Corporate Treasury Radar Dezember 2021 - Sonderthema: Die vierte Corona-Welle fordert ihren Tribut - LBBW
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Corporate
Treasury
Radar
Dezember 2021
Sonderthema: Die vierte
Corona-Welle fordert ihren
Tribut
07.12.2021 Makro | Zinsen | Währungen | Rohstoffe
Erstellt am: 07.12.2021 11:05Bleiben Sie bestens
informiert
Im Unternehmens-Podcast LBBW
Research2Go betrachten wir die
Weltwirtschaft aus dem Blickwinkel der
Unternehmen. Regelmäßig können Sie sich
jederzeit und überall innerhalb von weniger
als 20 Minuten informieren.
Abonnieren Sie den Podcast gerne über die
bekannten Streaming-Anbieter Spotify,
Apple Podcasts, Google Podcasts oder
Deezer.
Alle wichtigen Informationen zum Podcast
und ein kurzes Video finden Sie auf:
LBBW.de
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 2Agenda
01 Vorwort und Einleitung Seite 04
02 Corona-Update Seite 10
Makro & Sonderthema: Die vierte Corona-Welle fordert
03 Seite 18
ihren Tribut
04 Zinsen Seite 32
05 Devisen & Rohstoffe Seite 40
06 Fazit und Anhang Seite 52
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 301 Vorwort und Einleitung Dr. Moritz Krämer Chefvolkswirt und Leiter Bereich Research Tel: + 49 711 127–7 34 62 moritz.kraemer@LBBW.de 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 4
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Corona-Pandemie scheint sich nicht abschütteln zu lassen. Mit fortschreitender Winterwitterung
haben die Neuinfektionen an Dynamik gewonnen. Zudem verstört das Auftreten der sogenannten
„Omikron“-Variante. Die Finanzmärkte schalteten Ende November einmal mehr in den „Risk-Off-
Modus“. Am Aktienmarkt färbten sich ausgerechnet am „Black Friday“ die Kurstafeln rot. Müssen
wir „zurück auf Los“? Nicht unbedingt: Mit den Impfstoffen steht uns das letztlich entscheidende
Instrument zur Eindämmung der Pandemie zur Verfügung. Am Ende, davon bin ich überzeugt,
werden Wissen und Vernunft den Kampf gewinnen. In diesen Tagen wird Olaf Scholz zum
Bundeskanzler gewählt. Welche Richtung die ihn tragende Ampel-Koalition einschlagen will, soll
uns ihr Koalitionsvertrag verraten. Manche Frage bleibt darin offen. Wie können
Zukunftsinvestitionen in Digitalisierung und Klimaschutz mit soliden Staatsfinanzen versöhnt
werden? Der Vertrag ist hierzu so klar wie eine Verkehrsampel, bei der alle drei Farben gleichzeitig Dr. Moritz Krämer
Chefvolkswirt und Leiter
aufleuchten. Verkehrsteilnehmer wären zurecht verwirrt. Ohne eine gesicherte Finanzierung für die Bereich Research
notwendigen Investitionen werden die ambitionierten Ziele schnellere Digitalisierung und mehr Tel: + 49 711 127–7 34 62
moritz.kraemer@LBBW.de
Klimaschutz kaum zu erreichen sein. Den Schutz des Klimas hat sich seit 2021 auch die EZB auf
ihre Fahnen geschrieben, und zudem die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie.
Unterdessen hat die Inflation im Euroraum, zumal in Deutschland, Rekordhöhen erreicht. Für die
EZB wird es Mitte Dezember ernst: Weiter locker bleiben oder die Zügel der Geldpolitik anziehen?
Vor dieser Wahl steht auch die Federal Reserve in den Vereinigten Staaten. Der kalendarische
Zufall will es, dass die Fed-Verantwortlichen dieses Mal einen Tag früher entscheiden als deren
EZB-Kollegen. Möglich, dass Signale aus Washington die EZB beeinflussen – und sei es über den
Umweg des Devisenmarktes. Bewegte Zeiten sind garantiert, auch über den Jahreswechsel
hinaus.
Eine gewinnbringende Lektüre, frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr wünscht
Ihr Dr. Moritz Krämer
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 5Die wichtigsten Termine im Dezember
KW48 KW49 KW50 KW51 KW52
Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31
3.12. US-Arbeitsmarktbericht November
3.12. Rating Review Italien (Fitch)
6.12. Ecofin-Treffen
8.12. Geplant: Wahl Olaf Scholz zum neuen Bundeskanzler
10.12.Rating Review Spanien (Fitch)
10.12.US-Inflation November
15.12.Fed-Zinsentscheid (inkl. neuer Prognosen für Wachstum, Inflation und Leitzinsen)
16.12.EZB-Zinsentscheid (inkl. Projektionen für Wachstum und Inflation) + TLTRO III-Zuteilung
16.12.Zinsentscheid der Bank of England
16.-17.12. EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs
17.12.ifo-Geschäftsklima Dezember
• Die letzte EZB-Ratssitzung dieses Jahres wird eine der • In Deutschland endet in diesem Dezember eine politische Ära:
spannendsten, denn es geht um die Frage, wie die EZB ihre Nachdem sich SPD, Grüne und FDP wie geplant bis Ende Novem-
Anleihekaufprogramme nach dem voraussichtlichen Ende des PEPP ber auf eine Ampel-Koalition geeinigt haben, löst Olaf Scholz Angela
im März 2022 neu kalibriert. Merkel in dieser Nikolaus-Woche als neuer Bundeskanzler ab.
• Die Fed steuert angesichts weiter steigender Inflation auf eine • Seine erste Bewährungsprobe auf internationaler Bühne hat Olaf
Beschleunigung des Taperings ihrer Anleihekäufe ab Januar zu. Scholz voraussichtlich auf dem letzten EU-Gipfel des laufenden
Spannend werden die neuen Leitzinsprojektionen: Jahres. Hierbei dürfte es u.a. erneut um das angespannte Verhältnis
Wie viele Leitzinsanhebungen avisiert die Fed für 2022? zum Mitgliedsland Polen und das Thema Migration gehen.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 6Omikron sorgt für Verwerfungen an den Kapitalmärkten
Ausgewählte Assets
in %
Aktien Staaten Corporates Währungen Rohstoffe
35% 35%
30% 30%
25% 25%
20% 20%
15% 15%
10% 10%
5% 5%
0% 0%
-5% -5%
Performance 2021 YTD Performance since end of October *in Euro
-10% -10%
German Bunds
Euro Covereds
Euro Periphery
Euro Stoxx 50
Gold*
Euro Corp HY
EURGBP
Euro Corp IG
S&P 500*
EURUSD
DAX
Commodities*
US Treasuries*
Senior Financial
USDJPY
MSCI EM*
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 7Globale Einkaufsmanager-Indizes im Verarbeitenden Gewerbe
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Finanz-Krise Euro-Krise Corona-Krise
Global
Nordamerika
USA
Kanada
Europa
Deutschland
Frankreich
Italien
Spanien
Großbritannien
Schweiz
Eurozone
Asien-Pazifik / EM
Brasilien
Russland
Indien
China (NBS)
China (Caixin)
Südafrika 60 56 54 52 51 50 49 48 46 44 40
Japan
Australien
Expansion Kontraktion
Quelle: Refinitiv, LBBW Research Quelle: Bloomberg, Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 8Unsere Thesen für 2022 1 5 Weltwirtschaft: Trotz vieler Störfeuer Geldpolitik: US-Notenbank beginnt mit „Tapering“ auf Erholungskurs. und zwei Leitzinsanhebungen. Die EZB wartet ab. 2 6 Lieferketten: Entspannung erwartet. Auffüllen der Rentenmarkt: Moderater Anstieg des Zinsniveaus Lagerbestände dürfte starke Nachfrage entfalten. erwartet. 10j. Bundesanleihen steigen auf 0%. 3 7 Nachhaltigkeit: Ein allumfassendes Konzept prägt Devisenmarkt: US-Dollar einstweilen die Politik in der EU und Deutschland. weiter gut unterstützt. 4 8 Inflation: Steht kurz vor zyklischem Hoch, wird aber Rohöl: Angebotsüberschuss am Markt absehbar; nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau absinken. Rohölpreisanstieg dürfte langsam auslaufen. Quelle: LBBW Research 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 9
02 Corona-Update: Delta sorgt für Belastungen, Omikron die große Unbekannte! Martin Güth, CQF Senior Economist Tel: +49 711 127–79603 martin.gueth@LBBW.de 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 10
Südafrika: Neue Variante breitet sich rasch aus
Neuinfektionszahlen vs. Sterbefälle
Summe zurückliegende sieben Tage pro 100 Tsd. Einwohner
• Die Infektionszahlen steigen in
Südafrika steil an. Omikron scheint sich
stärker auszubreiten als die Delta-
Variante.
• Zur neu entdeckten Variante sind bis-
lang kaum verlässliche Aussagen mög-
lich. Dies gilt insbesondere hinsichtlich
der Schwere der Erkrankungen, die sie
auslöst, auch wenn bisherige Daten
vorsichtigen Optimismus verbreiten.
• In zwei Wochen dürfte das Bild
deutlich klarer sein.
• Laut Moderna und Biontech würde die
Entwicklung und Zulassung Omikron-
spezifischer Booster drei bis vier
Monate dauern.
• Modellrechnungen der ECDC deuten
derweil darauf hin, dass Omikron
binnen weniger Monate zur dominie-
renden Variante in der EU werden
Quelle: Refinitiv, LBBW Research könnte.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 11Omikron: Extrem breites Spektrum möglicher Szenarien
Ansteckender als Delta? Krankheitsschwere? Immun-Escape?
Sehr wahrscheinlich Unklar Wahrscheinlich
Best Case Worst Case
• Keine schweren Krankheitsverläufe. • Falls Omikron ansteckender als Delta ist, den
• Eindämmungsmaßnahmen kaum nötig, selbst Immunschutz besser umgehen kann und zudem
wenn sich Omikron schneller ausbreitet als Delta. schwere Erkrankungen hervorruft,
drohen kurzfristig massive Verschärfungen
der Maßnahmen zur Infektionseindämmung
(u.a. auch Grenzschließungen).
• Langfristig wäre eine Rückkehr zu einer Normalität
unsicherer denn je.
Panik ist angesichts der bislang vorherrschenden Unklarheit nicht angebracht.
Aber: Omikron ist vermutlich kein Non-Event,
sondern verschlechtert die Situation wahrscheinlich ein weiteres Mal.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 12Europa: Wann bricht die vierte Welle?
Neuinfektionszahlen pro 100 Tsd. Einwohner
Summe der jeweils zurückliegenden sieben Tage
• Bei den am stärksten betroffenen
Staaten zeigt sich inzwischen eine
Stabilisierung oder sogar Trendwende.
• Es dürfte noch zu früh sein, um Ent-
warnung zu geben, zumal einige
Gesundheitssysteme überlastet sind.
Bei alledem:
Die Entwicklung weckt berechtigte
Hoffnung.
• Stark steigende Inzidenzen sind
dagegen derzeit in Frankreich zu
beobachten. Hier stehen nun
Verschärfungen der Corona-
Maßnahmen an.
• Auch in Italien, Spanien und Portugal
tendieren die Zahlen spürbar aufwärts.
• In Ostasien weisen vor allem Vietnam
und Südkorea steigende
Infektionszahlen auf.
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 13Ausblick Deutschlands für den Winter
Neue Eindämmungsmaßnahmen beschlossen: 2G (z.T. 2G-plus) inzidenzunabhängig im
Einzelhandel, Gaststätten, Kultur, Freizeiteinrichtungen. Kapazitätsbeschränkungen bei
Veranstaltungen. Ab Inzidenz >350 müssen Clubs und Diskos schließen.
Einige Bundesländer haben noch schärfere Maßnahmen beschlossen
und fordern die Möglichkeit, Gastronomie komplett schließen zu können.
Die Maßnahmen dürften u.E. ausreichen, die Inzidenzen wieder sinken zu lassen.
=> Im günstigen Omikron-Szenario keine weiteren Verschärfungen mehr.
Das IW schätzt die Umsatzeinbußen durch 2G im Einzelhandel im Dezember
auf 5,3 Mrd. Euro. In der Gastronomie und in der Hotellerie sei die Lage "prekär".
Verfügbarkeit von Medikamenten in Pillenform von Pfizer (ggf. auch Merck)
sollten ab 2022 helfen.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 14Vierte Welle: America next?
Sieben-Tage-Inzidenz, aktuell und zur gleichen Zeit im Vorjahr
Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner
• In den USA hatte im November 2020
ein deutlicher Anstieg der Inzidenz
eingesetzt (grüne Linie).
Dieser gestaltet sich aktuell deutlich
verhaltener (blaue Linie).
• Angesichts der Infektionsentwicklung in
Europa gehen wir davon aus, dass
auch in den USA ein starker Anstieg
der Infektionszahlen einsetzen wird,
zumal die Impfquote in den USA
geringer ist als in Europa.
• Allerdings wurde das Wirtschafts-
wachstum in den USA in den
zurückliegenden Infektionswellen
weniger belastet als in Europa.
(Vgl. BIP-Zuwachs 2020 USA: -3,5%,
Euroraum: -6,5%)
• Insofern ist noch unklar, wie groß die
Auswirkungen einer neuerlichen
starken Welle für Wirtschaft und
Quelle: Bloomberg, LBBW Research
Finanzmärkte wären.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 15Impfquote in der Gruppe 60+ entscheidend für Gesundheitssystem
Anteil nicht vollständig geimpfter Personen in der Altersgruppe 60+
in % der Bevölkerung, Stand KW 48
25% • Bislang ist Deutschland (wie viele
andere Staaten) schlecht aufgestellt,
Corona zu einem endemischen Virus
20% werden zu lassen.
• Impfpflicht findet politisch in
Deutschland und anderen Staaten
15% immer mehr Zustimmung.
• Österreich plant eine allgemeine Impf-
pflicht. Auch für Deutschland rechnen
10% wir damit. Griechenland hat jüngst eine
Impfpflicht für Menschen älter als
60 Jahre beschlossen. Tschechien
5% ebenfalls, hier wird die neue Regierung
die Pläne vermutlich wieder kassieren.
• => Vermutlich wird der kommende
0% Herbst besser als der aktuelle.
• => Erfahrungen Irlands und Portugals
sprechen dafür, dass auch
im Winter 2022/2023 Maßnahmen zur
* Für die USA bezieht sich die Angabe auf die Gruppe 65+ Infektionseindämmung notwendig sein
Quelle: ECDC, RKI, NHS, CDC, UN, LBBW Research werden.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 16Lehren aus den Erfahrungen Portugals
Neuinfektionen, Krankenhauseinweisungen und Sterbefälle
Summe zurückliegende sieben Tage pro 100 Tsd. Einwohner
• Selbst Portugal, wo laut ECDC über
99% der Menschen der Gruppe 60+
geimpft sind und wo die Impfquote für
die Gesamtbevölkerung bei sehr hohen
89% liegt, sah sich inzwischen zu
gewissen Eindämmungsmaßnahmen
genötigt.
• So gilt 3G für Restaurants und
Fitnessstudios und 2G-Plus für Diskos,
Bars und Großveranstaltungen ohne
festen Sitzplatz. Homeoffice wird
dringend empfohlen. Über die
Jahresendfeiertage wird es eine
„Woche der Zurückhaltung“ geben.
• Das Beispiel verdeutlicht, dass
angesichts der Delta-Variante selbst
bei sehr hoher Impfquote der Weg zur
Normalität kein Selbstläufer ist. Umso
schwerer dürfte es für Länder mit
geringerer Impfquote werden – insbe-
sondere unter der älteren Bevölkerung.
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 1703 Makro: Die vierte Corona- Welle fordert ihren Tribut Dirk Chlench Matthias Krieger Senior Economist Senior Economist Tel: + 49 711 127–7 61 36 Tel: + 49 711 127–7 30 36 dirk.chlench@LBBW.de matthias.krieger@LBBW.de Dr. Katja Müller Dr. Jens-Oliver Niklasch Senior Economist Senior Economist Tel: + 49 711 127–4 21 06 Tel: + 49 711 127–7 63 71 katja.mueller@LBBW.de jens-oliver.niklasch@LBBW.de 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 18
Deutschland: Aufträge sind reichlich vorhanden
Neuaufträge, Produktion und Reichweite
(Monatswerte, saisonbereinigt)
• Starker Auftragseingang:
ein Pfund, mit dem die deutsche
Wirtschaft wuchern kann,
obgleich es im Oktober
mit -6,9% M/M den zweiten herben
Rückschlag binnen dreier Monate
gab.
• Die Auslandsaufträge (-13,1%) der
Neuaufträge für das Verarbeitende
Gewerbe brachen regelrecht ein.
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 19Deutschland: Die vierte Corona-Welle fordert ihren Tribut
BIP und ifo-Geschäftsklima
Veränderung zum Vorjahresquartal in % bzw. Indexwert
• Der neuerliche Anstieg der Corona-
Infektionen sowie die damit
einhergehenden behördlichen
Beschränkungen und eine freiwillige
Zurückhaltung der privaten
Konsumenten dürften im
Schlussquartal zu einem deutlichen
Rückgang der wirtschaftlichen
Dynamik führen. Dies dürfte sich
teilweise bis ins erste Quartal 2022
fortsetzen.
• Wir erwarten für 2021
einen BIP-Zuwachs von 2,6% Y/Y
und für das Folgejahr 4,0% Y/Y.
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 20Euroraum: Economic Sentiment bislang stabil hoch
Economic Sentiment für ausgewählte Staaten
Indexstand, Monatswerte
• Im Euroraum läuft die Konjunktur
recht kräftig. Ein zeitnaher Rückgang
lässt sich an den Frühindikatoren
(Economic Sentiment) bislang nicht
ablesen.
• Andererseits stehen die Zeichen in
Deutschland aufgrund der Corona-
Lage auf Stagnation im Winter.
Dies dürfte auch im Euroraum
insgesamt nicht ohne Folgen bleiben.
• Wir senken unsere Prognosen
für 2021 geringfügig auf 5,0% und für
das kommende Jahr auf 4,5%.
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 21Euroraum: Inflation „energielastig“
HVPI Y/Y und Beiträge
(Monatsdaten, nicht saisonbereinigt)
• Die Inflation im Euroraum
lag im November bei 4,9%.
• Hauptverursacher sind die Energie-
preise.
• Aufgrund des starken Anstiegs
im November dürfte
das Gesamtjahr 2021 mit 2,6%
abschließen.
• Ab Anfang 2022 geht zwar die Inflation
vermutlich wieder zurück. Aber wie
schnell und wie stark? Zunächst
dürften viele Unternehmen ihre Preise
anheben.
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 22Selling Price Expectations: Unternehmen wollen Preise anheben
EWU: Selling Price Expectations nach Produktgruppen
Monatswerte, saisonbereinigt
• Im Euroraum will etwa jedes zweite
Unternehmen an der Preisschraube
drehen.
• Dazu gehören auch die Produzenten
von Nahrungsmitteln und
Gebrauchsgütern.
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 23USA: Konjunkturindikatoren stimmen weiterhin optimistisch
ISM Manufacturing und Non-Manufacturing
Indexwerte
• Weiterhin hohe Werte bei den ISM-
Indizes lassen eine Fortsetzung des
Aufschwungs in den USA erwarten.
• Vor allem der sehr hohe Wert für den
Dienstleistungssektor, der für die US-
Wirtschaft von besonderer Bedeutung
ist, spricht für eine ansprechende
gesamtwirtschaftliche Entwicklung.
• U.a. sollten die beiden massiven staat-
lichen Ausgabenpakete, die US-Präsi-
dent Joe Biden durch den Kongress
gebracht hat, die US-Konjunktur
stützen.
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 24USA: Arbeitslosenquote fällt in Richtung Vorkrisenniveau
Arbeitslosenquote und „inflationsneutrale“ ALQ („NAIRU“)
in % (NAIRU = „Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment”)
• Die US-Arbeitslosenquote fällt weiter
und nähert sich inzwischen der
inflationsneutralen ALQ (NAIRU) an.
• Ein Unterschreiten der NAIRU würde
die Gefahr einer sich verfestigenden
Inflation erhöhen und Inflationsängste
untermauern.
• US Fed-Präsident Powell unterstrich
zwar zuletzt die Gefahr einer sich
verfestigenden Inflation, betonte aber
auch ausdrücklich das gestiegene
Risiko für die US-Wirtschaft in Form
der neuen Omikron-Variante des
Corona-Virus.
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 25USA: Prognoseänderung für das BIP per 2022
Anteil vollständig Geimpfter
in % der Bevölkerung
• Vor dem Hintergrund zunehmender Risiken für die
Weltkonjunktur durch die erneute Ausbreitung von
Corona sowie die neue Omikron-Variante warnen wir
trotz guter US-Frühindikatoren vor Euphorie. Das Job-
wachstum hat zuletzt deutlich nachgelassen.
• Die Impfquote in den USA ist weit entfernt von Herden-
immunität und die Wirksamkeit der Impfstoffe mit Blick
auf Omikron noch ungeklärt. Pandemiebedingte Rück-
schläge für die US-Konjunktur sind sehr gut möglich.
Selbst wenn die Mutation die USA nicht in Bedrängnis
brächte, steigen doch die Infektionszahlen mit der
Delta-Variante auch hier bedenklich.
• Da China angesichts der extremen Ansteckungsgefahr
durch die Omikron-Mutation an der „Zero-Covid-Strate-
gie“ festhalten dürfte, könnte es z.B. durch die erneute
Schließung von Häfen jederzeit zu einer Verschärfung
der globalen Lieferengpässe kommen. Dem könnte
sich auch die US-Wirtschaft, ungeachtet einer hohen
Binnenorientierung, nicht vollständig entziehen.
• Wir passen unsere BIP-Prognose für die USA
Quellen: Refinitiv, LBBW Research für 2022 von 4,5 % auf 4,2 % nach unten an.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 26USA: Änderung der Kurzfristprognose bei EURUSD
Erwartete Zinsen und Zinsdifferenz USD-EUR 3 Monate per Ende 2022
in % p.a.
• Die US-Fed dürfte ihr Tapering vor dem Hintergrund
der von Jerome Powell betonten Inflationsrisiken in den
USA rascher durchführen als bislang erwartet. Die
Märkte spekulieren auf eine erste US-Zinserhöhung
Mitte 2022. Damit dürfte sich auch der Zins- und
Renditevorteil von Anlagen in USD ggü. solchen in
Euro rascher erhöhen.
• Vor diesem Hintergrund passen wir unsere
Kurzfristprognose für EURUSD per Ende März 2022
von 1,15 auf 1,10 nach unten an.
• Im weiteren Verlauf dürfte mit einer Entspannung bei
der Corona-Lage und bei den Lieferketten eine kon-
junkturelle Verbesserung in der Welt, speziell auch im
Euroraum, dem Euro Auftrieb verleihen. Auch scheint
die EZB Inflationsrisiken allmählich ernster zu nehmen.
• Davon abgesehen spricht die Unterbewertung des
Euro zum USD, gemessen an der Kaufkraftparität, für
die Gemeinschaftswährung.
• Per Ende 2022 belassen wir unsere Prognose bei
EURUSD 1,15.
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 27China: Aufschwung verliert zwar an Dynamik, setzt sich aber fort
Einkaufsmanagerindizes
Indexwerte
• Der PMI Manufacturing ist wieder über
die 50-er Marke geklettert.
• Auch der Subindex „New Export
Orders“ hat nach oben gedreht.
• Der PMI für den Dienstleistungssektor
fällt zwar gerade, verharrt aber noch
immer recht komfortabel im, wirtschaft-
lich gesehen, Expansionsbereich.
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 28China: Keine „echte“ Energieknappheit
Kohle: Eigene Förderung und Importe
in Mio. Tonnen pro Monat
• China leidet nicht wirklich unter Energieknappheit.
So ist der Hauptenergieträger Kohle ausreichend
vorhanden.
• Grund für jüngste Stromverknappungen war vor allem
die staatliche Preisdeckelung. Viele Stromproduzenten
wollten angesichts gestiegener Kohle- und Ölpreise
nicht zu nicht-kostendeckenden Preisen produzieren.
• Dies ändert sich nun. Die Deckelung wird abgeschafft.
• South China Morning Post 10/2021:
• „ … China wird die Preisgestaltung auf dem staatlich
kontrollierten Strommarkt liberalisieren, um die Strom-
krise zu lösen, die zu Rationierungen in mehr als der
Hälfte des Landes geführt hat und das Wirtschafts-
wachstum zu beeinträchtigen droht … Das System,
das die Kosten für Großverbraucher künstlich niedrig
hält, wird abgeschafft, so die Nationale Entwicklungs-
und Reformkommission …“
• Bei kostendeckenden Preisen sollte auch die
Stromknappheit rasch verschwinden.
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 29Maritime Lieferketten weiterhin im Stress
T
Staus vor wichtigen Containerhäfen
in % 19.11.2021
Stand:
• Weiterhin stauen sich vor wichtigen
Containerhäfen Schiffe. Rund 8% der
weltweiten Transportkapazitäten bei
Containern liegen vor vier Häfen
gerade still.
• Im Hafen Ningbo verbesserte sich die
Lage seit Juli zwar, in Long Beach, in
Savannah und im Perlfluss-Delta war
der Trend dagegen eher negativ.
• Die maritimen Lieferengpässe dürften
sich c.p. zwar allmählich auflösen, dies
wird aber Zeit in Anspruch nehmen.
• Zu bedenken bleibt, dass die extrem
ansteckende Omikron-Variante des
Corona-Virus China zur Fortsetzung
der „Zero-Covid-Strategie“ veranlas-
sen dürfte, so dass dort auch weiterhin
jederzeit mit der Schließung von Häfen
zu rechnen ist.
Quelle: https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/medieninformationen/2021/kiel-trade-indicator-positive-indizien-aber-durchgehende-erholung-nicht-in-sicht/
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 30Konjunkturprognosen
2019 2020 2021e 2022e
Deutschland
BIP 0,6 -5,1 2,6 4,0
Inflation 1,4 0,5 3,1 2,6
Euroland
BIP 1,2 -6,8 5,0 4,5
Inflation 1,2 0,3 2,6 2,4
Großbritannien
BIP 1,4 -9,9 6,4 4,0
Inflation 1,8 0,9 2,3 3,5
USA
BIP 2,3 -3,5 5,5 4,2
Inflation 1,7 1,2 4,4 3,5
Japan
BIP 0,8 -4,6 2,9 2,4
Inflation 0,5 0,0 0,4 0,3
China
BIP 6,1 2,3 7,5 5,0
Inflation 2,9 2,5 3,2 2,8
Welt
BIP 2,8 -3,1 5,8 4,3
Inflation 3,2 3,5 3,7 3,3
Quelle: LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 3104 Zinsen Elmar Völker Senior Fixed Income Analyst Tel: + 49 711 127–7 63 69 elmar.voelker@LBBW.de 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 32
Überblick
Das Auftreten der Omikron-Variante des Coronavirus stellt für die großen
Notenbanken ein zusätzliches Erschwernis bei der Festlegung ihres
geldpolitischen Kurses dar.
Die Fed steuert dessen ungeachtet darauf zu, den Ausstieg aus ihrem
Anleihekaufprogramm zu beschleunigen, nachdem Notenbankchef Powell die
Inflationsgefahren höhergewichtet hat und nun nicht mehr von einem
„temporären“ Phänomen ausgeht.
Damit rückt zugleich die Perspektive einer US-Leitzinswende näher als bisher
gedacht: Wir rechnen für Sommer 2022 mit einem ersten Zinsschritt.
Die EZB dürfte dem gewachsenen Inflationsdruck insofern Rechnung tragen, als
sie auf der nächsten Sitzung das Ende des Notfallkaufprogramms PEPP per
Ende März 2022 fixiert.
Sorgen vor nachhaltig hoher Inflation dürfte die EZB aber weiter beschwichtigen,
eine Leitzinswende liegt im Euroraum deutlich weiter entfernt als in den USA.
Die Langfristzinsen dürften nach dem Verdauen des „Omikron-Schocks“ wieder
aufwärts tendieren. Mittelfristig sehen wir die Zielmarke für 10-jährige US-
Treasuries weiterhin bei rund 2 % und für 10-jährige Bundesanleihen bei 0 %.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 33Leitzins EZB: Nur gemäßigte Kurskorrektur trotz hoher Inflation
Einlagesatz EZB in % Pro
• EWU-Inflation ist im November auf
4,9 % gesprungen, Kernrate mit
0,10 0,10
2,6 % ebenfalls auf Allzeithoch.
0,00 0,00 • Langfristige Inflationserwartungen
(Markt) bewegen sich im Bereich
-0,10 -0,10 des 2 %-Inflationsziels der EZB.
-0,20 -0,20 • Mehrere EZB-Vertreter sprechen
sich für Auslaufen des PEPP per
-0,30 -0,30 Ende März 2022 aus.
-0,40 -0,40 Contra
-0,50 -0,50 • Omikron-Variante des Coronavirus
vergrößert Konjunkturrisiken.
-0,60 -0,60 • Lieferengpässe bergen Risiken für
globalen Konjunkturaufschwung.
-0,70 -0,70
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 • EZB-Rat rechnet mittelfristig
weiterhin mit Rückfall der Inflation
Einlagensatz Prognose
unter 2 %-Zielmarke, noch keine
Anzeichen für Lohn-Preis-Spirale.
Historie Prognose
Kurs aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022 • Ifo-Geschäftsklima im November
Einlagesatz -0,50 -0,50 -0,50 -0,50 -0,50 -0,50 -0,50 zum 5. Mal in Folge gesunken.
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 34Bund 10 Jahre: Moderater Aufwärtstrend bleibt Hauptszenario
Bund 10 Jahre in % Pro
• Zurückliegender Anstieg der
langfristigen Inflationserwartungen
1,0 1,0
bis auf knapp 2 % spricht für
deutlich steilere EUR-Zinskurve.
• Hohes Netto-Staatsanleiheangebot
0,5 0,5 zu Jahresbeginn ist Kursbelastung.
• Hohe Kerninflation vergrößert
Druck auf EZB zur Kurskorrektur.
0,0 0,0
• „Klippenrisiko“ bei EZB-Anleihe-
käufen nach Ende des PEPP.
-0,5 -0,5 Contra
• Gefahr von Konjunkturrückschlag
durch Omikron-Variante des
Coronavirus erhöht Nachfrage
-1,0 -1,0
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023
nach Sicherheit.
• Rücksetzer bei Energiepreisen
Bund 10 Jahre Prognose dämpft Inflationsängste und macht
sinkenden Preisdruck per Anfang
Historie Prognose 2022 wahrscheinlicher.
Rendite aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022
Bund-Rendite 10 Jahre -0,39 -0,48 -0,58 -0,34 -0,10 0,00 0,00 • Weiterhin hohe strukturelle
Quellen: Refinitiv, LBBW Research Nachfrage nach sicheren Anlagen.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 35Leitzins USA: Aussicht auf Leitzinswende im Sommer 2022
Federal Funds Target Rate in % (Obergrenze des Zielbandes) Pro
• Powell: Könnte angemessen sein,
3,5 3,5
Tapering ein paar Monate früher
abzuschließen.
3,0 3,0 • US-Inflation im Oktober mit 6,2 %
auf höchsten Wert seit gut 30
2,5 2,5 Jahren gestiegen.
• US-Arbeitslosenquote nähert sich
2,0 2,0 mit 4,2 % im November wieder
dem Vorkrisenniveau.
1,5 1,5
• Starker Lohnanstieg von 4,8 % Y/Y
signalisiert Gefahr von
1,0 1,0 Zweitrundeneffekten.
0,5 0,5 Contra
• Omikron-Variante des Coronavirus
0,0 0,0 vergrößert Konjunkturrisiken.
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023
• US-Konjunktur hat in Q3 massiv an
Fed Funds Prognose Fahrt verloren.
• US-Beschäftigung noch immer fast
Historie Prognose 5 Mio. unter Vor-Corona-Niveau,
Zins aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022 Jobplus im Nov. enttäuschend mit
Leitzins USA (Fed Funds) 0,25 0,54 0,25 0,25 0,25 0,25 0,75
Quellen: Refinitiv, LBBW Research +210 Tsd.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 36US-Treasuries 10 Jahre: Moderater Aufwärtstrend bleibt
Hauptszenario
US-Treasuries 10 Jahre in % Pro
• Expansive Fiskalpolitik hält
Finanzierungsdefizit des Staates
3,5 3,5
auf hohem Niveau.
3,0 3,0 • Fed dürfte Ausstieg aus
Anleihekäufen beschleunigen.
2,5 2,5 • Langfristige Realrenditen trotz
starker Konjunktur nahe Allzeittief.
2,0 2,0
• Sich verbreiternder Inflationsdruck
erhöht Gefahr dauerhafter
1,5 1,5 Reflationierung.
1,0 1,0 Contra
0,5 0,5 • Gefahr von Konjunkturrückschlag
durch Omikron-Variante des
0,0 0,0
Coronavirus erhöht Nachfrage
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 nach Sicherheit.
• Rücksetzer bei Energiepreisen
Treasury 10 Jahre Prognose
dämpft Inflationsängste.
• Niedrigzinsumfeld in Europa und
Historie Prognose
Rendite aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022 Japan erhöht relative Attraktivität
US-Treasuries 10 Jahre 1,42 0,89 0,91 1,45 1,80 1,90 1,90 von US-Staatsanleihen.
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 37Zinsen
Internationaler Vergleich 10-Jahres-Swapsätze
3,50 3,50
3,00 3,00
2,50 2,50
2,00 2,00
1,50 1,50
1,00 1,00
0,50 0,50
0,00 0,00
-0,50 -0,50
-1,00 -1,00
2016 2017 2018 2019 2020 2021
EUR CHF JPY GBP USD
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 38Zinsprognosen
Prognose
Preis aktuell 31.03.22* 30.06.22 31.12.22
Euroraum
EZB Hauptrefisatz 0,00 0,00 0,00 0,00
EZB Einlagesatz -0,50 -0,50 -0,50 -0,50
3M Euribor -0,56 -0,50 -0,50 -0,50
Swap 2J -0,36 -0,35 -0,35* -0,30*
Swap 5J -0,13 -0,10 -0,05* 0,00*
Swap 10J 0,11 0,25 0,35 0,35
Bund 2J -0,73 -0,65 -0,65 -0,60*
Bund 5J -0,62 -0,50 -0,40* -0,35*
Bund 10J -0,38 -0,10 0,00 0,00
USA
Fed Funds Target Rate 0,25 0,25 0,25 0,75*
3M Euromarkt 0,19 0,25 0,40* 0,90*
Swap 2J 0,85 1,00 1,25* 1,45*
Swap 5J 1,29 1,55 1,70* 1,80*
Swap 10J 1,48 1,80 1,90 1,95
Treasury 2J 0,62 0,85 1,10* 1,30*
Treasury 5J 1,17 1,45 1,60* 1,70*
Treasury 10J 1,39 1,80 1,90 1,90
Weitere Industriestaaten
Japan 3M Geldmarkt -0,07 -0,10 -0,10 -0,10
Japan 10Y Staatsanleihe 0,05 0,00 0,00 0,00
UK 3M Geldmarkt 0,09 0,45 0,60 0,85
UK 10Y Staatsanleihe 0,75 1,20 1,35 1,35
Schweiz 3M Geldmarkt -0,78 -0,70 -0,70 -0,70
Schweiz 10Y Staatsanleihe -0,29 -0,10 -0,05 -0,05
Änderungen zum Vormonat sind mit (*) gekennzeichnet
Quelle: Bloomberg, LBBW Research *=geänderte Prognosen seit der vorigen Ausgabe
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 3905 Devisen und Rohstoffe Dr. Katja Müller Dr. Frank Schallenberger Senior Economist Senior Economist Tel: + 49 711 127–4 21 06 Tel: + 49 711 127–7 74 36 katja.mueller@LBBW.de frank.schallenberger@LBBW.de Dirk Chlench Matthias Krieger Senior Economist Senior Economist Tel: + 49 711 127–7 61 36 Tel: + 49 711 127–7 30 36 dirk.chlench@LBBW.de matthias.krieger@LBBW.de 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 40
EURUSD: Frühere Fed-Zinswende wird den US-Dollar stützen
Wechselkurs Euro/Dollar Pro
• Der Euro ist gemäß der Kaufkraft-
1,3 1,3 parität zum USD unterbewertet.
• Das EZB-Kaufprogramm sowie der
„Wiederaufbaufonds“ stärken den
Zusammenhalt des Euroraums.
1,2 1,2
• 2022 dürfte das BIP-Wachstum des
Euroraums über dem der USA
liegen.
Contra
1,1 1,1
• Fed-Präsident Powell sieht
zunehmende Inflationsrisiken. In
den USA dürften damit Zinsen und
Renditen schneller steigen als
1,0 1,0 bislang angenommen.
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 • Die 2022 in Frankreich anstehen-
den Wahlen könnten anti-europä-
EURUSD Prognose
ische Kräfte stärken oder gar an
die Macht bringen.
Historie Prognose
Kurs aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022
EURUSD 1,13 1,14 1,22 1,21 1,10 1,10 1,15
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 41EURGBP: Zinsvorteil spricht für Pfund
Wechselkurs Euro/Pfund Pro
• Die BoE dürfte ihren Leitzins
1,00 1,00 deutlich früher als die EZB
anheben.
• Die britische Wirtschaft dürfte im
Jahr 2021 stärker zulegen als jedes
0,95 0,95
andere Industrieland.
• Gemäß Kaufkraftparität ist das
Pfund Sterling ggü. dem Euro
0,90 0,90 unterbewertet.
0,85 0,85
Contra
• Das EZB-Kaufprogramm sowie der
„Wiederaufbaufonds“ stärken den
Zusammenhalt der EU und stützen
0,80 0,80 somit den Euro.
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023
• Lieferprobleme in UK scheinen
EURGBP Prognose infolge des Brexit ausgeprägter zu
sein als im Euroraum.
Historie Prognose
Kurs aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022
EURGBP 0,85 0,89 0,90 0,87 0,84 0,84 0,84
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 42EURCHF: Omikron beflügelt Franken
Wechselkurs Euro/Franken Pro
• Verunsicherung im Zuge der
1,25 1,25 Corona-Krise sorgt für Nachfrage
nach sicheren Häfen wie dem
Franken.
1,20 1,20 • Die Schweiz weist solide
Staatsfinanzen auf und erzielt
Überschüsse in der Handels- und
1,15 1,15 Leistungsbilanz.
1,10 1,10
Contra
• Die SNB behält expansive
Geldpolitik zur Schwächung des
1,05 1,05 Franken bei (Einlagesatz -0,75%;
Devisenmarktinterventionen zur
Schwächung des Franken).
1,00 1,00 • Gescheiterter EU-Rahmenvertrag
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 längerfristig Belastungsfaktor.
EURCHF Prognose • Mit sinkender Risikoaversion sollte
CHF schwächer notieren.
Historie Prognose Abwertungspotenzial aufgrund
Kurs aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022 gesunkener Kaufkraftparität
EURCHF 1,04 1,07 1,08 1,09 1,07 1,09 1,12
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
begrenzt.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 43EURJPY: Furcht vor Omikron-Variante stützt den Yen
Wechselkurs EURJPY Pro
• Weltweite Rückschläge bei der
140 140
Pandemiebekämpfung könnten die
Risikoaversion wieder zugunsten
des Yen steigern – z.B. die Aus-
135 135 breitung der Omikron-Variante.
• Impfkampagne in Japan kommt
130 130 besser voran als in den USA und
vielen Staaten Europas.
125 125 • Inflationsrate in Japan niedriger als
in den USA und im Euroraum.
120 120
Contra
• In den USA und im Euroraum
115 115 zeichnet sich zukünftig eine etwas
restriktivere Geldpolitik ab.
110 110 • Japans Wirtschaft ist im dritten
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Quartal geschrumpft und dürfte
sich auch weiterhin nur relativ
EURJPY Prognose
langsam erholen.
Historie Prognose
Kurs aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022
EURJPY 127,78 121,84 126,49 129,84 130 132 135
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 44USDCNY: Erholungspotenzial für US-Dollar und Euro
Wechselkurs USDCNY Pro
• Chinas Wirtschaft hat sich sehr
rasch und kräftig erholt.
7,4 7,4
• Der CNY weist ggü. dem USD
noch immer einen deutlichen
7,2 7,2
Zinsvorteil auf.
7,0 7,0
Contra
6,8 6,8
• Wachstumstempo in China verliert
derzeit an Momentum.
6,6 6,6
• Sorgen um „Evergrande“ usw.
6,4 6,4 könnten auch den CNY belasten.
• US-Fed signalisiert baldige
6,2 6,2 Rücknahme ihrer Anleihekäufe,
d.h. die US-Renditen sollten
6,0 6,0 tendenziell steigen.
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023
• Neuer Hang der chinesischen
USDCNY Prognose
Regierung zu Regulierungen und
Verschuldungsprobleme im
Historie Prognose
Kurs aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022 Unternehmenssektor verunsichern
USDCNY 6,38 6,90 6,53 6,47 6,50 6,50 6,66 Investoren.
EURCNY 7,19 7,88 8,01 7,80 7,15 7,15 7,65
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 45Devisenmärkte im Überblick – Nebenwährungen 1/3
Wechselkurs Spot Progn. Q2 Progn. Q4 Einschätzung
22 22
Im dritten Quartal 2021 schrumpfte die Wirtschaft Brasiliens um 0,1 %.
EURBRL 6,38 6,70 6,90 Lieferengpässe, Probleme bei der Energieversorgung und die deutlich über 10 %
angestiegene Inflationsrate werden das Konjunkturwachstum bremsen.
Die drohende Aufhebung der Schuldenbremse wäre eine Belastung für den Real.
Die ungarische Notenbank hatte im November mit einem Zinsschritt von 30
EURHUF 364 345 340 Basispunkten die geldpolitische Straffung wieder beschleunigt.
Das jährliche Wirtschaftswachstum lag im dritten Quartal mit 6,1 % deutlich über
dem EU-Durchschnitt und sollte den Forint weiter stützen.
Im November hatte Mexikos Notenbank den Leitzinssatz erneut um 25 Basispunkte
EURMXN 24,02 23,50 24,20 erhöht, wodurch der Renditevorteil des Peso gegenüber dem Euro weiter wuchs.
Der Inflationsanstieg setzte sich weiter fort und erreichte im November 6,24 %. Dies
lässt im Dezember eine weitere Straffung der Geldpolitik erwarten.
Der Anstieg der Inflationsrate hat sich im November auf 7,70 % beschleunigt.
EURPLN 4,59 4,55 4,45 Darauf reagierte die polnische Notenbank mit einem deutlichen Zinsschritt und hob
den Leitzinssatz im November um 75 Basispunkte auf 1,25 % an.
Die Verschärfung des Rechtsstreits mit der EU hat den Zloty zuletzt kaum belastet.
Die Notenbank reagierte bisher mit einer nur moderaten Zinserhöhung um 25
EURRON 4,95 5,10 5,15 Basispunkte auf den Anstieg der Inflationsrate, die im Oktober 7,94 % erreichte.
Die Regierungskrise in Rumänien hält weiter an, was die Haushaltskonsolidierung
erschwert und sich negativ auf das Kreditrating des Landes auswirken könnte.
Quelle: Reuters, LBBW Research. Datenabfrage Spotkurse: 06.12.2021, 10:20 Uhr
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 46Devisenmärkte im Überblick – Nebenwährungen 2/3
Wechselkurs Spot Progn. Q2 Progn. Q4 Einschätzung
22 22
Im November hat die russische Inflationsrate 8,13 % erreicht, weshalb wir im
EURRUB 83,0 77,0 76,0 Dezember erneut eine deutliche Straffung der Geldpolitik erwarten.
Der Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine hat den Rubel zuletzt etwas
belastet, eine weitere Eskalation würde zu deutlich mehr Abwertungsdruck führen.
Die von der türkischen Notenbank auf 15 % herabgesenkten Leitzinsen und die
EURTRY 15,50 13,00 12,50 zugleich ansteigende Inflationsrate auf zuletzt über 21,3 % haben die türkische Lira
in eine Abwärtsspirale geführt, die erst durch eine Kehrtwende in der Geldpolitik
durchbrochen werden kann.
Schon im dritten Quartal hat die Wachstumsdynamik deutlich nachgelassen und
EURZAR 18,00 20,50 21,50 aufgrund der Isolation des Landes nach dem Auftreten der Corona-Variante
„Omikron“ wird das Wachstum voraussichtlich weiter stagnieren.
Der Plan, die Staatsverschuldung auf unter 80 % zu begrenzen bleibt ambitioniert.
Quelle: Reuters, LBBW Research. Datenabfrage Spotkurse: 06.12.2021, 10:20 Uhr
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 47Devisenmärkte im Überblick – Nebenwährungen 3/3
Wechselkurs Spot Progn. Q2 Progn. Q4 Einschätzung
22 22
Mit dem Ende der Zinskurvenkontrolle leitete Australiens Notenbank das Ende der
EURAUD 1,61 1,56 1,52 ultra-lockeren Geldpolitik ein, bleibt bei einer weiteren Straffung noch abwartend.
Aufgrund von Pandemieeinschränkungen kontrahierte die Wirtschaft im dritten
Quartal um 1,9 %, womit die Konjunkturabkühlung geringer als befürchtet ausfiel.
Kanadas Notenbank hatte bereits im Oktober mit dem Einstellen des
EURCAD 1,45 1,44 1,44 Anleihekaufprogrammes das Ende der expansiven Geldpolitik eingeleitet.
Die gegenüber der EZB restriktivere Geldpolitik sollten dem kanadischen Dollar
noch mindestens bis Mitte 2022 etwas Auftrieb verleihen.
Die Notenbank Tschechiens hat den Leitzinssatz Anfang November deutlich um
EURCZK 25,37 24,70 24,60 125 Basispunkte auf 2,75 % angehoben und bestätigt damit ihre proaktive Politik,
um den Anstieg der Inflationsrate, die im Oktober 5,8 % erreichte, einzudämmen.
Das Konjunkturwachstum von 2,8 % enttäuschte die Markterwartungen.
Der jüngste Rückgang des Ölpreises hat die konjunktursensible Währung etwas
EURNOK 10,32 9,55 9,40 unter Abwertungsdruck gebracht. Mit der Wiederaufnahme der weltweiten
Wirtschaftserholung erwarten wir die Fortsetzung des Aufwertungstrends.
Die restriktive Politik der norwegischen Notenbank wird die Krone weiter stützen.
Quelle: Reuters, LBBW Research. Datenabfrage Spotkurse: 06.12.2021, 10:20 Uhr
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 48Brent: Omikron bremst Ölpreis
Ölpreis Brent & Prognose (in USD) Pro
• OPEC-Compliance im November
100 100
bei hohen 112,4 %.
• Leichtes Angebotsdefizit am
90 90 Ölmarkt in Q4/21 von ca. 0,2 mbpd.
80 80 • Verstärkte Ölnachfrage als
Substitut durch hohe Gaspreise.
70 70
• Kerosin-Nachfrage dürfte 2022
60 60 wieder anziehen.
50 50
40 40 Contra
30 30 • USA, China, Japan, UK und Indien
wollen Teile der strategischen Öl-
20 20 Reserven (70-80 mb) auflösen.
10 10 • US Rig Count hat im laufenden
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Jahr um über 70 % zugelegt.
Ölpreis Brent (in USD/bbl) Prognose • Output der OPEC+ soll auch im
Jan. 2022 um 0,4 mbpd steigen.
Historie Prognose
• Für 2022 zeichnet sich
Preis aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022 Angebotsüberschuss von 0,8 mbpd
Brent (in USD/Barrel) 73,25 43,42 51,89 65,23 80 80 75 ab.
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 49Gold: ETC-Verkäufe bremsen Gold
Goldpreis & Prognose (in USD) Pro
• Niedrige bzw. negative Real-
renditen in den wichtigsten
Währungsräumen.
2000 2000
• Hohe Inflationsraten.
• Schmucknachfrage steigt in Q3/21
1800 1800 um 33 % auf 443 t, Nachfrage nach
Münzen und Barren um 18 % auf
1600 1600 262 t und Notenbanken kaufen
wieder 69 t (Q3/20: Verkäufe 11 t).
• Gold-Recycling fällt in Q3/21 um
1400 1400
knapp 22 % auf 298 t.
1200 1200 Contra
• ETC-Nachfrage 2021 bislang sehr
1000 1000 schwach (-8 % bzw. -265 t).
2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 • Minenproduktion steigt in Q3/21 um
Goldpreis (in USD/Feinunze) Prognose über 4 % auf 960 Tonnen.
• Fester US-Dollar und Ängste vor
Historie Prognose
Zinswende belasten Goldpreis.
Preis aktuell Ø 2020 31.12.2020 Ø H1 Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022
Gold (in USD/Feinunze) 1780,04 1771,68 1897,77 1805,86 1800 1850 1900
Quellen: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 50Devisen- und Rohstoffprognosen
Prognose Prognose
Preis aktuell Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022 Preis aktuell Mrz 2022 Jun 2022 Dez 2022
Rohstoffe Weitere Währungen
Brent (in USD/Barrel) 73,25 80 80 75 EURAUD 1,61 1,58 1,56 1,52
Gold (in USD/Feinunze) 1780,04 1800 1850 1900 EURBRL 6,42 6,55 6,70 6,90
Silber (in USD/Feinunze) 22,34 23 22 20 EURCAD 1,44 1,45 1,44 1,44
EURCZK 25,42 24,80 24,70 24,60
EURHUF 364,43 358,00 345,00 340,00
Wechselkurse Hauptwährungen
EURMXN 23,97 23,00 23,50 24,20
EURNOK 10,29 9,65 9,55 9,40
EURUSD 1,13 1,10 1,10 1,15 EURPLN 4,59 4,60 4,55 4,45
EURJPY 127,78 130,00 132,00 135,00 EURRON 4,95 5,05 5,10 5,15
EURCHF 1,04 1,07 1,09 1,12 EURRUB 83,39 78,00 77,00 76,00
EURGBP 0,85 0,84 0,84 0,84 EURTRY 15,56 15,20 13,00 12,50
EURCNY 7,19 7,15 7,15 7,65 EURZAR 18,02 19,50 20,50 21,50
Quelle: Refinitiv, LBBW Research
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 5106 Fazit zu Zinsen, Hauptwährungen und Rohstoffe sowie Anhang und Disclaimer 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 52
Konjunktur
Weltwirtschaft
Die Corona-Pandemie setzt der Weltwirtschaft noch immer stark zu. 2020 ging
diese durch eine schwere Rezession und auch 2021 stand immer wieder im
Zeichen der Pandemie. Inzwischen ist die konjunkturelle Talsohle durchschritten,
die Omikron-Variante könnte aber für erneute Belastungen sorgen.
Sorge bereiten zudem die anhaltenden Lieferengpässe und in die Höhe
geschossene Energiepreise.
Die Frühindikatoren stimmen im großen und ganzen bislang aber weiterhin
optimistisch.
Viele Staaten haben beim Impfen inzwischen kräftige Fortschritte gemacht,
andere weiten ihre Impfanstrengungen gerade nach Kräften aus, so dass es
zumindest in Ländern mit sehr hoher Durchimpfung insbesondere der Risiko-
gruppen wohl nicht mehr zu flächendeckenden „Lockdowns“ kommen wird.
Zum Jahresende 2021 hin dürfte das Erholungstempo der Weltwirtschaft wegen
anhaltender Lieferengpässe und der in einigen für die Weltwirtschaft wichtigen
Ländern noch immer grassierenden Pandemie aber eher weiter abnehmen.
Im Jahr 2022 sollte es dann aber zu einer kräftigeren weltwirtschaftlichen
Erholung kommen.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 53Konjunktur USA Die ungewöhnlich hohen Stände der ISM Frühindikatoren lassen eine anhaltend gute US-Wirtschaftsentwicklung erwarten. Insbesondere der sehr hohe Wert für den Dienstleistungssektor, der für die US-Konjunktur von besonderer Bedeutung ist, spricht für einen sich fortsetzenden Aufschwung in den USA. Hinzu kommt eine kräftige Erholung am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote nähert sich inzwischen wieder dem Niveau von vor Beginn der Pandemie. Allerdings verlor der Jobaufbau zuletzt deutlich an Dynamik. Zu einem Belastungsfaktor könnte nun allerdings die Omikron-Variante des Coronavirus werden. Die Impfquote in den USA liegt unter der vieler anderer Industriestaaten, d.h. die USA sind noch weit entfernt von einer „Herdenimmunität“. 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 54
Zinsen
Subheadline
US-Zinsen
Die Rendite 10-jähriger Treasuries bewegt sich im Spannungsfeld zwischen
Inflationssorgen und neuerlich steigenden Corona-Risiken, die USD-Zinskurve
hat sich zuletzt deutlich abgeflacht. Die Fed steuert auf ein beschleunigtes
Taperings der Anleihekäufe zu, erhöhte Inflationsraten werden nicht mehr nur als
„temporär“ betrachtet. Wir erwarten, dass die Fed ihr Tagesgeldzielband im
Sommer 2022 erstmals anhebt. Bei den Langfristzinsen sehen wir mittelfristig
die Rückkehr in einen steigenden Trend, begrenzt wird das Aufwärtspotenzial
indes durch das internationale Niedrigzinsumfeld. Neuerliche Marktturbulenzen
in Folge sich verändernder Inflationsaussichten sind dabei nicht auszuschließen.
EUR-Zinsen
Trotz eines zuletzt soliden BIP-Wachstumstrends und erhöhter Inflation dürfte
die EZB auf absehbare Zeit keine grundlegende geldpolitische Kurswende
vollziehen. Für 2022 steht eine weitere schrittweise Drosselung der
Anleihekäufe zu erwarten, die EZB vermeidet jedoch den Begriff „Tapering“.
Eine Anhebung des Einlagesatzes ist zudem für das kommende Jahr noch nicht
zu erwarten. Die Langfristzinsen besitzen angesichts anhaltender
Reflationierungsspekulationen Potenzial für einen Anstieg, sofern letztlich eine
Eindämmung der Corona-Pandemie gelingt. Einen deutlichen und nachhaltigen
Anstieg der 10-jährigen Bundrendite über null erwarten wir vorerst nicht, da sich
der zuletzt stark gestiegene Inflationsdruck mittelfristig wieder ermäßigen dürfte.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 55Hauptwährungen
.
EURUSD
Die Fed könnte nach den jüngsten
Äußerungen ihres Präsidenten
Powells die Leitzinswende noch
früher einläuten, als bislang gedacht.
Dies sollte dem USD kurzfristig
Auftrieb verleihen.
Eine Stütze für den Euro ist hingegen
seine Unterbewertung gemessen an
der Kaufkraftparität sowie das
Zustandekommen des „EU-
Wiederaufbaufonds“. Dieser stärkt die
EU-Integration und damit den Euro.
Zudem werden die USA nach unserer
Prognose 2022 mit einer Rate von
revidiert 4,2% wachsen und damit nur
noch etwa gleichauf mit dem
Euroraum liegen.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 56Hauptwährungen
.
EURGBP
Gemäß Kaufkraftparität ist das Pfund
Sterling ggü. dem Euro
unterbewertet. Zudem dürfte die
Wirtschaftsleistung des Vereinigten
Königreichs im laufenden Jahr stärker
zulegen als die Wirtschaftsleistung
jedes anderen Industriestaates.
Vor diesem Hintergrund sollte die
Bank of England (BoE) ihren Leitzins
wesentlich früher anheben als die
EZB.
07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 57Hauptwährungen EURCHF Das Auftauchen der neuen Corona- Variante Omikron ließ die Nachfrage nach der Schweizer Währung wieder hochschnellen. Der Franken notiert derzeit ggü. dem Euro so stark wie zuletzt 2015. Eine wieder nachlassende Risikoscheu sollte den Franken belasten. Angesichts unserer Prognoserevision bei EURUSD sowie der deutlich gesunkenen Kaufkraftparität passen wir die EURCHF-Prognose für Q1 und Q2 2022 nach unten an. Die Jahresendprognose 2022 bleibt unverändert. Der Franken ist nach Ansicht der SNB „hoch bewertet“. Die SNB greift bei Bedarf zur Schwächung des Franken am Devisenmarkt ein. 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 58
Hauptwährungen EURJPY / USDJPY Risikoaversion stützt i.d.R. den Yen. Durch die Omikron-Variante des Coronavirus erhält diese nun neue Nahrung. Die verschiedenen Wellen der Pandemie kamen dem JPY eher zugute, verstärkten diese doch den „Home-Bias“ japanischer Investoren. Zudem ist im Zuge der Pandemie der Zinsvorteil von EUR-Anlagen ggü. solchen in Yen verschwunden. Darüber hinaus besteht in Japan im Gegensatz zu den USA und dem Euroraum kein Grund zur Sorge vor einem Anstieg der Inflation. Die relative Schwäche von Japans Wirtschaft inmitten der weltwirtschaftlichen Erholungsphase hält aber an. Im dritten Quartal ist die japanische Wirtschaftsleistung schon wieder signifikant geschrumpft. Die zu erwartende relativ bessere Performance der Wirtschaft in den USA und auch im Euroraum dürfte vor allem dem USD aber auch dem EUR im Zeitablauf zunehmend zugute kommen. Darüber hinaus zeichnet sich eine restriktivere Geldpolitik in den USA und - mit etwas Verzögerung - auch im Euroraum mit wieder ansteigenden Renditen ab. 07.12.2021 Corporate Treasury Radar Dezember 2021 | Makro, Zinsen, Währungen, Rohstoffe 59
Sie können auch lesen