Länderbericht Indien Stand: Mai 2014 - VDMA

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Länderbericht Indien
Stand: Mai 2014
Länderbericht Indien                                                                                                                                                                        1

Inhaltsverzeichnis
     Vorbemerkung .................................................................................................................................................................... 3

Länderinformationen und allgemeine wirtschaftliche Lage ............................................... 3

Situation im Bereich der Landwirtschaft, der Ernährungswirtschaft und der Fischerei . 5
Landwirtschaft .......................................................................................................................................................................... 5
   Landwirtschaftliche Betriebe und Anbauflächen ................................................................................................................ 5
   Arbeitsplätze in der Landwirtschaft .................................................................................................................................... 5
   Beratung .............................................................................................................................................................................. 6
   Finanzielle Absicherung...................................................................................................................................................... 6
   Mechanisierung und Technik .............................................................................................................................................. 7
Pflanzliche Produktion.............................................................................................................................................................. 7
    Versorgung mit Bewirtschaftungs- und Betriebsmitteln ..................................................................................................... 7
    Saatgut................................................................................................................................................................................. 7
    Dünger................................................................................................................................................................................. 8
    Pflanzenschutz .................................................................................................................................................................... 9
Tierische Produktion ................................................................................................................................................................. 9
   Tierhaltung und Tiergenetik ................................................................................................................................................ 9
   Milcherzeugung ................................................................................................................................................................ 10
   Fleisch-/ Geflügelbranche ................................................................................................................................................. 10
Lebensmittelindustrie ............................................................................................................................................................. 11
Fischerei und Fischereierzeugnisse ........................................................................................................................................ 12

Rahmenbedingungen für Handel und Industrie ................................................................ 13
Mindeststützpreise .................................................................................................................................................................. 13
Öffentliches Ankauf- und Verteilungssystem ......................................................................................................................... 13
Food Security Act, 2013 ......................................................................................................................................................... 14
Nahrungsmittelkette ................................................................................................................................................................ 14
Außenhandel ........................................................................................................................................................................... 15
Einzelhandel ........................................................................................................................................................................... 15
Kaufkraft und Nachfrageentwicklung..................................................................................................................................... 16

Chancen und Risiken .......................................................................................................... 18
Agrarpolitik ............................................................................................................................................................................ 18
Lebensmittelsicherheit ............................................................................................................................................................ 18
Gentechnik in der Landwirtschaft ........................................................................................................................................... 19

Zusammenarbeit .................................................................................................................. 20
Arbeitsgruppen ....................................................................................................................................................................... 20
Kooperationen und Projekte ................................................................................................................................................... 20
Messen und Unternehmerreisen .............................................................................................................................................. 20

Ausblick ................................................................................................................................ 22
2        Länderbericht Indien

Kontakte................................................................................................................................ 23

Anhang.................................................................................................................................. 25
Länderprofil Indien (Stand 20. Mai 2014).............................................................................................................................. 25
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Vorbemerkung
Während der Erstellung dieses Länderberichts fanden in Indien die Parlamentswahlen 2014 statt, die sich über mehrere
Wochen hinzogen. Endgültige Zahlen ab dem Wirtschaftsjahr 2012/13 werden erst nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses
Mitte Mai veröffentlicht und konnten daher für diese Bestandaufnahme nicht verwendet werden. Auch der erst nach Antritt
der neuen Regierung erstellte Haushaltsplan, der Aufschlüsse über das konkrete politische Konzept der Regierung für die
kommenden fünf Jahre geben wird, konnte aus redaktionellen Gründen nicht mehr zugrunde gelegt werden.

Länderinformationen und allgemeine
wirtschaftliche Lage
Indien gehört politisch und wirtschaftlich zu den globalen Hauptakteuren. Allerdings entspricht das durchschnittliche Pro-
Kopf Einkommen lediglich einem Drittel des Wertes Indonesiens, einem Viertel Chinas, einem Sechstel Südafrikas und
einem Zehntel Brasiliens. Indien ist ein Land der Extreme, von größter Armut bis zu Rekordzahlen bei den Dollar-Milliar-
      1                                                                                             2
dären . Mit mehr als 1,2 Mrd. Einwohnern und einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 1,3 % (China: 0,5 %), wird
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Indien bis 2050 China als bevölkerungsreichstes Land überholen. Es wird prognostiziert, dass Indien dann mit seinem BIP
nach China und den USA an dritter Stelle stehen wird. Indien ist eine junge Gesellschaft: fast 90 % der Bevölkerung sind
unter 55 Jahre alt. Der Anteil der arbeitsfähigen Gesellschaft nimmt beständig zu: jeden Monat drängen ca. 1 Mio. neue
Arbeitskräfte auf den Markt, für die Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Bis 2026 soll der Anteil der arbeitsfähigen
Bevölkerung zwischen 15 und 59 Jahren auf fast 70 % steigen.

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Indien ist die größte parlamentarische Demokratie mit 29 Bundesstaaten, 7 Bundesterritorien und dem Hauptstadtgebiet
mit ca. 22 Mio. Einwohnern. Neben den Hauptsprachen Englisch und Hindi gibt es weitere 21 offizielle Sprachen. Das
Land ist ein bevorzugter Partner für wichtige internationale Akteure wie die USA, China, Japan und Russland. Alle sind
sich einig, dass Indien nicht nur in Südindien sondern im globalen Zusammenhang die Zukunft mitgestalten wird.

Auch wenn die Wachstumsraten der indischen Wirtschaft nicht mehr, wie noch Ende des letzten Jahrzehnts, fast 10 %
erreichen – Wachstumsrate 2012/13: 5,0 %; Prognose 2013/14: 4,9 % - und das Image des „Shining India“ verblasst, zählt
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das Land immer noch zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften (BIP 2012/13: 1194 Mrd. € ; BIP/ Kopf:
818 €). Weniger als 3 % der Bevölkerung zahlen Einkommenssteuer. 92 % der Wirtschaftsaktivitäten entfallen auf den
sogenannten unorganisierten Sektor, der weder über eine staatliche Altersversorgung, Unfallversicherung oder Lohnfort-
zahlung im Krankheitsfall verfügt.

Bei sämtlichen wichtigen landwirtschaftlichen Rohstoffen ist das Land einer der größten Produzenten. Der Anteil des
Agrarbereichs am BIP liegt nach vorläufiger Schätzung für das Wirtschaftsjahr 2012/13 bei 13,7 % (Landwirtschaft:
11,6 %, Forst- und Holzwirtschaft: 1,3 %, Fischerei: 0,7 %). Das Wachstum liegt für den Gesamtbereich lediglich bei
1,9 % (Landwirtschaft: 1,7 %, Forst- und Holzwirtschaft: 1,7 %, Fischerei: 4,0 %).

Indien versucht, den Agrarmarkt von globalen Märkten weitgehend abzuschotten. Indien ist aber bereits durch seine Nach-
fragemenge ein wichtiger Marktfaktor, da das Land nicht nur bei einigen Grundstoffen (Speiseöl, Hülsenfrüchte) regel-
mäßig auf Importe angewiesen ist. Je nach Ernteergebnis wird der Bedarf durch Beschaffung vom Weltmarkt aufgefüllt
oder es werden dort Überschüsse abgestoßen. Da diese Aktionen planwirtschaftlich angekündigt und abgewickelt werden,
wirken sie sich in der Regel automatisch auf das Weltmarktpreisniveau aus.

1
  Forbes Liste 2014 der $-Milliardäre: 56 Inder
2
  Weltbank
3
  Brutto Inlands Produkt
4
  im März 2014 wurde die Abspaltung des 29. Bundesstaats Telangan von dem Bundesstaat Andrah Pradesh beschlossen
5
  alle Beträge in € wurden mit dem im April 2014 aktuellem Wechselkurs von 1 € = 84 INR umgerechnet; die Beträge können nur Anhaltspunkte sein, da sich
  z.T. deutliche Verschiebungen gegenüber den historischen Beträgen ergeben
4     Länderbericht Indien

Die Ernährungsindustrie ist noch gering entwickelt. Der Beitrag zum BIP des Industriesektors lag 2011/12 bei ca. 9,4 %;
bezogen auf das Gesamt-BIP lediglich bei 1,4 %. Eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion wird nur dann nach-
haltig positive Verbesserungen auch für die Landwirte bringen, wenn sich die Ernährungsindustrie entwickelt, ebenso wie
die Entwicklung der Ernährungsindustrie von Produktivität und Qualität der Landwirtschaft abhängt. Dann können die
Landwirte gezielt ihre Produktion an die Nachfrage anpassen, die Ernährungsindustrie kann verlässlich planen und es
können nicht nur Wertzuwächse für alle Wirtschaftsbeteiligten erzielt sondern auch ein qualitativ gutes Angebot zu aus-
gewogenen Preisen für die Verbraucher erzielt werden.
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Situation im Bereich der Landwirtschaft, der
Ernährungswirtschaft und der Fischerei
Landwirtschaft
Der Kernbereich des indischen Lebens ist immer noch das Leben auf dem Land und damit die Landwirtschaft – trotz IT-
Zentren und Raumfahrtindustrie. Das Bestreben, die Selbstversorgung des Landes zu stärken, steht bei allen politischen
Überlegungen an erster Stelle. Der Schwerpunkt der Landwirtschaft liegt beim Ackerbau. Weizen und Reis sind die Säulen
der sogenannten Grünen Revolution, auf die die indische Agrarpolitik immer noch im wesentlichen ausgerichtet ist.
Die Folge davon ist, dass andere Kulturen verdrängt (z. B. Hirse) oder vernachlässigt wurden (Hülsenfrüchte, Ölsaaten,
Obst und Gemüse). Erst langsam wird auch anderen Anbaukulturen mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Eine Diversifizie-
rung ist notwendig, damit das Angebot für die Ernährungsindustrie und die Bevölkerung verbessert wird und die Landwirte
besser gegen die Auswirkungen witterungsbedingter Ernteausfälle und Preisschwankungen gewappnet sind. Höherwertige
Kulturen können auch ein Ausgleich für rückläufige Betriebsgrößen und dadurch bedingte Einkommenseinbußen sein.

Landwirtschaftliche Betriebe und Anbauflächen

Die landwirtschaftliche Nutzfläche liegt für 2010/11 bei 159 Mio. ha (Anbaufläche: 141,6 Mio. ha). Da 57,4 Mio. ha mehr
als einmal im Jahr beerntet werden können, beträgt die tatsächlich genutzte Anbaufläche (Bruttofläche) knapp 199 Mio. ha.
Hinzu kommen 70 Mio. ha Waldflächen. 25 Mio. ha nutzbare Fläche sind stillgelegt.

Die landwirtschaftliche Anbaufläche kann nur zu ca. 45 % bewässert werden, mit 63,6 Mio. ha netto (und - wegen der
mehrfachen Nutzung pro Jahr - 89,3 Mio. ha brutto) trotzdem weltweit die größte bewässerte Fläche. Auf den übrigen Flä-
chen sind die Ernten von den Regenfällen abhängig. Anbauentscheidungen und Erfolge eines Anbaujahres hängen weit-
gehend von Witterungseinflüssen ab. Dadurch schwanken die Erträge von Jahr zu Jahr teilweise sehr stark. Der Grund-
wasserspiegel sinkt in intensiv bewirtschafteten Regionen (Punjab und Haryana liegen am Rand der Wüste).

Die durchschnittliche Betriebsgröße nimmt durch Erbrecht und einzelbetriebliche Obergrenzen, die nach der Unabhängig-
keit eingeführt wurden, fortlaufend ab. 2010/11 betrug die Durchschnittsfläche der 138 Mio. Betriebe (alle 5 Jahre kommen
10 Mio. hinzu) 1,16 ha. 85 % der Betriebe bewirtschaften weniger als 2 ha Land. Insgesamt entfallen auf diese Kategorie
45 % der Gesamtfläche.

Rund 10 % der Gesamtfläche wird von 0,7 % der Betriebe bewirtschaftet, die mit einer Fläche von über 10 ha als Groß-
betriebe gelten - immerhin sind das fast 1 Mio. Betriebe. Die größten 170.000 Landwirte bewirtschaften im Schnitt je 37
ha. Die Regierung versucht, die Auswirkungen der fortschreitenden Verkleinerung der Betriebe abzumildern, durch Unter-
stützung von Zusammenschlüssen kleinerer Landwirte. Die so entstandenen größeren, produktiveren Einheiten werden zur
Diversifizierung angehalten und haben bevorzugten Zugang zu Krediten, Technologie und anderen Betriebsmitteln.

Arbeitsplätze in der Landwirtschaft
Der Anteil der Beschäftigung in der Landwirtschaft ist nach einem Anstieg bis zur Mitte des letzten Jahrzehnts auf
259 Mio. (2005) rückläufig und lag 2012/13 bei 243 Mio. Das sind immer noch ca. 50 % aller Arbeitsplätze. Eine von
        6
NCAER durchgeführte Studie belegt, dass diese Aussage der offiziellen Statistik der Korrektur bedarf, da jedenfalls in
den ländlichen Gebieten einiger Bundesstaaten die Mehrzahl der in der Landwirtschaft Tätigen zusätzlich auch ander-
weitig beschäftigt ist. Dieses Ergebnis erklärt auch, weshalb der rückläufige Trend der Zahl der Arbeitnehmer in der Land-
          7
wirtschaft nicht auf einem dauerhaften Wechsel in die Industrie und den Dienstleistungssektor beruht. Es handelt sich um

6
    NCAER = National Council for Applied Economic Research, eine unabhängige non-profit NGO
7
    bis 2017 rechnet die Planungskommission mit einem weiteren Rückgang auf 235 Mio., trotz einer Zunahme der Gesamtzahl der Beschäftigten auf 523 Mio.
    Die Zahl der arbeitsfähigen Bevölkerung soll bis 2017 auf 551 Mio. anwachsen; jeden Monat drängen in den kommenden Jahren 10 Mio. Arbeitssuchende
    hinzu.
6       Länderbericht Indien

vorübergehende Abwanderungen vom Land in die Städte, um auf Baustellen oder für einfachste Handlangerjobs eingesetzt
zu werden. Ein dauerhafter Einsatz im Dienstleistungssektor und sogar auch im produzierenden Gewerbe kommt wegen
fehlender Kompetenzen, häufig auch wegen des Fehlens einer Grundschulbildung, nicht in Frage.

Die Zahl derjenigen, die letztlich von der Landwirtschaft abhängig sind, ist deutlich höher und dürfte nahezu die gesamte
ländliche Bevölkerung umfassen (2011: 68,8 %).

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Der Erfolg des Arbeitsbeschaffungsprogramms für ländliche Gebiete hat zu einer Reduzierung der in der Landwirtschaft
tätigen saisonalen Wanderarbeiter und einer Erhöhung des allgemeinen Lohnniveaus für diese in der Regel ungelernten
Arbeitskräfte geführt. Inzwischen wird darüber nachgedacht, diese Arbeitskräfte gezielter für landwirtschaftliche Zwecke
einzusetzen und die landwirtschaftlichen Betriebe am dem Beschäftigungsprogramm besser teilhaben zu lassen.

Beratung
Es gibt keinen flächendeckenden Beratungsdienst für die Landwirtschaft. Die Zentralregierung unterstützt die Bundes-
staaten zwar finanziell bei vielerlei Aktivitäten, u. a. bei der Anbindung ländlicher Distrikte an ein Internet- und Mobil-
telefon gestütztes Informationssystem. Es sollen Labore für Bodenanalysen geschaffen und andere Dienstleistungen einge-
führt werden. Durch die Einrichtung von „Agricultural Technology Management Agencies“ auf Distriktebene soll der
Informationsfluss bedarfsorientiert gesteuert werden. Es wird jedoch allenthalben beklagt, dass die Bundesstaaten nicht
ausreichend Personal für diese Leistungen zur Verfügung stellen und daher die Reformen hinter dem finanziell Möglichen
zurück bleiben. Hier besteht ein großer Schulungsbedarf, sowohl bei den Landwirten selbst als auch bei den Beratern.

Für Investoren in den Verarbeitungssektor bedeutet das, dass im Sinne der Qualitätssicherung die Landwirte vor Beginn
einer Lieferbeziehung geschult und die erforderlichen Betriebsmittel – vom Saatgut bis zur Lagerung und dem Transport –
zur Verfügung gestellt werden müssen. Viele Unternehmen der Lebensmittelindustrie oder des Einzelhandels äußern sich
jedoch zufrieden mit den nach einer Anlaufzeit erreichbaren Fortschritten und Erfolgen.

Finanzielle Absicherung
Derzeit sind nur ca. 25 % der indischen Landwirtschaftsbetriebe gegen Ernteausfälle versichert, trotz hoher Zuschüsse aus
dem Staatshaushalt zu den Versicherungsprämien. Dass die Landwirte diese Ausgaben für entbehrlich halten, hängt auch
damit zusammen, dass Leistungen der Versicherung oft erst mit einjährigen Verzögerungen erfolgen, so dass deren Zweck,
neues Saatgut zu beschaffen und die Zeit bis zur nächsten Ernte zu überbrücken, nicht erfüllt wird.

24,5 Mio. Landwirte erhielten 2012/13 Entschädigungsleistungen. Die Regierung versucht nach wie vor, die zentral fest-
gelegten Versicherungsbedingungen zu verbessern. Die wetterbezogene Ernteversicherung in dem neuen nationalen Ver-
               9
sicherungsplan sieht in einem Pilotprojekt Entschädigungsleistung bereits bei Witterungsabweichungen vor, ohne dass ein
tatsächlicher Schaden am Erntegut nachgewiesen werden muss. Der Versicherungsfall tritt auch dann ein, wenn witte-
rungsbedingt nicht ausgesät werden konnte. Referenzwert für die ertragsbezogene Ernteversicherung ist die Ertragsabwei-
chung vom Durchschnitt der letzten sieben Jahre einer eng eingegrenzten Bezugsfläche. Bereits bei einer Abweichung von
10-20 % wird eine Entschädigung fällig.

Für Halter von Rindern und Büffeln (Milchvieh, Zuchtbullen, Ochsen) gibt es eine durch die Zentralregierung subventio-
nierte Versicherung gegen den Verlust der Tiere (durch Unfall, Krankheit, Unruhen oder Streik). Der Versicherungsschutz
gilt für alle Rassen.

8
  National Rural Employment Guarantee Scheme (NREGA) von 2005: NREGA garantiert jeder Familie unter der offiziellen Armutsgrenze für ein
  Familienmitglied 100 Tage bezahlte Arbeit im Jahr. Der Tageslohn variiert je nach Bundesstaat und liegt zwischen 120 und 190 INR. Bei den Arbeiten handelt
  es sich überwiegend um Infrastrukturmaßnahmen der öffentlichen Hand im Rahmen ländlicher Förderprogramme.
9
  Modified National Agricultural Insurance Scheme (MNAIS)
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Mechanisierung und Technik

Indien ist mit einer jährlichen Produktion von über 500 000 Traktoren weltweit der größte Hersteller. Traktoren werden
häufig auch als Zugmaschinen für andere Zwecke oder im Straßenbau eingesetzt. Der Mechanisierungsgrad der Landwirt-
schaft ist noch sehr gering und wird mit derzeit 1,73 kW/ha (bis 2015 erwartet: 2,0 kW/ha) angegeben.
                                                          10
Durch das Beschäftigungsprogramm NREGA entsteht zusätzlicher Druck zur weiteren Mechanisierung. Die Lohnkosten
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haben sich in einigen Regionen mit intensiver Landwirtschaft bereits über das durch NREGA garantierte Niveau hinaus
bewegt. Landwirte, die nicht bereit oder in der Lage sind, das höhere Lohnniveau zu akzeptieren, sehen in einer verstärkten
Mechanisierung eine sinnvolle Option – eventuell wird die erworbene Maschine auch den Nachbarn gegen eine Leihgebühr
zur Verfügung gestellt. Das weltweite Phänomen, dass die junge Generation nicht mehr an einer Mitarbeit in der Landwirt-
schaft interessiert ist, verschärft zusätzlich den Druck.

Die kleinen und Kleinstbauern sind finanziell nicht in der Lage, sich Maschinen zu beschaffen. Auf den kleinen einzelbe-
trieblichen Flächen sind Maschinen kaum einsetzbar und auch angesichts der geringen Einsatzdauer unrentabel. Als Folge
davon gibt es in zunehmendem Umfang Investoren, die mit größeren Maschinen die Flächen mehrerer Landwirte in einem
Zug bewirtschaften (Lohnunternehmer) oder Zusammenschlüsse von Landwirten, die sich eine gemeinsam angeschaffte
Maschine teilen. Die Zentralregierung fördert im Rahmen der „Sub-Mission on Agricultural Mechanisation“ den gemein-
samen Erwerb von Maschinen durch Zusammenschlüsse von Landwirten oder Kooperativen. In Zentren (custom hiring
centres/ high-tech machinery banks) werden gegen ein Entgelt Maschinen zur Verfügung gestellt.

Pflanzliche Produktion
Die Produktionszahlen im Ackerbau schwanken wegen der weitgehenden Abhängigkeit vom Monsun deutlich von Ernte zu
Ernte. Regelmäßige Veröffentlichungen der Erntevorausschätzungen in der Tagespresse belegen den hohen Stellenwert für
die Volkswirtschaft. Immer wieder ist von Rekordernten die Rede. Für das Erntejahr 2013/14 (Juli-Juni) rechnet man für
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viele Anbaukulturen mit einer Verbesserung gegenüber dem Vorjahr und einer neuen Rekordernte . Häufig beruhen neue
Spitzenergebnisse weniger auf einer nachhaltigen Verbesserung der Hektarerträge, sondern auf günstigen Wetterverhält-
nissen oder der Ausweitung von Anbauflächen.

Rekorde werden in diesem Jahr fast für alle Kulturen erwartet (Weizen, Reis, Mais, alle Hülsenfrüchte, die wichtigsten
Ölsaaten, Baumwolle). Bei Zuckerrohr wird zwar ein besseres Ergebnis erwartet als im Vorjahr, jedoch das Rekordergebnis
von 2011/12 (361 Mio. t) nicht erreicht. Außergewöhnliche Witterungsbedingungen mit Gewitter und Hagel im Frühjahr
vernichteten zwar die anstehende Ernte in einigen Bundesstaaten (vor allem Getreide sowie Trauben und einige Gemü-
sesorten). Nach den Angaben des Landwirtschaftsministeriums soll das jedoch keinerlei Auswirkungen auf das herausra-
gende Jahresergebnis haben. Letztlich muss aber abgewartet werden, ob wirklich alle Mengen auch abgeerntet und abtrans-
portiert werden können.

Versorgung mit Bewirtschaftungs- und Betriebsmitteln
Steigerungen der Hektarerträge sind angesichts begrenzter Flächenressourcen die einzige Möglichkeit zur Produktions-
steigerung und Sicherung der Selbstversorgung des Landes. Eine Ausweitung des Anteils der mehrfach abgeernteten
Flächen setzt verbesserte Bewässerungssysteme voraus.

Saatgut
Verbesserungsbedarf besteht beim Saatgut. Die Erneuerungsquote ist niedrig, da über 85 % der Fläche mit Saatgut aus
eigenem Nachbau bewirtschaftet werden. Oft fehlt der Zugang zum Handelssaatgut. Die Zentralregierung fördert deshalb
seit 2005 zur Verbesserung von Produktion und Verteilung von Saatgut den öffentlichen und privaten Sektor. Erkennbare

10
   siehe FN 8
11
   in Chandigarh (Punjab/ Haryana): 190 INR
12
   letzte offizielle Schätzung vom Februar 2014, weitere Schätzungen liegen wegen des Wahlkampfs nicht vor: Reis: 106,19 Mio. t, Weizen: 95,60 Mio. t, Mais:
   23,29 Mio. t, Grobgetreide (Coarse Grain):41,64 Mio. t, Soja: 12,45 Mio. t, wichtigste Ölsaaten: 32,98 Mio. t. Baumwolle: 6,052 t
8         Länderbericht Indien

Erfolge haben sich im Wirtschaftsjahr 2012/13 gezeigt, mit einer verfügbaren Menge von 3,2 t zertifiziertem Saatgut
(2005/06: 1,4 t).

Der indische Saatgutmarkt wächst mit einer Rate von 12 % jährlich. Der Anteil privater Unternehmen am Gesamtumsatz
(die meisten multinationalen Konzerne sind entweder mit einem Joint Venture oder einer eigenen Niederlassung vertreten)
beträgt ca. 80 %. Die privaten Unternehmen handeln vorrangig mit hochwertigem Hybridsaatgut (Hirse, Sorghum, Mais,
Baumwolle, Sonnenblumen, Reis und Gemüse) oder Bt-Sorten (bisher ist nur Baumwolle zugelassen). Mengenmäßig
überwiegt mit einem Anteil von ca. 60 % die Produktion des öffentlichen Sektors. Es gibt einige Private-Public-Partnership
Initiativen bei der Produktentwicklung und Forschung.

Indien ist nicht Unterzeichnerstaat des Internationalen Übereinkommens zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV).
Indischen Landwirten ist es erlaubt, Saatgut ohne Nachbaugebühren zu vermehren und nicht nur selbst zu nutzen, sondern
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auch zu vermarkten, sowie eigene Züchtungserfolge registrieren und schützen zu lassen ,solange die Vermarktung nicht
unter einer geschützten Marke erfolgt. Bei Hybridsaatgut könnte dennoch der indische Markt auch für ausländischen Ex-
porteure und Investoren interessant sein. Der Markt für Hybridsorten ist fast vollständig in privater Hand. Einige indische
Unternehmen haben begonnen, ihr Saatgut in die südindischen Nachbarländer zu exportieren.

Eine Entscheidung über den Entwurf eines neuen Saatgutverkehrsgesetzes zur Regelung von Produktion, Verteilung und
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Verkauf, einschließlich Im- und Export, mit dem das bisherige Recht reformiert werden soll, liegt den einschlägigen
Gremien seit 2004 vor. Viele bezweifeln, dass es je zu einer Entscheidung über den Entwurf kommen wird. Die Bundes-
staaten befürchten eine Beschneidung ihrer Befugnisse, z. B. bei der Festsetzung von Höchstpreisen, Lizenz- und Nach-
baugebühren, sowie eine Verdrängung staatlicher Unternehmen durch private Investoren – auch aus dem Ausland. Auch
hier werden die Rechte der Landwirte als Argumentationshilfe bemüht, mit dem Hinweis, dass es mit dem neuen Gesetz zu
einer „ungezügelten Kommerzialisierung“ von bisher frei zugänglichem Saatgut kommen könne und auch Züchtungen der
Landwirte nicht mehr ausreichend geschützt seien.

Dünger
Defizite bestehen auch bei der Düngung, die häufig nicht bedarfsgerecht erfolgt. Durch die mit der Grünen Revolution
eingeführte Subventionierung der Düngerindustrie kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu einem erheblichen Anstieg
des Einsatzes von Handelsdünger, insbesondere Harnstoff (Urea). Mangels fachgerechter Anwendung hatte dies negative
Auswirkungen auf die Böden und das Grundwasser. Um diese Entwicklung anzuhalten, arbeitet Indien seit einigen Jahren
an der Deregulierung des Düngermarktes, die allerdings noch nicht abgeschlossen ist. Die Hersteller von Handelsdünger
erhalten wirkstoffbezogene Subventionen (auch für Spurennährstoffe). Lediglich der Einzelhandelspreis für Urea ist weiter
staatlich gedeckelt und hat sich seit 2010 nur geringfügig erhöht. Dagegen sind die Preise im Einzelhandel für die anderen
Wirkstoffe deutlich, teilweise um das Vierfache, angestiegen sind. Dies hat weiter den hohen Einsatz von Urea durch die
Landwirte zur Folge, was nicht einer bedarfsgerechten Düngung entspricht. Die Folgen sind Versalzung von Böden und
Grundwasser, verbunden mit starker Bodenerosion.

80 % des Harnstoffbedarfs werden aus eigener Produktion gedeckt, bei den übrigen Stoffen ist Indien weitgehend von
Importen abhängig. Die indische Landwirtschaft verbrauchte 2012/13 nach derzeitigem Kenntnisstand insgesamt
25,5 Mio. t Handelsdünger (gegenüber dem Vorjahr ein deutlicher Rückgang um fast 8 %), davon 16,8 Mio. t Stickstoff.
Der Verbrauch je ha lag damit bei 128,34 kg (2010 noch 146,32 kg; alle Angaben für Wirkstoffe). Der ha-Verbrauch gibt
ledidlich einen Trend wieder, kann aber wenig über die tatsächlichen Verhältnisse aussagen, da es eine rein rechnerische
Größe, bezogen auf die insgesamt bewirtschaftete Gesamtfläche ist. Der tatsächliche Verbrauch schwankt sehr stark und ist
am höchsten in den wirtschaftlich fortgeschritteneren Landwirtschaftsgegenden mit intensivem und bewässertem Getreide-
anbau (bis zu 266 kg/ ha im Punjab), während er in einigen agrarwirtschaftlich noch unentwickelten Bundesstaaten (z. B.
die nordöstlichen Landesteile) bei lediglich 5 kg/ ha liegt.

Die Zentralregierung wandte 2012 fast 10 Mrd. €, d.h. fast 1 % des BIP für die Düngerindustrie auf. Das ist mehr als das
Dreifache der für den Landwirtschaftssektor vorgesehenen Budgetmittel. Im Zuge der Diskussionen über eine Neuausrich-

13
     The Protection of Plant Varieties and Farmers’ Rights Act, 2001
14
     Seeds Act, 1966
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tung der Agrarpolitik wird daher auch die Frage gestellt, ob die Subventionszahlungen der öffentlichen Hand wirkungs-
voller als Direktzahlung an die Landwirte eingesetzt werden sollten.

Pflanzenschutz
Der nicht sachgerechte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führt immer noch zu Absatzproblemen. Dies gilt nicht nur für
Exporte, sondern beschäftigt zunehmend auch indische Verbraucher. Wie beim Dünger geht es auch hier den meisten
Landwirten um den Einsatz des preisgünstigsten Mittels. Es gibt wenig Wissen über die Wirkung moderner Chemikalien
und deren Anwendung. Große, internationale Unternehmen, die Wissensdefizite bei den Landwirten beseitigen, sehen hier
nicht nur eine Chance für den Absatz ihrer Produkte in Indien, sondern auch eine Möglichkeit, die Bilanz ihrer unterneh-
merischen Verantwortlichkeit zu verbessern. Sie tragen damit dazu bei, dass sich durch ein gutes Qualitätsmanagement die
Qualität der Waren auf dem inländischen Markt verbessert und die Absatzchancen der landwirtschaftlichen Produkte im
Ausland steigen.

Tierische Produktion
Die tierische Produktion ist wegen der schnell wachsenden Nachfrage nach Milch, (Geflügel-)fleisch, Eiern und Fisch der
wirtschaftlich erfolgreichste Sektor im Agrarbereich (fast 30 % des im Agrarbereich erwirtschafteten BIP). Indien ist der
größte Produzent von Milch sowie von Büffelfleisch und zweitgrößter Fischproduzent. Die Inlandsnachfrage nach tieri-
schen Produkten wächst, wie auch in anderen Entwicklungsländern, mit zunehmendem Einkommen.

Tierhaltung und Tiergenetik
Offizielle Angaben zur tierischen Produktion sind sehr lückenhaft (der informelle Sektor wird nicht in allen Bundesstaaten
erfasst), häufig widersprüchlich und daher eingeschränkt aussagekräftig. Die Gesamtzahl der gehaltenen Tiere wird für die
                  15
Tierzählung 2007 mit 529 Mio. Tieren angegeben. Die wichtigsten Kategorien sind Rinder (199 Mio., davon 37 %
weibliche Tiere) und Büffel (105 Mio., davon 51 % weibliche Tiere), gefolgt von Schafen (71 Mio.) und Ziegen (140
Mio.). Der registrierte Schweinebestand lag bei 11,1 Mio. Tieren. Für Geflügel werden 648,8 Mio. (2003: 489 Mio.) ange-
geben.

Fast 90 % der Tiere werden von Klein- und Kleinstbauern mit weniger als 4 ha gehalten. Die meisten Tierhalter besitzen
nur einzelne Kühe oder Büffel und wenige andere Nutztiere. Zur Versorgung der Großstädte gibt es dort am Stadtrand
mittlere oder größere Milchviehherden, die auf kleinster Fläche angebunden und relativ gut gefüttert werden.

Alle indischen Entscheidungsträger stimmen darin überein, dass eine Verbesserung der Genetik des indischen Milchviehs
erforderlich ist. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Milch und veredelten Produkten, knapper werdenden Flächen
und nicht zuletzt wegen der Umweltbelastung durch die Milchviehhaltung scheint es unumgänglich, Tiere mit besserer
Leistung zu halten. Diese politische Vorgabe muss noch eingelöst werden. Die EU verhandelt seit Jahren mit Indien über
ein Veterinärzertifikat zum Import von Rindersperma.

                                                                         16
Besonders die fortschrittlichen, größeren Milchviehhalter sind am Import von Rindersperma und Einkreuzungen inter-
essiert. 2011 wurden landesweit 50 Mio. künstliche Besamungen durch 93.000 Stationen vorgenommen. Laut Statistik
wurden 377.000 Dosen Sperma importiert. Sporadisch wird Kritik an Einkreuzungen geäußert, mit dem Hinweis, fremde
Rassen benötigten zu viel Futter und Wasser. Dass leistungsfähigere Rassen sich nicht mit der bisherigen Futterversorgung
zufrieden geben werden, ist unbestreitbar. Den meisten Tierhaltern fehlen Kenntnisse über Fütterung und Futterverwertung.
Kleinstbauern kümmern sich nicht um die Fütterung, sondern geben den Tieren Haushaltsabfälle und landwirtschaftliche
Nebenprodukte, was schlechte Milchleistungen und häufige Krankheiten zur Folge hat.

Durch die zunehmende Mechanisierung werden auf dem Land immer weniger männliche Rinder als Zugtiere benötigt.
Rinder dürfen aus religiösen Gründen in den meisten Bundesstaaten nicht geschlachtet werden. Der Export des Fleisches ist

15
     Stand Februar 2012; Ergebnis wurde seit der Zählung mehrfach, teilweise erheblich überarbeitet. Die Ergebnisse des Census von 2012 sind noch nicht
     zugänglich.
16
     zusammengeschlossen als “Progressive Dairy Farmers“
10        Länderbericht Indien

generell verboten. Das Importinteresse konzentriert sich daher auf gesexten Rindersamen oder Embryonen, um die teure
Produktion von männlichen, für den Betrieb wertlosen Kälbern, zu vermeiden. Da sich bei Büffeln die Frage, was man mit
männlichen Nachkommen macht, nicht stellt (Büffel sind nicht heilig, können daher auch geschlachtet und exportiert wer-
den), gehen Überlegungen auch dahin, alternativ die Büffelgenetik zu verbessern.

Milcherzeugung
Das Kernstück der tierischen Produktion ist der Milch- und Molkereisektor. Die Produktion betrug 2012/13 über 133 Mio. t
(5 % mehr als im Vorjahr). Für die breite Masse ist Milch die einzige Quelle für tierische Proteine. Die rechnerisch pro
Einwohner verfügbare tägliche Menge konnte über die vergangenen 10 Jahre deutlich gesteigert werden und liegt jetzt mit
290 g im weltweiten Durchschnitt. Dieser Wert muss aber aufrechterhalten werden. Bis 2016 rechnet die Zentralregierung
mit einem jährlichen Bedarf von 150 Mio. t. Zur weiteren Erhöhung der Milchproduktion wurde deshalb ein fünfjähriger
            17
Aktionsplan über insgesamt rund 260 Mio. € aufgelegt. Damit sollen die Schwachpunkte verbessert werden: Zuchtpro-
gramme, Verfügbarkeit von Futter, tierärztliche Versorgung, Infrastruktur für die Milchanlieferung und die Anbindung an
die Märkte.

Die Tagesleistung je Tier liegt bei den einheimischen Rassen im landesweiten Durchschnitt bei 2,22 l, wobei es je nach
Bundessaat eine Bandbreite der Durchschnittswerte von 0,93 l (Assam) bis 6,5 l (Punjab) gibt. Bei eingekreuzten Tieren
liegen die Durchschnittswerte landesweit bei 6,63 l, mit dem geringsten Wert bei 3,70 l (Assam) und dem höchsten Wert
bei 10,95 l (Punjab). Bei den Büffeln liegen die durchschnittlichen Tagesleistungen bei 4,58 l, auch hier werden die höch-
sten Werte im Punjab erzielt (8,59 l).

Ca. 80 % der Milch wird im unorganisierten Sektor erzeugt, die übrigen 20 % entfallen zu etwa gleichen Anteilen auf
Kooperativen und private Molkereien. Die Zahl der Milchviehhalter wird mit ca. 70 Mio. Haushalten angegeben. Das
kooperative System ist im Molkereisektor relativ gut etabliert. Knapp 15 Mio. Tierhalter haben sich in fast 50.000 dörfli-
chen „Dairy Cooperative Societies“ organisiert, die wiederum zu größeren kooperativen Vereinigungen zusammenge-
schlossen sind. In den vergangenen 10 Jahren hat sich im Milchsektor mit neuen Erzeugerorganisationen eine modernere
Form von Kooperationen gebildet. Die Erzeugerorganisationen lassen als Mitglieder und Entscheidungsträger nur Milch-
viehhalter zu. Sie sind in ihrer Tätigkeit breiter aufgestellt als die traditionellen Milch-Kooperativen und auch bei der Ver-
arbeitung und Vermarktung der Milch aktiv.

Bei den Genossenschaften beträgt die tägliche Anlieferung im Durchschnitt pro Mitglied 3-4 Liter. Es gibt dort keinen
spezialisierten Milchviehhalter, sondern Milch ist ein Nebenprodukt, in dessen Erzeugung nicht viel investiert wird. Grö-
ßere Viehbestände mit 25-40 oder auch über 100 Tieren, mit besseren genetischen Eigenschaften und fachgerechter Fütte-
rung, wie es die privaten Molkereien anstreben, sind immer häufiger anzutreffen, erfordern allerdings Investitionen.

Produziert werden Trinkmilch, Butter, Ghee, Sauermilchgetränke/Joghurt und als höherwertige Produkte indischer Frisch-
käse (Paneer), Mozzarella, Kondensmilch und Babynahrung. Vermehrt werden auch Fruchtjoghurt, Speiseeis, Käse, pro-
biotische Getränke hergestellt.

Die Molkereien behaupten, mit der Qualität der Milch gut zurecht zu kommen, trotz der vielen Tierhalter mit angelieferten
Kleinstmengen. Da die gelieferte Milch häufig nicht auf den einzelnen Tierhalter sondern bezogen auf ein Dorf oder eine
Verwaltungseinheit registriert und untersucht wird, wird bei Qualitäts- und Hygienemängeln nicht nur der Einzelne sondern
der gesamte Verbund durch Ausschluss sanktioniert, was offenbar eine sehr durchgreifende Kontrollwirkung der Milchlie-
feranten untereinander erzeugt. Labors testen jedenfalls bei den großen Molkereien nicht nur Keimzahlen sondern auch
Rückstände.

Fleisch-/ Geflügelbranche
Die Produktion von (Büffel-) Fleisch ist derzeit noch eher ein Nebenprodukt der Milchviehhaltung. Der tierische Sektor
(Büffelfleisch, Eier- und Geflügelsektor) ist ein wesentlicher Zweig der Agrarwirtschaft. Seit 1990 gilt der Export von

17
     National Dairy Plan Phase I (NDP-I)
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                                                                                                         18
Büffelfleisch als prioritäre Maßnahme zur Devisenbeschaffung („Pink Revolution“ ) und wird politisch gefördert. Nach
wie vor ist jedoch die Haltung von Tieren mit dem Ziel, sie als Ware zum Verzehr anzubieten, mehr oder weniger tabu. Die
Schlachtung von Rindern ist nur in den Bundesstaaten Kerala und West-Bengalen erlaubt. Es soll daher einen regen
Schmuggel von Rindern mit dem Ziel der Schlachtung geben. Im Vorfeld der Parlamentswahlen 2014 wurde der amtieren-
                                                                          19
den Regierung durch den Spitzenkandidaten der Oppositionspartei BJP vorgeworfen, Indien durch die Subventionierung
moderner, exportorientierter Schlachthäuser zu einer Fleisch-Nation machen zu wollen. Hunderttausende von Eingaben
kritisierten diese Exportpolitik und beriefen sich darauf, dass das verfassungsmäßige Ziel des „Mitgefühls für lebende
Kreaturen“ verletzt werde. Der damit befasste Petitionsausschuss des Parlaments empfahl im Februar 2014 eine Überprü-
fung dieser Politik. Der Ausschuss äußerte sich nicht nur besorgt über die unhygienischen Bedingungen in Schlachthöfen
(neben 38 modernen und überwachten Schlachthäusern für den Export gibt es fast 30.000 überwiegend nicht registrierte),
sondern auch wegen der Nichtbeachtung von Tierschutzaspekten.

In diese Richtung gehen bereits Überlegungen, zur Verbesserung der Schlachthygiene und der Vermeidung von Transport-
                                                                                                       20
Verlusten, in ländlichen Gebieten moderne Schlachthäuser zur Versorgung der Großstädte zu schaffen . Damit soll die
Qualität für die Weiterverarbeitung des Fleisches und der Nebenprodukte sowie auch die Einnahmequellen für die Tierhal-
ter verbessert werden. Der Petitionsausschuss empfiehlt ferner u. a., den Export des Fleisches weiblicher Büffel sowie den
Schmuggel von Rindern zu unterbinden. In dieselbe Richtung gehen bereits Überlegungen, männliche Büffel für die
Fleischproduktion aufzuziehen und export-orientierte Schlachthäuser damit zu versorgen. Pilotprojekte sollen in einigen
Bundesstaaten durchgeführt werden.

Nach offiziellen Angaben wurden 2011/12 rd. 66,5 Mrd. Eier (Verdoppelung gegenüber 2000), 5,5 Mio. t Fleisch (davon
2,47 Mio. t Geflügelfleisch, 1,5 Mio. t Büffelfleisch sowie Ziegen-/Schaffleisch) erzeugt. Plausibel und relativ detailliert
                     21
sind die von APEDA veröffentlichten Exportzahlen. Danach wurden 2012/13 rd. 1.107 Mio. t Büffelfleisch im Wert von
fast 3,2 Mrd. US-$ vorwiegend nach Südost-Asien sowie den Nahen und Mittleren Osten exportiert. Es kann nicht ausge-
schlossen werden, dass als Büffelfleisch deklariertes Fleisch tatsächlich vom Rind stammt.

Der Geflügelsektor (Legehennen und Broiler) wächst rasch. Indien zählt weltweit zu den größten Eier- und Geflügel-
fleischproduzenten. Die Inlandsnachfrage nimmt mit verändertem Konsumverhalten und steigenden Einkommen laufend
zu, und auch für Exporte (2012/13 im Wert von fast 60 Mio. €) ist der Sektor nicht uninteressant (die Ernährungsindustrie
in Deutschland liegt wertmäßig als Exportdestination an 4. Stelle, gefolgt von den Niederlanden und Dänemark).

Die Geflügelhaltung umfasst ein breites Spektrum unterschiedlicher Betriebsformen, von der Tierhaltung im Hinterhof (fast
50 % des Bestandes) bis zu exportorientierten, voll-integrierten und hochindustrialisierten Produktionsformen. Gerade auch
für Kleinstlandwirte und Landwirte ohne eigenes Land bietet sich hier die Möglichkeit, Einkommen zu generieren. Die
jährliche Pro-Kopf Verfügbarkeit von Eiern lag 2011/12 bei 55 Stück, wobei der tatsächliche Konsum regional stark
schwankt. Der Geflügelsektor zählt ebenso zu den besonders durch die Zentralregierung geförderten Sektoren.

Lebensmittelindustrie
Die indische Lebensmittelindustrie ist noch wenig entwickelt und beschränkt sich im wesentlichen auf wenige Sektoren mit
niedriger Veredelungsstufe: Milchwirtschaft, Fleisch und Fisch, Getränke (alkoholische und nicht-alkoholische), Backwa-
            22
ren. Nur 8% der von der Landwirtschaft erzeugten Nahrungsmittel werden verarbeitet. Trotzdem entfällt rd. 1/3 des
Umsatzes im Lebensmittelsektor auf Verarbeitungsprodukte. Zwei Drittel dieser Wertschöpfung werden im organisierten
Sektor erzielt. Für die letzten 5 Jahre konnte eine überdurchschnittliche Wachstumsrate von 8,4 % erzielt werden. 2010/11
verzeichnete die Lebensmittelindustrie 6,4 Mio. Arbeitsplätze, davon lediglich 1,6 Mio. im organisierten Sektor. Die Ver-

18
   in Anlehnung an die Intensivierung der Landwirtschaft (Green Revolution) und der Milchwirtschaft (White Revolution)
19
   Bharatiya Janata Party
20
   Das dafür zuständige Ministerium für Ernährungsindustrie hat die Bereitstellung von ca. 1,8 Mio. € für die Modernisierung der Schlachthöfe in Aussicht
  gestellt.
21
   APEDA: Agricutural and Processed Food Products Export Development Authority im Geschäftsbereich des Ministeriums für Handel und Industrie
22
   Die Angaben dazu schwanken stark, da wegen der Struktur des Sektors im Grund nur Daten für Ware, die exportiert wird, erhoben werden sowie für den
   noch kleinen organisierten Sektor.
12       Länderbericht Indien

                                                                                                      23
arbeitungsrate variiert nach Produktsegmenten, mit der höchsten Rate von 37 % im Molkereisektor (15 % davon im
organisierten Sektor, der vorrangig H-Milch und aromatisierte Milch herstellt). Der Fischereisektor weist naturgemäß eine
relativ hohe Rate von 26 % auf (Tiefkühlware und Konserven fast ausschließlich für den Export), während bei Obst und
Gemüse (2 %; rund die Hälfte im organisierten Sektor mit Säften und Pulpen) sowie Fleisch und Geflügel die Veredelungs-
raten noch sehr gering sind (1%, vorrangig Exporte; im Geflügelbereich auch einzelne Markenprodukte für den heimischen
Markt).

Die gesamte Branche braucht Fachwissen und Technologie und sucht nach Investoren und Kooperationspartnern. Derzeit
fehlen noch Distributionswege für Verarbeitungsprodukte – von den Transportmöglichkeiten, einschließlich der Kühlkette,
bis zum organisierten Einzelhandel. In den letzten Jahren gab es jedoch spürbare Fortschritte, so dass Händler, die bisher
die Transporte über die gesamte Strecke selbst in die Hand nahmen, davon berichten, dass sie sich jetzt auf ein etabliertes
System in ihrem Einzugsbereich verlassen können. Wenn die logistischen und strukturellen Voraussetzungen für die
Industrie geschaffen sind, dürften sich auch die Absatzchancen für Lebensmittel aus dem Ausland deutlich verbessern.

Der Sektor ist vollständig frei gegeben für ausländische Direktinvestitionen. Die offizielle Genehmigung erfolgt automa-
tisch ohne Beschränkungen hinsichtlich der Höhe ausländischer Beteiligungen an einem Unternehmen. 2012/13 lag das
ausländische Investitionsvolumen in diesen Sektor bei 401,46 Mio. US-$.

                                                                                                                         24
Die indische Regierung wirbt seit Jahren verstärkt um ausländisches Investment in Food Parks und ist dazu mit vielen
Ländern im Gespräch. Diese Option scheint aber nur für kleinere Betriebe interessant zu sein, die bereit sind, die Infra-
struktur mit anderen dort angesiedelten Unternehmen zu teilen, und sich darauf zu verlassen, dass der Food Park Betreiber
die Einrichtungen bei Bedarf auch wirklich zur Verfügung stellt. Trotz großen politischen Engagements und internationaler
Beteiligungen ist hier der große Erfolg noch nicht eingetreten.

Fischerei und Fischereierzeugnisse
Indien hat eine Küstenlinie von 8.100 km und 7,3 Mio. ha Binnengewässer. Die Fischproduktion belief sich 2011/12 (April
– März) auf 8,67 Mio. t (3,37 Mio. t Salzwasserfische und 5,30 Mio. t Süßwasserfische). Der Fischereisektor wächst
gemessen an der Landwirtschaft überdurchschnittlich. Besonders die Bedeutung der Aquakultur (Küstennähe und Süß-
wasser) erlangt immer größere Bedeutung und wird wegen des Exportpotenzials besonders gefördert.

2011/12 erzielte der Sektor bei den Exporten mit 0,862 Mio. t (davon 0,19 Mio. t gefrorene Shrimps) im Wert von rd. 1,9
Mrd. € (ca. die Hälfte des Werts entfällt auf Shrimps) ein mengenmäßiges Wachstum von 6 % bei einer wertmäßigen Stei-
gerung von 28 % in INR und 22,8 % in US-$. Damit hat sich Indien international während einer angespannten wirtschaftli-
chen Lage mehr als gut in diesem Sektor behauptet. Mengenmäßig sind die wichtigsten Märkte Südostasien (40 %), die EU
(18 %) sowie China und Japan (je 10 %); wertmäßig liegen die USA mit 23 % nach Südostasien (25 %) und der EU (23 %)
an dritter Stelle.

Die Erfolge im Export ließen sich im Folgejahr nicht uneingeschränkt wiederholen (insgesamt aber immerhin ein weiterer
Anstieg auf 0,964 Mio. t). Das Vorhandensein von Ethoxyquin in Shrimps-Lieferungen führte zu einem drastischen Ein-
bruch bei den Liefermengen nach Japan und in der Folge auch in die EU und die USA. Die indische Fischwirtschaft ist
                                                                                                                      25
darum bemüht, dieses Rückstandsproblem dauerhaft in den Griff zu bekommen. Im Rahmen der CITD-Initiative der EU ,
die sich in einem ersten Schritt mit SPS-Fragen und Lebensmittelsicherheit beschäftigt, wurden Fischerei und Aquakultur
als prioritäre Sektoren für die Zusammenarbeit vereinbart. Die Arbeiten dazu haben im Frühjahr 2014 begonnen.

23
   Die Zahlen sind Angaben des Ministeriums für Ernährungsindustrie, können aber nur Anhaltspunkte sein, da die Betriebe überwiegend dem unorganisierten
   Sektor zuzurechnen sind, für den es keine belastbaren Daten gibt.
24
   In sog. (Mega) Food Parks werden Akteure eines Industriesektors örtlich gebündelt und können auf die erforderlichen infrastrukturellen Serviceeinrichtungen
   wie Verpackung, Kühlung, Lagerung gemeinsam zugreifen. Die Ansiedlung solcher Food Parks wird stark durch die Regierung unterstützt, mit interessanten
   Vergünstigungen, auch im Rahmen von Private-Public-Partnership. So werden z.B. auch Darlehensmittel für die Schaffung gekühlter Lagerkapazitäten über
   die gesamte Produktionskette zur Verfügung gestellt und zwar für sämtliche Produktgruppen der Ernährungsindustrie, einschließlich Fisch und Fleisch.
25
   Capacity Building Initiative for Trade Development in India
Länderbericht Indien                                                                                                                                   13

Rahmenbedingungen für Handel und Industrie
Mindeststützpreise
Nach indischem Verständnis ist der Staat Garant für die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung. Im Zentrum der indi-
schen Agrarpolitik steht daher das Food Management, das sich traditionell im wesentlichen auf Getreide (Weizen und Reis)
bezieht.

                                                       26
Die Ernte wird zu einem Mindeststützpreis durch öffentliche Stellen (teilweise Zentralregierung in Zusammenarbeit mit
den Bundesstaaten) aufgekauft, um fixierte Mindestreserven aufrecht zu erhalten, sowie Interventionslagerbestände zur
Preisstabilisierung und operative Lagerbestände für Sozialleistungen an Bedürftige anzulegen. Die Stützpreise wurden
angesichts gestiegener Produktionskosten über die vergangenen Jahre teilweise deutlich angehoben. Es ist aber umstritten,
ob die gestiegenen Herstellungskosten der Landwirte angemessen berücksichtigt wurden. Eine gesicherte Profitmarge für
die Landwirte ist nicht vorgesehen.

Ein Mindeststützpreis und damit ein theoretisch garantierter Erlös existiert zwar für die meisten Ackerkulturen (nicht für
                                                                                   27
Obst und Gemüse sowie tierische Produkte). Das öffentliche Interventionssystem greift aber vorwiegend nur für Weizen
und Reis. Erzeuger anderer Kulturen können nicht zum Stützpreis verkaufen, wenn es keine Käufer zur Belieferung des
öffentlichen Verteilungssystems gibt. Hinzu kommt, dass sich der Ankauf von Getreide auf wenige Bundesstaaten be-
schränkt. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums können nur 50 % der Landwirte zum Stützpreis verkaufen. Viele
Landwirte können daher nur zu den Preisen verkaufen, die sich vor Ort realisieren lassen, und die in der Regel unter den
Stützpreisen liegen. Eine Erhöhung der Stützpreise mag dann bei öffentlichen Reden des Ministers Beifall bringen, hat aber
keinerlei Bedeutung für die Situation des Landwirts (z. B. Erhöhung des Stützpreises für Sonnenblumen im Wirtschaftsjahr
2013-14 um 40 %), wenn der Preis nicht realisiert werden kann.

Landwirten, die ihre Ware nicht zu einem kostendeckenden Preis verkaufen können, fehlt ein Anreiz zur Produktion für
den Markt. Im besten Fall entscheiden sie sich dazu, Kulturen anzubauen, die wirtschaftlich rentabler erscheinen. Da diese
Entscheidungen (z. B. mehr Anbau von Baumwolle, Zucker, Mais) aber in der Regel unisono von vielen Landwirten
getroffen werden, verblassen die vermeintlichen Preisvorteile wegen der plötzlich angebotenen großen Menge auch wieder
rasch.

Öffentliches Ankauf- und Verteilungssystem
Derzeit befinden sich 70 % der Lagerstätten für die öffentliche Vorratshaltung im Eigentum der öffentlichen Hand. Die
Verteilung der Vorräte im Rahmen von Sozialprogrammen an Personen in besonderen Situationen und Notlagen (Schwan-
gere, Stillende, Schulkinder, Obdachlose) erfolgt über das öffentliche Verteilungssystem (PDS) in „Public Distribution
Shops“. Dieses Verteilungssystem wird von allen Seiten als ineffizient kritisiert. Die Defizite sind unbestritten. Das System
ist nicht nur kostenintensiv, sondern auch extrem betrugs- und korruptionsanfällig und verstärkt eher das Versorgungs-
problem als es zu mindern. Nach verschiedenen von der Regierung selbst zitierten Studien gehen 60 – 70 % der für das
PDS aufgekauften Ware auf dem Weg zur Zielgruppe verloren. Eine dafür eingesetzte unabhängige Evaluierungsstelle hat
dies im Februar 2014 bestätigt. Nach ihren Erkenntnissen erreichen 57 % der subventionierten Nahrungsmittel die
Anspruchsberechtigten nicht.

Es gibt viele plausible Vorschläge zur Reformierung des Systems, gerade auch aus Regierungskreisen. Dennoch wurde
keiner dieser Vorschläge (z. B. die Einführung von Bezugsscheinen oder Kreditkarten sowie Geldtransfers an die Berech-
tigten) aufgegriffen. Vermutlich verteidigen zu viele Beteiligte ihren vermeintlichen Besitzstand. Es liegt daher auf der

26
     MSP = Minimum Support Price: Indien hat bei der WTO ein negatives aggregiertes Stützmaß notifiziert, d. h., die Erzeugerpreise liegen unter den
     Weltmarktpreisen.
27
     Die politische Verantwortung für die Intervention liegt bei dem Ministerium für Verbraucherangelegenheiten, Ernährung und Öffentliche Verteilung. Der
     Aufkauf von Weizen und Reis wird überwiegend zentral gesteuert durch das Staatshandelsunternehmen „Food Corporation of India – FCI“. Die
     Verantwortlichkeit für die Verteilung liegt bei den Bundesstaaten.
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