Kirche in Lipke - Stiftung Landsberg

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Kirche in Lipke - Stiftung Landsberg
der ehemaligen Kirchengemeinden Landsberg/Warthe Stadt und Land

        In der Nachfolge des Heimatblattes des kirchlichen Betreuungsdienstes von 1947 - 1989,
der Bundesarbeitsgemeinschaft Landsberg von 1990 - 2009 und der Stiftung Landsberg von 2010 - 2012
Dezermber 2016                                                                                 Heft 53

                                     Kirche in Lipke
                                                                                                     1
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Der 30. Januar 2017 in Landsberg

W   ie in jedem Jahr treffen wir uns auch im kommenden Jahr wieder in Landsberg
    zum Tag des Gedenkens und der Versöhnung.
Aus Gorzów wurde uns folgendes mitgeteilt:

                     Rahmenprogramm für den 30.01.2017
                 den Tag des Gedenkens und der Versöhnung:

10:45 - 11:30 Niederlegung von den Kränzen im Lapidarium und auf den
		beiden Friedhöfen
12:00		       Offizieller Beginn der Feier auf dem Platz
14:00		       Artistisches/künstlerisches Programm in der Philharmonie
16:00		       Besuch in der gastronomischen Schule

Bitte reservieren Sie Ihre Unterkunft wieder selbst. Im Hotel Miieszko erhalten wir einen
Sonderpreis. Anschrift: ul. Kosynierow Gdynskich 82, PL 66-400 Gorzów Wielkopolski
Tel.: +48 95 7205051, E-Mail: rezerwacja@hotel-mieszko.pl

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Editorial

In diesem Heft werden Sie mehrere Beiträge zu dem „Generationentreffen im Jin 2016 in Lands-
berg/Gorzów finden. Das Treffen, die Seminare und die Diskussionen waren ein voller Erfolg.
Jugend aus den Schulen in Gorzów und Herford haben intensive Kontakte erlebt. Die Gespräche
mit der Erlebnisgeneration hat viele neue Erkenntnisse ergeben.
Die Beiträge beschreiben das Treffen aus verschiedenen Perspektiven. Die Berichterstattung ist
sehr umfangreich ausgefallen, es sollten aber viele Aspekte behandelt werden. Eine Wiederholung
wird angestrebt, im kommenden Jahr evtl. im Zusammenhang mit einem Stadtfest aus Anlass des
760-jährigen Bestehens der Stadt.
Leider muss wieder berichtet werden, dass die Anzahl unserer Leser weiterhin sinkt. Bitte versu-
chen Sie Nachkommen der früheren Bewohner aus Stadt und Land Landsberg für die Heimat ihrer
Vorfahren zu interessieren. Offen gesagt, es ist auch rin finanzielles Problem, das „Heimatblatt“
fort zu führen. Ihre teils großzügigen Spenden haben es ermöglicht. Dafür ein ganz herzliches
Dankeschön. Ihre Bereitschaft auch in Zukunft am Heimatblatt mitzuwirken, wird entscheidend
sein, diese verbindende Publikation aufrecht zu erhalten. Die Stiftung Brandenburg als Herausge-
ber wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, dieses Ziel zu erreichen.
Aus familiären Gründen erscheint diese Ausgabe erst wenige Tage vor Weihnachten. Hoffentlich
ist die Post schnell genug, allen Lesern dieses Heft noch vor Weihnachten zu bringen.
Ein beschauliches und friedvolles Weihnachtsfest und eine glückliches und gesundes 2017
wünscht Ihnen

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Was war...was wird kommen
Generationentreffen in Gorzów
Bericht zum Generationentreffen / Studienfahrt Herford - Gorzów Wlkp. mit Schülerinnen
des Anna-Siemsen Berufskollegs in Herford, polnischen Schülern und früheren deut-
schen und heute polnischen Bewohnern aus Landsberg a. d. Warthe und Umgebung vom
16.06.2016 bis 20.06.2016

D   as Generationentreffen
    war ein gemeinsames
Projekt der Stiftung Branden-
                                           haben Herr Wolfgang Kuhlmann
                                           (Stiftung Brandenburg /Kreis
                                           Herford) und Herr Jacek Jere-
                                                                             Zukunft als Nachbarn und
                                                                             Partner in einem gemeinsam
                                                                             verantworteten Europa waren

Polnische und deutsche Teilnehmer vor der Friedensglocke

burg in Fürstenwalde und                   micz (Gorzòw) den Ablauf der      das Thema des 31/2 Tage wäh-
des Staatsarchivs in Gorzòw.               Fahrt geplant, organisiert, die   renden Projekts.
Das Seminar wurde gefördert                einzelnen Veranstaltungen mo-     Geschichte der Deutsch-Pol-
durch die Bundesbeauftragte                deriert und die beteiligten Gä-   nischen Beziehungen vom II.
für Kultur und Medien, die Stif-           ste, Zeitzeugen, Schülerinnen,    Weltkrieg an bis in die Gegen-
tung Brandenburg in Fürsten-               Referenten und weitere beglei-    wart, Erfahrungen der Vertrei-
walde und den Kreis Herford                tende Mitarbeitende betreut.      bung und der Umsiedlung in
sowie auch das Herforder                   Schritte der Verständigung,       und um Gorzòw/ Landsberg an
Berufskolleg.                              der Vertrauensbildung und der     der Warthe sowie Gespräche in
Als leitende Verantwortliche               Gestaltung der gemeinsamen        Kleingruppen zwischen deut-

                                                                                                           9
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schen und polnischen Zeitzeu-        miterleben, wie von polnischer      in der ehemaligen Böhmstraße
gen bildeten die Schwerpunkte        Seite und von deutscher Seite       (jetzt ul. 30 Stycznia) an der
des Themas.                          die erste Zeit nach dem Ende        früheren weitläufigen Villa der
Zusammensetzung der Ge-              des II. Weltkrieges empfunden       Landsberger Industriellenfa-
samtgruppe -15 deutsche und          wurde, was alles geschah.           milie Max Bahr vorbei. Diese
die gleiche Anzahl polnischer        Am Nachmittag fand eine             elegante Gebäudeflucht wurde
Jugendlicher.                        Exkursion nach dem früheren         nach dem Krieg sorgfältig re-
Die Lehrer der beteiligten deut-     Stennewitz statt (heute Sta-        stauriert und war dann Sitz des
schen und polnischen Schulen,        nowice) mit der Besichtigung        polnischen Bischofs Wilhelm
von denen je einer beide Spra-       des Instituts: „Zukunftsprojekt –   Pluta. Bischof Pluta war eine
chen beherrschte, waren bei          Gorzówer Technologiezentrum         herausragende Persönlichkeit,
allen Programmpunkten dabei.         GmbH in Stanowice - ein EU-         denn er unterstützte schon früh
Von den Schülern selbst konn-        gefördertes Projekt“. Auch hier     die Versöhnung der polnischen
ten sich einige gut in der jeweils   wieder Neues und Interessantes      Bewohner mit den früheren
anderen Sprache ausdrücken,          für alle Jugendlichen, die Leite-   deutschen Bewohnern der Stadt
aber es ging auch auf Englisch.      rin der Einrichtung führte durch    und empfing in seinen Räumen
Alle Arbeits- bzw. Vortragsein-      die Räumlichkeiten und erklärte     die Vertreter und Mitglieder der
heiten wurden übersetzt. Die         das Konzept des Instituts.          BAG Landsberg. Die Lebensge-
Verständigung klappte also vor-      Im Anschluss an die Heimkehr        schichte dieses Bischofs wurde
züglich. Alle waren mit der guten    aus Stennewitz gemeinsames          den Teilnehmern des Treffens
Verpflegung zufrieden, ebenso        Abendessen und die Möglich-         durch einen hohen Geistlichen
mit der Unterkunft im polnischen     keit, einen ungewöhnlichen Film     aus dem Bistum Grünberg nahe
Schulinternat.                       mit Konzert (oder Konzert mit       gebracht.
Anreisetag war Donnerstag,           Film - wie man es betrachten        Mit dem Abendessen endete
16.06.: im Internat die Zimmer       möchte -) zu sehen/zu hören.        auch dieser mit vielem Neuen
beziehen, etwas ausruhen,            Man muss sich das so vorstel-       gespickte Tag. Die Jugendlichen
erste Zusammenkunft und              len, wie zur Zeit des Stumm-        hatten dann Gelegenheit, die
Begrüßung durch die Schirm-          films ein Klavierspieler je nach    Stadt auf eigene Faust zu er-
herren/Vertreter der beteiligten     Filmszene die entsprechende         kunden. Der letzte Tag - Sonn-
Institutionen, dann gemein-          Musik machte-: hier war es Kla-     tag - diente vormittags der Aus-
sames Abendessen mit ge-             viermusik von Chopin live und       wertung des Seminars und zum
spanntem Kennenlernen - wer          gleichzeitig ein Dokumentarfilm     Ausgleich für die vergangenen
waren die anderen?                   über die Reise einer Raumfähre      intensiv erlebten Tage einem
Am Freitagmorgen ging es             durch das Weltall mit beeindru-     Aufenthalt im Spaßbadzentrum
dann zu „ziviler“ Zeit nach dem      ckenden Bildern von der Erde        „Slowianka“. Dann: gemein-
Frühstück mit dem interes-           und Einblicken in den Tagesab-      sames Abschieds-Mittagessen,
santen aber auch intensiven          lauf der Astronauten. Es war ein    Packen und um 16.00 Uhr
Programm los. Vorträge mit           langer und intensiver Tag!          Abfahrt zurück nach Herford.
anschließenden Diskussionen          Samstagvormittag (ab 10.00          Dank des unermüdlichen Ein-
(alle Texte und Diskussionsbei-      Uhr = auch mal zum Ausschla-        satzes aller Lehrer und Refe-
träge wurden während sofort          fen!) stand auf dem Programm        renten, besonders aber des
übersetzt).                          eine geführte Stadtbesichtigung     Organisators, Leiters und Über-
Besonders schön war auch             für alle Teilnehmer. Die schöns-    setzers - rund um die Uhr bei
die Teilnahme der deutschen          ten und wichtigsten Plätze,         allen Zusammenkünften der ge-
Gäste - ehemalige „Lands-            Straßen, Parks und Gebäude          samten Veranstaltung – Herrn
berger“ - das Programm be-           wurden gezeigt und mit wis-         Mg. Jacek Jeremicz, war das
inhaltete u.a. Gespräche mit         senswerten Kommentaren              Generationentreffen ein Erfolg
polnischen und deutschen             erläutert und, wie schon oben       und auch Anregung für weitere
Zeitzeugen für die Zeit nach         erwähnt, immer alles auch in        Veranstaltungen ähnlicher Art
dem Ende des II. Weltkrieges.        Übersetzung.                        im früheren Ostbrandenburg.
Diese Gespräche, Interviews,         Am Nachmittag gab es noch
waren für die Jugendlichen eine      einmal zwei Vorträge, wobei         Ingrid Schellhaas
ganz besondere Erfahrung. Sie        der zweite Vortrag neu in das       Aus Brandenburgkurier Nr.3
konnten - gemäß ihrer eigenen        Programm aufgenommen                3. September 2016
Aussagen - sozusagen hautnah         wurde. Die Stadtrundfahrt führte

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Das Treffen der Generationen Spotkanie Narodów

Ich heiße Julia Aniśko und        lichen als auch die damaligen      gung zwischen verschiedenen
 bin Schülerin des Zweiten        Einwohner von Landsberg und        Kulturen ist, sondern auch
                                           die Schüler aus Her-      die Kenntnisse der gemein-
                                           ford teilgenommen.        samen Geschichte. Ohne
                                           Das Ziel unseres          Verständnis für gemeinsame
                                           Treffens war gemein-      Vergangenheit konnten unse-
                                           sames Kennenlernen        re Kulturen heutzutage nicht
                                           und das Verstehen         gut zusammen mitarbeiten.
                                           der Geschichte von        Dieses Treffen war eine gute
                                           Deutschland und           Lernerfahrung für mich. Mei-
                                           Polen. Unser Treffen      ner Meinung nach, hatte jede
                                           hat drei Tage gedau-      Person wirklich mindestens die
                                           ert. Wir haben über       Gelegenheit, etwas über die
                                           deutsch-polnische         gemeinsame Geschichte zu
                                           Beziehungen wäh-          lernen. Ich hoffe, dass wir uns
                                           rend des Zweiten          noch treffen könnten.
                                           Weltkrieges diskutiert    Julia Aniśko, Schülerin aus
                                           und hatten die Mög-       dem Zweiten Lyzeum
                                           lichkeiten, persönliche
                                           Erfahrungen, Gefühle      Od 17. do 19. czerwca odbyło
                                           und Emotionen zu          się w Gorzowie Wielkopols-
                                           äußern. Gemeinsam         kim seminarium pod nazwą
                                           mit den Jugendlichen      „Spotkanie Narodów”. W tym
                                           aus Deutschland ha-       spotkaniu brali udział nie tylko
                                           ben wir uns ein Fuß-      polska młodzież ale i dawni
                                           ballspiel Polen gegen     mieszkańcy Landsberga i
                                           Deutschland ange-         niemiecka młodzież z Herfor-
                                           sehen. Das Ergebnis       du. Celem naszego spotkania
                                           dieses Spiels war         było poznanie i zrozumienie
                                           glücklicherweise un-      historii Niemiec i Polski. Nas-
Lyzeums in Gorzów Wielko-         entschieden. Wir haben auch        ze spotkanie trwało trzy dni.
polski. Ich wohne in Polen erst   zusammen unsere Stadt Gor-
seit zwei Jahren; vorher habe     zów Wielkopolski besichtigt
ich mein ganzes Leben in den      und gemeinsam Mahlzeiten im
USA gewohnt. Ich interessiere     Internat des Zweiten Lyzeums
mich für fast alles, das mit      in der Woskowastraße geges-
Kunst verbunden ist. Ich lerne    sen. Während des Treffens
auch Deutsch mit Lust und         hatte ich viele angenehme
Liebe und habe vor, nächstes      Situationen, deutsch-polnische
Jahr in Deutschland zu studie-    Geschichte, deutsche Kultur
ren.                              und neue Leute kennenzu-
Im Juni dieses Jahres habe        lernen. Vorher waren meine
ich am Seminar „Treffen der       Geschichtekenntnisse nicht so
Generationen“ in unserer Stadt    gut, aber während des Tref-
teilgenommen und ich möchte       fens erfuhr ich viele wichtige
von meinen Erfahrungen und        Informationen über damalige
Eindrücken erzählen.              Zeiten von den Zeugen, die im
Vom 17. Juni bis zum 19. Juni     Jahre 1945 in Gorzów Wiel-
fand in Gorzów Wielkopolski       kopolski/Landsberg gewohnt
das Treffen der Generationen      haben. Zum Ende des Tref-          Rozmawialiśmy o stosunkach
statt. An diesem Treffen haben    fens habe ich verstanden, wie      polsko-niemieckich w czasie
sowohl die polnischen Jugend-     notwendig nicht nur Verständi-     II wojny światowej i mieliśmy
                                                                                                   11
możliwość dowiedzieć się          kulturę oraz nawiązać nowe      mienia wspólnej przeszłości
o osobistych przeżyciach,         znajomości. Wcześniej moja      nie mogłyby nasze kultury w
uczuciach i emocjach. Wraz        wiedza na temat historii Gor-   dzisiejszych czasach dobrze
z młodzieżą z Niemiec wspól-      zowa i jego mieszkańców była    ze sobą współpracować. To
nie oglądaliśmy mecz piłki        dostateczna, ale w trakcie      spotkanie było wspaniałym
nożnej Polska - Niemcy. Wy-       spotkania dowiedziałam się      doświadczeniem edukacyjnym.
nik tego meczu na szczęście       wiele o dawnych czasach         Myślę, że każdy uczestnik miał
zakończył się remisem. Ra-        od świadków, którzy w roku      możliwość nauczyć się czegoś
zem zwiedzaliśmy miasto           1945 mieszkali w Gorzowie.      o tej wspólnej historii. Mam
Gorzów i jedliśmy posiłki w       Pod koniec trzydniowego         nadzieję, że jeszcze kiedyś się
Internacie Drugiego Liceum        spotkania, zrozumiałam jak      spotkamy.
na ulicy Woskowej. W trak-        bardzo ważne jest nie tylko     Julia Aniśko, uczennica II Lice-
cie spotkania miałam wiele        zrozumienie różnych kul-        um Ogólnokształcące
możliwości aby poznać polsko-     tur, ale również zrozumienie    im. Marii Skłodowskiej-Curie w
niemiecką historię, niemiecką     wspólnej historii. Bez zrozu-   Gorzowie Wielkopolskim

Bericht zum Generationentreffen/Studienfahrt Herford -
Gorzów Wlkp.
mit Schülerinnen des Anna-Siemsen Berufskollegs in Herford, polnischen Schülern und frü-
heren deutschen und heute polnischen Bewohnern aus Landsberg a. d. Warthe und Umge-
bung vom 16.06.2016 bis 20.06.2016 (Auszug)

Träger bzw. Initiatoren           der deutschen und polnischen    ständigungsarbeit ist in den

D    ie Fahrt ist ein gemein-
     sames Projekt der Stiftung
Brandenburg in Fürstenwalde
                                  Bevölkerung im Anschluss an
                                  den II. Weltkrieg und mit den
                                  geschichtlichen Erfahrungen
                                                                  Bildungsplänen der Schulen in
                                                                  NRW nicht fest verankert. Die
                                                                  Vorkenntnisse der teilneh-
und der Zbigniew Herbert-         der Vertreibung und der Um-     menden Schülerinnen sind im
Wojewodschafts- und Stadtbi-      siedlung in
bliothek in Gorzów Wlkp. Das      und um Gor-
Seminar wird gefördert durch      zòw/Lands-
die Bundesbeauftragte für         berg an
Kultur und Medien, die Stiftung   der Warthe
Brandenburg in Fürstenwalde       beschäftigt.
und den Kreis Herford.            Neben der
Herr Wolfgang Kuhlmann            Aufarbei-
(Stiftung Brandenburg /Kreis      tung der
Herford) und Herr Jacek Jere-     geschicht-
micz (Stiftung Brandenburg/       lichen As-
Gorzòw) haben die beteiligten     pekte steht
Gäste, Zeitzeugen, Schüle-        die Arbeit
rinnen, Referenten und weitere    an der Neu-
begleitende Mitarbeitende         gestaltung
betreut. Herr Jeremicz hat        der deutsch-polnischen Be-      Fach Gesellschaftslehre/Politik
auch die ganze Veranstaltung      ziehungen durch Schritte der    und Geschichte in den letzten
in beiden Sprachen übersetzt.     Verständigung, der Vertrau-     zwei Wochen vor der Fahrt
Thematische Ausrichtung           ensbildung und der Gestaltung   erarbeitet worden. Davor
Das Thema der Studien-            der gemeinsamen Zukunft         waren die Schülerinnen lange
fahrt ist die Geschichte der      als Nachbarn und Partner in     im Praktikum (Erzieherinnen-
Deutsch-Polnischen Bezie-         einem gemeinsam verantwor-      Ausbildung) Deshalb war eine
hungen vom II. Weltkrieg an       teten Europa auf dem Pro-       intensivere Vorbereitung nicht
bis in die Gegenwart. Schwer-     gramm.                          möglich.
punktmäßig hat sich die Stu-      Zielgruppe                      Die Gruppe setzt sich aus 14
dienfahrt mit der Geschichte      Die deutsch-polnische Ver-      weiblichen Teilnehmerinnen

12
und einem Teilnehmer zusam-        Vorfeld nach ihren Motiven der     nah an die Kollegiatinnen
men. Zwölf der teilnehmenden       Teilnahme an der Fahrt be-         heranrückt und dadurch nicht
Schülerinnen streben in drei       fragt. Die meisten gaben an,       vergessen wird.
Jahren den erfolgreichen           sich auf die Auseinanderset-       Die Teilnehmerinnen erfahren
Abschluss der Allgemeinen          zung mit den Berichten der         durch das Vergleichen der
Hochschulreife an. Sie erlan-      Zeitzeugen zu freuen, da           unterschiedlichen Ausfüh-
gen im letzten praktischen         durch die Berichte Geschichte      rungen, dass Geschichte
Jahr die staatliche Anerken-       lebendig werden kann. Außer-       subjektiv erlebt wird. Denn die
nung als Erzieherin. Die teil-     dem wurde ein Interesse an         deutschen wie auch pol-
nehmenden Kollegiatinnen           der Begegnung mit den pol-         nischen Zeitzeugen sowie die
befinden sich in der Mittelstufe   nischen Jugendlichen formu-        Referenten der Vorträge
in der zwölften Klasse.            liert.                             berichten aus unterschied-
Drei der teilnehmenden Schü-       Die Fahrt wurde begleitet von      lichen Perspektiven gemein-
lerinnen haben im April bereits    einer Lehrerin und einem           sam über ein kleines Zeitfen-
                                                         Pastor,      ster in der deutsch-polnischen
                                                         der am       Geschichte.
                                                         ASB          Auf der Grundlage der Erzäh-
                                                         unterrich-   lungen der Zeitzeugen setzen
                                                         tet, sowie   sich die Jugendlichen mit den
                                                         einer        Themen Flucht und Vertrei-
                                                         Referen-     bung im Zusammenhang mit
                                                         darin, die   der Frage - Was bedeutet
                                                         einen        Heimat für mich? -auseinan-
                                                         pol-         der.
                                                         nischen      Durch das Vergleichen von
                                                         Migrati-     Vorstellungen, Gedanken und
                                                         onshin-      Gefühlen entdecken die Ju-
                                                         tergrund     gendlichen Gemeinsamkeiten
                                                         hat und      und Unterschiede. Die Ju-
die Prüfung zur Fachhoch-          sehr gut polnisch spricht.         gendlichen skizzieren durch
schulreife und die theoretische    Ziele                              diese Vorgehensweise ihre
Erzieherinnenprüfung abgelegt      Die Kollegiaten und die Kolle-     regionalen bzw. ‚nationalen‘
und beginnen im August mit         giatinnen lernen polnische und     Identitäten im Kontext globaler
2016 mit ihrem Anerkennungs-       deutsche Zeitzeugen kennen         Offenheit.
jahr in der Praxis.                und hören den Berichten über       Zielereichung
Zwei Schülerinnen haben            das Leben in Landsberg an          Da eine Leistungserhebung
einen polnischen Migrations-       der Wahrte und aus Gorzòw          nicht durchgeführt wurde, kann
hintergrund und sprechen sehr      um 1945 konzentriert zu. Sie       der Grad der Zielerreichung
gut polnisch. Eine Schülerin ist   machen sich Notizen und            nur auf der Grundlage der
gläubige Moslem und trägt ein      fragen nach. Sie strukturieren     erarbeiteten Powerpoint Prä-
Tschador – ein verhüllendes        die Inhalte der Berichte chro-     sentationen und der Äuße-
Kopftuch. Die Schülerinnen         nologisch und stellen die          rungen bzw. mithilfe der bear-
sind zwischen 17 und 32 Jahre      Biografien der Zeitzeugen vor.     beiteten Arbeitsaufträge und
alt.                               Die grausamen Auswirkungen         der Beobachtungen der Be-
Die Teilnahme an der Fahrt ist     eines Krieges werden durch         gleitpersonen durchgeführt
freiwillig. Die zwölf Schüle-      die Darstellung der Zeitzeugen     werden.
rinnen aus der ERZ41 kennen        dergestalt lebendig, dass          Es war für die Schülerinnen
sich bereits seit fast zwei        durch die Interaktion zwischen     nicht einfach, die Berichte der
Jahren. Die drei Schülerinnen      jungen Teilnehmern und alten       Zeitzeugen zu strukturieren
aus der FSP2 ebenfalls seit        Zeitzeugen, die Geschichte als     und chronologisch zu ordnen,
zwei Jahren. Die beiden            gelebte Zeit von ganz ‚norma-      da die Zeitzeugen teilweise in
Gruppen kannten sich vor der       len Menschen‘ wahrgenom-           ihrer Biografie zeitlich und
Fahrt nicht.                       men wird, so dass kein Kom-        inhaltlich gesprungen sind. Die
Die Schülerinnen wurden im         ma das Leid der Zeitzeugen         Schülerinnen haben nachge-

                                                                                                  13
fragt, wenn ihnen etwas unbe-     keiten zur Eigeninitiative und     fehlenden Sprachkenntnisse
kannt oder unverständlich         zu Aufgaben, die für interes-      erschwert. Die Schülerinnen
schien. Geschichtliche Zusam-     sante bzw. interessantere          begründeten das Verhalten der
menhänge, die für die Zeitzeu-    Problemstellungen für Partner-     Schüler der Gastronomieschü-
gen Alltagswissen darstellen,     und Gruppenarbeiten im             ler teilweise mit mangelnder
waren für die Schülerinnen        Hinblick auf gemeinsame            Motivation.
unverständlich, da ihnen das      deutsch-polnischen Lösungen        Die Voraussetzung für das
Kontextwissen fehlte.             mehr Raum bieten.                  Erreichen der gesteckten Ziele
Die Schülerinnen haben sehr       Auf der Grundlage der ge-          sind adäquate Sprachkennt-
konzentriert zugehört und         machten Erfahrungen des            nisse auf beiden Seiten. Das
waren sehr bemüht, die Ab-        Generationentreffens 2016          ASB könnte besonders Schü-
läufe, Handlungen und Zusam-      lässt sich festhalten, dass eine   ler mit polnischen Migrations-
menhänge zu verstehen. Im         nachhaltigere Auseinanderset-      hintergrund ansprechen, die
Gegenzug haben die Zeitzeu-       zung mit der deutsch-pol-          die polnische Sprache beherr-
gen geduldig geantwortet und      nischen Geschichte möglich         schen. Somit wäre die Arbeit in
spezielles Geschichtswissen       ist, wobei die didaktisch-me-      den verschiedenen Arbeits-
nicht als selbstverständlich      thodischen Überlegungen, die       gruppen möglich.
vorausgesetzt. Alle Schüle-       Interaktion und Eigeninitiative    Insgesamt haben die Schüle-
rinnen waren freundlich,          zwischen den deutschen und         rinnen des ASB die Begeg-
hilfsbereit und wertschätzend     polnischen Schülern mehr in        nung mit den Jugendlichen
den Zeitzeugen gegenüber.         den Mittelpunkt rücken sollten.    sehr positiv bewertet und
Die gegenseitige Akzeptanz        Hierzu sind erste Überle-          festgestellt, dass sie ihre
führte zu einer sehr harmo-       gungen zwischen deutschen          eigenen Englischkenntnisse
nischen und effizienten Zu-       und polnischen Lehrern skiz-       verbessern müssen. Sie
sammenarbeit.                     ziert worden.                      haben die Schülerinnen des
In allen drei Arbeitsgruppen      Die Qualität der Begegnung         Lyzeums als ehrgeizig und
haben die Schülerinnen eine       mit den polnischen Jugend-         zielstrebig wahrgenommen
kurze Zusammenfassung der         lichen differenzierten die         und waren beeindruckt von
Ergebnisse erstellt. Auf unsere   Schülerinnen des ASB im            den Lern- und Problemlö-
Nachfragen haben die Schüle-      Hinblick
rinnen die Begegnung mit den      auf die
Zeitzeugen als ein nachhal-       Sprach-
tiges Erlebnis hervorgehoben      kenntnisse
und es sehr bedauert, dass die    und die
Zeit für die Arbeitsgruppen zu    jeweilige
kurz bemessen war. Allerdings     Motivation
muss man dabei bedenken,          der pol-
dass solche auch sehr persön-     nischen
lichen Gespräche für alle,        Jugend-
besonders auch die Zeitzeu-       lichen, sich
gen schon allein aufgrund         mit der
ihres Alters belastend sind und   Situation/
nicht unbegrenzt ausgedehnt       Aufgabe
werden dürfen. Die Vorträge       auseinander zu setzen. Die         sungsstrategien der pol-
der Referenten wurden von         Schülerinnen des Lyzeums           nischen Jugendlichen im
den Schülern insgesamt als        von Gorzòw wurden als hoch-        Hinblick auf Erreichung des
informativ und anregend           motiviert und sehr sprachbe-       Ausbildungsziels. So konnten
empfunden. Der hohe wissen-       gabt wahrgenommen. Das             die Schülerinnen vom Lyzeum
schaftliche Anspruch wurde        Interview mit den Schülerinnen     sehr gut deutsch und englisch,
von den Schülerinnen als          des Lyzeums gestaltete sich        da sie z.B. ein Studium in
anstrengend und nicht immer       von Beginn an für beide Seiten     Deutschland anstreben. Die
als pädagogisch ausgewogen        positiv. Die Durchführung mit      Schülerinnen des ASB haben
erlebt. Die Kollegiatinnen        den Schülern der Gastrono-         im gegenseitigen Interview bei
wünschten sich mehr Möglich-      mieschule wurde durch die          der Frage -Was ist Heimat für

14
dich? – festgestellt, dass es in   des Internats nicht teilgenom-     Das habe ich nicht gewusst…
der polnischen Sprache den         men. Eine zunehmend plurali-       …vieles über die deutsch-pol-
Begriff Heimat nicht gibt.         stische Schülerschaft erfordert    nische Geschichte und Einzel-
Die polnischen Jugendlichen        auch neue Vorstellungen            heiten über das Kriegsende.“
und Lehrer, die Zeitzeugen,        darüber, wie man den unter-        Alexandra
die Moderatoren und Veran-         schiedlichen und vielfältigen      Das habe ich nicht gewusst….
stalter und die pädagogische       Erwartungen sinnvoll begeg-        …,dass die Menschen in
Begleitung vom ASB mit den         nen kann.                          Gorzòw vom Kriegsgeschehen
Schülerinnen haben alle            Marion Prill / Ulrich Schade       wenig mitbekommen haben
Veranstaltungen und Events         Potthoff                           und die Stadt nicht zerbombt
gemeinsam besucht. Auch hier       Kommentare der Schüle-             wurde.“Nicole
gab es immer wieder zwi-           rinnen                             Das habe ich nicht gewusst…
schendurch Gelegenheit, sich       „Der Austausch war super,          …..die polnische Geschichte
zu informieren und Gespräche       leider hatten wir viel zu wenig    kannte ich nur ganz grob. Es
zu führen. Der polnische           Zeit für die, meiner Meinung       war sehr viel Neues dabei und
Deutschlehrer organisierte         nach, wesentlichen Punkten         dadurch war die Fahrt sehr
abends spontan eine Begeg-         (z.B. Austausch mit den Zeit-      anstrengend. Aber toll…“
nung in einem Club was von         zeugen) Pausen wären ange-         Dilara
vielen Jugendlichen gern           bracht gewesen, ein sehr           Deutsch-polnische Bezie-
angenommen wurde.                  vollgestopfter Zeitplan…sonst      hungen – ich nehme folgende
Insgesamt wurde die Fahrt von      super, sehr interessant und        Idee, neue Gedanken oder
allen Beteiligten sehr positiv     wiederholenswert.“                 neues Gefühl dazu mit…
bewertet. Besonders positiv        Alexandra                          „Die Deutschen sollten sich
wurde die polnische Gast-          „Die Gespräche mit den Zeit-       ein Scheibchen von der pol-
freundschaft hervorgehoben,        zeugen waren sehr eindrucks-       nischen Gastfreundschaft
die gute Organisation, das         voll und interessant.“ Dilara      abschneiden.“Nele
umfangreiche und abwechs-          Eine Reise mit Zeitzeugen          Das werde ich meinen Enkel-
lungsreiche Programm und die       in die Vergangenheit ist für       kindern noch erzählen…
komfortable Möglichkeit, alles     mich…..                            …dass ich den Austausch mit
schnell mit dem Bus zu errei-      „als wäre ich dabei gewe-          den Zeitzeugen sehr interes-
chen. Es gab keine Konflikte       sen…“                              sant fand, aber dass wir viel zu
innerhalb der Gruppen oder         Carolin                            wenig Zeit für den Austausch
Auseinandersetzungen der           Das werde ich meinen Enkel-        hatten.“Johanna
beiden Gruppen vom ASB, die        kindern noch erzählen….            Anmerkung: Da 14 Schüle-
sich vorher nicht kannten. Die     …wie der Kindergarten in Gor-      rinnen und ein Schüler mitge-
Schülerinnen haben sich an         zòw strukturiert ist. Carolin      fahren sind, wird aufgrund der
Vereinbarungen gehalten und        „Durch das Generationentref-       Lesbarkeit die weibliche Form
Absprachen umgesetzt. Sie          fen habe ich erneut gelernt        im Text verwendet.
waren immer pünktlich und          und gesehen, Respekt ist
sind sehr rücksichtsvoll mitei-    das Wichtigste auf der Welt -      Verfasst von Marion Prill und
nander umgegangen. Interes-        Fremden gegenüber als auch         Uli Schade-Potthoff (Lehrer
sant für die weitere Jugendbe-     Bekannten…“                        des Anna-Siemsen-Berufs-
gegnungsarbeit ist eine Beo-       Louisa                             kollegs in Herford, wo Ursu-
bachtung – vielleicht nur am       „Die polnischen Jugendlichen       la Hasse-Dresing 21 Jahre
Rande: Die moslemische             haben ähnliche Interessen wie      Schulleiterin war).
Schülerin hat an den Freizeit-     die deutschen Jugendlichen.“
veranstaltungen außerhalb          Hendrik

Generationentreffen (Seminar) in Gorzòw-Landsberg/W.
„Z   eitzeugen gesucht“, so
     der Anruf von Mgr. Jacek
Jeremicz aus Gorzòw 14 Tage
                                   dringend um meine Anwesen-
                                   heit bat. Jacek Jeremicz ist mir
                                   gut bekannt, denn er hat für
                                                                      menarbeit mit Christa Greuling
                                                                      in der Bundesarbeitsgemein-
                                                                      schaft intensiv und begeistert
vor Beginn des Seminars, der       die deutsch-polnische Zusam-       gearbeitet. Er tut es heute

                                                                                                   15
noch für die Stiftung Branden-             pulsiv-Referat“ zum Thema                   Vertriebenen. Bei der anschlie-
burg.                                      „Erzwungene Bevölkerungsbe-                 ßenden Diskussion erfolgten
Um mir in Anbetracht meines                wegung nach 1945 als Folge                  nur vereinzelt Fragen seitens
Alters die Fahrt von Berlin                des II. Weltkriegs“, gehalten               der deutschen Jugendlichen.
nach Gorzòw zu erleichtern,
hat mich Jacek Jeremicz mit
dem Auto aus Küstrin abgeholt
(Danke!).
Donnerstag, den 16.6.2016:
Am Nachmittag fand nach
Anwesenheit aller angereisten
Teilnehmer inklusive „Ehe-
maliger“, Herr Reso und Herr
Gablowski, die Begrüßung in
der Stadtbibliothek Gorzòw
(ehemals Lehmann-Villa, Kü-
striner Straße) statt.
Zunächst stand das Sehen
und Kennenlernen der Ju-
gendlichen aus dem „Anna-
Siemens-Berufskolleg“ aus                  von links: Projekt-Initiator Jacek Jeremicz, Brigitte Brandenburg, Werner Gablowsky,
Herford und den Jugendlichen               Ingrid Schellhaas, Frau Gablowsky, Hans-Jürgen Reso mit Frau, Wolfgang Kuhlmann (im
                                           Hintergrund)
aus Gorzòw im Vordergrund.
Der überwiegende Teil der                  von Dr. Dariusz Rymar, Leiter               Zu dem Thema „Erinne-
Jugendlichen machte insbe-                 des Staatsarchivs in Gorzòw.                rungen an die Ereignisse
sondere in Anbetracht des                  Ich vermisste jedoch die sach-              1945“ wurden die Teilnehmer
vielseitigen Programms einen               lich gestraffte Ausführung und              in drei Gruppen aufgeteilt,
interessierten Eindruck. Die               empfand die Ausweitung des                  denen jeweils ein polnischer
Herforder Schüler waren in                 Themas als subjektiv.                       und ein deutscher Zeitzeuge
dem Internat untergebracht,                Das zweite Referat „Das Le-                 beiwohnten. Die Zeitzeugen
das zum II. Lyzeum in der                  ben in Gorzòw/Landsberg/W.                  wurden nach ihrem Leben in
ehemaligen Knabenvolksschu-                in den ersten Nachkriegsjah-                Landsberg bis zur Flucht 1945
le II in der Küstriner Straße              ren“ hielt Mgr. Monika Ko-                  befragt, einschließlich ihrer
                                                                                       Erlebnisse und Empfindungen,
                                                                                       die die Flucht ausgelöst hat.
                                                                                       Die polnische Zeitzeugin in
                                                                                       meiner Gruppe berichtete
                                                                                       von der Vertreibung durch die
                                                                                       Russen aus Ostpolen und die
                                                                                       Ankunft in Gorzòw. Sowohl die
                                                                                       deutschen als auch die pol-
                                                                                       nischen Jugendlichen nahmen
                                                                                       die Berichte beider Seiten mit
                                                                                       großem Interesse auf. In vie-
                                                                                       len Gesichtern sah ich Erstau-
                                                                                       nen und Empfindungen bei
                                                                                       der Verarbeitung dessen, was
                                                                                       ihnen vorgetragen wurde.
                                                                                       Zu dem Thema „Zukunftspro-
BWL-Klassenraum in der Gastronomieschule
                                                                                       jekt – Gorzower Technologie-
gehörte. Hier wurden auch alle             walska, Leiterin der Abteilung              zentrum GmbH in Stanowice
Mahlzeiten während des vier-               Geschichte im Regionalmu-                   (Stennewitz) – ein EU-geför-
tägigen Seminars gereicht.                 seum Gorzòw. Sie berichtete                 dertes Projekt; Besichtigung
Freitag, den 17.6.2016:                    über die Lebenssituation der                und Diskussion“ wurden wir
Es begann mit einem „Im-                   ankommenden polnischen                      mit dem Bus nach Stennewitz

16
(zwischen Dühringshof und          Den Abschluss des Tages         kommen“. Bezogen auf das,
Liebenow) gefahren. Die mär-       genossen wir in der Gorzower    „Was war“, gab es leider
kische Waldlandschaft war für      Philharmonie bei einem Kla-     keine ausreichenden Infos
die Herforder „Neuland“ und        vierkonzert unter dem Motto     über Industrie, Forschung und
                                                                   Kultur in Landsberg. Da die
                                                                   Herforder Jugendlichen ein
                                                                   Berufskolleg besuchen, wä-
                                                                   ren sicher Hinweise auf diese
                                                                   Zweige der Vergangenheit
                                                                   aufklärend gewesen. Nur Na-
                                                                   mensnennungen boten keine
                                                                   Vermittlung, das Vorbeifahren
                                                                   an erhaltenen Gebäuden wäre
                                                                   wünschenswert gewesen.
                                                                   Anschließend besuchten wir
                                                                   die Gastronomieschule, ein
                                                                   gefördertes Projekt der ehe-
                                                                   maligen Bundesarbeitsge-
                                                                   meinschaft (L.a.W.). Die Bilder
                                                                   von Ursula Hasse-Dresing und
                                                                   Christa Greuling empfingen
Labor im Gorzower Technologiezentrum in Stennewitz                 uns am Eingang zu dem Klas-
begeisterte sie.                   „Die Vision von Chopin im       senraum für BWL. Polnische
Mgr. Ursula Stolarska, Ge-         Kosmos“. Das dort gezeigte      Schüler klärten mit Unter-
schäftsführerin und Vorstands-     Video von der Erde aus der      stützung von Videos über die
mitglied des Technologiezen-       Sicht von Astronauten stand     Arbeit an der Schule auf.
trums, führte die Teilnehmer       mit thematisch passenden        Am letzten Tag des Seminars
mit Erklärungen durch die          Musikstücken sehr gut im        war ich leider nicht mehr zu-
Räume. Umwelttechnologie           Einklang.                       gegen und konnte die Auswer-
steht im Vordergrund sowie         Sonnabend, den 18.6.2016:       tung mit den Ergebnissen nicht
Forschung und Anwendung            Auf dem Programm stand eine     mitverfolgen.
wie z. B. die Verarbeitung flüs-   Stadtrundfahrt mit dem Gor-     Mein besonderer Dank geht
siger Abfälle (Klärschlamm),       zower Regionalhistoriker Mgr.   an Mgr. Jacek Jeremicz, dem
Elektromüll u. a. Ein Jugend-      Ryszard Bronisz, die mich       Initiator für dieses Projekt, und
forschungszentrum ist auch         allerdings sehr enttäusch-      an all jene, die es unterstützt
eingerichtet und heißt „Klub       te. Das Motto des Seminars      haben.
der jungen Erfinder“.              war ja „Was war…was wird        Brigitte Brandenburg

Interview mit Jeremicz
Jacek Jeremicz befasst sich seit 20 Jahren aktiv mit den deutsch-polnischen Beziehungen.
Er betreute über viele Jahre u.a. die Zusammenarbeit zwischen den ehemaligen Landsber-
gern und der Stadt Gorzów. Er war für die Gestaltung und Umsetzung des Projektes „Ge-
schichte der deutsch-polnischen Beziehungen im II. Weltkrieg - Folgen und Ereignisse“ im
Auftrage der Stiftung Brandenburg verantwortlich. Er ist Mitglied des Stiftungsrates der
Stiftung Brandenburg.
Email: j.jeremicz@onet.eu
Das Heimatblatt sprach mit ihm über dieses Projekt in Gorzów.

Karl-Heinz Wentzell: Im Juni       Jacek Jeremicz: 1974 ist in     Warthe fusionierte. Eines der
fand in Landsberg/Gorzów ein       Stuttgart die Stiftung Bran-    Hauptziele der Stiftung ist
deutsch-polnisches Treffen         denburg ins Leben einbe-        die Unterstützung und Anre-
statt. Wer hatte dazu eingela-     rufen worden, mit der 2013      gung der deutsch-polnischen
den?                               die Stiftung Landsberg/         Zusammenarbeit zwischen
                                                                                                 17
den Jugendlichen aus beiden
Ländern. Bei vielen Gesprä-
chen mit dem Kurator der
Stiftung Brandenburg – Herrn
Karl Christoph von Stünzner-
Karbe sowie den Mitgliedern
des Stiftungsrates, darunter
dessen Vorsitzenden Frau
Ingrid Schellhaas sowie Herrn
Wolfgang Kuhlmann, an denen
ich teilnahm, ist die gemein-
same Idee entstanden, ein
Treffen mit den Jugendlichen
aus Polen und Deutschland
zu organisieren. Es sollte
aber auch die Möglichkeit für
die ehemaligen Landsberger
sein, ihre Heimat im Sommer
besuchen zu können. 2015           Während des Seminars - Kurator u. Projektleiter bei der Seminareinleitung
sind leider zwei bedeutende
                                   ses Pilotprojekt in Gorzów als               des II. Weltkrieges und seiner
Landsberger Persönlichkeiten
                                   Generationentreffen, weil an                 Folgen.
– Ursula Hasse-Dresing und
                                   der Veranstaltung die Jugend-                K-H. W.: Wie stark war die Ge-
Christa Greuling verstorben,
                                   lichen aus drei Gorzówer wei-                neration, die die Kriegsjahre
denen es sehr an der Zu-
                                   terführenden Schulen, nämlich                noch erlebt haben vertreten?
sammenarbeit zwischen den
                                   aus dem I. und II. Lyzeum und                J.J.: Es ist nicht mehr so
Jugendlichen aus beiden
                                   der Gastronomieschule und                    einfach die Generation, die die
Ländern gelegen war, weil, wie
                                   dem Anna-Siemsen-Berufs-                     Kriegsjahre erlebt hat wirksam
Sie immer sagten, die Jugend
                                   kolleg in Herford teilnahmen.                einzuladen. Das sind Men-
unsere Zukunft ist. So hat
                                   Diese Gorzówer Schulen ha-                   schen, die ihr sehr würdiges
sich die Stiftung Brandenburg
                                   ben in den vorigen Jahren eine               Alter erreichten und oftmals,
bereit erklärt, Träger dieser
                                   Förderung für ihre Projekte                  was die ehemaligen Lands-
Veranstaltung zu sein. Sie
                                   von der Bundesarbeitsgemein-                 berger angeht weit weg in
beauftragte dann Wolfgang
                                   schaft Landsberg/Warthe Stadt                Deutschland leben und weiten
Kuhlmann, der über 30 Jahre
                                   und Land e.V. bzw. später den                Weg nach Gorzów antreten
als Mitarbeiter der Kreisver-
                                   Stiftungen Landsberg sowie                   müssen. Ähnlich ist der Fall
waltung Herford im Auftrag der
                                   Brandenburg erhalten. Anna-                  auf der polnischen Seite,
Landräte die internationalen
                                   Siemsen-Berufskolleg in der                  obwohl sie in Gorzów oder
Kontakte des Kreises, mitunter
                                   Gorzówer Partnerstadt Herford                der unmittelbaren Umgebung
mit Gorzòw aktiv gestaltete
                                   ist die Schule, wo Frau Hasse-               leben, sind sie leider oftmals
und begleitete und mich mit
                                   Dresing 21 Jahre Schulleiterin               in keiner guten Verfassung
der Organisation und Umset-
                                   war. Sie würde sich bestimmt                 mehr. Es ist mir aber gelun-
zung der Veranstaltung. Die
                                   freuen, dass die SchülerInnen                gen, die Teilnahme von sechs
Schirmherrschaft über diese
                                   aus Ihrer Schule jetzt nach                  Zeitzeugen zu gewährleisten,
Veranstaltung wurde von dem
                                   Gorzów kommen und die                        jeweils drei von jeder Seite.
Herforder Bürgermeister – Tim
                                   Kontakte mit ihren polnischen                Somit konnten wir im Seminar
Kähler, Gorzówer Stadtpräsi-
                                   Freunden pflegen. Zur Teilnah-               drei gemischte Arbeitsgrup-
denten – Jacek Wójcicki sowie
                                   me am Projekt wurden auch                    pen mit den deutschen und
Dr. Priester Grzegorz Cyran
                                   die ehemaligen Landsber-                     polnischen Jugendlichen und
– Leiter des Institutes Bischof
                                   ger sowie die Polen aus den                  den Zeitzeugen gründen, wo
Pluta in Gorzów.
                                   ehemaligen polnischen Ost-                   sie über ihre die Erfahrungen
K-H. W.: Sie nennen es „Ge-
                                   gebieten, die nach dem Krieg                 und Erlebnisse während des
narationentreffen“. Bitte erläu-
                                   ihre neue Heimat in Gorzòw                   II. Weltkrieges und unmittelbar
tern Sie uns: wer hat daran
                                   gefunden haben. Sie sind die                 danach berichten konnten. An
teilgenommen?
                                   Zeitzeugen der Ereignisse                    der Stelle gilt mein herzlichster
J.J.: Wir bezeichneten die-

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Dank an all die Zeitzeugen, die       Bevölkerung waren, d.h. was       den Jahren 1945/46 geurteilt?
daran teilgenommen haben,             die Polen im Krieg und die        J.J.: Dieses Thema wurde
insbesondere an die, die den          Deutschen danach erlebten.        in den gemischten Arbeits-
sehr weiten Weg auf sich              Alle Seminarteilnehmer haben      gruppen diskutiert, wo die
genommen haben und trotz              erstmal dem geschichtsträch-      deutschen und polnischen
mancher Strapaze nach Gor-            tigen Vortrag von Herrn Prof.     Zeitzeugen über ihre Erleb-
                                                                        nisse berichteten. Sie wurden
                                                                        dazu von den Schülern auch
                                                                        befragt. Die Aussagen der
                                                                        Zeitzeugen waren natürlich
                                                                        unterschiedlich, so wie ihre
                                                                        Schicksale, die sie erlebten.
                                                                        Sie waren damals Kinder und
                                                                        oftmals bekamen von dem
                                                                        Krieg nichts mit. Für sie als
                                                                        Kinder war die Kriegszeit in
                                                                        dem damaligen Landsberg/
                                                                        Warthe eher eine unbeschwer-
                                                                        te Zeit, wie sie sagten.
                                                                        Die Deutschen, die die Stadt
                                                                        teilweise schon im Januar
                                                                        auf Grund des Russlandsein-
Arbeit mit den Zeitzuegen in den AG                                     marsches verlassen muss-
                                                                        ten, berichteten über ihren
zów kamen.                            Rymar aufmerksam zugehört         schwierigen Weg nach dem
K-H. W.: In Seminaren wurde           und anschließend wurde im         Westen, wo sie teilweise als
über „Die erzwungene Bevöl-           Plenum aber auch in den Ar-       Fremdlinge ihr neues Zuhause
kerungsbewegung nach 1945“            beitsgruppen lebhaft darüber      suchen mussten. Dabei hat
diskutiert. Bitte schildern Sie       diskutiert. Ich finde es bemer-   ihnen oftmals die im deut-
uns Ihre Eindrücke über die           kenswert, wie offen und be-       schen Westen lebende Familie
Aussagen zu diesem Thema              wusst über diese schwierigen      geholfen. Es war für sie aber
aus polnischer und deutscher          Ereignisse diskutiert wurde,      eine schwierige Zeit, wo sie
Sicht.                                zumal man ohne dieses Wis-        oftmals um das Überleben
J.J.: Das Motto des Semi-             sen, sich schwierig die bei-      kämpften mussten. Die Polen,
nars war die Geschichte, die          derseitigen gutnachbarschaft-     die in die Stadt im März 1945
Gegenwart und die Zukunft.            lichen Beziehungen gestallten     kamen, zogen in die von den
Somit wurde im Rahmen der             ließen. Mich hat besonders        Deutschen verlassenen Woh-
Geschichte des II. Weltkrieges        eine Aussage von einem der        nungen ein und übernahmen
das Thema der erzwungenen             polnischen Schüler bei der        oft ihre sehr gut ausgestattete
Bevölkerungsbewegung ange-            Seminarauswertung fasziniert.     Werkstätte. Einer der pol-
sprochen, darunter die Frage          Er sagte nämlich, dass das        nischen Zeitzeugen berich-
der deutschen und polnischen          jetzige Verhältnis zwischen       tete darüber, wie sein Vater
Zwangsumsiedlung und Ver-             Deutschland und Polen, wo         eine komplett ausgestattete
treibung. In diesem Zusam-            beider Völker aus Feinden zu      Friseurwerkstatt im Frühjahr
menhang wurden vom Prof.              Freunden geworden seien, ein      1945 übernahm und seitdem
Dariusz Rymar – Leiter des            Wunder sei, das sich andere       das erste Friseursalon damals
Gorzówer Staatsarchivs die            Länder in der Welt abgucken       in der Stadt betrieb. Die in der
Ereignisse des Warschauer             sollten. Ich denke das ist die    Stadt gebliebenen Deutschen
Aufstandes geschildert, damit         beste Zusammenfassung der         und die angekommenen Polen
vor allem die jungen Men-             Diskussion über diesen The-       haben sich auch oft gegensei-
schen es besser verstehen             menkomplex.                       tig geholfen. Die im Sommer
können, was die Gründe die-           K.-H. W.: Wie wurde über die      durchgeführte Vertreibung
ser erzwungenen Bewegung              Situation der „ersten“ Polen      der Deutschen war für sie
der deutschen und polnischen          und der „letzten“ Deutschen in    dagegen sehr hart, weil sie

                                                                                                     19
innerhalb von einer kurzen Zeit    •   Veranstaltung von drei          rellen sowie Bildungsaspekte.
ihre Wohnungen und Häuser              Bundestreffen der Lands-        Somit waren wir gemeinsam
verlassen und sich auf den             berger in Gorzòw (2000,         in der Gorzówer Philharmonie
Weg ins völlig Unbekannte              2002, 2007),                    in einem modernen Konzert
und Fremde machen mussten.         • Gemeinsame Erarbeitung            „Die Vision von Chopin im
Manche von denen haben                 und Veröffentlichung von        Kosmos“, das allen sehr gut
diesen Weg auch nicht mehr             vielen Publikationen und        gefiel. Wir besuchten auch
überlebt, worüber die Zeitzeu-         Ausstellungen,                  das unweit der Stadt gelegene
gen berichteten. Alle waren        • Förderung der Gorzówer            „Gorzówer Technologiezen-
sich darüber einig, dass es für        Schulen,                        trum“. Ein EU-gefördertes
beide Seiten eine sehr schwie-     • Einweihung der Friedens-          Entwicklungs- und Produkti-
rige Zeit war.                         glocke (2006).                  onszentrum, das in den letzten
K.-H. W.: Die Annäherung in        Aufgrund dieser Begeg-              zwei Jahren von ca. 15 Tsd.
den letzten Jahrzehnten des        nung mit der Geschichte der         Jugendlichen im Rahmen
vorigen Jahrhunderts hatte zur     deutsch-polnischen Zusam-           des dort geführten „Klubs des
Folge, dass viele persönliche      menarbeit in der Stadt Gorzów       jungen Erfinders“ besucht wur-
Treffen von Polen und Deut-        in Form von Projekten wurde         de. Im Rahmen dieses Klubs
schen stattfanden. Wie wurde       die bisher geleistete Versöh-       nehmen dort Jugendliche an
diese Zeit der Aussöhnung          nungsarbeit von den Semin-          den chemischen, physischen
beurteilt?                         arteilnehmern sehr positiv und      und kybernetischen Expe-
J.J.: Die Veranstaltung fand       nachahmungswürdig beurteilt.        rimenten teil, die sie auch
genau in dem 25. Jahrestag         K.-H. W.: Die Veranstaltung         selber unter den Profidozenten
der Unterzeichnung „des Ver-       stand besonders im Zeichen          gestalten sowie durchführen.
trages über die gutnachbar-        der Begegnungen Jugend-             Der Besuch wurde sehr positiv
schaftliche und freundschaft-      licher. Bitte sagen Sie uns         beurteilt.
liche Zusammenarbeit“ statt,       etwas über die Stimmung in          Es wurde auch eine Freizeit
der zwischen den beiden Staa-      dieser Gruppe. Welche ge-           vorgesehen, die u.a. ge-
ten 1991 unterzeichnet wurde.      meinsame Veranstaltung der          meinsam in dem Gorzówer
Dieser Vertrag hat innerhalb
der 25 Jahre die Beziehungen
zwischen Deutschland und
Polen sehr positiv verändert
und er bleibt nach wie vor sehr
aktuell in seinen Ansätzen. Er
bewegte und regte sehr viel
an, was man heute in Gorzów
an vielen Stellen sehen kann.
Ich meine hierbei die gemein-
samen Projekte, die in den
letzten 20 Jahren in der Stadt
umgesetzt wurden. Die mei-
sten von denen wurden den
Seminarteilnehmern während
der gemeinsamen Stadtrund-
fahrt präsentiert. Das sind bei-
spielweise folgende Projekte:
Wiederaufbau des Paucksch-         Konzertbesuch in der Philharmonie
brunnens (1997),
• Gemeinsame deutsch-              jungen Generation fanden statt      Sport- und Spaßbadzentrum
    polnische Gestaltung und       und wie wurden diese ange-          „Słowianka“ verbracht wurde.
    Begehen des Gorzower           nommen?                             Die Gorzówer Jugendlichen
    Gedenk- und Versöh-            J.J.: Das Programm des Se-          zeigten ihren deutschen
    nungstages (ununterbro-        minars beinhaltete neben den        Freunden auch die Stadt zu
    chen seit 1995),               geschichtlichen auch die kultu-     Fuß. All diese Freizeit- sowie

20
Bildungsaktivitäten kamen bei     Entwicklungen?                    verstehen. Das sind wiederum
allen Teilnehmern sehr gut        J.J.: Die Grundlage für das       die Voraussetzungen dafür,
an. Die Zeit für die Freizeit-    Seminar war seine Authenti-       dass man gemeinsam die Zu-
aktivitäten, die die deutschen    zität. Somit wurden zu dieser     kunft gestalten und den Frie-
und polnischen Jugendlichen       Veranstaltung Zeitzeugen          den in Europa gewährleisten
zusammen verbringen konn-         eingeladen, die den Krieg         kann. Die Jugendlichen kön-
ten, wurde als etwas zu kurz      überlebten und mit seinen Fol-    nen die besten Träger dieser
eingeschätzt. Die Veranstal-      gen oft zu kämpfen hatten. Sie    Friedensbotschaft sein, wenn
tung wurde aber durch den         versuchten ihre Erfahrungen       man ihnen nur Möglichkeiten
                                                                    für gemeinsame Begegnungen
                                                                    schafft, was das Seminar in
                                                                    Gorzów eindeutig zeigte.
                                                                    K.-H. W.: Wird es in abseh-
                                                                    barer Zeit eine Fortsetzung
                                                                    oder Wiederholung dieser
                                                                    Art von Treffen auf regionaler
                                                                    Ebene geben?
                                                                    J.J.: Die Stadt Gorzów wird im
                                                                    nächsten Jahr ihr 760. Grün-
                                                                    dungsjubiläum feiern. Es wird
                                                                    bestimmt eine Reihe feierlicher
                                                                    Veranstaltung geben, die einen
                                                                    würdigen Rahmen dazu bilden
                                                                    werden, deutsch-polnische
                                                                    Begegnungen dieser Art zu
                                                                    organisieren. Das könnte si-
                                                                    cherlich eine Bereicherung der
                                                                    Feierlichkeiten sein. Ich weiß
Seminarauswertung
                                                                    aber, dass einige Teilnehmer
Bundesbeauftragten für Kultur     und Lebensweisheiten den          des diesjährigen Seminars,
und Medien sowie den Kreis        Jugendlichen aus Gorzów und       das ein Pilotprojekt dieser Art
Herford gefördert, somit muss-    Herford, den Partnerstädten       in Gorzów war, bis heute in
te man bestimmte Kriterien        zu vermitteln, was von einer      Kontakt bleiben und öfter mal
erfüllen, so dass den Förder-     Herforder Schülerin in einem      über Facebook kommunizie-
richtlinien Rechnung getragen     Interview als „total schön“       ren. Das ist der beste Beweis
wird. Und das ist auch gelun-     bezeichnet wurde. Ich denke,      dafür, dass es eine gelungene
gen, weil das Projekt in der      das zeigt wie wichtig es ist,     Veranstaltung war, wenn bis
eingereichten Form gefördert      Veranstaltungen dieser Art zu     heute feste Freundschaften
und anschließend die Abrech-      organisieren, damit man über      als eins der Projektergebnisse
nung bestätigt wurde.             schwierige Fragen der Ge-         bestehen.
K.-H. W.: Welche Wünsche          schichte beider Länder spre-      K.-H. W.: Ich danke Ihnen für
und Empfehlungen kamen aus        chen kann. Durch die Aufklä-      das interessante Gespräch
den Reihen der Teilnehmer für     rung dieser Fragen kann man       und wünsche viel Erfolg bei
die zukünftige lokalpolitische,   die Toleranz füreinander schaf-   den weiteren Projekten.
ökonomische und menschliche       fen und die komplizierte Ge-
Entwicklung der beiderseitigen    schichte beider Länder besser

Kulturprojekt in Gorzów
D   ie Publikation“ Landsberg/
    Gorzów – Miejscepamięc
Gedenkstätte“ ist Ergebnis
                                  „Landsberg an der Warthe /
                                  Gorzów Wielkopolski - Ge-
                                  denkstätte. Deutsch-polnische
                                                                    delt wurden“. Dieses Projekt
                                                                    wurde zwischen dem 18.
                                                                    Oktober und dem 29. No-
eines deutsch-polnischen          Treffen mit Zeitzeugen, die       vember 2014 in Gorzów, im
kultur-kulinarischen Projektes    nach 1945 zwangsumgesie-          Restaurant Łubu Dubu mit

                                                                                                   21
der finanziellen Unterstützung   alle Zerstörungen, verbrannte      Herbert Schimmel.
von dem Europäischen Fonds       Hauser, Ruinen... aber hier        Es ist das Jahr 1945. Der
für regionale Entwicklung im     wurde nicht gekämpft, ich erin-    Krieg geht zu Ende. Immer
Rahmen des opera-
tionellen Programms
„grenzüberschreiten-
de Zusammenarbeit
Polen (Woiwodschaft
Lubuskie) - Branden-
burg 2007-2013, Fonds
für Kleinprojekte und
Projektnetzwerk des
Euroregions Pro Euro-
pa Viadrina.
Während der kultur-
kulinarischen Begeg-
nungen „am Tisch“,
die Teilnehmer hatten
die Gelegenheit die
Schicksale von vier
Hauptpersonen ken-
nen zu lernen - zwei
Polen: Zofia Nowa-
kowska und Waldermar
Świątkiewicz und zwei
Deutschen: Herbert Schimmel      nere mich an Richtstraße. Wir      mehr Dörfer werden von der
und Peter Becker. Für diese      waren dort oft mit den Kindern     sowjetischen Armee besetzt.
Personen wurde Landsberg/        umzugucken, wo wir etwas           Sie kommen auch nach Zanzin
Gorzów nach 1945 zu einem        zum Essen finden. Wir haben        (jetzt Santocko) - Heimatdorf
außergewöhnlichen Ort, der       gesehen, was geschehen ist.        und in der Nähe von Lands-
ihren Lebenslauf für immer       Die Stadt wurde sehen von          berger. Herbert ist damals 10
verändert hat.                   der sowjetischen Armee be-         Jahre alt und versteht nicht
Herbert Schimmel                 setzt. Die Wohnungen wurden        ganz, was geschieht. Hier, im
Nach dem Krieg sagte man,        geplündert und dann wurde          ruhigen Dorf im Ostdeutsch-
                                                        Feuer       land, war das Echo des
                                                        gelegt.     Krieges kaum hörbar. Ganz
                                                        Auf         einfach, im Laufe der Zeit wer-
                                                        diese       den die Gefallenenlisten in der
                                                        Art und     Zeitung immer länger und die
                                                        Weise       Erwachsenen sprechen leise
                                                        wurde       über „ernste Sachen“ also
                                                        ein         dass die Zahl der Bekannten
                                                        Haus        und Nachbarn, die nicht mehr
                                                        nach        nach Zanzin zurückkehren,
                                                        dem         immer größer wird...
                                                        ande-       Der Krieg
                                                        ren         Herbert hat Ende Februar
                                                        zerstört.   1945, mit dem Ankommen der
                                                        Es hat      Sowjetarmee, zum ersten Mal
                                                        mich        persönlich mit dem Krieg zu
                                                        sehr        tun. Die Dörfer von Landsberg
                                                        bewegt      bis Küstrin (jetzt Kostrzyn nad
dass in Landsberger gekämpft     und ich habe diese Erinnerung      Odrą) besetzt die Rote Ar-
wurde - und daher kommen         heute noch vor Augen - erzählt     mee. Alle Einwohner werden

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evakuiert. Auch Herbert und       immer. Zanzin/Santocko wird       jak najczęściej.
seine Familie. Sie kommen         eine Erinnerung.                  Zum ersten Mal konnte ich
nach Landsberg. Sie wurden        Der junge Herbert versteht        aus dem Gesichtspunkt eines
in der heutigen Kosynierów        nicht, warum alles sich so        Deutschen hören, wie er sieht,
Gdyńskich untergebracht. Sie      verändert hat. Herbert, der       beurteilt und sich an diese
wohnen hier 3-4 Wochen. Sie       fast 80 Jahre alt ist, weiß es.   Tragödie, die Zeit des zwei-
beobachten den Verfall der        Manchmal fühlt er deswegen        ten Weltkriegs und spätere
Stadt. Plünderungen. Inbrand-     Traurigkeit, Sehnsucht, aber er   Umsiedlungen erinnert. Wir
setzungen. Transporte der         fühlt keinen Groll. - Das, was    sprechen von dem Krieg und
deutschen Familien nach We-       passiert ist, kann man nicht      seinen Konsequenzen immer
sten. Der Großvater beschließt    ändern und das Leben geht         aus unserer, polnischer Per-
endlich: Ich kehre zurück! Und    weiter. Man muss leben und        spektive. Wir bedenken nicht,
dann kommen sie „für eine         sich nicht mit Wut vergiften -    wie sich die Deutschen gefühlt
Weile“ nach Zanzin.               sagt er lächelnd.                 haben, als sie von heute auf
Sie bleiben noch ein paar         Anna Cyąsłka                      morgen alles lassen und ins
Jahre nach dem Krieg im Dorf.     Po raz pierwszy mogłam            Unbekannte fahren mussten.
Sie bestellen das Feld. Sie       usłyszeć z perspektywy Niem-      Die Stimmung war toll. Das
machen Hauseingemachtes.          ca, jak widzi, pamięta i ocenia   Essen auch. Meiner Meinung
Es gelingt Ihnen ein Gleich-      tę tragedię: czasy II wojny i     nach sollte man solche Veran-
gewicht zu finden, zwischen       późniejszego przesiedlenia.       staltungen öfters organisieren.
denen, die hiergeblieben sind,    Zawsze mówimy
weil man sie brauchte - bei       wojnie i jej konsekwencjach       Die vorstehenden Ausschnitte
den Feldarbeiten, in Ämtern, in   tylko z naszej, polskiej per-     wurden der Broschüre ent-
Fabriken und Polen, die hier-     spektywy. Nie zwracamy uwagi      nommen. Das Projekt wurde
her aus Zentralpolen kamen        na to, jak czuli się Niemcy,      im Rahmen der ETZ finanziell
oder die, die aus Gebieten        kiedy z dnia na dzień musieli     unterstützt und fand unter dem
umgesiedelt wurden, die nach      wszystko zostawić                 ehrenamtlichen Patronat des
dem Krieg von der Sowjetuni-      przenieść się w nieznane.         Konsulats der Bundesrepublik
on eingezogen wurden.             Atmosfera była fajna. Jedzenie    Deutschland, Wrocław statt
Mitte der 50-er Jahre ver-        też. Uważam, że takie spotka-
lassen sie ihr Heimatdorf für     nia powinny być organizowane

Brandenburgischer
Archivpreis
A   usgezeichnet wurde die Stiftung
    Brandenburg - Haus Branden-
burg mit dem
  Brandenburgischen Archivpreis
                 2016
für die Sicherung, Übernahme,
Erschließung und Nutzbarmachung
überlieferten Schriftguts aus Heimat-
stuben und privaten Nachlässen.
Der Brandenburgische Archivpreis
wird alle zwei Jahre vom Verband
deutscher
Archivarinnen und Archivare e.V.
(Landesverband Brandenburg) ver-
geben.
Auch die Märkische Oderzeitung
interessierte sich dafür. Am 18. Mai
2016 erschien ein Artikel dazu in der
MOZ. (s.a. HB 52, S. 9)

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Ehrenpreis
D  en Ehrenpreis 2016 der Stif-
   tung Brandenburg und des
Freundeskreises e. V. erhielt

     Frau Ingrid Schellhaas

für ihr langjähriges, beispiel-
haftes, mit großem ehrenamt-
lichem Engagement erfolgreich
betriebenes Eintreten um die
Bewahrung der Kultur und
Geschichte des ostbrandenbur-
gischen Vertreibungsgebietes
und ihre Verdienste um die
deutsch-polnische Verständi-
gung.
Die Laudatio hielt Herr Hasso
Freiherr von Senden, Vorsitzen-
der des Freundeskreises e. V.

Stftungsrat
E  rgebnis der Wahlen des neuen Stiftungsrats (Amtszeit 3 Jahre):

Alphabetisch geordnet
•   Jacek Jeremicz, Gorzów
•   Dr. Wolfgang Kessler, war bis vor kurzem Leiter der Martin-Opitz-Bibliothek, Herne
•   Wolfgang Kuhlmann, Vlotho
•   Ingrid Schellhaas, weiterhin Vorsitzende des Stiftungsrats
•   Herbert Schimmel, Seelow
•   Dr. Reinhard Schmook, bis vor kurzem Kurator der Stiftung Königsberg/NM, leitet das Königs-
    berger/NM Museum in Bad Freienwalde
• Jochen Ullrich, Vorsitzender des Heimatkreises Arnswalde und Schatzmeister der Landsmann-
    schaft Ostbrandenburg/Neumark e.V. Stellv. Vorsitzender des Stiftungsrats.
Der Stiftungsrat besteht aus bis zu 7 Personen, 8 Kandidaten hatten sich gemeldet. Ein Mitglied –
Dr. Bernd von Sydow – schied aus eigenem Wunsch aus, entsandte an seiner Stelle Herrn Ullrich.
Herr Lothar Hoffrichter, Fürstenwalde, hatte die geringste Stimmenzahl bei der geheimen Wahl
und schied deshalb aus. Ist Ehrenmitglied geworden (Recht auf Teilnahme an den Sitzungen, hat
Rederecht, aber keine Stimme).
Kurator ist nach wie vor Herr Karl-Christoph von Stünzner-Karbe, wird voraussichtlich demnächst
(noch in 2016) als Kurator für die nächste Amtszeit (3 Jahre) bestätigt.
IS
Weitere Informationen über Beratungen oder Beschlüsse liegen nicht vor.

Nach Redfaktionsschluss:
Die Wahl des Kurators hat inzwischen stattgefunden. Herr Karl-Christoph von Stünzner-Karbe ist
für die nächste dreijährige Amtszeit vom 01.01.2017 bis 31.12.2019 wiedergewählt worden.

                          Deine Nahrungsmittel seien deine Heilmittel.

                                          Hippokrates

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