Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg

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Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg
Magazin für ökologische
September 2015 N°57

                                                                  Agrar- & Esskultur in Luxemburg

       Zu Besuch im Gemüsegarten
       des Ansembourger Schlosses

                  Der Boden :
                  Vielfältig, lebenswichtig   Maison Viticole Roeder –     Einen Aktionsplan Biologische
                  und bedroht                 Naturschutz durch Weinbau!   Landwirtschaft bis 2020
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Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg
MIR FANNE

             BIO
             LOGESCH!
             Mir setzen eis an
             fir eng Qualitéit ouni Kompromëss !
             Cactus Bio ouni OGM, ouni Pestiziden an ouni
             chemeschen Dünger.

             Nëmmen dat Bescht!

DE-ÖKO-OO6
Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg
Bio in und aus Luxemburg – ist das wirklich gewollt?
                                             Aus Sicht der Konsumenten wird diese Frage eindeutig mit „Ja“ beantwortet. 2014 war Luxemburg
                                             Spitzenreiter der EU im Pro-Kopf-Verbrauch von Bioprodukten. Auch die erste Resonanz der Konsu-
                                             menten auf das neue Logo „Bio LËTZEBUERG - Eise Logo fir Bioprodukter aus der Regioun“ bestätigt
                                             den Wunsch der Konsumenten nach regionalen Bioprodukten.

                                             Aus Sicht der Landwirte erleben wir momentan eine stärkere Anfrage der konventionellen Kollegen,
                                             die sich für die Umstellung ihres Betriebes auf Biolandbau interessieren. Damit wäre ein positives
                                             Signal aus der Landwirtschaft gegeben, die Herausforderung der nachhaltigen Landbewirtschaftung
                                             anzunehmen. Von dieser Stelle aus möchten wir die Kollegen ermutigen, den Schritt in die Bioland-
                                             wirtschaft wirklich zu machen! Die bestehenden Strukturen in Verein, Beratung, Forschung und
                                             Vermarktung stehen dabei hilfreich zur Seite.

                                             Aus Sicht der Organisationen des Biolandbaus in Luxemburg haben wir uns diese Frage in der letzten
                                             Zeit mehrfach gestellt, denn…

                                             … im PDR wurden bis 2020 nur 5.800 ha biologisch bewirtschaftete Fläche als Ziel festgehalten.
                                             Im Jahr 2014 wurden aber in Luxemburg bereits 4.200 ha biologisch bewirtschaftet. Das Landwirt-
                                             schaftsministerium befürchtet also selbst, dass die von ihm festgelegten Fördermaßnahmen im
                                             Biologischen Landbau nicht ausreichen werden, um mehr als 1.600 ha Zuwachs der Biofläche in
                                             6 Jahren zu bewerkstelligen. Nicht sehr ermutigend!

                                             …5,5% aller luxemburgischen Landwirte arbeiteten 2014 nach biologischen Richtlinien. Demzu-
                                             folge müssten für die Beratungsstruktur im Biolandbau auch wenigstens 5,5% der Mittel, die für
                                             landwirtschaftliche Beratung vorgesehen sind, verfügbar sein. Ein in Ausarbeitung stehendes neues
                                             System zur Finanzierung der Beratungsinstitutionen in der Landwirtschaft schickt bestehende kleine
                                             Strukturen, wie z.B. die Bioberatungsstelle, bewusst ins Aus. In einem kleinen Land, wie Luxem-
                                             burg, sind kleine Strukturen, die ein vielfältiges Angebot sicherstellen, an der Tagesordnung. Wir
                                             sollten uns an den Ideen anderer EU-Staaten orientieren: Z.B. die Kollegen aus Dänemark, die es,
                                             staatlich organisiert wohlbemerkt, fertig bringen 7% Biolandwirtschaft zu realisieren und sich sogar
                                             eine 100%ige Steigerung der Biolandwirtschaft auf 14% bis 2020 zum Ziel gesetzt haben UND dafür
                                             einen dementsprechenden Bioaktionsplan aufgestellt haben! Vorbildlich!

                                             …der nationale Bioaktionsplan für biologischen Landbau ist ab 2017 auf 0,00 Euro gesetzt. Es wurde
                                             bisher aber mitgeteilt, der Bioaktionsplan bliebe erhalten und solle in Zukunft auf die Vermark-
                                             tung im Biobereich fokussiert werden. Budgetposten, wie die Finanzierung der Bio-Sortenversuche,
                                             sollten aus dem BAP herausgenommen werden und in ein eigenes Budget im Landwirtschaftsbudget
                                             überführt werden. In der Realität stehen zurzeit keine derartigen Budgetposten zur Verfügung!

                                             …die Kontrolle von Biobetrieben ist gesetzlich vorgeschrieben und findet einmal pro Jahr statt. Die
                                             obligatorischen Kontrollkosten müssen die Biobetriebe künftig selbst tragen, obwohl anscheinend
                                             eine staatliche Kontrollkostenübernahme von 80% möglich wäre, was zu prüfen ist. Denn insbe-
                                             sondere Kleinbetriebe können sich diese zusätzlichen Kosten nicht leisten, mit der Folge, dass wir
                                             diese Betriebe verlieren werden.

                                             Ist Biolandwirtschaft in Luxemburg wirklich gewollt?

                                                                                                                  Dani Noesen, Bio-Lëtzebuerg

Herausgeber                                     Redaktion                                           Nachdruck
                                                Aender Schanck (AS), Anja Staudenmayer (AST),       nur nach Absprache mit den Herausgebern
                                                Raymond Aendekerk (RA), Tom Kass (TK),              Vertrieb
                                                Julie Mousel (JM), Daniela Noesen (DN)              Mit der finanziellen Unterstützung von NATURATA
                                                Auflage                                             und Cactus.
                                                4.500
                                                                                                    Die Autoren sind für den Inhalt
13, rue Gabriel Lippmann • L-5365 Munsbach      Erscheinungsweise                                   ihrer Artikel selbst verantwortlich.
                                                                                                                                                            Impressum

www.bio-letzebuerg.lu                           März, Juni, September, Dezember                     Die Redaktion behält sich das Recht vor,
e-mail: info@bio-letzebuerg.lu                  Beratung / Koordination                             Anzeigen, welche ökologisch nicht vertretbar
        mousel@bio-letzebuerg.lu                OIKO – Consulting / Georges Goedert                 oder nicht informativ sind, nicht zu veröffentlichen.
        noesen@bio-letzebuerg.lu                Tel. 26 15 35 70 • Fax 26 15 35 71
        staudenmayer@bio-letzebuerg.lu          e-mail: goedert.oiko@pt.lu                          Imprimé sur papier recyclé.
                                                www.oiko.lu
Tel: Julie Mousel: 26 15 23 - 74
     Daniela Noesen: 26 15 23 - 80
Fax: 26 15 33 - 81
Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg
„Unser Geheimnis?
         Die schonende Röstung
 im Allos Hof-Ofen!”
                                                                                                          Wien gutt
                                                                                                            schmiert -
                                                                                                   dien          gutt fiert !
               Alois Dumstorff,
             Röstmeister bei Allos

                         AUS DER
                    ES
                               AL
               U
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                                   LO S

                                                                                                              ck-
              REZ

                                                                                                  hen
                                   DE

                                                                                              Gescd
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                         R-SC HM

Die Innovation im
Frühstückscerealien-Regal!
                                                                                                Mariendistelöl:             Leindotteröl:
 100% natürliche Getreide
flocken, wertvolle Saaten und knusprige Flakes in Bio-
                                                               * als herkömmliche Crunchies

                                                                                                ist angenehm mild im       besitzt einen delikaten
Qualität, ummantelt mit Agavendicksaft und angereichert                                               Geschmack.            und außerordentlich
mit leckeren Nüssen, fruchtigen Beeren oder köstlicher                                           Es eignet sich hervor-     feinen Geruch, nach
Schokolade. Durch die schonende Röstung im Allos Hof-                                         ragend für kalte Speisen,       frisch gemähtem
Ofen wird die einzigartige Rezeptur so unglaublich knusprig                                   Dressings oder pur einen      Löwenzahn duftend.
und lecker. Voller Genuss bei 30% weniger Zucker*!                                             Teelöffel voll genießen.
Jetzt neu in den Sorten Cranberry & Kürbiskern, Cashew &
Vanille, Schokolade, Wildbeere, Apfel & Zimt, Aronia & Chia.

                                                                                                                 Erhältlich
                                                                                                            bei Charel Goedert
www.allos-hof-manufaktur.de
                                                                                                    12B, rue Principale • L-8540 Ospern
                                                                                                              Tel: 23 62 07 29
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Inhaltsverzeichnis
Fotos: Jessica Bellamy
                                                                                                   5

                         Dossier:
                         • Der Boden unserer Erde: Vielfältig, lebenswichtig und bedroht    6
                         • Maison Viticole Roeder – Naturschutz durch Weinbau!              8
                         • Zu Besuch bei Frank Adams                                       10
                         • Einen Aktionsplan Biologische Landwirtschaft bis 2020           12

                         Agenda                                                            14

                         Rückblick:
                         • Die Fachgruppe Demeter zu Besuch auf „Haus Bollheim“            15

                         Bio-Lëtzebuerg:
                         • Vereenegung fir Bio-Landwirtschaft Lëtzebuerg asbl              16
                         • Mitglieder von Bio-Lëtzebuerg                                   17
                         • Die neue Kollektivmarke Bio Lëtzebuerg                          18

                         Rückblick:
                         • Besichtigung der Versuchsflächen des IBLAs                      19
                         • „Ech si Bio“ auf der Foire Agricole in Ettelbrück               21
Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg
Dossier

                Der Boden unserer Erde:
   6
                Vielfältig, lebenswichtig und bedroht
                Aufgrund der verschiedenen Bedingungen          jetzige Form der Brandrodung gibt den Böden       Kalkkrusten in allen Erdteilen mit Salzböden
                auf unserer Erde haben sich sehr unter-         nicht mehr ausreichend Regenerationszeit.         vergesellschaftet. Gerade diese Böden ent-
                schiedliche Böden entwickelt. Ausgangsge-       Ein Beispiel hierfür sind die weit verbreiteten   lang der großen Wüsten unserer Erde sind
                stein, Wasser- und Lufthaushalt, Temperatur     Laterit-Böden mit ihrer ziegelroten Farbe         stark vor Degradation durch Überbeweidung
                und Vegetation haben unterschiedliche           (lat.“later“ Ziegel), aufgrund der Anreiche-      sowie Wind- und Wassererosion gefährdet.
                chemische, physikalische und biologische        rung von Aluminium- bzw. Eisenoxiden und
                                                                                                                  In unseren gemäßigten Klimazonen be-
                Prozesse in Gang gesetzt. So gibt es eine       –hydroxiden. Fruchtbare tropische Böden
                                                                                                                  schränkt sich der chemische Prozess der
                Unzahl an verschiedenen Bodenarten die          befinden sich, wie auch in vielen anderen
                                                                                                                  Bodenentwicklung auf die warmen Peri-
                von Wissenschaftlern nach verschiedenen         Klimazonen, infolge von angeschwemmten
                                                                                                                  oden des Jahres, welches dann weniger
                Systemen in verschiedene Bodentypen             Lehm- und Tonsedimenten in Tälern und in
                                                                                                                  tiefgründige Böden, als in den Tropen und
                eingeteilt werden (1).                          Küstennähe (Deltas). Hier sind die Böden
                                                                                                                  Subtropen ergibt. In unserer Laubwaldzone
                                                                grau bis schwarz und oft reich an orga-
                Weltweit große Vielfalt an Böden                                                                  des feucht-gemäßigten Klimas der Nord-
                                                                nischen Stoffen. Diese Böden eignen sich
                                                                                                                  halbkugel herrschen Braunerden vor. Durch
                Weil das Klima einen bedeutenden Einfluss       z.B. gut für den Reisanbau. Sehr fruchtbare
                                                                                                                  die Rodungen vor vielen hunderten Jahren
                auf die Bodenentstehung hat, gibt es große      Böden befinden sich ebenfalls in den vielen
                                                                                                                  sind unsere landwirtschaftlichen Böden, wie
                Unterschiede von Klimazone zu Klimazone.        Vulkanregionen unserer Erde.
                                                                                                                  wir sie besonders im Acker wahrnehmen,
                In tropischen Regionen mit hohen Jahrestem-
                                                                Aride Zonen mit niedrigen Niederschlägen          entstanden.
                peraturen und Niederschlägen, von vielen
                                                                und einer sehr hohen Verdunstung, be-
                Tausend Millimeter, ergeben tiefgründige,                                                         Tschernosem, der König unter den Böden
                                                                günstigen Böden mit variablen Gehalten
                stark verwitterte und ausgewaschene Böden
                                                                an leicht verfügbaren Mineralien, wie Kalk        Zu den fruchtbarsten Böden unserer Erde
                mit niedrigen Nährstoffgehalten. Die üppige
                                                                (Calciumcarbonat) oder Gips, welche nach          zählen die Tschernoseme. Die Schwarzerden
                Vegetation ist nahezu die einzige Quelle
                                                                der Verdunstung von Wasser übrig bleiben.         haben eine hohe Anreicherung an Humus
                an Nährstoffen. Die Bauern versuchten
                                                                Halbwüsten- und Wüstenböden sind mit ihrer        bis in 60-80 cm Tiefe und sind tief schwarz
                früher durch ein ausgeklügeltes System
                                                                charakteristischen Armut an organischer           gefärbt. Schwarzerden entstanden auf kal-
                der Brandrodung –nur alle 40-50 Jahre– die
                                                                Substanz und den vielfach vorhandenen             kreichen Lockergesteinen (z.B. Löss) unter
                Nährstoffe aus den Pflanzen zu erhalten. Die

                Für die Beweidung mit Rindern, wie hier im Süden Costa Rica‘s wurden die Primär-Regenwälder abgeholzt. Die Weiden sind von geringer Qualität,
                verunkrauten und verbuschen sehr schnell. Herbizideinsatz ist allgegenwärtig.

          AGRI-KULTUR März 2015 / N°55
Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg
Dossier
                                                                                                                                                          7

     Soweit das Auge reicht: fruchtbare Schwarzerde in Rumänien nahe der moldawischen/
     ukrainischen Grenze. Trockene Sommer und Winter fördern die Winderosion.

sommertrockenen, kontinentalen Klimabe-          besonders in den warmen süd-
dingungen im Osten Europas und in Asien.         lichen Ländern erfolgreich für
Wegen der Trockenheit dominierten Steppen        die ländliche Entwicklung und
mit Gräsern und Kräutern und einzelnen           Lebensmittelversorgung sind.
Baumgruppen, welche große Mengen an
                                                 Gesunder Boden für optima-
organischer Pflanzenmasse produzierten.          les Pflanzen-wachstum UND
Letztere vertrocknete im Sommer und der          Klimaschutz
kalte Winter begünstigte die Humusanreiche-
rung. Bis heute profitieren die Kornkammern      Gesunde Böden, die natürlich
Europas von diesem Phänomen.                     für eine optimale Lebensmit-
                                                 telproduktion notwendig sind,
Bodenfruchtbarkeit durch Menschenhand            können weltweit eine wichtige
Diese unterschiedlichen, natürlichen Bedin-      Rolle in der Einlagerung und
gungen hatten für die Menschen verschie-         Speicherung von Kohlendioxid
dene Konsequenzen in der Beschaffung ihrer       und bei der Anpassung beim
Nahrung. Der Ackerbau in Verbindung mit          Klimawandel spielen. Es gibt
der Tierhaltung ergaben über Jahrtausende        mehr organisch gebundenen          Der Reisanbau, wie hier in Karnataka/Indien, findet statt auf guten
sehr erfolgreiche Konzepte und konnten viele     Kohlenstoff in unseren Böden,      Schwemmlandböden in den Tropen und Subtropen.
Menschen ernähren. Diese biologischen            als in der Vegetation UND in
Prozesse sind weltweit in allen Kulturen gut     unserer Atmosphäre. Welt-
erforscht, -auch wenn die Kenntnisse vieler      weit sind 1.417 Pg (1015 Gramm) -Tonnen       wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz
biologischer Prozesse des Bodenlebens            Kohlenstoff in einem Meter Bodenschicht       leisten und auf unseren Böden Lebensmittel
noch zahlreiche Lücken aufweisen- und            gespeichert, 456 Pg sind in der Vegetation    produzieren. Laut IASS gehen jährlich über
lassen Rückschlüsse auf deren Nachhal-           und organischer Bodenauflage gelagert. Die    20 Millionen Tonnen Boden verloren. Es ist
tigkeit oder eventuell auch Degradierung         organische Substanz spielt eine herausra-     also höchste Zeit weltweit was dagegen zu
zu. Das Bevölkerungswachstum erzeugt             gende Rolle bei der Einlagerung von CO2. Je   tun. Bodenschutzziele und ein breiteres
natürlich einen enormen Druck auf die Le-        höher der Gehalt an organischer Substanz      öffentliches Bewusstsein sind dafür not-
bensmittelproduktion und auf den Boden,          im Boden ist, desto nachhaltiger ist seine    wendig, und das überall auf der Erde.
dennoch sagen Berechnungen voraus, dass          Fruchtbarkeit und umso höher ist auch sein
                                                 Potential der CO2-Einlagerung.                Raymond Aendekerk
in den unterschiedlichen Klimazonen sehr
                                                                                               IBLA
produktive, auf traditionelle Bewirtschaf-       Dennoch: Degradation, Bodenverdich-
tungsweisen beruhende Systeme, gute und                                                        Quellen: Weltbodenkarte:
                                                 tung, Verlust an Nährstoffen, Erosion und
ausreichende Erträge für eine hohe Anzahl                                                      ftp://ftp.fao.org/agl/agll/faomwsr/wsavcl.jpg
                                                 Siedlungsausbreitung verursachen alle
an Menschen in einer Region zulassen.                                                          IASS: Institute for Advanced Sustainability
                                                 zusammen den weiteren Fortgang des
Auch die FAO hat in den letzten Jahren                                                         Studies e.V. www.iass-potsdam.de
                                                 Klimawandels.
erkannt, dass die Optimierung und Verbes-
serung von traditionellen Methoden und die       Wenn wir unsere Böden schützen und sie
Wissensverbreitung bei vielen Menschen           nachhaltig bewirtschaften, können wir einen

                                                                                                                      AGRI-KULTUR September 2015 / N°57
Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg
Dossier

                Maison Viticole Roeder –
                Naturschutz durch Weinbau!
                Gespräch mit Luc Roeder aus Steinheim

   8            Nachdem Luc Roeder durch die Förster-Aus-     vorhanden, die ich unterhalte und pflege.
                bildung seine Passion zum Beruf machen        Eine Trockenmauer habe ich sogar selbst
                konnte, war er auf der Suche nach einem       errichtet. Diese Mauern bieten ein ideales
                neuen Hobby. Der Weinbau und die dadurch      Habitat für Eidechsen und weitere seltene
                verbundene Arbeit mit und in der Natur        geschützte Tier- und Pflanzenarten. Eines
                wurden zu einer weiteren Herausforderung.     Tages wurde ich sogar bei meiner Arbeit im
                Für ihn war von Anfang an des Flairs wegen    Weinberg auf ein noch nie zuvor gehörtes
                klar, die Südhänge der Sauerschleife von      Geräusch aufmerksam, ich drehte mich um
                Rosport biologisch zu kultivieren. Nach der   und erblickte eine ein Meter lange Glatt-
                Ausbildung kam es vorerst zum Kauf einer      natter, die dabei war sich in die Mauer zu
                alten Streuobstwiese im Weinbergsareal        verziehen. Ich verzichte in meinem Wingert
                von Rosport genannt „Hoelt“. 2009 war         auf den Anbau von Leguminosen zwischen
                es endlich soweit, Luc Roeder durfte eine     den Reihen, da in der „Hoelt“ die Artenviel-
                Weinbergslage sein eigen nennen. In den       falt so hoch ist, dass es zu Schade ist, sie
                darauffolgenden Jahren kamen dann noch        durch den Anbau von Stickstoffeinträgern
                einige Flächen hinzu.                         zu beeinflussen. Meine Trockenwiesen
                                                              bewirtschafte ich so, dass die Artenvielfalt          Die Eidechse – das Markenzeichen der
                Naturschutz durch Weinbau, wie setzen Sie
                                                              nicht zerstört wird. Im Frühjahr blüht hier           Weinlage „Hoelt“.
                das auf Ihrem Betrieb um?
                                                              eine Vielzahl von Orchideen. Der Schutz der
                Der Naturschutz liegt mir sehr am Herzen.     Artenvielfalt war auch meinem Vorgänger        ich mit dem Gedanken in Zukunft noch
                Ich genieße es, im Weinberg zu arbeiten,      ein großes Anliegen.                           Präparate aus der Biologisch Dynamischen
                die Ruhe und die Natur auf mich wirken                                                       Bewirtschaftung auszubringen, um die
                                                              Wenn Sie nicht auf den Anbau von Stick-
                zu lassen. In meinen Weinbergslagen                                                          Pflanzen zusätzlich zu stärken.
                                                              stoffliefernden Pflanzen setzen, wie gelingt
                sind teilweise noch alte Trockenmauern        es Ihnen Ihre Reben trotzdem ausreichend       Warum war von Anfang an klar, dass die
                                                              mit Nährstoffen zu versorgen?                  Weinbaulagen biologisch bewirtschaftet
                                                              Wir haben noch 2 alte Ponys, den daraus        werden sollten?
                                                              gewonnen Kompost bringe ich alle zwei      Konventioneller Weinbau mit dem Einsatz
                                                              Jahre auf meinen Flächen aus. Bis jetzt    von systemischen Stoffen kam für mich
                                                              funktioniert das sehr gut, allerdings spiele
                                                                                                         nicht in Frage. Denn nach der Ausbringung
                                                                                                         von Pflanzenschutzmitteln verdunstet der
                                                                Die Weinlage „Hoelt“ zeichnet sich durch Stoff und ich würde ihn während meiner
                                                                ihre Terrassen und Trockenmauern aus,            Arbeit ständig einatmen. Schwefel
                                                                die ihr ein besonderes Flair verleihen.
                                                                                                                   und Kupfer versuche ich so wenig
                                                                                                                    wie möglich auszubringen, meine
                                                                                                                     Dosierung ist möglichst niedrig
                                                                                                                      angesetzt, denn auch diese
                                                                                                                       natürlichen Stoffe verdunsten.
                                                        Betriebsspiegel:                                                Bio passt zudem in den Na-
                                                                                                                         turschutzgedanken (Schutz
                                                          Gegründet: 2009                                                 von Flora, Fauna Wasser
                                                          Betriebsgröße: 1,27 ha davon 0,82 ha Weinbau, 0,05 ha            & Luft), deshalb habe ich
                                                          Streuobstwiese und 0,40 ha Trockenwiese                          gleich beim Kauf der Flä-
                                                                                                                            chen angefangen in Um-
                                                          Bio seit: 2012
                                                                                                                             stellung auf biologischen
                                                          Weinbergslagen: Rosport „Hoelt“, Muschelkalkboden                   Landbau zu gehen.
                                                          Rebsorten: Pinot Gris, Pinot Noir, Pinot Blanc, Elbling,             Was macht Ihre Maison
                                                          Riesling, neu angepflanzt Chardonnay und Auxerrois                   Viticole besonders?
                                                          Philosophie: Jede Flasche Wein trägt zur Natur- und                    Unter meinen 0,82
                                                          Kulturlandschaft bei.
                                                                                                                                  h a We i n l a g e n
                                                                                                                                   versteckt sich
                                                        Maison Viticole Roeder                                                      der älteste noch
                                                        27, rue de la Montagne | L-6586 Steinheim
                                                        www.biowenzer.lu | luc.roeder@biowenzer.lu
          AGRI-KULTUR September
                      Dezemberr 2015
                                2014 / N°57
                                       N°54
Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg
wurzelechter Elbling Luxemburgs. Somit           Wie vermarkten Sie Ihren Qualitätswein?
     habe ich das Privileg den wohl ältesten Elb-
                                                      Den größten Teil verkaufe ich an Privatkun-
     ling des Landes zu lesen und nachher in Fla-
                                                      den. Ein kleiner Teil geht an die Restaurants
     schen einfüllen zu lassen. Diese Rebsorte
                                                      im Müllerthal. Jedes Jahr am Wochenende
     wurde vor über 100 Jahren angebaut, so
                                                      vom 1. Mai organisiere ich gemeinsam mit
     kommt es, dass die Pflanzen langsam
                                                      einem Künstler eine Weinprobe im „Dënzelt“
     erschöpft sind und der Ertrag abnimmt,
                                                      auf dem Markplatz in Echternach. Hier
                                                      verkaufe ich den größten Teil meiner Pro-
                                                      duktion. Viele Weinflaschen sind bereits
                                                      vor der Ernte verkauft, vor allem der Elbling
                                                      ist bei Kennern sehr beliebt.
                                                      Haben Sie weitere Projekte für die Zukunft?
                                                                                                           Einen Teil des Obstertrags von der
                                                      Einen Zukauf von Flächen wird es vorerst             Streuobstwiese lässt Luc Roeder bei der
                                                      nicht geben, da ich die Kapazitäten trotz            „Eppelpress“ pressen, den restlichen Teil
                                                      Familienunterstützung für meinen Ne-                 liefert er an Apfelsaftanlagen.
                                                      benerwerbsbetrieb erreicht habe. Aber ich
                                                                                                           Die Domaine Sunnen-Hoffmann übernimmt
                                                      habe neue Rebsorten, Chardonnay und
                                                                                                           im Lohnunternehmen die Weinherstellung
                                                      Auxerrois, jeweils „Sélection Massale“               und das Abfüllen des Weins in Flaschen.
                                                      angepflanzt, damit ich in Zukunft auch
                                                      die ein oder andere interessante „Cuvé“
                                                      anbieten kann.
                                                      Vielen Dank für das Gespräch, wir
                                                      wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg
                                                      im historischen Weinberg „Hoelt“.
                                                      Julie Mousel und Daniela Noesen,
                                                      Bio-Lëtzebuerg. /Fotos: Julie Mousel

                                                                                Ursprünglicher Weingenuss im Wingert - das erfreut auch den Winzer.

Im Wein spiegelt sich die Qualität der Rebe zurück!

     deshalb steht in absehbarer Zeit eine
     Veredelung des Elblings ins Haus. Die
     Nachfrage nach diesem exklusiven und
     historischen Produkt ist dementsprechend
     hoch und macht unseren Betrieb interes-
     sant. Als Nebenerwerbsbetrieb ist es für
     mich ausschlaggebend Qualitätsweine
     zu produzieren, etwas anderes kann ich
     mir nicht leisten, wenn ich mich auf dem
     Markt durchsetzen möchte, Qualität vor
     Quantität. Nicht zu vergessen ist auch das
     Hervorheben des Naturschutzes, denn:
     Jede Flasche Wein trägt zur Natur- und
     Kulturlandschaft bei!
Magazin für ökologische Agrar- & Esskultur in Luxemburg
Dossier

          „Wir wollen nicht nur Saatgut vermehren, sondern
          die Vermehrer von Saatgut vermehren!“
          Zu Besuch bei Frank Adams, verantwortlich im Gemüsegarten des Ansembourger Schlosses für den Anbau
          und die Saatgutvermehrung im Rahmen der Organisation SEED.

                                                                                                      Betriebsübersicht:
 10       An verschiedenen Standorten wird Saatgut       für unsere Ernährung, sondern auch für
          von traditionellen, samenfesten Gemüse-        Natur und Umwelt bewusst geworden.             42 ar Gemüsegarten,
          sorten vermehrt, wie zum Beispiel im                                                          Bewässerung möglich
                                                         Insbesondere Gemüse finde ich genial! Es
          Garten des Schlosses Ansembourg. Hier                                                         ein Anzuchtsgewächshaus (56 m2),
                                                         lässt sich ohne großen Aufwand anbauen,
          vermehrt Frank Adams mit seinen Auszubil-                                                     2 Folientunnel für die Saatgutvermehrung
                                                         und man braucht im Vergleich zum Getreide      (84 und 30 m2)
          denden und Helfern auf ca. einem halben
                                                         nur wenig Fläche. Gemüse enthält alle Nah-
          Hektar an die 40 Sorten von etwa 25                                                           Ca. 40 Gemüsesorten von ca. 25 Arten
                                                         rungssubstanzen, die wir für eine gesunde      sind in der Vermehrung (u.a. Tomaten,
          Gemüsearten. Einen Teil seines Saatguts
                                                         Ernährung brauchen, man kann praktisch         Kohl, Bohnen, Lauch, Zwiebeln, Sellerie,
          liefert er an seine belgischen Kollegen von                                                   Rote Bete, Mais, verschiedene Salate,
                                                         nie zu viel davon essen! Gemüse bietet
          „Semailles“ bei Namur, ein anderer Teil                                                       Spinat, Radieschen, Gurken, Paprika,
                                                         eine enorme Vielfalt und ist als
          wird auf den Veranstaltungen von SEED an                                                      Kürbis, verschiedene Kräuter etc.)
                                                         Grundlage für die menschliche
          Privatgärtner abgegeben. In Ansembourg                                                        Spalierobstbäume, die im Schlosspark
                                                         Ernährung einfach wunderbar
          stehen die Gärten Besuchern offen, die teil-                                                  stehen, der ein Erhaltungsgarten für alte
                                                         geeignet, auch als Eiweißträger.               Obstsorten ist
          weise auch mitarbeiten oder an Seminaren
                                                         Dass, wir alle weniger Fleisch
          teilnehmen können. Aus Zeitgründen kann                                                       Bienen eines befreundeten Imkers
                                                         essen sollten, hat sich ja mittler-
          Frank Adams nur Saatgutvermehrung aber                                                        Seit 2013 in die Organisation SEED ein-
                                                         weile schon herumgesprochen;                   gebettet, die weitere Standorte in Luxem-
          keine wirkliche Züchtungsarbeit leisten.
                                                         warum also nicht mehr Gemüse zu                burg hat, unter anderem an der Ackerbau-
          Sein Hauptinteresse liegt ohnehin nicht                                                       schule in Ettelbruck.
                                                         sich nehmen?
          in der Perfektionierung seiner Fähigkeiten,
          sondern darin, Menschen für diese Arbeit       „Saatgut ist als Grundlage für unse-
          im eigenen Garten zu begeistern und sie        re Ernährung fast wichtiger als der
                                                         Boden.“
          zu motivieren auch Gemüsesorten zu                                                          SEED – Som fir d‘Erhalen an d‘ Entwéck-
          erhalten. Denn…                                Frank Adams: Der Züchtungsansatz im          lung vun der Diversitéit
                                                         Biologischen Landbau setzt auf eine
          „Gemüse ist genial“                                                                           Gegründet am 21. Juli 2012, als Verein
                                                         natürliche Resistenz der Sorten durch          geführt ab dem 29. April 2013
          Frank Adams: Ich hatte schon als Kind          eine gute Anpassungsfähigkeit an lokale
          immer ein Faible für die Landwirtschaft. In                                                   Nicht nur die Erhaltung der Sortenvielfalt,
                                                         Boden-, Klima- und Anbaubedingungen.           sondern auch die Sensibilisierung über
          meiner Studentenzeit ist mir die Wichtigkeit   Wichtig ist dabei besonders ein gutes          die gesellschaftliche Bedeutung von
          der biologischen Landwirtschaft nicht nur                                                     Saatgut und die Information rund um den
                                                                                                        praktischen Samenbau hat sich SEED
                                                         Da lacht das Gärtnerherz!                      zu Aufgaben gemacht. Dabei richtet sich
                                                                                                        die Gruppe bisher hauptsächlich an
                                                                                                        PrivatgärtnerInnen.
                                                                                                         Ziel ist nicht, für jeden Garten DAS
                                                                                                        passende Saatgut anzubieten. Ziel ist
                                                                                                        es, „Vermehrer zu vermehren“ – also
                                                                                                        Menschen, die ihr eigenes Saatgut aus-
                                                                                                        lesen und vermehren möchten und so
                                                                                                        nicht nur selten gewordene Sorten,
                                                                                                        sondern auch das Handwerk des Samen-
                                                                                                        baus am Leben erhalten.
                                                                                                        Weitere Info unter www.seed-net.lu
Dossier
                                                                                                                                                       11
                                                                                                                                                       11

Die Vielfalt des Gartens gibt ihm seinen besonderen Charme.

Wurzelwerk, das es der Pflanze erlaubt         Leguminosen eine vielseitige Alternative        seitig unterstützen können, um so auch
auch ohne zusätzliche künstliche Düngung       dar.                                            in Politik und Gesellschaft mehr Gehör zu
und Bewässerung ausreichend Wasser und                                                         finden. Ein erstes Treffen ist für November
                                               Der Erhalt einer lokalen Nutzpflanzenvielfalt
Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen                                                           2015 geplant.
                                               heißt aber auch, dass die Kultur und Tradi-
und mit den Bodenbakterien und -pilzen
                                               tion, die mit der Vermehrung der einzelnen      Für alle Interessierten werden ab März
effiziente Symbiosen einzugehen. Die
                                               Sorten verbunden ist, erhalten bleibt.          2016 wieder Saatgutkurse angeboten.
Universal- oder Hochleistungssorten der
                                               Saatgut ist der Begleiter des Menschen          Die Termine werden rechtzeitig auf den
modernen konventionellen Züchtung sind
                                               durch seine Geschichte und somit auch           Internetseiten von SEED, natur&ëmwelt
demgegenüber oft auf die Unterstützung
                                               Teil seiner Identität. Das ist für mich ein     und Bio-Lëtzebuerg zu finden sein. Und
durch Betriebsmittel angewiesen, um gute
                                               wichtiger Aspekt!                               der Garten des Ansembourger Schlosses
Resultate zu erzielen. Leider gibt es heute
                                                                                               ist für Besucher zugänglich, falls schon
noch viel zu wenig biologisch gezüchtetes      Und für die Zukunft…?
                                                                                               jemand neugierig geworden ist.
Saatgut, so dass die biologische Land-
                                               Frank Adams: …da wünsche ich mir, dass
wirtschaft oft auf konventionellen Ersatz                                                      Dani Noesen, Bio-Lëtzebuerg
                                               Menschen, die sich für Nutzpflanzenviel-
zurückgreifen muss.                                                                            Fotos: Julie Mousel
                                               falt, Saatgut oder das Gärtnern allgemein
In Luxemburg gibt es tolle Initiativen, wie    interessieren, sich einbringen und ak-
die von Steve Schwartz, der im Klouschter-     tiv mithelfen die Nutzpflanzenvielfalt zu
gaard der Stadt Luxemburg und in seinem        erhalten. Landwirte, Konsumenten und              Erntezeit –schönste Zeit!
Kraizschouschteschgaart in Leudelingen an      Privatgärtner sollten da auf lange Sicht          Radieschensamen für das nächste Jahr.
die 500 Sorten von zum Teil in Vergessen-      zusammenarbeiten.
heit geratenen Nahrungspflanzen vermehrt,
                                               Aber auch die EU-Gesetzgebung
oder François Kieffer, der als Selbstver-
                                               muss angepasst werden. Bei SEED
sorger neben Gemüse auch alte Getreide-
                                               setzen wir uns für ein ausgewo-
sorten vermehrt und zu Brot verarbeitet.
                                               genes Saatgutgesetz ein, das die
(www.kraizschouschteschgaart.info)
                                               Nutzpflanzenvielfalt nicht nur schüt-
Natürlich gehören zu den Luxemburger           zen, sondern auch ausdrücklich
Nutzpflanzenvielfaltsinitiativen auch die      fördern kann und Vielfaltsinitiativen
Obst-Projekte von natur&ëmwelt sowie           endlich aus der eigentlich absurden
noch einige andere mehr.                       Situation der Illegalität herausholt.
In Ansembourg bauen wir jetzt im dritten       Wie bei allen Initiativen, die im Klei-
Jahr einen Populationsmais aus Frankreich      nen wirken und von enormer Wich-
an, der an interessierte Biobauern zum Ver-    tigkeit für den Erhalt
suchsanbau abgegeben werden soll. Der          der Vielfalt sind, fehlt
„Blanc de Moneïn“ ist ein „Polentamais“        es an Manpower, um                 Vorsicht bei der Ernte! Die Samen springen bei der geringsten
für die menschliche Ernährung, kann aber       die zahlreichen Projekte           Berührung aus der Schale.
auch gut als Futtermais eingesetzt werden.     und Ideen in die Tat
                                               umzusetzen. Daher er-
„Ich habe immer ein paar Bohnensamen in
der Hosentasche.“                              hofft sich Frank Adams
                                               viel von der Entwick-
Frank Adams: Die Arbeit in der Nutzpflan-      lung eines Netzwerkes,
zenvermehrung hat auch einen hohen             in dem alle Initiativen
Spaßfaktor für mich. Bohnen und Le-            Luxemburgs, die sich
guminosen finde ich sehr spannend in           um den Erhalt der Nutz-
ihrer Vielfalt, aber auch in ihrem Potential   pflanzenvielfalt bemühen,
Eiweiß für die Ernährung zu liefern. Für die   zusammenkommen, sich
Senkung unseres Fleischkonsums stellen         austauschen und gegen-

                                                                                                                         AGRI-KULTUR September 2015 / N°57
Dossier

                Einen Aktionsplan Biologische
                Landwirtschaft bis 2020 für Luxemburg
  12            Erster EU Aktionsplan                        konnten in dieser Zeit nicht alle Sektoren      biologische-konventionelle Landwirtschaft
                                                             bearbeitet werden.                              erstellt (Öko-Öko-Studie, 2011) und mehr-
                Die EU bestimmt in weiten Teilen die ge-                                                     jährige Getreidesortenversuche auf Bio-Be-
                samte Agrarpolitik. Mit dem Ausbreiten       Es wurde diverses Infomaterial für die
                                                                                                             trieben eingerichtet. Auch die Biolandbau -
                des biologischen Landbaus auf nationaler     Konsumenten, wie z.B. ein Bio-Einkaufs-
                                                                                                             aus- und weiterbildung wurde mit dem
                und europäischer Ebene hat die EU 1991       führer, erstellt und laufend aktualisiert.
                                                                                                             LTA (Lycée Technique Agricole Ettelbruck)
                die finanzielle Förderung des biologischen   Die ASTA präsentierte den Biolandbau auf
                                                                                                             analysiert und Vorschläge für Programme
                Landbaus über die gemeinsame Agrarpoli-      verschiedenen Messen und Ausstellungen.
                                                                                                             erarbeitet.
                tik eingeführt. In verschiedenen Ländern,    Der Bio-Agrar-Preis wurde eingeführt und
                wie z.B. Österreich, den skandinavischen
                und einigen zentraleuropäischen Ländern
                hat dies zu einer Umstellung konventio-
                neller Betriebe auf biologischen Landbau
                geführt. Durch die Lobbyarbeit der biolo-
                gischen Landbauverbände veröffentlicht
                die EU 2004 den ersten „Europäischen
                Aktionsplan für ökologische Landwirtschaft
                und ökologisch erzeugte Lebensmittel“.
                Im Fokus stand die Erkenntnis, dass „die
                Entwicklung des biologischen Landbaus
                den Marktgesetzen unterliegt“ und dass
                „die biologische Landbewirtschaftung
                anerkanntermaßen öffentliche Güter er-
                bringt, vor allem im Umweltbereich, aber
                auch zur ländlichen Entwicklung und in
                gewisser Hinsicht zur Verbesserung des
                Tierschutzes. Unter diesem Gesichtspunkt
                sollte die Entwicklung der ökologischen
                Landwirtschaft von der Gesellschaft ge-
                fördert werden.“
                Ein etwas später Start…
                Erst 2008 wurde dann auch in Luxem-
                burg ein erster nationaler Aktionsplan
                für die Biologische Landwirtschaft ins       Die Aufklärung der Verbraucher ist nach wie vor ein wichtiges Thema und verlangt Kontinuität.
                Leben gerufen. Es war klar, dass das         Hierzu braucht es weiterhin verstärkt Unterstützung über einen abgestimmten Aktionsplan
                                                             Biologische Landwirtschaft.
                vorgeschlagene 21 Punkte-Programm
                der EU nicht komplett umgesetzt werden       die Großküchen und Restaurants wurden           Learning by doing!
                konnte. Die Arbeitsgruppe, bestehend         für den Gebrauch von biologischen Lebens-
                aus Vertretern aus dem Landwirtschafts-                                                      Bilanzierend kann festge-
                                                             mitteln sensibilisiert. Die Akteure des Bio-
                ministerium, den landwirtschaftlichen                                                        stellt werden, dass die
                                                             landbaus in Luxemburg wie Bio-Lëtzebuerg
                Verwaltungen, dem Handel, der Verarbei-                                                      ersten Gehversuche in
                                                             und das IBLA waren an vielen Aktivitäten
                tung, des Bioanbauvereins und der Biofor-                                                    diesen 5 Jahren gemacht
                                                             des Bioaktionsplanes maßgeblich beteiligt.
                schung, hat einige Schwerpunkte aus dem                                                      wurden und der Erfolg,
                                                             So wurden im Rahmen der Öffentlich-
                21 Punkte-Programm des EU-Bio-Aktions-                                                       wenn man ihn an der
                                                             keitsarbeit Hoffeste für Konsumenten,
                plans festgelegt, zu denen verschiedene                                                      Zahl der Betriebsum-
                                                             Umstellungsseminare für Produzenten
                Akteure Projekte durchführen sollten. Die                                                    stellungen misst, sich
                                                             mit zugehörigem Infomaterial etc. von
                ASTA (Administration et Services Tech-                                                       eher in Grenzen hält.
                                                             Bio-Lëtzebuerg in enger Kooperation mit
                niques de l’Agriculture) hat in den ersten                                                   Um die biologische
                                                             der ASTA organisiert. Das IBLA hat in Zu-
                Jahren die Märkte und Strukturen in den                                                      Landwir tschaft in
                                                             sammenarbeit mit der ASTA ein Netzwerk
                Bereichen Biofleisch, -gemüse, -getreide                                                     Luxemburg jetzt auch
                                                             mit 8 biologischen Demonstrationsbe-
                und –milch in Luxemburg evaluiert. Leider                                                    an die Nachfrage des
                                                             trieben aufgebaut, eine Vergleichsstudie

          AGRI-KULTUR September 2015 / N°57
Zwei Expertinnen

                                                                                                                                            Dossier
                                                                                                                   des dänischen
                                                                                                                   Landwirtschafts-
                                                                                                                   ministeriums
                                                                                                                   besuchten die
                                                                                                                   Luxemburgische
                                                                                                                   Aktionsplan-
                                                                                                                   Arbeitsgruppe
                                                                                                                   und stellten ihre
                                                                                                                   Maßnahmen vor.

                         Verbrauchers anzu-    und folgende typische Merkmale ausge-          Forschung, Export, staatliche Großküchen       13
                        passen (die ist in     macht:                                         und Schulen, u.a. werden in 1-3 jährigen
                        dieser Zeit nämlich                                                   Programmen gefördert. Der Aktionsplan
                                               • Beteiligung der Akteure am Planungs-
                       rasant gestiegen),                                                     wurde über einen Zeitraum von einem Jahr
                                               prozess des Aktionsplanes und an seiner
                      müsste der Bio-Ak-                                                      erstellt und es wurden externe Experten der
                                               Implementierung
                     tionsplan in Luxem-                                                      Kommunikation und des Marketings, sowie
                    burg überarbeitet          • Explizite Aussagen zur strategischen         viele Akteure hinzugezogen. Umgerechnet
                   und neu aufgestellt         Rolle des Ökolandbaus im Rahmen der            werden bis 2020 ca. 2,1 €/Einwohner und
                   werden. Leider wurde        allgemeinen Agrarpolitik                       Jahr in Dänemark und über 335€/Betrieb
                  das Budget des Akti-                                                        (ohne Umstellungs-Flächenprämie) für
                                               • Analysen des Status Quo und Identifizie-
                  onsplanes im Laufe der                                                      den Biolandbau an staatlichen Geldern
                                               rung von kollidierenden sowie fördernden
                 Jahre zurück gefahren,                                                       ausgegeben. Für Luxemburg würde das
                                               Politikbereichen und
                 so dass keine Weiterent-                                                     heißen: mindestens 1,5 Mill. €/pro Jahr
                wicklung des Aktionspla-       • Formulierung klarer Strategie- und Wachs-    in den Biolandbau zu investieren, wenn
                nes möglich war.               tumsziele hinsichtlich der Anbaufläche oder    auch wir eine Verdoppelung der mageren
                                               des Marktanteils.                              3-4% Bio-Fläche bis 2020 anstreben wol-
               Bereits 2013 hat auch die
                                               Einfach nachmachen, wenn etwas gut ist!        len. Auch unsere Nachbarn in Wallonien
               EU einen neuen Aktionsplan
                                                                                              peilen eine Verdoppelung ihrer Bio-Flä-
              vorgestellt, welcher wieder      Wir sollten uns nun in Luxemburg an den        che bis 2020 auf 16% an. Sie verfügen
              als Anhaltspunkt für einen       erfolgreichen Ländern orientieren und          ebenfalls über einen gut strukturierten
             neuen Luxemburger Bio-Akti-       die gewonnenen Erfahrungswerte der             30-Punkte-Aktionsplan. Da gibt es einiges
             onsplan dienen könnte.            vergangenen Jahre nutzen, um einen Plan        aufzuholen, haben die wallonischen Bauern
            Es wurde festgestellt, dass        mit gezielten, abgestimmten Aktionen           sich doch bereits im Bio-Fleischexport
           die Länder, die in den letzten      bis 2020 zu entwickeln. Hierzu wurden          nach Luxemburg etabliert. Bio-Landbau
           15 Jahren den biologischen          bereits 2 Expertinnen des dänischen            ist eine Soft-Investition in die Zukunft
          Landbau besonders weit entwi-        Landwirtschaftsministeriums in unsere          für unsere gesamte Landwirtschaft und
          ckeln konnten und nahe an der        Aktionsplan-Arbeitsgruppe eingeladen.          Lebensmittelproduktion.
         10%-Grenze Biolandbaufläche           Der dänische Aktionsplan sieht vor, die
                                                                                              Raymond Aendekerk
         angekommen sind, zusätzlich zu        biologische Landbaufläche bis 2020 von
        den Flächenprämien entsprechend        6,9 auf 14% zu verdoppeln. Hieran sind         Quellen:
       mehr in die Förderung des Biolo-        mehrere Ministerien beteiligt, da der bio-     * Jürn Sanders, Otto Schmidt ; Öko-
       gischen Landbaus investiert haben.      logische Landbau und die Ernährung sämt-       Aktionspläne : Den biologischen
                                               liche Lebensbereiche umfasst. Umstel-          Landbau in der Politik verankern ;
      Die beiden Agrarexperten Otto
                                               lungsförderung, Beratung, Innovationen         Oekologie&Landbau, 171,3/2014
     Schmidt und Jürn Sanders* haben
                                               in der Lebensmittelindustrie, Mehrkosten,
     europäische Aktionspläne analysiert

Getreide-Sorten-Versuchsfelder, die seit 5 Jahren auf Biobetrieben angelegt wurden, sind über den Aktionsplan Biologische Landwirtschaft
finanziert worden. Sie geben den Bauern eine Hilfestellung bei der Auswahl der Getreidesorte für die Aussaat.
Agenda                                                                                                                                   1

                                                                                                         Gemeinsam säen für eine gentechnikfreie
                                                                                                             und bäuerliche Landwirtschaft

                                                                                                                4. Oktober 2015
                                                                                                                  in Fischbach

         Save the dates:
         4. Oktober    Zukunft Säen um 15:00 Uhr auf dem Betrieb Dormans-Reiff und Sohn in
                       Fischbach (Duerefstrooss 23, L-9749 Fischbach,Clervaux) in Zusammenarbeit mit
         2015          dem Naturpark Our und der Gemeinde Clervaux.

  14
                       Programm:
                                                                                                                                             LUXEMBURGER
                                                                                                                                                  SAATBAU-
                                                                                                                                                       GENOSSENSCHAFT
                                                                                                                                             Tel.: (00352) 26 32 33 - 25   Fax: (00352) 26 32 33 - 34
                                                                                                                                                                 www.lsg.lu

                                                                                                          Organisation: Bio-Lëtzebuerg

                       15:00: Treffpunkt auf dem Betrieb Dormans Reiff & Sohn
                       15:05: Begrüßung Pierre Dormans
                       15:15: Begrüßung Carole Dieschbourg Umweltministerin und Fernand Etgen Landwirtschaftsminister
                       15:25: Begrüßung Emile Eicher Bürgermeister der Gemeinde Clervaux und Präsident des Naturpark Our
                       15:35: Begrüßung Daniela Noesen Direktorin Bio-Lëtzebuerg asbl.
                       15:40: Abmarsch zum Feld
                       16:00: Beginn des Säens
                       17:00: Ehrenwein und Imbiss am Hof
                       (Bitte Schuhwerk und Kleider den Witterungsverhältnissen anpassen.)
                       Gerne können Sie die Aktion mit einer Spende unterstützen. Vielen Dank!
                       BCEE LU59 0019 3955 1816 5000 | CCPL LU74 1111 0142 5997 0000

         10. Oktober   Protestmarsch STOP TTIP
         2015          Treffpunkt: 11:00 Uhr auf dem Platz „Place du Glacis“ in Luxemburg Stadt

         30. Oktober   Bio-Symposium: Biolandwirtschaft im Gespräch –
         2015          Wie wir den Biolandbau in Zukunft gestalten können!
                       Mit Gastrednern aus Deutschland und der Schweiz. Sie referieren zu den Themen: Biolandwirtschaft
                       aus der Sicht des Konsumenten, des verarbeitenden Gewerbes und des modernen Bauern, mit
                       anschließender Podiumsdiskussion.
                       Ort: Roodt-Syre im Syrkus http://www.syrkus.lu
                       Programm:
                       10:00 – 10:15 Uhr: Begrüßung durch die Direktorin Daniela Noesen
                       10:15 – 11:00 Uhr: Dr. Tanja Busse Warum die Biolandwirtschaft keine Wegwerfkälber produzieren
                       		   darf - Die Krise der industriellen Landwirtschaft und was die Biolandwirte daraus
                       		  lernen können.
                       11:00 – 11:45 Uhr: Dr. Alexander Beck Qualität begreifen - Die Aufgabe des Bio Verarbeiters
                       12:00 – 13:00 Uhr: Mittagspause
                       13:15 – 14:00 Uhr: Martin Ott Die Vision der biologischen Landwirtschaft aktuell oder überholt?
                       14:10 – 15:40 Uhr: Podiumsdiskussion zum Thema Biolandbau innerhalb der Gesellschaft mit den
                       		   3 Gastrednern, sowie einem Produzenten, einem Verarbeiter und einem Vertreter
                       		   aus der Politik. Ein Moderator leitet die Diskussion und schließt die Veranstaltung.

                       Verpflegungsunkosten pro Person: 25€ (für Kaffeepause und Mittagessen), 10€ (ohne Mittagessen)
                       Anmeldungen bis zum 25. Oktober 2015 bei Julie Mousel: mousel@bio-letzebuerg.lu,
                       Tel: 26 15 23-74 (von 08:00 – 15:00 Uhr), Fax: 26 15 33-81
                       Die Anmeldung wird erst beim Eingang der Überweisung gültig.
Rückblick
                                                                                                                                 15

                                                         Wo die Vielfalt
                                                         gepflegt wird…
                                                         Die Fachgruppe Demeter zu Besuch
                                                         auf „Haus Bollheim“

     An der KÜSTE                tanken wir auf:
Der weite Blick, das Spiel der Wellen, die Erinnerung
                                                         Manchmal muss man ein bisschen über den Tellerrand
                                                         schauen und andere Betriebe besuchen. Am Samstag,
                                                         den 11.7.2015 machten wir uns auf den Weg nach
                                                         Zülpich bei Euskirchen und wurden dort auf Haus Bollheim
                                                                                                                              15

  an endlose Sommerferien – all das rufen Sie mit        von Hans von Hagenow, einem der Betriebsleiter,
                                                         empfangen. Er führte uns sowohl in die Geschichte und
  einer Tasse Küstenwind wieder wach. Er ist einer       die Aktivitäten des Hofes ein als auch über den Hof.
  von vier Regionalen Schätzen und sowohl im Bio-        Seit 1981 wird hier biologisch-dynamisch gewirtschaf-
 laden als auch auf shop.lebensbaum.de erhältlich.       tet. Es gibt Ackerland, etwas Grünland, Gemüsebau,
                                                         Getreidezüchtung, Milchkühe, Legehennen und Bruder-
                                                         hahnmast, Käserei, Hofbäckerei und einen Hofladen mit
                                                         vielen hofeigenen Produkten, Naturkostvollsortiment
                                                         und Terrassencafé. Auf Haus Bollheim arbeiten etwa
                                                         40 Menschen, was angesichts der Vielfalt der Aufga-
                                                         ben auch sicher angemessen ist. Was wirklich beein-
                                                         druckt ist, dass Haus Bollheim seine Aktivitäten und
                                                         Tätigkeitsfelder auch gut in der Öffentlickeit darstellt,
                                                         das bedeutet, dass über Internet (www.bollheim.de),
                                                         Flyer, Rundbriefe, Gesprächsrunden, Kinderaktivitäten
                                                         Beziehung zum Kunden hergestellt wird. Durch eine an-
                                                         sprechende Aufmachung werden auch schwierige Themen
                                                         einfach aufbereitet und die Kunden in die Projekte mit
                                                         einbezogen (z.B. Bruderhahnmast, Getreidezüchtung).
                                                         Wir konnten in diesem Sinne eine echte Hofindividualität
                                                         kennenlernen.
                                                         Anja Staudenmayer

    All unsere Regionalen Schätze lassen sich von
beliebten Ferienzielen inspirieren und enthalten eine
     prominente Zutat aus der jeweiligen Region.
  Pommerscher Sanddorn prägt die Rezeptur des
Küstenwinds. Dieser Tee schmeckt herrlich fruchtig-
         frisch. Als wenn Sie grad der Sommer           Die Besucher im Zuchtgarten von Haus Bollheim.

             KÜSSTE                   .

        FEINSTE BIOQUALITÄT SEIT 1979                                                           AGRI-KULTUR September 2015 / N°57
Bio-Lëtzebuerg - Vereenegung
fir Bio-Landwirtschaft Lëtzebuerg asbl

Bio-Lëtzebuerg ist 2012 aus einer Fusion     Aktionsplans für Biolandwirtschaft des        eigene Label kann von interessierten
der zwei Luxemburger Pionier-Bio-Ver-        Landwirtschaftsministeriums hat der           Produzenten und Verarbeitern auf ihrem
bände Bio-LABEL und Demeter-Bond             Verein sich so weit wie möglich bei der       Hof- oder Firmenschild oder auch auf
hervorgegangen. Ziel und Zweck dieser        Ausarbeitung des PDR eingebracht, um          ihren Etiketten genutzt werden. Diese
Verschmelzung war die Stärkung der           die bisherigen Nachteile für die Bio-Pro-     Nutzung wird mit jedem Interessenten
Bio-Bewegung in Luxemburg durch Bün-         duzenten im Verhältnis zu den Konven-         vertraglich geregelt und beinhaltet auch
delung der Kräfte und deren Professi-        tionellen einigermaßen auszugleichen.         die Zahlung einer Lizenz, mit der es dann
onalisierung durch eine koordinierte         Neben dieser politischen Arbeit wendet        auch möglich wird, die so gekennzeichne-
Mitarbeiterschaft.                           sich der Verein mittels des vierteljährlich   ten Produkte zu bewerben. Da nicht jeder
                                             erscheinenden Magazins Agrikultur, mit        Mitgliedsbetrieb Produkte zum direkten
Ordentliche Mitglieder des Vereins kön-
                                             Vorträgen und Konferenzen an die Öffent-      Verkauf hat, oder nicht auf diese Form
nen in erster Linie die landwirtschaft-
                                             lichkeit, um diese für diese ökologischste    der Kennzeichnung angewiesen ist, ist
lichen und gärtnerischen Betriebe werden,
                                             Form der Landwirtschaft zu sensibilisieren    die Nutzung dieser Vermarktungsunter-
die den in den Statuten des Vereins fest-
                                                                                           stützung nicht obligatorisch.
gelegten Richtlinien nachkommen, sowie       Zum anderen ist es notwendig, die Arbeit
Verarbeitungs- und Handelsbetriebe, die      mit den Mitgliedern nicht zu vernachlässi-    „Mitglied bei Bio-Lëtzebuerg asbl.“
Bio-Lëtzebuerg-Produkte verarbeiten,         gen. Die hierfür notwendige Beratung der      oder „Member bäi Bio-Lëtzebuerg asbl.“
verpacken und handeln. Andere Interes-       Bauern und Gärtner wird zurzeit vom IBLA      Möchten Mitgliedsbetriebe das neue
senten und Freunde der Bio-Bewegung          im Auftrag von Bio-Lëtzebuerg geleistet.      Logo nicht nutzen, können sie dennoch
können Fördermitglied oder unter be-         Für diese Leistungen zahlt jedes Mitglied     ihre Mitgliedschaft beim Verein nach
stimmten Umständen auch ordentliches         einen flächenbezogenen Beitrag.               Außen kommunizieren. Es besteht hier
Mitglied werden.                                                                           die Möglichkeit folgenden Slogan unter
                                             Unser neues Logo
Bio-Lëtzebuerg übernimmt für seine                                                         bestimmten Nutzungsbedingungen zu
Mitglieder unterschiedliche Aufgaben.        Wir sind stolz Ihnen das neue Zeichen für     verwenden:
                                             Bioprodukte aus der Region, die exklusiv
Zum einen vertritt der Verein die Interes-   von Bio-Lëtzebuerg-Betrieben produziert
sen seiner Mitglieder nach außen, dies       werden, vorzustellen.
sowohl auf politischem Felde als auch
insgesamt in der Gesellschaft. Neben         Hiermit bietet Bio-Lëtzebuerg seinen
der Mitarbeit in der Arbeitsgruppe des       Mitgliedern eine Unterstützung für die
                                             Vermarktung ihrer Produkte an. Das
                                                                                                      Wollen Sie mehr wissen über
                                                                                                      den Verein?
                                                                                                      Die Bedingungen für den Beitritt,
                                                                                                      die Arbeitsgruppen und Pro-
                                                                                                      jekte, die Mitgliederbeiträge, die
                                                                                                     Nutzung des neuen Logos oder
                                                                                                     über sonstige Formen der Un-
                                                                                                     terstützung? Dann können Sie
                                                                                                     sich gerne an uns wenden.
                                                                                                     Daniela Noesen und Julie Mousel

 13, rue Gabriel Lippmann, L-5365 Munsbach • E-Mail: info@bio-letzebuerg.lu • www.bio-letzebuerg.lu • Tel.: 26 15 23 74
Aktuelle Mitglieder von Bio - Lëtzebuerg
       Gemüse / Obstbau                                            Goedert Charles, Ospern
                                                                 1

                                                                 1
                                                                   Hamen Nico, Drauffelt
       Adams Fränk, Ansembourg                                   2
                                                                   Hoeser-Haff, Bergem
       Aendekerk Raymond, Betzdorf
                                                                 Houtmann Jos, Buschdorf
       Ateliers Kräizbierg, Düdelingen                           1
                                                                   Jacobs Francis, Kalborn
       Autisme Luxembourg, Beckerich
                                                                 Jemming-Schmit Marie-Antoinette, Kahler
       Biwer Georges, Dalheim*
                                                                 Johanns Jos, Assel
       C.N.D.S. Les Services de l‘Entraite, Troivierges          3
                                                                   Kaes-Haff, Hoscheid-Dickt
       1
         CIGL-Esch “Projekt Kalendula“, Esch-sur-Alzette         3
                                                                   Kass-Haff sàrl., Rollingen
       CIGL-Pétange asbl, Pétange                                1
                                                                   Keiser Amand, Tadler
       Co-Labor - Grénge Kuerf, Walferdingen
                                                                 Kintzle‘s Haff, Harlange
       1
         Forum pour l‘Emploi - Am Gärtchen, Diekirch
                                                                 Kleer Mario, Everlange
       Frising Marc, Harlange
                                                                 Kler Claude, Bertrange
       Haff Ditgesbach, Ettelbrück                               1
                                                                   Koeune Marco, Harlange
       Klein Thessy, Beckerich
                                                                 Laeisenhof, Trier D
       2
         Krijnse-Locker Hugo, Mamer
                                                                 Lambert Guy, Walsdorf
       Mousel Annick, Longsdorf*
                                                                 Linden-Wirth Josiane, Reichlange
       2
         Philipp-Rausch Sylvie, Steinsel
                                                                 Mailliet Camille, Kehmen
       1
         ProActif - Am Gärtchen Süd, Luxembourg
                                                                 Mathieu Christian, Derenbach
       Brennerei                                                   Meyers-Weis Guy, Windhof
                                                                 3

                                                                 3
                                                                   Schanck-Haff, Hupperdange
       Bertrand-Graf Jean-Pierre, Hostert                        1
                                                                   Scharll Roland, Lellingen
                                                                 Schmit André, Düdelingen
       Weinbau                                                   Sobral Julio, Christnach
       Beissel-Becker Joé, Bous                                  3
                                                                   Van Dyck Serge, Leudelange
       Entringer Carlo, Lenningen
                                                                 Wilhelm Christian, Capellen
       Krier-Bisenius Jean-Paul, Bech-Kleinmacher*               1
                                                                   Witry Pierre, Dippach
       Krier-Welbes Guy, Ellange-Gare
       Krippes René, Rosport
       Roeder Luc, Steinheim
                                                                 Imker
                                                                 2
                                                                   Bienenlehrstand, Grevis Michel, Hollenfels
       Sunnen-Hoffmann Yves, Remerschen                          3
                                                                   Collette Michel, Mertzig
                                                                   Dammé Roger
       Ackerbau und Viehzucht
                                                                 1

                                                                 1
                                                                   Hamen Nico, Drauffelt
       1
         An Miergen, Gosseldingen                                1
                                                                   Kalmes Nico, Bivange
       Arend-Stemper Guy, Pétange                                2
                                                                   Paquet Yves, Hostert
       Baltes-Alt Daniel, Stegen
                                                                 Thiel Marc, Manternach
       Bertrand Johny, Übersyren                                 3
                                                                   Van der Pal-Becker Steffan, Pratz
       2
         Betriebsgemeinschaft Terrenhof, St. Vith B              2
                                                                   Wenkin-Grenez Chantal, Niederanven
       Born Rüdiger, Morbach D
       Brandenburger Marc, Filsdorf
       Colling von Roesgen Jean-Louis, Colmar-Berg
                                                                 Verarbeiter / Händler
                                                                 3
                                                                   BIOG, Münsbach
       Dondlinger Albert, Ospern                                 3
                                                                   Biogros, Münsbach
       Dormans Reiff und Sohn, Fischbach
                                                                 BIO-OVO S.A., Buschdorf
       Emering Marc, Sprinkange
                                                                 Boulangerie-Pâtisserie Scott, Luxembourg
       1
         Fischbach-Reiff Annick, Enscherange                     3
                                                                   OIKO-Bakhaus, Münsbach
       François Patrick, Hostert

       Alle hier aufgelisteten Betriebe sind Mitgliedsbetriebe von Bio-Lëtzebuerg asbl. und halten sich an
       die 3 zusätzlichen Anforderungen die für eine Mitgliedschaft erfüllt werden müssen.

      * Betriebe              1
                                  Bio LËTZEBUERG           2
                                                               Demeter Betriebe
                                                                                    3
                                                                                        Demeter und Bio
        in Umstellung             Logo Nutzer                                           LËTZEBUERG Betriebe

           www.bio-letzebuerg.lu            www.facebook.com/bioletzebuerg
Bio-Lëtzebuerg - Vereenegung
    fir Bio-Landwirtschaft Lëtzebuerg asbl

      Die neue Kollektivmarke
      Bio LËTZEBUERG
      • Der Konsument findet unter diesem Zeichen Bioprodukte, die
      exklusiv von Mitgliedern des Vereines Bio-Lëtzebuerg asbl. pro-
      duziert wurden.

      • Ein mit Bio LËTZEBUERG gekennzeichnetes Einzelprodukt, wie
      z.B. Milch, beinhaltet zu 100% Milch von lizensierten Bio-Lëtzebu-
      erg-Mitgliedsbetrieben.

      • Ein Mischprodukt, wie z.B. Brot darf mit Bio LËTZEBUERG
      gekennzeichnet werden, wenn der Verarbeiter, als lizensiertes
      Bio-Lëtzebuerg-Mitglied, Zutaten verarbeitet, die wenigstens zu
      55% aus der Produktion von Bio-Lëtzebuerg-Mitgliedsbetrieben
      stammen.

      • Die lizensierten Mitglieder von Bio-Lëtzebuerg können die Kol-
      lektivmarke als Werbeträger und Kommunikationsmittel, z.B. ein
      Hofschild, ein Flyer, etc. nutzen.

      • Jedwede Nutzung der neuen Kollektivmarke ist an einen zusätz-
      lichen Lizenzvertrag bei Bio-Lëtzebuerg gebunden.

AGRI-KULTUR September 2015 / N°57
Rückblick
                                                                                                                                             19

Besichtigung der Versuchsflächen des
IBLAs: Sortenversuche für die Praxis

Auch in diesem Jahr konnte das
„Institut fir biologësch Landwirt-                                                                                                        19

schaft an Agrarkultur Lëtzebuerg“
(IBLA) die Landwirte bei drei Feld-
begehungen begrüßen. Die erste
Feldbegehung fand am 17. Juni auf
der IBLA Versuchsfläche Kaesfurt
(Heinerscheid) statt. Am 29. Juni stellte
das IBLA seine Winter- und Sommer-
getreide-Sortenversuche im biologischen
Anbau auf dem Karelshaff im Beisein
des Landwirtschaftsministers Fernand
Etgen vor. Die letzte Feldbegehung fand
am 10. Juli in Zusammenarbeit mit dem
Lycée Technique Agricole (LTA) auf den
Versuchsflächen des LTAs in Huldange,
Wilwerdange und der IBLA Versuchsfläche
Kaesfurt statt.

                                                Die Teilnehmer der Feldbegehung schauen sich die Bio-Sommergetreide-Sortenversuche auf
                                                der Kaesfurt an. / Foto: Serge Heuschling, LTA

                                            Auf den IBLA Versuchsflächen wurden         logischen Anbau durchgeführt. Die Sorten-
                                            die Winter- und Sommergetreide- Sor-        versuche wurden auf zwei Versuchsstand-
                                            tenversuche im biologischen Anbau,          orten ausgesät, den Betrieben „Karels-
                                            die in Zusammenarbeit mit dem LTA,          haff“ von Jean-Louis Colling-von Roesgen,
                                            den ASTA Laboren (Administration des        Colmar-Berg und „Schanck Haff“ von Jos
                                            Services Techniques de l’Agriculture)       Schanck, Hupperdange.
                                            und Bio-Lëtzebuerg durchgeführt werden,
                                                                                        Es werden interessante Ergebnisse erwar-
                                            besichtigt. Seit 2010 prüft das IBLA
                                                                                        tet, in Bezug auf die Trockenstresstoleranz
                                            im Rahmen des „Aktionsplans für bio-
                                                                                        der verschiedenen Sorten.
                                            logische Landwirtschaft Luxemburg“ mit
                                            Unterstützung der ASTA verschiedene
                                            Wintergetreide auf ihre Eignung für
                                                                                        Weitere Infos unter: www.ibla.lu
                                            den biologischen Anbau in Luxemburg.        Evelyne Stoll und Hanna Heidt, IBLA
                                            Zusätzlich wurden 2014 erstmals auch        E-Mail: stoll@ibla.lu; Tel: 621 28 74 66
                                            Sommergetreide-Sortenversuche im bio-
Sojabohnen
                             wachsen
                                       im Herzen
                            Europas

                                                         ich
                                             und Österre
                           , Frankreich
Soja aus D eu ts ch  la nd                                 chem Anbau
                                              ert ökologis
              re  ies  So ja aus kontrolli                       dwirte
 Gentechnikf                                       0 Vertragslan
                        r So ja fe ld er - über 10
              Hekta                                                u
 Rund 1.600                                            en Sojaanba
                                            europäisch
            En ga   ge  m  ent für den
 Seit 1997
                Taifun-Anbauberater Fabian von Beesten (l.) und Vertragslandwirt
                Ulrich Zimmermann (mit Sohn) stellen ein Hinweisschild zum Sojaanbau auf.
Rückblick
                                                                                                                                      21

„Ech si Bio“ auf der Foire
Agricole in Ettelbrück
2015 mischten die Bio-Stände zum 4-mal im Zelt von „sou
schmaacht Lëtzebuerg“ mit.
                                                                                                                                   21
Ermöglicht wurde der Auftritt durch die finanzielle Unterstützung
im Rahmen des Bioaktionsplans der ASTA und durch die gute
Zusammenarbeit mit der Aktion „sou schmaacht Lëtzebuerg“ von
der Landwirtschaftskammer. Nicht zu vergessen das Engagement
der Mitglieder und Mitarbeiter von Bio-Lëtzebuerg, IBLA und BIOG,
sowie der Produzenten. Zu den Infoständen zählten die ASTA, die
BIOG, Bio-Lëtzebuerg sowie das IBLA. Bei den Produzenten BIOG
(Milchprodukte), Biohaff Baltes (Ziegenkäse), Bio-Maufel (Fleisch)
und Hoffmannshaff (Viz) wurden die Produkte ausgestellt, zur
Verköstigung angeboten und verkauft.
Bio-Lëtzebuerg und IBLA baten freitags interaktive Workshops für
Schulklassen an, bei denen die Kinder begeistert mitmachten. Das
IBLA brachte den Kindern das Thema Leguminosen spielerisch             Auf dem Stand der IBLA konnte man sich eine Vielzahl von
näher. Es hatte eine Vielzahl an Leguminosenpflanzen und –             Leguminosen anschauen.
Körnern im Gepäck, die das Erklären der Bedeutung von Legu-
minosen erleichterte. Die Kinder versuchten die Samenkörner
den Pflanzen zuzuordnen und durften einige Lupinen-Samen
einpflanzen oder mit nach Hause nehmen um im eigenen Garten
auszusäen. Mit seinem Stand wollte das IBLA die Vielfalt der
Leguminosen aufzeigen und auf ihre Wichtigkeit bezüglich Acker-
vielfalt, Bodenfruchtbarkeit und Futterautarkie in einer guten
Fruchtfolge hinweisen.
Bei Bio-Lëtzebuerg beschäftigten sich die Kinder mit den
Themen Boden, Pflanzen und Bienen. Sie durften anschließend
Honig kosten und eine Bienenweide zum Mitnehmen in ein Töpf-
chen pflanzen. Der Bienenteil wurde freundlicherweise vom SNJ
aus Hollenfels übernommen. Ziel des Bio-Lëtzebuerg-Standes
war es, das neue Logo „Bio LËTZEBUERG“ für Bio-Produkte von
seinen Mitgliedsbetrieben, bekannt zu machen. Eine breite Palette
von Bio LËTZEBUERG Produkten wurde präsentiert und teilweise
zur Verköstigung angeboten.                                            Die Kinder konnten durch Riechen und Fühlen die verschiedenen
                                                                       Facetten des Bodens entdecken.
Die BIOG stellte erstmals die neuen „Bio-Stoffi-Desserts“, ebenfalls
mit dem Bio LËTZEBUERG Logo versehen, vor. Die Besucher der
FAE hatten das exklusive Vergnügen die ersten 3 von 5 Kreationen
zu kosten, Apfel-Birne, Kirsche und Erdbeere (weitere Sorten
sind Heidelbeere und Blutorange). Die kühlen Desserts und das
BIOG-Eis waren an den heißen Sommertagen eine willkommene
Erfrischung und wurden somit zum Publikumsmagneten. Neben
den süßen Köstlichkeiten bat die BIOG auch diverse Milchprodukte
wie z.B. Käse zur Verköstigung und zum Verkauf an.
Sonntags nachmittags wurde auf der großen Bühne im Zelt von
„sou schmaacht Lëtzebuerg“ der Bioagrarpreis für Innovationen
im Biolandbau von Herrn Minister Etgen vergeben. Der Preis für
landwirtschaftliche Betriebe, die biologisch bewirtschaftet werden
ging an das Projekt „Heutrocknungsanlage“ von Patrick François.
Der Preis für Verarbeiter, Händler und Organisationen im Bereich
der biologischen Landwirtschaft ging an Cactus.
Julie Mousel, Bio-Lëtzebuerg und
Evelyne Stoll, IBLA                                                    Die Verköstigung auf dem BIOG-Stand war ein Publikumsmagnet.
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