Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG

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Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
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DER EVANGELISCH-REFORMIERTEN KIRCHE DES KANTONS ST. GALLEN                             www.kirchenbote-sg.ch

Mein Körper,
(m)ein Tempel?

                                      SEITE 2             SEITE 3                SEITEN 4 UND 5

                                      Das Selfie Gottes Krafttraining            Kritischer Blick
                                      … UND DREI THESEN   «PHOTOSHOP» DES KÖRPERS MEGATREND GESUNDHEIT
Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
EDITORIAL                                                               IM ANFANG

Körperkult über alles
Liebe Leserin, lieber Leser
                                            Tägliche Pflege: drei Thesen
                                            Gott, ich preise dich, dass ich so herrlich, so wunderbar geschaffen bin (Psalm 139,14)
Wie halten Sie sich fit? Was tun Sie für    Text: Rolf Kühni, Pfarrer, Sargans | Foto: Ben Kerckx auf Pixabay
Ihr körperliches Wohlbefinden, Ihre Ge-
sundheit? Treiben Sie Sport oder halten     «Selfies sind etwas für die Jungen.»                    grossem Zeitaufwand täglich aus mir zu ma-
Sie es mit Sir Winston Churchill, dem       Quatsch! Schon Gott machte einst ein                    chen versuche? Wo liegt die Grenze zwischen
die Worte «Sport ist Mord» nachgesagt       Selfie. Und schon damals war er ziemlich                pflegen und auftakeln? Was im Bereich der
werden? Bewegung ist dem Körper be-         alt. Er machte nämlich ein Bild von sich                Schönheitspflege dient dem Menschen, und
stimmt nicht abträglich und wirkt sich      selber und er nannte es «Mensch».                       was macht ihn abhängig? Denn letztlich geht
                                                                                                    es, wie so oft, auch hier um diese Frage (vgl.
positiv auf die Psyche aus. Im Spruch
                                            Der Mensch, der das weiss, empfindet sich               1. Kor 6,12). Vielleicht regen die folgenden
des Dichters Juvenal (60 – 140 n. Chr.)
                                            selber als schön. Weil der Schöpfer der wun-            drei Thesen dazu eine Diskussion an:
«Mens sana in corpore sano» (in einem
                                            derschönen Schöpfung eben Inbegriff und
gesunden Körper wohnt ein gesunder
                                            Quelle jeder Schönheit ist. Im Psalm 139                1) Die Schönheitspflege muss kürzer sein als
Geist) steckt etwas Wahres.                 heisst der Mensch David. Heute nennt er                    die Seelenpflege – täglich.
                                            sich Fabio oder Julia, Bertha oder Hans.                2) Die Schönheitspflege muss kürzer sein als
Die Gesundheit ist denn auch ohne           Nur, dass der Mensch seither mehrheitlich                  die Kontaktpflege – täglich.
Zweifel ein kostbares Gut. Dies weiss,      vergessen hat, wie wunderbar er geschaffen              3) Die Schönheitspflege muss kürzer sein als
wer schwer krank war, verunfallte oder      ist. Weil seine Nase ein wenig krumm verläuft              die Gesundheitspflege – täglich.
chronische Beschwerden hat. Die Sorge       oder die Haarfarbe nicht den Wünschen ent-
um die Gesundheit treibt aber immer         spricht, weil der Bauch an Umfang zugenom-              SICH ALS «SELFIE» GOTTES ERFAHREN
mehr auch seltsame Blüten. Der Körper-      men hat und das Alter immer sichtbarer                  Halte dich daran, und du entdeckst bald ein-
kult wird zum Selbstzweck, ja beinahe       wird. Zum Glück können wir Abhilfe schaffen:            mal, was dich herrlich und wunderbar
zur Besessenheit: Der Gang ins Fitness-     Betonen und überbetonen, kaschieren und                 macht. Und schon wenn du am frühen Mor-
studio ist heilig. Dies kommt nicht von     fälschen – vom Busen bis zu den Bizepsen,               gen gähnend vor dem Spiegel stehst, darfst
ungefähr. Gesundheitssendungen und          von den Füssen bis zur Glatze. Was höchst               du aus Herzensüberzeugung sagen: «Gott,
Magazine fordern uns – fast täglich – zu    erfreulich ist.                                         eigentlich ganz gut, was Du da fabriziert
idealer Ernährung und mehr Training                                                                 hast.» Weil du dich als geliebtes «Selfie»
auf. Krankenkassen fördern das Tragen       DREI THESEN ZUM NACHDENKEN                              deines Schöpfers erfährst, so wie dies die
eines Schrittzählers. Der Bodymass-         Ein passendes Tattoo wirkt ästhetisch. Ein              Bibel bereits ganz am Anfang erzählt.
index als 11. Gebot zeigt uns unver-        gestylter Bart ebenfalls. Das gekonnte Make-            Wobei, dies möchte ich auch betonen, gar
blümt auf, dass da einige Kilogramm zu      up löst positive Gefühle aus. Und wer die               keine Schönheitspflege genauso falsch ist
viel auf den Rippen sind. Ratgeberlite-     Haare eine Zeitlang nachfärbt, darf gerne jün-          wie deren Übertreibung! Schliesslich möchte
ratur ab der Stange und Werbung ver-        ger wirken. Nur: Erfahre ich – so – wirklich            Gott, dass wir das Allerbeste aus uns heraus-
                                            mich selber als wunderbar? Oder ist das an              holen, im unsichtbaren wie im sichtbaren
sprechen, das Fett schnell wegzubrin-
                                            mir herrlich (attraktiv!), was ich unter                Bereich unseres Lebens.
gen. Die Medizin nutzt den gewinn-
trächtigen Markt ebenfalls: Abweichun-
gen von der Norm werden eliminiert,
oder wo etwas vermeintlich fehlt, aufge-
spritzt, um dem makellosen Ideal eines
gesund aussehenden Körpers näherzu-
kommen. Ob uns dies gesünder macht?

Wenn Sie diese Ausgabe durchgestöbert
haben, ist Ihr Körper nicht zum Kunst-
werk geworden. Wenn Sie einige Artikel
gelesen haben, schälen Sie sich nicht
gesünder aus dem Lehnsessel. Aber
vielleicht hinterlässt die Lektüre das
                    Gefühl, Interessantes
                    erfahren zu haben.
                    Stellt sich dann Zu-
                    friedenheit ein, so
                    konnten wir etwas zu
                    Ihrem Wohlbefinden
                    beitragen. Und dies
                    wiederum freut uns.
Katharina Meier                             Selfies sind nicht nur für die Jungen. Schon Gott machte einst ein Selfie: den Menschen.

2 AUSGABE 9/2019
Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
IM BRENNPUNKT

                                                                          Schwitzen, bis die
                                                                          Schwarte kracht
                                                                          Ein Besuch in einem Rheintaler Fitnessstudio
                                                                          Text | Foto: Reinhold Meier, Journalist und Pfarrer, Wangs

                                                                          Was für ein Raum,           recht gediehen. Das zeigt er jedem, der hin-
                                                                          diese Fabrik des            guckt. Auf seiner Hantel liegen 120 Kilo-
                                                                          Schweisses. Aufge-          gramm, «zum Aufwärmen». Und bald wuchtet
                                                                          reiht wie die Schlag-       er nochmal ein paar Zehner mehr der Erdan-
                                                                          bäume einer Galeere         ziehung entgegen. Respekt. Etwas eigentüm-
                                                                          stehen Ruderbänke,          lich wirken nur die Spiegel. Und die Bilder an
                                                                          Tretmühlen und Ge-          der Wand mit derart perfekten Bodys, dass
                                                                          wichte hinter- und          sich der Normalo vor Scham am liebsten ver-
                                                                          nebeneinander. Und          kriechen möchte. Mediziner beurteilen es
                                                                          jeder hier in dem           grundsätzlich positiv, wenn Menschen trai-
                                                                          Rheintaler Fitness-         nieren, den Muskelaufbau um seiner selbst
                                                                          center arbeitet ganz        willen sehen sie aber kritisch. Dies auch, weil
                                                                          fest daran.                 er sich bis ins Krankhafte steigern kann.
       «Magni voluptur sequam ha-                                                                     Roberto Olivardia, Psychologe der Harvard
       rum ant, ipsdfdsfdsfsdfdsfds-                                       Natürlich wäre es          Medical School, nennt das «Muskelsucht». Sie
                                                                           einfach, sich über         gelte als männliche Form der Magersucht.
       fsdfdsfdsfsdfdsfdsfdsfdam.»
                                                                           Muckibuden lustig          «Ein hoher Grad an Perfektionismus, gerin-
                                                                           zu machen, aber bil-       ges Selbstwertgefühl und Unzufriedenheit
                                                                           lig. Denn es gibt Leu-     mit dem Körper sind in beiden Fällen häufig»,
                                                                           te, die einfach nicht      sagt er. Zugrunde liege eine Körperbildstö-
                                                                           so darauf stehen,          rung, oft verbunden mit Kontrollstörungen.
                                                                           abends alleine mit         «Die Betroffenen empfinden sich als zu
                                                                           dem Velo über den          schmächtig, obwohl sie muskulös sind, oder
                                                                           Rheindamm zu düsen.        als zu dick, obwohl sie dünn sind.»
                                                                           Und die sich trotz-
                                                                           dem gerne bewegen          «ERST KOMPLIMENTE, DANN SUCHT»
                                                                           und gesund halten          Was könnte der Antreiber sein? Der Medizi-
                                                                           wollen. Oder viel-         ner Jan Benson hat es untersucht und kommt
                                                                           leicht doch mehr?          in seiner Dissertation zum Schluss, dass
Bettina trainiert im Angesicht eines Vorbilds.                             «Jedes Gerät bringt        übertrimmte Körper ein Männlichkeitsbild
                                                                           eine eigene Muskel-        zeigen, das dem Wettbewerbsideal entspricht.
                                                                           gruppe in Schwung»,        Ist Fitness in der Freizeit also nur eine vari-
                                                 erklärt Bettina, die regelmässig hier ist. So        ierte Form des Erfolgsdrucks? Offenbar. «Der
                                                 könne sie gezielt und effektiv an ihrem              trainierte Körper dient als Vehikel der Kon-
  Der Boom mit der Fitness                       Körperbild arbeiten, betont die 28-Jährige.          kurrenzfähigkeit – im erotischen Wettbewerb,
                                                 Es geht nicht nur um Fitness des Körpers,            in der Konkurrenz im Image, der sozialen
  Jeder Zehnte in der Schweiz hat ein Fit-       um Ausdauer und Kraft, sondern auch um               und beruflichen Stellung und in der Ästhetik.»
  nessabonnement gelöst. Laut Kassen-            Optimierung, Gestaltung, gezielte Retuschen,         Männer scheinen also in Fitness Wettbe-
  sturz kostet es zwischen 500 und 1200          wie ein «Photoshop» im echten Leben. Daher           werbsvorteile zu sehen. «Eine starke Motiva-
  Franken im Jahr. Der Fitness-Boom in der       tragen die Übungen auch so lustige, aber             tion, das Training zu intensivieren.» Benson
  Schweiz hält an. Laut dem Branchenrap-         logische Namen wie Ab-Crunch, Biceps-Curl            nennt es «Unterwerfung des Körpers unter
  port 2018 des Schweizerischen Fitness-         oder Leg-Press. Sie nennen den zu trainieren-        marktwirtschaftliche Imperative und eine
  und Gesundheitscenterverbandes SFGV            den Muskel und dann die Übung, mit der es            Zurichtung auf dessen Werte». Dazu muss
  wurde in den vergangenen drei Jahren           ihm an den Kragen geht, also Unterleibsknir-         man nicht einmal Mann sein. Sonja schaut
  eine Zunahme der Fitnesscenter von 30          scher, Oberarmkräusler oder Schenkeldrücker.         heute, ausserhalb des Studios, auf ihr jahre-
  Prozent registriert. Angetrieben wird das                                                           langes Bodybuilding kritisch zurück. «Zuerst
  starke Wachstum des Fitnessmarkts              GEGEN DIE GRAVITATION KÄMPFEN                        bekommst du Komplimente, dann wird es
  nicht zuletzt von den Detailhandelsrie-        Instruktor Marco ergänzt, dass Training nur          zur Sucht, am Schluss dreht sich dein Leben
  sen Migros und Coop. Im gesamten Land          die eine Seite der Medaille ist. «Ernährung          um nichts anderes und dann bricht dein
  gab es 2018 rund 1200 Fitnesscenter, die       gehört dazu.» Er hat Proteine, Kreatin und           Körper zusammen.» Das muss nicht jedem so
  einen geschätzten Umsatz von rund              Fettverbrenner im Angebot. Es geht also ums          gehen. Ein wenig selbstkritische Skepsis bei
  einer Milliarde Franken erwirtschaften.        Projekt, nicht nur ums Bewegen nach dem              der Show des schönen Scheins schützt aber
                                                 Lustprinzip. Andreas ist dahingehend schon           wahrscheinlich.

                                                                                                                           WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 3
Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
THEMA

Selbst nach schweren Unfällen oder Krankheiten mit bleibenden Beeinträchtigungen wandeln sich die negativen Gefühle relativ schnell wieder in bessere.

Megatrend Gesundheit – Ein kritischer Blick
Sport, Multivitamine, gesunde Ernährung? – Was uns wirklich glücklich macht!
Text: Sigmar Willi, St. Gallen | Fotos: Pixabay / Genossenschaft Baumwipfelpfad

«Es kommt darauf an, den Körper mit der                nehmen vergesse und die Früchte darben oft          gewohnt. Wenn das Fieber abgeklungen ist,
Seele und die Seele durch den Körper zu                genug ungesehen vor sich hin – Strafe dafür         lässt es sich zu Hause auf der Couch ganz
heilen.» Dieses Zitat von Oscar Wilde ver-             ist ein schlechtes Gewissen und das Gefühl,         gut leben. Selbst nach schweren Unfällen
sucht zu erklären, was Menschen gesund                 zu wenig Gutes für meine Gesundheit getan           oder Krankheiten mit bleibenden Beeinträch-
hält. Dies gelingt ihm aber nur bedingt.               zu haben. Als ob das nicht schon genug              tigungen wandeln sich relativ schnell die
                                                       wäre, fragt mich heute Morgen meine Büro-           negativen Gefühle wieder, und unser Glücks-
Der Mensch hat nebst dem Körper und der                                                                    niveau nähert sich dem genetisch vorgegebe-
Gefühlswelt auch einen Geist, also kognitive                                                               nen an. Dies gilt allerdings nicht für
Fähigkeiten. Zudem ist er eingebettet in Le-                  «Wieso ist uns alles, was mit                Schwerstbehinderungen oder Krankheiten,
bensumstände und in ein soziales Umfeld.                      Gesundheit zu tun hat, so un-                die chronischen Schmerz auslösen.
Wilde ging es mit seiner Aussage wohl eher                    glaublich wichtig geworden?»
darum, aufzuzeigen, dass für die Gesundheit
des Menschen nicht nur das körperliche
Wohlbefinden verantwortlich ist und dass es            nachbarin, ob ich in den Yoga-Kurs mitkom-            Der Autor Sigmar Willi
Wechselwirkungen gibt. Heute würde man                 me – ein Trend, den ich nie recht verstanden
von einem systemischen Ansatz sprechen.                habe, welcher mich aber daran erinnert,               Sigmar Willi ist Professor für Persönlich-
Diesen verfolgt auch die Positive Psycholo-            dass ich nach dem Joggen immer das Stret-             keitsbildung an der FHS St. Gallen. Er
gie, deren wissenschaftliche Erkenntnisse              ching vergesse!                                       studierte Betriebswirtschaft an der Uni
über die Ursachen des guten Lebens Grund-                                                                    St. Gallen und war in diversen Führungs-
lagen dieses Artikels sind.                            WARUM IST UNS DIES SO WICHTIG?                        positionen tätig. Durch den frühen Tod
                                                       Wieso ist uns alles, was mit Gesundheit zu            seiner Frau war er gezwungen, alleine für
PÜLVERCHEN, TABLETTEN, FRÜCHTE …                       tun hat, so unglaublich wichtig geworden?             die vier Kinder zu sorgen. Dies veränder-
Auch ich kann mich dem aktuell herrschen-              Viele Menschen glauben, dass ein glück-               te seinen Fokus und er wandte sich im-
den Gesundheitswahn kaum entziehen. Ver-               liches Leben von guter Gesundheit abhängt.            mer stärker den sozialen Kompetenzen
passe ich eine meiner zwei bis drei Sportein-          Das stimmt. Aber nur, wenn man krank ist.             zu. Er absolvierte ein Nachdiplomstudi-
heiten pro Woche, sehe ich die Unzulänglich-           Studien der Glücksforschung zeigen eindeu-            um in Positiver Psychologie an der Uni
keiten meines Körpers in übertriebener Ge-             tig, dass Menschen, nur weil sie sich bewusst         Zürich und gründete eine eigene Firma.
stalt. Und mein kleiner Küchentisch ist mit            sind, gesund zu sein, ihr Wohlbefinden nicht          Er ist teilselbständig als Trainer, Coach
Vitaminpräparaten, Nahrungsergänzungsmit-              steigern können. Kranke Menschen erleben              und Referent unterwegs.
teln und einer grossen Früchteschale belegt.           auch nur kurzfristig, nämlich solange
Die Tabletten und Pülverchen reichen meist             Schmerzen und starkes Unwohlsein vorherr-             www.sigmarwilli.ch
monatelang, weil ich sie immer wieder zu               schen, eine tiefere Lebenszufriedenheit als

4 AUSGABE 9/2019
Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
THEMA

ZUM ERFOLGSINDIKATOR GEWORDEN                   Positive Erfahrungen können wir vor allem             MIT SICH IM REINEN SEIN
In einer von Leistung dominierten Welt ist      über unsere Denkhaltungen und Verhaltens-             Der Gesundheit am meisten zuträglich ist,
auch die Gesundheit zu einem Indikator für      weisen steuern. Und dies macht 40 Prozent             mit sich selbst im Reinen zu sein, sich so zu
ein erfolgreiches Leben geworden. Dies ist      des Glücksempfindens aus. Hier gilt es, für           akzeptieren, wie man ist. Dann wird es auch
höchst problematisch, sind wir Menschen         ein gutes Leben anzusetzen. Das richtige              leichter fallen, möglichst viele positive Ge-
doch sehr verschieden. Nicht alle werden        Denken über unsere Vergangenheit hilft uns,           fühle zu erleben. Selbstbestimmt zu leben,
glücklich mit intensiver sportlicher Betäti-    dankbarer zu werden und Menschen zu ver-              mich freudig einer Aufgabe zu widmen, gut
gung oder genauem Abwägen, was und              zeihen oder Stolz über Erreichtes zu empfin-          gelaunte Mitmenschen zu treffen, anderen zu
wie viel man isst. Zudem sind wir mit unter-    den. Massgeblich fürs Denken in die Zukunft           helfen oder über die Natur zu staunen, das
schiedlichem genetischem Material ausge-        ist es, eine hoffnungsvoll optimistische              stärkt uns mehr als jedes Multivitaminpräpa-
stattet. Die amerikanische Psychologin Sonja    Haltung einzunehmen und vertrauensvoll                rat. Sind wir dann doch einmal krank, gilt es,
Lyubomirsky konnte 2009 mit einer grossen       durchs Leben zu gehen. Gläubige Menschen              dies anzunehmen und kürzerzutreten. Ge-
Metastudie aufzeigen, wie das persönliche       haben hier durchaus einen Vorteil, da Reli-
Glücksempfinden von den anlagebedingten         gionen, nebst den geschenkten sozialen
Voraussetzungen, von äusseren Lebensum-         Kontakten, Hoffnung vermitteln.                              «Unsere lebenslange Aufgabe
                                                                                                             ist es, dafür zu sorgen,
                                                SICH BELOHNEN WIRKT                                          dass positive Momente
      «Genetische Voraussetzun-                 In der Gegenwart wird zwischen Genuss- und                   überwiegen.»
      gen haben zur Hälfte Ein-                 Belohnungshandlungen unterschieden.
      fluss aufs Wohlbefinden und               Belohnungshandlungen haben den stärkeren
                                                Effekt. Beispiele sind das Lesen eines span-          sundheit können wir nur wirklich schätzen,
      sind nicht beeinflussbar.»
                                                nenden Textes, Hobbys erlernen, Pläne er-             wenn wir ab und zu Kranksein erleben. Für
                                                stellen oder vielschichtige Diskussionen füh-         mich, den ein Männerschnupfen schon in
ständen und von aktiven Denk- und Hand-         ren. Sie werden häufiger im Berufsalltag er-          eine existenzielle Krise wirft, ist dies eine
lungsmustern abhängt. Die meist völlig über-    lebt, wo wir eher gezwungen sind, uns auf             harte Lektion.
schätzten Lebensumstände wie zum Beispiel       anspruchsvolle Aufgaben zu fokussieren als
materieller Wohlstand, Bildung, Gesundheits-    in der Freizeit. Genusshandlungen anzustre-           Für den deutschen Philosophen Wilhelm
zustand, Rasse, Alter, Wohnort etc. tragen      ben ist ebenfalls sinnvoll, da sie schnell zu         Schmid ist das höchste Glück, die Polaritäten
demnach bei Menschen westlicher Nationen        positiven Emotionen führen. Allerdings nur,           des Lebens akzeptieren zu lernen. Zu Erfolg
nur um die zehn Prozent zum persönlichen        wenn wir uns dem Moment hingeben kön-                 gehört auch Misserfolg, zu Freude Trübsinn,
Wohlbefinden bei. Genetische Voraussetzun-      nen: Geniessen Sie also voller Freude im              zu Lust Langeweile. Unsere lebenslange Auf-
gen haben mit 50 Prozent den höchsten Ein-      Sommer die Schoggi-Glace oder atmen Sie im            gabe ist es, dafür zu sorgen, dass die positi-
fluss und sind nicht beeinflussbar. Zu einem    Winter tiefenentspannt die Düfte in der               ven Momente überwiegen – und dazu wün-
erheblichen Anteil ist es also Glückssache,     Sauna ein.                                            sche ich Ihnen viel Glück!
ob ich ein gesundes oder eher kränkliches
Naturell habe. Natürlich kann ich durch ver-
nünftige Lebensgewohnheiten Einfluss auf
die Gesundheit nehmen, aber weniger, als
wir gemeinhin denken.

IRRGLAUBE HÄLT SICH HARTNÄCKIG
Der Irrglaube, Gesundheit mache glücklich,
hält sich aber hartnäckig in der Bevölkerung.
Das hat auch seine guten Seiten. Viele Hand-
lungen, die vermeintlich der Gesundheit
dienlich sind, lösen primär positive Emotio-
nen aus. Diese erweitern nach Studien der
Psychologin Barbara Fredrickson unser
Denk- und Handlungsspektrum und wir kön-
nen eher unser Potenzial ausschöpfen, was
wiederum zu positiven Emotionen führt.

      «Gläubige Menschen haben
      durchaus einen Vorteil, da Re-
      ligionen Hoffnung vermitteln.»

Menschen, die mehr in guten Gefühlszustän-
den unterwegs sind, haben ein stärkeres
Immunsystem und werden dadurch weniger          Über die Natur zu staunen - wie hier mittels Baumwipfelpfad Neckertal – stärkt uns mehr als jedes
krank. So schliesst sich der Kreis.             Multivitaminpräparat.

                                                                                                                           WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 5
Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
FOKUS

                   «Die Gesundheit geht vor»
                   Auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere trat Profisportler Joel Gisler zurück
                   Text | Foto: Katharina Meier

                   Der 31-jährige Skirennfahrer Marc Gisin will           ich nicht.» Doch sobald diese 100-prozentige
                   nach einem Sturz, Knochenbrüchen und                   Sicherheit fehle, könnten sich Fehler ein-
                   Koma wieder auf die Piste zurück. Nicht so             schleichen. Gedanken über Verletzungen
                   der Freeskier Joel Gisler aus Libingen.                machte sich Gisler bis zum Sturz in Pyeong-
                                                                          chang kaum, auch wenn ihn der Wirbelbruch
                   Der Sturz aus sechs Metern Höhe auf die                kurz aufrüttelte.
                   Kante der Halfpipe beim ersten Jump des
                   zweiten Qualifikationsdurchgangs in Pyeong-            FITNESS UND GESUNDE ERNÄHRUNG
                   chang 2018 hinterliess beim Toggenburger               Das Jahr Bedenkzeit half ihm, Distanz zu be-
                   im ersten Moment nur Wut und einen immen-              kommen, auch wenn er mit leichter Wehmut
                   sen Frust. Ein olympisches Diplom, ge-                 an die gute Stimmung im Team, die Wettbe-
                   schweige denn eine Medaille konnte er ver-             werbe zurückdenkt. «Ich hatte eine gute Zeit.
                   gessen. Es blieben die verletzte Schulter,             Doch ich schaue nach vorne, so wie ich es im-
                   Schnittwunden am Knie und eine Gehirn-                 mer mache.» Und er geniesse es, ohne Ambi-
                   erschütterung. Früher, 2012, brach er sich             tionen zu inlineskaten, Velo zu fahren und
                                                                          sich fit zu halten. Gisler hat nach wie vor
                                                                          Freude an der Bewegung und der Kraft. Ar-
                          «Im zweiten Moment war ich                      nold Schwarzenegger macht ihm Eindruck. Es
                          froh, dass ich mich nicht                       sei spannend, zu beobachten, wie sein Körper
                          schwerwiegend verletzt hatte.»                  geformt werden könne, nachdem er zwei Wo-
                                                                          chen sportlich nichts getan habe. Es faszinie-
                                                                          re ihn, wenn er einige Wochen keine Süssig-
                   die Hand. 2014 erlitt er eine Brustwirbelfrak-         keiten zu sich nehme und sehe, was mit ihm
                   tur. Noch hoffte der Teamleader, nach dem              passiere, wenn er Sport treibe, so Gisler. Es
                   schweren Sturz bald wieder auf die Skier, zu-          stelle sich ein gutes Gefühl ein. «Ich bin nicht
                   rück in die Pipe zu können, mit dem Fernziel           extrem, trinke auch mal ein Bier. Doch ich
                   olympische Spiele 2020 in Peking.                      achte häufiger auf eine gesunde Ernährung.»
                                                                          Die Gesundheit geht vor, seit August auch
                   WANN IST ES DES GUTEN ZU VIEL?                         beruflich: Joel Gisler ist neu im Aussendienst
                   An ein übliches Training war vorerst also              für Pflegeprodukte der Firma Just tätig.
                   nicht zu denken. Der Sportler kehrte zu seinem
                   gelernten Beruf zurück, betätigte sich aber
                   weiterhin polysportiv. Immer wieder aber
                   plagten ihn Kopfschmerzen, nach einer Stun-              Zweimal an Olympiade
                   de Joggen verkrampfte sich der Nacken.
                   Spezialisten konnten ihm nicht sagen, ob ein                                      Er wollte 2018
                   nochmaliger Sturz bleibende Schäden hinter-                                       eine Medaille
                   lasse oder nicht. Ein Jahr verstrich. Ohne                                        gewinnen: Doch
                   Druck seitens des Verbandes Swiss Ski oder                                        der Halfpipe-
                   von Sponsoren entschied sich Joel Gisler im                                       Freeskier Joel Gis-
                   Mai dieses Jahres für den Rücktritt vom                                           ler aus Libingen
                   Profisport: «Die Gesundheit geht vor.» Das                                        im Toggenburg ist
                   Risiko, mit möglichen Verletzungsfolgen                                           an den olympi-
                   leben zu müssen, wollte er nicht eingehen.                                        schen Spielen in
                                                                                                     Pyeongchang
                   VOM KAMIKAZE ZUM AKROBATEN                               (Südkorea) folgenschwer gestürzt.
                   Gisler habe sich, so formulierte es einmal               Durch den Aufprall auf der Kante der
                   das «St. Galler Tagblatt», in den letzten Jahren         Halfpipe erlitt er eine schwere Gehirn-
                   vom «Kamikaze-Springer zum überlegten                    erschütterung, die dritte innert weniger
                   Akrobaten» entwickelt. «Ich war mental stark,            Monate. Der Junioren-Vizeweltmeister
                   ein sicherer Fahrer. Grosse Zweifel kannte               von 2014 und zweimalige Olympiateil-
                                                                            nehmer gab diesen Frühsommer den
                                                                            Rücktritt bekannt. «Die Gesundheit geht
                   Auf dem sportlichen Höhepunkt gab Joel Gisler            vor», sagt der gelernte Maler – ein reifer
                   seinen Rücktritt. Heute fährt er Velo, übt Kraft,        Entscheid für einen 25-Jährigen.
                   inlineskatet, achtet auf eine gesunde Ernährung.

6 AUSGABE 9/2019
Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
FOKUS

                                                                                                        Lutheran Church of America und gründet in
                                                                                                        Denver das Haus für alle Sünder und Hei-
                                                                                                        ligen. Sonntag für Sonntag besuchen Alkoho-
                                                                                                        liker, Kriegsveteranen, Vorbestrafte und
                                                                                                        andere ihre traditionellen Gottesdienste. Auf
                                                                                                        den Erfolg ihrer Gottesdienste angespro-
                                                                                                        chen, vermutet Bolz-Weber, dass sich die
                                                                                                        Leute bei ihr nicht verstellen müssen.

                                                                                                        TATTOOS ALS AUSDRUCK DER PERSON
                                                                                                        Auf die Frage, ob sie ihren Körper gerne
                                                                                                        gegen einen neuen, tattoofreien eintauschen
                                                                                                        würde, lacht sie: «Was für eine seltsame
                                                                                                        Frage. Das würde ja heissen, ich bereue et-
                                                                                                        was, was ich in meinem Leben tat. Das tue
                                                                                                        ich nicht. Und wenn doch, dann vertraue ich
                                                                                                        darauf, dass alles erlöst werden darf. Nein:
                                                                                                        Ich liebe meinen Körper, wie er ist, und
                                                                                                        möchte keines meiner Tattoos missen.»

                                                                                                        MISSBRAUCHTER SÜNDENBEGRIFF
                                                                                                        Mit dem Wort Sünde kann sie nicht viel an-
                                                                                                        fangen. «Der Begriff Sünde wurde lange und
                                                                                                        oft missbraucht, um Menschen einzuschüch-
                                                                                                        tern und zu kontrollieren. Stattdessen sind
                                                                                                        wir doch alle komplizierte Wesen mit guten
In ihrem letzten Buch fordert Nadia Bolz-Weber eine «sexuelle Reformation», weil in der Vergangenheit   und bösen Anteilen, fähig zu Gutem und
die kirchlichen Lehren über Körperlichkeit und Sexualität eine Menge an Schmerzen verursacht haben.     Bösem», hält Bolz-Weber fest. Davon zu spre-
                                                                                                        chen, wir seien der Sünde verfallen, aus der

«Ich liebe meinen Körper!»                                                                                    «Wir sollten gegenüber Men-
                                                                                                              schen loyaler sein als gegen-
Die Haut der Pastorin Nadia Bolz-Weber ist übersät mit Tattoos                                                über den Lehren der Kirche.»
Text: Toni Schürmann, Redaktor Kirchenbote Basel Stadt | Foto: zVg/Courtney Perry

Die US-Star-Pastorin Nadia Bolz-Weber                 Bühne und war Alkoholikerin. Heute ist sie
steht zum Evangelium, so sehr, dass sie es            das Sprachrohr für all jene, die gesellschaft-    wir uns nicht retten können, sei ein Versuch,
auf ihrem Körper mit Tattoos verewigt. Als            lich aus dem Rahmen fallen, und predigt           den Menschen ihre Selbstachtung auszu-
Referentin kam sie an das 25-Jahr-                    über sexuelle Reformation in der Kirche und       reden. Sünde sei einfach die menschliche
Jubiläum in die Offene Kirche Basel.                  Tabus. «Es ist an der Zeit, Sünde neu zu fas-     Neigung, so richtig danebenzuhauen. «Wann
                                                      sen», sagt die Amerikanerin, die sich nicht       immer wir die dunklen Seiten unseres Men-
Auf dem Körper von Nadia Bolz-Weber gibt              verbiegen liess.                                  schenseins verleugnen, geben wir den Schat-
es nur wenige freie Stellen, auf denen ein wei-                                                         tenseiten unseres Lebens mehr Raum.»
teres Tattoo Platz hätte. Auf dem einen Arm           DAS LEBEN ALS ACHTERBAHNFAHRT
prangt Maria Magdalena, und zwar deshalb,             Bolz-Webers Weg zur Pastorin war keines-          «SEXUELLE REFORMATION»
weil sie die «Apostelin der Apostel», die erste       wegs vorgezeichnet. Im Gegenteil: Bis sie Je-     In ihrem letzten Buch fordert Bolz-Weber
Zeugin der Auferstehung und höchstwahr-               sus fand, sei ihr Leben eine Achterbahnfahrt      eine «sexuelle Reformation», weil in der Ver-
scheinlich die erste Verkünderin des Evange-          gewesen, schreibt sie in einem ihrer Bücher.      gangenheit die kirchlichen Lehren über Kör-
liums sei. Ihr anderer Arm zeigt Lazarus, der         In einem christlichen Elternhaus aufgewach-       perlichkeit und Sexualität eine Menge
von den Toten auferweckt wurde. Bolz-                                                                   Schmerzen verursacht haben. Martin Luther
Weber sind alle Tattoos wichtig, sogar jene                                                             habe zu seiner Zeit Gleiches erlebt. In der
aus ihren Jugendjahren.                                     «Ich möchte keines meiner                   Folge habe er sich entschieden, als Seelsor-
                                                            Tatoos missen.»                             ger zu den Menschen statt zu den Dogmen
IKONE DER AUSGESTOSSENEN                                                                                der Kirche zu stehen. So traute er sich, die
Die 50-jährige Star-Pastorin aus den USA ist                                                            Glaubenssätze zu hinterfragen, die Men-
seit einigen Jahren die Ikone der Ausgestos-          sen, rebelliert sie, fängt an zu trinken und      schen verletzten. Bolz-Weber möchte das ge-
senen. Hunderte besuchen ihre Gottesdiens-            Drogen zu nehmen und stürzt ab. Die anony-        nauso tun. «Wenn die Lehren der Kirche so
te. Als Theologin und Bestseller-Autorin er-          men Alkoholiker helfen ihr aus der Sucht. Als     viel Leid zufügen, dann müssen wir diese neu
füllt sie so gar nicht das Klischeebild der           sie ihren späteren Ehemann, einen Pastor,         denken», ist sie überzeugt. «Wir sollten den
gottgefälligen Pastorin: Früher stand                 kennenlernt, findet sie zu Jesus. Sie studiert    Menschen gegenüber loyaler sein als gegen-
Bolz-Weber als Stand-up-Komödiantin auf der           Theologie, wird Pastorin der Evangelical          über den Lehren der Kirche.»

                                                                                                                          WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 7
Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
IN KÜRZE                                                           PANORAMA GEMEINDEN

Ein Kommen und Gehen
in den Kirchgemeinden
Pfarrerin Gizella Katalin Schröder
zog mit ihrer Familie von der deutschen
Grossstadt Bremen ins beschauliche Dorf
Ennetbühl. Per 1. Juli ergänzt sie das
Pfarrteam der Kirchgemeinde Nesslau. –
Nach neun Jahren verlässt Pfarrer Marc
Ditthardt die Kirchgemeinde Nieder-
uzwil. Er zieht mit seiner Familie gegen
Westen, um ein Gemeindegründungspro-
jekt in den Kantonen Bern und Fribourg
zu übernehmen. – Sieben Jahre war
Pfarrer Thomas Beerle in der Kirch-
gemeinde Sennwald tätig. Er wechselt
in das Pionierprojekt «Fresh X» das die         Saronsschwestern feierten 50-Jahr-Jubiläum in Uznach
Kirchgemeinde Altstätten startet. – Am          Mit einem schlichten und offenen Fest haben die fünf in Uznach wirkenden Saronsschwestern diesen Som-
1. Juli übernahm Monica Ferrari die             mer mit der evangelischen Kirchgemeinde Uznach und Umgebung ihr 50-Jahr-Jubiläum gefeiert. Im Mittel-
Stelle im sozialdiakonischen Dienst der         punkt stand dabei der festliche Gottesdienst, den die Saronsschwestern mit Pfarrerin Susanne Hug und
Kirchgemeinde Straubenzell St. Gallen           Pfarrer Martin Jud gestaltet hatten. Foto: Stefan Hug
West. – Am 22. September werden die
neuen Pfarrpersonen Tina und                    Bilder und ausführlicher Bericht: www.evang-uznach.ch
Christian Bernhard-Bergmaier gewählt.
Sie sind seit dem 1. Juli in Gossau. –
                      Katechet Richard
                      Rathgeb wird nach 30
                      Jahren bei der Kirch-
                      gemeinde Wil pensi-
                                                «Das Klima sind wir»
                      oniert. Seine Talente     Bettagsmandat 2019 von Kirchenrat und Pfarrer Heinz Fäh, Rapperswil-Jona
                      setzte er nicht nur bei
                      der Koordination des      «Unser Haus brennt», sagt Greta Thun-                sein, unseren Lebensstil zu hinterfragen,
                      Religionsunterrichts      berg. «Das Klima sind wir», erklärt der              Taten folgen zu lassen, langsamer zu leben,
Richard Rathgeb       in 14 Schulhäusern        St. Galler Kirchenrat Heinz Fäh, Rappers-            mehr zu teilen. Dabei müsse nicht die Angst
                      ein, sondern er be-       wil-Jona, und fordert Taten in seinem von            Wegweiser sein, sondern die Hoffnung auf
treute die Mediothek, setzte die Vorgaben       ihm verfassten Bettagsmandat 2019.                   das Reich Gottes solle Antrieb sein für christ-
des neuen Fachs ERG Kirchen um und                                                                   liches Handeln im Blick auf eine bessere Zu-
widmete sich akribisch der Homepage             Dabei stellt der Theologe den Satz aus Gene-         kunft – auch unseretwillen, im Sinne der kom-
seit ihrer Entstehung 2008. Er wurde am         sis 2,15 «Und der Herr, Gott, nahm den Men-          menden Generationen und im Vertrauen auf
18. August verabschiedet. – Die Sozial-         schen und setzte ihn in den Garten Eden, da-         Gottes Schöpfungskraft. (meka)
diakonin Brigitte Heule verbrachte die          mit er ihn bebaute und bewahrte» voran. Der
vergangenen siebeneinhalb Jahre in der          Eidg. Dank-, Buss- und Bettag solle Anstoss          Der ganze Wortlaut auf: www.kirchenbote-sg.ch
Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil. Sie
baute Neues auf und Bewährtes aus, wie
es heisst. – Nach sieben Jahren Amtszeit
geht Pfarrer Andreas Geister von der
Kirchgemeinde Uznach und Umgebung in
Pension. – In der gleichen Kirchgemeinde
                                                Am 30. Juni war Schluss
wurde Matthias Schneebeli am 18. August         30 Jahre war Rudy Van Kerckhove als Pfarrer in Gossau tätig – nun ist er pensioniert
in der Kirche Uznach ins Pfarramt
eingesetzt. (meka)                                                  Am 30. Juni kam er, am           würdigt Präsident Herbert Weber den schei-
                                                                    30. Juni wurde er verab-         denden Pfarrer im Gemeindeteil des Kirchen-
                                                                    schiedet. Dazwischen             boten. Die Gottesdienst seien gespickt gewe-
                                                                    lagen 30 Jahre, in denen         sen mit Tiefe und dem Ableiten auf die heu-
Seit 30 Jahren als                                                  Pfarrer Rudy Van Kerck-          tige Zeit. Aber auch die Gastfreundschaft
Diakonin tätig                                                      hove in Gossau, Andwil           und die Kochkünste von Van Kerckhove seien
                                                                    und Arnegg wirkte. Die           legendär. Rudy van Kerckhove wird nun ver-
Ursula Möck Zuber arbeitet seit 30 Jahren                           Kirchgemeindemitglieder          mehrt mit seiner Frau Telgia Kunstausstel-
als Diakonin in der evangelischen Kirch-                            hätten ihn als einen Geis-       lungen besuchen und wandern oder seine
gemeinde Wil. Für den grossen Einsatz           teswissenschaftler kennenlernen können, der          Projektideen umsetzen. «Seine» Kirchgemein-
und die Treue dankte die Kirchenvorste-         sehr pointiert und mit hohem Fachwissen              de Gossau-Andwil dankt ihm für sein Wirken
herschaft und gratulierte zum Jubiläum.         über Religionen aus dem Effeff berichtet habe,       und wünscht ihm alles Gute. (hw)

8 AUSGABE 9/2019
Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
PANORAMA KANTON                                                                 IN KÜRZE

Den Kirchenboten geprägt

                                                                                                                                                       Foto: Andreas Ackermann
Personelle Mutationen im Redaktionsteam des St. Galler Kirchenboten
Text: meka | Foto: Andreas Ackermann

Er hat 24 Jahre den St. Galler Kirchen-              rung der einzelnen Gemeindeseiten zu Bün-
boten gestaltet: Mit der Pensionierung per           den einer Region und die von ihm initiierte
Ende Juni verlässt Andreas Schwendener               erste Homepage des Kirchenboten. Sie wur-
mit Kürzel as die Redaktionsstube.                   de von der heutigen Plattform abgelöst, die
                                                     in Zusammenarbeit mit weiteren Deutsch-
Nach dem Theologiestudium in Basel über-             schweizer Kantonen betrieben wird. Die Neu-
nahm er von 1989 bis 1995 die Pfarrstelle in         gier und Lust, sich in ihm unbekannte Felder      Erfolgreich diplomiert –
der damaligen Kirchgemeinde Bütschwil-               vorzuwagen, manifestierte sich schliesslich       neue Lehrpersonen
Mosnang. Dann erfolgte die Wahl zum Redak-           im Herstellen von Videos, die auch dem
tor des Kirchenboten. Ab 2010 war der im             evang.-ref. Forum St. Gallen zugutekommen,        Sieben Absolventinnen des Religions-
Rheintal Aufgewachsene zusätzlich in der             dem as seit 2000 als Präsident vorsteht und       pädagogischen Instituts (RPI) der
Gefängnisseelsorge tätig. as hat während fast        zu dessen 100-Jahr-Jubiläum er auf Seite 10       St. Galler Kantonalkirche haben in der
eines Vierteljahrhunderts den Kirchenboten           und 11 nochmals in die Tastatur griff.            Kirche Trogen das Diplom Fachlehrper-
geprägt. Aus seiner Feder flossen nicht nur                                                            son Religionsunterricht und ERG-Kirchen
Texte theologischen Inhalts – polarisierend,         ÜBERGANG UND AUFBRUCH                             auf der Primarstufe erhalten. Es sind dies
erhellend, erbauend –, sondern er verstand           Mit zunehmender Beschäftigung von as in           die Diplomandinnen Nicole Allenspach,
es auch, das kirchliche Leben im Kanton ab-          der Gefängnisseelsorge musste sich die Re-        Esther Gorgon-Lenz, Annelies Krieg,
zubilden und heikle Themen anzurühren.               daktionskommission nach einer Übergangs-          Elisabeth Schmid-Härter, Bettina Schmuki-
                                                     lösung umschauen. Gefunden wurde sie in           Kägi, Mariolis Stricker, Bernadette
BILD UND TEXT ALS EINHEIT                            der Person von Philipp Kamm, dem Synode-          Willi-Walser. (anack)
Ein Anliegen war Andreas Schwendener die             präsidenten aus Ebnat-Kappel. Während gut
Verschmelzung von Inhalt und Bild. Um dies           dreier Monate, bis Ende Juni, bereicherte
zu erreichen, griff er oft auf zeitgenössische       er das Monatsheft mit frischen Ideen und
Künstlerinnen und Künstler zurück, die sich          sprachlich eloquenten und exzellenten Tex-        ida – Interreligiöse Dialog-
mit dem Thema des Hefts beschäftigten und            ten. Für ihre Leistungen danken wir Andreas       und Aktionswoche
es bildlich umsetzten. Mag dies hier wie dort        Schwendener und Philipp Kamm herzlich und
Irritation ausgelöst haben: Die Auseinander-         wünschen ihnen alles Gute.                        Jedes zweite Jahr findet im Kanton
setzung mit Kunst war für as zusätzliches                                                              St. Gallen die interreligiöse Dialog- und Ak-
Schmiermittel, die Gedanken der Texte                Seit dem 2. August arbeitet nun Stefan Degen      tionswoche ida – von der Kantonalkirche
besser herauszukristallisieren, zu trans-            in St. Gallen. Der diplomierte Sekundarlehrer     unterstützt – statt. Die Veranstaltungen
portieren. Als Journalist und Theologe war           aus Winterthur ist 38-jährig, verheiratet und     laufen seit dem 24. August und sollen das
Andreas Schwendener offen für Unkonventi-            hat einen Masterabschluss in Theologie. Wir       Zusammenleben in religiöser Vielfalt för-
onelles und Neues. Dies beweisen die von as          heissen den neuen Redaktor Stefan Degen an        dern und vertiefen. Im September laden
massgeblich vorangetriebene Zusammenfüh-             dieser Stelle herzlich willkommen.                nun die Religionsgemeinschaften ein,
                                                                                                       Räumlichkeiten, religiöse Zeremonien und
                                                                                                       Gegenstände kennenzulernen. Alle
                                                                                                       Veranstaltungen entnehmen Sie der
                                                                                                       Homepage. (sk)

                                                                                                       www.ida-sg.ch

                                                                                                       Offene Kirche St. Gallen:
                                                                                                       Graffiti bleibt vorläufig
                                                                                                       Bis Ende 2021 soll das aufgemalte Gesicht
                                                                                                       an der Fassade der offenen Kirche St. Gal-
                                                                                                       len bleiben. Ein entsprechendes befriste-
                                                                                                       tes Baugesuch hat der Verein Wirkraum-
                                                                                                       kirche als Betreiber der offenen Kirche
                                                                                                       bei der Stadtbehörde eingereicht, wie es
                                                                                                       in einer Mitteilung des St. Galler Tagblatts
                                                                                                       heisst. Im April war die schon damals
Redaktor Andreas Schwendener hat während 24 Jahren den Kirchenboten geprägt. Nun geht der Theo-        befristete Bewilligung für das gesprayte
loge in Pension. An der Sommersynode – hier an der Abschiedsrede – wurde er offiziell verabschiedet.   Frauengesicht abgelaufen. (meka)

                                                                                                                       WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 9
Mein Körper, (m)ein Tempel? 9 911 - Kirchenbote SG
JUBILÄUM

Nachdem im Westen von St. Gallen 1902 und im Osten 1906 eigene Kirchgemeinden gegründet worden waren, vereinigte sich die Stadt 1918 zu Gross-St. Gallen.
Um den Reformierten in der mehrheitlich katholisch gewordenen Stadt eine Stimme zu geben, entstand 1919 die «Freie protestantische Vereinigung St. Gallen».

Sich der Säkularisierung stellen
100 Jahre Ringen um das Erbe und die Mission der Reformation in der modernen Welt
Text und Fotos: Andreas Schwendener

Vor 100 Jahren, am 15. September 1919,               eine moderne Weltsicht, in der Gott keine             FUSION ZU GROSS-ST. GALLEN 1918
wurde in St. Gallen die «Freie protestan-            Rolle spielte. Die Niederlassungsfreiheit er-         Die reformierte Stadtkirche führte Pfarrstel-
tische Vereinigung St. Gallen» – heute               möglichte, dass Katholiken sich in der Stadt          len für die Zentrumskirchen St. Laurenzen
«Evang.-reformiertes Forum St. Gallen» –             und Protestanten im Fürstenland niederlas-            und St. Mangen und je eine für St. Leonhard
gegründet. Der Verein sollte den Zusam-              sen konnten. Die Industrialisierung bestärkte         im Westen und Linsebühl im Osten. Dort
menhalt der Protestanten stärken und die             die Konfessionsvermischung.                           wurden die Kirchen aber bald zu klein, um
prägende Kraft des Evangeliums für die                                                                     die wachsende Zahl an Evangelischen in den
Gesellschaft in Erinnerung rufen. Ein Rück-                                                                politischen Gemeinden westlich und östlich
blick auf die Vorgeschichte und auf 100
Jahre Ringen um protestantische Identität.              Christliche Weltdeutung
                                                                                                                  «Die drei städtischen Kirch-
Die freie Reichsstadt St. Gallen hat sich               Der Bildungsauftrag der Kirche war bis                    gemeinden erinnern bis heute
schon 1526 für die Reformation entschieden,             in die Neuzeit auch mit der Weltdeutung                   an die Grenzen der alten
musste jedoch nach dem Tod Zwinglis 1531                verbunden. Mit dem Aufkommen der                          reformierten Stadtrepublik.»
das Galluskloster wiederherstellen. Dort resi-          Wissenschaften verlor die Theologie
dierte der Fürstabt über seine Ländereien               ihre Deutungshoheit. Sie zog sich zu-
rund um St. Gallen bis zum Einzug der franzö-           rück auf einen durch biblisches Wissen             der Stadt zu betreuen. Darum wurden die
sischen Truppen 1798. Weil der Fürstabt sei-            genährten Glauben. Das Verständnis                 alte Kirche St. Leonhard 1887 und die Linse-
ne politische Verantwortung nicht abgeben               der Welt wurde den säkularen Wissen-               bühlkirche 1897 durch grössere ersetzt. Aber
wollte, wurde das Kloster aufgelöst, und                schaften überlassen, welche auf die                nur wenige Jahre später entstanden im Wes-
grosse Teile der Klostergebäude gingen an               materielle Welt fokussieren und spiritu-           ten und Osten eigene Kirchgemeinden: 1902
den 1803 gegründeten Kanton St. Gallen.                 elle Dimensionen ausserwissenschaft-               Straubenzell St. Gallen West und 1906 St. Gal-
                                                        lichen Akteuren überlassen. Das Ge-                len Tablat mit je eigenen Kirchen.
TRENNUNG VON KIRCHE UND STAAT                           spräch zwischen diesen Akteuren, den
Eine neue Zeit brach an. Kirche und Staat be-           Wissenschaften und der biblischen Bot-             Damit vollzog sich bei den Protestanten eine
gannen sich mehr und mehr zu trennen. Der               schaft bleibt eine wichtige Aufgabe des            gegenläufige Entwicklung zur politischen
Staat übernahm das Personenregister wie                 Evang.-ref. Forums St. Gallen.                     Stadtvereinigung von 1918, als sich die da-
auch das Schulwesen und förderte fortan                                                                    mals noch selbständigen politischen Gemein-

10 AUSGABE 9/2019
JUBILÄUM

den St. Gallen, Straubenzell und Tablat zu           spräch. Man war sich einig: Der Protestantis-
«Gross-St. Gallen» zusammengeschlossen hat-          mus sollte sich nicht durch eine neue Partei           Die 100-Jahr-Feier
ten. Die drei städtischen Kirchgemeinden er-         zur Geltung bringen, sondern vielmehr durch
innern darum bis heute an die Grenzen der            das Wirken Einzelner in den schon bestehen-            Mit dem aktuellen Winterprogramm
alten reformierten Stadtrepublik.                    den Parteien und Institutionen. Der Verein             schaut das Evangelisch-reformierte
                                                     hatte demnach ein Forum zu bieten, wo über             Forum anlässlich seiner 100-jährigen
                                                     die Kirchgemeinden und über theologische               Geschichte nicht zurück, sondern
      «Der Verein hatte anfänglich                   Richtungskämpfe hinaus nach der Bedeu-                 vorwärts.
      auch Zweigstellen im Kanton.»                  tung und Mission des Protestantismus für               Am Montag, 4. November, 18.30 Uhr,
                                                     die Gegenwart gefragt wird.                            spricht im St. Galler KGH St. Mangen
                                                     Die Vereinigung begann mit 332 Mitgliedern,            der Präsident des Forums, Pfarrer
Die Entwicklung zu Gross-St. Gallen hatte            erreichte 1926 mit 1648 Mitgliedern ihren              Andreas Schwendener, über künftige
sich angebahnt. Die Kantonshauptstadt                Höhepunkt und zählt heute noch rund 350                Möglichkeiten religiösen Lebens in
brauchte Land, die Vorortsgemeinden Geld.            Mitglieder. Der Verein hatte anfänglich auch           Kirche und Alltag. Es singt der Chor
Mit der Stadtvereinigung von 1918 wurde              Zweigstellen in Flawil, Wil, Oberuzwil und             Inscriptum, Apéro.
St. Gallen plötzlich zu einer mehrheitlich           Rorschach, auch Berichterstatter für die               Die Vortragsreihe im Februar 2020 be-
katholischen Stadt. Im Stadtrat war noch ein         Presse im Toggenburg und Rheintal. In den              schäftigt sich mit Möglichkeiten spiri-
Evangelischer. Um den Zusammenhalt der               1920er-Jahren wurden acht Schriften ediert.            tueller Vertiefung in Wissenschaft,
Protestanten zu fördern, wurde am 15. Sep-                                                                  Kultur, Theologie und Kirche.
tember 1919 von Persönlichkeiten aus den             100 JAHRE THEOLOGIEGESCHICHTE
drei Kirchgemeinden die «Freie protestanti-          Geführt wurde die Vereinigung durch eine
sche Vereinigung St. Gallen» gegründet.              «Grosse Kommission», in der sich Persönlich-
                                                     keiten aus allen drei Kirchgemeinden trafen.        tionssonntag. Diese Manifestationen des
RICHTUNGSSTREITE ÜBERWINDEN                          Da wurden kirchenpolitische und theolo-             St. Galler Protestantismus fanden bis in die
Der Verein sollte der inneren Zersplitterung         gische Fragen diskutiert und darüber gestrit-       70er-Jahre in der Tonhalle statt, begleitet von
der Protestanten entgegenwirken, nicht nur           ten, wer zu einem Vortrag eingeladen werden         den vereinigten Kirchenchören der drei städ-
geographisch. Denn in Bezug auf Predigtstellen,      sollte. Anstelle eines Pazifisten, der den Zivil-   tischen Kirchgemeinden.
kirchliche Blätter, Vorsteherschaften usw.           dienst forderte, wurde 1921 Oberstkorps-
war man entweder «liberal», das heisst eher          kommandant Wildbolz aus Bern eingeladen.            BUCH, WEBSITE UND YOUTUBE-KANAL
wissenschaftlich orientiert, oder «positiv»,         Der Vortrag des religiös-sozialen Leonhard          Zum 50-Jahr-Jubiläum der Vereinigung er-
treu dem Bibelwort folgend. Dabei schien             Ragaz über «Religion und Demokratie» führte         schien 1969 eine Schrift des damaligen Präsi-
der Blick auf die brennenden Fragen nach             1926 zu Austritten. Unter den Eingeladenen          denten Hans Martin Stückelberger. Darin
dem Ersten Weltkrieg verloren zu gehen. Es           finden sich Namen wie Albert Schweitzer,            sind alle eingeladenen Experten aus Theo-
wurden damals globale und soziale Fragen             Adolf Schlatter, Hermann Kutter und mehr-           logie, Politik und Wissenschaft aufgeführt.
diskutiert wie Völkerbund, Gewerkschaften,           mals Karl Barth und Emil Brunner.                   Ein eigenes Kapitel wird der «Aera Henry
Altersversicherung, Pazifismus usw. Als 1919                                                             Tschudy 1935–1952» gewidmet. Unter der
eine «Evangelische Volkspartei der Schweiz»          Neben den Vorträgen organisiert der Verein          Führung des umtriebigen Verlegers wurden
entstand, suchten der religiös-liberale Verein       seit 1924 auch eine gesamtstädtische Refor-         in der Kriegszeit die «Schriften-Lese-Abende»
wie auch die positiv Gesinnten das Ge-               mationsfeier am Montag nach dem Reforma-            eingeführt. Man las gemeinsam Zwingli, Cal-
                                                                                                         vin, Luther, Barth und sogar den katholi-
                                                                                                         schen Katechismus. 1945 hat die Vereinigung
                                                                                                         die schweizweit erste Eheberatung errichtet,
                                                                                                         die 2020 ihr 75-Jahr-Jubiläum feiert. Auch
                                                                                                         eigentliche Debatten zu Wissenschaft und
                                                                                                         Glaube hat Henry Tschudy organisiert und
                                                                                                         dokumentiert. Ein Verzeichnis der Veranstal-
                                                                                                         tungen bis in die Gegenwart findet sich auf
                                                                                                         der Website des Vereins, der sich seit dem
                                                                                                         Jahr 2000 Evangelisch-reformiertes Forum
                                                                                                         St. Gallen nennt.

                                                                                                         Seit den Vorträgen im Jahr 2014/15 über
                                                                                                         Kirchenmusik im Westen und im Orient prä-
                                                                                                         sentiert das Forum seine Veranstaltungen
                                                                                                         auch auf seinem Youtube-Kanal. Dort ist
                                                                                                         auch der Vortrag «St. Gallen – eine Stadt
                                                                                                         sucht ihr evangelisches Profil» zu finden,
                                                                                                         welcher im Rahmen der Stadtgeschichte im
                                                                                                         Januar 2019 im St. Galler Stadthaus der Orts-
                                                                                                         bürger stattgefunden hat.
Das Forum widmete sich 2014 der westlichen, 2015 der östlichen Kirchenmusik – auf Youtube zugänglich.
Im Bild: Syrisch-aramäische Christen aus der Ostschweiz bei liturgischen Gesängen.                       www.erf-sg.com

                                                                                                                            WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 11
AUSBLICK                                                                     PALETTE

Der reformierte Kirchen-

                                                                                                                                                       Foto: Screenshot Tele Züri
musikverband feiert
Mit einem Kirchenmusikfest in der Grün-
dungsstadt Zürich (Citykirche Offener
St. Jakob am Stauffacher) will der Refor-
mierte Kirchenmusikverband Schweiz
RKV seine Vielfältigkeit sicht- und hörbar
machen und damit seinen 50. Geburtstag
feiern: Im Popularmusikkonzert um
15 Uhr wird ein Aspekt der Kirchenmusik
gezeigt, der sich in den letzten 50 Jahren
überhaupt erst entwickelt hat. Dieser
Programmteil steht unter der Leitung von
Andreas Hausammann von der St. Galler
Arbeitsstelle populäre Musik. Im Fest-
gottesdienst um 16.30 Uhr kann erlebt
werden, dass die traditionelle Orgelmusik    «Em Zwingli lupfts de Huet»
und der Gemeindegesang nicht verstaubt
sein müssen. Am Abend gibt es einen          Nach den Löwen und Kühen nun Zwingli: Bis Ende November stehen zwölf drei Meter hohe Statuen des
Apéro riche und Gelegenheit, Kontakte zu     Reformators in der Stadt. «Em Zwingli lupfts de Huet» heisst das Motto des ökumenischen Projekts. Jede
pflegen. Damit will der RKV seinen Mit-      Statue trägt einen andern Kopfschmuck. Zwingli soll Zürich neu entdecken lassen und zum Denken anregen.
gliedern Danke sagen für die vielfältige     Am 6. Dezember werden die Figuren versteigert. Unser Bild zeigt die Statuen vor der Kopfschmückung.
Arbeit in den Kirchgemeinden. Der RKV
lädt ausdrücklich und mit Freude alle

                                             Führungen                                            Gottesdienste
Freunde der Kirchenmusik zu diesem Fest
ein. Anmeldung bitte bis am 4. Oktober
an: salvea@bluewin.ch.
                                             STADTPILGERN – ZU BRUNNEN & WASSER                   AUF DER SCHWÄGALP
Mehr unter: www.kirchenbote-sg.ch/agenda     Sa, 14. September, 9.30 Uhr, St. Gallen              Jeweils am Sonntag, 9.45 Uhr, Kapelle
                                             Beginn: Kirche St. Laurenzen. Dauer bis ca.          1. September: Martina Tobler, Herisau
                                             17 Uhr. Anmeldung: www.lebenwirken.ch,               8. September: Philippe Müller, Ebnat-Kappel
                                             regina.pauli@gmx.ch, 071 460 29 67                   Bettag, 15. September, 10.45 Uhr: Hans Jörg
                                                                                                  Fehle, Wattwil, PA Peter Maier, Sevelen
                                             MENSCHENSCHMUGGELNETZ                                22. September: Eva B. Keller, Uetliburg
                                             Mi, 4. September, 14.30 – 16 Uhr, St. Gallen         29. September: Käthi Meier-Schwob, Goldach
                                             Geschichten von Juden in St. Gallen wie der          6. Oktober: Eva B. Keller, Uetliburg
                                             Firma Reichenbach, Recha Sternbuch-Rotten-
                                             berg und dem Menschenschmuggelnetz. Stadt-           ÉGLISE FRANÇAISE DE SAINT-GALL
                                             wanderung. Treff: Zugang Appenzellerbahnen.          Dimanche 8, 15 et 22 septembre, cène
                                                                                                  10 h Culte à Saint-Gall, église de St-Mangen
                                             «RASSENKAMPF» UND KLASSENKAMPF                       Dimanche 8 septembre
                                             Sa, 7. September, 9.30 – 12 Uhr, St. Gallen          9 h Culte à Rorschach, église réformée
                                             Mit dem Velo Geschichten erfahren: Start             Dimanche 15 septembre
Kantonaler Singtag in                        Mühleggweiher in St. Georgen. Ziel: Vadian-          19 h Culte à Rapperswil, maison de paroisse
der Lokremise St. Gallen                     Denkmal. www.hans.faessler@louverture.ch
                                                                                                  Culte du 8 septembre avec le pasteur Olivier
«Suche Frieden» ist eines der Singtag-       PRÄGENDE PERSÖNLICHKEITEN                            Schopfer, Berne
lieder, das am Sonntag, 27. Oktober, mit     Mo, 9. September, 18 – 19.30 Uhr, St. Gallen
Interessierten am kantonalen Singtag in      Frauen und Männer, die die Stadt verändert           www.eglisefrancaise.wordpress.com
der St. Galler Lokremise geteilt wird. Es    haben. Stadtwanderung mit Theologe Charlie           Pasteur Rédouane Es-Sbanti, 071 801 96 02
wurde bereits aufgenommen und kann           Wenk. Treff: Rathaus am Bahnhofplatz.
per Youtube gehört werden. Noten und                                                              ALL SOULS PROTESTANT CHURCH
das Demo zum Lied liegen ebenfalls vor.      NATIONALSOZIALISMUS                                  Jeweils am Sonntag um 12 Uhr
Sie sind auf unserer Homepage abrufbar       Do, 19. September, 14.30 – 16 Uhr, St. Gallen        Veranstaltungen der englischsprachigen
unter der Agenda. Um 14 Uhr beginnt das      St. Galler Reaktionen auf den Nationalsozia-         All Souls Protestant Church mit Pfr. Scotty
Kennenlernen und Proben der Lieder. Um       lismus. Rundgang mit Theologe Charlie                Williams:
16.15 Uhr kommt es zum gemeinsamen           Wenk. Treff: Rathaus am Bahnhofplatz.                Worship Service: 8. und 15. September
Singen mit Band und Texten. Keine                                                                 Table Talk: 1., 22. und 29. September
Anmeldung notwendig. (meka)                  EINWANDERER, FLÜCHTLINGE …
                                             Di, 24. September, 18 – 19.30 Uhr, St. Gallen        www.allsouls.ch /
www.kirchenbote-sg.ch/agenda                 Wanderung mit Charlie Wenk. Treff: Rathaus.          Scotty Williams, 079 559 09 40

12 AUSGABE 9/2019
PALETTE                                                                 TIPPS DES MONATS

Jung und frisch                                        Auskunft bei Kursleiterin Marilene Hess,
                                                       Theologin und Erwachsenenbildnerin mit
GO2BE – MUSIKALISCH                                    journalistischem Hintergrund: 071 244 81 11,
So, 22. September, 18.30 Uhr, Buchs                    marilene.hess@tablat.ch
Evang. KGH, Kirchgasse. Ein musikalischer              Anmeldung direkt beim Bildungshaus:
Gottesdienst für junge Erwachsene.                     0049 7533 807 260 bildung@kloster-hegne.de

SPOTLIGHT – FÜR 16- BIS 35-JÄHRIGE

                                                       Meditation
Fr, 20. September, 19.45 – 22.30 Uhr
miteinander – erleben – reden – sein im KGH                                                                   «Ich höre Dein Gebet
Wittenwis, Neuchlenstr. 38, 9200 Gossau                                                                       für den Frieden»
Monatlich treffen sich junge Erwachsene, um            HEILMEDITATION
über den Glauben und Gott zu diskutieren.              Mi, 4. September, 14.30 Uhr, St. Gallen                Am Bettag kann auf dem St. Galler Kloster-
                                                       Böcklinstrasse 2, offene Kirche, mit Hedda             platz Platz genommen werden am runden
DANKSTELL AM                                           Schurig. hedda.schurig@bluewin.ch                      Tisch der Religionen. Der eidgenössische
SEE-GOTTESDIENST-OPEN-AIR                              Heilsingen in der Galluskrypta                         Bettag vom Sonntag, 15. September,
So, 1. September, 18 – 19 Uhr, Goldach                                                                        wird von 15.00 bis 16.30 Uhr interreligiös
Eventgottesdienst mit der Band Pipeline. Für           HEILSINGEN IN DER GALLUSKRYPTA                         und mit Vertretungen der Landeskirchen
alle, die rockige Musik lieben. Anschliessend          Do, 19. September, 18 – 18.30 Uhr                      und Religionsgemeinschaften sowie
Barbetrieb in der Kirche. Kirchenpark,                 St. Galler Dom, Eingang rechtes Chorgitter.            Regierungs- und Stadtrat gefeiert.
evang. Kirche Goldach, Schulstr. 20                    Mit Hildegard Aepli, Pastoralassistentin. Lie-
                                                       der, Gebet, Lesung, Stille, Zuspruch und Se-           www.bettagstgallen.ch
                                                       gen. Mithilfe Marianne Kundt, Pfarrerin,

Kurs
                                                       St. Gallen. kundt.hauser@bluewin.ch

                                                       KONTEMPLATION NACH VIA INTEGRALIS                      Refresh Kids Camp
SCHREIBEN ALS KRAFTQUELLE                              Angebote in St. Gallen
Sa und So, 7. und 8. Dezember                          – Gabrielle Bregenzer-Ris: 071 244 32 35,              Die St. Galler Kantonalkirche bietet vom
Bildungshaus St. Elisabeth, Kloster Hegne (D).           gabrielle.bregenzer@hotmail.com                      29. September bis 5. Oktober ein Herbst-
Mittels der Erinnerung sich dem biogra-                – Eveline Felder: 079 269 09 39,                       lager für Kinder von 6 bis 12 Jahren in
phischen Schreiben nähern, das in Zeiten                 www.meditation-sg.ch                                 Wildhaus an. «Gwundernase gsuecht» heisst
der Neuorientierung, der Krankheit, des                – Margrit und Charlie Wenk: 071 288 65 88,             das Thema dieser Woche und nimmt die
Abschieds eine Quelle der Kraft sein kann.               www.meditation.margritwenk.ch                        Kinder auf die Spur von Jesus und seinen
                                                                                                              Jüngerinnen und Jüngern mit. Im Panora-
                                                                                                              ma Centrum in Wildhaus wird logiert. Von
                                                                                                              dort aus starten die Lagerangebote sowie
                                                                                                              Ausflüge. Ein Familiengottesdienst been-
                                                                                                              det das Lager. Es ist ein idealer Ort, über
                                                                                                              die Grenzen der Kirchgemeinde hinaus
                                                                                                              Freundschaften zu schliessen.

                                                                                                              www.refresh-camp.ch/kidscamp

                                                                                                              Wort und Musik
                                                                                                              Das Seelsorgeteam des Kantonsspitals
                                                                                                              St. Gallen lädt Angehörige, Besucherinnen,
                                                                                                              Patienten und Mitarbeiterinnen am Mitt-
                                                                                                              woch, 25. September, von 16.15 bis 16.45
                                                                                                              Uhr zu «Wort und Musik» in die Spital-
                                                                                                              kapelle ein. Das Angebot verbindet die
                                                                                                              Sprache der Musik mit der Sprache des
Kinderkonzert mit der Band «Silberbüx»                                                                        gesprochenen Wortes. Das Resultat? Mu-
                                                                                                              sik aus diversen Stilepochen sowie Lyrik
Die Tür zum Versteck steht einen Spalt breit offen. Das Geheimwort: «Sil-ber-büx». Die vier Freunde jagen     und Prosa aus Vergangenheit und Gegen-
los von Fall zu Fall und nehmen Jung und Alt gleich mit. Knackt und zischt es da etwa im Estrich? Sehr ver-   wart; vorgetragen von Mako Boetschi
dächtig! Die mehrfach ausgezeichnete Kinderliederband spielt eine kleine, feine Sommertour und macht am       (Piano) und Henning Hüsemann (Wort).
Samstag, 21. September, um 14.30 Uhr im Lindensaal in Flawil Halt. Ein Konzert voller Spannung und Witz für
alle Spürnasen. Information und Tickets unter www.kinderkonzert.li.                                           www.kirchenbote-sg.ch/agenda

                                                                                                                             WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 13
AKTUELL                                                                     LESERBRIEF

                                                                                                             Ein schlechter Abklatsch
                                                                                                             Kirchenbote 6-7/2019:
                                                                                                             «Mannomann, Mann, oh Mann»

                                                                                                             Im Monat des schweizerischen Frau-
                                                                                                             enstreiks ausgerechnet den Mann in den
                                                                                                             Mittelpunkt zu stellen, wo er sich ohnehin
                                                                                                             schon seit 2000 Jahren befindet, ist eine
                                                                                                             Glanzleistung des St. Galler Kirchenboten.

                                                                                                             Wir hätten erwartet, dass der Kirchen-
                                                                                                             bote sich einer Theologie der Freiheit für
                                                                                                             das Andere verpflichtet fühlt und dass
                                                                                                             er sich Diversität, Vielfalt statt der
                                                                                                             üblichen klischeebeladenen kirchlichen
                                                                                                             Heteronormativität auf die Fahnen
                                                                                                             schreibt. So aber liest sich diese Ausgabe
                                                                                                             wie ein schlechter Abklatsch gesellschaft-
                                                                                                             licher Realitäten jenseits einer theolo-
                                                                                                             gischen Vision, die uns mit Jesu Verkündi-
                                                                                                             gung vom Reich Gottes aufgegeben ist.

                                                                                                                                              Pfarrerin
                                                                                                                                 Katharina Hiller Frank
                                                                                                                                      Rapperswil-Jona

                                                                                                                                               Pfarrerin
                                                                                                                                       Andrea Hofacker
Um sich Sorge zu tragen, empfiehlt Andrea Imper Kessler ein «einfaches» Rezept: Grenzen ziehen für sich                               Rebstein-Marbach
und für andere, zwischen Arbeit und Freizeit.

«Lueg Der guet!» Wohlsein in der Kirche
Wer in der St. Galler Kirche tätig ist, kann sich beraten lassen, um seiner Gesundheit am Arbeitsplatz Sorge zu tragen.
Text: Philipp Kamm | Foto: Pixabay

Hohe Belastungen am Arbeitsplatz können              Kontaktgruppe. Oft helfe hier eine Auslege-          eigene und fremde Erwartungen hoch blieben,
unser Wohlbefinden massiv beeinträch-                ordnung: Was ist schwierig? Welche Ressour-          nehme die Bedeutung der Kirche gesellschaft-
tigen. Um Überforderung, Erschöpfung und             cen stehen mir immer noch zur Verfügung?             lich ab. Das könne zu nagenden Fragen führen:
Krankheit vorzubeugen, bietet die Kanto-             Was liegt bei mir, was kann ich beeinflussen,        Wozu bin überhaupt unterwegs? Was kann
nalkirche professionelle, vertrauliche Hilfe         was muss ich loslassen?                              ich bewirken? Ausserdem fehle manchmal
an. Fachleute unterstützen Ratsuchende,              Überrannt werde die Kontaktgruppe nicht,             eine gesunde Konfliktkultur in der Kirche:
eigene Ressourcen und Grenzen richtig                aber das Angebot werde genutzt. Es ist Teil          «Man ist nett zueinander», was im Normalfall
einzuschätzen und sich zu schützen.                  eines betrieblichen Gesundheitsmanage-               positiv sei, aber fallweise auch nötige Offen-
                                                     ments, wie es diverse Institutionen heute            heit und Klärung verhindere.
Seit 2016 können kirchliche Mitarbeitende            kennen – gesunde, sich wohlfühlende Mitar-
und Behördenmitglieder bei den Therapeu-             beitende liegen im ureigenen Interesse jedes         «EINFACHES» REZEPT: GRENZEN ZIEHEN
ten und Therapeutinnen der bestehenden               Arbeitgebers. Die Kantonalkirche strebt ein          Was empfiehlt Andrea Imper Kessler, um sich
Kontaktgruppe bis zu fünf Beratungen be-             umfassendes Konzept an, mit jährlichen Im-           Sorge zu tragen? Solche Rezepte seien zwar
suchen. Diese Sitzungen unterstehen der              pulsen für Gemeinden und Mitarbeitende. Sie          oft leichter ausgesprochen als ausgeführt:
Schweigepflicht und werden von der Kanto-            informiert in den kommenden Monaten.                 «Wir sind ja alle nur Menschen.» Aber man
nalkirche bezahlt.                                                                                        solle versuchen, mit Mut und gutem Gewis-
                                                     STARKE MOTIVATION, HOHE ERWARTUNG                    sen für sich und für andere klare Grenzen zu
HILFE BEI DER AUSLEGEORDNUNG                         Existieren Problemfelder, die für die Arbeit in      ziehen zwischen Arbeit und Freizeit – und
«Leute, die bei uns Hilfe suchen, kommen oft         der Kirche besonders typisch sind? Andrea            Kivo und Kirchgemeinde sollten Mitarbeiten-
mit einem Tunnelblick in die Beratung, sie           Imper Kessler fällt auf, dass viele Mitarbei-        den bei dieser Trennung möglichst helfen.
können nur noch die Probleme sehen», be-             tende von einer besonders starken inneren
richtet Andrea Imper Kessler, Mitglied der           Motivation angetrieben sind. Doch während            www.ref-sg.ch/gesund-und-wohl

14 AUSGABE 9/2019
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