Die deutschen Genossenschaften 2021 - Entwicklungen - Meinungen - Zahlen - Schwerpunktthema: Genossenschaften in der Nach-Corona-Ära - DZ Bank

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Die deutschen Genossenschaften 2021 - Entwicklungen - Meinungen - Zahlen - Schwerpunktthema: Genossenschaften in der Nach-Corona-Ära - DZ Bank
Die deutschen
Genossenschaften 2021
Entwicklungen – Meinungen – Zahlen

Schwerpunktthema:
Genossenschaften in der Nach-Corona-Ära
Titelbild:
Neues Raumkonzept der DZ BANK AG im Büro-Hochhaus Westendstraße 1 in Frankfurt am Main. Das Bild zeigt einen Rückzugsraum
für Gespräche in kleiner Runde, konzentriertes Arbeiten sowie Video- und Telefonkonferenzen.
© DZ BANK AG
Die deutschen
Genossenschaften 2021
Entwicklungen – Meinungen – Zahlen

Schwerpunktthema:
Genossenschaften in der Nach-Corona-Ära
Impressum

Autor
Michael Stappel

Redaktion
Sandra Antakli
Redaktionsschluss 30. September 2021

Erscheinungsweise
Jährlich, jeweils im Herbst

Druck
Görres-Druckerei und Verlag GmbH, Neuwied

Verlag
DG Nexolution eG
Leipziger Straße 35
65191 Wiesbaden

Bestellnummer
961 200 Einzelverkauf
961 206 Abonnement
ISSN 1434-3533 Bericht 2021
ISBN 978-3-87151-286-5

2
Inhaltsverzeichnis

                     Die deutschen Genossenschaften

                      Vorwort                                     5

                     Entwicklungen

                      Gesamtentwicklung 2020/2021                 6
                      Genossenschaftsbanken                      10
                      Ländliche Genossenschaften                 12
                      Gewerbliche Genossenschaften               14
                      Wohnungsgenossenschaften                   16

                     Schwerpunktthema 2021:

                      Genossenschaften in der Nach-Corona-Ära    18

                     Meinungen

                      Thomas Ullrich, DZ BANK                    22
                      Dr. Roman Glaser, BWGV                     25
                      Andreas Breitner, vnw                      28
                      André Dörfler, R+V                         31
                      Prof. Dr. Tobias Popović, Hochschule für
                      Technik Stuttgart                          33

                     Zahlen

                      Gesamtzahlen                               37
                      Genossenschaftsbanken                      40
                      Ländliche Genossenschaften                 44
                      Gewerbliche Genossenschaften               46
                      Wohnungsgenossenschaften                   48
                      Genossenschaftsbanken in Europa            49

                                                                  3
Vorwort

Verheerende Zwischenbilanz nach eineinhalb             wird. Zudem wird ein Teil der im Lockdown höher
Jahren Corona-Krise                                    gewordenen Online-Shopping-Umsätze nicht in
                                                       den lokalen Facheinzelhandel zurückwandern. Die
Über eineinhalb Jahre Corona-Krise liegen hinter       Folgen sind ein sinkender Bedarf an Büroraum
uns und die Zwischenbilanz ist verheerend: V ­ iele    und mehr leerstehende Geschäfte. Die Probleme,
Tote und Erkrankte mit Langzeitschäden, eine           die sich hieraus für unsere Innenstädte ergeben,
starke psychische Belastung der Bevölkerung, große     sind gleichzeitig eine Chance zur Entlastung des
­Lücken beim Lernfortschritt von Schülern und Aus-     Wohnungsmarktes durch den Umbau von Büros
 zubildenden sowie weltweit massive wirtschaftliche    und Läden in Wohnraum. Den vielfältigen Heraus­
 Einbrüche mit existenzgefährdeten Unternehmen,        forderungen und Chancen, die sich aus diesen
 Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Auch wenn die        Entwicklungen für die Genossenschaften ergeben,
 Wirtschaft hierzulande und andernorts dank Locke-     wollen wir in der neuesten Ausgabe dieser
 rungen von Corona-Restriktionen, Impffortschritten    Publikation nachgehen.
 und umfassenden wirtschaftspolitischen Unterstüt-
 zungsmaßnahmen wieder Tritt fassen konnte und         Unterstützung durch die Verbände
 sich erholt, bleiben Unsicherheiten. Dazu gehö-
 ren vor allem die hohen Infektionszahlen mit der      Ohne die bewährte Zusammenarbeit mit den
 Delta-Variante des Virus und eine unzureichende       genossenschaftlichen Verbänden wäre das
 Impfbereitschaft der Bevölkerung in vielen Teilen     Erscheinen dieses Berichtes, der als einziger regel­
 der Welt.                                             mäßig über das gesamte deutsche Genossen­
                                                       schafts­wesen informiert, nicht möglich. Für die
Leben mit dem Virus in der „Nach-Corona-Ära“           Bereit­stellung statistischer Informationen, für
                                                       Interviews und sonstige Anregungen sage ich
Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass es wohl nicht      allen Beteiligten herzlichen Dank!
gelingen wird, das sich ständig verändernde Virus
vollständig auszurotten. Daher gilt es, Corona
durch Impfungen mit regelmäßigen Auffrischungen
und Schutzmaßnahmen in Schach zu halten, um            Frankfurt am Main, 30. September 2021
ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen.
Dementsprechend wird die „Nach-Corona-Ära“              Michael Stappel
die Zeit nach Überwindung der Corona-Krise, ohne
dass das Virus verschwunden ist.

Was von der Krise bleibt, sind aber nicht nur
Belastungen aus den Maßnahmen, die notwendig
werden, um das Virus unter Kontrolle zu halten.
Unabhängig davon, wird unser Leben und Arbeiten
in der „Nach-Corona-Ära“ in Teilen anders
aussehen als vor der Krise. So dürften die positiven
Erfahrungen mit Homeoffice dazu führen, dass
auch nach der Krise mehr von zuhause gearbeitet

Internet:
www.dgverlag.de
www.genobuy.de
www.genossenschaften.de

                                                                                                              5
Gesamtentwicklung 2020/2021

Holpriger Weg aus der Corona-Krise                                  abhängen. Das waren insbesondere Genossenschaf-
                                                                    ten des Facheinzelhandels. Auch wenn der Wettbe-
Nach der schweren durch die Corona-Pandemie                         werb mit dem Online-Handel in diesen Segmenten
ausgelösten wirtschaftlichen Krise befindet sich                    intensiv bleibt, profitieren die Facheinzelhändler und
Deutschland auf dem Weg der konjunkturellen                         ihre Genossenschaften jetzt von der Erholung des
Erholung. Im zweiten Quartal 2021 wuchs das                         privaten Verbrauchs.
Brutto­inlandsprodukt um 1,6 Prozent gegenüber
dem Vorquartal, das noch durch strikte Lock-                        Auch der Lebensmitteleinzelhandel und das Nah-
down-Maßnahmen von Rückgang geprägt war.                            rungsmittelhandwerk und ihre Genossenschaften
Getragen wurde die Erholung vom Frühjahr durch                      können sich über eine gute Nachfrageentwicklung
den privaten Konsum und den Staatsverbrauch. In                     freuen. Sorgen bereiten im Handwerk dagegen
der Industrie setzte die Erholung bereits früher ein.               Materialengpässe, der Fachkräftemangel und die
Allerdings führen in vielen Branchen des verarbei-                  Unternehmensnachfolge. Das gilt vor allem für die
tenden Gewerbes Materialengpässe bei Compu-                         im Bau- und Ausbaugewerbe tätigen Betriebe.
ter-Chips, Metallen und anderen Rohstoffen zu
Produktionsverzögerungen. Das betrifft auch den                     Bei Ausbruch der Corona-Pandemie beklagten die
Wohnungsbau, der unter einem Mangel an Holz                         Landwirte, Gartenbaubetriebe und Obstbauern,
und anderen Baumaterialien leidet. Hinzukommen                      dass durch Grenzschließungen landwirtschaftliche
Sorgen um wieder steigende Corona-Infektionen.                      Hilfskräfte nicht einreisen konnten. Das gefährde-
                                                                    te Aussaat, Pflanzung und Ernte. Durch spezielle
Unter der Annahme, dass das Pandemiegeschehen                       Hygienevorschriften hat sich die Situation schnell
keine erneuten strengen Lockdown-Maßnahmen                          entspannt. Hinzukommen die Fortschritte der Impf-
erfordert, sollte sich der Aufschwung fortset-                      kampagne, sodass die Landwirte und ihre Genos-
zen, aber aufgrund der skizzierten Probleme eher                    senschaften für die kommende Saison zuversichtlich
holprig verlaufen. 2021 dürfte die Wirtschaft um                    sein können.
2,7 Prozent wachsen und die Inflation auf 3,0
Prozent steigen. Im nächsten Jahr schwächt sich      Auch die Genossenschaftsbanken hat die Pande-
die Inflationsrate auf 1,6 Prozent ab und das Wirt-  mie stark herausgefordert. Zum einen erschwerten
schaftswachstum steigt auf 4,8 Prozent. Die Ar-      Filialschließungen den Kontakt zu den Kunden. Zum
beitslosenquote dürfte mit dem
Aufschwung auf 5,0 Prozent im
nächsten Jahr sinken.                  Konjunkturprognose für Deutschland

Genossenschaften profitieren                  				 Prognose                                                Prognose
vom Aufschwung                                in Prozent 2020 2021                                             2022
                                              Bruttoinlandsprodukt               -4,9             2,7            4,8
Die stark in der Binnenwirtschaft               Privater Verbrauch               -6,1            -1,0            5,3
verankerten Genossenschaften                    Investitionen                    -3,0             3,4            5,8
und ihre Mitglieder spürten                   Inflationsrate (HVPI)               0,4             3,0            1,6
die Krise hauptsächlich in den                Arbeitslosenquote                   5,9             5,7            5,0
Branchen, die stark vom Konsum
                                              Prognose: DZ BANK Volkswirtschaft, 30.09.2021.

Internet:
www.dgrv.de (Links zu allen regionalen Prüfungsverbänden
und Fachprüfungsverbänden im DGRV)

6
Die Genossenschaftsorganisation in Deutschland per 30.09.20211

                Freier Ausschuss der deutschen Genossenschaftsverbände

Deutscher Genossenschafts- u. Raiffeisenverband (DGRV)                GdW Bundesverband
                                                                      deutscher Wohnungs-
Bundesverband          Deutscher               Der Mittelstands-      und Immobilienunter-
der Deutschen          Raiffeisenverband       verbund – ZGV2         nehmen2
Volksbanken und        (DRV)2
Raiffeisenbanken
(BVR)
   BVR
                                                                                                          Fachprüfungs-
4 regionale Prüfungsverbände (Baden-Württemberg, Bayern,
                                                                      12 Regionalverbände/                verbände
Verband der Regionen, Weser-Ems)
                                                                      Prüfungsverbände                    (FPV, vdp,
5 Fachprüfungsverbände (PSD, Sparda, EDEKA, PV, RVWL)3
                                                                                                          PkmG u.a.)

814 Kreditge-          1.9164 ländliche        2.929 gewerbliche      1.945 Wohnungsgenos-               ca. 1.2005
nossenschaften         Genossenschaften        Genossenschaften       senschaften                        Genossenschaften
(Volksbanken,          (Ware, Milch, Obst      (Handel, Handwerk,     (darunter 47 mit Spar-             (u. a. Produktivgen.)
Raiffeisenbanken,      und Gemüse, Wein,       fr. Berufe, Verkehr,   einrichtung)                       ca. 184.0005
Sparda, PSD u. a.)     Fleisch, Agrar u. a.)   Konsum u. a.)          2,2 Mio. Wohnungen                 Mitglieder
18,4 Mio. Mitglieder   395.000 Mitglieder      870.000 Mitglieder     3,0 Mio. Mitglieder                ca. 15.0005
138.150 Mitarbeiter    68.9624 Mitarbeiter     609.560 Mitarbeiter    23.212 Mitarbeiter                 Mitarbeiter
                                                                      1
                                                                        Organisatorischer Aufbau per 30.09.2021; Zahlenangaben
1 Zentralbank          5 Hauptgenossen-        7 Zentral-             für Ende 2020. 2 Nicht allen nationalen Spartenverbänden
(DZ BANK AG)           schaften                unternehmen            gehören sämtliche genossenschaftliche Unternehmen der
                                                                      betreffenden Sparte an; z. T. übernehmen Verbände auch
15 Spezial-Verbund-    (daneben gibt es        (BÄKO, EDEKA,          Verbandsfunktion für nicht-genossenschaftliche Unternehmen.
untern. (BSH,          Molkereizentralen,      REWE, ZEDACH,          3
                                                                        Daneben gibt es Fachverbände wie Zentralverband deutscher
DZ HYP, MHB,           Vieh- und Fleisch-      Zentrag, Zentral-      Konsumgenossenschaften (ZdK) oder Bundesverband der
                                                                      Ärztegenossenschaften (BVÄG) 4 Angaben zu Molkereizen-
Union, R+V u. a.)      zentralen u. a.)        konsum u. a.)          tralen, Zentralkellereien sowie Vieh- und Fleischzentralen bei
32.021 Mitarbeiter     34.119 Mitarbeiter      81.516 Mitarbeiter     Primärgenossenschaften erfasst. 5 In Zahlen zu den übrigen
                                                                      Genossenschaften z. T. bereits enthalten.

anderen galt es, in Zusammenarbeit mit den staat­             Neugründungen erholen sich
lichen Förderbanken Hilfskredite für die von der
Krise Betroffenen bereitzustellen. Dadurch wuchsen            Während der Corona-Pandemie waren die Neu-
die Kreditbestände stark. Mit der wirtschaftlichen            gründungen von Genossenschaften stark eingebro-
Erholung werden die Kredite allmählich wieder zu-             chen. Wurden 2019 noch 183 neue Genossenschaf-
rückgezahlt. Wachstumsimpulse kommen aber nach                ten bei den Genossenschaftsregistern angemeldet,
wie vor von den Wohnungsbaukrediten.                          waren es im letzten Jahr nur 82. Der Einbruch
                                                              ersteckte sich über fast alle Sektoren. Nur bei den
Die Wohnungsgenossenschaften beteiligen sich mit              Handelsgenossenschaften und bei den Sozialge-
überdurchschnittlichen Marktanteilen am Woh-                  nossenschaften gab es mehr Neugründungen. Im
nungsbau in Deutschland. Durch Materialmangel                 ersten Halbjahr 2021 hat sich das Neugründungs-
und Kapazitätsengpässe bei der Bauindustrie ist in            geschehen wieder erholt. Insgesamt wurden 108
diesem Jahr mit etwas weniger Baufertigstellungen             Genossenschaften errichtet, das waren mehr als im
zu rechnen. Trotzdem bleibt der Wohnungsbau auf               ersten Halbjahr 2019. Neugründungsschwerpunk-
erhöhtem Niveau.                                              te waren erneut die Wohnungsgenossenschaften

                                                                                                                                  7
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