MACH mit! #moodmachen - jupf

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MACH mit! #moodmachen - jupf
Nr. 119 | Dezember 2020

                jupf
                 Info
                         Neues in und aus der Jugendarbeit | Evangelisches Jugendpfarramt Köln
PARTIZIPATION

                 MACH mit!
                   #moodmachen
MACH mit! #moodmachen - jupf
„Von allen Seiten
      umgibst du mich                                                    Wir blicken auf ein Jahr mit
      und hältst deine                                                   besonderen Herausforderungen
      Hand über mir.“
                                                                         zurück. Vieles war anders als
        [Psalm 139,5]
                                                                         gewohnt und verlangte große
                                                                         Flexibilität und kreative Ideen.

                                                                         Vielen Dank für die
                                                                         Unterstützung aus der Nähe,
                                                                         mit Abstand oder auch aus
                                                                         der Ferne und für die gute und
                                                                         vertrauensvolle Zusammenarbeit
                                                                         sowie die wertvollen
                                                                         Begegnungen.

                                                                         Wir blicken voller Hoffnung und
                                                                         Zuversicht auf das Jahr 2021.

                                                         Inhalt

        Anregendes                            Erlebtes                       Nachhaltigkeit
4       Partizipation                    23   Chill mal zuhause         30   Eine andere Welt ist machbar
6       Geschichte der Partizipation          Puppets rocken Corona
7       Jugend will mitgestalten         24   Laufexerzitien
        Ergebnisse der Studie der EKiR        KinderFerienSpaß               Interessantes
8       Partizipationspyramide           25   Zirkusgottesdienst        34   Rechts. Deutsch. Radikal
10      Wenn sich Jüngere                26   JuLeiCa                   35   Projekte beantragen leicht gemacht
        ausgebremst fühlen
                                              Juniorschulung            36   Materialien
12      3 Fragen an ...
                                         27   Jugendralley
15      Partizipationsprojekt
                                              Legobautage
16      Modellprojekte aus
                                                                             Aktuelles
        verschiedenen Kirchenkreisen
                                                                        37   Sonderprogramme, Preise, Aktivitäten
18      FRESH X
20      Auf Kölner Nacken                     Zukünftiges

        Partizipationsscheibe            28   Konfi-Cup
                                              Fortbildungen                  Medien und Material
21      Arbeitshilfen
                                         29   Ökumenischer Kirchentag   38   Bücher, Filme, Spiele, Apps
22      Kooperatives Kinder-
        und Jugendbüro                        Ökumenischer Kreuzweg
                                              der Jugend
                                              Ehrenamtler-Danke-Event        kurz notiert
                                              Erste-Hilfe-Kurs          42   Klimafolgen & Corona

2     Jupf-Info Nr. 120/20
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DEMOKRATIE
                                          lebt vom Streit,
                                          von der Diskussion
                                          um den richtigen Weg.
                                          Deshalb gehört zu ihr
                                          der Respekt vor der
                                          Meinung des anderen.
                                          Richard von Weizsäcker

WARUM PARTIZIPATION?
Mein Weg in der Evangelischen Jugend war einfach und unbe-
schwert. Im Konfirmandenalter bin ich auf den Jugendtreff meiner
Gemeinde gestoßen. Dort haben mich lecker Essen, coole Leute, der
Bolzplatz, der Basketballkorb, die neueste Playstation und natürlich
die spaßigen Events einige Jahre festgehalten. Mir wurde bewusst,
dass ich genau das später in meinem Berufsleben machen möch-
te und fragte schließlich, ob ich mein Schülerpraktikum in dem
Jugendtreff machen dürfte. Ehe ich mich versah, saß ich für zwei
Wochen zwei Mal die Woche im Jugendtreff und drei Mal die Woche
im Evangelischen Jugendpfarramt Köln. Im Jugendpfarramt wurde
mir schnell klar, dass nicht nur die vielen Jugendtreffs die Evangeli-
sche Jugend Köln ausmachen.

Die Evangelische Jugend Köln macht so viel mehr aus – Sommerfrei-
zeiten, Konfi-Cups, Kirchentage, Loss Mer Singe, Jugendkreuzwege,
Projekte mit der Evangelischen Jugend im Rheinland, Ökumenische
Projekte, Gremienarbeit und noch vieles mehr.

Ich persönlich liebe es an Projekten wie dem Konfi-Cup oder Loss
Mer Singe mitzuarbeiten, aber wisst ihr was? Das Gefühl als junger
Mensch bei Entscheidungen in der Gremienarbeit eine Stimme zu
haben, welche auch noch gehört wird, gibt mir noch sehr viel mehr.

Es geht um partizipative Strukturen, es geht darum junge Menschen
miteinzubeziehen, es geht darum nicht nur Quoten-Jugendplätze zu
erschaffen. Es ist wichtig, dass Jugendliche in Entscheidungsprozes-
se miteinbezogen werden und für ihre Meinung einstehen dürfen.
Meiner Meinung nach hat man als junger Mensch ganz andere
Möglichkeiten und Herangehensweisen andere junge Menschen
anzusprechen, zu befragen und zu vernetzen.
Es ist ganz einfach – „fragt uns doch!“

Eure

                                                            Jupf-Info Nr. 120/20   3
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Anregendes

                                                                          „Sage es mir, und ich
                                                                          werde es vergessen.
                                                                          Zeige es mir, und ich
                                                                          werde mich daran
                                                                          erinnern.
                                                                          Beteilige mich, und ich
                                                                          werde es verstehen.“
                                                                                   (Lao Tse, 6. Jh. v. Chr.)

Par·ti·zi·pa·tion
                                                                                                               Foto: Yannic Kötter

                             Der Begriff Partizipation (lateinisch participatio, „Teilhaftigmachung, Mitteilung“,
                             aus pars, „Teil“, und capere, „fangen, ergreifen, sich aneignen, nehmen usw.“ wird
                             übersetzt mit Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung,
                             Mitsprache, Einbeziehung usw.

                             Partizipation ist ein wichtiges Gestaltungsprinzip der Zusammenarbeit. Sie be-
                             deutet, dass sich Menschen (Bevölkerungsgruppen, Organisationen, Verbände,
                             Parteien) aktiv und maßgeblich an allen Entscheidungen beteiligen, die ihr Leben
                             beeinflussen. Partizipation trägt dazu bei, dass die Zielgruppen ihre Interessen
                             artikulieren und durchsetzen können (Empowerment). Partizipation bedeutet
                             außerdem, dass die Menschen ihre Erfahrungen und Wertvorstellungen in die
                             gemeinsame Arbeit einbringen. Dadurch machen sie sich die Vorhaben zu Eigen
                             und übernehmen die Verantwortung für ihren Erfolg (Ownership).

4     Jupf-Info Nr. 120/20
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Anregendes

Aspekte von Partizipation ...
... in der Agenda 21
(...) Die Einbeziehung der heutigen Jugend in Entscheidungs-       Wenn Kinder- und Jugendliche aktiv an der Ge-
prozesse auf dem Gebiet der Umwelt und Entwicklung und ihre        staltung ihrer Umgebung teilhaben, wenn sie bei
Beteiligung an der Umsetzung von Programmen ist ausschlag-         Entscheidungen, die sie und ihr Umfeld betref-
gebend für den langfristigen Erfolg der Agenda 21.                 fen, mitreden, mitgestalten und mitbestimmen,
(...) 25.2 Es ist unbedingt erforderlich, dass Jugendliche aus     dann tragen sie zur Stärkung von demokrati-
allen Teilen der Welt auf allen in Betracht kommenden Ebenen       schen Strukturen bei. Kinder und Jugendliche
aktiv an der Entscheidungsfindung beteiligt werden, ...            bringen andere Kompetenzen mit, die viele
                                                                   Erwachsene nicht – mehr – besitzen: Phantasie,
(...) 25.4 Jedes Land sollte in Absprache mit seiner Jugend und    Kreativität, Spontanität und Begeisterungsfähig-
deren Organisationen einen Prozess in Gang bringen, der den        keit. Wenn aus Kindern und Jugendlichen aktive,
Dialog zwischen der Jugend und der Regierung auf allen Ebe-        engagierte und politisch denkende Menschen
nen fördert, und Mechanismen einsetzen, die der Jugend den         werden sollen, ist eine Basis dafür demokrati-
Zugriff auf Informationen ermöglichen und ihr Gelegenheit          sche Beteiligung von klein auf.
geben, ihren Standpunkt zu Regierungsentscheidungen – ein-
schließlich der Umsetzung der Agenda 21 – darzulegen.              Ernst gemeinte Partizipation von Kindern und
                                                                   Jugendlichen ist eine Grundhaltung von Päda-
                                                                   gogik und Politik. Die Beteiligung von Kindern
... im Weißbuch der Jugend                                         und Jugendlichen beginnt in den Köpfen der Er-
der Europaischen Union                                             wachsenen. Es geht um gemeinsames Handeln,
(...) Mit dieser Entschließung billigt der Rat die gemeinsamen     Planen und Mitentscheiden.
Ziele der Förderung des aktiven staatsbürgerlichen Engage-
ments der Jugendlichen, der Verbesserung des Zugangs               Für die Beteiligung von Kindern und Jugendli-
Jugendlicher zur Information sowie der Förderung ihrer Beteili-    chen gibt es zahlreiche rechtliche Grundlagen,
gung an der Umsetzung der diesbezüglichen Strategien.              beispielsweise die Kinderrechtskonvention
                                                                   der Vereinten Nationen, die Agenda 21, das
 (...) In Sachen Partizipation Jugendlicher schlägt der Rat vor,   Weißbuch Jugend der Europäischen Union, die
die Durchführung und Unterstützung von Aktionen, die die           EU-Equal-Programm-Leitlinien und die Euro-
Rolle der Jugendlichen als aktive Bürger fördern und ihre ef-      päische Charta des Europarates zur Beteiligung
fektive Beteiligung an der demokratischen Gesellschaft stärken,    junger Menschen auf kommunaler und regiona-
zu fördern:                                                        ler Ebene.

… in der UN-Kinderrechtskonvention
Berücksichtigung des Kinderwillens (Artikel 12): Kinder haben
das Recht, ihre Meinung in allen Angelegenheiten, die sie
betreffen, frei zu äußern und unmittelbar oder durch einen
Vertreter gehört zu werden. Die Meinung des Kindes muss
angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife
berücksichtigt werden.

…im Sozialgesetzbuch VIII
– Kinder- und Jugendhilfe –
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen (§ 8 Abs. 1 u.2
SGB VIII) „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem
Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen
der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.“ „Kinder und Ju-
gendliche haben das Recht, sich in allen Angelegenheiten der
Erziehung und Entwicklung an das Jugendamt zu wenden.“

                                                                                                     Jupf-Info Nr. 120/20   5
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Anregendes

        Der Gedanke der Partizipation nicht neu.
        Bereits in den zwanziger Jahren ließ sich dieser Begriff in einigen
        reformpädagogischen Ansätzen finden. „Politisch war diese Päda-
        gogik ein­gebettet in die Zukunftsvision, daß eine künftige sozialis-                20er Jahre
        tische Gesellschaft nur von Menschen gestaltet werden kann, für
        die Demokratie und Gleich­heit in allen Bereichen der Gesellschaft
        eine Selbstverständlichkeit sein würde und die bereit und fähig
        sind, politische Verantwortung zu überneh­men.“1

        Dass jene Gedanken zur Zeit des Dritten Reiches keine öffentliche
        Bedeu­tung mehr besaßen, bedarf keiner weiteren Erklärung.

        Mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 entwickel-
        ten sich – wenn auch zunächst nur für Erwachsene – verschiedene
        Partizipationsfor­men wie Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit,                    1949
        wel­che auch im Grund­gesetz (GG, Artikel 8 & 9) verankert sind.

        Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre entstanden
        dann neue basisdemokratische Bewegungen und Konzepte, die
        erstmals auch den Kinder- und Jugendbereich mit einschlossen.
        Ziel war es dabei, autoritäre Strukturen der Erziehung aufzubre-                     Ende der 60er
        chen und Kindern in ihren eigenen Le­bensbereichen mehr Selbst-
        bestimmungsmöglichkeiten einzuräumen. Wäh­rend in der Erzie-
                                                                                             Anfang der 70er Jahre
        hung eines autoritären Stils der Erwachsene als Er­zieher bestimmte,
        was für Kinder richtig ist, und Kindern weitgehend keine eige­nen
        Wünsche und Wertvorstellungen zugesprochen wurden, ließ die
        „anti­autoritäre Erziehung“ alle Zügel fahren, sie wird heute eher als
        Schrec­kensbild einer Erziehung ohne Orientierung gesehen.

        In den siebziger und achtziger Jahren schließlich, initiiert unter
        anderem durch die Erarbeitung der UN-Kinderrechtskonventi-
        on und des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, kam es dann zur
        Entwicklung eines Beauftragtenwe­sens, welches es ermöglichen                        70er - 80er Jahre
        sollte, be­nachteiligten Gesellschaftsgruppen – in diesem Fall den
        Kindern und Ju­gendlichen – ein stärkeres Beteiligungs­recht einzu­
        räumen oder aber doch zumindest verstärkt in die öffentliche
        gesellschaftli­che Diskussion zu brin­gen.

        So wurden im Jahre 1987 erstmals Kinderbeauftragte von den                           1987
        Fraktionen des deutschen Bundestages eingesetzt.

        1988 entstand die Kinderkommission des Bundestages.
                                                                                             1988

        1989 ernannte als erstes Bundes­land Nordrhein-Westfalen einen                       1989
        Kinderbeauftragten der Landesregie­rung.

        Zusammenstellung der Texte: Claudia Klein-Adorf
        1
          Schröder, Richard: Freiräume für Kinder(t)räume! Beltz, Weinheim und Basel, 1996
        Quellen: www.kinder-beteiligen.de, www.partizipation.de

6     Jupf-Info Nr. 120/20
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Es braucht… einen
                                                                                                            Mentalitätswechsel, um

JUGEND WILL MITGESTALTEN                                                                                    junge Menschen besser
                                                                                                            zu beteiligen. Wenn die
                                                                                                            Rahmenbedingungen
Partizipation von jungen Menschen an Entscheidungen                                                         zur Teilhabe verbessert
der Evangelischen Kirche im Rheinland - Zusammenfassung der Studienergebnisse                               werden, nutzt das allen
                                                                                                            Ehrenamtlichen, jung wie
Der Glaube hat für 62% der evangelischen            Generation vertreten. Drei Jugendausschüsse             alt. Die älteren wissen es
Teilnehmenden einen hohen Stellenwert. Die          haben kein einziges Mitglied bis 27 Jahre, mehr         nur noch nicht.“
Umfrage hat auch ergeben, dass das soziale En-      als vier junge Mitglieder sind es nirgends. Da-
gagement der evangelischen Befragten, tenden-       mit sind die Jugendausschüsse weit entfernt von
ziell weit über dem bundesweiten Durchschnitt       dem von der Jugendsynode gefordertem Anteil
liegt. Das gemeinsame Gestalten war sowohl für      von 50% junger Menschen.
die Teilnehmer der Studie als auch für die Teil-
nehmer des Bundesweiten Freiwilligensurveys         Welches Bild haben die Befragten von der
die Hauptmotivation für soziales Engagement.        Gremienarbeit?

Beteiligungsmöglichkeiten                           Das Treffen und Kennenlernen von anderen                Im Frühjahr 2020 wurde von
                                                    Menschen, die Bildung einer Gemeinschaft und            sechs Studierenden der Fach-
Aus den Ergebnissen der Studie lässt sich eine      das Arbeiten im Team und die Beteiligung an             hochschule für Polizei und
große Differenz zwischen der Wahrnehmung            grundsätzlichen Entscheidungen stachen be-              Öffentliche Verwaltung NRW
von Beteiligungsmöglichkeiten und der tat-          sonders positiv hervor. Es wurde aber auch Kritik       in Kooperation mit der Gen-
sächlichen Teilnahme feststellen. Es gilt, dieses   an der momentanen Gremienarbeit geäußert.               der- und Gleichstellungsstelle
„passive Kennen“ in ein „aktives Nutzen“ zu         Z.B, hoher zeitlicher Aufwand, konservative und         der Evangelischen Kirche im
entwickeln. Dieses „Mitmachen" bietet Potential     festgefahrene Ansichten oder der viel zu gerin-         Rheinland ein Studien-Projekt
für ein langfristiges Engagement in der evange-     ge Anteil an jungen Menschen in den Gremien.            zur Partizipation von jungen
lischen Kirche. Die be-                             Es hagelt also auch viel Kritik an der aktuellen        Menschen durchgeführt.
fragten Personen                                     Struktur.
wünschten sich              „Ich wünsche mir mehr                                                           Teilnehmer: 810, davon 34,2%
eine ehrliche         ehrliche Formen von Partizipation,     Handlungsempfehlung zur
                                                                                                            männlich, 65,4% weiblich und
Form der Par-           nicht nur zur Kenntnis nehmen,       Gewinnung junger Menschen für die
                                                                                                            0,4% diversen Geschlechts.
tizipation, bei        sondern auch ernst nehmen und          Gremienarbeit
                                                                                                            600 Teilnehmer sind in der
der ihre Stim-            Kompetenzen übertragen.“                                                          gefragten Zielgruppe der
men ernst                                                   Von den evangelischen Befragten enga-
                                                                                                            16-27-Jährigen. 73% dieser Teil-
genommen                                               gieren sich derzeit bereits 24% in Gremien und
                                                                                                            nehmenden sind Evangelisch,
werden.                                               weitere 59% sind grundsätzlich dazu bereit. Die
                                                                                                            was sich durch die überwiegen-
                                                      Empfehlungen der Befragten zur Förderung der
                                                                                                            de Verteilung der Studie über
Partizipation in ausgewählten Gremien                 Bereitschaft waren z.B, eine flexible zeitliche
                                                                                                            die Evangelische Jugendarbeit
                                                      Möglichkeit zur Teilnahme, Wertschätzung der
                                                                                                            und die Evangelische Kirche im
Viele der Befragten engagieren sich in der Evan-      Teilnahme oder das Diskutieren von Themen,
                                                                                                            Rheinland erklärt.
gelischen Kirche, sind jedoch in den Leistungs-       die junge Menschen interessieren.
und Entscheidungsgremien stark unterrepräsen-
tiert. Bei der Presbyteriumswahl im März 2020         Die Studie gibt es hier zum Download:
waren von den gewählten 6.325 Presbyter*innen         www.ekir.de/gender/Downloads/                     Zusammenstellung: Elias Venrath

301 Personen zwischen 18 und 29 Jahre alt (4,8        Jugendpartizipation-Broschuere.pdf
%), obwohl ihr Anteil an allen wählbaren Mitglie-
dern 20,3% beträgt. Ein ähnliches Bild zeichnet
sich in den kreiskirchlichen Gremien ab.                  Fazit

Kreissynodalvorstand: 0% unter 28 Jahren                Junge evangelische Menschen zeigen Interesse an den Beteiligungsmöglich-
Kreissynode: 2,4% u. 28 Jahren                          keiten. Für die genannten Kritikpunkte an der Gremienarbeit und der Sitzungs-
Kreiskirchlicher Nominierungsausschuss:                 kultur haben die Teilnehmer*innen der Studie wertvolle Hinweise zur Verbes-
1,4% u. 28 Jahren                                       serung der Partizipation gegeben. Neben rechtlichen Änderungen wie der
Kreiskirchlicher Jugendausschuss:                       Verkürzung und Begrenzung von Amtszeiten kommt der Neuausrichtung der
12,6% u. 28 Jahren                                      Gremienkultur eine zentrale Rolle zu.
Presbyterium: 4,8% u. 28 Jahren
                                                        Unabdingbar ist eine Neuausrichtung der Informations- und Kommunikati-
In einem Drittel der Kreissynoden der Kirchen-          onsstrategie. In den sozialen Medien und auf den Internet-Seiten sollten eine
kreise, von denen Rückmeldungen kamen, sind             zielgruppenspezifische Ansprache mit einer transparenten Darstellung von
nicht einmal die gemäß Art 99 e der Kirchenord-         Angeboten und Beteiligungsmöglichkeiten (nicht nur für junge Leute) selbst-
nung geforderten zwei Personen der jüngeren             verständlich sein.
                                                                                                                  Jupf-Info Nr. 120/20    7
MACH mit! #moodmachen - jupf
Anregendes

 Die Partizipationspyramide
      Partizipation                                                                        Partizipation
      aus institutionell-professioneller Perspektive                                       aus der Perspektive der Bürgerinnen und Bürger

                                                                                          4 - 7 STUFEN DER PARTIZIPATION

                                                                                          7 Zivilgesellschaftliche Eigenaktivitäten:
                                                                                           BürgerInnen organisieren sich selbst und setzen ihr Vorhaben eigenständig um.

                                                                                                 6 Bürgerschaftliche Entscheidungsfreiheit ausüben:
                                 6 Entscheidungsmacht übertragen
                                                                                                   Volle Entscheidungsmacht in allen Bereichen
                 Alle wichtigen Entscheidungen werden selbst getroffen.

            5 Entscheidungskompetenz teilweise abgeben:                                                  5 Freiräume der Selbstverantwortung nutzen:
                   Fachkräfte übertragen in bestimmten Bereichen                                          Eigenständige Entscheidungen in bestimmten Bereichen
                      eine eigenständige Entscheidungsbefugnis

                            4 Mitbestimmung zulassen:
                                                                                                               4 An Entscheidungen mitwirken:
                       Anstehende Entscheidungen werden
                                                                                                                 Gemeinsam Entscheidungen mit Fachkräften treffen
                                gemeinsam besprochen

             3 Lebensweltexpertise einholen:                                                                            3 Verfahrenstechnisch vorgesehene
Fachkräfte lassen sich von AdresssatInnen beraten.                                                                        Beiträge einbringen: Möglichkeiten nutzen,
                                                                                                                           um Kritik zu üben, oder Ratschläge zu geben

                  2 Meinungen erfragen:
                                                                                                                               2 Im Vorfeld von Entscheidungen:
      Sichtweisen und Standpunkte werden
eingeschätzt um diese bei Entscheidungen
                                                                                                                                 Stellung nehmen: Eigene Sichtweisen
                evtl. zu berücksichtigen                                                                                           und Standpunkte einbringen

                                                                                                                                          1 Sich informieren:
                1 Informieren:
                                                                                                                                            Sich über Entscheidungen und
          Informationen werden
                                                                                                                                              deren Hintergründe informieren
         transparent gemacht
                                                                                                                                               und Wissen aufbauen.

                                           1 - 3 VORSTUFEN DER PARTIZIPATION

  8      Jupf-Info Nr. 120/20                            Quelle: Straßburger/Rieger (Hg.) Partizipation kompakt - Für Studium, Lehre und Praxis sozialer Berufe 2014: S.232f
MACH mit! #moodmachen - jupf
Anregendes

Zur Partizipationspyramide
aus dem Eingangsstatement von Prof. Dr. Wolfgang Ilg zur Jugendsynode der EkiR am 4.1.2019

Partizipation im engeren Sinne bedeutet dann auch, sich nicht nur einbringen, sondern auch mitent-
scheiden zu können. In der Sozialen Arbeit hat sich das Modell der Partizipationspyramide etabliert,
das ich Ihnen hier vorstellen möchte – es kann als Orientierung für die Ideen in Ihren Arbeitsgruppen
zum Thema Partizipation dienen. 13

Die Pyramide unterscheidet sieben Stufen der Beteiligung, und zwar jeweils auf der linken Seite
formuliert aus institutionell-professioneller Perspektive (in Ihrem Fall also: aus synodaler bzw. pres-
byterialer Sicht) und auf der rechten Seite aus der Perspektive der Bürgerinnen und Bürger (in Ihrem
Fall also aus Sicht junger Menschen). Die Autorinnen benennen von unten nach oben zunächst drei
Vorstufen der Partizipation:

1.   Informieren, also beispielsweise die Be-        4.   Mitbestimmung zulassen: Der Beschluss
     kanntgabe von Verhandlungsergebnissen                über den Jugendraum wird in einem ge-
     des Presbyteriums auf der Internetseite              mischten Gremium aus Presbyterium und
     einer Kirchengemeinde oder im Gemein-                Jugendvorstand gefällt.
     debrief: „Nächsten Monat wird im Ju-
     gendraum ein neuer Beamer installiert und       5.   Entscheidungskompetenz teilweise abge-
     die Sofas gegen stapelbare Stühle ausge-             ben: Die Bestuhlung wird von den Mit-
     tauscht.“                                            gliedern der Jugendgruppe eigenständig
                                                          bestimmt.
2.   Meinung erfragen: Hierzu könnte gehören,
     dass einzelne Presbyter auf einzelne ehren-     6.   Entscheidungsmacht übertragen: Das Pres-
     amtliche Jugendleiter zugehen und fragen,            byterium legt 10.000 Euro als finanziellen
     wie der Jugendraum umgestaltet werden                Rahmen fest und finanziert zusätzlich das
     sollte.                                              Beratungshonorar einer Raumdesignerin. In
                                                          Zusammenarbeit mit dieser Expertin legen
3.   Lebensweltexpertise einholen: Hier wäre              die Jugendlichen die Umgestaltung und die
     denkbar, dass das Presbyterium gemeinsam             nötigen Anschaffungen fest.
     mit dem Jugendvorstand eine Raumbege-
     hung macht und sich die Bedarfe erläutern       7.   Zivilgesellschaftliche Eigenaktivitäten: Als
     lässt.                                               das Presbyterium nach längerer Zeit einmal
     Vorstufen sind diese 3 Stufen deshalb,               wieder in den Jugendraum geht, merkt
     weil die Entscheidung noch immer in den              man: Da sieht ja alles anders aus als früher.
     Händen des Presbyteriums verbleibt. Echte            Die Jugendlichen haben die Sache einfach
     Partizipation geschieht auf den nächsten             selbst in die Hand angenommen.
     Stufen:
                                                                                                          13
                                                                                                            Straßburger, Gaby / Rieger, Judith
                                                                                                          (Hg.) (2014): Partizipation kompakt.
Die Pyramide ist nicht so zu verstehen, dass eine höhere Stufe jeweils besser wäre. Es spielt             Für Studium, Lehre und Praxis sozialer
jeweils eine Rolle, wer die Fachkenntnis und auch das gewählte Mandat zur Entscheidung                    Berufe. Weinheim und Basel: Beltz
besitzt. Von zentraler Bedeutung aber ist die Einsicht: Keine Entscheidung ohne Beteiligung               Juventa, S. 232f.; vgl.
                                                                                                          www.partizipationspyramide.de
der Betroffenen, oder, wie es insbesondere im Feld der Inklusion zurecht immer wieder heißt:
„Nothing about us without us“.

                                                                                                                    Jupf-Info Nr. 120/20     9
MACH mit! #moodmachen - jupf
Anregendes

  Wenn sich Jüngere in der Kirche
                  von Älteren                                  ausgebrems t
               fühlen             „Lasst uns einfach machen“ - Junge Leute fordern mehr echte Mitwirkung in ihrer Kirche

                                  Gerne würden sie in ihrer Kirche etwas bewe-        ten in einer Kirchengemeinde vorstellen. „Man
                                  gen - doch fühlen sich junge Menschen von           weiß auch gar nicht, was die machen“, sagt die
                                  den mächtigen Älteren oft ausgebremst. Wenn         17-jährige Schülerin Lea aus Bad Bergzabern.
                                  die Kirche in Zukunft mit ihnen rechnen wolle,      Und Roman, 16, aus dem Dekanat Bad Dürkheim
                                  müsse sie ihre jugendunfreundlichen Strukturen      hatte nach seiner Konfirmation „noch nie Kon-
                                  ändern, fordern sie.                                takt“ zu seinen Gemeindevertretern.

                                  Eigentlich sind sie ziemlich enttäuscht von ihrer   Vor allem die Wahlperiode der Presbyteriums-
                                  Kirche. Gerne würden sie richtig mitmischen,        vertreter für sechs Jahre schrecke Jüngere davon
                                  doch sie fühlen sich in ihrem jugendlichen Elan     ab, Verantwortung zu übernehmen, sagt die 19
                                  ausgebremst. Eva, die beiden Leas, Roman und        Jahre alte Jurastudentin Lea aus Frankenthal.
                                  Theresa sind „Teamer“, engagieren sich ehren-       Viele junge Menschen, die vollauf mit Schule,
                                  amtlich als Betreuerinnen und Betreuer bei Frei-    Studium oder Job beschäftigt seien, könnten
                                  zeiten. Sie selbst haben die Kirche als eine gute   und wollten sich nicht so lange binden. Für sie
                                  Sache erlebt, erzählen die jungen Leute. Und        müsse es möglich sein, sich zeitlich begrenzt in
                                  doch leiden sie an ihrer evangelischen Kirche       Projekte einzubringen, sagt Lea. Wichtig seien
                                  und fordern Veränderungen ein.                      Angebote, die junge Leute in Übergangsphasen,
                                                                                      wie nach der Konfirmation in der Kirche hielten.
                                  Reichlich verstaubt, strukturell verkrustet und
                                  wenig offen für neue Ideen: So lässt sich zusam-    Zudem sei mehr digitale Kommunikation in den
                                  menfassen, wie viele junge Menschen die Kirche      Kirchengemeinden nötig, betonen die jungen
                                  sehen, erzählen sie. In den Presbyterien säßen      Leute. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass
                                  vor allem „alte Leute“, die Vertreter der jungen    der Informationsaustausch, Sitzungen und auch
                                  Generation „nicht wirklich ernst“ nähmen und        Online-Gottesdienste über soziale Medien gut
                                  sie nicht mitwirken lassen wollten. Da sei die      funktionierten. Und klar: Man könnte sich ja
                                  „Hemmschwelle“ zum Mitmachen hoch.                  selbst übers Internet informieren, wenn man sich
                                                                                      in der Kirche engagieren wolle, räumen sie ein.
                                  Sechsjährige Wahlperiode der Presbyteriums-         Wenn da nicht oft auch ein gutes Stück Bequem-
                                  vertreter „zu lang“ Weder Eva noch die anderen      lichkeit oder Desinteresse wäre, wie die 21-jäh-
Ein Text von Alexander Lang epd   „Teamer“ können sich einen Presbyteriumspos-        rige Theresa aus Bad Dürkheim sagt. „Es gibt

  10       Jupf-Info Nr. 120/20
Anregendes

                                                      Definition von Jugendlichen aus dem Workshop mit Julia Körfgen
                                                      im Jugendpfarramt in Köln im Oktober 2020.
                                                      "Was bedeutet Partizipation für dich?"

schon viele junge Leute, die etwas oberflächlich
und egoistisch sind und nur das tun, was ihnen
persönlich nützt.“

„Man kann jungen Menschen etwas zutrauen“

Generell habe die Kirche - ob protestantisch
oder katholisch - bei vielen jungen Leuten ein
schlechtes Image, berichten die Aktiven. Viele
fänden sich dort mit ihrer Lebenswirklichkeit
nicht wieder. Kirchenkritisch eingestellte junge
Leute wollten ohnehin nichts zu tun haben mit
einer Institution, die in traditionellen Strukturen
verharre. Die Missbrauchsskandale, der Umgang
mit Homosexualität und die noch immer fehlen-
de Gleichstellung von Männern und Frauen täten
das übrige, zählen sie weiter auf.

Vielen jungen Menschen sei der christliche
Glaube fremd, weiß Theresa. Viele Kinder und
Jugendliche kämen nur über den Schulunterricht
mit dem Thema Glauben und Kirche in Kontakt.
Auch für junge Leute, die nicht gläubig sind,
müsse sich die Kirche öffnen, appelliert sie. Ein
Ansatzpunkt, um sie zu gewinnen oder zurück-
zugewinnen, sei die Mitarbeit bei Umwelt- oder
Sozialprojekten. Dabei könnte die Kirche auch
Kooperationen mit Hilfsorganisationen einge-
hen. „Man kann jungen Menschen etwas zutrau-
en“, ermuntert die 17-jährige Lea. „Man muss sie
nur machen lassen.“

                                                                                                        Jupf-Info Nr. 120/20   11
Anregendes

Wir haben zum Schwer-
punktthema Partizipation
uns drei Fragen ausge-
dacht, die wir an verschie-
                                     3 Fragen an...
dene Menschen geschickt
haben. Wichtig war uns,
Menschen zu erreichen, die
                              Warum ist es wichtig, junge Menschen mehr
sich auf unterschiedlichen
                              in Entscheidungen miteinzubeziehen?
Ebenen mit dem Thema
"Beteiligung" beschäftigen.

Wir haben die Fragen an
Nadja Agreiter, Vorsitzende             Eigentlich ist es ganz einfach: jeden Tag entferne ich mich ein bisschen mehr
der Evangelischen Jugend                von dem Alltag und der Lebenswelt der Jugendlichen. Damit meine ich
in Köln und Umgebung,                   nicht, dass ich nicht versuchen kann mich in diese hineinzuversetzen, son-
Fiona Paulus, Vorsitzende               dern dass dieses Leben nicht mehr so sehr mit meinem eigenen Privatleben
der Evangelischen Jugend                überschneidet. Meine Aufgabe ist es Jugendliche zu unterstützen und ihnen
im Rheinland und Nadia                  Gehör zu verschaffen.
Schnabel, Vorsitzende
des Kölner Jugendrings
gestellt, die alle selbst               Ich denke, es ist immer wichtig die Menschen in Entscheidungen einzube-
ehrenamtlich in verschie-               ziehen, die betroffen sind. Und da es in der Jugendarbeit - der Name lässt
denen Gremien sitzen.                   es vermuten - um Jugend geht, sollten hier auch junge Menschen einbezo-
                                        gen werden. Durch die direkte Betroffenheit wissen sie am besten, was zu
Darüber hinaus haben                    beachten ist, welche Folgen Entscheidungen haben und was es abzuwägen
wir die Fragen an Jörn                  gilt.
Ruchmann, Jugendrefe-
rent im Kirchenkreis Köln        Jörn
Rechtsrheinisch und Noël                Grundsätzlich ist es wichtig Menschen in Entscheidungsprozesse mit einzu-
Braun, Jugendleiter in den              beziehen - ob alt oder jung. Junge Menschen, als Kirche von morgen, haben
Gemeinden Ichthys und                   das Recht diese aktiv mitzugestalten und nach ihren Bedürfnissen zu for-
Braunsfeld gestellt.                    men. Es ist nicht die Frage nach "mehr" Entscheidungsgewalt, sondern nach
                                        einem produktiven Zusammenwirken aller Generationen für eine Kirche der
                                        Zukunft.

          Noël Braun                    Um mündige Bürger*innen zu erziehen, sollten Kinder und Jugendliche
                                        daran gewöhnt sein in Entscheidungsprozesse mit eingebunden zu werden.
                                        So wächst die Lust sich zu beteiligen und für eigene Interessen einzuset-
                                        zen – eine Grundvoraussetzung für gelebte Demokratie. Menschen sollten
          Nadja Agreiter
                                        politisch früh empowert werden, um sich als Erwachsene nicht ohnmächtig
                                        zu fühlen.

          Jörn Ruchmann
                                        Wie können heute zukunftsfähige Entscheidungen getroffen werden,
                                        wenn dabei diejenigen, die in der Zukunft gestalten, nicht teilhaben? Es ist
                                        unerlässlich, dass alle Entscheidungen generationsübergreifend gemeinsam
          Nadia Schnabel                getroffen werden, denn nur so können die Interessen aller berücksichtigt
                                        werden. Für junge Menschen kommt aber noch hinzu, dass die getroffenen
                                        Entscheidungen ihre Zukunft am meisten beeinflussen und sie diese auch
                                        vor kommenden Generationen rechtfertigen müssen. Grade deshalb ist es
          Fiona Paulus
                                        wichtig, dass junge Menschen heute Kirche und Gesellschaft aktiv verän-
                                        dern und prägen können.

12     Jupf-Info Nr. 120/20
Anregendes

In welchen Bereichen wünschen Sie sich mehr
Partizipation für junge Menschen?

                               Ich finde junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 26 Jahren im Presby-
                               terium sehr gut. Allerdings nur, wenn Sie Lust auf dieses Gremium haben.
                               Am Ende ist es meines Erachtens viel wichtiger die Jugendlichen zu sehen
                               und ihre Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen und dementsprechend
                               zu handeln. Nicht für alle ist die Mitarbeit im Gremium mit Freude verbun-
                               den, weshalb ich diesen Weg als besser erachte. Kinder- und Jugendaus-
                               schüsse müssen attraktiv zur Mitarbeit gestaltet werden.

                               Ich würde mir mehr Beteiligung in den Bereichen Gestaltung von Köln (Bür-
                               gerbeteiligung), Wahl von politischen Vertretungen auf allen Ebenen und
                               Mitsprache bezüglich des Lern-und Lebensortes Schule wünschen.

                               Ich hab den Eindruck, es gibt für junge Menschen bereits sehr viele Mög-
                               lichkeiten der Mitwirkung. Ich selbst war in der SchülerInnenvertretung, bin
                               im Jugendausschuss meiner Gemeinde, sowie des Kirchenkreises, in der
                               AEJ und auf kommunaler jugendpolitischer Ebene im Kölner Jugendring.
                               Schwieriger wird es, sobald die Partizipation mit bürokratischen Konstruk-
                               ten in Berührung kommt, bzw. von Ihnen abhängig ist. Hier müsste vielleicht
                               etwas auf die Vereinbarkeit von Jugend und Beteiligung an Gremien der
                               Stadt, des Landes und des Bundes geachtet werden.

                       Jörn
                               Prinzipiell müssen Kinder und Jugendliche dort mitentscheiden, wo es sie
                               direkt betrifft: bei der Schaffung und Besetzung von Jugendleiterstellen,
                               bei der Konzeptentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit, bei Raumfragen
                               oder der haushaltspolitischen Planungen für die Arbeit mit Kindern und
                               Jugendlichen. Hier sollten sie nicht nur einfach gehört werden, sondern
                               müssen stimmberechtigt sein. Wenn man Kirche zukunftsfähig machen will,
                               muss man einen Teil der Entscheidungsmacht an die Generation abgege-
                               ben, der die Zukunft gehört.

                               Der Grundsatz sollte sein, dass in allen Bereichen möglichst viele Menschen
                               teilhaben, denn nur dann stehen Entscheidungen und Prozesse auf breiten
                               Füßen. Das bedeutet also, dass junge Menschen nicht nur immer im Blick
                               sein müssen, sondern auch immer partizipieren. Dabei ist wichtig, dass ihre
                               Erfahrungen als Expertise gewertet und nicht mit einem Verweis auf fehlen-
                               de Lebenserfahrung abgetan werden. Die Perspektive aller Generationen ist
                               in Entscheidungsprozessen gleichwertig.

                                                                                                   Jupf-Info 01/19     13
Anregendes

                          Was wünschen Sie sich von jungen Menschen,
                          die in Gremien mitarbeiten?

                                                                       Ich wünsche mir von den jungen Menschen Durchhaltevermögen, wenn sie
                                                                       nicht ernst genommen werden und außerdem Strahlkraft nach außen.

                                                                       Ich wünsche mir, dass sie Freude daran haben und mutig für ihre Wünsche
                                                                       eintreten.

                                                                       Ich wünsche mir vor allem Durchhaltevermögen, offene Worte und den
                                                                       Wunsch nach Veränderung. Wir brauchen stetige ehrliche Kritik, damit ver-
                                                                       meintlich Bewährtes immer wieder hinterfragt wird. Darin sehe ich grund-
                                                                       sätzlich eine der Hauptaufgaben junger Menschen. Sie sollen es anders ma-
                                                                       chen wollen, als ihre Eltern oder Großeltern. Durch dieses einfache Prinzip
                                                                       durften wir schon viele große Entwicklungen erfahren und sehen hoffentlich
                                                                       auch noch einige mehr.

                                                                Jörn
                                                                       Junge Menschen haben gelernt in allem flexibel zu sein, wenn sie Erfolg
                                                                       haben wollen. Und dieses Recht nehmen sie auch für sich in Anspruch.
                                                                       Viele klassische Gremien, ob in Politik oder Kirche sind aber auf langfris-
                                                                       tiges Engagement angelegt. Darüber müssen sich junge Menschen mehr
                                                                       bewusst sein, wenn sie dort mitarbeiten wollen. Nichts desto trotz ist Kirche
                                                                       aufgefordert Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen, die dem Wunsch nach
                                                                       Flexibilität junger Menschen entsprechen.

                                                                       Ich glaube es steht mir nicht zu, mir etwas von jungen Menschen zu
                                                                       wünschen. Von jedem Mitglied eines Gremiums wünsche ich mir, dass es
                                                                       dort nach bestem Wissen und Gewissen mitwirkt und seine Perspektiven
                                                                       einbringt. Ich möchte mir lieber etwas für junge Menschen in Gremien
                                                                       wünschen. Der Zugang zur Teilhabe sollte ihnen so einfach wie möglich
                                                                       sein. Dazu könnten zum Beispiel flexible Sitzungszeiten, Teammandate oder
                                                                       digitale Sitzungen flächendeckend eingeführt werden. Vor allem wünsche
                                                                       ich mir aber eine Sitzungskultur, die es neuen Mitgliedern einfach macht,
                                                    Work    -
                                        a u s de m                     sich zu beteiligen und in der Beiträge aller gleichermaßen wertschätzt sind.
                 n  Ju g e n dlichen            fa rr amt
Definitio
           n vo
                             e n im   Jugendp
                          fg
             Julia Kör
shop mit               b e r 2 02 0 .              h? "
               O k to                   n für dic
 in Köln im          t P a r tizipatio
             de u te
  " Wa s b e

     14         Jupf-Info Nr. 120/20
Anregendes

                                                                                                                gestartet
Partizipationsprojekt
Das gestartete Partizipationsprojekt der Evange-   Währenddessen herrschte beim Traumjugend-
lischen Jugend im Rheinland ist in vollem Gange.   verband eine direkte Kommunikation und eine
                                                   breitgefächerte Partizipation. Die verschiedenen
Beim ersten Treffen mit ehrenamtlichen Jugend-     Zielgruppen haben für sie gerechte Informati-
lichen zur Partizipation von jungen Menschen       onen zugesandt bekommen und auch generell
haben wir anfangs nur fundamentale Informati-      waren die Informationen für alle Beteiligten sehr
onen zu diesem Themenbereich ausgetauscht.         gut zugänglich. Die Ehrenamtlichen beschrieben
Anschließend haben sich die ehrenamtlichen         es als eine Balance zwischen Hol- und Bring-
in zwei Kleingruppen aufgeteilt und sollten auf    schuld der Informationen.
ein Flipchart Papier ihren persönlichen Traumju-
gendverband und ihren Horrorjugendverband          Abgesehen von den Informationsketten stellten
zu Papier bringen. Gesagt – Getan.                 die Jugendlichen die Struktur des Traumju-
                                                   gendverbands als transparent, verständlich und
Bei dem Horrorjugendverband stellten sich die      durchlässig dar. Es gibt gewählte Jugendvertre-
Ehrenamtlichen einen veralteten Vorstand vor,      ter, welche sich für die Jugend in den jugend-
welcher Entscheidungen immer nur alleine über      verbandlichen Strukturen einsetzen und das
alle Köpfe hinweg trifft. Der Informationsfluss    Hauptamt ist durchweg engagiert. Der wichtigs-
„von oben nach unten“ hat so gut wie gar nicht     te Punkt war jedoch, dass dieser Jugendverband
funktioniert. Die Jugendlichen visualisierten      nicht nur eine Gemeinschaft ist, sondern diese
dies, indem sie einen laufenden Wasserhahn         Gemeinschaft auch lebt.
malten. Der veraltete Vorstand bekam ganz vie-
le Wassertropfen ab, während Jugendleiter und      Darüber hinaus haben wir uns bei unserem
Pfarrer in den unterschiedlichen Gemeinden         zweiten Treffen damit beschäftigt wie eine Ju-
weniger Tropfen abbekamen und die ehrenamt-        gendverbandsvollversammlung aussehen könn-
lichen Jugendlichen nur noch vereinzelte bis gar   te. Ein Gremium an dem Ehrenamtliche, Haupt-
keine Wassertropfen.                               berufliche, Jugendreferate und Jugendpfarramt
                                                                        zusammen kommen und
                                                                        als Gemeinschaft Entschei-
                                                                        dungen treffen. Hier sollen
                                                                         zudem Wege und Formen
                                                                         gefunden werden, wie
                                                                         Jugendliche an Prozessen
                                                                         in ihrem Jugendverband
                                                                         beteiligt werden können.
                                                                         Diese Jugendverbands-
                                                                         vollversammlung soll der
                                                                          erste Schritt dazu sein.

                                                                                                Julia Körfgen

                                                                                                                Mehr Infos gibt es auch unter
                                                                                                                jupf.de/partizipation
                                                                          Horrorjugendverband

                                                                                                                    Jupf-Info Nr. 120/20   15
Anregendes

                     -                                                  mit-
                   t
                 mi hen wirken
                   c
                 re
       sp

                                      mi t-                                          Leise

                                machen
                                                                                       GESCHÄFTIGKEIT
     Text:
     Amt für Jugendarbeit                                                                  statt lautem
                                                                                     STARTSCHUSS
     der EKiR

                                   Modellprojekte zu Partizipationsförderung
                                   trotz pandemiebedingter Zwangspause

                                   Digitales Planungstreffen am 30.09.2020:          Auch das Großprojekt „Partizipationsförderung
                                   Modellprojekte der Evangelischen Kirche im        durch inspirierende Modellprojekte“ wurde
                                   Rheinland zur Etablierung von mehr Partizipa-     durch den pandemiebedingten Lockdown
                                   tion Jugendlicher in der Gremienarbeit nach       aus seinem regulären Zeitplan gedrängt. Den
                                   coronabedingter Verzögerung gestartet.            Einschränkungen zum Trotz haben die vier
                                                                                     ausgewählten Kirchenkreise, Altenkirchen,
                                   Am Mittwoch, den 30. September 2020, kam,         Gladbach-Neuss, Jülich und Kleve sich nicht
                                   nach der durch die Coronapandemie verordne-       entmutigen lassen und bereits begonnen ihre
                                   ten Zwangspause, via Videokonferenz die Steue-    Modellprojekte im Rahmen der gegebenen
                                   rungsgruppe des Gesamtprojekts mit Vertretern     Möglichkeiten anzustoßen und aufzubauen.
                                   der vier geförderten Modellprojekt-Kirchenkrei-
                                   se zu einem entscheidenden Planungstreffen        Der Kirchenkreis Altenkirchen plant die Ge-
                                   zusammen. Dieses hatte, neben einem Überblick     winnung eines Leitungskreises, bestehend aus
                                   über den aktuellen Stand der nun um sechs         Jugendlichen, welcher dann eigenverantwortlich
                                   Monate verlängerten Projekte, auch die Planung    den Partizipationsprozess plant, umsetzt und
                                   und offiziellen Start der öffentlichen Kommuni-   evaluiert. Im August konnte hier bereits ein
                                   kation zum Ziel.                                  erstes Treffen mit zwölf engagierten Jugend-
                                                                                     lichen zwischen zwölf und vierundzwanzig
                        Partizipation etablieren, den Einschränkungen zum Trotz      Jahren stattfinden, auf welches nun eine weitere

16       Jupf-Info Nr. 120/20
Anregendes

            n von
Definitio               s
            chen a u
Jugendli            p
            rksh  o
 de m Wo
         li a Kör fgen
 mit Ju
              dpfar-
  im Jugen
              Köln im
   ramt in
               2 02 0 .
    Ok tober
               deute t
    " Wa s b e            r
               ation fü
     Par tizip
     dich? "

       Veranstaltung für die Konzeptübergabe folgen          umgebauten Wohnmobils, samt vielfältigem
       soll. Darüber hinaus ist es geplant die kommen-       Programm von Workshops bis zu Gesprächen
       de Sommersynode dem Projekt zu widmen, um             mit Fachleuten junge Menschen ansprechen und
       auch dort deutlich zu machen, dass Gremienar-         zur Teilhabe einladen. Über diese Verbindung
       beit für Jugendliche essenziell ist, um das Gehör     soll ein Interesse an Partizipation und Vernet-
       im kirchlichen Umfeld zu finden, welches aktuell      zung im Rahmen der Kirche und der Gremienar-
       noch vielerorts vermisst wird.                        beit entstehen. Darüber hinaus wird mit diesem
                                                             Projekt auch eine Stärkung von Gemeinden
       In Gladbach-Neuss sollen Honorarkräfte einge-         ohne eigene Jugendarbeit angestrebt.
       stellt werden, um an unterschiedlichen Orten
       des Kirchenkreises parallel sowohl persönlich als     Mit den nun etablierten Lockerungen, nehmen
       auch digital daran arbeiten zu können neue For-       auch die Modellprojekte immer mehr Fahrt auf
       men der Kommunikation, Meinungs- und Ent-             und werden in nächster Zeit auf vielseitige Art
       scheidungsfindung zu entwickeln, zu sammeln           und Weise von sich hören lassen, um Interes-
       welche Themen für Jugendliche besonderes Ge-          sierte sowohl an ihrer Entstehung teilhaben
       wicht haben und die Relevanz von Gremienar-           zu lassen, als auch andere Kirchenkreise und
       beit für die Wahrnehmung und den Einfluss von         Gemeinden mit ihrem Beispiel zu inspirieren.
       Jugendlichen auf diese Themen zu verbreiten.
       Bisher konnte eine studentische Hilfskraft ein-       „Wir nehmen euch mit auf die Reise“ –
       gestellt und eine solide digitale Infrastruktur auf   hautnah dabei bei der Entstehung der Modellprojekte
       Basis eines Discord-Servers aufgebaut werden,
       welcher nun bereits partizipativ entwickelt wird.     Wie es weitergeht mit den vier Modellprojek-
       Auch eine Umfrage unter Jugendlichen wurde            ten? Das können Interessierte zeitnah vor allem
       durchgeführt, um deren wichtigste Themen              Online und auf den Sozialen Netzwerken haut-
       herauszufiltern. Darüber hinaus sind Konvente in      nah mitverfolgen.                                             Ansprechpartner:
       den verschiedenen Regionen geplant, in denen                                                                        Im Amt für Jugendarbeit
       das Thema sowie das Projekt weiter im Kirchen-        Neben den Kirchenkreisen, welche selbst auf                   der EKiR:
       kreis verbreitet und verankert werden soll.           ihren Plattformen regelmäßig über ihre ganz                   Roland Mecklenburg
                                                             persönlichen Erfahrungen berichten werden, ist                mecklenburg@afj-ekir.de
       Jülich plant eine Offline-Jugendkirche aufzu-         es auch geplant ein gemeinsames digitales Zu-                 Telefon 0211 4562-476
       bauen und konnte dafür bereits eine befristete        hause für das Gesamtprojekt zu etablieren, auf
       Vollzeitstelle besetzen und ein passendes La-         dem alles Wissenswerte rundum die Vision des
       denlokal als beteiligungsorientierten Planungs-       Projektes, sowie die Fortschritte und Neuheiten
       und Begegnungsraum anmieten. Darüber hinaus           der einzelnen Modellprojekte zu finden sein
       wurden auch hier Jugendliche zu ihren Wün-            werden.
       schen und Vorstellungen befragt und es stehen
       mit der Zukunftswerkstatt am 10. Oktober
       und einem Studientag für die Mitarbeiter der
                                                                                                                  r un g
       Kirchenkreise in der kommenden Woche bereits
                                                                                             ip at io n sf ö r d e e
                                                                                     Part iz                     nd
       sehr zeitnah weitere Veranstaltungen ins Haus,                                               spiriere
       um das Projekt und seine Ziele zu verbreiten.                                   durch in projekte
                                                                                           Modell
       Der Kirchenkreis Kleve möchte mithilfe der                                                         ei:
                                                                                              Mit dab e aus
                                                                                                  henkreis
       Schaffung eines zugleich mobilen wie digitalen
       kirchlichen Begegnungsraums in Gestalt eines                                      Die Kirc hen, Jülich,
                                                                                                     c
                                                                                          Altenkir                ve
                                                                                                a c h- N euss, Kle
                                                                                         Glad b

                                                                                                                            Jupf-Info Nr. 120/20   17
Anregendes

                                           Nach zwei Wochen intensiver Arbeit sind diese          Ausdrucksform von Kirche)² , kurz fresh-x, sind
                                           Worte auf Banner gedruckt. Diese und andere            kleine Projekte entstanden. Projekte, in denen
                                           Aussagen von zehn Jugendlichen.                        erstmal zugehört wurde.

                                           Wachs über dich hinaus.                                In der zweiten Juniwoche kamen zehn junge
                                                                                                  Menschen in der Jugendkirche zusammen. Sie
                                           Probiere etwas aus, das außerhalb deiner               suchten Antworten auf die Frage: Was braucht
                                           Komfortzone liegt. Trau dich, etwas anders zu          unsere Welt? In der Kreativwerkstatt formulier-
                                           sagen und zu tun, als du es bisher immer getan         ten die Jugendlichen ihre eigenen Gedanken
Warum kaufen wir                           hast. Wechsel die Perspektive, dann öffnen sich        dazu, erstellten jedoch davor zunächst hand-
unnötige Dinge?                            für dich Welten, die du gar nicht für möglich          werklich die Druckstöcke und kamen dabei
Wir brauchen Menschen,                     gehalten hast.                                         ins Gespräch. Am Ende druckten sie dann ihre
die sich als Teil des                                                                             eigenen Texte auf ein großes Banner.
                                           In der Kirche und speziell der Jugendarbeit geht
Problems erkennen und                      es immer wieder um die Frage, wie Formen               EINE IDEE HABEN
handeln.                                   gefunden werden, die zu jungen Menschen pas-
Die den Effekt ihrer Taten                 sen. Wie Jugendliche ihre Ideen und Gedanken           „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde … und
auf andere sehen.                          formulieren können. Dabei fallen häufig große          das Licht war gut.“ Als wir die ersten Zeilen der
Wachs über dich hinaus.                    Worte wie fresh- x oder partizipative Jugend-          Bibel lasen, sagte Emma sowas wie: „Ich finds
                                           arbeit. Aber was bedeutet das und wie kann             gerade echt schade, dass ich gar nicht zu ganz
Kaja, 14 –                                                                                        neuen Anfängen komme. Ich kann, glaub ich,
                                           eine solche Arbeit ganz konkret aussehen?
in der Kreativwerkstatt                                                                           gar nichts ganz Neues denken.“ Und ich dachte:
                                           Die Kreativwerkstatt der Jugendkirche in Köln          „Gut, dass fresh x nicht new x heißt. Wir müssen
                                           in mitten eines durch Coronabeschränkungen             ja gar nicht alles neu denken, neu erfinden. Geht
                                           bestimmten Sommers war ein Versuch genau               ja auch gar nicht. Die frohe Botschaft von Gott
                                           hier anzuknüpfen: Dinge neu zu sagen.                  bleibt, ist da. Wir sind Gefundene.“

                                           „(F)inding new, flexible, appropriate ways to proc-
                                           laim the Gospel afresh to those who do not relate
                                           to traditional ways”¹

                                           Wege zu finden, um mit denen den Glauben an
                                           Jesus Christus zu entdecken, die keine Bezie-
                                           hung zu den alten Traditionen haben. In der
                                           Kirche Englands wuchs die Erkenntnis, dass die
                                           üblichen Formen von Kirche und auch Jugend-
                                           arbeit für einige wenige anschlussfähig sind,
                                           für ganz viele andere aber weit weg - ja sogar
                                           unnötig und komisch. Auf der Suche nach einer
                                           fresh expression of church (ergänzende / frische

  ¹ Zitat aus dem Positionspapier der anglikanischen und
  methodistischen Kirche aus dem Jahr 2004 „Mission shaped
  church“. Vgl. Wikipedia Artikel zu „Fresh expressions“.                                              Sprich!
                                                                      deine Gedanken werden nicht gelesen,
  ² Das Wort fresh richtig zu übersetzen fällt im deutschen
  schwer. Bei frisch denkt man, dass das Alte - nicht frische -                 trau dich sie auszusprechen.
  schlecht geworden ist. Bei neu schwingt mit, dass es sich um    du hast die macht deine Meinung zu sagen,
  etwas gänzlich Neues handelt. Das Subjekt Gott bleibt jedoch
  dasselbe. Diese freshe Form Gott zu entdecken soll ergänzen,
                                                                                             nutze sie: sprich
  nicht ersetzen.
                                                                         Julius, 16 – in der Kreativwerkstatt
   18       Jupf-Info Nr. 120/20
Anregendes

Fresh X hat mich mutig gemacht. Mutig ge-                       sehen und hören können, abgesehen von dem,
macht, Formen zu erdenken, in denen Dinge                       was sie vielleicht auf den ersten oder auch zwei-
passieren, die ich nicht steuern kann. Auf genau                ten Blick ausmacht.
diese Dinge zu achten. Eine Idee zu haben, von
dem, was wir machen, aber darin Leerstellen zu                  SELBST MACHEN LASSEN
lassen. Ihre Ideen und Gedanken einfließen zu
                                                                Die Aufgabe in unser Kreativwerkstatt ein
lassen und mit ihnen diese Leerstelle zu gestal-
                                                                Banner mit einem eigenen Satz zum Thema:
ten.
                                                                Was braucht unsere Welt? zu entwerfen, stellte
Dies gilt auch für die Idee der partizipativen                  die Jugendlichen vor große Herausforderungen.
Jugendarbeit. Meines Erachtens wird diese Idee                  Aber es gab ihnen auch die Möglichkeit auf
jedoch oft missverstanden. Partizipation ist ein                ihre eigene Meinung zu hören und ihr erstmal
großes Wort, doch dann stehen Jugendliche                       zu vertrauen. Sie an dem, was die anderen
alleine da und sollen ein Projekt selbststän-                   sagen, zu schärfen und dann am Ende zu dem
dig entwickeln. Oft werden hier dann von den                    öffentlich zu stehen, was sie sagen möchten.
Jugendlichen Formen und Inhalte reproduziert,                   Dabei wird also auch wichtig, dass Jugendliche
die bekannt sind – von denen die Jugendlichen                   herausgefordert werden, miteinander ihre Ideen
vielleicht auch denken, dass sie erwartet werden.               zu bewegen. Diese Auseinandersetzung mit mir
                                                                selbst und den Anderen führt zu einer Erfahrung                 Ich mache dir Mut zu hoffen.
Die Erfahrung der Kreativwerkstatt zeigt, dass                  der Selbstwirksamkeit, die ihr Leben prägen                     Hoffnung ist manchmal
es ein Setting braucht, in welchem Jugendliche                  kann.3                                                          schwer zu finden.
sicher agieren können. Das, was dann innerhalb                                                                                  Aber sie ist DA!
des Rahmens geschieht ist die partizipative                     Jesus schickt nach einiger Zeit seine Freunde                   Deswegen sei mutig.
Aufgabe der Jugendlichen. In diesen Leer-                       und Freundinnen los. Immer zu zweit sollen                      Gib nicht auf – so schwer es
stellen haben die Jugendlichen Möglichkeit,                     sie losgehen und ihre eigenen Erfahrungen                       auch fällt.
Verantwortung zu übernehmen, um sich selbst                     machen. Er vertraut ihnen all das an, was ihm                   Die Hoffnung ist mit dir.
einzubringen. Sie merken, dass nicht alles von                  wichtig ist. Kontrolliert sie nicht – lässt sie alleine
ihnen abhängt, aber sie sich dennoch ernsthaft                  losziehen.                                                      Emma, 16 –
einbringen können. Sonst bleibt ihr Banner am                                                                                   in der Kreativwerkstatt
                                                                Das ist eine Art der Wegbegleitung in ein Leben
Ende leer.
                                                                hinein, das geprägt von Zutrauen ist, diese Welt
ZUHÖREN                                                         mitgestalten zu können und Verantwortung zu
                                                                übernehmen.
Das beste Vorbild ist die Art und Weise, wie
Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern um-                    KEIN KOCHREZEPT
geht, die ihm als Lehrer (Rabbi) folgen. Er ruft
                                                                Dies soll kein Kochrezept sein. Es ist eine Idee,
sie, ihm nachzufolgen. Er geht einen Weg mit
                                                                wie das Wirken Gottes in unsere Welt mit
ihnen, lernt sie kennen und sieht sie als Indivi-
                                                                Jugendlichen entdeckt werden kann. Heraus-
duen, hört ihre Fragen. Er sieht sie vorurteilsfrei.
                                                                zufinden, dass Gott mit ihnen ja schon längst
Das erzeugt immer wieder auch Konflikte und
                                                                auf dem Weg ist und ganz speziell sie etwas
Spannungen:
                                                                mitbringen, dass diese Welt braucht. Womit sie
Warum gibst du dich mit Menschen ab, die so                     partizipieren sollten, weil sie einen Unterschied
normal sind, sichtbare Schwierigkeiten im Leben                 machen können.
haben? Aber Jesus sucht nicht die perfekte
                                                                Und dann lernen Jugendliche anders zu denken
Form, erwartet nicht die perfekte Antwort. Er
                                                                und zu hören, zu erkennen und zu handeln. Und
will hören, was bei dem Einzelnen wirklich ist.
                                                                sie wachsen dabei über sich hinaus. Sehen sich
Was ihr Leben ausmacht.
                                                                in einen größeren Kontext gestellt. Erleben sich
Das macht mir Mut, den ersten Schritt einer                     selbst ganz anders: FRISCH.
partizipativen Jugendarbeit darin zu sehen,
                                                                                                     Tobias Diekmeyer
Menschen einen Raum zu geben, indem wir sie
                                                                                                Jugendkirche geistreich

3
  Paragraf §11 des Sozialgesetzbuches VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) formuliert dieses partizipative Prinzip als Grund-
prinzip der Kinder- und Jugendhilfe. Hier heißt es, dass unsere Angebote Jugendliche „zur Selbstbestimmung befähigen und zu
gesellschaftlicher Mitverantwortung (…) hinführen“ sollen.
                                                                                                                                   Jupf-Info Nr. 120/20   19
Anregendes

                                                                                                                                                 Auf Kölner Nacken -
                                                                                                                                                 Geld für Gutes
                                                                                                                                                 Ihr wollt mit einem eigenen Projekt etwas bewegen?
                                                                                                                                                 Dann unterstützen wir Euch mit bis zu 500 €, wenn…

                                                                                                                                                 •   Ihr aktuell in Köln wohnt
                                                                                                                                                 •   Ihr Köln noch besser und lebenswerter machen
                                                                                                                                                     möchtet
                                                                                                                                                 •   Ihr zwischen 6 – 25 Jahre alt seid
                                                                                                                                                 •   Ihr eine konkrete Idee habt und das Projekt bis
                                                                                                                                                     zum 31.12. abgeschlossen ist
                                                                                                                                                 •   Ihr in Eurem eigenen Interesse handelt

                                                                                                                                                 Ihr könnt Euch auch melden, wenn Ihr noch keine
                                                                                                                                                 konkrete Idee habt, aber etwas bewegen wollt. Wir
                                                                                                                                                 überlegen dann gemeinsam, was Ihr machen könnt.

                                                                                                                                                 Gefördert durch die Kinderfreundliche
                                                                                                                                                 Kommune Köln.

                                                Im Rahmen von „Auf Kölner Nacken – Geld für Gutes“ werden Projekte mit bis zu 500,00€ bezuschusst, die
                                        Köln noch kinder- und jugendfreundlicher machen sollen. Dafür müssen die Antragsteller*innen zwischen 6 – 25
                          Jahre alt sein und eine konkrete Idee haben, die bis zum 31.12. umgesetzt werden kann. Der Zuschuss kommt den Kindern und
                      Jugendlichen direkt zugute und wird nicht für die Ausstattung bestehender Verbände oder Einrichtungen genutzt. 2020 konnten
                      bereits 6 tolle Projekte unterstützt werden. Diese waren u.a. Verkehrsmännchen für den sicheren Schulweg und der Bau eines
                      Hochbeetes im öffentlichen Raum, das als Kräuterbeet und Futterstation für Insekten dient.

                  Die Partizipationsscheibe
                                                                                                              Wie können Kinder und Jugendliche ernsthaft, ehrlich und umfassend in Kirchenge-
                                                                                                              meinden und bei überörtlichen Angeboten beteiligt werden? Diese Frage bewegte
                                                                                                              das Team des Evangelischen Kinder- und Jugendwerkes Mecklenburg seit Langem.
                                                                                                              Dazu haben sie „Die Partizipationsscheibe“ gestaltet.

                                                                                                                 Konkret hebt das Regelwerk auf verschiedene Stufen der Beteiligung ab. So beginnt
                                                                                                                     sich die Scheibe bei der Frage zu drehen, wie Kirchengemeinden ihre Kinder und
                                                                                                                         Jugendlichen überhaupt informieren? Was kann diese Altersgruppe in der
                                                                                                                            Gemeinde tun, welche Freiräume gibt es?
                             die Meinungsäußerung von Kindern und Ju -
                                                                                                                          un

                            gendlichen      hört zu, ist interessiert an der
                                                                                                                           dJ

                               Perspektive der Kinder und Jugendlichen
                                                                                           bietet
                                                                                                                                    In den weiteren „Dreh“-Stufen geht es um die Fragen, wie Kinder und
              teilt
                                                                                                                             ug

       Verantwortung,                                  erleben                        vielfältige,                                    Jugendliche teilnehmen, wie sie angehört bzw. mitwirken können
                                                                                                                               en

      nimmt Kinder                   Freiräume,    die sie nutzen können             altersgerechte
 nd Jugendliche
                                   und für die sie Verantwortung überneh -                 Angebote                                     und welchen Freiraum sie zur Selbstorganisation und für eigene
                                     men haben die Gelegenheit, ihre
                                                                                                                                  l i ch

                                                                                               unterstützt
hren Anliegen
     regelt               können
                                         Bedürfnisse, ihre Kultur, ihre
                                                                                                 Kinder und Ju-
                                                                                                                                         Entscheidungen haben.
                                       Spiritualität selbstbestimmt, zu          erfah-
                                                                                                                                         e

  wie               wirksam wer-          entfalten sind herausge-           ren, dass sie         gendliche bei
 nd              den übernehmen             fordert, ihre Beziehung       gebraucht werden           der Teilnahme
 he           Verantwortung                       zu  Kirche und         und Entscheidungen              organisiert                         „Die Partizipationscheibe“ wird es in einer abgewandelten
eiden                                              Glauben zu
d
            erleben Erfolg und Scheitern           bestimmen
                                                                     erleben demokratische    Ent-
                                                                                                       Mobilität
                                                                                                        stellt Räume
                                                                                                                                              Form auch demnächst bei uns geben. Nähere Infos folgen
              lernen aus ihren Fehlern
 e
         entwickeln Lust am Mitmachen
                                                                   scheidungsprozesse lernen             zur Verfügung                        unter www.jupf.de/partizipation
                                                                    Entscheidungen mitzutragen

ern                                                                                                                                           Wer sich die Partizipationsscheibe bei der Evanglischen Kir-
d-                                                        erfahren, dass ihre Mei-
me          wissen, was läuft   kön-                   nung interessiert   können                                                             chen in Mecklenburg ansehen möchte, wird hier fündig:
          nen wählen     fühlen sich                                        lernen
Ver-           wahrgenommen                                andere Perspektiven
                                                                                           weckt                                             www.kirche-mv.de/Partizipationsscheibe-Beteiligung-
  ihren                                                                                Interesse
                                                                und andere
                                                                                         bietet                                              von-Kindern-und.8152.0.html
                                                                                                                            he

 rtungs-                                 erleben Kirche        Standpunkte
Umgang
               20                     als wertvollen Ort
                               Jupf-Info   Nr. 120/20             kennen             Gelegenhei-
                                                                                                                           dl i c

  zur Verfü-                            werden angeregt,                           ten
 ng Regeln                         ermutigt und gestärkt                        Transparenz
                                                                                                                         gen

nd Begleitung der
                                  bekommen Lust auf mehr
    jungen Menschen
Anregendes

                                                  Pimp Your Town! ist das temporäre
                                                  Pop-up-Jugendparlament, in dem Jugend-
                                                  liche in einem Kommunalpolitik-Event           PLACEm - Die Mitrede-App
                                                  parlamentarische Demokratie erleben,
                                                  eigene Ideen entwickeln, mit Abgeordneten      PLACEm ist mehr als eine
                                                  zusammenarbeiten und die Umsetzung ihrer       Jugendbeteiligungs-App: Ob
                                                  Ideen anschließend selbst begleiten.           im Jugendtreff, im Verein, in
                                                                                                 der Schule, im Jugendverband
Lust auf Demokratie                               Im Kommunalpolitik-Planspiel zur Jugend-       oder in der Kommune: Noch
und Beteiligung                                   beteiligung von Politik zum Anfassen e.V.      nie war es so einfach, infor-
                                                  schlüpfen Schülerinnen und Schüler in die      miert zu bleiben, eigene Ideen
Das Kommunalpolitik-Planspiel zur                 Rolle von Kommunalpolitikerinnen und           einzubringen und mitzuma-
Jugendbeteiligung                                 Kommunalpolitikern und beraten und be-         chen. Und das nicht nur für
                                                  schließen ihre eigenen Anträge: In Ortsrat,    Jugendliche: Auch Erwachsene
Was haben überdachte Spielplätze, Werbung für     Stadtbezirksrat, Stadtrat, Gemeinderat, dem    nutzen digitale Beteiligung per
Sportvereine und die Freiwillige Feuerwehr für    Kreistag, der Stadtvertretung, dem Magistrat   App gern!
Eltern von Migranten, sprechende Mülleimer, ein   - so viele Namen die Gremien auch haben,
Elektro-Auto als Bürgermeister-Dienstwagen,       ihnen allen ist gemein, dass dort die span-    PLACEm ist ein niedrigschwel-
WLAN in der Innenstadt und Badeinseln in der      nende Politik vor Ort gemacht wird!            liges und interaktives On-
Ostsee gemeinsam? Alles das sind Ideen von                                                       line-Tool in Form einer Smart-
Schülern für ihre Kommunen, die umgesetzt         www.pimpyourtown.de                            phone-App, das bestehende
wurden!                                                                                          und zukünftige Beteiligungs-
                                                                                                 verfahren sinnvoll ergänzt und
                                                                                                 erweitert. Die Mitrede-App
                                                                                                 kann sowohl von Kommunen

MACHTMIT!
                                                                                                 als auch von Schulen, Sportver-
                                                                                                 einen, Jugendtreffs,... werden.

                                                                                                 Mehr Infos:
Arbeitshilfe zum Thema Partizipation                                                             www.politikzumanfassen.de/
und Mitbestimmung.                                                                               placem

Mit dieser Arbeitshilfe gibt es Metho-
den und Ideen, die einen einfachen und
niederschwelligen Zugang zur Mitbe-
stimmung ermöglichen und so einen
Einstieg ins Thema erleichtern. Die Box
enthält sieben verschiedene Kategorien:
Kommunen, Konferenzen, Leitungsrunden
und Teams, Schulungen, Gruppenstunden,
Sommerlager, Projekte.

In der Box gibt es verschiedene Reflexions-
methoden oder -fragen, die nach Passung zu
den jeweiligen Methoden zugeordnet werden
können. Bei der Auswahl der Methoden gibt es
folgendes zu beachten: Alter der Teilnehmerin-
nen und Teilnehmer, Vorerfahrungen, Qua-
lität des Zusammenhalts in der Gruppe,
welche Jugendlichen sind in der Grup-
pe (Herkunft, Bildung, Geschlecht),
Vorerfahrungen, Interessen und
Bedürfnisse, Probleme, äußere Ge-
gebenheiten, Zeit, Medieneinsatz, …

Die Box gibt es kostenlos unter:
www.ksj.de/p/machtmit-partizipation

                                                                                                       Jupf-Info Nr. 120/20   21
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