NEWS 04 | Mit Predictive Analytics in die digitale Zukunft - bei msgGillardon

 
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                              02/2018
04 | Mit Predictive
  Analytics in die
 digitale Zukunft

              14 | Viel zu tun im
          Risikomanagement -
         ICAAP, ILAAP, RTF-Neu

  26 | Auf der Zielgeraden – der
         neue Leasingstandard
                        IFRS 16
NEWS 04 | Mit Predictive Analytics in die digitale Zukunft - bei msgGillardon
Inhalt
                                                                            04
04                Mit Predictive Analytics in die digitale Zukunft
                  Neue Möglichkeiten für eine zielgerichtete
                  Kundenansprache

08                Filialnetzoptimierung

14                Viel zu tun im Risikomanagement - ICAAP,
                   ILAAP, RTF-Neu

20                Wir machen Sie zukunftsfähig!

22                PRIIP-KIDs für Investmentvermögen
                  Neue Basisinformationsblätter
                  verlässlich bis spätestens 2020 liefern
                                                                            08
26                Auf der Zielgeraden – der neue
                  Leasingstandard IFRS 16

32                Auf der sicheren Seite: Wirkungsvoller
                  Zugriffsschutz (Teil II)

36                Bewertungsmethoden in der
                  Niedrigzinsphase

42                Neue Studie „banking insight“ von
                  msgGillardon und Handelsblatt:
                  Banken im Spannungsfeld zwischen
                  Aufsichtsrecht und Digitalisierung                        32

NEWS Impressum

Herausgeber
msgGillardon AG, Edisonstraße 2, 75015 Bretten                           Bildnachweis: Adobe Stock, Bildarchiv msgGillardon AG
Tel.: +49 7252 9350-0, Fax: +49 7252 9350-105
info@msg-gillardon.de, www.msg-gillardon.de                              Auflage: 3000 Print, 7000 Online

Vorstand: Dr. Stephan Frohnhoff, Peter Dietrich, Dr. Frank Schlottmann   Produktion: meisterdruck GmbH, Kaisheim

Redaktion: Andrea Späth (V.i.S.d.P.) & Karin Dohmann                     Der Inhalt gibt nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder.
Konzept und Layout: Stephanie Sauer & Toni Pötzl                         Nachdrucke nur mit Quellenangabe und Belegexemplar.
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Editorial »

Neuer Look,
bewährter Inhalt
Liebe Leserinnen und Leser, ich freue mich, Ihnen unser Kundenmagazin
NEWS im neuen Look zu präsentieren. Mit dem neuen, modernen
Layout der Artikel und den großzügigen Bildelementen möchten wir den
Magazincharakter unserer NEWS unterstreichen und Ihnen (noch mehr)
Lust aufs Lesen machen.

N
        icht geändert hat sich hingegen unser Anspruch, Ihnen ein
        attraktives Kundenmagazin zu präsentieren. Unsere Autoren sind
        Praktiker, die gezielt für Sie – unsere Kunden – schreiben, und zwar
zu Themen, die aktuell beziehungsweise zukünftig von hoher Relevanz
für Ihre berufliche Tätigkeit sind.

Lesen Sie in dieser Ausgabe, welche Möglichkeiten Ihnen Predictive Analytics
für eine zielgerichtete Kundenansprache bietet. Informieren Sie sich über die
aufsichtsrechtlichen Anforderungen rund um ICAAP und ILAAP und den neuen
Leitfaden zur Risikotragfähigkeit und deren Auswirkungen auf die Bankpraxis
sowie über den Rechnungslegungsstandard IFRS 16 für Leasinggeschäfte, die
PRIIP-Verordnung, das Thema wirkungsvoller Zugriffsschutz und vieles mehr.

Außerdem möchte ich Sie auf die neue Ausgabe unserer gemeinsam mit
dem Handelsblatt herausgegebenen Studie „banking insight“ aufmerksam
machen, die sich mit den Herausforderungen
und der Zukunft der Gesamtbanksteuerung
auseinandersetzt und im August 2018 erscheinen
wird. Einen ersten Einblick in diese Studie erhalten
Sie ebenfalls mit dieser Ausgabe..

Ich hoffe, dass Ihnen sowohl die neue Optik als
auch der anspruchsvolle und abwechslungsreiche
Inhalt unserer NEWS gefallen und wünsche Ihnen
eine anregende Lektüre.

Dr. Frank Schlottmann

                                                                                NEWS I 3
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Mathias Steinmann

Mit Predictive Analytics
in die digitale Zukunft
Neue Möglichkeiten für eine zielgerichtete Kundenansprache

                    Die Digitalisierung ist derzeit in aller Munde. Dabei handelt es
                         sich eigentlich nicht um einen ganz neuen Prozess. Bereits
                           seit der Jahrtausendwende hat die aufkommende digitale
                            Vernetzung einen neuen Vertriebskanal entstehen lassen,
                            der mit dem Erscheinen anwenderfreundlicher mobiler
                            Endgeräte wie Smartphones und Tablets vor rund zehn
                           Jahren einen kräftigen Schub erhalten hat. Dank leistungs-
                         fähiger Hard- und Software, also im Wesentlichen durch
                        schnellere Datenübertragung und bessere Auswertungstools,
                         kommen die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz mitt-
                             lerweile voll zum Tragen. Ein für Banken und Sparkassen
                                 besonders interessanter Zwischenschritt dahin ist
                                     die Nutzung von Predictive Analytics.

                                       DIGITALISIERUNG IST GERADE FÜR
                                       KREDITINSTITUTE EINE CHANCE

                                         In der öffentlichen Diskussion wird häufig davon ausgegangen,
                                          dass technologische Neuerungen - da sie meist mit dem
                                          Aufkommen neuer, oft branchenfremder Wettbewerber
                                           einhergehen - von etablierten Unternehmen als Bedrohung
                                            wahrgenommen werden. In Gesprächen mit Entschei-
                                             dungsträgern und Fachkräften von Kreditinstituten
                                             bestätigt sich dieser Eindruck hingegen in der Regel nicht.
                                              So wie gerade Banken und Sparkassen in der Vergangen-
                                               heit neue Technologien (oft) rasch adaptiert haben, so
                                                ist auch gegenwärtig die Bereitschaft groß, Geschäfts-
                                                 modelle an diese durch die Digitalisierung veränderte
                                                 Rahmenbedingungen anzupassen. Die Frage ist eher,
                                                 wie Digitalisierung jenseits eines abstrakt im
                                               Raum stehenden „Modeworts“ konkret nutzbar
                                              gemacht werden kann. Grob vereinfacht können die
                                            Auswirkungen der Digitalisierung in zwei Teilaspekte
                                           gegliedert werden: einerseits die Neugestaltung von

4 I NEWS
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Mit Predictive Analytics in die digitale Zukunft »

                                                                                                                        STANDARDMETHODEN FÜR
                                                                                                                        PREDICTIVE ANALYTICS

                                                                                                                        • Clusteranalyse: Eine Cluste-
                                                                                                                         ring-Methode gruppiert Kunden
                                                                                                                         abhängig von ihrer Ähnlichkeit.

                                                                                                                        • Diskriminanzanalyse:
                                                                                                                         Segmentierung von
                                                                                                                         Kunden auf Basis von
                                                                                                                         Unterscheidungsmerkmalen.

                                                                                                                        • Warenkorbanalyse: Kunden,
                                                                                                                         die dieselben Produkte ge-
                                                                                                                         kauft haben, werden demselben
                                                                                                                         Segment zugeordnet. Somit wird
                                                                                                                         Kaufpotenzial identifiziert und die
                                                                                                                         Cross-Selling-Quote wird erhöht.

                                                                                                                        • Kundenverhaltensmodelle:
 Wertschöpfungsprozessen, andererseits                       betont, nicht dem reinen Selbstzweck der
                                                                                                                         Aus dem Kundenverhalten kann
 die Nutzung von Daten für eine wesentlich                   Ertragsgenerierung dient, sondern nur
                                                                                                                         mithilfe dieser Big-Data-Methode
 bessere Ausrichtung an den Bedürf-                          mittelbar für eine bessere Erfüllung der
                                                                                                                         auf die zukünftige Nachfrage
 nissen der Kunden. Ersteres wird mittel-                    Kundenbedürfnisse genutzt wird.
                                                                                                                         geschlossen werden. Damit
 bis langfristige Marktveränderungen mit
                                                                                                                         wird außer einer verbesserten
 sich bringen. Und es bleibt abzuwarten,                     INSBESONDERE KLEINE BANKEN
                                                                                                                         Kundenansprache auch die Ver-
 welche Geschäftsmodelle sich bewähren                       PROFITIEREN
                                                                                                                         triebsplanung optimiert.
 und welche scheitern werden. Hingegen
 können mithilfe der Methoden und Werk-                      Eine gute Nachricht für kleinere Häuser
 zeuge der Datenanalyse sehr kurzfristig                     ist, dass die Einführung und Nutzung von
 nachhaltige Erfolge erzielt werden.                         Predictive Analytics bereits mit überschau-            VIELFÄLTIGE
                                                             barem Aufwand möglich ist. Betriebsgröße               ANWENDUNGSGEBIETE
 Banken besitzen dabei den unschätzbaren                     ist damit kein zwangsläufiger Vorteil. Mit
 Vorteil, dass sie nicht nur umfassende                      häufig genutzten Open-Source-Tools wie                 Für Predictive Analytics und künstliche
 Daten über ihre Kunden besitzen. Umfragen                   „Python“ oder „R“ können kostengünstig                 Intelligenz gibt es eine Fülle von Einsatz-
 zeigen regelmäßig, dass Kunden den Kredit-                  und vor allem schnell Datenanalysen                    gebieten. Im Bereich der Compliance etwa
 instituten ein weit überdurchschnittliches                  durchgeführt werden. Darauf aufbauend                  können regulatorische Vorgaben durch die
 Vertrauen bei der Nutzung ihrer Daten                       können sukzessive ein Prototyp und letzt-              verbesserten Auswertungsmöglichkeiten
 entgegenbringen. Zumal die Nutzung von                      lich maßgeschneiderte hausindividuelle                 exakter eingehalten werden, zum Beispiel
 Kundendaten, das sei an dieser Stelle                       Lösungen realisiert werden.                            bei der Aufzeichnung und Kontrolle von
                                                                                                                    Aktivitäten im Trading. Mithilfe der Aus-
                                                                                                                    wertung und Identifikation von typischer
                                                                                                                    Verhaltensmuster von Kunden können
Preiselastizität der Nachfrage und preisliche Belastbarkeit des Kunden
                                                                                                                    verdächtige Kontoaktivitäten frühzeitig
                                                                                                                    erkannt und verhindert werden. Im Risiko-
           ”geringe ” Belastbarkeit          ”mittlere ” Belastbarkeit                    ”starke ” Belastbarkeit   management verbessert das Einbeziehen
                                                                                                                    großer Datenmengen in Verbindung mit
                                                                                                                    besseren Algorithmen die Ergebnisse von
 4%                                    4%                                       4%                                  Simulationen und erleichtert das Erkennen
 3%                                    3%                                       3%
                                                                                                                    von Risiken und Marktentwicklungen.
Zinssatz

                                      Zinssatz

                                                                               Zinssatz

                                                                                                                    Interessant sind die Einsatzmöglichkeiten
                                                                                                                    von Predictive Analytics für Banken und
                                                                                                                    Sparkassen besonders im Rahmen der
              1000 2000                          1000 1200                                   1000 1050
                                                                                                                    Vertriebssteuerung und Kundenansprache,
                                                                                                                                                                         »
                    Volumen                            Volumen                                     Volumen
               (Geschäftsvolumen)                 (Geschäftsvolumen)                          (Geschäftsvolumen)    gerade im aktuellen Marktumfeld mit

                                                                                                                                                         NEWS I 5
NEWS 04 | Mit Predictive Analytics in die digitale Zukunft - bei msgGillardon
» Kunden wünschen sich maßgeschneiderte und preisgünstige Lösungen,
   Banken haben Interesse an einer kosteneffizienten Ansprache über alle
   möglichen Vertriebskanäle. In diesem Spannungsfeld bietet Predictive
   Analytics erstmals eine zuverlässige Möglichkeit zur Ermittlung der
   kundenindividuellen Preissensibilität.«

6 I NEWS
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Mit Predictive Analytics in die digitale Zukunft »

     Discovery

     Themenaufriss und Status quo                Bewertung Use Case                             Erstellung Prototyp

     • Einführung in kognitive Systeme          • Identifikation potenzieller Anwendungs-     • Umsetzung des Use Cases
     • Vorstellung von Anwendungsfällen aus      fälle                                         • Bereitstellung eines kognitiven Systems
      Vergleichsbranchen                         • Qualitative und quantitative Bewertung       als autarken Prototypen
     • Analyse der Rahmenbedingungen             der Use Cases                                 • Projektplanung und Angebot für die
      (Strategie, Organisation, Prozesse und     • Datenerhebung für konkrete Use Cases         umfassende Implementierung von
      analytisches Portfolio)                                                                    KI im Kundenservice
     • Aufnahme von Kennzahlen zur Bewer-
      tung des Kundenservice

             Ausgangslage ist geklärt                     Use Case ist ausgewählt                           Prototyp ist erstellt

» sinkenden Margen und steigendem Wett-         bietet Predictive Analytics erstmals eine       den eingesetzten Methoden. Nur so können
  bewerb. Denn die Ansätze von Predictive       zuverlässige Möglichkeit zur Ermittlung der     sinnvolle konkrete Anwendungsfälle
  Analytics sind im Gegensatz zu klassischen    individuellen Preissensibilität. Die Bank ist   definiert werden.
  Ansätzen durchweg potenzialorientiert         damit in der Lage, Kunden zu identifizieren,
  ausgerichtet. Da es sich bei den eingesetz-   die nicht nur eine individuellere Betreuung     Neben einer Schulung bietet sich auch
  ten Methoden im Kern immer um Segmen-         in der Filiale wünschen, sondern für diese      eine Reihe von Workshops an, die Schu-
  tierungsansätze handelt, ist die Einführung   auch entsprechend mehr zu zahlen bereit         lungselemente mit einer ersten Definition
  einer potenzialorientierten Kundenseg-        sind. Umgekehrt kann eine kostenintensive       von Anwendungsfällen verbinden. In Kun-
  mentierung ein zentraler Anwendungsfall.      Beratung von Kunden vermieden werden,           denprojekten setzt msgGillardon dieses
  Denn die heute gebräuchlichen, häufig am      die aufgrund ihrer hohen Preissensibilität      Konzept mit dem „Discovery Workshop“ um.
  aktuellen oder bisherigen Deckungsbeitrag     das Geschäft anschließend bei einem
  orientierten Kundensegmente lassen das        günstigeren Wettbewerber abschließen.           Es empfiehlt sich, aus den definierten
  in Zukunft mit einem Kunden mögliche                                                          ersten Anwendungsfällen rasch erste
  Geschäft weitgehend außer Acht.               Idealerweise sollte das Kreditinstitut          Analysen und Prototypen umzusetzen.
                                                das Einzelgeschaft nicht isoliert betrachten,   Abhängig von den Ergebnissen werden
  In weiteren Schritten können die Affinität    sondern Ansätze zur Bildung von Preisbün-       diese dann weiter verfeinert und weitere
  für verschiedene Produkte oder Vertriebs-     deln für verschiedene zusammenpassende          Anwendungsfälle einbezogen.
  kanäle ermittelt werden. So kann eine Kun-    Lösungen identifizieren.
  denansprache zielgenau und mit deutlich                                                       Mit dieser Herangehensweise wird die
  höherer Abschlussquote erfolgen. Knappe       DIE EINFÜHRUNG VON PREDICTIVE                   Bank in die Lage versetzt, in selbst gewähl-
  Vertriebsressourcen werden somit effizient    ANALYTICS SINNVOLL STARTEN                      ten Geschäfts- oder Kundensegmenten
  eingesetzt und Kosten gespart. Doch wird                                                      Quickwins zu erzielen.
  insbesondere die Kundenzufriedenheit          Der Einstieg in eine potenzialorientierte
  ansteigen, wenn die Bank den Bedarf des       Vertriebssteuerung unter Einsatz von Pre-
  Kunden erkennt oder sogar antizipiert und     dictive Analytics ist mit geringem Aufwand
  ihm statt einer Fülle unpassender Produkte    möglich und erlaubt eine schrittweise           Ansprechpartner:
  bedarfsgerechte Angebote unterbreitet.        Weiterentwicklung.
  Gerade klassische Universalbanken stehen
  heute vor dem Problem, sowohl onlineaffine    Unabdingbar ist jedoch, zu Beginn das not-
  als auch klassische Filialkunden bedienen     wendige Know-how im Haus aufzubauen.
  zu müssen. Im Spannungsfeld von Kunden-       Das notwendige Know-how nur in einer
  interessen nach einer maßgeschneiderten       Abteilung „Data Analytics“ vorzuhalten ist
  und preisgünstigen Lösung einerseits          nicht ausreichend. Auch die Führungskräfte
  und dem Interesse der Bank nach einer         sowie die Mitarbeiter in den betroffenen        Mathias Steinmann
  kosteneffizienten Ansprache über die          Fachabteilungen wie Vertrieb und                Partner, Business Consulting
  möglichen Vertriebskanäle andererseits        Controlling benötigen ein Basiswissen zu        mathias.steinmann@msg-gillardon.de

                                                                                                                                     NEWS I 7
NEWS 04 | Mit Predictive Analytics in die digitale Zukunft - bei msgGillardon
Prof. Dr. Konrad Wimmer und Alexander Kregiel

Filialnetz-
optimierung
Die Ertragslage der Institute ist vor allem in der Planungssicht problematisch.
„Dauerhaft niedrige Zinsen belasten Finanzinstitute, die ein stark von der
Zinsentwicklung abhängiges Geschäftsmodell haben. (...) Ertragsaussichten
der deutschen Banken bleiben durch geringe Zinsüberschüsse eingetrübt.“1

Angesichts der Margenverknappung          • Die klassische vergangenheitsbezogene,   und Erlöse, die durch Filialschließung
kommt dem Kostenmanagement und             kennzahlenbasierte Analyse beruht auf      verursacht werden, beziehungsweise
der Optimierung des Filialnetzes eine      regelmäßigen, mehrjährigen Auswertun-      darauf entfallende Aus- und Einzahlungen
erhöhte strategische Bedeutung zu. Die     gen, wobei zum Beispiel die periodische    werden einbezogen. Sie erlaubt damit in ei-
folgenden Ausführungen zielen auf die      Cost-Income-Ratio (CIR) oder die           ner Mehrjahressicht die Folgeabschätzung
Filialnetzoptimierung, wobei manche der    wertorientierte mehrperiodische CIR auf    von Filialschließungen (dies gilt explizit für
im Detail komplexen Fragestellungen nur    Neugeschäftsbasis herangezogen werden.     den in der Praxis derzeit weniger intensiv
angerissen werden können. Grundsätzlich    Ergänzend wird hierzu häufig eine Ausla-   diskutierten Fall von Filialerweiterungen).
kann man zwischen zwei Vorgehensweisen     stungsrechnung durchgeführt.               Abbildung 1 gibt einen Überblick über die
unterscheiden: der klassischen ver-                                                   Analysemethoden.
gangenheitsbezogenen Methode und          • Die zukunftsgerichtete Analyse ist
der zukunftsorientierten Analyse.          cashfloworientiert. Das heißt, Kosten

8 I NEWS
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Filialnetzoptimierung »

                 1                                        2                                  3                                        4

       Vergangenheitsbezogene             Zukunftsorientierte                     Szenariobasierte                        Bewertung & Ranking
       Filialbewertung                    Filialbewertung                         zukunftsorientierte                     • Mehrperiodische
       • Cost-Income-Ratio               • Neugeschäftsbezogener                Filialbewertung                            Bewertung: Fortführung,
          (periodisch)                       Aufbau der Filialerfolgs-            • Aufbau von Szenarien                     Schließung, Erweiterung
       • Cost-Income-Ratio                  rechnung                             • Vergleich der Szenarien               • Ermittlung einer Rangfol-
          (barwertig)                     • Mehrperiodische Planung              • Bewertung der                           ge zwischen den Filialen
       • Auslastungsgradrechnung            des Free-Cashflows                      Szenarien
                                             der Filiale
                                          • Vergleichsrechnung

                                                                                                                 Abbildung 1: Methoden der Filialbewertung

                                                    Beispielrechnung: direkt zurechenbare Personal- und Sachkosten / Vertriebsbarwert =
VERGANGENHEITSBEZOGENE
                                                    (20.000 €+ 5.000 €) / 100.000 € = 25 Prozent
FILIALBEWERTUNG
                                                    Auslastungsrechnung (i für Leistungsart): Die Planauslastung ergibt sich aus der
Um Entwicklungstendenzen und Trends er-
                                                    folgenden Division: (∑(i) = Planmengen (i) * Standardzeiten (i)) / Plankapazität
kennen zu können, muss man grundsätzlich
eine mehrjährige Auswertung der Kennziffern
                                                    Beispiel (vgl. Abbildung 1)
vornehmen. Für die bereits erwähnten
                                                    Die Kapazität sollte nicht auf der unrealistisch hohen Maximalkapazität, sondern
Kennziffern gelten folgende Definitionen:
                                                    der niedrigeren (realistischen) Plankapazität beruhen. In Abbildung 1 sind beide
                                                    Alternativen dargestellt:
Cost-Income-Ratio (CIR) (periodisch):
In diesem Kontext werden die der Filiale
                                                    Plansituation
direkt zurechenbaren Personal- und
Sachkosten mit dem Erlös ins Verhältnis             Zeitplanung (Jahr)                                   Wochenarbeitszeit                Zeitkapazität
                                                                                          Wochen
                                                    pro MA                                                    (Std.)                       (Std./Jahr)
gesetzt, der hier zweckmäßigerweise als
Vertriebskonditionsbeitrag zu verstehen ist.        maximale Anwesenheitszeit                52                      40                        2080

Letzterer umfasst den Zinskonditionsbeitrag         Urlaub                                   6                       40                        -240
(laufende Marge, Marge in € p. a.) inklusive        Krankheit                              2,5                       40                        -100
Provisionsergebnis p. a. nach Abzug von             Aus- und Fortbildung                     1                       40                         -40
Versicherungsprämien p. a. (zum Beispiel
                                                    Summe effektive
Adressausfallrisiko, Liquiditätskosten/                                                                                                        1700
                                                    maximale Abeitszeit
-nutzen, Prämien für implizite Optionen,            MA-Zahl                                  3           Maximalkapazität                      5100
Backoffice-Prämie).
                                                                                                        Maximalkapazität/
                                                                                                                                               425
                                                                                                             Monat
Beispielrechnung: direkt zurechenbare
                                                                                                       Plankapazität/Monat                     380
Personal- und Sachkosten/Vertriebskonditi-
onsbeitrag = (20.000 € + 5.000 €) / 50.000 €
= 50 Prozent                                                                                            Standardzeit
                                                    Nr.                           Planmengen                                            Planzeit (Std.)
                                                                                                      pro Prozess (Min.)
Cost-Income-Ratio (CIR) auf                         1. Beratung                      200                        30                          100,00
Neugeschäftsbasis (wertorientiert):
                                                    2. Kontoeröffnungen/
Die der Filiale direkt zurechenbaren Per-                                             40                        30                           20,00
                                                    -schließungen
sonal- und Sachkosten werden durch den              3. Ein-/Auszahlungen             200                        5                            16,67
Erlös geteilt, der hier als Vertriebsbarwert
                                                    Planbeschäftigung                 1                         40                          136,67
zu verstehen ist. Dieser entspricht dem
                                                    Planauslastung                 32,16 %                    35,96 %                        1700
Margenbarwert inklusive Provisionsbarwert
nach Abzug der nunmehr barwertigen
Versicherungsprämien.    »                          Abbildung 2: Planauslastung

                                                                                                                                                    NEWS I 9
NEWS 04 | Mit Predictive Analytics in die digitale Zukunft - bei msgGillardon
» Die Istauslastung wird damit konsequenterweise wie folgt gemessen (vgl. Abbildung 2):
               ∑(i) = Istmengen (i) * Standardzeiten (i) / Plankapazität

               Istsituation
               Abbildung 3: Istauslastung
                                                                            Bestimmung der Sozialeinheiten

                                                                                Standardzeit
               Prozesse i (j = 1,..., n)                  Istmengen                                          Sollzeit (Std.)
                                                                              pro Prozess (Min.)

               1. Beratung                                    190                    30                          95,00

               2. Kontoeröffnungen/
                                                              43                     30                          21,50
               -schließungen

               3. Ein-/Auszahlungen                           190                     5                          15,83

                                 Istbeschäftigung                                                               132,33

                                     Istauslastung          31,14 %                34,82 %

                          gewählte Bezugsgröße         Maximalkapazität         Plankapazität

               Ob es sich lohnt, eine Filiale zu schließen (oder auch „gut laufende/funktionierende“ Filialen zu
               erweitern), kann auf dieser Basis kaum abgeschätzt werden. Insofern handelt es sich hierbei nur um
               erste Indikatoren, die das Schließen einer Filiale nahelegen oder nicht.

               Grundsätzlich müssen insbesondere Veränderungen (zum Beispiel erwartete Kundenverluste in
               den einzelnen Vertriebssegmenten an andere Banken), die mit einer Filialschließung einhergehen,
               abgeschätzt werden. Darüber hinaus sollte die Beurteilung der Standortsituation vor Ort im Vergleich
               zu regionalen Wettbewerbern in die Bewertung einfließen. Außerdem muss hinterfragt werden, ob das
               Umleiten der Kunden zu anderen Filialen gelingt.

               Insgesamt liegen mit den hier genannten Indikatoren zwar wichtige Informationen vor, letztlich kann
               jedoch auf dieser Basis keine fundierte, abschließende Entscheidung getroffen werden.

               ZUKUNFTSORIENTIERTE FILIALBEWERTUNG

               Eine zukunftsorientierte Filialbewertung (Filialerfolgsrechnung) kann grundsätzlich analog zur Geschäfts-
               feldrechnung aufgebaut werden. Das bedeutet, dass eine Filialerfolgsrechnung den Erfolg einer Filiale
               vollständig abbildet, wobei ein besonderer Fokus auf der Ergebnistransparenz liegt. Um diesem Anspruch
               gerecht zu werden, bietet es sich an, eine Filialerfolgsrechnung als gestufte Deckungsbeitragsrechnung
               aufzubauen. In diesem Fall werden Erlöse und Kosten soweit möglich ohne Schlüsselung der relevanten
                        Deckungsbeitragsstufe zugeordnet. Zum Beispiel werden die Personalkosten des Kundenberaters
                                A der betrachteten Filiale zugerechnet, wenn dieser ausschließlich für die Filiale A tätig ist.
                                           Arbeitet er aber beispielsweise zu 50 Prozent für die Filiale A und zu 50 Prozent für
                                                   die Filiale B, sollten die Kosten entsprechend nicht auf A und B aufgeteilt
                                                    werden. Vielmehr können sie nur den aggregiert betrachteten Filialen A und
                                                     B zugerechnet werden (Direct Costing). Würde man hingegen die Kosten im
                                                      letztgenannten Fall auf A und B schlüsseln, würde man nicht vorhandene
                                                      Kostenabhängigkeiten suggerieren.

                                                       Die Filialerfolgsrechnung kann in Abhängigkeit vom verfolgten
                                                        Rechenzweck als Periodenrechnung oder als Barwertrechnung
                                                         aufgebaut werden. Da wir in diesem Kontext Erfolgsveränderungen
                                                         für die Gesamtbank infolge einer Filialschließung verfolgen, muss die
                                                          Neugeschäftsbetrachtung im Fokus der Bewertung stehen. Diese
                                                          kann am einfachsten mit der (bar-)wertorientierten Messmethode
                                                           dargestellt werden. Gegen den periodischen Aufbau spricht unter
                                                           anderem der fehlende Neugeschäftsbezug. Die in Abbildung 4
                                                            vorgenommene Cost-Income-Ratio (CIR) der Filiale ergibt sich       »

10 I NEWS
Filialnetzoptimierung »

Die Filialerfolgsrechnung folgt dem prinzipiellen Aufbau der Deckungsbeitragsrechnung (vgl. Abbildung 3; DB = Deckungsbeitrag;
MBW = Margenbarwert): 2

Filialrechnung (Zahlen symbolisch)

 Ausgangssituation                                                                              Filiale A

                                                                 Betreuer 1      Betreuer 2                  Betreuer 3           Fillialleiter

 Brutto-MBW                             Kundenanzahl                300             300                         300                   300

                                        Brutto-MBW pro Kunde        250

                                        Aktiv fest

                                        Aktiv variabel

                                        Passiv fest

                                        Passiv variabel

                                                                75.000,00 €     75.000,00 €                 75.000,00 €           75.000,00 €

 Risikoprämienbarwert

 20 % (bezogen auf Brutto-MBW)          Aktiv fest

                                        Aktiv variabel

                                        Zwischensumme           - 15.000,00 €   - 15.000,00 €               - 15.000,00 €        - 15.000,00 €

 = DB I                                                         60.000,00 €     60.000,00 €                 60.000,00 €           60.000,00 €

 Provisionsbarwert

 20 % (bezogen auf Brutto-MBW)          Kontoführung

                                        Bausparen

                                        Versicherungen

                                        Depot B

                                        Fonds

                                        Sonstige

                                        Zwischensumme           15.000,00 €     15.000,00 €                 15.000,00 €           15.000,00 €

 = DB II                                                        75.000,00 €     75.000,00 €                 75.000,00 €           75.000,00€

 direkte Kosten (Istkosten)             Personalkosten          - 35.000,00 €   - 25.000,00 €               -24.000,00 €         - 38.000,00 €

 20 % (bezogen auf Personalkosten)      direkte Sachkosten      - 1.750,00 €    - 1.250,00 €                - 1.200,00 €          - 1.900,00 €

                                        Zwischensumme           - 36.750,00 €   26.250,00 €                 25.200,00 €           39.900,00 €

 = DB III                               DB III Betreuer         38.250,00 €     48.750,00 €                 49.800,00 €           35.100,00 €

 Filialrechnung (Profit-Center)                                                                 Filiale A

                                        = DB III Filiale        171.900,00 €

                                        Miete                   - 48.000,00 €

                                        Reinigung, Heizung      - 20.000,00 €

                                        Erfolg Filiale          103.900,00 €

                                  CIR   Kosten/DB II Betreuer     49,00 %         35,00 %                     33,60 %              53,20 %

                                  CIR   Kosten/DB II Filiale      65,37 %

Abbildung 4: Aufbau Filialerfolgsrechnung

                                                                                                                                      NEWS I 11
» aus der Relation der der Filiale zugerechneten             Abgestellt wird dabei auf die Cashflows,
   Kosten (direkte Personal- und Sachkosten                  die der Bank unter Berücksichtigung der
   der Betreuer zuzüglich der direkten Filialko-             Wachstumspotenziale zur Verfügung
   sten, zum Beispiel Reinigung und Heizung)                 stehen. Zur Wertermittlung werden die
   und dem DBII der Filiale.                                 verfügbaren Cashflows (free Cashflows)
                                                             mit dem Eigenkapitalkostensatz diskon-
   Beispiel: (128.100 € + 68.000 €) / 300.000 €              tiert. Analog zur Unternehmensbewertung
   = 65,37 Prozent. Analog gilt dies für die CIR             unterscheidet man vereinfachend zwei
   der Berater. Beispiel Betreuer 1: 36.750 € /              Planungsphasen:
   75.000 € = 49,0 Prozent.
                                                             Phase 1: Phase der Detailplanung, zum
   Die Filialerfolgsrechnung kann in strategi-               Beispiel für die Geschäftsjahre von t = 1 bis
   scher Hinsicht, hier im Kontext der Frage                 t = 5. Es wird vereinfachend ein konstantes
   nach der Schließung oder dem Ausbau einer                 Wachstum von 1 Prozent p.a. angenommen.
   Filiale, erweitert werden. In diesem Fall ist                                                                  Beispiel (Zahlen symbolisch): Auf Basis
   die Bewertung der Filialen analog zu einer                Phase 2: Phase der Wachstumsplanung:                 der in Abbildung 4 vorgegebenen Daten
   Unternehmensbewertung mehrperiodisch                      Hier wird ein konstantes Wachstum von                ergibt sich im ersten Schritt ein free Cash-
   vorzunehmen. Damit stellt sich die Frage                  0,5 Prozent p.a. angenommen (Barwertfor-             flow von rund 103.900 €. Abbildung 5 zeigt,
   der Schätzung künftiger Periodenüber-                     mel für „ewige“ Rente mit Wachstumsfak-              wie sich die verfügbaren free Cashflows
   schüsse der einzelnen Geschäftsfelder                     tor). Die Diskontierung des free Cashflows           (weitgehend Margenbarwerte) entwickeln
   und die Definition der Kapitalkosten.                     erfolgt anhand des Eigenkapitalkosten-               und welcher Barwert dabei entsteht. Die
                                                             satzes von angenommenen 5 Prozent (hier              bisherige Analyse bezieht sich auf die Fort-
   Ermittelt werden muss der Barwert                         pragmatisch abgeleitet aus zum Beispiel              führung der Filialen. Nunmehr interessiert
   der Einzahlungsüberschüsse der Filiale                    3 Prozent gleitend Zehnjahreszins plus               aber, was sich ändert, wenn eine Filiale
   (Discounted Cashflow-Verfahren).                          2 Prozent Risikoübernahmezuschlag).                  geschlossen wird.

   Bewertung Filiale A

   Jahre                         heute                   1                   2               3                    4                   5

   5,000 %                                            2017                  2018            2019                 2020                2021              2022

   AZF                                             0,952380952           0,907029478     0,863837599          0,822702475         0,783526166

                                               Phase 1: Detailplanung                                                                                 Phase 2

   „free“ Cashflow              Wachstum            103.900 €             104.939 €       105.988 €            107.048 €           108.119 €        108.659 €

   Barwerte Phase 1              1,00 %            98.952,38 €           95.182,77 €     91.556,76 €          88.068,88 €         84.713,87 €     Wachstum 0,5 %

   Barwert Phase 1          -      458.475 €                                                                                                      2.414.652,23 €

   Barwert Phase 2          -    1.891.943 €                                                                                                      Barwert unendl.
                                                                                                                                                  Rente; Wachs-
   Summe Barwert            - 2.350.418 €                                                                                                              tum

   Abbildung 5: Mehrperiodische Planung des free Cashflows der Filiale

   Bewertung Filiale C

   Jahre                         heute                   1                   2               3                    4                   5
   5,000 %                                            2017                  2018            2019                 2020                2021              2022

   AZF                                             0,952380952           0,907029478     0,863837599          0,822702475         0,783526166

                                               Phase 1: Detailplanung                                                                                 Phase 2

   „free“ Cashflow              Wachstum       -     28.675,00 €     -     28.962,00 €                    -     15.000,00 €   -     15.150,00 €      - 15.150 €

   Barwerte Phase 1              1,00 %        -     27.309,52 €     -     26.269,16 €                    -     12.340,54 €   -     11.870,42 €       0,00 %

   Barwert Phase 1          -       77.790 €                                                                                                      - 303.000,00 €

   Barwert Phase 2          -      237.408 €                                                                                                      Barwert unendl.
                                                                                                                                                  Rente; Wachs-
   Summe Barwert            -    315.198 €                                                                                                             tum

   Abbildung 6: Filiale mit negativen Erfolgsbeiträgen

   12 I NEWS
Filialnetzoptimierung »

Erläuterungen zu Abb. 6: Die Abzinsung der            werden noch regelmäßig Abschläge für die              erzielen. Konsequenterweise wirkt dies auch
gelb markierten detailliert geplanten free            Bewertungsunsicherheiten vorgenommen.                 bei der mehrjährigen Betrachtung, wenn man
Cashflows ergibt einen Barwert von rund                                                                     davon ausgeht, dass der Erfolg auch in den
458.000 €, während der Barwert der mit einer          Zum Vergleich wird eine Filiale herangezogen,         Folgejahren negativ ist.
konstanten Wachstumsrate der geplanten                die einen negativen Erfolg ausweist. Im
zweiten Planungsphase rund 1.892 T€ ergibt            Ergebnis kann bei einer Filiale mit negativem         In Abbildung 6 ist die entsprechende Tabelle
(Berechnung mit einer geometrisch fortschrei-         Erfolg festgehalten werden, dass auch                 analog zur bisher betrachteten Filiale mit
tenden ewigen Rente). Der Wert der Filiale            die aktuelle CIR der Filiale meist über 100           positiven Erfolgsbeiträgen aufbereitet
kann also mit rund 2,35 Mio. € taxiert werden.        liegt. Das bedeutet, dass mehr als 100 €              (mehrperiodisch).
In der Praxis der Unternehmensbewertung               aufgewendet werden müssen, um 100 € zu

SZENARIOBASIERTE                                      eine „SB-Filiale“ mit Automaten umgestellt            langfristig in beiden Szenarien positiv auf
ZUKUNFTSORIENTIERTE                                   wird, um die Präsenz am Standort weiter               den Gesamterfolg der Filialschließung.
FILIALBEWERTUNG                                       zu gewährleisten.                                     Die Empfehlung „Schließen“ ist
                                                                                                            demzufolge naheliegend.
Werden Filialen geschlossen, besteht für die          Darüber hinaus müssen notwendige
Abschätzung der damit verbundenen Folgen              Zukunftsinvestitionen, zum Beispiel für               FAZIT
prinzipiell ein hoher Informationsbedarf. Er          die Umsetzung eines Sicherheitskonzepts
betrifft zum Beispiel die bereits vorgestellte        oder einer Gebäuderenovierung, in die                 Das Schließen von Filialen sollte immer
Deckungsbeitragsermittlung und die Ab-                Überlegungen einbezogen werden.                       fundiert und mit Zahlen untermauert
schätzung der künftigen Entwicklung (zum                                                                    sein und sowohl vergangenheitsbezogene als
Beispiel Volumina, Margen). Aber es gilt auch,        Um zu einer aussagefähigen Entscheidungs-             auch zukunftsorientierte Aspekte beinhalten.
das Abwanderungspotenzial der Kunden                  basis zu kommen und um den „Korridor“ der             Wie die Ausführungen zeigen, ist das Ergebnis
abzuschätzen. Letztlich müssen also die               möglichen Auswirkungen der Filialschließung           stark von den gewählten Prämissen abhängig
mit der Schließung der Filiale verbundenen            für die Entscheidungsträger darstellen zu             und die Einspareffekte wirken vielfach erst in
wegfallenden Erlöse durch Kundenabwan-                können, sollten einige Szenarien durchge-             den nachgelagerten Perioden.
derungen mehrperiodisch in ihrer Wirkung              spielt werden. Hierbei wird auf die Filiale,
auf die Cashflows abgeschätzt und in die              die einen negativen Erfolgsbeitrag aufweist,
Berechnung integriert werden.                         Bezug genommen.                                       Ansprechpartner:

Insgesamt gesehen sollte eine Ergebnis-               Szenario 1 geht zum Beispiel davon aus, dass
abschätzung jedoch aus Gesamtbanksicht                10 Prozent Abwanderungsverluste auftreten,
erfolgen, wenn eine Filiale geschlossen wird.         die Mietauszahlungen infolge
Dies bedeutet konkret ein Wegfallen der               der Mietvertragsgestaltung im ersten Jahr
unmittelbar der Filiale zurechenbaren, aus-           nach der Schließung nicht abgebaut werden
zahlungsgleichen Kosten, zum Beispiel für             können und keine Personalkostenreduzie-
Miete, Reinigung und Heizung. Weiter müssen           rung erfolgt. Abbaubar sind demnach nur               Alexander Kregiel,
die mit dem Schließen der Filiale verbunde-           die variablen Auszahlungen wie für Reinigung          Lead Business Consultant, Business Consulting
nen eingesparten Auszahlungen für Personal            und Heizung.                                          alexander.kregiel@msg-gillardon.de
und Sachmittel abgeschätzt werden. Hierbei
gilt es realistisch zu planen: In den meisten         Szenario 2 geht im Unterschied zu Szenario 1
Fällen lassen sich Personalkosten nur über            davon aus, dass 15 Prozent Abwanderungs-
die natürliche Fluktuation und nicht über             verluste auftreten. Ab dem zweiten Jahr
betriebsbedingte Kündigungen reduzieren.              können jedoch die Personalkosten
                                                      des Betreuers 2 eingespart werden.
Bei den Sachkosten hingegen muss berück-              Szenarioabhängig kann der negative
sichtigt werden, dass diese (zum Beispiel             Erfolgsbeitrag der Ausgangssituation
Leitungskosten und Miete/Reinigung) häufig            sogar kurzfristig noch ansteigen. Mehrpe-             Prof. Dr. Konrad Wimmer
weitgehend erhalten bleiben, wenn die Filiale         riodisch gesehen ist das Ergebnis jedoch              Excecutive Partner, Business Consulting
beispielsweise aus politischen Gründen auf            meist eindeutig: Die Einsparungen wirken              konrad.wimmer@msg-gillardon.de

1   Quelle: Finanzstabilitätsbericht 2016, Pressekonferenz 16.November 2016, Folien 2 und 17.
2   Hier, wie auch im Folgenden, werden bewusst plakative Zahlen verwendet, die nicht die Istsituation einzelner Institute abbilden.

                                                                                                                                                 NEWS I 13
Prof. Dr. Konrad Wimmer und Holger Dürr

    Viel zu tun im
Risikomanagement -
               ICAAP, ILAAP, RTF-Neu
   Die EZB hat kürzlich ihre Erwartungen an den ICAAP (Internal Capital Adequacy
   Assessment Process) und den ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment
   Process) bei bedeutenden Instituten (SIs), die unmittelbar von ihr beaufsichtigt
     werden, veröffentlicht.1 Die von der deutschen Bankenaufsicht erwarteten
      Anforderungen der EZB hinsichtlich der ICAAP-Ausgestaltung der weniger
    bedeutenden Institute (LSIs) sind bereits in den am 24. Mai 2018 finalisierten
                             RTF-Leitfaden2 eingeflossen.

14 I NEWS
ICAAP, ILAAP, RTF-NEU »

Eine angemessene Kapital- und Liquiditäts-      zierungsprozess und Umfang wesentlicher          als unwesentlich und ein Wert größer
ausstattung ist für die Widerstandsfähigkeit    Risiken, die Risikoquantifizierungsmethoden      10 Prozent als wesentlich taxiert – dazwi-
der einzelnen Banken aus aufsichtsrecht-        sowie die Annahmen und Parameter zur             schen liegt eine „Grauzone“. Außerdem sollte
licher Sicht essenziell. Insbesondere sollen    Risikomessung (zum Beispiel Zeithorizont,        die Summe der unwesentlichen Risiken nicht
alle wesentlichen Risiken ad hoc ermittelt,     Konfidenzniveau, Haltedauer).                    zu hoch ausfallen, was jedoch ebenfalls eine
effektiv gesteuert und durch eine angemes-                                                       Definitionsfrage darstellt.
sene Kapital- und Liquiditätsausstattung        Grundsatz 2: Der ICAAP bildet einen integra-
abgesichert werden können. Maßgeblich           len Bestandteil des Managementrahmens            Grundsatz 5: Das interne Kapital ist
sind in diesem Zusammenhang die Artikel         eines Instituts. Die Angemessenheit der          von hoher Qualität und klar definiert.
73 CRD IV3 (zum ICAAP) und 86 CRD IV4           Kapitalausstattung umfasst sowohl die            Grundsätzlich sollte ein Großteil des internen
(zum ILAAP), die durch die beiden eingangs      kurzfristigere Sicht von in der Regel einem      Kapitals hartem Kernkapital entsprechen.
erwähnten Konsultationspapiere präzisiert
werden. Letztere enthalten jeweils sieben
Grundsätze zur Ausgestaltung des ICAAP          »D
                                                  er neue an die LSI gerichtete RTF-Leitfaden der deutschen
beziehungsweise ILAAP, die nachfolgend
                                                 Bankenaufsicht strebt eine Harmonisierung der deutschen
näher beschrieben werden.
                                                 Ausgestaltung der Risikotragfähigkeit mit den europäischen
Der neue, an die LSI gerichtete RTF-
                                                 Leitlinien an. «
Leitfaden der deutschen Bankenaufsicht
strebt eine Harmonisierung der deutschen
Ausgestaltung der Risikotragfähigkeit mit       Jahr als auch den längerfristigen zukunfts-      Stille Lasten sollten in die Feststellung des
den europäischen Leitlinien an. In ihrem        gerichteten Prozess (mindestens drei             internen Kapitals vollständig einfließen, stille
Anschreiben an die Verbände der Kreditwirt-     Jahre) korrespondierend zur mehrjährigen         Reserven hingegen nur, soweit dies
schaft verweist die Aufsicht zwar darauf,       Kapitalplanung der Bank verbunden                mit dem Vorsichtsprinzip vereinbar ist. Aus
dass die weitverbreiteten Going-Concern-        mit glaubhaften Basisszenarien und               Sicht der HBG-Rechnungslegung wäre dem
Ansätze übergangsweise fortgeführt werden       angemessenen institutsspezifischen               – im Unterschied zu den IFRS-Regelungen –
können. Da aber keine Übergangsfrist            adversen Szenarien.                              prinzipiell Rechnung getragen.
genannt werden kann, ist es nur folgerichtig,
dass die Aufsicht in ihrem Anschreiben an       Grundsatz 3: Der ICAAP ist darauf ausge-         Grundsatz 6: Die ICAAP-Annahmen und
die Kreditwirtschaft eine möglichst baldige     richtet, die Überlebensfähigkeit des Instituts   die Risikoquantifizierungsmethoden sind
Umsetzung der beiden neuen Perspektiven         dauerhaft sicherzustellen, und er umfasst        angemessen und konsistent und wurden
(normative und ökonomische Perspektive)         kurz- und mittelfristige Beurteilungen aus       gründlich validiert. Das Konfidenzniveau
fordert. Die normative Perspektive deckt        zwei unterschiedlichen Perspektiven. Die         der ökonomischen Perspektive sollte
alle regulatorischen und aufsichtlichen         ökonomische interne Perspektive wird be-         (mindestens) dem Niveau der Modelle
Anforderungen ab, das heißt die Bank kann       wusst neben die normative interne Perspek-       der Säule 1 entsprechen (99,9 Prozent).
aufsichtsrechtlich gesehen fortgeführt          tive gestellt, weil letztere keine umfassende    Maßgeblich ist dabei die Gesamtsicht über
werden. Die ökonomische Perspektive trägt       Risikosicht bieten kann. Typische Beispiele      alle Annahmen und Parameter.
dem Gläubigerschutz Rechnung, das heißt         sind das Spreadrisiko im Anlagebuch für
würden die anhand der VaR-Methodik              nicht zum beizulegenden Zeitwert bewertete       Grundsatz 7: Regelmäßige Stresstests
gemessenen Risiken schlagend, wäre die          Positionen, die wertbasierte Bemessung           sollen die Überlebensfähigkeit bei widrigen
Befriedigung der Gläubigeransprüche             des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch           Entwicklungen sicherstellen.
angesichts der wertorientiert gemessenen        (IRRBB) oder stille Lasten, zum Beispiel bei
Deckungsmasse abgesichert. Details zum          Pensionsverpflichtungen, die handelsrecht-       ILAAP-GRUNDSÄTZE
neuen RTF-Leitfaden wurden bereits in der       lich nicht ausgewiesen werden.
letzten msgGillardon-News ausführlich                                                            Grundsatz 1: Das Leitungsorgan ist für eine
vorgestellt.5                                   Grundsatz 4: Alle wesentlichen Risiken           solide Governance des ILAAP verantwortlich.
                                                werden im ICAAP identifiziert und                Die Gesamtverantwortung für die Umsetzung
ICAAP-GRUNDSÄTZE                                berücksichtigt. Um „Wesentlichkeit“              des ILAAP liegt beim Leitungsorgan,
                                                operationalisieren zu können, muss eine          das den Governance-Rahmen für den
Grundsatz 1: Das Leitungsorgan ist              geeignete Bezugsgröße definiert werden           ILAAP genehmigt.
für eine solide Governance des ICAAP            (zum Beispiel Summe ICAAP-Risiken oder
verantwortlich. Dessen wesentlichen             das aufsichtsrechtliche oder ökonomische         Grundsatz 2: Der ILAAP ist Bestandteil des
Kernelemente umfassen die Governance-           Eigenkapital), und es muss der Schwellen-        übergreifenden Managementrahmens. Der
Struktur, Dokumentationen, die Methodik         wert definiert werden, ab dem von Wesent-        ILAAP ist in die Geschäfts-, Entscheidungs-
für die Beurteilung der Angemessenheit          lichkeit ausgegangen werden kann. In der         und Risikomanagementprozesse des
der Kapitalausstattung, den Risikoidentifi-     Praxis wird häufig ein Wert unter 5 Prozent      Instituts zu integrieren. Dies bedingt   »

                                                                                                                                    NEWS I 15
» einen quantitativen Rahmen für die Beurtei-             könnten. Die insoweit nötige Liquiditäts-              wesentlichen Risiken vom ILAAP erfasst
   lung der Angemessenheit der Liquidität und             ausstattung beruht auf einem glaubwür-                 werden, die sich aus dem Zusammen-
   einen qualitativen Rahmen, um aktiv                    digen Basisszenario und angemessenen                   führen von ökonomischer und normativer
   die Liquiditätsadäquanz zu steuern.                    institutsspezifischen adversen Szenarien,              Perspektive ergeben. Analog zum ICAAP
                                                          die mit der mehrjährigen Liquiditäts- und              sollte hierbei eine Wesentlichkeitsschwelle
   Grundsatz 3: Der ILAAP trägt wesentlich                Refinanzierungsplanung kompatibel sind.                definiert werden, allerdings in Abhängigkeit
   zum Fortbestand der Institute bei, indem               Den Zusammenhang zwischen beiden                       von liquiditätsspezifischen Größen (wie dem
   er die Angemessenheit ihrer Liquidität aus             Perspektiven verdeutlicht Abbildung 1.                 notwendigen Liquiditatspufferbedarf
   verschiedenen Perspektiven gewährleistet.              Demnach ist im Basisszenario der Erwar-                einzelner Positionen).
   Die normative Perspektive bezieht sich                 tungswert maßgeblich, während im adversen
   auf die Fähigkeit der Institute, mittelfristig         Szenario eine ungünstige Entwicklung zu                Grundsatz 5: Die internen Liquiditätspuffer
   alle regulatorischen und aufsichtlichen                unterstellen ist, die aber nach Ansicht der            sind von hoher Qualität und klar definiert;
   Liquiditätsanforderungen und -vorgaben                 Autoren dieses Beitrags nicht das Ausmaß               die stabilen internen Refinanzierungsquellen
   zu erfüllen, etwa die Kennzahlen LCR und               eines Stresstestszenarios annimmt.                     sind klar definiert. In der ökonomischen
   NSFR. In der ökonomischen Perspektive                                                                         Perspektive müssen interne Liquiditäts-
   sollen alle wesentlichen Risiken identifiziert         Grundsatz 4: Alle wesentlichen Risiken wer-            puffer und stabile Refinanzierungsquellen
   und quantifiziert werden, welche die interne           den im ILAAP identifiziert und berücksichtigt.         definiert, bewertet und vorgehalten werden.
   Liquiditätsposition negativ beeinflussen               Es sollen alle bestehenden oder potenziellen           Bei den Kundeneinlagen muss ein

                                                             Ökonomische interne Perspektive

                   Planungsprämissen                            • Barreserven, Bestand an liquiden                     Prämissen
                   • Überlebensdauer ...                        Aktiva, unbelastete Vermögens-                         • Überlebensdauer ...
                   • Laufzeitinkongruenz ...                     werte, stabile Refinanzierungs-                        • Laufzeitinkongruenz ...
                   • Sonstige interne                           quellen und Liquiditätszuflüsse                        • Sonstige interne Messgrößen ...
                    Messgrößen ...                               (ökonomische Perspektive)
                                                                                                                        ungünstige Entwicklungen
                   erwartete Entwicklungen                      • Liquiditätsabflüsse (ökonomische                     nach Managementmaßnahmen
                   nach Managementmaßnah-                        Perspektive)
                   men

                                                                                                                                                               Adverses Szenario
   Basisszenario

                                                                Glaubwürdige
                                                                Managementmaßnahmen
                                                                z. B. Aufstockung liquider
                                                                Aktiva, Erhöhung der stabilen
                                                                Refinanzierung

                    Planungsprämissen                           • Verfügbare regulatorische                            Prämissen
                    • LCR …                                       hochliquide Aktiva und verfügbare                    • LCR …
                    • Sonstige regulatorische                     stabile Refinanzierung                               • Sonstige regulatorische oder
                       oder aufsichtliche Quoten ...               (Liquiditätszuflüsse)                                   aufsichtliche Quoten ...
                                                                • Regulatorische Abflüsse und
                    erwartete Entwicklungen                        Anforderungen an eine stabile Re-                    ungünstige Entwicklungen
                    nach Managementmaßnah-                         finanzierung (Liquiditätsabflüsse)                   nach Managementmaßnahmen
                    men

                                                               Normative interne Perspektive

   Abbildung 1: Beispiel für unterschiedliche Auswirkungen glaubwürdiger Managementmaßnahmen je nach Perspektive und Szenario (Leitfaden der EZB
   für den internen Prozess zur Beurteilung der Angemessenheit der Liquidität (ILAAP), März 2018 (Konsultationspapier), S. 18; leicht modifiziert.)

   16 I NEWS
ICAAP, ILAAP, RTF-NEU »

  MaRisk             Wesentlicher Inhalt                                                                                                     nur SI    LSI

  BTR 3.1 (4) Erl.   Liquiditätspuffer
                     In normalen Marktphasen UND in Stressphasen muss auftretender Liquiditätsbedarf vollständig durch die                              x
                     Liquiditätsreserven aufgefangen werden.

  BTR 3.1 (8)        Survival Period
                                                                                                                                                        x
                     In den Stressszenarien ist der Überlebenshorizont zu ermitteln.

  BTR 3.1 (12)       Interner Refinanzierungsplan
                     Refinanzierungsplan muss die Strategien, den Risikoappetit und das Geschäftsmodell angemessen widerspiegeln.
                     Planungshorizont ist in der Regel mehrjährig (vgl. auch Kapitalplanung). Veränderungen der eigenen Geschäftigkeit/der              x
                     strategischen Ziele/ des wirtschaftlichen Umfelds auf den Refinanzierungsbedarf darstellen. Mögliche adverse
                     Entwicklungen sind angemessen zu berücksichtigen.

  BTR 3.2 (2) Erl.   Liquiditätspuffer
                     Der erforderliche Liquiditätsbedarf aus institutsindividuellen Stressszenarien über den Zeithorizont von mindestens       x
                     einem Monat ist mit speziellen Liquiditätspuffern abzudecken.

verhaltensbezogenes Cashflow-Profil auf              Reverse-Stresstests durchzuführen. Leider              WÜRDIGUNG
Basis von Verhaltensannahmen erstellt                verwendet die Aufsicht die Begriffe “adverses
werden. In die Stabilität ihres Refinanzie-          Szenario” und “Stresstestszenario” synonym:            Die jeweils sieben Grundsätze sind formal
rungsprofils muss unter anderem der                  „In Bezug auf Stresstests wird von den                 gleich gehalten. Beim ICAAP kann bei den
Marktzugang hinsichtlich des Geschäftsvo-            Instituten erwartet, dass sie bei der Definition       LSI bereits auf den Interpretationsleitfaden
lumens und der Preisgestaltung einbezogen            plausibler adverser Szenarios den Schwer-              der deutschen Aufsicht zugegriffen
werden – offensichtlich ein zentraler                punkt auf ihre größten Schwachstellen                  werden, denn letztlich beinhaltet er bereits
Aspekt, sollte es zu einer Abkehr von der            legen.“6 Diese Begriffsverwirrung wird hof-            die Würdigung der EZB-Vorgaben. Wie
Niedrigzinsphase kommen.                             fentlich im laufenden Konsultationsprozess             jedoch im Detail die im EZB-ICAAP und im
                                                     noch beseitigt.                                        RTF-Leitfaden gleichermaßen geforderte      »
Grundsatz 6: Die Risikoquantifizierungs-
methoden im ILAAP sind angemessen und
konsistent und werden unabhängig validiert.          »B
                                                       eim ICAAP kann bei den LSI bereits auf den Interpreta-
Beide Perspektiven sind heranzuziehen, wo-
bei die gewählten Methoden explizit adverse           tionsleitfaden der deutschen Aufsicht zugegriffen werden,
Szenarios zur Quantifizierung potenzieller            denn letztlich beinhaltet er auch schon die Würdigung der
künftiger Veränderungen der Liquiditäts- und
Refinanzierungspositionen berücksichtigen             EZB-Vorgaben. «
sollen. Das Konfidenzniveau soll wiederum
sehr konservativ gewählt werden. Außerdem
ist eine unabhängige interne Validierung der
Modelle vorzunehmen.

Grundsatz 7: Regelmäßige Stresstests sollen
die Angemessenheit der Liquidität unter wid-
rigen Bedingungen sicherstellen. Es müssen
ein angemessenes Stresstestprogramm für
beide Perspektiven festgelegt und hierzu
auch adverse Szenarien definiert werden, die
für beide Perspektiven verwendet werden.
Dabei müssen auch andere bankintern
durchgeführte Stresstests berücksichtigt
werden. Die gewählten außergewöhnlichen,
aber plausiblen makroökonomischen Annah-
men sollen auch wesentliche Auswirkungen
auf deren interne und regulatorische Liquidi-
tätsposition haben. Weiter sind sogenannte

                                                                                                                                               NEWS I 17
Veranstaltungstipp
                                                                                                                  Fachtagung Risikomanagement 2018:
                                                                                                                  Schwerpunkt ICAAP/ILAAP und
                                                                                                                  neuer RTF-Leitfaden

                                                                                                                  Termin: Mittwoch, 12. September 2018
                                                                                                                  Ort: Würzburg

                                                                                                                  Weitere Infos: www.msg-gillardon.de/
                                                                                                                  fachtagung-risikomanagement

» Verknüpfung der ökonomischen mit der                  auf die anstehende Präzisierung der
                                                                                                                Ansprechpartner:
  normativen Perspektive erfolgen soll,                 EBA zum ILAAP. Insofern kann man die
  wird erst noch herauszuarbeiten sein.                 MaRisk-Vorgaben als erste Ausformung
  Von der deutschen Aufsicht werden                     des ILAAP betrachten.
  immerhin folgende Risiken erwähnt: Die
  Credit-Spread-Risiken im Bankbuch werden              Die Änderungen beim Liquiditätsrisiko
  ökonomisch modelliert und gegenüber der               weisen deutliche Parallelen zum
  normativen Perspektive früher erfasst,                dargestellten Konsultationspapier zum
  jedenfalls dann, wenn dort noch kein                  ILAAP, insbesondere zu Grundsatz 5, auf.
                                                                                                                Prof. Dr. Konrad Wimmer
  Abschreibungszwang wegen voraussichtlich              Die Institute müssen insbesondere einen
                                                                                                                Excecutive Partner, Business Consulting
  dauerhafter Wertminderung besteht (§340e              internen Refinanzierungsplan passend zu
                                                                                                                konrad.wimmer@msg-gillardon.de
  Abs. 1 HGB i. V .m. § 253 Abs. 3 S. 5f. HGB);         den Strategien, dem Risikoappetit und dem
  und zu den Zinsänderungsrisiken im Bank-              Geschäftsmodell erstellen (BTR 3.1 Tz. 12).
  buch: der Zinsbuchbarwert reagiert in der             Dieser muss sich, analog zur Formulierung
  Regel auf adverse Szenarien stärker als das           beim Kapitalplanungsprozess, auf einen an-
  Zinsergebnis in der normativen Perspektive            gemessen langen, in der Regel mehrjährigen
  – auch müssen die Auswirkungen auf die                Zeitraum erstrecken und Veränderungen der
  verlustfreie Bewertung des Zinsbuches in die          eigenenGeschäftstätigkeit, der strategischen
  normativen Perspektive überführt werden.              Ziele,des wirtschaftlichen Umfelds sowie
  Beim ILAAP besteht für die LSI zwar kein              möglicher adverser Entwicklungen berück-
                                                                                                                Holger Dürr
  unmittelbarer Handlungszwang, denn                    sichtigen. Allerdings muss (auch) hierbei auf
                                                                                                                Principal Business Consultant
  sie sind von den EZB-Grundsätzen nicht                eine Öffnungsklausel hingewiesen werden:
                                                                                                                holger.duerr@msg-gillardon.de
  direkt betroffen. Auch liegt kein ILAAP-              Der Refinanzierungsplan kann abhängig
  Leitfaden der deutschen Aufsicht vor.                 von Art und Umfang der Liquiditätsrisiken
  Indessen müssen zahlreiche mit der letzten            institutsindividuell ausgestaltet werden.
  MaRisk-Novelle gestiegene Anforderungen               Somit werden insbesondere kleinere Institu-
  zu den Liquiditätsrisiken konstatiert werden          te mit vergleichsweise einfachen Planungen
  (siehe Tabelle) – letztlich auch ein Vorgriff         auskommen können.

  1	https://www.bankingsupervision.europa.eu/legalframework/publiccons/pdf/icaap_ilaap/ssm.icaap_guide_201803.de.pdf; https://www.bankingsuper-
      vision.europa.eu/legalframework/publiccons/pdf/icaap_ilaap/ssm.ilaap_guide_201803.de.pdf. Sie befinden sich aktuell in der Konsultationsphase: Die
      Frist zum Einreichen von Kommentaren ist am 4. Mai 2018 abgelaufen.
  2 	 Vgl. https://www.bafin.de/SharedDocs/Downloads/DE/Anlage/dl_180524_rtf-leitfaden_veroeffentlichung.html.
  3 	 „Die Institute verfügen über solide, wirksame und umfassende Strategien und Verfahren, mit denen sie die Höhe, die Arten und die Verteilung des
      internen Kapitals, das sie zur quantitativen und qualitativen Absicherung ihrer aktuellen und etwaigen künftigen Risiken für angemessen halten,
      kontinuierlich bewerten und auf einem ausreichend hohen Stand halten können.“
  4 	„(1) Damit die Institute stets über angemessene Liquiditätspuffer verfügen, stellen die zuständigen Behörden sicher, dass die Institute über solide
      Strategien, Grundsätze, Verfahren und Systeme verfügen, mit denen sie das Liquiditätsrisiko über eine angemessene Auswahl von Zeiträumen, die auch
      nur einen Geschäftstag betragen können, ermitteln, messen, steuern und überwachen können (…).“
  5   Vgl. Kregiel/Wimmer: Steigende Anforderungen durch den neuen RTF-Leitfaden, in: News 01/2018.
  6   Quelle: Leitfaden der EZB für den internen Prozess zur Beurteilung der Angemessenheit der Liquidität (ILAAP), März 2018 (Konsultationspapier), S. 30

  18 I NEWS
Gesamtbanksteuerung
   der Zukunft
              EGP - die einheitliche Plattform für Accounting,
              Meldewesen, Controlling & Risikomanagement
              zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen.

   www.msg-gillardon.de/egp

Accounting                    Meldewesen              Controlling &
                                                   Risikomanagement
Unser Seminarangebot im 2. Halbjahr 2018

     Wir machen Sie
     zukunftsfähig!
Wer in der sich stetig ändernden Welt des Aufsichtsrechts, der Banksteuerung und des Rechnungswesens
erfolgreich sein möchte, braucht qualifizierte Weiterbildung, und zwar eine, die praxisorientiert an den Bedürf-
nissen von Fach- und Führungskräften in Finanzinstituten ausgerichtet ist. Mit unseren Seminaren begleiten wir
Sie kompetent auf Ihrem beruflichen Weg und stärken Sie fachlich und persönlich bei Ihren Aufgaben und Zielen.

                                                                                                   Ansprechpartnerin:
                                                                                                        Stefanie Altinger
                                                                                                 Leitung Veranstaltungen
                                                                                                       +49 7252 9350-110
                                                                                        veranstaltungen@msg-gillardon.de
                                                                                                    Infos und Anmeldung:
                                                                                          www.msg-gillardon.de/seminare

20 I NEWS
Wir machen Sie zukunftsfähig! »

14.09. & 23.11.2018                         25.-26.09.2018 | Würzburg                    09.10.2018 | Würzburg
Webinar: MaRisk – Data-Governance-          Implizite Optionen (Modellierung und         Grundlagen der Finanzmathematik
Anforderungen (Lösungsansätze mit           aktuelle Herausforderungen)                  und Statistik
dem msgGillardon-MetaMaster)
                                            Implizite Optionen stellen gerade in         Grundkenntnisse der Finanzmathematik
Das Webinar bietet Ihnen die Möglichkeit,   Zeiten niedriger oder negativer Zinsen       und statistischer Methoden sind für das
sich kompakt und flexibel über Lösungsan-   eine Herausforderung für die                 bankinterne Risikomanagement, aber auch
sätze zur Erfüllung der Data-Governance-    Risikosteuerung dar. Im Seminar lernen       im Kontext regulatorischer Anforderungen
Anforderungen aus MaRisk, BCBS 239 und      Sie den Umgang mit impliziten Optionen       unerlässlich. Das Seminar vermittelt Ihnen
BAIT zu informieren und zu sehen, weshalb   unter Berücksichtigung der aktuellen         die Grundlagen der Messung und Steue-
ein zentrales Metadatentool dafür ein       aufsichtsrechtlichen Anforderungen,          rung von Risiken im Kreditgewerbe.
wichtiger Bestandteil ist.                  insbesondere die speziellen Bedarfe durch    Außerdem ist es bestens geeignet, um Ihr
Referenten: Christoph Prellwitz,            das historisch niedrige Zinsumfeld.          bereits vorhandenes Wissen aufzufrischen.
Michael Winkler                             Referenten: Tanja Gerling,                   Referenten: Markus Hausmann,
                                            Peter Jacob                                  Dr. Sven Heumann

10.10.2018 | Würzburg                       16.-17.10.2018 | Würzburg                    06.11.2018 | Würzburg
Meldewesen kompakt                          Adressrisiken (Modelle für Ausfall-,         IT-Architektur und Reporting unter
                                            Migrations- und Spread-Risiko)               MaRisk/BAIT und BCBS 239
Zahlreiche aufsichtsrechtliche Neuerungen
und Vorgaben machen das Meldewesen          Eine Steuerung der Adressrisiken im          Aufsichtsrechtliche Vorgaben erhöhen
immer komplexer. Im Seminar verschaffen     Kundengeschäft ist sowohl für die            den Handlungsdruck auf die Ausgestaltung
Sie sich einen kompakten Überblick über     wirtschaftliche Entwicklung als auch         der IT-Architektur und das Reporting. Im
rechtliche Grundlagen, europäisches         aus der aufsichtsrechtlichen Perspektive     Seminar erhalten Sie einen fachlichen Über-
und nationales Meldewesen, technische       unerlässlich. Das Seminar befähigt Sie,      blick über den aktuellen Stand der
Regulierungs- (RTS) und Durchführungs-      Kreditportfoliorisikomodelle hinsichtlich    MaRisk beziehungsweise BAIT zu dieser
standards, Prozesse und Kontrollen im       der aufsichtlichen und betriebswirtschaft-   Thematik, denn analog zu BCBS 239 sind
Meldewesen sowie über Initiativen der       lichen Eignung zu bewerten und die           hierbei erstmals Anforderungen an die
Aufsicht zur Erhöhung der Datenqualität.    Ergebniskennzahlen zu interpretieren.        IT-Bebauung von Banken konkret verankert.
Referenten: Carla Krauss,                   Referenten: Oxana Brenner,                   Referenten: Alexander Nölle,
Alexander Nölle                             Stephan Vorgrimler                           Christoph Prellwitz

13.-14.11.2018 | Würzburg                   04.-05.12.2018 | Würzburg                    06.12.2018 | Würzburg
Risikomanagement (Für Ein- und              Basisseminar Zinsänderungsrisiken            Kompaktseminar Marktpreisrisiken
Umsteiger)                                                                               (Mit Vertiefung Zinsänderungsrisiken)
                                            Die Niedrigzinsphase sowie
Die Anforderungen an das                    aufsichtsrechtliche Bedingungen (MaRisk,     Die Steuerung der Marktpreisrisiken
Risikomanagement werden ständig             EBA, BCBS) erhöhen die Bedeutung des         unterliegt steigenden regulatorischen
erweitert und in immer kürzeren             Zinsänderungsrisikos im Bankbuch             Anforderungen. Im Seminar erhalten
Zeiträumen aktualisiert. Für Banken ist     (IRRBB). Das Seminar vermittelt Ihnen        einen kompakten Überblick über
ein professionelles Risikomanagement        einen umfassenden Überblick über             Zinsänderungs-, Aktienkurs-,
unumgänglich. Im Seminar erhalten           Zinsänderungsrisiken aus wertorientierter    Währungs- und Spread-Risiken sowie
Sie einen fundierten Überblick über die     und periodischer Sicht im Normal- und im     über Risiken aus impliziten Optionen
wichtigsten Themen des Risikomanage-        Stress-Case sowie sich daraus ergebende      und Kenntnis über aktuelle regulatorische
ments und können praxisrelevante            Herausforderungen.                           Anforderungen an Marktpreisrisiken.
Fragestellungen diskutieren.                Referenten: Rainer Alfes, Dr. Sven           Referenten: Rainer Alfes, Dr. Sven
Referenten: Holger Dürr,                    Heumann, Klaus Stechmeyer-Emden              Heumann, Klaus Stechmeyer-Emden
Stephan Vorgrimler

                                                                                                                           NEWS I 21
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