Gemeindebrief - Jahreswechsel 2020 / 2021 - Evangelische Kirchengemeinde Gemen

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Gemeindebrief - Jahreswechsel 2020 / 2021 - Evangelische Kirchengemeinde Gemen
G   emeindebrief
    der Evangelischen Kirchengemeinde Gemen

  Die neuen
Katechumenen

Chor in der
Warteschleife

Jeder braucht
einen anderen

 Heiligabend
  zuhause

   Aus der
Gemeindeküche

                Jahreswechsel 2020 / 2021
Gemeindebrief - Jahreswechsel 2020 / 2021 - Evangelische Kirchengemeinde Gemen
Inhalt
									                                                    Seite
Liebe Leserinnen und liebe Leser						                           3
Presbytereinführung							 4
Infos - Infos - Infos - Infos - Infos - Infos					               5
Konfirmation 2020							                                         6
Konfirmanden 2020							                                         7
Die neuen Katechumenen						                                     8
Nina und Freunde							                                          9
Chorsingen in der Warteschleife...					                        10
Jeder braucht einen anderen						                              12
Religion für Einsteiger						                                  15
Konstanze Ebel							                                          16
Omas gegen rechts							                                       17
Adventskalender							                                         19
Kika produziert Krippenspiel nach Vorlage von Kirsten Boie		   20
Kinderseite 								                                           22
Heiligabend zu Hause							                                    23
Was passiert in der Kirche? A ... Z						                      27
Einfach in den Arm nehmen						                                28
Mund-Nasen-Schutz-Fotos						                                  33
Sie könnte es jetzt bequem haben					                          34
Weltgebetstag 2021							                                      36
Aus der Gemeindeküche						                                    37
Friedenslicht aus Betlehem						                               38
Adventssammlung der Diakonie						                             39
475. Todestag von Luther						                                 40
Luthereiche								                                            41
Fürchtet euch nicht							                                     42
Die Gottesdienstzeiten in der Johanneskirche				               43
Adressen Gemen							                                          44
Gottesdienste im Advent und zu Weihnachten				                 45
Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche „7 Wochen ohne“		    46
Beginn der Sommerzeit						                                    47
Die Losung 2021							                                         48
 Impressum:
 Der Gemeindebrief für den Pfarrbezirk Gemen erscheint in der Regel zwei Mal jährlich, im
 Sommer und in der Adventszeit.
 Er wird im Auftrag des Presbyteriums herausgegeben von Karl-Heinz Andresen, Chris-
 tian Bohn, Clas von Hunnius, Siglinde Lorenz, Hinrich Petersen, Detlef Stürcken,
 Barbara Werschkull, Giselher Werschkull, (v.i.S.d.P.)
 Bild und Typo: Christian Bohn, Rehms Druck, Auflage 1000 Exemplare
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Liebe Leserinnen und liebe Leser,
der 2. „Coronabrief“ aus Ihrer evange-    kirche zu öffnen und jeder Besucher
lischen Kirchengemeinde liegt hiermit     kann eine Andacht in Schriftform von
vor. Und dabei hatten wir alle gehofft,   der Krippe mitnehmen. Da gibt es dann
dass sich das Gemeindeleben ab dem        für Kinder und Erwachsenen vorberei-
Sommer wieder normalisieren würde.        tete „Briefe“.
Was für ein Jahr!                         Die Öffnungszeiten stehen noch nicht
Immer wieder bekam ich Erinnerun-         fest, werden aber rechtzeitig bekannt
gen, was eben doch noch geht in Zeiten    gegeben.
der Distanz, der Einschränkungen, der     Auch im Mittelteil dieses Briefes finden
Vorsicht. Auch in unserer Gemeinde        Sie eine kleine Hausandacht mit der
„ging“ Einiges noch: Der Konfirman-       Weihnachtsgeschichte und Liedern.
denunterricht der neuen Gruppen           Am 1. und 2. Weihnachtstag sollen
konnte nach den Sommerferien star-        Gottesdienste unter den üblichen
ten. Wir haben die durch Wahl bestä-      Schutzbestimmungen           stattfinden,
tigten Presbyterinnen und Presbyter in    jeweils um 11.00Uhr.
ihr Amt eingeführt.                       Wir haben gelernt, dass wir nicht sehr
Mittlerweile fanden am Reformati-         weit im Voraus planen können. Wir
onswochenende auch Konfirmationen         haben gelernt, Einschränkungen zu
statt. Am meisten hat es mich gefreut,    akzeptieren, wenn sie andere und uns
dass ab Mitte Mai die Gottesdienste       selbst schützen. Wir machen weiter,
wieder gefeiert werden konnten, und       wir machen das Beste daraus. Und wir
in zahlreichen Einzelgottesdiensten       befehlen uns, unsere Lieben und die
wurden über 20 Kinder getauft.            ganze Welt der Sorge Gottes an im Ver-
Die „Minutenandachten“ waren eine         trauen des Psalmbeters: Er wird deinen
Erfolgsgeschichte, auch wenn sie sehr     Fuß nicht gleiten lassen; und der dich
wetterabhängig waren.                     behütet schläft nicht. (Psalm 121)
Überall gab es Einschränkungen.
                                          Herzlich grüßt Sie Ihre
Manches bleibt schmerzlich. Aber
                                          Barbara Werschkull
einige Gruppen trafen sich unter
Schutzbestimmungen. Andere pausie-
ren nun wieder.
Wie wird es Weihnachten?
Zur Zeit können wir einfach nur sagen,
dass die Heiligabendgottesdienste, wie
wir sie gewohnt sind, nicht stattfinden
können. Der Plan ist, die Johannes-
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Presbytereinführung
Nach der Wahl am 1. März dieses Jah-      Mal auch mit der Versammlung des
res sollten die Gewählten am 29. März     Gremiums unter Wahrung der Ab-
feierlich eingeführt werden.              standsregelung und gemäß Schutz-
Aber ab Mitte des Monats begann           konzept im Gemeindehaus in Gemen
die Corona-bedingte Schließung der        stattfinden konnte, folgte am letzten
Kirchen für die Gemeindegottesdiens-      Sonntag des Juni die gottesdienstli-
te, schließlich bis zum Beginn des        che Einführung der neuen Presbyte-
Monats Mai.                               riumsmitglieder aus Gemen und die
In dieser besonderen Notlage konnte       aufgeschobene Verabschiedung von
zunächst das Presbyterium der Evan-       Günter Großmann. Dieser war nach dem
gelischen Kirchengemeinde Gemen nur       Tod von Presbyterin Jutta Duensing im
durch eine schriftliche Verpflichtungs-   Jahre 2018 für die Restzeit der
erklärung der Mitglieder konstituiert     Presbyteriumsperiode bis 2020 nach-
werden und anstelle von Sitzungen         berufen worden.
eine Beratung und Entscheidung per        Die für die Wahlperiode 2020 bis 2024
Umlaufbeschlüssen durchgeführt wer-       durch Gemeindeentscheid bestimm-
den.                                      ten Presbyterinnen und Presbyter sind
Nachdem die Junisitzung zum ersten        (die Namen nach dem Foto von links):

Albert Osing, Waltraud Schneider, Wolfgang Müller, dazu Pfarrerin Barbara
Werschkull, Rita Schwenzfeier, der verabschiedete Presbyter Günter Großmann
und Ralf Lorenz.
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Infos - Infos - Infos - Infos - Infos - Infos
Neue Leitung im
Bodelschwinghhaus:
          Frau Nadine Brand

Die Konfirmationstermine für
das Jahr 2021 (unter Vorbehalt) sind:
• 08.05.2021
• 09.05.2021
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Konfirmation 2020
                                                Durch Licht und Schattenwirkung
                                                ergibt sich eine Kreuzform; die
                                                Konfirmanden hatten das gan-
                                                ze Glaubensbekenntnis auf ein
                                                viele Meter langes Papierband
                                                geschrieben. Dieses wurde vom
                                                Taufbecken der Johanneskirche
                                                Richtung Ausgang ausgerollt – und
                                                es reichte tatsächlich bis auf den
                                                Gehweg des Kirchenportals. Das
                                                Ziel war erreicht: Der Glaube und
                                                das Bekenntnis zum christlichen
                                                Glauben soll von der Gottesdienst-
                                                stätte die Außen-welt erreichen
                                                und sich dort bewähren.

                                                 Nach den Sommerferien wurden
                                                 die Konfirmandeneltern zu den
                                                 weiteren Planungen eingeladen.
                                                 Es bestand das Angebot: im Ori-
                                                 ginaljahr 2020 eine Konfirmation
                                                 mit mehreren kleineren Gruppen
Der geplante Konfirmationstermin fiel            am Wochenende vom 31. Okto-
in Gemen ebenso wie der Vorstellungs-       ber/ 1. November durchzuführen, oder
gottesdienst in die Zeit der Kirchen-       die kirchliche und familiäre Feier auf
schließung.                                 das neue Jahr aufzuschieben.
Der Vorstellungsgottesdienst war fertig     Zunächst planten die meisten Famili-
vorbereitet. Die Texte waren verfasst       en den diesjährigen Termin ein; aber
und die Leserollen verteilt; für die Kir-   in der Folgezeit wurde dann doch die
chenausschmückung war alles bereit:         Konfirmation für insgesamt die Hälfte
Aber dann kam die Ankündigung, dass         der Konfirmandinnen und Konfirman-
die Kirche ab Mitte März geschlossen        den auf das neue Jahr verlegt. Dennoch
werden musste. Als Ersatz stand der         konnte in jeweils kleiner und würdiger
ganze Entwurf samt Fotos aus der men-       Form die diesjährige Konfirmation an
schenleeren Kirche eine Zeit lang auf       dem abgesprochenen Wochenende
der Homepage unserer Gemeinde.              durchgeführt werden.
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                                  Konfirmanden 2020

                              Caroline und Leonie

Philipp, Chantal und Justin

                                                    Tim, Joel, Liam und
                                                    Constantin
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Die neuen Katechumenen

Ben, Erfan, Ahoura, (Martin J ), Rose, Ben, Mailo, Max, Ben

Ben, Amy, Bea, Amelie, (Martin), Liam, Ahoura, Erfan, Ivan, Jonas
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Ben, Amy, Bea, Amelie, (Martin), Liam, Ahoura, Erfan, Ivan, Jonas
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 Chorsingen in der Warteschleife...
„Denn er hat seinen Engeln befohlen,         genommen hatte. Aber bereits ab März
dass sie dich behüten auf allen deinen       mussten die Proben wegen „Corona“
Wegen und du deinen Fuß nicht an ei-         eingestellt werden - vorübergehend
nen Stein stoßest....“ aus dem E l i a s ,   dachten wir - und im Gottesdienst ist
op. 70, von Felix-Mendelssohn Barthol-       seitdem das Singen tabu. Dabei lagen
di war nur einer von drei geplanten          doch die erwartungsvollsten Singeter-
Liedvorträgen, die der Kirchenchor sich      mine des 1. Halbjahres gerade vor uns:
für den Gottesdienst am Sonntag „Kan-        Mitwirkung beim Oster-Festgottes-
tate“, was soviel wie „Singet“ heißt, vor-   dienst, gemeinsame Chorprobe mit den
       Ein gutes Lied wächst mit dem Singen:
       „Wie herrlich grünen Baum und Strauch und zieren Tal und Hänge.
       Ein zarter, milder, warmer Hauch umspielt das Blattgemenge.
       Im Sonnenschein wogt Flur und Hain und wiegt sich in den Winden.
       Der Sommer will sich finden.
       Dem hellen Lied im Wiesengrund, dem dumpfen Waldesrauschen,
       dem kann man nun so manche Stund mit aller Ehrfurcht lauschen.
       Und Vogelsang im Überschwang, gewürzt durch Blütendüfte,
       erhebt sich in die Lüfte.
       O guter Gott, wie ist Dir gleich der lichte Sonnenreigen.
       Im Sommer willst Du gnadenreich uns Deine Größe zeigen.
       All Fleisch ist Heu, all Leben Streu, vergänglich alles Treiben;
       Nur Dein Wort wird ewig bleiben.“

Konfirmanden/-innen, die Konfirma-
tionsgottesdienste und, wie eingangs
bereits erwähnt, der Sonntag „Kanta-
te“ am 10. Mai. Passend zur Jahreszeit
hatte Chorleiterin Monika Dachselt
den wunderschönen „Sommerpsalm“
des schwedischen Komponisten Wal-
demar Àhlen ins Programm gesetzt.
Der Text lässt die besondere Stimmung
von Frühling zu Sommer mitempfinden
und erinnert ein wenig an Paul Ger-          nen Einschränkungen, sich draußen als
hards „Geh´ aus mein Herz und suche          C h o r unter Beachtung der Hygiene-
Freud`“.Im Juli erlaubten es die erlasse-    bestimmungen und bei entsprechen-
11

dem Abstand zu treffen. Die Grünf-       Nun sind Monate ohne Chorsin-
läche hinter dem Gemeindehaus bot        gen vergangen, und die zweite
                                         Welle der Pandemie hat uns erreicht.
                                         Eine schwierige Zeit mit zu erwarten-
                                         den Brüchen.
                                         Hätten wir doch schon wieder ein
                                         neues Frühjahr... Aber: Was sind die
                                         paar Monate im Vergleich zu der hof-
                                         fentlich „normalen“ Zeit, die dann vor
                                         uns liegt mit der guten Erwartung, end-
                                         lich den „Sommerpsalm“ zu hören und
                                         zu singen.
sommerliches Flair und lud bei pas-      Dass Sie gut behütet durch die Zeit
sender Musik, dargeboten vom Posau-      kommen, das wünschen Ihnen der
nenchor unter der Leitung von Heinz      Vorstand, die Sängerinnen und Sänger
Schimmack, zu anregender Unterhal-       des evangelischen gemischten Chores
tung ein. 107 Jahre Chor! Die Borkener   Gemen.
Zeitung berichtete darüber in einem
ausführlichen Beitrag.                   Karl-Heinz Andresen
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     Jeder braucht einen anderen
     Über 300 Menschen hat die Sea-Watch 4 im Mittelmeer gerettet und
     nach Palermo gebracht. Wie geht es weiter für die Bootsflüchtlinge?
„Jeder    weiß,
     "Jeder  weiß,wie    Migranten
                    wie Migranten         hierherge- sind",
                                      hierhergekommen        verkaufen
                                                                  sagt Amadou  sieDiallo.
                                                                                    im Internet.
                                                                                           Der 21-jährige„Jeder gibt,
kommen sind“, sagt Amadou Diallo. Der was er kann“, sagt Amadou.
     Mann    aus Guinea   erzählt die  Geschichte   seiner Flucht  ungern.   In  Palermo   auf Sizilien   hat erDas ist
     sich eine neue Existenz aufgebaut. Seit fünf Jahren ist er in Italien. Sein Weg in Europa bleibt
21-jährige
     steinig. Mann aus Guinea erzählt die                    die Idee von „Giocherenda“. Das Wort
Geschichte seiner Flucht ungern. In kommt aus der afrikanischen Sprache
Palermo
     Amadou   auf   Sizilien
                spricht fließendhat    er sichund
                                  Französisch      eine      Pular
                                                     Italienisch,      undhinaus
                                                                   darüber     heißtein„solidarisch
                                                                                          gutes Englisch. sein“,
                                                                                                             Er      ge-
     hat mit befreundeten Migranten:innen in Palermos Altstadt einen Laden aufgebaut, da sitzt er
neuemeistens
        Existenz     aufgebaut.       Seit   fünf  Jah-      meinsam          Freude,       Wissen
                am Computer: In der "Giocherenda" ist er für die Verwaltung zuständig. Andere             und     Fähig-
ren ist
     nähener Taschen
              in Italien.   Sein Weg
                       und verkaufen    siein
                                            imEuropa         keiten
                                               Internet. "Jeder         teilen.
                                                                 gibt, was          Herzstück
                                                                             er kann",              des Das
                                                                                         sagt Amadou.      Ladens
                                                                                                                ist   an
bleibt
     diesteinig.
          Idee von "Giocherenda". Das Wort kommt ausder              Via Aragona
                                                              der afrikanischen          sindPular
                                                                                    Sprache      Spiele,     die nicht
                                                                                                      und heißt
     "solidarisch sein", gemeinsam Freude, Wissen und Fähigkeiten teilen. Herzstück des Ladens
     an der Via Aragona sind Spiele, die nicht auf Gewinnen  auf Gewinnen
                                                                      und Verlierenund       Verlieren
                                                                                       aus sind,  sondern aus sind,
     Gemeinschaft stiften. Gemeinschaft ist ein hoher Wert   sondernin der Gemeinschaft
                                                                            afrikanischen Kultur, stiften.
                                                                                                      sagt Gemein-
                                                             schaft     ist  ein   hoher
     Amadou. Ein Wert, den das Team von "Giocherenda" auch Europäer:innen vermitteln will.
     Das Logo ist ein Baum, um den sich Menschen tummeln, junge und alte.
                                                                                             Wert      in der afrika-
                                                             nischen Kultur, sagt Amadou. Ein Wert,
     Amadou kam als 16-Jähriger mit dem Boot nach Italien.   den das  Als Team      von „Giocherenda“
                                                                           unbegleiteter   Minderjähriger           auch
                                                             Europäer:innen
     hatte er einen besonderen Schutzstatus in Europa. In einem Gemeinschaftscenter des
                                                                                         vermitteln
     italienischen SPRAR (System zum Schutz der Asylbeantragenden und Flüchtlinge) verbrachte
                                                                                                            will.    Das
     er das erste Jahr auf dem Kontinent. Er bekam Essen     Logound ist
                                                                       einenein   Baum, um
                                                                              Schlafplatz.   Schondendamalssich Men-
     sagte er: "Danke dafür, aber ich bin nicht gekommen,    schen     tummeln,
                                                                   um hier              junge
                                                                             bloß zu essen   undund      alte.
                                                                                                   zu schlafen".
                                                             Amadou kam als 16-Jähriger mit dem
     Amadou wollte weiter, er wollte die Schule beenden, die er in Guinea angefangen hatte. 2016
     machte er seinen Schulabschluss und begann, Tourismus-Wissenschaften an der Universität
     von Palermo zu studieren. Um sich das Studium zu        Boot      nacharbeitete
                                                               finanzieren,       Italien.    Als
                                                                                          er als     unbegleiteter
                                                                                                 Rezeptionist
     in einem Restaurant. Wegen Covid-19 fällt der JobMinderjähriger
                                                               im Restaurant jetzt hatte
                                                                                       weg. Auch er einen
                                                                                                    für   das beson-
Amadou        spricht fließend Französisch deren Schutzstatus in Europa. In einem
     Studium ist Amadou derzeit blockiert. Das sogenannte Salvini-Dekret von 2018 wirkte in
     Italien bis Anfang Oktober noch, die Vergabe von humanitären Aufenthaltsbewilligungen war
und ausgesetzt,
        Italienisch,
                  und dasdarüber
                            hieß: keinehinaus        ein keinGemeinschaftscenter
                                         Beschäftigung,         nationaler Gesundheitsdienst,   desSozialhilfe
                                                                                                        italienischen
gutes Englisch. Er hat mit befreun- SPRAR (System zum Schutz der Asylbe-
     und   Wohnraum.    Ob   sich die Situation  für die Flüchtlinge   durch   ein beschlossenes    neues
     Gesetz verbessern wird, ist noch unklar. Die "Giocherenda" ist derzeit das Einzige, was er tun
deten      Migranten:innen in Palermos antragenden und Flüchtlinge) verbrach-
     kann, dort ist er ehrenamtlich im Einsatz.
Altstadt einen Laden aufgebaut, da te er das erste Jahr auf dem Kontinent.
sitztAmadou
       er meistens       am Computer:
                gehört immerhin    zu denen, dieIn nicht
                                                    der sofort
                                                             Erzurückgeschickt
                                                                  bekam Essenwerden,    und einen
                                                                                               wenn sieSchlafplatz.
                                                                                                           von
     den Rettungsschiffen oder den Gummibooten, die sie über das Mittelmeer gebracht haben, an
„Giocherenda“
     Land kommen.ist      er fürbekommen
                       Tunesier    die Verwaltung            Schon
                                               direkt nach der  Anlandungdamals      sagte
                                                                               ein Papier      er:Hand
                                                                                           in die    „Danke dafür,
zuständig.
     gedrückt,Andere        nähen Taschen
                 das sie unterzeichnen    müssen. und        aberdass
                                                   Darauf steht,      ichsiebin   nicht das
                                                                             umgehend      gekommen,
                                                                                               Land verlassen um hier
13

                                            an Land kommen. Tunesier bekom-
                                            men direkt nach der Anlandung ein
                                            Papier in die Hand gedrückt, das sie
                                            unterzeichnen müssen. Darauf steht,
                                            dass sie umgehend das Land verlassen
                                            sollen. „Die meisten unterschreiben
                                            das“, sagt Sergio Petrona Baviera vom
                                            Zentrum „Porco Rosso“ in Palermo. Er
                                            und einige Freiwillige helfen Migrant:in-
                                            nen in Palermo, zu ihrem Recht zu
bloß zu essen und zu schlafen“. Amadou      kommen. Denn legal wäre es, dass
wollte weiter, er wollte die Schule be-     die Geflüchteten zumindest wegen ih-
enden, die er in Guinea angefangen          res Asylbegehrens angehört werden.
hatte. 2016 machte er seinen Schulab-       Petrona sagt, dass inzwischen viele Tu-
schluss und begann, Tourismus-Wis-          nesier wegen der Folgen des Klimawan-
senschaften an der Universität von          dels fliehen. „Als Fischer finden sie in
Palermo zu studieren. Um sich das Stu-      ihrem Land keine guten Bedingungen
dium zu finanzieren, arbeitete er als Re-   mehr vor.“ Doch klimatische Bedingun-
zeptionist in einem Restaurant. Wegen       gen sind kein Asylgrund. Und so landen
Covid-19 fällt der Job im Restaurant        viele Geflohene ohne Aufenthaltssta-
jetzt weg. Auch für das Studium ist         tus auf den Straßen Europas, nicht
Amadou derzeit blockiert. Das soge-         selten in Prostitution und Kriminalität.
nannte Salvini-Dekret von 2018 wirkte       Bevor sie in Europa landen, haben die
in Italien bis Anfang Oktober noch, die     meisten Abenteuerliches hinter sich.
Vergabe von humanitären Aufenthalts-        Die Fluchtgeschichten, die wir an Bord
bewilligungen war ausgesetzt, und das       der Sea-Watch 4 hörten, ähneln sich.
hieß: keine Beschäftigung, kein nati-       Immer sind es Krieg, Gewalt, Armut
onaler Gesundheitsdienst, Sozialhilfe       oder familiäre Konflikte, die Menschen
und Wohnraum. Ob sich die Situation         zur Flucht zwingen. Viele Afrikaner
für die Flüchtlinge durch ein beschlos-     müssen zunächst die Wüste durchque-
senes neues Gesetz verbessern wird,         ren, ehe sie nach Nordafrika kommen.
ist noch unklar. Die „Giocherenda“ ist      Sie durchqueren sie auf Trucks, die von
derzeit das Einzige, was er tun kann,       Kriminellen gelenkt werden, oder sie
dort ist er ehrenamtlich im Einsatz.        gehen zu Fuß, tagelang ohne Wasser.
Amadou gehört immerhin zu denen,            Viele überleben schon das nicht. An
die nicht sofort zurückgeschickt wer-       Bord der „Sea-Watch 4“ waren allein
den, wenn sie von den Rettungsschif-        98 unbegleitete Jugendliche, wie einst
fen oder den Gummibooten, die sie           Amadou einer war. Viele waren auch in
über das Mittelmeer gebracht haben,         Libyen. „Libyen ist die Hölle“, war einer
14

der meistgesagten Sätze an Bord der        auch den US- amerikanischen Psycho-
„Sea-Watch 4“. In dem Bürgerkriegs-        logen Philip Zimbardo aufhorchen las-
land würden Ost- und Westafrikaner         sen. Der ehemalige Stanford- Professor
behandelt wie Vogelfreie. In Auffangla-    hat die Gründer der „Giocherenda“ ge-
gern sind Folter und sexueller Miss-       coacht. Heute bringen die ehemaligen
brauch an der Tagesordnung. „Wir sind      Flüchtlinge sogar europäischen Füh-
für die wie Sklaven“, berichteten Geret-   rungskräften bei, wie man konstruktiv
tete. Da es für Afrikaner keine Möglich-   Teams führt. „Denn“, sagt Amadou,
keit gibt, auf legalem Weg nach Europa     „jeder braucht jemand anderen.“
zu kommen und einen Asylantrag zu          Constanze Broelemann
stellen, bleibt nur die Flucht über das
Mittelmeer.
Bis heute gibt es keine gesamt-euro-
päische Lösung, um das Sterben im
Mittelmeer aufzuhalten. „Mare Nos-
trum“, eine Operation der italienischen
Marine und Küstenwache, wurde 2014
mangels finanzieller Unterstützung aus
der EU eingestellt. Heute sind es vor
allem zivile Seenotretter wie die „Sea-
Watch“, die schiffbrüchige Flüchtlinge     Die Autorin, Jahrgang 1978, leitet die
aufnehmen.                                 Graubündner Redaktion der evange-
Dass Amadou mit seinen friedlichen         lisch-reformierten Zeitung in Chur.
Spielen für Solidarität zwischen Euro-     Die Zeitung „reformiert“ ist die aufla-
päer:innen und Afrikaner:innen wer-        genstärkste evangelische Zeitung in
ben will, ist ein Hoffnungsschimmer.       der Schweiz. Außerdem arbeitet sie in
Wer die Lebenskraft und Resilienz          Teilzeit im Pfarramt in der Schweiz und
aufbringt, die Strapazen einer Flucht      macht schwerpunktmäßig Konfirman-
durchzustehen, kann mehr. Das hat          denarbeit.
15
16

                                             Konstanze Ebel

Konstanze Ebel (Jahrgang 1974) malt     Für Konstanze Ebel sind ihre bebilder-
und reimt seit dem Lockdown im März     ten Verse „eine Art Selbsttherapie“.
tagtäglich ihren Kommentar zur Lage.    Mit vier Kindern in der hauseigenen
Die in Bad Godesberg lebende Kunst-     „Privatschule“ hatte sie kaum noch
historikern nimmt in ihren Cartoons     Momente ganz für sich. So begann sie,
immer wieder die uns derzeit über-      um fünf Uhr morgens aufzustehen und
aus vertraute Mund-Nasen-Maske ins      bei der ersten Kanne Tee diese Bilder
Visier: „Corona-Gebete“ nennt sie die   zu malen. „Das ist meine Art, meine
witzigen Karikaturen, die mit einem     Gedanken und Gefühle los zu werden“,
feinen Gespür für den Kern der Sache    so Ebel. Und mit Humor die Angst ein
entstehen. Die Pandemie und ihre Aus-   Stück weit zu vertreiben. Zu sehen
wirkungen auf unser Alltagsleben sind   sind die „Corona-Gebete“ auch auf
eine sehr ernste Angelegenheit – hin    Konstanze Ebels Instagram-Kanal @
und wieder aber auch so richtig zum     dichtungsding (https://www.instagram.
Lachen oder zumindest zum Schmun-       com/dichtungsding/?hl=de) sowie in
zeln.                                   ihrem Blog (https://dichtungsding.jim-
Eine Auswahl ihrer Cartoons gibt        dofree.com/coronagebete-blog/).
es jetzt auch auf gemeindebrief.de      https://www.kirche-im-wdr.de/nix/de/nc/startseite/
zum fleißigen Weiterveröffentlichen.    programuid/dichtungsding/formatstation/wdr2/
17

Mit dem Paul-Spiegel-Preis für Zivil-     Zentralrat der Juden vergeben und er-
courage an die bundesweite Initiative     innert an dessen früheren Präsidenten
„Omas gegen rechts“ werde neben           Paul Spiegel (1937-2006).
dem Engagement älterer Menschen           Die zivilgesellschaftliche und überpar-
für Demokratie und Menschenrech-          teiliche Initiative „Omas gegen rechts“
te auch der Mut der Aktivistinnen         wurde im Januar 2018 in Deutsch-
und Aktivisten gewürdigt, teilte der      land gegründet, nach dem Vorbild der
Zentralrat der Juden in Deutschland       gleichnamigen Wiener Initiative. Sie
am Mittwoch in Berlin mit.                besteht den Angaben zufolge aus rund
Berlin (epd). Wegen der Corona-Pan-       100 Regionalgruppen und beteiligt sich
demie finde die Preisverleihung erst im   an Demonstrationen gegen Antisemi-
Frühsommer 2021 statt. Der mit 5.000      tismus und Rassismus und für Toleranz
Euro dotierte Preis wird seit 2009 vom    und Menschenwürde. Auslöser für
18

die Gründung waren der wachsende        Ihr Engagement ist vorbildlich und
Rechtspopulismus und Rechtsextremis-    sollte in unserem Land stärker gewürdigt
mus.                                    werden als bislang.“
„Zeichen gegen Antisemitismus und       Mit Blick auf die Corona-Pandemie füg-
Rassismus“                              te Schuster hinzu: „Momentan ist die
„Die ‚Omas gegen rechts‘ bringen ihre   politische Arbeit zivilgesellschaftlicher
Lebenserfahrung und ihre Zeit ein,      Organisationen sehr erschwert. Umso
um sich für unsere Demokratie zu        wichtiger ist es für unsere Demokratie,
engagieren. Sie setzen laut und deut-   dass die Zivilgesellschaft andere Wege
lich ein Zeichen gegen den wachsenden   wie etwa über die Social Media nutzt,
Antisemitismus und Rassismus sowie      um unsere politische Kultur in dieser
gegen Frauenfeindlichkeit“, erklärte    Krise zu pflegen. Genau jetzt brauchen
Zentralrats-Präsident Josef Schuster:   wir solches Engagement wie das der
„Ihre Protestformen sind kreativ und    ‚Omas gegen rechts‘.“
modern. Leider sind sie regelmäßig      © Copyright Evangelischer Pressedienst (epd) – alle
Anfeindungen ausgesetzt. Doch davon     Rechte vorbehalten.
lassen sie sich nicht einschüchtern.
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Kika produziert Krippenspiel nach Vorlage von Kirsten Boie
Damit Kinder an Weihnachten in Co-          und Krippenspiele fielen vielerorts aus
rona-Zeiten nicht ganz auf das liebge-      oder seien nur für wenige zugänglich.
wonnene Ritual verzichten müssen,           Deswegen solle an Heiligabend die Pre-
produzieren Kika und MDR für Heilig-        miere von „Paule und das Krippenspiel“
abend ein „Krippenspiel für die ganze       gezeigt werden.
Familie“. Die Kinder- und Jugendbuch-
autorin Kirsten Boie habe dafür die lite-   Gemeinsam mit Boie erarbeitet Filmau-
rarische Vorlage geschrieben, teilte der    tor Michael Demuth laut Kika derzeit
Kinderkanal von ARD und ZDF (Kika) am       das Drehbuch. Dabei solle eine Ge-
4. November in Erfurt mit.                  schichte aus Boies erstem Buch „Paule
                                            ist ein Glücksgriff“ als Vorlage dienen
Mit steigenden Infektionszahlen zeich-      und „zeitgemäfl für Heiligabend“ um-
ne sich ab, dass die diesjährige Ad-        gearbeitet werden. In „Paule und das
vents- und Weihnachtszeit anders ver-       Krippenspiel“ gehe es neben der weih-
laufen werde als gewohnt, erklärten         nachtlichen Botschaft um Zusammen-
die Sender. Weihnachtsgottesdienste         halt, Durchhaltevermögen, Freund-
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schaft, Kreativität und Hilfsbereitschaft,   Kika-Programmgeschäftsführerin Ast-
sagte die Jugendbuchautorin Boie. Sie        rid Plenk sagte: „Wir freuen uns sehr,
wünsche sich, dass der Film für viele        dass wir erstmals in filmischer Form an
Menschen in der schwierigen Coro-            Heiligabend ein Krippenspiel zeigen.“
na-Zeit „eine Viertelstunde der Weih-        Beherzt und engagiert planten derzeit
nachtsfreude“ sein könne.                    alle Beteiligten die kurzfristige Produk-
                                             tion unter hohen Hygienebestimmun-
„Jeder kann ein Engel sein“                  gen. Die Produktionsfirma Crossmedia
                                             will den Kurzspielfilm in der zweiten
„Es ist ein Krippenspiel, das alle einbe-    Novemberhälfte in Halle drehen. Pro-
zieht. Bei dem Maria ein muslimisches        duzent ist die Tellux Film. Die redaktio-
Mädchen und der Verkündigungs-               nelle Verantwortung liegt bei Kika und
engel Schwarz sein kann“, sagte Boie.        MDR.
Die Botschaft sei: „Jede und jeder kann
ein Engel sein!“                             epd/GB
Heiligabend zu Hause
Vom Himmel hoch da komm ich her EG 24
 1. Vom Himmel hoch da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär;
   der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will.
 2. Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn,
   ein Kindelein so zart und fein, das soll eu‘r Freud und Wonne sein.
 3. Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not,
   er will eu‘r Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein.
 4. Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott der Vater hat bereit‘,
   daß ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich.
 5. So merket nun das Zeichen recht: die Krippe, Windelein so schlecht,
   da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt.«
 6. Des laßt uns alle fröhlich sein und mit den Hirten gehn hinein,
   zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt.
 7. Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin; was liegt doch in dem Krippelein?
   Wes ist das schöne Kindelein? Es ist das liebe Jesulein.
 8. Sei mir willkommen, edler Gast! Den Sünder nicht verschmähet hast
   und kommst ins Elend her zu mir: wie soll ich immer danken dir?
 9. Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, wie bist du worden so gering,
   daß du da liegst auf dürrem Gras, davon ein Rind und Esel aß!
10. Und wär die Welt vielmal so weit, von Edelstein und Gold bereit‘,
   so wär sie doch dir viel zu klein, zu sein ein enges Wiegelein.
11. Der Sammet und die Seiden dein, das ist grob Heu und Windelein,
   darauf du König groß und reich herprangst, als wär‘s dein Himmelreich.
12. Das hat also gefallen dir, die Wahrheit anzuzeigen mir,
   wie aller Welt Macht, Ehr und Gut vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut.
13. Ach mein herzliebes Jesulein, mach dir ein rein sanft Bettelein,
   zu ruhen in meins Herzens Schrein, daß ich nimmer vergesse dein.
14. Davon ich allzeit fröhlich sei, zu springen, singen immer frei
   das rechte Susaninne schön, mit Herzenslust den süßen Ton.
15. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen ein‘gen Sohn.
   Des freuet sich der Engel Schar und singet uns solch neues Jahr.
Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 2
Jesu Geburt
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein   Heiland geboren, welcher ist Christus,
Gebot von dem Kaiser Augustus aus-         der Herr, in der Stadt Davids.
ging, dass alle Welt geschätzt würde.      Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet
Und diese Schätzung war die allerers-      finden das Kind in Windeln gewickelt
te und geschah zur Zeit, da Quirinius      und in einer Krippe liegen.
Statthalter in Syrien war.                 Und alsbald war da bei dem Engel die
Und jedermann ging, dass er sich schät-    Menge der himmlischen Heerscharen,
zen ließe, ein jeder in seine Stadt.       die lobten Gott und sprachen: Ehre sei
Da machte sich auf auch Josef aus          Gott in der Höhe und Friede auf Erden
Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das    bei den Menschen seines Wohlgefal-
jüdische Land zur Stadt Davids, die da     lens.
heißt Bethlehem, weil er aus dem Hau-      Und als die Engel von ihnen gen Him-
se und Geschlechte Davids war, damit       mel fuhren, sprachen die Hirten unter-
er sich schätzen ließe mit Maria, seinem   einander: Lasst uns nun gehen nach
vertrauten Weibe; die war schwanger.       Bethlehem und die Geschichte sehen,
Und als sie dort waren, kam die Zeit,      die da geschehen ist, die uns der Herr
dass sie gebären sollte. Und sie gebar     kundgetan hat. Und sie kamen eilend
ihren ersten Sohn und wickelte ihn in      und fanden beide, Maria und Josef,
Windeln und legte ihn in eine Krippe;      dazu das Kind in der Krippe liegen.
denn sie hatten sonst keinen Raum in       Als sie es aber gesehen hatten, breite-
der Herberge.                              ten sie das Wort aus, das zu ihnen von
Und es waren Hirten in derselben           diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor
Gegend auf dem Felde bei den Hürden,       die es kam, wunderten sich über das,
die hüteten des Nachts ihre Herde. Und     was ihnen die Hirten gesagt hatten.
der Engel des Herrn trat zu ihnen, und     Maria aber behielt alle diese Worte
die Klarheit des Herrn leuchtete um sie;   und bewegte sie in ihrem Herzen.
und sie fürchteten sich sehr.              Und die Hirten kehrten wieder um,
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet    priesen und lobten Gott für alles, was
euch nicht! Siehe, ich verkündige euch     sie gehört und gesehen hatten, wie
große Freude, die allem Volk wider-        denn zu ihnen gesagt war.
fahren wird; denn euch ist heute der
1. Ich steh an deiner Krippen hier,
                                           o Jesu, du mein Leben;
                                           ich komme, bring und schenke dir,
                                           was du mir hast gegeben.
                                           Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
                                           Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
                                           und l aß dir‘s wohlgefallen.
                                        2. Da ich noch nicht geboren war,
                                           da bist du mir geboren und hast
                                           mich dir zu eigen gar, eh ich dich
                                           kannt, erkoren. Eh ich durch deine
                                           Hand gemacht, da hast du schon bei
                                           dir bedacht, wie du mein wolltest
                                           werden.
                                        3. Ich lag in tiefster Todesnacht,
                                             du warest meine Sonne, die Sonne, die
                                             mir zugebracht Licht, Leben, Freud und
                                             Wonne. O Sonne, die das werte Licht
                                             des Glaubens in mir zugericht‘, wie
                                             schön sind deine Strahlen!
4. Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun
nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer, daß ich dich möchte fassen!
      Gott, wir konnten es uns gar nicht vorstellen,
      dass der Heilige Abend einmal ganz anders aussehen könnte,
      als wir ihn nach unseren Traditionen Jahr um Jahr gefeiert hatten.
      In unserem Land seit zwei, drei Generationen ein Fest des Friedens,
      der Ruhe, gefeiert im vertrauten Gottesdienst und im persönlichen
      Wohlstand. Nun müssen wir uns daran gewöhnen, dass Not, Gefahr,
      bedrohliche Krankheit nicht nur fernab bei den armen Völkern der
      Welt herrschen, sondern das Bedrohliche in der Pandemie auch uns
      umgibt. So kommen wir in diesem Jahr zur Krippe, dorthin, wo wir der
      Weihnachtsbotschaft begegnen. In ganz anderen Gemeindegottes-
      diensten, oder dann auch noch einmal bewusster, bei uns zu Hause,
      in dem Bereich, der nun für uns verblieben ist.
      Wir bitten dich: lass uns dein Heil schauen und uns der Sache mit Jesus
      Christus gewiss werden, dass er unser Heil ist. Amen
1. O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit!

2. O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Christ ist erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue dich, o Christenheit!

3. O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit!
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Berührungen in Zeiten von Corona
Einfach in den Arm nehmen
                                             für mehr Freiheit. Zu Hause wurde ge-
                                             feiert und gelacht – Monty balancierte
                                             zwischen zwei Welten. Und manchmal
                                             trat sie daneben. Als sie mit zwölf Jah-
                                             ren in der Schule bestraft wurde, weil
                                             sie in der Pause ein Lied sang, warf sie
                                             der Lehrerin trotzig an den Kopf: „Vögel
                                             dürfen doch auch zwitschern.“
© Elissavet Patrikiou
„Gott sagt, für ihn sind tausend Jahre
wie ein Tag. Und ein Tag wie tausend
Jahre. Dazwischen kommen eben ein
paar Tage Corona“ Heidemarie Förster

Annas Sohn mochte sich lange nicht be-
rühren lassen. Heidemarie ist vorsichtig
- weil sie Risikopatientin ist. Und Monty,
die so gern Menschen drückt, kann sich
schwer zurückhalten. Aber klar, ist ja
Corona-Zeit.
Eine Umarmung in der Öffentlichkeit
– das war für Monty Navabi, 48, be-
reits echter Luxus, bevor Covid-19 uns
erreichte. Denn Emotionen zu zeigen,
gar mit körperlicher Nähe, konnte sie
sich jahrelang kaum vorstellen. Sie ist      Monty Navabi hat ein kleines Mode
im Iran aufgewachsen, erlebte dort als       label namens Mon-T und ist Mutter von Sheyda
                                                                        © Elissavet Patrikiou
Kind die Revolution und als Jugendliche
den Krieg. „Ich musste meine Gefühle
draußen verstecken.“ Und zwar genau          Wiebe Bökemeier
so strikt wie ihre Locken unter dem          Wiebe Bökemeier, Autorin, umarmte
Kopftuch und ihre Haut unter langen Är-      plötzlich im Traum fremde Leute in der
meln und Hosenbeinen. Verbote waren          Kneipe. Sie fragte sich: Wie kommen
für Monty ebenso Realität wie die Ver-       andere mit diesem Berührungsentzug
schleierung der Ansichten ihrer Eltern.      klar?
Sie waren Regimegegner und kämpften
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                                            ment ganz fest – und die hält still. Dann
Elissavet Patrikiou
                                            fließen die Berührungen durch ihren
Elissavet Patrikiou, Fotografin, verlieb-
                                            Corona-Kraulkreislauf: Sheyda kribbelt
te sich während des Lockdowns. Als er
                                            mit blau lackierten Fingernägeln die
dann ihre Hand halten wollte, zückte
                                            Hündin Limu zwischen den Pinseloh-
sie im Park das Desinfektionsmittel.
                                            ren, die presst sich wiederum an Mon-
                                            tys Beine. Mutter und Tochter retteten
                                            die Hündin vor zwölf Wochen aus dem
                                            Tierheim. „Unser Corona-Baby. Limu
                                            hält jetzt all die Umarmungen aus, die
                                            unsere Freunde sonst bekommen hät-
                                            ten.“
                                            Berühren möchte Monty Menschen
                                            trotzdem. Ihr sei durchaus bewusst,
                                            sagt sie, dass eine Seele ohne Körper-
                           ©privat
                                            kontakt schwieriger zu erreichen sei.
Bei diesen Erinnerungen wird Monty          Die wohne schließlich auch unter der
Navabi ernst: „Ich verabscheue Regeln,      Haut, und über die Haut komme man
die keinen Sinn machen, das habe ich        halt am besten an die Seele ran. Trifft
lange genug erlebt.“ Als sie 15 Jahre       sie eine Freundin, sagt Monty ganz
alt war, schickten ihre Eltern sie nach     deutlich zu ihr: „Ich würde dich jetzt
Deutschland. Da habe ihr zweites Le-        so gern drücken“ und küsst in die Luft.
ben begonnen – eines ohne ihre zwei         „Ich kann sie dann zwar nicht festhal-
Schwestern und ihre Eltern, dafür eines     ten, aber zumindest kann ich sie mit
mit mehr Chancen.                           Sprache, Gestik und Mimik berühren.“
Wer Monty im letzten Jahr auf der           Vor Corona drückte und küsste Monty
Straße traf, fand sich schnell mit einem    etwa zehnmal am Tag, wenn sie durch
Espresso auf ihrer kleinen Terrasse         ihr Viertel St. Pauli in Hamburg lief. Das
wieder, frisch umarmt und warm ein-         aktuell gebotene Abstandhalten emp-
gepackt zwischen den bunten Kissen          findet sie dennoch nur als kleine Ein-
auf der Hollywoodschaukel. Inzwischen       schränkung, sogar eher als Ausdruck
ist es erst mal vorbei mit der körperli-    von Freiheit: „In vielen Teilen der Welt
chen Nähe. Nur für ihre zehnjährige         leben Menschen zurzeit auf engstem
Tochter gilt das nicht. „Die kann ja auch   Raum, in Flüchtlingslagern oder Ar-
nicht weglaufen“, sagt die Singlemut-       menvierteln, und haben gar nicht die
ter, presst Sheyda an ihre Brust und        Wahl. Wir leben in einer Gesellschaft,
küsst sie drei, vier Mal auf die Schläfe.   in der wir öffentlich Zuneigung zeigen
Sheyda grinst und rollt mit den Augen.      dürfen – und im Notfall Abstand halten
Nun hält Monty ihre Tochter einen Mo-       können.“ Also gewissermaßen ein dop-
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peltes Privileg, sagt Monty. „Im Grund-            Umarmung, findet Anna, ist eben bes-
gesetz steht: Die Würde des Menschen               ser als gar keine.
ist unantastbar. Das gilt auch bei der             Zwischen den Häusern sitzen die Nach-
Erhaltung eines Lebens. Ich beschütze,             barn eng beisammen und winken von
indem ich Abstand halte“, erklärt Mon-             weitem, Kinder fahren Skateboard und
ty lächelnd und zuckt mit den Schul-               kichern. Annas Welt, vor Corona mit
tern. „Ich habe ja Übung in Verzicht.“             Bühne und Publikum, ist auf diesen Mi-
                                                   krokosmos geschrumpft. Die Hausge-
„Angefasst zu werden, hat mein Sohn
                                                   meinschaft, zu der auch Annas Freund,
jahrelang kaum ertragen“ - Anna Irm-
                                                   der Musiker Florian, und ihr Ex-Mann
gard Jäger
                                                   Jonny gehören, hat entschieden, wie
                                                   eine große Familie durch diese Zeit zu
                                                   gehen. „So sind wir nie allein“, sagt die
                                                   33-Jährige, während Florian pfeifend
                                                   bei offener Terrassentür scharfe Quesa-
                                                   dillas backt und der achtjährige Paul
                                                   auf seinem Vater herumturnt.
                                                   Anna setzt Mokka für alle auf. Neben
                                                   der Spüle spendet eine Lampe mattes
                                                   Licht, der Schirm ist eine CT-Aufnahme.
                                                   „Ein Beweis für mein gesundes Hirn“,
                                                   erklärt sie leise. Sie stammt aus einer
                                                   Zeit, in der die Ärzte vermuteten, Anna
                                                   könne unter Multipler Sklerose leiden.
                                                   „Sie ermahnt mich, dankbar für jeden
                                                   Tag mit meinen Lieben zu sein.“ In fast
                                                   jedem Zimmer hängen Fotos von Paul.
                                                   Aus einer Zeit, „als alles noch normaler
Anna Irmgard Jäger ist Schauspielerin, Tanzpä-
dagogin und Mutter von Paul ©Elissavet Patrikiou
                                                   war“.
                                                   Paul hat frühkindlichen Autismus. Er
„Braucht ihr eine Umarmung, ihr Lie-               war anderthalb, als die Diagnose kam,
ben?“ Anna Irmgard Jäger steht hinter              Anna gerade Mitte zwanzig. Aus dem
dem Tor zum Innenhof und linst durch               Baby, das seinen Eltern lächelnd in die
die Gitterstäbe. „Ist seit Monaten ja              Augen sah und brabbelte, wurde ein
eine rhetorische Frage“, sagt sie seuf-            Kind, das meist durch andere hindurch-
zend. Dann strafft sie die Schultern, lä-          sah. Bis heute trägt er Windeln und
chelt aufmunternd und legt ihre Arme               spricht so gut wie nie. „Ich dachte nach
über Kreuz, um sich selbst zu drücken.             dem ersten Schock: Na ja, man kann
Eine gut vorgespielte, ernst gemeinte              Liebe auch ohne Worte zeigen, eben
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durch Berührung.“ Doch auch diese Art        muss. Das ist ein großer Trost, vor al-
der Kommunikation verwehrte ihr Paul.        lem in dieser Zeit.“ Dann zwinkert sie
„Er ließ in seiner inneren Welt keine        und sagt: „Hey, wer kann das schon von
Berührungen mehr von der Außenwelt           sich behaupten? Ich bekomme Liebe
zu“ – und wehrte sich mit Händen und         auf Knopfdruck!“
Füßen. „Angefasst zu werden, hat er
                                             „Einsamkeit tut Herzen gar nicht gut“ -
jahrelang kaum ertragen“, sagt Anna.
                                             Heidemarie Förster
„Ich fragte mich jeden Tag: Wie soll ich
Gefühl zeigen und geben, wenn mein
Kind Sprache nicht wahrnimmt und kei-
ne Nähe zulassen kann?“ Paul trat und
boxte – Anna liebte mit aller Kraft auf
Abstand.
Vor etwa drei Jahren veränderte sich
Pauls Verhalten. Er suchte wieder Kon-
takt. „Das war unglaublich.“ Anna fährt
sich mit den Fingern über ihren linken
Ellenbogen. Wie so oft, wenn sie über
Paul spricht. Am Ellenbogen trägt sie
ein kleines Tattoo: Pauls Kuschelknopf.
Dieser Punkt an ihrem Arm ist Pauls
„Lieblingsknubbel“. Das Tattoo darauf
ließ Anna sich stechen, weil es sie an       Heidemarie Förster lebt allein. Sie hat fünf
einen besonderen Moment erinnert.            Kinder und vier Enkel © Elissavet Patrikiou
Eines Abends brachte sie Paul ins Bett       Wie sie so barfuß und mit leuchtenden
und flüsterte ihm, wie immer, „Ich lie-      Augen in ihrer Küche steht, fest auf den
be dich“ ins Ohr. Eine Antwort hatte         alten Holzdielen, scheint es, als könne
Anna zuvor nie erhalten. Aber diesmal        nichts Heidemarie Försters Humor er-
reagierte Paul: „Ich liebe dich.“ Und        schüttern. Dabei waren die vergange-
drückte währenddessen ihren Ellbo-           nen Monate alles andere als lustig. Die
gen. Es blieb bei diesem einen Mal.          69-Jährige hatte bereits sechs Wochen
Doch Anna braucht die Worte nicht.           stramme Bettruhe nach einer Fußope-
Nicht mehr. Sie weiß, wenn er diesen         ration hinter sich. Und dann, mit dem
Punkt an ihrem Ellenbogen berührt,           Tag, als sie endlich wieder aufstehen
sagt er es, auf seine Art. „Es ist ein Ri-   durfte, endlich wieder rausgehen woll-
tual zwischen uns. Und das Tattoo erin-      te, um die Sonne zu sehen und ihre
nert mich jeden Tag daran, dass keine        Freundinnen und ihre Familie zu besu-
Berührung selbstverständlich ist und         chen, kam der Shutdown und forderte
dass man jede einzelne wertschätzen          ihr weitere sechs Wochen ab.
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Heidemarie Förster hielt durch. „Ich         Gottesdienst sonst richtig“, erzählt Hei-
habe gelernt, Gott zu vertrauen“, lau-       demarie. „Wir tanzen, singen und be-
tet ihre simple Erklärung. Zum Glau-         rühren uns gern und oft.“ Gottesdienst
ben fand sie, nachdem ihr erster Sohn        wird es vorerst nicht geben, spontanes
geboren war. Damals erlebte sie eine         Festhalten ebenfalls nicht. Heidemarie
tiefe Krise. Sie war 28 Jahre alt – so alt   wird mittlerweile wieder von ihren fünf
wie ihre Mutter war, als sie sich das Le-    Kindern und vier Enkeln umarmt. Und
ben nahm und zwei kleine Kinder hin-         sie wünscht sich, dass es so bleibt, sie
terließ. Mutterliebe hatte Heidemarie        ist Risikopatientin.
Förster nie erfahren, und jetzt sollte       Sich und andere zu schützen, indem
sie selber Mutter sein? Sie arbeitete        man für sich bleibt, das findet Heide-
damals als Krankenschwester in einem         marie Förster logisch und doch para-
Baptistenkrankenhaus in Berlin. Gern         dox: „Einsamkeit tut Herzen nämlich
habe sie anderen geholfen, sagt Heide-       gar nicht gut.“ Einmal hat sie sich des-
marie Förster, immer, aber sich selbst       halb bei Gott beschwert. „Ich habe
habe sie damals nicht helfen können. In      ihm gesagt: Jesus hat die Leute doch
diesem Krankenhaus gab es Menschen,          auch berührt, auch die, die an der Pest
die sie zwar nur flüchtig kannte, die        litten!“
aber für sie beteten. Heidemarie war         Auf die Frage, ob sie jemals wieder ihre
tief bewegt, dass Fremde sich ihrer Not      Freunde und Gemeindemitglieder ganz
annahmen. „Die Liebe Jesu hatte mein         ohne Angst berühren wird, antwortet
Herz berührt“, sagt sie über diese Zeit.     sie mit fester Stimme: „Ich glaube da-
Dank dieser Begegnung brachte sie            ran, ja. Nur wann, ist die Frage. Gott
die Kraft auf, ein neues Leben zu be-        sagt, für ihn sind tausend Jahre wie ein
ginnen. Diese Kraft ist geblieben: „Ich      Tag. Und ein Tag wie tausend Jahre.
spüre in meinem Herzen, dass ich von         Irgendwo dazwischen kommen die
Gott geliebt und von Menschen unab-          paar Tage Corona. Das ist auszuhal-
hängig bin. Das wiederum gibt mir die        ten. Und so lange ich die Menschen
Freiheit, Menschen zu lieben und mich        nicht drücken darf, lasse ich mir eben
schwierigen Situationen zu stellen.          etwas anderes einfallen. Als Gott mich
Auch Corona.“                                berührt hat, ist das ja auch irgendwie
Denn sie hat ziemlich gern Leute um          ohne Anfassen vonstattengegangen.“
sich. Deshalb macht es sie auch traurig,     Sie deutet auf die große Tafel neben
das Fernhalten voneinander und die           dem Geschirr, auf der sie ihr Lieblings-
ewige Vorsicht. Was ihr vor allem fehlt,     zitat von Schriftsteller Joachim Ringel-
ist ihre Hamburger Kirchengemeinde           natz mit Kreide notiert hat. Dort steht
Elim Sternschanze. Deren Leitspruch          schwungvoll geschrieben: „Humor ist
lautet: „Komm so, wie du bist!“ Und          der Knopf, der verhindert, dass uns der
jetzt kommt keiner. „Wir feiern den          Kragen platzt.
                                                              (aus Chrismon.evangelisch.de)
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Überlebende des Zwangslagers Theresienstadt
Sie könnte es jetzt bequem haben
                                                    Eine meiner frühesten Erinnerungen ist
                                                    die an meine Spielkameraden in Prag.
                                                    Als die Deutschen die Tschechoslowa-
                                                    kei besetzten, durfte ich als jüdisches
                                                    Kind nicht mehr mit ihnen spielen. Sie
                                                    durften nicht mal antworten, wenn ich
                                                    ihnen „Hallo“ sagte. Sie taten so, als sei
                              © Christina Stohn
                                                    ich nicht da!
Durch Zufall hat Michaela Vidláková, 83, als Kind
das Zwangslager Theresienstadt überlebt

Aber sie muss noch immer erzählen.
Von ihrer Kindheit im Lager. Von den
Toten.

Michaela Vidláková, Jahrgang 1936:
Irgendwann wurde es mir zu viel: „Ich
                                                     Michaela Vidláková mit 5 Jahren © privat
möchte das Wort ‚Theresienstadt‘ nie
wieder hören“, sagte ich zu meinen El-              1941 mussten wir unsere Wohnung für
tern. Der Krieg war da schon Jahrzehnte             einen SS-Mann räumen. Wir bekamen
vorbei. Ich hatte durchaus verstanden,              ein Zimmer in einer „jüdischen Sam-
dass sie das Erinnern als ihre Lebens-              melwohnung“. Nur ein Mal war ich dort
aufgabe sahen, denn schon im Lager                  froh: Am Abend bevor wir nach Theres-
hatte es geheißen: Die Überlebenden                 ienstadt mussten. Meine Eltern gaben
sind verpflichtet, Zeugnis abzulegen.               mir einen Bleistift und sagten, dass ich
Aber ich wollte mit meinen Eltern über              auf die Wände zeichnen darf, damit sie
andere Sachen reden. Und ich woll-                  Ruhe zum Packen haben.
te keinen Kontakt zu Deutschen. Aber                Eigentlich sollten wir von Theresien-
meine Eltern überzeugten mich nach                  stadt gleich weitertransportiert wer-
vielen Jahren, dass da jetzt eine neue              den in ein Vernichtungslager. Aber
Generation ist, die keine Schuld für die            mein Vati konnte gut mit Holz umge-
Vergangenheit hat. Und nachdem mei-                 hen, solche Leute wurden gebraucht in
ne Eltern gestorben waren, habe ich ihr             Theresienstadt, diesem Vorzimmer des
Lebenswerk fortgeführt. Es ist zu mei-              Todes. Das schützte auch meine Mutti
ner Verpflichtung geworden. Es erfüllt              und mich.
mich.                                               Dann bekam ich Typhus, Scharlach
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und Masern, alles auf einmal. Später     war schon im Transport, aber dann
auch noch Gelbsucht und eine Herz-       brauchte man für die Reparatur ei-
muskelentzündung. Es gab keine Me-       nes zerstörten Daches Freiwillige – er
dikamente für mich. Ich blieb ein Jahr   meldete sich. So überlebten wir.
im Lagerkrankenhaus. Dort lernte ich     „Erst an der Uni konnte ich jung und ein
einen Waisenjungen aus Deutschland       bisschen sorglos sein“
kennen, ich wollte, dass er mein Bru-    Nach dem Krieg, unter dem kommu-
der wird. Wir brachten uns gegenseitig   nistischen Regime, wuchs schon wie-
Deutsch und Tschechisch bei. Als ich     der der Antisemitismus. Wir wollten
entlassen wurde, musste er noch im       aus der Tschechoslowakei nach Israel
Krankenhaus bleiben – ich habe ihn nie   fliehen. Aber der Fluchthelfer verriet
wiedergesehen. Damals stand der Kon-     uns, wir kamen ins Gefängnis. Ich war
trollbesuch vom Internationalen Roten    furchtbar verzweifelt. Ich hatte mich
Kreuz an, und vorher deportierte man     so auf das Leben in Israel gefreut! We-
viele Kranke und Alte. Leider habe ich   gen des Fluchtversuchs durfte ich nicht
mittlerweile seinen Namen vergessen.     mehr aufs Gymnasium zurück. Ich ging
Ausgerechnet den Namen!                  arbeiten und machte doch Abitur, auf
Zu der Schlange im Lager, in der ich     der Abendschule. Auch die Zulassung
immer für Suppe mit etwas Kartoffeln     zu meinem naturwissenschaftlichen
anstand, kamen oft alte, halb verhun-    Studium musste ich mir hart erkämp-
gerte Menschen. Sie fragten mich ganz    fen – ich gehörte zu einer unerwünsch-
bescheiden, ob ich ihnen meine Sup-      ten Gruppe. Erst an der Uni konnte ich
pe geben könnte. Sie sagten „Sie“ zu     wieder jung und entlastet sein. So ein
mir – ich war sieben. Natürlich hätte    bisschen sorglos!
ich meine Suppe gern selbst gegessen,    In meinem Alter wäre ein Leben ohne
aber diese Menschen erinnerten mich      Verpflichtung bequemer, mit Konzer-
an meine Großeltern. Ich wusste nicht,   ten und Ausstellungen. Aber das kann
dass man sie schon längst in Auschwitz   ich nicht. Natürlich tut es mir weh,
ermordet hatte. Ich dachte, wenn ich     wenn ich erzähle, wie meine Oma wohl
diesen Menschen helfe, dann gibt viel-   den Weg zur Gaskammer ging. Aber
leicht auch jemand meinen Großeltern     ich rede weiter, weil es meine Pflicht
etwas zu essen. Aber es standen da       ist. Die Jugendlichen sind sehr interes-
mehrere hungrige Menschen! Wie soll      siert. Oft sagen mir Lehrer: „Bei mir im
ein Kind entscheiden, wer die Suppe      Unterricht sind die nie so ruhig!“ Ich
am meisten braucht? Die Enttäuschung     sage den jungen Menschen, dass man
in den Augen derjenigen, die leer aus-   gegen das Böse kämpfen muss, solange
gingen . . .                             es noch schwach ist.
Der Zufall und das Gespür meines         Protokoll: Lena Christin Ohm
Vatis retteten uns vor Auschwitz. Er               (aus Chrismon.evangelisch.de)
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Aus der Gemeindeküche
Ein leckeres Rezept aus der libanesischen Küche:
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Adventssammlung der Diakonie
                                         Insgesamt wurden in diesem Zeitraum
                                         fast 75 Millionen Euro für die diakoni-
                                         sche Arbeit gesammelt.

                                         Solidarität über Gemeindegrenzen
                                         hinweg
                                         Vom Sammlungsaufkommen 35 Pro-
                                         zent bei den sammelnden Kirchenge-
                                         meinden, 25 Prozent im jeweiligen Kir-
                                         chenkreis. 40 Prozent des Aufkommens
                                         werden an das Diakonische Werk wei-
                                         tergeleitet und von dort landeskirchen-
                                         weit für diakonische Aufgaben einge-
                                         setzt. Somit ist die Diakoniesammlung
                                         eine solidarische Hilfsaktion, die über
                                         die Grenzen der einzelnen Gemeinde
                                         hinausgeht.

                                         Was geschieht mit dem Geld?
Tradition seit mehr als 60 Jahren        Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lip-
Seit 1948 führen die Diakonischen Wer-   pe setzt Sammlungsmitteln gezielt für
ke in Rheinland, Westfalen und Lippe     die Begleitung und Beratung von in-
Haus- und Straßensammlungen durch.       novativen Projekten ein und fördert
In NRW geschieht dies jeweils als Som-   Konzepte für die Arbeit mit Ehrenamt-
mer- und als Adventssammlung ge-         lichen. In Fortbildungen und Semina-
meinsam mit den Caritas-Verbänden.       rangeboten werden Kirchengemein-
                                         den und diakonische Einrichtungen im
                                         Gebiet der drei Landeskirchen unter-
 Konto der Ev. Kirchengemeinde Ge-
                                         stützt. Sie werden bei der Etablierung
 men bei der Volksbank Gemen
                                         von neuen diakonischen Angeboten
 IBAN: DE 25 4286 1515 0400 1473 00
                                         beraten und bekommen Hilfen wie Eh-
 Stichwort „Diakonie“
                                         renamtliche in die Arbeit einbezogen
 Sie können Ihre Gabe auch im Kuvert
                                         werden können. Das ist eine wichtige
 zum Gottesdienst oder ins Gemein-
 debüro bringen.                         strukturelle Hilfe für viele diakonische
 Ab einem Betrag von 10 € gibt es        Projekte, für die sich oft keine anderen
 eine Spendenbescheinigung.              Geldgeber finden.
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Die Gottesdienstzeiten in der Johanneskirche
und die Termine der Gruppen im Gemeindehaus
Sonntag        11.00 Uhr            Gottesdienst; am ersten Sonntag im Monat und
                                    an den kirchlichen Festtagen mit Feier des heili-
                                    gen Abendmahls
               10.00 Uhr            Kindergottesdienst im Gemeindehaus
                                    (außer in den Schulferien)
               nach dem Gottesdienst Gemeinde Kaffeetrinken

Montag         19.30 Uhr            Presbyteriumssitzungen (verschiedene Orte)
               20.00 Uhr            Probe des Kirchenchors
Dienstag       15 Uhr bis 17 Uhr    offene Johanneskirche
               15 Uhr               KU 3 Unterricht (kirchlicher Unterricht für die
                                    Drittklässler)
               16:00 Uhr            KU 8 Konfirmandenunterricht
               19:30 Uhr            Meditationskreis (jeweils am 3. Dienstag)
Mittwoch       15.00 Uhr            Strickkreis (außer am letzten Mittwoch, s.u.)
               15.00 Uhr            Frauenhilfe; jeweils am letzen Mittwoch
               16.00 Uhr            vier Termine im Jahr „Früh dabei“
                                    - ök.Gottesdienste mit Kleinkindern,
Donnerstag     15 Uhr bis 17 Uhr    offene Johanneskirche
               18.00 Uhr            Klöppelkurs
Freitag        09.00 Uhr            Freitagstreff
               20.00 Uhr            alle zwei Wochen: Bibelstunde, vom Jahresbe-
                                    ginn bis Ostern als ökumenische Bibelstunde
Öffnungszeiten des Gemeindebüros Gemen, Coesfelder Straße 2
Mo - Mi + Fr   10 Uhr bis 12 Uhr    Gemeindesekretärinnen
Do             17 Uhr bis 19 Uhr    Frau Hussmann und Frau Hüging
                                    Telefon 1680
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Pfarramt        Pfarrerin Barbara Werschkull
für Gemen       Cordulastr. 11, 46325 Borken-Gemen
und Raesfeld     02861 / 24 93
                E-mail: werschkull-gemen@t-online.de
Adressen Gemen
Gemeindebüro:    Coesfelder Str. 2 - Astrid Hussmann und Kirsten Hüging
                  02861 / 16 80
                 (Montag bis Mittwoch und Freitag von 10 Uhr bis 12 Uhr,
                 Donnerstag von 17 Uhr bis 19 Uhr)
                 E-mail: info@kirchengemeinde-gemen.de
Prädikanten:     Sabrina Heinsdorff, Pelzeresch 22, Gemen,
                  02861 / 6 48 79
                 Bettina Stürcken, Lönsstr.6, Weseke,
                  02862 / 41 67 16
                 Detlef Stürcken, Lönsstr.6, Weseke,
                  02862 / 41 67 16
Presbyter/innen: Ralf Lorenz, Graf-Hermann-Otto-Weg 8,Gemen
                 Wolfgang Müller, Theikamp 11, Gemen
                  02861 / 7 03 90 01
                 Albert Osing, Feldstiege 6, Gemen
                  02861/ 8 92 08 90
                 Waltraud Schneider, Matthias-Grünewald-Weg 27, Gemen
                  02861 / 6 63 08
                 Rita Schwenzfeier, Kreuzberg 15, Gemen
                  02861 / 6 34 69
Organist:        Christian Bohn, Neumühlenallee19, Gemen
                  02861 / 6 38 80
                 E-mail: bohn.gemen@googlemail.com
Küsterin:        Marina Fridt, Siegfried-Lenz-Weg 6A, Borken
                  02861 / 90 31 23
Kirchenchor:     Monika Dachselt, August Brust Str. 38,
                 48249 Dülmen
                 Karl- Heinz Andresen, Amselstr. 16, Borken
                  02861 / 36 07
Frauenhilfe:     Pfarrerin B. Werschkull, Cordulastr. 11, Gemen
                  02861 / 24 93
Mediationsgruppe:Bettina Stürcken, Lönsstr.6, Weseke,
                  02862 / 41 67 16
Diakonie:        Ahauser Str.64, Gemen         02861 / 90 35 54
Bodelschwinghhaus:
Frau Brands      Markstiege, Gemen             02861 / 94 16-0
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