DRUCKZUSTÄNDE KOMPAKT ZEITUNG - Die gnadenlosen - Kompakt Media
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KOMPAKT ZEITUNG Ausgabe 2020 DRUCKZUSTÄNDE Die gnadenlosen Wandel mit Mediadaten für Rezipienten Verlust das Jahr 2020 Halten Medien dem Druck Auflagenentwicklung und So preiswert sind Qualität ihrer Nutzer stand? Strukturveränderungen und hochwertige Inhalte.
Verlagsprogramm KOMPAKT MEDIA SPIELMACHER Menschen und ihre Geschichten mit dem 1. FC Magdeburg Hardcover-Buch, 312 Seiten mit Bildern Erschienen bei MAGDEBURG KOMPAKT ISBN 978-3-00-061112-4 Preis: 29.95 € „Dieses Buch hat Gewicht. Das merkt man sofort, wenn man es in den Händen hält – Spielmacher, das im Dezember 2018 erschienene aktuellste Werk über den 1. FC Magdeburg, Hardcover, Fotos, 312 Hochglanz-Seiten, macht schon allein haptisch einiges her." Rezension nurderfcm.de „Spielmacher“ ist ein Buch mit persönlichen Erzählungen über Menschen, die in fünf Jahrzehnten maßgeblich den Puls des 1. FCM mitbestimmten, die Euphorie erlebt und Niederschläge durchlitten haben. Vier Autoren haben in diesem Buch intime blau-weiße Zeugnisse über 47 Bekannte und Unbekannte aufgeschrieben. Wer den Club im Sein und Werden ver- stehen will, muss die 312 Seiten über „Spielmacher“ lesen, um mehr über Vorlagen, Flanken und Verteidigung der Fußball- tradition in Magdeburg zu wissen. Dies ist ein Buch für Fans, das es so noch nie gab. Ludwig Schumann Der langsame Leser „Für mich ist das ein Experiment”, behauptete einmal Ludwig Schumann (*1951 - †2019) über seine Kolumne „Der langsame Leser” in MAGDEBURG KOMPAKT. Er schrieb Gedanken zur Zeit, Gedanken über Bücher, Musiker, „was einem eben gerade durch den Kopf geht”, so Schumann. Zeitgleich er- schienen seine Zeilen auch auf Konstantin Weckers Website www.hinter-den- schlagzeilen.de, auf der Schumann zu den Stamm-Gast-Schreibern gehörte. Dass er spitz formulieren konnte, hat er zur Genüge gezeigt. Eine Auswahl seiner Schriften aus mehr als vier Jahren sind in diesem Buch zu finden. „Der langsame Leser” hat seine Aktualität nicht verloren. Hardcover-Buch mit 200 Seiten 85 Preis: 21. € Erschienen bei: MAGDEBURG KOMPAKT ISBN 978-3-9821245-0-6 Die Bücher sind erhältlich im Buchhandel, bei Amazon oder bei KOMPAKT MEDIA. Breiter Weg 202 in 39104 Magdeburg, Telefon: 0391-79 29 67 50 oder www.kompakt.media
Was ändert ein neuer Name? Neue Besen kehren gut, so lautet eine alte Rede- wendung. Trifft das auch auf neue Namen zu? Und warum streichen wir nach sieben Jahren Erfolgsge- schichte das Wort „Magdeburg“ aus dem Titel unse- rer Zeitung? Dahinter steckt ein langer Überlegungs- prozess mit vielen Argumenten auf der Für- und manchen auf der Wider-Seite. Eine Marke, die sich im Verbreitungsgebiet und sogar darüber hinaus eta- bliert hat, einfach zu ändern, ist ein schwieriger Schritt. Wir gehen ihn dennoch, weil wir davon über- zeugt sind, dass der neue Name KOMPAKT ZEITUNG der Anpassung an die bisherige Entwicklung Rech- nung trägt. Offenbar hat das Konzept der Zeitung das Zeug, weit über die Grenzen der Landeshauptstadt Leserinnen und Leser zu finden. Die Einführung einer Teilauflage in allen Umlandkreisen im Großraum Magdeburg hat der Auflage weiteres Wachstum beschert. Anderer- seits ist der Name der Landeshauptstadt manches Mal hinderlich, weil man damit die Ausgabe viel zu eng auf Magdeburg begrenzt beurteilt, obwohl wir nicht ausschließlich Themen aufgreifen, die sich mit der Großstadt verbinden. Außerdem gehen wir neue Wege in der digitalen Ver- breitung. Auch deshalb ist ein Markenrelaunch nötig geworden. In das Jahr 2020 starten wir mit einem neuen Online-Auftritt, tagesaktuellen elektronischen Nachrichten aus der Region und personeller Verstär- kung. Damit sind die Vorhaben für 2020 aber noch lange nicht abgeschlossen. Über Hintergründe und Details der Genese unserer Medienkanäle und über Neuigkeiten aus unserem Verlag sowie die allgemei- ne Medienentwicklung wollen wir Sie in dem vorlie- genden Heft „Media 2020“ informieren. Herzlichst Ronald Floum und Thomas Wischnewski Media 2020 3
Ideen für die goldenen 20er D ie goldenen 20er sind jetzt wieder in aller Damit aber noch nicht der Neuerungen genug. Wir Munde. Ob sie wirklich so gülden werden, nehmen ein weiteres Vorhaben für das Jahr 2020 in wie häufig verklärt gedacht wird, bleibt da- Angriff. Den Bewegbildbereich wollen wir weiter hin gestellt. Fakt ist, dass sich unser kleines Me- ausbauen und mehr Beiträge bis hin zu kleinen dienunternehmen neuen Herausforderungen Nachrichtenformaten erzeugen. Um dies umzuset- stellt. Mittlerweile geben wir Zeitungen im 9. Jahr- zen, werden wir eine zusätzliche Fläche in der In- gang heraus. Auch online waren unsere Inhalte nenstadt beziehen. Dort soll eine Art kleines Me- stets verfügbar und sie erfreuten sich einer wach- dienzentrum entstehen, in dem Studioproduktionen Ronald Floum senden Nutzerschaft. Zum Auftakt des Jahres und Gesprächsformate möglich sind. Auch kleinere Mitgründer und 2020 gehen wir nun verstärkt neue Wege der Veranstaltungen mit Teilnehmern bis zu 80 Perso- Mitherausgeber elektronischen Verbreitung. Dazu haben wir das nen lassen sich realisieren. Unser Medienzentrum der KOMPAKT kleine Team von „Wir sind Magdeburg“ zur Mittä- wird die Onlineredaktion und die Videoproduktion ZEITUNG ist seit terschaft gewinnen können. Künftig werden unter beherbergen. Es soll außerdem Anlaufpunkt für Le- 1990 als Fotograf dem Namen KOMPAKT MEDIA mit einem gewach- serinnen und Leser sein und ein Zusammenwirken und Journalist senen Team mehr tagesaktuelle Nachrichten ver- mit Veranstaltungen in der Innenstadt ermöglichen. tätig. Er arbeitete breitet werden. Schon jetzt schaffen wir mit den vorhandenen On- für verschiedene line- und Printprodukten pro Monat bis zu 500.000 Verlage und unter- Auch der Titel MAGDEBURG KOMPAKT wandelt Kontakte. hielt lange Jahre sich in KOMPAKT ZEITUNG. Der Wechsel signali- eine eigene siert die höhere Auflage und das größer geworde- Bereits zum Ende des Jahres haben wir als Verlag Medienagentur. ne Verbreitungsgebiet. Wir wollen damit eine bes- unter der Marke KOMPAKT Buch mehrere Bücher sere Verbindung von Inhalten aus der Landes- herausgegeben. Den Auftakt bildete der Essay-Sam- hauptstadt und dem nahen Umland herstellen. melband des 2019 verstorbenen Schriftstellers Lud- Nicht alle Leserinnen und Leser in Burg, Haldens- wig Schumann. Auch 2020 werden weitere Bücher leben, Schönebeck oder Calbe/Saale können sich entstehen. KOMPAKT MEDIA versteht sich damit als mit einem reinen Magdeburger Titel identifizieren. Inhaltedienstleister, der in Zusammenarbeit mit zahl- Sollte das Interesse in der Region ebenfalls weiter reichen Publizisten Beiträge, Bücher und Videos pro- auf einen fruchtbaren Boden fallen, wird die Aufla- duzieren wird. Das geistig-kulturelle Leben der Regi- ge der Druckausgabe entsprechend mitwachsen. on soll dadurch eine kleine Bereicherung finden. IMPRESSUM Herausgeber: Ronald Floum und Thomas Wischnewski (V.i.S.d.P.) Herausgebende Gesellschaft: KOMPAKT MEDIA GmbH & Co. KG Adresse: Breiter Weg 202 • 39104 Magdeburg Telefon: 0391/ 79 29 67 50 E-Mail: post@kompakt.media Internet: www.kompakt.media Bankverbindung: Stadtsparkasse Magdeburg • IBAN: DE58 8105 3272 0641 0143 68 • BIC: NOLADE21MDG Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. Peter Schönfeld, Prof. Dr. Gerald Wolf, Prof. Dr. Reinhard Szibor, Prof. Dr. Viktor Otte, Prof. Dr. Markus Karp Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind unter www.kompakt.media einsehbar. Weiterverwendung von Beiträgen, Fotos und eigens für KOMPAKT-Produkte entworfene Anzeigen ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Gesellschaft gestattet. Das nächste Media-Heft erscheint im Januar 2021. Media 2020 4
Die gnadenlosen Rezipienten W as ist bloß los mit den Lesern, Zuschauern die Wahrnehmung vieler anderer Positionen, oft so- Axel Römer und Hörern? Medienschaffende rätseln gar sehr fragwürdiger Welt- und Lebenserklärungen. ist das Pseudo- seit einigen Jahren immer häufiger über Unter all diesen unzählbaren Informationsmosaik- nym eines juris- ihre Rezipienten. In Scharen wenden sich Nutzer steinchen bereichert sich zwar das eigene Wissen, tisch gebildeten von klassischen Medien ab, ja verteufeln sie sogar aber gleichzeitig bröckeln bisher bekannte und ge- Journalisten. Seit und es sprießen aufgrund der Möglichkeiten des glaubte Überzeugungen. Wie uns das eigene Altern einigen Jahren Internets massenhaft Gegenmedien aus dem nicht täglich bewusst wird, ändern sich eben auch schreibt er für un- virtuellen Boden. Antworten aus zahlreichen Re- Bewertungen und Denkmuster schleichend. sere Ausgaben, daktionsstuben sind dann der Verweis auf die Quali- vor allem seine tät der eigenen Inhalte oder die Professionalität, Allerdings muss wohl noch auf eine weitere Erschei- Glosse, und hin mit der diese erzeugt werden. Doch unter dem nung hingewiesen werden, aus der und wieder taucht Strich bleiben solche Argumente frag- sich die Abwendung der Rezipien- er mit essayisti- würdig. Wären Qualität und Professio- ten von ihren gewohnten, aus schen Beiträgen nalität die tatsächlichen Gründe für der analogen Erfahrung stam- zum Zeitgesche- eine Mediennutzung, hätte es menden Medien erklären hen auf. doch gar keine Abkehr von lässt. Manche denken manchen Fernsehsendungen, sicher sofort an die Zeitschriften und Zeitungen veränderte Medien- geben dürfen. nutzung der nach- wachsenden Gene- Medien erleben nur, rationen, die aus- was die Warenwirtschaft schließlich online schon immer kannte: der und eben, wann und Mensch als Konsument nutzt, was wo sie wollen, einströ- ihm gerade genehm, bequem und men lassen, was ihnen nützlich ist. Auch Meinungen wohnt gerade beliebt. Das ist nur ei- Nützlichkeit und Bequemlichkeit inne. Sie ne Seite der Medaille. Wenig Be- haben ihre Verstandes- und Einstellungs- achtung findet die demografische Ent- grenzen, sie stoßen auf Erfahrungsmängel wicklung der Nutzerschaft. Zwar wird in allen gesell- oder Wissenslücken. Allerdings lassen sich solche schaftlichen Sphären auf den Aufwuchs der Alten ganz natürlichen Bewertungserscheinungen nicht hingewiesen. Doch als Rezipienten gilt der ältere Teil politisch einsortieren. Dies geschieht grundsätzlich der Gesellschaft häufig nur als der Teil, der an alten überparteilich und unabhängig. Eine politische Posi- Gewohnheiten festhält. Allerdings treffen mit der all- tion ist nur ein Aspekt des menschlichen Bewertens. gemeinen Entwicklung der Alterspyramide Medien- Allerdings neigt die Gesellschaft heute dazu, genau inhalte auf einen quantitativ erfahrenen Geist ihrer diesen Punkt überzubewerten und andere Meinun- Informationskonsumenten. Man sollte also schluss- gen darauf zu reduzieren. Und das passiert in schö- folgern, dass vor dem Informationsangebot zahlen- ner gegenseitiger Verstrickung zwischen Journalisten mäßig viel mehr differenzierende Individuen sitzen und ihren Rezipienten, zwischen Politikern und Wäh- als noch vor 20 Jahren. Denen kann man eben lern sowie zwischen Individuen, bis hin im Zwist in- nicht mit altbekannter Qualität begegnen. So lange nerhalb von Familien, Freunden und Weggefährten. in Redaktionsstuben vorrangig über Vereinfachung und einen schnelleren Transport von Inhalten nach- Eine Folge des Anwachsens von Informationsvielfalt, gedacht wird, wird die Irritation bei den Rezipienten Interpretationsquantität und Meinungsfluten ist eben zunehmen. Media 2020 5
Druckzustände D ie gedruckte Presse steht unter Druck, unter Amazon (gestartet als Buchplattform) wurde durch einem existenziellen. Das Internet bedrohe die Informationsvielfalt, die Medien kostenfrei anbo- die Printmedien, so lautet der einhellige Chor ten, erst richtig befeuert. Das ist übrigens ein Grund, über die Entwicklung gedruckter Informations- und warum man heute von Google eine Teilhabe an den Unterhaltungsprodukte. Ich wage hier die Behaup- Erlösen verlangt und natürlich, weil viele Suchanfra- tung, dass dies nur ein bescheidenes Argument für gen schließlich wieder auf die Beiträge von Medien den Wandel der Medienwelt darstellt. Um den viel- verweisen. Fast 20 Jahre lang dauerte der Prozess, schichtigen Ursachen – auch solchen, die von Verla- bis Verlage begannen, Bezahlschranken vor ihre Inhal- Thomas gen und Redaktionen selbst befördert wurden – auf te zu montieren. Damit haben sie über den Zeitraum Wischnewski den Grund zu gehen, muss man noch einmal auf die einer ganzen Generation ihren klassischen Mechanis- Mitgründer und Ursprünge blicken. Die Menschheitsgeschichte ist mus der Wertschöpfung unterlaufen. Getragen war Mitherausgeber eben auch die Geschichte der Informationsverbrei- man dabei von der Angst, dass andere durch Online- von KOMPAKT tung. Die Entwicklung des Denkens kann nicht ohne Kanäle Vorteile hätten. Keiner wollte vor dem ande- ZEITUNG ist seit Kommunikation, und zwar Regel- und Verständi- ren das Nachsehen haben. Jetzt haben es alle. 1991 als Journalist gungsvereinbarungen gedacht werden. Mit der Ver- Schließlich schafften es die Plattformen bzw. Sozialen tätig. Er arbeitete schriftlichung von Sprache – zunächst in Symbolen – Medien, die Hürden fürs Mitmachen und Mitverbrei- für verschiedene begann wahrscheinlich überhaupt die Entwicklung ten von Inhalten in rasanter Geschwindigkeit zu sen- Anzeigenblattver- verbindlicher Vorstellungen. Davor war es ausschließ- ken und gaben damit eigentlich jedem die Möglich- lage, als Korres- lich die mündliche Überlieferung, unter der Wissen, keit an die Hand – in welcher Form auch immer – In- pondent für Erfahrung und Kultur Verbreitung fanden. halte zu produzieren und anzubieten. Dabei ist es Tageszeitungen egal, ob es sich um eine differenzierte schriftliche sowie Agenturen, Der Buchdruck verschaffte der Informationsvermitt- Darstellung, einen kurzen Meinungspost, Fotos vom konzipierte ver- lung eine neue Qualität. Wahrscheinlich hätte es die Essen, Katzenvideos oder Kriegsberichte handelt. Auf schiedene Maga- Reformation ohne diese Erfindung zunächst nicht ge- einer Plattform ist zunächst jeder Inhalt gleich. Unter- zinprodukte und geben. Erst mit der Weiterentwicklung der Druckver- schiede werden nur in Reichweite gemessen. Reich- verantwortete die fahren bis hin zum Rollen-Offset-Druck entstanden weite ist die Währung, mit denen sich Medien ver- Öffentlichkeitsar- Zeitungen als Fenster zur Welt, zur Meinungs- und meintlich auskennen wollen. Das Nutzungsverhalten beit in öffentlichen Faktenverbreitung. Printprodukte blieben auch nach der Google-, Facebook-, Twitter- und Amazon- Institutionen und Einzug der elektronischen Medien wie Radio und Gemeinde ist der andere Wert, mit dem heute Unternehmen. Fernsehen zunächst die wichtigste Säule der Informa- gerechnet wird. Die Werbeindustrie will jeden zielge- tionsverbreitung. Bis in die Mitte der 90er Jahre gab nau erfassen und ihm möglichst zuspielen, was man es vielfach Wachstum und Auflagensteigerungen. Am sich im nächsten Moment wünschen würde. Auf Markt der Verlage herrschte Verdrängungswettbe- dass der Konsument auch gleich bei einem Angebot werb, der sich in kalkulierbaren Bahnen abspielte. Die in den Kauf einwilligt. Wertschöpfungskette – Inhalte fließen in ein hapti- sches Produkt, dass durch Abo- und Einzelverkauf In diesem Segment wird leider auch viel Scharlatane- kombiniert mit Werbung refinanziert wurde – funkti- rie betrieben. Allein die Tatsache, dass der Zielgrup- nierte reibungslos. penmechanismus als Lösung für alles dahergebetet wird, lässt zwar den allgemeinen Glauben daran Nun kam die Vernetzung. Und es waren maßgeblich wachsen, aber trifft nie die Variabilität menschlicher die Medien selbst, die aus ihrem Kompetenzan- Realitäten. Hierbei unterwerfen sich werbende Unter- spruch für Inhalteverbreitung das Internet mit ihren nehmen, Werbe- und Medienagenturen demselben Beiträgen befeuerten und nach und nach interessan- selbstzerstörerischen Mechanismus wie ihn Verlage ter machten. Verlage und Redaktionen durchbrachen durchmachen. Das Gewicht der virtuellen Wertschöp- quasi selbst die bestehende Wertschöpfungskette, in fung fällt weiter auf die Seite der großen Plattformen. dem sie ihre Inhalte über viele Jahre kostenlos anbo- Nicht umsonst, werden beispielsweise die Stimmen ten. Die Entwicklung von Google, Facebook und nach einer Zerschlagung von Facebook oder einer In- Media 2020 6
stallierung eines datensammelfreien europäischen Gegenange- fällen bereits Reichweiten erzeugen, die guten TV-Formaten oder bots lauter. Wer allein auf Facebook sein Geschäftsmodell aufge- riesigen Zeitungsauflagen entsprechen. Aber selbst diese moder- baut hat, wird langfristig ins Wanken kommen. ne Form von Werbung und Informationsverbreitung wird an Grenzen stoßen. Einzelne Gesichter bzw. Erzählstränge aus einer Es sind eben Geschwindigkeit und Verbreitungspotenziale von geistigen Quelle – oder mit wenigen Mitstreitern im Hintergrund Informationen in einer sich weiter vernetzenden Menschheit, die erzeugt – werden ihre Halbwertzeit haben. Die Gemeinde der heute maßgeblich die Welt bewegen. Insofern ist die Mensch- „Follower“ wird mit der Zeit erfahrener, ändert Interessen und heitsentwicklung eben die der Informationsverbreitung. Den Vor- Meinungen bzw. andere Lebensphasen setzen neue Schwer- teilen für schnelle und umfassende Inhaltsrecherchen stehen punkte. Es ist schwer vorstellbar, dass die Natur der menschli- aber auch Schattenseiten gegenüber. Unter der Info-Flut verläss- chen Neugier über viele Jahrzehnte durch wenige Influenzer be- liche und wahrhaftige Angaben zu finden, wird einerseits schwie- friedigt werden könnte. Außerdem wächst die Konkurrenz oder riger und andererseits raubt die Suche unter einer wachsenden zumindest die Zahl derer, die sich vom Erfolg anderer anstecken Fakten- und Meinungsmasse am Ende viel Zeit. Möglicherweise lassen und damit schaffen sich Influenzer ähnlich wie es Medien steht bei Nutzern dann häufig Bequemlichkeit und Zeitmangel in der Netzwelt erfahren haben, ihre Mitbewerber selbst. Am beim Info-Konsum im Vordergrund. Dadurch lösen sich bisheri- Ende aller Informationsstränge sitzt immer noch ein Mensch mit ge Überzeugungen auf und alle möglichen Er- klärmuster – auch abstruse und widersinnige – treffen auf neugierige Geister. Der Druck, unter dem Medien heute stehen, ist derselbe wie ihn jeder Rezipient erfährt. Die Informationslage wird unübersichtlicher. Es hilft offenbar wenig, auf Standpunkten zu beharren und daraus Kommentierungen und Meinungen abzuleiten. So fatal es klingen mag, aber durch das Inter- net mit seinen unzähligen Akteuren formen sich bisher geglaubte Wahrheiten neu. Selbst Wissenschaft, die evidenzbasierende Ergebnis- se vorlegen will, erfährt mitunter eine Paralyse durch Gegenergebnisse, ideologische Überzeu- gungen und Contra-Standpunkten. Übrigens: Printverlage – insbesondere Tageszei- tungen – werden noch aus anderen Gründen an Auflage verlieren. Im Jahr 1991 wurden täg- lich rund 27,3 Millionen Exemplare an Tages- zeitungen verbreitet bzw. abgesetzt. Über 10 Millionen Käufer und Abonnenten haben die Verlage bis heute verloren. Der Trend hält an. Und dieser ist 24 Stunden Lebenszeit täglich. Alle buhlen darum, so viel wie nicht nur durch das Internet zu erklären, sondern erstens aus möglich von der Aufmerksamkeit des Einzelnen abzubekom- dem inneren Wandel der Unternehmen und zweitens aus teil- men. Schon deshalb stehen nicht nur Printmedien unter Druck, weise verengten Bewertungsmechanismen. Vor allem an der ei- sondern alle, die sich in der Welt von Information und Unterhal- gentlichen Kompetenz – verlässliche Fakten und Geschehnisse tung tummeln. Der Druck steigt mit der wachsenden Zahl der vorzulegen – haben die Verlage die Säge angesetzt und ganze Angebote. Darunter bereinigt sich auch die Stellung klassischer Redakteursscharen über die Jahre entlassen. Es gab online eben Medien. Nur wenn sie sich auf ihre Kernkompetenz besinnen keinen vergleichbaren wirtschaftlichen Aufwuchs. Alles, was Ver- und verlässliche Informationen über das zusammenstellen, bei lage in der Vergangenheit auf ihren virtuellen Kanälen verbreitet dem sie dabei sind, authentisch berichten und kommentieren, haben, fußte letztlich auf ihrer klassischen Wertschöpfungskette. werden sie ein Gegengewicht zum Schnipsel-Info-Universum Der große Springer-Verlag ist heute vor allem ein Gemischtwa- des Netzes in die Waagschale der Kommunikation legen kön- renladen aus Partnerschaftsbörsen, Verkaufs- und Vergleichspor- nen. Je mehr sie sich an die Wogen des Internets anpassen, talen. Die einst so große Bild-Zeitung hat sich seit 2010 von 3,1 umso mehr Bedeutung haben sie zu verlieren. Millionen verkauften Exemplaren auf 1,4 Millionen halbiert. Wirft man täglich einen Blick auf die Timeline seines Facebookprofils Wenn heute Leute über Shitstorms klagen, sollten sie sich findet man dort oft eine schnellere und unterhaltsamere Art der manchmal daran erinnern, dass darüber vor ein paar Jahren kein Bild-Zeitung vor. Hahn gekräht hätte. Viele Ereignisse sind nicht schlimmer gewor- den, sondern einzig die Erregungszustände darüber. Der emp- Heute redet man von Influenzern oder YouTubern, die in Einzel- fundene Druck hat eben immer eine hausgemachte Seite. Media 2020 7
Verlagsprogramm KOMPAKT MEDIA Sachbuch Kündigen! Aber wie? Jemandem kündigen zu müssen, ist keine schöne Aufgabe. Wenn es unvermeidlich ist - wie macht man es richtig? Ob der Nebenjob bei der Konkurrenz, das private Surfen im Internet während der Arbeits- zeit, die getürkte Reisekostenabrechnung oder der häufig mal verschnupfte Mitarbeiter - Sie fragen sich hierbei möglicherweise, was Sie als Arbeitgeber gegen solche Vorkomm- nisse tun können. Oder haben Sie die sogenannten Low-Performer, die hemmen und be- hindern, die unproduktiv sind? Wenn diese und andere Mitarbeiterfehlverhalten in Ihrem Unternehmen eine Rolle spielen, dann bietet das Buch KÜNDIGEN! ABER WIE? Lö- sungsansätze an. Autorin Iris Kastner-Nauke Ist eine Abmahnung das richtige Mittel? Wie spricht man eine Abmahnung rechtswirksam aus? Gibt es Fristen zu beachten und wie soll sie übergeben werden? Sehen Sie sich ver- anlasst, aufgrund des Verhaltens des Mitarbeiters, eine Kündigung auszusprechen, ist Kündigen! vieles zu beachten. Unbedachte Handlungen führen immer zu nachteiligen Konsequen- zen für beide Seiten, die häufig auch mit vermeidbaren Kosten verbunden sind. Aber wie? In diesem Buch erfahren Sie, welche Mitarbeiterfehlverhalten Sie mit einer Abmahnung rü- gen sollten, wie eine solche Abmahnung rechtswirksam gestaltet und übergeben werden © KOMPAKT Buch muss und welche Fehlverhalten zu einer Kündigung führen können. Sie lesen weiter, wel- Erschienen bei che Fehlverhalten zu welcher Art von Kündigung führen können und welche Vorausset- KOMPAKT MEDIA GmbH & Co. KG zungen erfüllt sein müssen, um eine solche Kündigung wirksam auszusprechen. Breiter Weg 202 39104 Magdeburg www.kompakt.media Was muss im Vorfeld alles beachtet werden, welche Fristen sind einzuhalten, wie ist eine 1. Auflage etwa vorhandene Arbeitnehmervertretung mit einzubeziehen und wie wird die Kündigung letztendlich zugestellt oder übergeben? ISBN 978-3-9821245-3-7 Im Anhang gibt es zahlreiche Praxisbeispiele von echten Fällen, die mit entsprechenden Preis: 29,89 € Urteilen von Landesarbeitsgerichten und dem Bundesarbeitsgericht belegt sind. Aus die- sen Beispielen erfahren Sie, wie der Arbeitgeber im vorliegenden Fall reagiert hat und, ob Bestellbar bei KOMPAKT MEDIA das erfolgreich war. und Amazon Media 2020 8
Was man nicht lernt? A ls ich die Idee hatte, Journalistin zu werden, ches, soziales und psychologisches Gundlagenwissen hatte ich wohl sehr verklärte Vorstellungen von zu erwerben? Wir müssen in der Lage sein, komplexe diesem Beruf. Ich hatte so ein Bild von einer politische Vorgänge zu beschreiben. Doch sind wir Karla Kolumna vor meinen Augen. Die war mein ers- wirklich ausreichend mit staatstheorethischen Wis- tes Vorbild für den Berufsstand. Immer auf dem Roller sensfundamenten ausgestattet? Versteht man den unterwegs, auf der Suche nach den wichtigen Ge- Gesetzgebungsprozess und auch die Folgen rechtli- schichten und Skandalen ihrer Stadt, die Kamera stets cher Regelungen? Da das Studium hier kaum Inhalte im Anschlag. Also schlug ich mich in Filmen und Erzäh- vermittelt, muss man sich solche Kenntnisse selbst lungen stets auf die Seite der Journalisten bzw. derjeni- aneignen. Swantje gen, die versuchten, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Langwisch Das wirklich wichtigste Arbeitsmittel eines jeden Jour- ist Studentin der Nach dem Abitur suchte ich mir eine journalistische nalisten ist die Sprache. Abgesehen davon, dass jeder Fachrichtung Jour- Ausbildungsstätte. Heute studiere ich im fünften Se- die Grundlagen von Orthografie und Grammatik be- nalismus an der mester Journalismus an der Hochschule Magdeburg- herrschen sollte, halte ich es auch für wichtig, ein tie- Hochschule Mag- Stendal. Ich bin davon überzeugt, dass im Journalis- feres Verständnis über Bedeutung von Worten, deren deburg-Stendal. mus heute umfassend ausgebildet wird. Das hat den Anteil am Denken sowie deren Genese, die durch Wis- Vorteil, dass man als Berufseinsteiger nach dem Studi- sen und Erfahrung beeinflusst werden, zu erlangen. Der Beitrag um als Moderator, Redakteur, Cutter oder auch hinter Aber Sprachphilosophie als Rüstzeug für das Wort- entstand mit der Kamera zum Einsatz kommen kann. Natürlich handwerk sucht man in der journalistischen Ausbil- Unterstützung spielen die eigenen Interessen und Ziele eine große dung vergebens. Wir nutzen alle täglich Worte, die ei- von Thomas Rolle für die späteren beruflichen Ambitionen. Wer tie- ne Sache oder ein Geschehen in unserem Verständ- Wischnewski. fer in die Materie einsteigen will, sollte überlegen, nis benennen sollen. Doch können wir auch reflektie- nach dem Bachelorabschluss noch einen Masterstudi- ren, wie uns diese Begriffe aus welchem kulturhistori- engang anzuschließen. Eine andere Option wäre ein schen Zusammenhang vermittelt wurden und wie sie Volontariat, um in der Praxis Erfahrungen zu sammeln. sich während unseres eigenen Lebensweges verwan- delt haben, sozusagen mit Erfahrung und Wissen an- Worum sollte es Journalisten gehen? Vor allem doch gereichert wurde. Das einfachste Beispiel, um sich um einen Spiegel der Wirklichkeit. Aber wie steht es diesen Entwicklungsprozess von Sprachcodes vorzu- um die Frage, ob man als Journalist seine Leser, Zu- stellen, ist die Verwendung des Wortes „ich“. Erstmals schauer, Hörer kennen sollte? Kann man lernen, ein spricht man es als Mensch – vermittelt durch die El- Geschehen vollständig verständlich zu erzählen? Wir tern – zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr lernen innerhalb des Journalismusstudiums notwendi- aus. Aber ein 83-Jähriger verwendet dieselbe Vokabel. ge Technik kennen, haben Kurse zu Videokameras, Derselbe Code für die Selbstbezeichnung enthält Fotoapparaten, Aufnahmegeräten und Schnittpro- über 2,5 Milliarden Sekunden unterschiedlichster Au- grammen. Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere genblicke. Und letztlich wird jedes Wort genau von die- im Englischen, werden ausgebaut. Wir erfahren etwas sen zahlreichen persönlichen Erfahrungen geprägt bzw. über Ethik, den Pressekodex und die Filmgeschichte. entwickelt sich daraus eine mehrdimensionale Bedeu- Medienrecht, Mediengeschichte und Medienfor- tung. Von „Framing“ ist heute oft die Rede, wie Begriffe schung gehören zu den Inhalten meines Studiums. mit Bedeutung verkettet werden. Darüber weiß man et- Ein Auslandssemester habe ich bereits absolviert. Ver- was als Journalist. Doch das ist nur ein Aspekt. Dass schiedene Produktionen muss jeder Studierende vor- sich der eigene Bewertungsmaßstab verändert, dass legen und dafür in TV-, Hörfunk- oder Online-Redak- man den eines anderen verstehen muss und wie man tionen arbeiten. diesen Phänomenen auf die Spur kommt bzw. wie man damit umgehen kann – das halte ich für ausge- Die Lehrstoffangebote sind sicher sehr wichtige theo- sprochen wichtig. Unser Journalismusstudium sagt da- retische und praktische Kenntnisse. Aber was erfährt zu nichts. Vielleicht erscheint die Sprache in Medien ein Journalist über das Funktionieren der Welt? Um deshalb oft missverständlich oder irritierend, weil das Politik, Recht, Wirtschaft, Kultur und Soziales zu verste- Wissen über das eigene Handwerkszeug diesbezüglich hen, ist es dafür nicht nötig, philosophisches rechtli- nicht ausreichend vermittelt wurde. Media 2020 9
Gebüren zahlen oder warten auf Godot D er Morgen beginnt mit einer Tasse Kaffee und Hinzu kommt die ständige Kritik an der Finanzierung akustischen Signalen aus dem Radio. Ohne des Modells. Aus einem vielfältigen Vollprogramm Werbung, ohne Palaver, ohne eintönige einen Dudel-Sender zu machen, auch wenn dieser Musik, die alle zwei, drei Stunden wiederholt wird. klassische Musik spielt, ist jedoch der falsche Schritt. Stattdessen gibt es interessante Features, kurzweilige Die Reichweite wird auf diese Weise sicher nicht er- Reportagen, Vorstellung von Musikalben und Büchern, höht. Und das Geld für aufwändige Produktionen, die Nachrichten und natürlich Musik, die von Klassik bis dadurch entfallen, ließe sich an anderer Stelle einspa- Folk, von Jazz bis Country, von Indie bis Pop reicht. ren. Kurzum: der Morgen beginnt mit MDR Kultur, einem Tina Heinz durchaus ästhetischen Vollprogramm aus Musik, Kunst, Beispielsweise bei den Gehältern, wie die Kommission Journalistin, seit Literatur, Neuigkeiten und Kritik. Nun erreicht man zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstal- 2014 festes Mit- damit nicht alle Hörer der Region, denn Geschmäcker ten (Kef) laut eines Berichts der Fachzeitschrift „Me- glied der Redak- sind bekanntlich verschieden. Aber MDR Kultur erfüllt dienkorrespondenz“ empfiehlt. Dem Kef-Gutachten tion von KOMPAKT damit – mehr als andere Programme – die Aufgaben, zufolge seien die Vergütungsniveaus der neun ARD- ZEITUNG. die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im sogenann- Landesrundfunkanstalten, des ZDF sowie des Deutsch- ten Rundfunkstaatsvertrag auferlegt wurden: zu infor- landradios überproportional gut. Von den insgesamt elf mieren, zu bilden, zu beraten und zu unterhalten. Anstalten liegen laut „Medienkorrespondenz“ die Ge- hälter bei fünf Sendern oberhalb des Durchschnitts: Was MDR Kultur für den mitteldeutsche Raum ist, ist beim Bayerischen Rundfunk (BR), beim Hessischen hr2-Kultur für Hessen. Da nach Meinung der Intendanz Rundfunk (HR), beim Saarländischen Rundfunk (SR) und der leitenden Gremien in Frankfurt am Main Kul- und beim ZDF. Beim Westdeutschen Rundfunk turradio jedoch ein Nischenprogramm ist, wird seit (WDR), heißt es in dem Gutachten, wurde „ein deut- einer Weile darüber diskutiert, ab 1. April 2020 den lich erhöhtes Gesamtvergütungsniveau“ ausgemacht. Sender in eine reine Hörfunkwelle für klassische Musik Neben dem internen Vergleich zwischen den einzel- umzuwandeln. Die Kulturberichterstattung aus der Re- nen Rundfunkanstalten wurden auch die Vergütungs- gion und die kritische Einordnung bestimmter Ge- leistungen mit drei externen Bereichen – allgemeine schehnisse und Entwicklungen soll auf die Wirtschaft, kommerzielle Medien und öffentliche Ver- Internetplattform und zum Nachrichtenkanal hr-Info waltung – verglichen. Hier kommt das Gutachten zu verbannt werden. Statt zu bündeln, wird weit gestreut. dem Schluss, dass die Gehälter der Rundfunkanstalten Begründet wird die Maßnahme damit, dass immer we- höher ausfallen als bei der öffentlichen Verwaltung, niger (junge) Menschen den Hörfunk gezielt einschal- weshalb die Kef laut Bericht der „Medienkorrespon- ten, um eine bestimmte Sendung oder ein denz“ plant, den Personalaufwand der Sender in der bestimmtes Format zu hören. Also soll der Sender kommenden Vierjahresperiode, die am 1. Januar 2021 ohne große Anstrengungen „durchhörbar“ sein. Wer beginnt, um insgesamt 60,3 Millionen Euro zu kürzen. Informationen oder Meinungen sucht, muss anderswo Das spart nicht nur Bares. Damit stünden die Öffent- lesen oder hören. Ein Programm mit Ecken und Kan- lich-Rechtlichen auch nicht unter dem Druck, sich ten, dessen Beiträge zum Nachdenken anregen und rechtfertigen zu müssen, weshalb ihr Besoldungsni- den Blick über den Tellerrand ermöglichen, wird so zur veau deutlich höher als der des „restlichen“ öffentli- reinen Abspielstation. chen Dienstes ist und ihr Spitzenpersonal mehr verdient als Spitzen-Staatsdiener bei Behörden, bei der Sicherlich stehen die Öffentlich-Rechtlichen aufgrund Bundeswehr oder am Gericht. der Potentiale, die sich aus digitalen Technologien er- Ob der Plan der Kef umgesetzt wird, muss sich noch geben, und den damit einhergehenden sich verän- zeigen. Zunächst wird der endgültige 22. Bericht der dernden Hör- und Sehgewohnheiten unter Zugzwang. Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Media 2020 10
Rundfunkanstalten im Februar 2020 veröffentlicht. auch zur Grundversorgung. Denn kaum war die Kef- Das Hauptstadt- Darin wird auch der Vorschlag der Kef stehen, den Prognose, den Beitrag auf „nur“ 18,36 Euro pro studio der ARD Rundfunkbeitrag um 86 Cent zu erhöhen – von derzeit Monat zu erhöhen, und das Jammern der Rundfunk- in Berlin. 17,50 Euro pro Monat auf 18,36 Euro. Die Öffentlich- Chefs über die zu geringen Finanzmittel in der Öf- Foto: 123rf Rechtlichen hatten bereits verlauten lassen, dass ihnen fentlichkeit verhallt, da platzte das ZDF mit einem das zu wenig sei, da sie für die nächste Vierjahresperi- Mega-Deal heraus: Die Champions League wird künf- ode einen zusätzlichen Finanzbedarf von drei Milliar- tig vom Streamingdienst Dazn, von Amazon und – den Euro benötigten. Der Rundfunkbeitrag müsste Trommelwirbel – vom Zweiten Deutschen Fernsehen dazu sogar auf 19,20 Euro pro Monat steigen. Zieht übertragen. Das ZDF ist offensichtlich nicht so knapp man jedoch die 60,3 Millionen Euro ab, die bei den bei Kasse wie der Abosender Sky, der bislang die Über- Gehältern gespart werden können, sieht die Welt doch tragungsrechte für die Champions League inne hatte gleich viel besser aus. Wenn sich die anderen Landes- und ab der Saison 2021/22 zumindest in Bezug auf rundfunkanstalten zudem ein Beispiel am Hessischen die Königsklasse des Fußballs abgemeldet ist. Rundfunk nähmen und gehaltvolle Kulturprogramme zugunsten „durchhörbarer“ Sender einstampften, dann Ob die große Summen verschlingende Übertragung wäre der Finanzbedarf bestimmt nicht mehr so irratio- gewisser sportlicher Ereignisse nun im Sinne des Rund- nal hoch. Vielleicht spränge dabei sogar eine Beitrags- funkstaatsvertrags ist, darüber lässt sich natürlich strei- senkung raus … ten. Unumstritten ist allerdings, dass eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks längst überfällig ist. In Generell stellt sich die Frage, warum der finanzielle Be- einer sich schnell verändernden Medienlandschaft he- darf der Rundfunkanstalten so hoch ist. Brauchen sie cheln die Rundfunkanstalten hinterher, sind wenig ef- mehr Geld, um auf noch mehr Sendern noch mehr fizient und sparen hin und wieder an der falschen Talkshows mit denselben Gästen und denselben The- Stelle – siehe Kultursender hr2. Dass diese notwendige men auszustrahlen? Oder müssen weitere Krimis pro- Reform auf sich warten lässt, liegt u.a. an der Struktur duziert werden, weil es nicht reicht, skandinavische und Größe des Apparats und an den unterschiedlichen oder englische Krimis zu adaptieren und mehrere Wie- Vorstellungen der einzelnen Bundesländer. Wenn die derholungen (u.a. Tatort) vom Vortag, aus der Vorwo- potenziellen Zuschauer und Zuhörer auf die Reform che und aus früheren Jahren zu zeigen? Vielleicht liegt länger warten müssen als auf Godot, müssen sich die es aber auch an den Übertragungsrechten für be- Medienmacher nicht wundern, dass das öffentlich- stimmte Sportveranstaltungen. Das gehört schließlich rechtliche Pay-TV den Bus in die Zukunft verpasst. Media 2020 11
Wandel mit Verlust M edien verbreiten viel darüber, was so in der kann eine vergleichbare regionale und lokale Kraft auf- Welt geschieht, sprechen aber selten über bringen – hat sich der Verlag selbst beraubt. Eine In- sich selbst. Das soll gar nicht als Generalkritik vestition in Inhalte hätte die Verluste sicher nicht anklingen, denn schließlich besteht das Kerngeschäft komplett aufgehalten, aber wahrscheinlich zumindest von Sendeanstalten und Verlagen in der Verbreitung abgefedert. Anfang der 1990er Jahre existierte noch von Nachrichten, Reportagen und Kommentaren und eine eigenständige Hauptstadtredaktion und zwei nicht in der von Selbstbeweihräucherung. Obwohl es Chefreporter. Es gab selbstständige Ressorts für Land- das manchmal auch in grenzwertiger Form gibt. Aber wirtschaft, Kultur und Bildung sowie eine Trennung Thomas weil man über die Entwicklung unserer Tageszeitung zwischen Innen- und Außenpolitik. Redakteure der Ta- Wischnewski in der Region kaum etwas erfährt, soll an dieser Stelle geszeitung hatten damals noch ausreichend Zeit, um eine kleine Darstellung über die Situation des markt- Hintergründe und ausführliche Reportagen zu recher- beherrschenden Verlages im Norden Sachsen-Anhalts chieren. gegeben werden. Schließlich verfügt die „Volksstimme“ in ihrem Gebiet zwischen Salzwedel und Harz mit Der Konzentrationsprozess der Redaktion in Groß- einer täglich verbreiteten Auflage von 152.393 raumbüros setzte Mitte der 1990er Jahre ein. Als die (Quelle: IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststel- redaktionellen Mitarbeiter der Volksstimme 1998 das lung der Verbreitung von Werbeträgern e.V., 3. Quartal Druckzentrum in Barleben bezogen, war ihre Anzahl 2019) das nachrichtliche und Meinungs-Monopol für schon reduziert. Schreibbüro und Redaktionssekretä- Zeitungen und Zeitschriften. rinnen waren abgebaut, die Digitalisierung machte Fo- tolaboranten überflüssig, was die gesamte Branche Als der Hamburger Bauer Verlag das Blatt 1991 von betraf. Einst angestellte Fotografen wurden in die Frei- der Treuhand übernommen hatte, lag die Auflage beruflichkeit entlassen. Eine Alternative für die Betrof- noch bei 375.000 Exemplaren. Seither geht es mit der fenen gab es nicht, wollte man die berufliche Existenz Auflage kontinuierlich abwärts. 1998 waren es noch nicht in Gefahr bringen. In den Großraumbüros wurde 286.700 (Angaben jeweils 3. Quartal) verbreitete Zei- zunächst die Arbeit in den Fachredaktionen von zwei, tungen, 2005 nur noch 228.846. 2015 liegt die Auf- später nur noch durch einen Redakteur bzw. Redak- lage noch bei 176.006, um nun die Marke von teurin erledigt. Im Ressort Wirtschaft arbeiteten zu die- 150.000 zu unterschreiten. In der Auflage sind neben ser Zeit noch zwei Journalisten, wovon einer jedoch 140.457 Abos bereits die für e-Paper-Ausgaben den Bereich Landwirtschaft abdecken musste. Das (3.172 – 3/2019) enthalten. Allein in der Landes- einstige eigenständige Bildungsressort war da schon hauptstadt verbreitete die Volksstimme 1998 noch längst verschwunden. Dies korreliert offenbar mit der 70.746 Zeitungen. Die Anzahl hat sich bis Ende 2019 Entwicklung der Bildungslandschaft im gesamten auf 35.611 halbiert (inkl. 1.041 e-Paper-Abos). In den Land. Angaben, die an die IVW gemeldet werden, sind stets auch die kostenlosen Werbe-Abos enthalten, die re- Manchem Fachjournalisten wurde immer weniger Platz gelmäßig von Promotionteams angeboten werden. für eigene Beiträge eingeräumt. Überhaupt änderte Die elektronischen Volksstimme-Ausgaben, die es seit sich das Berufsbild des Redakteurs grundlegend. zehn Jahren gibt, fangen in keiner Weise den Reich- Neben der Textarbeit, kam die Übernahme der Layout- weitenrückgang auf. erstellung und Fotografie hinzu. Ab 2000 wurden Kreisredaktionen sukzessive zusammengelegt und die Obwohl eine wesentliche Ursache des Auflagen- Anzahl der Mitarbeiter regelmäßig reduziert. An vielen schwunds die kostenlosen Inhaltsangebote im Internet Stellen schieden erfahrene Köpfe aus, deren reichhal- und das damit veränderte Lese- und Nutzungsverhal- tiges Detailwissen um Menschen, Entwicklungen und ten von Medien ist, können sicher auch hausgemachte historische Zusammenhänge in der Region von heute Gründe angeführt werden. Vor allem die journalisti- auf morgen aufgegeben wurde. Der Wert von Medien schen Kernkompetenzen wurden mit dem Schrump- erklärt sich einerseits durch die Köpfe der Macher, aber fungsprozess nach und nach zurückgefahren. Der genauso aus dem Geist der Rezipienten. Bekommen eigentlichen Stärke – denn keine andere Redaktion letztere keine hochwertigen, differenzierten und exklu- Media 2020 12
siven Informationen mehr geboten, wenden sie sich Seither suchen die Verlage Lösungen in Konzentratio- Das Bild zeigt folgerichtig ab. Das hat zunächst noch gar nichts mit nen und Zusammenlegung einzelner Titel. Vor einem den Rotations- politischen Tendenzen in der Gesellschaft zu tun. Jahr wurde bekannt, dass der Kölner Dumont-Verlag druck in der Fa- Denn 2015, dem Jahr, das man als Spaltungsaus- seine Regionalzeitungen verkaufen will. Ins Portfolio berschen gangspunkt betrachten kann, war der Zeitungstrend des Verlages gehört die „Mitteldeutsche Zeitung“, die Buchdruckerei nicht mehr umkehrbar und die Selbstzerstörung der in Sachsen-Anhalt Zeitungen für den Süden des Lan- um 1920. Kernkompetenz regionaler Tageszeitungen längst mit des herausgibt. Mittlerweile übernahm das Hamburger Foto: Stadtarchiv dem eines fortgeschrittenen Krebsstadiums vergleich- Verlagsstammhaus der „Volksstimme“ den Hallenser bar. Titel. Während so eine Fusion sicher wirtschaftlich ge- boten ist und zunächst vor allem in der Verwaltung Heute beschäftigt die „Volksstimme“ keinen eigenstän- und Organisation zu Arbeitsplatzverlusten führt, wird digen Wirtschaftsredakteur mehr. Der weite Bereich sie nach und nach ebenso mit einem Rückbau redak- der Kultur muss von einer Mitarbeiterin geleistet wer- tioneller Ressourcen einhergehen. den. Überhaupt gibt es nur zwei Ressorts: Sport und Lokales. Oberbürgermeister Lutz Trümper beklagte ein- Beklagenswert ist vor allem die schwindende Leucht- mal, dass er sich die Namen der laufend wechselnden turmfunktion für hochwertige Inhalte. Es ist ein Mangel Praktikanten, die von ihm Stellungnahmen einfordern, an Feuilleton, Essays, Debatten und ausführliche Re- nicht mehr merken kann. Wer als Journalist die Chance portagen, die das soziale, kulturelle und politische hat, in eine Pressestelle von Behörden, Firmen oder Leben bereichern können, zu verzeichnen. Das Feld Institutionen zu wechseln, verlässt die Tageszeitungs- gesellschaftlicher Debatten wird den Schlagwort- redaktion schleunigst. Mittlerweile arbeiten zahlreiche Disputen in den Sozialen Medien überlassen. Bewegt- ehemalige „Volksstimme“-Redakteure an der PR-Front. bildbeiträge der Fernsehanstalten können die Tiefe ausführlicher schriftlicher Texte nicht ersetzen. Insofern Nun ist das Schicksal der „Volksstimme“ keine außer- ist der Verlust von differenzierten und fundierten gewöhnliche Entwicklung. Prinzipiell ist die komplette Artikeln und Interviews gleichsam eine Aufgabe von Branche betroffen. Allerdings muss man wohl festhal- Diskursverantwortung. Der ohnehin disruptive Zustand ten, dass aufgrund der Einschnitte in die inhaltliche Ar- der Gesellschaft wird sich dadurch wahrscheinlich beit der Trend von viel Eigendynamik befeuert wird. weiter verschäfen. Media 2020 13
Eine wohlfeile Ware D a, wo ansonsten konsumsüchtige Zeitgenossen unermesslichen Finanzpolstern gestützt werden, machen kräftig in digitalen Warenlagern wühlen, da wird beim Angriff auf die Fußballrechte nicht einmal ein Hehl künftig auch der gemeine Sportsfreund fündig. aus ihren Motiven. Sie wissen: Es gibt kaum noch große Bei Amazon nämlich. Der US-amerikanische Versand- Live-Ereignisse, die sehr viele Menschen interessieren Riese führt demnächst die Ware Fußball in seinem An- und für gute Einschaltquoten oder für den Abschluss gebot. Und zwar nicht nur als schnöde Spielkonsole langjähriger Abonnementverträge sorgen – die europäische oder in Form von Devotionalien und Socker-Kleidung. Königsklasse, in der die besten Mannschaften der je- Das ist, selbst wenn damit immer noch gehörig Umsatz weiligen nationalen Ligen spielen, gehört dazu. Ama- generiert wird, die Vergangenheit. Vergiss es. zon-Deutschland-Chef Ralf Kleber sagte kurz vor Jahres- Nein, Amazon 3.0, das sind sozusagen die Leibesübungen wechsel in München: Dank der Daten über Buch-, Er- in ihrer Urform. Es geht, wie es sich für den führenden von nährungs- und Kleidungsverkäufe wisse man, dass Sport Verschick-Dienst des Globus gehört, nicht um irgendeinen Dr. Rudi Bartlitz ein wichtiges Thema sei. „In das Sport-Highlight Fußball Sport, sondern die weltweite Nummer eins, den Fußball. haben wir uns mit dem Audiostream reingewagt, und Als leibhaftiges Rasenspektakel, live, aus einem richtigen Der Sportjourna- nun wollen wir Stück für Stück herausfinden, was unse- Stadion, von einem richtigen Wettbewerb, mit richtigen list ist seit 2014 re Kunden wünschen.“ Profis. Von der Saison 2021/2022 an wird Amazon, so- festes Mitglied Kleber weiter: Was Amazon allen anderen Sportrechte- zusagen als Starterpaket, nämlich sechzehn Champi- der Redaktion nutzern voraushabe, sei die Unabhängigkeit vom direk- ons-League-Spiele zeigen. Jeweils am Dienstag. Bis von KOMPAKT ten Ertrag: „Wir müssen nicht mit dem Champions-Le- zum Finale. Unglaubliche 90 Millionen Euro werden die ZEITUNG. ague-Angebot selbst unser Geld verdienen, wir können Amerikaner dafür wohl hinblättern. Seine regionale es auch mit Popcorn, Bier oder wenn einer danach Es ist erst der Anfang der schlechten Nachrichten für Kompetenz ist bei (nach der Fußball-Übertragung, d. Red.) Schuhe kauft. Zuschauer des traditionellen Fernsehens. Denn alle an- Sportlern und Wir müssen nicht unser ganzes Gewicht auf dieses As- deren Partien, inklusive des Endspiels, laufen bei DAZN, Funktionären set legen. Die Champions League gibt uns mehr Enga- einem weiteren Bezahl-Strang. Amazon darf sich zudem gleichsam ge- gement und mehr Manövrierfläche auf anderen Fel- aussuchen, welches Dienstags-Spiel es überträgt. Man schätz wie bei dern.“ Genau um diese „Manövrierfläche“ – vulgo: kann darauf wetten, dass es hierzulande Begegnungen den Lesern. Ertrag – geht es. Sport als Lockmittel. mit deutscher Beteiligung ganz hoch im Kurs stehen Unübersehbar sollte bei alldem sein, der Sport und werden. Das ZDF hat sich vorerst noch eine Position als seine TV-Rechte sind kein Allgemeingut. Ein immaterielles Trittbrettfahrer gesichert, darf abendliche Zusammen- Weltkulturerbe, wie mancher Philanthrop meint, sind fassungen senden. Der Hammer aber: Der Bezahlsender sie schon gar nicht. Sie sind im Marxschen Sinne eine Sky, der die Champions League fast 20 Jahre gepachtet Ware, die wohlfeil auf dem Markt angeboten wird. Und zu haben schien, geht leer aus. die diejenigen, die sie offerieren – in diesem Falle die Sky konnte im Wettbieten um die immer teurer wer- Weltfachverbände oder deren kontinentale Ableger denden und ins Astronomische ausufernden Live-Rechte sowie das Internationale Olympische Komitee (IOC) – von Top-Sportveranstaltungen wie Olympische Spiele, versuchen, den höchsten Gewinn für sich herauszu- Fußball-Weltmeisterschaften oder eben die Champions schlagen. Wäre es anders, hätte der europäische Fuß- League einfach nicht mehr mithalten. Ende der Fah- ballverband (Uefa) die Rechte an der Champions nenstange. Der Sender, der einst in Deutschland mit League nicht vorrangig an Streamer vergeben. Diese besser dotierten Angeboten die Öffentlich-Rechtlichen Rechte für Deutschland allein bringen der Uefa derzeit (ARD, ZDF) aus dem Wettbewerb um Live-Übertragungen geschätzt bis zu 200 Millionen Euro im Jahr ein. Bran- der Champions League und der Bundesliga drängte, chenkreise sagen voraus, dass die Einnahmen ab bleibt selbst auf der Strecke. Die Partien der besten eu- 2021/22 auf sagenhaften 320 Millionen Euro pro ropäischen Klubs gehörten bislang stets zum Markenkern Saison steigen. des Pay-TV-Anbieters. In diesem Jahr werden zudem Während die Diskussion um die Attacken der Strea- die Bundesliga-Rechte für die Zeit ab 2021 neu vergeben. ming-Dienste auf die Sportrechte noch voll im Gange Hier steht Sky nun zusätzlich unter Druck. Die Streamer ist, zeichnet sich ein weiteres Menetekel an der Wand lauern schon. ab. Wann, fragen Kenner der Szenerie besorgt, wird der Diese Dienste, die von milliardenschweren US-Unter- erste große Sponsor seine Arme nach der Übertragung nehmen (wie eben Amazon) mit für hiesige Verhältnisse von Sport-Highlights ausstrecken. Olympia dann im Media 2020 14
Coca-Cola-TV? Die Fußball-WM im Nike Chanel oder bei Adidas-Te- in US-Friedenskorps diente und dann Mathelehrer wurde. Zumindest levision? Oder zeigt Red Bull mit seinem unternehmenseigenen eines ist sicher: Sein Erfolg setzt die alteingesessenen TV-Sender „Servus TV“ irgendwann exklusiv die Bundesliga? So abwegig, wie unter Zugzwang. Nach eigenen Angaben nutzen derzeit 83 Millionen es im Augenblick noch scheinen mag, ist das nicht. Wir erinnern Abonnenten Hastings Streaming-Dienst – die meisten davon uns an 2017. Bei der Handball-WM 2017 drohte in Deutschland kommen aus der heiß begehrten Zielgruppe der 14- bis 29- der „schwarze Kanal“ fröhliche Urständ zu feiern – weil der Jährigen. Das Erfolgsrezept: Netflix präsentiert seinen Nutzern ein Weltverband sich nicht mit den deutschen Sendern einigen konnte. vermeintlich besseres Fernsehen mit Inhalten jenseits einer linearen Was passierte? Mit der DKB-Bank offerierte erstmals ein Sponsor Programmstruktur. Alles ist überall und jederzeit verfügbar. das Weltchampionat. Ein Präzedenzfall. Die Tochter der Bayerischen Wenn über Generationen hinweg der Vorteil von Fernsehen auf Landesbank „rettete“ hierzulande die WM-Übertragung und landete Nachfrage und nicht nach vorgegebenen Sendezeiten sehr geschätzt einen dicken PR-Scoop. wird – was heißt das für ARD, ZDF, RTL, ProSieben und all die Seit einiger Zeit wird heftig darüber diskutiert, ob das, was sich anderen? Sind sie am Ende? Die Antwort darauf: ein entschiedenes gerade im Sport vollzieht, eine Art Blaupause für das gesamte Fern- Jein. Noch sprechen die großen Zahlen der Abonnenten und tradi- sehen darstellt. Unübersehbar ist, dass Streamingdienste wie Netflix, tionelle Sehgewohnheiten fürs althergebrachte TV. Doch die Front Amazon Prime Video, Maxdome und Co. immer beliebter werden. bröckelt. Das erkennen auch die Fernsehmacher und bauen ihre Wer sich einmal an diese kostenpflichtige Anbieter gewöhnt hat, Mediatheken, im Grundsinne fast vergleichbar mit Streaming- sagen Medienwissenschaftler, kehrt dem herkömmlichen Fernsehen Diensten, mit höherer Geschwindigkeit aus. Tempo ist geboten: Mit schnell den Rücken. Traditionelle TV-Sender müssen sich also Apple ist im vergangenen Jahr eine der reichsten Firmen der Welt Sorgen machen. Das bestätigt eine weltweite Umfrage der Unter- ins Videostreaming-Geschäft eingestiegen und wird viel Geld für nehmensberatung Simon-Kucher in elf Ländern. Der zufolge sinkt neue, exklusive Inhalte ausgeben. Fans von Filmen und Serien das Interesse am gewohnten TV-Angebot dramatisch. „Über zwei können sich freuen. Und möglicherweise auch die Sportfreunde. Drittel der Befragten haben durch die Bank weg gesagt, Streaming Trotzdem werden viele Menschen, so lautet eine weitere Prognose, ersetze für sie das traditionelle TV beziehungsweise das lineare am Ende mehr Geld für Videounterhaltung ausgeben als zuvor – Fernsehen“, sagte Lisa Jäger, Medienexpertin bei Simon-Kucher, einfach deshalb, weil sie mehrere Dienste abonnieren müssen, der Deutschen Welle. Vor allem jüngere Menschen seien dieser um all die schönen Angebote zu sehen. Einen monatlichen Preis Meinung, doch auch mehr und mehr ältere Fernsehzuschauer von circa zehn Euro empfinden viele Nutzer der Simon-Kucher- wechselten das Angebot. Umfrage zufolge als „fair“. Andere sagen, zehn Euro seien für be- Zwar räumt die Expertin ein, dass ihre Umfrage nicht repräsentativ stimmte Bevölkerungsschichten trotzdem eine Menge Geld. Dem sei, denn befragt wurden vor allem Streaming-affine Nutzer. Doch halten Befürworter entgegen: Das ist so viel wie einmal Kino. Aber es werde eindeutig ein Trend gegen das traditionelle TV sichtbar. dafür gebe es Zigtausende von Serien-Episoden und Filmen rund „Man braucht sich nur die steile Wachstumskurve der Streaming- um die Uhr. Wenn dann noch Disney und Warner ins Geschäft ein- Anbieter anschauen“, so Jäger. Immer mehr Menschen probieren steigen, wird die Entertainment-Landschaft noch größer – und Streaming aus und blieben dann dabei. „Wer es einmal genutzt weiter zerstückelt. „Game of Thrones“-Folgen sind dann vielleicht hat, erkennt einen deutlichen Mehrwert.“ Laut Simon-Kucher- nur noch bei Warner zu sehen, „Star Wars“ und „Marvel“-Superhelden Angaben nutzten im vergangenen Jahr 1,02 Milliarden Menschen nur bei Disney. Exklusive Angebote sind in diesem Geschäft über- weltweit TV-Streamingdienste. Bis 2023 soll dieser Wert auf 1,24 lebenswichtig. Wie eben, richtig, der Fußball. Milliarden steigen. Bei allen Vorteilen, Bequemlichkeiten und technologischen Verän- Bisher ist es doch so: Das lineare Fernsehen findet den Weg zu derungen, dem gesamten Streaming-Zauber haftet ein schwerwie- den Zuschauern vielfach noch klassisch über Satellit, Kabel oder gender Makel an: Die digitalen Kanäle bieten ein Feuerwerk purer DVB-T. Doch TV-Streaming boomt: Denn zahlreiche Sender lassen Unterhaltung. Sonst kaum etwas. Zu sehen sind ausschließlich, wie sich mittlerweile per Internet (IPTV) auf dem heimischen Fernseher es in der Wirtschaftssprache so schön heißt, „nutzeroptimierte oder auf mobilen Geräten wie Smartphone und Tablet empfangen. Inhalte“. Nachrichtensendungen, politische Magazine und Diskussionen Das Schauen von Sendungen in HD-Qualität ist auch via TV- sowie Dokumentationen haben dort keinen Platz, Tierfilme vielleicht Streaming möglich. Es ist vor allem eine Frage, die Befürworter des ausgenommen. Streaming-Anbieter müssen – im Vergleich zu den Traditionsfernsehens schwer beantworten können: Warum soll es öffentlich-rechtlichen Sendern – keine bildungspolitischen Vorgaben für Max Mustermann besser sein, sagen wir montags um 22.15 erfüllen und können sich daher voll und ganz auf opulente und Uhr, pünktlich vor dem Schirm zu sitzen, um eine neue Folge kostspielige Produktionen wie „House of Cards” (Netflix) oder seiner Lieblingsserie oder seines Lieblingsgenres (beispielsweise „Transparent” (Amazon) konzentrieren. Einer weiteren Entpolitisierung Krimi) zu sehen, wenn das zu jeder beliebigen Zeit in diversen der Gesellschaft öffnet sich so Tür und Tor. Ein verfassungsrechtlicher Sprachen mit diversen Untertiteln möglich ist und man das Ganze Auftrag, einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungs- je nach Lust und Laune unterbrechen und fortsetzen kann? bildung zu leisten, existiert für die Dienste eindeutig nicht. Der re- Es war ein gewisser Reed Hastings, der 2007 in den USA quasi nommierte britische Regisseur Peter Kosminsky („Warriors“) sieht den TV-Markt erschütterte, als er dem linearen Fernsehen mit es, wie er in einem „Zeit“-Interview sagte, so: „Wir erleben die Ame- seinem Streaming-Dienst Netflix den Kampf ansagte. „Lineares rikanisierung unserer Sendekultur, weil diese wahnsinnig reichen Fernsehen wird es bald nicht mehr geben, außer im Museum”, Unternehmen gerade die Macht an sich reißen. Ich halte das für lautet nur einer der viel zitierten Schlachtrufe des Mannes, der einst einen schrecklichen Fehler. Für mich ist das kultureller Imperialismus.“ Media 2020 15
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