Bericht über das gesellschaftliche Engagement der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Bericht über
das gesellschaftliche
Engagement
der
Genossenschaftlichen
FinanzGruppe
Volksbanken
Raiffeisenbanken
2020Gesellschaftliches Engagement
der genossenschaftlichen
FinanzGruppe im Überblick
Wert 2020 in Millionen Euro
Genossenschaftsbanken* FinanzGruppe
Verantwortung für Mitarbeiter 8.541 10.092
in Form von Personalaufwendungen
Verantwortung für Bund, Länder und Gemeinden 1.956 2.192
in Form von Steuerzahlungen
Verantwortung für die Mitbürger 154
Spenden 108
Sponsoring 33
Stiftungserträge 13
Stiftungsvermögen 350
Geldwerte Leistungen 10
* Vorläufig.Bericht über
das gesellschaftliche
Engagement
der Genossenschaftlichen
FinanzGruppe
Volksbanken
Raiffeisenbanken
2020Inhalt Vorwort des Vorstandes 7 Engagement 2020 15 Nachhaltig und nah 17 Nachhaltig 36 Volksbank Kraichgau Fördern, fordern, fondssparen 42 Volksbank Kraichgau „Nachhaltigkeit ist Teil unseres Förderauftrags“ 53 Volksbank Oberberg eG Summ, summ, summ 56
Volksbank Ulm-Biberach eG „Zum Start sind wir schon Viele für viele 120 kritisch beäugt worden“ 64 Nah 77 Volksbank Halle (Saale) eG Zusammen weniger allein sein 83 Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut eG Probieren geht über studieren 90 Volksbank Mittelhessen Mein Freund, der Baum 99 VR-Bank Landsberg-Ammersee Eine Bühne für das Soziale 108
Vorwort des Vorstandes
Vor Ort nah und da zu sein, gehört zum Selbstverständnis der Genossenschaftsbanken in
Deutschland. Wie sehr daraus gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht, zeigte der Um-
gang mit den Auswirkungen der Flutkatastrophe in Deutschland. Schnell wurde deutlich,
dass sich die massiven Probleme nur bewältigen lassen, wenn man – als Bürger und Unter-
nehmensbürger – zusammenrückt und sich gegenseitig hilft.
Viele Volksbanken und Raiffeisenbanken starteten Crowdfunding-Aktionen zur Unterstüt-
zung der von der Flut betroffenen Menschen und ihrer Angehörigen. Von Mitte Juli bis
Mitte August kamen so rund 4,3 Millionen Euro zusammen. Parallel stellten sie mit der
DZ BANK Gruppe dem Technischen Hilfswerk (THW) 1,25 Millionen Euro als nationale
Soforthilfe zur Verfügung. Die große Hilfsbereitschaft in Deutschland ist eindrucksvoll. Nach
der Soforthilfe ist nun nachhaltig wirkende Unterstützung gefragt. Eine bundesweite
Spendenaktion rief dazu der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen über seine
Genossenschaftsstiftung ins Leben.
Schon im Coronajahr 2020 hatten die Genossenschaftsbanken gezeigt, dass man auf
sie zählen kann. Privatpersonen halfen sie unmittelbar und direkt, Firmenkunden unter-
stützten sie schnell und unbürokratisch mit passgenauen Finanzierungslösungen. Bis
Ende Dezember 2020 vermittelten sie fast 47.600 Corona-Förderkreditanträge mit einem
Antragsvolumen von mehr als 10,1 Milliarden Euro an die Kreditanstalt für Wiederaufbau
(KfW) oder an Landesförderinstitute.
Die Engagementzahlen des Jahres 2020 zeigen: Trotz der vielen Einschränkungen führten
die Institute und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre umfassenden Initiativen des
gesellschaftlichen Engagements verlässlich und flexibel fort. Mit 154 Millionen Euro
unterstützte die genossenschaftliche FinanzGruppe gemeinnützige Organisationen und
Initiativen finanziell. Das Volumen ihres Stiftungsengagements stieg moderat auf nun
rund 350 Millionen Euro. Bei den Initiativen vor Ort spielt neben dem Miteinander, Für-
einander und gelebter Nähe das Thema Nachhaltigkeit eine immer zentralere Rolle.
80 Prozent der Institute wollen ihr nachhaltiges Wirken schon bald weiter stärken, weil
sie das für äußerst wichtig halten.
Der Engagementbericht 2020 der genossenschaftlichen FinanzGruppe zeigt anhand
exemplarischer Reportagen und Features: Nachhaltige Themen sind für die Genossen-
schaftsbanken in Deutschland kein kurzfristiger Trend, sondern ein wichtiger Teil ihres
Engagements. Die Verbindung von gelebter Nähe und einer auf Nachhaltigkeit setzen-
den Geschäftsphilosophie spielt für die Genossenschaftsbanken seit je eine zentrale Rolle.
Sie ist Teil ihres Wirkens: in die Region hinein und aus der jeweiligen Region heraus.
Überzeugen Sie sich selbst. Wir wünschen viel Freude bei der Lektüre,
Marija Kolak,
Gerhard Hofmann,
Dr. Andreas Martin
7154 Millionen Euro ließen die Genossenschaftsbanken in Deutsch- land den Menschen vor Ort im Jahr 2020 an freiwilligen finanziellen Zuwendungen zukommen. Damit blieb das Enga- gement nach dem Höchstwert von 158 Millionen Euro im Vorjahr trotz zahlreicher coronabedingter Einschränkungen beachtlich hoch. Während das Spendenvolumen 2020 weiter auf 108 Millionen Euro (2019: 106 Millionen Euro) wuchs und auch die Stiftungserträge von 12 Millionen auf 13 Millionen Euro stiegen, sank das Sponsoring signifikant von 40 Millionen Euro (2019) auf 33 Millionen Euro. Grund hierfür sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie, durch die über weite Strecken des Jahres das gesellschaftliche Leben fast vollends zum Erliegen kam. Zu der Gesamtsumme hinzu kommen noch rund 10 Millionen Euro an geldwerten Zuwendungen. Diese setzen sich aus kostenlosen Finanz- und Servicedienstleistungen in Höhe von 8 Millionen Euro sowie aus Sachspenden mit einem Gegenwert von 2 Millionen Euro zusammen.
350Millionen Euro beträgt 2020
das Gesamtvolumen des
Stiftungsengagements der
Genossenschaftlichen
FinanzGruppe Volksbanken
Raiffeisenbanken. Mit dieser er-
neuten Steigerung um rund
4 Millionen Euro erreichten die
genossenschaftlichen Institute
ungeachtet der besonderen
Begleitumstände eine neue
Höchstmarke. Im Vergleich
zu 2006 haben sie damit das
Stiftungsvolumen mehr als
verdreifacht. Die Institute
setzen also weiterhin auf eine
besonders nachhaltige und
dauerhafte Form der För-
derung von regionalen Anliegen.
Sie schaffen verlässliche Struk-
turen vor Ort und generieren
neue Fördermittel. 307 Mil-
lionen Euro der Gesamtsumme
sind dabei das Vermögen von
Bankstiftungen, während es
sich bei 43 Millionen Euro
um Zustiftungen zu Bürger-
und Gemeinschaftsstiftungen
handelt.96
Prozent der Kreditgenossenschaften in
Deutschland nennen Regionalität als das
zentrale Motiv ihres gesellschaftlichen
Engagements. Das passt zur Ausrichtung und
Struktur einer jeden Genossenschaftsbank.
Aber auch Kundennähe (68 Prozent),
Nachhaltigkeit (61 Prozent) und Solidarität
(41 Prozent) spielen für das gesellschaftliche
Engagement der Institute eine zentrale Rolle.Nachhaltig und nah
Engagement 2020
der Genossenschaftlichen
FinanzGruppe Volksbanken
Raiffeisenbanken
Verlässlichkeit war im Jahr 2020 eine gefragte Tu-
gend. Auf wen kann man sich verlassen, wenn man
sich verlassen fühlt? Was geht, wenn plötzlich nichts
mehr geht? Das Corona-Jahr hat viele Ängste und Un-
gewissheiten entstehen lassen und viele Menschen
angesichts der Einschränkungen – im Alltag und
auch materiell – an den Rand ihrer Belastbarkeit ge-
bracht. Umso bedeutsamer war es in dieser Zeit,
sich nicht auf sich allein gestellt zu fühlen, Gemein-
schaft, Unterstützung, Zusammenhalt zu spüren. Gar
nicht so leicht, in einer Zeit, in der physische Distanz
für lange Zeit das höchste Gebot war.
Mit vielen spontanen Hilfen für Privatpersonen und
insbesondere auch für die Unternehmen vor Ort zeig-
ten die Genossenschaftsbanken besonders in dieser
Zeit, dass man auf sie zählen kann. Sie sind Banken
aus der Region für die Region. An diesem Selbstver-
ständnis hat sich auch in dieser schwierigen Zeit
nichts geändert: Sie standen und stehen den Men-
schen und Unternehmen ihrer Region treu zur Seite
und setzen sich für sie mit ganzer Kraft ein.
17Das Motto: Wir schaffen das zusammen! Besonders
jetzt.
154 Millionen Euro:
Die Genossenschaftsbanken in Deutschland unter-
Spenden und Sponsoring
stützten ihre Firmenkunden schnell, verlässlich und 2020
unbürokratisch mit passgenauen Finanzierungslö-
sungen – unter Einbeziehung öffentlicher Fördermit-
tel. Bei den KfW-Corona-Förderkrediten beläuft sich Mit 154 Millionen Euro unterstützte die genossen-
ihr Marktanteil auf insgesamt knapp 30 Prozent des schaftliche FinanzGruppe 2020 gemeinnützige Orga-
Antragsvolumens. Bis Ende Dezember 2020 vermit- nisationen, Projekte und Initiativen finanziell (siehe
telten sie fast 47.600 Corona-Förderkreditanträge Grafik auf Seite 26). Damit blieb das Engagement –
mit einem Antragsvolumen von mehr als 10,1 Mil- trotz zahlreicher coronabedingter Einschränkungen –
liarden Euro an die Kreditanstalt für Wiederaufbau nach dem neuen Höchstwert von 158 Millionen im
(KfW) oder an Landesförderinstitute. Vorjahr auf einem beachtlich hohen Niveau. Wäh-
rend das Spendenvolumen weiter auf 108 Millionen
Im privaten Bereich starteten die Volksbanken und Euro wuchs und auch die Stiftungserträge auf
Raiffeisenbanken zahlreiche spontane Hilfsaktionen, 13 Millionen Euro stiegen, sank das Sponsoring von
Crowdfunding-Projekte für Vereine, Unterstützungs- 40 Millionen Euro (2019) auf 33 Millionen Euro. Finanzielle Zuwendungen
im Zeitvergleich
initiativen für Pflegekräfte, und, und, und … Eine Grund hierfür sind die Auswirkungen der Corona- (in Millionen Euro)
Auswahl dieser Projekte ist auf dem Engagement- Pandemie, durch die über weite Strecken des Jahres
portal der Volksbanken und Raiffeisenbanken unter das gesellschaftliche Leben fast vollends zum Erlie- 2020: 154
www.vielefuerviele.de/vor-ort/corona-hilfen zu gen kam. 2019: 158
finden.
2018: 146
Zu der Gesamtsumme kommen noch rund 10 Millio- 2016: 144
Ein Blick auf die Engagementzahlen des Jahres 2020 nen Euro an geldwerten Zuwendungen (siehe Grafik 2014: 130
zeigt: Auch die vielen Einschränkungen und Beschrän- auf Seite 27) hinzu. 2012: 131
kungen sowie die eigene Betroffenheit der Institute
2010: 123
durch die Auswirkungen der Pandemie minderten 92,32 Millionen Euro der Gesamtsumme stammen
die große Hilfsbereitschaft der Institute und ihrer aus dem genossenschaftlichen GewinnSparen. Das Geldwerte Zuwendungen
über 140.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht. zeigt: Die Kombination aus Sparen, Gewinnchancen im Zeitvergleich
Für das Füreinander und Miteinander in den Banken (in Millionen Euro)
und gesellschaftlichem Engagement hat bei den In-
und in den Regionen vor Ort galt vielmehr oft das stituten und ihren Kunden einen hohen Stellenwert
Leitmotiv: Jetzt erst recht! 2020: 10
und ist überaus beliebt.
2019: 9
2018: 11
2016: 8
2014: 13
2012: 7
2010: 13
18 19350 Millionen Euro: Ehrenamtliches Engagement
Stiftungsvermögen wächst der Mitarbeiterinnen
und wächst und Mitarbeiter:
Fast jede(r) Dritte ist aktiv
Das Engagement der genossenschaftlichen Banken-
gruppe im Stiftungsbereich wuchs auch während
der Pandemie moderat weiter. Ende Dezember um- Mit 32 Prozent der Bankangehörigen sind knapp ein
fasst es rund 350 Millionen Euro. Das sind 4 Millionen Drittel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ge-
Euro mehr als im Jahr 2019. Fast jede dritte Bank ist nossenschaftsbanken, Verbänden und Unternehmen
im Stiftungsbereich engagiert. Mit 307 Millionen der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken
Euro gründeten Organisationen der genossenschaft- Raiffeisenbanken in ihrer Freizeit ehrenamtlich aktiv.
lichen FinanzGruppe bisher eigene Stiftungen. Mit
43 Millionen Euro unterstützten Genossenschafts- Hierbei kommt auch die oft enge Verbundenheit vie-
banken bislang den Auf- und Ausbau von Bürgerstif- ler Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Region bezie-
tungen und anderen Gemeinschaftsstiftungen (siehe hungsweise dem Geschäftsgebiet, in dem sie wirken,
Abbildung auf Seite 28). zum Ausdruck. Für viele ist die Region mehr als nur
der Ort ihres Arbeitsplatzes: Er ist ein besonderes
Im Vergleich zu 2006 haben die Institute damit das Stück Heimat. Für diese setzen sie sich über das Tages-
Stiftungsvolumen mehr als verdreifacht. Sie setzen geschäft hinaus ein, prägen sie mit und helfen dort,
damit weiterhin und verstärkt auf eine besonders wo es nötig ist.
nachhaltige und dauerhafte Form der Förderung von
regionalen Anliegen. Sie schaffen verlässliche Struk-
turen vor Ort und generieren neue Fördermittel.
Stiftungsengagement im
Zeitvergleich
(in Millionen Euro)
2020: 350
2019: 346
2018: 318
2016: 289
2014: 228
2012: 201
2010: 140
20 21Corporate Volunteering: Jede Regionalität, Nähe,
zweite Bank packt mit an Nachhaltigkeit sind
besonders wichtig
Fast jede zweite Genossenschaftsbank (49 Prozent)
organisiert oder unterstützt das bürgerschaftliche
Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Regionalität (96 Prozent), Kundennähe (68 Prozent)
während der Arbeitszeit (Corporate Volunteering). und Nachhaltigkeit (61 Prozent) sind die Hauptmotive Warum sich Volksbanken
und Raiffeisenbanken
Viele Institute führen Freiwilligentage durch, an de- für das Engagement der Genossenschaftsbanken vor
engagieren
nen sich das Personal – jenseits des täglichen Bank- Ort. Das passt sehr gut zum Selbstverständnis der (in Prozent)
geschäfts – direkt für die Belange der Region einsetzt Institute und zu ihrer Rolle in der Region. Ein wei-
und aktiv mitanpackt. Andere stellen ihr Personal für terer wichtiger Wert – auch inmitten der Corona- Regionalität: 96
einen Tag frei, um sich kollektiv für gemeinnützige Pandemie – war Solidarität. 41 Prozent der Institute Kundennähe: 68
Anliegen zu engagieren. Damit schenken sie Zeit und gaben auch dies als ein zentrales Motiv an. Denn: Nachhaltigkeit: 61
Einsatz und stiften Nutzen für die Region, der sich in Selten kam es so sehr darauf an, da zu sein, nah zu Solidarität: 41
vielen Fällen materiell gar nicht fassen lässt. sein, füreinander einzustehen und miteinander – mit Selbsthilfe: 34
Abstand – durch die Corona-Krise zu kommen. Mitgliedschaft: 29
Kinder und
Studiendesign
Jugendliche + Vereine
im Fokus Die Stiftung Aktive Bürgerschaft befragte im Früh-
jahr 2021 im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher
Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) alle BVR-
Die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen Mitgliedsbanken, Unternehmen und Verbände der
und die Förderung der örtlichen Vereine bilden die genossenschaftlichen FinanzGruppe zu ihrem gesell-
Schwerpunkte des gesellschaftlichen Engagements schaftlichen Engagement. Die Rücklaufquote be-
der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Mehr als trug 37 Prozent. Die Umfrage wird seit 2005 jährlich
9 von 10 Genossenschaftsbanken unterstützen den durchgeführt.
Nachwuchs (95 Prozent) beziehungsweise Vereine
und Initiativen vor Ort (93 Prozent) Weitere Ziel-
gruppen sind ältere Menschen (85 Prozent) sowie
Familien und Lebensgemeinschaften (68 Prozent,
siehe Seite 30). Weitere Empfänger: Öffentliche Ein-
richtungen wie Schulen/Kindergärten (89 Prozent)
sowie Kirchengemeinden (80 Prozent).
22 23Gesellschaftliches Engagement
der genossenschaftlichen
Bankengruppe
in Millionen Euro
154 2020
10 2020
350 2020
158 2019
9 2019
346 2019
146 2018
11
2018
318 2018
145 10 301
2017 2017 2017
144 8 289
2016 2016 2016
Finanzielle Zuwendungen Geldwerte Zuwendungen Stiftungsengagement
(Spenden, Sponsoring, Stiftungserträge)
24 25Spenden und Sponsoring 2020: Geldwerte Leistungen 2020:
154 Millionen Euro 10 Millionen Euro
in Millionen Euro in Millionen Euro
108 106 98 106 102 8 7 9 7 6
Spenden
Kostenlose Finanz- und
33 40
Servicedienstleistungen, Bereitstellung
von Unternehmenslogistik
37 30 34
2
Sponsoring
2 2 3
13 12
2
11 9 8
Stiftungserträge Sachspenden
2020 2019 2018 2017 2016 2020 2019 2018 2017 2016
26 27Stiftungsvermögen 2020:
350 Millionen Euro
in Millionen Euro
307 43
307 39
2020 2020
2019 2019
283 2018
35 2018
269 2017
32 2017
260 29
2016 2016
Zustiftungen zum Vermögen von Bürger-
Stiftungsvermögen der Bankstiftungen stiftungen und anderen Gemeinschaftsstiftungen
28 29Schwerpunkte des
Engagements 2020
in Prozent (Mehrfachnennungen möglich)
Zielgruppen Empfänger
95 93
89
85
80
68
Kinder, Ältere Menschen, Familien, Örtliche Vereine, Öffentliche Einrichtungen Kirchengemeinden
Jugendliche Senioren Lebensgemeinschaften Initiativen (zum Beispiel Schulen) oder andere religiöse
Gemeinschaften
30 31Banken, die Corporate- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
Volunteering-Maßnahmen die sich in der Freizeit
durchführen bürgerschaftlich engagieren
in Prozent in Prozent
42 2020
32 2020
49 2019
31 2019
55 2018
41 2018
45 2017
42 2017
49 38
2016 2016
32
32 33Werte des Engagements 2020
in Prozent (Mehrfachnennungen möglich)
96
68
61
41
34
29
Regionalität Kundennähe Nachhaltigkeit Solidarität Selbsthilfe Mitgliedschaft
34 35Nachhaltig
Das Thema Nachhaltigkeit ist für die Volks- in Teilen von Nordrhein-Westfalen,
banken und Raiffeisenbanken Überzeugung Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen zeigen,
und Auftrag zugleich. Es passt sehr gut zu wie wichtig und essenziell es ist, Umwelt-
den genossenschaftlichen Werten. Das Ein- und Klimaschutz aktiv, konzertiert und ziel-
treten für die Region im Besonderen und für strebig anzugehen.
die Welt von morgen im Allgemeinen ist seit
je Teil ihres Selbstverständnisses. Folgerichtig Projekt „Nachhaltige Finanzen“
steht es auch ganz oben auf der Agenda
der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Im Rahmen des 2020 neu gestarteten ver-
Volksbanken Raiffeisenbanken. Schon immer bundübergreifenden Projekts „Nachhaltige
Nachhaltig
Nachhaltig
hat die gesamte Gruppe Nachhaltigkeitsziele Finanzen“ will der BVR gemeinsam mit
verfolgt und im Schulterschluss erreicht. Primärbanken, Verbänden, Verbundunter-
nehmen und zentralen Dienstleistern dieses
Nachhaltigkeitsthemen werden in der wichtige Thema noch gezielter und kon-
Gesellschaft immer bedeutsamer. zentrierter angehen. Dabei geht es um die
Die Corona-Pandemie mit ihren vielfältigen durchgängige Verankerung von Nachhaltig-
gesundheitlichen, wirtschaftlichen und keitsaspekten in den Banken, wobei dem
gesellschaftlichen Auswirkungen hat der Kerngeschäft eine besondere Bedeutung zu-
öffentlichen und politischen Diskussion um kommt. Den Auftakt dafür bildete der
eine nachhaltige Ausrichtung der europäi- gemeinsame Beschluss eines Nachhaltig-
schen Volkswirtschaft und der Rolle des keitsleitbilds der genossenschaftlichen
Finanzmarkts zusätzliche Dynamik verliehen. FinanzGruppe. Dieses enthält auch ein klares
Unwetterkatastrophen wie jüngst die Flut Bekenntnis zu den Nachhaltigkeitszielen
38 39der Vereinten Nationen und dem Pariser Ein Modell, das Schule machen könnte. Die
Klimaabkommen. Der BVR untermauerte Volksbank Kraichgau verbindet auf imponie-
dies Anfang des Jahres auch mit der Unter- rende Weise nachhaltige Geldanlage mit
zeichnung der Unterstützererklärung zu den gesellschaftlichem Engagement. Sie macht
Prinzipien der Vereinten Nationen für ein Fondssparer zu Unterstützern und hat ein
verantwortliches Bankwesen. Modell entwickelt, das sich für alle lohnt
und der Bank bereits viel Anerkennung ge-
Die hier vorgestellten Projekte zeigen: Für bracht hat (siehe Seite 42 ff.).
die Genossenschaftsbanken vor Ort sind
nachhaltige Themen kein kurzfristiger Trend,
Nachhaltig
Nachhaltig
sondern ein wichtiger Teil ihres Engage-
ments. Viele Institute engagieren sich schon
sehr lange dafür. Die Volksbank Ulm-Biberach
etwa (siehe Seite 64 ff.) widmet sich schon
seit über zehn Jahren explizit dem Thema
Nachhaltigkeit und beschränkt dies nicht nur
auf einige wenige Aktionen, sondern holt
alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ins
Boot. Auch die Volksbank Oberberg aktiviert
ihr Personal und bringt es mit eifrig arbei-
tenden Bienenvölkern zusammen, die sich
schon eine ganze Weile auf den Dächern
und in der Region tummeln (siehe Seite 56 ff.).
40 41Fördern, fordern, fondssparen Natur- und Umweltprojekten
zugutekommen. Die Bank
Mit einem eigens aufgelegten integriert so Nachhaltigkeit in
Fonds verbindet die Volksbank ihren Alltag, lebt und vermittelt
Kraichgau die Themen nachhaltige genossenschaftliche Werte und
Geldanlage und gesellschaftliches macht sich überzeugend für ihre
Engagement. Sie verzichtet auf Region stark. Dies trägt bereits
25 Prozent ihrer Verwaltungs- zahlreiche Früchte. Ein paar
vergütung und lässt dieses Geld davon sind im Grünen Klassen-
Kitas und Schulen, aber auch zimmer zu bestaunen.
42 43Die Sonne knallt heute auf die Streuobst- ADHS, sodass sie ebenfalls nicht lange
wiese am Rande von Sinsheim, es ist auf einem Stuhl sitzen können.“ Für sie
heiß, fast 30 Grad. Den Kindern, die un- bietet das Lernen außerhalb der Klassen-
ter dem Sonnensegel auf Baumstümpfen räume enorme Vorteile, sagt Jana Bern-
sitzen, macht das nichts aus. Sie sind hard, ebenso wie für diejenigen, die mit
laut und bewegen sich viel, manchmal Lernschwierigkeiten aus einem Zuhause
vielleicht sogar ein bisschen zu viel. Still- kommen, das ihnen – unter anderem
sitzen macht eben keinen Spaß. Und ist wegen Sprachbarrieren – nicht so viel
für einige der zehn acht- bis zehnjäh- Bildung mitgeben kann. „Hier draußen
rigen Schülerinnen und Schüler auch gar können wir handlungsorientierte Pro-
nicht so einfach. Tina Eibich ermahnt die jekte mit ihnen durchführen, sodass sie
Gruppe, nett und freundlich, aber auch wirklich etwas schaffen können.“
sehr bestimmt und verteilt dann die Auf-
gaben. Die Kinder schauen auf die Zettel, Lena und Ensar sind ein gutes Beispiel
die ihre Lehrerin auf einem Klemmbrett dafür, wie das Grüne Klassenzimmer das
befestigt hat. Manche von ihnen können Lernen fördert, ohne die Kinder zu über-
schon recht gut lesen, sie entziffern die fordern. Sie stehen gerade vor einem
erste Aufgabe. Anschließend geht es los, Baum, der auf den ersten Blick aussieht
jeweils zu zweit und für insgesamt andert- wie alle anderen. Aber die beiden haben
halb Stunden – und Tina Eibich kann gar kleine, natürlich im Frühsommer noch
nicht so schnell gucken, wie sich ihre unreife Birnen entdeckt. „Frau Eibich,
Schülerinnen und Schüler auf der Wiese Frau Eibich, das ist ein Birnbaum“, ruft
verteilen. Ensar aufgeregt, während er eine der
kleinen Früchte anfasst. „Darf ich die
abmachen?“, fragt er. „Klar, dann kannst
du dir die genauer anschauen“, sagt die
Lehrerin, die direkt die erste Aufgabe im
Grünes Blick hat. „Schaut doch mal, wie viele
Birnbäume es hier gibt.“ Ensar rennt los,
Lernen in der Natur und von der Natur: Das Grüne Klassenzimmer macht‘s möglich.
Klassenzimmer Lena bleibt erst mal stehen. Sie schaut
die Bäume an, „Das andere hier sind al-
les Äpfel.“ Tina Eibich lächelt, dann ruft
sie die beiden wieder zu sich. „Schaut
„Unsere Kinder brauchen Bewegung, aus mal auf die Form der Blätter, da könnt
ganz verschiedenen Gründen“, sagt Jana ihr sehen, dass die ganz unterschiedlich
Bernhard, die oberhalb der Wiese das sind.“ Sie verrät dann auch direkt die
Treiben beobachtet. Die Konrektorin der Lösung: Ein einziger Baum trägt Birnen,
Carl-Orff-Schule ist heute mit zum Grü- der Rest sind alles Apfelbäume.
nen Klassenzimmer gekommen, wie
das Sonderpädagogische Bildungs- und Weiter geht’s zur nächsten Aufgabe. „Wie
Beratungszentrum (kurz SBBZ) mit dem heißen die blauen Beeren, die im Herbst
Förderschwerpunkt Lernen die Wiese an den Hecken wachsen?“, lautet diese.
nennt. „Wir haben Schülerinnen und Ensar albert gerade mit einem anderen
Schüler mit Förderbedarf im Bereich Jungen herum, er wird gebeten, doch
Lernen, die sich oft nur sehr kurz kon- eben mit an den Rand der Wiese zu kom-
zentrieren können. Manche haben auch men. Die beiden raten, „Blaubeeren“,
44 45heißt die erste ziemlich naheliegende oder Bewegung darum, Körperkoordi-
Antwort. „Nein, erinnert euch doch nation zu schulen oder zu zählen und zu
mal, wir haben daraus Sirup gemacht. hüpfen“, sagt Tina Eibich.
Das Wort fängt mit ,Sch‘ an“, sagt Tina
Eibich. Nach mehrmaligem Raten folgt Während die Schüler gerade mitten in
die Lösung, die Ensar einfällt: Schlehen. Aktion sind, beobachtet Klaus Bieler aus
Anschließend legen die beiden aus Zwei- dem Hintergrund das Geschehen. Inte-
gen, die in einer Kiste vom Obstbaum- ressiert und aufmerksam schaut der Vor-
schnitt aus dem Frühjahr übrig sind, ein stand der Volksbank Kraichgau zu, wie
Dreieck, ein Viereck und einen Kreis. die Kinder lachend und manchmal auch
sehr ehrgeizig die Spielstationen durch-
laufen. Die Bank fördert das Grüne Klas-
senzimmer als Teil ihres Nachhaltigkeits-
engagements. „Das Projekt hat uns von
Lernen, ohne es Anfang an wirklich sehr begeistert. Das
eigenständige Forschen, das Entdecken
zu merken der Natur und das Sensibilisieren für den
Umgang damit – genau das wollen wir
mit unserer Förderung bewirken“, sagt
Klaus Bieler. Diese ist Teil einer Nachhal-
Zählen, die Früchte und Pflanzen in der tigkeitsstrategie, die vier Handlungsfelder
Natur kennenlernen, geometrische For- hat. Die Bank fördert das Gemeinwesen,
men erkennen – zum Grünen Klassen- den ökologischen Gedanken und die
zimmer gehört eine ganze Bandbreite Umwelt, den Arbeitsplatz und damit die
von Aufgaben. „Das ist das Spannende Mitarbeitenden und die Kunden. „Wir
daran: Wir können hier richtig viele The- machen das immer mit Bezug zur Re-
men aus der Schule vermitteln, manch- gion, um hier vor Ort etwas erreichen
mal sogar so, dass die Kinder gar nicht zu können.“
richtig merken, dass sie lernen“, sagt
Tina Eibich. „Außerdem können wir den
Kindern die Natur nahebringen und ihre
Sinne schärfen.“ Das sieht dann so aus:
Ensar und Lena knien vor einem Hoch-
beet, Ensar reibt ein Blatt zwischen den
Finanzierung
Fingern. „Das riecht nach Tomate!“, ruft
er. Und hat wieder etwas gelernt.
per Nachhaltig-
Tina Eibich verbindet Lernen immer wie-
keitsfonds
der auch mit Bewegung, zum Beispiel in-
dem zwei Gruppen gegeneinander spie-
len. Auf großen Würfeln stehen Aufgaben Für die Finanzierung hat die Volksbank
aus verschiedenen Bereichen: Mathematik, Kraichgau einen besonderen Ansatz
Deutsch oder Sport. „In Mathe geht es gewählt. Sie hat einen Nachhaltigkeits-
darum, eine Plus- oder Minus-Aufgabe fonds aufgelegt und verzichtet auf einen
zu rechnen, in Deutsch darum, etwas Teil der Verwaltungsvergütung, der für
mit Buchstaben zu erraten – und in Sport nachhaltige Projekte zur Verfügung
46 47gestellt wird. „Wir wollten die Geldanlage wiese beobachtet, sieht sofort die Be-
mit der Region verbinden und gleichzei- geisterung, mit der sich die Gruppe
tig unser Kerngeschäft mit unserem ge- dort bewegt. Für die Lehrerin ist die
sellschaftlichen Engagement“, erklärt der Unterstützung enorm wichtig. „Wir
Bankvorstand die Idee. Die Bank managt haben zum Beispiel von der Volksbank
den Volksbank Kraichgau Fonds – Nach- den Bauwagen bekommen, in dem wir
haltigkeit selbst und hat so in der Hand, Material lagern oder den wir auch mal
wie das Geld der Kunden angelegt wird. bei Regen nutzen können“, sagt Tina
Dabei investiert sie nicht in Werte, die Eibich. Und diese Ausstattung führt
gegen die festgelegten Ausschlusskrite- dazu, dass das wichtige gesellschaftliche
rien wie beispielsweise Verletzung der Thema Nachhaltigkeit jedem bewusst
Menschenrechte, Kinderarbeit und Um-
weltzerstörung verstoßen. Außerdem
werden Investments anhand der ESG-
Kriterien überprüft, die ökologische und Volksbank Kraichgau
soziale Aspekte sowie die Art der Unter- Bilanzsumme 4,8 Milliarden Euro
nehmensführung in den Blick nehmen. Mitglieder 61.864
Kunden 142.250
Geschäftsstellen 42 + 8 SB-Filialen
„Seit 2017 haben über 1.500 Kunden den Mitarbeiter 605
Stand 31. Dezember 2020
Fonds gezeichnet und wir konnten so
mehr als 150.000 Euro Fördergelder in
die Region bringen“, sagt Klaus Bieler.
Zählen, Früchte und Pflanzen kennenlernen, geometrische Formen erkennen – zum Grünen Klassenzimmer gehören eine Fülle
Mit dem Geld aus dem Nachhaltigkeits- verschiedener Aufgaben.
fonds unterstützt die Bank eine ganze
Reihe von Projekten, unter anderem
Obst- und Gartenbau-, Heimat- oder
Naturvereine, die sich für ein nachhalti-
ges Wirtschaften engagieren, oder eben
Kitas, Kindergärten und Schulen, die
Nachhaltigkeit in ihren Alltag integrie-
ren, Werte vermitteln und Wissen wei-
tergeben.
Nachhaltigkeit
erfahrbar machen
Jana Bernhard, Tina Eibich und die
Kinder der Carl-Orff-Schule passen da
gut hinein. Wer sie auf der Streuobst-
48 49werden kann, ergänzt Jana Bernhard. „Wir können es auch den Schülerinnen und Schülern, die das zu Hause vielleicht nicht so mitbekommen, nahebringen. Sie werden so Teil des Ganzen und können Natur direkt erleben.“ Neben dem Forschen und Erkunden geht es für die Schülerinnen und Schüler auch um aktiven Umweltschutz. Ganz klar: Die Gartenschere gehört im Grünen Klassenzimmer zur Grundausstattung. 50 51
„Nachhaltigkeit ist Teil unseres
Förderauftrags“
Bei der Umsetzung einer stär-
ker auf Nachhaltigkeit setzenden
Strategie und einer an den ESG-
Kriterien ausgerichteten Ge-
schäftsphilosophie nimmt die
Volksbank Kraichgau schon seit
einiger Zeit eine Vorreiterrolle
ein. Wir sprachen mit Vorstands-
mitglied Klaus Bieler zu Aus-
richtung, Zielen und den
Perspektiven für morgen.
52 53„Unsere Kunden Als regionale Genossenschaftsbank hat
sich die Volksbank Kraichgau schon sehr
Wie wird dieses Angebot in der Region
angenommen?
Was sind die nächsten Schritte einer
noch nachhaltigeren Ausrichtung Ihrer
haben den Mehr- früh für das Thema Nachhaltigkeit stark-
gemacht. Betrachten Sie dies eher als Sehr gut! Über 1.500 Kunden zeichne-
Bank? Wohin soll die Reise gehen?
wert einer Anlage Pflicht oder als unternehmerische Kür? ten den Volksbank Kraichgau Fonds –
Nachhaltigkeit. Unsere Kunden haben
Bei immer mehr Menschen finden
Nachhaltigkeitsthemen Gehör. Mehr
und die gleich- Nachhaltigkeit ist für die Volksbank
Kraichgau nicht nur ein Schlagwort.
den Mehrwert einer Anlage und die
gleichzeitige Förderung der Projekte in
noch, sie leisten alltäglich ihren Beitrag
für unsere Zukunft. Entsprechende
Für uns ist es unternehmerische Pflicht der Region erkannt und unterstützen Anforderungen an Verbrauchsgüter
zeitige Förderung und Kür zugleich, in diesem Punkt Ver- dies. Die hierfür zur Verfügung stehen- werden inzwischen auch an Geldanla-
antwortung zu übernehmen und zu den Mittel wachsen ständig und damit gen gestellt. Viele Menschen möchten
der Projekte in der leben. Unabhängig von der Politik und
den regulatorischen Anforderungen,
auch die Möglichkeiten, Förderpakete
wie Wasserspender für Schulen, Hoch-
ihr Erspartes nach ihrem Wertever-
ständnis anlegen. Aber auch in der
Region erkannt die immer mehr an uns gestellt werden.
Wir beschäftigen uns bereits seit knapp
beete für Kindergärten, Waldlehrpfa-
de oder aber auch Streuobstwiesen
Bank wächst der Wunsch nach werte-
orientiertem Arbeiten. Die Reduktion
und unterstützen zehn Jahren mit dem Thema Nachhal-
tigkeit intensiver. Die frühzeitige Veran-
zu finanzieren. Man nimmt uns beim
Thema Nachhaltigkeit mittlerweile
von CO2-Emissionen, ein bewusster
Umgang mit Ressourcen und die Ver-
dies.“ kerung in der Geschäftsstrategie, die
Formulierung quantifizierbarer Ziele,
wesentlich deutlicher wahr als in der
Vergangenheit. Dies steht uns gerade
einbarkeit von Beruf und Familie sind
präsente Themen. In vielen Teilaspek-
die klare Zuständigkeit im Vorstand als Genossenschaftsbank bestens zu ten haben wir eine gute Basis, die es
Klaus Bieler
und die Schaffung eines Teams Nach- Gesicht. nun gilt, beizubehalten und zielgerich-
haltigkeit verdeutlichen dies. tet zu verbessern.
Welche weiteren Entwicklungspotenzia-
Sind Genossenschaftsbanken für das le sehen Sie? Wie schaffen Sie es, dass
Thema besonders prädestiniert? dieses Angebot kein Nischenprodukt,
sondern ein Standardprodukt wird? Oder
Dazu möchte ich unsere BVR-Präsiden- ist es das schon längst geworden?
tin Marija Kolak zitieren. Auf einer On-
line-Veranstaltung im Mai sagte sie: Wie bereits ausgeführt sind wir aus
„Nachhaltigkeit ist seit je Bestandteil dem Dasein als Nischenprodukt längst
der Genossenschafts-DNA und gehört heraus. Besonders stolz macht uns der
seit über 150 Jahren zu uns.“ Seit 2016 hohe Anteil an Sparplänen. Hier tun
gehören die Genossenschaften mit Menschen aus dem Kraichgau jeden
ihren einmaligen Grundprinzipien zum Monat etwas Gutes. Selbstverständ-
Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. lich informieren wir die Fondsinhaber
Gerade Genossenschaften mit ihrer re- regelmäßig. Hier schließt sich dann der
gionalen Ausrichtung sollten Vorreiter Kreis. Übrigens, dieses Engagement
in den jeweiligen Regionen sein. Wir hat auch die Stiftung Aktive Bürger-
im Kraichgau sehen dies als Teil unse- schaft gewürdigt. Unser Volksbank
res Förderauftrags. Kraichgau Fonds – Nachhaltigkeit hat
den Förderpreis 2021 erhalten. Die
Sie haben im Kraichgau einen eigenen unabhängige Jury der Stiftung bestä-
Fonds Nachhaltigkeit aufgelegt. Sie ver- tigte uns Folgendes: „Das Engagement
zichten dabei auf einen Teil der Verwal- sei Teil der Unternehmenskultur und
tungsgebühr und lassen diesen Ertrag beschränkt sich nicht auf ein Einzel-
stattdessen sozialen und ökologischen projekt.“
Projekten in der Region zukommen.
54 55Summ, summ, summ …
Die Förderung von Biodiversität
ist der Volksbank Oberberg ein
zentrales Anliegen. Es brummt
und summt in Oberberg. Denn:
neuerdings zählen 500.000
Bienen zum erweiterten Personal.
Mit der Betreuung von zehn Bie-
nenstöcken verbindet die Bank
ökologische mit ökonomischen
Aspekten und leistet einen Bei-
trag für mehr Nachhaltigkeit in
der Region. Überdies erntet das
Institut rund 200 Kilogramm
Honig pro Jahr und versüßt
damit Kitas und Grundschulen
den Alltag.
56 57Sebastian Klein geht um die beiden Bie- eine Rolle spielen“, erklärt Ingo Stockhausen.
nenstöcke herum, die auf einer kleinen „Diese Projekte haben wir ,Zukunfts-
gepflasterten Fläche direkt neben dem initiative für Oberberg‘ genannt, mit
Parkplatz der Volksbank Oberberg stehen. ihr bündeln wir unsere Aktivitäten und
Er bückt sich, hebt ein wenig trockenes investieren in unsere heimische Region,
Laub auf und stopft es in seinen Smo- in der die Menschen gerne leben und
ker. Mit einem Feuerzeug zündet er den arbeiten.“ Dazu gehört zum Beispiel
Brennstoff an, der erst eine helle Flam- der Bereich der Elektromobilität. „Für
me gibt, danach glimmt – und vor allem unsere Hauptstelle haben wir drei reine
Rauch erzeugt. „Die Bienen mögen das Elektrofahrzeuge angeschafft, mit denen
nicht, sie empfinden das als Bedrohung unsere Kundenbetreuer zu ihren Kunden
und bereiten sich innerlich darauf vor, fahren. Außerdem haben wir in Ladesta-
den Stock zu verlassen“, erklärt der Im- tionen für E-Bikes investiert.“ In Sachen
ker. „Ich kann so ruhiger und vor allem Naturschutz unterstützt die Bank das
stichfrei am Bienenvolk arbeiten.“ Mit Projekt „Kind trifft Tier“ auf dem Klos-
sicherem Griff nimmt er den silbernen terhof Bünghausen in Gummersbach,
Metalldeckel ab, dann eine Holzplatte das es auch Kindern aus einkommens-
und hebt schließlich eine Wabe heraus, schwachen Familien ermöglicht, ein-
auf der sich Hunderte Bienen tummeln. mal auf einem Bauernhof mit Tieren in
Kontakt zu kommen.
500.000 Bienen
Engagement für
Neugierig schaut ihm Ingo Stockhausen
Naturschutz und
dabei zu. Der Vorstandsvorsitzende der
Volksbank Oberberg hat mit Sebastian
Biodiversität
Klein und dessen Kollegen Heiko Neu-
mann seit zwei Jahren zu tun. Die beiden
Imker vermieten der Bank mit ihrer Die Bienenstöcke unterstreichen ebenfalls
Firma PlanBee zehn Bienenstöcke mit das Engagement der Bank für Natur-
insgesamt 500.000 Bienen, die über das schutz und Biodiversität. „Bienen gehö-
Geschäftsgebiet verteilt in Gärten von ren zur Region und zu unserem Leben
Bankmitarbeiterinnen und -mitarbeitern dazu, erst recht hier, wo wir ja sehr länd-
stehen. Sie kümmern sich zudem um lich, kleinstädtisch geprägt sind“, macht
die Pflege der Bienen und auch um die Ingo Stockhausen klar. „Neben der Öko-
Produktion des Honigs. logie haben wir aber auch einen ökono-
mischen Nutzen: Wir brauchen Bienen,
Was hat eine Bank mit Bienen zu tun? um unsere Obstwiesen hier zu bestäu-
„Wir haben unsere Strategie in den ver- ben.“ Einen weiteren Vorteil nennt der
gangenen Jahren immer nachhaltiger aus- Bankvorstand dann noch ganz am Rande:
gerichtet, weil wir seit je auch abseits „Wir verschenken jedes Jahr die rund
Mit den 500.000 Bienen und zehn Bienenstöcken unterstreicht die Volksbank Oberberg ihr Engagement für Naturschutz unserer Aufgabe als Finanzdienstleister 200 Kilogramm Ernte und machen damit
und Biodiversität.
58 59Menschen eine große Freude.“ Im ersten
Jahr profitierten über 70 oberbergische
Kindertagesstätten, Kindergärten und
Grundschulen von der süßen und gleich- Transformation
zeitig gesunden Überraschung, 2020
dann die Tafeln im Geschäftsgebiet, die zu mehr
Bedürftige mit Essensspenden versorgen.
Nachhaltigkeit
Für Sebastian Klein und Heiko Neumann
ist dieses Vorgehen genau richtig. Die
beiden Imker, die sich bei einem Projekt Aber die Biene ist in Gefahr und deswegen
zur Solidarischen Landwirtschaft kennen- wollten Neumann und Klein noch mehr
lernten, sind mit ihren ursprünglichen tun als nur eigene Völker zu züchten. „Wir
Berufen gar nicht so weit von der Bank wollen dazu beitragen, die Landwirtschaft
entfernt. Heiko Neumann war Bankkauf- hin zu mehr Nachhaltigkeit zu transformie-
mann, Coach und in der Schuldnerbe- ren und haben dann überlegt, wie wir die
ratung tätig, Sebastian Klein war Grafik- Biene vielleicht nutzen können, um diese
designer und Marketingberater. „Wir Idee der Transformation noch in ganz
haben uns irgendwann umorientiert, um andere Gesellschaftsschichten zu tragen“,
viel fokussierter etwas zu tun, was Öko- sagt Sebastian Klein. „Wir stellten uns die
logie und Ökonomie vereint“, sagt Heiko Frage, welche Unternehmen sich für die
Neumann. Beide imkern schon seit Jah- Umwelt oder auch gesellschaftlich nach-
ren, mit Herz und Leidenschaft. „Wenn haltig engagieren und ob wir mit ihnen
wir die Bienenvölker beobachten, neh- vielleicht zusammenarbeiten können.“
men wir unsere gesamte Umwelt bes-
ser wahr und verstehen die Regeln der
Natur.“ Die Insekten haben auch eine
große wirtschaftliche Bedeutung. Die
über 2.000 heimischen Nutz- und Wild-
pflanzenarten sind zu über 80 Prozent
Rundumbetreuung
auf die Bestäubungsleistung der Bie-
nen angewiesen. „Die Biene ist das dritt-
für Bienenvölker
wichtigste Nutztier in der Landwirtschaft
und leistet daneben auch wichtige Pio-
nierarbeit etwa auf Flächen, die rekulti- Die beiden gründeten 2018 PlanBee, das
viert werden sollen“, sagt Neumann. Unternehmen, das Bienenstöcke an inter-
essierte Firmen und Organisationen ver-
mietet. Rund 40 Völker mit etwa zwei
Millionen Bienen betreuen Neumann und
Klein nun, und es werden immer mehr.
PlanBee leistet eine Rundumbetreuung
der Bienenvölker und verarbeitet in der
eigenen Imkerei auch den Honig, füllt ihn
in Gläser ab und gestaltet auch individu-
Beeindruckende Unternehmensorganisation: Ingo Stockhausen (links), Vorstandsvorsitzender der Volksbank Oberberg, und Imker elle Etiketten, damit jeder Kunde seinen
Sebastian Klein nehmen eine Wabe und ihre eifrigen Bewohner genauer unter die Lupe.
60 61eigenen Honig in den eigenen Firmenglä- stock miteinander kommunizieren und
sern wieder zurückbekommt. wie sich jede auch in den Dienst der
Gemeinschaft stellt, ist sehr interessant.
Die zehn Stöcke der Volksbank Oberberg Außerdem lernen unsere Jungs eine gan-
stehen an insgesamt neun Standorten. ze Menge. Sie schauen dem Imker immer
„Das ist sehr sinnvoll, weil wir so erstens gern über die Schulter.“ Und der letzte
ein größeres Gebiet abdecken und zwei- Vorteil ist ebenfalls nicht von der Hand
tens eine große Vielfalt an Honig be- zu weisen: „Unsere Obstbäume blühen
kommen“, sagt Heiko Neumann. Die jedes Jahr wunderschön“, sagt Jörn Rich-
Bienen bedienen sich an ganz verschie- ling. „Aber seitdem die Bienen bei uns
denen Blüten, wie zum Beispiel von beheimatet sind, können wir deutlich
Kirsch-, Apfel- und Kastanienbäumen, mehr Früchte ernten.“
Weißdorn, Weißklee, Löwenzahn oder
Brombeeren. „Außerdem können wir
durch diese räumliche Verteilung auch Volksbank Oberberg eG
mehr Menschen Nachhaltigkeit vorleben.“ Bilanzsumme 4,1 Milliarden Euro
Mitglieder 41.165
An einem dieser Standorte, in Gummers- Kunden 98.248
bach-Dieringhausen, erwartet heute Filialen 30
Jörn Richling die beiden Imker. Sie sind Mitarbeiter 484
Stand 31. Dezember 2020
dorthin gefahren, um den Stock zu kon-
trollieren, den der Bereichsleiter für das
Privat- und Gewerbekundengeschäft der Spannende Einblicke, süßer Ertrag: Familie Richling schätzt sowohl das pralle Bienenleben als auch den guten Honig, der dabei
Volksbank Oberberg am Rande seines herauskommt und die Gaumen der gesamten Region erfreut.
Gartens untergebracht hat. Für Richling
und seine Familie war es gar keine Fra-
ge, den Platz zur Verfügung zu stellen.
„Wir sind in der Region stark verwurzelt
und dezentral ausgerichtet. Deswegen
haben wir auch die Stellplätze über das
gesamte Geschäftsgebiet verteilt“, sagt
Richling. „Das unterstreicht unsere Stra-
tegie.“
Auch seine Partnerin Julia Buchkremer
und die drei Söhne Ben, Titus und Paul
haben sich daran gewöhnt, dass es in
der einen Ecke immer summt und
brummt. „Wir haben bisher noch über-
haupt keine negativen Erfahrungen
gemacht“, sagt Julia Buchkremer. „Im
Gegenteil, wir finden das immer wieder
spannend, was mit den Bienen pas-
siert.“ Jörn Richling selbst interessierte
sich sowieso schon seit längerer Zeit für
Bienen, erzählt er. „Wie sie im Bienen-
62 63„Zum Start sind wir diskutieren
schon kritisch beäugt worden“ Vorstand
Alexander
Die Volksbank Ulm-Biberach hat André Schulze,
schon 2012 Lisa Wittmann,
begonnen, Referentin
Nachhaltig- Unterneh-
keit in ihrer mensentwick-
Strategie zu lung, und
verankern. Alexander
Lisa Wittmann
Wie sie es Hösch, Leiter Geschäftsfeld
umsetzt, Zentrale
welche Er- Vertriebs-
folge sie management-
damit hat funktionen.
Alexander André Schulze
und warum nachhaltiges Han-
deln und wirtschaftlicher Erfolg
untrennbar zusammengehören,
Alexander Hösch
64 65Herr Schulze, seit ein paar Jahren redet
jeder über Nachhaltigkeit. Was bedeutet
ersten Schritt mitzunehmen und zu
überzeugen, da sie die Ideen ja auch
„Ich beobachte, „Wir sind stolz
das Thema für Sie? nach außen tragen sollten. Für uns war
es ganz wichtig, einen langfristigen
dass sich jede darauf, dass wir
Schulze: Nachhaltigkeit heißt für uns,
dass wir die genossenschaftliche Idee
Prozess anzustoßen und nicht kurzfris-
tig etwas zu implementieren und da- Mitarbeiterin und das Thema schon
und die Verantwortung, die wir für die
Region haben, leben und spürbar Mehr-
nach wieder zu begraben. Wir haben
auch interessante Gespräche mit Inter- jeder Mitarbeiter 2012 konsequent
werte schaffen. Wir sind stolz darauf, essengruppen wie dem BUND geführt.
dass wir schon 2012 begonnen haben, Solchen Organisationen geht das na- verantwortlich in unsere Strategie
das Thema konsequent in unsere Stra- türlich viel zu langsam, weil sie große
tegie zu implementieren. Auch damals
gab es schon heiße Sommer und es
Erwartungen an uns haben. Uns war
es daher auch immer wichtig, dass wir
fühlt und die mitaufgenommen
war klar, dass etwas passieren musste.
Wir haben damals soziale, ethische,
zeigen: Wir machen uns auf die Reise
und entwickeln uns Schritt für Schritt
Botschaft in die haben.“
ökologische, aber auch ökonomische
Ziele in unserer Strategie verankert
weiter. Region trägt.“ Alexander André Schulze
und auch veröffentlicht. Was haben Sie genau gemacht, um Lisa Wittmann
nachhaltiger zu werden?
War das ein einfacher Prozess?
Wittmann: Seit 2016 versorgen wir
Hösch: Nicht immer. Zum Start sind wir zum Beispiel unsere 28 Geschäftsstel-
schon kritisch beäugt worden. Unsere len zu 100 Prozent mit Ökostrom loka-
Kunden, aber auch unsere Mitarbeiter- ler Stromanbieter. Das ist ein wichtiger
innen und Mitarbeiter fragten sich, ob
es um Marketing ging, um Greenwash-
Faktor, um klimaneutral zu werden.
Intern setzen wir konsequent auf fair
„Wir haben den
ing oder auch ob es nur eine einmalige
Aktion war. Das lag natürlich auch dar-
gehandelte und biologisch erzeugte
Produkte – etwa bei Lebensmitteln
Fokus zu Beginn
an, dass das Thema in der Gesellschaft
noch nicht so verankert war. Heute ist
oder Büromaterialien – und schauen
dabei darauf, dass sie von lokalen
stark auf unsere
es in der Gesellschaft angekommen, in
der Politik, in der Regulatorik. Die Rah-
Unternehmen bezogen werden. Das
erreichen wir bei Büromaterialien
Mitarbeiterinnen
menbedingungen haben sich enorm
verändert. Und wir erhalten viele posi-
schon zu 90 Prozent. So stärken wir
auch die regionale Wirtschaft. und Mitarbeiter
tive Rückmeldungen von Kunden, Part-
nern und aus der Gesellschaft, die uns Sie erwähnen die Klimaneutralität: Wie gelegt.“
zeigen, dass wir den richtigen Weg weit sind Sie damit?
gegangen sind. Alexander Hösch
Schulze: Wir haben unsere Bank im
Viele Unternehmen haben sich zwar Jahr 2020 für das vorangegangene Ge-
Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrie- schäftsjahr klimaneutral gestellt. Dabei
ben, aber dann wenig getan. Wie sind folgen wir dem Grundsatz „Reduktion
Sie diese Aufgabe angegangen? vor Kompensation“, was wir unter an-
derem durch unsere Projekte erreichen.
Hösch: Wir haben den Fokus zu Be- Der nicht vermeidbare Teil unseres
ginn stark auf unsere Mitarbeiterinnen CO2-Ausstoßes wird dann kompen-
und Mitarbeiter gelegt. Sie galt es im siert. Wir liegen so 20 bis 30 Jahre
66 67vor den deutschen oder europäischen Schulze: Wichtige Meilensteine waren Lassen Sie Ihr Engagement auch von Wo kann es aus Ihrer Sicht noch hinge-
Klimaneutralitätszielen. für uns, dass wir Menschen in der außen überprüfen? hen?
Bank haben, die sich nur mit diesem
Wittmann: Zum Prozess gehörte eine Thema beschäftigen, dazu gehören Schulze: Wir lassen bereits seit meh- Hösch: Wir wollen ökonomisch so
detaillierte Analyse, die wir nun jähr- etwa unsere Nachhaltigkeitsmanage- reren Jahren unsere Eigenanlagen stark bleiben wie heute, um gesell-
lich machen. Wir haben 2020 für das rin oder unsere Gesundheitsmanage- sowie seit 2019 unsere Vermögens- schaftlich und in der Umwelt stärker
Vorjahr alle Emissionsfaktoren, die wir rin, die den Prozess begleiten. verwaltung durch eine der weltweit wirken zu können. Das bedeutet
als Bank ausstoßen, bilanziert. Dabei führenden Rating-Agenturen im nach- auch, dass wir uns durchaus vor-
haben wir alle direkten, indirekten Wittmann: Ich beobachte auch, dass haltigen Anlagesegment, die ISS ESG, stellen können, künftig nicht mehr
und mobilen Emissionen berücksich- sich jede Mitarbeiterin und jeder Mit- prüfen. Dabei erreichten wir immer zwangsläufig nur eine Genossen-
tigt, unter anderem die Energienut- arbeiter verantwortlich fühlt und die den sogenannten Prime-Status. Damit schaftsbank zu sein, sondern vielleicht
zung, die Anschaffung elektronischer Botschaft in die Region trägt. Das dokumentieren wir glaubhaft, dass eine Genossenschaft mit Bank: indem
Geräte, die Dienstreisen und Arbeits- macht Nachhaltigkeit erlebbar und wir es ernst meinen. Das gilt auch wir gesellschaftliche Knappheiten
wege der Mitarbeiter sowie die Emis- uns auch vor Ort glaubwürdig. und besonders für unser Geschäft im analysieren und uns da engagieren,
sionen durch interne und externe Anlage- und Kreditbereich. etwa beim bezahlbaren Wohnraum,
Veranstaltungen. Gibt es dafür ein Beispiel? aber auch bei Pflegeplätzen oder
Kitas.
Was folgte daraus? Wittmann: Seit 2012 führen wir jähr- Welche Standards legen Sie dabei an?
lich eine Baumpflanzaktion in unserem Schulze: Für uns als Bank ist die ste-
Wittmann: Bei der Bilanzierung ist uns Geschäftsgebiet durch. Kundinnen Hösch: Wir haben sogenannte No-Gos tige Entwicklung in Richtung Nach-
zum Beispiel aufgefallen, dass der täg- und Kunden können gemeinsam mit definiert, also Geschäfte, die wir nicht haltigkeit sehr positiv. Eine aktuelle
liche Weg zur Arbeit ein wichtiger unseren Mitarbeiterinnen und Mit- machen wollen, wenn es um Kredite Befragung unseres genossenschaft-
Stellhebel für den CO2-Ausstoß ist. arbeitern Bäume pflanzen, die wir zur an Unternehmen geht oder um Anla- lichen Fondsspezialisten Union Invest-
Daher haben wir uns wie in den Jah- Verfügung stellen – das waren bis- gen für unsere Kunden. Dazu gehören ment besagt zum Beispiel, dass über
ren zuvor der AOK-Aktion „Mit dem her mehr als 8.700. Weil wir das im Themen wie Lebensmittelspekulation, 60 Prozent der Kunden nachhaltig
Rad zur Arbeit“ angeschlossen und Corona-Jahr 2020 nicht gemeinsam Korruption oder Waffen. Wir haben investieren wollen. Nachhaltigkeit
die Kolleginnen und Kollegen dazu machen konnten, durften sich die zum Beispiel einen sehr klaren Prozess ist also auch ein Differenzierungs-
aufgefordert, das Auto auch einmal Kundinnen und Kunden ihre Obst- für Titel, die wir in unsere Vermögens- merkmal, und wenn der wirtschaft-
stehen zu lassen. Im Jahr 2020 konn- bäume in der Geschäftsstelle abho- verwaltung mit aufnehmen. Mir ist liche Erfolg stimmt, können wir auch
ten wir so schon knapp vier Tonnen len und dann im heimischen Garten aber auch wichtig, dass wir beispiels- weiterhin nachhaltig für die Region
CO2 einsparen. Das ist aber keine pflanzen. Unsere Mitarbeiterinnen weise nicht nur in rein grüne Unter- wirken.
einmalige Sache gewesen: Viele Mit- und Mitarbeiter pflanzten zudem nehmen investieren, sondern auch in
arbeiterinnen und Mitarbeiter kom- noch einige Bäume auf öffentlichen die, die sich nachweislich auf den Weg
men immer noch per Rad zur Bank. Flächen. Sie halfen auch in Schulen gemacht haben: Dort ist der Effekt Volksbank Ulm-Biberach eG
Außerdem haben wir seit 2019 unse- und Kindergärten beim Aufbau der für die Umwelt natürlich viel größer. Bilanzsumme 3,1 Milliarden Euro
ren kompletten Fuhrpark klimaneutral im Rahmen der VR-Gewinnsparaktion Mitglieder 76.268
gestellt und setzen dabei auch auf „Garten3“ vergebenen Hochbeete. Schulze: Eine Leitlinie für uns ist die Kunden 115.961
E-Mobilität und Fahrräder, die unsere Zwei dieser Beete stehen außerdem WIN-Charta, die das Land Baden- Filialen 36 (inklusive SB)
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf auf der Dachterrasse unseres Haupt- Württemberg als Instrument für nach- Mitarbeiter 495
Stand 31. Dezember 2020
den kürzeren Anfahrtswegen zu Kun- sitzes hier in Ulm. Sie werden zusam- haltig wirtschaftende kleinere und
den nutzen können. men mit den beiden Bienenvölkern mittlere Unternehmen (KMU) ent-
von unseren Kolleginnen und Kolle- wickelt hat. Mit der Unterzeichnung
Sie sprechen die Mitarbeiterinnen und gen gepflegt und gehegt. im Jahr 2017 haben wir ein klares
Mitarbeiter an. Wie haben Sie das The- Bekenntnis zu unserer ökonomischen,
ma Nachhaltigkeit intern verankert? ökologischen und sozialen Verantwor-
tung abgegeben.
68 6949
Prozent der Genossenschaftsbanken in Deutschland
fördern das gesellschaftliche Engagement ihrer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, indem sie Corporate-
Volunteering-Maßnahmen durchführen. Dabei stellen die
Institute ihr Personal beispielsweise für einen Tag frei,
um sich für gemeinnützige Anliegen zu engagieren. Oder
aber sie organisieren eine gemeinsame Aktion, bei der
das gesamte Bank-Team für eine gute Sache aktiv wird.
Fast jede zweite Genossenschaftsbank packt also für die
gesellschaftlichen Belange vor Ort mit an, schenkt Zeit
und persönlichen Einsatz – und sorgt so bei wichtigen
lokalen Anliegen nicht nur in finanzieller Hinsicht dafür,
dass morgen kommen kann.18,42 32
Millionen Mitglieder zählte die Genossenschaftliche FinanzGruppe Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Volksbanken Raiffeisenbanken im Jahr 2020. Diese Zahl steht auch Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken
für die tiefe Verwurzelung der Genossenschaftsbanken in ihrer Raiffeisenbanken sind in ihrer Freizeit ehrenamtlich aktiv.
Region, stammen doch die Mitglieder oft direkt aus dem jeweiligen Viele identifizieren sich mit den Menschen und ihren Anliegen
Geschäftsgebiet. Die enge Verbundenheit mit den Menschen vor Ort vor Ort und setzen sich dafür auch über das Bankgeschäft
ist die Basis für das überdurchschnittliche und außergewöhnliche hinaus ein. Zugleich identifizieren sie sich mit der regionalen,
gesellschaftliche Engagement vieler Genossenschaftsbanken. mitgliederorientierten Ausrichtung ihres Instituts. Auch dies
Apropos, die Zahl der Mitglieder liegt übrigens deutlich über der Zahl macht Genossenschaftsbanken besonders und einzigartig:
der Aktionäre in Deutschland: Knapp 12,4 Millionen Menschen sind aus der Region, für die Region.
am Aktienmarkt engagiert.Sie können auch lesen