahren, im       gartenanlagen und dem geschützten Biotop der Egel-
            Süden das Türkisch-Deutsche Sozialbildungsinstitut, Ge-    pfuhlwiesen wird das Gebiet von einem großen Nah-
            werbeflächen und Kleingartenanlagen an, die sich süd-      versorger mit großflächigen Parkplätzen und dem ehe-
            lich der Heerstraße fortsetzen.                            maligen Munitionslager der ehemaligen Train-Kaserne
                Nördlich der Schmidt-Knobelsdorf-Straße ist das Are-   charakterisiert.
            al von Kasernengebäuden aus den ersten Jahrzehnten             In der unmittelbaren Umgebung liegen östlich des Be-
            des 20. Jahrhunderts geprägt, zwischen denen versprengt    arbeitungsgebietes der Südpark und nördlich der Bullen-
            bauliche Ergänzungen vorgenommen wurden. Heute sind        grabengrünzug. Ziel weitergehender Planung des Bezirks
            mehr als 1.000 Geflüchtete in den ehemaligen Kasernen-     ist die Herstellung eines Grünzugs zur Verbindung die-
            gebäuden entlang der Schmidt-Knobelsdorf-Straße unter-     ser Grünräume.

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AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018 - AIV Berlin
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

                                                                      Spandau blickt auf eine jahrhundertelange Militärge-       chen identifiziert, die sich für Wohnungsneubau eignen.
                                                                  schichte als Festungs- und Garnisonsstadt zurück. Schon        Das Wettbewerbsgebiet in der Wilhelmstadt ist als Poten-
                                                                  im 16. Jahrhundert wird die Zitadelle angelegt, im Drei-       tialfläche für Wohnungsbau im Berliner Bezirk Spandau
                                                                  ßigjährigen Krieg die Garnison ausgebaut, und seit dem         ausgewiesen.
                                                                  18. Jahrhundert siedelt sich großflächig Rüstungsindust-
                                                                  rie an. Nach der Reichsgründung 1871 entstehen zahlrei-            Ziel des Wettbewerbs war die Entwicklung eines Leit-
                                                                  che Kasernenanlagen. Auf dem Wettbewerbsgebiet werden          bilds für ein wegweisendes Stadtquartier, exemplarisch
                                                                  1885/86 die Train-Kaserne, 1914/18 die Schmidt-Knobels-        eingebunden in die Parameter von Ort und Kontext. Dabei
© Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Land Berlin

                                                                  dorf-Kaserne und 1935/36 die Von-Seeckt-Kaserne errichtet.     waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren aufge-
                                                                      Die Fassaden der denkmalgeschützten roten Backstein-       fordert, übergreifende trans- und interdisziplinäre Grup-
                                                                  bauten sind entsprechend ihrer Entstehungszeit mal sach-       pen zu bilden, um über ihr Fachgebiet hinaus die komple-
                                                                  licher, mal aufwendiger dekoriert. Mit ihren Haupt- und        xen Rahmenbedingungen des Orts in ihre Arbeiten ein-
                                                                  Nebengebäuden repräsentieren sie die preußische Mili-          fließen zu lassen.
                                                                  tär- und Kasernenarchitektur eindrücklich.
                                                                                                                                   Dabei gliederte sich der Wettbewerb in folgende Auf-
                                                                      Nach dem Zweiten Weltkrieg und während der Ber-            gabenschwerpunkte
                                                                  lin-Blockade übernimmt die britische Siegermacht 1948 die
                                                                  Kasernenanlagen. Die nun in „Smuts Barracks“, „Brooke          „Spandau Ballet“
                                                                  Barracks“ und „Wavell Barracks“ umbenannten Anlagen            Gesucht wurden städtebauliche Ideen, um das Areal in
                                                                  erfahren zahlreiche Erweiterungen, Um- und Neubauten.          ein lebendiges Stadtquartier umzuformen. Die städtebau-
                                                                  Erst nach der Wiedervereinigung räumen die Briten 1993         liche Konzeption sollte eine spezifische Identität für das
                                                                  die Anlagen.                                                   neue Stadtviertel entwickeln und gleichzeitig einen Bei-
                                                                                                                                 trag für die umliegenden Quartiere leisten. Bei der Kon-
                                                                     Direkt neben der Train-Kaserne liegt die ehemalige Preu-    version des Kasernengeländes sollten besondere Orte und
                                                                  ßische Militärarrestanstalt. Die Nationalsozialisten kerker-   charakteristische Strukturen neu interpretiert und ideen-
                                                                  ten hier Männer des Widerstands ein, unter ihnen Egon Er-      reich umgenutzt werden. Es war zu untersuchen, in wie
                                                                  win Kisch und Carl von Ossietzky. Die Alliierten wandeln       weit experimentelle Nutzungsstrukturen, Wohnbautypo-
                                                                  den Bau schließlich zum Kriegsverbrechergefängnis um. In       logien und Mobilitätsansätze integriert werden können.
                                                                  ihm werden die in den Nürnberger Prozessen verurteilten
                                                                  Täter der NS-Diktatur inhaftiert. Nach dem Tod des letz-       „Stadtoase – und dennoch bestens vernetzt“
                                                                  ten Insassen Rudolf Hess wird es 1987 abgerissen und das       Voraussetzung für die Ansiedlung von zusätzlichen Be-
                                                                  Grundstück neu bebaut, um zu verhindern, dass es zu ei-        wohnern und damit die Entwicklung des neuen Stadt-
                                                                  ner „Wallfahrtstätte“ für Rechtsradikale wird. Nach der        quartiers ist die Gewährleistung der Verkehrsinfrastruk-
                                                                  Nutzung des Geländes für ein Einkaufszentrum mit Kino-         tur. Ziel eines integrierten Konzeptes für die Verkehrser-
                                                                  komplex steht hier heute das Supermarktgebäude eines           schließung des neuen Quartiers war es, den Anteil des
                                                                  Discounters.                                                   motorisierten Individualverkehrs möglichst gering zu hal-
                                                                                                                                 ten. Schwerpunkte sollten dabei Vorschläge zur Erschlie-
                                                                     Diese Anlagen dokumentieren neben der Militärge-            ßung des neuen Stadtquartiers durch den öffentlichen
                                                                  schichte des Deutschen Reiches auch das Erbe der Stadt         Personennahverkehr und die Anbindung an das beste-
                                                                  aus den Jahren des Kalten Kriegs. Ihre Spuren bilden zwar      hende Radwegenetz bilden. Die Auswirkungen auf das
                                                                  keine touristischen Anziehungspunkte wie die zahlreichen       bestehende Wege- und Straßennetz waren darzustellen.
                                                                  Relikte aus der Teilungszeit in der Mitte Berlins, doch mar-
                                                                  kieren sie eine wichtige historische Schicht - sowohl der      „Im Alltäglichen das Besondere finden“
                                                                  Stadt, als auch Deutschlands.                                  Schwerpunkt der Aufgabe war ist die Entwicklung eines
                                                                                                                                 Grünzugs, der sich von West nach Ost durch das Gebiet
                                                                  Zur Aufgabenstellung                                           zieht und die Grünräume am Egelpfuhlgraben mit dem
                                                                  Aktuelle Prognosen für Berlin rechnen mit einem Anstieg        Südpark verbindet. Zu formulieren war eine zeitgemä-
                                                                  der Bevölkerung um mehr als 250.000 Personen bis zum           ße landschaftsarchitektonische Lösung, welche die Situ-
                                                                  Jahr 2030. Um der dadurch steigenden Nachfrage nach            ation nachhaltig qualifiziert und eine eigenständige Hal-
                                                                  Wohnraum gerecht zu werden, wurden in ganz Berlin Flä-         tung innerhalb der heterogenen Stadt-Landschaft erken-

                                                                                                                                                                                              9
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

                                                                        wie es vielfältige, oft auch verdeckte Spuren belegen. Ge-

                                                                                                                                     © Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Land Berlin
                                                                        schichte und gebaute Gegenwart durchmischen sich. Als
                                                                        „dritte Dimension“ sollte die Zukunft mit künstlerischen
                                                                        Mitteln neue Akzente setzen und Vergangenes und Ge-
                                                                        genwärtiges verknüpfen.

                                                                           Ankerpunkte bildeten das teilabgerissene NS-Kriegsver-
                                                                        brechergefängnis, die ausgedehnten Kasernengelände und
                                                                        die bemerkenswerten Bunkeranlagen auf dem Südgelände.
                                                                        Die Auseinandersetzung mit diesem schwierigen Erbe war
                                                                        eine wesentliche Herausforderung für die Kunstbeiträge.

                                                                        Querschnittsthema Denkmalpflege
               Wettbewerbsgebiet
               auf Grundlage eines                                      Prämiert werden konnten Arbeiten aller Fachsparten die
               Luftbilds                                                den Zielvorstellungen des Bund-Länder-Programms Städ-
                                                                        tebaulicher Denkmalschutz folgend, sich in besonderer
                                                                        Weise mit den historischen Bebauungsstrukturen und Ge-
                                                                        bäuden im Bearbeitungsgebiet auseinandersetzen. Der
          nen lässt. Für die Wegebeziehungen, Verknüpfungspunkte        Schwerpunkt der Auseinandersetzung sollte hier auf der
          und Nutzungsbereiche waren Ideen für den Freiraum zu          Erfahrbarkeit und Vermittlung der ästhetischen, histori-
          entwerfen, die die wesentlichen räumlichen Qualitäten         schen und gesellschaftlichen Werte der Objekte für ge-
          aufgreifen, akzentuieren und aufwerten sowie bestehen-        genwärtige und zukünftige Generationen in Reflektion zu
          de und zu planende (Freizeit-)Nutzungen ordnen.               vergangenen Wertmaßstäben und Qualitäten liegen. In
                                                                        der Fachsparte Kunst, konnte eine Auseinandersetzung
          „Nahversorgung als Super-Mix“                                 mit der Aufgabe auch nur temporär erlebbar sein.
          Es sollte ein Ort / ein Ensemble / eine Architektur hoher
                                                                        Das ehemalige Monitionsdepot der Train-Kaserne
          Qualität entwickelt werden, der ein zukunftsweisendes
          Konzept für die Nahversorgung aufzeigt. Hierbei soll-
          ten Themen wie die zukünftige Mobilität genauso adres-
          siert werden wie die Auswirkung von weltweit agieren-
          den Online-Versandhändlern, die Vermarktung von regi-
          onalen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die Nutzung
          der Kleingartenerträgen oder Urban Gardening als Beitrag
          zur täglichen Versorgung in der Stadt. Ortsspezifisch soll-
          te geklärt werden, welche Dienstleistungen, Bildungs-,
          Sozial- und Gesundheitsangebote, aber auch intelligen-
          te, innovative, jugendorientierte oder kreative Nutzun-
          gen für das ehemalige Munitionsdepot und den Parkplatz
          sinnvoll erscheinen.

             Der Konstruktive Ingenieurbau bearbeitete dabei die
          großflächige Überdachung eines offenen Markt- und Klein-
          handelsbereichs mit vielfältigen, zeitlich wechselnden
          Nutzungsmöglichkeiten. Möglich waren ein Neubau auf
          dem freien Parkplatz neben der Kaufhalle oder eine Über-
          dachung des ehemaligen Munitionsdepots.
                                                                                                                                     © Eva Krapf

          „Die Zukunft der Vergangenheit“
          Das Wettbewerbsgebiet in der Wilhelmstadt wird vor-
          dringlich von einer militärischen Vergangenheit geprägt,

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SPANDAU BALLET AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

              AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018
              Aufgabenstellung „Spandau Ballet“
              Die Aufgabe suchte städtebauliche Ideen, um das haupt-       tion zu schaffen. In einem innovativen Verkehrskonzept
              sächlich für militärische Nutzungen geplante Areal in ein    waren Fuß- und Radwegeverbindungen zu schaffen und
              lebendiges und gemischtes Stadtquartier mit differenzier-    die Möglichkeit eines autofreien Wohnens zu prüfen. Für
              ten Freiraumqualitäten zu entwickeln. Es war ein Leitbild    das ehemalige Munitionsdepot waren Nutzungs- und Ge-
              für das neue Stadtviertel zu konzipieren, das bei der Kon-   staltungsideen gefordert.
              version des Kasernengeländes besondere Orte und cha-
              rakteristische Strukturen neu interpretiert und innovativ
              umnutzt.                                                     Uhrturm der Von-Senkt-Kaserne

                 Dabei wurde auf eine enge Verzahnung von Wohnen,
              Arbeiten, wohnungsnahen Dienstleistungen und Frei-
              zeitangeboten Wert gelegt. Durch intelligente Ergänzung
              und Nachverdichtung mit Neubauten sollte eine typologi-
              sche Mischung erreicht werden, die eine soziale Vielfalt
              innerhalb des Quartiers ermöglicht. Soziale Infrastruktu-
              ren sollten auch als Treffpunkte und Kommunikationsor-
              te für die Nachbarschaft wirken und so die Identität des
              Stadtteils fördern. Dabei eignet sich das Gebiet, um inno-
              vative und experimentelle Verkehrskonzepte zu integrie-
              ren. Insgesamt soll das Quartier so als Labor für zukünf-
              tige Lebensmodelle dienen können.

              Folgende Ziele waren dabei anzustreben:
              •• die schrittweise Umnutzung und In-Wert-Setzung
                 der gegenwärtigen Bauten, der Infrastruktur und der
                 Freiflächen
              •• die maßvolle Ergänzung der bestehenden Anlagen
                 durch Neubauten unterschiedlicher Nutzung
              •• die Überwindung von Disparitäten
              •• die funktionelle und gestalterische Vernetzung des
                 Wettbewerbsgebietes mit den Nachbargebieten und
                 dem Gesamtbezirk
              •• die Erzielung einer hohen ökologischen und nachhalti-
                 gen Entwicklung des Gebiets

              In der vertiefenden Planung sollten für den Wohnungs-
              bau Vorschläge für robuste Wohnungsbaustrukturen für
              Geringverdienende entwickelt werden, die einen sozia-
              len Ausgleich innerhalb des Quartiers ermöglichen. Die
              Gewerbebauten waren im Interesse einer störungsar-
              men Weiternutzung durch Neubauten zu ergänzen, da-
© Eva Krapf

              bei Möglichkeiten für die Ansiedlung von Unternehmen
              zu eröffnen, die in besonderer Weise Lehre und Lernen
              verbinden und so eine Art Bildungscampus für Integra-

                                                                                                                                     11
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB SPANDAU BALLET

          Drei Kieze für Spandau
          Schinkelpreis (3.000 €)                 Nutzungen vorgeschlagen. Durch die
          Johannes Greubel,                       neue Dichte ist eine Belebung und
          Anna Plückbaum, TU Berlin               vielfältige Bespielung des sonst frei-
          (Städtebau)                             en Exerzierplatzes zu erwarten.
                                                  Die vorhandenen Freiraumstrukturen
          Ausgehend von den heterogenen           werden sehr einfach mit dem nahen
          Rändern der Spandauer Umgebung          Bullengraben, dem Südpark und in
          schlagen die Verfasser*innen vor,       Richtung Bahnhof vernetzt.
          kein homogenes Gesamtkonzept zu         Das Preisgericht hebt insbesonde-
          entwickeln, sondern drei eigenstän-     re die konzeptionelle Schärfe her-
          dige Schlüsselbereiche separat zu       vor. Mit den drei wohl überlegten
          qualifizieren:                          und proportionierten Eingriffen wer-
          Der südliche Bereich am Munitions-      den die vorhandenen Strukturen zu
          depot wird als „Gemeinschaftskong-      neuen Spandauer Stadtbausteinen
          lomerat“ mit solitären Wohnbauten       mit eigenem Charakter weiterentwi-
          ergänzt.                                ckelt. Dies wird durch die reduzierte
          Die Bauten der Schmidt-Knobels-         Darstellung noch unterstrichen. Die
          dorf-Kaserne werden mit Neubauten       Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag
          zu geschlossenen und gut proportio-     für die Diskussion um die Zukunft des
          nierten Wohnhöfen mit Laubengän-        Gebietes.
          gen komplettiert.
          Rund um den Exerzierplatz werden
          die vorhandenen Kasernengebäude         Tom Hobusch
          mit ergänzenden Reihenhausstruk-
          turen gedoppelt, um eine adäquate
          Dichte für den großen freien Platz zu
          erreichen. Rings um den Platz wird
          eine Konzentration von öffentlichen

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SPANDAU BALLET AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

                                    13
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB SPANDAU BALLET

          There‘s A New Kid On The Block
          Diesing-Preis (1.750 €)
          Sonderpreis gestiftet von Heinz
          Diesing über die
          Karl-Friedrich-Schinkel-Stiftung
          des AIV zu Berlin
          Bente Rau, Hannah Kast,
          Universität Stuttgart (Architektur)

          Die Verfasserinnen entwickeln ein
          überzeugendes städtebauliches Kon-     „Das Testfeld“                          terschiedliche Lebensmodelle und
          zept in Form einer prozesshaften       Der ehemalige Exerzierplatz der Wa-     knüpft mit sich ergänzenden Nach-
          Transformation der vorhandenen Be-     vell Barracks bildet als neuer „Stad-   barschaftsangeboten ein soziales
          bauungsstruktur. Die vorgeschlage-     thof“ mit aktivierenden Nutzungen       Netzwerk.
          nen sensiblen Ergänzungen von Ge-      einen für die Öffentlichkeit zugäng-
          bäuden vor allem auf den ehemali-      lichen und erlebbaren neuen Stadt-      „Der Weg“
          gen britischen Kasernenanlagen, der    raum mit offenen Entwicklungspo-        Die zentrale Wegeverbindung zwi-
          Train-Kaserne, den Brooke Barracks     tentialen.                              schen dem markanten Flügelbau der
          und den Wavell Barracks, ermöglichen                                           ehemaligen Train-Kaserne im Süden
          den Erhalt der gegenwärtigen atmo-     „Der Park“                              und dem ehemaligen Exerzierplatz
          sphärischen und räumlichen Struktur    Die neue übergeordnete Grünverbin-      der Wavell Barracks im Norden des
          der Areale. Durch punktuellen Abriss   dung bezieht die bestehenden Frei-      Wettbewerbsgebietes bricht die iso-
          und einzelne bauliche Maßnahmen        räume in die Planung ein. Der Park      lierte Lage der Kasernenareale auf
          werden wichtige räumliche Setzun-      wird zu einer attraktiven grünen Mit-   und schafft wichtige stadträumliche
          gen für ein neues Stadtquartier ge-    te und dient gleichzeitig als Verbin-   Verbindungen.
          schaffen.                              dungsglied zu den heterogenen Um-       Die Grundstücke auf den ehemaligen
                                                 gebungsstrukturen.                      Kasernenarealen sollen nach Ansicht
          Der Entwicklungsprozess umfasst                                                der Verfasserinnen als kleinteilig par-
          vier Bausteine mit unterschiedlichen   „Das Nachbarschaftsfeld“                zellierte Grundstücke in Konzeptver-
          Entwicklungsrhythmen und unter-        Das an die Schmidt-Knobelsdorf-Stra-    gabe an private Investoren, Bauge-
          schiedlichen Atmosphären, die auf      ße südlich angrenzende, teilweise als   nossenschaften und Baugruppen in
          den vorhandenen stadträumlichen        Mischgebiet ausgewiesene „Nach-         Erbpacht vergeben werden.
          Qualitäten aufbauen und in ihrer       barschaftsfeld“ bietet Wohnraum
          Struktur weiterentwickelt werden.      mit vielfältigen Typologien für un-     Peter Ostendorff

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SPANDAU BALLET AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

Forum Spandau
Diesing-Preis (1.750 €)
gestiftet von Heinz Diesing über
die Karl-Friedrich-Schinkel-Stif-
tung des AIV zu Berlin
Alexandra Schnettler,
Dagmar-Karen Schopp,
Jana Slametschka,
Karlsruher Institut für Technologie
(Architektur)

Die Verfasserinnen verfolgen das
Ziel, die „isolierte Bestandssituati-
on“ in ein „gemischtes und lebendi-
ges Quartier“ als „Anziehungspunkt
in Spandau“ zu transformieren. Die
Konzeption leiten sie als Weiter-
bau der Stadtstruktur des Bezirks
Spandau ab. Die Eingriffe in den Be-
stand sind zurückhaltend.
                                        dung zum Bahnhof Spandau. Grünzü-        lung des Parkplatzes in ein Wohnareal
Der alte Exerzierplatz wird zu einem    ge verknüpfen und gliedern das Plan-     genutzt und so die Wohnfunktion ge-
landschaftlich geprägten Freiraum       gebiet.                                  stärkt. Das Gelände des ehemaligen
entwickelt, auf den auch eine Fuß-                                               Munitionsdepots soll für eine vielseiti-
gängerachse parallel zur Wilhelmstra-   Die Zeilenbauten der Kasernenanla-       ge Mischnutzung erschlossen werden.
ße führt. Angestrebt wird die Redu-     ge werden durch wenige Ergänzun-         Die Jury ist von der insgesamt gelun-
zierung des motorisierten Individual-   gen zu überschaubaren, relativ offe-     genen Konzeption zum Weiterbau der
verkehrs durch eine Ringstruktur, die   nen Wohnhöfen weiterentwickelt. Die      Stadtstruktur bei Wahrung und Nut-
den Durchgangsverkehr vermeidet.        Ergänzungen der Einzelhausbebauung       zung der Potenziale des Bestandes
Umsteigestationen ermöglichen den       im Westen der Grünzüge sind zurück-      überzeugt.
Wechsel zwischen den Verkehrsarten.     haltend. Das Potential des Areals des
Ein Radschnellweg bildet die Verbin-    Discounters wird durch die Umwand-       Ludwig Krause

                                                                                                                            15
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB SPANDAU BALLET

          Fortsetzung folgt
          Anerkennungspreis (2.000 €)
          Gero Engeser, Andreas Ebert, Luisa Ehmke,
          TU München (Städtebau/Landschaftsarchitektur)

          Die Arbeit entwickelt einen utopi-      Diese Geschichte wird durch eine fle-   „Neue Wege“, „Umbau“ und „Neu-
          schen Ansatz für eine nutzerbasierte    xible Planungsstrategie fortgeschrie-   bau“ die vier Entwicklungsphasen
          und prozesshafte Quartiersentwick-      ben, die es Raumpionieren auch wei-     des Quartiers dargestellt. Die Ver-
          lung.                                   terhin ermöglicht, Gebäude und Frei-    fasser präsentieren bewusst keinen
          Als Gegenentwurf zu zahllosen ge-       räume vor Ort neu zu nutzen und in      städtebaulichen Idealzustand, da das
          sichts- und geschichtslosen Neubau-     Beschlag zu nehmen. Weitere über-       Projekt nicht den Anspruch eines for-
          vierteln sehen die Verfasser die Mög-   geordnete Ziele bestehen in der Auf-    mal perfekten Quartiers entwickelt.
          lichkeit, durch Nutzung vorhandener     wertung des öffentlichen Raums, der     Im Vordergrund steht vielmehr die
          Ressourcen „die Geschichte des Ortes    Ansiedlung von öffentlichen Nutzun-     nachhaltige Entwicklung eines viel-
          vor dessen Bebauung zu schreiben“,      gen sowie der Förderung von vielfäl-    fältigen und lebendigen Quartiers vor
          eine Geschichte, die in erster Linie    tigen Wohnformen.                       Ort, mit dem Ort und durch den Ort.
          von den Akteuren ausgeht, die sich
          seit dem Abzug des Militärs Teile des   Gerahmt von Prolog und Epilog wer-      Bernhard Heitele
          Kasernenareals angeeignet haben.        den in den Kapiteln „Publikation“,

16
SPANDAU BALLET AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

Spandau im Quadrat
Engere Wahl
Tabea Enderle, Sandra Stahnke,
TU Berlin (Städtebau)

Den Verfasserinnen geht es um den       Die Autorinnen schaffen mit ihrem         Wohnungsbaus soll der ehemalige
Neubau von Wohnungen, die in Ber-       Entwurf, eine „grünräumliche Verbin-      Exerzierplatz werden. Der Bebauungs-
lin dringender denn je benötigt wer-    dung“ zu den angrenzenden Quartie-        vorschlag steht bewusst im Kontrast
den. Dazu gehört die notwendige In-     ren und Landschaftsräumen. So er-         zu der rechtwinkligen Struktur der
frastruktur wie Schulen, Kitas, etc.,   gibt sich - fast wie von selbst - ein     Kasernenriegel und schafft in Ergän-
um die neuen Wohnungen, welche          „Grünes Kreuz“ von Nord nach Süd          zung der bestehenden Gebäude inte-
vor allem in den Bereichen um die       und West nach Ost, in dem Grünanla-       ressante Stadträume. Die ehemaligen
und in der „Schmidt-Knobelsdorf-Ka-     gen als auch Kleingärten Platz finden.    Munitionsbunker erfahren verschie-
serne“ entstehen sollen. Wichtig sind   Für den Wohnungsbau werden Stand-         dene Nutzungen, sowohl als Räume
auch die Anbindungen an die vor-        orte westlich der Wilhelmstraße und       für Künstler, als auch für das Wohnen.
handenen Natur- und Grünräume in        auf dem Gelände der ehemaligen Ka-
diesem Gebiet.                          serne ausgewiesen. Herzstück des          Peter Brenn

                                                                                                                           17
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB SPANDAU BALLET

          Stadt – Raum – Integration
          Engere Wahl
          Simeon Bohsung, Ursula Hauser, Zoltan Ruza, Valerie Schrodi,
          HfT Stuttgart (Städtebau)

          Die Entwurfsverfasser*innen neh-
          men die Blockbebauung der angren-
          zenden Wilhelmstadt auf und entwi-
          ckeln mit ihr eine zusammenhängen-
          de Siedlungsstruktur. Dabei ergänzen
          sie die Kasernen geschickt und ohne
          Verluste an der wertvollen Substanz.
          Die Höhen und Dichten der Quartiere
          sind gestaffelt und fallen vom Stadt-
          kern zur Peripherie.
          Überzeugend ist die Führung des
          Freiflächenbundes, der relativ eng
          begrenzt, dennoch mit den benach-
          barten Grünzügen effektvoll ver-
          knüpft ist. Parallel zur Wilhelmstra-
          ße verläuft innerhalb des Gebietes
          eine Fußgängerachse mit angeneh-
          men platzartigen Erweiterungen. Die
          Schmidt-Knobelsdorf-Straße wird als
          verkehrsberuhigt dargestellt.
          Der ehemalige Exerzierplatz ist zu-
          künftig Begegnungsraum im Quar-
          tier und Freiraum der angrenzenden
          Gemeinbedarfseinrichtungen. Inso-
          fern trägt er zur Konversion der mili-
          tärischen in eine zivile, friedliche Nut-
          zung bei.
          Der Wettbewerbsbeitrag hat zwar De-
          fizite bei der Zuordnung großflächi-
          ger Sportanlagen, die jedoch durch-
          aus ergänzt werden könnten, ohne
          die Qualität der robusten Gesamt-
          struktur zu gefährden.

          Ludwig Krause

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SPANDAU BALLET AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

              AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018
              Aufgabenstellung
              „Stadtoase – und dennoch voll integriert“
              Neue Nutzungen, neue Nutzer*innen, neue Bewohner*in-         beziehen. Daneben war eine regionale und überregiona-
              nen – Grundlage für den Erfolg des zu entwickelnden Ge-      le Verkehrsanbindung sicherzustellen u.a. in der Einbezie-
              biets bildet die stadtverträgliche und umweltschonende       hung des Bahnhofs Berlin-Spandau und seine Integration
              Mobilität sowohl innerhalb des Quartiers, als auch zu den    in das nahräumliche Verkehrssystem.
              umliegenden Einrichtungen und nicht zuletzt die Anbin-
              dung an das Berliner Zentrum.                                In Summe wurde ein tragfähiges und schlüssiges Konzept
                                                                           erwartet, das in der Lage ist, die heutigen und zukünfti-
              Es waren Wege und Verkehrsinfrastrukturen zu definieren,     gen Verkehrsströme zu bewältigen.
              die die kleinräumige Erschließung und Anbindung sicher-
              stellen und dabei den Anteil des klassischen motorisier-     Die Aufgabe war für Kooperationen insbesondere mit dem
              ten Individualverkehrs möglichst gering zu halten, aber      Städtebau angelegt.
              auch neuartige motorisierte (Gemeinschafts-)Verkehrs-
              mittel, die trotzdem individuelle Mobilität erlauben, ein-

              Impressionen aus dem Wettbewerbsgebiet: Vor der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne
© Eva Krapf

                                                                                                                                        19
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB SPANDAU BALLET

          Spandauer
          Dialog
          Erwähnung
          Dorothée Gerling,
          UdK Berlin (Architektur),
          Janosch Ottenschläger,
          Karlsruher Institut für
          Technologie (Architektur)

          Größere Aufmerksamkeit in den
          Jury-Sitzungen erlangte die Arbeit
          „Spandauer Dialog“, da sie die ver-
          kehrlichen Fragestellungen deutlich
          umfangreicher als alle anderen Ar-
          beiten aufgriff. Auch der Ansatz, den
          Untersuchungsraum im Zusammen-
          spiel der städtebaulichen und ver-
          kehrlichen Aufgaben kooperativ zu
          bearbeiten, wurde von der Jury aus-
          drücklich begrüßt und gelobt. In der
          inhaltlichen Arbeit konnte die Arbeit
          jedoch leider weder innerhalb der
          Fachsparten noch in der Integration
          der bearbeiteten Fachsparten hin-
          reichend überzeugen, um in der Zu-
          scheidung der Anerkennungspreise
          zu reüssieren. (PL)

          Fabian Walf

20
IM ALLTÄGLICHEN DAS BESONDERE FINDEN AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

              AIV-Schinkel-Wettbewerb 2018
              Aufgabenstellung
              „Im Alltäglichen das Besondere finden“
              Schwerpunkt der landschaftsarchitektonischen Aufgabe          Dabei waren folgende Problemstellungen besonders zu
              war die Entwicklung eines Grünzugs, der sich von West         beachten:
              nach Ost durch das Bearbeitungsgebiet zieht und die Grün-
              räume am Egelpfuhlgraben mit dem Südpark verbindet. Po-       •• Eine wesentliche Aufgabe war sowohl die Entwick-
              tentielle Verknüpfungen nach Norden und nach Süden über          lung eines Netzes öffentlicher Wege innerhalb des
              die Heerstraße waren mitzudenken und zu verorten.                Grünzugs, als auch Aussagen darüber zu treffen, wie
                                                                               sich der Grünzug an seinen Rändern mit den Über-
                  Als Rückgrat des neu zu entwickelnden Stadtquartiers         gängen zu unterschiedlichen Nutzungen wie beste-
              nördlich der Schmidt-Knobelsdorf-Straße war der Grün-            henden und neuen Wohngebieten, Kleingartenan-
              zug zu einer eigenständigen und prägnanten Freiraumse-           lagen, Gewerbegebieten verhalten soll. Besonderes
              quenz zu entwickeln, die vorhandene Infrastrukturen ver-         Augenmerk war auf die Eingänge und Übergänge zu
              knüpft und neue quartiersbezogene Kristallisationspunk-          legen, insbesondere auf Querungsmöglichkeiten der
              te wie Quartiersplätze, Pocketparks etc. schafft. Er war         Schmidt-Knobelsdorf-Straße.
              gleichermaßen als Transitraum und Attraktor, als zentra-      •• Die Kleingartenanlagen waren weitestgehend zu er-
              ler Sammler der Erholungssuchenden und für Freizeitak-           halten, der Umfang von Eingriffen für notwendige
              tivitäten zu denken.                                             Durchquerungen zu prüfen.
                                                                            •• Der vorhandene Discounter stellt sich in dem zukünfti-
                 Der Landschaftsraum ist heute geprägt von verwun-             gen Grünzug als Barriere dar, ist jedoch als Nahversor-
              schenen, dicht mit Bäumen bestandenen Bereichen und              ger für ganz Spandau wichtig. Es waren Möglichkei-
              von der Offenheit und Weite der naturnahen Egelpfuhl-            ten aufzuzeigen, mit welchen Mitteln eine Umwegung
              wiesen. Ein besonderes Highlight bildet die als geschütztes      bzw. Lageveränderungen vorgenommen werden
              Biotop gelistete Orchideenwiese. Daneben prägen zahlrei-         könnten, die die Durchlässigkeit erhöhten.
              che „gut eingewachsene“ Kleingartenanlagen den Grün-
              raum. In diesem Spannungsfeld sollten Nutzungen entwi-        Zu formulieren war eine zeitgemäße landschaftsarchitek-
              ckelt werden, die das Maß der Intensität / Extensivität der   tonische Lösung, welche die Situation nachhaltig quali-
              Eingriffe klären, um einerseits die Erholungsnutzung zu       fiziert und eine eigenständige Haltung innerhalb der he-
              ermöglichen und andererseits den Naturraum zu stärken.        terogenen Stadt-Landschaft erkennen lässt.
© Eva Krapf

                                                                                            Geschütztes Biotop im Wettbewerbsgebet

                                                                                                                                         21
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB IM ALLTÄGLICHEN DAS BESONDERE FINDEN

          Leschij
          Schinkelpreis (3.000 €)                 Umfeld. Durch lockere Baumsetzun-        Für das neu begrünte Munitionsde-
          Marco Stadlin, Dominik Rhyner,          gen wird ein fließender Übergang zur     pot wird eine Nachnutzung für Klein-
          Sarah Simon,                            freien, offenen Wiesenlandschaft im      gewerbe und Künstler vorgeschlagen.
          HSR Rapperswil                          Zentrum geschaffen.                      Die Integration des Supermarkts ge-
          (Landschaftsarchitektur)                                                         lingt durch die Begrünung der Park-
                                                  Auf den zweiten Blick offenbart sich     plätze mit einer Rasterpflanzung aus
          Die Eigenschaften des slawischen        Vielfalt in der scheinbaren Einheit:     Bäumen und der Ausbildung des Da-
          Waldgeistes Leschij – leise, in der     der Waldgürtel und die Wiesenland-       ches als Aussichtsbalkon.
          Natur ruhend, flexibel und anpas-       schaft bilden jeweils eine Abfolge aus   Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs
          sungsfähig, präsent ohne laut zu sein   unterschiedlichen Vegetationstypen.      schien es der Jury tolerierbar, die
          – sind die Leitmotive des Entwurfs.     Diese Vielfalt entsteht prozesshaft      Bebauung an der Schmidt-Knobels-
                                                  durch auf den Bestand abgestimmte        dorf-Straße nicht zu berücksichtigen
          Konzeptionell verfolgen die Verfas-     Neupflanzungen und extensive Pfle-       und dem Grün den Vorzug zu geben.
          ser*innen eine konsequente Ordnung      gemaßnahmen, die die dynamischen
          und Aufwertung des Bestandes. Die       Wachstumsprozesse steuern.               Barbara Hutter, Christiane Schwarz,
          Entwicklung und Präzisierung der                                                 Prof. Cornelia Müller, Angeli Büttner
          vorhandenen landschaftlichen und        Die Ost-West- und die Nord-Südan-
          naturräumlichen Potentiale sind         bindungen werden durch das Erschlie-
          Kernthema der Arbeit. Der neu ge-       ßungskonzept beiläufig und präzise
          schaffene Grünraum ist Verbindung       gelöst, am Rundweg, konzentrieren
          und Zentrum der umliegenden Quar-       sich unterschiedliche Nutzungsange-
          tiere.                                  bote und Stationen wie der Balkon im
                                                  Norden, der den Blick in die Wiesen-
          In der Gestaltung arbeiten die die      landschaft inszeniert.
          Verfasser*innen mit großzügigen,
          einfachen Setzungen. Ein Waldgür-       Die unmittelbaren heterogenen Rand-
          tel wirkt als raumbildender Filter      bereiche werden durch einfache Maß-
          zwischen dem heterogenen urbanen        nahmen geöffnet und aufgewertet.

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IM ALLTÄGLICHEN DAS BESONDERE FINDEN AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

                                                          23
AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB IM ALLTÄGLICHEN DAS BESONDERE FINDEN

          Orchideenpark
          Sonderpreis gestiftet von der
          Lenné-Akademie für Gartenbau u.
          Gartenkultur e.V. (1.000 €)
          Dana Synnatschke, Arlett Gehrke
          (Landschaftsarchitektur)

           Der Wettbewerbsbeitrag stellt be-
           reits in seinem Titel die Natur in den
           Vordergrund: „Orchideenpark“. Die-
           se konsequente Haltung bestimmt
           den gesamten Entwurf und durch-
           zieht die Detailgedanken.
           Schutz, Positionierung und Verstär-
           kung der vorhandenen und geschütz-
           ten, bisher kaum wahrnehmbaren           bindungen zwischen Stadtteilen ge-      Anlagen wie z.B. trittfeste Wiesen
           Orchideenwiese zur „Stadtoase“ und       schaffen, Flächen renaturiert und ru-   und Spiellandschaften umgesetzt.
           ihre Positionierung als Zentrum der      hender Verkehr in Tiefgaragen und
           Gesamtanlage und des Kreuzungs-          auf Dächer umgelegt. Damit entste-      Die erhöht über der Wiese gelegene
           punktes einer grünen, neu geschaf-       hen große versickerungs- und ver-       Brücke ist ein weiterer Anziehungs-
           fenen Ost-West / Nord-Süd-Wege-          dunstungsfähige neue Grünflächen,       punkt für Spaziergänger und Rad-
           verbindung betonen die Stellung des      die Wasserkreislauf und Naturhaus-      fahrer und begünstigt die Verbin-
           Natur- und Artenschutzes in der pla-     halt stärken und gleichzeitig die Le-   dung von Mensch und Natur durch
           nerischen Herangehensweise.              bensqualität vor Ort verbessern. Der    Ausblick auf die verschiedenen Wie-
                                                    Nachhaltigkeitsgedanke wird durch       senflächen.
           Städtische und Grünstrukturen wer-       neugeschaffene Biotope, aber auch
           den neu geordnet, neue Grünver-          durch nutzergerechte Flächen und        Insbesondere überzeugt der konkrete
                                                                                            Vorschlag der Pflanzenverwendung,
                                                                                            speziell von Arten der Roten Liste.
                                                                                            Ergänzend wird hier – ein Alleinstel-
                                                                                            lungsmerkmal des Wettbewerbsbei-
                                                                                            trags - die 15-jährige Vorausschau ei-
                                                                                            ner Biotopentwicklung mit genauer
                                                                                            Angabe von Arten dargestellt.

                                                                                            Der Beitrag verbindet damit städte-
                                                                                            bauliche Neuordnung und -struktu-
                                                                                            rierung mit einem umfassenden Na-
                                                                                            tur- und Artenschutz. Konsequent
                                                                                            werden klimaschutzgerechte Maß-
                                                                                            nahmen vorgeschlagen und zugleich
                                                                                            Anwohner- und gesellschaftliche In-
                                                                                            teressen umgesetzt.

                                                                                            Barbara Hutter, Christiane Schwarz,
                                                                                            Prof. Cornelia Müller, Angeli Büttner

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IM ALLTÄGLICHEN DAS BESONDERE FINDEN AIV-SCHINKEL-WETTBEWERB

Grünzug
Anerkennungspreis (1.000 €)
(Landschaftsarchitektur)
Milan von Moeller, Anton Fischer,
Thomas Reimann, Piroska Szabó,
TU Berlin (Landschaftsarchitektur/
Städtebau)

Der Konzeptansatz besticht durch
das Alleinstellungsmerkmal einer kla-
ren Setzung im Kontext zum morpho-
logischen Landschaftsraum der Wil-
helmstadt in Spandau.

Durch das Herausarbeiten eines prä-
genden Landschaftsbandes im Ost-
West-Richtung vom Egelpfuhlgraben
Richtung Südpark wird der „Lücken-
schluss“ in Bezug auf die vorge-
schlagene neue Verbindung sowie         Wichtige städtebauliche Achsen wer-    und als übergeordnetes Landschafts-
die vorgenommene Integration des        den hierbei sinnhaft gestärkt und      bild neu inszenieren.
Baumbestandes bis hin zu drei städ-     lassen individuelle Entwicklungspo-
tebaulichen Entwicklungsschritten       tentiale zu.                           Das ehemalige Munitionslager und
überzeugend und nachhaltig plane-                                              Wiesenquartier südlich zum Land-
risch und textlich aufgezeigt.          Das Landschaftsband thematisiert       schaftsband werden thematisch und
                                        sowohl die Enge als auch die große     topographisch in das Gesamtkonzept
Dieser neue konzeptionell vorge-        Weite des Ortes unter Berücksichti-    sinnhaft integriert und angebunden.
schlagene Grünzug Wilhelmstadt          gung der bestehenden Orchideen-        Die Eintaktung des Wegebandes in die
schafft ein grünes Rückgrat zu den      wiese und der vorhandenen Vege-        angrenzenden Quartiere erfolgt über
angrenzenden Stadtquartieren und        tationsstrukturen bis zur Egelpfuhl-   Wegeaufweitungen, die jedoch in ih-
qualifiziert deren Ränder durch ord-    wiese, die durch neu gepflanzte        rer Verortung, Dimensionierung und
nende Eingriffe, insbesondere bei       Pappelreihen die bestehende Allee      Funktionalität noch nicht überzeugen.
dem ehemaligen Munitionslager.          in Ost-West-Richtung komplettieren
                                                                               Die ausgewiesene südlich angeord-
                                                                               nete Promenade folgt der Formen-
                                                                               sprache des Grünbandes. Angedock-
                                                                               te Brücken, Stege und Treppen in der
                                                                               Wiesenfläche steigern die Aufent-
                                                                               haltsqualität.

                                                                               Die Arbeit besticht durch einen kon-
                                                                               sequenten Entwurfsansatz mit Aus-
                                                                               blick und zeigt identitätsstiftende
                                                                               Optionen für das zukünftige Wil-
                                                                               helmsquartier als besonderer Ort auf.

                                                                               Barbara Hutter, Christiane Schwarz,
                                                                               Prof. Cornelia Müller, Angeli Büttner

                                                                                                                       25
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