ApoFokus Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper - Was sind Biosimilars? Chancen und Risiken der Biosimilar-Hersteller Interessante ...

 
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Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper
> Was sind Biosimilars?
> Chancen und Risiken der Biosimilar-Hersteller
> Interessante Marktentwicklung

Ausgabe 1│2015
ApoFokus Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper - Was sind Biosimilars? Chancen und Risiken der Biosimilar-Hersteller Interessante ...
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Titelfoto: Thinkstock
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Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

Inhalt
Zusammenfassung                                                4
Was sind Biosimilars?                                          5
Komplexer Zulassungsprozess für Biosimilars                    6
Auswirkungen der Patentabläufe                                10
Chancen und Risiken für die Biosimilar-Hersteller             13
Mögliche Einsparpotenziale durch Biosimilars                  20
Interessante Marktentwicklungen                               22
Fazit                                                         24

                                                                3
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Zusammenfassung

                            Zusammenfassung
Generika                    Die Generika-Industrie hat in den letzten Jahrzehnten durch die Patentabläufe
                            von chemisch synthetisierten Molekülen einen Boom erlebt und die Gesund-
                            heitssysteme durch kostengünstige Arzneimittel entlastet.
Biosimilars 1.0             Im Jahr 2006 wurden die ersten beiden Biosimilars, ein Generikum eines bio-
                            technologisch rekombinant hergestellten Wachstumshormons und einer
                            Immunstimulanz für die Krebsbehandlung, in der EU zugelassen.
                            In den Folgejahren kamen weitere Substanzen hinzu, beispielsweise Erythro-
                            poetin, ein Wachstumsfaktor für die Entstehung von roten Blutkörperchen. Es
                            wird z. B. bei Nierenversagen in der dann notwendigen Dialyse eingesetzt.
Biosimilars 2.0             Die neue Herausforderung für die Hersteller von Medikamenten ist die Gene-
                            ration Biosimilar 2.0. Hierbei handelt es sich um „Kopien“ von monoklonalen
                            Antikörpern. Die Erlöse der Originalhersteller fordern die Nachahmer-Industrie
                            heraus, da die Umsatzpotenziale enorm sind.
Entwicklung und Zulassung   Bei der Forschung und Entwicklung von Biosimilars sind jedoch hohe Hürden
deutlich komplexer          zu nehmen, da keine bioidentischen, sondern nur bioähnliche Kopien möglich
                            sind und die Produktion in gentechnisch veränderten Organismen stattfindet.
                            Weiterhin müssen klinische Prüfungen für die Wirksamkeit und Verträglichkeit
                            durchgeführt werden, ähnlich dem des Originals. Für klassische Generika ist
                            nur ein Nachweis der Bioäquivalenz gegenüber dem Original erforderlich.
                            Die Frage der Marktdurchdringung und des Erfolges des Biosimilar-Herstellers
                            hängt von der Preisbildung ab. Aufgrund der Entwicklungszeit von ca. acht
                            Jahren und des Produktionsprozesses sind keine Preiserosionen wie bei den
                            normalen Generika zu erwarten. Des Weiteren ist offen, ob der Originalanbie-
                            ter seine Preisstruktur anpassen wird, um seine Marktanteile zu sichern.
Biosimilars Remsima /       Das erste Biosimilar eines monoklonalen Antikörpers (Remsima) wurde 2013
Inflectra                   in der EU zugelassen. Die Vermarktung startete jedoch aufgrund der Patentsi-
                            tuation erst im Februar 2015. Die Preise in Deutschland liegen „nur“ 10 %
                            unter denen des Originals Remicade. Ob die Vermarktung von Remsima eine
                            „Blaupause“ für die kommenden Biosimilars darstellt, wird die Zukunft zeigen.
                            Dieser Fokus soll eine Übersicht über die forschenden Biosimilar-
                            Unternehmen geben und eine mögliche Marktentwicklung aufzeigen.

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Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                                                     Was sind Biosimilars?

                            Was sind Biosimilars?
Proteinsynthese in          Die Nachahmung eines Biopharmazeutikums bezeichnet man als Biosimilar,
Organismen                  also ein biotechnologisch hergestelltes Medikament. Meist handelt es sich um
                            Proteine, die nicht chemisch synthetisiert werden können, wie es bei her-
                            kömmlichen Generika der Fall ist. Sie werden in Organismen wie Hefen, Bak-
                            terien oder Säugetierzellen „produziert“. Dafür wird über gentechnische Ver-
                            fahren die für das Protein kodierende DNA in die Wirts-DNA des Organismus
                            eingesetzt. Daraufhin wird das Protein vom Wirtsorganismus produziert und
                            über spezielle Verfahren extrahiert.
Aufreinigung                Des Weiteren findet eine aufwendige Trennung der Zielproteine von den rest-
                            lichen aktiven Substanzen und Zellbestandteilen nach der Extrahierung aus
                            dem Organismus statt, um das biologisch aktive Zielmolekül zu erhalten. Auch
                            muss eine schonende Aufreinigung stattfinden, da das Protein mit seiner
                            dreidimensionalen Struktur nicht denaturieren (inaktiv) darf, um seine biologi-
                            sche Aktivität aufrechtzuerhalten.
Applikation                 Aufgrund der komplexen Strukturen dieser Wirkstoffe werden diese per Infu-
                            sion oder Injektion in den menschlichen Körper eingebracht. Bei einer oralen
                            Anwendung würden sie, im Gegensatz zu den meisten herkömmlich chemisch
                            synthetisierten Generika, im Magen-Darm-Trakt inaktiviert werden.
Bioähnlich ≠ Bioidentisch   Ein wichtiger Aspekt bei der Herstellung von Biosimilars ist, dass keine identi-
                            sche Kopie des Originalpräparates gesichert produziert werden kann. Die Ver-
                            fahren und die produzierenden Organismen sind nicht identisch mit dem des
                            Originalherstellers. Daher auch: biosimilar = bioähnlich.
Substanzklassen             Es gibt verschiedene Arzneimittel, die mittels biotechnologischer Verfahren
                            hergestellt werden: Dazu gehören beispielsweise Impfstoffe, Hormonprodukte
                            (z. B. Wachstumshormone, Erythropoetin), Immunmodulatoren (z. B. Beta-
                            Interferon), Enzyme (z. B. als Ersatztherapie für Stoffwechselerkrankungen)
                            und auch monoklonale Antikörper. Diese werden zur Behandlung verschiede-
                            ner Krankheiten eingesetzt, beispielsweise in der Onkologie oder in der
                            Rheumatologie.
Biosimilar 2.0              Bei dieser neuen Generation von Biosimilars, also „Kopien“ von monoklonalen
                            Antikörpern, spricht man aufgrund der Komplexität dieser Proteine und der
                            Kostenintensität von der 2. Generation der Biogenerika: Biosimilars 2.0.

                                                                                                          5
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Komplexer Zulassungsprozess für Biosimilars

                              Komplexer Zulassungsprozess für Biosimilars
                              Die Komplexität der biologischen Medikamente erfordert im ersten Schritt -
                              im Vergleich zu den herkömmlichen Generika - einen neuen Zulassungspro-
                              zess. Eine einfache Überprüfung der Bioäquivalenz ist, in Analogie zu den
                              chemisch synthetisierten Generika, ungenügend.
                              In der nachfolgenden Übersicht ist der Zulassungsaufwand der Biosimilars im
                              Vergleich zu den konventionellen Generika bzw. zu den Original-biologischen
                              Arzneimitteln tabellarisch dargestellt:
Zulassungsaufwand              Entwicklung/           Konventionelle                                    Biologische
                               Produktion               Generika             Biosimilars           Originalmedikamente
                               wissenschaftl.
                                                          niedrig               mittel                  am höchsten
                               Anforderungen

                               Zeit                      3-4 Jahre           ca. 8 Jahre             mehr als 10 Jahre

                                                       < 5 Mio. USD       ca. 200 Mio. USD           > 800 Mio. USD
                               Kosten                  Bioäquivalenz           verkürzte                  normale
                                                        ausreichend       klin. Entwicklung          klin. Entwicklung

                               Produktionsprozess       einfach, kurz          komplex                komplex, lange

                               Vermarktung
                                                                          mittlerer Aufwand
                               Marketing & Vertrieb   geringer Aufwand                                 hoher Aufwand
                                                                         Werbung/Schulungen
                                                       viele, geringe      einige, partielle              wenige,
                               Wettbewerber
                                                       Unterschiede         Unterschiede             sehr differenziert

                                                                                    Quelle: Geschäftsbericht Amgen, Präsentation

Klinische Prüfungen           Aufgrund dessen müssen auch die hergestellten Biosimilars klinische Prüfun-
notwendig                     gen durchlaufen, da die Proteine eben nicht identisch, sondern nur ähnlich
                              sind. Des Weiteren muss das Nebenwirkungsprofil aufgrund des neuen Pro-
                              duktionsprozesses geprüft werden. Eine Vergleichbarkeit mit dem Referenz-
                              produkt ist aufgrund der nur bioähnlichen Struktur des Proteins nicht möglich.
Phase I - Studien             Ausgangspunkt sind präklinische Untersuchungen und nachfolgende klinische
                              Phase-I-Studien. Nur wenn in diesen Studien das Nebenwirkungsprofil und die
                              Stoffverteilung im menschlichen Körper positiv beschieden werden, können
                              Wirksamkeitsstudien folgen.

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Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                                       Komplexer Zulassungsprozess für Biosimilars

Phase II - Studien              Die Phase-II-Studien können entfallen, da die benötigten Daten bereits durch
                                das Referenzprodukt bekannt sind (Dosierung, Injektion oder Infusion, Arz-
                                neimittelformulierung (nach Good Manufacturing Practice = GMP-Richtlinien)).
Phase III - Studien             Von den europäischen Zulassungsbehörden werden an die Phase-III-Studien
                                recht unterschiedliche Anforderungen gestellt. Zudem sind diese abhängig
                                von den Substanzklassen. Beispielsweise werden für rekombinantes Human-
                                insulin keine Wirksamkeitsstudien vorausgesetzt. Bei anderen Wirkstoffgrup-
                                pen wie beispielsweise für G-CSF (Granulozyten-Kolonie stimulierende Fak-
                                tor), Wachstumshormone oder Erythropoetin werden unterschiedliche
                                Kriterien und damit andere Studienanforderungen verlangt.

                                Schematische Darstellung der Entwicklungszeiten für ein Biosimilar
Zeitschiene                       9-12 M.
                                                                                                         Biosimilar
                                     Zell-                                                               Einführung
                                    Linie/
                                   Prozess- 12 M.
                                    entw.      Prä-    9-12 M.
                                              klinik    Phase      24-36 M.
                                                          I
                                                                              Phase III       12-18 M.

                                                                                                 Zulassung

                                      1         2         3           4          5        6      7           8
                                                                          Jahr

                                                                                                             Quelle: Sandoz

Zulassung in der Europäischen   Die ersten Biosimilars 1.0 wurden in der Europäischen Union (EU) zugelassen,
Union (EU)                      da die EMA (European Medicines Agency = Europäische Arzneimittel-Agentur)
                                frühzeitig einen Zulassungsprozess für die Nachahmer von biotechnologisch
                                hergestellten Wirkstoffen etablierte. Im Jahr 2006 wurden die ersten Produk-
                                te, Omnitrope (Somatropin) und Zarzio (Filgrastim) von Sandoz für die Ver-
                                marktung freigegeben.. Hierbei handelt es sich zum einen um ein rekombinan-
                                tes menschliches Wachstumshormon, welches die gleiche Struktur wie das
                                körpereigene Hormon besitzt, zum anderen um ein Immunstimulanz.
Infliximab                      Der erste monoklonale Antikörper Infliximab wurde von der EMA im Septem-
                                ber 2013 zugelassen. Da Johnson & Johnson über die Kinderform das Patent
                                von Remicade verlängern konnte, wurde das Biosimilar 2.0 erst im Februar
                                2015 von Hospira (Inflectra) bzw. deren Lizenznehmern innerhalb der EU ver-
                                marktet.

                                                                                                                          7
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Komplexer Zulassungsprozess für Biosimilars

Europa
                              Tabelle der zugelassenen Biosimilars in der Europäischen Union
                               Aktivsubstanz      Hersteller                    Erkrankung                                  Zulassung
                                                                                Krebs
                               filgrastim         Sandoz                        Hämatopoetische Stammzellentherapie         02.2006
                                                                                Neutropenie
                                                                                pituitäre Kleinwüchsigkeit
                               somatropin         Sandoz                        Prader-Willi-Syndrom                        04.2006
                                                                                Turner-Syndrom
                                                                                Blutarmut
                               epoetin alfa       Hexal                         Krebs                                       08.2007
                                                                                chronisches Nierenversagen
                                                                                Blutarmut
                               epoetin alfa       Sandoz                                                                    08.2007
                                                                                chronisches Nierenversagen
                                                                                Blutarmut
                                                                                autologe Blutransfusion
                               epoetin zeta       Hospira                                                                   12.2007
                                                                                Krebs
                                                                                chronisches Nierenversagen
                                                                                Blutarmut
                                                                                autologe Blutransfusion
                               epoetin zeta       Stada Arzneimittel                                                        12.2007
                                                                                Krebs
                                                                                chronisches Nierenversagen
                                                                                Krebs
                               filgrastim         Ratiopharm                    Hämatopoetische Stammzellentherapie         09.2008
                                                                                Neutropenie
                                                                                Krebs
                               filgrastim         Teva Pharmaceuticals          Hämatopoetische Stammzellentherapie         09.2008
                                                                                Neutropenie
                                                                                Krebs
                               filgrastim         CT Arzneimittel               Neutropenie                                 09.2008
                                                                                Hämatopoetische Stammzellentherapie
                                                                                Krebs
                               filgrastim         Hexal                         Hämatopoetische Stammzellentherapie         02.2009
                                                                                Neutropenie
                                                                                Krebs
                               filgastrim         Hospira                       Hämatopoetische Stammzellentherapie         06.2010
                                                                                Neutropenie
                                                                                Spondylitis ankylosans
                                                                                chronische Erkrankungen
                                                                                Psoriatische Arthritis
                               infliximab         Hospira                                                                   09.2013
                                                                                Schuppenflechte
                                                                                Rheumatoide Arthritis
                                                                                chron. entzündliche Darmerkrankung
                               follitropin alfa   Teva Pharmaceuticals          Anovulation                                 09.2013
                                                                                 Spondylitis ankylosans
                                                                                 chronische Erkrankungen
                                                                                 Psoriatische Arthritis
                               infliximab         Celltrion                                                                 09.2013
                                                                                 Rheumatoide Arthritis
                                                                                 Schuppenflechte
                                                                                 chron. entzündliche Darmerkrankung
                               insulin glargine   Eli Lilly/Boehringer Ingelheim Diabetes                                   09.2015

                                                                                               Quelle: EMA (European Medicines Agency)

8
Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                               Komplexer Zulassungsprozess für Biosimilars

USA                            In den USA wurden die Grundzüge für die Zulassung eines Biosimilars spät
                               festgelegt. Erst 2009 wurde ein Gesetz (BPCI Act) verabschiedet, welches die
                               verkürzte Zulassung und „Austauschbarkeit“ von Biosimilars gegenüber den
                               Referenzprodukten regelt. Der Abschnitt 351 (k) des Bundesgesetzes für die
                               Volksgesundheit und Tierschutz (Public Health Service Act) erlaubt den Zugriff
                               auf Daten des Referenzproduktes.
                               Der Rückgriff bezieht sich vor allem auf wissenschaftliche Erkenntnisse über
                               die Sicherheit und Wirksamkeit des Originalpräparates. Die Zulassung durch
                               die FDA erfolgt nur, wenn das Biosimilar sich des gleichen Wirkmechanismus
                               sowie der gleichen Dosierung und Konzentration des Wirkstoffes bedient. Au-
                               ßerdem muss die Applikation dem Referenzprodukt entsprechen, und die Pro-
                               duktionsstätten müssen den Standards der FDA-Zertifizierung genügen.
                               Aufgrund der verspäteten Verabschiedung des Gesetzes und des Zulassungs-
                               prozesses durch die FDA verzögerte sich die Erstzulassung eines Biosimilars
                               im Vergleich zur EU.
Erstes Biosimilar in den USA   Am 6. März 2015 wurde das Biosimilar Zarxio von Sandoz, der Generikatoch-
                               ter von Novartis, in den USA zugelassen. Der Wirkstoff ist Filgrastim aus der
                               Gruppe der Immunstimulanzien, der vorwiegend in der Therapie von
                               Neutropenien (verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten)) ein-
                               gesetzt wird. Die Wirkung beruht auf der Entstehung neutrophiler
                               Granulozyten und ihrer Freisetzung aus dem Knochenmark. Das Original
                               Neupogen wurde von Amgen entwickelt.
                               Im Vergleich dazu wurde Filgrastim bereits im Jahr 2006 durch die EU-
                               Behörden zugelassen. Neben Sandoz wird es von den Firmen CT-Arzneimittel,
                               ratiopharm und Teva Pharmaceuticals vertrieben.

                                                                                                           9
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Auswirkungen der Patentabläufe

                             Auswirkungen der Patentabläufe
USA – der größte Gesund-     Der wichtigste pharmazeutische Markt der Welt bleibt weiterhin die USA. Die
heitsmarkt der Welt          gesamten Gesundheitsausgaben haben einen Anteil von ca. 18 % am Bruttoin-
                             landsprodukt (BIP). Im Vergleich dazu beträgt in Deutschland und Frankreich
                             der prozentuale Anteil am BIP etwas über 11 %. Des Weiteren werden in den
                             Vereinigten Staaten von Amerika die höchsten Preise für Arzneimittel erzielt.
                             Aus diesem Grund versuchen alle global agierenden Pharmaunternehmen, auf
                             diesem lukrativen Markt mit ihren Medikamenten präsent zu sein.
                             Nachteilig wirken sich die Patentabläufe auf die Originalanbieter aus. Die
                             ehemaligen Blockbuster (jährliche Umsätze > 1 Mrd. USD) werden schnellst-
                             möglich kopiert, und die Umsätze der Originale reduzieren sich dramatisch.
                             Gerade der Cholesterinsenker Lipitor (Atorvastatin) brillierte mit einem jährli-
                             chen weltweiten Umsatz von fast 13 Mrd. USD bis 2011. Im Folgejahr 2012
                             brachen die Umsätze aufgrund des Patentablaufs ein. Im gleichen Jahr verlor
                             auch der Bluthochdrucksenker Diovan (Valsartan) das Patent. Der globale
                             jährliche Umsatz mit Diovan lag in der Spitze bei ca. 6 Mrd. USD. Die Erlös-
                             einbrüche dieser beiden Medikamente sind in der Grafik für das Jahr 2012
                             sehr gut zu erkennen.

                             Einfluss der Patentabläufe auf die Arzneimittelausgaben (USA)
                                 -10,7%

                                                                                                -13,0%
                                                   -14,0%

                                                                                       -14,0%
                                          -14,5%

                                                                              -16,0%
                                                                     -19,3%
                                                            -29,3%

                                 2009 2010 2011 2012 2013 2014e 2015e 2016e                              Quelle: IMS, CVS

                             Allerdings ist die Tendenz abnehmend, da ab 2014 weniger Patente auslau-
                             fen. Erst in den Jahren 2017 und folgende dürften sich die Erlösreduktionen
                             aufgrund der Biosimilars von monoklonalen Antikörpern wieder verstärken.
                             Die erste Zulassung eines Biosimilars in den USA (2015) war ein Meilenstein
                             für alle weiteren Anträge in diesem Marktsegment der biotechnologischen
                             Medikamente.

10
Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                                                                   Auswirkungen der Patentabläufe

                           Die nachfolgende Tabelle zeigt aus unserer Sicht die wichtigsten Patentabläu-
                           fe für monoklonale Antikörper in den kommenden Jahren.
Umsatzpotenziale der                                              Entwickler Biosimilar (Phasen)

                                                               Actavis/            Biogen                           Ablauf          Umsatz 2014
Biosimilars (Stand 2014)
                           Hersteller    Medikament   Sandoz   Amgen Hospira        Idec     Mylan    Pfizer     Patentschutz        (Mrd. USD)
                                                                                                               2016 (USA),
                           AbbVie        Humira        P III                                                                            12,5
                                                                                                               2018 (EU)
                                         Enbrel        P III                                                   2023, 2028                4,7
                                         Neulasta      P III                                                   2015                      4,6
                           Amgen
                                         Epogen        P III              P III                                2014 (USA)                2,0
                                         Neupogen      P III                                                   2013                      1,2
                           Pfizer        Enbrel        P III                        P III                      diverse Zeitpunkte        3,9
                                                                                                               2015-2018 (USA),
                                         Rituxan       P III                                                                             7,5
                                                                                                               2013 (EU)
                                                                                                               2019 (USA),
                           Roche         Avastin                P III                                                                    7,0
                                                                                                               2022 (EU)
                                                                                                               2019 (USA),
                                         Herceptin              P III     P III               P III    P III                             6,9
                                                                                                               2014 (EU)
                           Joh. & Joh.   Remicade                         P III     P III                      2018 (USA)                6,9
                           Merck                                          am
                                         Remicade                                                              2015 (EU)                 2,4
                           & Co.                                         Markt

                                                                                                                                    Quelle: Moody´s

                           Die Umsatzschätzungen für den Biosimilar-Markt variieren. Einerseits lässt
                           sich der Zeitpunkt einer Zulassung nur schwer einschätzen. Andererseits ist
                           es schwierig, die Höhe der Preissenkungen vorherzusagen. Auch die Anzahl
                           der betrachteten Wirkstoffe ist unterschiedlich.
                           In der Zeit von 2015 bis 2019 sollen 65 Mrd. USD Umsatz bei den Original-
                           herstellern im Wettbewerb zu den dann zugelassenen Biosimilars allein in den
                           USA stehen. Andere Prognosen sehen in einer Zeitspanne von 2015 bis 2025
                           die Größenordnung bei 110 Mrd. USD.

                           Gegenstrategien der Pharma-Konzerne in den USA
                           Die Pharma-Konzerne versuchen, durch Strategien den Umsatzrückgängen
                           entgegenzuwirken. Die wichtigsten beeinflussbaren Komponenten im
                           amerikanischen Gesundheitsmarkt sind zum einen die Struktur des Systems
                           und zum anderen die jährlichen Preiserhöhungen von Arzneimitteln durch die
                           Hersteller.
Deutschland                In Deutschland sind die Preise von neuen, innovativen Medikamenten nur im
                           ersten Jahr von dem jeweiligen Hersteller frei festlegbar. Ab dem zweiten
                           Vermarktungsjahr müssen die Verkaufspreise mit den gesetzlichen
                           Krankenkassen verhandelt werden, meist mit einem Abschlag.

                                                                                                                                                  11
apoFokus
apoResearch Anlageinformation

Auswirkungen der Patentabläufe

                             Das deutsche System beruht auf der Lieferung des Medikamentes an den
                             Großhandel, der wiederum die Apotheken beliefert. Die Abgabespannen für
                             die Arzneimittel sind dabei gesetzlich festgeschrieben.
USA                          In den USA ist das System anders aufgebaut. Die so genannten Pharmacy
                             Benefit Manager (PBM) sind Zwischenhändler, die mit den Herstellern
                             Rabatte verhandeln und diese an Apotheken oder Krankenversicherungen
                             teilweise oder ganz (abzgl. einer Dienstleistungspauschale) weitergeben.
                             Diese PBM´s sind freiberuflich tätig oder bei den Krankenversicherern
                             angestellt. Diese zusätzliche Ebene in der Arzneimittelliefer-kette ermöglicht
                             den Herstellern, Verhandlungen über den Arzneimittelpreis mit
                             unterschiedlichen Parteien zu führen und so höhere Preise durchzusetzen.
Jährliche Preiserhöhungen    Ein Vorteil dieser Struktur für die Pharmaunternehmen ist diese Ineffizienz
sind in den USA Standard     des pharmazeutischen Marktes. Zwei Gründe spielen eine Rolle:
                             1.   Es handeln zu viele Akteure im Markt, die zwar im Wettbewerb stehen, aber
                                  auch ihre eigene Rendite optimieren wollen (interne und externe PBM´s).
                             2.   Der Ablauf vieler Patente im breiten Markt (beispielsweise Choleste-
                                  rinsenker, Asthmamedikamente) sorgt für einen Preisverfall des Original-
                                  Medikaments. Im Umkehrschluss erhöhen die Konzerne jedes Jahr die Prei-
                                  se für ihre (noch) patentgeschützten Arzneimittel und Markenprodukte.

                             Aufgrund der vielen Patentabläufe fallen die Preiserhöhungen von ca. 11 %
                             (CAGR 10,86 % / 5 Jahre) im Gesamtbudget für patentgeschützte Medika-
                             mente nicht übermäßig ins Gewicht.

                             Durchschnittliche jährliche Preiserhöhungen im Vergleich zum Vorjahr

                                                                              13,3%
                                                        12,3%      11,9%

                                             8,9%
                                  7,9%

                                                                                               Quelle: IMS,
                                  2010       2011       2012       2013       2014*            Bloomberg, Bernstein

                             Dadurch kann ein Teil der Umsatzverluste von ausgelaufenen Patenten in den
                             USA aufgefangen werden.

12
Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                                                                Chancen und Risiken für die Biosimilar-Hersteller

                                Dies ist deswegen so wichtig, da die Abhängigkeit mancher Medikamenten-
                                hersteller vom amerikanischen Markt immens ist. Erlösanteile von über 30 %
                                bis fast 80 % zeigen die Abhängigkeit vom US-Markt. Aufgrund der hohen
                                Margen wird für die USA-lastigen Unternehmen der Beitrag für das operative
                                Ergebnis auf fast 70 % geschätzt.

                                Jährliche Umsätze ausgewählter Unternehmen nur in den USA
USA Erlöse essentiell für die       Spezialisierte Pharma ∅ : 58 %                                                      Groß-Pharma ∅: 40 %
Unternehmen
                                                        79 %
                                   71 %

                                                                                                     69 %
                                             62 %

                                                                  57 %
                                                                          56 %

                                                                                                                    56 %
                                                                                                             51 %
                                                                                              47 %

                                                                                                                                     41 %
                                                                                                                            39 %

                                                                                                                                             38 %

                                                                                                                                                                      37 %
                                                                                                                                                    33 %
                                                                                                                                                           33 %

                                                                                                                                                                              32 %
                                                                                 19 %
                                             Allergan

                                                                                                                                                           Novartis
                                                                                                                    Lilly
                                   Actavis

                                                                                                                                                                      Roche
                                                                                                                                     Merck
                                                                  Mylan
                                                                          Teva

                                                                                              Novo

                                                                                                                                             AZN
                                                                                                                            Pfizer

                                                                                                                                                                              Sanofi
                                                                                                     Shire

                                                                                                             BMS

                                                                                                                                                    GSK
                                                                                 MerckKGaA
                                                        Hospira

                                                                                                                                                    Quelle: Geschäftsberichte

                                Chancen und Risiken für die Biosimilar-Hersteller
Umsatzpotenziale                Die im Zeitraum von 20115 bis 2019 geschätzten 65 Mrd. USD der Originale
                                spiegelt sich das Potenzial für die Biosimilar-Hersteller wider. Auch bei einer
                                angenommenen Preisreduktion von durchschnittlich 35 % zum Originalpreis
                                scheint sich der Aufwand für die Unternehmen zu lohnen.
Preise                          Aber nicht nur Chancen für neu zu realisierende Umsätze der Akteure sind
                                gegeben, es existieren auch Unsicherheiten. Derzeit ist nicht zu kalkulieren,
                                wie schnell und wie stark der Originalhersteller seine Preise senken wird. Soll-
                                te das Referenzprodukt preisgleich vertrieben werden, hätte das Biosimilar
                                nur geringe Chancen, Marktanteile zu gewinnen bzw. sich zu etablieren. In
                                diesem Szenario besteht das Risiko, dass der Biosimilar-Hersteller seine F&E-
                                Kosten nicht erwirtschaften und mögliche Gewinne nicht realisieren kann.

                                                                                                                                                                                       13
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Chancen und Risiken für die Biosimilar-Hersteller

Marktschutz für Biosimilars     Ob es einen Marktschutz für Biosimilar-Hersteller von den staatlichen Behör-
                                den geben wird, ist noch unklar. Hintergrund ist, dass die Originalhersteller
                                kurz vor Ablauf des Patentes den Krankenkassen einen höheren Rabatt ge-
                                währen und sich dadurch weiterhin Exklusivität für ein oder zwei Jahre si-
                                chern.
Moratorium in Deutschland       In Deutschland wird diskutiert, ob es ein zweijähriges Moratorium bei der Ein-
                                führung eines Bio-Generikums gibt. Die vorgenannte Praxis der Originalher-
                                steller soll so verhindert werden, um den Biosimilars die Möglichkeit zu ge-
                                ben, entsprechende Marktanteile zu erreichen.
Re-Importe                      Aufgrund der weltweiten Preisunterschiede für Medikamente stellt sich auch
                                die Frage der Re-Importe, das heißt die Nutzung der günstigeren Preise aus
                                dem Ausland für ein identisches Präparat. Eine Importquote für die klassi-
                                schen Generika existiert bereits in Deutschland.
Wettbewerb                      Die Intensität des Wettbewerbs ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Je mehr
                                Zulassungen für ein einzelnes Biosimilar erteilt werden, desto mehr Anbieter
                                kämpfen um Marktanteile. Dies kann zu weiteren Preissenkungen führen. Was
                                zum Nutzen der Krankenversicherer und Patienten wäre, birgt ebenfalls das
                                Risiko, dass einige Unternehmen ihre Forschung & Entwicklungskosten nicht
                                mehr verdienen können.
Nebenwirkungsprofil             Natürlich stehen Sicherheit und Effektivität im Vordergrund bei einem
                                Biosimilar. Die Zulassungsstudien sind aber nicht so breit angelegt, dass jede
                                Nebenwirkung erfasst werden kann. Bei einer breiteren Anwendung kommen
                                auch seltenere Nebenwirkungen zum Vorschein, die dokumentiert und aus-
                                gewertet werden müssen. Jedoch besteht auch die Möglichkeit, dass ein
                                Biosimilar geringere Nebenwirkungen hervorruft als das Originalpräparat.
                                Weiterhin wird das Wirkungsprofil mit dem des Originalprodukts verglichen.
                                Entspricht die Dosierung bei der geprüften Indikation der des Originals oder
                                zeigt ein Biosimilar sogar eine überlegenere Wirksamkeit gegenüber dem Re-
                                ferenzprodukt? Dies könnte eine große Chance für den Biosimilar-Hersteller
                                darstellen, beispielsweise Marktanteile ohne Preisabschlag zu gewinnen.
                                Erst nach einer breiten Anwendung von Biosimilars können diese Fragen be-
                                antwortet werden und eine konkretere Prognose über die Marktentwicklungen
                                und die Umsätze getätigt werden.

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Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                                                Chancen und Risiken für die Biosimilar-Hersteller

Originalanbieter werden zu Biosimilar-Produzenten
Viele Unternehmen aus der Pharmaindustrie haben sich in den letzten Jahren
auf die Forschung und Entwicklung von Biosimilars eingelassen, um zusätzli-
che Umsätze/Gewinne zu erwirtschaften. Allerdings entsteht bereits in der
Entwicklungsphase ein harter Wettbewerb, wer der Erste sein wird.

Die nachfolgende Übersicht spiegelt die aktuelle Forschung wider

                                                                                                                                                                                                Aranesp (darbepoetin alfa)
                                                                                                                                                                    Neulasta (pegfilmgrastim)
                                                                                                                  Herceptin (trastuzumab)

                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Lantus (insulin glargine)
                                                                                                                                            Avastin (bevacizumab)
                                             Remicade (infliximab)
                       Humira (adalimumab)

                                                                                                                                                                                                                             Synagis (palivizumab)

                                                                                                                                                                                                                                                     Eprex (epoetin alfa)

                                                                                                                                                                                                                                                                            Enbrel (etanercept)
                                                                      Erbitux (cetuximab)

                                                                                            Rituxan (rituximab)

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              Umsatz-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                ziel
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              in Mrd.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                USD
Sandoz (Novatis)                                                                                                                                                                                                                                                                                                              21,8
Amgen/Actavis                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 23,6
Hospira/Pfizer                                                                                                                                                                                                                                                                                                                32,9
Celltrion                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     29,1
Mylan/Biocon                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  25,5
Boehringer Ingelheim                                                                                                                                                                                                                                                                                                          16,2
Biogen Idec                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   15,8
Merck                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         15,1
Baxter                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        14,4
Momenta                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       9,5
Dr Reddy/Merck KGaA                                                                                                                                                                                                                                                                                                           8,4
Teva                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          7,4
Lupin                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         7,0
Wockhardt                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     3,2
Eli Lilly                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     3,2
Dong-A                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        0,7

                                                                                                                                                                                                         Quelle: Unternehmensberichte, Bloomberg

Sollten die Forschungsprojekte erfolgreich sein, stellt sich ebenfalls die Frage,
welches Erlöspotenzial aus den zugelassenen Biosimilars möglich ist.
Aufgrund dessen, dass Humira das größte Umsatzpotenzial für die Biosimilars
darstellt, haben sich auch die meisten Firmen auf diesen monoklonalen Anti-
körper konzentriert. Stellvertretend für alle Biosimilars sollen anhand von
Humira die mögliche Preiserosion des Originalherstellers und die Aussichten
der Adalimumab-Potenziale dargestellt werden.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        15
apoFokus
apoResearch Anlageinformation

Chancen und Risiken für die Biosimilar-Hersteller

                                Humira (Adalimumab)
                                Die Bedingungen sind für jeden Biosimilar-Wirkstoff gleich: regulatorische
                                Anforderungen und gesetzliche Auflagen müssen erfüllt werden, und die Ver-
                                marktungsperspektiven unterliegen dem Wettbewerb.
Humira                          Humira ist ein monoklonaler Antikörper, der gegen den Tumor-Nekrose-
                                Faktor-α (TNF-Blocker) eingesetzt wird. Die Indikationsgebiete umfassen die
                                rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Spondylitis ankylosans sowie die
                                Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Patentabläufe EU und USA        Das Patent für den monoklonalen Antikörper läuft in den USA im Jahr 2016
                                und in der EU im Jahr 2018 aus. Für das Jahr 2017 gehen die Konsensus-
                                Schätzungen für den Wirkstoff, den die amerikanische Pharmafirma AbbVie
                                vertreibt, von einem weltweiten Umsatz in der Größenordnung von ca. 16
                                Mrd. USD aus, ca. 9 Mrd. USD in den USA und außerhalb der USA ca. 7 Mrd.
                                USD.
Umsatzverluste des Originals    Ab 2018 wird erwartet, dass durch die Einführung von Biosimilars der globale
                                Umsatz des Originalproduktes in den folgenden fünf Jahren um etwa 60 % zu-
                                rückgeht, d. h. Humira wird in 2022 noch ca. 6 Mrd. USD erlösen.

                                Umsatzrückgänge von Humira (ab 2015 geschätzt) in Mrd. USD

                                20

                                15

                                10

                                 5

                                 0
                                      2012 2013 2014 2015e 2016e 2017e 2018e 2019 2020e 2021e 2022e

                                                                                Quelle: Bloomberg (Konsensusschätzungen)

                                Die Grundlage für diesen doch starken Einbruch in den Erlösen liegt in der
                                Vielzahl der Unternehmen, die an einem Biosimilar für Adalimumab arbeiten.
                                In der Summe sind es 13 Pharmafirmen, die in unterschiedlichen Entwick-
                                lungsphasen für Humira sind. Am wahrscheinlichsten ist, dass Amgen und
                                Sandoz als erste eine Zulassung erhalten und das Produkt vermarkten.

16
Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                             Chancen und Risiken für die Biosimilar-Hersteller

                         Übersichtstabelle Humira-Biosimilars
                         Biosimilar Sponsor       Erkrankung        Ph III Status                          Erwartete Zulassung
                                                  Schuppenflechte   Phase III komplett, 1. Hj. 2015
                         Amgen                                                                             2. Hj. 2015
                                                  RA*               Phase III fortlaufend, Q2 2015
                                                                                                           Ende 2015/
                         Sandoz                   Schuppenflechte   Phase III fortlaufend, Q3 2015
                                                                                                           Anfang 2016
                         Samsung/Biogen Idex      RA*               Phase III fortlaufend, Q3 2015         1. Hj. 2016
                         Boehringer Ingelheim     RA*               Phase III fortlaufend, 2. Hj. 2016     2017
                                                                    Phase I komplett Jan. 2014,
                         Pfizer                   RA*               Beginn RoW Phase III Okt. 2014.        2017
                                                                    Pläne US-Entwickler unklar
                         Fujifilm Kyowa
                                                  RA*               Phase III fortlaufend, 2. Hj. 2016     2017
                         Kirin Biologics
                                                  Schuppenflechte
                         Coherus Biosciences                        Phase III Startversuch, 2. Hj. 2015    2017
                                                  RA*
                         Eprius Biopharma         nicht bekannt     Physiochem. Charakterisierung          2018
                                                                    Beginn klinische Versuche in
                         Momenta/Baxter           nicht bekannt                                            2018
                                                                    Q1 2015
                         BioXpress Therap/
                                                  nicht bekannt     angekündigt Nov. 2013                  nicht bekannt
                         AET BioTech
                         Celltrion                nicht bekannt     Entwicklungspläne unklar               nicht bekannt
                         Oncobiologics            nicht bekannt     Phase I                                nicht bekannt
                         *Rheumatoide Arthritis

                                                                                                  Quelle: ClinicalTrials.gov (USA)

                         Aufgrund der geringen Variabilität des Moleküls zeigen die bisher veröffent-
                         lichten Daten der obigen Biosimilars eine gute Bioäquivalenz zum Referenz-
                         produkt. Gleiches gilt auch für die Produktion des monoklonalen Antikörpers.
                         Eine große Herausforderung ist jedoch die Immunogenität, also das Auslösen
                         einer nicht gewollten Immunreaktion, von Humira. Die Ursache liegt in der
                         Bildung von körpereigenen Antikörpern während der Therapie gegen den zu-
                         geführten monoklonalen Antikörper Adalimumab. Dadurch sinkt der Therapie-
                         erfolg bei den betroffenen Patienten.
USA                      Es existieren derzeit einige Spekulationen bzgl. der zukünftigen Preisbildung
                         bei den Humira-Biosimilars und des Verhaltens der „First-Mover“ Amgen und
                         Sandoz im amerikanischen Markt. Ein Grund für günstige Preise dürfte das
                         schnelle Erreichen von Marktanteilen sein, bevor weitere Biosimilars von
                         Adalimumab die Zulassung erhalten.
Preisreduktion um 50 %   Da auch AbbVie mit den Krankenversicherern Rabatte aushandelt bzw. vor
                         Patentablauf noch aushandeln wird, gehen viele davon aus, dass die beiden
                         Konzerne möglicherweise mit einem Preisabschlag von 50 % gegenüber dem
                         Original bei den Versicherern antreten werden, um signifikante Marktanteile

                                                                                                                               17
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Chancen und Risiken für die Biosimilar-Hersteller

                                zu erreichen. Ebenfalls wird davon ausgegangen, das AbbVie erst bei einem
                                Marktanteil von unter 30 % die Preise ebenfalls senken wird.
Preisspekulation                Des Weiteren wird spekuliert, ob Amgen und Sandoz untereinander nur einen
                                Wettbewerb bzgl. der Preisgestaltung in den USA anstreben, d. h. sie würden
                                mit einer ähnlichen Rabattstruktur gegenüber dem Referenzprodukt antreten.
                                Entscheidend wird auch sein, ob die neuerkrankten Patienten erst auf das
                                Original eingestellt werden und/oder nur die Langzeittherapie durch
                                Biosimilars substituiert wird.
                                Auch wenn viele Unsicherheiten im Falle von Adalimumab existieren, scheinen
                                die Investoren zu antizipieren, dass Humira signifikante Marktanteile verlieren
                                wird, sobald die Biogenerika verkauft werden.
EU                              Das Patent von Humira innerhalb der EU endet im Jahr 2018. Einerseits er-
                                laubt die EMA eine Substitution von etablierten Biosimilars aus anderen Län-
                                dern, andererseits ist das Nebenwirkungsprofil und die Hypersensitivität von
                                Humira ein wichtiger Aspekt, diese Biosimilars eng zu beobachten.
                                Die EMA hat jedoch gute Erfahrungen mit den Biosimilars von Filgrastim in
                                den letzten acht Jahren gemacht, und der Druck der Krankenkassen ist hoch,
                                die Gesundheitsausgaben zu senken. Damit dürfte einer schnellen Einführung
                                von Adalimumab eher Vorschub geleistet werden.

                                Remicade (Infliximab)
Erstes Biosimilar eines         Interessant dürfte die Vermarktung des Biosimilars Remsima / Inflectra von
monoklonalen Antikörpers        Hospira / Celltrion in den großen EU-Märkten sein. Die EMA erteilte bereits
                                2013 die Zulassung für das Biosimilar, allerdings konnte Johnson & Johnson
                                durch eine Kinderform die Zulassung für Remicade in der EU noch einmal bis
                                Februar 2015 verlängern.
                                Die publizierten Ergebnisse der Vergleichsstudien des Biosimilars mit dem
                                Original zeigen sowohl vergleichbare Wirkungsprofile als auch ähnliche Ne-
                                benwirkungen. Somit erweist sich das Biosimilar als geeignete Alternative für
                                die Behandlung von neuerkrankten Patienten. Inwieweit auch eine Substituti-
                                on des Originals der eingestellten Langzeitpatienten durchgeführt wird, steht
                                noch aus.
                                Aktuell liegen die Preise in Deutschland von Remsima in den unterschiedli-
                                chen Darreichungsformen um ca. 10 % unter dem Originalpreis von Remicade,
                                „mit Luft nach unten“ laut des Managements von Hospira. Ob diese Preisre-
                                duktion ausreichen wird, um signifikante Marktanteile zu gewinnen und in-

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Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                           Chancen und Risiken für die Biosimilar-Hersteller

                              wieweit der Originalanbieter nachzieht, ist eine offene Frage. Eine substanziel-
                              le Preissenkung vom Remicade-Hersteller wird aus unserer Sicht erst bei ei-
                              nem massiven Verlust von Marktanteilen stattfinden.
„Blaupause“                   Letztlich stellt sich natürlich die Frage, ob die Einführung dieses monoklona-
                              len Antikörper-Biosimilars eine „Blaupause“ für die kommenden Biogenerika
                              darstellt. Im Vordergrund werden die Preise und die Durchdringung des Mark-
                              tes von Remsima / Inflectra sein.
Vermarktung von Remsima in    Hospira konnte die ersten Erfahrungen bereits in Norwegen (über Lizenzneh-
Norwegen                      mer Orion Pharma) und anderen kleineren EU-Staaten, in denen das Remica-
                              de-Patent bereits abgelaufen war, sammeln. In Norwegen wurde über ein
                              Tendergeschäft ein Preisnachlass von 69 % gegenüber Remicade gewährt.
                              Bemerkenswert, da der Abschlag in der Vergangenheit für Biosimilars nur bei
                              15 % bis 30 % lag.
Strategie                     Aus unserer Sicht will Hospira mit dieser Strategie aber Remsima erst einmal
                              im Markt platzieren, um den anderen EU-Ländern zu zeigen, dass ihr
                              Biosimilar gut wirksam und verträglich ist. Dies ist wichtig, da die westlichen
                              Industrienationen (USA, Japan, Kanada, EU–Top 5) ca. 90 % des gesamten
                              Remicade Marktes repräsentieren.
Gewinnung von Marktanteilen   Des Weiteren bewirkt der hohe Preisnachlass höchstwahrscheinlich eine ver-
                              stärkte Erstlinientherapie, d. h. neuerkrankte Patienten werden sofort auf das
                              Biosimilar eingestellt. Die Marktanteile des Originals würden dadurch schnel-
                              ler sinken.
                              Sollte diese Strategie nicht vorteilhaft sein, könnten aufgrund dessen andere
                              zukünftige Anbieter von Biosimilars versuchen, die möglichen Fehler der
                              „First-Mover“ zu verhindern. Umgekehrt würden bei einem Erfolg die Wettbe-
                              werber eine ähnliche Strategie einschlagen.
                              Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Aspekt der Volumenaus-
                              weitung, da durch günstigere Preise auch mehr Patienten in den Genuss von
                              biotechnologisch hergestellten monoklonalen Antikörpern kommen werden.
                              Auch die demografische Entwicklung spricht für eine Marktausweitung der
                              Biosimilars in der Zukunft.

                                                                                                           19
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Mögliche Einsparpotenziale durch Biosimilars

                                Mögliche Einsparpotenziale durch Biosimilars
Krankenkassen                   Innovative Medikamente für die Behandlung von Erkrankungen, die wirksamer
                                und verträglicher als die gängigen Therapieansätze sind, erhöhen die Lebens-
                                qualität der betroffenen Patienten. Mit der Einführung der biotechnologisch
                                hergestellten Antikörper profitierten viele chronische Kranke von neuen The-
                                rapieansätzen, auch wenn die Medikamente teuer sind.
                                Mit dem Ablauf der Patente für die monoklonalen Antikörper bzw. der Einfüh-
                                rung von Biosimilars werden durch die Preisreduktionen die Krankenkassen
                                bzw. Leistungserbringer ein signifikantes Einsparpotenzial erzielen.
                                Über die kommenden 10 Jahre wird spekuliert, dass über 100 Mrd. USD auf-
                                grund von Biosimilars eingespart werden. Allein für das Jahr 2025 wird das
                                Einsparpotenzial auf 18 Mrd. USD geschätzt. Diese Zahlen sind beeindru-
                                ckend, jedoch wird es durch Volumenausweitung und mehr Behandlungsfälle
                                auch zu Umsatzsteigerungen kommen.
                                In der nachfolgenden Grafik sind die Umsätze der 10 führenden Originale der
                                monoklonalen Antikörper bis 2025 geschätzt. Ohne Einführung von
                                Biosimilars würde der Umsatz der Originale auf ca. 100 Mrd. USD ansteigen.
                                Durch die Vermarktung der Biosimilars und Preisnachlässe auch der Original-
                                anbieter wird sich das Einsparpotenzial weiter erhöhen.
                                Aufgrund zunehmender Zulassungen von beispielsweise Humira-Biosimilars
                                intensiviert sich auch der Wettbewerb der Biogenerika-Hersteller. Dadurch
                                dürften sich die Preise weiterhin ermäßigen und in 10 Jahren (2025 e) könnte
                                sich ein Einsparpotenzial von ca. 50 % für die Kassen (bzw. Leistungserbrin-
                                ger) ergeben.

                                Die nachfolgende Grafik zeigt mögliche Einsparpotenziale für die Krankenkassen
Positive Kostenentwicklungen               100
für die Leistungserbringer
(westliche Industrienationen)                                              50 % Einsparungen
                                Mrd. USD

                                           50
                                                                              20 % Biosimilar

                                                                         30 % Markenprodukte
                                            0
                                                                                                  Quelle: Bloomberg,
                                                 2012                                   2025 e    apobank

20
Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                                                                                                                                                                                               Mögliche Einsparpotenziale durch Biosimilars

                             Steigende Ausgaben in den USA durch innovative Therapien
                             Jedoch werden die Einsparungen für die Kostenträger durch die Biosimilars
                             nur die zukünftigen Ausgabensteigerungen verlangsamen, nicht reduzieren.
                             Grund hierfür ist einerseits die Demografie, andererseits aber auch die kom-
                             menden Medikamenten-Innovationen der Pharmaindustrie.
Innovationen bleiben teuer   Die forschenden Pharmaunternehmen haben aufgrund ihrer gefüllten F&E-
                             Pipelines und innovativer Trendwirkstoffe wie beispielsweise in der Immunon-
                             kologie keine wirklichen Umsatzeinbrüche zu befürchten. Nach einer Progno-
                             se von IMS Health sollen in den USA die potenziellen Ausgaben für Medika-
                             mente von 329 Mrd. USD (2013) auf 530 Mrd. USD in 2020 steigen. Dies
                             entspricht einem Gesamtanstieg von über 60 % oder einer durchschnittlichen
                             Wachstumsrate von 7 % pro Jahr.

                             Entwicklung der potenziellen Medikamentenausgaben (USA)
Ausgabentrend für
Medikamente in den USA                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           60 530
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      10 6
                                                                                                                                                                                                                                                                                       20 5                              5
                                                                                                                                                                                                                                                                     15
                                                                                                                                                                                            10
                                                                                                                                                                                    15 10 5                                                                                                                                                                       -50 -10
                                                                                                                                                              20
                                                                                 10 10
                                                                           30 10
                                                            20                                                                                                                                                                         7 % CAGR
                               329
                                                                     Neue Krebsmedikamente

                                                                                                                                                                                                     Hinteraugenerkrankungen
                              Medikamentenausgaben 2013

                                                                                                                             Neue Diabetesmedikamente

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Medikamentenausgaben 2020
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Atemwegserkrankungen
                                                                                                                                                        Seltene Erkrankungen
                                                          PD1/PDL1

                                                                                             Autoimmunerkrankungen

                                                                                                                                                                                                                                                    Hämophilie
                                                                                                                     PCSK9

                                                                                                                                                                               Alzheimer/Parkinson

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Generika
                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Zystische Fibrose

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Migräne
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      Opioide

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          2,5% Basiswachstum
                                                                                                                                                                                                                                                                 Herzinsuffizienz
                                                                                                                                                                                                                                Anti-Koagulantien

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Biosimilars
                                                                                                                                                                                                                                                                                    Hepatitis C

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Quelle: IMS Health, Bernstein

                             Aufgrund von auslaufenden Patenten werden in den Segmenten Generika und
                             Biosimilars Einsparungen in der Größenordnung von 60 Mrd. USD kalkuliert.
                             Vor allem Innovationen werden die Ausgaben nach oben treiben. Im Segment
                             Onkologie werden mit 50 Mrd. USD die höchsten Zuwächse erwartet
                             (PD1/PDL1; Neue Krebsmedikamente).

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    21
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Interessante Marktentwicklungen

Innovationen bleiben gefragt   Die Grafik illustriert anschaulich die Notwendigkeit von Innovationen. Neue
                               Therapieansätze in bekannten Indikationen oder die erstmalige medikamentö-
                               se Behandlung von seltenen Erkrankungen sind einige Zukunftsfelder der
                               Pharmaforschung. Die orale Behandlung von Hepatitis C mit Heilungserfolgen
                               von über 90 % wird die bisherige Kombinationsbehandlung mit Interferonen
                               und Ribavirin mittelfristig ablösen.

                               Interessante Marktentwicklungen
Originalhersteller als         Spannende Entwicklungen haben die Biosimilar-Welle ebenfalls erreicht. Nicht
Biosimilar-Entwickler          nur die etablierten Generikahersteller forschen und entwickeln Biogenerika,
                               sondern auch die Originalhersteller mit ihrem biotechnologischen Know-how
                               beteiligen sich an der Marktentwicklung Biosimilars 2.0.
                               Die globalen Milliardenumsätze der frei werdenden monoklonalen Antikörper
                               (bspw. Humira) oder auch Insulin (Lantus) versprechen lukrative Zusatzgewin-
                               ne und können die Umsatzverluste der eigenen Originale teilweise kompen-
                               sieren.
„Bio-betters“ / Life cycle     Eine weitere Strategie ist die Weiterentwicklung eines biotechnologischen
Management                     Originals mit einer besseren Wirksamkeit oder Verträglichkeit. Dies sichert
                               Marktanteile des Vorläufermedikaments bzw. wirkt der Marktdurchdringung
                               des Biosimilars für die Indikation(en) entgegen. Die Entwicklung von Nachah-
                               merprodukten des Erythropoetins ist ein Beispiel dafür.
Epogen                         Nach Patentablauf von Epogen (Amgen) entwickelten sehr viele pharmazeuti-
                               sche Unternehmen ein Biosimilar, also eine „Kopie“ von Erythropoetin α. Das
                               Biosimilar der ersten Generation (Biosimilar 1.0) ist jedoch im Vergleich zu
                               monoklonalen Antikörpern keine große Herausforderung gewesen, entspre-
                               chend viel Biosimilars wurden zugelassen.
Nachfolgeprodukt Aranesp       Die Abwehrstrategie von Amgen lag jedoch in der Markteinführung eines län-
                               ger wirksamen Erythropoetin, nämlich Darbepoetin α (Aranesp). Die Serum-
                               halbwertszeit dieses Derivates von Erythropoetin lag um den Faktor 3 höher
                               als die des Originals Epogen.
Nachfolgeprodukt Micera        Auch Roche reagierte nach dem Patentablauf von NeoRecormon (Erythro-
                               poetin β) und entwickelte ebenfalls einen Nachfolger. Mit der Vermarktung
                               von Micera, einem durch PEGylierung jetzt langwirkendem Erythropoetin β,
                               sicherten sich die Schweizer ebenfalls Marktanteile.

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Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                                     Interessante Marktentwicklungen

                         Eine gleichartige Vorgehensweise wurde von Roche für Filgrastim entwickelt.
                         Auch hier erreichte die Substanz durch PEGylierung eine höhere Halbwerts-
                         zeit, also eine längere Verweildauer im Blutkreislaufsystem und aufgrund des-
                         sen eine längere Wirksamkeit.
Marktanteile teilweise   Diese drei Originalvarianten bewirkten bis heute, dass die EPO-Biosimilars nur
gesichert                einen Weltmarktanteil von 15 % am EPO-Markt und 27 % am G-CSF-Markt er-
                         reichten. Die Beispiele zeigen, wie pharmazeutische Unternehmen durch Deri-
                         vate den Lebenszyklus von entwickelten Wirkstoffen verlängern können.

                                                                                                    23
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Fazit

                    Fazit
Hohe Hürden         Auch wenn die Hürden nicht einfach zu nehmen sind und die Risiken nicht
                    unterschätzt werden dürfen, spricht die Zukunft klar für die Etablierung von
                    Biosimilars, nicht nur aus Renditegesichtspunkten der pharmazeutischen Her-
                    steller, sondern auch aus den Perspektiven der Gesundheitssysteme und der
                    Patienten.
Chancen sind gut    Die Chancen für die Biosimilar-Hersteller sind aufgrund des etablierten Mark-
                    tes und der hohen Preise für die Originalprodukte der monoklonalen Antikör-
                    per groß, zusätzliche Gewinne zum etablierten Geschäft zu realisieren.
                    Neu an der Situation ist, dass nicht nur Generikahersteller an der Biosimilar
                    2.0 Generation forschen und entwickeln, sondern auch die Originalhersteller
                    mit ihrem biotechnologischen Know-how sich an diesem Trend beteiligen.
Kapitalintensität   Der finanzielle Aufwand für die Entwicklung eines Biosimilars ist deutlich hö-
                    her als bei den chemisch synthetisierbaren Generika. Sandoz bezifferte die
                    Kosten auf ca. 75 Mio. bis 250 Mio. USD und eine Zeitschiene von 7 bis 8
                    Jahren. Im Vergleich: Die alten Generika kosteten ca. 2 bis 3 Mio. USD und
                    benötigten ca. 2 bis 3 Jahre bis zur Zulassung.
Risikomanagement    Das Know-how der Generikaspezialisten lag bisher nicht im biotechnologi-
                    schen Segment der monoklonalen Antikörper, weder in der Entwicklung noch
                    in der Produktion. Das Managen von Organismen zur Herstellung von komple-
                    xen biologisch aktiven Molekülen ist Neuland für diese Unternehmen.
Regularien          Selbiges gilt für die regulatorischen Anforderungen. Bisher mussten keine
                    klinischen Prüfungen durchgeführt werden. Auch der Zulassungsprozess, das
                    Aufsetzen und Auswerten von klinischen Prüfungen, muss erst einmal etab-
                    liert oder extern an eine Contract Research Organisation (CRO) vergeben
                    werden.
Marktrisiko         Nach erfolgreicher Zulassung muss das „neue“ Produkt auch von den Ärzten
                    und Patienten akzeptiert werden. Ob das Biosimilar ein vergleichbares Profil
                    in Wirkung und Nebenwirkung besitzt, wird sich erst dann zeigen.
Preisbildung        Zwar wird das Biosimilar preisgünstiger als das Original angeboten, aber kei-
                    ner kann heute mit Bestimmtheit sagen, ob der Originalanbieter diese Preis-
                    senkungen nicht ebenfalls durchführt. Damit würde der Vorteil des Biosimilars
                    wegfallen und die Gewinne des Entwicklers schmälern oder sogar unmöglich
                    machen.

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Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

                                                                                                    Fazit

Produktrisiko              Ein kontinuierlicher Produktionsprozess muss etabliert werden und von den
                           Zulassungsbehörden zertifiziert sein. Dadurch soll eine gleichbleibende Quali-
                           tät des Arzneimittels gewährleistet werden.
Fehlschläge sind möglich   Inwieweit sich diese kapitalintensiven Investitionen für die Neueinsteiger am
                           Biosimilar 2.0 Markt rechnen werden, ist derzeit schwer zu kalkulieren. Die
                           großen Konzerne dürften Fehlschläge leichter kompensieren können als die
                           kleinen Generikaunternehmen.
Kooperationen              Der Schlüssel für die kleinen und mittleren Entwickler auf diesem Zukunfts-
                           markt heißt Kooperationen. Zwar entfällt bei einer Zulassung das Alleinver-
                           marktungsrecht, jedoch werden das Entwicklungs- und Marktrisiko bzw. die
                           Gesamtkosten gesenkt.
Intensiver Wettbewerb      Da viele Unternehmen parallel an den gleichen Biosimilar-Wirkstoffen arbei-
vorprogrammiert            ten, wird auch der zukünftige Wettbewerb zwischen den Biosimilars eine ent-
                           scheidende Rolle spielen.
                           Wir sehen die Einführung der Biosimilar 2.0 Generation sehr positiv, für die
                           Gesundheitssysteme und die Patienten. Auch für einige Pharmahersteller wird
                           sich die Entwicklung bezahlt machen, aber leider nicht für alle. Wer zum
                           Schluss als Gewinner vom „Platz“ gehen wird, ist heute noch nicht entschie-
                           den. Ein spannender Markt etabliert sich erst.
                           Um an der Entwicklung einer neuen Generika-Generation, den Biosimilars 2.0,
                           als Anleger partizipieren zu können, sollte in spezialisierte Aktienfonds oder
                           Zertifikate, die dieses Marktsegment abbilden, investiert werden.

Studie abgeschlossen       Verfasser: Dr. Uwe Färber Finanzanalyst (CEFA)
am 30.05.2015

                                                                                                       25
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                       apoFokus – zuletzt erschienen
Dezember 2014
                       Ausblick 2015 – Ohne Risiko keine Rendite
                       > Notenbanken auf entgegengesetzten Wegen
                       > US-Konjunktur ist der europäischen weit voraus
                       > Kein Ende der Niedrigzinsphase in Sicht

November 2014
                       3D-Drucker – Modelle für jeden Lebensbereich
                       > Die Entwicklung des 3D-Drucks
                       > Einsatzmöglichkeiten im Gesundheitsbereich
                       > Zukunftsvisionen

September 2014
                       Immun-Onkologie: Evolution oder Revolution?
                       > Krebserkrankungen – eine Übersicht
                       > Immun-Onkologie: Chronifizierung der Krebserkrankung
                       > Vielversprechende Zukunftsperspektiven

Februar 2014
                       In-Vitro-Diagnostik – Die Zukunft hat begonnen
                       > Ein unerlässlicher Bestandteil der Gesundheitspflege
                       > Die Evolution des Gentests
                       > Wachstumstreiber und Risiken für die Diagnostik

Dezember 2013
                       Ausblick 2014 – Der langwierige Aufstieg geht weiter
                       > Globale Konjunkturerholung verfestigt sich
                       > Zinstief bedingt Neupositionierung
                       > Notenbanken bleiben wachsam

September 2013
                       Hörgeräte – Klaviatur der Klänge
                       > Hörgeräte = Wachstumsmarkt
                       > Therapeutische Optionen
                       > Oligopol – wenige Hersteller dominieren den Markt
                       > Mögliches Zukunftsszenario
Unsere bisher erschienenen Ausgaben können Sie im Internet
unter http://www.apobank.de/apofokus abrufen.

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Biosimilars 2.0 - Monoklonale Antikörper

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