JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV

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JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
JAHRES
BERICHT
    2020
JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
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JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
Editorial

                                  Sehr geehrte Damen und Herren,

                                  ein besonderes Jahr liegt hinter uns. Die Infektionskrankheit Covid-19 und
                                  die Gegenmaßnahmen haben unser aller Lebens- und Arbeitsalltag folgen-
                                  schwer beeinflusst. Sie hat auch die gärtnerische Branche vor immense He-
                                  rausforderungen gestellt, auf die wir mit vereinten Kräften reagiert haben.

                                  Frühzeitig wurden Hygienekonzepte erarbeitet, um Mitarbeiter und Kunden
                                  gleichermaßen zu schützen. Gemeinsam mit anderen Verbänden der Bran-
                                  che haben wir uns bei der Politik für praktikable Lösungen für die Unterneh-
                                  men und für Saison-Arbeitskräfte stark gemacht. Die Betriebe wurden vom
„Die Branche hat gezeigt, was     ZVG und seinen Landesverbänden umfassend und fortwährend über die
      sie leisten kann.“          Anforderungen und Regelungen zum Arbeitsschutz, zur Unterbringung und
                                  zu den Hilfsmöglichkeiten für die Unternehmen informiert. Die Branche hat
                                  gezeigt, was sie leisten kann.

                                  Im Pandemiegeschehen wurde die Bedeutung einer heimischen Produktion
                                  deutlich – sei es Obst und Gemüse oder auch Blumen, Gehölze und Pflan-
                                  zen. Die gärtnerischen Betriebe und ihre Produkte haben eine neue Wert-
                                  schätzung erfahren. Der Gartenbau wurde als systemrelevant eingestuft.
                                  Angesichts von Reisebeschränkungen und geschlossenen Geschäften be-
                                  sannen sich viele Menschen auf den eigenen Balkon und Garten. Auch die
                                  Selbstversorgung erreichte einen höheren Stellenwert. Das hat der gärtne-
                                  rische Fachhandel deutlich gespürt.

                                  Höheren Umsätzen stehen höhere Aufwendungen gegenüber. Erst länger-
                                  fristig wird deutlich werden, wie sich das ungewöhnliche Marktgeschehen
         Jürgen Mertz,            in diesem Jahr auf die Betriebsstrukturen ausgewirkt hat. Zumal die poli-
 Präsident des Zentralverbandes   tischen und gesellschaftlichen Diskussionen im Hintergrund weiterlaufen.
         Gartenbau e. V.          Ob CO2-Bepreisung, Torfreduktion oder Insektenschutz – die Themenliste
                                  ist lang und die Auswirkungen auf die Unternehmen vielfältig. Der ZVG setzt
                                  sich für verlässliche Rahmenbedingungen und politischen Leitplanken ein,
                                  damit diese Aufgaben zu stemmen sind. Angesichts der steigenden Anfor-
                                  derungen darf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe nicht vergessen werden.

                                  Nicht zuletzt macht sich der ZVG als Mitglied der Zukunftskommission Land-
                                  wirtschaft für die Belange des deutschen Gartenbaus stark.
JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
06
Das Wirtschaftsjahr
              2020

                        Gemüsebau

                           Obstbau

                    Zierpflanzenbau

          Gärtnerischer Einzelhandel

                 Friedhofsgartenbau

                       Baumschule

    Raumbegrünung und Hydrokultur

                      12
            CORONA
   Ein Jahr im Ausnahmezustand
                                       16
                                       Politische Themen
                                       des Gartenbaus

                                       Umwelt und Klima

                                       Pflanzengesundheit

                                       Energie

                                       Grünpolitik

                                       Recht, Steuern, Arbeit und Soziales

                                       Bildung

                                       Forschung

                                       Europa
JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
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                            Gemeinsam für den
                                   Gartenbau

Inhalt                       Aus den Bundesfachverbänden und den
                                          ZVG-Arbeitsausschüssen

44                                50
Was uns bewegt                    Anhang

Rückblick                         Branchendaten
30 Jahre Deutsche Einheit         Positionen und Stellungnahmen
Nachwuchskampagne                 Organigramm

                                  Impressum/Quellen
JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
Das Wirtschaftsjahr
2020
JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
Das Wirtschaftsjahr 2020   7

Marktübersicht &
Geschäftsklimaindex 2020

      115

      110

      100

       90

       80

       70

       60

       50
            Jan 20   Feb 20       Mrz 20   Apr 20   Mai 20    Jun 20        Jul 20   Aug 20      Sep 20      Okt 20   Nov 20   Dez 20

                        Zierpflanzenbau                  Friedhofsgärtner                     Gemüsebau

                        Obstbau                          Baumschule                           Einzelhandelsgärtner

 Die Corona-Pandemie hatte die Betriebe des Gartenbaus 2020 fest im Griff. Verschlossene Ab-
 satzkanäle und die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften machten den Betrieben zu schaf-
 fen. Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden ließen
 die Aufwendungen der gärtnerischen Unternehmen steigen. Die Kosten waren erheblich.
 Gleichzeitig wurde eine höhere Wertschätzung von Obst und Gemüse aus heimischer Produk-
 tion deutlich und fehlende Reisemöglichkeiten wurden mit einer Rückbesinnung auf Balkon
 und Garten kompensiert.

Durchwachsenes Jahr für den                                                 einen schwankenden und instabilen Markt. Absatzwege
Gemüsebau                                                                   brachen ohne die Gastronomie ein.
                                                                               Der Geschäftsklimaindex startete zu Beginn des Jah-
Die Corona-Pandemie forderte die Erzeugerbetriebe für                       res mit einem Wert von 92 Punkten bereits im negativen
frisches Gemüse bis an ihre Grenzen. Trotz der System-                      Bereich und verschlechterte sich dann weiter. Waren es
relevanz hatte der Lockdown massive Auswirkungen auf                        anfangs noch die Wetterverhältnisse wie Trockenheit
den Gemüsebau. Sogenannte Hamsterkäufe sorgten für                          und Dürre, kam im Frühjahr die Situation bei der Be-
JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
8   ZVG-Jahresbericht 2020

    schaffung von Personal und Saisonarbeitskräften so-
    wie Pflanzenschutz und der mediale Druck beim Thema
    Insektenschutz und auch beim Folieneinsatz dazu. Die
    Einschätzungen des Geschäftsklimas verbesserten sich
    zum April durch das günstige Klima im Frühjahr und den
    wachsenden Fokus der Gesellschaft auf die Lebensmittel-
    produktion in Deutschland. Gleichzeitig stiegen die Kos-
    ten für die Hygienemaßnahmen zum Infektionsschutz.
    Im Mai lag der Geschäftsklimaindex erstmals wieder über
    100 Punkten, trübte sich jedoch zum Juni wieder leicht                                    heblichen   Frostschäden.
    ein. Im August normalisierte sich die zwischenzeitlich er-                                Lokal gab es auch wieder
    höhte Nachfrage. Mit steigenden Infektionszahlen und                                     Hagelereignisse. Die zum
    der wachsenden Sorge um weitere Einschränkungen wur-                                   Teil deutlich überdurch-
    de die Lage im September dann wieder negativer beur-                                 schnittlichen Niederschläge im
    teilt. Diese Stimmung hielt im Oktober und November an.      Frühjahr füllten in einigen Regionen Deutschlands De-
       Nach der Flächenausweitung im Vorjahr wurde für           fizite aus den letzten Jahren, auch in tieferen Boden-
    2020 wegen der ungünstigen Witterungsbedingungen             schichten, teils wieder auf.
    und dem zeitweisen Arbeitskräftemangel durch die Co-             Zu Beginn des Jahres stabilisierten sich die Preise
    rona-Pandemie mit einer kleineren Produktionsfläche          für Kernobst durch einen guten Abverkauf, was die Ge-
    für Gemüse gerechnet. Demzufolge dürfte die Erntemen-        schäftsklimastimmung etwas anhob, mit 91 Punkten
    ge nicht mehr an das Vorjahresniveau heranreichen. Die       blieb sie jedoch im negativen Bereich. Zum April ver-
    Vegetationsperiode 2020 war mit den trockenen Mona-          schlechterte sich der Geschäftsklimaindex vor allem co-
    ten April und Mai und dem meist kühlen Juni sowie der        ronabedingt dann deutlich auf 72 Punkte. Insbesonde-
    folgenden Trockenperioden im Sommer in den meisten           re die nicht geklärte Verfügbarkeit von Arbeitskräften
    Regionen erneut eine Herausforderung und durch einen         machte den Betrieben zu schaffen. Im Mai verbesserte
    hohen Beregnungsaufwand, oft schon im sehr frühen Ent-       sich die Stimmung dann wieder. Vor allem mittelgroße
    wicklungsstadium, geprägt. Die Ernten waren je nach Kul-     Betriebe konnten mit spartenfremden Arbeitskräften
    tur trotzdem solide.                                         Engpässe kompensieren und der Markt zeigte sich auf-
       Spargel hingegen zeigte deutliche Verluste. Nach          nahmefähig. Im Juli erreichte der Index erstmals wie-
    ersten Schätzungen fiel die Spargelernte 2020 um 19          der 100 Punkte. Das Hoch hielt jedoch nicht lange an. Im
    Prozent geringer aus als noch 2019. Damit dürften rund       Sommer traf besonders den Süden und Osten eine län-
    106.400 Tonnen geerntet worden sein. Als Folge der Coro-     gere Trockenperiode mit Temperaturen von mehr als
    na-Krise wurde bis Ende des Jahres vermehrt im Lebens-       35 Grad.
    mitteleinzelhandel eingekauft und Zuhause gekocht, was           Bedingt durch den Klimawandel bereiten dem Obst-
    sich in der höheren Nachfrage nach regionalen Produkten      bau invasive Schaderreger wie die Kirschessigfliege
    und dem Absatz in der Direktvermarktung widerspiegelt.       und verschiedene Wanzenarten zunehmend Probleme.
       Neben den Auswirkungen der Corona-Krise spielte das       2020 trat erstmals die gefürchtete Marmorierte Baum-
    Thema Pflanzenschutz eine übergeordnete Rolle. Im Ge-        wanze in Erwerbsobstanlagen auf. Der geschützte An-
    müsebau können viele zentrale Schaderreger nur über          bau im Beerenobst und Schutzsysteme gegen Hagel
    Notfallzulassungen bekämpft werden, die jeweils sehr         und Starkregen im Stein- und Kernobst gewinnen an
    kurzfristig und für Produzenten nicht planbar ausgespro-     Bedeutung.
    chen werden.                                                     Existenziell notwendig in der Corona-Krise war die
                                                                 Bewertung der Produktion durch die Bundesregierung
                                                                 als systemrelevant. Mit erheblichem Aufwand für die Be-
                                                                 triebe konnten so circa 80 Prozent der benötigten Sai-
    Herausforderungen für den Obstbau                            son-Arbeitskräfte einreisen, Pflanz- und Erntearbeiten
                                                                 konnten durchgeführt werden.
    Das obstbauliche Frühjahr begann mit einem frü-                  Das Abfallen des Geschäftsklimaindexes im Oktober
    hen Vegetationsbeginn und einer Vielzahl von Frost-          stand im Widerspruch zur damaligen Marktlage beim
    nächten bundesweit. Im Norden wurde bis zu 20 Mal            Obst und begründete sich eher mit der allgemeinen Ver-
    beregnet, da die Temperaturen sich oft um den Ge-            unsicherung. Dabei spielte nicht nur Corona eine Rolle,
    frierpunkt bewegten. In Sachsen-Anhalt, Sachsen,             sondern auch Sorgen um die Verfügbarkeit von Pflan-
    Thüringen und Bayern kam es am 11. Mai noch zu er-           zenschutzmitteln oder Vorschläge zum Mindestlohn.
JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
Das Wirtschaftsjahr 2020   9

                                                          loch fiel aus und auch die Herbstproduktion fand ihren
                                                          Absatz.
                                                             Nach Schätzungen der Agrarmarkt Informations-Ge-
                                                          sellschaft (AMI) ist der Gesamtmarkt für Zierpflanzen im
                                                          Jahr 2020 deutlich gewachsen. Es kam zu einem erneuten
                                                          Wachstum von 5,2 Prozent, ausgehend von den ersten drei
                                                          Quartalen des Jahres. Damit stieg das Marktvolumen auf
                                                          mehr als 9,4 Milliarden Euro (zu Einzelhandelspreisen).
                                                          Pro Einwohner ergibt sich ein Einkaufswert von fast 114
Die Vermarktung des Obstes, egal ob Beeren-, Stein-       Euro für den Betrachtungszeitraum. Nach zunächst mas-
oder Kernobst, verlief im Corona-Jahr zufriedenstel-      siven konjunkturellen Einbrüchen im März erholte sich der
lend. Man hatte den Eindruck, dass regionales Obst zu-    Markt schnell. Alle Pflanzengruppen profitierten von den
nehmend wertgeschätzt wird.                               Zuhausebleibern und dem Trend zur Pflanze. Für Schnitt-
                                                          blumen wurden rund 38 Euro pro Kopf ausgegeben – das
                                                          sind nochmals 1,04 Euro mehr als im Vorjahr. Das Wachs-
                                                          tum zum Vorjahr beträgt aufgerundet 3 Prozent und er-
Zierpflanzenmarkt 2020 trotzt                             reichte knapp 3,2 Milliarden Euro am Gesamtmarkt.
der Pandemie                                                 Ein weiterer Gewinner waren die Gartenpflanzen,
                                                          für die 56 Euro pro Kopf ausgegeben wurden. Das
Die Stimmung im Zierpflanzenbau blieb zum Jahres-         Wachstum dieses Segments betrug fast 7 Prozent und
wechsel zunächst verhalten. Die steigenden bürokrati-     stieg auf knapp 4,65 Milliarden Euro. Der Stauden-
schen Anforderungen an die Unternehmen und die Dis-       markt erreichte 640 Millionen Euro und wuchs erneut
kussion um die CO2-Steuer belasteten die Branche. Der     stark um nahezu 12 Prozent. Auch der Gehölzmarkt
Geschäftsklimaindex startete mit 95 Punkten ins Jahr      zeigt ein Wachstum von rund 7 Prozent auf etwas über
2020. Im März fiel er dann mit 68 Punkten auf einen nie   1,5 Milliarden Euro Marktanteil. Da das Bruttoinlands-
gekannten Tiefpunkt. Pünktlich zum Saisonstart führte     produkt (BIP) für das Baugewerbe für das Jahr 2020
die uneinheitliche Verkaufslage in den Bundesländern zu   leicht stieg und der Anteil des nicht privaten Verbrauchs
großer Unsicherheit. Glücklicherweise erholte sich das    bei rund 40 Prozent lag, ist zu vermuten, dass der Ge-
Geschäftsklima im Saisonverlauf wieder und erreichte im   hölzmarkt noch stärker gewachsen ist. Der seit Jahren
Juli seinen Höchstwert mit 108 Punkten. Das Sommer-       schwächelnde Zimmerpflanzenmarkt profitierte von dem
                                                          Run auf Blühendes und den trendigen Grünpflanzen. Der
                                                                             Marktanteil stieg um 6 Prozent auf 1,6
                                                                             Milliarden Euro. Das entspricht rund
                                                                             19,40 Euro pro Einwohner. Das Sorgen-
                                                                             kind, die blühenden Zimmerpflanzen,
                                                                             performten vor allem bei späteren
                                                                             Kulturen und auch die Orchideen ver-
                                                                             kauften sich gut ab. Mit einem Plus von
                                                                             3,8 Prozent stieg das Segment auf rund
                                                                             1,1 Milliarden Euro. Die Trends des Vor-
                                                                             jahres wurden verstärkt fortgesetzt,
                                                                             die grünen Zimmerpflanzen wuchsen
                                                                             deutlich um 11 Prozent auf 535 Millio-
                                                                             nen Euro. Die Beet- und Balkonpflan-
                                                                             zensaison verlief, mit Blick auf das
                                                                             starke Vorjahr, sehr gut. Das Segment
                                                                             wuchs um 5 Prozent auf gut 1,95 Milliar-
                                                                             den Euro. Somit wurden pro Kopf mehr
                                                                             als 23 Euro ausgegeben. Auch der Kräu-
                                                                             termarkt entwickelte sich im Jahr 2020
                                                                             positiv und erreichte mit 264 Millionen
                                                                             Euro ein Wachstum von 10,5 Prozent
                                                                             zum Vorjahr.
JAHRES BERICHT 2020 - Zentralverband Gartenbau eV
10   ZVG-Jahresbericht 2020

                                                                  ser Absatzweg beeinflusste aber den Gesamtmarkt nicht
                                                                  stark. Die Monosträuße liefen vor allem über den System-
                                                                  handel mit einem starken Lebensmitteleinzelhandel und
                                                                  Discounter. Maßgeblich für höhere Umsätze waren in der
                                                                  Regel gestiegene Mengenanteile, die Preise fielen leicht.
                                                                     Bei den Schnittblumen, das nach wie vor größte
                                                                  Marktsegment, entfielen somit bis September 2020 rund
                                                                  63 Prozent der privaten Ausgaben auf den Fachhandel
     Gärtnerischer Fachhandel                                     (Blumenfachgeschäfte, Gärtnereien, Gartencenter, Wo-
                                                                  chenmärkte). Gerade bei den gemischten Sträußen ge-
     Das Jahr startete für den gärtnerischen Endverkauf mit       wann der Fachhandel rund zwei Prozentpunkte und stieg
     einem Geschäftsklimaindex von 97 Punkten. Der Fach-          auf über 80 Prozent des Marktanteils wie im Vorjahr. Der
     handel war etwas unzufriedener mit seiner damaligen          Markt für blühende Zimmerpflanzen wuchs in den ersten
     Geschäftslage, aber die Beurteilung der Entwicklungen        neun Monaten des Jahres 2020. Der Fachhandel verlor
     für die nächsten Monate fiel im Januar zunächst deutlich     leicht beim Ausgabenanteil, etwas deutlicher noch am
     positiver aus. Im März stürzte der Index allerdings dann     Mengenanteil des Gesamtmarktes. Gärtnereien und Gar-
     auf 59 Punkte. Er verbesserte sich bereits im April, lag     tencenter profitierten jedoch durch höhere Kundenaus-
     zunächst aber noch deutlich unter den Werten aus den         gaben. Der Systemhandel (Baumärkte, Lebensmittelein-
     Jahren zuvor. Im Mai erholte sich die Stimmung dann, um      zelhandel, Discounter, Sonstige) profitierte, ähnlich wie
     in den folgenden Monaten auf höherem Niveau leicht zu        bei den Schnittblumen, durch die Möglichkeit, ihre Läden
     schwanken.                                                   offen zu halten, bei Menge und Ausgaben. In den ersten
        Der Systemhandel konnte auch im Jahr 2020, gemes-         neun Monaten 2020 entfielen rund 47 Prozent der Ausga-
     sen an den Gesamtausgaben der Ver-
     braucher, weiter zulegen. Der Fach-
     handel verlor seit dem Jahr 2017 zwei
     Prozentpunkte, so dass nun noch
     rund 59 Prozent der Verbraucher-
     ausgaben im Fachhandel getätigt
     werden. Bei den Mengenanteilen ver-
     lor der Fachhandel mit drei Prozent-
     punkten sogar noch deutlich mehr
     Anteile. Klar ist für das Jahr 2020,
     dass bestimmte Geschäftstypen wie
     Gartencenter, Gärtnereien sowie der
     Lebensmitteleinzelhandel und die
     Discounter durch die Corona-Krise
     profitierten. Die Verschiebung der
     Ausgaben- und Mengenanteile inner-
     halb der einzelnen Pflanzengruppen
     fiel hier noch deutlicher aus.
        Der Schnittblumenmarkt war für
     das vergangene Jahr schwierig zu be-
     werten. Auf Verbraucherseite stiegen
     die Ausgaben. Vor allem der System-
     handel mit Discountern und Lebens-
     mitteleinzelhandel profitierte, da
     dieser weniger von Ladenschließungen betroffen war. Der      ben für blühende Zimmerpflanzen auf den Fachhandel,
     Fachhandel zeigte sich bei den gemischten Sträußen rück-     das entspricht einem Rückgang von einem Prozentpunkt
     läufig, die Preise fielen, ebenso die verkauften Mengen.     zum Vorjahr. Die grünen Zimmerpflanzen erzielten da-
     Gemessen am Gesamtmarkt stellte er aber noch immer           gegen starke Wachstumsraten bei den Ausgaben, wo-
     den Großteil der Ware. Zu einigen Anlasstagen, wie zum       von vor allem Gartencenter und auch der Systemhandel
     Beispiel Ostern, als nicht vor Ort verkauft werden konnte,   profitierten. Die Gartenpflanzen konnten 2020 erneut an
     stiegen auch die Ausgaben für Onlineware deutlich. Die-      Marktbedeutung zulegen. Auch die Segmente der Kräu-
Das Wirtschaftsjahr 2020   11

ter, Stauden und Gehölze konnten ein Plus bei den Aus-
gaben erwirtschaften.
   Bei Beet- und Balkonpflanzen gingen die Ausgaben
deutlich nach oben, was primär durch Preiskompensa-
tion stattfand, denn die verkauften Mengen stiegen nicht
signifikant. Der Blumenfachhandel verlor zwei Prozent-      gewissheit führte dazu, dass Betriebe ihre Lage und auch
punkte Ausgabenanteil, Gartencenter und Gärtnereien         ihre Erwartungen für 2020 als schlecht beziehungswei-
profitierten jedoch. Die kleineren Segmente wie Stauden     se ungünstig prognostizierten. Durch das überraschend
und Kräuter legten ein überdurchschnittliches Wachstum      gute Frühlings- und Frühsommergeschäft erholte sich der
hin. Nicht in der Gesamtmarktstatistik erfasst wurden       Geschäftsklimaindex im Mai wieder auf die Werte vor der
die Gemüsepflanzen. Diese erlebten jedoch einen wah-        Corona-Pandemie. Auf diesem hohen Level verweilte der
ren Boom im Frühjahr, die Verbraucherausgaben stiegen       Wert auch den Rest des Jahres. Dennoch gab es 2020 er-
massiv zum Vorjahr.                                         neut viele Arbeitsspitzen. Diese sind vor allem durch die
                                                            regionalen Extremwettersituationen geprägt. Insbesonde-
                                                            re der trockene April aber auch der Sommer machte vieler-
                                                            orts zusätzliche Gießdienste unabdingbar. Damit verbun-
                                                            den war ein erhöhter Aufwand an Personal und Kosten.
                                                               Trotz dieser Widrigkeiten konnten sich die Betriebe
                                                            auch 2020 als kompetente und zuverlässige Partner für
                                                            die Grabpflege erweisen. Für viele Betriebe war das ab-
                                                            gelaufene Jahr ein außergewöhnliches Jahr. Geprägt
Gehölznachfrage beflügelt                                   von groben Einschnitten in den Geschäftsabläufen, auch
                                                            durch Schließungen der angeschlossenen Blumenläden
Der deutsche Markt für Baumschulgehölze setzte 2020         aber auch von vielen Neuabschlüssen für Pflegeverträge.
die jüngst begonnene, positive Entwicklung fort. Der Ge-    So dass für zahlreiche Betriebe 2020 sogar ein gutes Jahr
schäftsklimaindex bei den Baumschulen lag im Januar         war, mit mehr Abschlüssen als in den Jahren davor. Inwie-
bei 107 Punkten. Coronabedingt brach er im März zwar        weit die Corona-Pandemie ein Umdenken in der Bevölke-
auf 70 Punkte ein, erhöhte sich aber bereits im April auf   rung für Grabpflege und Vorsorgeverträge geschaffen hat,
99 Punkte. Im Juli lag er dann mit 106 Punkten sogar über   bleibt zu beobachten.
dem Vorjahr und hielt sich auf dem höheren Niveau.
   In allen Absatzbereichen wurde rege Nachfrage re-
gistriert. Im Bereich der öffentlichen Abnehmer konnte
trotz Corona-Pandemie weitergearbeitet werden. Der          Pessimismus bei Raumbegrünung
Hauptabnehmer, die Unternehmen des Garten- und              und Hydrokultur
Landschaftsbaus konnten ihre Arbeiten im öffentlichen
und privaten Bereich vollständig fortsetzen. Die priva-     Das Wirtschaftsjahr der Branche der Raumbegrünung
te Nachfrage wurde mutmaßlich durch pandemiebe-             und der Hydrokulturspezialisten war eindeutig durch die
dingte Substitutionsentscheidungen der Verbraucher          Corona-Pandemie gekennzeichnet. Das zeigt auch der
(Garten/Terrasse/Balkon statt Reisen/Events) beflügelt.     Geschäftsklimaindex. Zum Jahresbeginn war die Branche
Die schweren Waldschäden lösten eine andauernde             optimistisch ins Jahr gestartet. Mit Beginn der Krise fiel
Nachfrage nach Forstgehölzen aus. Einzig der Export         die Einschätzung der Unternehmen sehr negativ aus. Der
(20 Prozent des Handelsvolumens) wurde pandemie-            Geschäftsklimaindex stürzte im März auf 55 Punkte ab
bedingt teilweise gestört, in Großbritannien durch den      und halbierte sich damit fast im Vergleich zum Vorjahr.
Brexit. Viele Gehölzsortimente sind bereits knapp oder      Auch in den Folgemonaten blieben die Geschäftsaussich-
geräumt, der Preisanstieg setzt sich fort.                  ten deutlich pessimistischer. Im Juli war der Index immer-
                                                            hin wieder auf 78 Punkte gestiegen. Nach einem leichten
                                                            Hoffnungsschimmer im September verdüsterten sich die
                                                            Aussichten zum späteren Herbst wieder. Die Unterneh-
Zweigeteiltes Jahr beim Friedhof                            men hatten in den letzten Monaten mit den Lockdown-
                                                            Regeln und den damit verbundenen Einschränkungen zu
Die Friedhofsgärtner hatten 2020 ein zweigeteiltes Jahr.    tun. Bei vielen Unternehmen sind die Umsätze bei den
Zum einen fiel coronabedingt der Geschäftsklimaindex        Firmenkunden eingebrochen. Eine regelmäßige Pflege
im März auf ein historisches Tief mit 71 Punkten. Die Un-   der Begrünungen in den Büros war nicht mehr möglich.
CORONA: Ein Jahr im
Ausnahmezustand
CORONA: Ein Jahr im Ausnahmezustand      13

                                     Corona-Pandemie fordert
                                     die Branche heraus

 2020 befand sich der
  Gartenbau wie alle
  Wirtschaftsbereiche
   in Deutschland im
  Ausnahmezustand.

Die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen auf Produk-       an Vorschriften. Das betraf Schließungsvorgaben für Gar-
tion und Handel hat die Branche außerordentlich gefordert.   tenbaubetriebe, Fördermaßnahmen sowie Vorschriften
Gemeinsam hat sich der ZVG mit seinen Landesverbänden        zur Einreise und Unterbringung von Saisonarbeitskräften
und weiteren Verbänden für die gärtnerischen Unterneh-       gleichermaßen. Die Stimmung im Gartenbau sank auf ei-
men eingesetzt.                                              nen nie dagewesenen Tiefpunkt. Der Geschäftsklimaindex
                                                             stürzte in den einzelnen Sparten regelrecht ab. Mit meh-
                                                             ren Umfragen wurde die Situation der Betriebe erfasst, um
Absatzkanäle offenhalten                                     passgenau den Bedarf der Branche gegenüber der Politik
Im Frühjahr zeigten sich zunächst massive Verwerfungen in    kommunizieren zu können.
der Wertschöpfungskette. Der erste Lockdown im März traf         Dem Einsatz der Verbände ist es aber auch zu verdan-
die Branche in der Hochphase der Frühjahrsblüher und zu      ken, dass – wenn auch mit vielen Auflagen und Einschrän-
Beginn der Saisonarbeiten. Oberstes Ziel im ZVG war daher    kungen – in den meisten Bundesländern die Gartenbaube-
zunächst, möglichst alle Absatzkanäle offen zu halten und    triebe wieder öffnen und ihre Produkte verkaufen durften.
den Einsatz von Saisonarbeitskräften zu ermöglichen. Die     Am längsten dauerte die vollständige Schließung in Bay-
nötige Versorgung und Selbstversorgung der Bevölkerung       ern und stellte für diese Betriebe eine besondere Heraus-
hat letztlich dazu geführt, dass der Gartenbau als system-   forderung dar.
relevant angesehen wurde. Gärtnereien und Gartencenter           Die Lage der Betriebe verbesserte sich im Laufe des
sollten laut Bund-Länder-Beschluss offen bleiben. Auch die   Jahres, was auch an der gestiegenen Wertschätzung der
Vorgaben für die Arbeitskräfte sollten einheitlich sein.     heimischen Produkte und der Beschäftigung der Konsu-
                                                             menten mit dem eigenen Garten lag. Mit den steigenden
                                                             Infektionszahlen im Herbst und weiteren Einschränkungen
Flickenteppich an Vorschriften                               zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wurden die Betrie-
Allerdings führten unterschiedliche Auslegungen in den       be erneut mit sehr unterschiedlichen Schließungsszenarien
einzelnen Bundesländern zu einem wahren Flickenteppich       in den Bundesländern konfrontiert.
14   ZVG-Jahresbericht 2020

     Hilfestellungen für Betriebe
     Der ZVG hat zusammen mit seinen Landesverbänden der Arbeit der Verbände profitiert.
     dafür gesorgt, dass die Betriebe umfassend informiert Der Deutsche Gartenbautag musste abgesagt werden
     waren. So wurde ein Katalog mit allen wichtigen Fragen Auf digitalem Wege hielt der ZVG sein Informtionsange-
     und Antworten erstellt. Dazu zählten Fragen zum Verhal- bot aufrecht, beispielsweisemit dem Technik live - Ener-
     ten im Quarantänefall oder zur Stundung von Steuern, gietag, der zahlreiche Interessierte anlockte.
     genauso wie Fördermöglichkeiten und Maßnahmen im
     Zuge des Corona-Hilfspaketes. Für besondere Fragestel- Verbände stehen zusammen
     lungen, wie Kurzarbeitergeld oder alle Fragen im Zusam- Die Corona-Krise hat auch den engen Zusammenhalt in der
     menhang mit der Einreise                                                                                 Verbändelandschaft wei-
     und Beschäftigung von                                                                                    ter gestärkt. So konnte die
     Saison-Arbeitskräften wur-                                                                               Verfügbarkeit von Saison-
     den weitere Merkblätter                                                                                  Arbeitskräften nur in enger
     entwickelt und den Be-                                                                                   Zusammenarbeit mit dem
                                                                              Wir bieten Ihnen einen
     trieben zur Verfügung ge-                                                                                Deutschen Bauernverband
                                                                              Abhol- und Lieferservice
     stellt.                        Bitte tragen Sie eine Mund-
                                                                              Mehr Infos:
                                                                                                              (DBV), dem Deutschen
        Neben den FAQ’s und         Nasen-Bedeckung am Kunden-                                                Raiffeisenverband     (DRV)
                                    parkplatz, im Eingangs- und
     den Merkblättern wurden        Wartebereich sowie auf dem                                                über  den Bundesausschuss
     Leitlinien zur Infektions-     gesamten Verkaufsgelände.                                                 Obst und Gemüse (BOG)
     vermeidung in Sammel-          Vielen Dank für Ihre Mithilfe!                                            und die Bundesfachgrup-
     unterkünften und im                                                                                      pen Gemüsebau und Obst,
     laufenden Produktions-                                                                                   in enger Abstimmung mit
     betrieb erarbeitet und in                                                                                den zuständigen Bundes-
     Zusammenarbeit mit der                                                                                   ministerien, zum Erfolg ge-
     Sozialversicherung      für                                                                              führt werden.
     Landwirtschaft, Forsten                      1,5 Meter                                                      Für die Betriebe mit
     und Gartenbau (SVFLG)                                                                                    Endverkauf hat der ZVG
     in verschiedene Sprachen        Verehrte Kunden,
                                                                                                              mit     dem     Handelsver-
     übersetzt. So konnten           angesichts der Corona-Pandemie bitten                                    band   Heimwerken,   Bauen
     sich die Betriebe bereits       wir Sie, 1,5 Meter Abstand zu anderen                                    und Garten (BHB), dem
                                     Kunden zu halten. Insbesondere an den    Desinfizieren Sie
     vor der ersten Einigung         Kassen ist Rücksichtnahme von allen                                      Industrieverband        Gar-
                                     gefordert!                               bitte Ihre Hände
     zwischen Regierung und                                                                                   ten (IVG), dem Verband
                                     Danke sagen auch alle Mitarbeiterinnen   Vielen Dank für Ihre Mithilfe!
     Branche auf die Einreise        und Mitarbeiter!                                                         Deutscher      Garten-Cen-
     der dringend benötigten                                                                                  ter (VDG), unterstützt vom
     Saison-Arbeitskräfte vor                                                                                 Verband des Deutschen
     bereiten. Für den End-                                                                                   Blumen- Groß- und Im-
     verkauf wurden Hand-                                                                                     porthandels (BGI) und dem
     lungsempfehlungen zur                                                                                    Fachverband      Deutscher
     Umsetzung der Hygiene-         Um die gärtnerischen Betriebe bei ihrer Ar- Floristen (FDF) die Internet-
     vorschriften und der Kun-      beit zu unterstützen, hat der ZVG eine Viel- seite www.mit-abstand-
     denführung einschließlich      zahl an Informationsmittel zusammenge- gruen.de ins Leben gerufen.
     der erforderlichen Hin-        stellt. Hinweisschilder und Hygienetipps für Dort können die Unterneh-
     weisschilder erstellt.
                                    den Verkaufsbereich erleichtern zusätzlich men ihr Engagement zum
        Die wichtigen FAQ’s                                                                                   Schutz der Kunden und Mit-
     wurden fortlaufend aktu-
                                                                       die Arbeit.                            arbeiter sichtbar machen.
     alisiert und den Mitglie-                                                                                Mit dem zweiten Lockdown
     dern zur Verfügung ge-                                                                                   im November wurden auf
     stellt. Letztlich kamen mehr als 20 Ausgaben zusammen. Anregung der Landesverbände neue Hilfestellungen für
     Monatelang wurden alle Erläuterungen und Hilfestellun- direktabsetzende Betriebe zur Verfügung gestellt, um die
     gen der gesamten Branche frei zur Verfügung gestellt. Stärken der gartenbaulichen Produkte hervorzuheben.
     Damit haben auch diejenigen Betriebe, die die Arbeit                       Ein wichtiger Meilenstein der politischen Arbeit war, dass
     auf Landes- und Bundesebene nicht durch eine Mitglied- auch die Produktionsbetriebe von den Ad-hoc-Hilfen profi-
     schaft unterstützen während der ersten Krisenzeit von tieren konnten.
CORONA: Ein Jahr im Ausnahmezustand       15

Lösungen gefunden
Mit Kreativität und Engagement                                                           und deren Absatzmarkt damit jetzt
stellten und stellen sich die gärt-                                                      schon zum zweiten Mal völlig weg-
nerischen Betriebe der Heraus-                                                           gebrochen ist. Letztlich werden die
forderung. Lockdown und Rei-                                                             kommenden Jahre erst zeigen, wel-
sebeschränkungen haben dem                                                               che Betriebe letzten Endes durch
deutschen Gartenbau aber auch                                                            die Zeit der Pandemie gekommen
eine neue Wertschätzung ge-                                                              sind.
bracht. Die Branche wurde als sys-                                                          Die Beschränkungen und höhe-
temrelevant eingestuft. Balkon und                                                       ren Anforderungen haben die Bran-
Garten wurden zum Zufluchtsort                                                           che außerordentlich gefordert. Co-
als sich Urlaubspläne auflösten.                                                         rona hat die Betriebe vor ungeahnte
Die Versorgung mit heimischen                                                            Aufgaben gestellt, aber auch vor
Produkten bekam einen höheren                                                            Augen geführt, was der Gartenbau
Stellenwert. Zwar konnten teils                                                          zusammen schaffen kann.
höhere Preise erzielt werden, dem stehen allerdings auch             Die Herausforderungen werden mit Ablauf dieses Jah-
deutlich höhere Aufwendungen gegenüber.                          res nicht enden. Die Corona-Pandemie wird die Branche
   Aber es gab auch Bereiche im Gartenbau mit ganz be-           auch im Jahr 2021 noch fordern. Zusammenhalt, Flexibi-
sonderer Betroffenheit, wie Gemüsebaubetriebe, die ihren         lität, Kreativität und Solidarität sind auch in Zukunft das
Anbau auf die regionale Gastronomie ausgerichtet haben           Gebot der Stunde.

„4 Wege für einen grünen
Lockvember und Lockzember”
In der Corona-Krise haben die Menschen ein großes Be-            (GMH) hat daher Marketinganregungen, Handlungsan-
dürfnis nach Geborgenheit, Gesundheit und nach einem             leitungen und Anzeigenvorlagen für die Gärtnereien er-
schönen Zuhause. Gärtnerische Produkte wie Blumen                stellt. Diese vermitteln die Stärken der gartenbaulichen
und Pflanzen, frische Kräuter, Obst und Gemüse können            Produkte für den Verbraucher in diesen schwierigen Zei-
einen wichtigen Beitrag dazu leisten und den Wegfall anderer     ten. Initiiert wurden diese Vorlagen vom ZVG und seinen
Freizeitaktivitäten zu kompensieren. Das Grüne Medienhaus        Landesverbänden.

                                                                                                                4 Wege für einen
                                                                                                               grünen Lockvember
        Der deutsche Gartenbau          Der deutsche Gartenbau           Der deutsche Gartenbau                    Der deutsche Gartenbau
Politische Themen
des Gartenbaus
Politische Themen des Gartenbaus        17

                                      Umwelt und Klima

Der Klimawandel und
 seine Auswirkungen
         beschäftigen
           Politik und
   Branche weiterhin
  gleichermaßen. So
war das Jahr geprägt
    von Diskussionen
      zu Klimaschutz,
  Torfminderung und
   Insektenschutz. Es
     stehen politische
 Entscheidungen an,
  die einschneidende
        Effekte für die
        gärtnerischen
       Betriebe haben
              werden.

CO2-Bepreisung fordert Gartenbau heraus                       CO2-Kosten bei Investitionen in erneuerbare Energien und
Die Bundesregierung hat ihre Pläne zum Erreichen der Kli-     Energieeffizienzmaßnahmen.
maschutzziele umgesetzt und zum 1. Januar 2021 eine
nationale CO2-Bepreisung von fossilen Energieträgern ein-
geführt. Das stellt die gärtnerischen Unternehmen mit ge-     Unterstützungsangebote greifen nicht
schütztem Anbau vor große Herausforderungen, denn der         Die Bundesregierung hat Eckpunkte für Entlastungen vorge-
Gartenbau steht in einem intensiven europäischen und          legt, die befürchten lassen, dass der Gartenbau nicht oder
internationalen Wettbewerb. Eine Verteuerung der Unter-       nur begrenzt berücksichtigt wird. So beschränkten die vor-
glaskulturen aus deutscher Produktion kann wegen des          gelegten Regelungen im Entwurf der Carbon-Leakage-Ver-
hohen Importanteils nicht durch höhere Preise auf dem hei-    ordnung die möglichen Entlastungen zunächst auf Sekto-
mischen Markt aufgefangen werden.                             ren, die bereits dem EU-Emissionshandel unterliegen. Damit
    Der Gartenbau braucht daher dringend eine praxistaug-     wird den nationalen Erweiterungen im Brennstoffemissions-
liche und unbürokratische Regelung, die den kleinen und       handelsgesetz (BEHG) nicht Rechnung getragen. Weitere
mittleren Unternehmen im nationalen Emissionshandel           Sektoren müssen erst in einem aufwändigen Verfahren nach
Entlastungen gewährleistet und so die Dekarbonisierung        Antragsstellung aufgenommen werden.
fördert. Eine alleinige Entlastung über die geplante Absen-      Ein Antrag kann aber nur von einem Unternehmenszu-
kung der Umlage im Zuge des Erneuerbare-Energien-Geset-       sammenschluss oder einem Interessenverband getätigt wer-
zes (EEG) reicht bei weitem nicht aus.                        den, der mindestens 80 Prozent des in Deutschland erzielten
    Benötigt werden Investitionsförderungen, zum Beispiel     Umsatzes des Sektors repräsentiert. Derartige Zusammen-
über das Bundesprogramm Energieeffizienz, steuerliche         schlüsse gibt es allenfalls in staatlich geregelten Pflichtmit-
Sonderabschreibungen auf Investitionen in erneuerbare         gliedschaften wie den Industrie– und Handelskammern,
Energien, Abschaffung der Stromsteuer, Senkung der Ab-        nicht aber in der Landwirtschaft und im Gartenbau.
gaben und Umlagen im Strompreis oder die Erstattung der          Die Einbeziehung des EU-Binnenmarkthandels ist richtig
18   ZVG-Jahresbericht 2020

     und entspricht der Forderung des ZVG. Allerdings muss die     50 Prozent Torfanteil und bis 2030 um mindestens 70 Pro-
     Handelsintensität vollständig und nicht nur zu 75 Prozent     zent Torfanteil in Blumenerden für den Hobbybereich an-
     berücksichtigt werden.                                        gestrebt. Bis 2025 wird eine Reduktion um mindestens
         Die Orientierung an den Carbon-Leakage-Regelungen des     20 Prozent Torfanteil in Kultursubstraten und bis 2030 um
     EU-Emissionshandels ist nicht geeignet, praktikable und un-   mindestens 30 Prozent Torfanteil in Kultursubstraten in der
     bürokratische Einordnungen und Berechnungsgrundlagen          gärtnerischen Produktion von Zierpflanzen, Stauden und
     für die Leistung von finanzieller Unterstützung zu gewähr-    Gehölzen anvisiert. Voraussetzung ist die Verfügbarkeit von
     leisten. Weitere Einschränkungen über Mindestschwellen        nachhaltigen Torfersatzstoffen. Der Industrieverband Garten
     oder Abzug eines Selbstbehalts lehnt der ZVG ebenfalls ab.    (IVG) hat parallel eine Selbstverpflichtung der Substrat- und
                                                                   Erdenindustrie zur Torfminderung veröffentlicht.
                                                                      Der ZVG beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema und
     Torfminderung                                                 hat immer Handlungsbereitschaft signalisiert. Er bekennt
     Das Bundeslandwirtschaftsministerium arbeitet weiter an       sich zum ressourcenschonenden Umgang beim Einsatz von
     der Umsetzung der Torfminderungsstrategie und hat bei den     Torf und unterstützt die Torfminderungsstrategie. Die Bran-
     gärtnerischen Verbänden konkrete Minderungsziele ent-         chengespräche mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium
     sprechend der Strategie gefordert. Um die Ziele des Klima-    werden fortgeführt. Die gärtnerischen Betriebe benötigen
     schutzplanes 2050 einzuhalten, hat sich der ZVG gemeinsam     allerdings Zeit, um Minderungspotenziale wirtschaftlich
     mit dem Bund deutscher Baumschulen (BdB), dem Handels-        tragbar umzusetzen. Um Wettbewerbsverzerrungen zu ver-
     verband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) und dem            meiden, bedarf es einer übergeordneten europäischen Vor-
     Verband Deutscher Garten-Center (VDG) auf eine Reduktion      gehensweise.
     des Torfeinsatzes bei Produkten für den Endverbraucher im
     gärtnerischen Fachhandel (Einzelhandelsgärtnereien, Bau-
     und Gartenmärkte, Gartencenter, GartenBaumschulen)            Immer weniger Wirkstoffe
     verständigt. Bis 2025 wird eine Reduktion um mindestens       Beim Pflanzenschutz stehen immer weniger Wirkstoffe und
                                                                   Mittel zur Verfügung. Dabei werden im Nationalen Aktions-
                                                                   plan nachhaltiger Pflanzenschutz mindestens drei Wirk-
                                                                   stoffklassen je Anwendungsgebiet (AWG) als Ziel benannt.
                                                                   Viele zentrale Schaderreger können nur über Notfallzulas-
                                                                   sungen bekämpft werden.
                                                                      Der Saldo der Antragsbearbeitung in Lückenindikatio-
                                                                   nen ist nur gering positiv, neu zugelassene Anwendungs-
                                                                   gebiete wiegen abgelaufene und nicht zugelassene AWG
                                                                   kaum auf. Unter anderem führt die Diskussion um Biodi-
                                                                   versitätsauflagen dazu, dass immer weniger Firmen bereit
                                                                   sind, Zulassungserweiterungen für Lückenindikationen zu
                                                                   beantragen.
                                                                      Auf nationale gesonderte Bewertungen sollte nach An-
                                                                   sicht des ZVG verzichtet werden, wenn die Bewertung bei
                                                                   den Verfahren der gegenseitigen Anerkennung in anderen
                                                                   Mitgliedstaaten abgeschlossen war. Der ZVG lehnt zudem
                                                                   erhöhte nationale Auflagen zum Schutz der Biodiversität
                                                                   ab, die dazu führen, dass Anteile von Kulturflächen grund-
                                                                   sätzlich von der Anwendung ausgenommen werden.

                                                                   Verbundvorhaben Lückenindikationen wird
                                                                   fortgeführt
                                                                   Die Förderphase des Modell- und Demonstrationsvorha-
                                                                   bens „Verbesserung der Verfügbarkeit von Pflanzenschutz-
                                                                   mitteln für kleine Kulturen in Gartenbau und Landwirt-
                                                                   schaft“ ist am 31. Juli 2020 ausgelaufen. Seitdem wird das
                                                                   Verbundvorhaben ausschließlich aus Eigenmitteln fortge-
                                                                   führt. Weil die Harmonisierung in der Europäischen Union
Politische Themen des Gartenbaus      19

bei der Pflanzenschutzzulassung nach wie vor nicht abge-
schlossen ist, bleibt der Arbeitsaufwand groß.
   Das Verbundvorhaben ist seit seiner Gründung im
Juli 2013 fester Bestandteil der nationalen Lückenstruk-
turen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Lückenindikationen
(BLAG-LÜCK). Überaus positiv ist hierbei die enge Anbin-
dung an die Bund-Länder-Arbeitsgruppe und seiner Unter-
arbeitsgruppen (UAG). Das Verbundvorhaben war innerhalb
der EU Vorreiter bei der Organisation und Leitung gemeinsa-
mer EU-weiter Projekte zum Schließen von Bekämpfungslü-
cken und bei der Einstellung von Informationen und Daten
in die gemeinsame Lückendatenbank der EU, der EUMUDA.

Besondere Situation beim Insektenschutz
Der Bund wird ab 2021 die Anwendung von Pflanzenschutz-
mitteln und Bioziden mit ausdrücklicher Relevanz für Insek-
ten in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen
verbieten. Das wird deutliche Konsequenzen für dort wirt-
schaftende Betriebe haben.
   Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium
haben mehrfach zu Runden Tischen eingeladen, um im
Dialog mit den Verbänden Lösungen zu vereinbaren. Von
gemeinschaftlich getragenen Lösungen ist man allerdings
nach wie vor weit entfernt. Der ZVG fordert, die besonde-
re Situation der Sonderkulturen für Ausnahmeregelungen         führt. Inzwischen haben sich der Markt und die Ansprüche
zum Pflanzenschutz in Schutzgebieten zu berücksichtigen.       des Handels weiterentwickelt. Mit dem Floritray ist im Jah-
Das Bundesumweltministerium hat einen Entwurf für ein          re 2019 eine neue Mehrwegpalette für den Transport von
Insektenschutzgesetz vorgelegt, zu dem der ZVG Stellung ge-    Blumen und Pflanzen auf den Weg gebracht worden. Der
nommen hat. Der ZVG lehnt eine Ausweitung der Ziele des        ZVG unterstützt den Einsatz von Mehrwegpaletten und
Naturschutzes ab, die nicht vom Insektenschutzprogramm         motiviert seine Mitglieder, die für sie passenden Systeme
gedeckt sind. Weiterhin lehnt der ZVG die Ausweitung der       für die Vermarktung einzusetzen.
generellen Abstandregelung für die Anwendung von Pflan-
zenschutzmitteln auf zehn Meter an Gewässern und dem
damit verbundenen pauschalen Verbot der Anwendung ent-         Wasser
schieden ab. Denn die Abstandsregelungen werden mittel-        Angesichts von wiederkehrender Trockenheit und Bewäs-
spezifisch über das Pflanzenschutzrecht bei Zulassungen        serungsproblemen wir das Thema der Wasserverfügbar-
in den Anwendungsbestimmungen festgelegt. Darüber hin-         keit für den Gartenbau immer dringender. Die Wassernut-
ausgehende Regelungen sind nicht nötig. Das Bundesland-        zung muss fair mit anderen Wassernutzern ausgestaltet
wirtschaftsministerium arbeitet an Detailregelungen zum        und dabei unter anderem auch die regionale Ernährung,
Pflanzenschutz im Fachrecht, wie die Anpassung der Pflan-      aber auch die gartenbauliche Produktion, mitgesichert
zenschutz-Anwendungsverordnung.                                werden. Für die Produktion von Zierpflanzen, Gehölzen,
                                                               Obst und Gemüse ist eine ausreichende Bewässerung
                                                               dringend erforderlich. Gleichermaßen gilt dies für den
Verpackung                                                     Dienstleistungsbereich, beispielweise für Stadtgrün und
Die Deutsche Umwelthilfe fordert eine verpflichtende Mehr-     auf Friedhöfen. Der steigende Bewässerungsbedarf muss
wegquote, eine steuerliche Besserbehandlung von Mehr-          begleitet werden. Dazu zählen die Erstellung von Wasser-
wegsystemen und eine Abgabe von 20 Cent auf Einweg-            speichern, mit den Wasserbehörden vor Ort abgestimmte
transportverpackungen. Der ZVG hat sich bereits in den         und zu sichernde Verfügbarkeit von Grund-, Oberflächen-
90er Jahren intensiv für die Verwendung von Mehrwegver-        und Trinkwasser sowie der Förderung der Einrichtung von
packungen eingesetzt. 1992 wurde auf Initiative der Vereini-   Boden-und Wasserverbünden. Das Bundesumweltminis-
gung Deutscher Blumenmärkte im ZVG das System Palettino        terium wird eine Wasserstrategie erarbeiten, bei der sich
entwickelt und 1999 flächendeckend in Deutschland einge-       der ZVG einbringen wird.
20   ZVG-Jahresbericht 2020

                     Pflanzen-                    Mit Pflanzen, Früchten, Samen, Holz und anderen pflanzli-
                                                  chen Produkten können weltweit Schädlinge und Pflanzen-

                    gesundheit
                                                  krankheiten verschleppt werden, die bisher in Deutschland
                                                  nicht vorkommen und gegen die es keine Bekämpfungs-
                                                  möglichkeiten gibt. Viele Veranstaltungen, die sich dem
                                                  Thema widmen sollten, sind der Corona-Pandemie zum
                                                  Opfer gefallen und mussten, wie auch der Deutsche Garten-
                                                  bautag, abgesagt oder verschoben werden.

                 Gerade im Jahr 2020, das die     Ausbreitung verhindern
          Generalversammlung der Vereinten        Die Pflanzengesundheit wird als die Disziplin definiert, in der
                                                  Maßnahmen zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und
               Nationen zum Internationalen
                                                  -schädlingen festgelegt und umgesetzt werden, um deren
                 Jahr der Pflanzengesundheit      Ausbreitung in neue Gebiete zu verhindern. Die Regelungen
          ausgerufen hat, macht die Corona-       betreffen die Pflanzenproduktion und den Pflanzenhandel
             Krise einer breiten Öffentlichkeit   gleichermaßen aber auch den persönlichen Reiseverkehr.
            deutlich, dass die Globalisierung
                mit der Internationalisierung
                                                  Leichte Rückverfolgung durch Pflanzenpass
               des Personenverkehrs und der       EU-weit greift seit Mitte Dezember 2019 eine neue Verord-
         Warenströme neben vielen Vorteilen       nung zur Pflanzengesundheit. Sie schreibt unter anderem
         auch gravierende Risiken beinhaltet.     einen Pflanzenpass vor, der über die Herkunft importierter
                                                  Pflanzen Auskunft gibt. Sollte ein Schädlingsbefall auf die
                                                  Ware zurückzuführen sein, kann ihr Ursprung leicht ermit-
                                                  telt und weitere Schäden schnell verhindert werden. In der
                                                  Branche haben die neuen Regelungen für große Unruhe ge-
                                                  sorgt. Eine Vielzahl an Betrieben musste sich neu registrie-
                                                  ren lassen. Die Ausweitung der Kennzeichnungspflicht mit
                                                  einem Pflanzenpass ist ein weiterer großer administrativer
                                                  Aufwand für die Unternehmen.
                                                      In der Praxis der Betriebe und der Pflanzengesundheits-
                                                  dienste heißt das unter anderem: Ex- und Importkontrollen
                                                  umsichtig durchführen, Pflanzenbestände regelmäßig kont-
                                                  rollieren, das Monitoring optimieren und ein Auge auf neue
                                                  Schadsymptome und neue Schaderreger haben, Betriebe
                                                  registrieren, Pflanzenpässe ausstellen und Rückverfolgun-
                                                  gen sicherstellen. In Deutschland werden aktuell die recht-
                                                  lichen Regelungen der EU in nationales Recht umgesetzt.
                                                  Zum Entwurf des neuen Gesetzes zur Pflanzengesundheit
                                                  hat der ZVG im November bereits Stellung bezogen und
                                                  unter anderem eine deutlichere Klarstellung der Entschädi-
                                                  gungsregeln eingefordert.
                                                      Bereits in 2021 wird das neue Pflanzengesundheitsrecht
                                                  evaluiert. Bis zum 14. Dezember 2021 muss der EU-Kommis-
                                                  sion, dem EU-Parlament und EU-Rat ein Bericht vorgelegt
                                                  werden. Dabei geht es auch um die Erfahrungen zur Auswei-
                                                  tung der Pflanzenpasspflicht samt einer Kosten-Nutzen-
                                                  Analyse für die Unternehmen. Hier gilt es, für die Branche
                                                  ein Resümee zu ziehen, die geltenden Regelungen kritisch
                                                  zu hinterfragen und Verbesserungsvorschläge in die Diskus-
                                                  sion einzubringen.
Politische Themen des Gartenbaus       21

             Energie

         Dreh- und Angelpunkt
            aller Diskussionen
          über den Energieein-
         satz im Gartenbau ist
           die CO2-Bepreisung,
          die vor allem die Un-
         terglas-Unternehmen
          ab 2021 stark beein-
                  flussen wird.

Mit der neuen Förderrichtlinie zur Steigerung der Energieeffi-   rung bestehender Anlagen oder der Neubau von energie-
zienz und CO2-Einsparung in Landwirtschaft und Gartenbau         effizienten Anlagen zur Minderung der CO2-Emissionen
steht der Branche wieder eine Förderperspektive für mehr         vorgesehen. Die Höhe der Zuwendung wird in den neuen
Energieeffizienz und — jetzt neu — auch für die Umstellung       Förderbedingungen nach der Fördereffizienz berechnet.
auf regenerative Energieträger zur Verfügung. Der ZVG hatte      Der ZVG sieht darin vor allem bei Investitionen in Energieef-
gehofft, dass mit dem neuen Programm Anreize geschaffen          fizienz eine neue, deutlich höhere Hürde, um in den Förder-
werden, um die sehr kostenintensive Umstellung in den Be-        genuss zu kommen. Der ZVG hat große Bedenken, dass das
trieben voranzutreiben, befürchtet jetzt allerdings, dass die    Programm bei diesen Investitionen anders als alle Vorgän-
Belastung, die auf die Betriebe aus dem Brennstoffemis-          gerprogramme, den Gartenbau aus dem Auge verloren hat
sionshandelsgesetz (BEHG) zukommt, durch das neue Bun-           und für die Branche nur von geringem Interesse sein wird.
desprogramm nur ansatzweise ausgeglichen werden kann.
Neben dem Bundesprogramm bedarf es daher zusätzlich
einer umfassenden Entlastung bei den CO2-Kosten durch            Programm steht im Wettbewerb
das BEHG.                                                        Neu aufgenommen wurde in die Richtlinie die Förderung
                                                                 der Erzeugung von regenerativer Energie zur betrieblichen
                                                                 Eigennutzung und Abwärmenutzung sowie mobile Geräte
Teil des Klimaschutzplans                                        und Maschinen, die regenerative Energien nutzen. Bei der
Das Bundesprogramm Energieeffizienz für Landwirtschaft           regenerativen Energieerzeugung steht das neue Programm
und Gartenbau ist seit 2020 Teil des Klimaschutzplans 2030       im Wettbewerb mit der Bundesförderung für Energie-
der Bundesregierung für den Sektor. Dafür stehen aus dem         effizienz in der Wirtschaft der Kreditanstalt für Wiederauf-
Energie- und Klimafonds (EKF) insgesamt 156 Millionen Euro       bau (KfW). Hier werden die Förderkriterien, aber auch die
bis zum 31. Dezember 2023 zur Verfügung. Ziel des Klima-         administrative Abwicklung entscheiden, für welches Unter-
schutzplans 2030 ist es, den CO2-Ausstoß der Landwirtschaft      nehmen welches Programm am attraktivsten ist.
bis 2030 um 14 Millionen Tonnen CO2 gegenüber 2014 zu                Der ZVG sieht am neuen Förderprogramm großen Bedarf
senken.                                                          zur Nachbesserung, um die gesetzten Einsparziele errei-
   Im Förderprogramm sind bei den Investitionsmaßnah-            chen zu können und ist dazu im intensiven Dialog mit allen
men wie bisher Einzelmaßnahmen sowie die Modernisie-             Verantwortlichen.
22   ZVG-Jahresbericht 2020

                                                                                   Grünpolitik
               Besonders das letzte Jahr zeigte deutlich, wie wichtig Stadtparks, Flusswiesen oder
               Friedhöfe für die tägliche Naherholung und für soziale Begegnungen sind. Durch die
                     Corona-Pandemie stieg die Nutzung des urbanen Grüns überproportional an.

     Unter dem Titel „Kommunen im Klimawandel: was braucht        Stadtgrün im Städtebauprogramm
     die Grüne Infrastruktur?“ fand im März 2020 der dritte ge-   Obwohl es sehr erfolgreich war, wurde das Städtebau-
     meinsame Parlamentarische Abend von ZVG, dem Bund            programm „Zukunft Stadtgrün“ 2020 als eigenständiges
     deutscher Baumschulen (BdB), dem Bundesverband Gar-          Programm beendet und in die drei verbliebenen Förder-
     ten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL)und dem Bund       programme integriert. Der ZVG und die anderen grünen
     Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) statt, um gemein-    Verbände setzten sich stark für den Erhalt dieses eigen-
     sam über den Klimawandel und dessen Auswirkungen in          ständigen Programms ein. Denn die Chancen auf die Um-
     den Städten und im ländlichen Raum zu diskutieren. Dabei     setzung der zukunftsweisenden Ansätze des Weißbuches
     verwies ZVG-Präsident Jürgen Mertz auf Handlungsbedarf       Stadtgrün können nur umgesetzt werden, wenn die För-
     von Kommunen und politischen Entscheidern. Gemeinsam         derungen des Stadtgrüns weiterhin klar benannt werden.
     mit dem BGL, dem BdB, dem bdla und dem Deutschen Na-
     turschutzring (DNR) fordert der ZVG ein Förderprogramm
     für kommunales Grün.                                         Urbanen Raum aufwerten
                                                                  Mit der im Jahr 2020 veröffentlichten Bundeskompensa-
     Gerade die Corona-Krise zeige, wie unverzichtbar Grün für    tionsverordnung sollen die Regelungen für Ausgleichs-
     den Einzelnen und die Gesellschaft ist. Mit wirksamen und    maßnahmen vereinheitlicht und vereinfacht werden.
     umfassenden Investitionen in die grüne Infrastruktur kön-    Für den ZVG geht der Ansatz nicht weit genug. Das hat
     nen Städte und Kommunen einen wichtigen Beitrag leisten,     er seit Bekanntwerden des Verordnungsentwurfes deut-
     Naherholungsgebiete zu schaffen und gezielt gegen Effek-     lich gemacht. Unter anderem fordert er, den urbanen
     te des sich verändernden Klimas zu wirken. Der Gartenbau     Raum stärker einbeziehen, beispielsweise durch die Auf-
     steht mit seinen Produkten und Dienstleistungen genau für    wertung bestehender Grünanlagen, die Erstellung neuer
     das, was Stadtgrün ausmacht und bietet in Qualität und       Grünanlagen sowie Gebäudebegrünung und der Dachbe-
     Quantität Antworten auf die Fragen des Klimawandels.         grünung.
Politische Themen des Gartenbaus      23

                                                                         Recht, Steuern,
                                                                         Arbeit und
                                                                         Soziales 2020
                                                                         Neben den vielen durch die Corona-
                                                                         Pandemie ausgelösten rechtlichen
                                                                         und steuerlichen Fragestellungen
                                                                         gab es weitere Themen, die die Arbeit
                                                                         des Jahres 2020 geprägt haben.

Umsatzsteuerpauschalierung                                     den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die Betriebe bei der
Nach Auffassung der EU-Kommission entspricht die bishe-        Umsetzung der Vorschriften für die Arbeitssicherheit und
rige deutsche Regelung der Umsatzsteuerpauschalierung          den besonderen Hygienevorschriften zu unterstützen, war
nicht der EU-Mehrwertsteuersystem-Richtlinie. Dort wird        deshalb ein wesentlicher Teil der Arbeit des letzten Jahres.
eine Umsatzsteuerpauschalierung nur für solche Betriebe        Genauso wichtig war es aber auch, immer wieder deutlich
vorgesehen, für die die Anwendung der allgemeinen Um-          zu machen, dass die Situation im Gartenbau und der Land-
satzsteuerregelungen mit besonderen verwaltungstechni-         wirtschaft nicht vergleichbar ist mit den Zuständen in der
schen Schwierigkeiten verbunden ist. Die Bundesregierung       Fleischindustrie.
hat in den Verhandlungen mit der Kommission die Position
vertreten, dass die deutsche Regelung mit der EU-Mehr-
wertsteuersystem-Richtlinie vereinbar sei. Trotzdem hat die    Bauen im Außenbereich
EU-Kommission ein Vertragsverletztungsverfahren gegen          Ein Thema, das für gartenbauliche Betriebe immer wichtig
Deutschland eingeleitet. Zusätzlich gibt es ein wettbewerbs-   ist, ist das Bauen im Außenbereich. Manchmal verstecken
rechtliches Verfahren von französischer Seite gegen die        sich Änderungen in Gesetzentwürfen, die auf den ersten
deutsche Regelung.                                             Blick nicht zu erkennen sind. Mit einem Gesetzentwurf zur
   Die Bundesregierung hat, unter Einbeziehung des Berufs-     Mobilisierung von Bauland sollen den Kommunen mehr
stands, Verhandlungen mit der EU-Kommission aufgenom-          Werkzeuge an die Hand gegeben werden, um leichter Wohn-
men, um diese Verfahren möglichst abzuwenden. Aktuell          raum schaffen zu können. Eine leichtere Einbeziehung von
gibt es einen mit der Kommission abgestimmten Vorschlag.       Außenbereichsflächen am Rande einer Bebauung ist hierzu
Danach wird in Zukunft die Anwendung der Umsatzsteuer-         vorgesehen. Das kann vor allem Gartenbaubetriebe treffen,
pauschalierung wahrscheinlich nur noch möglich sein,           die häufig in Orts- oder Stadtrandlagen liegen und deren be-
wenn der Gesamtumsatz des Unternehmers 600.000 Euro            triebliche Interessen nicht immer mit den Interessen einer
im Jahr nicht übersteigt. Bevor dieser abgestimmte Vor-        Wohnbebauung in Einklang zu bringen sind. Hierauf hat der
schlag aber nicht in deutsches Recht umgesetzt ist, wird es    ZVG in einer Stellungnahme hingewiesen. Gleichzeitig hat er
auf EU-Ebene keine Entscheidung zu den anhängigen Ver-         positiv angemerkt, dass innerstädtisches Grün gefördert und
fahren geben. Das Gesetzgebungsverfahren wurde noch im         erhalten werden soll. Hier hat der ZVG deutlich gemacht,
Dezember 2020 abgeschlossen. Dies ist zwingende Voraus-        dass Friedhöfen als innerstädtische Grün- und Ruheflächen
setzung dafür, dass in weiteren Schritten auch die Verfahren   eine besondere Bedeutung zukommt, neben ihrer kulturel-
auf EU-Ebene hoffentlich beendet werden können.                len Funktion.

Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz                           Herausforderungen für 2021
Die Unterbringung von Saisonarbeitskräften und die Ar-         Die Anforderungen an die Betriebe werden nicht weniger.
beitsbedingungen auch in der gartenbaulichen Produktion        Hier möglichst praxisnahe Hilfestellungen für die Umsetzung
sind – auch aufgrund der Corona-Pandemie — stärker in          zu geben, bleibt eine ständig aktuelle Herausforderung.
24   ZVG-Jahresbericht 2020

                                                                                                 Bildung

                                                                                                 Bildung ist die
                                                                                                 Grundlage für wirt-
                                                                                                 schaftlichen Erfolg.
                                                                                                 Spätestens die Co-
                                                                                                 rona-Pandemie hat
                                                                                                 detailliert gezeigt,
                                                                                                 vor welchen großen
                                                                                                 Herausforderungen
                                                                                                 das Bildungssystem
                                                                                                 und die Bildungsak-
                                                                                                 teure stehen. Es gibt
                                                                                                 viel zu tun.

     Digitalisierung als größte Herausforderung                    wurde die Forderung aufgenommen, auch bei sogenann-
     Der Lockdown und die geschlossenen Berufs- und Fach-          ten flüchtigen Prüfungsleistungen zur Abnahme zwei Prü-
     schulen haben plastisch vor Augen geführt, dass Lehr-         fer zuzulassen. Die geforderte Abnahme durch drei Prüfer
     einrichtungen eine digitale Infrastruktur, administrative     verschärft und verstetigt die wachsenden Engpässe bei
     Kräfte vor Ort und das Know-how in Punkto Anwendung           der Gewinnung von ehrenamtlich tätigen Prüfern – das hat
     und Didaktik brauchen, um die Ausbildung weiterhin qua-       die ZVG-Umfrage bei den Landesverbänden bestätigt.
     litativ gewährleisten zu können. Bereits vor Corona hatte
     der ZVG die Politik darauf hingewiesen, sich mit dem The-
     ma Digitalisierung zu beschäftigen und Lehrer und Aus-        Förderinstrumente für Betriebe
     bilder in die Diskussionen miteinzubeziehen. Wiederholt       Seit 2015 hatte sich der ZVG für eine ganzheitliche Ausbil-
     hatte der ZVG dafür plädiert, die Handlungsempfehlungen       dungsförderung eingesetzt, bundesweit von der Vorberei-
     der Enquette-Kommission im Sommer 2021 im Zuge der            tung über die Unterstützung während der Ausbildung bis
     Novelle des Berufsbildungsgesetzes abzuwarten.                zum Abschluss einer erfolgreichen Ausbildung. Dies wurde
                                                                   insbesondere in 2015 und 2016 im Zuge der „Flüchtlings-
                                                                   krise“ in zahlreichen Gesprächen mit dem Bundesland-
     Berufsbildungsgesetz auf die Schnelle                         wirtschaftsministerium und Vorstandsmitgliedern der
     Trotz zahlreicher Proteste seitens der Arbeitgeber, so auch   Bundesagentur für Arbeit diskutiert. 2020 wurde nun die
     des ZVG, ging es dem Gesetzgeber nicht schnell genug. So      Assistierte Ausbildung als Ausbildungsförderinstrument
     schnell, dass nach dem Inkrafttreten zum 1. Januar 2020       verstätigt – als Teil des Gesetzes zur Förderung der beruf-
     bis heute einzelne Punkte in der Umsetzung nicht geklärt      lichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiter-
     sind. Weiterhin hatte der ZVG mit großem Unmut die for-       entwicklung der Ausbildungsförderung. Damit wurde eine
     mal bedingte Herausnahme des Nachweises beruflicher           langjährige Forderung des ZVG erfüllt. Mit der Assistierten
     Praxis aus der Regelzulassung aufgenommen. Da dies alle       Ausbildung werden Auszubildende vor und während der
     Agrarberufe betrifft, hat sich der ZVG dafür stark gemacht,   Ausbildung – individuell nach ihren jeweiligen Bedürfnis-
     den Unmut aller Agrarverbände dem Gesetzgeber gegen-          sen – unterstützt. Dazu gehören beispielweise Sprach-
     über zu äußern und diesen Punkt bei der geplanten Evalu-      unterricht, Wissensvermittlung in Allgemeinbildung und
     ierung des Gesetzes in 2025 unbedingt zu berücksichtigen.     Fachtheorie, aber auch Hilfen bei Problemen im sozialen
     Als weiterer Punkt in der gemeinsamen Positionierung          Umfeld.
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