Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut

 
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Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
1|2021

Forschung und
Aktivitäten
Januar bis März 2021
––––––––
Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
Inhalt

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
  Personalia: Michael Dedek ist neuer kaufmännischer Geschäftsführer  . . . . . . . . . . . . . . . 4
Forschungsprojekte und -ergebnisse  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
   Müllfreies München  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
   Studie: Mannheims Weg zur Klimaneutralität  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
   Regionale Geschäftsmodelle stärken und Städte lebenswert gestalten . . . . . . . . . . . . . . . 7
   Bewertungsbericht zu Technologien für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe  . . . . . 8
   Regionale Verhältnisse in Zeiten von Corona  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
   Was knappe Wasserressourcen für die Energiewende bedeuten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
   Abschlussveranstaltung Virtuelles Institut „Transformation – Energiewende NRW“ . . . . 9
Tagungen/Forschungstransfer  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
  Wuppertal Institut in Top Ten im umweltpolitischen Denkfabriken-Vergleich . . . . . . . . . 10
  Gemeinsam für eine sozial-ökologische Digitalisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
  Industrie der Zukunft: klimaneutral und wettbewerbsfähig  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  11
  Der Weg in eine klimaneutrale Industrie  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  11
  Wuppertal Lunch als digitaler Zukunftssalon – Impulse transformativer Forschung  . . . 12
  Energieversorgung sicherstellen: wie und woher?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
  Suffizienz ist elementarer für Klimaschutzstrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
  GAIA ehrt die besten Artikel des Jahres 2020  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
  Der digitale Produktpass – Fluch oder Segen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Forschungsprodukte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
  Grüner Aufschwung: Ist die EU auf dem richtigen Weg?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
  Studie: Das Fahrrad als Wirtschaftsfaktor  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
  Top-Ten-Publikationen 2020  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
  Mehr Elektroautos und vereinfachtes Laden essentiell für Klimaschutzziele . . . . . . . . . . 17
Anhang  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
   Personalveränderungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
   Neue Projekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
   Veranstaltungen und Vorträge  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  20
   Publikationen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  24

Impressum
Der Quartalsbericht erscheint vierteljährlich mit einer
Darstellung von Höhepunkten der Aktivitäten des
Wuppertal Instituts in den vorangegangenen drei Monaten.

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH
Quartalsbericht 1/2021

Geschäftsführung: Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick,
wissenschaftlicher Geschäftsführer, und Michael Dedek,
kaufmännischer Geschäftsführer
Redaktion: Christin Hasken, Anna Riesenweber
Döppersberg 19, 42103 Wuppertal
Fotos: siehe Bildlegenden, Titelseite GettyImages
Telefon: +49 202 2492-0, Fax: -108
E-Mail: info@wupperinst.org, Internet: wupperinst.org
Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
Liebe Leserinnen und Leser,

 seitdem Geschäfte, Gastronomie sowie Kultureinrich-
 tungen geschlossen sind, verbringen wir deutlich mehr
 Zeit in den eigenen vier Wänden. Die Corona-bedingten
 Beschränkungen sind laut Angaben des Bundesinstituts
 für Bevölkerungsforschung gerade für Familien in Groß-
 städten und beengten Wohnverhältnissen ohne Garten
 besonders herausfordernd. Doch nicht nur zu wenig,
 sondern auch zu viel Wohnraum kann eine Belastung
 sein, wenn – vor allem ältere – Menschen sich isoliert
 fühlen oder mit der Instandhaltung überfordert sind.
 In einer Online-Umfrage des Wuppertal Instituts gaben
 fast 40 Prozent von insgesamt 2.500 Menschen an, dass
 sich ihrer Einschätzung nach die Wohnqualität durch
 Corona verändert hat – positiv wie negativ. Die Teilneh-
 menden gaben zudem häufig an, wie wichtig es sei in
 einer guten Gemeinschaft oder Nachbarschaft zu leben              Quelle: Mathias Kehren, Wuppertal
 oder äußerten den Wunsch nach mehr Gemeinschaft
 in unmittelbarer Umgebung. Dies sind Ergebnisse, die
 das Wuppertal Institut im Rahmen des vom Bundes­           geprägt sein durch: mehr Grün durch Bäume und Hoch-
 forschungsministerium-geförderten Projektes „Opti-         beete, eine ansprechende Rad- und Fußverkehrsinfra-
 Wohn – Flächennutzung optimieren, Neubaudruck              struktur – unter anderem über die Installation von Fahr-
 mindern“ ermittelt hat.                                    radabstellanlagen und -garagen – sowie eine Außen­
 Daneben beschäftigte sich das Forschungsteam auch          gastronomie und öffentliche Orte mit Bänken und
 mit der Frage, wie der Wohnbestand in den Städten          Spielplätzen, die zum Verweilen einladen. Auf diese
 besser genutzt werden kann. Dazu gehören beispiels-        Weise soll die Aufenthaltsqualität der Straßen deutlich
 weise die Beratung zur baulichen Anpassung von zu          erhöht und der Straßenraum sozial gerecht und im
 groß gewordenen Wohnungen und Häusern oder die             Einklang mit den Herausforderungen des Klimawandels
 Vermittlung alternativer Wohnungen oder Wohnpro­           umgebaut werden.
 jekte über Modelle, wie Wohnungstausch oder Gemein-
 schaftswohnen.                                             Eine spannende Lektüre wünschen
 Aber nicht nur die eigene Wohnung, auch das Umfeld
 und die Region, in der man lebt, haben während der
 Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Viele
 städti­sche Viertel haben aber oft nicht mehr zu bieten
 als Straßen mit grauen Fassaden und zahlreichen Autos,     Michael Dedek und Manfred Fischedick
 die auf beiden Seiten der Straßen parken. Im Projekt       (kaufmännischer Geschäftsführer
„LesSON – Lebenswerte Straßen, Orte und Nachbar-            und wissenschaftlicher Geschäftsführer)
 schaften“ plant das Wuppertal Institut daher gemein-
 sam mit Anwohnerinnen und Anwohnern die Umgestal-
 tung „ihrer“ Quartiersstraßen hin zu klimaresilienten,
 grünen und dekarbonisierten Begegnungsorten. Die
 Konzepte sehen dabei von Anfang an eine Neuauftei-
 lung des öffentlichen (Straßen-)Raums vor. Anstelle
 von parkenden Autos soll das Straßenbild beispielsweise

                                                                       Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021 3
Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
Personalia: Michael Dedek ist neuer
kaufmännischer Geschäftsführer
Zum 1. Januar 2021 übernahm Michael Dedek              meinnützige GmbH, der Personalbereich sowie
die kaufmännische Geschäftsführung des                 rechtliche Fragestellungen aus dem Haushalts-
Wuppertal Instituts und löste damit Brigitte           recht, dem Arbeitsrecht sowie dem Steuer- und
Mutert-Breidbach ab, die sich zum Ende des             Gesellschaftsrecht. Die institutionelle För­derung
vergangenen Jahres in den Ruhestand verab-             durch das Land Nordrhein-West­falen und das
schiedete. Der gebürtige Sauerländer leitet            Controlling des Projekthaushalts, Abgrenzungs-
nun gemeinsam mit dem wissenschaftlichen               fragen der Gemeinnützigkeit sowie die Leitung
Geschäftsführer Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick      der Administration (Personal, Finanzen und
das Wuppertal Institut. Mit Prof. Dr.-Ing. Man-        Controlling, Projektverwaltung, Allgemeine Ver-
fred Fischedick und Michael Dedek als Doppel-          waltung) sind weitere Schwerpunkte.
spitze stellt sich das Wuppertal Institut den         „Ich freue mich darauf, am Wuppertal Institut
Heraus­forderungen der kommenden Jahre.                gestaltend mitzuarbeiten, einem Institut, das sich
Michael Dedek ist auf die betriebswirtschaftliche      sehr umfassend mit den wichtigsten Fragen der
und rechtliche Steuerung von Dienstleistungs­         Zukunft dieser Welt auseinandersetzt, Wissen
institutionen aus dem Bereich der Forschung            generiert, Debatten und Begriffe prägt und auch
und Beratung spezialisiert. Zu seinen Aufgaben         praktisch berät und umsetzt“, sagt Michael Dedek,
im Wuppertal Institut gehören insbesondere die         kaufmännischer Geschäftsführer des Wuppertal
kaufmännische Geschäftsführung, die betriebs-          Instituts.
wirtschaftliche Steuerung des Instituts als ge-        Der studierte Ökonom und Wirtschaftsjurist
                                                       Michael Dedek war seit dem Gründungsjahr 1994
                                                       für das BICC (Bonn International Center for
                                                       Conversation GmbH) tätig, das ebenso wie das
                                                      Wuppertal Institut Mitglied der Johannes-Rau-
                                                       Forschungsgemeinschaft (JRF) ist. Zunächst
                                                       arbeitete er dort als wissenschaftlicher Mitarbei-
                                                       ter, später als Abteilungsleiter PR & Dokumen­
                                                       tation, Prokurist und kaufmännischer Leiter und
                                                       war zuletzt acht Jahre kaufmännischer Geschäfts-
                                                       führer des BICC. > mehr

Seit dem 1. Januar 2021 ist Michael Dedek kauf­
männischer Geschäftsführer des Wuppertal Instituts.
Quelle: Mathias Kehren, Wuppertal

4 Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021
Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
Forschungsprojekte
      und -ergebnisse

Müllfreies
München
––––––––
 Der Münchener Stadtrat hat im Som­
 mer 2020 beschlossen, die Stadt zur
„Zero Waste City“ zu machen. Hinter
 diesem Konzept steckt das große Ziel,
 alle verfügbaren Ressourcen zu bewah­
 ren – etwa durch verantwortungsvollen
 Konsum, nachhaltige Produktion,
 Wiederverwendung und Verwertung
 von Produkten und Materialien. Da­              Quelle: GettyImages
 durch werden weniger Energie und
 Ressourcen verbraucht und weniger
 Treibhausgase ausgestoßen.                und Münchnern ausgearbeitet und              ment richten. Im Rahmen der Work-
 Das Wuppertal Institut erstellte dafür    umgesetzt werden. Bis Juli 2021 finden       shops erarbeiten die Teilnehmenden
 im Auftrag des Abfallwirtschafts­         dafür insgesamt fünf Workshops statt,        Maßnahmen für die verschiedenen
 betriebs München (AWM) zusammen           die sich an die Zivilgesellschaft, Bil-      Sek­toren der Stadt München, um
 mit rehab republic e. V., Stakeholder     dungseinrichtungen, Mitarbeitende            die Abfallmengen zu reduzieren.
 Reporting und Prognos ein Zero-Waste-     der städtischen Verwaltung und Politik,      Auf der Onlineplattform „Zero Waste
 Konzept. Ziel war es, einen konkreten     Unternehmen, Handel und Events,              München“ können alle Münchner
 Handlungsplan mit Best-Practice-Bei­      sowie Zuständige im Abfallmanage-            Bürgerinnen und Bürger mitwirken:
 spielen sowie neuen innovativen Ideen                                                  Die Website bündelt Aktivitäten,
 zur Abfallvermeidung bis zum Frühjahr                                                  politische Themen, Orte, Infos und
 2022 auszuarbeiten. Dieses Konzept                                                     Termine, wie etwa zu der kommenden
 dient als Basis für eine Zertifizierung                                                Workshopreihe. > mehr
 als sogenannte Zero Waste City –
 eine Auszeichnung, die der europä­
 ische Verein Zero Waste Europe vergibt.
 Es soll gemeinsam mit Münchnerinnen

                                                                                     Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021 5
Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
Quelle: GettyImages

Studie: Mannheims Weg
zur Klimaneutralität
––––––––
 Die Stadt Mannheim kann spätestens bis         Damit schafft sie eine wissenschaftliche       vollständig mit lokalen grünen Energien
 zum Jahr 2050 vollständig klimaneutral         Grundlage für die Umsetzung konkreter          gedeckt werden: Dabei ersetzt die Wär-
 werden und damit einen maßgeblichen            Klimaschutzmaßnahmen in der Stadt              me aus der thermischen Abfallbehand-
 Beitrag zur Umsetzung der Ziele des Pariser    Mannheim und den dafür notwendigen             lung, Biomasse, Flusswärmepumpe, Tie-
 Klimaabkommens auf kommunaler                  breiten gesellschaftlichen Dialog. Sie hilft   fengeothermie und industrieller Abwär-
 Ebene leisten. Das ist das zentrale Ergebnis   damit, die zentralen Richtungsentschei-        me vollständig die Wärme aus dem
 der „Energierahmenstudie Mannheim              dungen in den kommenden Jahren auf so-         Großkraftwerk Mannheim.
– Wege zur Klimaneutralität“, die das           lider Basis treffen zu können.”                Neben der grünen Erzeugung von Strom
 Energieunternehmen MVV in Abstimmung           Das Klimaschutzszenario der Studie ar-         und Wärme trägt die Verkehrswende
 mit der Stadt beim Wuppertal Institut in       beitet heraus, dass die Stadt langfristig      maßgeblich zum Erreichen der Kli-
 Auftrag gegeben hat. Die Studie unter-         mehr als doppelt so viel grünen Strom          maneutralität bei. Denn ohne sie droht
 sucht und beschreibt die Handlungsmög-         erzeugen kann als von Privathaushalten         die Mobilität langfristig zum CO2-inten-
 lichkeiten und Umsetzungsvorausset-            und Gewerbe benötigt wird. Die wich-           sivsten Sektor zu werden. > mehr
 zungen in den Bereichen Strom, Wärme,          tigste Rolle spielt dabei die Nutzung von
 Verkehr und Industrie.                         Sonnenenergie. Die grünen Stromerzeu-
 Die Autorinnen und Autoren beschreiben         gungspotenziale reichen jedoch insge-
 in der Studie ein ambitioniertes, aber         samt nicht aus, um auch die gesamte in-
 realisierbares Klimaschutzszenario, das die    dustrielle Stromnachfrage vor Ort zu de-
                                                                                                          Studie | März 2021

 loka­len Potenziale, Bedarfe und Herausfor-    cken. Wie die meisten deutschen
 derungen Mannheims berücksichtigt. Sie         Großstädte wird daher auch Mannheim
 geben Handlungsempfehlungen für kon-           zukünftig auf überregionale Energiebe-
 krete Maßnahmen, die neben dem Kohle-          züge angewiesen sein. Somit ist das Ge-
 ausstieg für das Erreichen der Klimaneutra-    lingen der bundesweiten Energiewende
 lität bis spätestens 2050 erforderlich sind.   eine wesentliche Voraussetzung für die
 Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick,             Klimaneutralität Mannheims.
                                                                                                        Wege zur Klimaneutralität
 wissenschaftlicher Geschäftsführer des         Die Fernwärmenachfrage kann hingegen                                           ENERGIERAHMENSTUDIE MANNHEIM

 Wuppertal Instituts, fasste die Ergebnisse
 der Studie zusammen: „Die ‚Energierah-
 menstudie Mannheim‘ zeigt anschaulich,
 wie auch eine industriell geprägte Stadt
 wie Mannheim klimaneutral werden kann.

                                                                                                    Cover der Energierahmenstudie
                                                                                                    Mannheim

6 Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021
Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
Regionale Geschäftsmodelle
stärken und Städte lebenswert
gestalten
––––––––
 Innenstädte sind mehr und mehr geprägt
 von großen Kaufhaus- und Mode-Ketten,
 zahlreichen Leerständen und unpersön­
 lichen Einkaufsmeilen – häufig ohne
 regionalen Bezug. Dies will das Projekt
„Rollout Wirtschaftsförderung 4.0“ des               Mindmap Wirtschaftsförderung 4.0: Zur Strukturierung der Idee und der
 Wuppertal Instituts zusammen mit                    Arbeit vor Ort entwickelte das Wuppertal Institut dafür fünf Geschäftsfelder.
 Akteurinnen und Akteuren der lokalen                Quelle: Wuppertal Institut
 Wirtschaft nun in Witten, Witzenhausen
 und Wuppertal ändern. Repair-Cafés,
 regionale Produkte und eine mobile Ehren-
 amtsberatung sind Beispiele für Initia­     Mit dem Konzept der „Wirtschaftsförde-       pertal, Witten und Witzenhausen im
 tiven und Unternehmen, die Städte auf-      rung 4.0“ möchte das Wuppertal Institut      Rahmen des Projekts „Rollout Wirt-
 werten und ein wertschätzendes Ver-         mit seinen Partnerinnen und Partnern         schaftsförderung 4.0“ fort. In allen drei
 ständnis und Bewusstsein für die eigene     systematisch kooperative Wirtschaftsfor-     Städten wird jeweils eine Stelle als „Wirt-
 Stadt schaffen sollen.                      men, lokale Produktion und Gemeinwohl        schaftsförderung 4.0-Manager/in“ in­
 Bereits heute tragen regionale Produkte,    stärken. „Wir bringen Menschen und Ideen     nerhalb des vom Bundesministerium für
 Sharing-Initiativen und solidarische        zusammen, um neue Synergien zu schaffen.     Bildung und Forschung (BMBF) geför-
 Landwirtschaft dazu bei, im Sinne einer     Dadurch können alle Menschen gleicher-       derten Projekts finanziert. Sie sind unter
 gemeinwohlorientierten, nachhaltigeren      maßen profitieren“, sagt Dr. Michael Ko-     anderem Ansprechperson im Bereich
 Lebensweise zu wirtschaften. Dabei ste-     patz, Senior Researcher im Forschungs-       lokale Wirtschaftsförderung für Initiati-
 hen die Menschen im Mittelpunkt, denn:      bereich Stadtwandel am Wuppertal Insti-      ven und Unternehmen vor Ort und
„Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie        tut. Ziel ist dabei nicht die möglichst      setzen sich für nachhaltiges regionales
 ihr Engagement machen eine Stadt aus“,      vollständige Selbstversorgung, sondern       Wirtschaften in ihrer Stadt ein.
 sagt Mona Treude, wissenschaftliche         mehr Selbstbestimmung, Eigenverant-          Zur Strukturierung der Idee und der Ar-
 Mitarbeiterin im Forschungsbereich          wortung und Hilfe zur Selbsthilfe, um        beit vor Ort entwickelte das Wuppertal
 Stadtwandel am Wuppertal Institut und       unabhängiger von globalen Wertschöp-         Institut dafür fünf Geschäftsfelder: al-
 Smart-City-Expertin. Gerade während         fungsketten zu werden und dafür kürze-       ternative Finanzkonzepte übertragen
 der Corona-Pandemie wurde deutlich,         re zu schaffen.                              und etablieren (Finanzwirtschaft), So-
 wie wichtig ein solidarisches Miteinan-     Was in Osnabrück 2018 erfolgreich be-        zialunternehmen ausbauen, Waren,
 der und die regionale Versorgungssicher-    gonnen hat, führt das Wuppertal Institut     Service- und Dienstleistungen teilen
 heit sind.                                  seit Anfang 2020 in den Städten Wup-         und tauschen (Sharing Economy), loka-
                                                                                          le Unternehmen fördern (Local Busi-
                                                                                          ness), lokale Produktion unterstützen.
                                                                                          Das Wuppertal Institut möchte außer-
                                                                                          dem ein bundesweites Förderpro-
                                                                                          gramm initiieren, äquivalent zu dem für
                                                                                          die kommunalen Klimaschutzmanage-
                                                                                          rinnen und -managern in den Städten.
                                                                                          Die Vision des Projektteams: Mithilfe
                                                                                          des Förderprogramms soll die Wirt-
                                                                                          schaftsförderung 4.0 in weiteren deut-
                                                                                          schen Städten zur Selbstverständlich-
                                                                                          keit werden, damit Leerstände in In-
                                                                                          nenstädten der Vergangenheit
                                                                                          angehören. > mehr

                                                                                   Quelle:
                                                                                   GettyImages

                                                                                      Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021 7
Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
Regionale Verhältnisse
                                                                                           in Zeiten von Corona
                                                                                           ––––––––
                                                                                            Herausforderungen für faire und nach-
                                                                                            haltige Stadt-Land-Beziehungen lassen
                                                                                            sich anhand der Transformationsfelder
                                                                                            Wald, Energie und Landwirtschaft viel-
                                                                                            fältig untersuchen. Akteurinnen und
                                                                                            Akteure verweisen bereits mit innovati-
                                                                                            ven Handlungsansätzen auf mögliche
                                                                                            Lösungswege für bestehende Probleme,
                                                              Quelle: GettyImages
                                                                                            wie beispielsweise die naturnahe Wald-
                                                                                            wirtschaft des Stadtwaldes Lübeck. Eine
                                                                                            wichtige Säule regionaler Wertschöp-
Bewertungsbericht zu Technologien für                                                       fung stellen die „Landwege“ dar. In die-
die Herstellung synthetischer Kraftstoffe                                                   sem Kontext spielen auch nachhaltige
                                                                                            Umgangsweisen mit der Natur eine große
––––––––                                                                                    Rolle, womit sich das Projekt VorAB
                                                                                            befasst. Die aktuelle Veröffentlichung
Um den Verkehrssektor treibhausgasneu­        die gesamte Wertschöpfungskette syn­         „Regionale Verhältnisse – in Zeiten von
tral zu gestalten, diskutieren Politik und    thetischer Kraftstoffe ab: von der Bereit­    Corona“ bündelt Erkenntnisse des ersten
Forschung zunehmend die Rolle synthe­         stellung von Energie und Vorprodukten         Projektjahrs. Die Publikation der Reihe
tischer Kraftstoffe auf Basis erneuerbarer    (darunter Strom, Wasser und Kohlen­          „VorAB Texte“ liefert allgemeine Beobach-
Energien. Diese könnten zukünftig ins­        stoffdioxid) über die Erzeugung von Was­      tungen zu Regionen sowie zur Lübecker
besondere dort zum Einsatz kommen, wo         serstoff und Synthesegas bis zur Synthese     Region im Speziellen. Sie skizziert die
eine direkte Elektrifizierung nicht oder      und Auf­bereitung der Kraftstoffe.            Geschichte der Region Lübeck und erkun­
nur schwer möglich ist – etwa im Schiffs-     Die Technologien stellen demnach die          det die gegenwärtige interkommunale
und Flugverkehr oder teilweise auch im        Bausteine dar, die auf ganz unterschied­      Zusammenarbeit. Zudem benennt die
Schwerlastverkehr.                            liche Weise zu verschiedenen Bereitstel­      Publikation strukturelle Bedingungen in
Innerhalb der Forschungsinitiative „Ener­     lungsrouten für zukünftig nachgefragte        den Akteursfeldern Wald, Energie und
giewende im Verkehr“ des Bundesminis­         Kraftstoffe kombiniert werden können.         Landwirtschaft und stellt erste Erkennt-
teriums für Wirtschaft und Energie (BMWi)     So sind zum Beispiel sowohl elektroly­        nisse zu Gemeinsamkeiten und Unter-
untersucht das Projekt MENA-Fuels             tische als auch thermochemische Verfah­       schieden der recherchierten, innovativen
deshalb die mögliche Rolle und die Aus­       ren geeignet, den benötigten Wasserstoff      Akteurinnen und Akteuren dar. Daneben
wirkungen der Nutzung synthetischer           zu erzeugen. Synthetische Kohlenwas­          reflektiert sie die Besonderheiten einer
Kraftstoffe in Deutschland. Das Wupper­       serstoffe wie Kerosin oder Benzin lassen      Regionalforschung unter Corona-Bedin-
tal Institut hat gemeinsam mit dem Insti­     sich wiederum entweder über die so­           gungen. Im Folgekapitel zeigt eine erste
tut für Solar­forschung des Deutschen         genannte Fischer-Tropsch-Synthese oder        Konstellationsanalyse zur „fairen und
Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR)        über den Zwischenschritt der Metha­           resilienten Region Lübeck“ bisher iden­
einen umfassenden Bericht vorgelegt, der      nolsynthese erzeugen. Die angelegten          tifizierte Chancen und Hürden für die
anhand unterschiedlicher Kriterien zahl­      Bewertungskriterien geben etwa Auf­           Regionalentwicklung. > mehr
reiche für die Herstellung synthetischer      schluss über großskalige Verfügbarkeit,
Kraftstoffe benötigte Technologien bewer­     Ressourcenbedarfe oder industriepo­­-
tet. Die Forscherinnen und Forscher ana­      li­tische Chancen der Technologien. Die
lysierten auf knapp 270 Seiten 28 Techno­     Ergebnisse legen beispielsweise nahe,
logien, die sie zuvor anhand bestehender      dass ein Großteil der betrachteten Kraft­
Literatur als relevant identifiziert haben.   stoffe bis zum Jahr 2030 über mindes­
Die ausgewählten Technologien decken          tens eine Route kommerziell verfügbar
                                              sein wird. > mehr

8 Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021
Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
Was knappe                                                                                  Abschlussveranstaltung des
Wasserressourcen                                                                            Virtuellen Instituts
für die Energiewende                                                                       „Transformation –
bedeuten                                                                                    Energie­wende NRW“
––––––––                                                                                   ––––––––
 Ob und wie das global zur Verfügung ste­      technik zunimmt. Damit wird die thermi­     Das Virtuelle Institut „Transformation –
 hende Wasser die Nutzung erneuerbarer         sche Stromproduktion zunehmend an­          Energiewende NRW“ hat in den letzten
 Energien begünstigt und fossile Energie­      fällig für Wasserknappheit als Folge des    Jahren die Wechselwirkungen gegenwär-
 träger ausbremst, haben neun Forschungs­      anthropogenen Klimawandels.                 tiger Megatrends mit der Energiewende
 einrichtungen – darunter auch das Wup­        Das Projektteam führte eine Wasserfuß­      in den Blick genommen. Kommunen
 pertal Institut – sowie kleine und mittlere   abdruck-Analyse entlang der gesamten        stehen vor der großen Herausforderung,
 Unternehmen im Rahmen des Verbund­            Energieversorgungskette durch. Die Ana­     notwendige Maßnahmen zur Energie-
 projekts WANDEL aus verschiedenen             lyse ergab, dass beispielsweise die Ener­   wende an den gesellschaftlichen Wandel
 Blickwinkeln untersucht. Das Projekt          gieerzeugung auf Basis nachwachsender       anzupassen. Dabei können sie gleichzei-
„Wasser­ressourcen als bedeutsamer Fak­        Rohstoffe einen sehr hohen Wasserfuß­       tig von den Chancen, die dieser gesell-
 tor der Energiewende auf lokaler und          abdruck aufweist. Integrierte Systeme       schaftliche Wandel für die Energiewende
 globaler Ebene“ wurde von der Ruhr-           mit Nutzung von Abfallstoffen (hier die     mit sich bringt, profitieren.
 Universität Bochum und der Universität        Zuckerrohrbagasse) zur Energieerzeu­        Die Veranstaltung „Energiewende in
 Kassel koordiniert und Ende 2020 ab­          gung können den Wasserfußabdruck bei­       NRW: zwischen kommunaler Umsetzung
 geschlossen.                                  spielsweise erheblich senken. Die Risiko-   und globalen Megatrends“ fand am
 Die Projektergebnisse zeigen, dass Stra­­-    und Nachhaltigkeitsanalysen zeigen,         25. März 2021 als digitales Event statt.
 te­gien zur Transformation des Energie­       dass die Energieversorgung mit zuneh­       Sie verdeutlichte, auf welche Weise dies
 systems im Rahmen der Energiewende            mend häufigerer Wasserknappheit und         gelingen kann und präsentierte heraus-
 nicht nur die Reduktion von Treibhaus­        Dürre unter Klimawandel-Bedingungen         ragende Beispiele aus der Praxis. Darü-
 gasemissionen berücksichtigen sollten,        verwundbarer wird. Besonders in ariden      ber diskutierten unter anderem Vertrete-
 sondern auch den Wasserverbrauch.             Regionen ist Wasser bereits heute eine      rinnen und Vertreter aus Kommunen,
 So führen auf globaler Ebene Szenarien        knappe Ressource und ein limitierender      Wissenschaft und interessierten Akteurs-
 mit ambitionierten Zielen für ein kohlen­     Faktor für wirtschaftliches Wachstum        gruppen.
 stoffarmes Energiesystem nicht generell       und landwirtschaftliche Produktion.         Katja Witte, stellvertretende Abteilungs-
 zu einer verringerten Wassernutzung. Im       Das Verbundprojekt WANDEL wurde im          leiterin und Co-Leiterin im Forschungs-
 Vergleich zu den heutigen Bedingungen         Rahmen der Fördermaßnahme „GRoW –           bereich Strukturwandel und Innovation
 wird die Gesamtmenge des weltweit ent­        Globale Ressource Wasser“ im Pro­           am Wuppertal Institut, stellte zentrale
 nommenen und verbrauchten Wassers             gramm „Forschung für Nachhaltige            Ergebnisse Projektes „EnerTrend: Sys­
 für thermische Kraftwerke zur Strompro­       Entwicklung (FONA)“ vom Bundes­             temische Analyse von Wechselwirkungen
 duktion tendenziell weiterhin ansteigen       ministe­rium für Bildung und Forschung      der Energiewende in NRW mit zentralen
 und nur gesenkt werden können, wenn           mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert.      Megatrends“ vor. Das Projekt wurde
 die Effizienz der Kraftwerks- und Kühl­       > mehr                                      vom Ministerium für Wirtschaft, Innova-
                                                                                           tion, Digitalisierung und Energie des
                                                                                           Landes Nordrhein-Westfalen für zwei
                                                                                           Jahre gefördert. > mehr

                                                                                   Quelle: GettyImages

                                                                                       Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021 9
Forschung und Aktivitäten Januar bis März 2021 - Wuppertal Institut
Tagungen
  Forschungstransfer

Wuppertal Institut in                                                                      Gemeinsam für
Top Ten im umweltpolitischen                                                               eine sozial-ökologische
Denkfabriken-Vergleich                                                                     Digitalisierung

––––––––                                                                                   ––––––––
 Die University of Pennsylvania veröffent-                                                 Die Notwendigkeit, die Digitalisierung in
 licht jedes Jahr einen Report, in dem                                                     den Dienst der Nachhaltigkeit zu stellen,
 sie die besten Denkfabriken – sogenannte                                                  wird in vielen Bereichen von Politik, Wis-
 Think Tanks – kürt. Der alljährliche                                                      senschaft und Gesellschaft inzwischen
„Global Go To Think Tank Index Report“                                                     anerkannt und angegangen. Dennoch ist
 des Think Tanks and Civil Societies Pro-                                                  die Aufgabe ungelöst, die Transforma­
 gram (TTCSP) erforscht, welche Rolle                                                      tionskraft digitaler Technologien wirksam
 Forschungsinstitute in der Beratung von                                                   auf den sozial-ökologischen Wandel
 Regierungen und dem Austausch mit              mit führenden Wissenschaftlerinnen und auszurichten. Hier setzt das Vorhaben
 der Zivilgesellschaft weltweit spielen.        Wissenschaftlern sowie Expertinnen und „CO:DINA – Transformationsroadmap
 Das Wuppertal Institut konnte sich zum         Experten aus der Praxis aus Think Tanks    Digitalisierung und Nachhaltigkeit“ an.
 vierten Mal in Folge in den Top Ten            und Universitäten in einer Vielzahl von    Das Projekt greift Handlungsbedarfe und
 platzieren und erzielte wie auch im Vor-       Kooperationen und Programmen zusam- Themen auf, die als Hebel für eine nach-
 jahr Platz 9. Damit zählt das Institut zu      men, der die weltweit führenden Denkfa- haltige Gestaltung der Digitalisierung
 den weltweit führenden internationalen         briken in einer Vielzahl von Kategorien    bislang nicht erschlossen wurden. Dafür
 Think Tanks der Kategorie „TOP Environ-        einstuft. Dies geschieht mithilfe eines    knüpft es ein Netzwerk von Akteuren aus
 ment Policy Think Tank“. Professor Dr.-        Gremiums mit rund 1.800 politischen        Politik, Wirtschaft, Forschung und Zivil-
 Ing. Manfred Fischedick, wissenschaft­         Entscheidungsträgerinnen und -trägern,     gesellschaft, um gemeinsam neue Gestal-
 licher Geschäftsführer des Wuppertal           Journalistinnen und Journalisten, Wis-     tungsräume zu erkunden.
 Instituts, freut sich, dass die Stimme des     senschaftlerinnen und Wissenschaftler      Das Wuppertal Institut und das Institut
 Wuppertal Instituts auch international         sowie öffentliche und private Geldgeber,   für Zukunftsstudien und Technologie­
 Gehör findet und damit die Arbeit und          die an der Befragung teilnahmen. Ins­      bewertung (IZT) luden alle Interessierten
 das hohe Engagement der Wissenschaft-          gesamt waren über 11.000 Think Tanks       zur digitalen Auftaktveranstaltung des
 lerinnen und Wissenschaftler des Insti-        aufgerufen, sich am Nominierungs- und      KI-Leuchtturmvorhabens CO:DINA, das
 tuts honoriert werden und sagt: „Da viele      Rankingprozess zu beteiligten.             durch das Bundesumweltministerium
 der gesellschaftlichen Herausforderungen       In dem globalen Ranking sind in anderen    gefördert wird, am 26. Februar 2021 ein.
 wie insbesondere der Klimaschutz nur auf       Kategorien zwei weitere Institute der      Das Event war der erste Schritt, um die
 globaler Ebene gelöst werden können, ist es    Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft        breite Fachöffentlichkeit in diesen Aus-
 für uns von extrem hoher Bedeutung wis-        (JRF), in dem auch das Wuppertal Ins­      tausch einzubinden. Dabei gab Bundes­um­
 senschaftliche Erkenntnisse so aufzuberei-     titut Mitglied ist, vertreten: Dazu gehört weltministerin Svenja Schulze einen
 ten, dass sie Handlungsoptionen konkret        etwa das Deutsche Institut für Entwick-    stra­tegischen Ausblick zu offenen Heraus-
 aufzeigen, die dann weltweit aufgegriffen      lungspolitik (DIE), das den 3. Platz in    forderungen für die umweltpolitische
 werden können. Nicht zuletzt hat die          „Top International Development Policy       Gestaltung der Digitalisierung. Zudem
 Covid-19-Pandemie deutlich gemacht, wie        Think Tanks” und den 5. Platz in „Best     hielten Expertinnen und Experten zahlrei-
 wichtig die Rolle der Wissenschaft bei         Government-Affiliated Think Tanks” be-     che Impulsvorträge zu offenen Heraus­
 der Lösung der großen Zukunftsheraus­-         legt, sowie das BICC (Bonn International   forderungen der sozial-ökologisch-digi-
 for­derungen ist. Hierzu wollen wir auch       Center for Conversion). Professor Dr.-Ing. talen Transformation. > mehr
 weiterhin mit ganzer Kraft beitragen.“         Manfred Fischedick ergänzt: „Dies zeigt
 Ziel des TTCSP ist es, das Profil, die Ka-     die starke Positionierung der nordrhein-
 pazität und die Leistung von Think Tanks       westfälischen Forschungslandschaft auf
 auf nationaler, regionaler und globaler        der internationalen Ebene.“ > mehr
 Ebene zu stärken. Das TTCSP arbeitet

10 Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021
Quelle:
                                                                               GettyImages

                                                                                           Gesprächs, denn: „Es muss jetzt in nach-
                                                                                           haltiges Wirtschaften investiert werden,
                                                                                           um Standortvorteile nicht zu verschenken
                                                                                           und um im internationalen Wettbewerb
                                                                                           mithalten zu können. Andernfalls ist
                                                                                           die Transformation deutlich schwerer
Der Weg in eine                               Industrie der Zukunft: klima-                zu bewältigen oder gar nicht möglich.“
klimaneutrale Industrie                       neutral und wettbewerbsfähig                 Prof. Dr. Manfred Fischedick unter-
                                                                                           strich, dass der sich aus dem Klimawan-
––––––––                                      ––––––––                                     del ableitende Handlungsdruck immer
                                                                                           stärker ansteigt: „Das Klima verändert
Bis zum Jahr 2050 will Nordrhein-West-        Der Industriesektor gehört in Nordrhein-     sich mit immer größerer Dynamik, daher
falen (NRW) klimaneutral wirtschaften –       Westfalen (NRW) aber auch deutschland-       muss die Wirtschaft in klimafreundliche
so lautet das entschiedene Klimaschutzziel    weit sowie global mit einem Anteil von       Innovationen investieren und die Politik
der nordrhein-westfälischen Landes­           20 Prozent an direkten Emissionen zu den     diese Prozesse mit den nötigen Rahmen­
regierung. Gegenüber 1990 konnten die         größten Verursachern von CO2-Emissio-        bedingungen unterstützen.“
CO2-Emissionen zwar bereits um 38             nen. Maßgeblich ist dies auf die energie­    Um die Klimaziele zu erreichen, müssten
Prozent reduziert werden, doch bis zur        intensiven Branchen wie Chemie, Stahl,       in allen Wirtschaftsbereichen die Nulle-
Netto-Null ist es noch ein weiter Weg.        Glas und Papier zurückzuführen. Um           missionen erreicht werden. „Wir können
Hier spielt die Industrie eine entscheiden-   die globalen Klimaziele des Pariser Klima­   schon bis 2030 eine ganze Menge auf
de Rolle. Gleichzeitig sind klimafreundli-    abkommens zu erreichen und die Europä­       diesem Weg erreichen, wenn wir die Ver­
che Technologie- und Prozessinnovationen      ische Union bei der Umsetzung des Euro-      änderungsmöglichkeiten richtig ehrgeizig
aus der Industrie wesentlich, um auch in      pean Green Deal zu unterstützen, ist die     anpacken“, sagt Prof. Dr. Andreas Pink-
an­deren Bereichen, wie Verkehr, Energie      Umstellung auf eine treibhausneutrale        wart. Dafür setzt er auch auf die Siche-
und Bau, den Klimaschutz voranzutreiben.      Produktion spätestens bis zum Jahr 2050      rung der Beschäftigung als Treiber der
Wie diese Mammutaufgabe gelöst wer-           notwendig. Doch wie bleiben Unterneh-        Transformation: Wenn die Veränderungs-
den kann, was der Wandel für uns als          men dabei wirtschaftlich und wettbe-         prozesse sichere und nachhaltige Arbeits-
Gesellschaft und für unseren Alltag be-       werbsfähig? Wie steht es angesichts der      plätze schaffen, dann sei auch die gesell-
deutet und wie die klimaneutrale Indus­       globalen Konkurrenz um die Zukunft der       schaftspolitische Unterstützung der
trie der Zukunft womöglich aussehen           nordrhein-westfälischen Industrie? Und       Transformation vorhanden.
wird, war Thema der digitalen Veranstal-      kann IN4climate.NRW, eine Initiative aus     Alle Episoden des Zukunftswissen.fm-
tung „Hier beginnt Klimaschutz“. Im           Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, bei    Podcasts sind kostenfrei auf Apple und
Rahmen des Liveevents der Initiative          dieser Transformation helfen und Verän-      Google Podcasts, Spotify, Podcast.de
IN4climate.NRW, das am 18. März 2021          derungsprozesse in der Industrie ansto-      sowie über die Website des Wuppertal
stattfand, wurde ein Blick in die Zukunft     ßen? Über diese Herausforderungen spra-      Instituts zu hören. Reinhören und infor-
geworfen und die Gestaltung einer klima­      chen Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick       miert bleiben: #ZukunftswissenFM
freundlichen Industrie diskutiert. Gäste      und Prof. Dr. Stefan Lechtenböhmer vom       > mehr
aus Politik, Wissenschaft, Industrie und      Wuppertal Institut mit Prof. Dr. Andreas
Gesellschaft widmeten sich in einer Ge-       Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innova-
sprächsrunde den Chancen und Herausfor-       tion, Digitalisierung und Energie des Lan-
derungen einer klimaneutralen Industrie,      des Nordrhein-Westfalen, in einer neuen
dazu zählten: Prof. Dr. Andreas Pinkwart,     Episode des Podcasts „Zukunftswissen.fm“.
Minister für Wirtschaft, Innovation, Digi­    In der Episode „IN4climate.NRW für
talisierung und Energie des Landes Nord-      den Klimaschutz in NRW” diskutierten sie
rhein-Westfalen, Prof. Dr.-Ing. Manfred       unter anderem darüber, wie die Unter-
Fischedick, wissenschaftlicher Geschäfts-     nehmen des Landes dabei unterstützt
führer des Wuppertal Instituts, Dr. Arnd      werden können, zukünftig emissionsarme
Köfler, Mitglied des Vorstandes der thys-     Lösungen umzusetzen. Es genüge nicht
senkrupp Steel Europe AG und Dr. Erika        mehr zu argumentieren, dass Europa
Bellmann, Senior Advisor Climate &            beim Klimaschutz vorne liege, betont Prof.
Energy beim WWF Deutschland. > mehr           Dr. Andreas Pinkwart zu Beginn des

                                                                                      Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021 11
Wuppertal Lunch als digitaler
Zukunftssalon

Neue Akzente einer nachhaltigen
Stoff- und Ressourcenpolitik

Die Nutzung natürlicher Ressourcen ist eine
der Hauptursachen von Umweltproblemen.
Das Spektrum reicht von lokalen Umweltschä-
den durch den Rohstoffabbau und die Entsor-
gung von Abfällen über den Eintrag neuartiger
Substanzen in Ökosysteme bis hin zum globalen
Klimawandel und Verlusten der Biodiversität.
Weltweit nimmt die Ressourcennutzung immer        Neue EU-Klimaziele – Konsequenzen
weiter zu. Als Reaktion darauf haben viele        für die deutsche Klimapolitik
nationale Regierungen, aber auch die Europä­
ische Union, Strategien und Programme ver­        Die Europäische Union (EU) hat im Dezember
abschiedet, um den Verbrauch von Rohstoffen       2020 mit dem Beschluss des Rates ihr Klima-
und die Nutzung natürlicher Ressourcen als        ziel für 2030 von 40 Prozent auf 55 Prozent
Senke für die Abfallprodukte unseres Konsums      Minderung gegenüber 1990 deutlich ver-
zu verringern. Dabei haben sich mit der Zeit      schärft. Damit bekräftigt die EU auch während
unterschiedliche Politikstränge entwickelt,       der Corona-Pandemie ihr langfristiges Ziel der
darunter die Stoff-, die Ressourcen- und die      Klimaneutralität bis 2050. Vor diesem Hinter-
Kreislaufpolitik. Diese folgen ihren eigenen      grund ist eine Ambitionssteigerung auch für
Wirkungslogiken, Zielsetzungen und Indika­        die deutschen Klimaziele offensichtlich notwen-
toren, weisen aber auch Schnittpunkte und         dig. Offene Fragen sind jedoch: Was wären
Verbindungslinien auf.                            angemessene Klimaziele für Deutschland? Und
Vor diesem Hintergrund lud das Wuppertal          welche Prioritäten müssen jetzt gesetzt wer-
Institut zu einem digitalen Wuppertal Lunch am    den, um diese Ziele auch zu erreichen? Bei
22. Februar 2021 zum Thema „Neue Akzente          welchen Themen wird eine europäische Koope­
einer nachhaltigen Stoff- und Ressourcen­         ration mit Blick auf die Klimapolitik in Zukunft
politik“ ein. Unter anderem folgende Fragen       besonders wichtig sein? Welche Herausforde-
wurden diskutiert: Wo liegen die Verbindungs-     rungen und Chancen ergeben sich unmittelbar
linien zwischen Stoff-, Kreislaufwirtschafts-     aus der Corona-Pandemie?
und Ressourcenpolitik? Wie können Chemika­        Zu diesem Thema veranstaltete das Wuppertal
lien, Produkte und Stoffströme nachhaltig wer-    Institut den Wuppertal Lunch „Neue EU-Klima-
den? Was trägt eine nachhaltige Stoffpolitik      ziele – Konsequenzen für die deutsche Klima-
zum Schutz von Klima und Biodiversität bei?       politik“, der am 18. Januar 2021 als digitaler
Stefan Werland, stellv. Leiter Büro Berlin des    Zukunftssalon stattfand. Timon Wehnert, Leiter
Wuppertal Instituts, übernahm die Begrüßung       des Büro Berlin am Wuppertal Institut, über-
und moderierte die Veranstaltung. Anschlie-       nahm die Begrüßung und moderierte die Veran-
ßend folgte eine virtuelle Podiumsdiskussion      staltung. Anschließend folgte eine virtuelle
mit Prof. Dr. Markus Große Ophoff und Klaus       Podiumsdiskussion mit Prof. Dr.-Ing. Manfred
Günter Steinhäuser vom BUND-Arbeitskreis          Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer
Umweltchemikalien/Toxikologie sowie Bettina       des Wuppertal Instituts und Jutta Paulus,
Bahn-Walkowiak, Senior Researcher im For-         Mitglied des Europäischen Parlaments (Die
schungsbereich Stoffkreisläufe in der Abteilung   Grünen/EFA). Danach konnten die Teilnehm­
Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut.        enden Fragen über die Chatfunktion stellen.
> mehr                                            > mehr

Die Veranstaltungsreihe „Wuppertal Lunch – Impulse transformativer Forschung“ greift regelmä-
ßig aktuelle Themen aus dem Forschungs­bereich des Wuppertal Instituts auf und diskutiert mit
den Gästen in entspannter Mittagsatmosphäre. Bleiben Sie informiert: #WuppertalLunch

12 Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021
Quelle: GettyImages

Energieversorgung
sicherstellen:                              Suffizienz ist elementar                    Transformationsprozessen und notwen-
                                            für Klimaschutzstrategien                   digen Politikinstrumenten spielt dabei
wie und woher?                                                                          eine zentrale Rolle: „Entscheidungen und
––––––––                                    ––––––––                                    Handeln der Menschen sind eingebettet
                                                                                        in soziale Strukturen, gebaute Infrastruk­tu­
Damit Deutschland bis 2050 klimaneut-       Energiesuffizienz, also den Energiebe-      ren und Kultur. Ebenso wie Energieeffizi-
ral werden kann, muss die Energiewende darf nachhaltig zu begrenzen, muss Teil          enz und erneuerbaren Energien geschehen
deutlich früher vollendet sein, sodass die  jeder Energie- und Klimaschutzstrategie     Handlungen im Sinne der Energiesuffi­
Stromversorgung vollständig aus erneu-      werden. Das war der Tenor während des       zienz nicht von alleine, sondern hängen im
erbaren Energien erzeugt wird. In die-      Auftaktworkshops „Mit mehr Suffizienz       Wesentlichen von den politischen Rahmen-
sem Ziel sind sich viele Akteurinnen und    zu weniger Energieverbrauch“ der BMBF-      bedingungen ab“, sagt Dr. Benjamin Best,
Akteure einig, aber auf dem Weg dahin       geförderten Nachwuchsforschungs­gruppe      wissenschaftlicher Mitarbeiter im For-
gibt es viele Fragen zu klären: Welche     „EnSu – Die Rolle von Energie-Suffizienz     schungsbereich Strukturwandel und
Rolle kann und wird grüner Wasserstoff      in Energiewende und Gesellschaft“. Vom      Innovation am Wuppertal Institut und
spielen, wo wird er hergestellt und wo      15. bis 17. März 2021 diskutierten Teil-    Projektleiter der EnSu-Nachwuchsgruppe.
soll er zuerst eingesetzt werden? Wie       nehmende aus Wissenschaft und Praxis,       Vielversprechende Handlungsfelder, bei
viel Energie muss künftig trotz aller Be-   welche politischen Rahmenbedingungen        denen durch eine veränderte Nachfrage
mühungen um mehr Effizienz importiert       den Energieverbrauch absolut senken         auch die Lebensqualität steigen kann,
werden und welche Energiepartner-           und wie sich dies in Szenarien und Mo-      seien der internationale Flugverkehr,
schaften werden angestrebt? Und nicht       dellen umsetzen lässt.                      gesunde Ernährung und die Reduktion
zuletzt: Wie kann ein ambitionierter        Am ersten Tag der Auftaktveranstaltung      von Pkw-Verkehr in Städten, betonte
Ausbau erneuerbarer Energien vorange- stellten die Nachwuchsgruppen-Leiten-             Prof. Dr. Felix Creutzig, Leitautor des
trieben werden?                             den, Dr. Benjamin Best vom Wuppertal        Weltklimarats und Professor an der Tech-
Über diese und weitere Fragen diskutier-    Institut und Prof. Dr. Frauke Wiese von     nischen Universität Berlin. Es sei unstrit-
ten Bundesumweltministerin Svenja           der Europa-Universität Flensburg,           tig, dass für das Erreichen der Treibhaus-
Schulze mit Prof. Dr.-Ing. Manfred          grundlegende Konzepte und Entwicklun-       gasneutralität eine substanzielle Reduk-
Fischedick, wissenschaftlicher Geschäfts- gen der Energiesuffizienz vor, mit denen      tion der Primärenergienachfrage nicht
führer des Wuppertal Instituts, und Dr.     sich in Europa die Entwicklung einer        nur durch Energieeffizienz-Technologien,
Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Suffizienzpolitik beobachten lässt. Dazu        sondern auch durch Struktur- und Ver-
Vattenfall Wärme AG am 25. März 2021.       gehören etwa fußgänger- und fahrrad­        haltensänderungen mindestens förder-
Die Diskussion wurde als Livestream auf     gerechte Stadtquartiere in Paris und        lich, wenn nicht sogar notwendig sei.
der Website des Bundesumweltministe­        anderen Städten. Zugleich stecke der        Rund 40 Expertinnen und Experten aus
riums übertragen. Interessierte konnten     technische Fortschritt voller Möglichkei-   der Energie-Modellierung setzten sich
sich während der Veranstaltung aktiv        ten für mehr Suffizienz, zum Beispiel       während eines Workshops am zweiten
an der Diskussion zu beteiligen. Das Ge-    ermögliche die Digitalisierung virtuelle    Veranstaltungstag intensiv mit den Effek-
spräch war Teil der Dialogreihe „Wir        Treffen und Teleworking. Diese For-         ten von Suffizienz in sektoralen Energie-
schafft Wunder“, die vom Bundesum-          schungslücke, der sich die EnSu-Nach-       nachfrage- und Systemmodellen ausein-
weltministerium initiiert wurde, um im      wuchsgruppe widmet, besteht in der          ander. Die Nachwuchsforschungsgruppe
Dialog mit Expertinnen und Experten         quantitativen Modellierung von Suffi­       EnSu wird vom Bundesministerium für
Gestaltungsmöglichkeiten für sozialen       zienzpotenzialen wie einer geringeren       Bildung und Forschung im Rahmen der
und ökologischen Fortschritt in Deutsch-    Verkehrsleistung und weniger zu behei-      Forschung für Nachhaltige Entwicklung
land zu diskutieren. > mehr                 zender Wohnfläche. Die Analyse von          (FONA) gefördert. > mehr

                                                                                    Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021 13
Der digitale Produktpass –
                                    Fluch oder Segen?
                                    ––––––––
                                    Die umweltpolitische Digitalagenda des       Er fasst Informationen zu den Kompo-
                                    Bundesumweltministeriums verbindet           nenten, Materialien und chemischen
                                    zwei Megatrends des 21. Jahrhunderts:        Substanzen, aber auch zu Reparierbar-
                                    den Umwelt- und Klimaschutz und die          keit, Ersatzteilen oder fachgerechter Ent-
                                    Digitalisierung. Der digitale Produktpass    sorgung eines Produkts zusammen. Um-
                                    ist eine von insgesamt 70 konkreten          weltrelevante Daten werden so in einem
                                    Maßnahmen der Digitalagenda und soll         vergleichbaren Format gebündelt und
                                    insbesondere die Kreislaufwirtschaft         erleichtern es Akteurinnen und Akteuren
                                    (Circular Economy) vorantreiben. In          in der Wertschöpfungs- und Lieferkette
                                    zahlreichen politischen Strategien der       auf eine Kreiswirtschaft hinzuarbeiten.
                                    Europäischen Union (EU) ist der digitale     Kundinnen und Kunden kann der Pass
                                    Produktpass inzwischen fest vorgesehen.      dabei helfen, nachhaltige Konsument-
                                                                                 scheidungen zu treffen – das gilt sowohl
                                                                                 für den stationären Handel als auch für
                                                                                 den Online-Handel. Der Produktpass eig-
                                                                                 net sich für sämtliche Produkte, Dienst-
                                                                                 leistungen und Lebensmittel, zunächst
GAIA ehrt die besten Artikel                                                     sollen aber besonders ressourcen- und
des Jahres 2020                                                                  energieintensive Gütern im Fokus stehen.
                                                                                 Kritikerinnen und Kritiker befürchten,
  Der Beitrag „From niche to mainstream: the dilemmas of sca-                    dass der Pass eine weitere bürokratische
  ling up sustainable alternatives“ der beiden Juniorprofesso-                   Datenkrake ist, während Befürworterin-
  rinnen Dr. Karoline Augenstein und Dr. Alexandra Palzkill von                  nen und Befürworter die Chance sehen,
 der Bergischen Universität Wuppertal, und ihre Co-Autorin-                      mehr Transparenz bei Materialien und
  nen und -Autoren haben den zweiten Platz beim Best Paper                       Produkten herzustellen.
 Award des Fachjournals „GAIA – Ecological Perspectives for                      Der erste Teil der Online-Veranstaltung
 Science and Society“ erreicht. Mit dem Preis ehrt das Journal                  „Der digitale Produktpass – Fluch oder
  jährlich die besten Artikel des vergangenen Jahres. Der Arti-                  Segen?“ fand am 25. Februar 2021 statt
  kel wurde aufgrund seiner wissenschaftlichen Qualität, Origi-                  und führte in das Thema ein. Dr. Holger
  nalität und besonderen Relevanz für aktuelle Debatten in der                   Berg, Co-Leiter des Forschungsbereichs
 sozial-ökologischen Transformationsforschung ausgewählt.                        Digitale Transformation am Wuppertal
 Im Artikel identifizieren die Autorinnen und Autoren drei                       Institut, ging in seinem Vortrag unter
  Dilemmata des Upscalings innovativer Ideen von Nischen in                      anderem darauf ein, warum sich Unter-
 den Mainstream und erklären, warum etwa städtische Nach-                        nehmen bereits jetzt mit dem digitalen
  haltigkeitsinitiativen wie Utopiastadt in Wuppertal sich nicht                 Produktpass beschäftigen sollten, wie
 einfach auf andere Quartiere und Städte übertragen lassen.                      eine Umsetzung technologisch aussehen
  Der Artikel entstand innerhalb der Nachwuchsforschergruppe                     könnte und welche Chancen, Mehrwerte
„UrbanUp“ der Bergischen Universität Wuppertal, des Wup-                         und Herausforderungen ein solcher Pass
  pertal Instituts und des Collaborating Centre on Sustainable                   bietet. > mehr
 Consumption and Production (CSCP). Zum Autorenteam
 gehören unter anderem auch Paul Suski, wissenschaftlicher
  Mitarbeiter im Forschungsbereich Produkt- und Konsumsys-
  teme am Wuppertal Institut, sowie Boris Bachmann, Verena
  Hermelingmeier und Annaliesa Hilger
 vom Zentrum für Transformations-
 ­forschung und Nachhaltigkeit
 (TransZent), eine Initiative der
  Bergischen Universität und des
 Wuppertal Instituts. > mehr

14 Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021
Forschungs
     -produkte

Grüner Aufschwung: Ist die
EU auf dem richtigen Weg?
––––––––
 Die Konjunkturmaßnahmen in der der-
 zeitigen Corona-Pandemie sollen sowohl
 die aktuelle Wirtschaftskrise eindämmen
 als auch langfristig für eine zukunftsfä­
 hige Wirtschaft genutzt werden. Die Auf-
 bau- und Resilienzfazilität (ARF) – auch
 Recovery and Resilience Facility (RRF)            Quelle: GettyImages
– der Europäischen Union (EU) stellt
 dafür rund 672,5 Milliarden Euro für die
 von den Mitgliedstaaten erstellten na­      Polen beispielsweise nutzt die Konjunktur-   Jahren wichtige Entscheidungen an, in
 tionalen Konjunkturpläne bereit. Im Juli    mittel, um seine Offshore-Windenergie-       denen die Pläne der Mitgliedstaaten fertig-
 2020 haben sich die europäischen Staats-    Industrie auszubauen. Spanien plant          gestellt und von den europäischen Insti­
 und Regierungschefs darauf verständigt,     umfangreiche Investitionen in eine inklusi- tutionen überprüft werden, sobald sie um­
 dass sie mit einer grünen Transformation    vere Energiewende und will seine Ziele       gesetzt werden.
 in Einklang gebracht werden müssen.         für erneuerbare Energien beschleunigen.     „Es bleibt abzuwarten, ob die EU den wirt-
 Aber werden die vorgeschlagenen Maß-        Bulgarien unterstützt die Energieeffizienz- schaftlichen Aufschwung mit dem lang­
 nahmen der Mitgliedstaaten diesen           und erneuerbare Heizungsmaßnahmen            fristigen Ziel der Klimaneutralität in Ein-
 Ambitionen auch gerecht? Der „Green         für freistehende Häuser, die nicht an Wär-   klang bringen kann“, sagt Timon Wehnert,
 Recovery Tracker“, ein gemeinsames          me- und Gasnetze angeschlossen sind.         Leiter Büro Berlin und Senior Researcher
 Projekt des Wuppertal Instituts und E3G     Noch ist nicht sicher, dass die Wirtschaft   am Wuppertal Institut, und ergänzt:
 in enger Zusammenarbeit mit nationalen      auf den richtigen Weg für langfristige Her- „Das Risiko ist hoch, dass Maßnahmen, die
 Expertinnen und Experten, nimmt             ausforderungen ist. Denn bei vielen Plänen auf den ersten Blick ‚grün‘ aussehen, letzt-
 die nationalen Konjunkturmaßnahmen          liegen die Details noch nicht vor, wie bei-  lich fossile Energieträger unterstützen oder
 dafür unter die Lupe. Erste Ergebnisse      spielsweise Maßnahmen umgesetzt und          auch einige Pläne schädliche Maßnahmen
 stellten die Expertinnen und Experten bei   welche konkreten Projekte gefördert wer-     enthalten.“
 einem Launch-Event vor. Der Green           den sollen. Die Daten des Green Recovery     Beispiele hierfür seien etwa Investitionen
 Recovery Tracker bewertete bisher neun      Tracker belegen, dass rund 76 Milliarden     in Höhe von 3,2 Milliarden Euro in drin-
 nationale Konjunkturpläne der EU aus        Euro oder 21 Prozent der geplanten           gend benötigte Effizienzmaßnahmen
 Frankreich, Deutschland, Spanien, Por-      Gesamtausgaben in Maßnahmen fließen,         in Polen, mit denen auch Erdgaskessel
 tugal, Bulgarien, Lettland, Polen, der      deren Klimaeffekt noch nicht abschätzbar     gefördert werden könnten, Investitionen
 Slowakei und Slowenien. Die ersten          ist. Diese könnten nach der Umsetzung        von rund 244 Millionen Euro in die bul-
 Ergebnisse des Trackers deuten darauf       sowohl positiv als auch negativ sein.        garische Gasinfrastruktur, wobei derzeit
 hin, dass sich die EU auf einem guten       Es stehen in den kommenden Wochen und        unklar ist, ob diese Infrastruktur auch für
 Weg zu einem grünen Aufschwung be-                                                       Wasserstoff genutzt werden kann, sowie
 findet. Bisher wurden rund 133 Milliar-                                                  rund 723 Millionen Euro für das Straßen­-
 den Euro zur Unterstützung der grünen                                                    netz in Portugal. > mehr
 Transforma­tion bereitgestellt.

                                                                                      Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021 15
Studie: Das Fahrrad als
Wirtschaftsfaktor
––––––––
Als Herausforderung der Verkehrswende
werden häufig die möglicherweise weg-
fallenden Arbeitsplätze diskutiert. Denn
die Beschäftigung der Automobilindus­-
trie in Deutschland gilt als wichtiges
Argument für einen sozialverträglichen
Strukturwandel. Aber auch die Wirt-
schaftszweige des Umweltverbunds
bieten viele Arbeitsplätze. Vor diesem             Quelle: GettyImages
Hintergrund untersucht die jetzt erschie-
nene Studie „Branchenstudie Fahrrad-
wirtschaft in Deutschland“ des Wupper-
tal Instituts und des Instituts Arbeit und   „Das E-Bike ist ein klarer Wachstumstrei-
Technik der Westfälischen Hochschule          ber“, betont Dr. Frederic Rudolph, Senior      Ergebnisbericht | Dezember 2020

die Beschäftigtenzahlen in Teilmärkten        Researcher im Forschungsbereich Mobi-          Branchenstudie Fahrradwirtschaft
                                                                                             in Deutschland:
der Fahrradwirtschaft sowie deren             lität und internationale Kooperationen in      Unternehmen, Erwerbstätige,
Umsatzentwicklung.                            der Abteilung Energie-, Verkehrs- und          Umsatz

In der Fahrradwirtschaft waren 2019 in        Klimapolitik am Wuppertal Institut und                                Studie im Auftrag von BVZF, VSF und ZIV

Deutschland 281.000 Menschen in den           Projektleiter der Studie. Auch der Fahr-                              Frederic Rudolph, Alessio Giustolisi,
                                                                                                                    Anna Butzin, Eva Amon

drei Kernbranchen Herstellung, Handel         radtourismus spiele eine erhebliche Rolle.
und Dienstleistungen sowie weiteren           Fahrradreisen in Deutschland lägen
Branchen entlang der Wertschöpfungs-          nicht erst seit dem Ausbruch der Covid-
kette beschäftigt. Rund 66.000 Beschäf-       19-Pandemie im Trend. Ausschlaggebend
tigte arbeiteten in den Kernbranchen,         für das Wachstum der Branche sei außer-
die ein Beschäftigungswachstum von            dem die zunehmend ökologisch gestalte-
20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014         te Besteuerung von Dienstfahrzeugen,
(55.000 Beschäftigte) verzeichneten. Ein      ergänzt der Wissenschaftler. Davon pro­
Ergebnis der Studie: Im Jahr 2019 war         fitiere auch das Dienstrad-Leasing.
der Fahrradtourismus mit 204.000 Be-          Die Studie erfolgte im Auftrag der drei      Cover “Branchenstudie Fahrrad­wirt­-
schäftigten der größte Wirtschaftszweig.      Branchenverbände Bundesverband               schaft in Deutschland: Unternehmen,
                                              Zukunft Fahrrad e. V. (BVZF), Verbund        Erwerbstätige, Umsatz”
                                              Service und Fahrrad e.V. (VSF) und
                                              Zweirad-Industrie-Verband e. V. (ZIV).
                                              > mehr

Top-Ten-Publikationen 2020
Das Wuppertal Institut hat die zehn wichtigsten seiner wissenschaftlichen
Publikationen des vergangenen Jahres zusammengetragen. Die referierten
Artikel zu den Themen „Model­lierung und transdisziplinäre Methoden“
sowie „Klima-, Energie- und Ressourcenwende“ geben einen Einblick in
den Stand der internationalen Forschungsarbeit und dem transdisziplinären
Forschungsansatz des Instituts. > mehr

16 Wuppertal Institut – Quartal 1 | 2021
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