Mit Bridge zu neuer Spielfreude - Magazin für selbstbewusste ältere Menschen - Magazin66
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Herausgeber: sechs+sechzig – Verein zur Förderung des Dialogs der Generationen e.V. www.magazin66.de · Ausgabe 1/2021
Magazin für selbstbewusste ältere Menschen
gegründet 2000
Mit Bridge
zu neuer
Spielfreude
Seite 9
Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Nürnberg, Nürnberger Nachrichten und Nürnberger ZeitungIhr Ihr
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Liebe Leserinnen
liebe Leser,
wann sind Sie das letzte Mal mit offenen Au-
Foto: Michael Matejka
gen durch Nürnberg spaziert, haben sich be-
wusst die Häuser und Kirchen in der Altstadt
angeschaut? Viel zu selten nimmt man sich die
Zeit dafür, genau hinzusehen. Dabei ist gerade
Nürnberg ein schönes Beispiel dafür, wie die
Wunden, die der Zweite Weltkrieg geschlagen
hat, heilen können. Diese großartige Aufbau-
leistung der Großeltern- und Elterngenerati-
on wird bisher viel zu wenig gewürdigt, findet
Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus Kö-
nig. Deshalb regt er eine Dauerausstellung an.
Was er sonst noch für die ältere Bevölkerung
in der Stadt bewegen will, lesen Sie in unse-
rem ausführlichen Interview (Seite 6).
Dass er als Kind gerne bei den Großeltern
war, hat uns der OB verraten, nicht aber, was
es dort immer zu essen gab. Dabei spielen be-
Herbert Schmitt holt sich in der Corona-Krise seine alten Filmkameras stimmte Gerichte, die wir bei den Eltern oder
hervor. Seite 4
Großeltern bekamen, in unseren Kindheits-
erinnerungen eine große Rolle. Wir möchten
von Ihnen gerne wissen: Was war für Sie in
4 Ansichtssache früheren Zeiten besonders lecker? Was war
Mit den Kriegsjahren hat das
Aus dem Seniorenamt typisch für eine bestimmte Zeit? Schicken
nichts zu tun der Stadt Nürnberg Sie uns Ihre alten Rezepte und vielleicht eine
kurze Geschichte dazu. Um Ihnen ein wenig
6 Aktuell 20 Angebote im Treff Bleiweiß
Appetit zu machen, haben wir mit Starkoch
Wiederaufbau ist für König
Herzenssache 22
Einsamkeit wird zum
Alexander Herrmann und Blogger Christian
drängenden Problem Krömer über alte Rezepte und das Essen bei
8 Magazin der Oma gesprochen (Seite 14).
Mancher hat in seinen Schränken noch alte
9 Aktuell 24 Leserreise Super8-Filme oder Tonbänder, die er nicht
Mit Spaß und Köpfchen zum Sieg Aufs Matterhorn im mehr abspielen kann, weil die alten Geräte
Panoramawagen oder Projektoren längst das Zeitliche geseg-
10 Ansichtssache net haben. Wie schade, wenn solche Schät-
Mein Grips im Lockdown 28 Große Hilfen ze verloren gehen. Jan Dittmer aus Zirndorf
Wo alte Bilder wieder laufen
kann wieder hör- und sichtbar machen, was
12 Gesundheit lernen
schon verloren geglaubt war und hat uns ei-
Erste Risse zeigen sich schon
mit 50 30 Das war schick nen exklusiven Blick in sein Kopierwerk ge-
Die Ukulele währt (Seite 28).
14 Leseraktion Außerdem lesen Sie in dieser Ausgabe un-
So schmeckt Kindheit 30 Depp im Web seres Magazins alles Wissenswerte rund um
Lasst mich hier rein! Schulter-OPs, wir haben eine Pionierin des
16 Lesetipps Tierschutzes getroffen und uns mit dem alten
»Boesie«, Biografisches und Kartenspiel Bridge befasst. Kein Corona? Nicht
irre Träume 25 Veranstaltungs- ganz. Auch in diesem Heft kommen wir daran
Empfehlungen
nicht vorbei. Aber wir wissen, dass die Älteren
18 Ehrenamt
viel mehr sind als nur eine Personengruppe
Keine Angst vor großen Tieren 10 Impressum
mit hoher Impfpriorität, wie sie zuletzt meis-
tens dargestellt wurde. Hier berichten sie über
Freud und Leid in der Krise und warum sie den
Vergleich der Pandemie mit dem Krieg für Un-
fug halten (Seite 4). Außerdem gehen wir der
Frage nach, wie sich Einsamkeit in Zeiten von
Corona auswirkt (Seite 22).
Unser Titelbild zeigt Die nächste Ausgabe von
Ralf und Karin Gebhardt
(siehe Seite 9). sechs+sechzig erscheint Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht Ihnen
Foto: Michael Matejka am 7. Juni 2021. Die Redaktion4 Ansichtssache s e ch s + s e ch z ig · A u s g a b e 1/ 20 21
Mit den Kriegsjahren hat das nichts zu tun
Ältere warnen vor unzulässigen Vergleichen in der Pandemie
insäuren, sich bei uns einschleichen und se vorbei ist, wird es das Erste sein, einmal
im menschlichen Körper so viel Schaden wieder gemütlich mit Freunden in einem
anrichten kann – und das bei einer rasan- Gasthaus zu feiern, das fehlt mir schon.«
ten weltweiten Verbreitung. Das zwingt
uns, die Infektionsgefahr zu minimieren, Sigrid Nowak (83), wohnhaft in Zirn-
was bei einem solchen Urheber äußerst dorf-Bronnamberg, verwitwet, drei
schwierig ist. Kinder. Die ehemalige Sport-, Hand-
Aufgrund dieser Krise hat sich natürlich arbeits- und Hauswirtschaftslehrerin
mein persönlicher Lebensstil sehr verän- ist eine erfolgreiche Schwimmerin, die
dert. Meine Hobbies liegen brach oder sind mehrmals ausgezeichnet wurde, und
nur noch bruchstückhaft möglich. Fahrten Schwimmtrainerin. Sie ist seit 40 Jahren
nach Erlangen, wo ich seit meinem Ruhe- Mitglied beim TSV Zirndorf:
stand bei der Uni als Gaststudent einge- »Zum Glück habe ich ein gemütliches
schrieben bin, gehen nun leider nicht mehr. und warmes Zuhause und kann ins Grü-
Auch beim Sport, meiner zweiten großen ne schauen, ich kann mich mit mir selbst
Leidenschaft, muss ich Abstriche machen, beschäftigen. Trotzdem fühle ich mich
lediglich ein paar Mal Joggen in der Woche eingeschränkt und eingesperrt und hoffe,
ist noch geblieben. Aber das reicht bei wei- dass wir mit den Maßnahmen unserer Re-
tem nicht aus, meine Muskulatur gleicht gierung das Virus bald in den Griff bekom-
mittlerweile eher Tränensäcken. men. Natürlich fehlt mir mein täglicher
Gert Kohl versucht, sich mit Joggen in der Man kann die Hoffnungen und Ansprü- Schwimmsport, aber stattdessen mache
Pandemie halbwegs fit zu halten. che der Jungen von damals gegen die von ich Gymnastik und trainiere täglich auf
heute nicht aufrechnen, das ist überhaupt meinem Heimfahrrad. Auch wenn uns die
S
nicht vergleichbar. Als 42-er Jahrgang habe Krise im Griff hat, sehe ich trotzdem die
eit einem Jahr zerrt die Corona-Kri- ich die erste Nachkriegszeit mehr oder we- positiven Seiten des Lebens und lasse Ein-
se an unseren Nerven – bei Jung und niger als »normal« empfunden. Das war samkeit und Hilflosigkeit nicht aufkom-
Alt. Ständig muss man umdenken, halt so, wie es war, anders kannte ich es men. Jammern hilft nichts.
sich Neuem stellen, lieb geworde- ja nicht. Später spürte ich dann, dass die Die Corona-Maßnahmen mit der Nach-
ne Rituale aufgeben, soziale Kontakte be- Welt auch schöner und besser sein kann. kriegszeit zu vergleichen, ist absoluter
schränken. Große Hoffnungen ruhen auf Was die Querdenker betrifft, muss ich im- Humbug. Wir standen 1945 vor dem Nichts
den Impfungen, die uns Schritt für Schritt mer wieder feststellen, dass es Menschen und mussten Stück für Stück Aufbauarbeit
zurück in die Normalität führen sollen. Wir gibt, die in einer Gedankenwelt leben, die leisten. Heute leben wir doch in einer abso-
sprachen mit vier Senioren über ihre Prob- mir vollkommen fremd ist. Wenn die Kri- luten Konsumwelt.
leme, Freuden und Leiden in dieser schwie-
rigen Phase: Fühlen Sie sich hilflos, einge-
sperrt, teilweise depressiv, oder sehen Sie
die Pandemie mehr oder minder gelassen?
Können Sie Ihren Hobbies nachgehen?
Wenn nein, was tun Sie stattdessen? Kann
man die Entbehrungen der Corona-Zeit mit
denen der Nachkriegsjahre vergleichen?
Was halten Sie von den Querdenkern? Las-
sen Sie sich impfen? Und schließlich: Was
tun Sie als Erstes, wenn wieder »normale
Zeiten« anbrechen?
Gert Kohl (78), wohnhaft in Zirndorf,
verheiratet, zwei Kinder. Er war von
1975 bis 1994 Leiter der dortigen Stadt-
werke. Der ehemalige SPD-Kommunal-
politiker wurde 1994 zum Bürgermeis-
ter Zirndorfs gewählt und im Frühjahr
2000 im Amt bestätigt. Zur Wahl 2006
kandidierte er nicht mehr.
»Ich fühle mich weder hilflos noch einge-
sperrt. Aber es ist schon erstaunlich, wie
ein winziges Virus, ein mit keinem unse-
rer Sinne erfassbares Gebilde aus Nukle- Sigrid Nowak sieht trotz mancher Einschränkungen in der Krise viel Positives.s ech s +s ec hz i g · A u sg a b e 1 / 2 02 1
Ansichtssache 5
Der Fürther Seniorenrats-
vorsitzenden Inge Hartosch
macht der Abbau sozialer
Kontakte zu schaffen.
feiern können und ihnen ein verlorenes
Jahr bevorsteht. Der Maßstab in der Pan-
demiebekämpfung darf sich nicht am Alter
orientieren, sondern an dem, was zumut-
bar und machbar ist. Ich habe auch kein
Verständnis für Vergleiche mit der Kriegs-
oder Nachkriegszeit.
Der Impfung stand ich anfangs skep-
tisch gegenüber wegen irgendwelcher Ne-
benwirkungen, weil ich Asthma habe. Doch
sollte es machbar sein, werde ich mich
impfen lassen. Kaum ist die Corona-Krise
vorbei, werde ich meine Kinder umarmen
und drücken. Uns fehlt die besondere emo-
tionale Verbindung, die eine ersehnte Be-
rührung auslöst. Und eine größere Reise
steht auch auf meinem Wunschzettel.«
Herbert Schmitt (82), wohnhaft in
Nürnberg, verheiratet, ein Kind. Schmitt
war in den 50-er und 60-er Jahren als
Die Corona-Gegner betrachten das nur ich mich mit meinen Kindern immer wie- staatlich geprüfter Filmvorführer in den
aus ihrer Perspektive. Sie sehen zwar ihre der per Video verständigen kann. Bedauer- großen Nürnberger Filmtheatern tätig.
persönliche Freiheit eingeschränkt, igno- lich ist natürlich, dass ich mein Ehrenamt Nach der Kinokrise wechselte er zu Foto
rieren aber das Wohl ihrer Mitmenschen. als Vorsitzende des Seniorenrats der Stadt Porst, wo er 28 Jahre lang im Techni-
Zu Beginn der Pandemie habe ich mich Fürth zurzeit nicht ausfüllen kann, weil schen Kundendienst arbeitete:
noch an Diskussionen beteiligt. Aber mitt- unser Büro geschlossen ist. »Außer den altersbedingten Wehwehchen
lerweile rede ich nicht mehr darüber, weil Da ich nun mehr Zeit zuhause verbrin- geht es mir in der Rente ganz gut. Ich resi-
die Gespräche um das Thema Corona meist ge, habe ich das Lesen wieder entdeckt. gniere nicht und habe keine Depressionen.
mit Beschimpfungen der Politiker enden, Auch das Sortieren von Urlaubsbildern in Was mein Hobby betrifft, so schaue ich mir
und das frustiert mich. Fotoalben macht mir viel Spaß. Dagegen immer wieder gerne meine Super-Acht-
Zuerst habe ich gezögert, aber jetzt den- ärgert mich das Geschrei der Jüngeren, Filme an, von denen ich zwei Schränke voll
ke ich, es sei besser, sich impfen zu lasssen. dass sie keine Parties in Privatwohnungen habe. Außerdem gehe ich jeden Tag spa-
Sobald wieder Normalität unser Leben be- zieren. Wenn 40-bis 50-Jährige heute Ver-
stimmt, werde ich meine Trainerlaufbahn gleiche mit der Nachkriegszeit ziehen, weil
beim TSV Zirndorf aktivieren. Ich freue mich sie Eingriffe in ihre Grundrechte ertragen
schon auf ein Wiedersehen mit den Teilneh- müssen, ist das völlig absurd. Sie haben
merinnen unseres Gymnastikkurses.« von der Kriegszeit und ihren Folgen keine
Ahnung. Wir Älteren mussten schauen,
Inge Hartosch (75), wohnhaft in Fürth, wie man einfach überlebte, wir hatten kei-
Diplom-Verwaltungswirtin, verwitwet, nen Psychologen und keinen kirchlichen
zwei Kinder. Sie arbeitete 40 Jahre lang Beistand zur Seite.
bei der Stadtverwaltung Fürth (Kämme- Wer sich zu den Querdenkern zählt, soll-
rei, Sozialamt und Stadtplanung). Seit te ein Papier unterschreiben, in dem steht:
2016 ist sie Vorsitzende des Seniorenrats ›Falls ich Corona bekomme, verzichte ich
der Stadt Fürth: auf eine Behandlung im Krankenhaus.‹
»Wir leben in harten Zeiten, aber ich ver- Die Impferei ist doch ein Kuddelmuddel.
suche, das Beste daraus zu machen. Den Meine Frau und ich sind bereits von der
Anfang der Corona-Beschränkungen emp- Stadt Nürnberg darüber informiert wor-
fand ich als gar nicht so schlimm. Doch der den, dass wir geimpft werden, aber wann
zunehmende Abbau sozialer Kontakte seit das sein wird, weiß keiner. Wenn die harte
Ende des vorigen Jahres macht mir schon Zeit vorbei ist, werden meine Frau und ich
zu schaffen. In der Vorweihnachtszeit 2020 sofort wieder ins Schwimmbad und in den
fiel der gemütliche Adventsbummel aus, es Gymnastikkurs gehen. Nur, wann wird das
gab keine Café-Plaudereien mit Bekannten möglich sein?«
mehr, und auch der beliebte monatliche
Stammtisch des Seniorenrats musste ins Herbert Schmitt schaut sich wieder gerne INTERVIEWS: HORST OTTO MAYER
Wasser fallen. Froh bin ich darüber, dass Super-Acht-Filme an. FOTOS: MICHAEL MATEJKA6 Aktuell s e ch s + s e ch z ig · A u s g a b e 1/ 20 21
Wiederaufbau ist für König Herzenssache
Oberbürgermeister Marcus König zeigt Wertschätzung für die Leistung Älterer
Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König plant eine Würdigung der Nachkriegsgeneration und eine Verkehrsberuhigung des Platzes
vor dem Stadtmuseum Fembohaus.
V
or knapp einem Jahr ist Marcus König zum neuen Ober- Zunächst einmal glaube ich nicht, dass sich Ältere der Digitalisie-
bürgermeister Nürnbergs gewählt worden. Die ersten rung verweigern. Aber natürlich ist nicht jeder auf Facebook oder
Monate seiner Amtszeit standen vor allem unter dem Instagram angemeldet. Ich stehe im engen Kontakt mit dem Vor-
Vorzeichen der Corona-Pandemie, dem alles beherr- sitzenden des Stadtseniorenrats. Es geht um die Frage, wie wir das
schenden Thema, nicht nur in der Kommunalpolitik. Das Magazin Problem lösen, dass sich jemand abgehängt fühlt. Der Computer-
sechs+sechzig hat den 40 Jahre alten CSU-Politiker über seine Vor- Club CCN 50+ spielt hier eine wichtige Rolle bei der digitalen Fort-
stellungen zur Senioren-, Kultur- und Verkehrspolitik befragt. In bildung Älterer. Ich bin außerdem dankbar für Nachbarschafts-
dem als Videokonferenz geführten Gespräch überraschte der OB hilfen, und wir überlegen, so genannte Kümmerer einzusetzen,
mit der Ankündigung einer neuen Dauerausstellung für die Stadt damit auch die angesprochen werden, die keine Bezugsperson
und einem günstigen Ticket für Busse und Bahnen für Bedürftige. mehr haben.
sechs+sechzig: Auf Ihrer Webseite mit den Schwerpunkten Für viele Ältere ist das Auto ein Mittel, am Leben teilzuhaben.
Ihrer Politik, sind die Senioren nur schwer zu finden. Aber Nun sollen die Autos immer mehr aus der Stadt verdrängt
19,7 Prozent der Nürnberger Bürgerinnen und Bürger sind werden. Ist die Innenstadt dann nur noch ein Raum für die
über 65 Jahre alt. Weshalb haben Sie diese Personengruppe Jungen und Fitten? Es gibt ja viele Ältere, die nicht mehr gut zu
nicht prominenter platziert? Fuß sind. Für die sind schon 500 Meter ein fast unüberwindli-
Marcus König: Im Wahlprogramm kommen die Seniorinnen und ches Hindernis.
Senioren im Kapitel »Jung sein und alt werden« vor. Die Gruppe Ich gebe Ihnen Recht, dass viele Menschen auf das Auto angewie-
der Senioren ist mir sehr wichtig. sen sind. Genau deshalb haben wir in unseren Mobilitätsbeschluss
hineingeschrieben, dass auch in Zukunft das Auto in Nürnbergs
Eine Ihrer Aussagen lautet, niemand dürfe zurückbleiben. Die Verkehrskonzept Bestand hat. Ich möchte das Auto nicht aus der
Alten haben aber häufig Angst, nicht gehört zu werden und Innenstadt verdrängen. Andererseits bekomme ich aber täglich
nicht alles mitzubekommen, weil sich immer mehr ins Inter- Briefe, in denen Menschen fordern, dass wir eine autofreie Innen-
net verlagert. Dort sie sind längst nicht alle aktiv. Wie stehen stadt brauchen. Viele vergessen aber, dass die Automobilindustrie
Sie im Kontakt mit den Senioren? eine Schlüsselindustrie in Deutschland ist. Ich bin auch der Mei-s ech s +s ec hz i g · A u sg a b e 1 / 2 02 1
Aktuell 7
nung, dass viele Menschen auch künftig ein Auto besitzen werden
– womit auch immer das dann angetrieben wird – ob mit Diesel,
Benzin, Strom oder Wasserstoff.
Wir müssen vor allem schauen, wie wir die Autos in Zukunft
unterbringen. Oft steht ja der freie Raum in der Stadt mit Autos
voll, und viele Anwohner wollen am liebsten direkt vor ihrem
Haus parken können. Lassen Sie uns in der Zukunft mehrgleisig
fahren. Wir möchten Quartiersparkhäuser schaffen, die auch mit
Ladestationen für E-Autos ausgestattet sind. Denn wie will je-
mand, der im dritten Stock in Johannis wohnt und keine Garage
hat, sein E-Auto aufladen? Das sollen diese Quartiersparkhäu-
ser ermöglichen. Darüber hinaus wollen wir den Menschen die
Chance geben, auch den Öffentlichen Personennahverkehr zu
nutzen. Es soll also kein Gegeneinander, sondern ein Miteinan-
der werden.
Der Ausflug in die Stadt ist für manche schon sehr teuer. Da
sind schnell mal zehn Euro oder mehr an Parkgebühren in Die Nachkriegsbebauung in der Nürnberger Altstadt gilt heute
einem Innenstadt-Parkhaus fällig. Ist das sinnvoll? als vorbildlich, weil sie sich an den alten Plänen orientierte. Ein
Wenn man einen festen Parkplatz anmietet, kostet es auch Geld. schönes Beispiel hierfür ist der Komplex an der Museumsbrücke.
Wir berücksichtigen beim Altstadtkonzept, dass Parkraum für
Einkäufer oder Anwohner zur Verfügung steht, aber nicht für alle,
die sich beruflich dort aufhalten und dort den ganzen Tag parken. Die Innenstadt soll aufgewertet werden. Durch Aktivitäten
wie die City Offensive wird einiges angestoßen. Gehören da
Im Moment gibt es ein echtes Problem am Hauptbahnhof. Es nicht mehr Bänke zum Ausruhen und so genannte »Dritte
ist kaum möglich, auf dem Vorplatz einen Kurzparkplatz zu Orte« dazu, wo man sich aufhalten kann, ohne konsumieren zu
bekommen, um jemanden abzuholen oder an die Bahn zu brin- müssen?
gen. Wird sich da etwas ändern? Wir müssen das Thema City/Innenstadt völlig neu denken. Wenn
Dort, wo jetzt noch die Container stehen, wird es zukünftig einen wir glauben, dass nach der Pandemie die Leute in die Stadt strö-
Parkplatz geben, um dort halten zu können und jemanden zum men wie vorher, täuschen wir uns. Auch ältere Menschen haben
Zug zu bringen. das Online-Einkaufen entdeckt. Es geht vielmehr um die Aufent-
haltsqualität. Ich habe im und mit dem Deutschen Städtetag einen
Der ÖPNV ist in Nürnberg verglichen mit anderen Städten Marshallplan für die Innenstädte gefordert. Bei uns in Nürnberg
sehr teuer. Können Sie sich mehr Vergünstigungen für Ältere sollten kulturelle Glanzstücke wie das Zukunftsmuseum mit Café
vorstellen? und Ausstellungsräumen Anziehungspunkte sein. Zudem werden
Ich denke, da haben wir uns schon in die richtige Richtung bewegt. wir Pocket Parks wie in der Nonnengasse mit Bänken zur Verfü-
Wir haben Schülern und Azubis das 365 Euro-Ticket ermöglicht, gung stellen und weitere neu konzipieren. Der Platz vor dem Fem-
und ich kenne natürlich die Forderung unseres Stadtseniorenra- bohaus soll neu gestaltet und vom Autoverkehr befreit werden.
tes, der so etwas auch für die Senioren möchte. Aber: Nicht jeder
Senior ist arm. Da gibt es Unterschiede. Deshalb sind wir jetzt die Es gibt viele Baustellen, viele Pläne. Haben Sie denn ein »Lieb-
erste Stadt, die all jenen, die den NürnbergPass haben, auch ein lingskind«?
Monatsticket für 15 Euro pro Monat anbietet. Das ist, so finde Ich habe eines in der Kultur und eines im Sozialen. Im kulturellen
ich, eine sensationelle Möglichkeit für 80.000 Menschen, sich in Bereich schwebt mir vor, eine Dauerausstellung in Nürnberg zu
Nürnberg frei bewegen zu können. Man muss aber ehrlich sein, installieren zum Thema »Wiederaufbau« unserer schönen Stadt.
das kostet schon jetzt ein Vermögen: Wir haben Busse, U-Bah- Bisher wird in keinem Museum so richtig thematisiert, welche
nen, Straßenbahnen. Das alles ist teuer. Wir haben eine Studie Aufbauleistung nach dem Zweiten Weltkrieg hier geleistet wurde.
in Auftrag gegeben, die untersucht, was es kosten würde, wenn Ich will aber auch der jüngeren Generation zeigen, welche Auf-
wir ein 365 Euro-Ticket für alle bekämen. Wenn die Studie fertig bauarbeit Eltern und Großeltern nach dem Krieg vollbracht haben,
ist, möchten wir mit Bund und Freistaat verhandeln, ob Nürnberg damit wir jetzt wieder so eine intakte Stadt haben.
eine Modellregion für das 365 Euro-Ticket werden könnte.
Und im Sozialen?
Die Benutzung von Bussen und Bahnen ist für viele ältere Auf der sozialen Seite möchte ich gerne das Projekt »Generatio-
Menschen eine Herausforderung. Kann die Stadt etwas für nen-Netzwerke« vorantreiben, um junge Menschen mit älteren
mehr Barrierefreiheit tun? Menschen zusammenzubringen. Ich denke da an Wohnformen,
Ja, das können wir. Es gibt Fördergelder von Bund und Land für wie wir sie schon mit der WBG forciert haben. Wieso sollen wir
Barrierefreiheit. Im ÖPNV geht’s aber auch um die Stationen und nicht ältere Menschen mit Studenten zusammenbringen können?
bauliche Hindernisse. Alle neuen Haltestellen sollen so konzipiert Da kann man Kooperations- und Generationsverträge schließen.
werden, dass sie barrierefrei sind. Es gibt verschiedene Modelle, die ich gerne vorantreiben möchte:8 Aktuell
Magazin
gemeinschaftlich mit der WBG, aber auch mit den freien Trägern.
Fotos von spielenden Kindern
Diese Senioren-Netzwerke, die wir jetzt in den Stadtteilen haben, gesucht
möchte ich gerne öffnen, um den jungen Menschen eine Perspektive
zu geben und sie einladen, auch Ältere kennenzulernen. Es gibt ja Das Spielzeugmuseum sucht für seine neue Dauerausstel-
Beispiele wie »Oma liest vor« oder »Oma passt auf«. Da ist ja nicht lung ab sofort Fotografien von Menschen, die mit den Ele-
die tatsächliche Oma gemeint, sondern eine fremde Person, die die menten Erde, Wasser, Feuer oder Luft spielen. Ob Drachen-
Rolle der Oma übernimmt. Ich glaube, es täte unserer jungen Gene- steigen oder Sandburgen bauen: Hauptsache ein Spielzeug
ration auch gut, dass wir sie mit der älteren Generation zusammen- ist im Bild und der spielerische Moment wird eingefangen.
bringen. Diese zwei Projekte wären meine Lieblingsprojekte. Unabhängig davon sucht das Museum Fotografien von Kin-
dern oder Erwachsenen mit Spielzeug sowie Fotos von Kin-
Sie sind mit Bürgermeisterin Julia Lehner als starkes Duo im derzimmern, möglichst aus der Zeit von 1980 bis heute. Die
Wahlkampf aufgetreten. Besteht immer noch eine enge Zusam- Bilder können bis Ende September 2021 eingereicht werden
menarbeit zwischen jüngerem OBM und erfahrener Kollegin? und sind voraussichtlich ab Dezember im neu eröffneten
Und in welchen Punkten besonders? Foyers des Spielzeugmuseums zu sehen.
Julia Lehner und ich verstehen uns sehr gut. Die ganze Stadtspitze ist Die Fotografien können mit einer maximalen Gesamt-
ein gut eingespieltes Team, das zum Wohl der Nürnbergerinnen und größe von 50 MB per E-Mail geschickt werden an:
Nürnberger hervorragende Arbeit leistet. Da beziehe ich gerne die spielzeugmuseum@stadt.nuernberg.de
neuen Referentinnen Britta Walthelm, Elisabeth Ries oder Cornelia
Trinkl mit ein. Julia Lehner ist als Zweite Bürgermeisterin eine große
Stütze. Verbesserte Haushaltsdienste
Sie hätten mit Julia Lehner durch die Kulturhauptstadt ein ge- Seit Januar 2021 ist es möglich, dass auch Privatpersonen
meinsames Projekt gehabt, das nun nicht realisiert wird. Gibt es Haushaltsdienste ausüben dürfen und die gezahlte Auf-
dafür etwas anderes? wandsentschädigung abgerechnet werden kann. Erhalten
Es tut uns schon weh, dass wir den Titel nicht erhalten haben. Aber können diese Aufwandsentschädigung Personen ab 16 Jah-
wir sind eine Kulturstadt – auch ohne den Titel. Wir wollen kreative ren wie z.B. Nachbarn, Fachstellen für Demenz und Pflege.
Künstler in der Stadt halten und neue hierher holen. Es beschäftigt Notwendig ist eine Registrierung (mit IK Nr.). Eine Voraus-
uns die Frage, ob wir die Kongresshalle für Kulturschaffende öffnen. setzung ist, dass die Haushaltshilfe mit der pflegebedürf-
In Teilen der alten Feuerwache 1 in der Reutersbrunnenstraße könn- tigen Person bis zum zweiten Grad nicht verschwägert ist
te ein Zentrum für Kreativwirtschaft und Innovation entstehen. und nicht mit ihr im selben Haushalt wohnt. Eine kostenlose
Basisschulung mit acht Stunden muss absolviert werden.
Wir haben vorhin viel über die Innenstadt gesprochen. Aber in Auskunft erteilt die Fachstelle für Demenz und Pflege
einigen Stadtgebieten, beispielsweise in der Südstadt, werden 0911/47756530 oder info@demenz-pflege-bayern.de
die Einkaufsmöglichkeiten weniger. Haben Sie als Stadtober- www.demez-pflege-bayern.de
haupt Pläne, da gegenzusteuern?
Das Kaufhaus im »Schocken« fehlt uns schmerzlich, das merken wir
jeden Tag. Der »Schocken« wird jetzt abgebrochen und von der Fir-
ma Ten Brinke durch ein neues Gebäude ersetzt. Dort werden wie-
Zuschuss zum barrierefreien Umbau
der Einkaufsmöglichkeiten entstehen, daneben Wohnungen und ein
Der »Investitionszuschuss Barrierereduzierung« steht
Kindergarten. Wir verbessern also in der Südstadt die Einkaufssi-
wieder zur Verfügung. Über die staatliche Kreditanstalt für
tuation und werten das Quartier auf. Wir versuchen natürlich auch
Wiederaufbau (KfW) kann der Zuschuss beantragt werden,
andernorts zu helfen, wo wir Nahversorger brauchen.
um altersgerechte Umbaumaßnahmen im Wohnraum zu un-
terstützen. Möglich ist eine staatliche Förderung von bis zu
In Nürnberg ist jeder zweite Haushalt ein Singlehaushalt. Auch
6.250 Euro, um eine Wohnung barrierefrei und altersgerecht
alte Menschen sind davon betroffen. Arbeitet die Stadt an Kon-
umzubauen. Alle Infos gibt es unter www.kfw.de/455-B oder
zepten zur Linderung der Einsamkeit?
telefonisch (0800 539 9002, kostenfreie Servicenummer).
Ja, es wird immer anonymer, die junge Generation lebt ein »Second
Life« im Internet mit Sozialen Netzwerken. Wir haben andererseits
Stadtteilzentren. Wir können immer wieder nur dahin einladen. Au-
ßerdem appellieren wir, dass man mal nach dem Nachbarn schaut. Fundgrube Erlangen hilft
Früher hat man sich in der Hausgemeinschaft vorgestellt, wenn man
eingezogen ist. Solche Kontaktaufnahme wäre wichtig. Für soziale Einrichtungen wie die Fundgrube Erlangen, die
Menschen in Not mit Kleidung und Haushaltswaren ver-
Sie sind in jungen Jahren häufig bei den Großeltern gewesen. sorgt, ist der seit Monaten verordnete Lockdown ein großes
Wie haben diese Sie geprägt? Problem. Wer Hilfe benötigt, erhält sie weiterhin. Die Fund-
Sie haben mich sehr geprägt. Die Großeltern lebten in Neunhof. Oma grube ist für bedürftige Menschen erreichbar
und Opa waren etwas ganz Besonderes. Immer mit Verwöhnfak- unter Telefon 09131 / 63 01-143 oder per Mail unter
tor und wie ein Wellnessurlaub. Die Großmutter war eine Welten- fundgrube@diakonie-erlangen.de
bummlerin. Eine meiner schönsten Reisen war der Trip mit ihr nach Da die Annahme von Kleiderspenden und anderen Gegen-
New York und Los Angeles. ständen seit Dezember untersagt ist, gerät die Nothilfe
selbst unter finanziellen Druck. Für Geldspenden hat die
INTERVIEW: PETRA NOSSEK-BOCK, WERNER VOM BUSCH
Diakonie Erlangen folgendes Konto eingerichtet:
FOTOS: MICHAEL MATEJKA, WOLFGANG GILLITZER
IBAN: DE46 7635 0000 0060 0258 74s ech s +s ec hz i g · A u sg a b e 1 / 2 02 1
Aktuell 9
Mit Spaß und Köpfchen zum Sieg
Fürther Ehepaar führt in die Geheimnisse des Bridge-Spiels ein
D
er Schauspieler Omar Sharif be- Kindertageseinrichtungen
zeichnete Bridge einmal als »die an und konnte mit Ella Ma-
zweitschönste Nebensache der rie aus dem Helene-Lange-
Welt«. Wer diesem weltweit am Gymnasium 2018 sogar
meisten gespielten Kartenspiel nicht nahe eine Deutsche Mini-Bridge-
steht, denkt zunächst vielleicht an ältere Meisterin hervorbringen.
englische Damen beim Tee. Oder an alte Im Januar startete ein
britische Krimis, in denen solche Bridge- Online-Anfängerkurs auf
Runden des Öfteren eine Rolle spielen. www.bridgebase.com und
Was deren Teilnehmer und die Krimi- parallel über Skype. Die Teil-
nalkommissare aus den Büchern eint: Sie nehmenden trafen sich an
müssen fähig sein, schnell zu denken und sechs Samstagen im Netz,
zu reagieren. um den Denksport zu ent-
Das Kartenspiel ist »leicht zu erlernen, decken.
aber es dauert eine gewisse Zeit, um Bridge Die Arbeit mit Kindern
wirklich gut zu spielen«, heißt es in einem und Jugendlichen ist der-
Prospekt des Deutschen Bridge-Verbandes zeit nicht einfach. Trotz der
e.V. (DBV), der an die 29.000 Mitglieder Einschränkungen durch
zählt. Jedes Spiel, an dem immer vier Per- die Pandemie bietet die In-
sonen teilnehmen, dauert nur etwa fünf itiative verschiedene Mög-
bis zehn Minuten. Ziel ist es, Stiche zu ma- lichkeiten, dass sich die
chen und damit Punkte zu erzielen. Je zwei Jugendlichen an den Online-
sich gegenübersitzende Spieler bilden eine Spieltagen und -Workshops
Mannschaft, die zusammen spielt und ge- beteiligen können.
wertet wird. Sagt man die richtige Anzahl Ist Bridge also keines-
an Stichen vorher an und erzielt sie auch, wegs ein verstaubtes Kar-
gewinnt man das Spiel. In der DBV-Kurz- tenspiel für Damenrunden?
anleitung »Bridge in 10 Minuten – Schnell Ralf und Karin Gebhardt wissen, dass es beim Bridge auf Auf die Frage, was denn das
einstieg für Beginner« ist von Reizung die geistigen Anspruch und Geselligkeit ankommt. passende Getränk zum Spiel
Rede, von Ober- und Unterfarben und von sei, war die heitere Antwort
Trümpfen. daher nicht Tee, sondern
Alles nicht so einfach, die umfangrei- Klassiker, dessen Grundstock das Spiel Whisky – allerdings nur für den Turnier-
chen Regeln gleich zu verstehen. Besser Whist bildete, das schon ab Mitte des 17. leiter, der das Geschehen online mit an-
schließt man sich der Initiative »Bridge- Jahrhunderts populär war? sieht. Da sich im Bridge-Sport jeder Spieler
Stadt-Fürth – vorne im Denken und Han- Ralf Gebhardt erinnert sich: »Ich kam das gesamte Turnier über konzentriert,
deln« an. Karin und Ralf Gebhardt, beide als Schüler beim klassischen Hausfrauen- ist alles Alkoholische nicht erste Wahl der
zertifizierte Übungsleiter des DBV, haben Bridge meiner Mutter zu diesem Spiel. Spieler.
sie im September 2016 gegründet. »Un- Jedes Mal, wenn eine Teilnehmerin nicht Die Initiative Bridge-Stadt-Fürth ist in
ser Ziel ist es, die Vorteile des Denksports konnte, durfte ich einspringen.« Bridge der Zukunft angekommen. Und man darf
Bridge – geistiger Anspruch und Gesellig- lernt man nicht »mal eben nebenbei«. wohl dem Tennis-Promoter Larry King
keit – Erwachsenen (besonders Zielgruppe Lässt man sich darauf ein, stellt man fest, recht geben, der sagte: »Bridge ist besser
49plus) und Kindern nahezubringen.« Die dass die Faszination für das Spiel mit den als Tennis. Du musst nicht rennen, um den
Initiative sei kein eigenständiger Bridge- eigenen Spielfähigkeiten stark ansteigt. Gegner zu schlagen – sondern nur denken«.
club, sondern widme sich der Aus- und Was raten die Gebhardts also einem
Weiterbildung. Sie kooperiert mit dem »Bridge-Laien«, der das Kartenspiel erler- KARIN JUNGKUNZ; FOTO: MICHAEL MATEJKA
Bridgeclub Nürnberg Gesellschaft Mu- nen möchte? »Karten-Erfahrung zum Bei-
seum, einem der größten Bridgeclubs in spiel durch Skat oder Schafkopf sind unab-
Nordbayern. dinglich. Ansonsten zum Einführungskurs I N F O R M AT I O N
anmelden und Spaß haben!«, lautet die Wer nun Lust hat, Bridge einmal aus-
Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert Antwort. zuprobieren, der kann sich mit dem
»Bridge ist ein Partnerschaftsspiel. Dies Dem Rat sind beeindruckend viele Men- Ehepaar Gebhardt unter der Mailadresse
bedingt Genauigkeit, gegenseitiges Ver- schen gefolgt. Mittlerweile kann die Klee- gebhardt@bridge-fuerth.de in Verbin-
trauen und hochgradige Fehlertoleranz blattstadt das größte Angebot an Bridge- dung setzen oder sich auf der Home-
gegenüber dem Partner – und sich selbst. Kursen in Mittelfranken vorweisen. Es page der Initiative www.bridge-fuerth.
Fehler sind Alltag. Einen guten Spie- gibt Kurse und Spieltage für Einsteiger und de weitere Informationen holen. Ralf
ler macht aus, dass dieser sie nicht dau- Fortgeschrittene. Die Gruppe bot, solange Gebhardt ist auch telefonisch unter der
ernd wiederholt«, sagt Übungsleiter Ralf Corona keinen Strich durch die Planungen Nummer 0177-79 40 237 zu erreichen.
Gebhardt. Was fasziniert ihn so an diesem machte, Bridge-Wahl-AGs an Schulen undImpressum
10 Ansichtssache s e ch s + s e ch z ig · A u s g a b e 1/ 20 21
sechs+sechzig
Magazin für selbstbewusste ältere Menschen
Jahrgang 21 / März 2021
Herausgeber:
Seniorenmagazin sechs+sechzig –
Verein zur Förderung des Dialogs der
Generationen e.V.
Mein Grips im Lockdown
Telefon 0911 / 14 88 59 30
E-Mail: info@magazin66.de
Internet: www.magazin66.de Der Gender-Trend lässt unsere Autorin kalt
Spenden sind steuerlich absetzbar:
HypoVereinsbank Nürnberg,
L
IBAN DE05 7602 0070 0003 7354 43
BIC HYVEDEMM460
iebe Leser*Innen – keine Sorge, das wird Wie gesagt, mit einer Glosse wird es diesmal
Produktion und Anzeigenverwaltung: kein Text über die korrekte Anwendung nichts. Heiteres ist nicht in Sicht, außer viel-
Intergenerationes – Gesellschaft zur
Förderung des Dialogs der Generationen mbH
der deutschen Sprache in Zeiten des ri- leicht, dass irgendwann der Frühling kommt
c/o Pegnitzbüros gorosen Genderns. Das ist mir jetzt viel und im Stadtpark die ersten Stiefmütterchen
Kaiserstr. 8, 90403 Nürnberg zu kompliziert. Mein Grips, soweit vorhan- ihre Köpfe recken. Oder dass man in einem
stefan.dremer@intergenerationes.de
Tel. 0911 / 14 88 59 30 den, befindet sich nämlich seit geraumer Zeit Anfall von Arbeitswahn die Balkonfliesen
im totalen Lockdown und kann sich nur noch scheuert, die Fenster putzt und spürt, wie die
Anzeigenannahme und -betreuung
(Print + Online):
einfachen Themen widmen. Beispielsweise: ersten Funken neu erwachter Lebensfreude
• Ingrid Ullmann: Koche ich mir heute was und wenn ja, habe ich wieder sprühen. Die Jogginghosen sind in den
Tel.+Fax 0911 / 40 64 99
überhaupt noch Spaghetti im Schrank? Lohnt Schrank verbannt und die ausgeleierten T-
tanz43@t-online.de
• Peter Horvath: es sich, deshalb aus dem Haus zu gehen? Extra Shirts (»für zu Hause tun die’s noch!«) in den
Tel. 0911 / 423 88 67; Mobil: 0179 / 208 17 49 umziehen? Oder in der Jogging-Hose? Nein, so Müll befördert. Und es besteht die Aussicht
peter.horvath@magazin66.de
tief bin ich noch nicht gesunken (aber bald). darauf, dass man den wunderbaren Satz sagen
Anzeigen-Dateien an: 66@gillitzer.net Schwierigere Probleme lasse ich gar nicht kann: »Einen Cappucino, bitte« – und ein herbei
Redaktion: Petra Nossek-Bock (verantw.),
mehr an mich heran. Die Phase des »Mich- geeilter Ober sagt beflissen: »Kommt sofort!«
Brigitte Lemberger auf-mich-selbst-Besinnens« habe ich schon Dann kriegt möglicherweise auch mein Gehirn
bezwungen. In den ersten Wochen der Pan- wieder Schwung und widmet sich den wesent-
Autoren:
Werner vom Busch, Sharon Chaffin, demie war das ein beliebter Ratschlag meiner lichen Fragen des Daseins. Zum Beispiel, wer
Angela Giese, Stefan Gnad, Karin Jungkunz, lebenstüchtigeren Mitmensch*Innen: »Also, den nächsten Eurovision Song-Contest ge-
Georg Klietz, Horst Mayer, Michael Nordschild,
Peter Viebig, Alexandra Voigt
genieße jetzt so richtig diese Ruhepause. Ich winnt und ob Harry und Meghan im »Land of
zum Beispiel bleibe zu Hause und denke viel the free« endlich ihr wahres Glück finden. Es
Fotos: über mich nach. Du glaubst gar nicht, was das gibt so viel zu bedenken: Packen wir’s an!
Mile Cindric, Wolfgang Gillitzer,
Michael Matejka, Uwe Niklas, Kat Pfeiffer bringt!«– Bei mir hat das leider wenig bewirkt,
jedenfalls keine grundlegenden Erkenntnisse Brigitte Lemberger
Illustration: Sebastian Haug
hinsichtlich meines inneren Kindes oder so. Cartoon: Sebastian Haug
Titelfoto: Michael Matejka Die erwähnten Mitmensch*Innen übrigens
sind im Verlauf der letzten Monate auch mehr
Gestaltung: www.gillitzer.net
und mehr in Lethargie versunken und malen
Fachliche Beratung: Seniorenamt Nürnberg, inzwischen Mandalas aus.
Julius Leib
Druck: Verlag Nürnberger Presse
Druckhaus Nürnberg GmbH & Co. KG
Auflage: ca. 180.000
Derzeit gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 24
Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen:
Stefan Dremer
Das nächste sechs+sechzig erscheint
am 7.6.2021, Anzeigenschluss 14.5.2021
Schirmfrauen: Helene Jungkunz,
Ingrid Mielenz, Ursula Wolfring (†)
Die vorliegende Ausgabe von
sechs+sechzig erscheint mit freundlicher
Unterstützung durch:s ech s +s ec hz i g · A u sg a b e 1 / 2 02 1
Anzeige
Info zur Dauergrabpflege
Sehr geehrte Lesende.
Sie wissen sicher, dass Sie bei uns Dauergrabpflegeverträge (auch Treuhandverträge
genannt) abschließen können. Ich möchte Ihnen erklären welche Vorteile der Abschluss eines
Dauervertrages für Sie hat. Dauerverträge werden in der Regel für eine Laufzeit von 10
Jahren abgeschlossen. Kürzere oder längere Laufzeiten können ebenfalls vereinbart werden.
Im genannten Beispiel (10 Jahre) würden Sie alle Leistungen (Grabpflege, Bepflanzungen
etc.) im Voraus für zehn Jahre einbezahlen. Für Sie wird dann ein Treuhandkonto
eingerichtet auf dem dann Ihre einbezahlte Summe angelegt und verwaltet wird. Die
Genossenschaft bucht dann einmal im Jahr die erbrachten Jahresleistungen von Ihrem
Treuhandkonto ab. Auf Wunsch erhalten Sie jährlich einen Kontoauszug zur Kontrolle. Die
Treuhandgelder werden mündelsicher angelegt und erbringen Zinsen. Die erzielten Zinsen
werden dann Ihrem persönlichen Treuhandkonto Jahr für Jahr gutgeschrieben. Im Jahr 2020
betrug unser Zinssatz 0,5%. Eine Verzinsung die mit konventionellen Sparanlagen derzeit
bei der Bank kaum noch zu erreichen sind. Mit einem Dauergrabpflegevertrag erwerben Sie
eine garantierte Dienstleistung in der Zukunft, die sicher wie vereinbart ausgeführt werden
wird, und unabhängig von der Entwicklung des Euros Bestand haben wird. Beim Abschluss
eines Dauervertrages (Treuhandvertrag) müssen Sie zwar auf die vereinbarte Leistungen
eine einmalige Abschlussgebühr von 5% erbringen, aber damit sichern Sie sich vor
zukünftigen Preiserhöhungen ab. Die Vergangenheit zeigt, dass bei einer herkömmlichen,
jährlichen Grabpflege, die Preise im Zeitraum von zehn Jahren, in der Regel um mehr als
5% erhöht werden.
Eine weitere Variante ist der Dauervertrag nach Ableben. Das heißt Sie bestimmen und
gestalten das Aussehen Ihres Grabes zu Lebzeiten selber. Nach Ihrem Ableben wird dann
alles so ausgeführt wie von Ihnen gewünscht. Auch hier wird der Geldbetrag der
vereinbarten Leistungen bei Vertragsabschluss einbezahlt. Er wird auf Ihrem persönlichen
Treuhandkonto verwaltet, die jährlichen Zinsen werden Ihren Vertragsleistungen
gutgeschrieben und als Inflationsausgleich eingesetzt. Somit sind ihre vertraglich
vereinbarten Leistungen in jedem Eventualfall garantiert. Ein Dauervertrag nach Ableben
entlastet Ihre Kinder und Familienangehörigen finanziell, da die Gelder von Ihnen ja schon
zu Lebzeiten einbezahlt wurden. Häufig müssen Kinder oder Familienangehörige ihren
Wohnort berufsbedingt wechseln und können die Grabstelle vor Ort nicht betreuen. Dieses
Problem wird durch einen Dauervertrag ebenfalls gelöst. In beiden Varianten, der
Dauervertrag der zu Lebzeiten ausgeführt wird oder der Dauervertrag der nach dem
Ableben beginnt, werden alle zu erbringenden Leistungen zweimal jährlich auf den
Friedhöfen von einer Prüfungskommission überwacht und kontrolliert. Das gibt Ihnen die
Sicherheit, dass Ihre gewünschten Vertragsleistungen erbracht werden. Die
ordnungsgemäße Anlage der Treuhandgelder wird von einer übergeordneten Stelle (dem
Genossenschaftsverband Bayern) überwacht.
Wenn Sie Interesse an einem Dauervertrag haben oder nur weitere Informationen benötigen,
wenden Sie sich bitte an eine unserer Geschäftsstellen, dort hilft man Ihnen gerne weiter.12 Gesundheit s e ch s + s e ch z ig · A u s g a b e 1/ 20 21
Erste Risse zeigen sich schon mit 50
Rummelsberger Schulter-Experten setzen verstärkt auf minimalinvasive OP-Methode
W
enn die Nachtruhe ge-
stört ist, weil man nicht
richtig liegen kann, oder
man die Töpfe in der
Küche vom obersten Fach nach unten
räumt, um sich nicht so strecken zu
müssen, dann sollte man dies nicht auf
die sprichwörtlich leichte Schulter neh-
men. Denn das Schultergelenk ist im
Alter störanfälliger als der Laie denkt.
Das wissen die Experten der Schulter-
und Ellenbogenklinik am Krankenhaus
Rummelsberg: Chefarzt Prof. Dr. Ri-
chard Stangl und der leitende Oberarzt
Dr. Lars Eden führen in der zertifizier-
ten Schulterklinik jährlich rund 400 mi-
nimalinvasive Eingriffe an der Schulter
durch und etwa 200 in offener Technik.
Beide Methoden haben ihre Stärken.
Die beiden Spezialisten geben Antwort
auf die häufigsten Fragen rund um die
Behandlung des ebenso komplizierten
wie wichtigen Gelenks.
Welche wichtigen Funktionen
übernimmt die Schulter und war-
um ist ihr Aufbau so kompliziert?
Die Bewegung der Schulter ist ein
komplexes Zusammenspiel aus vielen
verschiedenen Strukturen. Das Schul-
tergelenk ist kraft- und nicht form-
schlüssig und daher verletzungsanfäl- Chefarzt Prof. Dr. Richard Stangl (rechts) und Oberarzt Dr. Lars Eden führen pro Jahr rund
lig. Das ist der Preis für das sehr hohe 600 Operationen am Schultergelenk durch.
Bewegungsausmaß. Es gibt Haupt-und
Nebengelenke, die an einer freien Be-
weglichkeit beteiligt sind. Häufig übersehen wird zum Beispiel das nen. Da sind operative Stabilisierungsmethoden wenig erfolgver-
Nebengelenk zwischen Brustwand und Schulterblatt. Sollte es hier sprechend. Das sind Erkrankungen, die vor allem durch eine inten-
zu Verklebungen kommen, ist allein deswegen schon ein Armhe- sive Physiotherapie zu behandeln sind.
ben über 90° nicht mehr problemlos möglich. Man muss also bei
der Analyse an sehr viele verschiedene Strukturen denken. Hat der Patient bei einem minimalinvasiven Eingriff
große Vorteile gegenüber der sonst üblichen Methode?
Was für diagnostische Methoden Definitiv ergeben sich dadurch häufig Vorteile – eine erfolgreiche,
wenden Sie an und warum? korrekt indizierte Operation vorausgesetzt. Durch den minimal-
Die klinische Untersuchung ist sehr wichtig. Wir machen zahl- invasiven Eingriff ergeben sich für den Patient kleinere Narben,
reiche Tests, die die Strukturen der Schulter gezielt untersuchen. schnellere Regenerationszeiten, ein geringeres Infektionsrisiko
Hierfür ist allerdings sehr viel Erfahrung nötig, da Ausweichbe- und weniger Schmerzen postoperativ. Allerdings gilt es stets, Mi-
wegungen die Tests verfälschen können. Als apparative Diagnos- nimalinvasivität, Zeitdauer des Eingriffes und Güte der anatomi-
tik spielen Röntgen, Ultraschall, MRT- und CT-Untersuchungen schen Rekonstruktion zu beachten. Es gibt auch minimalinvasive
eine wichtige Rolle. Nicht alle Patienten brauchen alles, aber Rönt- Eingriffe, die mit einer erhöhten Komplikationsrate einhergehen,
gen und MRT stellen Basisuntersuchungen für nahezu alle Patien- zum Beispiel bestimmte knöcherne Stabilisierungsoperationen.
ten dar. Das Röntgenbild zeigt den Knochen am besten, das MRT
die Weichteile wie zum Beispiel die Rotatorenmanschette. Warum wird die minimalinvasive Operation an der
Schulter von Krankenhäusern so selten angeboten?
Gibt es auch Befunde, bei denen eine Operation Die Zahlen sind durchaus zunehmend. Eine Arthroskopie zu Be-
nicht empfehlenswert ist? ginn der Operation ist flächendeckend üblich. Ob die Rotatoren-
Ja, wenn man zum Beispiel an Patienten denkt, die durch angebo- manschette zum Beispiel arthroskopisch genäht wird, kann von
rene Bindegewebsschwächen das Schultergelenk willkürlich und vielen Faktoren abhängen. Sicher ist einer die Erfahrung und die
unwillkürlich in alle verschiedenen Richtungen ausrenken kön- Vorliebe des Operateurs, weil sich davon auch die Dauer der Ope-s ech s +s ec hz i g · A u sg a b e 1 / 2 02 1
Gesundheit 13
ration ableiten lässt. Wissenschaftlich fundierte Vorteile beste-
hen für die Stabilisierungsoperation nach Schulterluxation mit
arthroskopischer Gelenklippenrefixation und die Vergrößerung
des Raums unter dem Schulterdach bei Impingementsyndrom
(Engesyndrom). Rotatorenmanschettenrekonstruktionen kön-
nen über arthroskopische Techniken und je nach Risstyp auch
über minimal offene Zugänge versorgt werden. Am Krankenhaus Ich ruf’ da jetzt mal an.
Rummelsberg bieten wir auch eine minimalinvasive Technik der
Schulterprothesenimplantation über einen muskelschonenden
In Zeiten, in denen man über die wirklich
Zugang an. Wir sind davon überzeugt, dass die Patienten durch wichtigen Dinge nachdenkt: Gerne
diese sehr muskelschonende Technik eine schnellere Rehabilita- informiere ich Sie in einem persönlichen
tion bei sehr guter anatomischer Rekonstruktion erzielen. Beratungsgespräch über das Leben in
unserer Augustinum Seniorenresidenz.
Durch den E-Bike-Boom und die im Trend liegende Augustinum – Sie entscheiden.
Radbegeisterung steigen doch sicher die Fallzahlen
Marion Bachinger,
spürbar an. Wie ist Ihre Erfahrung?
Bei E-Bikes liegen noch keine validen Zahlen vor. Der Eindruck
Tel. 09171 805-18 10
verstärkt sich, dass die Quote an Schlüsselbeinbrüchen bei E- Ich freue mich auf Ihren Anruf.
Bike-Fahrern erhöht ist. Deswegen wäre ein Übungskurs vorher
sinnvoll. Denn die Krafteinwirkung kann auf einen anderen Fak-
tor treffen, zum Beispiel eine Osteoporose, und dann bricht der
Knochen leichter. Oder die Sehnen reißen schneller als bei Jün-
geren. Manchmal reicht eine dumme Bewegung des Arms aus, Augustinum Roth
und es kommt zu einer Verletzung. Viele Menschen ab 50 haben Am Stadtpark 1
erste Risse in der Rotatorenmanschette. 91154 Roth
Tel. 09171 805-18 10
Finden sich nicht viele Menschen mit Schmerzen www.augustinum.de
bei Bewegungen ab und schieben sie auf das Alter?
Vielleicht ist es aber doch kein Schicksal, und man könnte es mit
einer relativ kleinen Operation bzw. Eingriff beheben. Das sollte
man unbedingt abklären.
www.diakonie-zu-hause.de
AUG-20-Anz-ROT-Regio-95x165mm-RZ.indd 1 29.01.21 11:48
Wohin geht die Entwicklung
in Ihrer Fachdisziplin?
Ein großer Teil beschäftigt sich mit der Frage, wie Defekte biolo-
gisch geheilt werden können, was man auch als »Tissue enginee-
ring« bezeichnet. Dabei geht es zum Beispiel um Knorpelauf- und
-abbau. Da – und auch bei vielen anderen Fragestellungen – wird
in Zukunft wahrscheinlich der 3D-Drucker eine große Rolle
spielen. Bereits Anwendung findet der sogenannte In-Space-
Diakonie zu Hause
Ballon. Diese spannende und schonende Methode wird zur Sta-
bilisierung des Gelenks bei nicht rekonstruierbarer Rotatoren-
manschette eingesetzt. In dem Ballon ist eine Kochsalzlösung
eingespritzt. Der Ballon wird mit der Zeit biologisch abgebaut Häusliche Kranken- und Altenpflege der Diakonie
und erhält trotzdem seine Funktion. Dadurch wird ein rezentrie- Altdorf · Erlangen · Fürth · Lauf · Nürnberg
render Effekt des Oberarmkopfes erzielt, der die Beschwerden
behebt. Das klingt nach Zukunftsszenario, ist aber bereits schon
Realität.
2018_Anz_4c_66_95x67.indd 2 26.04.18 12:54
TEXT: PETRA NOSSEK-BOCK
FOTO: KRANKENHAUS RUMMELSBERG / UWE NIKLAS14 Leseraktion s e ch s + s e ch z ig · A u s g a b e 1/ 20 21
So schmeckt Kindheit
Das Magazin sechs+sechzig möchte die alten Familienrezepturen seiner Leser bewahren
das Angebot der Gerichte war über die Jahre einem steten Wan-
Foto: Jens Hartmann
»Da war er wieder, del unterworfen – so wie überall. »Wir nehmen heute meist nicht
dieser Geschmack mehr das zu uns, was wir vor 20 oder 30 Jahren gegessen haben.
von damals, von Da hat man noch gerne als Brotzeit fette Würste geliebt, heute ist
geschmorten Tomate mit Mozzarella und Basilikum der Hit.«
Tomaten und dem Mit den Jahren hat der Spitzenkoch ein gutes Gespür dafür ent-
wunderbaren Ei, das wickelt, was sich die Leute kulinarisch wünschen. Er ist überzeugt:
zerfließt, wenn man »Das Empfinden der Menschen, ja einer Gesellschaft, drückt sich
mit der Gabel hinein- auf dem Teller aus.« Nach Nouvelle Cuisine, der mediterranen
sticht.« Der frän- Welle und Crossover, also dem Mix von verschiedenen Zuberei-
kische Spitzenkoch tungsarten und Stilen, sei jetzt das Einfache, Ehrliche beliebt.
Alexander Herrmann Lieber Tradition als Experimente
schätzt auch die
einfachen, ehrlichen Das gute alte Schnittlauchbrot, das man als Kind bekommen und
Gerichte. dann lange als spießig empfunden hat, kommt zu neuen Ehren.
Oder ein traditioneller Sauerbraten statt Experimenten mit ei-
nem an Zitronengras geschmorten Rind mit Dattelchutney. Und
definitiv im Trend sei eine Ernährung mit weniger Fleisch. Vom
neuerdings oft propagierten Fleischersatz – etwa für Burger – hält
Herrmann allerdings wenig. »Da nehme ich lieber im Ofen gegrill-
O
te und gehäutete Paprika. Das schmeckt sagenhaft.«
mas süße Klunkersuppe mit Milch oder der böhmische Das Einfache, Klare ist es auch, was den Blogger Christian Krö-
Kartoffelsalat, den die Tante früher zu Feiern mitge- mer an seine Kindheit erinnert. »Die Pfannkuchen meiner Oma
bracht hat: Lecker! Unser Geschmackssinn hat ein gu- haben immer am besten geschmeckt – und sie tun es auch heute
tes Gedächtnis. Bestimmte Speisen erinnern uns an alte noch«, sagt der 27-Jährige. Das liege nicht nur daran, dass sie mit
Zeiten, lassen liebe Erinnerungen an die Kindheit wach werden Liebe gemacht seien. Seine Großmutter verwendet statt Keimöl
und spenden Trost, wenn die Melancholie uns im Griff hat. Das eine extra großzügige Portion Butter zum Ausbacken. So bekommt
geht selbst Spitzenkoch Alexander Herrmann und dem Steiner die Eierspeise einen wunderbar krossen Rand und den heimeligen
Blogger Christian Krömer so, die uns von ihren Geschmackserin- Geschmack von früher als der Genuss noch wichtiger war als die
nerungen erzählt haben. schlanke Linie.
Der fränkische Spitzenkoch Alexander Herrmann, den viele als Aber die 92-Jährige, Oma Lisbeth oder Lissi genannt, kann ih-
Juror in der Sendung »The Taste« und als Betreiber des legendär- ren Enkel auch mit herzhaften Klassikern wie Braten mit Klößen
en Nürnberger »Palazzo« kennen, hat eine genaue Vorstellung begeistern. »Seit ich denken kann, hat sich meine Familie mindes-
davon, wie Kindheit schmeckt. »Als ich noch klein war, hat es bei tens einmal in der Woche, meist am Sonntag, zum gemeinsamen
meiner Mutter immer Tomatensuppe mit Reis und pochiertem Ei Essen getroffen. Dann hat die Oma Braten, Roulade oder Schäufele
gegeben«, erzählt Herrmann. Jahrzehnte später hat er mit seinem mit Brezen-, Kartoffel- oder Mehlklößen gemacht.«
Team in seinem Nürnberger Restaurant »Fränk`ness« für einen Früher haben die Großeltern ihm ihre Zeit geschenkt, jetzt
Brunch das israelische Gericht Shakshuka ausprobiert – eine To-
maten-Paprika-Pfanne, bei der das Ei in der heißen Soße gegart
wird. »Es hat mich fast vom Barhocker gehauen: Da war er wie-
Foto: privat
der, dieser Geschmack von damals, von geschmorten Tomaten »Die Pfannkuchen
und dem wunderbaren Ei, das zerfließt, wenn man mit der Gabel meiner Oma haben
hineinsticht. Das habe ich 40 Jahre nicht mehr bekommen«, sagt immer am besten
Herrmann. »Gleich der erste Bissen hat mich in die Zeit zurück geschmeckt – und
versetzt, als ich ein sechsjähriger Junge war. Ich habe mich in un- sie tun es auch heute
serem Wohnzimmer gesehen, als wir alle zusammen gegessen ha- noch«. Oma Lissi
ben.« Eines seiner Lieblingsessen heute sind Spaghettoni – auch verlässt sich eher auf
sie mit einer Soße aus im Ofen geschmorten Tomaten. ihre Erfahrung als
Essen vermittelt ein Stück Heimat auf die Waage. Enkel
und Blogger Christian
Essen kann etwas anstoßen, wie auch die Musik: »Wenn Du mit Krömer weiß es zu
bestimmten Eindrücken konfrontiert bist, kommen die Gefühle schätzen.
von damals wieder hoch – das vermittelt auch ein Stück Heimat,
Geborgenheit«, sagt Herrmann.
Was Herrmann nicht kennt, das sind Familienrezepturen, die
immer wieder zubereitet und an die nächste Generation weiter-
gereicht werden. Er ist im Familienhotel in Wirsberg im Landkreis
Kulmbach aufgewachsen. Das Essen kam aus der Hotelküche undSie können auch lesen