Le Don Ich gebe, also bin ich - Université de Fribourg
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DECEMBRE 2009 I 02 L E M A G A Z I N E D E L ' U N I V E R S I T É D E F R I B O U R G , S U I S S E I D A S M A G A Z I N D E R U N I V E R S I T Ä T F R E I B U R G , S C H W E I Z
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Die Gabe hat es in sich. Richtig angewendet und vorliegenden Ausgabe von universitas kann es pas-
umgesetzt wäre sie wohl in der Lage, den sieren, dass sich eine Art innere «Vorweihnachts-
Weltfrieden zu retten – oder zumindest dazu beizu- Checkliste» abzeichnet. So drängt sich plötzlich
tragen, gleichzeitig kann sie grosses Unglück brin- ganz leise die Frage auf «Schenk ich auch wirklich
gen, denn so unschuldig wie sie auf Anhieb anmu- von Herzen?». Oder auch, noch etwas leiser, «Was
ten mag, ist sie keineswegs. Kein Geringerer als der motiviert mich zu dieser Gabe?», «Was erwarte ich
Ethnologe und Soziologe Marcel Mauss hat uns als Gegenleistung?». Damit soll dem weihnachtli-
gelehrt, dass jede Gabe mit einer Gegengabe vergol- chen Schenken aber nicht etwa der Garaus gemacht
ten werden muss (S. 8) – eine Aussage, welche die werden. Solange die Intention dahinter stimmt,
Freude an einem Geschenk schmälern könnte. scheint es auch gegen die mitunter beachtlichen
Anders gesehen wussten bereits die alten Griechen Berge an Geschenken keine Einwände zu geben
um die Vorteile dieses ungeschriebenen Gesetzes (S. 12). Auch gilt es, sich in einem Moment der
und machten sich das so genannte Win-win-Prinzip Stille darauf zu besinnen, weshalb wir Weihnachten
zu Nutze (S. 32). Der Akt des Gebens beherrscht feiern, sei dies nun aus christlicher Überzeugung
unseren Alltag, die Politik, ja gar die Wirtschaft – oder zumindest aus Respekt vor dieser Tradition. Im
auch wenn diese sich mit der Idee der Sinne der alten Griechen und in Anlehnung an
Unentgeltlichkeit nicht so recht anfreunden mag Mauss Theorie bedanken wir uns an dieser Stelle
(S. 28). Gerade in der Vorweihnachtszeit hat die noch herzlich bei den 51 Autorinnen und Autoren,
Gabe Hochkonjunktur. Auch wir haben die Gunst die uns im 2009 mit Beiträgen unterstützt haben.
der Stunde genutzt und dem Weihnachtsfest etwas Wir wünschen allen frohe Festtage!
Platz eingeräumt. In diesem Zusammenhang hier
noch eine kleine Warnung: Beim Durchlesen der Die Redaktion
Sommaire - Inhalt
4 Im Fokus
Dossier : Le don
8 Marcel Mauss ou la politique du don
11 Deux piécettes et une vie tout entière
12 Wie viele Geschenke passen unter den Weihnachstbaum?
15 «Ô admirabile commercium» : Noël ou le don de Dieu
16 Et si la dette était première ?
18 (K)ein Schritt für Jedermann
22 Un acte d’indifférence
25 La gratuité et le don dans le Magistère
26 Das Elsass auf dem Gabentisch
28 Le don, cet angle mort de la pensée économique
30 Schenken will gelernt sein
32 Le concept du «win-win» en Grèce ancienne
34 Geben ist seliger denn Nehmen
36 Donner pour cause de mort
38 Die Gaben des Heiligen Geistes
39 La Suisse des «givers» & «takers»
42 uni actuel
46 new, projets, portrait & lectures
Couverture et illustrations du dossier : Tassilo Jüdt, www.tassilo.ch
UNIVERSITAS / DEZEMBER 2009 3Entwicklungsperspektiven der
Alma Mater
Ein Planungshorizont bis ins ferne Jahr 2020 mag vermessen erscheinen. Doch in
einer immer anforderungsreicheren Hochschullandschaft ist es unabdingbar, über
das Tagesgeschäft hinaus zu planen, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Mit dem
Segen des Senats zum neuen Strategiedokument sind die Leitlinien gesetzt, die
der Alma Mater den Weg für das nächste Jahrzehnt vorzeichnen sollen.
im fokus Die Universität Freiburg ist die einzige zweispra-
Daniel Schönmann
zutragen. Diese Mission kann die Universität am
chige Universität der Schweiz. Sie ist internatio- besten im Rahmen einer klar geregelten
nal ausgerichtet, echte Interdisziplinarität ist Autonomie erfüllen, welche das Ziel der ange-
ihre Stärke und sie hat den Anspruch, perma- laufenen Revision des kantonalen Universi-
nent die Qualität in Forschung, Lehre und allen tätsgesetzes sein muss.
weiteren Aktivitäten zu pflegen und zu entwi-
ckeln. Vor allem aber stellt die Universität bei «Schweizerischste» aller Universitäten
allem, was sie tut, den Menschen in den Mit den beiden offiziellen Sprachen deutsch und
Mittelpunkt. Wissenschaft und akademische französisch sowie dem traditionell hohen Anteil
Lehre finden in einer persönlichen, menschli- an Studierenden aus dem Tessin ist die
chen Atmosphäre statt und die Forscherinnen Universität seit jeher ein helvetischer Mikro-
und Forscher werden ebenso wie die Studien- kosmos mitsamt dem weltoffenen, internationa-
abgängerinnen und -abgänger ermutigt, eine len Flair, das auch für die moderne Schweiz
ethische Verantwortung für die Entwicklung der typisch ist. Dieses überregionale und internatio-
Gesellschaft zu übernehmen. nale Profil gilt es in der strategischen Planung zu
berücksichtigen, damit die Universität Freiburg
Gut gerüstet in die Zukunft weiterhin dazu beitragen kann, als kulturelle und
Träger der Universität Freiburg ist der Kanton wissenschaftliche Brücke zwischen den Landes-
Freiburg und an seine Organe ist die Strategie in teilen das Gemeinwesen der Schweiz zu stärken.
erster Linie gerichtet. Während die Ausstrahlung Durch das neue Bundesgesetz über die
der Universität Freiburg durch ihre Forschung Hochschulen werden die Rahmenbedingungen
und die Ausbildung des akademischen für die Schweizer Universitäten neu umrissen
Nachwuchses weit über die Kantonsgrenzen und es gilt, die eigene Strategie optimal auf diese
hinausreicht, sind es an erster Stelle die Bür- künftigen Gegebenheiten auszurichten.
gerinnen und Bürger des Kantons, welche die Für die vom Rektorat im Austausch mit den
Existenz der Alma Mater ermöglichen. Die Fakultäten und den universitären Körper-
Universität hat in der Entwicklung des Kantons schaften erarbeitete strategische Planung wurden
Freiburg vom strukturschwachen Agrarkanton sieben übergreifende Entwicklungsziele formu-
zu einer dynamischen Wirtschaftsregion eine liert. Gemeinsam ist allen Zielen der Grundsatz,
zentrale Rolle gespielt und verpflichtet sich auch vor allem diejenigen Bereiche und Aktivitäten zu
weiterhin, dem Kanton einen steten kulturellen, verbessern, die bereits jetzt gut funktionieren
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert und neue Initiativen vor allem dort zu ergreifen,
zu schaffen. Dazu gilt es, dem Ruf als wo vorhandene Stärken weiter entwickelt wer-
Ausbildungsstätte ersten Ranges für junge den können.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus
der Schweiz und dem Ausland immer wieder n Entwickeln und profilieren der fakultären
gerecht zu werden und als Forschungsinstitution und interfakultären «Leuchttürme» und the-
mit einer Palette profilierter wissenschaftlicher matischen Schwerpunkte der Universität
Daniel Schönmann ist General- Exzellenzzentren die Anziehungskraft Freiburgs Freiburg, um deren Sichtbarkeit und Dynamik
sekretär der Universität Freiburg. für innovative Unternehmen zu stärken und in den Dienst der ganzen Universität, des
daniel.schoenmann@unifr.ch somit zur Schaffung attraktiver Arbeitsplätze bei- Kantons und der Schweiz zu stellen. Unter
4 UNIVERSITAS / DECEMBRE 2009«Leuchttürmen» werden Schwerpunkte der Forschung und Lehre bis hin zu den internen
Kompetenz und Exzellenz sowohl in der und den für die Gesellschaft erbrachten
Forschung als auch in der Lehre verstanden. Dienstleistungen. Es gilt, den ausgezeichneten
Ruf der Universität Freiburg im Bereich der
n Stärken des wissenschaftlichen Nachwuchses Qualitätsentwicklung weiter auszubauen.
und fördern der.Forschung, indem mehr Ent-
wicklungsmöglichkeiten für junge Forschende n Dynamisieren des Einsatzes der finanziellen
im universitären Mittelbau geschaffen werden. Ressourcen innerhalb der Alma Mater durch
Es gilt, eine bessere zahlenmässige.Ausgewo- ein transparentes System auf der Basis nach-
genheit zwischen den verschiedenen Personal- vollziehbarer Indikatoren, um der Gesamtuni-
kategorien zu finden, von der Doktoranden- versität und den Fakultäten den Spielraum zu
bis zur Professorenstufe. ermöglichen, auf kurzfristige Entwick -
lungen und Chancen zu reagieren und noch
n Verdichten und entwickeln des interna- stärker die Exzellenz in Forschung und
tionalen Netzwerkes der Universität Freiburg, Lehre zu fördern.
sowohl zu Gunsten der Forschung als auch
der Koo peration in der Lehre und der n Konzentrieren der Bauten und Infrastrukturen
Mobilität der Studierenden. Das internatio- auf der Achse zwischen «Miséricorde/Beau-
nale Netzwerk der Universität Freiburg ist regard» und «Pérolles», um optimale Arbeits-
weltumspannend und beschränkt sich nicht auf bedingungen für Studierende, Forschende und
Europa. Lehrpersonal zu schaffen. Entwickeln der beste-
henden Bauten und von Neubauten im Rahmen
n Fördern und unterstützen der Qualität in einer Gesamtvision zu Gunsten attraktiver
allen Aktivitäten der Universität, von der Arbeitsbedingungen in allen Fakultäten.
© Jupiter images
Die Strategie 2020 zeigt der Universität den Weg durch die künftige Hochschullandschaft.
UNIVERSITAS / DEZEMBER 2009 5n Verbessern und verstärken der internen wird als nächster Schritt dem Staatsrat des
Dienstleistungen zu Gunsten von Studierenden, Kantons Freiburg zur Kenntnis gebracht und
Forschenden und Lehrpersonal. Die Dotierung dann veröffentlicht.
der Dienste im Verhältnis zur Anzahl
Studierender und Forschender muss dem Niveau Nicht Kristallkugel, sondern Kompass
vergleichbarer Universitäten angenähert werden, Die «Strategie 2020» der Universität Freiburg
während der Ressourcen-Einsatz durch enge kann nicht bis ins letzte Detail voraussagen, wie
Koordination der Dienststellen optimiert wird. die Alma Mater und ihr Umfeld im Jahre 2020
aussehen werden. Vielmehr soll sie aufzeigen,
Das Strategiedokument umreisst die konkrete wie die Universität mit ihren wissenschaftlichen
Umsetzung dieser sieben Zielsetzungen in den Ergebnissen durch gezielte Investitionen und
fünf Fakultäten, den interfakultären Einheiten vorausschauenden Mitteleinsatz zur Lösung
sowie in den Politikfeldern Qualitätsent- aktueller und künftiger Probleme beitragen kann
wicklung, Forschungsförderung, Lehre, Weiter- und Studierende zu verantwortungsbewussten
bildung, Beziehungen und Netzwerke, Perso- Menschen ausbildet, die befähigt und bereit sind,
im fokus nalentwicklung, Bauten und Infrastrukturen
sowie interne Dienstleistungen. Das Papier
sich den Herausforderungen der Zukunft zu stel-
len – weit über das Jahr 2020 hinaus. n
«Wir haben keine Luftschlösser entworfen.»
Gemäss Universitätsgesetz ist das Rektorat mit der Ausarbeitung der Strategie
betraut und hat diese dem Senat zur Genehmigung zu unterbreiten. Rektor
Guido Vergauwen äussert sich zum Planungsprozess.
Die Universität Freiburg ist nach Gesetz eine auto- Die strategische Planung fällt in die Zeit einer
nome Anstalt des Kantons Freiburg – aber wie auto- Wirtschaftskrise, in welcher die Steuereinnahmen sin-
nom ist die Universität tatsächlich, wenn es um die ken und sich die öffentliche Hand teilweise stark ver-
Festlegung ihrer Strategie geht? schulden muss. Auch wenn der Kanton Freiburg im
Moment finanziell vergleichsweise gut dazustehen
Bei der Formulierung ihrer Strategie ist die scheint – wie realistisch ist es, vor diesem Hintergrund,
Universität völlig autonom – nach Universi- die finanziellen Mittel für die Umsetzung ihrer
tätsgesetz ist es das Rektorat, welches die Strategie Strategie zu erhalten?
erarbeiten muss und der Senat der Universität
genehmigt sie. Den kantonalen Behörden, also Wir haben keine Luftschlösser entworfen, die neue
Erziehungsdirektion und Staatsrat, wird das fertige Mittel in astronomischer Höhe erfordern würden;
Strategiepapier zur Kenntnis gebracht. Erst dann vielmehr sehen wir handfeste und konkrete
tritt der Trägerkanton Freiburg auf den Plan: Ihm Entwicklungsschritte und Verstärkungen vor. Aber
steht es zu, über die finanziellen Ressourcen zu natürlich benötigen wir für die Umsetzung der
entscheiden, welche er der Universität zur Strategie auch Investitionen des Kantons Freiburg.
Umsetzung ihrer Strategie zur Verfügung stellen Wir setzen auf das Bewusstsein des Staatsrates, dass
kann und will. der grosse Beitrag der Universität zur Entwicklung
des Kantons nur möglich bleibt, wenn die
Wie ist das Rektorat konkret bei der Ausarbeitung der Universität sich ihrerseits entwickeln kann.
Strategie 2020 vorgegangen?
Das Strategiepapier wird nun dem Staatsrat unter-
Anfang 2008 hat das Rektorat begonnen, die breitet und veröffentlicht. Wie geht es danach weiter?
Situation der Universität zu analysieren und sich
Gedanken über ihre Entwicklungsperspektiven zu Die Arbeiten an der finanziellen Mehr-
machen. Schon in dieser Phase standen wir im jahresplanung 2012 bis 2015 sind bereits im
regen Austausch mit den Dekanen der fünf Gange. Jetzt geht es darum zu zeigen, welche
Fakultäten. Im Laufe von 2009 hat das Rektorat Investitionen in die Universität für die unmittelbare
schliesslich das Strategiepapier ausformuliert, und Zukunft notwendig sind, um die Strategie realisie-
es bei den Fakultäten und den universitären ren zu können. Zuerst arbeiten wir intern an der
Körperschaften in Konsultation gegeben. Damit Planung, auch dies in enger Zusammenarbeit mit
konnte diesen Herbst ein vom Rektorat formu- den Fakultäten. Anschliessend geht es um die
liertes, aber von den Fakultäten und Körper- Aushandlung des Globalbudgets 2012-2015 mit
schaften mitgeprägtes und hoffentlich auch mit- dem Staatsrat, über welches am Ende der Grosse
getragenes Strategiedokument dem Senat der Rat des Kantons Freiburg entscheidet.
Universität unterbreitet werden. Dieser hat die
Strategie 2020 in zwei Sitzungen beraten und
schliesslich am 9. Dezember 2009 genehmigt.
6 UNIVERSITAS / DECEMBRE 2009Veillez d'abord à mériter de donner,
et d'être l'instrument du don.
Car en vérité c'est la vie qui donne à la vie et
vous qui croyez être la
source du don, vous
n'en êtes que
témoins.
Khalil Gibran,
Le Prophète
© TassiloMarcel Mauss ou la politique
du don
Dans son ouvrage de référence «Essai sur le don», l’anthropologue et sociologue
français Marcel Mauss analyse les enjeux de l’échange. Prestige, honneur, pouvoir,
domination : un cadeau apparemment anodin se transforme parfois en un «fait
social total» impliquant la société dans son ensemble. Souvent critiqué, Mauss
continue pourtant à inspirer la recherche et son actualité ne se dément pas.
dossier
Soziales Totalphänomen Paru en 1924, l’«Essai sur le don» de Marcel
Nida Surber
lien par les choses est un lien d’âmes, car la
Der französische Ethnologe und Mauss est l’un des ouvrages les plus commentés chose elle-même a une âme, est de l’âme. D’où
Soziologe Marcel Mauss publizierte en anthropologie, en sociologie et en ethnologie. il suit que présenter quelque chose à quelqu’un
1924 sein Werk «Essai sur le don», Son influence s’étend toutefois sur bien d’autres c’est présenter quelque chose de soi.» Les
dessen Kernaussagen hinreichend
bekannt sind: Der Gebende wächst disciplines. Ainsi, la signataire du présent article, objets donnés et reçus vont exprimer des sens
durch den Akt der Gabe und der qui enseigne aujourd’hui les littératures médié- tantôt concrets, tantôt symboliques. Le travail
Nehmende büsst, konsequenterwei- vales anglaises, s’est longtemps occupée d’his- postérieur de Bourdieu, «Esquisse d’une théo-
se, an Grösse ein; der Austausch ist toire des religions, domaine où la lecture de rie de la pratique», se trouve déjà en filigrane
eine umfassende gesellschaftliche Marcel Mauss était un «must», ce qui lui a chez Mauss. La question de la masculinité ou
Tätigkeit – ein «soziales Totalphä-
nomen». Nach Mauss Theorie steht beaucoup servi lorsqu’il lui a fallu disséquer le de la féminité des dons est y est également évo-
der Beschenkte nach Erhalt der don et l’échange dans la littérature vieil-anglaise quée, question qui resurgira quelques décen-
Gabe in der Pflicht des Gebenden, et vieil-islandaise. L’«Essai sur le don» com- nies plus tard chez les anthropologues M.
bis hin zum Moment, da er die Gabe mence d’ailleurs par une longue citation d’un Strathern et B. Juillerat. Que l’échange porte
«ausgleicht», d.h. ebenfalls ein Ge- poème fondamental dans l’ensemble de la litté- sur des biens, des gens ou des rituels, il va s’ins-
schenk macht. Das den Besitzer
wechselnde Objekt ist dabei nicht rature vieil-islandaise, le «Hávamál». Les thèses crire dans une construction sociale : Mauss a
nur materieller Natur, es hat auch principales de Marcel Mauss sont connues : bien vu dans les objets eux-mêmes qu’ils
einen sozialen Wert, eine Seele. premièrement, que le donateur ressort grandi avaient «un prestige, un nom, une personnalité,
Wenn auch häufig kritisiert, bleibt par la donation et que le bénéficiaire s’en trouve une histoire, même un roman». En ce qui
Marcel Mauss auch heute noch par conséquent diminué; deuxièmement, que le concerne l’échange des gens, Mauss se sert du
aktuell und seine Theorie zur Gabe
bildet noch immer die Basis vieler système de prestations conditionnées par le don terme anglais de «fosterage», concept sans
Forschungsarbeiten auf diesem et l’échange a constitué un phénomène total, se lequel les sagas islandaises seraient incompré-
Gebiet. construisant au fond comme un cercle à inscrire hensibles. En clair, une famille fait adopter par
dans le temps. Conformément au premier argu- une autre un de ses enfants afin de créer une
ment de la thèse, le bénéficiaire devient l’obligé alliance durable entre les deux familles : la
du donateur jusqu’au moment où il pourra ren- «Saga de Njál» illustre bien l’extrême impor-
dre ce don. Mauss pensait qu’il y avait obliga- tance politique d’un geste qui ne semble relever
tion de rendre, que la donation impliquait auto- que de la sphère familiale. Il apparaît donc que
matiquement un contre-don : cet aspect a été l’insistance maussienne sur le supplément
critiqué depuis, notamment par P. Bourdieu, d’âme que revêtent certains échanges ne
C.A. Gregory, M. Sahlins et M. Strathern. dénote pas un certain mysticisme de sa part,
L’ouvrage de Mauss reste néanmoins au centre mais un fait social. Ce que Marcel Mauss
de l’écheveau des théories et des concepts affirme sur le «potlatch» est connu de tous et
anthropologiques ultérieurs. peut même sembler aller de soi : c’est oublier à
quel point son analyse était novatrice en 1924.
Un supplément d’âme La destruction sacrificielle des biens chez cer-
Etant donné que l’objet donné et reçu n’est pas taines tribus nord-américaines, dont tant ont
Nida Surber enseigne les langues qu’un objet matériel, concret, mais qu’il s’ins- disparu depuis, sous-entend elle aussi une
et littératures médiévales anglaises crit dans un enchaînement de significations notion d’honneur qui se transforme en pouvoir
au Département d’anglais et sociales, il peut se transformer en un surplus ultérieur. On détruit des richesses afin d’aplatir
slavistique. d’honneur et de prestige qui va bien au-delà de (terme maussien) un rival, destruction qui fera
nida.surber@unifr.ch sa valeur objective. Pour Mauss, «la chose même avancer socialement la famille du dona-
Gift and Exchange in the Anglo-Saxon Poetic
Corpus, 1994. reçue n’est pas inerte», elle est «animée» : «le teur («big-man») des objets qui seront détruits.
8 UNIVERSITAS / DECEMBRE 2009Cela dit, il est évident que l’ouvrage de Mauss, Mauss et constituait une critique virulente
que lui-même qualifiait d’«insuffisamment de l’utilitarisme anglo-saxon. Dans son texte
complet» a été soumis à un feu nourri de cri- au titre significatif «No Free Gifts», Douglas
tiques. Il est clair qu’un certain passéisme, une souligne que Marcel Mauss cherche à oppo-
certaine nostalgie règne chez Mauss, tant il est ser une économie tempérée par le don et
vrai qu’il évoque «nos paysans ou les villages de l’échange au pur mercantilisme qui allait
pêcheurs de nos côtes il n’y a peut-être pas cent être appelé à se répandre sur la planète
ans», regrettant un système qui semblait avoir entière. Ce débat est toujours d’actualité si
encore «valeur de sentiment». Dans ses conclu- on songe au nombre d’ouvrages, parfois très
sions qu’il qualifie d’ailleurs de morales, il controversés, qui prônent la fin de l’aide
déclare que l’on doit revenir à de l’archaïque. humanitaire en Afrique au profit du libre jeu
des forces du marché. Pour Douglas, un don
Nombreuses remises en question qui ne mettrait pas en valeur la solidarité
L’excellente introduction de l’anthropologue représente un non-sens au point de vue
britannique Mary Douglas à la nouvelle tra- social. Si elle reproche quelque chose à
duction, en 1990, de l’ «Essai sur le don» par Marcel Mauss, c’est d’avoir tenté d’enregis-
W.D. Halls – une preuve éclatante de la cen- trer théoriquement la structure tout entière
tralité de l’essai de Mauss encore aujour- du crédit dans son essai, par une sorte
d’hui – jette une lumière tout autre sur l’ap- d’«hubris» scientifique. Plus récemment, en
parente nostalgie manifestée par Mauss. 2003, John Monaghan écrit lui aussi dans la
Selon elle, l’«Essai sur le don» faisait partie revue «Ethnohistory» que l’«Essai sur le don»
d’une attaque en règle menée contre la théo- constitue l’un des ouvrages les plus soigneuse-
rie politique dominante du temps de Marcel ment décortiqués en ethnologie comparée.
▼
© Tassilodossier Dans ce court texte qu’il consacre à la tra- son» en allemand). Cette erreur se perpétue
duction anglaise de l’ouvrage de Maurice depuis lors, d’autant plus que le linguiste E.
Godelier L’«Enigme du don» (1996), il fus- Benveniste a répété la chose telle quelle en 1966
tige tant Mauss que Godelier à propos de et en 1969, alors que plus récemment encore J.
l’idée que le don est le principe social élé- Derrida a repris ce rapprochement pseudo-éty-
mentaire dont l’origine remonterait aux mologique à son compte. Tous les dictionnaires
débuts de la vie communautaire. Strathern étymologiques germaniques s’accordent à dire
quant à elle, en 1988, s’était déjà insurgée qu’il n’y a jamais eu de coexistence synchro-
contre le ton moralisateur de Marcel Mauss, nique des deux acceptions de «Gift», «don» et
tout comme le philosophe et essayiste «poison», dans une même langue. C’est sous
Jacques Derrida le fera en 1991. La contri- l’influence du terme grec, repris en latin,
bution de Strathern réside dans la mise à «dosis» (dose d’un remède) que la notion du
jour des relations instaurées par l’échange de don funeste est apparue, et cela seulement en
biens, et qu’elle désigne par le terme de allemand. En vieil-anglais, le seul terme pour
«enchainment» : ce sont ces relations-là qui «poison» est «attor», rien à voir avec le substan-
enchaînent les individus et non pas les objets tif «gifu», «cadeau». Le seul contre-exemple
donnés en anticipation des objets à rendre. viendrait du hollandais, où «Gift» présente
Pour elle, clairement, la cérémonie du effectivement les deux sens, mais même là, ces
cadeau avec son contre-cadeau tend à mas- deux sens se distinguent parfaitement par le
quer le fait qu’un échange de cette nature est genre neutre («poison») et féminin («don»).
le seul moyen de s’approprier la richesse, et Aucune de ces critiques ne remet en cause la
donc le pouvoir. Elle a, elle aussi, maille à centralité d’un ouvrage qui a engendré tant de
partir avec ce qu’elle nomme le côté mys- contributions originales dans des domaines si
tique de Marcel Mauss. Ces relations, dit- divers. Le fait le plus remarquable est qu’à son
elle, ne sont que partiellement révélées ou époque Marcel Mauss a clairement situé son
visibles. Effectivement une certaine imprévi- essai anthropologique dans le domaine poli-
sibilité autour de l’échange est de mise. tique. Lorsqu’il en appelle à davantage de
Nombreux sont les contradicteurs de Marcel civisme et de civilité et qu’il nous rend attentifs
Mauss qui déclarent que les dons peuvent à la dimension non-monétariste du don et de
être refusés (R. Gasché en parle en 1972). La l’échange, nous ne pouvons que reconnaître
hiérarchie qu’on voudrait imposer par ce l’actualité du propos. n
genre de dons peut être rejetée même par les
subordonnés d’une personne «généreuse»
détentrice du pouvoir.
Cadeau empoisonné, vraiment ?
Quant à la fascination pour l’ambivalence du
don (cadeau empoisonné et autres dons
funestes), on permettra à l’angliciste qui signe
ces lignes de s’attaquer à une confusion chez
Mauss qui a la vie longue, à savoir l’assimilation
de «gift» («don» en anglais) et de «Gift» («poi-
10 UNIVERSITAS / DECEMBRE 2009Deux piécettes et une vie
tout entière
Qu’est-ce que le don véritable ? Certainement pas celui qui correspond aux
attentes et aux besoins. Dans la Bible, la veuve qui offre au temple de Jérusalem
les deux seules piécettes qu’elle possède donne en réalité «sa vie tout entière».
Ce geste la place au même rang que Dieu qui a donné son Fils et son Esprit.
Mirobolants, ces deux dons nous emmènent vers la vraie rencontre.
Zum wahren Wert der Gabe
dossier
Peut-on parler de don quand le don corres-
Philippe Lefebvre
nit une sorte de mesure : il y a don à propre-
Zu Zeiten von Jesu, im Tempel von pond à ce qu’on attendait ? Celui qui le reçoit ment parler quand «la vie toute entière» du
Jerusalem: Eine Wittwe opfert ihre reste maître du jeu : il avait déterminé son donateur est donnée dans son geste.
zwei einzigen Geldstücke. Jesu
macht seine Jünger auf diese
besoin, il en obtient satisfaction. Le don
bescheidene Gabe aufmerksam; in authentique tend, lui, à échapper. Il apporte Au registre personnel
Wirklichkeit hat die arme Frau ihr trop ou trop peu ou autre chose que ce qui Le don, qui passe pour pure gratuité, est en
«ganzes Leben» Gott geschenkt, so était prévu. Il déjoue les enchaînements de fait, d’une certaine manière, le mode de rela-
wie Gott dem Menschen seinen l’offre et de la demande, il dirige vers le dona- tion le plus exigeant qui soit. Il fait entrer dans
Sohn und den Heiligen Geist
geschenkt hat. Die beiden Szenen,
teur qui ne se conforme plus dès lors au bail- le registre personnel : le donateur et le réci-
so unterschiedlich sie auch anmu- leur de fonds attendu. Voici un point de départ piendaire sont convoqués à la rencontre l’un
ten, haben vieles gemeinsam. Was biblique pour penser le décalage que le don de l’autre. La veuve du temple n’a rien, mais
auch immer «das Ganze» eines introduit (Evangile de Marc 12, 41-44). elle donne son tout au Dieu qui réside au tem-
jeden ausmacht, welcher Natur die- ple; elle fait avec lui compte commun et, dans
ses «Ganze» auch sei, wichtig ist
der Akt der Gabe.
Un don déconcertant son temple, cohabite avec lui d’égale à égal.
Jésus est un jour au temple de Jérusalem avec Parlera-t-on de subjectivité dans le don
ses disciples. Il se tient devant la salle du trésor ainsi compris ? L’opposera-t-on aux dona-
où des gens déposent ostensiblement des dons tions objectives qui répondent à des besoins
substantiels. Il voit à un moment une pauvre réels ? Encore une fois, notre amie la veuve
veuve qui y donne deux piécettes : c’est tout ce nous aide à penser hors de ces clivages trop
qu’elle possède. Jésus alors appelle ses disciples simples : quand elle inscrit son don dans le
qui regardaient ailleurs et leur met en lumière registre personnel, elle rappelle que tout don
cette femme absolument inaperçue. Elle a vise la personne, et pas ultimement des orga-
donné plus que tout le monde, dit Jésus, elle a nismes anonymes ni des besoins généraux qu’il
donné «sa vie tout entière». Parfois un don ne s’agirait de combler.
peut apparaître comme tel que s’il est décon-
necté des programmes habituels de la bienfai- Donner dans l’excès
sance et du sponsoring. Le don de la veuve A la fin de la mission de Jésus, on voit la veuve
s’avère manifestement inutile : à quoi servent offrir ses deux pièces. Au tout début, Dieu s’est
les quelques centimes d’une mendiante dans le manifesté comme un Père qui donne son Fils
budget gigantesque d’un sanctuaire fré- et son Esprit (Marc 1, 9-11). Les deux scènes se
quenté ? Mais ce qu’elle offre dans ce don correspondent : quel que soit le tout d’un être,
négligeable, c’est elle-même. En cela, elle res- quelle que soit la nature de ce qui constitue «sa
semble à Dieu dont elle foule les parvis en vie tout entière», le but est de le donner. Les
venant au temple. Le Dieu biblique en effet ne deux piécettes du Père sont le Fils et l’Esprit.
donne jamais rien sous mode d’aide exté- Trop peu apparemment dans le cas de la
rieure, de sauvetage sans lendemain. Il se veuve, beaucoup trop dans le cas du Père : la
donne dès qu’il donne. En conclurons-nous Bible est ainsi faite, elle ne parle que d’excès, ce
qu’il faudrait mépriser désormais les donations qui est le régime attitré du don. L’impie dans
Philippe Lefebvre est professeur philanthropiques, les mécénats organisés ? la Bible n’est pas un mécréant : c’est celui ou
associé et président du Département Non, bien sûr. Les manières de donner sont celle qui a peur du don mirobolant et qui pré-
d’études bibliques. multiples et utiles, chacune en son genre. Mais fère vivoter dans les échanges contrôlés et
philippe.lefebvre@unifr.ch un don comme celui que fait cette veuve four- impersonnels. n
UNIVERSITAS / DEZEMBER 2009 11Wie viele Geschenke passen
unter den Weihnachtsbaum?
Das Geschenk ist zum Hauptakteur auf der weihnachtlichen Bühne geworden.
Seine mediale Omnipräsenz schon viele Wochen vor dem Fest erzeugt den
Weihnachtsstress, der in dem polyphonen Zuruf begründet liegt, sich endlich
um das Geschenk zu kümmern. Hilfe naht heute nicht mehr vom «Himmel
hoch»; vielmehr öffnet das Internet pünktlich zum Fest seine Portale.
dossier
De si beaux cadeaux de Noël Fussgängerzonen entpuppen sich zuweilen als
Michael Felder
christlichen Weihnachtsüberlieferung zu
Pour comprendre que sous l’arbre de Zonen der Wahrheit. So bringen in etwa die bauen. Es zeigt sich, dass beide, Krippe und
Noël il y a de la place pour de nom- vor christlichen Feiertagen spontan eingefange- Geschenk, unter dem Weihnachtsbaum Platz
breux cadeaux sans marginaliser la
crèche, il faut réfléchir à la relation
nen Befragungen der Passantinnen und Pas- haben und dass die Frage nach dem
entre l’«essentiel» du contenu de la santen nach dem Sinn des Festes Erstaunliches Eigentlichen nicht durch eine Art Wettstreit
fête et la signification des cadeaux. ans Licht. Auch Weihnachten macht da keine der Mentalität zu entscheiden ist. Die herme-
En effet, ces deux aspects ne sont Ausnahme. Der von den Kirchen beklagte neutische Brücke ist vor allem dort hilfreich,
pas uniquement liés par une simple Bewusstseinswandel, der offensichtliche Zu- wo der Eindruck eines Kampfes der Kulturen
date commune. Les cadeaux sont
généralement cachés avant de réap-
sammenbruch des kollektiven, christlich ge- zwischen zeitgenössischen, säkularen und
paraître sous l’arbre le jour de la prägten, kulturellen Gedächtnisses scheint christlichen, traditionsbewussten Haltungen
fête. Le terme d’apparition s’avère unumkehrbar. Und doch: Weihnachten vergisst entsteht. Manchmal erscheint dieser Kampf
central à Noël. Dieu est apparu en niemand, es ist ein Fest, das von allen Men- als ein Streit ums Urheberrecht. Von christli-
tant qu’homme. Traduit en langage schen gefeiert werden kann. Der Grund dafür cher Seite wird der Vereinnahmungsvorwurf
théologique technique par l’Incar-
nation, cela signifie que Dieu de-
ist, dass es eine Schlüsselszene enthält, die alle erhoben. Tatsächlich aber verbindet beide
vient visible à un certain endroit. verstehen können, auch wenn sie den spezifi- Seiten mehr als das gemeinsame
Dans cette perspective, le cadeau ne schen religiösen Code der Weihnachts- Festtagsdatum.
pourrait pas exprimer de manière geschichte nicht zu entschlüsseln wissen: das
plus belle ce que le message de Noël Schenken. Mit Blick auf die Gabenfülle der Sichtbarwerdung - Epiphanie
signifie : il s’agit de donner avec le
cœur tout entier. C’est bien là le
Kaufhäuser erscheinen die klassischen Prota- Zwar werden Weihnachtsgeschenke meist bis
symbole de la crèche, prouvant que gonisten unter dem Weihnachtsbaum, allen zum Festtag verborgen, aber sie warten nicht
Dieu donne tout ce qu’il a : lui-même. voran das Jesuskind, wie im Exil. im Versteck auf die Suchenden. Das Er-
scheinen unter dem Christbaum, bzw. die
Was für eine Bescherung Einbettung in einen besonderen Ort des
Der Versuch, eine friedliche Koexistenz mit Geschehens, unterstreicht die Sichtbarkeit des
den Geschenken im Glanzpapier zu führen, ist Geschenkes. Die Präsentation hat etwas
nicht einfach. Auch in den Familien der religi- Ostentatives. Weihnachtsgeschenke sollen eben
onssoziologisch als hochreligiös Bezeichneten nicht übersehen werden. Weihnachtsgeschenke
spielt das Schenken an Weihnachten eine zen- haben ihren Ort. Selbst dort, wo das nicht der
trale Rolle. Der Wille, das Eigentliche von Christbaum ist, gibt es bei vielen den traditio-
Weihnachten zu retten und die Bedeutung des nellen Ort der Bescherung.
Geschenkes an Wert und Zahl auf ein christ- Erscheinung ist ein zentrales Wort der
lich korrektes Mass festzulegen, birgt die Weihnacht. Gott ist als Mensch erschienen.
Gefahr unfestlicher Verkrampfung. Um zu Das, was in theologisch technischer Sprache
begreifen, dass unter dem Weihnachtsbaum mit Inkarnation bezeichnet wird, meint doch
viele Geschenke Platz haben, ohne damit die nichts anderes, als dass Gott an einem
Krippe so zu marginalisieren, dass – wenn bestimmten Ort sichtbar wird. Den Ort der
überhaupt – nur noch ein frommer Schein Bescherung kennen wir seid Kindertagen als
übrig bleibt, muss man über die Verbindung Bethlehem. Was in Bethlehem erschienen ist,
Michael Felder ist assoziierter zwischen dem «Eigentlichen» des Festinhaltes das ist die Sichtbarkeit Gottes als Eindeutigkeit
Professor am Departement für und der Bedeutsamkeit der Geschenkpraxis seiner Liebe. Das Geschenk lebt von der
Praktische Theologie. nachdenken. Es geht darum, eine Brücke zwi- Verhüllung, der Sichtbarmachung des (noch)
schen der Semantik des Geschenkes und der Unsichtbaren. Im Akt des Auspackens zeigt
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michael.felder@unifr.ch
12 UNIVERSITAS / DECEMBRE 2009© Tassilo
sich immer mehr, was so offensichtlich verbor- gelnder, ökonomisch bedingter Geschäfts-
gen war. Dieses Paradox des Geschenkes könn- fähigkeit zu konnotieren. Liegt nicht der
te nicht schöner ausdrücken, was die Erwartungsdruck beim Schenken eben genau
Weihnachtsbotschaft meint, wenn sie die darin, dass nach dem Fingerabdruck des per-
Erscheinung des Herrn unter Umständen sönlichen Einsatzes gesucht wird? Nicht, was ist
geschehen lässt, die uns auffordern immer das Geschenk wert, sondern was ist es dir wert,
mehr zu entdecken, was dort in Bethlehem an so lautet die Gretchenfrage der Geschenk-
dossier
Bedeutsamem für uns zum Vorschein kommt. beziehung. Daran hängt nicht nur der Druck,
sondern auch der Zauber der Vorfreude. Das
Ob Gold oder Blech – von ganzem Herzen Geschenk trägt einen Namen. Es ist persönlich.
Die Verpackung hat noch eine andere Für dich. Nicht nur, dass damit, wie bei jedem
Funktion. Nicht nur, dass im Auspacken eine Geschenk, eine besondere Verbundenheit zum
besondere Art der Aneignung geschieht, eine Vorschein kommt. Es geht um den Namen. Es
besondere rituelle Art der Übergabe. Egal, was gibt keine namenlosen Weihnachtsgeschenke.
zum Vorschein kommt, die Botschaft lautet: Es Schenkende und Beschenkte kennen einan-
kommt von ganzem Herzen. Unter dem Papier der. Es wird deutlich, dass ich persönlich
können sich ganz alltägliche Gaben verbergen gemeint bin. Weihnachten ist ein
(wer hat noch nie ein paar Socken ausge- Geburtstagsfest, im Zentrum steht der Namen
packt?), durch den Zauber der Verpackung eines Neugeborenen. Was Gott schenkt, ist
hebt sich der Wert des Geschenkes aus unse- seine persönlichste Gabe. Die Menschwerdung
rem üblichen pekuniären Umrechnungssystem. Gottes, die Kernbotschaft des Weihnachtsfestes
Der Gegenwert des Weihnachtsgeschenkes ist ist die Verkörperung eines einzigen Gedan-
nicht berechenbar, daran können auch Umtau- kens: für dich.
schaktionen in den Geschäften nichts grund- Vielleicht ist deutlich geworden, wie Geschenk
sätzlich verändern. Sie haben allenfalls etwas und Krippe eigentlich zusammengehören. An
Ernüchterndes an sich. Das Geschenk soll von Weihnachten überschneiden sich religiöse und
ganzem Herzen kommen. menschliche Praxis auf besondere Weise und
Einem Geschenk fehlt dann etwas, wenn dieses das Fest wird damit auch nicht zu einem
Ganze des Herzens nicht mehr sichtbar ist. Stichwortgeber für einen konsumorientierten
Schenken ist etwas, das ganz geschehen muss. sinnentleerten Geschenkmarathon entfremdet,
Das hat nichts mit seinem bezifferbaren Wert in dessen Sog nunmehr der ganze Erdkreis –
zu tun. Das Geschenk will eine Freude machen «urbi et orbi» – gezogen wurde.
und nicht übermitteln, was dem anderen noch Wie viele Geschenke passen unter den
fehlt oder nützt. Vielleicht liegt es daran, dass Weihnachtsbaum? So viele, wie du sie aus gan-
Spielsachen immer als Geschenk empfunden zem Herzen schenken kannst und so viele, wie
werden, nicht nur aus Kinderperspektive. Auch die Namen, die dir lieb sind. n
Gebrauchsgegenstände können Geschenke
sein, wenn deutlich wird, dass an mich gedacht
wurde, dass jemand mit ganzem Herzen auf
meine Situation eingegangen ist. Weihnachten
lebt von dem Grundgedanken, dass mit gan-
zem Herzen gegeben wird. Dafür steht die
Krippe. Sie ist das Symbol, dass Gott alles gibt,
was er hat: sich selbst.
Kein Geschenk ohne Namen
Weihnachtsgeschenke haben den Eindruck
etwas Spezifisches zu sein. Sie erheben den
Anspruch, nicht von der Stange zu sein, son-
dern eine persönliche, spezifische Note zu tra-
gen. Daher der Reiz des Selbstgemachten.
Gebasteltes, vor allem von Kindern, ist nicht
mit einem verschämten Offenbarungseid man-
14 UNIVERSITAS / DECEMBRE 2009«Ô admirabile commercium» :
Noël ou le don de Dieu
«Ô admirable commerce, ô splendide échange» : à Noël, Dieu se fait homme pour
que l’homme devienne Dieu. En Jésus-Christ il donne tout pour que l’humanité
retrouve sa dignité dans l’espérance que la vie a un sens et l’humanité un ave-
nir. Le message de la Nativité exprime le cœur de la foi chrétienne comme un
«anti-destin».
Gabe aller Gaben
dossier
«On ne retire pas d’une citerne les païens ni les
François-Xavier Amherdt
Il est venu, il vient, il reviendra. Par la naissance
Vor der Krippe schlägt die Stunde bergers qui y tombent.» Ainsi parlait-on de ces de l’Emmanuel, Dieu a inauguré son habitation
der Wahrheit. Sei es, dass man «moins que rien» dans le judaïsme du premier parmi nous. Il ne cesse de revenir aujourd’hui
darin den Sohn Gottes erkennt und
damit zum wahren Christen wird, siècle (selon le bibliste et historien J. Jeremias). dans nos existences. Il donne sens à notre his-
oder dass man die Weihnachts- On méprisait en effet les bergers parce qu’ils ne toire. Nous ne sommes plus seuls, livrés à nous-
geschichte vielmehr als eine Art pouvaient observer les prescriptions de la Loi ni mêmes sur cette terre désolée, condamnés à un
«höhere energetische Gewalt» inter- monter au Temple à cause de leur profession. destin absurde, placés sous le signe du hasard et
pretiere. «Ô admirabile commerci- Des impurs et des exclus : voilà pourtant les pre- de la nécessité. Dieu est avec nous, à côté de
um», oh wunderbarer Tausch: Gott
wurde zum Menschen, damit der miers témoins de l’étonnante nouvelle : «La nous, en nous. Il s’offre à nous sans réserve. Si
Mensch zu Gott wird und hat ihm gloire du Seigneur les enveloppa de sa lumière», nous le voulons, si nous l’acceptons.
mit dieser Inkarnation das grösste dit l’Evangile de la Nativité (Lc 2, 9). Nous
Geschenk gemacht. Nicht nur ist der devrions prendre l’habitude de les représenter Le don de l’espérance
Christ auf Erden nicht mehr alleine coiffés d’une auréole : c’est toujours à des pau- La promesse de Noël c’est que Jésus-Christ
seinem Schicksal ausgeliefert, er
kann es gar selber in die Hand neh- vres que le Dieu de la Bible révèle l’essentiel. puisse jouer le rôle d’un Anti-destin dans nos
men. Mit seinem Sohn schenkte C’est toujours à des petits qu’il réserve ses dons vies. Dieu nous crée, il nous engendre à une
Gott dem Menschen auch die les plus précieux. nouvelle naissance en son Fils. Ce don inestima-
Hoffnung und damit den Glauben ble s’appelle l’espérance. «La foi que j’aime le
an eine Zukunft, immer und immer Un admirable échange mieux, dit Dieu, c’est l’espérance» : Charles
wieder.
Et de quelle annonce les bergers sont les desti- Péguy fait ainsi parler Dieu, dans le Porche du
nataires : «Aujourd’hui vous est né un Sauveur, Mystère de la seconde vertu. «L’espérance,
dans la ville de David. Il est le Messie, le voilà ce qui m’étonne. Que ces pauvres enfants
Seigneur» (Lc 2, 11) ! C’est devant la crèche que voient comme tout ça se passe et qu’ils croient
chacun peut mesurer s’il est vraiment «chré- que demain ça ira mieux. Qu’ils voient comme
tien». Soit il se contente vaguement de croire en ça se passe aujourd’hui et qu’ils croient que ça
une sorte de «force supérieure énergétique», ou ira mieux demain matin; ça c’est étonnant et
un «architecte de l’univers»; soit il reconnaît c’est bien la plus grande merveille de notre
dans ce fils d’homme né d’une femme le Fils grâce.» Que d’espoirs déçus en effet. Que de
même de Dieu. Ou Noël est chrétien ou il n’est cessez-le-feu non respectés. Que de promesses
pas. Nous touchons avec la Nativité le cœur du (lybiennes ou autres) non tenues. Que d’attentes
christianisme, le mystère de l’Incarnation. non accomplies au long de l’histoire !
Dieu se fait homme pour que nous, les hommes, Et pourtant, à Noël, l’Esprit fait rebondir la
devenions Dieu, ô admirable échange ! Je le grâce de l’espérance, malgré tout, comme le
chantais comme enfant, à la Schola des petits don spécifique de la Nativité. Depuis le premier
chanteurs de Notre-Dame de Valère à Sion, «Gloria in excelsis Deo» des anges aux bergers,
avec un motet latin dont le titre m’intriguait «Ô nous avons le droit de ne pas désespérer de
admirabile commercium». Ô splendide échan- l’homme, de la paix sur terre, de l’avenir de
ge d’un Dieu qui assume notre humanité pour l’humanité. L’homme passe l’homme, l’homme
nous établir dans notre plus profonde dignité. Il de Noël est de race divine, il est debout, il est la
François-Xavier Amherdt est profes- se donne à nous pour que nous devenions gloire du Dieu vivant. L’espérance est une
seur associé de théologie pastorale, «Lui». Il nous donne tout pour que nous soyons petite fille de rien du tout. Comme les bergers.
pédagogie religieuse et homilétique. à Lui. Il s’offre pour que nous nous donnions Elle est venue au monde le soir de Noël. Elle est
francois-xavier.amherdt@unifr.ch totalement aux autres. le don par excellence. n
UNIVERSITAS / DEZEMBER 2009 15Et si la dette était première ?
L’essentiel dans le don n’est pas la chose échangée mais l’échange en tant que
tel qui rend le contre-don obligatoire. Ne serait-ce donc pas finalement la dette
qui lie les deux parties ? Condition «sine qua non» du bon fonctionnement de
la société, la réciprocité nous rend responsables et solidaires envers nos prédé-
cesseurs et nos descendants.
dossier
Das wär doch nicht nötig Quand l’humanité apparaît sous des jours trop
Marc-Henry Soulet
nécessairement rendu parce que la nature
gewesen... sombres, quand les rapports quotidiens avec même du don est d’obliger. Ne pas rendre,
Die Gabe – von Natur aus durch Autrui ne donnent à voir que froideur et c’est, selon les sociétés, perdre la face, affaiblir
Grosszügigkeit charakterisiert – wirft dureté, quand l’intérêt paraît être le «primum son prestige, manquer à la plus élémentaire
gleichzeitig die Frage nach der
Reziprozität auf. Im Zentrum der
mobile» de l’action des hommes, alors il semble politesse. Le don oblige : «Vous n’auriez pas
Gabe steht die zwischenmenschliche bon de se réchauffer le cœur à des pratiques dû!», «C’est trop beau !», «Chéri, il va falloir
Beziehung, das soziale Gefüge. Wird réconfortantes, fragilisées peut-être, mais néan- penser à inviter les Keller; nous étions chez eux
etwas gegeben, muss auch etwas moins intangibles. Au premier rang desquelles le mois dernier.» Le don oblige parce qu’il y a
zurückkommen, denn die Definition figure bien sûr le don, cette sortie de soi vers un esprit de la chose donnée (le «hau»), parce
der Gabe ist auch die Pflicht zur
Gegengabe. Diese Reziprozität ge-
Autrui, toujours, d’une certaine manière, sacri- qu’il y a une part du donateur en elle (le
hört zu den Bedingungen der «con- fice d’une partie de soi pour Autrui. «mana») et parce qu’il est avant tout recon-
dition humaine» und ist unabding- Mais le don, s’il est par nature générosité, n’en naissance de l’autre, à qui l’on donne.
bar für ein funktionierendes Zusam- est pas pour autant gratuit. Pas seulement
menleben. Der Mensch hängt von parce qu’il peut être entaché de recouvrir «in La valeur sociale de l’échange
anderen Menschen ab, er ist sowohl
Debitor wie auch Kreditor. Der Kre-
fine» une forme, sournoise, d’intérêt dans le Le don tire donc tout son sens de l’obligation
ditor hat ein Erbe erhalten, das wei- désintéressement, mais plus profondément (de recevoir et de rendre). Sans elle, pas de
terzuleiten er verpflichtet ist. Der parce qu’il pose consubstantiellement la ques- don. L’obligation se manifeste avec force
Debitor auf der anderen Seite erhält tion de la réciprocité. Pourquoi donner en effet lorsqu’elle n’est pas assumée par le récipien-
mit diesem Erbe, wie mit jeder si rien n’est attendu en retour ? La réponse est daire : refuser de recevoir ou de rendre, à
anderen Gabe, die dazugehörenden
Pflichten. In diesem Sinne stehen
ici sans équivoque : parce qu’il y a de la réci- défaut de mener à la guerre dans les sociétés
wir alle in der Verantwortung für die procité, ce qui ne veut pas dire de l’intérêt, contemporaines, conduit du moins à la rup-
herrschende Gesellschaftsform und dans le don. ture des liens entre le donateur et le donataire,
die damit einhergehenden Ungleich- car le refus pousse toujours la déliaison au-delà
heiten, die unsere Vorfahren uns Au cœur du don, la relation du seul échange interrompu.
hinterlassen haben – sowie für das
Erbe, das wir unseren Nachfahren
Expliquons-nous. Il se rend bien quelque Toutefois, rendre, le contre-don, ne suppose
hinterlassen werden. chose, mais l’essentiel de ce qui est rendu n’est pas l’équivalence. Au contraire même, car
pas d’ordre matériel, il passe par une forme de l’équivalence du contre-don signifierait la fin
transcendance. Il n’y a don que parce qu’il y a du caractère obligeant du don. En fait, il faut
médiation, que parce qu’il y a détour, que concevoir que, dans le don, la valeur matérielle
parce que ce qui est au cœur de la réciprocité de l’échange s’efface devant sa valeur sociale.
n’est pas immédiat, donc pas visible. Comme Dans le don, ce qui est central donc, c’est
ce n’est pas attendu, ce ne peut être le moteur l’échange, plus que ce qui s’échange.
du don.
Loin de moi l’idée de qualifier cette transcen- Créanciers et débiteurs
dance par l’expression d’une toute-puissance Osons alors une affirmation paradoxale et un
extra-mondaine. Ce qui est au cœur du don, tant soit peu iconoclaste pour rendre compte de
c’est de la relation, car ce qui s’échange c’est ce glissement. Si l’on veut se réchauffer le cœur,
Marc-Henry Soulet est professeur du social. C’est la grande leçon de Marcel allons chercher la dette plutôt que le don. Pour
ordinaire et président du Dépar- Mauss qui, dans son célèbre «Essai sur le don» étayer cette idée, il faut repartir de la réciprocité
tement de travail social et poli- publié dans l’Année sociologique en 1924, et de l’exigence de nourrir les relations qui nous
tiques sociales. rappelait la triple dimension du don : donner, unissent aux autres pour vivre ensemble.
marc-henry.soulet@unifr.ch recevoir, rendre. Ce qui est donné doit être Nous avons besoin des autres pour être
16 UNIVERSITAS / DECEMBRE 2009Sie können auch lesen