Cancer over the ages - SEPTEMBER 2015 03 Erscheint vierteljährlich Jahrgang 35 - Titelbild: Inselspital Bern S. 277 - SAKK
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SEPTEMBER 2015
03
Erscheint vierteljährlich
Jahrgang 35
SCHWEIZER
KREBSBULLETIN
BULLETIN SUISSE
DU CANCER
Titelbild:
Inselspital Bern S. 277
Cancer over the agesBAND 35, SEPTEMBER 2015, AUFLAGE 3900, ISSN 2297-0703 INHALTSVERZEICHNIS
Editorial Originalartikel
213 Childhood is the kingdom where nobody dies? 268-274 Management of CNS metastases:
F. Niggli Why, when and how to treat
J.J. Stelmes, R. Pereira Mestre, M. Kouros, P. Sanna,
214 Geriatric oncology: a young area for investigations
M. S. Aapro M. Dalolio, G. Pesce
Pressespiegel Swiss Cancer Center: Bern
219-224 Cancer in the media 277-281 Der Patient im Zentrum
D. M. Aebersold, S. Portmann, D. Candinas
Krebs-Politik beleuchtet
226 Wahlen 2015 – choose wisely
SAKK Schweizerische Arbeitsgemeinschaft
227 Elections 2015: des députés à choisir avec soin! für Klinische Krebsforschung
P. Imhof
282-285 SAKK News
Nationale Strategie gegen Krebs C. Herren
228-229 Das Krebsregistergesetz in Griffweite
R. Marti, O. Schipper KLS Krebsliga Schweiz
230 Nationale Strategie gegen Krebs – Ausblick 2015 286 Bessere Früherkennung bei Frauen mit hohem
231 Stratégie nationale contre le cancer: tour d’horizon 2015 Brustkrebsrisiko
P. Groux 287 Cancer du sein: dépistage amélioré pour les femmes
à haut risque
Ein kontroverses Thema: PSA-Screening K. Huwiler, O. Schipper
233-235 PSA-Screening: Nicht «warum» - sondern «wie»!
M. Randazzo, M. Kwiatkowski, F. Recker 287 Das umfassende Handbuch der Palliativmedizin
236-238 Screening for prostate cancer: we’re not quite there yet (H. Neuenschwander, C. Cina)
R. Cathomas
288 Fort- und Weiterbildungen der Krebsliga Schweiz
Schwerpunktthema Formation continue de la Lige suisse contre le cancer
Cancer over the ages: Pädiatrische und
geriatrische Tumoren OPS Onkologiepflege Schweiz
241-242 Hepatoblastoma in Switzerland 289 Fortbildungen – formations continues 2015
M. Ansari, R. Maibach
243-244 Pädiatrische Psychoonkologie – Prävention von
Cooperative Groups
Traumafolgestörungen bei Kindern, Jugendlichen und
ihren Familien 291-293 Important Contributions from the International Extranodal
H. Wintsch Lymphoma Study Group at the 13th International
Conference on Malignant Lymphoma (ICML)
245-248 Mammakarzinom im Alter
R. Gianascio Gianocca, E. Zucca
F. Chiesa, U. Hasler-Strub
249-256
Trends in the cancer survival gap between elderly
and middle-aged patients in Switzerland from
Der seltene Fall
1996 to 2012 295-298 Ascopal complete response with combined radiation
M. Lorez, V. Arndt therapy and ipilimumab in melanoma
D. S. Thommen, K. Glatz, A. Zippelius
257-260 Herausforderungen und Chancen in der radioonkologischen
Behandlung von Patienten im Alter
M. Guckenberger, O. Risterer, G. Theile, N. Andratschke Kongressberichte
300-301 13-ICML: a new and bis success!
Spezialartikel F. Cavalli
263-265 Les cigarettes éléctroniques au centre du débat public
en Suisse
S. Ferrari 302 Agenda
Nr. 1/2016: 14. Januar – Nr. 2/2016: 14. April – Nr. 3/2016: 14. Iuli – Nr. 4/2016: 15. September
Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015EDITORIAL
Childhood is the kingdom where
nobody dies?
Das Gedicht von Edna St. Vincent Millay hat leider oder kurz vor deren Einführung stehen, sind wir mit der
nicht ganz recht zunehmenden Herausforderung konfrontiert, die genauen
Indikationsbereiche bei Krebskrankheiten im Kindesalter
Jährlich erkranken in der Schweiz ca. 37‘500 Personen an zu prüfen und definieren.
Krebs, davon sind ca. 250 Kinder und Jugendliche. Auch
wenn diese Erkrankungszahl im Vergleich nicht sehr gross Trotz ihrer Seltenheit ist es wichtig, Krebserkrankungen
erscheint, sind Krebstodesfälle in dieser Altersgruppe bei Kindern in entsprechenden klinischen Studien zu er-
doch die zweithäufigste Todesursache. forschen, um die langfristige Heilungsrate zu optimieren.
Die pädiatrische Onkologie kann sich auf eine über 40-jäh-
Die Heterogenität der Krebserkrankungen im Kindesal- rige Tradition stützen, in welcher Kinder und Jugendliche
ter ist beträchtlich und sogar bei der häufigsten kindlichen mit Krebserkrankungen in klinische Behandlungsstudien
Neoplasie, der akuten lymphatischen Leukämie, gibt es eingeschlossen wurden. Dies hat dazu geführt, dass die frü-
zahlreiche biologische und klinische Unterschiede. Deren her fast immer tödlichen Erkrankungen heute in über 75%
Erkennung ist heute von zunehmender Wichtigkeit, da einer Heilung zugeführt werden können. Bei diesen doch
sie prognostisch im Hinblick auf das langfristige Über- erfreulichen Heilungsraten ist es aber entsprechend wich-
leben deutliche Unterschiede zeigen. Diesem Umstand tig, auch den langfristigen Gesundheitszustand der von
müssen wir in der Therapieplanung Rechnung tragen und Krebs geheilten Patienten zu verfolgen. Spätfolgen einer
entsprechend werden diese biologischen Parameter in die Krebstherapie im Kindesalter sind zum Teil beträchtlich
Behandlungsstrategie mit einbezogen. und müssen frühzeitig erkannt werden, um allenfalls Mög-
lichkeiten zu finden, den langfristigen Nebenwirkungen
Krebserkrankungen bei Kindern unterscheiden sich in entgegen zu wirken. Dank dem Schweizerischen Kinder-
vielerlei Hinsicht von denjenigen bei Erwachsenen. Die krebsregister können wir heute in unserem Land diese Spät-
grosse Gruppe der Karzinome, welche bei Erwachsenen folgen erfassen und genauer analysieren.
über 80% der Neoplasien ausmachen, werden bei kind-
lichen Krebserkrankungen mit ca. 2% extrem selten ge- Eine Krebserkrankung und Behandlung eines Kindes oder
funden. Kinder leiden vor allem an Leukämien, Hirntu- Jugendlichen führt nicht nur zu grosser Verzweiflung und
moren und den typischen kindlichen Tumoren, welche Belastung von Patient und Eltern, sondern stellt auch
aus embryonalen Gewebetypen stammen, wie z.B. Neu- eine enorme Herausforderung für die ganze Familie und
roblastom, Nephroblastom, Retinoblastom und Hepato- das weitere soziale Umfeld des kranken Kindes dar. Es ist
blastom. Aber auch bei gleicher histologischer Entität ist deshalb unerlässlich, entsprechende Unterstützungs- und
das biologische Verhalten bei kindlichen Tumorerkran- Betreuungsmassnahmen für betroffene Familien zur Verfü-
kungen häufig anders als bei Erwachsenen. gung zu stellen, um solche Stresssituationen abzudämpfen.
Die Therapiekonzepte müssen bei Kindern dem wachsen- Die Durchführung klinischer Studien ist ungeachtet der Sel-
den Organismus Rechnung tragen, was zu beträchtlichen tenheit von kindlichen Krebserkrankungen unerlässlich, da-
Unterschieden in der Anwendung der zur Verfügung ste- mit diese Patienten und Patientinnen nicht zu Stiefkindern
henden Therapiemodalitäten führt. der onkologischen Forschung werden. Der Aufwand ist zwar
enorm und wird immer noch grösser. Die Schweizerische Pä-
Hinzu kommt, dass ein Grossteil der vorhandenen Zyto- diatrische Onkologiegruppe SPOG betrachtet es aber als eine
statika keine offizielle Zulassung für eine Krebserkran- ihrer Kernaufgaben, klinische Therapiestudien bei krebs-
kung im Kindesalter hat. Dennoch hat die Erfahrung im kranken Kindern durchzuführen, um dank weiterem Zuge-
Rahmen klinischer Studien gezeigt, dass viele Medika- winn an Erkenntnissen, die langfristigen Heilungschancen
mente, welche bei adulten Krebskrankheiten angewendet dieser Kinder weiter zu verbessern.
werden, auch eine entsprechende Wirkung bei kindlichen
Krebsformen aufweisen. Für die grosse Palette der neueren Prof. Dr. Felix Niggli, Präsident SPOG
Substanzen, welche bereits eine Marktzulassung besitzen felix.niggli@kispi.uzh.ch
Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015 213EDITORIAL
Geriatric oncology:
a young area for investigations
This issue of the Swiss Cancer Bulletin has three papers therapy. What our older patients deserve is an appropri-
dedicated to the older segment of our population diagnosed ate evaluation of their tumour, with an open discussion of
with cancer. Matthias Lorez and Volker Arndt set the scene the risks and benefits of any procedure. What continues to
by reviewing data from Switzerland that show that survival happen is that age alone leads to comments that are nega-
gaps between elderly (75-94) and middle-aged (60-74) pa- tive and decisions to abstain from interventions without
tients are rather stable in Switzerland for most cancer sites any rational basis.
since 1996, a trend also seen in recent studies elsewhere,
contrary to older data showing a worsening. Federica Chiesa and Ursula Hasler-Strub summarize the
present status of breast cancer treatment in the older
There are exceptions with a prominent widening of the women. When citing the PRIME II study, they come to
survival gap selectively for prostate cancer, and clearly de- the same conclusion as the authors of the study: possibly
creasing survival gaps for melanoma (in men and women) one can avoid adjuvant radiation in some cases operated
and oral cavity, pharynx (remarkably in women only). They conservatively. Yet there are statistically non significant
point out that for prostate cancer it is likely that the effect data (maybe because of small numbers and relatively
of increased diagnosis of potentially indolent tumours in short follow up) showing that the non-irradiated group
younger males rather than real advances in survival time has more breast cancer related deaths. So who are the re-
are the reason for the data. On the other hand for melanoma ally low risk patients? The latest «StGallen consensus» in
they discuss earlier diagnosis due to improved health be- Vienna has nevertheless also suggested that this option has
havior and practices in elderly, or physicians judging more to be discussed. Matthias Guckenberger and colleagues
elderly fit for complete diagnostics and curative treatments. also debate this point in their review of radiation therapy
If only these suggestions were true! in the elderly. These authors also indicate that there is a
need for further studies and mention the failure of some
We would for example then also soon observe improve- efforts undertaken in the past.
ments in breast cancer mortality in the older segment of
the population, whereas this is not yet apparent. For head What have we then achieved in the past 20 years? Aware-
and neck cancer the explanation is not easy. The message ness about the older patient, nicely discussed by these
is that more efforts are needed to decrease the gap in can- contributions, has improved. But also awareness that only
cer related mortality among younger and older patient. appropriate studies will define the right answers, and this
But the gap is also about fitting to the real needs of the is a long way to go. Besides all our justified excitement
older patient [1]. Let us look at a scenario: a fit 92 year about new therapeutic modalities, we need to learn how
old lady, with minimal issues of high blood pressure well best to use all our armamentarium for the benefit of the fit
controlled by her medication falls and breaks the left hip. and less fit elderly patients [2].
Would anyone debate the fact that emergency surgery is
planned and she is able to walk again within a few days, 1. Balducci L, Aapro M. Complicated and complex: helping the old-
with some cognitive impairment after the anesthesia. But er patient with cancer to exit the labyrinth. J Geriatr Oncol. 2014
if the same lady presents to the emergency room with an 5(1):116-8.
increased abdominal girth and a history of vomiting, what 2: Pallis AG, Ring A, Fortpied C, Penninckx B, Van Nes MC, Wed-
will happen? Will she undergo the needed procedures to ding U, Vonminckwitz G, Johnson CD, Wyld L, Timmer-Bonte A,
Bonnetain F, Repetto L, Aapro M, Luciani A, Wildiers H; European
diagnose her stage III ovarian cancer? Will she receive Organisation for Research and Treatment of Cancer Elderly Task Force.
standard chemotherapy? Years ago such a lady was sent to EORTC workshop on clinical trial methodology in older individuals
the medical ward and it was only her insistence to receive with a diagnosis of solid tumors. Ann Oncol. 2011;22(8):1922-6.
treatment that lead to a call to the oncology team. She
had a clinical, radiological and laboratory complete remis- Matti S. Aapro, Institut Multidisciplinaire
sion and refused the planned surgery. She relapsed 4 years d’Oncologie IMO, Clinique de Genolier
later, and the tumour did not respond to further chemo- maapro@genolier.net
214 Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015BULLETIN
SUISSE DU CANCER
HERAUSGEBER SCHWEIZER KREBS-
BULLETIN
SUISSE DU CANCER
REDAKTION SCHWEIZER KREBS-
Prof. Dr. Franco Cavalli, Koordination: Karin Lerch
Istituto Oncologico della Svizzera Italiana (IOSI), Ospedale Regionale di Bellinzona e Valli, 6501 Bellinzona
BULLETIN
Tel. 091 811 82 30, Fax 091 811 80 56, Email: karin.lerch@sakk.ch
SUISSE DU CANCER
SAKK
Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung / Groupe Suisse de Recherche Clinique sur le Cancer SCHWEIZER KREBS-
Verantwortlich: Claudia Herren, SAKK, Effingerstrasse 40, 3008 Bern
Tel. 031 389 93 09, Fax 031 389 92 00, Email: claudia.herren@sakk.ch
BULLETIN
SUISSE DU CANCER
NICER
Nationales Institut für Krebsepidemiologie und –registrierung / Institut National pour l’Épidémiologie et l’Enregistrement du Cancer
Direktor: Dr. Rolf Heusser, Foundation National Institute for Cancer Epidemiology and Registration (NICER)
c/o Universität Zürich, Seilergraben 49, 8001 Zürich, Tel. 044 634 53 74, Fax 044 634 54 44, Email: contact@nicer.org
SPOG
Schweizerische Pädiatrische Onkologie Gruppe / Groupe suisse d’oncologie pédiatrique
Präsident: Prof. Dr. Felix Niggli, Universitätskinderspital, Steinwiesstrasse 75, 8032 Zürich
Tel. 044 266 71 11, Fax 044 266 78 34, Email: felix.niggli@kispi.uzh.ch
KLS
Krebsliga Schweiz / Ligue suisse contre le cancer
Verantwortlich: Flavia Nicolai, KLS, Effingerstrasse 40, Postfach 8219, 3001 Bern
Tel. 031 389 94 13, Fax 031 389 91 62, Email: flavia.nicolai@krebsliga.ch
KFS
Stiftung Krebsforschung Schweiz / Fondation Recherche suisse contre le cancer
Verantwortlich: Dr. Ori Schipper, KFS, Effingerstrasse 40, Postfach 7021, 3001 Bern
Tel. 031 389 93 31, Fax 031 389 91 62, Email: ori.schipper@krebsforschung.ch
ISREC
Institut Suisse de Recherche Expérimentale sur le Cancer / Schweizerisches Institut für experimentelle Krebsforschung
Responsible at interim: Prof. Dr. Douglas Hanahan, ISREC-EPFL, Batiment SV, Station 19, 1015 Lausanne
Tel. 021 693 06 57, Fax 021 693 06 60, Email: dh@epfl.ch
SASRO
Scientific Association of Swiss Radiation Oncology
Responsible: Dr. Damien Weber, Paul Scherrer Institut, 5232 Villigen
Tel. 056 310 58 28, Fax 056 310 35 15, Email: damien.weber@psi.ch
ONCOCAMPUS
OncoCampus Switzerland
Präsident: Prof. Dr. Heinrich Walt, Universitätsspital Zürich, Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Frauenklinikstrasse 24, 8091 Zürich
Tel. 044 255 91 25, Fax 044 255 41 79, Email: heinrich.walt@usz.ch, www.oncocampus.ch
OPS
Onkologiepflege Schweiz
Verantwortlich: Irène Bachmann-Mettler, Geschäftsstelle Onkologiepflege Schweiz, Hirstigstrasse 13, 8451 Kleinandelfingen
Tel. 052 301 21 89, Fax 052 317 39 80, Email: info@onkologiepflege.ch, www.onkologiepflege.ch
SGPO
Schweizerische Gesellschaft für Psychoonkologie / Société Suisse de Psycho-Oncologie
Sekretariat SGPO, c/o Krebsliga Schweiz, Effingerstrasse 40, Postfach 8219, 3001 Bern
Tel. 031 389 91 30, Fax 031 389 91 60, Email: kontakt@psycho-onkologie.ch
SGMO
Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie
Verantwortlich: Dr. Jürg Nadig, SGMO, Bannhaldenstrasse 7, 8180 Bülach
Tel. 044 862 73 00, Fax 044 862 73 01, Email: juerg.nadig@hin.ch
SGPath
Schweizerische Gesellschaft für Pathologie SG Path
Verantwortlich: PD Dr. med. Ellen C. Obermann, Pathologie, Universitätsspital Basel, Schönbeinstrasse 40, CH-4031 Basel
Tel. 061 265 27 57, Fax 061 265 31 94, Email: ellen.obermann@usb.ch
Folgende Firmen unterstützen den SAKK Industriepool:
Amgen Switzerland AG GlaxoSmithKline AG PharmaMar S.A.
ARIAD Pharmaceuticals Ikopharm AG Pierre Fabre Pharma AG
Astellas Pharma AG Janssen-Cilag AG Roche Pharma (Schweiz) AG
AstraZeneca AG Lipomed AG Sandoz Pharmaceuticals AG
Bayer (Schweiz) AG Merck (Schweiz) AG Sanofi-Aventis (Schweiz) AG
Boehringer Ingelheim (Schweiz) GmbH MSD Merck Sharp & Dohme AG Spectrum Pharmaceuticals
Bristol-Myers Squibb SA Mundipharma Medical Company Takeda Pharma AG
Celgene GmbH Novartis Pharma (Schweiz) AG Teva Pharma AG
Eli Lilly (Suisse) SA Pfizer AG Vifor AG
216 Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015PRESSESPIEGEL – REVUE DE PRESSE
Doctoring, Without the Doctor compartmentalize and fragment health care,»
which he argued should be collaborative, with
«I was thinking, ‘I’m not ready for this,’» said Ms.
Nelson, 35, who has been practicing for three
There are just a handful of psychiatrists in all of «the physician at the head of the team.» years. «It was such a lonely feeling.»
western Nebraska, a vast expanse of farmland
and cattle ranches. So when Murlene Osburn, a Dr. Richard Blatny, the president of the Ne- Ms. Osburn, 55, has been on the plains her
cattle rancher turned psychiatric nurse, finished braska Medical Association, which opposed the whole life, first on a sugar beet farm in eastern
her graduate degree, she thought starting a state legislation, said nurse practitioners have Montana and more recently in the Sandhills re-
practice in this tiny village of tumbleweeds and just 4 percent of the total clinical hours that gion of Nebraska, a haunting, lonely landscape
farm equipment dealerships would be easy. doctors do when they start out. They are more of yellow grasses dotted with Black Angus cat-
likely than doctors, he said, to refer patients to tle. She has been a nurse since 1982, working
It wasn’t. A state law required nurses like her to specialists and to order diagnostic imaging like in nursing homes, hospitals and a state-run
get a doctor to sign off before they performed X-rays, a pattern that could increase costs. psychiatric facility.
the tasks for which they were nationally certi-
Nurses say their aim is not to go it alone, which As farming has advanced and required fewer
fied. But the only willing psychiatrist she could
is rarely feasible in the modern age of complex workers, the population has shrunk. In the
find was seven hours away by car and wanted
medical care, but to have more freedom to per- 1960s, the school in Wood Lake had high
to charge her $500 a month. Discouraged, she
form the tasks that their licenses allow without school graduating classes. Now it has only four
set the idea for a practice aside and returned
getting a permission slip from a doctor – a rule students. Ms. Osburn and her family are the
to work on her ranch. only ones still living on a 14-mile road. Three
that they argue is more about competition than
other farmhouses along it are vacant.
«Do you see a psychiatrist around here? I don’t!» safety. They say advanced-practice nurses de-
said Ms. Osburn, who has lived in Wood Lake, liver primary care that is as good as that of doc-
The isolation takes a toll on people with men-
population 63, for 11 years. «I am willing to prac- tors, and cite research that they say proves it.
tal illness. And the culture on the plains – self-
tice here. They aren’t. It just gets down to that.» reliance and fiercely guarded privacy – makes
What is more, nurses say, they are far less costly it hard to seek help. Ms. Osburn’s aunt had
But in March the rules changed: Nebraska be- to employ and train than doctors and can help schizophrenia, and her best friend, a victim of
came the 20th state to adopt a law that makes provide primary care for the millions of Ameri- domestic abuse, committed suicide in 2009.
it possible for nurses in a variety of medical cans who have become newly insured under She herself suffered through a deep depression
fields with most advanced degrees to practice the Affordable Care Act in an era of shrinking after her son died in a farm accident in the late
without a doctor’s oversight. Maryland’s gover- budgets and shortages of primary care doctors. 1990s, with no psychiatrist within hundreds of
nor signed a similar bill into law this month, Three to 14 nurse practitioners can be educated miles to help her through it.
and eight more states are considering such for the same cost as one physician, according
legislation, according to the American Associa- to a 2011 report by the Institute of Medicine, a «The need here is so great,» she said, sitting in her
tion of Nurse Practitioners. Now nurses in Ne- prestigious panel of scientists and other experts kitchen with windows that look out over the plains.
braska with a master’s degree or better, known that is part of the National Academy of Sciences. She sometimes uses binoculars to see whether
as nurse practitioners, no longer have to get a her husband is coming home. «Just finding some-
signed agreement from a doctor to be able to In all, nurse practitioners are about a quarter one who can listen. That’s what we are missing.»
do what their state license allows – order and of the primary care work force, according to the
interpret diagnostic tests, prescribe medica- institute, which called on states to lift barriers That conviction drove her to apply to a psy-
tions and administer treatments. to their full practice. chiatric nursing program at the University of
Nebraska, which she completed in December
«I was like, ‘Oh, my gosh, this is such a wonderful There is evidence that the legal tide is turning. Not 2012. She received her national certification in
victory,’» said Ms. Osburn, who was delivering a only are more states passing laws, but a February 2013, giving her the right to act as a therapist,
calf when she got the news in a text message. decision by the Supreme Court found that North and to diagnose and prescribe medication for
Carolina’s dental board did not have the authority patients with mental illness. The new state law
The laws giving nurse practitioners greater au- to stop dental technicians from whitening teeth in still requires some supervision at first, but it
nonclinical settings like shopping malls. The ruling can be provided by another psychiatric nurse –
tonomy have been particularly important in rural
tilted the balance toward more independence for help Ms. Osburn said she would gladly accept.
states like Nebraska, which struggle to recruit
doctors to remote areas. About a third of Ne- professionals with less training.
Ms. Nelson, the nurse who treated the obese
braska’s 1.8 million people live in rural areas,
patient, now works in a different hospital. These
and many go largely unserved as the nearest «The doctors are fighting a losing battle,» said days when she is alone on a shift, she has back-
mental health professional is often hours away. Uwe E. Reinhardt, a health economist at Prince- up. A television monitor beams an emergency
ton University. «The nurses are like insurgents. medicine doctor and staff into her workstation
«The situation could be viewed as an emer- They are occasionally beaten back, but they’ll from an office in Sioux Falls, S.D. They recently
gency, especially in rural counties,» said Jim win in the long run. They have economics and helped her insert a breathing tube in a patient.
P. Stimpson, director of the Center for Health common sense on their side.»
Policy at the University of Nebraska, referring The doctor shortage remains. The hospital,
to the shortage. Nurses acknowledge they need help. Elizabeth Brown County Hospital in Ainsworth, Neb., has
Nelson, a nurse practitioner in northern Ne- been searching for a doctor since the spring of
Groups representing doctors, including the Amer- braska, said she was on her own last year when 2012. «We have no malls and no Walmart,» Ms.
ican Medical Association, are fighting the laws. an obese woman with a dislocated hip showed Nelson said. «Recruitment is nearly impossible.»
They say nurses lack the knowledge and skills up in the emergency room of her small-town
to diagnose complex illnesses by themselves. Dr. hospital. The hospital’s only doctor came from Ms. Osburn is looking for office space. The law
Robert M. Wah, the president of the A.M.A., said South Dakota once a month to sign paperwork will take effect in September, and she wants
nurses practicing independently would «further and see patients. to be ready. She has already picked a name:
Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015 219PRESSESPIEGEL – REVUE DE PRESSE
Sandhill Behavioral Services. Three nursing der Schweiz, ist dabei. «Dank den Immuntherapi- von Wirkstoffen getestet, auch mit Medikamen-
homes have requested her services, and there en können wesentlich mehr Leute mit Krebs im ten aus dem eigenen Haus.
have been inquiries from a prison. fortgeschrittenen Stadium behandelt werden, so-
dass die Krankheit längerfristig gut kontrollierbar
«I’m planning on getting in this little car and Markt von 35 Milliarden
wird oder im besten Fall gar geheilt werden kann.»
driving everywhere,» she said, smiling, behind
Die grossen Bemühungen von Roche erstau-
the wheel of her 2004 Ford Taurus. «I’m going Alfred Zippelius, stellvertretender Chefarzt On-
nen angesichts des riesigen Umsatzpotenzials
to drive the wheels off this thing.» kologie am Universitätsspital Basel, spricht nicht. Citigroup rechnet für die Immuntherapi-
ebenfalls von einem Durchbruch. Mittlerwei- en mit Verkäufen in den nächsten zehn Jahren
The New York Times, May 25, 2015 le seien die neuen Immuntherapien etabliert, von jährlich bis zu 35 Milliarden Dollar. Die
zumindest würden sie gegen schwarzen Haut- US-Bank geht davon aus, dass künftig bis zu
krebs standardmässig eingesetzt, zunehmend 60 Prozent aller Tumorarten mit den neuen Prä-
auch gegen Lungenkrebs. paraten behandelt werden.
Medikamente der Im Vergleich zur Chemotherapie sind die Ne- Um solche Umsätze zu erreichen, sind enorm
benwirkungen der neuen Immuntherapien
Interpharma-Firmen überschaubar. Dennoch sei die Gefahr nicht
hohe Preise nötig. Die beiden bereits in den
USA zugelassenen Präparate von Merck und
zu unterschätzen, sagt Zippelius. Bei den neus- Bristol-Myers Squibb kosten 150 000 Dollar
Potent, aber enorm teuer ten Wirkstoffen, den sogenannten PDL1- und pro Jahr. Der Preis für das schon seit 2011
PD1-Antikörpern, erleiden bis zu 5 Prozent zugelassene Hautkrebspräparat Yervoy beträgt
Die neusten Krebsmittel zeigen erstaunlich gute aller Patienten schwere Nebenwirkungen. Bei in der Schweiz je nach Körpergewicht zwischen
Resultate, einige Patienten leben trotz aggres- der ersten Generation der Immuntherapien, die 70 000 und 120 000 Franken.
siver Tumore über Jahre weiter. Ungelöst ist das sich seit 2011 auf dem Markt befindet, sind es
Problem der hohen Preise. Die Präparate kos- gar zwischen 15 und 20 Prozent. Das Immun- Die hohen Preise sorgen weltweit für Kritik. Selbst
ten bis zu 150 000 Dollar. system überreagiert, und es kann beim Patien- in den USA, die als besonders pharmafreundlich
ten zu Hautausschlag, Müdigkeit, Darmentzün- gelten, protestieren Onkologen gegen die kaum
Bis vor wenigen Jahren war die Diagnose in den
meisten Fällen ein Todesurteil. Erkrankte ein dungen oder Hormonstörung kommen. tragbaren Kosten. Hierzulande ist insbesondere
Patient oder eine Patientin an einem metas- Thomas Cerny als scharfer Kritiker aufgefallen.
Einer seiner Patientinnen habe eine schwere Er sprach wiederholt von Fantasiepreisen. Nun
tasierenden schwarzen Hautkrebs, trat der Tod Herzmuskelentzündung erlitten, erzählt Zip-
im Schnitt nach sechs Monaten ein - trotz einer klingt der Onkologe moderater. «Die Kosten der
pelius. «Werden die Patienten frühzeitig mit Krebsmedikamente werden ein grosses The-
Chemotherapie. Nur 25 Prozent der Betroffenen Medikamenten behandelt, bekommen wir die
lebten länger als ein Jahr. ma bleiben», sagt er. Da viele Pharmakonzer-
Nebenwirkungen relativ gut in den Griff.» Un- ne gleichzeitig an den neuen Immuntherapien
Seit 2011 sind neue Medikamente auf dem behandelt können die Nebenwirkungen jedoch forschten, erhoffe er sich einen starken Wettbe-
Markt. Sie haben die Situation der Hautkrebs- bis zum Tod führen. werb, der sich dämpfend auf die Preise auswirke.
patienten markant verbessert. Krebs entsteht
vereinfacht dargestellt so, indem körpereigene Kampf unter Anbietern Preise in der Schweiz noch offen
Zellen entarten. Normalerweise werden diese
vom Immunsystem mit T-Zellen identifiziert und In der Pharmaindustrie ist ein regelrechter Kritischer äussert sich Alfred Zippelius vom Uni-
zerstört. Mit zunehmendem Alter entwischen die Wettkampf um die Vorherrschaft auf diesem spital Basel: «Sobald einzelne Präparate mitei-
Krebszellen den T-Zellen. Es bilden sich Tumore. Gebiet entbrannt. Führend sind derzeit die nander kombiniert werden, wird es extrem teuer.
Die neuen Medikamente bewirken nun, dass die beiden amerikanischen Konzerne Merck und Das stellt die Gesellschaft vor neue Probleme.»
Krebszellen für das Immunsystem wieder sicht- Bristol-Myers Squibb. Beide haben seit Ende Zippelius macht ein Beispiel anhand eines Pa-
bar gemacht und angegriffen werden können. letzten Jahres eine Zulassung für jeweils eine tienten mit schwarzem Hautkrebs. Hier können
Immuntherapie in den USA. neben der Chemotherapie mehrere neue Medi-
Einzelne Patienten, welche die Medikamente kamente zum Einsatz kommen. Müsse das gan-
bereits im Rahmen klinischer Studien einge- Roche als Weltmarktführer in der Onkologie hinkt ze Arsenal an verfügbaren Präparaten eingesetzt
nommen haben, sind 10 Jahre nach der Diag- hinterher. Für das am weitesten fortgeschrittene werden, weil ein einzelnes nicht die gewünsch-
nose noch immer am Leben. Dennoch spre- Präparat wolle der Basler Pharmakonzern im te Wirkung gebracht habe, seien in kurzer Zeit
chen viele Ärzte nicht von Heilung, weil noch nächsten Jahr die Zulassung in den USA bean- Kosten von mehreren Hunderttausend Franken
keine Langfristdaten existieren. tragen, erklärt Thomas Büchele, Leiter Global möglich, sagt Zippelius. Das sei zwar nur eine
Medical Affairs Hämatologie/Onkologie bei Ro- grobe Schätzung, schränkt er ein, zeige aber die
Die Immuntherapien wirken allerdings nicht bei che. Zunächst soll der Wirkstoff gegen Blasen- Dimension auf. Genaue Zahlen sind derzeit nicht
allen Menschen. Basierend auf den aktuellsten und Lungenkrebs eingesetzt werden. Das Unter- verfügbar, da die neusten Medikamente in der
Daten sprechen derzeit nur rund 30 Prozent nehmen prüfe das Medikament Atezolizumab Schweiz noch nicht zugelassen sind. Folglich
aller Hautkrebspatienten auf die neuen Präpa- auch für den Einsatz gegen andere Tumorarten sind auch deren Preise nicht bekannt.
rate an. Insgesamt geht man bei den Immun- wie Nieren- oder Magenkrebs. Roche forsche zu-
therapien je nach Tumorart von Ansprechraten dem an weiteren Immuntherapien, sagt Büchele. «Es kann nicht sein, dass man die Preise der
zwischen 10 und 30 Prozent aus. einzelnen Therapien zusammenzählt, sonst
Der Konzern betreibt einen enormen Aufwand. sind die Kosten für die Gesellschaft nicht mehr
Krankheit wird kontrollierbar «Derzeit laufen neun Studien in der letzten tragbar.» Die Pharmaindustrie, die Krankenver-
Phase der Entwicklung, zwei weitere werden sicherer und Onkologen müssten sich deshalb
Dennoch ist die Euphorie unter den Onkologen bis Ende des Jahres noch dazukommen», sagt zusammensetzen und einen tragfähigen Kom-
gross. Bis morgen Dienstag treffen sie sich in Chi- Büchele. Zudem verfüge Roche über ein umfas- promiss finden, fordert Zippelius.
cago zum weltgrössten Krebskongress Asco. Auch sendes Studienprogramm in den Phasen I und
Thomas Cerny, einer der führenden Onkologen in II. Darunter würden zahlreiche Kombinationen Tages-Anzeiger, 1. Juni 2016
220 Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015PRESSESPIEGEL – REVUE DE PRESSE
«Pour réduire le risque lié Si les risques climatiques ne sont plus
invisibles, ils demeurent mal perçus dans leur
Zippelius hat sich einer Gruppe bestehend aus
Krankenkassen, Pharmafirmen und weiteren
au rechauffement, il faut étendue et leurs conséquences, notamment Onkologen angeschlossen. Später sollen auch
s’attaquer aux inégalités» en Europe. Quelles sont les actions qui vous
paraissent prioritaires ?
einzelne Spitäler dazukommen. Die Gruppe hat
das Ziel, neue und vor allem bezahlbare Preis-
L’information ne suffit pas, même si elle est modelle für Kombinationstherapien zu erarbei-
Jean-Pierre Dupuy est professeur à l’université
nécessaire. Car, je l’ai répété sans cesse, nous ten. Die Initiative geht auf den Krankenversi-
Stanford (Californie). Il est notamment l’auteur savons mais nous ne croyons pas ce que nous cherer Helsana und Roche zurück. Mittlerweile
de Pour un catastrophisme éclairé. Quand savons. On n’agira sur le climat qu’en faisant sitzen auch die Pharmakonzerne Novartis, MSD,
l’impossible est certain (Seuil, 2004). face à toutes les autres menaces dont nous Bristol-Myers Squibb sowie die Krankenkasse
… avons dit qu’elles faisaient système. CSS mit am Tisch.
Il est sans doute plus efficace et plus sûr, pour
Le changement climatique est-il la menace réduire le risque climatique, de s’attaquer
majeure? à la question des inégalités mondiales que Kassen pochen auf tiefere Preise
Quand on examine l’ensemble des menaces : de lancer dans l’atmosphère des nuages de Neben der Überalterung der Gesellschaft werde
changement climatique, épuisement des res- nanoparticules qui bloqueront les rayons die sprunghafte Entwicklung in der Onkologie
sources fossiles, disparition de la biodiver- solaires. zu enorm hohen Kosten für das Gesundheits-
sité, risques technologiques, inégalités mons- wesen führen, sagt Martina Weiss, verantwort-
trueuses, chômage calamiteux, effondrement du Quel changement de regard, ou de mentalité, lich für Kooperationen mit der Pharmaindustrie
système financier mondial, risques de guerre et est nécessaire ? bei Helsana. Ursache dafür sind neben den
apparition d’une violence primale qui se répand Je crains qu’il ne survienne qu’à l’épreuve des hohen Preisen der neuen Präparate auch ihre
par mimétisme, on s’aperçoit qu’elles forment premières manifestations du désastre à venir. kombinierte Anwendung und wesentlich länge-
un système. Le changement climatique est un Elles existent déjà, même si on ne peut pas re Therapiezeiten. Bereits jene Generation von
nœud important de ce système et ses consé- prouver qu’un événement extrême comme le
Krebsmitteln, die vor den neuen Immuntherapi-
quences seront dramatiques, mais c’est en cyclone Katrina, ou la sécheresse californienne,
en auf den Markt kamen, sind sehr teuer.
chaque point qu’il faudrait agir. … résulte du changement climatique. Mais
… nous n’en sommes qu’au commencement.
Das Ziel von Krankenkassen wie der Helsana ist
Le changement le plus radical devra être le
klar: «Um langfristig den Zugang zu innovativen
renoncement à l’optimisme béat de ceux qui
Au sujet du climat, quels changements Therapien garantieren zu können, werden wir
croient qu’il y aura une solution technique, type
constatez-vous, ces dernières années, dans nur wirtschaftliche Preise akzeptieren. Folglich
géo-ingénierie, aux effets du réchauffement,
l’opinion? Chez les intellectuels? Chez les müssen die Kosten einer Kombinationstherapie
comme il y en a toujours eu dans le passé,
politiques? bedeutend tiefer sein als die Summe der ein-
chaque fois que l’humanité a eu à affronter des
Je vis une partie de l’année en Californie et, zelnen Medikamentenpreise», sagt Weiss.
menaces qui provenaient d’elle-même.
ce qui me frappe depuis une bonne décennie,
c’est l’éveil spectaculaire de la conscience Selbst die Pharmaindustrie, die an möglichst
Le Monde, 4 juin 2015
américaine à ces problèmes. Certes, on trouve hohen Preisen interessiert ist, anerkennt die
encore dans les franges les plus droitières Problematik. «Der Schub innovativer Krebsthe-
du Parti républicain une résistance farouche rapien, die in vielen Fällen kombiniert werden,
à cet éveil, mais elle est moins, comme chez stellt das Gesundheitssystem vor eine neue He-
nous, le reflet d’une idéologie scientiste que
Gibt es eine Medizin gegen rausforderung», sagt Sara Käch vom Lobbyver-
la manifestation d’intérêts économiques et hohe Preise? band Interpharma. Ziel sei es, das bestehende,
starre Preissystem mit Blick auf die Kombina-
financiers puissants. Si bien qu’elle est plus
Eine Gruppe bestehend aus Krankenkassen, tionstherapien zu flexibilisieren, sodass Patien-
grossière et qu’on peut plus facilement la
Pharmafirmen und Ärzten sucht nach einem ten vom Fortschritt rasch profitieren.
dénoncer. Des livres le font très efficacement,
comme celui de Naomi Klein, qui vient Weg, die teuren Kombinationstherapien gegen
Krebs auf einem bezahlbaren Niveau zu halten. Die Kompromissbereitschaft der Pharmain-
d’être traduit en français, Tout peut changer. dustrie mag auf den ersten Blick erstaunen.
Capitalisme et changement climatique (Actes Letztlich haben jedoch auch die Hersteller ein
Sud, 540 p., 24,80 €). La Californie a la Die jüngsten Fortschritte in der Onkologie sind
beachtlich. Dank den sogenannten Immunthe- Interesse daran, dass die Krebsbehandlungen
chance d’avoir un gouverneur, Jerry Brown, bezahlbar bleiben. Das Beispiel der neuen
très au fait des questions écologiques. Il rapien leben einige Patienten trotz aggressiver
Tumore über Jahre weiter. Die neuen Medika- Hepatitis-C-Medikamente zeigt eindrücklich,
vient de prendre des mesures courageuses was die Folgen exorbitanter Preise sein kön-
mente sind jedoch enorm teuer. Hinzu kommt,
pour faire face à une sécheresse impitoyable. nen. Um den dadurch verbundenen Kosten-
dass sie häufig mit bestehenden Medikamen-
La fidélité à la pensée d’Ivan Illich nous ten kombiniert werden, was für einen zusätz- anstieg einzudämmen, hat das Bundesamt für
rapproche depuis une quarantaine d’années lichen Kostenschub sorgt. Im Extremfall seien Gesundheit (BAG) die Verwendung der neuen
et j’étudie pour lui la possibilité de monter là- so in kurzer Zeit Kosten von mehreren Hun- Präparate eingeschränkt. Diese dürfen nur an
bas un institut pour la pensée catastrophiste. derttausend Franken möglich, sagt etwa Alfred Patienten verschrieben werden, die sich in ei-
Pour ce qui est de la France, la volonté de Zippelius, stellvertretender Chefarzt Onkologie nem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit
l’exécutif de ne pas faire mauvaise figure lors am Unispital Basel. Er sieht die Entwicklung kri- befinden.
de la conférence de Paris COP21 semble avoir tisch. «Es kann nicht sein, dass man einfach die
converti quelques ministres à la cause de Preise der einzelnen Therapien zusammenzählt, Was macht das BAG?
l’environnement. Le paradis est parfois pavé sonst sind die Kosten für die Gesellschaft nicht
d’intentions médiocres. … mehr bezahlbar.» Deshalb seien nun tragfähige Diese Rationierung dürfte auch in der Onkologie
… Modelle gefordert. zum Thema werden, sollten Kosten von mehre-
Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015 221PRESSESPIEGEL – REVUE DE PRESSE
ren Hunderttausend Franken pro Patient immer würden. «Das BAG befürwortet die Initiative und Dem Vernehmen nach wäre denkbar, dass das
häufiger der Fall sein. Finden die Pharmain- pflegt den Kontakt mit den genannten Kreisen», BAG die Therapie auf Patienten mit erst relativ
dustrie und die Krankenkassen keinen Kompro- sagt eine Sprecherin. geringen Leberschäden (sogenannter Fibro-
miss, dürfte sich das BAG gezwungen sehen, segrad 2) ausweitet. Laut Gilead könnte eine
auch Krebsmittel in irgendeiner Form zu rationie- Tages-Anzeiger, 6. Juni 2015 Mehrheit dieser Patienten in acht statt zwölf
ren. Wird der Zugang der Patienten zu den neuen Wochen geheilt werden. «Wenn das BAG bereit
Therapien eingeschränkt, hat dies letztlich weni- ist, die Beschränkung auf F2 zu erweitern, dann
ger Umsatz für die Firmen zur Folge. ist klar, dass man über den Preis diskutieren
kann», erklärt Gilead-Schweiz-Chef André Lü-
Das BAG weist seinerseits darauf hin, dass
Novartis-Chef kritisiert scher. Beim angesprochenen Bundesamt heisst
bereits heute die Anwendung gewisser Krebs- Rationierung es: «Wir schliessen eine Ausweitung der Ver-
medikamente eingeschränkt sei, etwa was gütung nicht aus», sagt BAG-Sprecher Daniel
die Dauer der Behandlung oder die Dosie- Der Druck auf den Bund wächst, bei extrem Bach.
rung anbelange. Auch bei den Kombinations- teuren Medikamenten eine neue, bezahlbare
therapien werde das Amt bei Bedarf passen- Lösung zu finden
de Auflagen definieren, damit diese wirksam, Eine Debatte ist dringend nötig
zweckmässig und wirtschaftlich seien, sagt Im Kampf gegen das Hepatitis-C-Virus sind
seit einem Jahr hochwirksame Medikamen- Kommentar von Andreas Möckli, Wirtschaftsre-
eine Sprecherin.
te auf dem Markt. Ihr Nachteil: Sie sind sehr daktor, über die Rationierung im Gesundheits-
teuer. So teuer, dass das Bundesamt für Ge- wesen
Ob sich die Kassen und die Pharmaindustrie
auf neue Preismodelle einigen werden, ist of- sundheit (BAG) deren Anwendung drastisch
eingeschränkt hat. Die Pillen dürfen nur an Es grenzt an Zynismus: In der Schweiz müssen
fen. Vertreter beider Branchen betonen, dass Hepatitis-C-Patienten warten, bis sie schwer
man erst am Anfang der Diskussion stehe. Das Patienten mit weit fortgeschrittener Erkran-
kung abgegeben werden. Seither reisst die erkrankt sind, bevor sie die neuen, hoch wirk-
Feld der Kombinationstherapien in der Onko- samen Medikamente erhalten. Zu verantwor-
logie ist weit und komplex. Allein für eine der Kritik an diesem aussergewöhnlichen Schritt
ten hat diese Rationierung das Bundesamt
kürzlich in den USA zugelassenen Immunthera- nicht mehr ab.
für Gesundheit (BAG). Die Behörde hat be-
pien laufen derzeit 76 klinische Studien, aber Mit Novartis-Präsident Jörg Reinhardt hat sich schlossen, dass das Medikament nicht allen
nicht nur vom Hersteller selber, sondern auch nun erstmals ein prominenter Pharmavertre- Betroffenen erstattet werden soll, sondern nur
von Universitätsspitälern. 20 der 76 Studien ter den Kritikern angeschlossen. «Für mich ist jenen, bei denen die Leber bereits stark an-
betreffen Kombinationstherapien. das ethisch sehr fragwürdig, wenn nicht alle gegriffen ist.
Patienten von einem Medikament profitieren,
Die Industrie will die neuen Immuntherapien Der Grund liegt in den enorm hohen Preisen der
das ihnen helfen könnte», erklärt Reinhardt
in vielen Fällen gleich gegen mehrere Tumor- neuen Präparate. Hersteller wie der US-Phar-
im Interview mit dem TA. Die Folge davon sei,
arten einsetzen. Die bisherigen Medikamen- makonzern Gilead verdienen damit Milliarden.
dass es zu einer willkürlichen Auslese kom-
te richteten sich oft gegen eine oder wenige Würden in der Schweiz alle Patienten behan-
men könne.
Krebsarten. Dieser Umstand erhöht die Anzahl delt, so entstünden laut BAG Kosten von 4,6
möglicher Kombinationen markant. Hinzu Dass das BAG den medizinischen Nutzen gegen Milliarden Franken. Die Behörde betont aller-
kommt, dass ein Medikament je nach Tumor- die finanziellen Kosten abwägt, ist für Reinhardt dings, dass die Rationierung vor allem wegen
art unterschiedliche Erfolge zeigt, was sich eine «kurzfristige Perspektive, die leider viele im medizinischer Kriterien erfolgt sei. Es ergebe
wieder im Preis der einzelnen Kombinationen Gesundheitswesen haben». Vollständig kurier- wenig Sinn, diejenigen zu behandeln, die ein-
spiegeln müsste. Bisher erlässt das Bundes- te Patienten würden das Gesundheitssystem mal krank werden könnten, es aber noch nicht
amt für Gesundheit lediglich einen einzigen jedoch nicht mehr belasten, auch wenn die seien und allenfalls nie würden.
Preis für ein Medikament. Heilung kurzfristig nur zu sehr hohen Kosten Ob dies wirklich stimmt, ist unter Medizinern
möglich sei. umstritten. Das BAG scheut sich, die echte Aus-
Ein Preismodell zu finden, das der komple- einandersetzung mit der Industrie zu suchen
xen Materie und den Wünschen der einzelnen und tiefere Preise auszuhandeln. Das zeigte
Patienten haben eine Petition lanciert
Player gerecht wird, dürfte schwierig werden. sich bereits in früheren Fällen. Das Bundesamt
Auch die administrative Umsetzung in den Vor kurzem protestierten führende Hepati- sagt, dass es wegen der hiesigen Gesetze keine
IT-Systemen der Krankenkassen und Spitäler tis-Spezialisten aus der ganzen Schweiz in tieferen Preise wie in anderen Ländern verfügen
ist eine Herausforderung. Martina Weiss von einem öffentlichen Schreiben gegen die Ra- kann. Das mag zwar stimmen. Der Bundesrat
Helsana bringt hier einen möglichen Ansatz tionierung und forderten von den Herstellern hat soeben die Festsetzung der Medikamenten-
ins Spiel: «Da derzeit keine verschiedenen eine Senkung der Preise. Patienten haben eine preise neu geregelt. Hier hätte er gegen super-
Preise für unterschiedliche Anwendungen pro Petition lanciert, die sie demnächst Bundesrat teure Medikamente vorgehen können. Passiert
Medikament vorgesehen sind, könnten die Alain Berset übergeben wollen. ist aber nichts.
Hersteller den Kassen eine Rückvergütung
erstatten, sobald eine Kombinationstherapie Der Druck von allen Seiten könnte Wirkung Das Thema Rationierung dürfte die Schweiz in
angewandt wird.» zeigen. Wie der TA in Erfahrung brachte, hat der Zukunft erst recht beschäftigen. Die neus-
der US-Hersteller Gilead dem BAG Gesprächs- ten Krebstherapien sind nicht nur enorm teuer,
Ohnehin müsste am Schluss das BAG den bereitschaft signalisiert. Gilead hat mit So- sie werden oftmals kombiniert und erst noch
Lösungsansatz der Pharmaindustrie und der valdi und Harvoni gleich zwei Medikamente länger eingesetzt als bestehende Präparate. Im
Krankenkassen umsetzen. Das Amt ist in der auf dem Markt. Eine Dreimonatstherapie mit Extremfall sind Kosten von mehreren Hundert-
Schweiz zuständig für die Preisfestsetzung der Sovaldi kostet 57 624 Franken. Für Harvoni tausend Franken die Folge. Beharrt die Phar-
Medikamente. Die Behörde sagt, ihr sei be- müssen die Krankenkassen 62 363 Franken maindustrie auf ihren hohen Preisen, wird das
kannt, dass entsprechende Gespräche geführt vergüten. BAG nicht darum herumkommen, auch in der
222 Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015PRESSESPIEGEL – REVUE DE PRESSE
Onkologie die Behandlungen zu rationieren. Erfüllen sie die Klinikziele, bekommen sie ei- members were selected by the IARC accord-
Dem Thema wurde in der Öffentlichkeit bislang nen Bonus. Auch ist Hess ein Fall von soge- ing to field of expertise and the absence of
noch viel zu wenig Beachtung geschenkt. Die nanntem Kickback bekannt: Ein Patient wurde real or apparent conflicts of interest. During
Politik, Krankenkassen, Ärzte und die Pharmain- von seinem Hausarzt an ein bestimmtes Spital the meeting, care was taken to ensure that
dustrie müssen dringend eine Lösung für den überwiesen, weil dieser dort «etwas bekommt». each study summary was written or reviewed
Umgang mit diesen enorm teuren Medikamen- Gibt der Arzt den Vorteil nicht an den Patienten by someone who was not associated with the
ten finden. weiter, macht er sich strafbar. Noch scheinen study being considered. All studies were as-
Kickback-Zahlungen Einzelfälle zu sein. Weder sessed and fully debated, and a consensus
Tages-Anzeiger, 8. Juni 2015 im Kanton Zürich noch im Aargau haben die on the preliminary evaluations was achieved
Behörden bisher entsprechende Meldungen er- in subgroups before the evaluations were
halten, wie sie auf parlamentarische Anfragen reviewed by the entire working group. Dur-
antworten. Auch den Versicherern seien keine ing the final evaluation process, the working
Kampf um die Patienten: Fälle von Kickbacks bekannt, schreibt der Bun- group discussed preliminary evaluations to
desrat zu zwei SP-Postulaten. Er will das brisan- reach consensus evaluations. (For details
Spitäler rüsten auf te Thema aber im Auge behalten. on the process used and on the evaluation
Die neue Finanzierung mit Fallpauschalen hat criteria, see the working procedures on the
Tages-Anzeiger, 11. Juni 2015 IARC handbooks website.) This article briefly
den Wettbewerb unter den Spitälern verschärft
summarizes the evaluation of the scientific
Eigentlich sollten die Kosten sinken und un- evidence reviewed at the meeting (Table 1).
rentable Betriebe schliessen. Das war das Ziel The full report is presented in volume 15 of
der Spitalreform von 2012. Eingetreten ist das Breast-Cancer Screening — the IARC Handbooks of Cancer Prevention.
Breast cancer is the most frequently diag-
Gegenteil: Viele Spitäler bauen aus und stei- Viewpoint of the IARC nosed cause of death from cancer in wom-
gern ihren Umsatz. Fast alle Zürcher Akutspitä-
ler haben 2014 mehr Patienten behandelt und Working Group en worldwide, the second leading cause of
mehr Gewinn gemacht. Auffällig stark zugelegt death from cancer in women in developed
haben die beiden grössten: Das Unispital be- In November 2014, experts from 16 coun- countries, and the leading cause of death
handelte 5,3 Prozent mehr Patienten stationär tries met at the International Agency for from cancer in lowand middle-income coun-
als im Vorjahr, das Triemli gar 8 Prozent mehr. Research on Cancer (IARC) to assess the tries, where a high proportion of women pres-
Bei den meisten anderen lag das Wachstum cancer-preventive and adverse effects of dif- ent with advanced disease, which leads to a
im Bereich des langjährigen Durchschnitts von ferent methods of screening for breast can- poor prognosis. Established risk factors for
rund 2 Prozent. cer. (The members of the working group for breast cancer include age, family or personal
volume 15 of the IARC Handbook are listed history of breast cancer or of precancer-
Heute müssen die Spitäler sowohl den Betrieb at the end of the article; affiliations are pro- ous lesions, reproductive factors, hormonal
als auch die Investitionen mit den Fallpau- vided in the Supplementary Appendix, avail- treatment, alcohol consumption, obesity
schalen finanzieren. Das schafft einen Anreiz, able with the full text of this article at NEJM. (for postmenopausal breast cancer only),
möglichst viele Patienten zu behandeln, sprich org.) This update of the 2002 IARC hand- exposure to ionizing radiation, and genetic
Fälle abzurechnen. Um diese zu gewinnen, in- book on breast-cancer screening1 is timely predisposition. Screening for breast cancer
vestieren die Spitäler: in Werbung, in moderne for several reasons. Recent improvements aims to reduce mortality from this cancer,
Geräte, in neue Infrastruktur. Gesundheits- in treatment outcomes for late-stage breast as well as the morbidity associated with ad-
ökonom Willy Oggier stellt eine Intensivierung cancer and concerns regarding overdiagno- vanced stages of the disease, through early
des Wettbewerbs fest, die sich in einem lan- sis call for reconsideration. The definition of detection in asymptomatic women. The key to
desweiten Bauboom äussert: «Öffentliche what constitutes the best implementation of achieving the greatest potential effects from
und private Spitäler haben für die nächsten mammographic screening programs (e.g., this screening is providing early access to
Jahre Bauvorhaben für mehrere Milliarden which age groups should be screened and effective diagnostic and treatment services.
Franken angekündigt.» Der Ökonom prophe- with what frequency) needs to be revisited Comprehensive quality assurance is essen-
zeit für manche ein böses Erwachen, wenn die in light of the results of recent studies. New tial to maintaining an appropriate balance
Investitionen später nicht amortisiert werden studies on clinical breast examination and between benefits and harms.
können. Der Druck, noch mehr Patienten zu self-examination warrant the reevaluation
akquirieren, wird steigen. of these screening practices, and imaging The New England Journal of Medicine,
techniques other than mammography, which June 11, 2015
Wohin das führen kann, zeigt sich in Deutsch- were not evaluated in the 2002 handbook,
land, wo die Fallpauschalen schon früher ein- now warrant rigorous scientific evaluation.
geführt wurden. Dort ist die Zahl der Operatio- Finally, the screening of women at high risk
nen stark gestiegen, und Chirurgen bekommen for breast cancer requires a thorough reas- Diese sehr ausgedehnte und tiefgründi-
Boni, wenn sie besonders oft operieren. Auch in sessment, particularly in the context of the ge Stellungsnahme sollte endlich einen
der Schweiz gibt es Anzeichen solcher Entwick- improved data that are now available on pos- Schlussstrich unter eine Kontroverse zie-
lungen. Annina und Christian Hess, Fallpau- sible alternative screening methods. In prep- hen, die häufig recht oberflächlich geführt
schalen-Kritiker der ersten Stunde, sehen sich aration for the meeting, the IARC scientific wurde... Hoffentlich auch in der Schweiz,
in ihren Befürchtungen bestätigt. Die Apparate- staff performed searches of the openly avail- wo die Stellungsnahme des Swiss Medical
medizin habe zugenommen, und es werde ra- able scientific literature according to topics Board, die viele für etwas dilettantisch ge-
scher operiert. «Die Überversorgung ist bereits listed in an agreed-upon table of contents; halten haben, für unnötige Aufruhr gesorgt
eine Tatsache», sagt Annina Hess im TA-Inter- searches were supplemented by members of hatte.
view. Christian Hess weiss von Chefärzten, die the working group on the basis of their ar- Die Redaktion
von der Spitalleitung Umsatzvorgaben erhalten. eas of expertise. Group chairs and subgroup
Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015 223PRESSESPIEGEL – REVUE DE PRESSE
Die Forschung in der Medikamentenzulassung durch unabhän-
gige Forscher ist wegen der enormen Kosten
munizierte – Erfolgsmeldung als Durchbruch
und schlachten anderseits freudig aufgedeckte
Glaubwürdigkeitskrise schon gar nicht zu denken. Skandale aus.
Klinische Studien sind zu oft qualitativ unge- Es gibt Versuche, den bedenklichen Zustand
nügend, werden beschönigt oder bleiben unter Millionen vom Publikationen
der klinischen Forschung zu verbessern. In der
Verschluss. Die Ursachen sind nicht nur in Inter- Schweiz könnten dies die Revision des Heil-
essenkonflikten zu suchen, sondern auch bei den Die Interessenkonflikte der Pharmafirmen spie-
mittelgesetzes und das Humanforschungsge-
Forschern selber. Ein Gastbeitrag von Reto Obrist len bei diesem Missstand bekanntermassen
setz bringen. Die Absicht ist es, alle klinischen
eine zentrale Rolle. Doch was oft ausgeblendet
Studien zu registrieren, damit klar wird, ob sie
Kein Zweifel, die wissenschaftliche Forschung wird: Auch die Forscher selber lassen sich von
abgeschlossen und publiziert wurden. In den
hat massgeblich zum Erfolg unserer Gesell- falschen Anreizen leiten und tragen dadurch
USA werden Zahlungen der Pharmaindustrie
schaft beigetragen. Zu Recht wird sie von der Mitschuld. Weltweit sind Zigtausend klinische
an die Ärzte zwingend publiziert, in der Schweiz
öffentlichen Hand, Industrie und Privaten stark Studien aktiv und Hunderttausende inaktive
geschieht dies durch freiwillige Publikation auf
gefördert. Doch das hohe Ansehen der Wis- in Registern erfasst. Diese unüberschaubare
Internetseiten der Firmen (Pharma-Koopera-
senschaft ist bedroht. Fehlentwicklungen der Forschungsaktivität führt jedes Jahr zu Millio-
tions-Kodex). Die Schweizerische Akademie der
letzten Jahre haben insbesondere im Bereich nen Fachveröffentlichungen. Die wichtigsten
Medizinischen Wissenschaften (SAMW) hat ins
der biomedizinischen Forschung dazu geführt, wissenschaftlichen Fortschritte werden aber in
FMH-Standesrecht aufgenommene Richtlinien
dass heute gar von einer Glaubwürdigkeitskrise nur wenigen Hundert gewichtigen wissenschaft-
für die wissenschaftliche Integrität und für In-
gesprochen werden muss. lichen Zeitschriften veröffentlicht. Geschätzte
teressenkonflikte zwischen Ärzten und Industrie
85 Prozent der Studien gehen ohne relevante
erarbeitet.
Das Problem: Resultate aus Labor- und kli- Wirkung in der Menge unter.
nischen Studien mit Patienten sind oft falsch
und nicht reproduzierbar. Die Folge ist eine seit Das Geld fliesst dessen ungeachtet. Die klini- Mehr Bürokratie
vielen Jahren korrumpierte Datenbasis, die das sche Forschung wird weltweit mit rund 200 Mil-
medizinische Wissen und die Therapierichtli- liarden US-Dollar finanziert, wovon der grösste Auf einer mehr praktischen Stufe passen sich
nien verfälscht. Dies schadet der Reputation Teil den Wissenschaftlern und ihren Institutio- aktuell die kantonalen Ethikkommissionen an
der medizinischen Wissenschaft. Die Feststel- nen zufliesst. Dies führt zu Interessenkonflik- die geänderten gesetzlichen Anforderungen an.
lung «wissenschaftlich belegt» ist zu beliebigem ten, die potenziell die Qualität beeinflussen. Dies führt zu vermehrter Bürokratie und Kosten
Marketing mutiert. Verschiedene Spannungsfelder tun sich auf: und stört naturgemäss besonders die betrof-
Forschung gegen Patientenbetreuung, Qualität fenen Forscher. Spürbare Bewegung zeigt sich
Die Ursachen für die bedauernswerte Situation der Forschung gegen Publikationszahl des For- bei den grossen Verlagen von Fachzeitschriften,
sind auf verschiedenen Ebenen zu suchen: schers und seiner Institution, Forschung gegen welche stringentere Evaluationen bezüglich
Pharmamarketing und schliesslich Forschung Statistik, Methodik und Plagiate einführen und
• Häufig sind klinische Studien qualitativ gegen Gesundheitskosten. so wieder festen Grund erreichen wollen.
schlicht ungenügend, weil sie schlecht
konzipiert, durchgeführt und ausgewertet Doch es geht nicht nur um Interessenkonflik- Doch die meisten, zweifellos wichtigen Initiati-
werden. te durch finanzielle Anreize. Eine Rolle spielen ven zielen bislang einzig auf die pharmazeuti-
auch der allgegenwärtige Leistungsdruck, der sche Industrie. Die profitierenden Universitäten
• Oft gelangen nur die Studien zur Veröffentli- Zwang zur Publikation und auf institutioneller und akademischen Forscher sind hingegen
chung, deren positive Resultate den Geldge- Stufe universitäre Rankings und der Wille zum wenig reguliert, was Interessenkonflikte betrifft.
bern oder den Forschern interessant genug Wachstum. Es fehlt eine systematische Anstrengung, Trans-
oder nützlich erscheinen. Rund die Hälfte parenz in die zahlreichen Geldflüsse zu bringen.
aller Studien bleibt heute – meist wegen Dies alles führt zu nicht immer harmlosen be- Das zuständige Staatssekretariat für Bildung,
negativer Resultate – unter Verschluss. schönigten Resultaten, deren negative Auswir- Forschung und Innovation (SBFI), der National-
• Bei den schliesslich veröffentlichten Stu- kungen – oft erst nach Jahren – ihren Weg in fonds als Geldgeber und die Fakultäten wären
dien führen Interessenkonflikte der finan- die Schlagzeilen finden. Internationale Regeln in der Pflicht. Sie hätten die Aufgabe, analog
zierenden Industrie und der profitierenden («Good Clinical Practice») verhindern zwar gro- zum «Office of Research Integrity» (ORI) und
Forscher dazu, dass Resultate deformiert be Fehler und minimieren Schäden für Studi- seinen universitären Analoga in den USA, einen
und beschönigt dargestellt werden. enpatienten. Trotzdem werden täglich wegen Kulturwechsel anzustossen. Die Schweiz sollte
Verfälschungen und Betrug zurückgezogene beispielhaft wegweisende Akzente setzen, um
• Weil Originaldaten in der Regel nicht frei Publikationen zitiert (Retractionwatch.com). die global deutlich angeschlagene Reputation
zugänglich sind, besteht kaum Möglichkeit, Die Medien spiegeln diese Fehlentwicklungen, der klinischen Forschung zu verbessern.
Studien zu überprüfen. An eine Wiederho- feiern meist kritiklos jede kleine – von For-
lung der grossen klinischen Studien für die schern und Universitäten enthusiastisch kom- Tages-Anzeiger, 18. Juni 2015
224 Schweizer Krebsbulletin Nr. 3/2015Sie können auch lesen