Ernährung verändert. Alles - Stadt-Land.move
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Abschlußbericht
Ernährung verändert.
Alles.
Empfehlungen an die Landesregierung
zur Erarbeitung der Brandenburger
Ernährungsstrategie.
Erarbeitet von vielen engagierten Brandenburger Akteur*innen.
Zusammengetragen und aufbereitet durch den Ernährungsrat Brandenburg.Impressum Herausgeber Ernährungsrat Brandenburg www.ernaehrungsrat-brandenburg.de Text Rahel Volz Marc Schreiber Fachliche Redaktion Dr. Stephan Lehmann (STATTwerke e.V.) Johann Meierhöfer (Landwirtschaftsamt Teltow-Fläming) Dr. Henrike Rieken (Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde) Claudia Schiefelbein (AWO Landesverband Brandenburg e.V.) Martin Stock (Fleischer-Innung Brandenburg-Mitte) Simone Zeil (Moderation/beratende Prozessbegleitung) Layout FGS Kommunikation Fotografien Sandra Wildemann (S. 7, 12, 31 rechts, 32/33, 34/35, 41, 42) Ulrich Wessollek (S. 17, 31 links, 40) Veröffentlichungsdatum Dezember 2020 Gefördert durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz und das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klima (Konzessionsabgabe Lotto)
Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1 Problemrahmen und Lösungsansätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
1.1 Problemrahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
1.2 Die Erkenntnisse der Wissenschaft – das Ernährungssystem als Lösung globaler Probleme . . . . . . 10
1.3 Die Reaktion der Politik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
2 Projektergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.1 Wichtige Themenfelder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.2 Detaillierte Auswertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.3 Brandenburger Positionspapiere und ihre Verbindung zum Thema Ernährung . . . . . . . . . . . . . . . 26
2.4 Erfahrungen aus anderen Ernährungsstrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3 Konsequenzen für die Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
3.1 Empfehlungen der Mitwirkenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.2 Empfehlungen für das Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
4 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42Ernährung verändert. Alles.
3 | Konsequenzen
2 | Projektergebnisse
1 | Problemrahmen
„Gesund ist ein Lebensmittel nur dann,
wenn es auch für den Planeten,
für Wasser und Boden, Tiere und Pflanzen,
Umwelt und Klima gesund ist.“
Ursula Hudson
4 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
1 | Problemrahmen
Vorwort
Ernährung verändert alles. Zu hoch angesetzt? Im braucherschutz bezeichnet dies in seinem aktuel-
Gegenteil. len Gutachten als „faire Ernährungsumgebungen“.
2 | Projektergebnisse
Natürlich eint uns Ernährungsräte die Ein- Die Landesregierung hat sich laut Koalitions-
schätzung, dass die Art und Weise, wie wir unser vertrag (Zeilen 3684-87) dazu verpflichtet, in
Ernährungssystem gestalten, fundamental für Abstimmung mit dem Ernährungsrat Brandenburg
unsere Gesellschaft ist. Diese Sichtweise teilen eine Ernährungsstrategie für Brandenburg zu
3 | Konsequenzen
wir mit vielen engagierten Akteur*innen aus erarbeiten. In Vorbereitung auf den Strategie-
Brandenburg, aber auch mit vielen Wissen- prozess haben wir – der Ernährungsrat Branden-
schaftler*innen, Fachleuten und Praktiker*innen burg – im Rahmen verschiedener Projekte Infor-
weltweit sowie auf europäischer und nationaler mationen zu bestehenden Ernährungsstrategien
Ebene. zusammengetragen, ausgesuchte Akteur*innen
des Brandenburger Ernährungssystems interviewt
Ernährung und die ihr vor- und nachgelagerten sowie neun Werkstattgespräche zu unterschied-
Prozesse (von uns im Rahmen dieses Textes als lichen (Ernährungs-)Themen durchgeführt:
„Ernährungssystem“ bezeichnet) stellen einen Die Themenbereiche
großen Hebel dar, um in unterschiedlichsten Be-
reichen Veränderungen zu bewirken. Und da jeder
Mensch jeden Tag isst und trinkt, können wir alle
Ernährungsstil Erzeugung Zugang zu Land
Ernährungstrends
Verarbeitung Faire Löhne
Verbraucherschutz Logistik
etwas dazu beitragen. Lebensmittelsicherheit Verwertung Faire Preise
Zugang zu gesunden Lebensmitteln Gutes Essen für alle
Vermarktung
Wichtig in diesem Zusammenhang ist, und das Gesundheit Wertschöpfung(skreisläufe) Ernährungssouveränität
unterscheidet den Ernährungskontext von an-
deren und macht ihn so bedeutsam – Ernährung
ist spürbar. Während ich bei der Nutzung meiner regional Wertschätzung Agrarstruktur
Tierschutz
Schreibtischlampe keinen Unterschied „spüre“, gesund Ernährungskompetenz Preise
saisonal
Ausschreibungen Konsum
ob der Strom aus Solarzellen oder aus Kohle Qualitätskriterien
Lebensmittelverschwendung
Bildungslandschaften
Ländliche Entwicklung
regionale Absatzmöglichkeiten
gewonnen wurde, hat meine Ernährungsweise Außer-Haus-Verpflegung Bildung Landwirtschaft
einen direkten Einfluss auf mein Wohlbefinden.
Aufgrund der Faktoren, die die Produktion von
Lebensmitteln begleiten, hat jeder Bissen zusätz-
Ausbildung
lich Einfluss auf unsere Gesundheit, auf die bio- Attraktivität ländlicher Raum
Esskulturen Anbausysteme
Ressourcenverbrauch Weiterbildung
logische Vielfalt, auf unser Klima und nicht zuletzt Resilienz Fachkompetenz Arbeitsmarkt
Biodiversität
auf soziale und ökonomische Gerechtigkeit.
vielfältige Akteure ökologischer Fußabdruck attraktive Berufsbilder
Vielfalt Klima Lebensmittelhandwerk
Aber hier darf nicht Halt gemacht werden. Nicht
nur die individuellen Konsumgewohnheiten
müssen sich ändern, sondern auch die Rahmen- Die Werkstattgespräche fanden an neun ver-
bedingungen für Erzeugung, Verarbeitung, Logistik schiedenen Orten im Land Brandenburg statt. An
und Konsum. Der Wissenschaftliche Beirat für den Gesprächen nahmen je ca. 20 eingeladene
Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Ver- Akteur*innen aus ganz verschiedenen Bereichen
teil. Sie waren das Herzstück des Projekts und
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 5Ernährung verändert. Alles.
wurden flankiert durch Fragebögen für Teil- wahren, beständig zu erneuern und – wo nötig
3 | Konsequenzen
nehmende und Interessierte, die nicht an den – wiederherzustellen.“ (Zeilen 13 – 137)
Veranstaltungen teilnehmen konnten.
Eine Ernährungsstrategie, die den Anspruch
An der Vielfalt der Themen wird deutlich: Wenn verfolgt, alle mitzunehmen und Ergebnisse mit
2 | Projektergebnisse
wir das Ernährungssystem verändern wol- starkem commitment hervorbringt, ist die beste
len, brauchen wir ALLE – Landwirt*innen, Ver- Garantie einer erfolgreichen Umsetzung dieser
arbeiter*innen, Händler*innen, Verbraucher*innen, Leitlinie.
Behörden-Mitarbeiter*innen und darüber hinaus
viele Akteur*innen aus dem Bildungs-, Gesund-
heits- und zivilgesellschaftlichen Bereich. „Das Land gewährleistet eine
1 | Problemrahmen
Strukturförderung der Re-
Im Rahmen dieses Projekts haben wir genau
diese verschiedenen Gruppen miteinander ins Ge- gionen mit dem Ziel, in allen
spräch gebracht. So unterschiedlich die Interessen Landesteilen gleichwertige
sein mögen, letzten Endes stehen hinter jedem Lebens- und Arbeits-
landwirtschaftlichen Hof, jeder Agrargenossen-
schaft, jeder Bäckerei, jedem Catering-Unter- bedingungen zu schaffen
nehmen, jedem Ausbildungsbetrieb und jeder und zu erhalten.“
Initiative Menschen. Menschen mit vielfältigen
Erfahrungen, mit Hoffnungen und Befürchtungen Artikel 44, Landesverfassung Brandenburg
sowie mit vielen kreativen Ideen rund um unser
Ernährungssystem.
Sie eint die Sichtweise, dass sich Dinge verändern
müssen. Allen am Projekt Beteiligten (in der Folge
„Mitwirkende“ genannt) war klar, dass nur durch
Veränderungen auf unterschiedlichsten Ebenen,
im Großen wie im Kleinen, ein Ernährungssystem
entstehen kann, dass nachhaltig und zukunfts-
fähig ist. Ebenso war deutlich zu erkennen, dass
wir in Brandenburg viele Kompetenzen, Ideen
und Möglichkeiten haben, diese notwendigen
Veränderungen anzugehen. Am sinnvollsten geht
dies gemeinsam und in einem Rahmen, der ge-
prägt ist von gegenseitigem Respekt und einer
Begegnung auf Augenhöhe, der Raum bietet für
das Ausdiskutieren von Herausforderungen und
das Finden sinnvoller praxisnaher Antworten
darauf.
Die Landesregierung schreibt im Koalitionsvertrag:
„In diesem Sinne begreift es die Koalition als ihre
vordringliche Aufgabe, das auskömmliche ge-
sellschaftliche Miteinander in Brandenburg gemäß
dem Prinzip „Zusammenhalt in Vielfalt“ zu be-
6 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
1 P
roblemrahmen
1 | Problemrahmen
und Lösungs
2 | Projektergebnisse
ansätze
3 | Konsequenzen
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 7Ernährung verändert. Alles.
1.1 Problemrahmen
3 | Konsequenzen
Zur Dringlichkeit einer umfassenden Transformation unseres Ernährungssystems haben
sich zuletzt renommierte Wissenschaftsgremien wie der Wissenschaftliche Beirat für
Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (2020) oder die Euro
2 | Projektergebnisse
päischen Wissenschaftsakademien (SAPEA 2020) geäußert.
Im Brandenburger Ernährungssystem werden Die primäre Voraussetzung, Lebensmittel zu
viele der dort genannten Probleme sichtbar. Ei- erzeugen, ist der Zugang zu Land. In Branden-
1 | Problemrahmen
nige von ihnen sind globalen Ursprungs, andere burg hat in den letzten Jahrzehnten ein enormer
wiederum haben eher nationalen oder regiona- Ausverkauf von Land an nicht landwirtschaftliche
len Charakter. Je mehr wir uns der Praxis nähern, Investoren stattgefunden, der zu stark steigenden
desto komplexer werden die Zusammenhänge. Pacht- und Kaufpreisen für Boden geführt hat.
Dies erschwert den Zugang zu Eigentums- und
Für das Leben auf unserem Planeten sind die glo- Pachtflächen für lokal ansässige und Jung-Land-
balen Klima- und Umweltveränderungen die dring- wirt*innen.
lichsten Herausforderungen. In Brandenburg sind
diese deutlich spürbar. Die Trockenheit der ver- Niedrige Nahrungsmittelpreise in Kombination
gangenen Jahre, die Verschlechterung der Boden- mit hohen Umweltauflagen und einer Anhebung
qualität und die Abnahme der biologischen Vielfalt des Mindestlohns macht es Brandenburger Land-
bedrohen die landwirtschaftliche Produktion und wirt*innen immer schwerer, von ihren Erzeug-
damit unsere unmittelbare Nahrungsgrundlage. nissen zu leben. Dies ist ein Trend, der in allen
Ländern existiert, die durch gesetzliche Be-
Weltweit vergrößern sich gesundheitliche Pro stimmungen die Umwelt schützen und soziale
bleme, die mit Fehl- oder Mangelernährung Gerechtigkeit stärken. Diese grundsätzlich positi-
zusammenhängen. In den Ländern des Südens ven Entwicklungen müssen jedoch von allen – und
sind es vor allem Hunger und Unterernährung, die nicht nur von den Landwirt*innen – getragen
gesundheitliche Risiken mit sich bringen. In Län- werden.
dern mit höherem Einkommensniveau nehmen
Übergewicht, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabe- Wenig erfolgreiche Lösungen wurden bisher in
tes 2 und Gelenkerkrankungen zu und führen zu Brandenburg gefunden, um die Attraktivität
hohen Gesundheitskosten. des ländlichen Raums zu erhöhen und die Ab-
wanderung von jungen Erwachsenen in städtische
Lebensmittelverschwendung stellt ein weiteres Gebiete einzudämmen. Diese Situation verschärft
massives Problem dar. Nur 2/3 aller Erzeugnisse, den Mangel an Auszubildenden und Fachkräften
die auf den Äckern wachsen, landen letztend- in landwirtschaftlichen Unternehmen und im
lich auf dem Teller. Entlang der gesamten Wert- Lebensmittelhandwerk. Mit einer neuen Strategie
schöpfungskette vom Acker bis zum Teller werden der Wertschätzung von Lebensmitteln steigt auch
Lebensmittel verschwendet. Fast zwölf Millionen die gesellschaftliche Anerkennung von denjenigen,
Tonnen Lebensmittel landen allein in Deutschland die diese produzieren.
jedes Jahr im Müll. Ein Großteil davon wird von
Privathaushalten weggeworfen. Dabei ist dieser Eine spezielle Problemlage ergibt sich durch die
„Abfall“ zu großen Teilen „Wertstoff“, der es „wert“ Auswirkungen der Nachwendezeit und dem damit
ist, im Ernährungskreislauf zu verbleiben. einhergehenden Verlust lokaler Identitäten. Der
8 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
fast vollständige Abbau der Infrastruktur von Wert- dieser Perspektive die Beteiligung möglichst vieler
1 | Problemrahmen
schöpfungsketten in Brandenburg zugunsten einer Akteur*innen in den Strategieprozess wichtig.
Ausrichtung der Lebensmittelproduktion auf den
globalen Weltmarkt wird jetzt schmerzhaft deut- In den Werkstattgesprächen benutzten wir als
lich. Diese Strukturen fehlen, und regionale Wert- Raster die Einteilung in die vier Dimensionen
schöpfungsketten müssen teilweise komplett neu kulturell, sozial, ökonomisch und ökologisch, um
2 | Projektergebnisse
aufgebaut werden. Nicht wenige Landwirtschafts- jedes Themenfeld aus diesen vier Blickwinkeln
betriebe haben zudem in der Vergangenheit nega- zu betrachten. Dieses Konzept ermöglichte einen
tive Erfahrungen damit gesammelt und reagieren ganzheitlichen Blick auf Herausforderungen und
sehr reserviert auf die Bestrebung, neue Wert- verhinderte, dass bei der Lösungssuche Ungleich-
schöpfungsketten aufzubauen. gewichte zwischen den Dimensionen auftreten.
3 | Konsequenzen
Wenn es – wie die Projektergebnisse zeigen wer- Die folgende Darstellung zeigt exemplarisch eini-
den – stark um Werte, Einstellungen und letztlich ge der Probleme, die in den Werkstattgesprächen
Verhaltensweisen geht, sollten strukturelle und benannt wurden:
gesellschaftliche Diskriminierungserfahrungen
der ostdeutschen Bevölkerung berücksichtigt
werden, die auch 30 Jahre nach der Wende noch
vorhanden und wirksam sind. Daher ist auch aus
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 9Ernährung verändert. Alles.
1.2 Die Erkenntnisse der Wissenschaft – das Ernährungs
3 | Konsequenzen
system als Lösung globaler Probleme
Erkenntnisse aus der Wissenschaft bestätigen Wandel des globalen Ernährungssystems er-
2 | Projektergebnisse
schon seit geraumer Zeit, dass ein Umbau unse- arbeitet. Demnach zählen viele der heutigen
res Ernährungssystems dringend notwendig ist. Ernährungsweisen nicht nur zu den wichtigsten
Mittlerweile gibt es unzählige wissenschaftliche Krankheitsursachen, sie bedrohen gleichzeitig
Studien mit Bezug zum Ernährungssystem. Einige die Stabilität unseres Klimas. Die von den For-
wenige davon wollen wir an dieser Stelle exemp- scher*innen entwickelte planetary health diet soll
larisch herausgreifen. die Gesundheit der Menschen und des Planeten
1 | Problemrahmen
gleichermaßen schützen. Wesentliche Bausteine
Bereits 2008 war die eindeutige Botschaft des einer zukunftsfähigen Ernährung sind laut der
Weltagrarberichts, dass „ein weiter wie bisher Studie eine Verdopplung unseres Gemüseverzehrs,
keine Option“ sei: Die Zukunft unseres Planeten die Halbierung des Verzehrs von rotem Fleisch und
hänge von nichts so sehr ab wie von unserer Zucker sowie die Halbierung der Lebensmittelver-
landwirtschaftlichen Produktionsform und unserer schwendung.
Ernährungsweise. Bewusst wurden keine Patent-
rezepte geliefert, vielmehr wurde davor gewarnt, Im Sommer 2020 hat der Wissenschaftliche Beirat
an die eine Lösung zu glauben. Empfohlen wurde für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen
eine Vielfalt lokal angepasster Lösungen, u.a. Verbraucherschutz das bereits erwähnte Gut-
bäuerliche Strukturen, Agroforstsysteme und re- achten „Politik für eine nachhaltigere Ernährung“
generative Landwirtschaft. veröffentlicht. Insbesondere zielt es darauf ab,
dass die Ernährungsumgebung unser Konsum-
Im EAT Lancet Bericht von 2019 hat eine und Essverhalten entscheidend prägt. Die der-
37-köpfige Kommission renommierter Wissen- zeitige Ernährungsumgebung mache es – so die
schaftler*innen konkrete Maßnahmen für einen Wissenschaftler*innen – den Konsument*innen
schwer, sich nachhaltig zu ernähren. Ernährungs-
umgebungen reichen sehr weit und wirken
teilweise durch das, was wir tagtäglich bewusst
Weitere wissenschaftliche Studien in und unbewusst erfahren, sehen, riechen und
Verbindung zum Ernährungskontext: schmecken. Eine Veränderung der Ernährungs-
umgebungen umfasst u.a. das Angebot im
→ IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und Lebensmitteleinzelhandel, Werbung, Verpackung
Landsysteme (SRCCL) und das Angebot in Gastronomie und Gemein-
→ 2019 Studie zu Kosten- und Preisstruktu- schaftsverpflegung.
ren in der Schulverpflegung (KuPS)
→ 2020 UBA-Studie „Klimaneutrale Regio-
nen und Kommunen als Metastrategie
zur Förderung nachhaltiger Lebensstile:
Empirische Analyse und Entwicklung von
politischen Handlungsempfehlungen“
→ 2020 UBA-Studie: Regionale Ernährungs
systeme und nachhaltige Landnutzung im
Stadt-Land-Nexus
10 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
1.3 Die Reaktion der Politik
1 | Problemrahmen
Weitere Positionspapiere und Strategien in
Auf internationaler Ebene ist insbesondere die Verbindung zum Ernährungskontext:
Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zu
nennen, die im Januar 2016 von den Vereinten → 2012 „Empfehlung zur Gesundheits
Nationen verabschiedet wurde. Der ambitionier- förderung und Prävention in der Schule“
2 | Projektergebnisse
te Aktionsplan basiert auf 17 Nachhaltigkeits- (Kultusministerkonferenz)
zielen, welche die wichtigsten globalen Heraus- → 2014 „Nationaler Aktionsplan zur Prä-
forderungen der kommenden 15 Jahre bewältigen vention von Fehlernährung, Bewegungs-
sollen. Alle 17 Ziele weisen entweder einen mangel, Übergewicht und damit zusam-
direkten Bezug zur Ernährung selbst oder zum Er- menhängenden Krankheiten“ (Nationale
3 | Konsequenzen
nährungssystem auf. Im Umkehrschluss bedeutet Initiative für gesunde Ernährung und mehr
dies, dass mit einem nachhaltigen Ernährungs- Bewegung)
system viele globale Herausforderungen bewältigt → 2016 „Klimaschutzplan 2050“ (BMU)
werden können. → 2018 Nationaler Aktionsplan Gesundheits-
kompetenz
Auf europäischer Ebene ist mit der im Mai 2020 → 2018 „Bundesprogramm Ländliche
von der Europäischen Kommission veröffent- Entwicklung“ (BMEL)
lichten Strategie „From Farm to Fork“ ein erster → 2018 „Nationale Strategie für nachhaltige
Schritt getan, um den Übergang zu einem fairen, operationelle Programme der Erzeuger-
gesunden und umweltfreundlichen Lebensmittel- organisationen für Obst und Gemüse in
system in Europa voranzutreiben. Die Strategie Deutschland“ (BMEL)
beinhaltet Maßnahmen und Ziele für jedes Glied → 2019 „Unser Plan für Deutschland – Gleich-
der Wertschöpfungskette, von der Produktion über wertige Lebensverhältnisse überall“
den Handel bis zum Konsum, um das Ernährungs- (BMEL, BMI, BMFSFJ)
system in Europa nachhaltiger zu gestalten. → 2019 „Diskussionspapier Ackerbaustrate-
gie Deutschland 2035“ (BMEL)
Auch auf Bundesebene wurde mit dem im Som- → 2019 „Zukunftsstrategie Ökologischer
mer 2020 vom Staatssekretärsausschuss für Landbau“ (BMEL)
nachhaltige Entwicklung veröffentlichten Papier → 2019 „Nationales Programm für Nachhalti-
„Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung gen Konsum“ (BMU)
an Ernährungssysteme“ die Bedeutung regionaler → 2020 „Nationale Bioökonomiestrategie für
und nachhaltiger Ernährungssysteme anerkannt. eine nachhaltige, kreislauforientierte und
Der Ausschuss fordert u.a. die Erarbeitung eines starke Wirtschaft“ (BMBF)
Leitbilds für ein nachhaltiges Ernährungssystem. → 2020 „Waldstrategie 2020“ (BMEL)
Auf kommunaler und vermehrt auch auf Landes-
ebene werden Ernährungsstrategien erarbeitet:
Anstatt vieler Einzelmaßnahmen nehmen immer
mehr Städte und Bundesländer die Ernährung
ihrer Bevölkerung in ihrer ganzen Komplexität
von der Erzeugung bis zum Konsum in den Blick.
Sie entwickeln Strategien, um regionale Wert-
schöpfungsketten und Konsummuster im Sinne
einer ressourcen- und klimaschonenden sowie
gesunderhaltenden Ernährung zu beeinflussen.
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 11Ernährung verändert. Alles.
2 P
rojekt
3 | Konsequenzen
ergebnisse
2 | Projektergebnisse
1 | Problemrahmen
12 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
In die Projektauswertung sind die Unterlagen aus neun Werkstattgesprächen mit 136
1 | Problemrahmen
Teilnehmenden, 22 Fragebögen und Gesprächsnotizen mit 21 Interviewpartner*innen
eingeflossen. Für die größtmögliche Transparenz haben wir auf der Homepage des Er
nährungsrats Brandenburg alle Materialien aufbereitet. Wir laden dazu ein, sich selbst
ein Bild zu machen und unsere Rückschlüsse mit den Daten abzugleichen.
2 | Projektergebnisse
2.1 Wichtige Themenfelder
3 | Konsequenzen
Sechs Themenfelder wurden von den Mitwirkenden als besonders wichtig erachtet. Diese kamen immer
wieder zur Sprache und sollten daher in der Strategieentwicklung besondere Beachtung finden.
2.1.1 Kulturelle Transformation einleiten!
Die Notwendigkeit einer „kulturellen Trans- → Aneignung problematischer und ungesunder
formation“ war bei allen Mitwirkenden präsent. Ernährungsgewohnheiten (u.a. kurze Essens-
Viele Anmerkungen, Hinweise und Hoffnungen zeiten, selten in Gemeinschaft, Convenience-
drehten sich um die Veränderung von Werten, Ein- Produkte, ToGo, „Filetgesellschaft“)
stellungen und von Verhaltensweisen als Kon- → fehlende Anerkennung von und Bewusstsein
sequenz daraus. Viele betonten, dass zahlreiche für Vielfalt als Wert (z.B. Sortenvielfalt, Vielfalt
Aspekte des Ernährungssystems negativ konno- auf dem Teller, vielfältige Handelsstrukturen)
tiert sind, sie keine Anziehungskraft besitzen und → fehlende Anerkennung vieler Aktivitäten
ihnen oft Gleichgültigkeit entgegengebracht wird. als Bildungswert und von Bildung als Wert
Diese sind u.a.: an sich und damit fehlende Wertschätzung
gesellschaftlicher Leistungen (z.B. Bildungs-
→ fehlende Wertschätzung gegenüber Lebens- arbeit von Landwirt*innen, alltagsintegrierte
mitteln und den Erzeugungs- und Ver- Ernährungsbildung in Kitas))
arbeitungsprozessen → eindimensionale Sichtweise auf Dinge (z.B.
→ fehlende Wertschätzung gegenüber Berufen fehlende Anerkennung größerer Betriebe als
der Wertschöpfungskette (u.a. Landwirt*in, soziale Anker im ländlichen Raum, Polarisie-
Lebensmittelhandwerker*in, Köchin/Koch, rung von BIO als grundsätzlich „gut“ und kon-
Küchenfachkraft) ventionell als grundsätzlich „schlecht“)
→ fehlende positive Vorbilder für die jeweiligen → fehlendes Bewusstsein in den Brandenburger
Berufsbilder bzw. deren Kommunikation an Verwaltungen für regionale Produkte und für
Jugendliche die Einbeziehung heimischer Akteur*innen in
→ fehlende lokale/regionale Identitäten und öffentliche Vergabeprozesse
damit auch fehlendes Bewusstsein für regio-
nale Produkte
→ Verlust von Ernährungstraditionen (u.a. Wissen
über Lebensmittel und deren Zubereitung)
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 13Ernährung verändert. Alles.
2.1.2 Kommunikation verbessern!
3 | Konsequenzen
Die Mitwirkenden plädierten für eine „Kultur → Dialoge zu alternativen Landbewirtschaftungs-
der zielgerichteten Kommunikation“. Dabei geht und Betriebsmodellen
es ihnen um eine Kommunikation, die bislang → Dialog mit Eltern, Kindern und Jugendlichen zur
2 | Projektergebnisse
gar nicht oder nur selten erfolgte und in der der Verbesserung der KiTa- und Schulverpflegung
persönliche Kontakt im Vordergrund steht. Diese sowie Dialog in Krankenhäusern, Seniorenein-
würde gegenseitiges Verständnis ermöglichen, richtungen und öffentlichen Kantinen zwischen
u.a. durch einen vermehrten Austausch positiver Essensteilnehmenden und Essensanbietern
Erfahrungen und praktischer Anschauungen, und → Verbesserung des Dialogs zwischen ALLEN
sie würde Netzwerke schaffen, an der mehrere Landwirtschaftsverbänden und der Politik
1 | Problemrahmen
Akteur*innen beteiligt sind. Beispiele dafür sind → Verbesserung der Kommunikation mit Antrag-
u.a.: steller*innen im Rahmen bestehender Förder-
strukturen (bedarfsgerecht und kompetent)
→ Land-Stadt-Dialoge
→ Produzent*in-Konsument*in-Dialoge Als sinnvoll erachtet wurde das Mitdenken einer
→ Dialoge entlang der Wertschöpfungskette = Koordination der „Kommunikationskultur“, sinn-
Akteurs-übergreifend vollerweise in den Regionen selbst und eventuell
→ Dialog/Interaktionen zwischen kon- anknüpfend an bereits bestehende Netzwerke
ventionellen und Bio-Landwirt*innen und Kooperationen. Diese Strukturen sollten auch
regional übergreifend funktionieren.
2.1.3 Bildung stärken!
Ernährungsbildung kommt in allen Bildungs- → Schnittstellen schaffen zwischen Landwirt-
kontexten zu kurz oder ist überhaupt nicht vor- schaft bzw. Lebensmittelhandwerk und Ins-
handen, wird aber von den Mitwirkenden als titutionen der formalen, non-formalen und
wichtige zielgerichtete Methode für eine kulturel- informellen Bildung
le Transformation angesehen. Beispiele dafür sind → Verbesserung der niedrigschwelligen Ver-
u.a.: braucher*innenbildung
→ verstärkte Ernährungsbildung für Familien,
→ „Food Literacy“ umfassend als Schlüssel- Eltern, werdende Eltern und alleinerziehende
kompetenz etablieren Mütter und Väter
→ umfassende praktisch-erlebbare Ernährungs- → Weiterbildung für „Grüne Berufe/Ernährungs-
bildung in der Schule, stärkere Einbeziehung berufe“ und Nachhaltigkeitsaspekte in
außerschulischer Bildungsangebote bestehende Berufsbilder integrieren
→ alltagsintegrierte, entwicklungsgerechte → Wissenstransfer, Fortbildungen und Beratungen
Ernährungsbildung und Esskultur in den Kinder- für Landwirt*innen, Köchin/Koch, Caterer und
tagesbetreuungsangeboten stärken Lebensmittelhandwerker*innen fördern
→ Ernährungsbildung in die Ausbildung von Lehr- → Überarbeitung und Aktualisierung der Aus-
kräften, pädagogischen und medizinischen bildungslehrinhalte der Landwirt*innen und der
Fachkräften verpflichtend implementieren Lebensmittelhandwerker*innen; Lehrkräfte in
den Berufsschulen benötigen mehr Kenntnisse
der Berufspraxis
14 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
2.1.4 Rahmenbedingungen herstellen!
1 | Problemrahmen
Der Einfluss der Politik war für viele Mitwirkende → Vereinheitlichung verschiedener Hand-
einer der Schlüssel, um eine Ernährungswende habungen in den Landkreisen im Sinne des
erst möglich zu machen. Dabei wurden die Best-Practice-Ansatzes (u.a. Erlaubnis für
Möglichkeiten des Staates nicht als Allheilmittel Weideschlachtung)
2 | Projektergebnisse
angesehen, aber als gezielte Methode, um Ent- → Einfluss des Staates stärker nutzen (Regio-
wicklungen zu fördern bzw. um Entwicklungen Label, Ausschreibungen, Veranstaltungen,
nicht (weiter) zu behindern. Als wesentliche Clus- öffentliche Kantinen mit Vorbildfunktion)
ter lassen sich benennen:
Die sehr vorsichtige und möglichst risikoarme
3 | Konsequenzen
→ Gesetze (Hygienerichtlinien, Besteuerungs- Auslegung von Gesetzen und Verordnungen durch
konzepte, Arbeitsrechte) Verwaltungen auf Landes- und Kommunalebene
→ Finanzierungsmöglichkeiten (vereinfachen, wurde von Mitwirkenden als ein Hemmnis bei der
offene Fördertöpfe, Grundlagen für innovative Umsetzung innovativer Praxis angesehen. Hier
Modelle schaffen) wurde dafür plädiert, die rechtlichen Möglich-
→ Bodenfrage (u.a. Überarbeitung öffentlicher keiten im Sinne einer nachhaltigen Transformation
Vergabekriterien, Regelungen gegen des Ernährungssystems in Brandenburg voll-
Share Deals) umfänglich auszuschöpfen.
→ Diskussion zur Anhebung der Sozialsätze
2.1.5 Regionale Wertschöpfungsräume entwickeln!
Die Entwicklung regionaler Wertschöpfungsketten, → Vielfältige Handelswege für regionale Produkte
-kreisläufe, -räume1 für die unterschiedlichen müssen verstärkt und aufgebaut werden (u.a.
Produktgruppen wurde von den Mitwirkenden Lebensmitteleinzelhandel, Direktvermarktung,
immer wieder als Basis einer nachhaltigen Er- Erzeuger*innen-Verbraucher*innen-Genossen-
nährungswirtschaft genannt. Um solche Wert- schaften).
schöpfungsräume zu entwickeln, wurden folgende → Menschen müssen in allen Kettengliedern aus-
Prämissen formuliert: und weitergebildet werden.
→ Unternehmerisches Denken muss aktiv
→ Brandenburg und Berlin müssen als gefördert werden.
gemeinsamer Ernährungs-Raum gedacht → Regionale (Ernährungs-)Identitäten müssen
werden. verstärkt und ggf. neu ausgebildet werden.
→ Lücken in den Wertschöpfungsketten → Finanzierungsmöglichkeiten müssen den
(Erzeugung, Verarbeitung, Logistik, Handel) regionalen Prozessen angepasst werden.
müssen geschlossen werden.
→ Regionale Versorgung mit Gemüse, Hülsen- Mitwirkende haben dabei immer wieder be-
früchten, Molkereiprodukten und Fleisch und tont, dass der Staat für den Aufbau regionaler
deren Absatz muss sichergestellt werden. Wertschöpfungsräume ausreichend finanzielle
Ressourcen zur Verfügung stellen muss. Damit
1 Wir favorisieren den Begriff der „Wertschöpfungsräume“, wie er auch vom Bundesverband der Regionalbewegungen verwendet wird, da
dieser mehr Raum lässt für Akteur*innen außerhalb der ökonomischen Dimension, die wie Verwaltung, Bildungsakteur*innen und auch
zivilgesellschaftliche Initiativen indirekten Einfluss auf Wertschöpfungsprozesse haben.
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 15Ernährung verändert. Alles.
Wertschöpfung in der Region bleibt, müssen u.a. (auch monetärer) Mehrwert für die Menschen, die
3 | Konsequenzen
Strukturen aufgebaut, Ausbildungen verbessert Betriebe, die ländlichen Regionen und für das
und langfristig Projekte unterstützt werden. Ein Land Brandenburg würde dadurch entstehen.
2 | Projektergebnisse
2.1.6 Gemeinschaftsverpflegung verbessern!
Gemeinschaftsverpflegung wurde von den Mit- → Das Land Brandenburg steht zu seinen Land-
wirkenden sehr häufig als wichtiges Instrument wirt*innen und Verarbeiter*innen und geht
für eine Transformation des Ernährungssystems durch deren Einbeziehung mit gutem Beispiel
1 | Problemrahmen
genannt. Hier haben staatliche Institutionen voran.
die nötigen Einflussmöglichkeiten und die not- → Es entsteht eine Signalwirkung an das
wendige Breitenwirkung, um Ernährungsgewohn- Brandenburger Ernährungssystem hin zu einer
heiten zu verändern und neue Wertschöpfungs- nachhaltigen Transformation, die langfristig
räume zu entwickeln. Folgende Ziele könnten gewollt ist.
dadurch erreicht werden:
Das „kostenlose Mittagessen“ in KiTa und Schule
→ Anerkannte Gesundheitsgrundsätze werden wurde ebenfalls diskutiert. Es gab eine positive
verbindlich in den Kantinen/Küchen umgesetzt. Tendenz dafür, aber vereinzelt auch Gegenargu-
→ Ernährung und Bildung werden optimal mente. Alle waren sich einig darin, dass die Effek-
zusammen gedacht. te einer kostenlosen Mittagsverpflegung nur dann
→ Die in Kantinen/Küchen verarbeiteten Mengen optimal genutzt werden können, wenn sie von
und ggf. Abnahmegarantien sind Motor für die einer auf sie abgestimmten Ernährungsbildung
Entwicklung regionaler Wertschöpfung. begleitet wird.
2.1.7 Machen!!!
In den Werkstattgesprächen war immer wieder ein „mutiges“ Projekt wurde die 2018 vom Berliner
Ungeduld zu spüren, teilweise auch Unzufrieden- Ernährungsrat durchgeführte „Bio-Regio-Woche“
heit u.a. über das Tempo von Veränderung und genannt. Lücken in den Wertschöpfungsketten
die fehlende Einbindung in frühere Prozesse. Die konnten dadurch aufgezeigt werden, ins-
Mitwirkenden wollen bestehende Probleme prak- besondere bezüglich der regionalen Verfügbarkeit
tisch und ganz konkret angehen. Ganz nach dem bzw. fehlender Verarbeitungsmöglichkeiten.
Motto: Wie setzen wir es um? Wann geht es los?
Wo ist der beste Standort? Wer macht mit?
Die Leute stehen in den Startlöchern. Sie haben
Mut, Kreativität und Einfallsreichtum. Viele Mit-
wirkende sehen geradezu die Notwendigkeit,
Pilotprojekte durchzuführen, um – ähnlich wie
in der Wissenschaft, wo viele Experimente zur
Lösungsfindung durchgeführt werden – Erkennt-
nisse aus der Praxis zu erhalten. Als Beispiel für
16 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
1 | Problemrahmen
2 | Projektergebnisse
3 | Konsequenzen
2.2 Detaillierte Auswertung
Auf den folgenden Seiten sind detaillierte Ideen Ernährungsrates Brandenburg. Dort finden sich
und Lösungsvorschläge der Mitwirkenden dar- auch zahlreiche, von Mitwirkenden eingebrachte
gestellt. Das Thema „Vielfalt“ ist in dieser Auf- Praxisbeispiele. Diese zeigen, dass bereits an
zählung nicht vertreten, da die genannten Lösungs vielen Stellen in Deutschland bzw. Brandenburg
ansätze anderen Themengebieten zugeordnet neue Lösungen getestet oder bereits neue Wege
werden konnten. Die umfassende Darstellung gegangen werden.
aller Ergebnisse findet sich auf der H omepage des
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 17Ernährung verändert. Alles.
⇨ Ernährungsberatungen und -therapie als Pflichtleistung
3 | Konsequenzen
⇨ Vernetzung zwischen stationärer und ambulanter Ernährungstherapie
⇨ mtl. Gesundheitstag beim Arbeitgeber abrechenbar
⇨ Verbot von Lebensmitteln, z.B. Separatorenfleisch
⇨ Zucker- und/oder Fettsteuer
2 | Projektergebnisse
⇨ Abgabe für Softdrinks
⇨ Deklarieren von „ungesunden“ Produkten
⇨ Ausnahmen für kleine Betriebe (z.B. Nutriscore)
⇨ Mindestpreise, z.B. für Fleisch
RAHMENBEDINGUNGEN
1 | Problemrahmen
⇨ Förderung der Ernährungsbildung
im medizinischen Bereich
⇨ Begleitung von Personen mit Ernährungskrankheiten ⇨ Übungsleiter zu gesunder Ernährung weiterbilden
⇨ heimisches „Superfood“ fördern (z.B. Brennessel) AUS- UND WEITERBILDUNG
⇨ „Lobbying“ für regionales Superfood
FOOD LITERACY
⇨ Was essen die Brandenburger*innen?
⇨ Was ist gesund nach WHO?
⇨ Brandenburgische Verzehrstudie
Gesundheit WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
⇨ im rbb tägliche Sendung zu gesunder und regionaler Ernährung
⇨ alle Zielgruppen medial ansprechen
⇨ Influencer*innen für gesunde und regionale Ernährung
⇨ Werbung für Billigangebote verbieten ⇨ auf Festen/Märkten/Veranstaltungen regionales,
gesundes Essen anbieten
⇨ zielgruppengerichtete Wirkung für gesunde Lebensmittel
⇨ gemeinschaftliche Essenserlebnisse schaffen
⇨ Kampagne für regionales, frisches Essen
POSITIVE VORBILDER
⇨ „GesundheitsHomepageBrandenburg“ schaffen
⇨ gesund/klimafreundlich muss „in“ werden
⇨ zielgruppengerechte Vermittlung
⇨ „Botschafter*innen“ für regionales, gesundes Essen
ERNÄHRUNG IN DEN MEDIEN ⇨ Schulküchen/Schulgärten/Schulkantinen/Schulküchen
⇨ Abschaffung gesüßter Milch
⇨ regionales KiTa- und Schulessen anbieten
⇨ Kräuterspirale und Pflanzflächen an Grundschulen/Kitas
SCHULE/KITA
18 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
1 | Problemrahmen
⇨ mehr Unternehmer-Stammtische
⇨ niedrigschwellige Treffen potenzieller Kooperationspartner
⇨ Workshops an Schulen durch regionale Betriebe
2 | Projektergebnisse
⇨ Regionale Produkte in regionalen Supermärkten
⇨ Verfügbarkeit regionaler Produkte, z.B. in Dorfläden
⇨ Lager und Distribution nach Berlin und im ländlichen Raum
⇨ Foodhubs und regionale Logistiknetze aufbauen
⇨ mehr Sichtbarkeit regionaler Betriebe
3 | Konsequenzen
⇨ Erzeugergemeinschaften gründen
⇨ Nachbarschaften teilen genossenschaftlich Markthalle/Kiezküche
REGIONALE AKTIVITÄT
Wertschöpfungsräume
⇨ Definition von „regional“
⇨ Begrenzung für Transport von Lebendvieh
⇨ mehr Förderung angewandter Forschung
⇨ bessere Kennzeichnung
⇨ stärkere Vernetzung Forschung & Praxis
⇨ Lieferkettentransparenz
⇨ Forschung zur Re-Regionalisierung von Wertschöpfungsräumen
⇨ staatliches regionales Siegel
⇨ Mapping & Potenzialanalyse von Wertschöpfung
⇨ Aufbauhilfe für Wertschöpfungsverbünde
WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
⇨ CO2-Bilanz des Produkts als Vergabemaßstab
⇨ Akzeptanz alternativer Betriebskonzepte (z.B. Kooperativen)
⇨ LebensMittelPunkte fördern
⇨ Abnahme regionaler Produkte hat Vorrang vor Importen
RAHMENBEDINGUNGEN
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 19Ernährung verändert. Alles.
3 | Konsequenzen
2 | Projektergebnisse
⇨ nachhaltigere Landvergabe
⇨ Schlaggrößen (Felder) verringern
⇨ Naturschutzmaßnahmen in Pachtverträgen verankern
⇨ Flächen für Ernährungssicherung identifizieren/schützen
⇨ Pachtbedingungen gerechter gestalten
1 | Problemrahmen
⇨ Bindung der Vergabe an gemeinwohlorientierte Kriterien
⇨ „Land aktiv“ – Fördertöpfe nutzen
⇨ Mitbestimmung der Einwohner*innen bei der Vergabe
⇨ mobile Schlachthöfe fördern
⇨ Partizipation bei der Verwendung der Pachterträge
⇨ Regionale Gemüse-/Obstproduktion fördern
LANDNUTZUNG
⇨ Erzeugergenossenschaften fördern
→ vom globalen Süden lernen
FÖRDERUNG
Ernährungssouveränität
⇨ true-cost-accounting (Bsp. Penny Markt)
⇨ regionale Tarif-Verträge im Lebensmittelhandwerk ⇨ Ersetzen des Mindesthaltbarkeitsdatums
⇨ Festpreismodelle ⇨ Werbeverbot für billige Lebensmittel
zwischen Erzeuger*innen/Verarbeiter*innen ⇨ Obergrenze Tierhaltung
FAIRE LÖHNE/FAIRE PREISE ⇨ Förderung von Agroforstsystemen
⇨ Re-Kommunalisierung von Flächen (Thünen-Plan)
⇨ Auflagen für nachhaltige Landwirtschaft (z.B. Humusaufbau)
⇨ Umsetzung Lieferkettengesetz
⇨ kein Mercosur-Abkommen
RAHMENBEDINGUNGEN
20 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
1 | Problemrahmen
2 | Projektergebnisse
⇨ Ernährung ins Schulkonzept integrieren
⇨ pädagogische Begleitung von Essensumstellung
⇨ Ernährungspädagog*innen einstellen
⇨ Training für Caterer/Küchenpersonal ⇨ Rolle der Küchenkräfte: Unterstützung der pädagogischen Arbeit
⇨ Vernetzung nachhaltiger Caterer ⇨ Kinder bei der Auswahl beteiligen (Vorkoster)
3 | Konsequenzen
⇨ Mehrweggeschirr und induktionsgesteuerte Warmhaltung
SCHULE UND KITA
⇨ Beteiligung bei kommunalen Festen/Projekten
⇨ Kooperation mit der Schule (Praktika, Ausbildungsplätze)
⇨ lokale Gastronomie um GV (Kita/Schule/Senioren) erweitern
CATERING-UNTERNEHMEN
Außer-Haus-Verpflegung
⇨ Förderung von Klinikbetreibern,
die Lehrküchen schaffen
⇨ Kontrolle des Anbieters von Schulessen
⇨ Energiesparendes Gerätemanagement
und Ecodesign fördern ⇨ Kantinenkommission/Mensa-AG flächendeckend etablieren
⇨ Ausbildungsberuf „Köchin/Koch Gemeinschaftsverpflegung“
FÖRDERUNG
⇨ kleinere Lose bei Ausschreibungen
⇨ Ausschreibungshilfen für öffentliche Gemeinschaftsverpflegung
⇨ MWSt für Kantinenessen anpassen
⇨ regionale Bietergemeinschaften unterstützen
⇨ Anhebung der Kostensätze
⇨ Umgang mit nicht verbrauchten Lebensmitteln verbindlich regeln
⇨ Kantinen sind für alle zugänglich
⇨ Logistik für erste und letzte „Meile“ der Wertschöpfungskette
⇨ Essbare Städte/Dörfer
⇨ kommunale Küchen
⇨ Beratung zu klimaeffizienter Kita- und Schulverpflegung
⇨ Gesunde Schulverpflegung rechtlich verankern
RAHMENBEDINGUNGEN
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 21Ernährung verändert. Alles.
3 | Konsequenzen
2 | Projektergebnisse
⇨ gemeinsam Kochen → Alle (Alters-)Gruppen!!!
⇨ Ernährungsbotschafter*innen aus der eigenen „Community“
⇨ Generationen-Kochbuch
⇨ Lehrküchen, um food literacy zu lernen
⇨ Gemeinschafts-/Stadt-Gärten
1 | Problemrahmen
⇨ Erträge aus Gärten/lokaler Wirtschaft für Ernährungsbildung nutzen
⇨ Supermärkte für gerettete Lebensmittel ⇨ USt. als Hebel für gesunde Grundnahrungsmittel
⇨ Ernährungsbildung als Bildungsurlaub anerkennen
EINBINDUNG DER BEVÖLKERUNG
⇨ fördern von Dorfläden mit Bürgerbeteiligung
RAHMENBEDINGUNGEN
⇨ Bildung als Förderanreiz für Landwirt*innen
(Bsp. Sachsen)
⇨ Lernort Bauernhof Ernährungsbildung
⇨ Projekte mit Gartenarbeitsschulen
⇨ Praktika für Mitarbeiter*innen des LEH auf Höfen
⇨ Schulgarten verpflichtend für alle Schulen
KOOPERATIONEN
⇨ Gartenbauunterricht einführen
⇨ Stundenkontingent für Lehrkräfte ändern (Verwaltungsvorschrift)
⇨ Nachhaltigkeitsthemen in pädagogischen Berufe
⇨ Betriebspraktika verpflichtend in Schulen
⇨ praxisnahe Qualifizierungsangebote für Pädagog*innen
⇨ Sachmittel für Umsetzung von Projekten vor Ort
⇨ „Maßnahmenplan“ des Arbeitskreis Verbraucherbildung Brandenburg
⇨ Erweitern/Ausschöpfen des EU-Schulprogramms
⇨ BNE als Querschnittsthema nutzen
(Rahmenlehrplan, Grundsätze elementarer Bildung)
KITA UND SCHULE
22 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
1 | Problemrahmen
2 | Projektergebnisse
⇨ Digitalisierung der Direktvermarktung fördern
⇨ Ausbildungsnetzwerk in jedem Landkreis (schaffen) ⇨ mehr Mikro- statt Makroförderung (bereits ab 1000 EUR)
⇨ Beratung schaffen für Ausbildungswillige ⇨ mehr Förderung für kleine Erzeuger*innen
„GRÜNE BERUFE“ FÖRDERN
⇨ Mobile Schlachtung und Zerlegung fördern
⇨ Förderung für gebrauchte Geräte
3 | Konsequenzen
⇨ Umstellungsförderung (auf Bio)
⇨ Förderung für Umstellung auf klimaangepasste Verfahren
⇨ alle Kinder 2x pro Jahr auf den Hof
⇨ heterogene Landwirtschaft fördern (Vielfalt an Betrieben)
⇨ jedes KiTa-/Schulkind hat landwirtschaftlichen Paten
⇨ pädagogische Begleitung auf Höfen FÖRDERUNG
⇨ Entlohnung der Landwirte für Bildungsarbeit
PRAKTISCHE ERNÄHRUNGSBILDUNG
Landwirtschaft
⇨ Abschaffung der 5-Jahres-Klausel in der Landwirtschaft
⇨ Dauergrünland erhalten (Weideprämie)
⇨ Pflege/Anlage von Hecken, Weidelandschaften honorieren
⇨ Erlaubnis für Agroforst
⇨ Hygienekontrollen überprüfen und anpassen
⇨ „Spritz-Pufferzone“ zwischen Dörfern/Äckern/Betrieben
⇨ mobile Schlachtung ermöglichen
RAHMENBEDINGUNGEN
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 23Ernährung verändert. Alles.
3 | Konsequenzen
⇨ Transportkosten einpreisen
2 | Projektergebnisse
⇨ Regionalität in Ausschreibungen
⇨ Absatzmärkte für eiweißhaltige Pflanzen
⇨ lokale Handelsplattformen schaffen
⇨ Anbauförderung von eiweißhaltigen Pflanzen
⇨ Klimaschutzrelevante Kriterien in Ausschreibungen
⇨ Förderung klimaschonender Mobilität im Landwirtschaftssektor
⇨ CO2-Bilanzierung von Gerichten im Speiseplan
1 | Problemrahmen
⇨ Förderung von Baumbeständen für Ernährungsproduktion
⇨ „Hof-Tor-Bilanz“ für den Handel
⇨ Beweidung fördern (Biodiversität)
⇨ Beratung für klimaangepasste Landwirtschaft
⇨ Pfahlwurzler über Gehölze fördern
RAHMENBEDINGUNGEN
FÖRDERUNG
Klima
⇨ Ziele stecken, z.B. Heckenbreite, Humusaufbau
⇨ Wanderschäfereien stärken (große Anpassungsfähigkeit)
⇨ Moorkörper erhalten ⇨ invasive Arten nutzen (z.B. Heuschrecken, asiatische Krebse)
⇨ Paludikultur ausbauen ⇨ Traditionelles Wissen über „vergessene“ Lebensmittel stärken
⇨ mehr Hecken → mehr Windschutz (Agroforst) ⇨ Essbare Wildkräuter in der Ernährungsbildung thematisieren
⇨ „Klima“wirte ⇨ Heimisches Superfood bekannter machen
⇨ verpflichtende Kompostsanitärsysteme NEUE/TRADITIONELLE LEBENSMITTEL
⇨ Kompensationssysteme für Abfall- und Wasserwirtschaft
⇨ Wasser für regionale Lebensmittelproduktion regulieren
NATÜRLICHE GRUNDLAGEN SICHERN
24 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
1 | Problemrahmen
2 | Projektergebnisse
⇨ Praktische Arbeit an einem Wochentag ab 7. Klasse
⇨ Praktika während der Schulzeit
⇨ pädagogisch begleitete Kooperationen Handwerk/Schule:
3 | Konsequenzen
⇨ Entlohnung des Lebensmittel-Handwerks für Bildungsarbeit
SCHULE/BILDUNGSAUFTRAG
Lebensmittelhandwerk
⇨ überbetriebliche Ausbildung (Duales System) stärker fördern
⇨ Lehrerbildung praktischer gestalten
⇨ WAT reformieren und auf alle Schulformen ausdehnen
⇨ einheitlicher Lehrlingslohn
⇨ Arbeitgeberzusammenschlüsse für Lehrlingsausbildung
⇨ Lehrpläne überarbeiten und zeitgemäßer gestalten
⇨ Nachhaltigkeitsthemen in Ernährungsberufe integrieren
⇨ mehr Fachausbildung statt Allgemeinbildung
AUS- UND WEITERBILDUNG
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 25Ernährung verändert. Alles.
2.3 Brandenburger Positionspapiere und ihre Verbindung
3 | Konsequenzen
zum Thema Ernährung
Jahr Dokument Verbindung zum Thema Bezug zum Koalitions Ernährungsratsampel
„Ernährung“ vertrag 2019 (KV)
2 | Projektergebnisse
2013 Landesaktionsplan Unzählige in allen formalen BNE nicht konkret genannt, ԓ Für die BNE-Servicestelle
Bildung für nachhaltige und informellen Bildungs- aber die Förderung der ԑ Für das Streichen des BNE-Projekttopfes
Entwicklung bereichen mit den ver- Bildung an verschiedenen
schiedenen Zielgruppen Stellen (Investitionen Z 854-63,
Oberstufenzentren Z 1565-71,
duale Berufsausbildung
1 | Problemrahmen
Z 3039-46, Verbraucherbildung
Z 4060-64)
2014 BB hat Geschmack, Alle vier Handlungsfelder Masterpläne erweitern ԓ Viele wichtige Bereiche wurden behandelt, BB-B
Masterplan des Clusters Z 3154/55 wurde zusammengedacht
Ernährungswirtschaft BB ԕ Kultureller/sozialer Kontext fehlt, war aber auch keine
Zielrichtung des Dokumentes.
2016 Landestourismus Handlungsfeld 5 „Umsetzung Tourismus und Nachhaltigkeit ԓ Zielrichtung passt!
konzeption BB der Marke Brandenburg in Z 3249-53 ԕ Stärkere Verzahnung mit dem Ernährungssystem fehlt
2. Bericht zum Stand der wertschöpfenden Produkten“ noch (wichtige zukünftige Herausforderung: gute
Umsetzung der Landes (S.30/31) Narrative finden!)
tourismuskonzeption
2017 Tierschutzplan des Alle Maßnahmen Tierschutz etc. Z 3726-35, ԓ Gemeinsame Position wurde trotz unterschiedlicher
Landes BB 3761-72 Interessen gefunden
ԑ Transparenz bzgl. Umsetzung
2017 Mobilitätsstrategie BB Indirekt über die Themen Generell Mobilität Z 421-632 ԕ Für regionale Lebensmittel-Logistik müssen konkrete
2030 Klima/Umwelt, regionale Konzepte erarbeitet werden; Entwicklung des länd-
Mobilität und aktive Wachs- lichen Raums massiv von der Mobilitätsinfrastruktur
tums- und Strukturpolitik abhängig; es darf daher nicht nur um eine Erhöhung
der ÖPNV-Frequenz nach oder aus Berlin gehen;
gerade für die regionale Wertschöpfung sind vertikale
Verbindungen zwischen den BB-Regionen wichtig;
Mobilität und regionale Logistik gehören zusammen,
um die „Attraktivität des ländlichen Raums zu erhöhen
2014, S teuerungshandbuch Ansätze zur Etablierung von Multiprofessionelle Teams und ԓ Zielrichtung passt!
2017 Gute Gesunde Schule, gesundheitsfördernden Struk- Schulgesundheitsfachkraft Z
Kooperationsverein turen innerhalb verschiedener 1436-38, 2252/53
barung Gute Gesunde Systeme (v.a. Schule), wobei
Schule, Landesrahmen Ernährung mitgedacht wird
vereinbarung
Präventionsgesetz
2017 Gründungs- und Theoretisch viele Verbindungen Unternehmensnachfolge Z ԕ Das Thema „Ernährung“ wird nicht erwähnt, es kommt
Unternehmens zum Ernährungssystem 3182-3190 nun darauf an, die genannten Maßnahmen auf den
nachfolgestrategie Ernährungsbereich zu übertragen
26 Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie.Ernährung verändert. Alles.
Jahr Dokument Verbindung zum Thema Bezug zum Koalitions Ernährungsratsampel
1 | Problemrahmen
„Ernährung“ vertrag 2019 (KV)
2018 Zukunftsstrategie II b „Lernen und Digital- Digitalisierung Z 635-725 ԕ Die möglichen Verknüpfungspunkte sind genannt. Jetzt
Digitales BB kompetenz für BB's Zukunft“ müssen die konkreten Verbindungen zum Ernährungs-
(v.a. für Schul-, Ausbildung-, kontext erfolgen.
Fortbildungsbereich)II c
2 | Projektergebnisse
„Digitalen Wandel in Wirtschaft
und Arbeit unterstützen“ (ge-
samte Wertschöpfungskette,
Direktvermarktung, Logistik-
steuerung)II d „Attraktives
Leben in BB“ (sollte v.a. Aus-
wirkungen für den ländlichen
3 | Konsequenzen
Raum haben)
Seit Rahmenlehrplan BNE generell und Ernährung im Bildung wird an verschiedenen ԕ BNE und Ernährung sind enthalten.
2018/ Fachübergreifende Speziellen werden zumindest Stellen genannt (siehe Zeile 1 ԑ Änderungen sind OHNE grundlegende Strukturver-
2019 Kompetenzentwicklung genannt. Landesaktionsplan BNE) änderungen nicht möglich. Derzeit keine zeitgemäße
In den Zeilen 1397/1398 Vermittlung/Didaktik von BNE und Ernährung (Stich-
findet sich folgender Satz: „Wir worte Projektarbeit, ernährungspraktisches Lernen,
wollen Schulfrieden und keine Transdisziplinarität), keine entsprechend ausgebildeten
grundlegenden Strukturver- Lehrkräfte und „Räume“ (Stichwort „Ernährungs-
änderungen, streben aber fachkräfte“).Des Weiteren muss der Paragraf 113 des
die Weiterentwicklung des Schulgesetzes dringend überarbeitet werden.
Bildungsangebots an.“
2019 InnoBB 2025+, Generell: Strategie bezieht Entwicklung der Regionen und ԓ Die Strategie weist viele Verbindungen zum
Regionale Innovations B in die Betrachtung mit ein ländlicher Räume Z 76/77 und Ernährungskontext auf.
strategie des Landes BB Explizit: 259-270 Gewinnung von Nach- ԑ Berlinausrichtung steht im Vordergrund; Innovations-
7.1 Ernährungswirtschaft wuchskräften Z 3056-61 potentiale in BB für BB und damit die Chancen zur
7.4 Tourismus Belebung des ländlichen Raums kommen zu kurz.
2019 Maßnahmeprogramm Liegen auf der Hand Öko-Landbau und regionale ԓ Ein erster Schritt. Öko-Aktionsplan für 2021 geplant.
zur Unterstützung der Wertschöpfung Z 3648-91, im
Ökologischen Produktion erweiteren Zusammenhang:
im Land BB Landnutzung 3567-81, Be-
ratungsangebote Z 3615-24
2019 Fortschreibung Nach Alle SDGs haben direkt oder KV: Nachhaltigkeitsstrategie ԓ Das Thema Nachhaltigkeit wurde aufgewertet
haltigkeitsstrategie indirekt einen Bezug zum Z 3005-16 sowie Klimabezüge (Angliederung des Themas an die Staatskanzlei, Nach-
(Erstauflage im Jahr Ernährungskontext. 3312-43, Bodennutzung haltigkeitsplattform) plus aktives RENN-Netzwerk.
2014) 3629-31, ԕ Ernährung als wichtiges Nachhaltigkeitsthema wird
noch zu wenig wahrgenommen.
2020 Das Lausitzprogramm Theoretische Bezüge in allen Lausitz Z 94-96 ԓ Erhebliches Entwicklungspotential im und für den
2038 drei erarbeiteten Prioritäten: Ernährungskontext und finanziell durch die Nutzung
1) Stärkung und Entwicklung verschiedener Töpfe gut ausgestattet; Chance, eine
der Wettbewerbsfähigkeit Modellregion für ein nachhaltiges Ernährungssystem
2) Bildung und Fachkräfteent- zu bauen, die über die Landesgrenzen hinaus Strahl-
wicklung kraft hat.
3) Stärkung und Entwicklung
von Lebensqualität und Vielfalt
Da das Papier aber sehr
allgemein gehalten ist, sind
derzeit keine Konkretisierun-
gen möglich.
Empfehlungen an die Landesregierung zur Erarbeitung der Brandenburger Ernährungsstrategie. 27Sie können auch lesen