INFO DIENST - Biologische Station Osterholz
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INFO DIENST Biologische Station Osterholz e.V.
27711 Osterholz-Scharmbeck Lindenstraße 40 Tel. 04791 / 9656990 Fax 89325
www.biologische-station-osterholz.de
Liebe Mitglieder und Freunde der BioS,
Besonders jetzt im Frühjahr, wenn die Natur erwacht, wird der
Artenschwund auch bei uns im Landkreis sichtbar. Dem möchten wir mit
unserer Arbeit entgegenwirken.
Wir berichten in diesem BioS-Informationsdienst über unsere derzeitigen
Arbeitsschwerpunkte und Themen, die die aktuelle öffentliche Diskussion
bestimmen.
Biologische Station Osterholz e.V. (seit 1985) Trägermitglieder: Aktionsgemeinschaft Bremer
Schweiz; BUND Kreisgruppe Osterholz; BUND Landesverband Bremen; NABU Ortsgruppen Oster-
holz-Scharmbeck, Ritterhude, Hambergen, Lilienthal, Schwanewede, Worpswede; Heimatverein Rit-
terhude; Ifab Freiburg/Ne; Freunde Worpswedes; VHS Osterholz-Scharmbeck / Hambergen / Schwa-
newede e.V.; Initiative Teufelsmoor; Imkerverein Osterholz-ScharmbeckDer Waldkauz ist Vogel des Schulen konnten mit ihren Bach-
Jahres 2017. Obwohl noch nicht erkundungen beginnen.
auf der Roten Liste, ist er in Nie-
Unser Projekt „Äpfel verbinden
dersachsen im Rückgang. Grund
Kulturen“ ist bewilligt und kann
ist der Verlust von Nistmöglich-
rechtzeitig zum Beginn der Vege-
keiten in geeigneten Höhlenbäu-
tationsperiode starten.
men und großflächiger Lebens-
räume für die Nahrungssuche. Im Projekt „Moorschutz in Nie-
dersachsen (MooNi)“ sind die
Die Rückkehr von Wölfen in
Unterrichtskonzepte für die Se-
Niedersachsen ist derzeit das am
kundarstufe II in einem workshop
meisten und emotional kontro-
an die kooperierenden Umwelt-
vers verhandelte Thema. Wir
möchten die Diskussion versach- bildungseinrichtungen übergeben
lichen und zeigen die Entwick- worden.
lung und Lebensweise in unserer Ein Fachvortrag in diesem
Region auf. workshop befasste sich mit
Im Springmoor hat die Ökolo- „Paludikultur“. Wir haben das
gische Station großflächig Bo- zum Anlass genommen, diese
denarbeiten zum Abplaggen der Wirtschaftsweise auf nassen
vergrasten Heideflächen in Auf- Moorböden in einem Beitrag dar-
trag gegeben. Damit kann sich zustellen.
die Heide verjüngen und den
Eine erfolgreiche Zusammenar-
charakteristischen Arten eines
beit zwischen Gymnasium OHZ,
Sandmagerrasens wieder einen
Fraunhofer Institut und BioS er-
Lebensraum bieten.
möglichte den SchülerInnen im
Der direkte Kontakt mit der Na- Seminarfach „TheoPrax“ Grund-
tur ist die Basis unserer Umwelt- sätze des Projektmanagements
bildung und trägt nicht selten da- zu erlernen und in die Praxis um-
zu bei, Ängste oder negative Ge- zusetzen.
fühle gegenüber einzelnen Tier-
arten in Wertschätzung umzu- Nach zähen Verhandlungen ist
wandeln, wie das Beispiel der die Sammelverordnung jetzt
Regenwürmer zeigt. rechtskräftig. Wir berichten über
Kompromisse und Kritik aus Na-
Die Schwaneweder Beeke turschutzsicht.
fließt nun ganz konkret ihrer Teil-
renaturierung entgegen und auch Viel Spaß bei der Lektüre!
die SchülerInnen der beteiligten
2 BioS-ID 1/2017Inhaltsverzeichnis Höhlen und Huhuu-Rufe - Der Waldkauz ist Vogel des Jahres 2017 S. 4 Pflegemaßnahmen im Springmoor - Aus alter Heide wird junge Heide S. 7 Informationen und Thesen zum Wolf Im Landkreis Osterholz S. 9 Zu Gast bei den Regenwürmern S.16 Schwaneweder Beeke - Vom Graben zum lebendigen Bach S.17 Äpfel verbinden Kulturen S.20 MooNi-Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe II vorgestellt S.22 Paludikultur - klimaverträgliche Landwirtschaft im Moor S.24 TheoPrax mit Gymnasium OHZ, Fraunhofer Institut und BioS S.27 Die 1. Tranche der Sammelverordnung ist jetzt rechtskräftig S.30 Die nächsten Führungen und Veranstaltungen S.32 BioS-ID 1/2017 3
Höhlen und Huhuu-Rufe
- Der Waldkauz ist Vogel des Jahres 2017
Seit 1970 wird jedes Jahr eine che Farbmorphen (Variationen)
Vogelart zum Vogel des Jahres vor – eine mit graubraunem Ge-
gewählt. Entwickelt wurde diese fieder und eine mit einem rot-
Aktion vom Deutschen Bund für braunen. Im Flug ist der relativ
Vogelschutz (DBV, heute NABU) kurze Schwanz und die Quer-
mit dem Ziel gefährdete Vogelar- bänderung im Flügel zu erken-
ten oder solche die charakteris- nen. Die Weibchen sind äußer-
tisch für bedrohte Lebensräume lich nicht von den Männchen zu
sind, ins öffentliche und natur- unterscheiden, sind aber bis zu
schutzfachliche Bewusstsein zu 25 % schwerer. Aufgrund der Ge-
rücken. Mit dem Waldkauz (Strix fiederfärbung ist der Waldkauz
aluco) ist zum vierten Mal eine tagsüber in Bäumen gut getarnt.
Eule zum Vogel des Jahres aus-
Zwischen Eulen und Käuzen
erkoren worden. Der Waldkauz
wird übrigens nur im deutschen
ist mit 40 cm Größe, 600 Gramm
Sprachraum unterschieden. Als
Körpergewicht und einer Flügel-
Kauz werden gemeinhin kompak-
spannweite von 63-91 cm eine
te Eulen mit einem runden Kopf
mittelgroße Eule.
und fehlenden Fede-
rohren bezeichnet.
Stringent logisch ist
dies allerdings nicht,
da auch die Schleier-
eule trotz dieser
Merkmale als Eule
bezeichnet wird. Ur-
sprünglich besiedelt
der Waldkauz struk-
turreiche Laubmisch-
Waldkauz im Flug, Foto: Marcus Bosch wälder, mit großen,
alten Bäumen und
Zu erkennen ist er an seinem einem reichen Höhlenangebot.
runden Kopf, den dunklen Augen Denn für die Brut ist der Wald-
und dem rindenfarbigen Gefie- kauz auf natürliche Höhlen an-
der. Vom Waldkauz kommen in gewiesen. Dennoch ist Strix kein
Deutschland zwei unterschiedli- reiner Waldbewohner – seine flex
4 BioS-ID 1/2017iblen Lebensraumansprüche er- häufiger als der Waldkauz mit
lauben ihm ebenfalls in Parks, 5.500. Der Waldkauz ist in
Alleen, Friedhöfe und Gartenan- Deutschland (noch) ungefährdet,
lagen zu leben. Auch in Siedlun- in Niedersachsen wird aber er
gen ist er zu hören, wenn sich im bereits auf der Vorwarnliste der
Umfeld ein entsprechender Roten Liste gefährdeter Brutvo-
Baumbestand findet. Ähnlich fle- gelarten geführt. Wichtigste Ur-
xibel gestaltet sich die Nahrungs- sachen für den Rückgang des
suche der Waldkäuze. Bei einem Kauzes in Niedersachsen sind
reichlichen Angebot ernähren sie der Verlust von geeigneten Höh-
sich zu einem großen Teil von lenbäumen und großflächigen
kleinen Nagetieren wie Mäusen Lebensräumen, eine durch den
oder Maulwürfen, aber auch von fortschreitenden Strukturwandel
Insekten, Reptilien, Amphibien in der Landschaft verschlechter-
oder sogar Regenwürmern. Cha- ten Nahrungssituation, die sich
rakteristisch für unsere häufigste von Jahr zu Jahr stark unter-
Eule ist zudem der weit bekannte scheiden kann und einen sehr
Huhuu-Balzruf, der auch häufig in geringen Bruterfolg und eine ho-
Filmproduktionen verwendet he Sterblichkeit im Winter zur
wird. Darüber hinaus verfügt der Folge haben kann. Seltener sind
Waldkauz noch über weitere Ru- beim Waldkauz Kollisionen mit
fe zur Kommunikation zwischen Stacheldrahtzähnen, Windkraft-
Weibchen und Männchen. Früher anlagen oder der Stromtod an
wurde der Ruf oft als Kuwitt Mittelspannungsleitungen.
(komm mit) verstanden, was da-
Waldkäuze werden bereits mit
zu führte, dass viele Menschen
einem Jahr geschlechtsreif und
im Mittelalter im Käuzchen einen
brüten einmal pro Jahr. Die ers-
Botschafter des Todes sahen. In
ten der 2-4 Eier (selten bis zu 7)
Deutschland leben heute zwi-
werden in Abhängigkeit von der
schen 43.000 und 75.000 Brut-
Witterung zwischen Februar und
paare – der Waldkauz ist somit
März gelegt. In urbanen Gebieten
die häufigste der zehn Eulenar-
brüten Waldkäuze oft schon im
ten in Deutschland. Für die An-
Januar und somit deutlich früher.
zahl an Brutpaaren kann nur eine
Wie bei den meisten Eulen brü-
relativ ungenaue Spanne ange-
ten nur die Weibchen, die in die-
geben werden, da die Bestände
ser Zeit auch rund um die Uhr
stark schwanken. In Niedersach-
vom Männchen versorgt werden.
sen ist nur die Waldohreule mit
Nach etwa 28 Tagen schlüpfen
ungefähr 6.600 Paaren noch
die jungen Waldkäuze, die mit
BioS-ID 1/2017 5nur 28 Gramm Körpergewicht einen nahezu geräuschlosen
echte Leichtgewichte sind und Flug – dadurch und durch das
nach dem Schlupf als Nestlinge besonders ausgeprägte
bezeichnet werden. Nach dem Schwarz-Weißsehen sowie ei-
Verlassen des Nestes sitzen sie nem guten Orientierungsvermö-
als „Ästlinge“ häufig in Nestnähe gen können Eulen erfolgreich in
bis sie fliegen und eigenständig dunklen Nächten jagen.
leben können.
Ehrenamtliche Eulenschutzbe-
Spannende Live-Bilder einer treuer gesucht
Waldkauz-Nestkamera gibt es
In diesem Jahr sucht die BioS
hier:
erstmals interessierte Freiwillige,
https://blogs.nabu.de/category/vo
die sich im praktischen Eulen-
gel-des-jahres/
schutz engagieren wollen. Neben
Schon gewusst? einer jährlichen Erfassung von
Schleiereule und vielleicht auch
Eulen verfügen durch ihre nach
Steinkauz und Waldkauz, sollen
vorne gerichteten Augen über ein
Nisthilfen (Schleiereulenkästen)
gutes räumliches Sehen. Um das
gebaut, installiert und betreut
kleinere Sichtfeld zu kompensie-
werden. Neben der regelmäßigen
ren, können sie ihren Kopf um bis
Wartung der Kästen können so
zu 270° drehen. Durch den
Haus- und Hofbesitzer für den
Schalltrichter (Schleier) und die
Schutz der seltener werdenden
länglichen, an den Seiten des
Eulen sensibilisiert und begeistert
Kopfes in unterschiedlicher Höhe
werden. Für weitere Informatio-
liegenden Ohrschlitze können
nen melden Sie sich gerne bei
Eulen Geräusche besonders effi-
unserer Ansprechpartnerin Silke
zient orten. Aufgrund spezieller
Lehmann (s.lehmann@bios-
Federsäume verfügen sie über
ohz.de). (Jonas Linke)
Waldkäuze in Baumhöhle, Foto: Rosl Rössner
6 BioS-ID 1/2017Pflegemaßnahmen im Springmoor
– aus alter Heide wird junge Heide
Das Naturschutzgebiet schicht mitsamt humosem
„Springmoor“ (rund 106 ha) liegt Oberboden wurde abgetragen.
ca. 14 km nordöstlich von Oster- Die Plaggen wurden als Einstreu
holz-Scharmbeck in der Nähe in die Ställe gebracht und an-
von Wallhöfen. Der westliche schließend, mit dem Dung der
Teilbereich ist neben Kiefernwäl- Tiere, als Dünger auf die Äcker
dern durch eine offene Sandhei- gebracht. Deshalb war der Boden
de geprägt. Die leicht wellige in den Heideflächen immer sehr
Sandheide wird hauptsächlich nährstoffarm.
durch großflächige Besenheide-
Ohne eine dauerhafte Pflege
bestände gekennzeichnet, in de-
durch den Menschen würden die
nen einige solitäre Kiefern ste-
Heideflächen sich aufgrund des
hen.
fehlenden Nährstoffentzugs wie-
Die Heide ist nicht natürlichen der in einen Wald entwickeln. Er-
Ursprungs, sondern hat sich auf- hebliche Stickstoffmengen reg-
grund historischer Landnutzung nen heute auf die Landschaft und
entwickelt. Dort, wo heute auf führen zu einer Überdüngung.
trockenen, armen Sandböden die Die Heide kann nur durch Pfle-
Besenheide (Calluna vulgaris) gemaßnahmen wie Beweidung
wächst, hat früher Wald gestan- durch Schafe, Mähen der Heide
den. Durch Rodungen und Be- oder Entfernung der obersten
weidung mit Vieh hat der Mensch Bodenschichten (Abplaggen)
den Wald stark aufgelichtet und dauerhaft erhalten bleiben.
eine Entwicklung der Heide be-
Im Springmoor haben in der
günstigt: durch die Auflichtung
Sandheide in den letzten Jahren
der Wälder gelangte viel Licht auf
kaum noch Pflegemaßnahmen
den Boden, so dass die Besen-
stattgefunden. Das hat dazu ge-
heide sich aussamen konnte.
führt, dass die Heide z.T. schon
Diese Pflanze kann dem Verbiss
sehr alt ist, sich eine starke Roh-
durch Weidevieh gut standhalten
humusauflage (Streu) gebildet
und diente dem Menschen zu
hat, junge Kiefern aufgewachsen
vielfältiger Nutzung. In der Hei-
sind und sich außerdem z.T.
debauernwirtschaft im späten
Gräser wie Drahtschmiele und
Mittelalter wurden die Heideflä-
Pfeifengras stark ausgebreitet
chen beweidet und „geplaggt“,
haben. Im Sommer 2016 hat sich
d.h. die gesamte Vegetations-
BioS-ID 1/2017 7außerdem der Heideblattkäfer, ma Hoff aus der Lüneburger Hei- der sich in der Rohhumusauflage de ihre Maschinen einsetzen und vermehrt, ausgebreitet und durch auf fünf Teilflächen insgesamt ca. Fraß an den Blättern der Besen- 2 ha Heide abplaggen konnte. In heide die Heidepflanze zum Aus- nur wenigen Tagen verwandelten trocknen und damit Absterben sich alte, abgestorbene und/oder gebracht. Durch ein mit dem vergraste Heidebestände in blan- Landkreis Osterholz als Untere ken Sandboden. Die erstaunlich Naturschutzbehörde abgestimm- große Menge an Plaggmaterial tes Pflegekonzept soll nunmehr durfte freundlicherweise in klein- eine nachhaltige Entwicklung und gehäckselter Form auf einem na- Sicherung der Heideflächen er- he gelegenen Maisacker verteilt folgen. Hierzu gehören sowohl werden. Selbstverständlich wur- das Entkusseln und Plaggen der den die Arbeiten durch uns öko- Flächen als auch die Beweidung logisch begleitet. mit Heidschnucken. Der Land- kreis als Untere Naturschutzbe- hörde hat Fördermittel für Pfle- gemaßnahmen im Springmoor beantragt. Bei Bewilligung der Gelder sollen über mehrere Jah- re Pflegemaßnahmen im Springmoor durchgeführt werden. Außerdem konnte im Rahmen unseres Sachmittelbudgets, was Wir sind uns sicher, dass die uns über die Ökologische Station auf den ersten Blick trostlos er- glücklicherweise zur Verfügung scheinenden Flächen sich in steht, ein erster großer Schritt Kürze in vitale Heideflächen mit gewagt und Plaggmaschinen im Sandmagerrasen entwickeln und Springmoor eingesetzt werden. Bestandteil einer strukturreichen In enger Abstimmung mit dem Sandheide sein werden, die ne- Landkreis als Untere Natur- ben dem langfristigen Erhalt der schutzbehörde wurden Flächen Heide nicht nur der Pflanzenwelt, ausgewählt, die eine Pflege am sondern auch vielen spezialisier- dringendsten nötig hatten und ten Arten der Tierwelt wie z.B. außerdem unterschiedlich aus- Heidelerche, Ziegenmelker, der geprägt waren. Anfang März Heuschrecken, Tagfalter sowie 2017 waren die Witterungsbedin- Eidechsen und Schlangen zugute gungen endlich so, dass die Fir- kommt. (Leonie Kulp) 8 BioS-ID 1/2017
Informationen und Thesen zum Wolf
im Landkreis Osterholz
Historie in unserer Region auf natürliche Weise aus Rich-
tung Polen zugewandert, sozu-
Der Wolf (Canis lupus) war
sagen in alte ehemals auch von
nach LODEMANN (1992) bei uns
ihm besiedelte Stammlande (s.
in der Mitte des 17. Jahrhunderts
Aspekt oben). Es fand – anders
u.a. im Teufelsmoor noch häufig.
als beim Luchs in manchen deut-
Die letzte Meldung zum Auftreten
schen Mittelgebirgen – keine ak-
an der Wümme im St. Jürgens-
tive Wiederansiedlung durch den
land datiert um 1765. Bis zum
Menschen statt. Dieser Aspekt
ersten (Foto-)Nach-
weis im Januar 2017
von zwei Wölfen im
Landkreis Osterholz
vergingen somit 250
Jahre. Hinweise auf
dieses neue Vor-
kommen im Bereich
der Garlstedter Heide
(Truppenübungsplatz)
gab es bereits seit
2015
Wolf auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord, Foto: Jürgen Borris
muss immer wieder deutlich be-
(http://www.wildtiermanagement.com/wildti
tont werden, da im „postfakti-
ere/haarwild/wolf/wolfsnachweise_in_nied
schen“ Zeitalter ständig etwas
ersachsen/;
Anderes behauptet wird. Aktuell
Quelle: LODEMANN, Jürgen (1992): Wölfe
im Landkreis Osterholz? Wo? Wann? eine umfasst das niedersächsische
kleine Literaturauswertung bis zum Ende des Wolfsvorkommen etwa 8 Rudel,
18. Jahrhunderts. - Heimat-Rundblick H. 4/92 -
Lilienthal. in der Summe mit Paaren und
Einzeltieren etwa 80 Individuen.
Rückkehrer, Zuwanderer ohne
Als Reviergrößen eines Rudels
Einbürgerung und Aussetzung
sind aufgrund der gut untersuch-
Der Wolf breitet sich seit etwa ten Verhältnisse in Polen Land-
20 Jahren innerhalb Deutsch- schaftseinheiten zwischen 150
lands eigenständig aus und ist und 350 km2 anzunehmen.
BioS-ID 1/2017 9Der Wolf in unserer Region stellte er bereits im Mai 2000 und
März 2001 im Rahmen von Vor-
Bereits 1998 machten zwei
trägen der Biologischen Station
Mitarbeiter der BioS im Bialo-
Osterholz der hiesigen Öffent-
wieza Nationalpark an der Gren-
lichkeit vor.
ze zu Weißrussland erste Erfah-
rungen mit dem Zusammenleben Damals waren die Wölfe zwar
von Wölfen und Menschen. Dort noch weit weg, aber mit den ers-
leben beide ohne größere Prob- ten Bildungen von Rudeln in der
Niedersachsens Wölfe stammen ursprünglich aus Ostdeutschland und Westpolen: (A) Alten-
grabower Rudel, (S) Seenlandrudel, (N) Nochtener R., (D) Daubaner R., (L) Lehniner R., (W)
Welzower R., (M) Munsteraner R., (X) Rudelzuordnung nicht möglich.
leme eng zusammen. Die Bevöl- Lausitz bereits in Ostdeutschland
kerung der kleinen Stadt mit ei- angekommen. Aus den Eindrü-
nem Forschungsinstitut der Uni- cken in Polen und dem Aus-
versität Warschau ist umgeben tausch mit Wissenschaftlern
von vier großräumig agierenden prognostizierten Mitarbeiter der
Wolfsrudeln. Ein damals junger BioS bereits zu dieser Zeit im
Forscher aus Osterholz- Rahmen der Erarbeitung von
Scharmbeck, Jörn Theuerkauf, Grundlagen für den Pflege- und
machte dort Untersuchungen Entwicklungsplan zum Natur-
zum Nahrungsspektrum und zur schutzgroßvorhaben in der
Raumnutzung der Wölfe und de- Hammeniederung die Rückkehr
ren Interaktion mit Menschen. des Wolfes in den Landkreis Os-
Seine Befunde und Erkenntnisse terholz. Dass allerdings die Ent-
10 BioS-ID 1/2017wicklung der Ausbreitung mit der streifen immer wieder mehr oder
Bildung von Rudeln seit 2015 im weniger ungerichtet einzelne
benachbarten Landkreis Cux- Wölfe umher und halten sich hier
haven so schnell vonstatten ge- auch länger auf, ohne sich ent-
hen würde, haben auch sie nicht sprechend den örtlichen Verhält-
erwartet. nissen einzurichten. Das wird
sich möglicherweise ändern,
Mittlerweile müssen wir davon
wenn unser Landkreis erst ein-
ausgehen, dass der großräumig
mal in „fester Hand“ eines territo-
dünn besiedelte naturnahe Be-
rialen Rudels ist.
reich der Hamme-Wümme-
niederung mit dem zentralen Beobachtung der Entwicklung
Teufelsmoor, die bewaldete und Information
Geest mit den Wäldern im Nord- Seitens der Naturschutzverwal-
kreis (Bremerwald, Stedener tung Niedersachsens und der
Holz, Els, Schmidts Kiefern, Landesjägerschaft ist ein gut
Garlstedter Heide, Schwanewe- funktionierendes Informations-
der-Neuenkirchener Heide) als system zu Aktivitäten der Wölfe
Wolfslebensraum geeignet sind. sowie zur Entwicklung und Ver-
Hier ist auch mit reviergebunde- teilung ihres Bestandes aufge-
nen Rudelbildungen und Fort- baut worden. Dies basiert im
pflanzung zu rechnen. Aufgrund Wesentlichen auf der Einführung
seiner Raumansprüche und der und Fortbildung von regional täti-
hiesigen Landschaftsverhältnisse gen Wolfsberatern, vorzugsweise
ist im Landkreis wahrscheinlich aus dem Kreis von Förstern und
nur Platz für zwei Rudel. Daraus Jägern. Ein fachlich sehr versier-
errechnet sich für unseren Land- ter Vortrag der landesweit tätigen
kreis ein maximaler Bestand von Wolfsbeauftragten der Landesjä-
ca. 20 Wölfen. Beutetiere sind in gerschaft Dr. Britta Habbe (mitt-
Form von Wildtieren (v.a. Reh, lerweile Nachfolge durch Raoul
Damwild, Wildschwein) ausrei- Reding) auf Gut Sandbeck in Os-
chend vorhanden. terholz-Scharmbeck hat die aktu-
elle Situation in Niedersachsen
Möglicherweise sind die derzeit
und den Ausblick auf das Auftre-
gehäuft auftretenden Wolfssich-
ten des Wolfes im Landkreis Os-
tungen in unserer Region auch
terholz beleuchtet.
ein Phänomen der "Einwande-
rung“ bzw. westlich gerichteten Mit dem Wolfsbeauftragten und
Ausbreitung. So lange es bei uns Kreisjägermeister Heiko Ehing
keine etablierten Reviere gibt, und seinen Kollegen gibt es be-
BioS-ID 1/2017 11züglich der Dokumentation des geschützten Raubtier unabding- Auftretens von Wölfen im Land- bar. Sie sollte angesichts der zu- kreis Osterholz eine vertrauens- nächst bestehenden Bedenken volle Zusammenarbeit (Aus- und Ängste in der Bevölkerung tausch von Meldungen, Nach- insbesondere in Bezug auf Klein- weisen und Verdachtsfällen). Ei- kinder schon im Kindergartenal- ne aktuelle, stetig fortgeschrie- ter ansetzen und alle Schulfor- bene Dokumentation der weite- men und Klassenstufen bedie- ren Entwicklung der Wolfsver- nen. Die Biologische Station Os- breitung ist sehr wichtig, um terholz leistet neben anderen Ängsten und blindem Aktionis- Umweltbildungseinrichtungen seit mus vorbeugen zu können. Nur dem Jahr 2013 eine solche Bil- so können Entscheidungen hin- dungsarbeit für alle Schulstufen. sichtlich des Umgangs mit dem Die didaktischen Konzepte und Wolf vorbereitet und fachlich be- Materialien dafür wurden unter gründet werden. Von besonde- finanzieller Förderung durch die rem Interesse ist dabei die Niedersächsische BINGO Um- Raumnutzung und sein Verhalten weltstiftung vom außerschuli- in unserer dicht besiedelten schen Lernstandort SCHUBZ in Landschaft mit der in unseren Lüneburg, unterstützt von der großen Grünlandniederungen Landesjägerschaft, erarbeitet. noch verbreiteten Weidehaltung Auch nach Beendigung der offi- insbesondere von Rindern. ziellen Projektlaufzeit bietet die Aufklärung im Rahmen der BioS die Unterrichtseinheiten Umweltbildung gern an. Der Wolf gehört im zoologi- Wolf und Jagd schen Sprachgebrauch zu den Der bestandsgefährdete sowie Raubtieren (wie auch Marder und nach nationalem und europäi- Fuchs). Das Wissen um seine schem Naturschutzrecht ge- Biologie und sein Verhalten ist schützte Wolf unterliegt nicht wichtig, um Begegnungen im dem Jagdrecht. Indirekt ergeben Freiland möglichst konflikt- und sich jedoch Folgen für die angstfrei zu halten. Jagdausübung durch Verände- Die Umweltbildung in Bezug rungen des Verhaltens der jagd- auf den Wolf ist als wichtiger baren Beutetiere. Baustein für ein möglichst wenig Durch zahlreiche Untersu- konfliktbeladenes Zusammenle- chungen ist belegt, dass der Wolf ben mit diesem innerhalb der EU in seinem Bestand durch die ent- 12 BioS-ID 1/2017
sprechende Wildtierdichte regu- onswolf“ Auto. (Alltags-
liert wird und nicht umgekehrt. )Gefahren, mit denen wir auch
Als Konkurrent des Jägers ist er umgehen, die uns i.d.R. nicht in
deshalb nicht zu sehen. Wenn unserer Lebensgestaltung/-
Wildtiere durch die regelmäßige freude einschränken.
Anwesenheit des Wolfes ggf. ihr
Einzelne Wölfe können sich
Verhalten ändern, örtlich eine
aufgrund von Verletzungen (z.B.
größere Scheu an den Tag le-
durch Straßenverkehr, Tierfallen)
gen, so ist dies nur eine natürli-
und verbliebenen Handicaps
che Verhaltensänderung, die
oder durch Gewöhnung aufgrund
man Wildtieren hoffentlich auch
zugewandtem Verhaltens von
zugestehen wird.
Menschen u.U. sogar durch
Fütterung immer wieder in der
Nähe von Menschen, Sied-
lungen oder Nutztierbestän-
den aufhalten (Beispiel
„Kurti“). Sofern sich ein Wolf
auf diese Weise auffällig ver-
hält, ist eine gezielte Vergrä-
mung oder auch ein Einzel-
Wolf mit Beute, Foto: Jürgen Borris abschuss möglich. Solche
Maßnahmen zum Schutz von
Auf welche Gefährdungen Menschen und Nutztieren wur-
müssen wir uns einstellen? den in Niedersachsen (Tötung
eines Wolfsrüden aus dem
Wölfe sind im Allgemeinen für
„Munsteraner Rudel“ im April
Menschen nicht gefährlich, aber
2016) sowie in Sachsen (Ab-
der Wolf ist kein Kuscheltier! Eine
schussfreigabe für einen zweijäh-
100%ge Sicherheit, dass niemals
rigen Wolfsrüden aus dem polni-
ein Angriff auf einen Menschen
schen "Ruszow-Rudel") bereits
erfolgt, können auch wir nicht
umgesetzt. Der Population des
geben. In diesem Zusammen-
Wolfes in Niedersachsen und der
hang sei jedoch auf andere Ge-
weiteren Ausbreitung wird dies
fahren verwiesen, die weitaus
nicht schaden, auch wenn weiter
häufiger und wahrscheinlicher
oder sogar zunehmend mit zivili-
sind, z.B. Angriffe und Verletzun-
sationsbedingten Wolfsopfern
gen durch Haushunde oder Wild-
(Verkehrsopfer, illegale Abschüs-
schweine oder die allgegenwärti-
se) zu rechnen ist. In Nieder-
ge Gefahr durch den „Zivilisati-
sachsen sind in den beiden Jah-
BioS-ID 1/2017 13ren 2015 und 2016 insgesamt 17 möglichst wenig beeinflusste Na- Wölfe im Verkehr oder durch ille- tur und eine natürliche, nicht von galen Abschuss zu Tode ge- uns selektierte Artenvielfalt, ist kommen. für die Funktionsfähigkeit des Na- Ein Abschuss darf jedoch nicht turhaushaltes unabdingbar. im Ermessen eines einzelnen Sorgen und Unterstützung von Jägers (Revierinhabers) liegen, Tierhaltern sondern muss immer auch zu- Im Jahr 2016 wurden in Nie- mindest in Abstimmung mit der dersachsen nachweislich 175 zuständigen Unteren Natur- Nutztiere von Wölfen gerissen, schutzbehörde (Artenschutz!) überwiegend Schafe und Läm- und nach Möglichkeit auch mit mer, 2 Rinder und 11 Kälber, landesweiten Fachbehörden er- kein Pferd. Die Hauptnahrung folgen. Die bloße Sichtung eines z.B. der Lausitzer Wölfe besteht Wolfes im Umfeld des Menschen aus wildlebenden Huftieren (95 darf eine solche Vorgehensweise Prozent). Bei den Anzahlen der nicht auslösen. Nutztierrisse ist zu berücksichti- Eine grundsätzliche Bejagung gen, dass sich die Tierhalter hier des Wolfes, ein „in Schach hal- vielfach noch nicht auf diese ten“ oder eine „Bestandsregulie- neuen Gefahren eingestellt und rung“ bzw. „Obergrenzen“, wie noch keine Schutzmaßnahmen aus manchen Kreisen gefordert, ergriffen hatten. lehnen wir jedoch ab. Ein solches Zeitnahe und dem „Marktwert“ revier- oder landkreisgebundenes angepasste Entschädigungen für Vorgehen ist auch hinsichtlich vom Wolf verursachte „Schäden“, der Gefahrenabwehr wenig er- i.d.R. Tötungen von Nutztieren in folgversprechend. Hierfür fehlen der Absicht des Beutemachens, neben den naturschutzrechtli- müssen ihren Haltern von der chen Voraussetzungen zudem Gesellschaft zugestanden sowie die wissenschaftlichen Grundla- vorbehaltlos und unkompliziert gen. ausgeglichen werden. Gleichzei- Letztlich entscheidet sich im tig sollten zur Vorsorge und Be- Umgang mit dem Wolf, ob und grenzung von Übergriffen auf wie weitgehend wir bereit sind, Weidetiere Maßnahmen zu deren bei uns Wildnis und Wildtiere und Schutz ergriffen und unbürokra- damit unkalkulierbare Risiken in tisch gefördert werden wie z.B. unserem Umfeld zuzulassen. Herdenschutzhunde bei Schaf- Beides, von Menschen in Teilen 14 BioS-ID 1/2017
haltungen und spezielle Elektro- gegnen ihm mit dem erforderli-
zäune zur Wolfsabwehr. chen Respekt, halten wie bei an-
deren Wildtieren die gebotene
Für die noch in unseren groß-
Distanz ein und freuen uns schon
flächig offenen Grünlandarealen
auf eine erste Begegnung.
weidenden Rinderherden insbe-
sondere Mutterkuhhaltungen sind Linksammlung
diese Schutzmaßnahmen nicht Das Wolfsbüro der Niedersächsi-
praktikabel. Auch wenn es für schen Fachbehörde für Natur-
diese Nutztierhaltungen z.Zt. kei- schutz (NLWKN) informiert über
nen effizienten Schutz gibt, gehö- das Wolfsmanagement in Nie-
ren Übergriffe auf Rinder oder dersachsen. Neben aktuellen
Pferde u.a. aufgrund deren Grö- landesweit zusammengefassten
ße und Wehrhaftigkeit zu den Informationen und Dokumentati-
seltenen Ausnahmen. Die weite- onen von Forschungsergebnis-
re Entwicklung muss jedoch kri- sen können über dieses Internet-
tisch beobachtet und ggf. mit portal Präventionsanträge zum
wirksamen und angemessenen Herdenschutz gestellt werden.
Maßnahmen wie z.B. Vergrä- (Karsten Schröder, Tasso Schikore)
mungen durch geschulte Jäger http://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/n
atur-
oder begründete Einzelabschüs- schutz/tier_und_pflanzenartenschutz/wolfsbuer
se eingegriffen werden. o/das-wolfsbuero-des-nlwkn-134954.html
Das Wolfsportal des Niedersächsischen Um-
weltministeriums
http://www.der-wolf-in-niedersachsen.de/
vermittelt Kontakte und Ansprechpartner, bie-
tet einen Fakten-Check von Pressemeldungen
an und informiert z.B. über das Wolfsmonito-
ring der Landesjägerschaft
http://www.wildtiermanagement.com/wildtiere/h
Wolf auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord,
aarwild/wolf/
Foto: Jürgen Borris
Wölfe - Was kommt da auf uns zu? Vortrag
Ausblick des Wildbiologen Ulrich Wotschikowsky
https://www.youtube.com/watch?v=PtCHCXqT
Wir akzeptieren, dass es mit -Hg
dem Wolf jetzt eine heimische
Wölfe in Deutschland - Die wichtigsten Fragen
Tierart gibt, die bei einer Begeg- und Antworten des NABU
nung mit uns Menschen nicht au- https://www.youtube.com/watch?v=c_qLbZI-
Y2A
tomatisch die Flucht ergreift,
sondern uns mit Ignoranz oder Wölfe im Visier, ZDF-Doku mit Gesa Kluth vom
LUPUS-Institut in Sachsen
Neugier gegenübertritt. Wir be-
BioS-ID 1/2017 15Zu Gast bei den Regenwürmern
„Ich seh einen!“, „Wo?“, „Iiiih!“, Fressverhalten, Feinde und über
„Ist der süüüß!“, „Ich mag den die Bedeutung des Regenwurms
nicht anfassen!“, „Nimm du ihn!“ für das Ökosystem. Nach all den
Informationen kann die Lern-
Die SchülerInnen meiner Lern-
gruppe in einem Terrarium ein
gruppe an der Grundschule
neues Zuhause für einige Regen-
Buschhausen reagieren auf
würmer erstellen. Erdschichten
unterschiedlichste Art und Weise,
sowie Obst- und Gemüsereste,
als wir im Rahmen unseres
Laub und Moos bilden den neuen
Projekts „Lebensräume“ den
Wohnraum der Regenwürmer.
Komposthaufen auf dem Schul-
gelände unter die Lupe nehmen Das Terrarium steht nun ab-
und dabei auf Regenwürmer gedunkelt im Klassenraum.
stoßen. Regelmäßig werden die Regen-
würmer „gefüttert“
und beobachtet so-
wie die Erde feucht
gehalten. Hinter
den Glaswänden
des Terrariums kön-
nen die Kinder nun
Regenwurmgänge
erkennen und se-
hen, dass die Erde
aufgelockert ist.
Einige SchülerInnen haben
Ich hoffe, dass die Schü-
zuvor noch nie einen Regenwurm
lerInnen durch dieses Projekt die
angefasst, andere Kinder dage-
Bedeutung des Regenwurms für
gen erweisen sich als Regen-
unser Ökosystem erkennen und
wurm-Freunde und halten einen
den Regenwurm ab jetzt mit
ganzen Regenwurm-Zoo in den
anderen Augen sehen. Mittler-
Händen.
weile ruft zumindest kein Kind
In den darauf folgenden der Lerngruppe mehr „Iiiih!“
(Meike Helmke)
Stunden informieren sich die
SchülerInnen über Lebensraum,
16 BioS-ID 1/2017Schwaneweder Beeke – vom Graben zum lebendigen Bach Von der Idee zur Realisierung Im letzten Winter mit steilem In diesen Bach-Abschnitten Start begonnen, mussten wir das sollen Maßnahmen zur Laufver- Tempo bei der Renaturierung der längerung, Förderung der eigen- Schwaneweder Beeke deutlich dynamischen Entwicklung und zurückfahren. „Alle Beteiligten Strukturverbesserung umgesetzt mitzunehmen“ – das heißt: viel werden. Die Gemeinde Schwa- Zeit einplanen, viele Versamm- newede und die evangelische lungen, Treffen und Ortstermine Kirchengemeinde Schwanewede durchführen, immer wieder um- haben ihre Flächen dafür zur planen. Verfügung gestellt. Für drei ausgewählte Gewäs- Erfreulicherweise fand das serstrecken der Schwaneweder Maßnahmenkonzept sowohl im Beeke hatte die Ingenieurge- kirchlichen als auch im politi- meinschaft agwa aus Hannover schen Raum fraktionsübergrei- auf Grundlage der Ideen von fend große Zustimmung. Trotz- BioS, Aktionsgemeinschaft Bre- dem gab es Klärungsbedarf mit mer Schweiz (AGBS), BUND und dem Unterhaltungsverband, dem NABU ein Maßnahmenkonzept örtlichen Eigentümerverband der erarbeitet. Beeke (Beekeverband), den Auszug aus dem Genehmigungsantrag BioS-ID 1/2017 17
Pächtern und Anliegern, der Na- ten Projektmittel bei weitem nicht
turschutz-, Wasser- und Denk- finanziert werden.
malbehörde. Letztendlich waren Wir haben deswegen fünf wei-
wir sogar mit den Bezirks- und tere Förderanträge stellen müs-
Kreisarchäologen vor Ort. sen; drei davon sind bisher bewil-
Aus dem Konzept konnte so ligt worden.
ein Antrag auf Plangenehmigung
entwickelt werden. Dieser liegt Ab an die Beeke :
seit Anfang Januar 2017 beim Obwohl der Schwerpunkt der
Landkreis. Die Plangenehmigung Umweltbildungsmaßnahmen erst
sollten wir in den nächsten Tagen mit Beginn der Renaturierungs-
in den Händen halten. arbeiten vorgesehen ist, waren
Die Umsetzung des Maßnah- Kleine und Große mit der BioS
menpakets in dem Gewässerab- unterwegs auf Bacherkundung.
schnitt, für dessen Umgestaltung „Gewässerzustandsbewertung
die kirchliche Fläche genutzt anhand von Strukturgüte, chemi-
werden soll, ist für Herbst/Winter scher und physikalischer Para-
2017/2018 geplant. Die dafür meter“ beschäftigte dabei z. B.
veranschlagten Kosten von die Oberstufenschüler der Wald-
knapp 100.000,- € liegen weit schule in Schwanewede, Versu-
über den ursprünglich geplanten chen und Spiele zum Thema
und können durch die zugesag- Gewässerqualität und Fließge-
schwindigkeit die Grundschul-
klassen der Heideschule.
18 BioS-ID 1/2017Die Vertreter des Ausschusses ehrenamtliches Engagement als
für Umwelt, Energie, Verkehr und auch durch finanzielle Unterstüt-
Tourismus sowie des Planungs- zung ganz erheblich für die Um-
ausschusses der Gemeinde setzung der Maßnahmen und die
Schwanewede informierten sich verschiedenen Aktionen ein.
im Rahmen einer Exkursion an Derzeit werden im Bereich der
die Beek vor Ort über die geplan- Beekeniederung z. B. die Brutvö-
ten Maßnahmen. gel wie auch die Pflanzen erfasst
AGBS, BUND und NABU set- und die invasive Herkulesstaude
zen sich vor Ort sowohl durch mit Wurzelstock ausgegraben.
(Jutta Kemmer)
Im Projekt “Schwaneweder Beeke – vom Graben zum lebendigen Bach “ engagieren sich die Aktionsgemeinschaft
Bremer Schweiz, die Biologische Station Osterholz, der BUND Osterholz und der NABU Schwanewede für die naturna-
he Umgestaltung der Schwaneweder Beeke. Das Vorhaben wird finanziert durch die Niedersächsische Bingo-
Umweltstiftung, die Manfred Hermsen Stiftung, die Hanns R. Neumann Stiftung, den Landesbetrieb für Wasser-, Küs-
ten- und Naturschutz (NLWKN) und Eigenmittel der Verbände .
BioS-ID 1/2017 19Äpfel verbinden Kulturen
Nach dem erfolgreichen Ab- An wen richtet sich das Pro-
schluss des ersten Projektes „Äp- jekt?
fel verbinden – der Apfel als Tür-
Wir werden gezielt Regelklas-
öffner für BNE“ freuen wir uns
sen, in denen sich geflüchtete
über die Bewilligung des Folge-
Kinder integrieren wollen, an-
antrags. Mit dem erweiterten Ziel,
sprechen. So können sie ihre
besonders geflüchtete Menschen
neue Umgebung und Umwelt mit
und Bürger mit Migrationshinter-
ihren regionalen Besonderheiten
grund zu erreichen, können wir
in direkter Zusammenarbeit mit
rechtzeitig zur Obstbaumblüte mit
den hiesigen Kindern schneller
unserem Vorhaben starten.
erkunden.
Mit dem Projekt „Äpfel verbin-
Zweitens richtet sich unser An-
den Kulturen“ möchten wir den
gebot an reine Sprachlernklas-
Apfel als Mittel der Verständi-
sen, in denen Kinder mit wenig
gung, als Zugang zu regionalen
Deutschkenntnissen über Um-
Besonderheiten und als Integra-
weltbildung, die den Apfel und
tionsinstrument einsetzen.
seine Ökologie als Schwerpunkt
Denn es gibt viele Parallelen hat, auch Sprache leicht erlernen
zwischen den Kulturen. Vielerorts können.
wird er als Fruchtbarkeitssymbol
Und drittens treten wir an
und oder auch Hoffnungsträger
Stadtteilhäuser, wie z.B. das
gesehen.
Haus der Kulturen, heran, wo
Auch wenn wir heute glauben, Menschen mit unterschiedlichen
dass der Apfel eine ganz urtypi- Hintergründen sich im Stadtteil
sche deutsche Frucht ist, so vernetzen und ihren neuen Woh-
kommt er eigentlich aus der Re- nort (Nachbarschaft) kennenler-
gion zwischen Afghanistan bis nen möchten. Hier ist ein ökolo-
Syrien. Dorther, wo heute die gisches Thema als praktischer
Menschen flüchten müssen. Einstieg förderlich.
Geplantes Vorhaben
Wie im vorherigen Projekt wer-
den wir anregen, direkte Nach-
barn nach Fallobst in ihren Gär-
ten und nach dessen Ernte zu
fragen. Die Nutzung des Obstes
20 BioS-ID 1/2017aus Privatgärten hat den Effekt, - Ernte in Nachbars Garten
dass weniger verwertbare Nah-
- Verwertung per Hand und
rungsmittel im Abfall landen, re-
in einer Mosterei
gionale Lebensmittel einen neu-
en Stellenwert erfahren und eine - Abfallproblematik und –
niederschwellige Kontaktauf- vermeidung
nahme gefördert wird.
werden wir gemeinsam mit den
Neben den bewährten Pro- Bürgern aus anderen Kulturen
jektmodulen wie über Bedeutung und Verwen-
dung von Äpfeln ins Gespräch
- Kennenlernen der Ökologie
kommen und Rezepte austau-
des Obstbaumes bzw. der
schen, ausprobieren und als Er-
Streuobstwiese im Jahres-
gebnis davon ein internationales
verlauf
Kochbuch zusammenstellen.
- Die Biene als Hilfe von der (Imme Klencke)
Blüte zur Frucht und Liefe-
rantin unseres Honigs
- Pflege und ggf. Anlage ei-
ner Streuobstwiese
BioS-ID 1/2017 21MooNi-Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe II
vorgestellt
Am 22. März fand im „Kleinen native zum Raubbau im Moor
Haus im Moor“ in der Ortschaft vor. Ihre Ausführungen wurden
Teufelsmoor unser zweiter Work- anschließend von Dr. Hans-
shop im Rahmen des Projektes Gerhard Kulp in Hinblick auf die
„Moorschutz in Niedersachsen“ Situation in Niedersachsen er-
(MooNi) statt. Ziel war es, unse- gänzt. (siehe dazu auch Artikel „Palu-
ren PartnerInnen aus den koope- dikultur – klimaverträgliche Landwirt-
rierenden Umweltbildungszentren schaft im Moor“, S.24)
in Niedersachsen das Konzept
Nach einer gemeinsamen Mit-
sowie die Materialien für die
tagspause gab es aktuelle Infor-
praktische Vermittlung des The-
mationen zum MooNi-Projekt,
menkomplexes Moor- und Klima-
wie die MooNi-App und ein Be-
schutz zu präsentie-
richt über den Moor-
ren und zu überge-
herbst 2016 (s. BioS-ID
ben.
2/2016).
Wie bereits berich-
Im Zentrum des
tet, beteiligen sich
Nachmittags stand
insgesamt 10 Um-
nun die Umweltbildung. Die Mit-
weltbildungseinrichtungen an der
arbeiterInnen der BioS zeigten
Durchführung der Unterrichtsein-
den TeilnehmerInnen, wie die
heiten. Neu dazu gekommen sind
Materialien für die Sek II genutzt
noch das RUZ Diepholz-Dümmer
werden können. Zudem stand die
sowie das Moorinformationszent-
Erprobung der Materialien auf
rum Wedemark-Resse.
der Tagesordnung.
Bevor es jedoch an die prakti-
Auf mehreren Stationstischen
sche Erprobung ging, referierte
waren Materialien und Anleitun-
Claudia Oehmke vom Greifswald
gen zum Experimentieren aufge-
Moor Centrum in einem interes-
baut. Die zu behandelnden The-
santen Vortrag neueste Erkennt-
men sind an die Erfordernisse
nisse zum Themenkomplex
der Sekundarstufe II angepasst.
Paludikultur. Unter dem Titel
Sie berücksichtigen abiturrele-
„Paludikultur – Möglichkeiten der
vante Themen (u.a. den Kohlen-
Nutzung nasser Moorstandorte“
stoffkreislauf) und passen thema-
stellte sie Forschungs- und Ent-
tisch zum Geographieunterricht
wicklungsergebnisse zu innovati-
der 10.Klasse (Klimawandel) und
ven Wirtschaftsformen als Alter-
22 BioS-ID 1/2017zum Oberstufenunterricht Biolo- erprobten Versuche und deren
gie (Ökologie). Sie umfassen fachliche Hintergründe als auch
über die bisherigen Umsetzun-
Eingriffe in Ökosysteme
gen der Umweltbildungsmodule
Aspekte des Klimawandels
für die Sekundarstufe I rundete
am Beispiel Moor
den Tag ab. Die Resonanz aus
Ökosystemfunktionen/ -
den verschiedenen kooperieren-
dienstleistungen
den Einrichtungen bezüglich der
Globale Aspekte
von uns entwickelten Konzepte
Der für die Unterrichtseinheit
und Materialien war durchgehend
für die Sekundarstufe I entwickel-
positiv und wird auch von den
te Landschaftstisch und einige
beteiligten Schulen als sehr ge-
andere Materialien werden auch
winnbringend für den Unterricht
in der Unterrichteinheit für die
bewertet.
Sekundarstufe II genutzt.
(Astrid Baumann, Imme Klencke)
Ein intensiver Erfahrungsaus-
tausch sowohl über die gerade
BioS-ID 1/2017 23Paludikultur – klimaverträgliche Landwirtschaft im Moor
Im Rahmen der Klimaschutz- Höhe von 30 bis 50 cm und für
debatte rücken die Moore stärker den Ackerbau auf eine Höhe von
in den Blickpunkt. Denn in Moo- über 70 cm unter Flur abgesenkt
ren lagern als Kohlenstoff im Torf werden. Sauerstoff gelangt durch
gebunden große Mengen des die Entwässerung in den Boden
Treibhausgases Kohlendioxid und zersetzt den Torf. Im Ergeb-
(CO2). Jedes Jahr werden in nis wird das Treibhausgas Koh-
Deutschland etwa 38 Mio. Ton- lendioxid (CO2) freigesetzt und
nen CO2 aus den Mooren auf- der Boden sackt ab. Pro Hektar
grund landwirtschaftlicher Nut- werden so 20 bis 45 Tonnen CO2
zung freigesetzt. Dies betrifft vor jedes Jahr freigesetzt. Zum Ver-
allem Niedersachsen - knapp gleich: Ein Deutscher verursacht
40% der deutschen Moore befin- durchschnittlich etwa 10 Tonnen
den sich hier. Paludikulturen, CO2 im Jahr.
Nutzpflanzen für nasse Böden,
12% der niedersächsischen
werden als eine Alternative zur
Treibhausgase resultieren aus
konventionellen Landwirtschaft
der Nutzung der Moore. Ein be-
auf entwässertem Moor erforscht.
achtlicher Anteil. Dem gegenüber
Bis zur wirtschaftlichen Nutzung
steht derzeit der landwirtschaftli-
von Paludikulturen in den Mooren
che Nutzen. Neben Viehfutter
Niedersachsens wird aber noch
wird u.a. Mais für Biogasanlagen
einige Zeit vergehen.
produziert und Arbeitsplätze kön-
80% der niedersächsischen nen gesichert werden. Will man
Moore werden landwirtschaftlich mit dem Klimaschutz aber ernst
genutzt. Sie werden als Grünland machen, kommt man an einer
extensiv aber auch intensiv be- Reduzierung der Treibhausgas-
wirtschaftet. Vieh weidet auf den menge auch aus dem Moor nicht
Wiesen, Gras wird als Viehfutter mehr vorbei. Sprich, es braucht
abgeerntet. Auf Moorflächen wird Alternativen zur konventionellen
aber auch Ackerbau betrieben, Landwirtschaft, soll der Klima-
oftmals wird Mais angepflanzt. schutz sozialverträglich umge-
Die Krux dabei ist, dass der torf- setzt werden.
haltige Boden für die landwirt-
Als eine Alternative kristallisie-
schaftliche Nutzung mal mehr,
ren sich Paludikulturen (von lat.
mal weniger tief entwässert wer-
palus – Sumpf, Morast) heraus.
den muss. Für Grünlandnutzung
Paludikulturen sind Nutzpflanzen,
muss der Wasserstand auf eine
24 BioS-ID 1/2017die einen höheren Wasserstand regenerativer Energie genutzt
zum Wachsen und Gedeihen be- werden, andere als Ersatz für
nötigen. Der hohe Wasserstand Torf im Gartenbau und andere
sorgt dafür, dass kaum und teil- wiederum als Dämmmaterial o-
weise sogar gar kein Torf mehr der als Medikament.
verzehrt und dementsprechend
Auf vielen Versuchsfeldern
kein CO2 freigesetzt wird. Be-
wachsen schon heute Paludikul-
kannteste Paludikultur dürfte in
turen. Über das Versuchsstadium
Norddeutschland das Schilfrohr
ist man aber meist noch nicht
sein. Es wächst an stehenden
hinaus. Das hat eine Reihe von
und langsam fließenden Gewäs-
Gründen. Es fehlen Erfahrung mit
sern. Bekannt ist aber vor allem
einer an nasse Standorte ange-
das Reet, welches aus Schilf ge-
passten Maschinentechnik, ge-
wonnen wird. Zu Bündeln ge-
eignete Fördermechanismen,
packt wird es zur Dacheinde-
rechtliche Sicherheit, ausrei-
ckung aufgebracht.
chende Flächen und risikoberei-
te, engagierte Landwirte.
Neben der Pro-
duktion ist auch die
Weiterverarbeitung
noch in den Kin-
derschuhen. Es
fehlen u.a. fertige
Produktketten,
Marketing und
Händler. Nicht nur
verlässliche Pro-
duzenten von Pro-
dukten aus Paludi-
kulturen, sondern
Neben dem Schilf sind auf auch verlässliche Abnehmer
Niedermoor u.a. Rohrkolben und werden benötigt.
Schwarzerle, auf Hochmoor
Ein weiteres Problem ist, dass
Torfmoose oder Sonnentau wei-
Paludikulturen nicht unter die Ag-
tere Nutzpflanzen, die auf nassen
rarförderung fallen. Lediglich für
Böden angepflanzt werden kön-
die Erforschung der Paludikultu-
nen. Viele der Pflanzen können
ren stehen Fördergelder zur Ver-
als Biomasse zur Erzeugung von
fügung. Die bisherigen Erkennt-
BioS-ID 1/2017 25nisse deuten aber darauf hin, steht. Flächen stehen damit nur
dass die meisten Paludikulturen begrenzt zur Verfügung. Schluss-
ohne eine dauerhafte Förderung Schlussendlich braucht es auch
nicht gewerblich angebaut wer- entschlossene und engagierte
den können. Ein weiteres Hin- Landwirte, die die zur Verfügung
dernis ergibt sich aus dem Nut- stehenden Flächen nass bewirt-
zungswandel. Die für Paludikultu- schaften.
ren in Frage kommenden Flä-
Ein schwieriger Weg, der noch
chen liegen in Moorgebieten. Die
zu beschreiten ist; für die Land-
klimaschädliche Grünlandwirt-
wirte im Moor vermutlich aber der
schaft ist hier erlaubt. Die Um-
einzige, der Ihnen eine Zukunft in
wandlung in klimafreundliche
ihrem Beruf bieten kann.
Paludikulturen ist dagegen kaum
(Jörgen Birkhan)
möglich, weil das Grünlandum-
wandlungsverbot dem entgegen-
26 BioS-ID 1/2017TheoPrax mit Gymnasium OHZ, Fraunhofer Institut und
BioS
Im Rahmen eines Seminarfa- entwickelt. Anschließend haben
ches konnten SchülerInnen des die Gruppen Angebote erstellt,
Gymnasiums Osterholz-Scharm- die dann nochmals mit der BioS
beck in Kooperation mit dem abgestimmt wurden. Im weiteren
Fraunhofer IFAM Bremen soge- Verlauf des Projektes unterstütz-
nannte „TheoPrax“-Projekte be- te die BioS die SchülerInnen
arbeiten, die die Verknüpfung fachlich in ihren Arbeitsprozes-
von Theorie und Praxis im Unter- sen. Neben Beratungsgesprä-
richt ermöglichen. Dabei werden chen mit einzelnen Gruppen
an die SchülerInnen „Schubla- wurden für jedes Projekt soge-
denthemen“ aus der
Arbeitswelt herange-
tragen, die sie bear-
beiten und für die sie
eigenständig Lö-
sungsansätze entwi-
ckeln müssen. Ziel ist
es, dass sie die
Grundsätze von Pro-
jektmanagement er-
lernen. Am Ende des
Projektes stehen um-
fangreiche Dokumen-
tationen aller Ergeb-
nisse sowie die Präsentation vor nannte Meilensteinsitzungen zwi-
dem Auftraggeber. schen den Arbeitsgruppen (Schü-
lerInnen) und ihrem Auftraggeber
Themenschwerpunkte des jet-
(BioS) abgehalten.
zigen 12. Jahrgangs waren
„Bach“ und „Moor“. Die BioS hat Im Zuge dieser Theoprax-
dazu Fragestellungen und Auf- Arbeit sind vielfältige Projekte
träge vorgestellt. Nachdem sich entstanden, die ganz unter-
die SchülerInnen einführend mit schiedliche Ansätze verfolgt ha-
ihrem Themenfeld beschäftigt ben wie die folgende Übersicht
hatten, wurden in einem Kick-off- zeigt.
Treffen gemeinsam Projektideen
BioS-ID 1/2017 27Themenbereich BACH dern den Lebensraum Bach spie-
Geocaches Scharmbecker lerisch und mit allen Sinnen er-
Bach: eine digitale „Schnitzel- lebbar machen kann.
jagd“ entlang des Baches, bei Erfassung von Langzeitda-
dem mit Hilfe von Koordinations- ten bezüglich der Gewässer-
punkten Verstecke für Caches qualität des Scharmbecker Ba-
gefunden werden, die Fragen zur ches unter Berücksichtigung
Ökologie und Geschichte des der Auswirkungen der voran-
Fließgewässers enthalten. gegangenen Renaturierungs-
Wasserqualität der Wien- maßnahmen: an unterschiedli-
beck: um mögliche Auswirkun- chen Stellen des Bachs wurden
biologische und chemische
Parameter erhoben und mit
älteren Daten verglichen,
um eine Aussage zur Quali-
tätsentwicklung durch die
Renaturierungsmaßnahmen
machen zu können.
Regenrückhaltebecken
in Osterholz-Scharmbeck:
Wie gut sind sie? Ver-
schiedene Regenrückhalte-
becken wurden auf Quali-
gen einer Altlast an einem rena- tätskriterien wie Struktur, Ufer-
turierten Bachabschnitt sowie po- bewuchs, Wasserqualität usw.
tenzielle Stoff-Einträge einer untersucht und bewertet.
Tankstelle beurteilen zu können Erweiterung der Website der
wurden an drei Abschnitten des Biologischen Station Oster-
Bachs chemische Parameter er- holz-Scharmbeck um die von
fasst, mit deren Hilfe man Aus- den SchülerInnen gewonnenen
sagen zur Wasserqualität ma- Ergebnisse zum ökologischen
chen kann. Zustand des Scharmbecker
Entwicklung von Materialien Baches: um die Öffentlichkeit
zu einem Bach-Erlebnis- über die Ökologie des Baches
parcours für Kinder im Kinder- informieren zu können, wurden
garten- und Grundschulalter: die im Rahmen von Projektar-
es wurden Ideen entwickelt und beiten gewonnenen Ergebnisse
erprobt, mit Hilfe derer man Kin- der SchülerInnen für eine
28 BioS-ID 1/2017Präsentation im Internet aufgear- Szene gesetzt und mit dem Ver-
beitet. lauf des Spieles auch bewertet.
Themenbereich MOOR:
Produktion von visuell un-
terstützenden Unterrichts-
materialien zum Thema Moor
und Klimaschutz: von der
BioS konzipierte Experimente
wurden durchgeführt, dabei
gefilmt und kommentiert und
damit ein Lehrfilm hergestellt.
Das Thema Moor wird an-
hand interaktiver Anschau- Verwendung torfhaltiger
ungsmöglichkeiten für Kinder Blumenerde – Verbraucherver-
ab der 5.Klasse experimentell halten auf dem Prüfstand: an-
erfahrbar gemacht: um Kin- hand einer Bürgerbefragung
dernn einen spielerischen Zu- werden der Kenntnisstand be-
gang zum Thema Moor und Kli- züglich der ökologischen Prob-
maschutz zu ermöglichen, wur- leme durch die Verwendung von
den verschiedene Elemente ent- torfhaltiger Gartenerde themati-
wickelt, z. B. ein mobiler Ver- siert und Alternativen aufgezeigt.
suchsbaukasten, ein Moor- Die Projektergebnisse wurden
Memory oder ein Daumenkino. Anfang Januar der Schülerschaft
Darstellung des Lebens im im Gymnasium vorgestellt. Am 3.
Moor in Form eines kindge- März konnten die Theoprax-
rechten Sachbuchs für Kinder- Arbeiten im Rahmen einer klei-
garten- und Grundschulkinder: nen Ausstellung im „Haus am
zwei Tiere führen die Kinder als Markt“ einer breiteren Öffentlich-
Protagonisten und Sympathieträ- keit präsentiert werden. Unter
ger erzählerisch durch das Moor anderem haben Kindergarten-
mit seiner Tier- und Pflanzenwelt. und Schülergruppen das Angebot
Entwicklung eines Brett- wahrgenommen und die Ausstel-
spiels über Klima und Moor: lung besucht sowie die Materia-
Fauna, Flora, Nutzung, Gefähr- lien ausprobiert, bzw. selber Ver-
dung und Schutz des Moores suche durchgeführt
(Astrid Baumann, Imme Klencke)
und Klimas werden spielerisch in
BioS-ID 1/2017 29Die 1. Tranche der Sammelverordnung ist jetzt
rechtskräftig
Die Überraschung kam zum
Die Verwendung genetisch
Schluss: Nachdem die Verwal-
veränderter Pflanzen oder
tung aufgrund fehlender politi-
genetisch veränderten
scher Mehrheiten nicht nur die
Saatguts ist nicht nur in Na-
Schutzgebietskulisse, sondern
tura 2000 Gebieten, son-
auch der Regelungstiefe der
dern in der gesamten
Verordnung immer weiter ein-
Schutzgebietskulisse ver-
schränken musste, gab es in der
boten.
entscheidenden Kreistagssitzung
eine überraschende
Wende.
Die SPD sah die
„rote Linie“ über-
schritten und bildete
gemeinsam mit
Grünen und Linken
eine neue Mehrheit
im Kreistag. Mit die-
ser Mehrheit wurden
nicht nur die zuletzt
eingebrachten Lö-
schungsanträge für
weitere Flächen des
LSGs Teufelsmoor
abgelehnt, sondern
weitere Regelungen
im Sinne des Natur-
schutzes beantragt
und mehrheitlich
beschlossen. We-
sentliche Inhalte
sind:
30 BioS-ID 1/2017 Als Methode der Grünland- Das Verbot der Verwen-
erneuerung wird im gesam- dung von Bleischrot wurde
ten FFH-Gebiet (NSG von den NSGs und der
Hammeniederung und Jagd an Gewässern auf die
größte Teile des NSGs gesamte Schutzgebietsku-
Teufelsmoor) neben dem lisse ausgeweitet.
Einsatz von Totalherbiziden
Das Jagdverbot von Kri-
auch die Bodenbearbei-
ckente und Rebhuhn wurde
tung, die mit einer Zerstö-
vom EU-Vogelschutzgebiet
rung der Grasnarbe ver-
auf das gesamte Schutz-
bunden ist (z. B. Fräsen),
gebiet ausgeweitet.
generell verboten.
Totschlagfallen wurden in
Der einzuhaltende Abstand
einem Abstand von 100 m
zu bekannten Nestern von
zu allen Gewässern 1. Und
Bodenbrütern bei der Mahd
2. Ordnung verboten.
wurde von 5 m auf 10 m
ausgeweitet.
Wir freuen uns über diesen
Die Prüfung des Bestand-
kleinen Beitrag zum Erhalt der
schutzes für Ackerflächen
seltenen und EU-weit wertvollen
erfolgt explizit auch unter
Arten und Lebensgemeinschaf-
Heranziehung der FFH-
ten der Hammeniederung und
und EU-Vogelschutzricht-
des Teufelsmoors.(Jutta Kemmer)
linie.
BioS-ID 1/2017 31Sie können auch lesen